Einzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Saarbrücken, Diemtag, den 26. Juni 1934| Chefredakteur: M. B r a u n Aas dem fnha U Antuxaci an den Jleich&bankcotteuc De. JUiacfit Van Z)c.(Richazd JCeen Seite 4 Spannung in Dcuisciriand^ ä Geheimnisvolle Listen— Das anstößige Parteibudibeamtentum Wo steht Oshar von Hindenburg? Stettin, 25. Juni. Zur Zeit laufen in Deutschland gewisse Bisten um, über die ein Geheimnis waltet. Sie enthalten die Namen der Leute, die durch Hitler in ihre Slemter gekommen sind, also alle sogenannten„Parteibuchbeamten". Hinter jedem Namen pflegt in der Regel ein anderer zu stehen und nicht selten sind es die Namen der Männer, die vor Hitler die gleiche Stellung innehatten. Woher kamen diese Listen, die in allen größeren Kom- munen, in allen Kreisen, vor allem aber in den Berliner Ministerien zirkulierten? Die Nazis, denen verschiedentlich von dem Umlauf der Listen Kenntnis wurde, haben schließ- lich herausbekommen, was es mit den Listen auf sich hat: sie sind ein Teil der Vorbereitungen, die heute schon von der Rechten, die mit dem Zusammenbruch der Nazimißwirtschaft rechnet,„für den Tag" getroffen werden. Zuerst war die Bestürzung in den Nazikreisen ebenso groß wie ihre Empörung, aber dann allmählich schwand die Empö- rung, und übrig blieb nur noch die Bestürzung, Es stellte sich nämlich heraus, daß die Listen von Leuten in Umlauf ge- setzt worden waren, die schon heute sozusagen unantastbar find, denen man nicht mehr mit der Gewalt einiger SA.- Hauken beikommen kann. Seitdem versuchen die Nazis eifrig, wenigstens hinter die Namen zu kommen, die als„Ersatz" für die Parteibuch- beamten genannt werden. Aber es gelingt ihnen nicht, da die Listen sich bereits wieder in den Händen befinden, die sie in Umlauf, gesetzt haben. Nicht weniger Bestürzung hat die sehr befremdliche Tat- fache ausgelöst, daß Oskar v. H i n b e n b u r g, mit dem Göring bislang so ziemlich alles machen konnte, plötzlich bockig geworden ist und nicht einmal mehr auf die sehr un- verblümten Drohungen reagiert, mit denen der Hindenburg- kreis wieder an die Seite der Nazis gebracht werden soll. Allzugroß sind die Sympathien der Hindenburgleute für das „dritte Reich" noch nie gewesen— dazu hat Hitler dem Reichspräsidenten vielzuviel Macht entrissen—, aber im Verhältnis zu jetzt war das Verhältnis ein geradezu herz- liches. Nun aber kommt die Zeit, wo die Ratten das Schiff verlassen und jeder zu retten versucht, was noch zu retten ist, und um die Flucht der alten Gönner aus den Kreisen der Rechten aufzuhalten, hatten die Nazis eine möglichst enge An- Näherung an den Hindenburgkreis für dringend geboten. In- dessen haben freundliche Vorstellungen nicht nur nichts ge- Holsen, sondern im Gegenteil nur noch geschadet, zumal sie mit der üblichen„Diplomatie", die die Nazis nun einmal auszeichnet, vorgebracht wurden. Daraus ist man massiv ge- worden und hat dem jungen Hindenburg zu verstehen ge- geben, daß„gewisse Kreise" die Sluffassung hätten, daß zwi- schen Gerecke und ihm nur ein gradueller Unterschied im Ur- teil bestünde, und da Gerecke... usw. usw. Man hatte geglaubt, daß nach solchen Drohungen Hinden- bürg sofort zum Zuckerbrot zurückkehren würde. Aber— es kam anders. Oskar von Hindenburg zeigte sich plötzlich noch mehr verärgert und hat einigen Nazis mitteilen lassen, daß er„nicht mehr zu Hause sein würde", falls sie ihn noch ein- mal besuchen wollten. In im allgemeinen sehr gut unterrichteten Kreisen ist man der Ausfassung, daß Oskar von Hindenburg unter dem Ein- sluß maßgebender Kreise steht, und ein Gerücht will wissen, daß ein früher sehr guter Freund des Hauses Hindenburg zu Oskar gesagt habe:„Nur keine Bange machen lassen! Wenn sie wirklich wagen sollten, eines ihrer„Exempel" zu statuieren, dann soll ihnen ein Liedchen ausgespielt werden, das sehr leicht zu einem Totengesang sür manchen werden kann." Und Oskar von Hindenburg bleibt wider Erwarten ein- mal fest! Dte nörgelnde Dttrohratie Berlin, 25. Juni. Ministerialrat Dr. F a b r i c i u s vom Reichsinnenministerium, einer der„alten Kämpfer", wendet sich in der„Deutschen Postzeitung" gegen die„nörgelnden Bürokraten und wirst den Beamten die Untugend eines be- hördlichen Lokalpatriotismus vor, der besonders bei Maß- nahmen der Partei auftrete. Das Auge dieser Beamten haste an Schönheitsfehlern. Sie bekennen stolz, Diener des natio- nalsozialistischen Staates zu sein, was aber die National- sozialistische Partei anordne, billigen sie meistens nicht. Die„Wcser-Zeitung" in Bremen bespricht mit sichtlicher Nervosität das Problem einer„zweiten Revolution" und bemerkt dabei unter anderm: Angesichts der Gefahren, heit, beim inneren Ausbau noch radikaleren Revolutions- die uns von außen bedrohen, ist es geradezu eine Toll- Methoden das Wort zu reden, eine zweite Revolution als notwendig oder erwünscht hinzustellen und von der söge- nannten„zweiten Welle" zu fabeln. Volk, rede du! Wunsch und Ahnung eines mißvergnügten Propagandisten bleiben Lyriker Jugendsührer zu Die Reden.der nationalsozialistischen Führer nervös und mißvergnügt. Nur der verunglückte B a l d u r von S ch i r a ch, der als grenzenlosem Optimismus verpflichtet ist, hat in seiner dies maligen Sonntag'o5ede auf dem Niedersachsentag wieder Fantasien auf die harmonische Volksgemeinschaft gepredigt: „Heute ist Jugend der Staat und mit dieser Wandlung erleben wir das heilige Wunder, daß der Klassenstaat über- wunden wurde durch den Kampfruf: Deutschland! Erleben wir, daß wir heute nicht als Arbeiterlöhne, nicht als Rürgersöhne, nicht als Katholiken und Protestanten, son- dern als die Jugend Deutschlands und die Jugend Hitlers dastehen." Der Stellvertreter des„Führers", Rudolf Heß. hat demgegenüber auf einem Jugendtag in Mülheim sRuhrj immerhin gemahnt, daß der Schwung der Jugend nicht Schoden bringe sür die Gesamtheit, denn er findet wohl, daß die Marschstiefel der Hitlerjugend schon Porzellan genug zer- trümmert haben. Ganz verärgert hat aber wieder der oberste Reklamechef Dr. Josef Goebbels aus Rheydt gesprochen. Was hilft ihm alle Propaganda, wenn die Kundschaft nicht mehr daran glaubt? Er lernt allmählich, daß Propaganda in hemmungs- loser Opposition und Propaganda unter dem Druck der Re- gierungsverantwortung zwei ganz verschiedene Aufgaben sind. Auch die schmissigste Propaganda kann nicht unan- genehme Tatsachen hinwegzaubern. So wetterte denn Dr. Goebbels gegen die Uebelehrbaren im Lande Wenn die Miesmacher heute kritisieren, daß vielfach in Teutschland Löhne ge- zahlt werden, die dem kulturellen Niveau des deutschen Volkes nicht entsprechen, so weiß die Regierung das besser als jeder andere. Sie weiß auch, wenn vier Millionen deutsche Menschen in den Slrbeitsprozeß zurückgeführt werben, daß dann diese vier Millionen m>t geringeren Söhnen wenigstens solange zufrieden sein müssen, bis alle in den Arbeitsprozeß zurückgeführt sind. Wäre es nicht an der Zeit, daß das deutsche Volk selbst das Wort ergreist und diese Gilde von Stänterern in die Flucht sagt? Gewiß wäre es an der Zeit, daß das deutsche Volk selbst das Wort nähme, um die Gilde von Stänkerern zu verjagen, die, wie dieser Goebbels und sein Hitler, ein Jahrzehnt nichts anderes getan haben, als durch Stänkerei, Kritikasterei, Nörgelei und verleumderisches Miesmachen ein schwer mit den Kriegsfolgen ringendes Staatswesen zu unterwühlen, und die, zur Macht gelangt, alles ruinieren, was die Repu- blik von Weimar nach innen und nach außen zur Rettung Deutschlands getan hatte. Aber wie soll das Volk daS Wort nehmen, wenn der Reichsminister Goebbels schon Nervenzustände bekommt, so- bald ein ministerieller Kollege in wohlabgewogenen diploma- tischen Worten eine Kritik an den Zuständen in Deutsch- land nur von ferne ankündigt? Das„Wortergreifen", wie Goebbels es sich vorstellt, ist eben so gedacht, daß die braunen und die schwarzen Söldner alle diejenigen zum Verstummen bringen sollen, die sich noch selbständiges Denken und ein eigenes Urteil gewahrt haben. Es ist der Schmerz des Goebbels, daß diese Methode nicht mehr möglich ist. Das Volk wird das Wort nehmen. Goebbels' Wunsch wird früher oder später in Erfüllung gehen. Seit Monaten läßt jede seiner Reden fühlen, daß er das Kommende ahnt, und seine Ahnungen werden M crsülleu. Es ist ein seltsamer Vorgang, wenn eine Regierung ihr eigenes Volk zur Revolution auffordert. Noch seltsamer, wenn dies eine Regierung tut, die sich als die stärkste der Welt ausschreit. Soeben ist es geschehen. Soeben hat ein Minister der stärksten Regierung der Welt das von ihm regierte Volk gebeten, aufzustehen und andere Minister davonzuhauen. Selbstverständlich— es war Herr Dr. Goebbels. Zu solchen Paradoxen ist kein anderer fähig. Er hat sich das Stadion von Duisburg ausgesucht, um dort vor„Tausenden und aber Tausenden" auszurufen:„Wäre es nicht an der Zeit, daß das deutsche Volk selbst das Wort ergreift und diese Gilde von Slänkerern in die Flucht jagtf" Sofort erheben sich mehrere Fragen. Wer sind die Stänkerer? Was heißt davonjagen? Und aus wem besteht das deutsche Volk, das hier plötflich das Wort ergreifen soll, nachdem bisher nur die Führer so etwas durften? Das„dritte Reich" liebt eine kräftige, aber undeutliche Sprache. Es liebt das breite Donnern von irgendwoher gegen irgendwen. über das ganze Land weg; und es ist gut, wenn möglichst viele sich getroffen fühlen. Auf ein paar mehr oder weniger kommt es nicht an, wenn nur der Hauptschelm darunter ist. Hitler sagt: Andere sollen sich nicht in unsere Verhältnisse mischen— und meint Mussolini. Papen sagt: Man soll die Kritik nicht verbieten— und meint Goebbels. Und Goebbels sagt: Das Volk soll die Stänkerer davonjagen — und meint selbstverständlich Papen. Das Volk soll es tun. Die Diktatur allein schafft es nicht mehr. Wo sind die schönen Zeiten vom Juni 1933 geblieben? Ein Telefongespräch, SA. marschierte, der alte Herr sagte schmerzerfüllt ja, und Hugenberg war nicht mehr. Wie war's in Deutschland doch vordem Mit Hugenzwergen so bequem! Doch heut verziveifcln die Gestapen: viel schwerer liegt der Fall bei Papen Und der Appell an Volk und Masse scheitert am Widerstand der Klasse. Hier liegt nämlich der Hund begraben. Herr Goebbels meinte, das Volk solle diejenigen davonjagen, die ihm sagen, daß die Arbeitslöhne unter jedem menschenwürdigen Niveau liegen. Eine possierlichere Aufforderung zur Revolution hat es wohl noch nicht gegeben. Jagt sie davon, die höhere Löhne für euch verlangen! Werft sie hinaus, die Stänkerer, die eine bessere Lebenshaltung für euch fordern! Haut sie zum Teufel, die Miesmacher, die behaupten, daß es besser werden müsse! Das deutsche Volk wird begeistert sein. Natürlich ist Papen nicht der richtige Mann, um für Volksrechte zu streiten. Er selbst hat sie zerbrechen helfen an jenem unseligen 20. Juli 1932; hat sie zerbrechen helfen, als er die Republik einen Wohlfahrtsstaat schalt, der die Volks- moral untergrabe. Heute mag ihm grausen vor dem, was er angerichtet hat, und vor dem noch gräßlicheren, was sicher kommt, wenn in Deutschland so weiter gewirtschaftet wird. Er spürt den mächtig anwachsenden Strom der Unzufriedenheit aller Art, den politischen, sozialen und kulturellen Mißmut. Und er stellt sein kümmerliches Wasserrädchen hinein, um für seine Zwecke von der Kraft des Stroms etwas abzuzapfen. Aber das ist sicher: wenn bei dem Tauziehen, das gegenwärtig im deutschen Regierungsgebäude stattfindet, einer stürzt, dann bersten die Wände. Argus Amnestie an der Saar Saarbrücken, 25. Juni 1934. Die Regierungskommission hat dem Landesrat am 23. 1. 1934 eine Verordnung zugchen lassen, die eine Amnestierung der politischen Vergehen und derjenigen Straftaten, die aus wirtschaftlicher Notlage hervorgerufen wurden, vorsieht. Da- mij>st eine alte Forderung der Sozialdemokratischen Lan- despartei Saargebiet und der übrigen antihitlerischen Orga- nisationen erfüllt. Zuletzt haben wir noch in unserer Zei- hing vom Freitag, dem 22. Juni 1934, unter dem Artikel „Einheitsfront" diese Forderung' unter Punkt 3 der Ent- schließung bekanntgegeben. In allen Kreisen der Bevölke- rung herrscht tiefe Befriedigung über diese Verordnung, die selbstverständlich die Zustimmung wahrscheinlich des gcsam- len Landesrats finden wird. luxemburgische Rahe Eine vielbeachtete Rede des Premierministers Bech Luxemburg, 25. Juni. Dieser Tage wurde in den Weinbergen an der Mosel— der Flußlauf trennt Luxemburg und Deutschland von- einander— das Denkmal für den früheren um das Land sehr verdienten Staatsininister Paul Eyschen eingeweiht. Auf der anderen Seite der Mosel standen Deutsche aus den Nach- barortcn und schauten der weniger lauten, aber dennoch schönen Feier zu. Zu ihr hatten sich das Herrscherhaus, Regierung und Parlament und mehrere tausend Delegierte der Mosel eingefunden. In seiner Ansprache wies der Leiter der Regierungsgeschicke Luxemburgs, Minister Bech, mit er- hobencr Stimme darauf hin, da» die Bewegungen, die anS Rot und Verzweiflung in der Welt erstehen, auch an die Tore deS Großherzogtums klopfen. Tort habe man aber ein altes Prinzip, kalt Blut zu wahren und ein regelmäßiger Puls- schlag gilt mehr als Fieber. Da» Luxemburger Grundgesetz, die demokratische Landesverfassung und ihre Einrichtungen, haben sich bemährt und müssen erhalten bleiben. Luxemburgs Unabhängigkeit und Freiheit sei garantiert in einem Vertrag, und wenn Recht und Gerechtigkeit noch Geltung hätten, dann könne Luxemburg ruhig in die Zukunft sehen. Für Luxemburg gelte allen Bestrebungen der Neuzeit gegenüber das Wort:„Wir wollen bleiben waS und wie ivir sind", nach innen und außen frei. Werbemelhoden der Universität Bonn Zur deutschen Universitätspropaganda Luxemburg, 25. Juni. Bor einem Jahr erschien in der Pariser Halbmonatsschrift „La Politique Nouvellc" eine Artikelserie über Luxemburg, die auS der Feder des früher in Luxemburg lebenden, jetzt in Paris ansässigen Journalisten Arthur Diderrich stammte. In diesem Artikel war die Behauptung aufgestellt worden, daß man an der Universität Bonn seinen Doktor gegen Bc- Zahlung ohne persönliche Anwesenheit machen könne. Vier Luxemburger Aerzte, die sich in ihrer wissenschaftlichen und persönlichen Ehre durch diese» Artikel geschädigt glaubten, stellten Klageantrag. Dieser Tage wurde nun derProzeß auSge- tragen. Der Angeklagte und sein Verteidiger erklärten vor dem hiesigen Gericht, daß sie diese Behauptung nicht auige- stellt hätten, um Luxemburger Aerzte persönlich zu treffen, sondern ihnen ging eS einzig und allein darum, gegen die Auslandsreklame der Universität Bonn und die dabei an- gewendeten Methoden im Auslande Stellung zu nehmen. Die Universität Bonn, die als einzige das Klagerecht habe, hätte geschwiegen. Und daran ersehe man schon, wie richtig seine Behauptungen seien. Das Gericht erkannte zwar an. daß man den Journalisten nicht freisprechen könne, weil er die Luxemburger Doktoren, die in Bonn promoviert hätten, beleidigt habe, aber die Strafe von 75 Franken und einen Franken pro Kläger als Schadenersatz zeigt, daß der Richter und das Gericht die Methoden der Universität Bonn nicht billigen. eine Miesmactier-Zentrale So behauptet der Landesbauernführer Körner Der Landesbauernführer in Hachsen, Körner, wendet sich in der Zeitschrift der LandeSbauernschaft gegen die Mies- machex innerhalb der Bauernschaft, die sich so benähmen, als ob es überhaupt keinen nationalsozialistischen Staat gäbe, dem auch sie sich unterordnen müßten, iveil sie allein ihm verdankten, daß ihre Höfe nicht längst bolschewistischen Mord- brennern zum Opfer kielen. Aus den Nieldungen über die Miesmacher'auf dem Lande ergäbe sich, daß nach ganz de- stimmten einheitlichen Richtlinien verfahren werde, und daß infolgedessen eine Zentrale vorhanden sein müsse, die inner- halb der Bauernschaft die Miesmacher mit Material per- sorge. Hommnnlsfen gegen Polizei Paris, 25. Juni. In einem Dorfe bei Pontoise kam es zu Zusammenstößen zwischen Kommunisten und Polizei. Ver- anlaßt wurden diese Zusammenstöße durch eine Protestkund- gebung von Kommunisten gegen ein Platzkonzert katholischer Jugend. Als die Mahnung des Bürgermeisters zur Ruhe 19 Revision bedeutet Kriü Die TrluntDüfalirt Barthous auf«lern Balkan UnnvlssversfAncBliche Warnungen Vor einigen Wochen ist der preußische Ministerpräsident G ö r i n g als unerwünschter Gast in einigen Balkanstädten ausgetaucht. Als er in Belgrad zu einem Bankett einlud, ließen sich die entscheidenden Männer entschuldigen. Nicht viel besser ging es dem Reichsminister Dr. Goebbels in Warschau und in Krakau. Der Staats- Präsident fuhr auis Land. Die Generale waren verhindert. Marschall Pisudski wurde krank, und Goebbels mußte ihm in seiner Privatwohnung aufgedrängt werden. Tie pol- nische Presse mit wenigen Ausnahmen sagte dem Gast auS Nazideutschland unverblümt, daß sie sich über seinen Besuch wundere.„Was will der Kannibale im vegetarischen Nestau- rant?" So fragte eine Zeitung, und sie gab die Grund- stimmung der Regierung und des Volkes wieder. Es scheint, als ob Göring und Goebbels ihre Reisen nur gemacht haben, um der Welt zu zeigen, ivie schlecht die miß- regierenden deutschen NaziS in Osteuropa behandelt und wie stark dagegen Vertrauen und Jubel den französischen Staats- Männern entgegengebracht werden. Barthou ist in Bukarest und dann in Belgrad mit demonstrativen Ehren und Bc- geisterungsausbrllchcn überschüttet worden. Tie kindlichen Versuche der deutschen Außenpolitik, in Belgrad gegen Frank- reich zu intrigieren, sind von niemandem ernst genommen worden. Ter jugoslawische Ministerpräsident hat in Worten, die gegen Ungarn gerichtet sind, aber ebensosehr Deutschland meinen, sich gegen jede Revision der Verträge ausgesprochen. Barthou hat in einem Interview diesen Standpunkt mit Festigkeit unterstrichen. . Vorher ein fleer von Blut" Belgrad, 25. Juni. Ministerpräsident Uzunowitsch hielt eine drohe politische Rede. Er betonte die traditionelle Treue, mit welcher Südslawien seine Bündnisse halte, eine Treue, die durch nichts erschüttert werden könne. Es bestehe, meint Uzunowitsch. kein Anlaß zur Beunruhigung, wenn auch aus Budapest und Oedenbura Nachrichten kämen, wonach man dort die Reglung der Wirtschaftslage im Donauraum mit der Forderung nach einer Revision der Grenzen unlöslich verknüpfe» wolle. In Ungarn müsse man aber einsehen, daß schon das Wort Revision eine fruchtbare Arbeit zur Besse- rung der Wirtschaftslage im Donauraum unmöglich mache. Wenn die Wirtschaftslage im Donauraum sich nicht bessern sollte, so würde die Verantwortung dafür ausschließlich aus die Verfechter der Revision fallen. Wenn Benefch und Titu lesen erklärt hätten, Revision bedeute den Krieg, so wolle das nicht besagen, daß Benesch und Titulescn den Krieg wünschten, sondern daß diese Erklärung not- wendig gewesen sei, damit die Welt von ihr Kenntnis nehme und so ein Krieg vermieden werbe.„ES gibt keinen Rumä- nen, Tübslawen ober Tschechoslowaken, der eine Revision der Grenzen billigen würde, ohne daß vorher ein Meer von ergebnislos blieb, ging die Polizei gegen die Störer deS Festes vor. Diese setzten sich zur Wehr und richteten einen Gendarmeriewachtmeister und drei Polizisten so zu, baß sie mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert werden mußten. Auch die Kundgeber hatten mehrere Ver- letzte zu verzeichnen. ZugzusammensfoBlnrranKreidi 43 Verletzte— 1 Toter Paris, 25. Juni. Ein Zugzusammenstoß, bei dem insgesamt 43 Personen mehr oder weniger schwer verletzt wurden, er- eignete sich am Sonntag kurz vor Mitternacht in der west- lichen Bannmeile von Paris. Kurz vor dem Bahnhof Houilles fuhr ein vollbesetzter Personenzug auf einen leeren Güter- zug aus, der infolge ungenügenden Dampfdrucks auf der Strecke liegen bleiben mußte. Bei dem Zusammenstoß schoben sich einige Wagen ineinander, andere sprangen aus Was klappt da nickt? Der Verband für Herren- und Knabenkleidung richtete vor kurzem folgendes Rundschreiben an seine Mitglieder: „Wir legen Wert darauf, uns einen möglichst umfassenden Veberblick darüber zu beschaffen, wie sich das Geschäft in DAF-Festanzügen bis zum 1. Mai entwickelt hat und welche Bestände in DAF-Festanzügen bzw. DAF-Staffen heute bei unseren Mitgliedsflrmen noch vorhanden sind bzw. welche Aufträge hierüber noch laufen. Wir bitten deshalb, den beigefügten Fragebogen möglichst umgehend ausgefüllt an uns zum Versand zu bringen. Eine gleiche Bestandsaufnahme wird durchgeführt für die Kleiderfabrikanten und für die Weber. Von dem Ergebnis der Bestandsaufnahme wird et) abhängen, ob wir unsererseits für eine weitere Propagierung des DAF-Festanzuges eintreten können. Es bedarf In diesem Zusammenhang keiner besonderen Betonung, daß die uns gemachten ziffernmäßigen Angaben durchaus vertraulich behandelt werden. Ebenso ist es uns erwünscht, wenn nähere Mitteilungen über besondere Erfahrungen und Feststeilungen unter der Rubrik ,,besondere Bemerkungen" gemacht werden." Was geht da vor? Ursprünglich wurde die Parole aus- gegeben, daß bis zum ersten Mai die gesamte Arbeitsfront uniformiert sein sollte. Nachdem die Rohstafflage ver- schärft wurde und nachdem die Arbeiter anfingen, über die zusätzliche Belastung, die ihnen die Anschaffung des blauen Arbeitsfrontanzuges bringen sollte, zu murren, nachdem offenbar die Arbeitgeber keineswegs so freudig, wie es zuerst den Anschein hatte, durch Spenden usw. die Anschaffung zu erleichtern bereit waren, beschloß man. die Verteilung über einen sehr viel längeren Zeitraum auszudehnen. Und in der Tat berichteten Beobachter, daß nur ein sehr kleiner Teil der Arbeitsfront am 1. Mai mit den blauen„Ehrenkleidern der Arbeit" ausgerüstet war. Inzwischen ist mit weiterer Verschärfung der Devisen- läge die Rüstungsplanwirtschaft weiter entwickelt wor- den. Tie sieht selbstverständlich vor die Anfertigung und Anschaffung von Anzügen, die für den Frontdienst ge- eignet sind, blaue Anzüge hingegen sind nicht„Kriegs- verwendungsfähig", gehören also nicht zur begünstigten Rüstungswirtschaft: Nun gibt es aber außerdem In Deutschland viele tausende Kleiderhändler, die mit vieler Mühe und Not die Zulassung zum Vertrieb der blauen Arbeitsfront- anzöge erreicht haben und die entsprechenden Kon- Zessionsgebühren bezahlt haben. Sie wollen natürlich Ee- schüft» machen und sich ihren Anteil an den„herrlichen Zeiten" sichern. Sie haben nicht unbeträchtliche Vorberei- tungen getroffen und erhebliche Gelder investiert. Nun stockt aber der Laden. Was macht man heute in Deutsch- land, wenn man Geschäfte machen will? Man steckt sich hinter die Organisationen und läßt durch sie einen Druck ausüben. Diese Organisationen haben selbstverständlich Bedenken, das Geschäft zu forcieren: Devisen, Roh- stofse usw. Man will also erst feststellen, wie hoch sind die Bestände. Sind sie ausreichend, so kann man propagieren, die An- schasfung als nationale Tat. als Arbeitsbeschaffung för- dern usw., denn blaue Stoffe lassen sich nicht in— seid- grau umfärben! Ist aber nichts mehr vorhanden, so wird man diesen Rummel, wie den übrigen Teil der„Arbeitsbeschaffung", unter dem Gesang des„Horft-Wessel-Liedes" zu Grabe tragen und den Mitgliedern der„Deutschen Arbeitsfront" erzählen, daß das Weltjudentum daran Schuld hat, weil ihre Brüder in Deutschland zwar in der Bekleidungs- Industrie führend find, aber von Herstellung und Bertrieb de».^Festkleides der Arbeit" ausgeschlossen sind. So will das Weltjudentum die deutschen Arbeiter zwingen, wie- der von Juden gefertigte Kleidungsstücke zu tragen! r». Blut geflossen ist. für diese Grenzen, die auf den Gebeinen unserer Soldaten errichtet wurden," erklärte Uzunowctich. „Zum Glück wird es aber nicht zu einer solchen Situation kommen: denn auch Außenminister Barthou bat sich klar! für die Erhaltung der durch die Friedensvertrage geschaffenen Lage ausgesprochen und damit die Aussichten sur den.erce- dcn beseitigt." „Die öesamtiage Ist ernst" Belgrad, 25 Juni. Der französische Außenminister Barthou ist am Sonntag in Belgrad eingetroffen. Vor dem Verlassen de» rumänischen Bodens hat Barthou der rumänischen Zer- tung„Universul" noch ein interessantes Interview über dw europäische Lage gcivährt, aus dem ivir folgendes entnehmen: „Zwischen Frankreich und der Kleinen Entente bestand und besteht bestes Einvernehmen. Der Besuch in Rumänien und Jugoslawien, der selbstverständlich auch politische Ziele ver- folgt, ist eine Kundgebung dafür, daß die Interessen»xrank- reich» und seiner Verbündeten solidarisch sind. Die Reise nach London wird eine'Reise der Arbeit sei». Die Haltung Frankreichs bei den letzten Genier Abrüstungsdebatte« hat die Zustimmung Englands erhalten und zwischen London und Paria besteht Einigkeit über die Arbeitsmethaden. Aber es werde» noch schwere Aufgaben zu lösen sein. In erster Linie gehören dazu die Abrüstung, die Kontrolle, die Garantien, die R ü ck k e h r D e u t s ch l a>.i d s i n d e n V ö l k e r b u n d. Die G e s a m t l a g e i st ernst, ivenn ich sie auch nicht als hoffnungslos bezeichnen möchte. In Europa ist alle» auS dem Gleichgewicht Ich weiß, daß der Reichskanzler Hitler erklärt hat. daß er keinen Krieg wolle. Persönlich halte ich den Kanzler für auf- richtig, wenn er eine solche Erklärung abgibt, aber um seine Stellung im Innern zu festigen, braucht Hitler eine Ab- rüstungskonvention, die ihm mehr Macht und Prestige sichert. An und für sich dürfte das deutsche Prestigebcdürsnis unS nicht daran bindern, uns mit Deutschland zu verständigen, und wenn das Prestige des Reichskanzlers sich den cnropäi- scheu Jnteresien anzupassen vermag, sind wir bereit, mit Teutschland ein Abkommen zu unterzeichnen. Aber wir haben auch sehr einst« Gründe zu der Annahme, daß das Reich in rüstungspolitijcher Beziehung sich v>cl mehr gestattet, als eS zugibt. Bei meiner ersten Zusammenkunft mit Herrn von Ribbentrop habe ich daraus Hingewiesen, daß in der Haltung Deutschland» ein Widerspruch liegt, weil die Wort« de» Kanzlers Hitler Worte des Friedens sind, während seine Tätigkeit kriegerisch ist. Alles, was ich anläßlich meines Besuches in der Tsckecho- sloivakei oder Rumänien gesagt habe, zeigt deutlich, daß es nach meiner Auffassung keine Revision geben kann. Reu'.» sion bedeutet de» Krieg und wir wollen den Frieden. Nur eine Politik, die sich aus die Verträge stützt, kann Europa gegen Abenteuer verteidigen, die zu einer Katastrophe führen können." den Schienen. Von den Reisenden sind mehrere, darunter drei mit schweren Schädel, und Beckenbrüchen, in das Krankenbaus von Nanterre eingeliefert worden. Tie anderen konnten nach Anlegung von Notverbänden weiter- befördert werden. Ter Heizer des Personenzuges und'e'n Maschinist beiluden sich unter den Schwerverletzten. Erst nach langen Bemühungen gelang es, den Maschinisten, der zwischen zwei Eisenplatten einaeklemmt war, au» seiner a'- fährlichcn Lage zu befreien. Tie beim Bekanntwerden des Unglücks verbreitete Nachricht, daß zwc^ Tote zu beklagen seien, scheint sich»ach den letzten Meldungen nicht zu be- stätigen. Ter Zusammenstoß hätte leicht eine größere Kala- strophe heraufbeschwören können weil im gleichen Augenblick au? dem Nebengleis der Schnellzug Eherbourg—Paris heran- brauste. Glücklicherweise waren keine Trümmer, die den Schnellzug hätten zum Entgleisen bringen können, aüf diese Strecke gefallen. # Paris, 25. Juni. Ter Maschinist des Personenzuge», der bei Houilles mit einem Güterzug zusammengestoßen war, ist seinen schweren Verletzungen bei der Einliefern»» ins Krankenhaus erlegen. Die Bilanz de» Unglücks stellt sich also wie folgt: ein Toter, drei Schwer- und LS Leichtverletzte. Pai BUewestg Nach einer halbamtlichen Meldung auS Wien dürste Bundeskanzler Dollfuß Ansang Juli nach Italien reisen, wo er in Riccionc bei Rimini bei» Wochenende mit Mussolini verbringen würde. Bei einem Zusammenstoß von zwei Urastwagcn in Evans» ville(Indiana) wurde» am Sonntag süns Personen getötet »nd fünf verletzt. Später raste ein weiterer ttrastwagen in die Menschenmenge hinein, die sich an der Unfallstelle versammelt hatte, und verletzte drei Personen. In einer Negertanzhalle in Manchefter sTennesiee) ver« setzte ein Schwarzer einem Weißen, der mit Freunden den Tan» besucht hatte, a«s irgendeinem Grunde einen Schlag. Er wurde daraus von de» Weißen fortgeschleppt, mit e'ncr Axt zerhack» und erschollen. Acht weiße Männer sind unter der Anschuldigung des Mordes verhaltet worden. Mehrere Staaicn des amerikanischen Mittel- westens wurden vo» schweren Gewitterftürmen heim- gesucht, durch die sechs Persone« vma Leben kamen. Der Sachschaden wird aus eine halbe Million Dollar bezissert. In mehreren Städte» brachen infolge Blitzschlag» Brände aus. Die Telespn-, Telegrafen- und Krastleitungcn sind meilenweit zerstört. AuS Lubbock(Texas) wird ei» neuer toller Verbrecher- streich gemeldet. Vier Schwerverbrecher, darunter zwei Mörder, benutzten den Nesuch des Gefängnisses durch einen Bankier und eine» Richter, um auszubrechen und die beiden als Geiseln mitzunehmen, nachdem sie sich vorher m't Maschinengewehren und Revolvern bewaffnet battrn. Die Geiseln wurden von de» Rerhrechern itt einem Kras!megen mitgeschleppt und erst noch einer Fahrt von über|W) Kilo- metex freigelassen. Bon den Ausbrechern fehl» sede Spur. Wie ans Patterson(Lonisiana) gemeldet wird, ist dort der bekannte amerikanische Flieger James H. Wedcll, der In- Haber des Schnelligkeitsweltrckordes von 30(5 Meilen in der Stunde für Laudflugzcnge, während des Flugunterrichts aus 100 Meter Höhe abgestürzt. Wedell war Isfort tot. Sein Flugschüler wurde schwer verletzt. JungKathollsdie„Härder" Ein Excmpel nationalsozialistischer Hctzrcgle Eine tolle nationalsozialistische Regieleistung, deren Ob- iett ein Toter ist, spielt stch soeben ab und bringt die Ge- müter in Wallung. Die Einzelheiten sind so bezeichnend und sür die braune Propagandaarbeit zu innerpolitischen Zwecken so charakteristisch, daß sie eine ausführlichere Würdigung verdienen. In der vergangenen Woche wurde auf dem Gute Gollmütz bei Schwerin an der Warthe der Gutsbesitzer Elsholz von einem gewissen Meißner, der aus dem Gute tätig war, ermordet. Elsholz war Schulungsleiter der NSDAP., und sofort wurde parteiamtlich nach politischen Motiven ge- sucht. Sehr schnell wurden sie gesunden. Es wurde behauptet, daß der Mörder der katholischen Jugendorganisation „Deutsche Jugendkrast" nahestände. Der Lehrer des Torfes Gollmütz sowie elf Ortsbewohner, unter denen neun Ange- hörige der„deutschen Jugendkrast" waren, wurden verhaftet, der Ortsgeistliche wurde versetzt. Sofort wurde von katholischer Seite sdurch das Bundes- amt der katholischen Jugend in Berlins entschieden bestritten, daß der Mörder irgendeine Beziehung zur katholischen Jugendorganisation unterhalten habe. Meißner, der Mörder, sei ein Trunkenbold, sein Vater sei ein Trinker, Bruder und Schwester seien irrsinnig. Es half nichts. Die Propagandawalze war im Rollen, und sie arbeitete nahezu beispiels- los. Elsholz wurde im feierlichen Staatsbegräbnis in Pots- dam beigesetzt. Aus dem ganzen Reiche telegrafierten braune Amtsstellen, daß sich die Bevölkerung überall in Heller Empö- rung befinde. Man forderte in den Telegrammen„Schluß mit der„Jugendkrast" und mit allen getarnten Zentrums- verbänden". Reichsjugendsührer Baldur von Schirach ord- nete an, daß bis Freitag, den 29. Juni, alle Wimpel und Fahnen der Hitler-Jugend, des Jungvolks und des BTM. Trauerslore zu tragen hätten. Die nationalsozialistische Presse aber überschlug sich. „Schluß mit den getarnten Zentrumsverbänden"— „Schwarze Jugendbündler als Mörder"— so überschreibt das Mannheimer„Hakenkreuzbanner" seine Alarmrufe zum Sturm gegen die katholischen Jugenbverbände. Aber noch einige weitere Proben: „Rücksichtslose Ausrottung von Organisationen, die glauben, ein Recht aus Tonderstellung zu haben, und diese Sonderstellung dazu benüßcn. gegen die Träger des Staa- tes zu wühlen... Feststeht, daß der Mörder M'tgründer und Mitglied der„Deutschen Jugendkrast" ist, feststeht serner, daß die Mitvcrschworenen bis aus zwei, ebenfalls Mitglieder der„Deutschen Jugendkrast" sino. Wer wagt es nun darau zu zweifeln, daß der Mord politischen Motiven entsprang und vornehmlich in Kreise» der„Deutscheu Jugendkrast" geplant und vorbereitet wurde." Dies alles„steht fest". Tie weitergehenden Schlußfolge- rungen ergeben sich von selbst. De Tat sei das Ergebnis der seit Monaten betriebenen planmäßigen katholischen Hetze gegen die nationalsozialistische Bewegung. So wurde das Staatsbegräbnis des Pg. Elsholz zu einer gegen den Katho- lizismus gerichteten politischen Demonstration, eine Revanche für die Fronleichnamsprozessionen. An der Spitze des lanaen Trauerzuges marschierten Dr. L e y und Oberpräsident Kube. Ein Superintendent sprach über„Opferbereitichast und Kämpsermut. die den gefallenen Helden auszeichneten". So kam der Nationalsozialismus zu einem neuen Helden. In kürzester Frist wird es an der entsprechenden Legende nicht fehlen Schon kommen aus Streichers Reich, ange- kündigt durch seine„Fränkische Tageszeitung", Schreie vom „schwarzen M o r d". Es dürfe nicht mehr sein,„daß an Stelle des roten Mordes nun der schwarze Mord umgehe", so schreibt der Chefredakteur des Streicherblattes. Der Katholizismus hält hier die Ernte sür alle seine Ver- suche, mit dem Nationalsozialismus zu einer Verständigung zu gelangen. Seine Empörung über die Methode, in der man den Mord an Elsholz zum Kampfsignal gegen die„schwarze Brut", gegen die man nach dem„Hakenkreuzbanner" mit staatlichen Machtmitteln rücksichtslos einsetzen würde, ist zweifellos echt. ♦ Aber wir können eine Bemerkung nicht unterdrücken. Un- zählige sozialistische und kommunistische Arbeiter sind von den Schergen der„nationalsozialistischen Revolution" bestia- lisch erikiordet worden. Der Henker hat in den hinter uns liegenden Monaten der braunen Diktatur die abgeschlagenen Köpfe auseinander getürmt. Junge Mensche, die in den poli- tischen Zusammenstößen vor der Machtergreifung durch Hitler das gleiche taten, was ihnen von den braunen Horden dauernd angetan wurde— dies alles hat die katholische Morallehre nicht sehr beunruhigt. Niemals haben wir einen Protest des Papstes oder der Bischöse gegen die braunen Un- taten erlebt. Jetzt erst, wo Katholiken in Mitleidenschaft ge- zogen und mit den roten„Untermenschen" auf eine Stufe ge- stellt werden, regt sich ein lebendiger katholischer Widerstand. Trübe Ahnungen im„driften Reim Wir entnehmen„H e t V o l k" den folgenden Augenzeugen- bericht im Wortlaut: Unzufriedenheit unter den deutsche» Arbeitslosen. Man versucht die Kritik mit Drohungen zu unterdrücken „In der Umgebung Berlins hat man angefangen, den Streit gegen die Arbeitslosigkeit zum Teil auf die Arbeits- losen selbst abzuwälzen. Man hält nämlich Versammlungen mit den Arbeitslosen ab. bei denen diese selbst in den vor- dersten Reihen der Arbcitsschlacht Ausstellung nehmen können. Sie sollen Vorschläge machen, auf welche Weise man ihnen Arbeit verschaffen muß. Anscheinend weiß man sich selbst keinen Rat mehr und ist am Ende seines Lateins mit Regierungssubsidien für Wohnungsbau, großen Auf- trägen an die Industrie und noch mehr von diesen kost- spieligen Methoden. Und jetzt müssen sich die Arbeitslosen selbst einmal zur Sachlage äußern. Wenn sie es nun auch nicht wissen, dann können sie es der Obrigkeit doch auch nicht übel nehmen, wenn sie arbeitslos bleiben. So hielten der Regierungspräsident, der Direktor des Arbeitsnachweises und der politische Leiter der NSDAP dieser Tage eine Versammlung mit den Arbeitslosen ab. Der einzige Vorschlag, der von offizieller Seite zur Be- streitung der Arbeitslosigkeit gemacht wurde, war der sol- gende: die jungen Arbeiter müßten ihre Stellen freigeben, damit die alten sie einnehmen könnten. Die jungen Arbeiter müßten auf dem Lande arbeiten sür dreizehn Mark die Woche.„Wer faul ist oder sich zu gut findet, um Landarbeit zu tun, hat kein Recht auf die Früchte des„dritten Reiches"". So äußerte sich der politische Führer. Daraus fragten ein paar Arbeitslose, wo sie denn aus dem Lande Arbeit finden könnten. Das konnte man„so aus den^, Kops" nicht ein- mal sagen, bemerkte man, nachdem einen Augenblick pein- liches Schweigen geherrscht hatte. Ein Arbeiter, der beim Arbeitsamt arbeitet, fragte, ob man ihm einmal sagen möchte, wie er von dreizehn Mark in der Woche seine Familie mit vier Kindern unterhalten könne.„Das steht hier nicht zur Diskussion." Ein zweiter, der drei Mark mehr verdiente, meldete sich und ein anderer fragte gerade heraus, ob er nun Arbeit bekäme: denn man hätte doch so getan, als ob... Die Versammlung wurde für die Leiter so unangenehm, daß der politische Führer das Wort ergriff und eine lange Ansprache hielt, in der er sich bemühte, den Arbeitslosen verständlich zu machen, daß es nicht am Platze sei, Kritik zu üben und es der Obrigkeit schwierig zu machen. Nachdem er ein ausführliches Zu- kunftsbild entworfen hatte, erklärte er, daß in Hitlers Reich niemand zu fragen habe, unter welchen Bedingungen er arbeite. Und vor allem hat die Jugend dieses Recht nicht! Die Jugend hat ohne Murren jede durch den Führer ge- jchasfene und angebotene Arbeitsgelegenheit anzunehmen. Im übrigen sind nicht die Arbeitsbedingungen und der Lohn Niedergang des deutschen Sports Das Totalitätsprinzip des Nationalsozialismus hat auch vor dem Sportleben nicht halt gemacht. Das deutsche Sport- leben ist„reorganisiert" worden. Das heißt darf nicht länger Spiel bleiben, sondern muß Erziehung zum ernsten Kampf, zum Krieg werden. Das ganze deutsche Sportlebcn ist zu einem Wehrleben umgebaut worden. An die Stelle der Sportsreiheit ist der Sportzwang, an die Stelle von Soli- darität die Gehorsamspflicht getreten. Die nationalsozialistische Ideologie, die heute im deutschen Sport ihren Ausdruck gefunden hat. macht sich schon in den Acußerlichkeiten stark bemerkbar. Ob man heute in Deutschland Schwimm-Meetings zusieht oder Tenniskämpfen, ob man Zeuge von Fußballmatchö ist oder von leichtathletischen Wettstreiten, ob man den Boxring belagert oder sich sür Wassersport interessiert, immer hat man den Eindruck: hier handelt es sich weniger um den friedlichen Wettstreit körperlicher Gewandheit, Geschicklich- fett, Ausdauer. Kraft, sondern vielmehr um einen— fast möchte man sagen— altpreußischen Drill. Es geht immer furchtbar militärisch zu. Vor Beginn werden poli- tische Reden geschwungen, Hakenkreuzfahnen werden gezeigt, der Sturmführer schreit Heil Hitler und dann beginnt die Uebung". Auch das Publikum sieht ganz anders aus als früher Sehr viele Uniformen gibt es zu sehen, in den Logen die Braunen" und„Schwarzen" mit vielen Orden, die Manniitzaftssllhrer stehen stramm vor dem anwesenden Reichssportiührer" oder seinem Vertreter und warten, bis er das Zeichen zum Beginn gibt. Dann spielt das Horst- Wessel-Lied, wobei alles Hände an die Hosennaht zu legen meist heute, ob dieser oder jener Sportheld in der siÜnmiM ist ob er eine Charge besitzt, und darnach richtet Ä«VoHIene Popularität Ter Wettstreit der ein- sich seine an fier 2? ere j ne ist zurückgetreten, heute zelnen SvA„„»reit der Stürme, der Standarten, der Gaue "Der Parteibonze des betreffenden Gaues erhält geworden.^ erteilt Verweise und es ist schon so weit gegangen daß es bei der Aufstellung von Mannschaften sein Sr 6 ei"ni" r eines der größten Svortländer. ).i:Lei!portler lind hervor- *«PorfreteT des Sport hervorgegangen Das hat unter «^aebört Die Vereine wurden zerschlagen, verboten. Hitler autg■$niöe fter neuen Vereine wurden Partei- bc^engesetzt" au S Verbanden Formationen gemacht. Auch die bürgerlichen Vereine mußten daran glau- ben. Sie wurden gezwungen, ihre Juden und Marxisten auszuschiffen, darunter bedeutende Sportler und Mäzene. Es folgte eine Einteilung in Gaue nach dem Schema der SA.-Organisation, man setzte Inspekteure, SA.- oder SS.- Führer, ein und über den gesamten deutschen Sport den „R e i ch s s p o r t s ü h r e r" von Tschammer-Osten. Mit einem Schlag standen hunderttausende ohne jede Möglichkeit sport- licher Betätigung da. Den jüdischen Sportlern gestattete man gnädigst, eigene reinjüdische Vereine zu bilden, aber nicht sich mit arischen Sportlern im Kampf zu messen. Die bekannten und charak- terfesten jüdischen Sportler verzichteten allerdings auf diese Gnade und wandten sich ins Ausland, wo sie mit Freuden aufgenommen wurden. Der deutsche Tennismeister P r e n n, der Deutschland zu einem Tennisland erster Ordnung ge- macht hatte, ging nach England, der deutsche Meisterboxer Selig nach Paris, die Fecht-Weltmeisterin Helene Mayer nach Amerika. Von den Arbeitersportlern wanderten Tausende in die Konzentrationslager, wo ihnen die Sportbegeisterung mit Gummiknüppel ausgetrieben wurde. Die Umstellung des deutschen Sportes auf den Wehrsport machte sich bald dadurch bemerkbar, baß ganz plötzlich Sport- arten forciert wurden, die man im früheren Sportgetriebe sehr nebenher behandelt hatte. Ein Reichsverband der Bo- gen schützen wurde ins Leben gerufen, der Bund der Wurf- und Tontauben schützen erhielt eine staat- liche Subvention von 129 NM Mark zum Ausbau der Orga- nifation und zum Anlegen von Schießplätzen, in den leicht- athletischen Uebungen schenkte man dem Diskus— und T t i e l w u r f ilies: Handgranatenwerienf erhöhte Autmerk- samkeit. Ganz besonders aber nahm man sich des Lust- sports an, der einen ungeahnten Ausschwung nahm. Sub- vcntionen regneten da von allen Seiten, von Staat, Län- dern und Gemeinden. Nicht nur der Segelslugsport, sondern auch der Motorslugsport wurde derart bevorzugt und propa- giert, daß er in kurzer Zeit einen gewaltigen Teil des gan- zen deutschen Sportwesens ausmachte. Die Fliegerschulen waren dem kolosalen Andrang kaum gewachsen, die Staffeln fvch'»» p>tr so aus dem Roden, so daß beule^"U'schlapl nd.st das bei weitem die meisten S,c::, zeuge besitzt. Tie wehrsportliche Tätigkeit erschöpfte sich jedoch in diesen angeführten Dingen nicht. Alle aktiven Sportler, gleichgül- tig in welchem Tportzweig sie sich betätigen, müssen heute unter Aufsicht der SA.-Jnspekteure wehrsportliche Das„sdtwarze Sdiwein" Die alle^udenschande ist endlich ausgefegt, Die schwarze Lügeabande wühlt weiter unentwegt. Du deutsches Volk, sag, muß das sein, Daß dich bespeit das schwarze Schwein? Wenn nicht, dann dresch' doch drauf, Daß Funken fliegen hoch hinauf. Deutsche Männer, deutsche Frau'n, Jetzt ist', genug mit der.«Faulhaberei". Haut das schwarze Lumpenpack zu Brei. Und wenn sie Zeter und Mordio schrei'n, Gebt ihnen noch ein Ding hinein. Wir achten jeden Glauben, ist's auch der uns're nicht; Doch soll uns keiner rauben, was uns das Höchste ist. Das deutsche Volk, der deutsche Gott Steht turmhoch über Pfaffenspott. Und jeder Schuft, der sich dran reibt, Den hau'n wir, daß er liegen bleibt. Deutsche Männer, deutsche Frau'».. Jetzt ist's genug mit der«Faulhaberei". Haut das schwarze Lumpenpack zu Brei. Und wenn sie Zeter und Mordio schrei'n. Gebt ihnen noch ein Ding hinein. Die Hand dem deutschen Bruder, der ehrlich zu uns kam. Die Faust in seine Fresse, dem schwarzen Hehkaplan. Bald wird es Licht, es dämmert schon; Dann kriegt der Zudas seinen Lohn. An den Galgen, ven er längst verdient. Die Raben freu'n sich schon auf ihn. Erst wenn er baumelt in der Luft, Sind wir erlost vom schwarzen Schuft Deutsche Männer... * Dieses ungemein sprachkräftige und unmißverständliche Gedicht entstammt einem Flugblatt, das im„dritten Reiche" Adolf Hitlers, und zwar in der B i s ch o f s st a d t Speyer, in vielen Tausenden von Exemplaren verbreitet worden ist. Wir finden, daß sich das positive Christentum der National- sozialisten kaum besser illustrieren läßt, als durch diese sin- nigen und innigen Verse. die Hauptsache, sondern die Arbeit. Es ist ehrenvoller, sür dreizehn Mark in der Woche imit vier Kindern) arbeiten zu dürfen, als sechzehn Mark Krisenunterstützung zu be- ziehen. In diesem Ton ging es dreiviertel Stunde lang. Die Rebe war gespickt mit Warnungen, daß man jedem aus den Zahn fühlen würde, um festzustellen, wie es um seine natio- nale Gesinnung bestellt sei. Nach dieser Versammlung wirb der NSDAP.-Leitung von Bernau wohl die Lust vergangen sein, bald wieder einmal eine Versammlung mit den Arbeitern zu veranstalten. Es hat sich gezeigt, daß die Arbeiter immer wieder von neuem eingeschüchtert werden müssen: denn anders kommt der kri- tische Geist doch wieder zum Vorschein... und wagt es, sich öffentlich zu demonstrieren. Dazu kommt natürlich, daß man die Stimmung mit derartigen Drohungen, wie sie hier ge- äußert wurden, auf die Dauer natürlich nur verschlechtert." „Straßenhandel in Reichsmark" In„H e t Volk" lesen wir den folgenden Bericht: „Das plötzliche Fallen' der Mark hat in den Grenzorten eine leichte Panikstimmung zur Folge gehabt. In den Caies, den Hotels und in den Geschäften, wo man sonst ganz selbst- verständlich in deutschem Gelbe bezahlen konnte, weigert man sich heute, deutsches Gelb anzunehmen. Täglich herrscht an den Banken in Venlo ein großer Betrieb infolge des Einwechselns von deutschem Geld. Nach Schließung der Banken, die heute die Lieferung von Mark zu einem be- stimmten Kurs nicht mehr annehmen, sieht man. daß es wieder Spekulanten gibt, die darauf aus sind, durch den Straßenhandel mit Mark ein paar Pfennige zu verdienen." Uebungen„klopfen". Da wird die Fußballsektion des Bezirkes Brandenburg an einem Abend zu einem Gelände- marsch besohlen, dort die Tennisgruppe des Gaues Sachsen zu einer großen„Ziel- und Richtübung"„eingeladen". Merk» würdig mutet es an. wenn man hört, daß die Schwimm- abteilung des 1. F. C. Nürnberg zu einem Nacht-Schnell- marsch in die Fränkische Schweiz kommandiert wurde. So geht es überall. Die Folgen waren bald zu bemerken. Die internationale Dporttätigkeit Deutschlands nabm zusehends ab, das Aus- land drückte sich um jede Vereinbarung von sportlichen Weit- kämpfen herum. Wenn schon tatsächlich internationale Ver- anstaltung mit Deutschland zustande kamen, dann fanden sie nicht in Deutschland, sondern im Ausland statt. Tie deutschen Sportler merkten das sehr deutlich und versuchten durch Eingaben an die höchsten Stellen darauf einzuwirken, daß man von dieser Art sportlicher Entwicklung abgehe. Es fehlte nicht an Mahnungen und Protesten. Aber alles half nichts, der Reichssportsührcr von Tschammer-Osten führte ein strenges Regiment. Erst die Verhandlungen im olympischen Komitee machte den Herrschasten ihre Lage klar. Amerika stellte für seine Teilnahme an ben olympischen Spielen im Jahre 1936 in Berlin zur Bedingung, daß man unbedingt auch die jüdischen Sportler daran teilhaben lasse und ihre sport- liche Betätigung in den deutschen Sportvereinen wieder zu- lasse. An diese Bedingungen Amerikas, die von einigen an- deren Ländern unterstützt wurden, schloß sich ein Schrift- wechsel an. Die nicht reinarische Exzellenz von Lewald, den man wegen seiner vortresslichen Auslandsbeziehnngcn im deutschen Olympia-Komitee notgedrungen belassen halte, »ersichert den Amerikanern, dast den jüdischen Sportlern in Deutschland nicht das Geringste in ben Weg gelegt worden sei und daß sie auch in die Olympia-Monnschast ohne wei- teres Ausnahme finden würden. Selbstverständlich kümmerte sich in Deutschland kein Mensch um diese Erklärung. Tie Amerikaner drängten immer wieder und warteten mit Bei- spielen aus, die die deutschen Erklärungen Lügen straften. Um es nicht ganz zum Bruch kommen zu lassen und um die Amerikaner zu beruhigen, wohnte nun am 3. Juni den internationalen Wettkämpfen des Sportvereines Bar Kochba und Hakoah in Berlin ein Vertreter des Reichs- sportiührers bei und wählte drei jüdische~ r n<• f I r r, ^ Cv 1tv* M?" L iisi j für d.e Teilnahme-m i>.n Übungen zur Olympiade aus. Aber diese drei Konzes- sionsjuden werden dem ununterbrochenen Niedergang des deutschen Sports nicht aufhalten! Es ist der Geist des Mili- tariSmuS, der den gesunden Sportgeist erschlägt. Curt Haaö. „Deutsche Freiheit", Nr. 144 ARBEIT UHR WIRTSCHAFT Saarbrücken. 26. Juni 1931 Staatsbank™«- Totaler wtrtsdiaftsbanhroft Die braune Diktatur weiß Keinen Ausweg mehr— Antwort an den Reidisbanhrotteur Sdiadif Am 14. Juni hat Herr Dr. Schacht offiziell den deutschen Staatshankrott erklärt. Da die Gläubigerkonferenz praktisch ergebnislos geblieben war, verkündet Schacht aus eigenem Recht zunächst eine halbjährige vollständige Zahlungseinstellung für alle Tilgungs- und Zinszahlungen an das Ausland. Der Reichsfinanz- minister hat sich dieser Erklärung für die Reichsanleihen — die Dawes- und Younganlcihe sowie die Kreuger- und Lee-Higginson-Anleihen— angeschlossen. Es handelt sich also zunächst um die vollständige Zahlungseinstellung auf alle privaten und öffentlichen Verpflichtungen. Die Zahlungseinstellung ist sicher, die Wiederaufnahme von Zahlungen bleibt völlig im Ungewissen. Die nationalsozialistische Revolution hat es wenigstens in einem Punkt wirklich zur Totalität gebracht. Aber, so wird ein SA.-Prolet sagen, ist das nicht schön? Im Innern ist zwar von der Brechung der Zinsknechtschaft, die einst die„stählerne Achse" im nationalsozialistischen Programm war, keine Rede, die Banken haben ihre Milliarden Subventionen nun einmal genossen und bleiben durch die Hitler, Schacht und Schmitt vor/jeder Gefahr der Verstaatlichung bewahrt, aber dem Ausland haben wir es gezeigt— nichts wird mehr gezahlt. Wir brauchen unser Geld selbst für Arbeitsbeschaffung und den kommenden Krieg. Heil Hitler! Der arme SA.-Mann begegnet eisiger Stille und sieht nur bestürzte Gesichter. Kein einziges Heil! Er versteht die Welt nicht mehr. Aber niemand spricht mit ihm, es ist zu gefährlich. Nur einer flüstert: waswirdausderMark, was wird aus unserer Versorgung mit dem nötigsten Einfuhrbedarf? Und schon ist er wieder in der Menge verschwunden. Die Antwort des Aaslands Auch die gleichgeschaltete Presse ist auffallend kleinlaut. Demütig fleht sie das Ausland an: seid einsichtig, keine Gegenmaßnahmen, die Euch auch schaden und den internationalen Handel hindern könnten, für den wir Ex-Autarkisten jetzt so schwärmen. Gebt unserem Dumping- export frei Bahn, dann werden wir auch brav wieder zahlen. Sie haben kein Glück. Der englische Schatzkanzler Neville Chamberlain hat auf eine Anfrage im Unterhaus erklärt, die britische Regierung habe der deutschen mitgeteilt, daß sie sich durch Gesetz zur Schaffung einer anglo-deutschen Clearingstelle ermächtigen lassen werde. Sie werde von dieser Ermächtigung Gebrauch machen,„falls vor dem 1. Juli eine Verständigung nicht erzielt werden könne, die den britischen Obligationsinhabern und dem britischen Handel eine annehmbare Behandlung sichern würde". Welchen Obligationen das Clearing zugute kommen würde, bleibe noch zu bestimmen und werde vom Ausgang der Verhandlungen mit Deutschland abhängen. Unwirsch erklärt darauf die deutsche Regierung, unter dem Druck einer solchen Drohung wolle sie nicht verhandeln; aber dann wird wohl das Clearing ohne Verhandlungen kommen. Das Gesetz ist inzwischen im britischen Unterhause eingebracht worden. Das französische Finanzministerium erklärt In Uebereinstimmung mit dem Außenministerium, daß alle Maßnahmen zum Schutz der französischen Gläubigerrechte getroffen werden sollen. Im Vordergrund der Erwägungen stellt die Einführung einer Recovery-Abgabe, wie sie während der Reparationszahlungen erhoben wurde. Der französische Importeur würde zugleich mit dem Zoll einen Teil des Preises— man denkt an den früheren Satz von 26 Prozent— in französischen Francs zu erlegen haben. Diese Beträge würden den französischen Zahlstellen für die Dawes- und Younganle'ihe überwiesen werden, die die Gläubiger befriedigen würden, während die deutsche Regierung dem deutschen Exporteur den zurückbehaltenen Wert ersetzen müßte. Frankreich ist an privaten Anleihen in nicht nennenswertem Maß interessiert und wird seine Aktion in erster Linie auf die Reichsanleihen beschränken. Es wird versuchen, womöglich mitEngland gemeinsam vorzugehen und Schweden wird sich jedenfalls für die Kreuger-Anleihe einem solchen Vorgehen anschließen. Aber e« ist den Regierungen auch ernst, werden sie nicht schließlich vor dem in seinem Führer und im Bankrott geeinten Volke zurückweichen wie in der Aufrüstungsfrage? Die englische Presse ist diesmal sogar energisch, und am unfreundlichsten ist gerade die„T i m e s", die sich sonst im Verständnis für Hitlers Außenpolitik höchstens durch den „Daily Herald" übertreffen läßt. Der„Temp s" aber schlägt Töne an. die man schon lange nicht gehört bat: Deutschland würde zahlen können, wenn es nicht über seine Verhältnisse leben wollte, wenn es nicht enorme Summen in ganz unproduktiven, kostspieligen Arbeiten vergeudete, in industriellen Investitionen, die die Bedürfnisse der Produktion weit überstiegen, in ruinösen sozialen Experimenten, schließlich und hauptsächlich in Rüstungsvor- bereitungen, die den Friedensvertrag verletzen. Jetzt wirft es die Maske ab und zeigt sein wahres Gesicht. Es beschließt das Moratorium im selben Augenblick, da es die Kühnheit hat, seine Budgetausgaben für Heer, Marine und Luftfahrt um Hunderte von Millionen zu steigern, wo et neben der Reichswehr eine zweite irreguläre Armee unterhält, wo es unbegrenzte Ausgaben für die Konsolidierung des nationalsozialistischen Apparates des Regimes aufwendet. Die Wahrheit ist, daß Deutschland heute wie gestern die ihm für den uirtschaftliihen Wiederaufbau geliehenen Milliarden heimlich zur Wiederherstellung teiner Militärmacht benügt: e t i s t das Geld der anderen Nationen, mildem et die Rüstungen gegen sie betreibt. Militärische Ausgaben. Ausgaben für politische Propaganda, Ausgaben für übermäßige Rohstoffeinfuhren zu dunklen Zwecken. Ausgaben für demagogische Zwecke, getarnt als Arbeitsbeschaffung, schrankenlose Verschwendung auf allen Gebieten und unter allen Formen, systematischer Rücklauf— mit geliehenem Geld!— eines Teils seiner langfristigen Anleihen im Ausland, das alles gibt der neuen deutschen Zahlungseinstellung den betrügerischen Charakter. Es wird schicer sein, nach all dem die deutsche Kreditfähigkeit in der Welt wieder herzustellen und einem Lande wieder Vertrauen zu schenken, das mit solchem Egoismus seine Verpflichtungen unerfüllt läßt, das grundsäglich für die Achtung vor Verträgen kein moralisches Gefühl besitft, sei es auf dem Gebiete der Wirtschaft und der Finanzen, sei es auf dem Gebiete der Politik." Und der„Temps" schließt mit der Ankündigung, die französische Regierung bereite sich darauf vor, die nötigen Maßnahmen zum Schutz der finanziellen und wirtschaftlichen Interessen zu treffen: „Die Verteidigung gegen einen böswilligen Schuldner ist legitim. Die Verteidigung wird energisch und wirksam sein, daran ist kein Zweifel gestattet."« Wer aber an dem Ernst dieser Ankündigung noch zweifeln will, mag die Tatsache bedenken, daß der Kurs der Dawes- und Younganleihen trotz der deutschen Zahlungseinstellung auf den internationalen Plätzen nicht zurückgegangen ist. Ja, die„Frankfurter Zeitung" meldet sogar umfangreiche Pariser Käufe in Younganlcihe! Und Kurse verpflichten in der kapitalistischen Welt die Regierungen... Während sich die Regierungen Frankreichs, Englands, Schwedens zunächst um die Bezahlung der Reithsanleihen kümmern, gilt die Sorge der holländischen und schweizerischen Regierungen vor allem der Bezahlung der privaten Schulden. Sie bestehen auf einer Sonderregelung und drohen ebenfalls mit Zwangsclearing. Aber jedes Zugeständnis an sie würde dann von den anderen Gläubigern und ihren Regierungen nach ihren wiederholten Erklärungen ebenfalls in Anspruch genommen werden. Die Vereinigten Staaten haben bereits zu einer Gegenmaßnahme gegriffen. Das Repräsentantenhaus hat eine Entschließung angenommen, nach welcher die amerikanischen Zahlungen an Deutschland für den Ausgleich von Kriegsschäden vorläufig nicht ausgeführt werden sollen, bis nicht Zinsen und Tilgungsbeträge aus den amerikanischen Anleihen von Deutschland transferiert werden. Die nächsten Wochen werden also mit sehr schwierigen Verhandlungen angefüllt sein, die zum Teil bereits begonnen haben. Ihr Ausgang steht dahin. Aber wahrscheinlich ist es nicht, daß Schacht die volle Zahlungseinstellung für irgend eine in Betracht kommende Zeit oder gar seine lächerlichen Angebote für später wird durchsetzen können. Und was wird dann aus der Mark und der Sicherung der nötigsten Einfuhr? Das Problem der MarkentwhklDng Der deutsche Außenhandel zeigt im Mai ein neues Defizit von 42 Millionen. Es ist zwar geringer als das bisher überhaupt höchste vom April(82 Millionen), aber im Mai des Vorjahres war noch ein Ueberschuß von 89 Millionen zu verzeichnen. Im ganzen beträgt das Defizit der ersten fünf Monate 178 Millionen. Auf das Jahr übertragen käme man zu einem Defizit von über 400 Millionen. Nun wird sich das Defizit in den nächsten Monaten wohl schon durch die Wirkung der Einfuhrdrosselung vermindern. Andererseits aber bringt die Ausfuhr wegen der Bezahlung der Scrips und Sperrmark nicht in ihrem vollen Umfang Devisen. Nach der Meinung des Konjunkturinstituts wäre der Devisenerlös aus der Ausfuhr im Monatsdurchschnitt um mehr als 40 Millionen hinter ihrem Bruttowert zurückgeblieben. Das wäre also im Jahre ein Entgang von ca. 500 Millionen Devisen. Jedenfalls bleibt ohne gründliche Aenderung der Handelsbilanz ein Defizit, das durch Gold oder Devisen zu decken wäre. Und hier steckt das Problem der Markentwicklung. Vor der Verkündung der Zahlungseinstellung wurde die Mark im Ausland rückgängig und zeitweilig bis zu 7 Prozent unterbewertet. Viele Kreise rechneten bestimmt mit einer Devalvation, einer Abwertung der Mark um ca. 40 Prozent und manche ausländische„Sachverständige" sehen darin die Lösung mancher Schwierigkeiten. Das ist aher eine vollständige Verkennung der Dinge. Die Devalvation hat heute für Deutschland nur sehr beschränkte Wirkungen. Denn der Export wird ohnehin durch die Scrips- und Sperrmarkzahlungen verbilligt. Die Devalvation würde diesen Vorteil etwas verallgemeinern und für kurze Zeit vergrößern. Dann kämen die Gegenmaßnahmen des Auslandes gegen das Dumping, die Steigerung der Rohstoffpreise und in ihrem Gefolge die Steigerung der Inlandpreise. Vor allem aber würden die bereits jetzt beginnenden Sachwertkäufe rasch zunehmen. Nun sind bereits, wie wir schon wiederholt gezeigt haben, im Innern die objektiven Bedingungen der Inflation längst gegeben. Milliarden„Wechsel" sind begeben, die heute außer bei der Reichshank, bei den Banken und Sparkassen untergebracht sind. Werden Depositen und Sparkassenguthaben abgehoben, um Sachwerte zu kaufen, so müssen die Institute die Wechsel, Steuergutscheine Schatzscheine usw. zur Reichsbank bringen, die sie mittels der Notenpresse in„Bargeld" umwandelt. Die Preise steigen trotz aller diktatorischen Befehle und die Inflation wird offenkundig. Deshalb ist die D e v a I v a t i o n für die Diktatur lebensgefährlich und davon hat Schacht Hitler überzeugt. Andererseits: die Wechselreiterei, die ganze ungedeckte Au» gaben Wirtschaft, das Hineinpumpen von Papiermilliarden in die Wirtschaft hat den Einfuhrbedarf in die Höhe getrieben, die Passivität der Handelsbilanz erzeugt und den Gold- und Devisenvorrat erschöpft. Und das ist die andere Seite der Krise der deutschen Wirtschaft. Solange die Wirtschaft andauert, bleibt das Passivu-j der Handelsbilanz. Eine Devalvation ändert daran gar nichts(eine ganz vorübergehende Steigerung des Exports vielleicht ausgenommen), schon deshalb, weil kein ausländischer Importeur seine Ware heute zu einem anderen als dem vollen Gegenwert in seiner Valuta verkauft. Das Defizit der Handelsbilanz kann nicht mehr in einer sich immer mehr entwertenden Mark ausgeglichen werden, weil heute die Mark von Anfang an repudiert(zurückgewiesen) würde. Der Kurs einer im Wert herabgesetzten, devalvierten Mark ist deshalb genau so schwer oder so leicht zu halten als der der vollwertigen. Auch die herabgesetzte Mark würde zurückgewiesen, ihr Wert ins Bodenlose fallen, sobald ihre Verwandlung in Gold oder fremde Valuta zweifelhaft ist. Eine neue deutsche Inflation würde eben an dem Punkt beginnen, wo sonst Inflationen aufhören— bei einem völlig erschöpften Gold- und D e v i- senvorratundmitsofortigerRepudierung (Annahmeverweigerung) d e r M a r k. Deshalb ist es für die Diktatur eine Frage auf To 4 und Leben, wieder eine aktive Zahlungsbilanz zu bc-c kommen. Deshalb zunächst das Moratorium. Die Zahlungsverpflichtungen für die Zinsen ohne Tilgung belaufen sich, auf das Jahr gerechnet auf ca. 600 Millionen; 115 Millionen: davon entfallen auf den Zinsendienst für die Reichsanleihen, Bei vollständiger Zahlungseinstellung würde vielleicht dc$ voraussichtliche Defizit der Handelsbilanz gedeckt werde,t können. Aber eben diese vollständige Zahlungseinstellung stößt auf kaum besiegbaren Widerstand. Die Diktator Isaf keinen Ausweg Dann bliebe nur das andere Mittel! Beseitigung des Passivismus der Handelsbilanz. Ist das möglich? An sich gewiß! Aber die Bedingungen sind zu hart. Die Diktatur müßte aufhören, ungedeckte Ausgaben zu machen. Sie müßte also die Rüstungsausgaben einstellen, ebenso die Ausgaben für die SA. und SS., für den ungeheuer aufgeblähten Herrschafts- und Verwaltungsapparat; sie müßte eine vernünftige Handelspolitik treiben und nicht die Industrie zugunsten eines überspannten Agrarprotek- tionismus totschlagen: sie müßte aber auch die unproduktiven Arbeiten einstellen, den Autostraßenbau vor allem und sie müßte die Arbeitsbeschaffung mit Steuern und nicht mit faulen Wechseln finanzieren. Kann sie das tun? Der Finanzminister hat eben erklärt, daß die Regierung nicht mehr in der Form des vorigen Jahres zusätzliche Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen einleiten werde. Freilich, hat er hinzugefügt, der Bau der Reichsautobahnen und die„Frage der Siedlung" müßten weiter erledigt werden. Aber die Einschränkung dieser Maßnahmen— die Entlassung von 100 000 Notstandsarbeitern im Mai war ja schon ein kräftiger Anfang— bedeutet das Aufhören der ganzen künstlichen Wirtschaftsbeziehung, neues Sinken aller Einnahmen und Rückfall in die Krise mit stärkerer Arbeitslosigkeit als je. Und an die maßlose Verschwendung für den Machtapparat der nationalsozialistischen Partei, an die Ausgaben für Rüstungen, an die Vergeudung, die heute kontrollelos in allen öffentlichen Körperschaften getrieben wird, zu rühren, darf so ein gleichgeschalteter Minister erst gar nicht wagen! Es bleibt die Drosselung der Einfuhr durch Gewaltmaßnahmen. Es kommt genau so, wie wir es vorausgesagt haben. Am 1. Juli soll ein Einfuhrlizenzsytten für Kaffee eingeführt werden... Trotz aller Redensarten werden die Einfuhren von immer mehr Gütern des Massenkonsums gedrosselt werden, um Devisen zu sparen und die Einfuhren für die Rüstungsindustrie bezahlen zu können. Vergebens, denn die Drosselung der Einfuhr drosselt rückwirkend schließlich die Ausfuhr. In diesen falschen Kreis sind die Wirtschaftsführer der Diktatur gebannt. Die Krise des deutschen Zahlungssystems hat rasch zur Krise der deutschen Wirtschaft geführt. Ihre Weiterentwicklung hängt heute vor allem von dem Verhalten des Auslandes ab, in dessen Abhängigkeit die Befreier des deutschen Volkes so schmählich geraten sind. Würde es sich nur um Rüstungen handeln, um Krieg und Frieden, Hitler fände vielleicht wieder freundliche Förderer. Aber es geht um mehr— um bare Zahlung. Und da sind die Aussichten trüber. Sich sein Eigentum konfiszieren zu lassen, nur um die Rüstungen, den Machtapparat, die Demagogie und die Vergeudung der Hitler und seiner Bande zu bezahlen, dazu hat das Ausland doch wenig Neigung. Es kommt zum Zahltag! Dr. Richard Kern. Starker Küdtiluo deutscher Scheidemünzen Berlin, 23. Juni.(Inpreß): Im„Reichsanzeiger" wird bekanntgegeben:„... Schließlich wird, um einem in der letzten Zeit verstärkt in Erscheinung getretenen Rückfluß von deutschen Scheidemünzen aus dem Ausland zu begegne»», die Gutschrift de.« Gegenwertes solcher eingesandten Scheidemünzen auf Sperrkonto angeordnet." Diese Anordnung ist das Eingeständnis, daß der Rückfluß deutscher Silber- und Nickelmünzen sich„in letzter Zeit" außerordentlich verstärkt hat, weil die Besitzer die völlige Entwertung fürchten; sie bedeutet praktisch, daß das Reith seinen eigenen Münzen nicht mehr als Zahlungsmittel annimmt, wenn sie einmal in* Ausland gelangt s'*" 4 &eutsffke Stimmen•(Beil a&e zur„!Deutscfäen Freiheit"• freigmisse und Qe&dk'idfei&iü Dienstag, den 26. Juni 1»34 Jioudfaet scheißt 5 ÖOO Itlotk Renegaten an die$cant Das Preisausschreiben des Max Barthel Einer der schmierigsten und damit erfolgreichsten Renegaten aus den Märztagen 1933 ilt Mix Barthel gewesen. Aon der Schriftleitung der„Arbeiter-Jugend" wurde er vorm Kriege entdeckt und gefördert. Durch den Krieg ging er sozusagen als Defaitist. Keines seiner bei Eugen Diederichs erschienenen Kriegsbücher enthält eine kriegsbejahende Verszeile. Die Revolution 1918 19 sah ihn als Spartakisten. Barthel schnaubte Feuer wider die Noskiden. In glühenden Strophen besang er das revolutionäre Petrograd, und diese Strophen legte er Karl Radek zu Füßen. Zweimal zog er nach Sowjetrußland, er gehörte sogar dem Stab einer internationalen Brigade an, wenn man seinen zahlreichen Rußlandromanen Glauben schenken kann. Eines Tages kehrte Max Barthel„heim". Er dichtete nur noch„gemäßigt links" und war beglückt, wenn ihn jemand„einen der größten deutschen Lyriker", einen wahren„Volksdichter" nannte. Der Grund seiner Umkehr? Heute kann man mit Recht vermuten, daß ihn die mageren Honorare der KPD.- Presse zu den besseren der SPD.- und der bürgerlichen Presse führten. Anfang 1932 stand Max Barthel, ein massiver Freiheitskämpfer, vor einer Sportpalastversammlung der„Eisernen Front" und sprach bekennend: „Wir wollen nicht das dritte, wir wollen das neue Reich, in dem ein jeder frei ist und brudergleich!" Dann setzte er sich an seine Schreibmaschine und verbrach ein satirisches Laienspiel gegen die Nazi„Putsch in Dingsda" oder so ähnlich. Er war sehr darauf bedacht, daß auch alles gut honoriert wurde. Und gegen gutes Honorar lieferte er bis dicht an den„braunen Volksumbruch" heran klirrende Freiheitsgesänge. Dann konnte sich Barthel jedoch nicht mehr dem Eindruck entziehen, daß die NSDAP., gemessen an den proletarischen Parteien, eine„blühende Frühlingswiese" sei, nämlich die Honorare betreffend. Mit turbulenter Achsenumdrehung wurde er Nationalsozialist, und wahrlich, es hat sich für ihn gelohnt. Er hatte in Hülle und Fülle zu tun. Artikel wider die Emigrantenpest, Gedichte„im Geiste des neuen Arheitertuma" entstanden. Auch stürzte er sich sofort in ein großes braungefärbtes Romanprojekt. Nebenbei half er einem anderen Renegaten Manuskripte bearbeiten. Dann war der Rundfunk da und begehrte den Herrn Arbeiterdichter und— o schönstes Glück—: er durfte den ersten Kalender der„Deutschen Arbeitsfront" redigieren.(Es geschah mit Schwung, und dabei kam es ihm gar nicht darauf an, ohne weiteres Gedichte Karl Brögers nachzudrucken, der um diese Zeit in Dachau saß, und für dessen Freilassung Herr Barthel keineswegs seine Stimme erhob, während sich Bröger 1919 öffentlich für die Entlüftung des Spartakisten Max Barthel eingesetzt hatte.) Ja, Max Barthel nutzte die Konjunktur, die darin lag, der wichtigste frisch importierte Arbeiterdichter des nationalsozialistischen„Arbeitertunis" zu sein. Die fetten Honorare regneten nur so ins Haus, und gewiß sieht er jetzt noch zufriedener aus als damals auf dem Foto des Arbeiter- jugend-Almanachs 1925, das ihn vollgesichtig, saturiert, mit aus dem Mundwinkel hängender Zigarre zeigte. Endlich konnte er ja auch den Stand eines freien Schriftstellers mit dem eines Literaturbeamten verbinden. Die „Deutsche Arbeitsfront" wußte den Barthel zu gebrauchen. Sie machte ihn zum Schriftleiter der gleichgeschalteten ,.B ü ch e r g i 1 d e". Er räumte auf! An Stelle von L. Traven und anderen Kerlen proletarischen Blutes druckte Barthel jetzt den E u r i n g e r, den Oswald C o 1 e r(Reichs- betriebsgruppenleiter), sich selbst und Hitler-Worte. Im übrigen mühte er sich ab, unter den proletarischen und anderen linksgerichteten Schriftstellern Renegaten zu machen. Und darin besteht seine Funktion, um deretwillen er vom Fußtritt des Dr. Mahatma Propagandhi verschont blieb. Der Nationalsozialismus hat keine Arbeiterdichter hervorgebracht, aber er hat ein sogenanntes„Arbeitcrtum" unter seinem Phrasenschatz, und das soll durch Blutübertragung zum Leben gebracht werden. Herr Barthel soll das besorgen. Kann er seinen guthezaklendrn Auftraggebern Erfolge nachweisen? Es sieht damit mäßig aus. Gewiß konnte es mit fetten Brocken den und jenen hungrigen Schriftsteller fischen. Diese armen Burschen versuchen Mimikry zu treiben wie der marxistische Prolet im Betrieb. Sie schreiben an den Dingen vorbei, liefern Ware ohne Hakenkreuzmarke, wenn auch mit Volkstum",„Deutscheinheit" usw. garniert und mancher von ihnen lebt daneben in illegaler Betätigung sein eigentliches Leben. Nein, wesentliche Erfolge konnte Herr Barthel nicht verzeichnen. Der H e i n r i ch L e r s ch und der H e r- mann Claudius kommen nicht auf sein Leistungskonto. Die beiden waren ebenso fix wie er auf der honorarspenden, d-n Frühlingswiese" gewesen. Der Lersch hatte in solchen Dinee'n einige Uebuiig, vermochte er doch mit dem„Hammerklang" seiner in stete, Reklame fest strapazierten väterlichen Kesselschmiede bisher schon die Liebe der arbeitenden Jugend und das Wohlwollen de. Generaldirektors Vogler auf sich zu vereinen. Er war ja ein so vorsichtig über den„Par- teiungen" stehender„Volksdichter" gewesen.... Bis zum Umstürze hatte er bei keiner Wahl einen Stimmzettel abge- geben, dann allerdings konnte er sah dem Zwang de, zur Ii lk„In, urteil Volksgeistes nicht mehr entziehen. Dem L-'S, J». I M., 1,33 der Deutsche.. Arbeitsfront" ein Lied zuzueignen Er machte i inen hütic er in der Verfassungsnummer des schwarz- ™--«!-?•{"" endeten für pin Menschheitsvaterland.(Nach derlnh den herrschenden Geschmack Rücksicht nehmen, und alle Anzeichen sprechen eben dasür, daß die„weibliche Frau" wieder große Mode wird. Die„Knabengestalt", durch viele Jahre das Ideal aller jungen Mädchen, beginnt jetzt unmodern zu wer- den, und die Filmverträge sehen nicht mehr eine bestimmte, in kurzer Zeit zu leistende Gewichtsabnahme, sondern in den meisten Fällen eine Mastkur vor, der sich die jungen Staraipirantinnen unterziehen müssen. Man trägt wieder„voll- schlank", und Abmagerungskuren sind beinahe schon Kultur- kuriosa einer vergangenen Epoche... Das Zeitalter der„üppigen Frau" der Jahrhundertwende tst im Film derzeit allergrößte Mode, und das Publikum macht sich langsam die Schönheitsbegrisse der Großeltern zu eigen. Ein Beweis dasür ist die Popularität, die sich Mae West in überraschend kurzer Zeit in Amerika erringen konnte, eine Frau, die nicht nur eine hervorragende Schau- spielerin ist, sondern die in allem und jedem dem Schön- heitsbegriff der neunziger Jahre entspricht. Da man noch nicht über genügend vollschlanke Darstellerinnen für moderne Spielfilme verfügt, dreht man eben Kostümsilme, bei denen die Darstellerin die gewünschte Wirkung durch das Kostüm erzielen kann. Ich glaube, daß es sich hier um Geschmacks- auswüchse handelt, die bald wieder vorüber sein werden. Die Mode wird den goldenen Mittelweg einschlagen und sich mit zart angedeuteten fraulichen Formen begnügen, jenem Typus, mit dem ich mich auch ohne viel Schwierig- ketten werde befreunden können, da ich ja die Auswüchse der Männermode nie mitgemacht habe. Auch die Haartracht paßt sich selbstverständlich der neuen modernen Linie an. Vorläufig hält man beim Knuten, der im Nacken getragen wird. Allerdings nur zur Abendklei- dung, während zur Sportkleidung noch immer das kurz- geschnittene Haar erlaubt ist. Man darf ja nickt vergessen, daß der Sport die Mode unsres Jahrhunderts entscheidend beeinflußt hat und nach wie vor beeinflussen wird. Hier sind auch allen„Weiblichkeitsbestrebungen" Grenzen gesetzt, denn Sport zu treiben, wird sich wohl keine Frau versagen. Der Sport aber verlangt— zum Unterschied von der Frau des 19. Jahrhunderts, die jetzt von vielen Seiten als Ideal propagiert wird— Sehnen und Muskeln und verhindert jeden übertriebenen Fettansatz. Der Sport wird auch stets seine zweckmäßige Kleidung verlangen, ein Skiläuferin mit kunstvoll aufgebauter und ondulierter Frisur wird auch in den nächsten Jahrzehnten eine Unmöglichkeit sein. Wir dür- fen ein Schlagwort nicht mißverstehen. Die Verweiblichung der Frau darf keine Extreme schaffen. Wir Frauen fügen uns allzu leicht einem Modediktat und vergessen gern, daß es hauptsächlich Männer sind, die die Mode machen. Wie weit wir in unsrer„Verweiblichung" zu gehen haben, wer- den wir allein zu beurteilen wissen, und gerade eine wirk- liche Frau hat es nicht notwendig, sich hier einem männlichen Diktat zu fügen. Wenn wir das Schlagwort„Wir müssen wieder Frauen werden!" aufnehmen, so dürfen wir niemals vergessen, daß wir nie aufgehört haben, Frauen zu sein... Allen männ- lichen Modesikationen zum Trotz liegt das Geheimnis, den Männern zu gefallen, ja doch in unsrer Fraulichkeit, und dieses Geheimnis hat, unberührt von allen Modelaunen und Geschmacksveränderungen, bei jeder wirklichen Frau seine Wirkung bewiesen. bb Thingststten Altgermanische Kultstätten, sogenannte Thing- Plätze, sollen an 66 Stellen des Reiches errichtet werben. Aus dem Heiligen Berg bei Heidelberg, bei Neustettin, bei Tilsit, im Schloß von Koblenz, in Nordheim, Jülich, auf der Löwenburg bei Honnef und an anderen Orten wird bereits an den Thingplätzen gearbeitet, Allerdings wird das Thing des„dritten Reiches" weder eine Stätte der Gerichtsbarkeit, noch eine Stätte der Volksversammlung sein. Das„dritte Reich" hat mit den Thingplätzen die Errichtung von germani- schen Lunaparks und Rummelplätzen begonnen. Blumenstrauß für 10000 Mark Der teuerste Blumenstrauß, der jemals einer Frau ge- schenkt wurde, ist dieser Tage der Königin von England über- reicht worden. Sein Wert wird auf 19 669 Dollar geschätzt und es bedurste ganz besonderer Kunstfertigkeit, um dieses kostbare Angebinde herbeizuschaffen. In Mexiko wurde kürzlich eine neue Blumenart entdeckt, der die Botaniker den wenig poetischen Namen„Binastur- dum" verliehen haben. Diese Blume ist zum ersten Mal in den Besitz des Züchters und Großhändlers Atlee Burpee gelangt, der über zahlreiche Treibhäuser und Gärtnereien in Philadelphia verfügt. Die Blume aus Mexiko beflügelte sofort die Fantasie des Mister Burpee. Er ließ sich seinen geschicktesten Gärtner, einen Japaner, kommen und betraute diesen mit ihrer Pflege und Kreuzung. Da aber die Züchtung im Treibhaus zuviel Zeit beansprucht hätte, ließ er die Triebe im Flugzeug nach Kalifornien bringen, wo sie dreimal weniger Zeit zur Enl- Wicklung brauchen. Als die herrlichen Blumen in voller Farbenpracht erstrahlten, belegte Burpee einen beträchtlichen Raum aus einem Luxusschlsf und fuhr mit seinen blühenden Schätzen nach Europa, um sie hier den englischen Gärtnern vorzuführen. Seine erste Tat war, der Königin von England den teuersten Blumenstrauß der Welt zu schicken. Man darf aber nicht glauben, daß es nur eine romantische Anwandlung war, die Mister Burpee zu dieser großzügigen Geste bestimmt hat. Seine Blumen wurden mit einem Schlag berühmt und die Bestellungen, die ihm von den oberen Zehntausend jetzt zufließen dürften, werden die investierten 16 666 Dollar reichlich hereinbringen. Die Sewyorker trinken weniger Alkohol Neuyork, 18. Juni. Seit der Aushebung der Prohibition ist der Konsum an alkoholischen Getränken im Staate Neu- york erheblich gesunken. Das alte Sprichwort, daß nur ver- botene Früchte gut schmecken, hat sich wieber einmal bewährt. Es war eines der Hauptargumente der„Nassen" in ihrem Kampf gegen das verhängnisvolle Gesetz. Vor allem unter der Jugend macht sich eine-Abkehr von Bier und Wein bc- merkbar. Die flachen Fläschchen, die man früher mit spitz- bübischem Lächeln aus der hinteren Hosentasche zu ziehen pflegte, haben ihren Sinn verloren. Der Amerikaner beginnt Milch zu trinken! Die Regierung des Staates Neuyork ist über diese segensreichen Folgen der demokratischen Cam- pagne ebenso erfreut wie die Milchfarmbesitzer! Froschhüpfen- der neueste Rennsport Vor ungefähr 26 666 Zuschauern fand in Angelo Camp in Kalifornien ein Wettspringen statt, an dem 256 Frösche teil- nahmen. Dieser Wettbewerb ist durch eine Novelle von Frank Twain inspiriert worden und findet jedes Jahr zur Erinnerung an die Goldsucherzeit seinen Austrag, in der derartige Zerstreuungen unter den Minenbesitzern und Abenteurern sehr volkstümlich waren. Der Rekord im Froschhüpfen wurde vor mehreren Jahren von dem Frosch zBudweiser" aufgestellt, der in einem Kampf 13 Fuß zurück- legte. Dieses Ergebnis ist in diesem Jahr nicht erreicht wor- den. Der Sieger des Wettbewerbes,„General Grant", ist nur 12 Fuß. 5 Daumenlängen weit gesprungen. Dabei ist zu beachten, daß die Tpringordnung festsetzt, daß die Teilnehmer drei aufeinanderfolgende Sprünge machen dürfen. Die Summe ihrer Leistungen wird dann als ein Sprung be- trachtet.- Unsere Töchter, die Oapnen Roman von HermyniaZurMühlen. 6 Die Toni hat einen Augenblick geschwiegen. Und wie sie wieder geredet hat, ist ihre Stimme gequält und traurig gewesen: „Ich habe jetzt so viel Zeit zum Nachdenken, Seppel. Und da habe ich gesehen, daß nichts von dem geschehen ist, was 1918 versprochen wurde. Unser Reichskanzler ist ein Zen- trumsmann und die Partei läßt ihm alles durchgehen, jede Notverordnung, alles. Und die Kommunisten schreien, aber sie tun nichts. Tie andern haben ein Programm, das für Teutschland paßt. Nein, sag nichts, ich bin meiner Sache noch nicht sicher. Aber ich habe so das Gefühl, daß die wirk- liche revolutionäre Kraft bei ihnen ist. Und darauf kommt es ja an. Alle Parteien haben uns enttäuscht. Wir müssen den Nationalsozialisten Gelegenheit geben, zu zeigen, was sie können. Sie werben dem deutschen Arbeiter helfen, sie wer- den das raffende Kapital beseitigen, sie werden die großen Betriebe verstaatlichen. Sie werden uns von den Friedens- vertrügen befreien, und unser Land wird wieder stark wer- den, ein mächtiger Arbeiterstaat." „Mein Gott, Toni, woher nimmst du das alles?", habe ich sie erschrocken gefragt. „Ich Hab doch viel Zeit", es war, als wollte sie sich ent- schuldigen,„so schrecklich viel leere Stunden. Und ich weiß, daß ich, wenn es so weiter geht, keine Arbeit mehr kriege. Aber ich will wieder arbeiten. Ich habe die nationalsozialisti- schen Zeitungen gelesen, ich habe mit Nationalsozialisten ge- sprachen, und neulich war ich in einer Versammlung und habe den Führer reden gehört/" Der Seppel hat mit der Faust auf den Tisch geschlagen, daß es nur so gedröhnt hat. „Den.Führer! Den Führer! Wenn du schon so spricht, ist mit dir nichts mehr anzufangen. Tu... du Nazine!" Und damit hat er seine Mütze genommen und ist ohne einen Gruß aus der S'ube gelaufen. Meine Toni hat ihm nachgeblickt, mit traurigen Augen, und ich Hab gesagt: „DaS ist doch nicht dein Ernst, Toni? Das kannst du nicht, daS darfst du nicht tun." „Lab mich, Mutter," hat sie erwidert.„Das muß ein jeder mit sich selbst ausmachen." Die Wut ist mich angekommen, und ich Hab ganz laut geschrien: „Du gehst mir in keine Naziversammlung mehr. Du wirst nichts mehr mit dem Pack zu tun haben." „Bor vielen Jahren, Mutter, hat man die Sozial- demokraten auch ein Pack genannt. Ich habe es in Vaters Büchern gelesen. Und ich bin kein Kind mehr, ich lasse mir nichts verbieten." Ich Hab mich aufs Bitten verlegt, Hab ihr alles gesagt, was ich weiß,— freilich ist das recht wenig. Aber sie hat nur den Kopf geschüttelt. „Ouäl mich nicht. Mutter. Es nützt nichts. Ich sage ja nicht, daß ich... Glaubst du, es fällt mir leicht, mit allem zu brechen, woran ich so lange geglaubt habe? Aber schau, ich bin ein Proletariermädel, ich muß zu denen halten, die zu uns halten. Nicht zu einem Herrn von Hindenburg, auch nicht zu einem Menschen, der nur das tut, was ein fremdes Land, was die Juden von ihm verlangen, sondern zu einem aufrechten deutschen Arbeiter, zu einer Partei, die verfolgt wird, eben weil sie revolutionär ist." Sie ist aus der Stube gegangen, und ich Hab geweint und nicht gewußt, ob ich froh sein soll, daß mein Anton tot ist, oder ob meine Toni, wenn der Vater noch leben würde, auch so gesprochen hätte. Und ich Hab Angst gehabt, um mein Kind und um unser Land und uns alle. Jetzt sind wieder einmal schwere Tage für uns gekommen: ich mußte zusehen, wie mein Kind, meine Toni, mir immer fremder wird. Ich habe oft an meinen verstorbenen Groß- vater denken müssen. Ter war ein frommer Mann und es hat ihn tief geschmerzt, daß seine Kinder nicht so gläubig waren wie er. Ich erinnere mich an einen Ostertag. Ich war damals vielleicht zwölf Jahre alt. Der alte Mann hat die ganze Karwoche fast nichts gegessen und ist beinahe alle Tage von früh bis abends in der Kirche gewesen. Am Ostersonntag hat er schrecklich ausgesehen, ganz eingefallen und kalkweiß im Gesicht- Ich bin erschrocken, denn ich habe den Großvater sehr lieb gehabt und habe ihn gefragt: „Was ist dir, Großvater? Bist du krank?" Er hat mir aus seinen tiefliegenden Augen einen seltsamen Blick zugeworfen und gegntwortett „Nein, mein Kind. Ich habe nur die ganze Woche mit Gott um die Seelen meiner Kinder gerungen." So wie der alte Mann, hat nun auch meine Toni gerungen, nicht mit Gott, aber mit sich selbst und mit der alten und der neuen Ueberzeugung- Sie hat keine Heiligen angerufen wie der Großvater, aber sie hat Bücher und Zeitungen Hergenom- men und in ihnen studiert, in den alten Büchern meines Anton, in denen die Wahrheit steht, und in den neuen Büchern und Broschüren der Nazipartei. Ich hätte ihr ja gern ge- Holsen, aber ich durfte nichts sagen:.sie wurde gleich aus- fallend, wenn ich ein Wort sprach. Wie sie im April gewählt hat, weiß ich nicht: ich hatte nicht den Mut, sie zu fragen. Uebrigens ging es vielen von den älteren Menschen so. Ihre Kinder wandten sich von ihnen ab, und sie konnten nichts dagegen tun. Es war wie eine ansteckende Krankheit. Eines tat mir die Toni wenigstens nicht an: sie brachte keine Nazis ins Haus, aber ich wußte, in unserer kleinen Stadt erfährt man ja alles, daß sie mit ihnen zusammenkam. Ich muß ja sagen, daß ich bald selbst von unserem alten Reichspräsidenten enttäuscht wurde. Wem hielt er die Treue? Nicht einmal den Bürgern, die sich so oft für ihn eingesetzt hatten, geschweige denn den Unfern. Meine Nachbarin hat ein Radio, und ich ging nun häusig zu ihr, um die Minister- reden und die Nachrichten zu hören. Aber man wurde nicht klug aus ihnen. Die Minister wechselten, die Kanzler wech- selten. Und jeder Neue versprach uns das Blaue vom Himmel. Die Nazipartei in unserem Städtchen wurde immer größer. Besonders als das Uniformverbot aufgehoben wurde, da drängten sich alle jungen dummen Burschen zu ihr. In ihren Versammlungen wurden wüste Reden gehalten, Drohungen wurden ausgestoßen, gegen die Juden, gegen die Marxisten. Gegen uns Arbeiter kommen sie ja doch nicht auf, dachte ich mir selbst zum Trost, und was wollen sie denn nur immer mit den Juden? Kann es einen braveren Mann geben, als unsern Doktor Bär? Ich wußte einmal wegen eines böken Fingers zu ihm in die Sprechstunde und"milderte wicb wie leer das Wartezimmer war. Ter Doktor Bär freute sich, als er mich sah: »Also, Sie sind mir treu geblieben, Genossin," meinte er. „(Fortsetzung folgt.} Junge Sozialdemokraten In Deutschland Ein nationalsozialistisches Urteil Ein Brief an den„Manchester Guardian" beschäftigt sicdi mit dem in der„Deutschen Freiheit" auf Grund illegaler Berichte aui Deutschland schon besprochenen Prozeß gegen den„Roten Stoßtrupp". Ende November vorigen Jahres verhaftete die deutsche Polizei auf Grund von Informationen, die sie erhalten hatte, annähernd hundert oder mehr junge Leute, von denen die meisten jünger als dreißig Jahre alt waren, Studenten und Intellektuelle, weil sie in Verbindung mit einer Gruppe junger Sozialisten gestanden hatten, die in regelmäßigen Abständen ein vervielfältigtes Nachrichtenblatt„Der Rote Stoßtrupp* herausgegeben hatten. Diese Zeitung, von der ich verschiedenen Abzüge sah, enthielt im wesentlichen Auszüge aus der auswärtigen Presse über Deutschland und Berichte von Ereignissen in Deutschland, die die reguläre Presse nicht zu veröffentlichen wagte. Die Politik der Gruppe, die vor der Machtergreifung des Nationalsozialismus gegründet worden war, ging darauf aus, einen kraftvollen linken Flügel in der Jugendahteilung der sozialdemokratischen Bewegung zu schaffen. Die Lauheit und Untätigkeit der sozialdemokratischen Parteiführer mißfiel ihr und sie wünschte die Annahme eines umfassenderen sozialistischen Programms. Nachdem die Nationalsozialisten zur Macht gekommen waren, setzte sie in dem geringen Umfange, der ihr möglich war, vor allem durch ihre Nachrichtenblätter, ihr politisches Erziehungswerk fort. Die Führer, vor allem die Herausgeber des Blattes, der früher Vorsitzender des Deutschen pazifistischen Studentenbundes gewesen war, lehnten zum größten Teil jegliche Gewalt ab. Eine Anzahl dieser Gefangenen wurde nach kurzer Zeit, als kein ausreichendes Beweismaterial gefunden werden konnte, wieder freigelassen; aber etwa 57 wurden im Gefängnis zurückbehalten, um vor Gericht gebracht zu werden. Ich erhielt aus durchaus zuverlässiger Quelle folgende weitere Information: „Wie Sie wissen, hatte die Geheime Staatspolizei die Gefangenen in zwei Gruppen eingeteilt, die„Führer" und die„Verführten". Das Verhör der 49 weniger Belasteten hat jetzt(am 24. und 26. Mai) stattgefunden, während die acht Führer noch auf ihr Urteil warten. Von den 49 Angeklagten wurden neun freigesprochen. Vierzig erhielten schwere Strafen, die sich zusammen auf 95 Jahre Zuchthaus belaufen. Die meisten der Gefangenen müssen zivei, einige sogar drei Jahre im Zuchthaus verbringen. Das Verhör fand vor dem ordentlichen Gericht statt, aber die Verhandlungen waren ein bloßes Theater. Man lehnte alle Zeugen ab, nur die Beamten der„Gestapo" durften vor Gericht als Zeugen auftreten. So konnten die Gefangenen nicht aussagen, wie die Gestapo ihre Geständnisse erreicht hatte. Die Urteile wurden schnell gesprochen; der oberste Richter behandelte die Angeklagten in der Art eines preußischen Unteroffiziers der alten Schule." Die Schwere dieser Urteile ist ein böses Omen für das Schicksal der acht„Führer", die in Kürze vor dem neu eingesetzten„Volksgericht", das in seiner Mehrheit aus Laienrichtern besteht, die wegen ihrer Bewährung in der Behandlung von Gegnern des Nationalsozialismus gewählt werden, abgeurteilt werden sollen. Sie werden zu den ersten Opfern dieses neuen Gerichts gehören, das für politische Vergehen das Reichsgericht in Leipzig ersetzt hat, zugleich mit einer oder zwei weiteren Gruppen junger Sozialisten der sozialdemokratischen Arbeiterpartei und des proletarischen Pressedienstes. Es ist dringend zu wünschen, daß die Aufmerksamkeit der Welt auf diese Fälle gelenkt wird, damit sie, wenn es möglich ist, die Behandlung, die die Angeklagten wahrscheinlich zu erwarten haben, beeinflußt. Die VeraleiloiigsniasMie Der neue Strafprozeß im dritten Renn" Der Hitlerstaat ist emsig dabei, das gesamte Strasrecht dem Bierglashorizont des vermufftesten und unwissend- sten Spießertums anzupassen. Mit Wanne liest der Realitätenbesitzer Sowieso beim Morgenkaffee, daß es jetzt dem Verbrecherpack gehörig an den Kragen geht: Im materiellen Strafrecht werden die Strafen gewaltig erhöht, durch den Strafvollzug werden die Kerle fortab so gepiesackt, daß ihnen die Lust vergeht, nochmal zu sündigen.(Bekanntlich wurden die Verbrecher bisher nur deshalb so oft rückfällig, weil sie sich nach den Wonnen des Zuchthauses zurücksehnten.) Nun kommt noch als Drittes ein Strafprozeß hinzu, der„kurzen Prozeß".mit der Bande macht und. ohne auf ihr per- Stöcktes Leugnen und auf die Kniffe ihrer Advokaten hin- einzufallen, sie dahin expediert, wohin sie gehört, ins Kaschott. So etwa stellt es die gleichgeschaltete Presse dar. Der Reichsjustizminister Gürtner drückt in einem Inter- view den Grundgedanken des neuen Strafprozesses da- hin aus: Wir muhten un? von dem Gedanken abwenden, der Staat bedürfe einer von Mißtrauen erfüllten lieber- wachuns aller feiner Organe. Was war das aber für ein Mißtrauen, das bisher ge- wisse Eigentümlichkeiten des Strafprozesses bedingte. Tiefes Mißtrauen entsprang der immer auf- neue besta- tigten Erfahrung, daß jahraus, jahrein ein gar nicht geringer Prozentsatz Unschuldiger angeklagt und selbst verurteilt wird, und daß der Prozentsatz der unschuldig Verurteilten In dem Maße steigt, wie die Recht-garantitn zuungunsten des Angeklagten eingeschränkt werden. Der Realitätenbesitzer Sowieso, der sich schimpfend auf. regt, daß ein verknackter Einbrecher sein Urteil noch mit Berufung und Revision anfechten darf, er denkt sofort anders über den Fall, sobald etwa sein e> g e n e r S o l, n zwischen die Räder der Iustizmaschine gerat, wenn dieser Infolge seiner Unbeholfenheit vor Gericht in erster In- stanz verurteilt wird und nun froh ist nachdem er be- griffen hat. worauf es ankommt, den Schaden in zweiter In tanz reparieren zu können. Man soll nämlich nicht vergessen, daß nicht nur die tausend Berufsverbrecher, sondern einige Hunderttausend Menschen aus allen Be- rufsschichten und Klassen jahraus, jahrein mit der Straf- justiz in Berührung kommen! Das ist nämlich das Entsetzliche der sogenannten„Straf, reform" des„dritten Reiches": alles geht Unter dem Ge- sichtspunkt des auszurottenden Verbrechertums (nach Kennern wie Heindl gibt es vielleicht 4000 l>i» 8000 Berufsverbrecher in Deutschland), wahrend doch die große Masse der Verurteilten aus g e l e g e n t l ch Gesträuche!- ten und besserungsfähigen Schwachen besteht. Die Gefahr, daß Unschuldige verurteilt werden, ist schon dadurch be- denklick gestiegen, als die Hitlerpresse selber alle g.age See eines unter den heutigen Zustanden üppiger denn je wuchernden Denunziantentums bringen muß....... Wim aber wird, wie Justizminister Gürtner mitte, t, sLrniiirotesittcriahrcn in einen kalten Verurtei- s?.nkä.neckanis>>'us verwandelt. Zwischen seine Röder zu geraten- bedeutet in Zukunft mit z.eml.ch-r Sicherheit, verurteilt zn werden. „....5. m irf) die Stellung der Staats- Zu Heister^ Die Einrichtung des a n w a l t 1 ch Oft en foII ganz in Wegfall Unter suchung.r.ch^r^ Staats- Kommen, feine Funkt^, die nun also auch a n w a l t s ch a st über*' J»' J r' tl)Quec ber unter- z. B. über.^scheidet Die Verantwortung liegt suchungshaft entsch^ Aaklagebehörde. d.e dann gänzlich>n den g oon ihr selber erhobene -ü erweisen. Dabei werden die Machtbefugnisse der Staatsanwaltschaft gegenüber den bisherigen des Untersuchungsrichters bedeutsam e r w e i- t e r t: Untersuchungshaft kann nicht nur wie bisher wegen Flucht- und Verdunkelungsgefahr angeordnet wer- den. sondern auch, um zu verhindern, daß der Beschul- digte seine Freiheit zu neuen Straftaten ausnutzt. Das bedeutet, daß wegen politischer Vergehen Angeklagte regelmäßig in Untersuchungshast kommen werden. Zur Eröffnung des Hauptverfahrens war bisher der richterliche Eröffnungsbeschluß einer Kammer notwendig. Auch diese Entscheidung soll dem Gericht ent- zogen, der Staatsanwaltschaft übertragen wer- den. Mit anderen Worten: Vis zum Beginne der Hauptverhandlung bat überhaupt kein richterlicher Beamter, sondern allein die Staats- anwaltschaft mit dem Verfahren zu tun, ihr soll der An- geklagte als ihr„Objekt" mehr- und mittellos bis dahin ausgeliefert sein. So üppig die Befugnisse der Staatsanwaltschaft ins Kraut schießen, so eng werden die der Verteidigung ein- geschränkt. Nach Iustizminister Gürtner wird die neue Strafprozeßordnung mit dem bisherigen Rechte da- durch brechen, daß sie nicht nur die Rechte, sondern vor allem die Pflichten des Verteidigers festsetzen wird. Oberste Pflicht des Verteidigers müsse sein,„das Gericht bei der Findung der Wahrheit zu unterstützen". Zu deutsch: der Verteidiger muß nach dem Vorsitzenden schielen, und was dieser abweist, hat er sofort fallen zu lassen. Von einer Verteidigung des Angeklagten kann keine Rede sein. Der Gerichtsvorsitzende wird dafür ein ganz großer Mann werden. Nach dem..Führerprinzip" soll er ausschweifende Rechte erhalten, welche— das wird nach Gärtners Mitteilungen noch erwogen. 70 bis 8V Prozent aller Strafsachen, die kleineren, sollen überhaupt durch Einzelrichter erledigt werden, wegen der„Verant- wortlichkeit einer Einzelperson". Die erhöhte Sicherheit, die ein Kollegialgericht durch Ausgleich der Tempera- mente usw. für ein objektives Urteil verbürgt, fällt also fast regelmäßig fort. Aber auch in den verbleibenden 20 bis 30 Prozent der Fälle, in denen künftig nach Kollegial- gerichte entscheiden sollen, wird in Wirklichkeit da» Ur- teil nur beim..Führer", d. h. beim Vorsitzenden liegen. Die Beisitzer(Beischläfer nennt sie der Volkswitz) sollen nämlich entweder nur beratende Stimme er- halten, oder aber der überstimmte Vorsitzende soll das Recht haben, das ihm nicht zusagende Urteil zu Kassie- r e n! Der Beisitzer wird danach etwa so viele Rechte haben, wie jetzt der zuhörende Referendar, der zu seiner Ausbildung die Urteilsgründe ausarbeiten muß. Welcher Ehrenposten! Die Laienrichter möchte Herr Gürtner am liebsten ganz abschaffen, er hält sie für eine„sehr bedenkliche Ein- richtung"(„Volksverbundenheit der Justiz" heißt so etwas wohl auf nationalsozialistisch). Allenfalls in den Schwur- gerichten will er sie noch beibehalten"—die Schöffen- gerichte also ganz abschaffen— und selbstverständlich müssen die Geschworenen gesiebteste zuverlässige Ratio- nalsoziglisten sein. Der Bürger des„dritten Reiches" wird also der Iuristenzunft auf Gnade und Un- gnade ausgeliefert. Ergänzen wir noch, daß selbstverständlich die Rechte- mittel des Angeklagten eingeschränkt werden: statt Berufung und Revision soll er künftig nur die Wahl zwischen Berufung oder Revision haben, aber auch dieses eingeschränkte Recht wird für ihn zum heißen Eisen gemacht: bisher galt zugunsten des Angeklagten der Satz, daß seine Strafe, wenn er a l l e i n Rechtsmittel "nn der bohren Instanz nicht erhöht wer- den darf. AuchdieseRechtswohltathörtauf! ia vtupewiüßte, der künftig ein Urteil durch Berufung oder Revision anficht/riskiert, daß zur Strafe für feine Va« ist sdiuld an der„Dresden" Der Lotse soll nicht geprüft worden sein Durch einen Zufall erfährt die Oeffentlichkeit. daß das schwere Schisfsunglück, dem die„Dresden" der Schiffsgesell- schalt Norddeutscher Lloyd zum Opfer gefallen ist, aus ein Verschulden der Schisfsgesellschaft zurückzuführen ist. Mit einer ungeheuren Leichtfertigkeit hat die Schisfssithrung sich nicht genügend darum gekümmert, ob die norwegischen Lotsen auch die Prüfung für die zu fahrende Strecke abgelegt hatten, und ob sie die erforderlichen Zeugnisse besaßen. Wie jetzt„Der Deutsche", also ein Organ des„dritten Reiches", berichtet, haben die beiden Lotsen Jacobs und Lind keine Zertifikate für den Teil des Gewässers gehabt, in dem sich der Unfall der„Dresden" abgespielt hat. Weil es sich.um Proleten und nicht um die tote Frau Rärin Göring gehan- delt hat. hat sich kein Mensch darum gekümmert, obschon man gewarnt war, durch einen berühmten Schiffsunsall vor eini- gen Jahren. Während die Lotsen behaupten, dem Konimau- deur des Schisses gesagt zu haben, daß sie keine Berechtigung zum Fahren dieser Strecke besäßen, behauptet der Kapitän, sie hätten ihm das Gegenteil gesagt. Dieser unverzeihlichen Gleichgültigkeit und Nachlässigkeit verdanken zwei Frauen den Tod und 15 den Verlust der Ge- fundheit. Und das alles nennt man«Kraft durch Freude!". 10 neue Todesurteile bevorstehend! In diesen Tagen findet vor dem Schwurgericht in Heck- lingen zum zweiten Male der Prozeß gegen N Kommunisten statt, die angeklagt sind, den SA.-Mann Cieslick getötet zu haben. Wegen dieses Vorfalls sind bereits im September vorigen Jahres 3 Kommunisten rechtskräftig zum Tode ver- urteilt und zwei von ihnen hingerichtet worden. Hierdurch noch nicht in ihrem Rachedurst befriedigt, haben die nationalsozialistischen Behörden im Herbst 1033 elf Heck- linger Arbeiter angeklagt und zehn von ihnen zum Tode verurteilt. Dies Verfahren ist jedoch so offen gesetzwidrig geführt und die Rechte der Angeklagten so eklatant verletzt worden, daß— auf ihre Revision hin— das Reichsgericht sich zur Aushebung und Zurückverweisung des Bluturteils genötigt sah. In den Händen des Hecklinger Schwurgerichts, das nach den neuen Erlassen über die Ernennung von Schössen und Geschworenen aus„zuverlässigen" Nationalsozialisten besteht, liegt die Entscheidung über Leben oder Tod der 10 Arbeiter. Die Internationale Juristische Vereinigung hat an den Vorsitzenden des Schwurgerichts das folgende Telegramm gesandt: „Juristen aller Länder verfolgen Prozeß mit gespannter Aufmerksamkeit. Begrüßen Aushebung unbegreiflichen Bluturteils. Nach Urteilsieststellung des Reichsgerichts EieSlick nur von einem Schuß getroffen, daher nur ein Täter möglich. Zwei Menschen aber bereits als Täter hingerichtet. Erwarten Freispruch aller Angeklagten. Internationale Juristische Vereinigung." Alles muß aufgeboten werden, um den Ausspruch neuer Todesurteile zu verhindern. Zeigen wir den deutschen Be- Hörden, der deutschen Regierung, daß ihre Anschläge aus das Leben mutiger-antifaschistischer Arbeiter in der ganzen zivili- sierten Welt die größte Empörung hervorrufen. .Idi hin rol..." Immer noch 12. November Vor der Strafkammer Hagen(W.i wurde ein Borsall ver- handelt, der sich noch auf die„Wahl" vom 12. November 1933 bezog. Der Angeklagte Walter Wiemhosf ans Westhofen hatte am Abstimmungstage in aller Oeffentlichkeit erklärt, er fei rot, er habe rot gewählt und werde auch rot bleiben: die Angehörigen der SA. seien alle Lumpen. Gegen das Urteil des Amtsgerichts Schwerte, das aui eine» Monat Äe- fängnis lautete, hatte Wiemhosf Berufung eingelegt, die jetzt von der Hagener Strafkammer verworfen wurde. linker kamienken Aus Nr. 25 der„Umschau" vom 17. 6.1931, Frankfurt a. M. »Zur Frage: Unbefugtes Oeffüen verschlossen gewesener Briefumschläge. Man kann Briefe so öffnen, daß sie voll- ständig unbeschädigt bleiben, wenn man sie unter eine Glas- »locke bringt, unter der auch ein kleines Gefäß mit Wasser steht.•• Der Umschlag geht dabei aus allen Verbänden. Tie Rleberänder kleben aber noch nach Trocknung des Umschlags ... Dr. Richard v. Dallivitz-Wcgener." Woher er das hat? Von Herrn Hitlers Gestapo! * Die Briesdicbe. Ein Erwerbsloser in Nürnberg schrieb seinem Schwager in Nordamerika einen Brief über seine Not und bat um Geld. Wie üblich, wurde der Brief' er- brocken. Techs Monate Gefängnis wcx n Ver- breitung unwahrer Gerüchte. Dentisten gegen Miesmacher >>b. Unter der Leitung des KreiSflihrerS Hansen Neu- Münster hielten am Sonntag die Dentisten Sckieawig-Hol- stein» eine Provinzialtagung ab. Es wurde beschlossen, un- erbittlich gegen die Miesmacher und Nörgler vorzugehen ^Die Dentisten sind die geeigneten Leute zu», Kampfe gegen Miesmachertum. Nörgelei und Meckerei. Denn wenn Ne Zange und«ohrer ansetzen, lächelt selbst der verstocktes!' Zahnschmerzenbesitzer. 1 Dreistigkeit und zur Abschreckung für andere ihm noch einpaar Jahre mehr aufgebrummt werden. Wel- eher Angeklagte wird da noch wagen, Rechtsmittel ein- zulegen! Das Resultat ist also: die Anklagebehörde ist Allein- Herrin ber gesamten Voruntersuchung. lieber der Hauvt- verbandluua waltet und schaltet als blitzeschleudernder s"«i. cv• r,c Verteidigung ist an die Wand gedrückt. Rechtsmittel einzulegen ist gefährlich. Mit anderen Worten: Die Gefahr der Verurtei- In na Unschuldiger wird durch das neue Verfahren verzehnfacht, vielleicht sogar verhundertfacht. Mancher harmlose Spieher. der sich heute noch freist, mit welcher Schneidigkeit der Staat gegen das„Verbrech'i- pack" vorgeht, dürste die furchtbaren Qualen des un- schuldig Eingesperrten bald am eigenen Leibe erleben! Iustinian. Dic Sozialdemokratie in Nordamerika Prinzipienerklärung und Wahlmanllest (I. I.) Nach dem Neuyorker„New Leader", der Wochen- schrift der Sozialistischen Partei der Vereinigten Staaten von Amerika, war der kürzlich abgehaltene Parteitag der Sozialistischen Partei einer der lebhaftesten in der Partei- geschichte. In manchen Fragen und auch in der Neuwahl der Parteiinstanzen zeigten sich scharfe Gegensätze zwischen der sogenannten„Alten Garde" und der„Linken". Die Prinzipienerklärung gab Anlaß zu einer außerordentlich heftigen Diskussion. Die entscheidenden Stellen dieser sehr ausführlichen Erklärung sind folgende: In ihrem Kampfe um eine neue Gesellschpftsordnung sucht die Sozialistische Partei ihre Ziele durch friedliche und legale Mittel zu erreichen... Sie wird alles tun, was in ihrer Macht liegt, um den Faschismus zu bekämpfen... Sie wird sich nichtsdestoweniger aus die Or- ganisation einer disziplinierten Arbeiterbewegung stützen. Zu den Kampfmitteln, zu denen die Partei unter Um- ständen greifen muß kann der Generalstreik gehören, der nicht nur ats eine Abwehrmaßnahme gegen die faschistische Konterrevolution dienen, sondern den revolutionären Kampf in die Reihen des Feindes tragen würde. Die Sozialistische Partei bekennt sich neuerlich zur wirt- schaftlichen und politischen Demokratie, aber sie weiht sich unerschütterlich der Aufgabe der Ersetzung der Schein- demokratie des kapitalistischen Parlamentarismus durch eine wahre Demokratie der Arbeit. Der Kapitalismus ist zum Tode verurteilt. Wenn er durch Mehrheitsbeschlust abgeschafft werden kann, wird dies die Sozialistische Partei mit groster Befriedigung erfüllen. Falls die Krise, infolge der Mißachtung der Mehrheitsrechte, nachdem uns die Wählerschaft ein Mandat gegeben hätte, ausbrechen würde, werden wir ohne Zögern die ungebärdigen Kräfte der Reaktion durch die Solidarität der Arbeiter unterdrücken und den sozialistischen Staat verwirklichen. Falls das kapi- talistische System in einem allgemeinen Chaos, das kein ordnungsgemäßes Vorgehen erlaubt, zusammenbrechen würde, wird die Sozialistische Partei, ob sie sich nun in der Mehrheit oder in der Minderheit befindet, sich nicht der Verantwortung entziehen, eine Arbeiterregierung zu bilden und zu behaupten. Die wahre Demokratie ist ein wertvolles Mittel des Fortschrittes: aber die wahre Demo- kralie mutz von den Arbeitern der Welt verwirklicht werden. Diese Erklärung wurde von Louis W a l d m a n, G. R. K i r k p a t r i ck. Algernon Lee. Charles Solomon und Jakob P a n k e n bekämpft, während sie von Deoere Allen, Powers H a p g o o d, Leo Krzycki, Norman Thomas, Daniel W. Hoan, Andrew Bi emiller und Frank C r o ß w a i t h befürwortet wurde. Die ver- fochtenen Meinungen gingen von W a l d m a n, der die Erklärung als„eine provozierende, anarchistische, illegale und kommunistische Lehre" brandmarkte, bis zu Powers H a p g o o d, der erklärte, daß sie zu wenig links gerichtet sei. Die Erklärung wurde schließlich mit 10 822 gegen 6512 Stimmen angenommen: sie wird aber der Parteimit- gliedschaft zur Urabstimmung unterbreitet werden, die ent- scheiden soll, ob sie als offizielle Grundlage der Partei- Politik anerkannt wird. Unter anderen wichtigen Resolutionen, die vom Partei- tag angenommen wurden, war einManifestfürdie kommenden Kongreßwahlen. Das Wahl- manifest verpflichtet die Partei und alle Kandidaten von neuem, einzig und allein für die Verwirklichung der sozialistischen Gesellschaftsordnung zu wirken. Pariser Bilder Das Museum im Schaufenster— Die Jugend steigt ins Examen— Colette kauft Waffeln Paris, 23. Juni 1934. Jetzt also, nachdem soviel davon gesprochen worden ist, haben die Pariser Festwochen begonnen. Noch ist erst, sozusagen, die Vorhut der Festarmee aufmarschiert, aber schon sind zahllose Fremde zum Besuch dieser Festlichkeiten eingetroffen, und das Sprachengewirr in den Hauptstraßen von Paris ist womöglich noch bunter geworden, als man es ohnehin gewohnt ist. Aber bereits vor dem offiziellen Beginn der Festwochen gab es eine kleine Ueberraschung in der Rue du Faubourg St. Honore, jener Straße, die wegen ihrer prachtvollen und schönen Geschäfte gerade bei den Fremden besonderen Anklang findet. Diese Straße hat den Ruf der„teuersten Straße von Paris", und sie hat diesem Rufe Ehre machen wollen, indem sie einige Tage lang dem Käufer und dem Spaziergänger ein wirklich originelles Bild bot. Alle Schaufenster der vielen großen Geschäfte hatten sich nämlich in ein Museum verwandelt, die üblichen Auslagen waren verschwunden, die teuerste Straße von Paris hatte.ihr Gesicht gewechselt. Da sah man beispielsweise in einem Schaufenster das Schlafzimmer eines jungen Mädchens, das die ganze Grazie des achtzehnten Jahrhunderts ausstrahlte, ein Haus weiter zeigte ein berühmtes Parfümeriegesehäft eine Sammlung von Fiatzons aus dem ersten Kaiserreich, und gleich daneben konnte man im Schaufenster einer Buchhandlung kostbare alte Bücher und Kupferstiche bewundern. Das ging so fort, die ganze Straße entlang, lauter reizend und außergewöhnlich dekorierte Schaufenster, und eine andere Parfümerie hatte sogar die Toilettengegenstände Napoleons hervorgeholt, sehr zum Ergötzen der zahlreichen Spaziergänger. Den größten Erfolg aber fand ein— lebendiges Schaufenster. jawohl, ein lebendiges Schaufenster. Da saß ein junges Mädchen von seltener Schönheit und las ein altes Buch, das auf ihren Knien lag. Sie trug ein rosafarbenes Taffetkleid. Stil Directoire, und manchmal wandte sie ihr edles Gesicht, das von schönen, blonden Lochen umrahmt war, den Vorübergehenden zu. Und wer vorüberging, blieb natürlich stehen, genoß den Anblick dieses wunderbaren Geschöpfes, das wie eine gefangene Prinzessin auf ihren Prinzen wartete. Mancher der vorübergehenden Herren hätte bestimmt gern die Rolle dieses Prinzen übernommen, aber unsichtbar stand über diesem Schaufenster-Gefängnis der Satz, den man so oft in Geschäften lesen kann:„Das Berühren der Gegenstände ist verboten!" Und so hat diese Prinzessin vergeblich auf ihren Freier und Befreier warten müssen... * Paris feiert, alles feiert mit, nur vierzehntausend junge Pariser und Pariserinnen dürfen nicht mitfeiern,— denn sie steigen gerade in diesen Tagen ins Examen. Jahrelang haben sie die Schulbank gedrückt, haben gelernt und gelernt, haben die Lehrsätze des Euklid und die Geschichte der Punischen Kriege lernen, haben sich mit der lateinischen Grammatik und den Gesetzen der Physik herumschlagen müssen,— und jetzt also sollen sie ihr Examen machen, das Bakkalaureat. Wo alles feiert, müssen sie alleine büffeln... Im Straßenbilde von Paris konnte man dieses Ereignis deutlich wahrnehmen. Eines Morgens sah man an den Haltestellen der Autobusse und auf den Stationen der Untergrundbahn viele junge Leute mit einem Schulbuch unterm Arm, mit einem Tintenfaß und einem Löschblatt in der Hand, und in ihren ernsten Gesichtern erkannte man das Lampenfieber wie bei Schauspielern, die das erstemal auf der Bühne stehen. Das war also jene Jugend, die heute noch Pennäler und morgen schon Student ist, jene Jugend, die auf der Brücke von der Kindheit zum Jünglingsalter steht. Sie sahen alle etwas bleich aus, auf diesem schweren Gang in» Examen, aber ihre Nachbarn in der Untergrundbahn oder im Autobus nahmen sich oft liebevoll ihrer an. Ach, häufig konnte man an diesem leuchtenden Sommermorgen beobachten. wie fremde Menschen diese jungen Leute ansprachen, ihnen gut zuredeten und Mut machten. Es war eine freundliche Geste, die man der Jugend erwies. Der Kampf der Generationen, von dem man so oft spricht, war an diesem Tage einem liebevollen Waffenstillstand gewichen. Und zwischen diesen Ereignissen darf man eine kleine Begebenheit nicht zu berichten vergessen, die sich dieser Tage im Bois de Bouiogne abspielte. Dort gibt es einen Waffelhändler, der wegen der Güte seiner Waren bei jung und alt sehr beliebt ist und vor dessen Stand manchmal ein wahres Gedränge herrscht. Dieser Waffelmann hatte eines Nachmittags ganz hohen Besuch,— Colette, die berühmte Dichterin Colette, zählte zu seiner Kundschaft. Colette, die dem Publikum schon so manches zarte Buch geschenkt hat und die jeden Sonntag im„Journal" einen geistvollen Theaterbrief veröffentlicht, war mit Freunden im Auto vorübergefahren, aber plötzlich ließ sie anhalten, stieg aus und ging zu jenem Waffelhändler. Viele Waffeln kaufte sie auf einmal und verzehrte sie gleich am Verkaufstisch. Ganz ungeniert stand sie unter den vielen Kindern und Erwachsenen, die sie lebhaft anstaunten, und nachdem sie fertig war, sagte sie zu dem Händler:„Die Waffeln waren fabelhaft! Ich komme wieder!" Stieg wieder in das Auto und verschwand. Im Bois de Bouiogne erzählten sich an diesem Nachmittag die blühenden Bäume, daß die Waffel nunmehr literarisch veredelt sei... Spectator. Sowjetunion und RußSond Anläßlich der Rückkehr der Gruppe französischer Professoren, die an der„Woche der französischen Wissenschaft" in der Sowjetunion teilgenommen hatten, fand in der Sowjetbotschaft in Paris ein Empfang statt, an dem neben den Gelehrten auch der französische Botschafter in Moskau Ch. Alphand teilnahm. Der Leiter der Delegation, Professor Perrin. Mitglied der Akademie, sprach die Hoffnung aus, daß nunmehr öfters solche Reisen stattfinden würden. Der Pariser Konzertsaal„Pleyel" wird im Laufe des Sommers eine Anzahl von Sowjetfilmen aufführen. Das erste Programm, das vom Publikum mit sehr großem Beifall aufgenommen wurde, umfaßt den Film„Wstretsehny"(„Der Gegenplan", der als einer der besten Sowjetfilme gilt und eine Filmreportage„La grande Experience"(Der große Versuch), der von einer Gruppe französischer Filmleute in der Sowjetunion gedreht wurde. Die Premiere der beiden Filme wurde zu einer starken Demonstration der freundschaftlichen kulturellen Beziehungen zwischen den beiden Ländern. Weltmeister Die Schachweltmeisterschaft ist dieser Tage in Deutschland zwischen einem Franzosen und einem Deutschen ausgetragen worden. Der Franzose hat acht Partien, sein Gegner nur drei gewonnen. Frankreich ist Sieger.— Der französische Meister heißt Aljechin, der deutsche Meister heißt Bogolju- hoff. Beide sind eigentlich Russen. Der eine französisch, der andere deutsch naturalisiert, verteidigen sie jeder ihre Fahnen in angespannten Spielen. Beim Schlußdiner bewunderten sie in ihren Reden, der eine den Esprit der Franzosen, der andere die Methodik der Deutschen. Leider spricht der französische Meister nicht französisch und der deutsche kennt auch nicht seine Sprache. Um sich einander verständlich zu mach- 1, mußten beide russisch reden. BBIEFKASTEH Buenos Aires. In Argentinien gibt es eine rührige Svzialdemo- kratie. Tie Partei besitzt nach ihrem neuesten Bericht 23 779 Mitglieder, die in 552 Gruppen organisiert sind. 3971 dieser Mitglieder und 55 der Gruppen entfallen auf die Hauptstadt, der Rest ist aus das ganze Gebiet der Republik verteilt. Tie sozialistische Jugend ist in einer Jugend-Vereinigung organisiert, die 6000 Mitglieder und 145 Gruppen zählt. Tie Partei ist aus dem Gebiet der Bil- dungsarbeit sehr tätig. Sie besitzt 272 Bibliotheken, 19 Bildungs- Zentren und eine Schule für sdzialwissenschaftliche Studien. Ihre Presse umfaßt fünf Hauptorgane, 93 Zeitungen bzw. Zeitschristen im Innern des Landes und ein Preßbüro(Soeial-preß). Die sozio- listische Fraktion im Parlament besteht aus 43 Abgeordneten und 2 Senatoren. Auch aus dem Gebiet der Selbstverwaltung hat sich die Partei Geltung verschafft, und zwar stehen folgende Gemeinden unter sozialistischer Verwaltung: Bahia Bianca und Boradero in Buenos Aires,' Sampacho und Laboulaye in Cordoba: Godoy Cruz in Mendoza: Sunchales in Santa Fe: La Banda in Santiago bei Estero: Resisteneia, Roque, Saenz Pento und General Pinedo im Chaeo-Gebiet: Santa Rosa, General Pico und Casteg in La Pampa: Neuquen: Rio Colorado in Rio Negro: und Puerto Desead in Santa Cruz. Freund in Luxemburg. Bei einer Autofahrt nach Saarbrücken sahen Sie kurz vor Saarbrücken eine der üblichen Aufforderungen in Riesenbuchstaben„Zurück zum Reich!" Darunter hat man in derselben Riesenschrist hingemalt:„Zu den braunen Arbeiter- Mördern!"— Brav von den tapferen saarländischen Arbeiter- jungen! „Friderike". Wir sind ganz Ihrer Meinung: er ist der Hauptschul- dige und dabei von allen der Verlogenste. All die Jahre hat er die Verbrechen, die nun begangen werden, angestiftet und propagiert. Nun, da er arriviert ist, will er seine wüste Roheit und moralische Verkommenheit durch mühsamen äußeren Schliff und ausgleichen- des Getue verdecken. Das wirb ihm auf die Dauer nicht gelingen. Seine wahre Natur wird immer wieder hervorbrechen. Sehen Sie doch die Bilder an: immer wieder zeigen sie die Visage eines Zuhälters. Hitlerjnnge a. D. Du warst zu Besuch bei Verwandten im„dritten Reich" und hörtest dort, daß Hitlerjungen ihren geliebten Führer Baldur von Schiroch also benennen: Baldrian von Schmierbach. Das und eine ganze Menge anderer Ersahrungen trüben haben Dich bewogen, der Hitlerjugend Valet zu sagen. Dazu kann mau Dir nur Glück wünschen. Frei Heil! „Dtreicherei". Sie übersenden uns eine Seite der Streicherschen „Fränkischen Tageszeitung". In diesem seinem Blatte läßt sich Streicher täglich in mehreren Bildern seinen Untertanen vor- führen. Die scheinen ober den Streicher allmählich satt zu be- kommen. Aus einem der Bilder steht er wie ein Triumphator im Auto und„sährt durch ein Spalier grüßender und jubelnder Volks- genossen" über den Marktplatz in Weißenburg. Der fantasievolle Berichterstatter wird aber von dem nüchternen Fotograsen Lügen gestraft. Das Bild zeigt nur ein paar kleine Gruppen kommandierter Schulkinder und dahinter ist auf dem weiten Marktplatz gähnende Leere. Die Beißenburger scheinen ihre wahre Meinung über den Streicher hinter ihren sicheren vier Wänden hinausgejubelt zu haben. So kamen sie wenigsten» nicht in Gefahr, sich für ihre wahre Meinung über den Frankensührer vor dem Sondergericht oerantworten zu müssen. Dr. H. K., Kopenhagen. Wir entsprechen Ihrem Wunsch und drucken folgende Kundmachung ab, die Sie in deutschen Zeitungen gefunden haben:„Der Deutsche Glasversicherungsverband macht aus die wirtschaftlichen Folgen ausmerksam, die entstehen, wenn in vereinzelten Fällen die Fensterscheiben großer Firmen eingeschlagen würden. Beim Einwerfen von Fensterscheiben jüdischer Geschäfte würden nicht die Geschäftsinhaber geschädigt, sondern die deutschen Versicherungsgesellschaften."— Das wird die Herren Lausejungen der Hitlerjugend nicht interessieren. „Ans dem Reich des Mnttergottesgenerals von Epp". Von Jhnest erfahren wir:„Den Segensspruch, den der Papst den deutschen Pilgern mit aus den Weg gab, trotz all der schweren Verfolgungen, denen sie in ihrem Lande ausgesetzt sind, treu zum Glauben zu halten, hatte man in der Nazipresje dreimal angekreidet! Der Durst nach Rache war rasch zu stillen: Die Diözese München hatte den Film„Das heilige Jahr" erworben und wollte ihn in einer Reihe von Vorführungen laufen lassen, die von der obersten Film- prüfstelle ordnungsgemäß genehmigt waren. Allein, was der offi- ziellen Behörde genehm ist, paßt dem„Braunen Haus" noch lange nicht. Kaum war in den Münchener Luitpold-Lichtspielen die erste Vorführung abgelaufen, erschien eine Hundertschaft brauner Banden unt trieb mit den abgeschnallten Brustriemen und Gummi- knütteln die noch unter dem tiefen Eindruck der szenischen Dar- stellungen stehenden Gläubigen au« dem Saal. Alle weiteren Auf- sührungen wurden inhibiert, der Einspruch de? Kardinal? Faul- Haber flog in den Papierkorb: das Landsknechtstum hatte wieder einmal dem längst zur Barbarei entarteten Deutschland Weisung gegeben!" Erholen Sie sich gut außerhalb der Grenzen des„dritten Reiches"! Freiheit! Dr. M. Tie schreiben unS:„Am Sonntag faß ich in Zweibrücken in einer Wirtschast, die voll von Menschen war. Ich kam hier mit einem Arbeiter ins Gespräch, dem ich erzählte, ich sei Saarländer. Er iagte darauf zu mir, so laut, daß die Leute an den Nebentischen es hören konnten, wir sollten nur nicht machen, daß wir rüber» kämen, sonst gingen uns die Augen noch auf. Ich warnte ihn, er solle doch nicht so laut sprechen, aber er erklärte, man lebe wie im Zuchthaus und er müsse die Wahrheit sagen und wenn sie ihn einsperrten. Ich kann mir nicht vorstellen, daß die Menschen dort dieses System noch lange mitmachen. Ich habe mit keinem einzigen Menschen gesprochen, der zufrieden war. Die meisten sagen, e» könne kein Jahr mehr dauern." D>« neue Weltbühne, Prag I, Melantrichova 1/3. Heft 25 ist soeben erschienen und enthält folgende Beiträge: H. Budzislawski: Minister al» Miesmacher: Heinz Pol: Ullstein-Nekrolog: Waldemar Grimm: Anthony Eden: Ein Gefangener: Acht Monate bei Qssietzky: Fried- rich Nietzsche: An Theodor Fritsch: Werner Türk: Politik in Versen: Paul Strübe: Aus deutschen Universitäten: M. I. G. Ritchie: Vor dem nächsten Ärisenstoß: Heinrich Regius: Aphorismen. Für den Gesamtlnhalt verantwortlich: Johann P I tz In Dud- weiler: für Inserate: Ctto Kuhn tn Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Volkssttmme GmbH, Saarbrücken 3. Schützenstraße 5.— Schließfach 776 Saarbrücken. Dr. Sp€cialiste 96, rue de Rlvoil— M6tro: Chaielei RADIKALE HEILUNG von BLUT., HAUT, and FRAUENKRANKHEITEN HeiIan% von Krampfadern und offenen Beinwanden Neueste Behandlungsmethoden Elektn. zität Impfungsvertahren TrypaHe vine» Einspritzungen Blut- und Harn-Untersuchungen, Sper- makuiiur. Salvarsan Wismut usw. Sprechstunden täglich von 10—12 und von 4—8 Uhr Sonntags von 9—12 Uhr Konsultationen von 25 Fr. ab. 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