Sinzige unabhängige Tageszetiung vsuikchlands k^r. 145— 2. Jahrgang Saarbrücken, Mittwoch, den 27. Juni 1934 Chefredakteur: M. B r a u n Saarbrücken steht unter dem Eindruck eines gewaltigen Aufmarsches der Freiheitsfront. Spontan waren auch tausende Kommunisten herbeigeeilt. Die Massen der beiden Arbeiterparteien marschierten vereint. Gemeinsam werden sie kämpfen. Das Saargebiet wird Hitler schlagen! Freiheit! Sfurmruf von der Kanzel Der Trierer Bischof Bornewasser fragt die Fahne- Das Erwachen der Katholiken an der Saar Qtt Berlin haben Sie Verhandlungen zwischen den Bischöfen G r ö b e r- Freiburg. Tr. B a r c s- Berlin, Dr. B e r n i n g- Osnabrück mit den Beauftragten der Hitler- regierung begonnen. Es handelt sich um die Auslegung des im Sommer vorigen Jahres abgeschlossenen Konkordats, um das fortdauernd die heftigsten Auseinandersetzungen zwischen Katholizismus und Nationalsozialismus ent- brennen. Tie Hitleröelegierten sind Dr. Ley und Baldur v. Schi räch. Taraus ist zu erkennen, welche Fragen im Vordergrunde der Auseinandersetzungen stehen: die Auf- nähme der katholischen Arbeitervereinler in die«Deutsche Arbeitsfront" und die Beziehungen zwischen Hitlerjugend und katholischen Jugenöverbänden. Der erste Tag der Verhandlungen hat keinerlei Annähe- rungen gebracht. Im Gegenteil. Bon beiden Seiten wird versucht, die Auseinandersetzungen unter Druck zu setzen. Die Nationalsozialisten beuten nach wie vor die Ermordung des Gutsinspektors Elsholz in ungeheuerlicher Weise gegen den Katholizismus aus, während auf der anderen Seite die deutschen Bischöfe angrifsslustiger sind als je und teilweise auch die katholischen Zeitungen zur Teilnahme an diesem Kampfe zwingen. Bisdiof Bornewasser in Trier Mit der Sturmfahne Am schärfsten sind die Kämpfe augenblicklich in der Diözese Trier. Hier hat ein nationalsozialistischer Propagandafelb- zug unter der katholischen Jugend eingesetzt, der den Bischof Bornewasser von Trier zu einem feierlichen Pro- test veranlaßt hat. In nationalsozialistischen Flugblättern, gerichtet an die katholische Jugend, wurde den katholischen Jungens und katholischen Mädels vorgeworfen, daß sie das Werk des Führers sabotieren. Daraufhin veranlaßte Bischof Bornewasser, daß am Sonntag von allen Kanzeln Triers eine Verwahrung verlesen wurde, in der die Rede ist von «Methode», die nichts anders sind als ein von Natur und Gottesrecht verbotener Druck ans das religiöse Gewissen so vieler Beamten, Eltern und Kinder". Niemand habe, so heißt es zum Schluß, das Recht, katholische Jugend zum Verlassen katholischer Verbände zu nötigen. Noch schärfer ist eine Erklärung der gesamten Trierer Pfarrgeistlichkeit, die gleichfalls am Sonntag von den Kanzeln verlesen wurde. Die Geistlichkeit weist auf ein nationalsozialistisches Spruchband hin, worin es heißt, daß jeder, der die Hitler- jugend oder den Bund Deutscher Mädel fliehe, für den nationalsozialistischen Staat.wertlos" sei. Den Schulkindern werde angedroht, daß künftig nur noch Angehörige der Hitlerjugend i» die Betriebe eingestellt würden, und den Eltern drohe man, baß sie Berus und Stellung oufS Spiel setzten, wenn sie ihre Kinder nicht ins Jungvolk schickten. Die Trierer Pfarrgeistlichkeit beruft sich auf die göttliche und die kirchliche Sendung und geht mit ihrem Angriff bis zur äußerst möglichen Grenze. Was wir heute vor Euch erklären, ist unsere ernste Seel- jorgepslicht. Es mag manchem vielleicht hart erscheinen? aber wenn göttliche Rechte in der gröbste« Weise ver, letzt werden, wenn das Königsrecht Christi auf die Jugend mißachtet wird. wenn die Sendung der Kirche für die Jugend sabotiert wird, wenn die natürlichen Rechte der Familie aus das Kind mit Füßen getreten werden— dann stehen wir, unerschrocken wie der Herold Jesu Christi, wie Johannes der Däuser, aus und erklären: «Es»st Dir nicht erlaubt!" Die Psarrgeistlichkeit von Trier. Saar im Hintergrund Taktisches Zwischenspiel Die Trierer Konflikte sind darum von besonderer Be- deutuno. weil sie eine Rückwirkung auf d.e Saarfrage haben.?as Taargebiet gehört zur Diözese ie«* fahren, die sich aus dem Konflikt mit den kirchlichen Autor.- täten für die Abstimmung ergeben konnten, scheine« auch den deutschen Vertretern bei den Konkordatsverhandlungen n.cht fremd zu sein. Man will der Kirche gegenüber zunächst e» gewisses Entgegenkommen zeigen, um, wie es in einem «Deutschen Fllhrerbrief" vom 30. Mai heißt, die Saar- entschcidung nicht zum Nachteile Hitlerdeutschlands zu be- lasten. Es ist aber die Frage, ob derartige taktische Winkelzüge auf die Katholiken an der Saar noch Eindruck machen. Es geht durch ihre Reihen ein großes Erwachen. Es ist ihnen allmählich klar geworden, daß eine vorübergehende Verstän- digung die Katholiken an der Saar in Kürze um nichts besser stellen würde als diejenigen im Reiche. Selbst die Saarbrücker„Landeszeitung", das Blatt der gleichgeschalteten Katholiken an der Saar, wagt es neuer- dings täglich ganze Spalten über den deutschen Religions- kämpf zu veröffentlichen und mit kritischer Schärse dazu Stel- lung zu nehmen. Das geschieht, um sich keine Schwierigkeiten mit dem Besitzer der Aktienmehrheit zu bereiten, in den ver- schiedensten Maskierungen. Angriffsgegenstand ist dabei die von der Führerschaft amtlich beschützte«Deutsche Glaubens- bewegung". Es wird darauf hingewiesen, daß Professor Hauer, der gewählte Führer der„Deutschen Glaubens- bewegung", jüngst in Dresden gesagt hat, baß die Frage, ob es einen persönlichen ober unpersönliche« Gott gebe, eine reine Theologensrage sei. Es gebe nur einen Führer, den religiösen Urwillen des deutschen Volkes. Im„Deutschen Textilarbeiter", einem der Blätter der Leyschen Arbeitsfront, hieß es jüngst:„Es überläuft einen ausrechten Menschen ein gelindes Gruseln, wenn er an einer Kirche vorbeikommt und morgens um 6 Uhr die Gutgläubigen schon wie arme Sünder ins iKrchenportal eilen sieht. Der Weihrauch, der diese Menschen umsängt, benebelt ihre Sinne und lähmt ihre Gedanken." Neuer Kampf gegen Rom Erzieherprovokation im katholischen Westen Noch bunter treibt es die„Nationalsozialistische Erzieher- zeitung Rhein-Ruhr", das amtliche Organ des NS.-Lehrer- bundes für die Gaue Düsseldorf, Essen und Koblenz. Hier, mitten im katholischen Westen, heißt es wörtlich, laut Nr. 11: «Eine Zeit wird kommen, da wir Deutsche alle von einem Gottesglauben beseelt sind, der nicht an orientalischen Worten hängt, die uns unverständlich bleiben. Wir Deutsche werden uns einer glücklichere« Weltanschauung zuwende«, ohne«ns z» zerquälen bis zur Auferstehung." Es ist dann in diesem amtlichen nationalsozialistischen Er- zicherblatte von der„göttlichen Kraft Luthers im Kampf gegen Rom" die Rede, aus der schließlich der Nationalsozia- lismus erwachsen sei... Das sind nicht einmal Gipfelpunkte im neuen„Kampf gegen Rom". Der Felsen Petri wird von der politischen, welt- anschaulichen, kulturellen und religiösen Seite her unauf- hörlich berannt. Es gibt für den Nationalsozialismus hier kaum noch ein Zurück, wenn er die von ihm selbst erweckten Kräfte nicht wieder von sich abstoßen will. Er braucht sie zur Machtbehauptung heute nötiger als je. Und die Kirche? Glauben ihre verantwortlichen Auto- ritäten immer noch, daß sie mit Hilfe altbewährter strate- gischer und taktischer Künste Brücken zu schlagen vermögen? Sie sollten sich besser auf den Kampf einrichten. Er ist der dynamischen Entwicklung des deutschen Nationalsozialismus und seiner sogenannten Weltanschauung ganz unvermeidlich. Ber Mörder des polnischen Innenministers? Eine Festnahme Berlin, 26. Juni. Umfangreiche Fahndungsmaßnahmen der deutschen Grenzbehörden führten am.23. Juni 1934 früh gegen 6 Uhr zur Festnahme des polnischen Staatsange- hörigen Eugen Skyba, Student der Chemie, geboren am 11. Mai 1908 in Lemberg, aus den die von den polnischen Behörden gegebene Personenbeschreibung des flüchtigen Mörders des polnischen Innenministers genau zutraf. Skyba kam am genannten Tage mit einem Dampfer aus Zoppot nach Swinemünde, wo er von Beamten der Ge- Heimen Staatspolizei unter den etwa 699 Ausflüglern er- mittelt und festgenommen werden konnte. Skyba bestreitet zwar, der gesuchte Attentäter zu sein? nach der Sachlage kann er aber als überführt angesehen werden. Der Festgenommene wurde noch am gleichen Tage mittels eines polnischen Sonderflugzeuges nach Warschau transportiert. Gestern und Acute Ein ungewöhnliches Ereignis hat in Saarbrücken stattgefunden. Die Stadt sah eine antifaschistische Demonstration vpn solchem Ausmaß und solch innerer Kraft, daß man sie nur mit den großen deutschen Arbeiterkundgebungen nach der Ermordung Rathenaus vergleichen kann. Der Anlaß war klein, fast unbedeutend. 150 Arbeiterjungens waren zu einem Sportfest ihrer belgischen Kameraden nach Löwen gefahren. Am Montagabend kamen sie zurück; man beschloß, sie festlich am Bahnhof abzuholen. Ein paar kleine Notizen in der„Volksstimme", sonst nur Durchsagen von Mund zu Mund— das waren die ganzen Vorbereitungen. Keine Propaganda, kein tagelanges Trommeln, kein Hämmern in Aufrufen und Zeitungsartikeln— nichts als die schlichte mündliche Parole: Alles ist da! Und es war alles da! Alles— ob Sozialdemokraten oder Kommunisten. Parteien wollen für sich werben. Das liegt in ihrer Natur. An diesem Montagabend dachte von den marschierenden Zehntausend niemand an dergleichen. Sie marschierten gegen Hitler, sie marschierten in Einheitsfront, sie marschierten für den Sozialismus. Der Bahnhofsplatf war schwarz von Menschen. An den Rändern gab es auch Gegner. Aber als der Zug sich in Bewegung seßte, da sah man; es waren keine Spaliere von Neugierigen und Schlachtenbummlern. Sobald das Zugende vorbei, strömte es von den Gehsteigen in die Fahrbahn. Im Strudel riß der Zug alles von den Rändern her mit. Er wuchs im Marschicren, er marschierte wachsend, endlos wachsend. Und darüber flatterten die roten Fahnen, die Kapellen spielten, und die marschierenden Massen sangen„Brüder, zur Sonne, zur Freiheit" und die„Internationale", Im Arbeiterviertel von St. Arnual sahen wir eine alte Frau, daneben ihr Enkelkind. Tränen standen der alten Frau in den Augen, und immer mußte der Enkel ihr helfen, den schwachen Arm in die Höhe zu heben. Mit erhobenen Fäusten marschierten die Arbeiter an der alten Frau vorbei, dreiviertel Stunde lang. Und dreiviertel Stunde lang stand das Mütterchen tapfer da, und der Enkel hob ihren Arm. Und so standen sie zu Tausenden auf den Trottoiren; junge Burschen mit Fahrrädern und grauhaarige Männer, Mädels und Frauen und riefen„Freiheit" und„Rot Front", und wenn der Zug vorbei war, schlössen sie sich an. Zehntausend Menschen sind nach übereinstimmender Zählung verschiedener Beobachter marschiert. Und es fehlte noch ein wahrscheinlich beträchtliches Kontingent: die Arbeiter, die noch Schicht hatten, und diejenigen, die aus Angst um ihren Arbeitsplatz nicht wagen durften, zu kommen. Eine Abteilung städtischer Arbeiter begegnete dem Zug; sie hielten die geballte Faust gesenkt und riefen:„Wenn wir nur mitdürften!" Es war keine„fabrizierte" Demonstration. Es waren nicht auf Lastwagen oder Fahrrädern Hilfstruppen von auswärts herbeigeschafft worden. Es war überhaupt nicht organisiert worden; man könnte eher sagen, daß alles zu sehr improvisiert war. Aber nun, da der Erfolg da ist, beweist erst der Mangel an Vorbereitung die Großartigkeit und die politische Bedeutung dieser Kundgebung. Saarbrücken hat 150 000 Einwohner. In der Vier-Millionen-Stadt Berlin marschierten bei solchen Anlässen durchschnittlich je 100 000 Menschen. Berlin ist dreißigmal so groß wie Saarbrücken. Das gibt qin Maßstab. Die Demonstration vom Montagabend verdient es, ein politisches Ereignis von ungewöhnlicher Tragweite genannt zu werden. Erstens weil die Kraft der Saarbrücker Antifaschisten sich als überraschend groß erwiesen hat; weil unwiderleglich der Beweis geführt wurde, daß das Bild der fahnengeschmückten Straßen dieser terrorisierten Stadt trügt. Eine Frau rief zuschauenden Nazis höhnisch zu:„Hier marschieren unsere drei Prozent!" Zweitens, weil an diesem Abend die Arbeiter über ihre Parteispaltung hinweg brüderlich zusammen marschiert sind. „Freiheit... Rot Front... Rot Front... Freiheit!" so scholl es den ganzen Zug entlang, scholl es den Zuschauern entgegen, scholl es zurück. Der Sozialdemokrat marschierte buchstäblich Schulter an Schulter mit den Kommunisten; es gab Glieder, in deren der eine Flügelmann„Freiheit", der andere„Rot Front" rief. Und alle fühlten es: sie hatten über ihren Bruderzwist hinweg doch nur das eine gemeinsame Ziel, den einen heißen Willen, die eine große Sehnsucht; den Sozialismus. Was verschlug es ihnen in dieser Stunde, ob sie die Faust halb oder ganz in die Höhe höben? Ein Gegner, eine Front, ein Ziel; diese Arbeiterschaft wird nicht nur Hitler schlagen, sondern die Welt gewinnen. Der tausendjährige Hitler Er fordert«He ganze Wen in die Sdiranken Immer teste druff! Die nationalsozialistischen Führer hatten sich die Schlacht gegen Miesmacher und Nörgler wesentlich einfacher vor- gestellt. Allmählich begreifen sie, daß es sich nicht nur um einen Stimmungsfabto'r, sondern um die erste Erschütle- rung des nationalsozialistischen Staatswesens und seiner Totalilätsprogrammalik handelt. Der Reihe nach treten sie nun auf die Hitler, Goebbels. Hetz, Görmg, und jeder lätzt auf seine Art erkennen, daß Grundfragen der Staats- und Wirlschaftftihrung aufgeworfen sind und eine Entscheidung verlangen.' Hören wir zunächst, was Hitler einem Korrespondenten des Londoner Blattes„News Chronicle" zu sagen hat: „Das letzte, was ich wünsche, ist die Isolierung Teutschlands, aber Ausfuhrschivierigkeiten werden den deutschen Geist nicht brechen. Die Deutsche« habe« während de» Krieges von Ersatz gelebt und sie werden es, falls es nottnt, noch einmal tun, und dann mit'noch größerem Erfolg. In wenigen Jahren wird man soweit sein, natürliche Baum- wolle durch Knnstbauniwollc zu ersetzen, Seide durch Kunst- seide. Oel. aus Kohlen hergestellt, wird an die Stelle von Petroleum und Benzin treten. Die Ersatzmittel werden sich behaupten. Schon einmal ist Deutschland zum Rüben- zuckcr übergegangen, ohne jemals zu Rohrzucker wieder zu- zurückzukehren. Dasselbe ist mit den Farbstoffen der Fall. Der Nationalsozialismus kann nicht durch Störungen in der Rohstossbeschaitung gestört werben. Wenn ich zum Beispiel den Befehl gebe, die Einfuhr amerikanischer Waren zu drosseln, ivird kein Pfennig mehr für den Einkauf amerikanischer Erzeugnisse ausgegeben. Dir Welt wird dann erfahren, was ein wirklicher Boykott bedeutet." Immer wieder der Rüben z u ck e r als Zeichen der Ueberwindung einer Wirtschaftsblockade! Biel näher läge es. an die Rüben w i n t e r zu erinnern, die Deutschlands furchtbarster Niederlage vorangegangen find. Das Preußen im ersten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts, dos unter Napoleons Kontinentalsperre seine Zichorienbrühe oder Einheitskaffee mit Rübenzucker statt mit Rohrzucker süßte, war ein wirtschaftlich unentwickelter rein agraischer Binnenstaat, der auf Außenhandel so gut wie gar nicht an- gewiesen war. Das Deutsche Reich des zwanzigsten Jahr- Hunderls ist ein hochentwickeltes Industrieland, das Mit- lionen und aber Millionen seiner Bevölkerung zum Siech- tum verurteilt, wenn es seinen Außenhandel, der unter „marxistischer Mißwirtschaft" einmal 14 Milliarden im Jahre betrug, zugrunde gehen läßt. Was Hitler, den Teutschlands Verhängnis zum Staawführer gemacht hat. leitet, ist derselbe Wahnwitz, dasselbe überspannte Kraftge- fühl das die Helfferich, Ludendorff. Tirpitz, Hergt und Kon- sorten in den Kriegsjahren zu dem Glauben verführte, die übrige Welt nicht nur militärisch, sondern auch Wirtschaft- lich besiegen zu können. „Wenn ich den Befehl gegen amerikanische Waren gebe..." Es ist dieselbe verrückte Sprache, die während des Krieges Amerika herausforderte:„Sie können nicht fliegen und nicht schwimmen, sie werden nicht kommen." Man redete starke Worte und hoffte im Geheimen, daß der Gegner sie nicht ernst nehmen und gütlich nachgeben werde. Und dann zur Frage der Fragen, die heute in ganz Deutschland beinahe offen diskutiert wird:„Wie ent- scheidet sich die Staatsführung zwischen Papen und Goebbels, zwischen den Konservativen und den romantisck- sozialistischen Iungrevolutionären und ihren Demagogen?" Hitler antwortet darauf mit Phrasen: Aus die Frage des englischen Korrespondenten, ob sich Hitler mehr dem rechten oder dem linken Flügel inner- halb der nationalsozialistischen Bewegung anschließen werde, anrivortrtc der. Führer:»Ich kann weder das eine noch das andere. Ich muß immer geradeaus gehen. Aber — und Hitler schlägt mit der Faust ans de» Tisch— ich kann Ihnen sagen, daß die national sozialistische Bewc- gung noch tausend Jahre bestehen wirb. Das Bvlk steht hinter mir. mehr als vor einem Jahr. Es folgt mir. Ivo- hin ich gehe, und wird es auch weit« tun. Wir gehören nicht zu denjenigen, die vor Schwierigkeiten die Waffen strecken. Wir sind als Selimademänner stark geworden im Kampf." Was heißt das„geradeaus"? Auch wenn man politisch einen geraden Weg zu gehen glaubt, muß man Richt- und Zielpunkte haben. Daß aber Hitler schwankend und ziel- los zwischen den innerpolitischen und sozialen Spannungen Deutschlands steht, ist das einzige, was zur Zeit gewiß ist. Das tausendjährige Reich ist ein alter Traum gläubiger Einfalt. Nichts spricht dafür, daß es unter Hitler oder je unter feinem Namen kommen wird. Der bflnglime Rudolf ließ Er sieh! den Dofsdieirismns vor den Toren Kaplfalfs'en aller Lander rettet uns! Der Stellvertreter des Führer,-Herr Rudolf Heß, hat am Sonntag in Westdeutschland eine große Rede halten sollen. Es sing aber an zu regnen, und alles riß aus: Reaktionäre, Revolutionäre und Miesmacher brachten sich vor den himm- I'schen Güssen in Sicherheit. Heß mußte nüttcu in seinen Weishetthströmen abbrechen. Er sprach dafür am Montag über alle deutschen Sender, und jeder Deutsche konnte ihn nun unter sicherer Bedachung anhören. ES scheint mit der Regie nicht mehr zu klappen, denn der Stellvertreter sagte lang und breit das Gegenteil von dem. was eben erst der Führer einem englischen Journalisten er- zählt hatte. Keine Spur voii tausendjährigem Hitlerreich, sondern der Schreckensrus an alle Welt:„Der Bollchewis- mus vor. den Toren!" Das einzige, was der.NationnIsvzia- list Rudolf Heß zur Rechtfertigung.für das Regime vor den Reaktionären in Teutschland und den kapitalistischen Welt-' mächten zu sagen hat, ist die— übrigens" falsche• i~ Behauptung, daß es das letzte Bollwerk gegen den Bolschcwis- mus in Deutschland sei. Nie hat sich bisher ein nationalsozia- listischer Führer so deutlich und so ängstlich, zu diesem Thema geäußert, auch wenn man berücksichtigt, daß er aus taktischen Gründen übertreibt' Mögen sich im übrigem die fremden Staaten, die unsere Gegner sind, keiner Täuschung hingeben: Ihre Hvsinung, der Nationalsozialismus könnte doch noch erledigt werden, ist ein gefährliches Hoffen, und die Verwirklichung ihres Höffens würde tödlich für sie selbst' sein. Ei» Abtreten des Nationalsozialismus von der politischen Bühne, des deutschen Bolkes würde nicht etwa Teutschland in erneute Abhängigkeit von allen Wünschen der betreffenden Regierung bringen, sondern am Ende dieser Entwicklung stände ein europäisches Ehaos. In Formen, über deren Radikalismus sich kaum bisher jemand Gedanken gemacht hat, und in einer neu- artigen Brutalität, würde der Bolschewismus in Deutsch- land Einzug halten. Bedingt märe diese Brutalität aus der dann eintretenden Führerlosigkeil eine» großen Bolkes au? kleinem Raum und durch die Berzweislung des Hungers eines Bolkes, das aus geregelte Industrie- Wirtschaft eingestellt ist. Für.einen etwaigen deutschen Bolschewismus könnte auch die bolschewistische Revolution in Rußland keinen Vergleich bilden. T i s Fo l g e e i n e r.B'o l sch c w i s i cm» g T euti ch- lands wäre eine weitere Zerrüttung der wirtschaftlichen Verhältnisse in der Welt und damit verbünden eine weitere Auinahmebereitschast besonders' der Industriestaaten für die marristisch-chaotischc Pest der Erde. Das möge sich jeder Politiker uor Augen halten,, der mit dem Gedanken einer Ueberwindung des Nationaliozialis- mus in Teutschland spielt! Tie kritische Lage der V e r- einigten T t a a t e n, aber auch gewisser europäischer Länder, in denen die bolschewistische Gefahr glimmt, sollte Warnung genug sein. Angesichts dieser Gefahr, die einer Naturkatastrophe gleich Teutschland drohen würde, wenn der National- sozialismns gefährdet wäre, kann man nur die ewig Vor- gestrigen belächeln, die glauben, der Nationalsozialismus könne durch eine Monarchie oder durch die Führung„lw- »ährter konservativer Kräfte" abgelöst«erde». Daß weder„b e währte Konservativ e". noch Hoffnung S'i r ohe M o n a r ch i sten",'noch aus die Er- folge der Wühlmäuse bauende Kommunisten Be-. deutüng gewinnen, davor svll nnS unsere derzeitige Aktion sichern!",-.>••• So kann nur ein Mann reden, dem der politische Boden unter den Füßen wankst und der nun Unterstttyuirg sucht, wo er sie nur finden kann. Rudolf Heß zeigt offen die traurig: Figur, die auch Adolf Hitler für irden bietet, der hinter seine Hetdenpose zu schauen versteht: Heß ruft inmitten seiner Rede die Reaktionäre und Kapitalisten- aller Länder zur Stützung des deutschen Nationalsozialismus auf und feiert am Schluß die deutsche Revolution und' ihren Führer.Hitler„als Revo- lut'vnär größten Stils". Und was hm er als Ziel dieser „Revolution" zu zeigen. Wir zitieren wörtlich: Tic einen reden revolutionär, aber das Handeln derer, die in stiller Arbeit bei kargem Lohn dem revolutionären nationalsozialistischen Wollen sichtbaren Ausdruck geben, ist viel größer. Wer beispielsweise planend und proftiich arbeitend, an den für die Jahrhunderte gebauten Auto- bahnen mstarbeitet, leistet mehr für die deutsche Revo- lnrion, als wer da glaubt, in blutrünstiger Rede über seine Impotenz hinwegtäuschen zu können. Wenn sv etwas der erste Stellvertreter des großen deuc- schen Führers von sich gibt, wie kann man uns dann noch zümuten, an weit in die Zukunft greifende Konzeptionen des Führers selbst zri glauben. Nein, vor den ersten wirklich großen Schwierigkeiten zeigt sich die Ideenlosigkeit der Männer, die hemmungslose Agitatoren waren und sind und bleiben werben. Sie haben ans purer Demagogie mit der Revolution gespielt und sehen nun zu ihrem Schrecken, daß die unaufhaltsame soziale Revo- lutlon keck Spielzeug ist. sondern daß fte mit elementarer Kraft immer wieder aus den Moffoni mit sozialistischen Fo» dcrungcn zu sozialistischen Zielen vorbricht. Die„Strategen der Revolnlion". als die Heß seinen Füh- rer und dessen Paladine bezeichnet, haben die revolutionäre reformistisch?: Arbeiterbewegung in Deutschland zerstört und glaubten, daß es nun in ihrem Willen hege, die fernere deutsche Geschichte besehlsmäßlg zn führen mit„Halt!" und „Marsch!" wie es der braunen Bonzvkratie gerade paßte. To aber geht?S nicht. Der Staat und tue Wirtschaft nnd die vielen Millionen Menschen in ihnen sind nicht mit den Methoden zu beherrschen, die für dir Kaiernenhöfe nßt braunen Bataillonen angewandt worden sind. Die zerrüttet? deutsche Wirtschaft und die zersetzte deutsche Gesellschaft erzwingen sich eine neue Ordnung: Sie kann nur au« revolutionären sozialistischen Aktionen geschaffen werden—gegen die nationalsozialistische Scheinrevolution. Blutiger Zusammenstoß „Der Feind steht rechts" Berlin, 25. Juni. In der Nähe des pommerschen StüiN- schens Henken Hagen kam es bei der Sonnwendfeier zu einem blutigen Zusammenstoß zwischen einem„Stahl- y e l m e r" und dem Führer eines SA.-Sturm». Nach einer Darstellung aus nationalsozialistischer Quelle hätte der „Stahlhelmer" während der vom Stnrnnührer gehaltenen Nede provozierende Bemerkungen gemacht. Es folgte ein Handgemenge, wobei der„Ttahlhelmer" sich zunächst seines Stockes bediente und nachher dem Sturmführrr seine» SA- Dolch entriß und ihn dem(tzegner in den Unterleib stieß. Der Täter wurd: verhaktet, der Stnrmführer in schwer- verletztem Zustand ins Krankenhaus gebracht. Ein auf der Seite des.Stahlhelms" stehender Lehrer befindet sich n Schutzhast. Im„Angriff" läßt Goebbels Herrn von Papen als einen Reaktionär karikieren, der einen Dolchstoß gegen die SA. führt. Auf der einen Seite findet man die Dolchstoßlegende von 1913 dadurch illustriert, daß eine zerlumpte Gestalt mit Bolschewikenmüye einem Soldaten das Messer in den Rücken stößt. Das Gegenstück ist das Bild eines elegant gekleideten Herrn vom Typus Papen, schlank und hager und mit dem Zylinder bekleidet, den der Vizekanzler öfters bevorzugt» Diese allegorische Gestalt schleicht von hinten an einen sA.- Mann heran, wird aber mit einem kräftigen, aus die Bruit gezielten Fußtritt zurückgeworfen. Damit wird nicht nur deutlich auf den Konflikt zwischen Papen und Goebbels angespielt, sondern auch gegen die aus ewcn Abbau der SA. gerichteten Bestrebungen Slimmung gemacht. Statthalter-Krise In Hessen-Nassau Frankfurt a. Main, 27. Juni. Ter jetzige Reichsstatthalter Sprenger ist während sr'ner kurzen parlan.einarischen Laufbahn dadurch berühmt geworden, daß er sich als Abgeordneter krank meldete, die Diäten einsäckelte, gleichzeitig aber Versammlungen gegen hohe Rednerhonorare abhielt. Geschadet habe» ihm diese kle'nen Betrügereien so wenig wie anderen viel größere Gaunereien. Er avanciene bis zum Reichsstatthalter von Hessen-Nassau. In dieser Rolle wird er nun mehr und mehr unmöglich. In ieiner dummen Selbst- bespiegelung hat:r jüngst sein einjähriges Jubiläum als Reichsstatthaltcr groß gefeiert. Den Schulen gab er frei unter der Bedingung, daß die Kinder ans die iveltgeichicht- liche Bedeutung des Tages hingewiesen würden. Er könnt: sich auch einiger Glückwunschtelegramme rühmen, aber Adolf Hitler depeschierte ihm ivcht. Ter hatte die Nase von solcher Sorte Reichsstatthalter schon voll. Es ist begreiflich, daß der gute Sprenger in seinem Schmerz Ablenkung suchte. Tie fand er im Albihol Als er noch mittlerer Postbeamter war, begnügte erjich mit Bier und Schnaps. Jetzt hält er sich an Wöhr und Sekt. Ein Ge- läge, das er iniigst mit einigen Führern in Frankfurt a. M. abhielt, wurde Stadtgespräch und drang so auch zu den Ohren d:s Reichskanzler». Aus Frankfurt a. M. wurde dem „Führer" dringender noch als früher nahegelegt, de» Herrn Reichsstatthalter abzuberufen. Hitler scheint einzniehen, daß es so nicht weiter geht. Sprenger soll nach Berlin in irgend- eine Sinekure verletzt werben. Erstens ist er dann nicht so crponirrt ivie in Frankfurt a. M. und zweitens fällt es in der Millionenstadt nicht so ans, wenn Herr Sprenger.,etwas allzu stark feine» Durst mit Sekt stillt. Selbsthefreiong poliUsthcr Gefangener Hauptwachtmeister erwürgt Lektinrtz lBogtlant». 2». Juni. Eine schwere Bluttat wurde am Moirtagabend im hiesigen Amtsgerich:sgeiängnis verübt. Als der Geiangenen-Hauptivachtmeister Otto Becker die Zella des wegen politischer Vergehen seit einem Jahr in Umerfuchungshaft befindlichen 84 Jahre älten Menzel O«mar betrete» hatte, wurdo dar Beamte von diesem überfalle» und mit einem Handtuch erwürgt. Ottmar nahm dem Beamtest die Zellenschlüssel ab und befreite den 3.»-ihrigen Mitgetangenen Bruno Gebhardt sowie den 3(T Jahre alten Karl Schröter ans ihren Zellen. Durch Hilferufe lockten dann die drei die im Garten arbeitende Frau des Hauptwachtmeisters in ihre Wohnung und zwangen sie unter Tadcsdrohungen, die Hunertür zn önuen, durch die sie ins Freie gelangten. Sie übtntiegen die das Gelände umgebende Mauer und flüchteten. Auf die Alarmierung durch, die Frau wurden sofort alle Maßnahmen getroiren, um die nahe. Grenze abzusperren. Polizei. Gendarmerie und SA. sind auigehoteu, um nach den geflüchteten Verbrechern zu fahnden. I aileitisclie rotfeffiienioiis'raffoa An der albanischen Küste gegen die Kleine Entente Tirana, 28. Juni. Das L Geschwader der italienischen Adria-Fiokte, bestellend aus 28 Einheiten, ist im Haien von Durazzo vor Anker gegangen. Nach der Ankunil begab sich der Vertreter des Geschwaderkommcmdanien smart an Land und stattete den albanischen Behörden eine» offiziellen Besuch ab. * dnb. Belgrad. 28. Juni. Tie„Politik«" beschäftigt sich mit dem italienischen Flottcnbeiuch in Durazzo. Sie behauptet, das Erscheinen der italienischen Kt-iegsschisie habe in Tirana da» größte Aussehen erregt, da die albanischen Behörden, über den Besuch nicht unterrichtet gewesen seien. Man habe angeblich mit der. Möglichkeit einer Landung italienischer Truppen gerechnet. Die Kriegsschiffe hätten jedoch 28 Stunden vor Durazzo gelegen, ohne irgend etwas zu unter- nehmen. Erst dann habe sich ein italienischer Offizier an Land begeben und den Behörden mitgeteilt, daß es sich um einen Freundschnftsbcsuch handele, fieir Sic italienische Flotte dem verbündeten?llbanicn abstattete. Um die gleiche Zeit habe auch der italienische Gesandte in Tirana der albanischen Regierung eine ähnliche Mitteilung.zukommen lassen. Der größte Teil des italienischen Geschwaders fei daraufhin wieder abgedampft. Drei Kriegsschiffe seien jedoch im Haien von Durazzo gelassen worden. Die„Politika" bringt diese Nachricht im Zusammenhang mit der angeblich:'» unzu- verlässigen Haltung Albaniens gegenüber' Italien. In politischen Kreisen nimmt man jedoch arr, daß es sich eher um. eine Kundgebung gegen die Kleine(Entarte als gegen Albanien gehandelt habe. 7080 Hann Bahnbcwadinng In Oesterreich iJTFh Tie österreichischen Bundesbahnen bekommen nun die schwere» Folgen der gegenwärtig in Oesterreich herrschen- den Anarchie zu spüren. Tie„Railiuap Gazette" berichtet, daß in einem 24stündigen Zeitraum bis zu 22 Eisenbahn- anschlage vorgekommen sind. Der Fremdenverkehr liegt so gut wie ganz danieder. Es ist. klar, daß sich diese anarchischen Zustände verheerend au, die Einnahmen auswirken müssen. Die an sich schon mit großen Verlusten arbeitenden Bundes- bahnen haben sich nun gezwungen gesehen, eine» 7888 Mau» starken Bahnbewachungsdienst einzurichten. Freihcllszug durch Saarbrücken Der Marsch der Zehntausend Saarbrücken, den 25. Juni 1984. Die Rückkehr der saarländischen sozialistischen Sportler vom Sportfest in Löwen ,Belgien) gestaltete sich zu einer Demonstration, wie sie selbst die optimistischen Antihitle- rianer nicht erwartet hatten. Schon stundenlang vor dem fahrplanmäßigen Eintreffen des Schnellzuges, der die Sport- ler zurückbringen sollte, herrschte in der Bahnhofsgegend lebhaftes Treiben. Eine halbe Stunde vor dem Einlaufen des Zuges war der Bahnhofsvorplatz schwarz voll Men- schen. Die Zugangsstraßen dicht besät mit Zuschauern, die voll Spannung und Erwartung dem angekündigten Zuge ent- gegensahen. Spielmannszüge. Jahnenabordnungen. Turner. Sportler. Naturfreunde. Massen in der Einheitskleidung und im Arbeitsrock, mindestens 19 909 Menschen hatten sich zum Empfang eingefunden. Um 7.33 Uhr brauste der Zug mit den Belgieniahrern in die Bahnhofshalle. Aus den Jenstern des Zuges winkten und grüßten die Heimkehrenden. Begeisterte Rufe„Freiheit" dröhnten von den unten Harrenden aus Vieltausend Kehlen herauf auf den Bahnsteig, Kampfrufe der antihitlerischen Arbeiterschaft. Im Nu erschienen die freudig überraschten Belgiensahrer auf dem Bahnhofsvorplatz, wo sich unterdessen die Kolonnen zum Abmarsch formierten. Die Musikkapellen schmetterten einen lauten Willkommengruß in die Glückwünsche der Menge hinein. Dann setzte sich allmählich ein Zug in Be- wegong, der von Minute zu Minute anschwoll und unüber- fehbar sich gestaltete. Es schien, als wenn Zögernde und Zaudernde mitgerissen würden von dem Schwung der mar- schierenden Reihen und unwiderstehlich sich gezogen fühlten, mitzumarschieren im Zug- der Jreiheit. Aus den dichtbe- säten Abmarschftraßen lösten sich immer neue Menschen- gruppen und verstärkten die demonstrativen Reihen. Allein dreiviertel Stunden dauerte der Borübcrmarsch in der Nähe des Rathauses. Stolz und froh flatterten die roten Jahnen der Sportler. Immer freudiger und lauter erschollen die Kampfrufe der antihitlerischen Jront„Freiheit!"„Rot Front!" durcheinander. Es gab keine Parteiunterschiede, es war ein riesengroßer Zug des geeinten arbeitenden Saar- volles. Eine Einheitsfront nicht aus dem Papier, sondern eine Einheitsfront glücklich gestaltet in dem machtvollen Be- kenntniö gegen Hitler und für die Freiheit. Bon allen Ecken und Plätzen aus den umsäumenden Rei- hen in den Straßen flogen immer wieder die Fäuste hoch zum antihitlerischen Kampsgruß. Viele Tausende, die lange nicht gewagt hatten, sich offen in die Front der Gegner des dritten Reiches" einzureihen, faßten aufs neue Mut und verstärkten die Kampssront und Begeisterung. Selbst in den Reihen der treuesten Freiheitskämpfer herrschte ehrliches Erstaunen und freudige Begeisterung über soviel freiheit» liche Demonstration und offenes Bekenntnis. Ist es doch nicht wie bei der„deutschen Front", in der man mitmarschiert, um gesehen zu werden. In der Freiheitssront marschieren heißt: mitmarschieren, trotzdem man gesehen wird. Die gewaltige Wirkung des Zuges wurde besonders unter- strichen durch die Bestürzung, die sich auf den Gesichtern der bekannten Deutschsrontler spiegelte Da. wo zunächst der Spott Ausdruck gesucht hatte, zeigte sich immer mehr stei- gernd Unbehagen. Erstaunen und Verwunderung. An einigen Stellen versuchten unverschämte Burschen Provoka- tionen. Der wohldisziplinierte Zug strafte die Hetzer mit Nichtachtung. In der Nähe des Bahnhofs stand beispiels- weise ein bekannter nationalsozialistischer„Führer" und brüllte provokatorisch„Heil Hitler!" Trotzdem ihm eine Tracht Prügel nichts geschabet hätte, zogen die Massen voll Verachtung an ihm vorüber. Aus dem evangelischen Krankenhaus provozierte ein Arzt aus dem Fenster, der ebenfalls„Heil Hitler!" auf die Straße rief. Hier steht aller- dings nicht fest, ob sich der Mediziner nicht geirrt hat. Er mochte die Massen für Anhänger der„deutschen Front" hal- ten und aus diesem Irrtum heraus gewohnheitsmäßig die Hand ausgestreckt und den Mund geöffnet haben. Das war der erste große Auftakt nach der Festsetzung dcS Abstimmungstermins. Spontan und gewachsen aus der Be- ge,sterung der Freiheitskämpfer. ♦ Die kommunistische„Arbeiter-Zeitung" ichreibt unter der Ueberschriit:„EinHeitsfront-Temonstration in Saarbrücken" unter anderem: „Ter gestrige Empfang der von Belgien zurückkehrenden Arbeitersportler gestaltete sich zu einer grandiosen Ein- heitsfrontdemonstration sozialdemokra- tischer und kommunistischer Arbeiter. Viele Tausende waren lange vor Ankunft der Belgiensahrer er- schienen. Rot-Front- und FreiheitSruie brausten über den Bahnhofsplatz. Stürmisch wurden die ankommenden Ar- beitersportler begrüßt und dann formierte sich eine große Demonstration, die unter ununterbrochenen Rufen au»' die kämpfende Einheitsfront sich in Bewegung setzte. Die Straßen waren dicht umsäumt von Massen, die den Demonstranten und ihren roten Kampsliedern zujubelten. Rote Fahnen belebten das Bild der Demonstration, und viele, sehr viele Saarbrücker standen recht nachdenklich da, als' die Massen an ihnen vorbeizogen: überall wo die Demon- stration vorbeikam, begann die Diskussion über die Lüge von den„93 Prozent" der„Deutschen-Front"-Bonzen. Ter Marsch endete in St. Arnual. Massenhaft wurden Streuzettel unter- zeichnet„Rot Front" unterwegs verteilt. Tie gestrige De- monstration»'"* ein weiteres Tianal für die sich immer stärker formierende Einheitsfront des Kampfes, die allein imstande ist, den faschistischen Todfeind zu schlagen und den Anschluß an Hitler-Deutschland zu verhindern." eine UeberraschunH. Äls sie die neueste Nummer der Zeit« schrift zur Hand nahmen, entdeckten sie am Kopf den Hakenkreuzvogel mit jener Waage in den Klauen, die er der Gerechtigkeit geraubt hat. Auf der ersten Seite verabschiedet sich Dr. Baumbach mit wenigen Worten von seinen Mitarbeitern— und dann dröhnt ein anderer los: StaatsratProfessorDr. CarlSchmitt: „Der Reichsiührer der Deutschen Rechtsfront, Staats- minister Dr. Frank, hat mich als den Leiter der Fach- aruppe Hochschullehrer des nationalsozialistischen Deutschen Juristenbundes mit der Herausgabe der„Deutschen Juristenzeitung" beauftragt... Es entspricht dem Willen des Führers, im Rahmen des heutigen Staates zu er- halten, was erhalten zu werden verdient lund an dessen Erhaltung die braunen Ttaatslenker etwas verdienen können— D. Red.). Gleichzeitig aber kommt es darauf an, die neuen Fragen und Pflichten zu erkennen, die den deutschen Juristen heute ausgegeben sind. Nur so kann für eine gegenwartsnahe wissenschaftliche Zeitschrist im heutigen Deutschland die Gesahr vermieden werden, ent- weder in eine nichtssagende Neutralität oder in eine un- fruchtbare Gegensätzlichkeit zum neuen Staate zu geraten." Damit ist ein neuer Beweis geliefert, daß Goebbels ge- logen hat, daß nicht nur Kritik, daß sogar„Neutralität", auch von denkbar unmarxistischer Seite, im„dritten Reich" verboten ist. Nun die„Deutsche Juristenzeitung" ver- bonzt, nun auch dieses Ventil verstopft ist, wird freilich das Murren in den Richterzimmern noch bedrohlicher an- schwellen. Ob es freilich eine Wirkung ha*? Es ist leichter. Recht zu zerschlagen, als Recht zu schaffen— das wird gerade den deutschen Richtern in dieser Zeit endlich klar werden. nic geschändete deutsche Rechtswissenschaft Juslilia äls Slaalsdirne Nun die Blut- und Schlammflut im„dritten Reich" höher und höher schwillt, heben auch konservativeLeute beschwörend die Hände. Zu den Warnern gehört ein Teil der altbeamteten deutschen Richterschaft, jener Richter- schaft, die sich im„zweiten Reich" auf die Seite der Republikfeinde schlug, jene Richterschaft, die schwere Mitschuld trägt am Niederbruch deutscher Kultur. Die Herren im schwarzen Talar beginnen zu begreifen, was sie und ihre „stramm nationalen" Gefährten um Hugenberg angerichtet haben, beginnen zu erkennen, daß sie das Recht vernichten halfen, zu dessen Hütern sie bestellt waren. In den Amts- zimmern deutscher Gerichte raunt und murrt es. und manche von den älteren Juristen, denen„Rechtspflege" noch nicht zur blutigen Karneoalsposse geworden ist. wagen sogar hier und da ein offenes Wort. Die„Deutsche I u r i st e n z e i t u n g", die bisher vom Senatspräsidenten a. D. Baumbach herausgegeben wurde und ein hohes Ansehen genoß, erhob mehr als ein- mal ihre warnende Stimme, in ihren Spalten kamen immer wieder jene zu Wort, die im Namen der Gerechtig- keit sprachen. Gewiß, sie sprachen vorsichtig genug und verbeugten sich nach jedem kritischen Satz mit betonter Ehrerbietung vor dem„Führer", aber immerhin— sie opponierten gegen das Durch- und Widereinander im neu- deutschen Rechtsleben. Dr. B a u m b a ch selbst mahnte in einer der letzten Nummern:„Es kann keinen Staat geben, der sich Rechtsstaat nennt, in dem nicht das Gesetz oberste Richtschnur ist," und der Mitarbeiter Professor Dr. Helfritz bekannte offen:„Wir leben gegenwärtig in einer Verwirrung der Rechtsbegriffe, wie sie für die Wissenschaft nicht ärger gedacht werden kann." „Kritik ist uns erwünscht." sprach Goebbels— und ließ den zaghaft-bescheidenen Kritiker Ehm Welk ins Konzen- trationslager sperren. Jetzt hat auch Dr. Boumbach die Quittung für deutschen Mannesmut bekommen. Der Mann fordert einen Rechts st aat?— Der Mann muß verschwinden! Die Leser der „Deutschen Juristenzeitung" erlebten in den letzten Tagen Danlcdlrektor als Treuhander Ein Radauantisemit dazu dnb. Berlin, 25. Juni. Mit Wirkung vom 1. Juli 1934 ist der bisherige Direktor Schwarz kommissarisch mit der Wahr- nehmung der Geschälte des Treuhänders der Arbeit lür das Wirtschaftsgebiet Hessen betraut worden. Franz Joseph Schwarz wurde am 2k). Mai 1899 zu Mehlem bei Godesberg am Rhein geboren. Nach Besuch des Bonner Gymnasiums war er an verschiedenen Banken tätig. Am 1. Mai 1933 wurde er zum Direktor der Dresdner Bank in Franksurt a. M. ernannt. Er war auch stellvertretender Vorsitzender des Frankfurter Börsenvorstandes. Seiner Militärpflicht genügte Schwarz von Oktober 1911 bis Oktober 1912 bet dem Infanterie-Regiment Nr. 98 in Koblenz. Nach Anbruch des Krieges zog er solort ins Feld und wurde im Dezember 1911 zum Leutnant d. R. befördert. Er wurde dreimal verwundet. An Auszeichnungen erhielt er das Eiserne Kreuz 1. und 2. Klasse. Nach dem Krieae beteiligte er sich an den Kämpfen in Berlin bei dem Tchutzregiment Groß-Berlin Der NSDAP, gehört Schwarz seit 1939 an. Seit Mitte 1931 ist er Angehöriger der SS. und zur Zeit Standartenführer der 2. TT.-Standarte Hessen-Nassau-Tüd. * Ueber den neuen Treuhänder wird uns geschrieben: „Im Büro des seit langen Jahren allgemein geachtete.. GroßkauimannS Schwarzschild. Leiter der Firma Schwarz- lchild-Ochs, war ein Reklamebild für ein nationalsozia- listisches Reitersest ausgehängt. Der Festtag war vorüber? der Geschäftsinhaber entfernte das Plakat. Hierauf erschien, auf Denunziation des nationalsozialistischen Büropersonals über solche„Schändung", eine Pa.-Delegation, geführt von Herrn Bankdirektor Schwarz in Uniform, gestiefelt und ge- spornt, um den„Täter" zu stellen. Im Büro berichtete man Herrn Schwarz, er möge sich nach oben bemühen, wo der Chef sei. Doch der Gewaltige verfügte:„Der Jude soll so- fort herunterkommen!" Herr Schwarzschild gehorchte. Und nun wollten sich die Vertreter des„dritten R»ichea" ,um Büro des Chefs der Firma begeben. Herr Bankdirektor Schwarz versetzte vlötzlich dem vorangehenden Herrn Tchwarzschild einen Tritt ins Gesäß mit den Worten:„So behandelt man den Juden im„dritten Reich".— Hierauf ?>err Tchwarzschild, entsetzt über solch„nordische" Behand- ung:„Das können Sie sich wohl dem Juden Schwarzschild gegenüber erlauben, aber nicht dem Konsul Tchwarzschild gegenüber."— sSchwarzschild ist Konsul eines baltischen Staates.»— Folge: Herr Schwarz entschuldigte sich bei Herrn Konsul Schwarzschild und fiel dafür die Treppe hin- auf: Er wurde Nachfolger von Dr. Carl Süer. als Treu- händer, nachdem Lüer zum Reichsführer des Handels er- nannt war.— So sehen heute die erforderlichen Leistungen aus. die für den nordischen„Blubo"- sBlut und Boden» Uebermenschen Voraussetzung zur Beförderung sind. Tic nicht karge Anerkennung folgt aus dem Fuß." Goldene Warle an Papen „Verzweifelte Patrioten" Aber sehen Sie, so geht das nicht. So geht das wirklich nicht. Schreibt uns da einer einen Brief, in dem er kund gibt, daß er sich nicht wohl fühle. Was geht das uns an! Ter Mann soll zum Arzt gehen, er soll Aspirin nehmen, oder Pfefferminztee, oder vielleicht Rizinus. Sind wir zuständig für Herzensbedürfnisse oder verdrängte Komplexe? Der Mann schreibt uns, er sei„verzweifelt" und er habe Lange- weile. Das Pferderennen mache ihm auch keinen Spaß mehr. Vielleicht könnten wir ihm helfen, denn wir hätten gute Be- Ziehungen zum„Volk". Das Volk habe doch sicherlich auch Langeweile, denn früher habe es mehr Parteien gegeben, mehr Stimmung und Leben in der Bude! Was da zu machen sei? Ja. es passieren schon eigenartige Tinge heutzutage.— Tie Zeichen stehen aus Sturm. Schwarze Heyer durchziehen heute das Land. Bon den Kanzeln herab predigen sie den Widerstand, die Sabotage. Sie unterrichten die Jugend in staatsfeindlichem Sinne, sie hetzen sie auf gegen ihre Führer. Soll unsere Revolution zum Gespött in der Weltgeschichte werden? Können wir es dulden, daß der innere Verrat und DesaitiS- mus, der sich früher auslobte in den jüdischen Gazetten, nun- mehr in die Kirchenblätter überwechselt? Daß das heiligste Gefühl im Volk, seine Religion, in die politische Gosse ge- zogen wird von den Vertretern des alten landesverräte- rischen Zentrumsgeistes? Daß politische Hanswurste die evangelische Kirche zu einer Börse machen? So geht das nicht weiter! „Hakenkreuzbanner". * Heiliger Karl Marx! ES sind bit„Ewig-Gestrigen", die Herren, die immer den Mund voll nahmen in nationalen Feiern, die das Wort „Deutschland" gewissermaßen in Erbpacht genommen hatten, Leute ö'e angeblich dem„Stahlhelm" angehören, in Wirk- lichkei't aber die schlimmsten Reaktionäre sind, die man sich vorstellen kann. Ihnen ist alles ein Greuel, was.nach Neuerung aussieht, sie wollen sich nicht unterordnen, diese hohen und höchsten Herrschasten bleiben aus ihrem Adels- dünkel sitzen und sind nicht davon zu überzeugen, daß Adel nur dann ein Ehrenschild ist, wenn der Adel der Person den Träger eines adligen Namens auszeichnet. Diese Saboteure, welche geflissentlich die Eingliederung deS Stahlhelms in' den Nationalsozialistischen Deutschen Front- kämpferbund hintertreiben wollen, sind als Feinde schlimmer zu bewerten als ein einzelner Arbeiter, der aus Verblen- dung versucht, Htgen den Staat anzurennen. Die Unbelehr- baren genießen nach außen das Ansehen vornehmer Herr- schaften, sie haben Geld, sie haben Einfluß, sie-haben Grund- hesiy... sie haben alles, womöglich noch ein eigenes Schloß ober Rittergut, aus dem sie als unumschränkte Herren schal- teten und walteten und am liebsten noch die Leibeigenschast ihrer Knechte und Mägde sähen. Diesen Menschen muß hei- gebracht werden, wenn nicht gutwillig, dann durch Zwang, daß es im nationalsozialistischen Deutschland keine Ausbeu- ter und„Herrenmenschen" im gestrigen Sinne mehr geben darf, daß jeder zu arbeiten hat, daß jeder Verantwortung besitzt und d'ese Verantwortung auch ausüben muß und für sein Tun und Lassen geradezustehen hat. Die andere Seite der Staatsfeinbe oder Saboteure find im schwarzen Lager zu suchen und schon gefunden worden, wer- den jeden Tag gefunden. Auch diese Herren im schwarzen Rock haben noch nichts gelernt und glauben, im trüben fischen zu können. Wir müssen uns über die Langmut des deutschen Volkes wundern. Es muß ein zweiter Christus kommen, der die falschen Propheten aus den Tempeln ver- jagt...„Textilarbeiter-Zeitung" v. 6. Juni. * „O, welch ein Kranz aufblühender Jugenelkraft!" Sie sind vielleicht schon zu alt und viel zu verkalkt, um solch eine Begeisterung, solch einen Schwuug auszubringe». Sie zehren zu sehr von einem Erlebnis, welches fast zwanzig Jahre zurücklieg,. Sie sind bei Ihrer reaktionären Einstel- lung nicht in der Lage, die Taten der deutschen Jugend rich. tig zu beurteilen. Gehen Sie in sich. Mann, und tun Sie Buße, sonst wird Ihnen diese Jugend mit ihrer.PubertätSerschein»»«" auf den Hals kommen. Setzen Sie sich zur Ruhe und erinnern Sie sich in irgendeinem Winkel Ihres ver- kalkten Herzens daran, daß die deutsche Jugend in erster <>inie einen großen Anteil an der nationalen Erhebung bat. Unterlassen Sie es aber gefälligst. Ihre Privatmeinung in die Oefsentlichkeit zu bringen!" „Textilarbeiter-Zeitung" v. 12. Juni Dans Sachs als Miesmacher Die Nürnberger Schuster Der Obermeister Jakob Meier der.mittelfränkischen Schuhmacherinnung erläßt folgende Verlautbarung: „Wenn auch bei den mittelfränkischen' Innungen deS Tchuhmacherhandwerks nur selten die Gemeinschaftsarbeit gestört wird, so veranlassen mich doch einige wenige Fälle zu folgender Stellungnahme: Die Innungen sind fest in der Hand zu behalten und gegen Störenfriede überall rücksichtslos durchzugreisen, falls versucht wird, durch ge- wisse Meckerer und notorische Hetzer ver- gangene Systemblüten wieder aufleben zu lassen. Das läßt in jeder Hinsicht tief blicken. Wiederholt und sortgesetzt mit langatmigen Briefen bedacht, voll von Un- slätigkeiten, weiß man sofort, daß von derartigen Schmutzfinken keine Aufbauarbeit herkommen kann. Derartige Gewohnheitskritiker sind nicht imstande, selbst praktische Aufbauarbeit leisten zu können, dies sind nur An- kläger und Besserwisser, welche ihren inneren Schweinehund noch nicht überwunden haben. Ich begrüße jeden zu mir kommenden Mitarbeiter, der es ernst meint, verurteile aber auch andererseits Q u e r u l a n- ten und Schädlinge unseres Berufsstandes und müs- sen sich solche Herren, die nur Schmarotzer und Parasiten unseres Volkskörpers find, die für sie notwendige national- sozialistische Erziehungsarbeit angedeih-n lass?n, um durch eine derartige Läuterung dem deutschen V"lkSempfinden dann gerecht werden zu können." »Deutsche Freiheit", Nr. 145 ARBEIT UMD WIRTSCHAFT Saarbrücken, 27. Juni 19341 Einfuhrsperre und Preistreiberei Nachdem kürzlich der Reichsbankpräsident Schacht in der Transfernote feierlich erklärt hatte, daß die finanziellen Schwierigkeiten Hitler-Deutschlands in der Hauptsache durch die Steigerung des Exports behohen werden könnten, hätte man annehmen müssen, daß die Reichsregierung von sich aus alles unternehmen werde, um den Export zu fördern. Statt dessen erfuhr einige Tage später die er staunte Weh, daß die Weizen- und dann die Haferausfuhr gesperrt worden sind. Die erste Maßnahme nach der Transfernote galt somit nicht der Exportförderung, sondern der Exportdrosselung. Die Gründe dieser Ausfuhrsperre werden uns in der deutschen Presse nicht verraten. Wenn wir aber dort lesen,„daß es ganz abwegig sei, wenn aus diesem Vorgang irgendicelche Rückschlüsse auf die kommende Ernte gezogen werden", so erscheint die Situation eindeutig klar. Da die Ernte'infolge der anhaltenden Trockenheit weniger günstig als im Vorjahr ausfallen wird und Devisen für den Bezug aus dem Auslande nicht zur Verfügung stehen, soll die Ausfuhrsperre dazu dienen, die Bedrohung der Ernährungsgrundlage abzuwenden. Aehnlidi liegen die Dinge am Hafermarkt, da 1933 34 die Einfuhr von Futtermitteln zu Gunsten der Einfuhr von Rohstoffen für die Rüstungsindustrie gedrosselt werden muß, so mußte che Reichsregierung zur Sicherung des Haferbedarfs auch hier eiine Ausfuhrsperre verfügen. Was tut nun eine wirklich sozialistische Regierung, wenn sie vor die Notwendigkeit gestellt wird, derartige außergewöhnliche Maßnahmen zu ergreifen? Sie versucht in erster Linie, durch Preisregulierung dien Konsumenten von Ueber- vorteiluug zu schützen. Anders liegen aber die Dinge in Deutschland. Der aus Argentinien' stammende..Reichsbauern- führer" namens Darre hat keinen Finger gerührt, um die Spekulation in Hafer zu verhüten, und so ist gegenwärtig in Deutschland einer ganz unerhörten, einzig dastehenden Preistreiberei Tür und Tor geöffnet worden. Die Haferpreise sind durch die Einfuhrdrosselung ununterbrochen hinaufgeklettert. Um sich Klarheit darüber zu verschaffen, in welch unverantwortlicher Weise die Reichsregierung dem spekulativen Treiben tatenlos zusieht, wollen wir darauf hinweisen, daß, während der Haferpreis frei Berlin Anfang 1933—- also vor dem Hitlerregiment— 116 Mark betrug, er Ende des gleichen Jahres auf 153 Mark gestiegen war. Die Preisspekulation setzte sich jedoch auch weiter fort, obwohl noch im Mai von amtlicher Seite erklärt wurde, daß eine nennenswerte weitere Steigerung der Haferpreise nicht erwartet werden könne, da die Hafervorräte der Bauern noch sehr umfangreich seien. Aber diese Beruhigungspille, die aus den Amtsstuben Darres stammte, war eine Irreführung, und gegenwärtig ist der Haferpreis auf die unerhörte Höhe von 206 Mark gestiegen. Damit ist also der Preis des Hafers seit dem„nationalen Aufbruch" um nicht weniger als 90 Mark die Tonne gestiegen, also um bald 80 Prozent! So ist Hafer nicht nur teurer als Roggen geworden, sondern er überflügelte sogar den Weizenpreis, der durchschnittlich etwa 193 Mark beträgt. Das ist wirklich eine einzig dastehende Leistung der„sozialistischen" 1 Hitlerregierung! Die Folge der Haferhausse ist, daß auch die Gerste im Preise gestiegen ist, wobei es besonders auffällt, daß die Brauereien, die bisher in ihren Einkäufen Zurückhaltung geübt hatten, sich jetzt in größeren Mengen eindecken-- ein Beweis dafür, wie groß das Mißtrauen in maßgebenden wirtschaftlichen Kreisen gegenüber der Preisentwicklung ist. Blitzartig wird aber die ganz unmögliche Situation am Hafermarkt beleuchtet, wenn wir die Frage beantworten, wer eigentlich Nutcnießer und wer der Leidtraeende dieser gewaltigen Preissteigerung ist? Hafer ist das Kraftfuttcrrnittel der deutschen Viehhaltung schlechthin geworden. Er wird von den mittleren und kleineren Bauern wirtschaften bezogen, die ihn selbst überhaupt nicht oder in nicht ausreichendem Maße produzieren. Der Großgrundbesitz hingegen ist Ab gebe r von Hafer. Die ostelbischen Junker sind es also, die jetzt Riesengewinne auf Kostm der deutschen Rauernsdiaft einstechen. So sieht in der Praxis die Verbundenheit von..Blut und Boden", die nationalsozialistische„Volksgemeinschaft" aus. Daß durch derartige e^nr-ne Mehrausgaben die Existenz der kleinbäuerlichen Wirtschaften erschüttert wird, daß die Hafer, hausse eine Preissteigerung auf dem Vieh- und Fleischmarkt mit sich bringen muß. daß damit wiederum die Lebenshaltung der städtischen Bevölkerung bei gleichbleibend niedrigen Löhnen verteuert wird, darüber ist kein Wort zu verlieren. Die Weizen- pnd Hafenau«fuhrsperre sowie verschiedene andere Maßnahmen der Reichsregierung, wie beispielsweise die Schaffung einer..Preisüberwachungssteil» für Salz", sowie die Schaffung der Einfub'überwachungsstelle für Textilien, Häute und Leder, unedle Metalle, Kautschuk usw. haben eine verdammte Aehnlichkeit mit der Kriegswirtschaft unseligen Angedenkens. Der Unterschied ist nur der, daß damals Deutschland tatsächlich in Not war. daß damals m>'t ähnlichen Maßnahmen versucht wurde, die wirtschaftliche Existenz des deutschen 4 olkes, das einer Welt von Feinden gegenüberstand. zu sichern, während heute diese Maßn»hm»n die Folge des wirtschaftlichen Dilettantismus und der Unfähigkeit sind. Der rerasprcdier in Großstädten Rund 35,5 Millionen Fernsprecher wurden im Jahre 1931 auf der Erde gezählt, von denen 10.6 Millionen auf Europa und 21.8 Millionen auf Nordamerika entfallen, das sind zusammen 91.8 Prozent. In Europa hat Deutschland die meisten Fernsprecher, nämlich 3,3 Millionen; dann folgt Großbritannien und Nordirland mit rund 2,0 Millionen. In Nordamerika entfallen allein 20.2 Millionen Fernsprecher auf die Vereinigten Staaten. Von 1930 auf 1931 hat sich die Zahl der Fernsprecher noch nm 2.5 Prozent erhöht. Das Fernsprech leitungsneg der Erde hatte 1931 eine Länge von 225,5 Millionen Kilometer,- on denen 65.7 Millionen auf Europa und 143.1 Millionen Kilometer auf Nordamerika entfallen. Deutschlands Fernsprechleitungsnetz ist mit 23.4 Millionen Kilometer des größte in Europa; dann folgt Großbritannien mit 14,7 Millionen Kilometer. Das Netz der\ ereinigten Staaten von Nordamerika umfaßt 133,8 Millionen Kilometer. An der Einwohnerzahl gemessen, entfallen i. a. zwei- bis dreimal so viel Fernsprecher auf die größeren Städte als auf die kleineren, wie die nachstehende Tabelle zeigt, d e auf Grund der von der American Telephone und Telegraph Company vorgenommenen Statistik aufgenommen worden ist. Die Zusammenstellung zeigt ferner, daß sich im allgemeinen die Dichte des Fernsprechnetzes mit dem Ausnutzungsgrad der Fernsprecher deckt, wenn man die Zahl der Ferngespräche mit der Zahl der Fernsprecher vergleicht. In Deutschland entfielen etwa 40 Ferngespräche auf den Kopf der Bevölkerung(1930) gegen 265 in Kanada und 226 in den Vereinigten Staaten. Daß in den Vereinigten Staaten und in Kanada die Fernsprecher unvergleichlich mehr benutzt werden als in Deutschland, zeigt auch eine weitere Zusammenstellung über die Zahl der Fernsprecher in den Großstädten. Hier stehen die Großstädte der Vereinigten Staaten und Kanadas weitaus an der Spitze, darunter die Millionenstädte Newvork und Chikago. In dieser Gruppe befindet sieh von europäischen Großstädten nur Stockholm mit 31.2 Fernsprechern auf 100 Einwohner. Die übrigen Großstädte der Welt mit über 1,5 Millionen Einwohnern, namentlich die europäischen, folgen mit einer wesentlich geringeren Zahl von Fernsprechern. Entfallen doch in Ber- 1 i n(1931) nur 12.2 und in London nur 8,7 Fernsprecher auf 100 Einwohner gegenüber den ungleich höheren Zahlen bei den amerikanischen Großstädten. Lanc Vcr. Staaten von Nordamerika., Kanada Neuseeland,., Dänemark,., Schweden Australien,.. Schweiz».«» Norwegen,,. Deutschland,., Großbritannien und Nordirland. Niederlande.., Belgien...... Oesterreich... Frankreich,.. Zahl der Fernsprecher auf PO Einw.(1931) insgesamt 16,4 14,0 10,2 9,9 8.7 8.1 7.3 6.7 5,0 4.5 3,9 3.6 3.4 2.8 über 50000 Einw. auf Städte 22.6 23.7 12,2 17,5 21,7 9.0 15.5 16,1 8,8 3,7 6.4 6.1 7.5 7.5 unter 50000 Einw. 12,2 9.7 9,2 7.2 6,2 7.1 5.2 5.1 3,0 2.8 2.2 1.9 1.3 1.5 =W B der Fern« gespräche auf einen Einw. (1930) '•** Großstädte 226 265 208 152 132 71 57 86 40 33 64 28 81 20 San Franzisko... Vjshing'nn.... Seattle(I SA)... Denver IUSA).•• Stockholm...», I-os Angelei..., Omaha rhikafo Toronto(Kanada)• Mmneapol.s.... New York.... Pittsburft(USA).• Müwauke..... -i* ° tu ? 5-Z nS^ £ 3 40 2 34.0 31.8 31 7 31.2 30.4 29.3 28.7 28.2 26.8 25.5 23.4 23.8 c c-S c-S n iii 0.653 0..'09 0,404 0,240 0,428 I 32" 0,229 3 424 0,736 0,498 7.015 0 987 0,725 Großstädie Ottawa(Kanada). Montreal{Kan.j. Paris Berlin Hamburg* Altona. London W Buenos Aires.. Tokio Osaka(Japan)., Leningrad...» Rio de Janeiro.. Moskau..... 5 5 iJ-5= •o o x N S- 21.1 20.6 134 12.2 11,2 87 7.7 6.6 4.4 4.1 3.1 2.9 2.7 e S-S 5 sJl 0,184 Ii,Vi) -.980 4.525 1*05 8JI0 2.030 2.480 3,410 2 454 2.228 1.6 0 2,780 DeppelverdSenertam Man schreibt uns aus dem Reiche: Es gibt in Deutschland Bestimmungen gegen das Doppel- verdienertuiu, aber getan wird nichts. Nur ein Beispiel von vielen: Es ist allgemein bekannt, daß ein großer Teil der ehemaligen Offiziere mit teilweise hohen Pensionen nebenamtlich als Vertreter in der Wein- und Spirituosenbranche tätig ist. Nicht allgemein bekannt ist aber, daß rund 5 0 0 0 0 solcher ehemaliger Offiziere auch heute noch den einfachen Handelsvertretern das Brot wegnehmen. Auch von der Versicherungsbranche kann Aehnliches gesagt werden. Auf dieses Kapitel einzugeben, fehlt aber der Mut, da nachweisbar bis iu die höchsten Spitzen dies System im großen geübt wird. Ein Bahnhof für Lastkraftwagen ist in der ehemaligen Mainzer Dragonerkaserne errichtet worden- Er ist bereits von der Reichsbahn in Betrieb genommen worden. Außerdem hat die Reidisbahndirektiou Mainz 36 Lastkraftfahrzeuge neuester Konstruktion in Betrieb genommen. Wirtsdiailsanfbaa h. b. Bei der bekannten, jahrhundertealten Fürstenberger Porzellanfabrik in dem braunsehweigischen Oertchen Fürstenberg a. Weser ist der Absatz im Jahre 1933 beträchtlich zurückgegangen. Die Preise waren durchweg verlustbringend. Der Bruttogewinn senkte sich von 343 408 RM. im Vorjahre auf 231 592 RM. Trotzdem die Belegschaft durch die Arbeits- Schlacht beträchtlich erhöht wurde, sanken die Aufwendungen für Löhne, Gehälter und soziale Abgaben von 293 323 auf 275 211 RM. Das Aktienkapital wurde von 600 000 auf 300 000 RM. ermäßigt. Gerade bei der Entwicklung der deutschen Luxusindustrie tritt der allgemeine Verfall der Lebenshaltung de« deutschen Volkes am deutlichsten in Erscheinung. „Preiserhöhnngspsudiose" Essen, 21. Juni(Inpreß.). In der Essener„National- Zeitung" lesen wir:„Gerade>n diesen Tagen macht sich wieder eine Preiserhöhungspsychose bemerkbar, die an Luve ran t wort lichkeit gegenüber Volk und Staat nicht zu überbieten ist, weil die Maßnahmen der Regierung, wie die Ueberwachung der Ausfuhr, dazu benutzt werden, um durch Ausstreuung von Gerüchten über Rohstoffknappheit und daraufhin notwendigerweise folgende Preiserhöhung ihrem Eigennutz fröhnen." Der Regierungspräsident von Essen hat seine Pflicht erfüllt, indem er gegen die Erhöhung der Kleinverkaufspreise protestiert hat. Nortilsdie fVirfsdiafteauflassiing Im„W irtschaftsdienst" lamentiert ein Herr P. H. Haupt In einem Aufsatz„Deutsche Wirtschaftspolitik im Blickwinkel des Nordens" über die Ablehnung des„dritten Reiches" in den skandinavischen Ländern. Wir entnehmen dem in mancher Hinsicht interessanten Artikel die folgenden Absätze: „Sucht man nach Gemeinsamem in der Haltung der drei skandinavischen Staaten gegenüber dem neuen Deutschland, so kann man eine solche schließlich im liberalen westeuropäischen Prinzip finden. Der nordländsiche Mensch will vielfach nicht„nordischer Mensch" sein, sondern Westeuropäer, vor allem dort, wo er angelsächsisch orientiert ist« Auch die für eine Renaissance der alten germanisch schwedischen Bauernkultur arbeitenden schwedischen Hochschulkreise, wie die sehr tüchtigen Biologen und Rassehygieniker der Kopenhagener Universität und auch die in ihren Ideen dem Nationalsozialismus nabestehenden„Nationale-Samm- lungs"-Leute Norwegens sind noch kritisch nnd nicht restlos gewonnen worden; außerhalb ihres Spezialgebietes fühlen sie sich— und wollen es bewußt sein— als Mitglieder des westeuropäischen Zivilisationskreises, der auf den Grundsätzen der Magna Charta und der großen französischen Revolution beruht. Aus einer Gemeinsamkeit der Distanzierung vom Revolutionären im neuen Deutschland entspringt eine gemeinsame Neigung zu mißtrauischer Bezwriflung und Kritik... Als erstes weist man darauf bin, daß die deutsche Regierung die Zinsen und Amortisationen an die ausländischen Gläubiger nicht abführe, zu gleicher Zeit ungeheure Summen der inländischen Wirtschaft verauslage... Zweitens behauptet man. daß die damalige deutsche Regierung beim Abschluß der Kreugcr-Anleihe anerkannt habe, daß dies Anleihe noch vor der Young-Anleihe rangiere. Drittens will man wissen, daß deutsche Firmen wie Aufkäufer der deutschen Reichsbank die Baisse der deutschen Obligationen an den Auslandsbörsen benutzten, um diese Obligationen aufzukaufen... Man kann sich vorstellen, daß dort, wo man diese drei Dinge als Tatsachen glaubt, eine große Antipathie und ein großes Mißtranen gegen einen Wirtschaftsverkehr mit Deutschland herrscht und die deutschen Reisenden und Vertreter können in der Tat von diesem Mißtrauen sehr bittere Berichte erstatten. Erscheinen schon hinter diesen Behauptungen politische Hintergründe, so stützt sich die von einem namhaften schwedischen Bankmann ausgehende Beurteilung der Entwicklung der deutschen Wirtschaftsverhältnisse nahezu völlig auf die vom neuen Deutschland geführte Rassen- politik. Es ist kein besonders erfreuliches Bild, das dieser Spiegel ski. dinavischer Meinungen über das neue Deutschland bietet..." Immerhin zeigt der Artikel des Haupt die deutlichen Zeichen einer Ernüchterung: abgesehen davon, beweist er. daß das..dritte Reich" den Widerwillen der Welt bereits rur Kenntnis zn nehmen beginnt. Es stellt sdiledit h. b. In Rendsburg bat dieser Tage eine Versammlung der Pachtbauern stattgefunden, auf der große Klagelieder über den neugeregelten Milchabsatz gesungen wurden. Den einzelnen Pächtern entsteht durch den veränderten Milchpreis ein erheblicher Einnahmeausfall, zu dem noch die Unkosten der damit verbundenen Betriebsumstellung kommen. Die Kreisbauernschaft will mit dem Bürgermeister der Stadt Rendsburg verhandeln, um eine Ermäßigung der Pachtpreise zu erreichen._. Da die Stadt Verpächterin der Ländereien ist, muli also, wenn dem Verlangen nach Pachtpreisermäßigung nachgegeben wird, die Stadtbevölkerung den Schaden für die rigorose Preispolitik der Begehung, die den Milchpreis der Bauern herabsetzt und gleichzeitig den der Abnehmer erhöht, doppelt tragen. Abwärts! Der Zigarettenkonsum in Deutschland ist zwar 1933 von 31,7 auf 33,6 Milliarden gestiegen. Wertmäßig ergibt sich jedoch eine Senkung um'/- Prozent, da der Anteil der billigsten Sorten ungeheuer zugenommen bat. Eierrazzten h. b. Unter der Landbevölkerung Schleswig Holsteins herrscht große Aufregung über die in letzter Zeit durchgeführten Razzien nach nicht bestimmungsgemäß verkauften Eiern. So wurde auf dem Wochenmarkt in Elmshorn eine große Revision durchgeführt, bei der eine große Menge von Eiern beschlagnahmt und der NS.-Volkswohlfabrt zugeführt. Die Erregung ist vor allen Dingen deshalb so stark, weil man über die Verwendung der beschlagnahmten Ware keine Kontrolle hat. In Kiel wurden bei einer solchen Eieraktion 1500 ungestempelte Eier beschlagnahmt. In Preetz hat man auf einen Schlag alle Bäckereien und Gasthäuser überrumpelt und viel hundert Eier mit Beschlag belegt. Etwas vom Außenhandel Ein großes Exporthaus in Remscheid hat vor kurzem ein Angebot nach Holland für Uebersee gemacht. Es bekam von einer alten Geschäftsverbindung die Antwoit:„Solange bei Ihnen Goebbels uns beschimpft, werden wir nichts mehr in Deutschland kaufen, und wenn er den Mund hält, warten wir, bi« er nicht mehr am Ruder ist,, 2>cufectie flimmern»(Beilage zur..Deuisdien&relfkeit"» Irei^nisse und Seseftiffkierz ill.'lliilBMyjjiiiMiiMiifiiüi!i't>i!i:■!i!j;i,'!;i!;! Ii!!-!:'!;-'::iiiiiiiiiiiH!ii!iiii!'i!!ii'i!mi;!itiiii!]iiiiimiiiiii?iiifnimiyi>initTiiiiiiniaiii9mi'rMiii;jiii'aiinii Mittwoch, den 27. Juni 1934 Angsttcaum eines Tlazi Der möblierte Zimmerherr Piefke hatte einen entseuchen Tramm Als seine Wirtin, Frau Jodlhuber, ihm morgens das Frühstiirk und den Völkischen Beobachter— nein, pardon, den Völkisrlien Beobachter und das Frühstück, denn die geistige Nahrung für Völkische hat ja die körperliche Er- Nahrung zu einer Sache zweiten Grades gemacht— ins Zimmer brachte, lag Piefke schweißgebadet in seinem Bett. Große Tropfen perlten von seiner Stirn. Seine Augen waren glasig vor Entsetzen. Nur mühsam stammelte er die Worte: „Frau Jodlhuber sind Sic's?" „Ober gwiß doch, Herr Piefke. wos bam's denn?" „0, ach, jeh, Frau Jodlhuber! Das war eine entsetzliche IVacht." „Um Gott's wiir n, Herr Piefke, so red'n's doch. Harns Ihna verhaftn woiq? Ham's Ihna s' Konzentrationslager androht? Oder bot Ihna oaner denanziert, weil's neili so'n sakriscii marxistisches BlattT g'lesn harn?" „Schlimmer," stöhnte Piefke,„viel schlimmer. Ich habe geträumt, daß diese roten Hunde sich an unsern Führern gerächt haben." „Pscht. pscht, Herr Piefke, sprcchn's fei net so laut." „0, es war gräßlich, Frau Jodlhuber." „Dos kan i mer ausmoin. G'wiß ham's das Blutt nur so "n Strömeil fließen seh n. Ham's die Martern, die mer unsera Führer zugfügt hol, miterlebt. Wer'n ihne die Hod'n zer- tret'n ham; die Aug'n ausgcstoch'n; die Eing'weid aus'm labendiga Körpa prügelt. Erzähln's fei nix. Herr Piefke, i kann mer scho ausmol'n, wie's gewes'n is. Sand in d'Nas'n, in d'Ohr'n, i's Maul. De Körpa mit glühnde Eis'n tätawiert und no mehr solchete Grausamkeitn, wo jetzt modern san." „Das hätte mich nicht so entsetzt, Frau Jodlhuber. An Aehnliches hat man sich ja mittlerweile gewöhnt. Schlimmer haben sie sich gerächt, viel schlimmer."— Das ging selbst über die Vorstellungskraft der biederen Frau Jodlhuber und so setzte sie sich in das Prunkstück der Stube, den roten Plüschfauteuil und lauschte bangenden Herzens des entsetzlichen Angsttraumes, den Piefke also erzählte: Hindenbiirg hatte das Zeitliche gesegnet. Er war nicht ruchlos ermordet worden, wie mancher befürchtete. Er war ganz einfach entschlafen von Altersschwäche und geistiger Stagnation. Hinter seinem"Sarg marschierten Hitler, Göring und Goebbels; Böhm, Streicher und Dr. Ley allen übrigen Leidtragenden voraus. Während sie unter feierlichen Trauer- klängen dahinsdiritten, stritten sich Hitler, Göring und Goebbels um die Reichspräsidentenschaft. Sie sprachen nur leise miteinander, aber ihre Mienen waren verzerrt. Ich konnte nicht verstehen, was sie sagten: Volksbetrüger, Charlatan, Judenlümmel sprang hin und wieder aus der Unterhaltung hervor. Als das Zischen des Wortgefechtes gerade begann, die Musik zu fibertönen, stand plötzlich ein riesengroßer Kerl hinter den Streitenden. „Genug!" schrie er mit Donnerstimme.„Laßt das Gezanke! Von euch kommt keiner an die Reihe. Mit eurem Strohmann, den ihr hier zu Grabe tragt, hat das Theater ein Ende. Ich bin der Weltsozialismus. Nun übernehme ich die Macht!" Während er sprach, wuchs das Ungeheuer immer gewaltiger an. Mit riesengroßen Händen griff er nach den SS.- und SA.-Männern im Leichenzuge. Mit einer Hand vermochte er sie zusammenzuraffen und warf sie wie ein Häufchen Dreck in einem Müllkasten. Dort strampelten und zappelten sie. Aber er warf den Deckel zu und stellte den Fuß drauf. Die andern, die wahrhaft um den Mann trauerten, der Deutschland einst vor den Verwüstungen durch den äußeren Feind bewahrt, hingen sich wie Bienenschwärme an die Riesengestalt. Es sah schließlich aus, als ob das ganze ein riesengroßer Bienenkorb sei, an dem die Arbeitsbienen wie Blütendolden hingen. Hitler, Göring, Goebbels. Streicher, Böhm und Ley waren zu kleinen, ganz kleinen Lebewesen zusammengeschrumpft. Sie hatten kaum mehr die Größe von Wasserflöhen und wie solche hupften sie ziel- und planlos herum, immer in Gefahr, von dem riesigen Stiefel des Sozialismus zertreten zu werden. Aber er trat nicht zu. Mit seiner rechten Hand machte er die Geste des Fliegenfangens. Schwupps hatte er sie vom Erdhoden weggefegt und steckte sie in die Tasche. Auf einmal aber war da ein großer Gerichtssaal. Hinter dem Richtertisch saßen ganz normale Menschen, wie wir. Das Hakenkreuz allerdings fehlte. Es war weder SA.- noch SS.-Mannschaft da. Vorn auf der Anklagebank saßen unsere Führer, hinten drängte sich das Publikum Kopf an Kopf. Gerade als ich eintrat, sagte der Präsident des Gerichtes: „So verkünde ich folgendes Urteil: Hitler wird zur Strafe für den Rest seines Lebens Türschließer im Zuchthaus. Jeden Tag muß er die alten Waffen, Kanonen, Gewehre, Hellebarden, Streitäxte und alle Kriegstrophäen blitzblank putzen, was ihm bei seinem kriegerischen Ehrgeiz eine besondere Genugtuung sein wird. Strafversebär- fend bat er jede Woche eine Schlacht mit den Bleisoldaten im Museum für Heereskunde zu liefern und nachher den geschlagenen Feind wieder aufzubauen. Göring wird Hilfsarbeiter im Trachtenmuseum. Dort mag er sich ergötzen an Maskeraden und Uniformen aus heroischen Zeiten, die er nicht einmal im Traume je erlebt. Strafverschärfend muß er jeden Abend in der Livree-Uniform eines Lichtspieltheaters als Wagenschließer Dienst tun. Goebbels wird einer Jahrmarktsbude als Anreißer zugeteilt. Strafverschärfend soll es sich dabei um ein jüdisches Panoptikum handeln, in dem die Greuel des„dritten Reiches" dargestellt werden. Streicher wird Synagogendiener und muß für den Rest seines Lebens den jüdischen Ritus genau befolgen. Die übrigen„Irregeführten" lassen wir laufen."— Als das Urteil verkündet war, sprang der Staatsanwalt auf und protestierte erregt gegen die viel zu milden Strafen. Aber der Präsident beruhigte ihn: „Herr Staatsanwalt," sagte er,„wir sind Sozialisten und keine Mörder wie unsere Vorgänger. Aber ich versichere Sie, auch die Lächerlichkeit töte t." Als ob alle im Saal nur auf das Stichwort gewartet, brach bei diesen Worten das Publikum in ein brüllendes Gelächter aus." Auch Frau Jodlhuber hatte hell aufgelacht, während Piefke erzählte. Aber dann schlug sie sich hastig auf den Mund: „I hob fei nur g'lacht, Herr Piefke, weil Sie gar so lustig dreing'schaut ham." „Und ich habe nichts geträumt, nicht wahy, Frau Jodlhuber. Am Ende kommt man noch gar für einen Traum nach Dachau!" Sab». ßec ycfutuccbact-icCaß von{Budapest Von Georg Wilman „Der Polizeipräsident von Budapest hat verordnet, daß sämtliche Angehörige der Polizei Schnurrbarte zu tragen haben." Als ich das meiner Frau vorlas, hat sie gelacht Und behauptet, ich hätte wieder mal einen Witz gemacht. Aber es steht in der„Deutschen Freiheit", und dann ist es wahr. Wird es aber deshalb vielleicht weniger sonderbar? Da wird also der Polizist Istvan Kovacs hergenommmen Vor die angetretne Front der Budapester Polizei, Und dann kann er was zu hören bekommen: Warum er denn immer noch schnurrbartlos sei? Dabei hat Kovacs schon alle möglichen Mittel probiert. Hat seine Oberlippe mit Taubenmist und mit Honig beschmiert, Doch es kam kein Bart. Auch nicht die leiseste Spur. Kovacs Istvan ist nun mal bartlos von Natur. Nun. da muß der Herr Polizeipräsident von Budapest verkünden: „Wegen der gegen meine Verordnung begangenen Sünden Wird der Polizist Istvan Kovacs aus dem Dienst sofort entlassen. Kovacs, abtreten! Zivilklcidung fassen!" Dabei hat Kovacs in guten Zeiten fünf Kommunisten erlegt, Davon drei auf der Flucht, wie das in zivilisierten Ländern zuzugehen pflegt. Es hilft ihm nichts. Er muß seinen Dienst quittieren Und darf keinen Krieg mehr gegen Verschwörer führen, Aber weshalb überhaupt die Verordnung? Die Polizei Von Budapest scheint mir nicht sehr tüchtig. Dabei Hat sie sich doch von jeher die größte Mühe gegeben, Illegale Verschwörernester auszuheben. Man denke nur an Matuschkas Eisenbahnattentat. Das war eine geheime Verschwörung gegen den Staat. Wenn es nachher auch nicht stimmte.— Womöglich Benimmt sich die Polizei von Budapest immer so kläglich? Aha, deshalb der Erlaß! Vielleicht, Damit jeder Polizist von Budapest, ganz einerlei, Was auch immer getvesen sei, Wie Wilhelm der Zweite sagen kann:„Es ist erreicht!" Ein neues Buch von Bruno Frank „Bruno Frank vollendet soeben einen historischen Roman, der das Leben Cervantes behandelt. Dieser Roman erscheint im Frühherhst im Querido-Verlag, Amsterdam." Mein Glaube an die Menschheit, meine Hoffnung an ihre Zukunft ist ohne Grenzen. Wohl meine ich zu diesen Hoffnungen ein Recht zu haben. Denn ich weiß, daß die Menschheit sich aus der Tierheit emporgearbeitet hat, und nichts weiset darauf hin, daß sie auf dem Gipfel ihrer Entwicklung angelangt ist. Gizycki. {Das ist Weisung, dec Sitte Die Bauernehrung im„dritten Reich" Durch die deutsche Presse geht die folgende charakteristische Scherzgeschichte, die den Schwindel der Bauern- elirung entlarvt.„Ein hoher Ministerialbeamter aus Berlin kommt zu einer Besichtigung nach Ostpreußen. Er besucht die einzelnen Kreise, macht Station bei den Landräten' und fährt zu seiner Orientierung mit dem Auto in die Dörfer und Flecken, über die Felder und durch die Wälder. In Ostpreußen sind die Straßen gut, aber man kann nicht sagen, daß sie, weit draußen, und von den Hauptverkehrsadern entfernt. gerade aufregend breit seien. Die Sache ist um so schwieriger, als links und rechts der Straße raeist schwärzliche Wassergräben stehen. Der Herr Ministerialdirektor fährt also gerade von Kleinmaukehncn nach Großmaukehnen, da bremst der Wagen plötzlich scharf. Ihm entgegen schwankt dämlich ein Fuhrwerk. Der Bauer geht nebenher, Kopf »esenkt, tief versunken. Fast die gleiche Haltung haben die jeiden Ochsen, die langsam, langsam die schweren Hufe vor- «hieben. Der Wagen hupt, der Wagen quietscht, der Chauffeur winkt und zeigt, nach welcher Seite das bäuer- iche Fuhrwerk ausweichen soll— ohne jeden Erfolg. Langau» und bedächtig schwankt das Fuhrwerk näher. Da springt ler Chauffeur aus dem Wagen, geht wortlos auf den Bauern ;u, versetzt ihm zwei wohlgezielte energische Püffe in die ilagengrubc und drängt ihn damit in die Richtung, in die r ausweichen soll. Der Bauer grient freundlich und zieht lie Ochsen mit sich hinüber.„Na hören Sie, Kalubrigkeit," agt der Herr Ministerialrat entsetzt,„wie können Sie mit lern Mann so umgehen?"„Das is bei uns so Sitte," sagt Calubiigkeit und setzt sich wieder an das Steuer,„hier verehrt man so miteinander. Höflich, aber bestimmt!"—> Vorüber im„dritten Reich" des Darr« gelacht wird. Dec 2tag*Jl Haufe. Die Toni muß die Geschichte irgendwie erfahren haben, dann sie sprach an diesem Abend kein einziges Wort zu mir. So wurde es Sommer, und ich verdiente gut, weil viele Fremde kamen. Weniger Ausländer als sonst, aber Deutsche, denen es nicht für eine Reise ins Ausland reichte. Und der Sommer verging und der Herbst. Jetzt war es November geworben. Die grauen Nebel stiegen vom See auf, und eS regnete und regnete, als ob es nie mehr aushören wollte. Einmal brach ein Wintergewitter los, und es war ganz unheimlich zu sehen, wie die Blitze über das graue Ttädt- chen hinzuckten. Uebcrhaupt war eine unheimliche Stim- mung. Ich dachte oft, wenn es in unserer kleinen Stadt so ist, wie mag es erst in den Großstädten, in Berlin und in meiner Heimatstadt München aussehen? Man las auch in den Zeitungen immer häutiger von Uebersällen auf Arbei- ter: in der Nachbarschaft wurden zwei getötet, von Nazis, aber die Täter konnten nicht erwischt werden. Am zwanzigsten November hielten die Nazis in unserer Stadt eine große Versammlung ab. Meine Toni sagte mir nicht, daß sie hingehe, aber als sie nach dem Abendbrot ihren Mantel anzog, wußte ich es, und das Herz preßte sich mir zusammen. Ich gehe sonst immer um neun Uhr schlafen, teils weil ich müde bin, aber auch um Licht zu sparen. An diesem Abend jedoch brachte ich es nicht über mich, ins Bett zu gehen. Ich saß in der Wohnküche und versuchte Strümpfe zu flicken, aber meine Hände zitterten so. daß ich beim Einfädeln immer das Nadelöhr verfehlte. So legte ich denn die Strümpfe hin und saß müßig da. Und es kamen mir viele traurige Gedanken: wenn mein Anton noch lebte, dann wäre unsere Toni heute nicht dort, wo sie ist. Er hätte ihr alles erklärt und sie würde sich nicht von dummen Schlagworten haben einsangen lassen. Ich kenne ja meine Toni und weiß genau, daß sie immer nur aus ehrlicher Ueberzeugung handelt. Aber sie ist eben nicht so klug wie ihr Vater war. und weil sie trotzdem klüger ist als ich, will sie mir nicht glauben. Es war so trostlos, hier zu sitzen, ganz allein, und den Regen zu hören, der an die Fenster pochte. Nichts rührte sich. Die Nachbarn schliefen schon, sonst wäre ich in meiner Herzensangst zu ihnen gegangen. Es wurde immer spä- ter, aber ich spürte keinen Schlaf und dachte nur immer: wenn doch die Toni heimkäme. Dann hörte ich auf einmal ein wüstes Gegröle und Johlen aus der Straße. Viele Stimmen schrien, brüllten „Heil Hitler!" und„Deutschland erwache!" und„Juda ver- recke!" Und nachher sangen sie das Horst-Wessel-Lied und noch ein anderes, in dem vorkommt:„Wenn das Judenblut vom Messer spritzt". Ich mutzte an den Doktor Bär denken, der das jetzt auch hört, denn er wohnt in der gleichen Straße. Wie mag dem alten Mann, der sich sein Lebtag redlich geplagt hat, um kranken Menschen zu helfen, der den armen Patienten nie eine Rechnung schicken wollte, wie mag dem jetzt zumute sein? Und wie wäre meinem Anton zumute gewesen, wenn er das Grölen auf der Straße gehört hätte? Tann ging die Tür aus, und meine Toni kam. Meine Toni kam herein und trug ein Hakenkreuz. Sie sagte„Guten Abend. Mutter" und hängte den nassen Mantel an den Rechen. Kleine Tropfen fielen von ihm herunter und bil- deten eine Lache auf dem Fußboden. Ich konnte der Toni nicht antworten, die Worte blieben mir in der Kehle stecken. Ich schaute nur und schaute aus das Abzeichen, und die Ge- danken drehten sich nur so in meinem Kopf, als ich zu be- greisen versuchte, was das bedeutet. Tie Toni merkte es. Sie nickte und sagte: „Ja Mutter, es ist unsere einzige Rettung, auch wenn du bet^hrer an die Macht kommt. gibt es Arbeit für alle." Da hat mich der Zorn gepackt, ich glaube, ich bin in meinem ganzen Leben noch nie so zornig gewesen. Ich habe mem eigenes Kind beschimpft, als ob die Toni die Levte der^etzten wäre. Ich Hab ihr die gemeinsten Worte gesagt: angebrüllt"** 9ef^ laöen- Unö»"letzt Hab ich sie „Geh. du kommst mir nicht mehr ins Hau», du Haken- krcuzlerin, du vermaledeite! Geh, aber sofort!" im? 1!-! 0"' bat selchwiegen. Sie hat eine Art. zu schweigen. mich immer an meinen Anton erinnerte. Und ich Hab vor Aufregung nicht weiter sprechen können fr* t -»»-i-ii«. d»I. ata., in Jet man Ät«S« tropfen 68rle. Tie Toni ift noch dngeiinnden wie sie lieretn- SSTSTiÄ Ä*~"* .(Fortsetzung{olgl-l Unterhaus ihr Maring Leset? Deutschland nimm! nie Einladung zu Verhandlungen an... England verlangt Rainung dnb Sott 8ott, Z.>. ,I»nt. Tos Unterhaus nahm am Man- tagavcn» das Clearing-Gesetz in zweiter Lesung ohne Ab- sllmmnng an. Im Unterhaus erklärte Schatzkauzlcr Neville Cham- berlaru Sei Einbringung der zweiten Lesung der briti- scheu Elearing-Haus-Vorlage u. a.. er freue sich, daß die Ein- ladung nach London von Teutschland angenommen morde» sei. Er Hoffe, dag es weiterhin möglich sein werde, eine Vereinbarung zu treffen, die eine billige Behandlung für die britischen Bondsinhaber und Kanflente vor dem l. Juki sicherstellen würde. Trotzdem könne aber die britische Regierung die Annahme des dem Unterhaus vorliegenden Gesetzes nicht verschieben. An und für sich habe Sie britische Regierung keine Vorliebe für das Kontingentssystem, und es bestehe bei ihr augenblicklich nicht Sie Absicht. Folgende Punkte seien nach Ansicht der Regierung, für eine befriedigend« Vereinbarung we.eutlich: 1. daß ein«»»IIe Bezahlung der Dienste der Ta- wes- und Aounganleihe, die gesetzlichen Vorrang haben, er- folge? 2. daß mit Bezug auf andere Fragen zwischen englische» und audereu Gläubigern keine Unterscheidung zuungunsten englischer Interessen stattfinde, Ehamberlain gab weiterhin der Hoffnung Ausdruck. daß selbst wenn es notwendig fein sollte, ein Clearing-Hans zu errichten um diese zwei Ziele zu erreichen, es miwtts» würde, die britische Ausfuhr nach Tcittschland austerhalb des Wirkungsbereiches des Clearingamtes zu belasse» und dast ci» Eingriff in den Handel unterbleiben könne. An* Clwmftcrlains kecke Unter Hinweis auf den am Samstag veröffentlichte» Notenaustausch zwischen den Negierungen Tcut'chlands und Großbritanniens sagte er. eine Durchsicht»er Noten werde die Umstände klar machen, infolge derer die brittiche Regre- rung„zu ihrem ,'ehr grosten Leidweien" stch gezwungen ge- sehen habe, die Vorlage einznbrmgem Tie britische Note habe die Herabsetzung der Rerchsbaut. reserven an Gold und Tdvisen sehr stark betont. Man er- kläre, diese Reserven seien geopfert worden, um die Zah- langen der deutschen Vcrvflickst'ingen aufrechiznerhalten. Es fei aber nichtsdestoweniger Tatsache, dast ein sehr groster Teil diefer Verminderung der R^ichsbankreserven aus be- sondere Mastnahmen zurückzuführen sei. Zu dem Angebot der e n g l i)■& e n Gläubiger bei den Verliner Transferverhandlnna»Ii sagt« Chamber- lain: Dieses Augebot war f«W»iinftio>-,»». Ofgti-st»er englsi^e^ Noie sü der deutschen Reaierung klargemacht worden, da» dir' Tür für weitere Verhandlungen immer noch offenstehe. „T»e deutsche Regierung wurde eingeladen. Vertreter ffK r weitere Besprechungen nach London zu entsende» in iWjf Hoffnung, dast die Vkögkichkeit gefunden werde, die Anweir- düng der im Gesetz vorgesehene» Vollmachte» zu oermeiden. Ich tau» mit Vesrtedignug mitteilen, das» dieses Angebot angenommen wurde Ich Holle, dast es immer»och möglich sein wird, irgendeine lttbmachnng mit de» deutschen Behörden vor de« l, Juli zustande,nbr'na>'n. die eine gerechte Behandlung illr die britischen Bonbsbefftzer sicherstellt. Gleichzeitig können wir jedoch die Forderung an das Unter- fcrtuä. i«H?♦« mw» ttMif rtltH(Ü'Chett tn der Hofsnuno aus eine Lftlnng, die vielleicht letzten Endes doch nicht erzielt wert-n kann. Tie Reawrnna boist daher, dast dos Elear'ng-Gesetz noch am Montag sZentlkche?lbll mmnngsabschnllte durchläuft, da- mit es sofort tu Kraft gesetzt werde» kann, falls stch die» als nötig erweisen sollte, Ter Schatzkanzler besprach dann die Klauseln des Elearing-GesctzeS. Zum?chtuü teilte Chamber Eni n mit, dast der gevlante Kleine Bcratimgsausfchiist nicht mrr Vertreter des Schatz- amies und des Hondelsanetes sondern auch der Bank von England, der Aktienbanken, des Verbandes der britischen Industrie und der Handelskammer einschliesten werde. den Gründen dieser unerwarteten Offenheit. Es scheint nur eine Erklärung stichhaltig zu sein: Mussolini hat eingesehen, dast für den Kapitalismus der einzige noch offene scheinbare Rcttungsweg der Sprung>u das kriegerische Abenteuer ist. Daher denn auch seine Erklärung, dast für M e l i o r a- tionsarbeiten zum Zweck der Arbeitsbeschaffung kein Geld mehr da sei, sondern dast die einzige künftige Arbeitsbeschaffung Aufrüstung heiste.(Und das, nachdem das Reklame-Triumphgeschrei über die Gründung zweier Städte im Gebiete der ehemaligen Pontinischen Süwpse kaum verhallt ist!) Arbeitsbeschaffung durch Ausrüstung! Tas bedeutet: Ar- beitsbeschassung durch unproduktive Arbeit, Arbcitsbeschas- sung durch Auszehrung des sür die Produktion nunmehr ver- lorenen Kapitals, und damit Verewigung des Elends. Und als letzter Ausweg ergibt sich dann der Verzweislungsspruug i» öje kriegerisch? Katastrophe. Tas ist das Horoskop, das der erste der Diktatoren für die künftige Entwicklung stellt. Es braucht kaum unterstrichen zu werden, dast sast alle seine düsteren Zukunstsperipekiiven in ganz ähnlicher Weife aus Tculschkand zutreffen. Aus den Worten Mussolinis läutet die Totcnglocke des sasch'stischen Kapitalismus, der seine Unfähigkeit eingesteht, je wieder der Welt den Wohlstand zurückzubringen! Faschismus bedeutet Armut Die pessimislisdie Rede Senile Mussolinis VL5 rote Wien lebt wieder sozialistische Demonstrationen Trotz 6e«x' verschärften faschistischen Terror häufen sich, lpie der ORT, Wlln erfährt, die spontanen sozialistischen Temoiistrallvst^ü- So wurde am lt. Juni in.Hictziug an derselben Stelle, an»er vier Mvnale vorher der Schutz- bündler M ii n i ch i citer verhaftet ivordc» war— Münich- reitcr wurde als erss-r ssandg^richtlich zum Tode verurteilt und obwohl schwer serletzt, ausgehängt— eine graste S t r a st c n k u?.> d g e l> u ii.g betast staltet. Rote Dahnen wurden entfaltet n>nd Rede» gehalten. Am nächsten Tag. am 12. Juni wurde in einer anderen»fegend des Be- zirkcs Hietzing eine spontane Tcmou.üralion veranstaltet. In der Gegend eine» Blockes von ncue>' Geuieindehäuieru errönte plöylich mit gewaltiger Stinime dt!' Ruf:„Achtung! Achtung!" De Passanten glaubten, dast ein uv er starker Lautsprecher in Betrieb geievt worden sei. In Wirklichkeit war es ein Sprechchvr. Im Nu ivarcn die grasten voll Rienschen. Ta ertönte, wieder unsichtbar, offenbar aus einem Keller, eine St'mme:..Arbeiter. wir kämpfen für die rote Herrschaft! Wir kämpfen für das rote Wien! Es le.be der revolutionäre Sozialismus!" Mir einem dreimaligen Hoch, fiel der unsichtbare Sprechchor ein. EM ffiobssdiidtsal Mussolini hat kürzlich in einer aufsehenerregenden Rede dev Krieg gefeiert. Tie austenpoltttschen Gesichlspuukte der Rede haben die Aufmerksamkeit der Welt so stark in An- ipruch genommen, dast der I n n e«- u u ö w i r ts ch a f t s- politische Teil darüber zu kurz gekommen ist. Tas ist schade. Denn mit einem nicht zu überbiete»den Zynismus »ctpar der ilgUsiijchp.TuQ: zur dcu Faschismus hie Erklärung .. abgegeben,' dast er üch unfähig fühle, die Weist aus dem Abgrund des kapitalistischen Zusammenbruchs zu retten, dast die Welt des Faschismus eine Welt des Elends, der Arnint— na- türlich einer„heroisch zu ertragenden"— eine Welk der Askese(Leibesabllitnirgi fei. Tas Interessanteste an diesem Geständnis ist, dast es ohne fede Rekouche, ohne den Versuch einer Verschleierung, w e man ihn etwa in^Hitler-Teutschland beliebt hätte, abgelegt morden sst. Mussokinl erklärte vielmehr in schneidender Schärfe. dast»er alte Wohlstand bei allem technischen Fortschritt nicht mehr w'ederk-hren«iirde! Ein solcher Satz mnst selbst dem gefühlsseligen allen Müt- terlein sämtliche Illusionen rauben, die es sich über ein mit dem Faschismus anbrechendes güldenes Zeitalter einst ge- macht hat. Ebenso müssen die düsteren Prophezeiungen des Tnee, dast das Lehen der kommende» Geschlechter in einer Askese hingehen werde, von der sich die Heutigen kaum eine Vorstellung mache» könnten, dast der Lebensstan- darb der künftigen Menschheit ein wesentlich tieferer se'n würde als der heutige nsio, usw.. alle Anhänger der Prsvetwirtschast, die noch auf eine innere Gesundung des Kapitalismus gehofft hatten, mit schwarzer Verzweiflung erfüllen. Denn deutlicher könnte rhueu ein Sozialist auch nicht das Versagen des Kapitalismus euthül- es stehen noch weitere Lohnsenkungen bevor. In dieser Tonart geht es fort. Aus alle Klagen nur ein achselzuckendes„Ich kann» leider auch nicht ändern!" Tas ist Sie Resignation eines der grosten Prahlhänse, die einst Wunder der Wirtschast verhießen, über die die Welt kopfstehe» würde! Und nun nimnu Mussolini den'BAtöae- nen auch noch die Zükunsishofsnung. Ter einzige Trost, den er spendet, ist die herrliche Versicherung, man sei ans einem Tiefpunkt angelangt, so dast es tteker nicht mehr g i n g c. Es werde nun entweder einige Zeit so bleiben oder ganz langsam aufwärtsgehen. Aber direkt an diesen mehr als mäßigen Trost schließt sich die bereits erwähnte Warnung, sa nicht cur eine Wiederkehr des allen Wohlstandes, zu glauben und die noch hofsnungs- losere Versicherung, dast. der Lebensstandard der Menschheit in der Zukunft sehr viel tiefer liegen werde als in der— "JTESL«. V-,.. m.«.«...., m m x„ Abonniertdle.J>cntsdicrrclhclt" talismus kaum sprechen und immer wieder suche mau nach Welthesigrcß der Francn gegen Krieg end FasdtissnES Die Aussichten für den Hongrefi geslollen sidi immer günstiger Man schreibt uns: Ter frühere sozialdemokratische Landeshauptmann von Niederösterreich, einer der ersten Vertrauensmänner der Wiener Arbeiter, der Obmaun der Organisation des Arbeiter- bsz'rkes Lttakring. Albert Sever ist von einem wahren Hivbsichtcksal' betroffen ivorden. Er wohnte im Ottakringcr Arbeitcrheim und harrte dort mit seiner Frau auch während der Besihiestuua durch die Polizei und das Heer aus. Severs Frau wurde von einer Granate getroffen und tödlich ver- letzt, Xein^ Wohnung wurde zn'einem Trümmerhaufen zu- sommsngeichossen, Sever selbst wurde wegen„Hochverrates" verhaftet oird als Obmauustellvertrsier des iozialdemokra- tischen Parleivorstaides noch länger iu Hast gestalten als d e anderen Parteiuorsiainüsmitglieder. Dabei ist Sever. der 67 Jahre alt ist. in der Hqfl seelisch und körperl'ck schwer er- krankt. Sever hat ein schweres Augenleiden iStars. Auster- dem ist er phosiich zusammengebrochen. Ter Mann, der von einem wahren Hiobssthicksal heimgesucht ist. mustle wegen der Sckivermut. iu Sie er verfallen ist. der psychiatrischen Küntk übergeben iverdcn. lenk Mussolinis Sätze sind eine Bankrotterklärung des alters- starren, faschistischen Kapitalosmus in aller Form. Das ein- zigch was man sich fragen könnte, wäre: Welchen Zw eck ver- folgt diese plötzliche Offenheit, nachdem die diverse»„Führer" der schwarzen, brawucn und sonstfarb'gen Hemden jahrelang Sic Völker nu'k den üpptgstcn Verheißungen begankett, nach- den« sie sich zur Macht aufgefchwungen haben durch die im- mer wicdcrholkc Beteuerung, ihre Herrichast werde alles Elend in eitel Wohlstand verwandeln? Warum nun diese offene Bankrottansage? Man muß zunächst bedenken, dast Mussolini nicht in der Slücklichen Lage Hülers ist, feine Mißerfolge auf ein frü- hrres Regime abivalzen zu können. Zu lange schau regiert er selber: Sie„vierzehn Schinachjahre". aus die Hitler alles Unglück schiebt, sind für Mussolini fast restlos— keine eigenen. Tie Rot wegzulügen wäre zioecklos, dafür ist sie gerade in Italien viel zu offenkundig. So begnügt sich t«r Ttktatar denn, im Bewußtsein seiner Macht und der Machtlosigkeit der Geprellten, mit einem bedauernden Achsel- zucken. Ten««, die aber zu hohe Steuern klagen, erklärt» Mosso- tmi geluffen, er würde die Steuern gern senken, aber N« Tage 8er Finanzen erlaube Sas nicht. Punktum. Die Gehakter der Beaint«n sind so gennUltg herabgesetzt worden, daß diese ofelsach hungeriu Traurig, sagt Mussolini, aber ihr werdet doch elniehen, dast der Staat ebensowenig wie ein Privat- mann dauernd mehr Geld ausgeben als einnehmen und von SchnlSen leben kann. Außerdem beziehe ich. der Diktator, isttl ACT fein Gestakt mehr!«?r verdient genau wie Hitler auf Umwegen Millionen.! Tie Arbeitslöhne sind trotz ihres ?'elsta»des gelenkt worden. Aber, erklärt Mussolini, uuier« Teflationspolitik ist richtig und muß fortgesetzt werden, b. h.: Es werden uns fortwährend Neubildungen von Landes- Initiativkomitees gemeldet. In Kauada ivurde ein Komitee auf sehr breiter Grund- lltz,« gebildet: es organisiert in alle» Teilen de» Landes «»nserenze» zur Vorbereitung des Weltloirgressev. Das holländische Komitee organisiert ein» große An- zahl öffentlicher Versammlungen. In Spanien nimmt die Vewegung trotz der enormen Schwierig ketten lAasnahmezuirand. Verhaftung von auti- faschistische» Kämpferinnenl einen große» Umiaug. Eine große Anzahl von löeiverkickaikeu. z. B. Geivertschait der Telegrafisten, der Untergrundbahn. Gemerkschair des Trans- poris, der Flngzeugiabriken, Geivertschait der Haudelsau- gestellten und der Lehrerinnen haben sich der Bewegung an- geschlossen und Delegierte gewählt. In mehrere» Fabriken haben sich Komllees gebildet. In Galizien, in Viseaye in Katalonien bestehen schon zahlreiche Komitees. Wegen»es Aasnassm"«nstandes un»'-> der für den•?:). nna-Lß geplante Kongrest auf Mitte Juli verschoben werden. TaS katatonische Komitee Hai einen Ansrnr lle«an.n,egemn. z«, in sämtlichen katalanischen Blättern veröitentlim morde Ter faschistische Terror rn den B a lk a u l än d e r n hat die Vorbereitung des Weltkongresses nicht oerhindern können. Reue Komitees iu lliumänien. Jugoslawien. «Äriecheuland werden uns gemeldet. In F r a n k r e i ch verbrettet und vertieft stch die Betvequng täglich. Nitter vielen Beispielen greifen wir das der iozia- listischen Frauen des 15. Arr. in Paris heraus, die sich ein- stimmig zngnnsten des Kongresses ausgesprochen haben. In LevalloiS fBorort von Paris! arbeiten sozialistische Frauen eifrig nn Komitee mit, das schon eine Arbellsbasis in den Betrieben hat«Iaeger sMetallurgies, Rojeugard sAulosj ui«d Roger u. Gallet sParfinneriell In de-?ordogue hat sich ein ganzes Tors dem Kongreß angeschlossen. Im fksimne-Gebiet meldet uns eine Lehrerin den Anschluß von 40 Weinbäuerinnen. Ter Norden Frankreichs wird 100 Telegierte der Textil- und Bergarbeiterbezirke schicken. Ueberall nahmen die Arbeiterinnen begeisterten Anteil an der Patenschastübeluegullg, Vetrieös-. Han^^rauen- und öxtmc Komitees werden für die Nenetosten der Tele- gallo neu ans faschistischen Ländern sorgen. Auch die intellektuellen Frauen leisten uns Hilfe, Lehre- rinnen. Aerztinueu, Erzceherinnen haben aktiven Anteil äir der Komiteealbeit, veranstalten Meetings, beteiligen sich an Sonderkoiuluissionen, wie den Presse- und Tokumentations- kommissivuen. Zahlreiche Organisatloifen Huben uns ihre Teilnahme ge- meldet. Unter den neueren befinden sich: die Organiiallon der Kriegerswitwen(100000 Mitglieder!. Eifenbahuergewerl- schaft(8fi0»*) Mitgliederl. die Baugewerkschast und der all- gemeine Beamtenbuud(Sektion von Chareuiet, angeschlossen an die EGT Tie Eisenbahner- und Bouarbeiiergewerkichatteu macheu eine ausgezeichnete Propaganda-Arbeit: die letztere hat. obwohl ihre Anzahl an weiblichen Mitgliedern klein ist. doch ihre Organisation in die Bewegung einbezogen und ihre Mitglieder zur Mobilisierung der Frauen angeeisert. Iu Ehikago, Boston, Philadelphia, Los Angeles, Sau Franziska, Milivauke, Neu- uo r k haben vorbereitende Versammlungen für den Kongreß stattgefunden. In San Franziska waren 10 Städte mit 100 Delegierten von insgesamt 80 Organisationen vertreten. In Pittsburg sind zwei Telegierte, eine Meiallarbeiierin und die Frau eines Bergarbeiters zum Pariser Kongreß ge- wählt morden. In Nennork sind von einem Teil der Schuh- wirren-, Metall- und Bekleidungsindustrie Verjalnmiungen abgehalten worden. Tie haben einen Wettbewerb organisiert, nm die Organisation für die Propaganda sür den Welt- kongrest zn verstärken. AnS dem Saargebiet sind uns 15 Telegierte gemeldet worden. Ferner wird uns etne Delegation von 0 jungen Schweizer Sportlerionen gemeldet, die sowohl an dem Weltkongreß der Frauen als auch an der Sportveranstaltung teilnehmen die am 11—15. August stattfinden wird.' e lfomite^Initiative feminine 1 Cite Paradis. Paris lOe. Pariser Beridile Der letzte Sonntag im Juni... 4 Am letzten Sonntag im Juni 1894 wurde der Präsident Car- not in Lyon ermordet. Am letzten Sonntag des Juni 1914 wurde der Erbe der österreichisch-ungarischen Krone in Sera- jewo ermordet.— Wenn die Staatsleute an das alte Sprichwort„niemals zwei ohne drei" glauben, so stehen wir vor einem fatalen Datum in dem alle 20 Jahre wiederkehrenden Zyklus. Aber das schlechte Schicksal ist wahrscheinlich durch die Tatsache vorweggenommen, daß es im Jahre 1914 z\»ei Opfer gab und nicht eins: die Frau des Erzherzogs war ebenfalls tödlich getroffen. Emma Gramatica in Paris In Paris ist die große italienische Tragödin Emma Grama- tica eingetroffen. Seit acht Jahren hat die berühmte Künstlerin in Paris keine Vorstellungen mehr gegeben. Jetzt wird sie in einer Serie von Gala-Aufführungen im Theatre de la Madeleine auftreten. Zuerst wird sie in Ibsens„Nora" erscheinen und dann ihr ganzes Repertoire vor der Elite des Pariser Publikums zum Besten gehen. Vor 25 Jahren die erste Kanalüberquerung Zu Ehren des 25. Jubiläums der ersten Ueber'querung des Aermelkanals im Flugzeug durch Louis Bleriot präsidierten der französische Luftfahrtminister General Denain sowie sein englischer Kollege Lord Londonderry heute ein Defile von 100 Militärflugzeugen der französischen Luftflotte sowie sportliche Darbietungen französischer und englischer Jagdflugzeuge auf dem Flugplatz von Buc. Ein nicht sehr erfolgreiches Preisausschreiben Die Pariser katholische Fakultät der Sozialwissenschaften hat vor mehr als Jahresfrist einen Preis von 50 000 Franken für den besten^ntibolschewistischen Roman ausgeschrieben. Da die bisher vorgelegten Manuskripte den Erwartungen nicht entsprachen, ist die Einreichungsfrist für Romane dieser Tendenz bis zum 15. Oktober verlängert worden. Anläßlich des Empfangs des Rektors der katholischen Universität von Paris, Mgr. Baudrillart, hat der Papst sein besonderes Interesse für dieses Preisausschreiben kundgetan. Besonders eifrig bemüht um die Sammlung von Manuskripten ist die österreichische katholische Schriftstellerin Enrica von Handel- Manzetti. Es bleibt abzuwarten, ob der päpstliche Segen die Fantasie der antibolschewistischen Schriftsteller so befruchten wird, daß der gewünschte antibolschewistische Roman preisgekrönt werden kann. Der Säbel Lafayette's in Paris Von Plyraouth kommend sind an Bord eines englischen Flugzeuges 6 Offiziere der amerikanischen Infanterie, Mitglieder eines Regiments, das während des Unabhängigkeitskrieges gegründet wurde, in Paris eingetroffen, um an der Einweihung der Ausstellung zu Ehren der Hundertjahrfeier Lafayette's teilzunehmen. Fünf Minuten vor der offiziellen Eröffnung der Ausstellung zu Ehren des Helden der amerikanischen Unabhängigkeit fehlte unter den Andenken, die man der Bewunderung des Publikums darbieten wollte, noch das Wertvollste: der goldene Säbel, der Lafayette bei seiner zweiten Reise über den Ozean übergeben wurde. Dieser Säbel war von den Abkömmlingen der Familie der Stadt Neuyork für eine ähnliche Ausstellung zur Verfügung gestellt worden. Die sechs amerikanischen Offiziere haben diesen Säbel heute hier bei Einweihung der Ausstellung übergeben. Daraufhin wurde die Ausstellung in Anwesenheit des Präsidenten der Republik, Lebrun, und des amerikanischen Botschafters in Paris, Strauß, eingeweiht. Das schönste Stück der Ausstellung ist ein Porträt, das der Gelehrte und Erfinder der drahtlosen Telegrafie Morse von Lafayette malte, und das alle Amerikaner wie einen Fetisch verehren. Die elastische Mauer In Cailly-sur-Eure hat man dieser Tage seltsame Versuche angestellt. Man hat lange versucht, eine Mauer zu finden, die dem Anprallen der Kraftwagen nachgab und so schwere Unfälle verhütete. Man glaubt diese Mauer jetzt gefunden zu haben. Ein schwerbeladener Lastwagen wurde mit einer Stundengeschwindigkeit von 60 Kilometer gegen diese „elastische" Mauer gefahren, die aus einer Betonschutzdecke bestand, die ihrerseits mit Erde gefüllt war. Nach dem Anprall wurde der Lastwagen auf die Straße zurückgeworfen, gerade das, was man mit der Schaffung dieser Mauer beabsichtigte. BBIEFKASTEM Die»Berliner Börsenzeitnng" bringt folgenden Aufruf:„Selbw- Mörder Europas, benützt die österreichifchen Verkehrsmittel! Einzig dastehende, letzte Gelegenheit für Weltflüchtige! Beerdigung auf Staatskosten! Borausgesetzt, daß Eure irdischen Reste noch zu identifizieren sind und die Tollfuß-Konjunktur anhält. Einsteigen, meine Herrschaften!. Ter Zug nach Wien geht ab! Aber vergeben Sie nicht, Ihr Testament zu machen." Man sieht wieder einmal: Tie Nazis vertreten das positive Christentum. In Oesterreich schmeißen sie Bomben, und in Teutschland laden sie ein, diese schnellste Reisegelegenheit ins Jenseits zu benützen. Algeciras, Barcelona nnd einige andere Znfchrifte». Wir danken allen für Briese, Ausschnitte und Belehrung, wollen aber.die Tis- kusfion über die Haltung des„ABC." nicht fortsetzen. Uns scheint mindestens viel Verständnis für den Faschismus vorzuliegen. sind. iur. Bon». Bei euch hat also die„Reaktion" einen vollen Sieg über die„revolutionäre" Hitlerjugend davongetragen:„Aus Anraten des Reichssührers der Deutschen Studentenschaft, Dr. Staebel, hat der Führer der Bonner Studentenschaft, K. H. Bock» Horn, in Verfolg der Auseinandersetzung innerhalb der Bonner Studentenschaft sein Amt niedergelegt. Bockhorn hatte, nachdem es zu Auseinandersetzungen zwischen der Hitlerjugend und den farbentragenden Studenten gekommen war, ein allgemeines Verbot des Farbentragens erlassen. Der Rektor der Bonner Uni- versität hatte sich geweigert, diese Anordnung gegenzuzeichnen. TieS Verbot ist im Zusammenhang mit dem Rücktritt Bockhorns für ungültig erklärt worden. Ter Reichsführer der Deutschen Studentenschaft hat einen neuen Führer der Bonner Studentenschaft ernannt."— In drei Worten: Bockborn ist geflogen! In Ulm und um Ulm... Tie Ulmer Zeitungen veröffentlichen folgende Selbstcharakteristik der polizeilichen Briesräuber:„ES ist der Politischen Polizei gelungen, einen Bericht abzufangen, der von der Saalbauversammlung der katholischen Jugend berichtet, und zwar in einer Weise, die den Tatsachen nicht entspricht Dadurch, daß dieser Bericht an die Auslandspresse ging, insbesondere, wenn man bedenkt, daß die„Neue Zürcher Zeitung" in Ulm überhaupt kaum von jemand gelesen wird, so war damit die Absicht gewollt, da» Ansehen des Deutschen Reichs im Ausland zu schädigen, ins» besondere damit seine feindselige Stimmung gegen den Staat von heute kundzutun. Ter Inhalt des Berichtes war nicht nur ent- stellt, sondern grenzt in gewissen Dingen an Landesverrat. Ich sah mich deshalb veranlaßt, den Täter, einen hiesigen Ober» l e h r e r, sofort festzunehmen und ihn der Staatsanwaltschaft zu übergeben. Inzwischen ist vom Richter Haftbefehl zur Untersuchung erlassen worden." Ihr stehlt also, wie Ihr öffentlich zur Schande Deutschlands zugibt, Briese. Größte Vorsicht ist also für alle geboten, die die Reichspost beniitzen. Rudolf Heß. Sie als„Stellvertreter des Führers" haben am Montag in einer Rundfunkrede, die ein einziger dummer Schmu» war, den Marxisten Bröger zitiert, ohne ihn zu nennen. Wenn Sie «inen Sozialdemokraten, den Ihre Banditen im KonzentrationS- lager mißhandelt haben, geistig bestehlen, dann sollten Sie mindestens fein allerbekanntestes Gedicht kennen. Tie haben nie eine Strophe von Karl Bröger gelesen. WaS wissen Sie überhaupt? T. Die Adresse wollen wir Ihnen gerne geben. Es ist rührend, wie Tie glauben, Ihr menschlicher Brief könnte auf die führenden Schufte der Gestapo Eindruck machen. „Siebeugebirge". Laut einer Nazizeitung, die Sie uns einsenden, hat der Kölner Gauleiter Grohe vor den Bonner Studenten ge- sagt:„Das Volk wird am meisten in der Welt gelten, dos den stolze st en und saubersten Charakter hat. Hitlers große Erfolge außenpolitischer Art seien zurückzuführen auf seinen Charakter." Nun weiß man wenigsten», warum Hitler» Außenpolitik nach dem einmütigen Urteil der ganzen Welt nichts taugt. K. M., Reupork. Besten Dank für alle». G., Jerusalem. Bon Ihnen erfahren wir:„Die Einwohner detz deutschen Dorfe» Sarona bei Tel Aviv hoben beschlossen, an Juden keine Zimmer zu vermieten. Zwei Jude» aus Tel Aviv, die auf Einladung des Vortragenden, eines afrikanischen Deutschen, einem Vortrag in Sarona beiwohnen wollten, wurden durch die Haltung des Publikums genötigt, sich wieder zu entfernen. Das deutsche Dorf Sarona ist durch die Entwicklung Tel Aviv» zu großem Wohl- stand gelangt, da die Kolonisten von Sarona in Tel Aviv ihre Nahrungsmittelprodukte absetzen und an Juden Boden zu teueren Preisen verkaufen."— Wenn sich die Juden in Tel Aviv Hitler- tmor in ihrer Nachbarschaft gefallen lasten, muß man sich wundern. Für den Gelamtinhalt verantwortlich: Johann P l tz tn Dud» weiter: für Inserate: Otto Kuhn in Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Volksstimme GmbH» Saarbrücken S, Schützenstraße B.— Schließfach 778 Saarbrücken. Sdiidit sie zu Nikier zurätst Kapitölislisdie„Gerediligheii" Nämlich die deutschen Konsuln! Die„New Dorf Post", ein angesehenes demokratisches Blatt, schreibt zu der Untersuchung des„Special House Eommittee" über Nazipropaganda in den Vereinigten Staaten folgendes: Die Vereinigten Staaten sollten den deutschen Konsuln in Neuyork, Chikago und St. Louis ein Beispiel zeigen. Gebt ihnen ein« Gelegenheit, die Beschuldigungen zu widerlegen, daß sie der Nazipropaganda in diesem Lande halsen. Wenn sie die Beschuldigungen nicht widerlegen können, verlangt, daß Deutschland sie sofort abberuft. Das„Congressional Eommittee", welches Hitlers„missionarische" Arbeit in diesem Lande untersucht, hat Beweis, daß alle drei Konsuln bei der Gründung einer Nazi-Organisation hier geholfen haben. Der deutsche Generalkonsul R. Kempe importierte drei Hitler- filme sür Ausführung in diesem Lande, um zu oersuchen, Amerikaner zu bekehren zu der arbeiterfeindlichen, anti- liberalistischen und antisemitischen Blutlust. Tie Regierung kann Deutschland nicht erlauben, daß es seine diplomatischen und konsularischen Privilegien mißbraucht, um das Hitler- gift in den Vereinigten Staaten zu verbreiten. Die Ad- ministration verlangte eine feierliche Versicherung von Ruß- land, daß keine Propaganda versucht werden sollte. Laßt uns diese Regel allgemein machen. Laßt die Nazikonsule ihre Unschuld beweisen— oder verlangt sofortige Abberufung. Tie„Internationale Transportarbeiter-Föderation" schreibt uns: Die französische Regierung hat die Eisenbahner- löhne um 5 bis 10 Prozent gekürzt. Ter Mindestlohn der unteren Kategorie wurde von 8600 aus 8170 Fr. jährlich her- abgedrückt. Dagegen ist der Direktor der PLM.-Gesellschaft mit einer Abgangsentschädigung von 500 000 Franken und einer Pension in Höhe von 150 000 Franken jährlich in den Ruhestand versetzt worden. Der Vorsitzende der Vermal- 'tungskommission der Steinkohlengruben Frankreichs be- zieht 1345 000 Franken jährlich, ein gewisser Jean Raty von der Bergwerksgesellschaft Lothringen 2 680 000, Cordier, Mit- glied des Verwaltungsrates der französischen Bank. 1300 000 Franken jährlich usw. 500 uyenig getragene 7 JlcdetCe (haute couture): Tages-, Abend-, Sportkleidet momentan verkauft bei: una Pelze Verden Jtacg-OccasioHS 40. rue DesrenGudes(Ternes) Tel.: Etoile 35-86, Ankauf. Tausch rauf Jüdisdie wellboimeisfer Das Neueste Die Erringung der Weltmeisterschaft im Boxen aller Kate- gorien durch den Juden Max Baer hat der Presse überall in der Welt Anlaß zu Kritik an der nationalsozialistischen These von der körperlichen Unterwertigkeit der Juden gegebei. Da- bei wird festgestellt, daß von den acht existierenden Box- Weltmeisterschaften fünf in jüdischen Händen sind: Berney Roß hält zwei Titel, Max Baer, Rojenbloom und Jackie Brown die drei anderen. Kolonien als Ablenkung Kürzlich wurde in Deutschland der fünfzigjährige Gedenk- tag der deutschen Kolonialpolitik gefeiert. Nicht so geräusch- voll, denn die Tatsache, daß Teutschland mit dem Ende des Krieges alle Kolonien verloren hat, stimmt die alten und neuen Kolonial-Patrioten noch heute recht wehmutsvoll. Immerhin bot der Gedenktag wieder einmal Anlaß, Kolvnialpropaganda zu betreiben. „Das neue Deutschland des Nationalsozialismus," so schrieb der Hamburger Wirtschaftsdienst,„das die Un- gcrechtigkeiten und Absurditäten des Versailler Diktates von innen heraus und nicht durch leeren Protest überwindet, steht grundsätzlich positiv zum kolonialen Gedanken, weil es die historische Leistung der deutschen Kolonialpolitik achtet und Dienst im Ausland unter deutscher Flagge und Verwaltung aus räum- und bevölkerungspolitischen Gründen sür not- wendig hält... Der heutige Stand der Koloüialsrage hat eine gewisse Aehnlichkeit mit dem Zustand jener Zeiten, als die Politik des Reiches eine direkte Betätigung auf dem Gebiete kolonialer Erschließung und Verwaltung glaubte ab- lehnen zu müssen. Freilich liegen die Hemmungen heute nahezu allein auf der Seite der Politik. Bestünde die Mög- lichkeit einer schnellen Korrektur der völkerrechtlich widrigen Bestimmungen des Bersailler Diktats, so wären die prak- tischen Boranssetzungen einer kolonialen Betätigung Deutschlands günstiger denn je, weil die wirtschaftliche Lage Deutschlands der Erschließung überseeischen Raumes aus be- völkerungs- und handelspolitischen Gründen dringend be- darf." Man muß daraus entnehmen, daß die Nationalsozialisten sich bei der Propaganda für neue deutsche Kolonien genau der gleichen und hundertmal widerlegten Argumente be- dienen wie kapitalistische Kreise im früheren kaiserlichen Deutschland. Diese Argumente sollen die Aufmerksamkeit des Volkes von den Feylschlägen der nationalsozialistischen Wirt- schaftspolitik und den wachsenden inneren Schwierigkeiten ablenken. In einer Zuschrift der politischen Leitung der Obersten SA.-Führung an de»„Völkischen Beobachter" wird daraus hingewiesen, daß ein Weiterbestehen des NSDFB. nach dem Dolchstoß von Ouetzin, der alle Deutschen getroffen habe, nicht mehr tragbar erscheine. Dem„Stahlhelm" wird also das letzte Fünkchen Lebenslicht ausgeblasen. Am 23. Juni haben in Berlin die Verhandlungen über eine Neureglung der deutsch-französischen Wirtschastsbe- ziehnngen begonnen Um das Eintreten eines»ertraglosen Zustandes zu vermeiden, ist die Geltungsdauer des bis- hertgen Handelsabkommens um einen Monat verlängert worden. Die deutsch-englischen Transserverhaudlungen werden vor- aussichtlich am Mittwoch beginnen. Das halbamtliche Organ der österreichischen Regierung, die christlich-soziale„Reichspost", teilt jetzt mit, daß Mussolini Dr. Doli fuß eingeladen habe, ihn Ende Juli in seiner Villa in Riccione mit seiner Familie zu besuchen. Dollsud habe diese Einladung angenommen. Der Schweizer Minister Stucki ist am Montag nach Berlin abgereist, um mit den deutschen Reichsstellen die Transserverhandlungen wieder ausznnehmen. Der französische Außenminister B a r t h o u hatte am Mon- tag politische Besprechungen mit Außenminister Jestitsch und König Alexander von Jugoslawien. „Oeuvre" behauptet, daß innerhalb der Regierung Mei- nungsverschiedenheiten über das von Arbeitswiuister Marquet ausgearbeitete Arbeitsbeschassungsprogramm ent- standen seien, die vielleicht zum Rücktritt des Arbeits- Ministers und womöglich anderer Rcgierungsmitglieder führen könnten. Bei einer Flugveranstaltung in Esseg in Jugoslawien stürzte ein Flugzeug in die Zuschauermenge. Das Unglück hat acht Todesopfer gefordert. „Daily Herald" meldet, daß in den Beziehungen zwischen Großbritannien und Sowjctrußland ein neuer Schritt zu normalen Zuständen getan worden sei. Es sei beschlossen worden, den beiderseitigen Botschaftern in London und Mos- kau Militärattaches beizugeben.„Daily Herald" bemerkt, seit dem Sturze des Zorenregimes in Rußland habe es keine Attaches mehr gegeben. König Alexander von Südslawien hat Außen- minister Borthou zugesagt, im Herbst offiziell Paris zu be- suchen. Dieser Entschluß des Königs wird in Paris mit großer Genugtuung aufgenommen. Die Unterredung Barthous mit dem König steht im Mittelpunkt der Pariser .Berichte aus Belgrad. In der Unterredung sollen alle aktu- ellen Fragen erörtert worden sein. „Deutsche Iteiheit" MonnemeiUspceise: Amerika Argentinien Belgien Dänemark England Frankreich Holland Italien Luxemburg Neubelgien (Eupen»Malmedy) Oesterreich Palästina Polen Rumänien Rußland Saargebiet Schweden Schweiz Spanien Dollar Peso belg. Fr. Kr. sh fr. Fr. fL Lire belg. Fr. belg. Fr. (verboten) sh (verboten) Lei Rubel tr. Fr. Kr. schw. Fr. Peseta T schechoslo wakei Kr. im Monat 1.- 5. 15, 3,20 4.- 12.- 1,50 10- 15- 12.- 4.- 90,- 1,- 12,- 2,60 2.40 6,- 30,- Zustell gebühr 0.50 1.- 5,30 1,80 1,10 3,75 0,40 5- 5,30 5,30 1,10 30,- 7,50 1,70 0,80 2,- 5,50 Bei Zusendung unter Kreuzband durch die Post sind die Portogebühren vom Besteller mit dem Abonnementsbetrag zu entrichten.