Einzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Nr. 146— 2. Jahrgang Saarbrücken, Donnerstag, den 28. Juni 1934 Chefredakteur: M. B r a u n Ans dem Inha lt Der(Reichsanuyalt und JAälmcuin Seite 2 2Jec JCeieq umsehen S-A. und„Stahlhelm" Seite 3 Deutsche AcheitsCohne Seite 4 ffiaethaus 3xiumph(.ahct Seite 7 BcKftsmarh oHbc DecKanü Die RelchsbanKrottenre Hitler und Schacht haben 1112 der Gold- nnd Devisenbestände venvirtsebaitet- Dedinng nodi 1,5 v. H. dnb. Berlin, 26. Juni. Nach dem Ausweis der Reichs» baut vom 23. Juni 1934 hat sich die gesamte Kapitalanlage um 66 Millionen RM. verringert. Während des Juni sind somit nur zwei Drittel der Inanspruchnahme der Reichs- dank zum Mai-Ultimo zurückgeflossen. Hier macht sich äugen- scheinlich schon die beginnende Reisezeit bemerkbar. Im ein- zelncn ging der Wcchselbestand um 98 aus 2968, der Bestand an Rcichsschatzwechseln um l aus 11 Millionen RM. zurück,' während Lombardfordcrungen um 1 aus 81 Millionen RM. stiege». Eine stärkere Steigerung um 17 Mill. aus 31S Mill. RM. erfuhr der Bestand an dccknngssähigen Wertpapieren. Dies hängt augenscheinlich mit der Abwicklung des Konvcr- sionsgeschäftes zusammen. Der Notenumlauf ermäßigte sich um 88 auf 3398 Mill. RM., während 31 Mill. RM. Scheide, münzen in die Reichsbankkasse zurückgeflossen sind. Unter Berücksichtigung von 8 Mill. ne« ausgeprägter und 6 Mill. wieder eingezogener Scheidemünzen erhöhte sich der Bestand aus 281 Mill. RM. Der Abfluß von Gold und Devisen hat sich weiter fortgesetzt, und zwar in erhöhtem Maße Obwohl in der vergangenen Woche keine Bereitstellungen sür Zinszahlungen zu machen waren, ging der Goldbestand nm 22 aus 72 Mill. und der Bestand an deckungsfähtge« Devisen um 2 auf 1 Mill. RM. zurück. Der Gold, und Devisen, bestand hat demnach eine Verringerung nm 21 aus rund 76 Mill. RM. erfahren. Er deckt den Notenumlauf nur noch mit 2,3 Prozent gegen 2,9 Prozent in der Vorwoche. Die verschiedenen Maßnahmen der Reichsbank nach außen wie noch innen finden in dieser Entwicklung ihre volle Berech, tigung s?j. Der Zahlungsmittelumlauf betrug 5277 Mill. RM. gegen 3692 Mill. RM. zur gleichen Zeit des Vorjahres. * Die gesamten offenen Reserven der Reichsbank sind also innerhalb einer Woche von IM auf 76 Millionen Reichsmark qesunken. Wie von uns wiederholt dargelegt worden ist, sind allerdings noch stille Reserven, so die Reste der Russenzah- lungen, die Valutaguthaben der Lebensversicherungsgesell- schatten und vielleicht mit Wissen der Reichsbank im Ausland deponierte Devisen von deutschen Exporteuren vorhanden. Indessen können dies alles zusammengenommen im günstigsten Falle nur einige hundert Millionen Reichsmark sein. Vergleicht man die Gold- und Devisenbestände der Reichs- bank mit denen des 30. Januar 1333, dem unheilvollen Tage, an dem Abenteurern und Hasardeuren die Führung der Reichsgeschäfte übertragen wurde, so steht man vor der Tat- sache, daß der Reichskanzler und der Reichsbankpräsident elf Zwölftel der damaligen Bestände verwirtschaftet haben. Da- bei sind noch nicht eingerechnet die mindestens 150 Millionen Devisen und Gold, die durch das sogenannte Volksverrats- gesetz ausgekämmt worden sind. Auch sie sind von den Bankrottpolitikern vergeudet worden. Der Reichsbankausweis spricht von einer Deckung des Notenumlaufs von 2,3 v. H. Stellt man die Gold- und Devisenbestände in Vergleich zu dem gesamten Zah- lungsmittelumlaus.so kommt man zu einer Deckung von 1,5 v. H. Man ist also praktisch auf dem Nullpunkt an- gelangt. Trotz aller Vertuschungsmanöver ist bei dieser Entwicklung auch im Innern Deutschlands das Vertrauen zur Reichsmark tief erschüttert. Das Hamstern und die Angstkäufe nehmen zu. Die Kapitalflucht ins Ausland ist seit Wochen wieder im Wachsen, und die Reichsmark ist im Auslande auch in kleinen Beträgen nur noch sehr schwer abzusetzen. Gehalten wird ihr Scheinkurs im Auslande nur noch durch die Stützungskäufe der Reichsbank, die nun an ihre bescheidenen stillen Reserven herangehen muß, wenn sie ihre Stützungspolitik fortsetzen will. Weigert sie sich aber zu stützen, so fällt die Reichsmark im Auslande binnen kurzer Frist in den Abgrund. Reinhardts Steuerlaiitasicn lind dos Reichsdefizit von 2110 Millionen Reichsmark Berlin, 27. Juni. Nicht der Reichsfinanzminister Graf von Schwerin-Krosigk, sondern sein nationalsozialistischer Staatssekretär Reinhardt hat soeben ein großes Steuer- reformprogramm verkündet. Wohlverstanden: es handelt sich noch keineswegs um festumrissene Vorlagen, sondern um Absichten und Pläne. Daß sie nicht der Minister. sondern der nationalsozialistische Staatssekretär bekannt gibt, zeigt, daß diese Reformankündigungen vor allem parteiagitatorischen Zielen dienen, daß sie ein Frontabschnitt in dem aussichts- losen Kampfe gegen die Miesmacher sein sollen Was von den Absichten dann wirklich in Gesetzessorm gegossen und durchgeführt wird,-zeigt sich nachher. Dessen ungeachtet wer- den wir die sehr ausführlichen Pläne Reinhardts noch ein- gehend behandeln. Heute wollen wir nur hervorheben, daß nach den eigenen Worten des Staatssekretärs an eine Ver- Minderung der Steuerlast nicht zu denken ist. Seine Reform geht oaher nur auf eine Umlagerung der S-euerlalt-n hin- aus Ob diese wirklich sozial wirkt, bleibt im einzelnen nachzuprüfen. Wenn Reinhardt z. B. einen allmählichen Ab- bau der besonders unbeliebten H a» s z i n s st e u e r bis zu deren völligen Aufhebung im Jahre 1310(!) ankündigt, so ist damit nicht gesagt, daß die Mieter, die jetzt die Hauszins- steuer aufzubringen haben, wirklich entsprechend entlastet. werden Mietpreissteigerungen oder neuerliche Steuerlasten, die als Ausgleich für die Hauszinssteuer notwendig werden, sind wahrscheinlich. Reinhardt selbst drückt sich vorsichtig aus: Tie allgemeine Haushaltlage läßt eine Verminderung der Steuereinnahmen bis aus weiteres nicht zu. Infolge- dessen kann eine Verminderung der Zahl der Steuern nur Sf.r*«RprfffimeUiina verschiedener Steuern erreicht werden. Ich denke^?er insb e)unbere daran, die Bürgersteuer, die die Krisenstcuer der Veranlagten und den (Ihifnmnteitfreueriulcftlnfl der Einkommensempfänger mit g? 8000 Reichsmark Jahreseinkommen in die Ein- ^mwensteu» hineinzuarbeiten, so daß dann an Stelle von bisher fünf Steuern und Zuschlägen nur noch e in e«teuer b°»ste?er" mi? de^Relchsbi'ensteue? zu'vereinigen"" Auch fc Nu-r-iun-h»-.,»>ch>»« 5!««aif" 1'»"> bei sorgfältiger Prüfung angenommen werden kann, daß durch die volkswirtschaftliche und fiskalische Wirkung der Steuervergünstigung oder Steuersenkung der Ausfall mög- lichst ausgeglichen wirb, wie das seit einem Jahr durch Ge- Währung der Steuerfreiheit für Ersatzbcschasfungen, Steuer- befreiung für neu errichtete Kleinwohnungen und Eigen- Heime, Steuerfreiheit für Aufwendungen zu Zwecken des zivilen Luftschutzes usw.. Ermäßigung der Steuerschuld für Instandsetzungen und Ergänzungen an Gebäuden usw., schließlich durch die Halbierung der Umsatzsteuer für die Landwirtschaft, die Senkung der Grundsteuer für die Land- Wirtschaft usw. und durch die Senkung der Abgabe zur Ar- beitslosenhilfe geschieht. Im Nahmen der Steuerreform sind weitere sehr erheb- liche Steuererleichterungen vorgesehen. Durch die Möglichkeit, für Teile des Einkommens unter bestimmten Bedingungen«teuersreiheit zu erlangen, durch die Gewäh- rung Höherer Tteuersreibeträge für Kinder sowie durch un- mittelhare Senkung der Steuersätze. Der Aussall aus alledem wird, gesamtsteuerlich gesehen, ausgeglichen teilweise im Rahmen eines bestimmten technischen Umbaues der Steuer, teilweise durch die volkswirtschaftlichen und fiskalischen Wirkungen, die sich aus der Erleichterung zwangsläufig er- geben. Durch die gegenwärtige Lage unseres allgemeinen Haus- Halts find uns bei unserem Bestreben nach Entlastung leider Grenzen gezogen... Die Steuerpolitik im Adolf-Hitler- Staat ist im wesentlichen auf drei große Gedanken abgestellt: 1. Kamps um die Verminderung der Arbeits- losig kei t und damit um die Gesundung der sozialen, wirtschaftlichen und finanziellen Dinge unseres Volkes, in Zusammenhang damit Lösung dringender Volkswirtschaft- licher Fragen: 2. Förderung der Familie, in Zusammenhang damit Verwirklichung des volkspolitischen Gedankens: 3. Betonung des Wertes der Persönlichkeit und der persönlichen Verantwortung in der Wirt- schalt."* Es ist notwendig, diesen verheißungsvollen Worten einige Bemerkungen über die derzeitige Finanzlage des„Adolf- Hitler-Staates" gegenüberzustellen. Man wird dann gleich erkennen, daß auf steuerliche Entlastungen überhaupt nicht zu rechnen ist. Fortsetzung siehe 2. Seite. Gestern und heute 28. Juni 1914. Zwanzig Jahre sind es her, aber die Erinnerung an diesen fieberheißen Sonntag ist noch lebendig. Schlaff saßen die Großstädter im Freien. Wer über Asphalt ging, blieb mit den Absöffen wie in einem Morast stecken. Da kamen gegen fünf Uhr die Extrablätter: ,.Das habs- burgische Thronjolgerpaar in Serajewo ermordet!" In Kiel war zur gleichen Stunde die„Woche" auf dem Zenith. Unter den bleuenden Segeln seiner„Hohenzollern" leitete Wilhelm II., der Admiral des Atlantischen Ozeans in der Ostsee, die Regatta. Da nähert sich ein Motorboot dem Schiff. Der Kaiser runzelt die Stirn: was will man jefft von ihm? Der junge Offizier im Boot legt eine Depesche in ein Zigarettenetui und wirft es in hohem Bogen auf Deck. Ein Matrose hebt ps auf: vor drei Stunden der Erzherzog Franz Ferdinand und seine Frau von serbischen Irridentisten erschossen! Die Flaggen gehen auf Halbmast, die Regatta wird abgebrochen, Wilhelm kehrt nach Berlin zurück. Der Mann, der in Serajewo auf der Bahre lag, hatte noch im Tode ein hartes und brutales Gesicht. Nimmt man den mächtig ausgefaserten Schnurrbart und den steilen Haarkamm fort, so könnte man an Göring denken. Franz Ferdinand von Habsburg hatte keinen Freund am kaiserlichen Hofe gehabt. Er war ungütig und aufbrausend, von unbarmherziger Kälte auch gegenüber seinen Schmeichlern. Seinem kaiserlichen Onkel und den Hofschranzen hatte er niemals vergessen können, mit welcher Herablassung und inneren Ablehnung sie seine morganatische Frau, die tschechische Gräfin Chotek, behandelt hatten. Soweit er zur Liebe fähig war, hatte sie ihr und den Kindern gehört. Nun war sie mit ihm unter den Schüssen des Gymnasiasten Princip gestorben. Als der alte Franz Josef die Nachricht aus Serajewo erhielt, sagte er:„Entsetzlich! Der Allmächtige läßt sich nicht herausfordern. Eine höhere Gewalt hat wieder jene Ordnung hergestellt, die ich leider nicht zu halten vermochte." Er schlief, wie der bayrische Gesandte in Wien, von Tucher, nach München berichtete, die folgende Nacht reichlich und gut. Mit dem Tode seines Neffen war der dunkle Fleck auf dem legitimen Schilde der Habsburger, verursacht durch eine unebenbürtige Frau, durch göttliche Entscheidung ausgetilgt worden. Wir wissen heute, daß die österreichischen Zivilbehörden und Potiorek, der Militärgouverneur von Bosnien, den Erzherzog nahezu in den Tod hatten reisen lassen. Attentate von bosnisch-serbischen Irridentisten, die die Annexion Bosniens von 1908 rückgängig machen wollten, waren mündlich und schriftlich angekündigt worden. Zwölf Jahre nach dem Morde behauptete Dr. Pfeffer, der Untersuchungsrichter im Prozeß gegen Princip und Genossen,„daß gewisse österreichisch- ungarische Kreise das Attentat begünstigt haben". Was für Kreise? Franz Ferdinand galt, nicht nur auf Grund seiner Heirat mit der Tschechin, als slavophil. Slavenfreundschnft hatte in der Sphäre des ho/rötlichen Wiener Zeremoniells etwas vom Ludergeruch des Plebejertums. Die Wiederherstellung der göttlichen Hof Ordnung trat ein, als den Thronfolger die slai'ischen Kugeln trafen. Sie waren zugleich das Signal zum langersehnten Kriege mit Serbien. Es begann der Depeschenwechsel, die offene und heimliche Rückversicherung für den Fall eines Falles, während sich die Generalstäbler Europas bereits über die fertigen Kriegspläne beugten. Wilhelm II. schrieb, wie wir seit der Publikation seiner Randbemerkungen zu den diplomatischen Aktenstücken wissen, seine ermunternde Fanfaren: „Wenn es doch erst losginge... es komme ruhig zum Kriege. Die Orientfrage muß mit Blut und Eisen gelöst werden." Was Blut und Eisen gelöst haben, wissen wir heute. Wir wissen es nicht, wenn wir die europäische Landkarte von heute mit der von 1914 vergleichen. Auch nicht vor den Gräbern der Millionen, die erst in dem Augenblick wirklich gestorben waren, als sich erwies, daß eine Ueberzahl von Lebendigen nichts von ihnen gelernt hatte. Bis zur Stunde, als die Kanonenschlünde zu sprechen begonnen hatten, besaßen wir alle einen Geschichtsgeist und den Zauberschlüssel dazu. Die einen sahen im Weltkriege das notwendige Ergebnis der kapitalistisch-imperialistischen Epoche, die anderen die gewaltsame Entfaltung der Idee der Nation, andere wieder die Geißel Gottes zur Reinigung der Menschheit. Genügen heute nicht wieder ein paar Schüsse, um ein Weit. ereignis von noch viel größerer Erschütterung auszulösen als das von 1914? Ist unser Glaube noch da, daß es unter. Menschen eine Entwicklung gebe, im Sinne der Entwicklung zur Freiheit, worin für Hegel die absolute Idee in der menschlichen Geschichte bestand? Der Glaube ist noch da. Mit der Einschränkung freilich, daß unter den Menschen alles wieder von vorn begonnen werden muß. Denn es gibt nichts, was sich nicht mit ihnen, zum Schlechten wie zum Guten, ium Kiiege wie zum Frieden' * W. lie Af 4f«3LS/ Reinhardts Sfeuerfanfasfen Fortsetzung vvn Seite 1. Seit einiger Zeit beliebt es dem Reichsfinanzministerium, die Entwicklung der Reichsfinanzen optimistisch darzustellen. Tie Biicher der Reichshauptkasse bciveisen aber das Gegen- teil. Tie zeigen in dem. am 31. März d. I. abgelaufenen Rechnungsjahr 1933 einen neuen Fehlbetrag von 330 Mit- lionen Reichsmark. In den offiziösen Verlautbarungen wird nun darauf verwiesen, baß im vorhergehenden Jahre ein Fehlbetrag von 810 Millionen Reichsmark sich ergeben habe. Verschwiegen wird aber, daß von diesem Fehlbetrag des Bor» jahres 120 Millionen Reichsmark aus außerordentlichen Schuldentilgungen stammten, so daß eigentlich nur eine Steigerung des Fehlbetrages der Borjahre um 190 Millionen Reichsmark zu verzeichnen war. Im letzten Jahre aber sind im neuen Fehlbetrag nur noch 100 Millionen Reichsmark als außerordentliche Schuldentilgung vorhan- den, da das Schuldenzahlen im„dritten Reiche" mehr und mehr außer Mode kommt, so daß der neue Fehlbetrag in Wirklichkeit um 280 Millionen Reichsmart angeschwollen ist gegen 190 Millionen Reichsmark im Vorjahre. Unter Einrechnung der noch nicht abgetragenen Fehl- betrage aus den Vorjahren bleibt am 31. März 1934 ein Ge. samtsehlbetrag von 2110 Millionen Reichsmark gegenüber 1880 Millionen Reichsmark vor einem Jahre. Tie schwebende Reichsschuld betrug am Ende des Rech- nungsjahres unter Einrechnung der Steuergutscheine 4157 Millionen Reichsmark. Reinhardt hat also zweifellos Recht, wenn er mindestens soviel eingesteht, baß an eine Verminderung der Steuer- lasAn nicht zu denken ist. ..Idi heilte Rase" Schacht zieht einen Trennungsstrich Budapest, 26. Juni. Im„Fuget Lenfeg" Hat der Sonderkorrespondent eine Unterredung mit dem Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht gehabt. Danach soll Schacht erklärt haben: „Es gibt keine Markentwertung, welche die WirtschaitS- lchwierigkeiten nur erhöhen würden. Um so mehr, als daS Ausland unsere Zahlungsunfähigkeit aus Böswilligkeit auslegt. Ich habe keine politischen Lösungen zu erwähnen, denn ich bin nur der Buchhalter des Reiches und ich kann nur wirtschaftliche Hilfe anraten." Welch große Bescheidenheit de? großen Mannes! Schacht nur noch Buchhalter. Wurde das Geschäft florieren, so würde er sicherlich sich als einen der Prinzipale hinstellen. Roch deutlicher, wie sich Schacht von den politischen Dumm- heiten distanziert! Er identifiziert sich nicht mit der Politik öer braunen Gewalthaber. Er ist nur wirtschaftlicher Rar- geber. Aber auch das dürfte ausreichen, um ihn zum OrkuS zu schicken. Was isl mit Krupp los? Sein Bruch mit Hitler Der deutschen Presse ist folgende Anweisung zugegangen: Die in der ausländischen Presse verbreiteten Gerüchte, wonach Herr Krupp v. Bohlen und Halbach beabsichtige, von seinen öffentlichen Aemtern zurückzutreten, werden vom Reichsstand der Deutschen Industrie dementiert und als gänzlich unrichtig bezeichnet. Es wird gebeten, von der Angelegenheit keine weitere Notiz zu nehmen! Kern des„Gerüchtes" über Krupp von Bohlen-Halbach war nicht der Rücktritt von seinen Aemtern, sondern die Be- hauptung, daß er mit Adolf Hitler gebrochen habe. Das aber wird nicht dementiert. Ein Illental Segen Himmler Berlin, 27. Juni. Gegen den Führer der ST. und den obersten Leiter der Gestapo, Pg. Himmler, ist ein sensationelles Revolver, attentat verübt worden. Himmler befand sich mit seinem Stabe im Auto aus der Rückkehr von Schorsheide, wo er der feierlichen Beisetzung der Frau Görings in der Nähe des Jagdbanses des Ministerpräsidenten beigewohnt hatte. Unter. «egS wurden von«ubckanntcr Seite sieben Rcvolverschüffe abgegeben, von denen jedoch keiner tras. Die sofort ausge, nommrnen Nachforschungen nach den Tätern find bis zur Stunde ohne Ergcbenis geblieben. Die Nachricht von dem Attentatsversuch lag uns bereits gestern vor Wir haben mit der Veröffentlichung»och gezögert, weil wir erst eine Bestätigung der Nachricht ab« warten wollte» An ihrer Richtigkeit ist heute nicht mehr zu zweifeln. Keine hitleramtliche Stelle hat sich bis zur Stunde mit einem Dementi der zuerst in Schweizer Blättern ver, öffentlich»?» Nachricht hervorgewagt. ver drohende Wirtsdiaffslflleg Deutschlands schroffe Antwort auf die engllsdie Transfernote Max Pallenberg Das Opfer eines Flugzeugunglücks Das Deutsche Nachrichtenbüro meldet, daß sich am Dienstag aus dem Karlsbader Flugplatz ei» schweres Unglück ereignete. Ein Flugzeug der tschechoslowakischen Aerolinie stürzte aus etwa 100 Meter ab, wobei der Flugzeugführer und die beiden Fahrgäste getötet wurden. Unter ihnen befand sich der Schauspieler Max Pallenberg. * Bestätigt sich die Nachricht, dann verzeichnet die deutsche Bühne den Verlust eines einmaligengroßenKünst- lersundSchauspielers. Max Pallenberg— wer ihn einmal gesehen hat, vermag ihn nicht zu vergessen, diesen Darsteller wunderlicher Gestalten, dieses Stück Leben, gesehen durch ein Bühncuteinperament von tosender Gewalt. Tie Reihe von ihm geschaffener Theatergestalten ist unüber- sehbar groß. Einige Höhepunkte:„Ter eingebildete Kranke" in MoliereS Komödie, der Schluck in Hauptmanns„Schluck und Jau", der tschechische Sonderling Zavadi in„Familie Schimeck",„Liliom" in Molnars Charakterkomödie und end- lich„Der brave Soldat Schweyk". Seine Komik holte ihre lebendigsten Wirkungen aus dem Worte. Sie spielte und balancierte mit ihm, aber immer behielt er das Wesentliche seiner Rolle sest in der Hand, und immer leuchtete hinter dem komischen Wortspiel ein Stück Tragik aus. Ein Tragi- komödiant, wie die deutsche Bühne keinen besaß und kaum noch besitzen wird. Pallenberg ist 88 Jahre alt geworden. Hiilerbeutschland trieb den Nichtarier sofort außer Land. In den vergangenen Monaten war er ununterbrochen auf Gastspielreisen im AuS- lande. Teit 1» Jahren war er mit der bekannten Sängerin Fritzi Massary vermählt. London, 27. Juni. Tic deutsche Transscr-Telegation ist heute hier eingetroffen. Ihre personelle Zusammensetzung hält man in unterrichteten Kreisen den Verhandlungen nicht für günstig. Die deutsche Antwort fällt durch ihre Kürze und durch ihre drohende Sprache auf. Ihr Wortlaut ist: „Die deutsche Regierung beehrt sich, den Empfang der Antwort der könig. britischen Regierung auf die deutsche Note vom 20. d. M. zu bestätigen. Sie bedauert, den darin enthaltenen Argumenten nicht folgen zu können, die z. T. aus mißverständlicher oder unvollständiger Beurteilung des Verlaufs der Berliner Transferkonserenz zu beruhen scheinen, und behält sich weitere Darlegungen hierzu vor. Sie bedauert ferner, daß die königlich britische Re- gierung glaubt, ihren Standpunkt durch Androhung von Zwangsmaßnahmen durchsetzen zu müssen und da- durch ihrerseits genötigt zu sein» entsprechende Maßnahmen zur Abwehr der schlimmsten Schäden, die sich daraus für die deutsche Wirtschast ergeben würden, zu ergreisen. In der Annahme, daß es trotzdem der königlich bri- tischen Regierung ernstlich an einer für beide Länder fairen Reglung einer Frage liegt, deren Lösung an- erkanntermaßen nicht von Deutschlands Bemühungen allein abhängt, nimmt die deutsche Regierung die Ein- ladung der königlich britischen Regierung zu Besprechungen deutscher Vertreter mit Vertretern der könig- lich britischen Regierung in London an." Im Verlaufe der Debatte über das Clearing-Gcsetz im Unterhaus?, das angenommen worden ist, erklärte Ebamber- lain u. a.? daß finanzielle Geldsend«nqcn, Bankguthaben, BersicherungSzahlungen usw. von dem Clearing aus» geschloffen seien. Er wolle jedoch diese Feststellung nicht dem Wortlaut des Gesetzes beifügen, denn man wisse nicht, welche Lage sich später ergeben könne. Trabe Aussichten Tie„Frankfurter Zeitung" sNr. 820) schreibt unter der Ueberschrift„Unübersehbare Konsequenzen": Tatsächlich muß man leider darauf gefaßt sein, daß es infolge der englischen Handelspolitik, infolge der Valuta- rischen Bedingungen und aus anderen Gründen nicht leicht sein wird, unsere Ausfuhr nach England wenigstens auf dem bisherigen Stand zu halten, wenn sich in der Bereitschaft zur Abnahme deutscher Waren ein grundlegender Wandel nicht einstellen sollte. Noch erheblich trübere Perspektiven würden sich eröffnen, falls die englische Regierung im Ernst daran denken sollte, die zwanzigprozentige Abgabe über die Einfuhr aus Teutschland zu oerhängen, ohne daß hierüber mit Teutschland ein Uebereinkommen zu erzielen wäre. In England stellt man sich vor, daß die deutschen Firmen, die von ihren englischen Kunden nur 80 Prozent des Verkaufspreises erhalten würden, für den Rest durch Zahlungen der Reichsreaierung entschädigt werden konnten, ein Gedanke, dessen Verwirklichung natürlich überhaupt nur dann in Betracht zu ziehen wäre, wenn nian nicht eine ein- seitige Zwangsmaßnahme, sondern ein aui beiderseitiger Ver- einbarnng beruhendes Vorgehen beabsichtigen sollte. Andernfalls. al>o wenn die Reichsrcgicrung es von sich weisen müßte, ihre Hand zu diesem Verfahren zu bieten, indem sie den deutschen^rvort?ur?n die Differenz zur Verfügung stellt, müßte die Abgabe die gleiche Wirkung haben wie ein Zoll in Höhe von 20 Prozent des Warenwertes. In jedem Fall würde die Durchführung derartiger Maß- nahmen kaum eines der an der Weltwirtschast beteiligten Länder unberührt lassen, ganz abgesehen von der neuen Un- gewißhcit. die daraus für die Entwicklung d--r deutschen Devisenbilanz entstehen kann: sie kann für die als Gläubiger am Gedeihen der deutschen Wirtschast interessierten Länder wahrhaftig nicht gleichgültig sein. Glücklicherweise besteht noch die Hoffnung, daß die ausgenommenen Verband- lungcn zu einem vernünftigen Ausweg rühren werden. Reichsanwalt Werner erhlflrt: Thaimann Hann nicht zum Tode verurteilt werden... Die welidffeniltchhelf aher b.eibt mß raaisch Durch den deutschen Rundfunk wurde am Mittwochmorgen eine merkwürdige Meldung verbreitet. Sie lautete, daß Oberreichsanwalt Werner ausländischen Besragern gegen- über erklärt habe, daß nach den bestehenden gesetzlichen Bestimmungen über Thäimann kein Todesurteil verhängt werden würde. Tie gegen ihn erhobene Anklage, die bereits vor dem Volksgerichtshof verhandelt werde, laute aus Hochoerrat. Dafür komme e ne Zuch.yaus- strafe bis zu 10 Jahren in Betracht... Diese seltsame Erklärung, die den Gewohnheiten der Hitlerjustiz gar nicht entspricht, ist daS Ergebnis eines un- ermüdlichen Trommelfeuers, gerichtet gegen den drohenden Justizmord an Thäimann, unterstützt von bedeutenden Per- sönlichkeiten des Rechtslebens und des Geisteslebens in aller Welt. * Jeden Tag kamen telegrafische und schriftliche P r o t e st e an die Berliner Regierungsstellen, an das Reichs- gericht in Leipzig und an die deutschen Konsuln im Auslande. Versuche ausländischer Journalisten, sich in Berlin an Ort und Stelle über das Schicksal Thälmanns zu vergewissern, scheiterten am Widerstande der deutschen Behörden. Man versprach ihnen, daß sie Thäimann sehen würden, aber jedes- mal wurde der Besuch im letzten Augenblick verhindert. Als sich dabei die französischen Journalisten Charles V i l d r a c und Stefan P r i c a l l e auf Thälmanns Aeußerung gegenüber zwei Taararbeitern beriefen, er werde mißhandelt, so habe man eine solche Aeußerung Thälmanns zwar zugegeben. Gleichzeitig aber wurde von den Beamten der Gestapo hinzugefügt, Thälmann wäre ein schlechter Kom- mnnist gewesen, wenn er vor anderen Kommunisten nicht so gesprochen und ihnen aus diese Weife Argumente für ihre Propaganda gegeben hätte. * Am 2. Juli soll in Neuyork der Gegenprozeß gegen den Hitlersaschismus beginnen. Dieser Gegenprozeß wurde ahn- lich wie der Londoner Gegenprozeß im Reichstagsbrand- prozeß angeregt und organisiert von dem Welthilsskomitee für die Opier des Hitleriaichismus. ES soll sich mit der Rechlsunsicherheit, mit dem Blutgericht, das unter dem Namen Volksgcrichl in Teutschland geschaffen wurde, mit dem Thälmann-Prozetz und anderen Prozessen gegen Ann- saschisten beschäftigen. Ter Gegenprozeß wird von keinem anderen als dem Bürgermeister von Neuyork eröffnet werden. Zahlreiche internationalen Zeugen sollen daran teil- nehmen. Die Stimmung in den Vereinigten Staaten gegen das hitlerischc B.'utregime hat in jüngster Zeit einen ge- wältigen Umfang angenommen. Die letzten Reste deutscher Sympathien in Amerika drohen in Verlust zu geraten. * Die juristische Kommission für den Thälmann-Prozeß hat in ihrer Sitzung vom 19. Juni festgestellt, daß die Gesuche vieler Rechtsanwälte der verschiedensten Länder um Zulassung als Verteidiger Thälmanns, der einen deuitchen Anwalt nicht finden könne, s y st e m a t i s ch zurückgewiesen würden. Trotz der beruhigenden Erklärung deS Reichsanwalts, ein Ergebnis der Weltprotestc, muß man nach wie vor in Sorge um Thälmanns Schicksal sein. Das Volks- gericht, vor dem er abgeurteilt werden soll, braucht einen Präzedensiall, vielleicht heute mehr als je, wo die«lerne Hitlers zu sinken beginnen.. * Schon die Tatsache, daß man Thälmann ein Hochverrats- verfahren anhängen will, gibt jeder Befürchtung Raum. Hoch- verrat— gegen wen? Da Thälmann sofort nach Ausbruch der nationalen Revolution verhaftet worden war, so wird er des Hochverratsverbrechens gegen dieselbe Verfassung äuge» klast, von der die Nationalsozialisten unter den Eidbrüche» ihrer Führer nnr noch Fetzen übriggelassen haben. Bei den heute herrschenden Rechtsbegrisfen freilich, wo„Recht" ist, was dem deutschen Volte sdem Nationalsozialismus nach dem Diktat der Machthaber) nützt, besteht nach wie vor für Thäl- mann höchste Todesgefahr. Auf dem Flugplatz in Karlsbad waren zu seinem Empfang zahlreiche Freunde und Gäste erschienen. Sie fanden den großen Tkauspieler, der auch im Film künstlerische Leistungen von hohem Grad vollbracht hat, nur noch als Leiche unter den Trümmern des Flugzeuges. Sie war ent- schlich verstümmelt... Die Ausbrecher Einer angeschossen und verblutet dnb. Plauen, 27. Juni. Der Mörder Ottmar, der am Mon- tagabend im Amtsgcrichtsgeiängnis LelSnitz den Haupt- Wachtmeister Becker erwürgt hatte und dann mit zwei Mit- gefangenen ausgebrochen war, konnte noch am Dienstag durch den Oberscharführer der SA. Kurt Regeniuß in der Nähe von Markneukirchen in einem Getreidefeld fest- genommen werben. In Ottmars Begleitung befand sich der mit ihm geflüchtete Gebhardt. Gebhardt entwich, während Rcgenfuß den Ottmar festhielt. Ottmar wurde schwer ge- fesselt nach Planen eingeliefert. Nach dem Ausbruch aus dem Gefängnis halten die drei Verbrecher sich kurz hinter Oels- nitz getrennt. Schröter ist in Richtung Bösenbrunn davon- gcivandcrt. Die Streifen wurden die ganze Nacht hindurch fortgesetzt. Mittwochmorgen gegen 4 Uhr wurde Gebhardt bei Erlbach ausgespürt. Der Gastwirt Tcubner erkannte Geb- Hardt, der keine Schuhe und keine Kopfbedeckung trug, und rief ihn an. Da der Verbrecher nicht stehen blieb, gab Teubner zwei Schüsse auf ihn ab Der zweite Schuß tras den Flüchtigen in den linken Oberschenkel. Gebhardt ver- blutete infolge der Verwundung. Die Seiche wurde nach Erl- dach Abergeftthrt. Schröter ist noch nicht gefaßt worden. RFB. lebt noch sJnpreß.) Das Düsseldorfer Sondcrgericht verurteilte sech» rbemaliae Mitglieder des Roten Frontkämpferbundes an» Remscheid zu je fünf Jahren Zuchthaus und einen Aroener zu zwei Jahren Zuchthaus. PaniH in der l)n!ergrund Zehn Schwerverletzte dnb. Neuyork, 27. Juni. In der Neuyorker Untergrund- bahn entstand am Dienstag durch den Streich eines«tratzen» jungen eine entsetzliche Panik, in deren Verlaus zehn Per- fönen erheblich verletzt wurden. Die Ncuyorker Straßenjugend betrieb seit vielen Jahren den Sport, mit langen Metalldrähten, an denen ein«tück Kaugummi befestigt war, durch die Vcntilationsgitter der U-Bahn nach verlorenen Geldmünzen, Dollarnoten und Schmuck zu angeln. Am Dienstag verwickelte sich nun ein von einem Straßeniunqen aus die Schiene» geworiener Kupserdrabt in die Räder eines herankommenden Exoreß- zuaes. Es entstand so'ort Kurzschluß und der mit größter Schnelligkeit fahrende Zug blieb mit einem plötzlichen Ruck stehen. Der etwa 600 Fahrgäste, die in fast völliger, nur von blauen Blitzen unterbrochenen Dunkelheit, in beißendem gelbem und schwarzem Ranch warten mußten, bis die Wagen- tiiren nach Abstellen des Stroms geöffnet werden konnten, bemächtigte sich eine furchtbare Panik. Die von Todesangst gepackte brüllende Menge tobte durch die Wagen, schlug die Fenster ein und versuchte, die Türen aufzubrechen. Viel« Personen, namentlich Frauen und Kinder, wurden nieder- getrampelt. Erst nach langer Zeit konnte die Ordnung wiederhergestellt werden. % Flugblatt als Verräter Berlin hat noch 400000 Arbeitslose... Saarbrücken, 27. Juni. Am 6. Mai 1934 hat der Propagandaminister Dr. Goebbels in Zweibrücken folgendes erklärt: „Wir haben 4 Millionen im Reich wieder in Arbeit ge- bracht nnd dann sollten wir es nicht fertigbringen, 40 909 Arbeitslosen von der Saar wieder Arbeit z» geben? Das ist von uns eine Frage der Selbstverständlichkeit nnd eine Frage des nationalen Prestiges. Das ist nach der Rückkehr der Saar zum Reich unsere allererste Ausgabe." So großartig, so gelogen! Das nachstehende Flugblat ist in Berlin am 22. Jnni 1934 offiziell angeschlagen, verbreitet und an allen Arbeits- ämtern ausgeteilt worden. Ein Originalslugblatt liegt uns vor. Neugierige können es auf der Geschäftsstelle Schützenstraße jederzeit einsehen. Arbeits ose Iolksgenossen »er RMsbouptitad! Berlin! Die sofortige Beschaffung ausreichender Beschäftigungsge- legenheiten für die noch rund 400 000 arbeitslosen Berliner Volksgenossen ist in der Reichshauptstadt selbst oder in ihrer näheren Umgebung nicht möglich. D«e Reichsregierung hat jedoch außerordentliche Mittel bereit gegestellt, um umfangreiche Arbeiten sBodenverbefferungs- arbeiten, Wegebautcn usw) in den angrenzenden Provinzen mit der ausdrücklichen Bestimmung beschleunigt in Gang zu bringen, daß hierbei vorzugsweise Berliner Volksgenossen beschäftigt werden sollen. Außerdem stehen zahlreiche Arbeits- stellen in der Land- und Hauswirtschast zur Verfügung. In den nächsten Tagen wird daher den Arbeitslosen der Stadt Berlin planmäßig auswärtige Arbeit an- geboten werden. Jüngere Personen sollen in erster Linie in der Land- und Hauswirtschast sowie im Arbeits- dienst untergebracht werden. Kür verheiratete nnd ältere ledige Angehörige aller Berufe bieten sich dagegen Beschäf- tigungsmöglichkciten bei den auswärtigen Notstandsarbcitcn. Sein Berliner Volksgenosse darf sich dem Appell an seine Arbeitsbereitschast entziehen. Die körperliche Eignung des einzelnen für die ihm angebotene Arbeit wird durch ärztliche Untersuchung festgestellt werden. Jede unberechtigte Arbeits- ablehnung stört den wirtschaftlichen Ausbanplan des Führers, der zunächst die Beseitigung der Arbeitslosigkeit überhaupt zum Ziele hat. Wer die Annahme auswärtiger Beschäfti- gung verweigert, schädigt sich aber auch selbst und ge- sährdet den Unterhalt seiner Familie, da ihm bestimmungsgemäß die Unterstützung entzogen oder doch zu m mindestcn weitgehend gekürzt werden muß. Die Bedingungen für die Arbeitsausnahme bei auswärtigen Notstandsarbeiten be- finden sich ans der Rückseite. Durch eine Tätigkeit in der Landwirtschast oder bei aus- wältigen Notstandsarbeiten verliert niemand das Recht, wieder nach Berlin zurückzukehren und dort zu arbeiten. Darum ergeht an alle arbeitslosen Berliner Volksgenossen der dringende Ausruf: Helft mit, die Arbeitsschlacht in Berlin zu einem sieg- reichen Ende zu führen! Nehmt auswärtige Arbeit an! * Berlin allein hat also 400 000 Arbeitslose. Eine ungeheure Zahl. Es hat niemals wesentlich mehr Erwerbslose ausge« wiesen. Wo bleibt der Erfolg der Arbeitsschlacht in Berlin? Was hat es mit den Goebbelsschen 4 Millionen Neubeschäs- tigten für eine Bewandtnis? Warum wird Berlin von dem reichen Hitlersegen ausgeschlossen. 400 000 Arbeitslose im Monat Juni! Dem besten Monat des Jahres überhaupt. Alle Einsichtigen wissen, daß im R u h r g e b i e t, im indu- striellen Schlesien und im Jndustrielande Sachsen die Arbeitslosenziffern in ähnlicher Weise eine beängstigende Höhe ausweisen. Nur hat man sich bis setzt dort gehütet, ähn- liche Flugblätter zu verbreiten. Denn das Flugblatt i st ein Verräter. Man hätte es sollen konfiszieren und zum Tode verurteilen. Dies noch aus einem andern Grunde. Der brutale Zwang zur Verschickung wirkt abschreckend. In keinem Kulturlande der Welt beliebt man die Anwendung solcher Methoden. Selbst im Innern Afrikas legt man Wert daraus, die Arbeitsplätze mit Freiwilligen zu besetzen. Wer sich nicht in die ostpreußischen Stallwohnnngcn verfrachten lassen will, er- hält, glaubt man dem Flugblatt, keine Unterstützung mehr. Man straft denjenigen, der seine Heimat liebt, mitsamt sei- ner Familie. Bisher hat man in Teutschland Groß- und Kleinvieh auf die Weise verschickt, wie das jetzt mit Arbeitsmenschen ge- übt werden>o^">*7 ist mar mit der Vcr- pslanznng vorsichtiger. Jeder einsichtige Züchter nimmt weit- gchendst Rücksir' t auf Gewöhnung und Natur des Tieres. Welche Not. welches Elend muß Hitlcrdeutschland ausweisen, um diese Maßnahmen zu rechtfertigen. Jetzt versteht man, wie sich das Riesenheer der Mies- macher und Kritikaster formieren konnte. Goebbels' mahn- sinnige Propaganda, sein Trommeln und Flöten für die riesige Arbeitsschlacht und über deren„ungeheuren Erfolg" hatten die herrlichsten Zukunftsbilder ausgerichtet. Eine solche Mammutpropaganda muß sich über kurz oder lang rächen. Sie fordert zwangsläufig dann zur Kritik heraus, wenn die Wirklichkeit unbarmherzig an die Lautsprecher stößt. Aablllelmcr tätet sä Führer »'uüfier Honü'h! in Pommern- Wird derStahlhelm" verboten? Kummerow mit dem Dolch• Kol borg, W Juni. Heber die Bluttat in Henkcnhagen. über die wir gester» schon berichteten, verlautet naziamtlich: Nach Schluß einer Sonnwendfeier, die am 23. Juni 1934 in Ouctzin bei Henkcnhagen, Kreis Kolberg in Pommern, stattfand, verübte der NSDFB.-Mann Erich Kummerow eine Bluttat an einem SA.-Führer. Sturmsührer Moltzahn wurde bei seiner dies r Erbfolge»etsechtbatc oder gar ein Eingrciicn in das Wirken der Braunen Front der Gegenwart erlaubt. Trotzdem hätte wohl niemand etwas gegen ein iolches Wirken öer Fuhrung des NSTFB. gehabt, wenn sich das- selbe so in g l e i ch e m S ch r i t t u n d T r i t t mit den Mar- schierern des Führers abgespielt hätte, wie es gehörig und möglich war. Ebensowenig hätte eine vollkommene Zurück- probten Manneszucht des braunen Sturmsoldaten verstand- lich ist, sahen SA.-Führer und-Männer diesem Treiben zu. Immer wieder hielt man sich zurück, zumal diese Vorkomm- nisse scheinbar nur örtlichen Charakter trugen. Bald aber ließ ihre dauernde Wiederkehr eine Planmäßigkeit erkennen, die ganz von selbst nicht mehr aus den einzelnen, sondern auf eine Führung als verantwortlich hinwies. Noch heute, angesichts des Blutes, das in Ouetzin floß, hieße es, die Tat verkennen, wollte man ihre Ursache nur im Täter und nicht auch in seinen Hintermännern suchen. Insbesondere gilt dies für Pommern, wo nach allen Mel- düngen das Austreten des NSDFB. in dem Maße an U e b e r m u t zunahm, wie es den eben noch wegen staats- feindlicher Umtriebe verhasteten, aber wieder freigelassenen Führern des Bundes ermöglicht war. erneut zu wirken. Noch heute wird und muß sich eine Möglichkeit finden, den ehr- lichen und unbelasteten Männern dieses Bundes den Weg in die Volksgemeinschaft freizumachen. Ein Weiterbestehen des Bundes jedoch als Einheit oder gar als„Kampsgeme'n- schast" erscheint nach dem Dolchstich von Ouetzin. der alle Deutschen traf, nicht mehr tragbar. RnliMeimverdol fflr Pommern Eine gefährliche Zuspitzung Berlin, 27. Juni. Die Mordtat von Henkcnhagen wird jetzt von den Natio- nalsozialisten zum Anlaß einer großen Aktion gegen den verhaßten Stahlhelm genommen. Tie Staatspolizeistcllcn in Köslin und Stettin haben zunächst ein Verbot der Stahl- Helmorganisation für die ganze Provinz Pommern erlassen. Das Tragen der Uniform und der Abzeichen, das Austreten in Versammlungen und Ausmärschen ist untersagt. Man will von Pommern aus die Auflösung des„Stahlhelms" für ganz D->„ttck>sand organisieren. Auf diese Weise soll nicht nur die Widerstandskraft deS„Stahlhelms" selbst, sondern auch die- jenige der hinter ihm stehenden konservativen Kräfte gemalt- sam gebrochen werden. Ein solcher Schritt bedeutet auch eine Kampfansage an die deutschnationalcn Mitglieder in der Re- gierung, auch eine solche gegen Hindenburg selber, der nach wie vor Ehrenpräsident des Stahlhelms ist. Es fragt sich, wie der Reichspräsident und sein Kreis den Plan einer Auflösung des Stahlhelms beantworten werben. Per sdiwelgende Gerehe Wird Oberst v. Hindenburg reden? dnb. Berlin, 26. Juni. Nach achttägiger Pause wurden am Dienstag die Verhandlungen im Gereke-Prozeß fortgesetzt. Der Gesundheitszustand des Angeklagten, der am Dienstag voriger Woche einen Ohnmachtsansall erlitt, hat sich inzwi- schen wieder gebessert. Von seiten des Oberstaatsanwaltes wurden heute erhebliche Zweifel an den Bekundungen der Zeugin Margarete Sprung zum Ausdruck gebracht. Zum ersten Male wurde in diesem Zusammenhang der Einbruchs- diebstahl erörtert, bei dem aus der Berliner Wohnung die- ser Zeugin Notizen Dr. Gerekes gestohlen worden sein soll- ten, die für den Angeklagten entlastend gewesen seien. Es soll sich um Zettel handeln, auf denen Dr. Gereke notiert haben soll, daß er genötigt gewesen sei, die ihm für die Grün- dung einer Hindenburgzeitung übergebenen 480 069 Mark im Interesse des Hindenburgwahlkampses auszugeben. Der Oberstaatsanwalt bezeichnete es als recht ausfällig, daß die Zeugin Sprung bei der Polizei keine Angaben über diese ge- stohlenen Sachen gemacht habe und daß in dem Verzeichnis der abhanden gekommenen Dinge nichts von den Zetteln erwähnt ist, obwohl die Zeugin das doch für wichtig hielt und sich von den Notizen Abschristen gemacht habe. Es kam nunmehr zu einer dramatischen Auseinandersetzung zwischen dem Vorsitzenden und dem?lngeklagten Dr Gereke. Vorst tz e n d c i: Sie können die ganze Sache inst einem Wort auiklären. wen» Sie den Namen des Mannes nennen würden) der Ihnen die ISiiiiito Mark übergeben hat. Gereke: Weiteste Kreise werden mir einmal dafür dank- bar sein, daß>ch diese Dinge nicht an die Oeffenilichkeit ziehe. Ich möchte auch nicht, daß ein Mann, der ebenso wie ich das Beste wollte, ebenso wie ich auf die Anklagebank kommt. Vorsitzender: Dieser Mann könnte, wenn er einst unberechtigterweise Mittel für diese politischen Zwecke ver- itlrtllfli firtf St» MrttUifAn Qk«*^„fi:- evr.e cüuiunuyui inivuauyu vn istuc* Wiuttß irgendwelchen Widerspruch gesunden Daß aber die Feuerrede von Kummerow durch Provokationen gegen die Mrung öes NSDFB. eS unternehmen würde, nicht nur wandt hatl die politische Ämneüi^itt JTJu'T°' ücuc SA. gestört. Als Sturmsührer Moltzahn nach der Feier* u"eben, nicht nur neutral zu sein, sondern sich G-reke: Ueber die Anwendbarkei!^"? io e&2 en- ihn zur Rede stellte, setzte K u m m e r o w seine Be- W W>.!?."en°oarke,. politischen schimpfungen gegen die SA. fort und griff Moltzahn mit einem Eichenstock tätlich an. Obwohl mit seinem Dolch versehen, machte der Sturmkührer seinerseits keinen Ge- brauch von ihm, sondern versuchte lediglich, Kummerow den Eichenstock zu entwinden. Da i^ß Kummerow den SA.-Tolch des Tturmführers Moltzahn aus der Scheide und stieß ihn seinem Träger in den Unterleib. Moltzahn liegt schwerverletzt im Holberger Krankenhaus. Gleichzeitig mit Kummerow wurde in diesem Zusammenhang der Lehrer Koegelin verhaftet. Sturmsührer Moltzahn ist einer der ältesten SA.-Führer Pommerns und seit zehn Jahren Nationalsozialist. Infolge der über die Bluttat in der Bevölkerung entstandenen bedrohlichen Erregung ist die zuständige Orts- grupp? der NSTFB. aufgelöst und dem NSDFB. jede politische Tätigkeit untersagt worden. ..Jeden Jag Zusammenstöße..." Eine vielsagende Erklärung Berlin, 26. Juni. Zu der Bluttat des Stahlhelmmannes Knmmerow an dem SA-sturmsührer Moltzahn teilt das Politische Auit der Oberste,, SA.-Führung in Ansehung ihrer entscheidenden Schwere folgendes mit: Der NSTFB. kStahlhelm), gegründet unter Billigung ~-'-*•'«- ÄQf.3 von Monat zu Monat sichtbarer gegen sie und damit gegen den Führer selbst zu stellen. das konnte weder der Mann im Braunhemd, noch der in Feldgrau erwarten. Kaum ein Tag verging, der nicht Reibereien, Zusammen- stöße und Spannungen in Wort und Tat brachte, wobei es nichts als Wahrheit sagen heißt, wenn ausgesprochen wird, daß die Urheber fast immer in den Reihen des NSDFB. zu finde» waren. Mit einer Langmut, die nur aus der jahrelang er- ...... politischen Am- nestie sind die Ansichten leider verschieden. Ich kann in mei- ner Lage nicht übex diese Dinge sprechen. Auf weitere Vorhaltungen des Borsitzenden erklärt Dr. Gereke noch einmal, daß er unter keinen Umständen sein Schweigen brechen werde. Am Donnerstag, dem nächsten Verhandlungstage, wird der Sohn des Reichspräsidenten O b e r st o. H i n d e n b u r g noch einmal als Zeuge vernommen werden. Oberst v. Hin- denburg hatte bekanntlich an die Staatsanwaltschaft die Bitte gerichtet, zu den Aussagen der Zeugin Margarete Sprung Stellung nehmen zu dürfen. S& verschwindet Vollständiges Uniformverbot Slaosaieis«i—■ fiißrers, Reichsmintster Franz S eldte. sollte den ehe- maliaen älteren Stahlhelmcrn in denjenigen Ehren zu stehen die Möglichkeit geben, die ihnen die Allgemeinheit auf Grund ihrer Leistungen im Kriege schuldet. Tie Auslegung der Gründungsbestimmungen wurde mit der denkbar größten Weitherzigkeit »handhabt Die dienstliche Beanspruchung der Mitglieder war denkbar gering bemessen. Es war im Grunde an nichts anderes als an die ehrenvolle Ruhe gedacht, die dem um das Vaterland Verdienten zusteht.- Tie schwere des politischen Kamvies in der Gegenwart und tur die Zukunft liegt da- aeaeir weiter nnd allein auf den schultern derjenigen, die Sirfif nur'II kämpfen bereit, sondern auch dazu IN der Lage stnd Da sich unter den letzteren zu Hunderttausenden Kriegs- I-ttü.g,?., befinden, nahmen sie ganz naturgemäß auch die großen Überlieferungen ihrer Tat mit an die neue Front tn^nnem nen.n^ ,rtl j ei(ltn(t des Fronterbes also war. und - Maße wie dieses Erbe Bestandteil der Braunen Armee d?s Führers wurde und nur von dieser verwaltet 1t"l 1^LmIIi'mar und ist der Glaube einer nur dem Gestern ,£ Führung dieser alten Soldaten, es wäre ein Anspruch a«l-ine Art von doppelter Buchführung bei Der ausfallende Urlaub des Obersten Stabschefs der SA., des Reichsministers Röhm, der, kaum aus Urlaub zurückgekehrt, wieder auss neue in Urlaub geschickt wurde, hat vor einigen Wochen berechtigtes Aussehen erregt. Verstärkt wurde der Eindruck dieser sonder- baren Beurlaubung durch die geheimnisvollen Mel- düngen der Obersten Stabsleitnng. Bereits damals hatte Röhm angekündigt, daß die SA. auf Urlaub ge- schickt würde. Nunmehr erfahren wir, daß die gesamte SA. restlos die Uniform ausziehen und wieder ins Zivil zurückkehren müsse. Ob sie noch einmal austauchen wird, erscheint fraglich, kann aber einstweilen dahinge- stellt bleiben. Was wird die SA. sagen? Berlin, 26. Juni. Die Berliner Oefsentlichkeit wird überraschr durch die Tat- fache, daß die gesamte SA. am 1. Juli die Uniform aus- ziehen muß. Es wird allerdings gesagt, daß die SA. zunächst nur für einen Monat verschwinden würde. Alle Welt glaubt aber, daß dieser Monat nicht der Kalendermonat sein wird, sondern sich auf Dauer hinaus erstrecken wird. Das Deutsche Nachrichtenbüro„tarnt" die Auslösung der SA. mit folgen- der Meldung: Der Führer der Obergruppe 3, Berlin, Gruppenführer Karl Ernst, veröffentlicht folgende Anordnung: Der Stabschef hat für den Monat Juli die gesamte TA. zur Erholung beurlaubt. Der Schulferienmonat soll dem SA.-Mann bei Familie, seiner Frau und seinen Kindern finden. Somit sind etwaige Klagen über Beanspruchung und „zu viel Dienst" usw. behoben. Um diese beabsichtigte Situa- t,on um jeden Preis auch gegen solche, die sich ihren Ange- hörigen entziehen wollen, durchzusetzen, habe ich meinen For» mationSführern da? Ansetzen jeglichen Dienste? untersagt, so auch die Abhaltung von Festen und geselligen Veranstal- »ungen, die durch Propagierung und Kartenvertrieb die Zeit der SA.-MLnner beanspruchen. Um ferner den SA.-Mann zum wirklichen Privatmann in diesem Urlaubsmonat werden zu lassen, ist der Befreiung von jeglichem Dienst ein Uniformverbot gefolgt. Da der SA.-Mann schon im Alltag und Erwerbsleben kei- nen Dienstanzug tragen darf, entfällt auch jede Begründung für das Tragen in der Urlaubszeit. Ter SA.-Dienstänzug ist ein Ehrenkleid und kein x-beliebiges Kleidungsstück. Uni- formträger im Juli haben besondere Ausweise l„Urla»bs- monat") zu führen. Ich bitte während des Monats Juli auch von überflüssigen Zeitschriften, dem sogenannten„Papier- krieg" abzusehen. Eingehende Schriftstücke erhalten den Stempel„Urlaubsmonat" und werden ab 1. August 1934 ausarbeitend erledigt. Abbau der Sclmafzer? dnb. Berlin, 27. Juni. Der Reichspropagandaleiter der NSDAP, gibt laut NSK. bekannt:„Der Kamps gegen die Nörgler und Miesmacher nimmt mit dem 80. Juni sein Ende. Er hat in seiner zweimonatigen Dauer eine un- erhörte, weit über das normale Maß hinausgehende Be- anspruchung unserer Reichs- und Gauredncr notwendig ge- macht. Um ihnen die für die Herbst- und Winteranforde- rungen notwendige Ausspannung zu geben, ordne ich hiermit für den gesamten Monat Juli entsprechend dem TA.-Urlaub und der Anweisung des Stabsleiters der PO. betr. Urlaub für die politischen Leiter sowie Amtswalter der an- geschlossenen Verbände und der Gemeinschaft„Kraft durch Freude" sür alle Reichs- und Gauredner an." „Deutsche Freiheit", Nr. 146 BV BB H STn 2aM W I wm I wm w w /^^UW> Saarbrücken, 28. Juni 1934 Elite tfer deutschen Arbeiterschaft Buchdrucker verdingen sich für freie Verpflegung und Taschengeld Wenn es im neuen Deutschland nicht aufwärts geht, sind bekanntlich die Kritikaster, Miesmacher und die Emigranten schuld. Es ist aber nicht anzunehmen, daß Goebbels etwa auch die Presse der Deutschen Arbeitsfront zu den berufsmäßigen Hetzern zählt. Das Mitteilungsblatt der Reichsbetriebsgemeinschaft(früher Korrespondent des Deutschen Arbeiterverbandes des grafischen Gewerbes) sieht sich veranlaßt, im Mai 1934, also zu einer Zeit, da die Arbeits- Schlacht schon längst„gewonnen" war, einen Vorstoß für das grafische Gewerbe zu unternehmen. Im grafischen Gewerbe blieb die Arbeitslosigkeit, wie es in einer Eingabe der Verbandsleitung an den Reichsarbeitsminister heißt, „auf der gleichen Höhe stehen". In der Ausgabe des ,,Korrespondent" vom 9. Juni 1934 werden Arbeitslosenziffern bekanntgegeben, die sogar ein Ansteigen erkennen lassen. > Arbeitslose Mitglieder 1 9 3 3. männl. weibl. zusammen Juni' t 33 979 9 498 43 477 Juli 38 249 15 334 53 583 August 41 456 12 021 53 477 September 42 745 14148 56 893 Oktober 40 883 13 459 54 342 November 37 364 10 843 48 207 Dezember 40 938 10 701 51 639 1 93 4 v April 43 676 13 224 56 900 In diesen Zahlen sind die vier Fachschaften der Buchdrucker, Buchbinder, Lithographen und Steindrucker, sowie Hilfsarbeiter zusammengefaßt und es zeigt sich, daß auch in diesem Gewerbe, das doch von der Hitlerschen..Binnenkonjunktur" Nutzen haben müßte, die Arbeitslosennot gegenüber dem zweiten Halbjahr 1933 noch gewachsen ist. Der ,,Korrespondent" bringt auch Einzelbeispiele, welch verzweifelte Lohndruck-Angebote die arbeitslosen Buchdrucker bereits machen. Ein Schriftsetzer schreibt im Bewerbungsbrief: Gesuch Im nachstehenden bittet Unterzeichneter ergebenst um Uebertragung einer Arbeitsstelle als Hand• oder Maschinensetzer in Ihrem Betriebe. Als Entgelt bitte ich um Verpflegung und etwas Taschengeld. Seit über zwei Jahren arbeitslos, möchte ich auf diese Weise dem Nichtstun ein Ende bereiten und wieder im Berufe tätig werden. ... Gelernter Schriftsetzer, 26 Jahre alt, evgl., 4 Semester Fachschulbildung, ledig, Reifezeugnis.. Besuch der Setzmaschinenschule usw." Im Klinischen Druckerei-Anzeiger findet sich folgendes Inserat: Junger, zuverlässiger Schwcizerdegen, Prinzipalssohn, 22 Jahre, Parteimitglied, perf. in Satz und Druck, Bedienung von Schnellpresse, Heidelberger Druckautomat und Tiegel wünscht sich bald gegen freie Kost und Logis zu verandern. Etwas Taschengeld erwünscht. Einige Buchbinderkenntnisse vorhanden. Zuschriften an..." So wuchert aus der Erwerbslosennot im grafischen Gewerbe und nach Zerstörung der Gewerkschaft der hemmungslose Lohndruck. Was hat Adolf Hitler in einem Jahr aus einer Berufsgruppe gemacht, die vorher über eine Elite- Gewerkschaft verfügte! So sieht es in einem gelernten und qualifizierten Beruf mit der„Ehre des Arbeiters" aus, auf die sich das neue Regime so viel zugute tut. Nicht minder lehrreich, als die Tatsache des unverminderten Fortbestehens der Arbeitslosigkeit und des erhöhten Lohndrucks aber sind die Mittelchen, mit denen heute die faschistische Ersatz-Gewerkschaft diesem Massenelend zu begegnen versucht. Es wird eine Eingabe an den Reichsarbeitsminister gemacht. die folgenden kennzeichnenden Vermerk trägt: „Betr. Verhinderte Besserung der Arbeitsmarktlage im grafischen Gewerbe durch erhöhte Anschaffung und Benutzung von Vervielfältigungsapparaten bei behördlichen Dienststellen." Dann folgt eine langatmige Darlegung, man möge alle Dientstellen anweisen, ihre bisher auf Vervielfältigungsapparaten hergestellten Schreiben und Formulare dem Buchdruckgewerbe in Auftrag zu geben. Es werden einzelne Magistrate denunziert, die sich in letzter Zeit ebenfalls wieder Abziehapparate angeschafft haben sollen. Ob die grafischen Fachschaften wirklich glauben, daß die Vervielfältigungsapparate der Grund zum Erliegen der Buchdruckereien sind? Auch der Deutsche Buchdruckerverein hat an die Reichsstellen eine ähnliche Eingabe gerichtet. Er fordert: „Aufhebung der Sparmaßnahmen betr. Drucksachenverbrauch. Wiederauffüllung der Etats für Drucksachenbeschaffung. Aufhebung der Gefängnisdruckereien." Alle Vorschläge laufen darauf hinaus, daß Staatsaufträge erteilt werden, selbst wenn die etatsmäßige Deckung bei den öffentlichen Auftraggebern fehlt. Hinsichtlich der Privatwirtschaft ist nur eine Forderung enthalten: „Die weitere Zusammenlegung von Zeitschriften und anderen Druckaufträgen in wenigen Betrieben ist sofort zu unterbinden." In hündischer Demut wagen die Verfasser der Eingaben die wahren Gründe der„Verhinderung einer Besserung der Arbeitsmarktlage" nicht zu nennen. Sie müßten darauf hinweisen, daß es für Zeitungen und Bücher nur noch eine durch Parteimonopol privilegierte Meinungsfabrik in Deutschland gibt._ i Es wirkt aber grotesk, wenn der„Korrespondent" in seiner Not auch noch einen Artikel bringt„Was wird aus Ullstein?", darin berichtet, daß das Schicksal von 8000 Personen nebst Familien von der Weiterführung des Ullsteinbetriebes abhängig sein wird, um folgenden Ausweg vorzuschlagen: „Bleibt alles bei Ullstein beim Alten, ist der Ruin besiegelt. Besinnt man sich in der Kochstraße und stellt an die Spitze des hochverantwortlichen Riesenbetriebes fachlich hervorragende Kämpfer der Hitlerbewegung, ist die Grundlage eines um und neu zu bauenden Verlages gerettet." Inzwischen ist dieser Wunsch erfüllt, nachdem sich die bisherigen Träger des Ullsteinverlags restlos zurückgezogen haben. Es wird den Buchdruckern nicht helfen können und es zeigt die ganze Verlogenheit, mit der die Presse der Arbeitsfront das soziale Problem behandelt, wenn man den Buchdruckern die weitere Uebersteigung der Uniformierung des Verlagswesens als Ausweg aus ihrer Arbeitsnot empfiehlt. Schließlich wird als letztes Mittel eine Hetze gegen die ausländischen Zeitungen vorgeschlagen, um so die Arbeitsplätze für die deutschen Buchdrucker zu retten. Die Redaktion des„Korrespondent" weiß nicht, warum heute in Deutschland so emsig nach ausländischen Zeitungen gefragt wird und schreibt naiv: „... auch in den Schweizer Blättchen werden keine Geheimnisse weltumstürzender Art mitgeteilt. Sie dienen nur der politischen Sensationssucht einiger sich volksfremd fühlender Elemente, die nur der Zufall die deutsche Sprache erlernen ließ.... Die grafische Arbeiterschaft wird deshalb ein wachsames Auge haben müssen, um auch auf diesem Wege für die Erhaltung der Arbeitsplätze zu kämpfen." Die Buchdrucker und Arbeiter im grafischen Gewerbe, die sich in ihrem früheren geistig hochstehenden„Korrespondent" heute dieses ungereimte Zeug vorsetzen lassen müssen, wissen nur zu gut, daß weder die Beseitigung einiger Abzieh- annarate, noch die Versorgung einiger Kämpfer der Hitlerbewegung in dem UllsteinbetricJj, noch ein Verbot des Lesens ausländischer Zeitungen ihre Arbeitslosigkeit beheben kann. Die wirkliche Verhinderung einer Besserung des Arbeitsmarktes im grafischen Gewerbe ist das faschistische Regime, das mit der Zerschlagung des deutschen Geisteslebens die Druckereien lahmgelegt hat. Die Buchdrucker sind das Opfer jener kulturfeindlichen Diktatur geworden, die mit der Aufhebung des freien Wortes in Deutschland die Wahrheit gezwungen hat, außer Landes zu gehen. Indem wir gegen den Faschismus kämpfen, werden wir der Wahrheit in Deutschland wiederum eine Heimstätte und damit dem Buchdrucker seinen Arbeitsplatz schaffen. Kartelle fest geschlossen Der Leiter der Kartellstelle des Reichsstandes der deutschen Industrie hat einen Aufriß erlassen, in dem eindringlich auf die Einhaltung der Kartelldisziplin hingewiesen und bezüglich der marktregelnden Vereinbarungen betont wird, daß jede Verletzung oder Umgebung der Kartellverpflichtungen bestraft werde. Aufwärts! Durch die Gemeindeumschuldung hat sich in der Zeit vom 1. Oktober bis 31. Dezember 1933 der Gesamtbestand der langfristigen Inlandsschulden von 2,7 Milliarden RM. auf 3,7 Milliarden erhöht, der der mittelfristigen Inlandsschulden von 0,67 auf 0,70 Milliarden RM. Der gesamte Umschuldungs- bedarf wird wesentlich über die früher geschätzte Summe von 2,5 Milliarden Reichsmark hinausgehen. Lohn*enkung um 20 Prozent (Inpreß.) Dem Geschäftsbericht der A. Riebeck sehe Montanwerke AG. ist folgende Bemerkung zu entnehmen: „Die Mehrbeschäftigung von Arbeitern ist durch den Opfersinn der Belegschaft, die eine Verkürzung der Arbeitszeit auf sich genommen hat, erleichtert worden". Da die Zahl der Beschäftigten sich im abgelaufenen Geschäftsjahr um 20 Prozent erhöht hat, s» sind, die Bezüge der früher Beschäftigten— nach eigenen Angaben der Gesellschaft— um ebenfalls 20 Prozent gesenkt worden. Senkung der Steuern und Gehälter (Inpreß.) Aus den veröffentlichten Bilanzen von drei der bedeutendsten deutschen Banken ist zu entnehmen, daß die Steuern gegenüber den früheren Jahren außerordentlich gesunken und flie Ausgaben für Gehälter, sozial? Abgaben usw. obendrein noch wesentlich gefallen sind. Wir nennen nach- stehend die Ziffern in Millionen Reichsmark: Gesamtsumme der Gehälter, sozialen Abgaben, usw. Stenern 1933 87,52 71,61 41,43 1931 113 98 54 1933 .7.62 3,18 3,91 1931 15,01 5,79 8,77 DD.-Bank Dresdner Bank Commerz- und Privatbank T reuhänderlöhne h. b. In einer Verhandlung beim Treuhänder der Arbeit in Hannover, an der Baurat Beck von der Reichsautobahn, Kreisbetriebszellenobmann Banderob aus Helmstedt und die beiden(!) Vorsitzenden des Arbeitsamts Helmstedt teilnahmen, wurden die Stundenlöhne für Erdarbeiter für den Arbeitsbezirk Helmstedt von 44 auf 50 Pfennig erhöht. In Hannover sitzt also— genau wie in allen anderen deutschen Städten— ein wirklicher Treuhänder der Arbeitgeber' „Nur die Ilnvaidmensdien..." Zur Konfiskation des Feierabends Im„Informationsdienst" der Deutschen Arbeitsfront er- schien ein Aufsatz über die Gestaltung des Feierabends. Die Ausführungen erschienen der„Frankfurter Zeitung" bedeutungsvoll genug, um sie ihren Lesern, also auch uns. bekannt zu machen. Sie wenden sich besonders gegen einen Kreis von „Bessersituierten", die der Auffassung seien, daß die Allgemeinheit kein Recht habe, sich in ihre privaten Angelegenheiten einzumischen und etwa dem einzelnen vorzuschreiben, wie er und seine Familie den Feierabend zu verbringen hätten. Sicherlich ist es ein Irrtum, daß nur die Wohlhabenden ein Bedürfnis nach persönlicher Freiheit verspüren. Der Arbeiter und Angestellte, der im allgemeinen seinen Werktag unter Aufsicht verbringt, sehnt sich wahrscheinlich in weit höherem Maße nach Befreiung von lästigem Zwang. Der Deutschen Arbeitsfront scheint dieser natürliche menschliche Drang zur Unabhängigkeit ein Frevel. Nach ihrer Auffassung entspringt er einem rein libcralistischen Denken, "Er stütze sich auf einen falschen, weit übersteigerten Freiheitsund Eigenmächtigkeitsbegriff, aber man habe gesehen, wohin der übersteigerte Individualismus führe; wirtschaftlichen und sozialen Zusammenbruch, sowie gesellschaftlichen Verfall hätte er zur Folge gehabt. Der private Feierabend habe die Menschen einander entfremdet. Er hätte nicht mehr dem gegenseitigen Sichkennenlernen und Verstehen gedient und,„durch politische V er- hetjung klassenmäßig mißbraucht", habe er die Kluft zwischen den einzelnen Schichten vertieft. Er wäre aus einer Kraftquelle des Volks zu einer Ursache der„Verfeindung und Zersetzung" geworden. Längst ist das Herdenleben das gesellschaftliche Ideal des Nationalsozialismus. Der Führer der Deutschen Arbeitsfront hat den„Hcrdengeruch der deutschen Rasse" als des „Höchste und Edelste" verherrlicht. Es ist also nicht unwahrscheinlich. daß er selbst den Aufsatz im„Informationsdienst" angeregt hat. Nichts könnte die kulturelle Barbarei des Nationalsozialismus besser kennzeichnen als seine V erständnislosig« keit für die persönliche Freiheit. Diese hat durchaus nichts mit Liberalismus und übersteigertem Induvidualismus zu tun, sondern ist ein natürliches Bedürfnis der höher entwickelten Seele überhaupt. Nur die Urwaldmen= chrn und' andere wilde Völker kleben den ganzen Tag in Herden zusammen und empfinden das Herdendasein als einen, wünschenswerten Dauerzustand SdiloO ml! der SoilalvmläierDng Der Leiter des Sozialyersicherungsausschusses beim Reichsarbeitsministerium, Staatssekretär Dr. Krohn(das R in seinem Namen ist Goldes wert!), hat als Grundlagen der Sozialversicherungsreform folgende Sätze geprägt:„Wir verlangen von jedem Staatsbürger, daß er in erster Linie sich selbst(gegen die Wechselfälle des Lebens) sichert, soweit das in seinen Kräften steht. Die Vorsorge gegen die Gefahren der Zukunft ist sittliche Pflicht jedes einzelnen. Das neue Reich, das die Verbundenheit aller schaffenden Menschen betont, muß ferner vom Arbeitgeber fordern, daß er seinem Arbeitnehmer die Vorsorge gegen Krankheit und für das Alter erleichtert und ihm dabei auch hilft. Auch der Kraft des einzelnen Unternehmers sind Grenzen gesetzt. Endlich wird der Staat selbst sich um die Gefahren kümmern, die der Gesundheit und dem wirtschaftlichen Wohlergehen des schaffenden deutschen Menschen drohen. Der Staat aber muß es ablehnen, dem einzelnen die Verantwortung für sein Schicksal völlig abzunehmen. Nur in Verwirklichung dieser Grundsätze kann der Volksgenosse zu einer verantwortungsvollen starken selbstbewußten Persönlichkeit erzogen werden."— Wie„liberalistisch" diese Sätze sind, weiß der Krohn wahrscheinlich selbst'gar nicht. Die gletdigesdialte'c Voikslfirsarfie Bei der Volksfiirsorge Lebens versiehe« rungs AG., Hamburg, wurden 1933 345 492(i. V. 329 337) Versicherungen von 92,96(90,97) Mill. RM. neu abgeschlossen. Wieder in Kraft gesetzt wurden 31.1(13 9) Mill. RM., der Abgang durch Tod, Ablauf und Rückkauf war 168,5(259,8) Mill. RM. Der Versicherungsstand beträgt nach der Summe 651 Mill. RM. bei 2,25 Mill. Einzelversicherungen. Die Gesamteinnahmen betrugen in der Volksversicherung 193,85(184.07) RM., die Gesamtausgaben 186,10(176.23) Millionen RM., so daß sich ein Ueberschuß von 7.75(7,83) Millionen RM. ergibt. In der Lebensversicherung waren die Einnahmen 15,42(14.82) Mill. RM., die Ausgaben 14.62 (13,94) Mill. RM., so daß sich der Ueberschuß auf 0,81(0,88) Millionen RM. beläuft. Nach Dotierung der Reserve wie i. V. werden die gleichen Gewinnanteile an die Versicherten und wieder fünf Prozent Dividende vorgeschlagen.— Bei der Volksfürsorge Allgemeine Versicherung« AG. in Hamburg werden gleichfalls wieder fünf Piozent auf 0,75 Mill. RM. eingez. AK. verteilt. Die Aussichten werden als günstig beurteilt. Deutschlands Gläubiger sollen schweigen! In einer Polemik gegen die Aulsandspresse, die das Transfer-Moratorium zu kritisieren wagt, sagt eine deutsche Pressekorrespondenz:„Hier und da ist die Rede von einem sogenannten Devisen-Clearing als Kampfmaßnahme gegen Deutschland. Man hat es gar nicht einmal notwendig, die Engländer und Franzosen auf das Unsinnige einer solchen Handlungsweise aufmerksam zu machen. Mag auch die deutsche Einfuhr nach England größer sein als der englische Export nach Deutschland, so ist doch die deutsche Handelsbilanz nach den großen britischen Dominions Kanada, Australien, Südafrika und Indien durchaus passiv. Engländer und Franzosen würden sich also nur ins eigene Fleisch schneiden, wenn sie zu solchen Zwangsmaßnahmen griffen."— Leider glauben die Engländer und Franzosen, daß sie sich bereits ins eigene Fleisch geschnitten haben, indem sie Deutschland Geld liehen. Die eigenartige Meinung, man könne Handeispolitik mit Drohungen machen, ist immecain interessant Deutsche Stimmen• föeila&e zur„Deutschen Freiheit"• Ereignisse und Geschichten »W»■ I I< ■ Donnerstag, den 28. Juni 1 SS» iillllilH WWW UHtMl WWWPVW5Z Jj Acht Monate hei Vau einem Gefangenen ,.P e j.^ e'f as,er des folgenden Berichtes, geschrieben für die„heue Weltbühne" in Prag hat eidesstattlich versichert, daß alle hier von ihm gemachten Angaben der Wahrheit entsprechen. Die Redaktion der„Neuen W eltbiihne hat den Bericht von zwei anderen entlassenen Kameraden Ossietjkys prüfen lassen. Sein Inhalt wurde voll bestätigt. Mittags kamen wir in Sonnenburg an. Der Bahnhof war von SA.-Leuten abgesperrt, die Karabiner und Pistolen trugen. Wir wurden aus den Transportwagen geholt und gleich mit Kolbenhieben empfangen. Mit Fußtritten und Schlägen wurden wir dann durch die Straßen Sonnenburgs wie eine Herde Raubtiere getrieben. Die Bevölkerung stand Spalier. Im alten Zuchtbaus Sonnenburg lernte ich Carl von Qssietz- kv kennen. Er ist in der Nacht des Reichstagsbrandes in seiner Wohnung verhaftet und unter schweren Mißhandlungen und Todesdrohungen ins Gefängnis geschleppt worden. Im April 1933 wurde er in das Konzentrationslager Sonnenburg überführt. Ossietzky hatte geglaubt, über den Nationalsozialismus keine Illusionen zu hegen. Was er in Sonnenburg erlebte, hatte er jedoch vorher nie für möglich gehalten. Die Wachmannschaften bestanden aus Kerntruppen der Berliner SA. unter der Führung des Sturmführers Bahr, Berlin-Britz, Moses-Löwenthal-Straße. Es waren Männer vom bekanntesten Mordsturm des Berliner Ostens. Der Sturmführer gab seinen Leuten oft das Stichwort zur bevorzugten Mißhandlung dieses oder jenes Intellektuellen. Ossietzky wurde als Landesverräter und, trotz rein arischer Abstammung, als Jude und Judensau besonders malträtiert. Die Gefangenen traten auf dem Hof zum Dienst an. Carl von Ossietzky wurde im Laufschritt umhergejagt, mußte sich hinwerfen, aufstehen, wieder hinwerfen, wieder aufstehen. Betrunkene SA.-Leute ließen sich das Vergnügen nicht nehmen, hinter ihm herzulaufen und Ungcschichlichkeiten Ossietzkys durch Schläge oder Fußtritte zu betrafen. Oft vermochte sich Ossietzky kaum noch zu erheben, stumm lag er da, ohne Protest, ohne seinen Schmerz zu äußern. Solche Augenblicke benutzte der Sturmführer Bahr, ihn mit den Füßen zu stoßen und zu brüllen:„Du polnische Sau, verrecke endlich!" Wenn sich Ossietzky erhob, wurde er wieder geschlagen und getreten. Einige Wochen wiederholten sich solche Szenen auf dem Gefängnishof. Auch in seiner Zelle wurde Ossietzky nicht in Ruhe gelassen. Plötzlich stürmten einige SA.-Leute herein und schlugen ihn aus nichtigen Anlässen. Da war sein Zellengeschirr nicht sauber, er wurde im Laufschritt zum Brunnen gehetzt und mußte das Geschirr nach fünf Minuten geputzt vorzeigen. War er mit seinem Geschirr nach fünf Minuten zur Stelle, so behaupteten die Folterknechte, er habe die Zeit überschritten. Er mußte wieder zum Brunnen laufen, und bei jeder Gelegenheit wurde er geprügelt. Nun ist Ossietzky kein Riese. Die Grausamkeiten, die seine Peiniger ersannen, zerstörten seine Gesundheit, er brach zusammen. Mit dem Lazarettdienst war der Polizeiwachtmeister Krüger betraut, dem an dieser Stelle dafür gedankt sei, daß er Ossietzky und andere schwer leidende Kameraden in Behandlung nahm, und daß er die Gequälten einigermaßen schützte. In jener Zeit erschienen in der ausländischen Presse Berichte über unsere grausame Behandlung im Konzentrationslager Sonnenburg. Mittlerweile war in Sonnenburg der Polizeioberleutnant Paepler erschienen, der die Mißhandlungen untersagte. Statt dessen litten wir nun unter militärischem Drill. Die Banditen der Berliner SA. wurden entwaffnet, nicht nur unsertwegen, sondern weil sie gegen die Lagerverwaltung und die Kommandantur aufsässig geworden waren. Die Wachmannschaft bestand nun aus SA.-Leuten der Sonnenburger Gegend und aus Polizei der bekannten Abteilung Wecke zbV. Wir wurden nicht mehr so heftig mißhandelt und hatten einigermaßen Ruhe. Ossietzky konnte sich wieder sammeln und las einige Geschichtswerke, philosophische Bücher und andere Literatur. Die nächsten Wochen waren, verglichen mit der vorangegangenen Zeit, ganz erträglich. Die Disziplinargewalt hatte Polizeileutnant Barg, der in uns keine Verbrecher sah. Er wußte, daß man ein politischer Gegner und drnoodi ein anständiger Mensch sein kann. Es war untersagt, uns zu schlagen, und die Kranken wurden grundsätzlich von jedem Dienst befreit. Ossietzky erholte sich ebenso wie wir andern. Barg war zu menschlich. Er wurde durch Polizeileutnant ieginund abgelöst, der mit seiner neuen Truppe das Regime des Sturmführers Bahr wieder aufleben ließ. Täglich kamen "-'-U» SA.,«on- Si afufirers naur wicu«—. schwerste Mißhandlungen vor, diesmal nicht durch SA„ son- urch Polizei. Ossietzky litt besonders. Er wurde regelmäßig beschimpft und mußte Dienst machen, obwohl er » L CA uipflpr an erste Miunanaiiiiiffeii VU i, dem durch Polizei. Ossietzky litt besonders. Er wurde regel- mäßif"" Bj— f—-J..» nhwnhl«r kränklich war. Daiu|cw V i, u„ ihre ursprüngliche brutale Art. Die Namen der gefährlichsten 5 Vespee=fBc den wir unser Vertraue» gesetzt hatten, schien ja doch seinen Eid aui die Verfassung halten zu wollen,- freilich war von der Verfassung rechi wenig übriggeblieben—, aber wenigstens schickte er den Hitler fort, als dieser mit seinen unverschämten Forde- rungen daherkam Das wäre ja noch schöner gewesen: eine Diktatur solcher Menschen' Die Nazis lachten nur höhnisch und sagten: „Wir wollen die ganze Macht oder nichts. Und wir wer- den sie bekommen." Sie wurden immer frecher, und es gehörte fast Mut dazu, mit den drei Pseilen aui die Straße zu gehen. Ich tat es troydem, aus Liebe zur Partei, und auch ein wenig, weil mir jetzt alles gleichgültig war und es mir nichts aus- gemacht hätte, von unseren Feinden erschlagen zu werden. Ich hatte nur noch eine Angst, doch die war furchtbar guälend: wenn die Toni einmal bei einem Umzug mit den Unseren zusammenstößt, wenn ihr etwas geschieht, ihr von der Hand der Unsern etwas geschieht... Und die Toni, das weiß ich, fühlte die gleiche Angst um mich. Sie fand immer wieder einen Vorwand, um mich nicht ausgehen zu lassen, sie erbot sich, statt meiner in die Häuser scheuern zu gehen, sie wollte um jeden Preis die Wäsche abholen und hin- bringen. Aber das war nicht möglich, denn obgleich ich für Bürger wusch und scheuerte, waren sie doch alle gegen die Nazis und hätten die Toni mit ihrem Hakenkreuz wahr- scheinlich hinausgeworfen. Uebrigens war bei Tag die Ge- fahr nicht so groß, man wurde wohl mit den unflätigsten Worten beschimpst, aber tätlich wurden die Nazis immer nur t>c: Nacht, wenn sie eine Möglichkeit hatten, in der Dunkel- heil zu entkommen. Einmal konnte ich mich nicht beherrschen und sagte zu der Toni: „Siehst du denn nicht, was für ein feiges Pack das ist? Ueber Wehrlose sallen sie her, in der Nacht schießen und srcchen sie. Und zu diesen Leuten gehörst du!" Ich iah sofort, daß meine Worte der Toni weh getan hatten: die Tochter meines Anton konnte ein solches Verhalten ja nicht verteidigen. Tie versuchte es auch gar nicht, sondern schwieg nur bebrückt. Es war ein seltsames Leben, das wir zusammen kübrten. Tagsüber sprachen wir sast nicht miteinander, wir haiteu vor jedem Wort Angst. Oit mußte ich die Ton, verstohlen inblicken, mit wehem Herzen, weil ich bei mir dachte: daS Kind ersehnt den Sieg unserer Feinde, es freut sich über jeden Schlag, der uns trifft. Die Toni ist blind, aber waS wird geschehen, wenn sie wieder sehend wird? (Fortsetzung folgt. rflious ftstlidie Irinmphfahil „Gegenüber einem Deutschland, dessen Gewaltpläne.. Staaten garantieren will, so soll in ganz Ost- und Südost- Europa wenn es notwendig ohne und gegen Deutschland die Sicherheit ausgebaut werden. So werden das Ost- Locarno und der Mittelmeerpakt vorbereitet. Die Kleine Entente soll als Bindeglied zwischen beiden Sicherheit- Pakten wirken, sie hat auf ihrer jüngsten Bukarester Kon- ferenz den beiden zugestimmt. Tie Tschechoslowakei wird dem Ost-Locarno, Rumänien und Jugoslawien werden dem Mittelmeerpakt beitreten. Die Sowjetunion nimmt indessen an beiden teil und wird somit zum tragenden Pfeiler der Sicherheit in Osteuropa, die das Hitler-Deutsch- land in ein sehr enges Bett einzwingt. Run steht Hitler vor einer sehr schweren und sehr heiklen Frage: soll Deutschland dem Ost-Locarnopakt bei- treten oder nicht? Es wird eingeladen werden, mit der Sowjetunion, den Baltischen Staaten, Polen und der Tschechoslowakei unter Frankreichs Garantie einen Pakt zu unterzeichnen, der von der Anerkennung der jetzigen Grenzen ausgeht und die militärische Unterstützung gegen den Angreifer bietet. Wenn Hitler unterschreibt, erkennt er nicht allein freiwillig die Grenzen von Versailles an. sondern auch die Anwendung der Gewalt gegen jeden Ver- such, diese Grenzen durch jeden Angriff zu revidieren. Ueber den Ost-Locarnopakt schrieb in diesen Tagen das zweitgrößte Blatt der Nazipresse: »Die Mitte Europas, Teutschland, soll von Osten und Weiten her eingemauert werben, daß es sich nicht mehr rühren kann, und zwar eingemauert in einem Zu- stand militärischer Ungleichheit." Der Ost-Locarnopakt soll Deutschlands gewaltsame Ex- pansion. die Revision, den Drang nach Osten, die deutsch- faschistische Intervention gegen Sowjetrußland unmöglich machen. Deutschland sträubt sich dagegen. Die Hitler- Presse erklärt, daß der Eintritt zum Ost-Locarno eine Ein- kreisung mit Deutschlands eigener Zustimmung und Be- teiligung wäre. Den Beitritt zum Sicherheitsblock müßte Holland spottet Paris, 27. Juni. Ter französische Außenminister Barthou hat am Dienstagabend Belgrad verlassen, um nach Paris zurückzukehren. Tie Bilanz, die man in Paris aus seiner Rundreise zieht, be,tätigt die Vermutung, daß es Barthou vor allem darauf ankam, ein festgefügtes A l l i a n z e n s y st e m zu schassen. Beionders deutlich kommt dies in folgenden Ausführungen des«Petit Parisien" zum Ausdruck:„Barthou ist nach Bukarest und Belgrad gefahren, um die Allianzen zu festigen, die de jure intakt geblieben waren, aber doch viel von ihrer Vitalität verloren hatten. Barthou hat vollen Er- folg gehabt. Gegenüber einem Deutschland, dessen Gewalt- plane nicht mehr verschleiert werden, gegenüber einem un- sicheren Oesterreich und einem unnachgiebigen Ungarn, neben einem Italien, das zögert, sich uns anzuschließen, war die neue Bekräftigung der französischen Allianzen mit den Ländern der Kleinen Entente höchst zweckmäßig. Denn diele neue Verstärkung bezieht sich nicht nur aus unsere Allianzen, sondern auch auf die Allianzen unserer Verbündeten, d. h. ans alle jene Balkanländer, die heute zur Verteidigung ihrer Unabhängigkeit sich zusammenschließen. To wird eine«ichcrheitskette geschmiedet, die über die Türkei und Rußland bis nach Polen und den baltischen Staaten hinaufreicht, eine ununterbrochene eindrucksvolle Kette, die in immer größeres Erstaunen versetzt diejenigen Nationen, die geglaubt haben, daß die Stunde der Gewalt- Politik wiedergekommen sei." Auch Herriots«Ere Nonvelle" begrüßt das weitreichende Sicherheitsnev der Ententen und Allianzen, die lediglich ge- schaffen worden seien, um den Frieden zu erhalten dadurch, daß man ihn aus dem Recht unter der Herrschaft der Sicher- heit aufbaue. Barthou habe wirklich daran gearbeitet, die Herrschaft des Rechtes und des Friedens zu sichern. Ein gleiches Loblied auf Barthou stimmt der Außenpolitiker des „Echo de Paris" an. der in einer Polemik gegen die„Times" die Politik des französischen Außenministers verteidigt:„Ter der französisch-polnischen Allianz durch die vorangegangene französische Politik zugefügte Schaden sei immer noch nicht wiedergutgemacht. Wenn Paul Boncour, der für die Amts- enthebung Zaleskis direkt verantwortlich sei, noch einige Zeit seiner wahnwitzigen Ideologie hätte folgen können, dann würben Rumänien, Südslawien und die Tschechoslowakei heute im Fahrwasser Mitteleuropas schwimme» und vor den Toren Frankreichs ein bis zur Tonaumündung herauf- reichendes Hitlerreich entstehen. Diese AuSleguna einer Politik, die behauptet, dem Buch- stoben und Geist des Völkerbundes treu zu bleiben und lediglich das Werk Briands zu vollenden, ruft den früheren Außenminister Paul Bonconr aus den Plan, der im„Oeuvre" darauf hiniveist, daß es Pakte und Pakte gebe: Ter An- griff, die Bezeichnung des Angreifers und infolgedessen das Schiedsgerichtsverfahren hätten im Mittelpunkt der Pakte gestanden, an die Briand gedacht habe. Sic seien also das ge- naue Gegenteil einer cinseitgcn, automatischen militärischen Allianz. Die französische Regierung müsse daher darauf achten, daß der Sinn der von ihr geplanten Pakte nicht ver- sä-scht werde. Daß im übrigen Barthous Aufgabe noch nicht abgeschlossen ist. lassen einige Blätter durchblicken. Das„Journal" mißt d'r Rundreise des Außenministers einen mehr ideellen Wert bei. Alles übrige hänge von der jetzt folgenden Aktion ab. Denn nur die Handlungen würden bestimmend werden für die wirkliche Bedeutung der Kundgebungen, die man c erlebt habe. Auch das„Oeuvre" glaubt, daraus hinweisen zu sollen, daß erst von den Londoner Verhandlungen Bar- thous die Entscheidung für alles Weitere abhänge. Ganz allgemein aber glaubt man. daß BarthouS Mission auch durch die Kundgebungen der ungarischen Studenten in Budapest und durch das Auftauchen eines italienischen Flottengeschwaders an der albanischen Küste, in dem man auch weiterhin eine italienische Kundgebung gegen die sran- ,dusche Balkanpolitik erblicken möchte, nicht vermindert werde, sondern im Gegenteil erst ihre volle Bedeutung er- lange. * Hitler gegen OsMocarno? P q r i s, 26. Juni. A. Sek. Der Finanzbankrott, die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die innenpolitischen Spannungen des „dritten Reiches" werden durch eine außenpolitische Krise begleitet. Es war bisher verfrüht und deshalb auch falsch, von der Einkreisung des Hitler-Deutschland zu sprechen: England war unsicher. Polen ist aus der antideutschen Front ausgebrochen. Nun aber setzt seit Frühjahr 1934 eine Umschichtung in der europäischen Politik ein. die den deutschen Faschismus unaufhaltsam in die Enge treibt. Tie zwei großen Tatsachen, die Berlin heute bange machen, sind die Herausbildung des kontinental- e u r o p ä i s ch e n B l o ck s. der auf russisch-franzosischer Zusammenarbeit beruht und der Aufbau des Sicher- Dem OND. wird ans Wien berichtet: Ans die zahllosen heitssystems für Ost- und S u d o st- E u r o p a.* e I>, at Regierung Toll fuß mit einer Eine riesige Versammlung entsteht in der europäischen d-S, faschistische,, Kurses ge- Politik. Frankreich bemüht sich mit Energie- d.e"A-Ä-'w^d? zunäch7"bas*?"f»ß"lassene ..Frankfurter Zeitung" hat nicht umsonst vor kurzem von stossdelikte erweitert. Selbst für Werfe? von Papte?bölleru der„absoluten und erfolgreichen Aktivität Frankreichs wird ,etzi die Todesstrafe angedroht. Aber da auch diese geschrieben— den kontinentaleuropaischen Block durch barbarft-h strengen Gegenmaßnahmen keineswegs an einer einen Westblock. durch die Wiederbelebung des anglo-^ruhignnq des zutiefst aufgewühle» Landes geführt haben, französischen Bedürfnisses zu unterstützen. Diesem Ziel'«j Sie hat das nach U4* fr*™ Deutschland mit einer Verzichtpolitik bezahlen. Aber ohne diesen.Beitritt und diesen Verzicht würde der Sicherheitsblock doch entstehen und bestehen bleiben in der Form des defensiven Militärbündnisses gegen die deutschen Revisionsbestrebungen und Expansionspläne ge- richtet. Was kann nun Hitler, vor diese schwere Wahl gestellt, unternehmen? Er kann versuchen, Zeit zu gewinnen und zu manövrieren, wie er das nach dem Austritt aus dem Völkerbund getan hat. Aber die Aufhebungs- und Manövrierungspolitik wird nicht helfen, da der Ost- Locarnopakt schon beinahe perfekt ist, spätestens im Sep- tember Deutschland vorgelegt wird, und im September wird die Sowjetunion in Genf vor den weitgeöffneten Toren des Völkerbundes stehen, um dort Deutschland zu ersetzen und Italien zu majorisieren. Die Nazipresse hat noch eine andere Möglichkeit angedeutet: daß Deutschland von sich aus den Vorschlag eines europäischen Nichtan- griffspaktes macht, der nicht gegen die deutsche Revision gerichtet wird, und Italiens sowie Englands Teilnahme voraussetzt. Aber die Zeit der nichtssagenden, qieman» den'und nichts verpflichtenden Dokumente ist vorbei. Tie Wechsel, auf denen Hitlers fromme und„ganz legale" Versprechungen ausgestellt werden, haben heute einen ganz geringen Wert. So wird von der deutsch-faschistischen Außenpolitik noch eine dritte Möglichkeit in Erwägung gezogen: gegen den russisch-französischen Kontinentalblock wiederum zum faschistisch-revisionistischen Staatenblock, zum Bündnis mit Italien und Ungarn zurück,zugreifen. Aber Italien ist mit Deutschland nur in der Ablehnung der regionalen Sicherheitspakte einig. Hitler macht sich keine Illusionen über die Möglichkeiten einer deutsch- italienischen Bündnispolitik. Er hat darüber nach seiner Rückkehr aus Venedig kein einziges optimistisches Wort gesagt. Im Gegenteil, bei dem Rückflug aus Venedig er- klärte er in seiner Rede in Gera, daß Deutschlands einzige Antwort auf die Blockpolitik der Gegner die Stärkung seiner eigenen Macht sein kann. Auf die Frage, ob Deutschland dem Ost-Locarnopakt beitritt, lautet also Hitlers Antwort:„Aufrüstung gegen Einkreisung." Die nächsten Wochen und Monate werden außenpolitisch lebhast verlausen. Was zuviel ist, ist zuviel Wir zitieren aus„De Standard", dem Organ des hol- ländlichen Ministerpräsidenten Eolijn: Ueberall herrscht Wassernot und die Flüsse, vor allem der schöne Rhein, haben einen niegekannten niedrigen Wasserstand erreicht. Das fehlte gerade noch zu den übrigen Sorgen der Herren in Berlin. Die triumphierende, übermütige Stimmung nach dem großen Tieg über die Novcmberverbrecher unseligen Angedenkens ist nun auch ganz erstorben. To wie seinerzeit der Ritter mit der traurigen Figur, Don Quichotte, auszog, um große Taten zu vollbringen und das Böse zu bekämpfen, so sind nun auch die Naziherrcn, an der Spitze Minister Goebbels über das arme, beraubte Teutschland hergesallen, um den Schwarzsehern den heftigen Krieg zu erklären. Dazu gehören heute mindestens 70 Prozent der sehend gewordenen Bevölkerung. Und so wirb jetzt in zahllosen Versammlungen gegen die unverbesserlichen Pessimisten getobt, die nun schon beinahe anderthalb Jahre in diesem irdischen Naziparadies leben und noch von seinen Segnungen nichts merken und von Tag zu Tag mißmutiger werden. Ja, es geht miserabel schlecht und darum rasen die Herren in der an Händen und Füßen geknebelten Presse stets wütender. Jeder kriegt die Schuld, an erster Stelle die Juden, dann Frankreich und bann die ganze Welt. Kurzum jeder hat Schuld, aber die Herren selbst natürlich nicht.... Allmählich ist wohl die ganze Bevölkerung durchdrungen von dem großen Ernst des finanziellen Zustandes von Teutschland. Selbst der kindische, dilettantische Optimismus, mit dem man hier alles beschönigt»nd verduselt, kann die Gemüter nicht mehr beruhigen.... Kürzlich saßen in einem Park an meinem Wohnplatz zwei Herren aus einer Bank. Einer sprach über die ernste Finanzlage des Reiches. Plötzlich kam eine Dame auf ihn zu, die etwas von dem Gespräch auf- gesangen hatte und drohte ihm, ihn sofort bei der Polizei als Miesmacher anzuzeigen. Nur durch überschnelle Flucht konnte der Herr sich vor einem möglichen Aufenthalt in einem Konzentrationslager retten. Ja, wenn der Herr Hitler nicht die Frauen von reiferem Alter und die Jüngelchen von unter 24 hinter sich hätte, dann sähe es sehr bedenklich mit seinem Anhang aus. Selbst in der Studentenwelt, in der er in der guten alten Zeit seine treuesten Anhänger hatte, ist die Stimmung total verändert.... Für die. die nicht heucheln und sich in das Zwangssystem der Nazis nicht ein- fügen wollen, gibt es überhaupt keine Aussichten mehr. Außerdem werden die Studenten hellte gezwungen, sich in sogenannten Kameradichastshäusern auszuhalten, Ivo sich Per- sonen aus jedem Milieu breit machen. Es ist zu degreisen, daß dieses gezwungene Zusammensein auf die Dauer zu einer Tortur wird und daß viele dann lieber das Studium überhaupt ausgeben. Man kann sich im guten, noch so bevor- rechtigten Holland nicht vorstellen, welcher unerträgliche Zwang hier auf jedem Lebensgebiet herrscht. Jeder klagt im geheimen, und alle diese Millionen habe» nicht den Mut, auszustehen und sich selbst eine RegicrungSform zu wählen, die jeden gleich und als Menschen behandelt. Wann wird dieser schöne Tag für Deutschland anbrechen? Wie häusig kann man heute die Frage hören: wann und wie wird nach dem Zusammenbruch das vierte Reich kommen? Man kann nur feurig für Teutschland und die übrige Welt wünschen, daß sich dann die guten Elemente die Hände reichen werden, um ein neues, besseres Teutschland auszubauen. Viele Kossen, daß die Kreise des„Stahlhelm»" zusammen mit der Reichswehr diese schwierige Ausgabe aus sich nehmen werden."'' S'andredif und lodess.raie Der Galgenterror in Oesterreich ausdrücklich bestimmt, daß ein Jahr lang Richter vor Er- reichung der Altersgrenze pensioniert und von der Regie- rung versetzt werden können. Damit werden die Richter den- selben Disziplinarmaßnahmen unterstellt wie die von der Regierung abhängigen Beamten. Im faschistischen Oester- reich gibt es keine richterliche Unabhängigkeit mehr! Wie 1914 Die Nazi-Hasardeure Die Korrespondenz des Deutschen Presseverlages verweist darauf, daß die Reise Weygands nach London zu einer„ge- schichtlichen Ueberlcgung" anrege:„Auch die Entente cordiale, i4uiiffuii>u)cii«imee mir oen englischen B......„*nAtn sHmne* f«'s J? militärischen Dienststellen„für alle Fälle" ins Benehmen v----■—, t„tT Frankreich zu einein^zinoe neben Da aber im ordentlichen Gerichtsverfahren uver....... Schritt weiter gehen. Cj?? mfchen Bündnis und solche schwere Delikte Geschworenengerichte zu entscheiden setzt. Es wäre ,a nicht das erstemal, daß die Generalstabe alied zwischen dem Komlnenicueur« j^ denen haben und die Geschworenen angesichts der Drohung mit der Englands und Frankreich die Außenpolitik ihrer Regie- d m westeuropäischen«icherheitsvwar Ive Todesstrafe in solchen Fällen kaum einen Schuldspruch ial-^"" beiden es beteiligt ist. Indessen wird in das europäische Sicherheitssystem ein neues Glied eingereiht: die Baltische Entente, die seine Nordost-Flanke bildet. Hier geht es um die Deckung der Sowjetunion. Litauen. Lettland und Estland, die kleinen len würden, hat die Regierung nunmehr auch die Ge- ickworengerichtc vollständig ausgehoben Schon bisher hat das austrokaschistische Regime die Wirksamkeit der Schwur- «... Regie- rungcn noch übertrumpften." Der von vielen deutschen Zeitungen Nachgedruckte Ver- /»..i V—" W«.....«u;a vi'»uuit oer- „whiui v ui*«niiummi oer 4-cywur- gleich, der aus der vom Propagandaministerium besonders gcrichte auf ein M!"., öe j 1 U<2>Jn>« t tln geförderten Korrespondenz stammt, ist für die Stimmung p. M;„... ie""vön drei BerufSr'chterm und drei unter dem braunen Faschismus lehrreich. Die Herren machen ^owieiunivu. ro'Ttififien Staaten, können zur Linie o-.s gebildet werben. Die Laien sind also vollständig den Versuch, die Aufmerksamkeit des Volkes von den inneren und schwachen^ für Sie gewaltsame Ausdehnt g rückgedrängt. Ucberdies sind die^schwöre>>en-">'d Schwierigkeiten, die von Tag zu Tag drückender werden, auf ««S-Ä5 ff»®»'-» SS;% SS ÄS! barster Gefährlichkeit, das die herrschenden Gangster seit ihrem Machtbeginn spielen. Tie selbst sprechen nun das Wort auS: wie t!) l 4. n v wvgluUH IIIVI I UIIJUJCU ...... ff ,it nie ganze AUf- Partei aeiäubert worden: alle Arbeiter und Angestellten r?""ooirf'nie werden.^ Tinhimatic gewidmet, wurden vom Geschworenen- und Schösfenamt ausgeschlossen. Sowietgrenze wer.^russischen^lomatte gewwme^ wurden mm To(lfllft selbst zu den Richtern kein merksamkeit^ der Sowietmii s Vertrauen hat und ftirchtet. daß die Richter zu milde Ur- Von hier aus nommi gegenseitigen Unterstützung könnten,'veil sie mit dem terroristischen Regime Initiative der.^ Vitwmow Deutschland d,e gemein-^ Httfc s..~ Bereits im Marz ha> ui Bereit» im maia fame Garantie für die Baltischen Staaten vorgeschlagen, nicht einverstanden sind l>.„ v-, Deutschland ablehnte, hat die Sowjetunion den diplo-«un auch die Unabhängigkeit^'tische Diktatur -- o;„;„^chytt/^zu dem fief), n?ch.^Ke(i^ej^eiiropä?fche^e(ji?ruMfl SdtSroi"<5T'i«'»«■femäassM 1 ,fr*t ganzen Re he. * Franz von Papen Flucht aus der Verantwortlichkeit i>on besonderer Seite wird un§ geschrieben: Es sind nun schon fast zwei Wochen vergangen, seit der Vizekanzler des„dritten Reiches". Herr Franz von Papen, in Marburg eine Oppositionsrede gegen das herrschende System gehalten hat, deren Verbreitung durch die deutsche Presse von dem Reichspropagandaminister Dr. Goebbels verboten worden ist. Wer kann sich vorstellen, daß in einem anderen Land ein solcher Skandal nicht binnen längstens 24 Stunden zu einer Regierungs- oder mindestens Ministerkrise geführt hätte? Aber im„dritten Reich" ist eben nichts unvorstellbar. Der verbotene Papen wird, ohne daß sich jemand groß darüber wundert, weiter an seinem Ministersessel kleben und nach außen hin der zweite Vertreter des von ihm angegriffenen Systems bleiben, als wäre nichts vorgefallen. Und wenn er, was bei der erprobten Stärke seiner Epidermis keineswegs sicher ist, das Vorgehen seines Ministerkollegen als eine Un- freundlichkeit empfinden sollte, so wird er sich hierüber damit trösten, daß hierdurch die Tatsache unterstrichen ist, daß er von dem System abgerückt ist, wofür er bereits sogar in linksgerichteten Organen des Auslands das Lob der „Tapferkeit" geerntet hat. Denn es hieße, die Schlauheit des Papen unterschätzen, wollte man etwa glauben, daß er nur aus Versehen abgerutscht ist. Seine„Tätigkeit" als Minister ohne Portefeuille und Mitglied eines Reichstags, denen Exi- stenz nur noch durch den Diätenbezug und die Freifahrt- karten der Abgeordneten in Erscheinung tritt, hat ihm die Muße gelassen, über die Ersolge der Hitlerregierung nachzu- denken. Dabei ist ihm nicht entgangen, daß seit der glorreichen Machtergreifung durch den Nationalsozialismus Teutschland außenpolitisch isoliert worden ist, finanziellen Bankrott gemacht hat und wirtschaftlich am Ende seiner unentbehrlichen Rohstoffe steht. Es ist also Zeit, so sagt er sich, die Vor- bereitungen zum Verlassen des sinkenden Schiffes zu treffen: vielleicht ist es bann möglich, auf dem Rettungsboote schon wieder ein Kommando zu erlangen. Es liegt uns fern, uns über die Charakterathletik des Herrn von Papen aufzuregen. Genügt doch ein flüchtiger Blick auf seine Vergangenheit, um zu erkennen, daß von ihm nichts anderes zu erwarten ist. Nachdem die unrühmliche Nolle, die er im Weltkrieg in Amerika gespielt hat, in Ver- gessenheit geraten war, ließ er sich 1921 in den preußischen Landtag wählen, wo er erst viele Jahre ein folgsames Mit- glied der Zentrumssraktion war, die dort bekanntlich un- entwegt an der Koalition mit„Marxisten" und Demokraten festhielt. Mit dem zunehmenden Erßarken der Rechten be- gannen seine Seitensprünge, welche.hn dazu qualifizierten, von der Hofkamarilla der Republik 1932 dem Reichspräst- denten als Nachfolger seines Parteigenossen Brüning vor- geschlagen zu werden. Als Reichskanzler erlitt er mit seinen Versuchen, sich mit der Hitlerpartei anzubiedern, ein kläg- liches Fiasko. Das hinderte ihn nicht, sofort nach seinem Sturze die Verbindung mit ihr herzustellen, um seinen Nach- folger hintenherum zu beseitigen und in der nationalsozia- listischen Regierung den Posten des Vizekanzlers zu er- gattern. Seitdem hat er sich als comims voyageur des „dritten Reichs" bewährt,— bis er jetzt Morgenlust wittert und sich für einen neuen Rollenwechsel fertig macht. Nein, wir regen uns wirklich nicht über die Gesinnungs- lrsigkeit eines Papen auf. Aber wir dürfen uns der appetit- lichen Aufgabe, sie von Zeit zu Zeit anzuprangern, nicht ent- ziehen, damit nicht eines Tages ihm und seinesgleichen die Flucht aus der Verantwortlichkeit für die Uebeltaten der Hitlerregierung gelingt. Die Tugend der Objektivität ist ge- rade von der deutschen Linken oft maßlos übertrieben worden. Sogar heute hören wir Stimmen, die sagen, daß „Hitler selbst das alles gar nicht so wolle", oder daß Göring innerlich den Judenpogromen abgeneigt ist, oder daß der und jener von den nationalsozialistischen Drahtziehern es „ehrlich meint". Wie gefährlich nahe liegt es dann erst. mildernde Umstände denen zu bewilligen, die, ohne der natio- nalsozialistischen Partei anzugehören, sich dem Regime ledig- lich„zur Verfügung gestellt haben, um schlimmeres zu ver- hüten?" Dem kann nicht oft und scharf genug entgegen- getreten werden. Man darf mildernde Umstände allenfalls einem Teil der Beamten bewilligen, die dem Regime dienen, um ihr Brot, auf das sie angewiesen sind, nicht zu verlieren. Aber die gleiche schonungslose Verdammnis trifft Hitler, der in seinem„Kampf" alle Scheußlichkeiten der deutschen Gegenwart zum Programm erhoben hat, trifft seine natio- nalsozialistischen Spießgesellen, ob sie Goebbels oder Röhm, Göring oder Streicher, Hetz oder Ley heißen, trifft die Papen, Teldte, Schwerin-Krosigk, Gärtner, Popitz, Schmitt und Schacht, die an leitender Stelle diese Scheußlichkeiten gedeckt haben und stündlich weiter decken. Ja, wenn durchaus ein moralischer Unterschied gemacht werden soll, dann muh die allertiefste Abscheu gerade der letzten Kategorie gelten, die nach ihrer Vorbildung und Erfahrung niemals über das Verbecherische des schamlosen Experiments im Zweifel sein konnte und skrupellos ihre Hand zu dessen Durchführung bot. Wir hoffen, daß der Tag nahe ist, an dem Herr von Papen sein einstiges Bekenntnis zur Zentrumspartei oder etwa Herr Schacht das zur Demokratischen Partei(zu deren radikalen Flügel er sich in der Maienblüte der Republik so gern rechnen ließ) hervorholen wird. Wir wollen aber schon heute dafür sorgen, daß ihnen und den anderen Kon- junkturrittern bann vom deutschen Volke das verdiente Schicksal bereitet wird. & od cur lfp eciatistc- . DEUTSCHSPRECHEND Münchener u. Partoer FakuttS 17, rue Reaumur Metro Arts-et-MOtiers od. ROpublique Frauen», Blut», Haut», Harn» und Ge- sdilechiskrankheiten, Tripper, Syphi» Ii», Männersdiwäche. Neueste Heil« verfahren. Elektrizität. Harn», Samen» und Blutanalysen, Massige Bedingungen.(Auch für Kassen versicherte.) Täglich von^- I und 4- 8,30. Uhr Sonn» und Feier a von 9 bis I u. aui Rend. v. Tel. Arch.54-27 Werb! neue Abonnenten Doktor Wachtel und Doktor Axel Geschlechtskrankheiten, Männer und Frauen Nase, Hals, Ohren 123, Bd. 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