Sinzigs unabhängige Tageszeitung Deutschtands dir. 148— 2. Jahrgang Saarbrücken, Samstag, den 30. Juni 1934 Chefredakteur: M. B r a u n Ans dem Inha lf WlussotUri uec&ietet die„Deutsche JteiheU'" Seite 2 d\(eccenktid und. hcaune JUtcuenus Seite 2 Der JUipst xkaht mit Saatkatkoliken Seite 3 11 Judesucteile heantcaqt Seile 7 tnihäUmqen übet{Bakterienkrieg Seite 8 Alarmierende Drohung gegen Frankreich Außenpolitische Nervosität in der Wilhelmsiraße- ilaibamtl. deutscher Anarill schärfster Sprache Gestern und heute Kurz vor Redaktionsschluß geht uns ein Aufsatz der „Deutschen diplomatischen Korrespondenz über„Gefährliche Aufrüstungspropaganda" zu. Die Korrespondenz ist ein Sprachrohr des deutschen Außcnminifteriums, und der Aufsatz ist deshalb, selbst wenn sein offiziöser Charakter abgestritten werden sollte, ein Zeichen der hochgradigen Nervosität in der W>lhelmstrastc. Die Erregung ist an- gefichts des Mißerfolgs des Hitlergesandten von Ribben- trop in Paris verständliche Dieser treudeutsche Mann hat in seiner Unterredung mit dem französischen Außenminister Barthoo eine ganz neuartige diplomatische Methode an- gewaudt. Er hat dem französischen Staatsmann im Aus- trage des deutschen Reichskanzlers streng vertraulich ge- sagt, der Reichskanzler sei bereit, iu der Rüstungs- frage den Franzosen sehr weit entgegen- zukomme», wenn man ihm verrate, wie er das ton könne, ohne sein Prestige in Deutschland zu gefährden. Die Massen des deutschen Volkes dürfte« von einer außenpolitischen Kapi- rulation nichts erfahren. Daß die srauzösische Politik mit solchen Angeboten nichts anzufangen weiß, ist klar. Nun beginnt Berlin mit Theaterdonner. Alle Register werden gezogen. Nur die außenpolitische Vernunft kommt nicht zu Wort: dnb. Berlin, 29. Juni. Die„Deutsche Diplomatische Kor- respondcnz" schreibt über„Gefährliche Ausrüstungspropa- ganda": «wahrscheinlich haben selbst in Frankreich viele kritische Zeitungsleser Erstaunen und Aerger über die Bedenken- losiakeit empfunden, mit der dieser Tage durch unerhört drastische Alarmmelöungen aus die Stimmung eingewirkt werden sollte. Während eine Pariser Zeitschrift für Mitte Juli einen gigantischen deutschen Luftangriff auf Paris in Aussicht stellt, werben aus London nicht weniger be- unruhigende Veröffentlichungen des Herrn Wiesham Steed über deutsche Vorbereitungen für die chemische und bakterio- logische Vergiftung ganzer Städte gemeldet Hier wird mitten m Brieden eine G.euel- und Panikhetze getrieben, wie man s sonst nur in Kriegszeiten erlebt hat, und wie sie am J damals nicht überboten werden konnte. Es war vorauszusehen und ist auch an dieser Stelle vor riniaen^ Taaen— anläßlich der Annahme des militärischen q^trVskredits durch die französische Kammer— ausge- Nachtrag-k c^^^^^en Ziele des fran- lösche»?lusrüstu'ngsprogramms ein verstärktes Wiederaus- zösiichen''5.',.,,T„jndlichen Propaganda in Frankreich ver- !>nta^en würden denn wie kann man dem französischen»olf im K?r-sse.in-'r gewaltigen Rüftungssteigerung neue Qpser Treibe t und Vermögen zumuten? VT m m,r indem man ihm die„deutsche Getahr" in Doch wohl nur. Gefühl der Bedrohung alle wie leichtfertiges Spiel mit dem Familiensinn und dem Patriotismus eines an sich friedliebenden, jedoch über das Ausland schlecht unterrichteten Volkes, das zwar das beut- liche Gefühl hat. von seiner großen Presse systematisch irre- geführt zu werden, im entscheidenden Augenblick jedoch immer wieder der künstlich erregten Gesahrenpsychose er- liegt. Die Verantwortung derjenigen, die die nene Pressekam- pagne inspiriere«, ist von unheimlicher Größe. Sie schaffen eine Atmosphäre unmittelbarer Befürchtungen für Leben und Gesundheit und bewirken durch diese Stim- mung der Angst und des Hasses eine wirkliche Vergiftung der internationalen Beziehungen, die alle Arten von Zwischen- fällen und Verwicklungen begünstigt. In Deutschland wird man zwischen Verblüffung und Entrüstung über die gefähr- lichen Methoden der Masscnbeeinflussung nicht lange schwanken. Die deutsche Presse ist bisher auch in schwierigen internationalen Situationen immer maßvoll im Ton ge- blieben, sie hat in letzter Zeit die fortschreitende Aufrüstung anderer Staaten mit bewundernswerter Fassung aufge- nommen, obwohl in verschiedenen europäischen Ländern vom Krieg wie von einem bestimmt zu erwartenden Ereignis ge- sprachen wird. Ist die neuartige deutschfeindliche Polemik die Antwort auf die ruhige, sachliche, verständigungsbereite Haltung Deutschlands? Befrachtet man seine Bereitschaft zum Vcr i.l aul alle Angrisfswassen als so gefährlich für die Interessen der Rüstungsindustrie, daß man die Kriegsstim- mung gerade jetzt um jeden Preis glaubt anstacheln zu müssen? Es wäre interessant zu erfahren, woher z. B. Wick- ham Steed sein Material über den Bakterienkrieg ssiehe Seite 8 der vorliegenden Ausgabe) bekommen hat, ob ans offiziellen oder anderen Quellen. Bei seinen besonderen Beziehungen erscheinen jedenfalls gerade seine Veröffentlichungen als bezeichnend für die Art, wie das englische Publikum an der französischen Ausrüstung interessiert und England in eine neue antideutsche Front gezogen werden soll. England geht, dur<*> den französischen Rüstungstaumel dazu gezwungen, mit sichtlichem Widerstreben an eine Erhöhung seiner eigenen Rüstungen, insbesondere auf dem Gebiete der Lustflotte. Glaubt die französische Propaganda, im eng- tischen Volk durch Zukunftsbilder, die an Romane von H. G. Wells gemahnen, das Gefühl einer gemeinsamen Gefahr er- w'»> altkonservatioen Einschlag, sondern auch im Westen, insbe- sondere im Industriegebiet, hat man den Eindruck, daß der „Stahlhelm" gegenüber der zersetzten 2A. sich im Vordringen befindet und bestrebt ist, seine Kaders mit zuverlässigen Gegner« der Nationalsozialisten aufzufüllen. Die Schlägerei in dem pommerschen Dorf Q u e tz i«, die mit der schweren Verwundung eines SA.-Ftthrers endete, hat den Streit aknt werden lassen. Die Bundesstthrung des RSDFB. und die oberste SA.-Führung stellen sich ö s s e n t« lich Kriegserklärungen zu. Die„Stahlhelmer" be» Haupte« in der„Kreuzzeitung", dem alten hochkonservativen Blatt, es handele sich nm einen unpolitischen Familienzwist nnd der SA.-Führer habe sich bei der Prügelei selbst an seinem Dolch verletzt. Die oberste SA.-Führung aber ver- öffentlich« in der deutschen Presse„Feststellungen", in denen es heißt, daß die Beweggründe der Untat politische ge- wesen sind und daß die politischen Folgen von dieser politischen Tat weder von den an ihr Beteiligten, noch von den für sie Bera ntwortlichen abgewälzt werdenkönnen. Die oberste SA.-Führung deklamiert von„einem Dolchstoß, der alle Deutschen traf" und proklamiert das Ende des früheren„Stahlhelms". Die„Stahlhelmer" aber erwidern kühl, von einer Auslösung ihrer Organisation könne keine Rede sein. So hallt es draußen im Lande. Im Reichskabinett aber stehen nach wie vor Pape« und Seldte in unversöhnliche», Gegensatz zu Röhm und Goebbels. Hitler verschleppt nach seiner alte» Taktik die Entscheidung. Das Saargebiet hat einen Landesrat. In gewissen Zeitabschnitten, wenn die Regierungskommission neue Geseß- entwiirfe vorlegt, tritt diese Körperschaft zusammen, und dann tobt, besonders seit Beginn der Hitlerära im Reiche, jedesmal eine wilde Redeschlacht. So auch am Donnerstag. Der Landesrat sollte sich mit der Amnestievorlage für politische Vergehen beschäftigen— eine Sache, die von allen Parteien mit freundlicher Zustimmung begrüßt wurde. Da aber der Gedenktag von Versailles war, so schmetterten sofort kräftige Trompetenstöße zum Fenster hinaus auf die Straße, wo trübselig im Regen eine bescheidene Anzahl von Fahnen auf Halbmast hing. Kurz, es bildete sich das bekannte Spalier: hier die Verehrer der Hitlerdiktatur, die ihnen nicht schnell genug kommen kann, dort die Sprecher der Freiheitsfront, die um des deutschen Volkes und des deutschen Geistes willen die Saar nicht an das„dritte Reich" ausliefern wollen. Man ist gewöhnt, daß bei solchem Anlaß meist zwei Männer aufeinanderstoßen. Der eine ist der Saarbrücker Anstreichermeister Schmelzer, einst Volksparteiler, heute Deutsch- frontler. Es lohnt sich, über diesen Politiker ein Wort zu sagen, weil es sich um einen in zahlreichen Exemplaren vertretenen Typus des saarländischen Kleinbürgers handelt. Er war früher gar nicht so deutsch bis auf die Knochen, erbittert zum leßten wirtschaftlichen Opfer bereit, und die Saarbrücker Fama erzählt, wie man Anstreichergeschäfte mit den Franzosen macht und durch vielseitige Verwendung guter Konjunkturen zu einem schönen Hause kommt. Schmelzer — wir sehen ihn an der Spiße der vielen Märzhasen im Schußfelde Hitlers, die sich unter heftigen Sprüngen vor der braunen Flinte rechtzeitig auf das Kohlfeld der„deutschen Front" gerettet haben. Der andere ist Max Braun. Der Vielgehaßte, täglich Beschimpfte und täglich Verleumdete, ein Debatter von Lieber- legenheit und Leidenschaft. In seinem Köcher sind die guten Argumente und die Impulse der Gesinnung. Er sagte:„Nur weil Leute ä la Schmelzer unter Verrat an ihrer früheren Stresemännerei sich Hals über Kopf unterwarfen und vor dem Hakenkreuze auf dem Bauche lagen, konnte der SA.- Stiefel Deutschland in den Schmuß treten. Sie und Ihre ganze Front sind preisend mit viel schönen Reden und im Fieberrausch der kitschigen Mystik eines Ausländers nachgelaufen und haben ihm Deutschland untertänigst und widerstandslos übergeben" Herr Schmelzers Kopf wurde etwas rot. Seine Diktion entbehrte diesmal der sonst honorig zur Schau getragenen Sicherheit. Es schien, als trüge er die Wandlungen des Stimmungsbarometers in sich, der seit einigen Wochen von allen Interessierten mit angespannter Aufmerksamkeit beobachtet werden. Was wird aus unseren Frankenkonten, wenn an der Saar die deutschen Devisengeseße gelten? Solche Fragen kommen wie Nachtvögel angeschwebt. Vielleicht erleben die Märzhasen zu Anfang des nächsten Jahres eine Januarschmelze. Es gab allerdings bis vor kurzem auf den Tagungen des saarländischen Landesrats noch einen anderen Riß. Er klaffte zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten. Es wäre verkehrt zu sagen, daß er überbrückt sei, aber langsam wird doch die Einheitsfront in den aktuellen politischen Aufgaben an der Saar eine Tatsache, die sogar das rhetorische Temperament kommunistischer Tribunen zu dämpfen imstande' ist. Jedenfalls fiel am Donnerstag im Landesrat von dieser Seite kein angriffsfreudiges Wort gegen die Sozialdemokratie. Man ist für den Status quo: die Motive der Parole treten in den Hintergrund. Wer die Massen sah, die am vergangenen Montag durch die Straßen Saarbrückens marschierten, äaß das Parteigezänk auf der Linken bis zum Abstimmungstage stumm bleiben muß, um eines gemeinsamen Zieles willen Stundenlang noch ging die Debatte im Landesrat. Wie seit sam, daß nicht jedermann jeden Augenblick die Traeiknmxj-' dieses Parlaments empfindet! Die Redner der dent.j! Front" donnern wild gegen den Regierungstisch"sie- die Volksrechte der freien Rede weidlich aus aber„H" so, als ob das Glück der Saar erst vollendet tU. n nicht mehr reden und nicht mehr kritisieren dürfen*** Sie hätten dann allerdings keine„landfremde"»• mehr Aber es g,bt viele deutsche Männer deren n' 7""« unerlost bleibt, wenn man ihnen den Maulkorb ver Um Ar gut Intriganten und Betrüger llerrenhlubs und braune Parvenüs als Segner Berlin, 29. Juni. Das Ringen der hochkonservativ-kapi- taliftisch-militärischen Kräfte, deren sichtbarer Exponent Papen ist, gegen den Phrasensozialismus und den Wirtschaft- liehen Dilettantismus der braunen Bonzokratie hat dem Vizekanzler im ganzen iiieiche ein unverdientes Ansehen ver- schafft. Ter Haß gegen die terroristische Unfähigkeit der vielen Nutznießer des Systems im Lande ist so groß, das Gefühl,„es niuß anders werden", so allgemein, daß jeder der Widerstand ankündigt, zur größten Popularität gelangt. Die Schweizer Zeitungen, die ausführliche Berichte über Popens Marburger Diebe brachten, gehen von Hand zur Hand und werden, da sie längst ausverkauft sind, zu Preisen bi? zu 7 Mark pro Stück gebandelt. Dabei ist doch im Grunde der Vorstoß Popens recht bescheiden gewesen. Er will lediglich mehr Bewegungsfreiheit für die konservativen Kräfte im Rahmen der Hitlerdiktatur, und er denkt gewiß nicht entfernt daran, etwa den Gedanken und Forderungen ter Linken irgendwelche Betätigungsmöglichkeit zu geben. Wenn die illegalen Sozialdemokraten unb Kommunisten den Auseinandersetzungen im Reichskabinett und den Gegen- sätzen der organisatorischen Träger des Systems im Lande mit Spannung folgen, so nur deshalb, weil sie jede Eni- ladung in der stickigen Atmosphäre zur Aufrüttelung der Bolksmasscn begrüßen. Im Grunde versuchen die jetzt herrschenden Cliquen sich gegenseitig und gemeinsam die unzufriedenen großen Volks- teile zu betrügen. Die Leute um Papen bereiten für Hitler und die Seinen eine Art 29. Juli 1932 zur Entmachtung vor. Tie können einstweilen nicht daran denken, Hitler in den Formen zu beseitigen, die sie gegen Braun und Severins nach der Zermürbung der Sozialdemokratie und der Zer- störung ihrer Massenbasis anwenden konnten. Der Reichskanzler wird von rechts her cingesangen und mehr und mehr von den proletarischen, irgendwelchen sozia- listischen Idealen zustrebenden Teilen der Bewegung ab- gedrängt. Die gefährlichsten und erprobtesten Intriganten, Papen an der Spitze, überbieten sich an Treucerklärungcn zu dem ge- liebten Führer. Noch können sie unter keinen Umständen einen Gegensatz zu Hitler und seiner Bewegung sich leisten. Er ist ihnen ja einstweilen unentbehrlich, weil er im Gegen- satz zu ihnen über die Massenbasis verfügt, die ihm gläubig folgt, wenn er den ahnungslosen Leuten vorerzählt, er werde sie der harmonischen Volksgemeinschaft im harten Rahmen de? Kapitalismus entgegenstthren. Die Zahl der Gläubigen nimmt asierdings ab. Gerade Hitlers Prestige zu erschüttern, als der Hauptträger der alles verwüstenden Gegenrevolution, ist die nächste in Deutschland zu leistende Ausgabe. Daß in den obersten Regionen die Cliquenkämpse unver- mindert andauern, beweist die Verhaftung des Rechts- anwalts und Schriftstellers Edgar Jnng, der einer der nächsten Mitarbeiter Popens ist und als einer der Jnspira- torcn der Marbnrger Rede gilt. Auch G ö r i n g, obwohl er innerlich zu den Herrenreitern gehört, polemisierte in einer Kundgebung zu Köln soeben noch lustig gegen den Vizekanzler: selbstverständlich ohne ihn zu nennen: Heute sagt man uns: sie miisicn die konservativen Kräfte achten und schützen, sie müssen dem Studenten sein Eigenleben gestatten, sie müssen Rücksicht daraus nehmen, daß er aus einer andern Tradition gekommen ist. Wir achten nur die Kräfte, die sich zum Ausbau Deutschlands einsetzen, gleichgültig woher sie kommen. Borrechte aber gibt es nicht. »Borrechte gibt es nicht!" In wieviele,, Verfassungen kapi- talistischcr Länder ist das zu lesen! Aber in nicht einem einzigen ist irgend ein Vorrecht der Besitzenden tatsächlich aufgehoben. Auch nicht in Deutschland. Göring verkündet: Das Volk wünscht nichts mehr von Parteien, Klassen, Ständen und Konfessionen zu hören. Es weiß, daß die geschlossene Kraft sein kostbarstes Gut ist. Und was hat er dann als Hochziel der Volksgemeinschaft tzu verkünden: Im„dritten Reich" sind die Schilder„Aufgang nur für Herrsch asten" zu verschenken. Stellen Sie dafür Schilder hin:„Hier werden Deutsche gern gesehen nnd Juden sind nns unangenehm!" Das scheint wirklich die nächste große„Aktion" nach der ruhmlos abgebrochenen Micsmachcrschlacht zu sein. Wie das„Hamburger Tageblatt" mitteilt, unternahm der Sturmbann M/45 in dem Stadtteil Uhlenhorst eine Aktion gegen Schilder mit der Aufschrist:„Eingang nur für H er r sch a s t c n". Unter Vorantritt eines Tpielmannszuges wurde durch die Straßen marschiert, und dort, wo sich eine solche Aufschrift befand, haltgemacht. Der Sturmbannführer wies in einer Ansprache darauf hin, daß es im neuen Staate keine Unterschiede gäbe, daß man keine Proleten und Herrschaften, son- den, nur eine Gemeinschaft schassender Volksgenossen kenne. Dann wurde das betreffende Schild entfernt und im Dicnstgebäude des Sturmbanns untergebracht. Du lieber Himmel! Man entkernt Emaillcschilder nnd läßt Großgrundbesitz, Großfinanz, Großindustrie in ihren gewal- tigen die Massen erdrückenden Eigentumsrechten unberührt. Mit einer Sammlung überlebter Türschilder will man das große Produktions-, Distribution?- und Kulturproblem des Sozialismus, die Schicksalsfrage zwischen Kapital und Ar- bctt aus dem hart umkämpften engen deutschen Wirtschasts- räume lösen? Ein kurzfristiges Ablenkungstheater für un- zufriedene SA.-Lcute ist das und sonst nichts! Auch Göring weiß das. Es ist hochinteressant, zu bc- obachtcn, wie die nationalsozialistischen Führer immer wieder in jeder Rede auf die gewaltigen unterirdischen Kräfte des Marxismus hinweisen, die sie im ersten Sieges- lausch glaubten vernichtet zu haben. Wenn heute Marxismus und Kommunismus ge- schlagen am Boden liegen, so darf ich dazu erklären: sie werden solange am Roden bleiben, solange wir noch da sind. Ich muß mich hier gegen das spießbürgerliche Gewäsch wehren, als ob es keine.kommunistische Gefahr mehr gäbe. Die kommunistische Gefahr ist noch genau so groß, wie wir sie lassen. Passen wir nicht darauf auf, dann wird sie unversehens größer. Sie fühlen sich, die Hitler, Göring, Goebbels. Heß und Konsorten als die Titanen der deutschen Geschichte, die alle revolutionären Kräste in Teutschland gebändigt haben. Triumphierend verkünden sie, mit starker Hand regulierten sie die Ventile, so wie die Politik deS Nationalsozialismus es fordere. Weil ihnen das ein Jahr lang gelungen ist, glauben sie, das gehe ewig so weiter, aber sie verkennen die Wirkungen ihrer Demagogie. Man kann nicht dauernd verkünden„Vorrechte gibt es nicht" und sich dann damit begnügen, bunte Schüler- mützcn zu verbrennen und Haustürschilder zu beseitigen. Das ändert keinen Gegensatz. Tie Hitler, Göring, Goebbels, Heb und Konsorten, vor einigen Jahren noch bettelarm und jetzt millionenschwere Besitzbürger, demonstrieren an sich selbst den Klassencharakter der Gesellschaft, die sie konser- vieren wollen. Das läßt sich nicht verhüllen. Der Klassen- kämpf läßt sich nicht hinwegreden. Er mag unzulänglich nnd ungeschickt geführt worden sein, und der Begriff„Klasse" mag einen ganz anderen Inhalt haben, als viele Sozialisten allzu lange angenommen haben. Ja, wenn selbst die Worte„Klasse" nnd„Klassenkamps" ganz verschwänden, so änderte das alles nichts an dem Charakter sozialistischer Forderungen und Notwendig- leiten. Tic Anarchie der nun seit zwanzig Jahren von unaushör- lichcn wirtschaftlichen und kriegerischen Krisen geschüttelten kapitalistischen Wirtschaft kann nur durch eine neue plan- volle Eigentumsordnung abgelöst werden. Auch nicht die Spur einer Idee im deutschen Nationalsozialismus weist darauf hin, daß er das größte Zeitproblem nur begriffen hätte, geschweige denn, daß er es lösen könnte. Die Intrigen und Cliquenkämpse der annoch deutschen Machthaber sind Zwischenspiele, die noch eine Zeitlang sich hinziehen mögen. Hinter ihnen bereiten sich in den Volks- massen die Krästeverlagerungen vor und entwickeln sich die zu allem entschlossenen Ftthrergruppen, die dem Spuk der Herrenklubs und der braunen Parvenüs gleichermaßen ein Ende bereiten und die deutsche sozialistische Revolution voll- enden werden. Geistige inzuclii München, den 28. Juni 1934. Anläßlich der Tagung der Akademie für deutsches Recht veranstaltete die Notgemcinschast der deutschen Wissenschaft in München eine Vortragsreihe über die Frage:„Was ist deutsch?" Es sprachen: Prof. Dr. Rothacker lBonnj über „Grundsätzliches zur Teutschtumssrage", Prof. Dr. Pinber iMünchcni über das Thema„Was ist deutsch in der Kunst?", Prof. Dr. Hans Neumann lBonnj über„Tacitus und die Germanen". Es ist eigenartig, welches Bedürfnis das„dritte Reich" empfindet, immer nur das Deutschtum auf der Zunge zu tragen. Niemals vorher ist soviel über deutsch und Deutsch- tum gesprochen worden, wie in dem letzten eineinhalb Jahr. Alle wissenschaftlichen Themen scheinen nur noch iiber diesen Leisten geschlagen zu werden. Man kennt kein anderes Blick- seid mehr. Alle weiten Horizonte gehen verloren. Wir trei- den einer vernichtenden, geisttötenden Inzucht entgegen. In diesem Zusammenhang ist die Einsührungssprachc des Prä- sidcnten der Notgemcinschast, des Prof. Dr. Stark lehrreich. Er billigt der Wissenschaft zwar Freiheit zu, verlangt aber, daß auch die „Wissenschaftler sich innerlich in ein positives Verhältnis zur deutschen Volksgemeinschaft und zur nationalsoziali- stischen Staatsführung setzen, und ihre Forschung in den Dienst der Volksgemeinschaft stellen". Jeder Einsichtige weiß, welcher Einseitigkeit damit daS Wort geredet wird. Selbst aus dieser Tagung verstummte die Sorge um Deutschlands Elend nicht. Ter Vorsitzende gab folgenden Hilferuf von sich: Der Führer selbst hat ein lebhaftes Interesse für die Orga- nisation der wissenschaftlich-technischen Forschung. Er erwartet, daß diese bei der heutigen Lage des Deutschen Reiches ihre wichtigste Aufgabe darin sehen wird, die Wirtschaft zu unterstützen, indem sie mithilft, ausländische Rohstoffe mög- lichst weitgehend durch heimische gleichwertige Stoffe zu er- setzen und Waren aus den Weltmarkt zu bringen, welche durch ihre Dualität cVr N nhcit den Wettbewerb zu be- stehen vermögen. Bernsteins urz in Win Zwei Tote, vier Schwerverletzte dnb. Köln, 29. Juni Ein folgenschweres Unglück ereignete sich Donnerstag in einer Fabrikhalle des Deutz-Humboldt- Werkes in Köln-Kalk. Eine Anstreicherfirma harte ein etwa zehn Meter hohes Gerüst errichtet. Als man gerade die letzte Hand an den Gerllstaufbau legen ivollte, brach plötzlich ein Balken, wodurch das ganze Gerüst mit ohrcnbetäuben- dem Lärm zusammenstürzte. Fünf Anstreicher und Gerüst- baucr wurden in die Tiefe gerissen. Zwei von ihnen waren sofort tot. während die drei übrigen sehr schwere Verletzungen davontrugen. Ein in der Nähe des Gerüste? stehen- der Arbeiter wurde von einem Balken am Kopf getroffen und ebenfalls schwer verletzt. Bei allen vier Verletzten be- stellt Lebensgefahr. Ein aus dem Gerüst stehender Vorarbeiter konnte sich da- durch retten, daß er sich an eine Eisenklammer des Hallen- baues klammerte, während unter ihm daS Gerüst zusammen- stürzte. Er konnte nach einiger Zeit aus seiner gefährlichen Lage befreit werden. Mussolini verbietet Sie Jculsdic freibeiz Endlitii ein CrfoSg des denrsdien Reldishanziers Berlin, 29. Juni. Im deutschen Rundfunk wird triumphie- rend die Meldung verbreitet, daß die„Deutsche Freiheit" in Italien verboten worden ist. So eilt die Rcichsregierung außenpolitisch von Tieg zu Tieg. In Polen hat Goebbels die„Deutsche Freiheit" ver- richtet. In Italien hat der Reichskanzler höchstselbst sich zu dem gleichen Ziele bemüht. Wir geben zu, daß die Sorge um unser Blatt in Italien besonders unangenehm ivar, weil die deutschen Jtalicnrcisenden so freudig nach der„Deutschen Freiheit" griffen. Wir nehmen die neue Ehrung, diesmal durch Mussolini und Hitler gemeinsam an uns verliehen, mit der uns eigenen Bescheidenheit an. Tie„Deutsche Freiheit" wird immer wie- der den freien Ausgang zur Welt und zu den Menschen sin- den, die mit uns Teutschlands Freiheit wollen. Der Dreibund Hitler-Mussolini und Pilsubski mit seine» Armeen von Polizisten nnd Spitzeln wird uns nicht be- siegen. Minderheitenschutz! Deutschland fordert, was es selbst nicht gewährt Dem Kongreß des Wcltverbands der Völkerbundligen lag ein Entschließungsentwurs vor, der von der im Sep- tember stattfindenden Vollversammlung des Völkerbundes die Errichtung einer ständigen Studienkommission beim Völkerbund fordert. Da der ständige„Beauftragte der deutschen Volksgruppen in Europa", Hassclblatt, nicht gut selbst sprechen konnte, da ja Teutschland nicht im Völker- bünd ist, und da er wohl fürchten mußte, vom Kongreß aus die Lage der Juden im Reich aufmerksam gemacht zn werden, sprach der tschechoslowakische Deutsche Dr. von Medinger für den Entwurf. Dr. von Medinger sagte u. a.:„Das Ver- sprechen des Minderheitenschutzes wurde bis jetzt ganz un- zulänglich verwirklicht. Das dafür eingerichtete Verfahren schloß ernste Erfolge aus. Eine Bilanz der politischen nnd der wirtschaftlichen Macht der Minderheiten vor und nach dem famosen Minderheitenschutz ist für den Völkerbund be- schämend." Wozu zu sagen ist: Der österreichische Friedens- vertrag von St. Gcrmain enthält eine besondere Schutz- klausel für alle Minderheiten, auch für die Juden,' der Ver- sailler Vertrag enthält diese Klausel nicht, weil man von der Deutschen Republik eine gerechte demokratische Behandlung der Minderheiten auch ohne diese Klausel als sclbstverständ- lich erwartete. Die Judenverfolgungen waren 1918 und 1919 nicht vorauszusehen: wäre dem der Fall gewesen, hätte der Bersailler Vertrag zweifellos die Formel von St. Germain enthalten. DaS Minderheitenproblem ist eine der gefähr- lrchsten Fragen, die es in Europa gibt. Wenn man eS in all seiner Gefährlichkeit und Dringlichkeit erkennen will. dann muß man Land für Land die geänderte Lage der deutschen Minderheiten studieren, wie sie sich seit Hitlers Regierungsbcginn entwickelt hat. und man wird dann per- blüfft feststellen, daß es keine deutsche Minderheit gibt, die so wenig Rechte besitzt wie der Deutsche im Reich foder auch in Oesterreicht. Erst die vollkommene Entrechtung des deutschen Volkes in den zwei deutschen Staaten hat allen Ländern Mut gemacht. Die immer stärker werdende Agitation der Nazi, die ent- weder offen oder als VdA. getarnt austreten, wo immer Tcutiche wohnen, hat das Mißtrauen der Staatsvölker und Regierungen aufs Unheimlichste, selbst in Italien Mossu- linis gesteigert. Abgesehen von den faschistischen Ländern ist festzustellen, da^r der Deutsche im Reich bei weitem nicht so viel Rechte nnd Freiheiten hat, wie etwa der Sudeten- deutsche, der Deutsche in Rumänien oder Jugoslawien. DaS Mißtrauen, das den Deutschen aber auch dort trifft, ist eine direkte Folge der deutschen Diktatur. In dem Augenblick, wo das braune System fällt und wpcdcr Recht und Gesetz auch für die Minderheiten im Reich gelten werden, wird sich die Lage der Auslandsdeutschen automatisch bessern. Heute aber ist es grotesk, daß das gleiche Deutschland, das seinen Minderheiten jedes Recht verweigert, als Schützer der Aus- landsdeutschen auftritt. Auslandsdeutsche, die sich im Dienst der Nazi mißbrauchen lassen fwie Dr. von Medinger), er- weisen ihren Minderheiten einen schlechten Dienst. Ost prensens Kodi In Pahnnldten Ostpreußens Koch will die zugrunde gehende Bernstein- stadt Palmnicken wieder zum Leben erwecke». Absatz kann er ihr nicht schaffen. Also veranstaltete der von keiner sorge bedrückte Mann Koch ein Fest. Ein Bericht schildert es so: „Das deutsche Volk wird sich auch daran erinnern müssen, daß der Bernstein der herkömmliche Schmuck der ger- manischen Vorsahren war und bis auf den heutigen Tag geblieben ist. Es war ein guter Gedanke, die Angehörigen des Bcrnsteinbergwerks Palmnicken zu einem Bergfest zu- sammenzurusen. In dem Festzug, der sich dann durch die Stadt Palmnicken bewegte, konnte der Fremdling wunder- volle Festwagen bestaunen. Große Heiterkeit erregte bei- spielsweise ein Riesenbcrnsteinfloh. eine sünfmillionensache Vergrößerung eines im Bernsteinmuscum befindlichen Bernsteinflohs. Nicht weniger erstaunlich auch die riefenkiafre Nachahmung einer Bernsteinzigarrenspitze..."— Die Riesenpleite, die keiner Vergrößerung bedarf, wird also durch den Rieseniloh und die Riesenzigarrenspitze bekämpft, waS man die Arbeitsschlacht nennt. Nazipropaganda in Norwegen Da die rein politische Propaganda für den HitlerismuS unter de» Norwegern bisher starken Widerstand und keinen Erfolg gesunden hat, geht man nun systematisch an eine als Kulturpropaganda getarnte neue Agitationsmethode heran. Nach dem Muster der in den Vereinigten Staaten so tätigen „Freunde des Neuen Deutschland" hat man also in Nor- wegen eine„Norwegisch-Dcutsche Künstlcrvcretnigung" organisiert. Den Vorsitz führt Professor Wilhelm Rasmussen. Knut Hamsun. Peter Egge, Christian Sinöing und Olaf Kielland sind Mitglieder der Vereinigung. Sie sind entweder düpiert worden, oder— sie wissen was sie tun. Als erste Tat plant die Vereinigung Konzerte de» Staatsrates Furt- wängker: über das weitere Programm wird noch nichts bekanntgegeben. Papst droht mit Saarhafholihcn Plötzliche„Absagen"- Was geht vor? Seit einigen Tagen ist zu beobachten, dah die Sorgen des deutschen Katholizismus und die Saarprobleme in eine merk- würdige Beziehung zueinander gebracht werden. Das Kon- kordat ist gebrochen, und der Widerstand der Katholiken an der Saar gegen Gleichschaltung und Rückgliederung ist ge- wachsen. In jüngster Zeit wurden diese Zusammenhänge noch deutlicher durch die Borgänge im Bezirk Trier. Die Proteste des Bischofs Bornewasser gegen die Tyrannei der Hitlerjugend und die Verhaftung mehrerer katholischer Priester hatten an der Saar besonders starken Eindruck ge- macht, denn das Saargebiet gehört kirchenpolitisch zur Diö- zese Trier. Der Hl. Stuhl hat diese Sachlage zu einem scharfen Druck aus die Autoritäten des„dritten Reiches" benutzt. Schon vor einigen Wochen haben die vom Propagandaministerium unterhaltenen„Deutschen Führerbriefe" daraus hingewiesen, daß man mit Rücksicht auf die Saar zu einer Verständigung mit dem Katholizismus wenigstens bis zur Abstimmung kommen müsse. Es liegen jetzt einige Tatsachen vor, die diese Vermutung stützen. Ganz plötzlich sind die drei Geistlichen der Diözese Trier aus der Haft entlassen worden. Die Entlassung ersolgte auf Grund der Besprechungen des saarländischen Mitgliedes der Rcgierungskommission, des katholischen Ministers Koß- mann, mit den maßgebenden Regierungsstellen. Alle drei Verhafteten standen noch von früher her in engen Be- ziehungen zum Saargebiet. Nicht weniger auffällig ist die Tatsache, baß die große Protestkundgebung der Saarbrücker Katholiken, die am Freitag stattfinden sollte, plötzlich auf einen späteren Termin verschoben wurde. Hier sollten Diözesenpräses Müller und Pfarrer B u n- garten gegen die Religionsunterdrückungen im„dritten Reiche" sprechen. Bei der Stimmung der Katholiken an der Saar war mit einer gewaltigen Kundgebung mit mcitreichen- den politischen Folgen zu rechnen. Die plötzliche Absage läßt erkennen, daß man im Augenblick kein Interesse daran hat, die Situation zu verschärfen. Aber auch auf der anderen Seite scheint man ein Zeichen des Einlenkens geben zu wollen. Seit Wochen machten die Deutschfrontler für eine große Saarkundgebung in Leitersweiler auf reichs- deutschem Boden, ganz nahe der Saargrenze, eifrige Reklame. Ursprünglich sollte hier sogar Göring sprechen. Nun aber ist die Kundgebung plötzlich abgesagt und aus den IS. Juli verschoben worden.„Dienstgeschäste" des Gauleiters Simon in Koblenz, der an Stelle von Göring in Leitersweiler reden sollte, werden als Grund der Verschiebung an- geführt. * Tie Tatsachen sprechen für sich. Wir zweifeln nicht an der Geschicklichkeit der Unterhändler des Katholizismus! ebenso wenig daran, daß der Nationalsozialismus sein Kampsziel gegen den Katholizismus für eine Weile zurückzustellen be- reit ist, um die Katholiken an der Saar für die Rückgliede- rung zu gewinnen. Es fragt sich nur, ob die Rechnung richtig ist, und ob die Saarkatholiken der Illusion zugänglich sind, daß man heute noch durch Verhandlungen und Verein- barungen die Lage des deutschen Katholizismus grundlegend verbessern könnte. Läng st haben die Oberführer die Unter- führer nicht mehr in der Hand. Unaufhörlich wird die Weltanschauung des Nationalsozialismus mit voller Ausschließlichkeit gegen andere Weltanschauungen eingesetzt Die Dynamik der Bewegung entzieht sich längst den Be- mühungen der Taktik. Die Katholiken an der Saar sollten wissen, daß es für den Nationalsozialismus keinen Vertrag und kein Versprechen gibt, die nicht gebrochen werden. Saarausschuß tagt Die Konstituierung in Genf bnb. Gens, 28. Juni. Tie Mitglieder des Saarabstimmungs- ausschusses, der Schiveizcr Henuy, der Holländer de Jongh und der Schwede Rhode, sind heute vormittag hier einge- troffen. Sie versammelten sich mit dem stellvertretenden Generalsekretär des Völkerbundes, dem Italiener Pilotti so- wie einigen mit der Behandlung der Saarfrage beauftragten Völkerbundsbeamten und der als Sachverständigen für die Kommission ernannten amerikanischen Staatsbürgerin Wambaugh zu einer konstituierenden Sitzung im Völker- bundssekretariat. Im Verlaufe der Sitzung wurde beschlossen, die Frage des Vorsitzes des Abstimmungsausschusses so zu regeln, daß der Vorsitz zwischen den einzelnen Mitgliedern nach Ablauf von je zwei bis drei Monaten wechselt. Die Mitglieder des Aus* schusses werden Genf am Samstag verlassen, da ihre Tätig- feit in Saarbrücken offiziell am Montaa, dem 2. Juli, beginnt. Die Zucltfliaiisiiiaschlm® Harte Urteile gegen Illegale Bremen, 29. Juni.(Jnpreß.) In dem Massenprozeß vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht gegen insgesamt 88 An- geklagten wurden im ersten Strafabschnitt sämtliche An- geklagten, mit Ausnahme eines einzigen, verurteilt. Vier Angeklagten erhielten wegen Borbereitung zum Hochverrat je drei Jahre Zuchthaus, die anderen Kerkerstraien zwischen drei Monaten und zwei Jahren und sechs Monaten. Im zweiten Strafabschnitt des Verfahrens, der nun be- gönnen hat, stehen 29 Angeklagte vor Gericht, darunter fünf Frauen.^ Breslau, 29. Juni. sJnpreß.f Das Oberlandesgericht Breslau verhandelte im„Grünberger Hochvcrratsprozeß" gegen 23 Angeklagte und verurteilte die Hauptangeklagten Möbus und Hocmke zu 8 bzw. lv Jahren Zuchthaus. Kozur zu 8'/. Jahre» Zuchthaus, Müller zu 8 und Mark- gras zu 7 Jahren Zuchthaus. Die kommunistischen Stadtverordneten Karl und Fritz Laube erhielten drei bzw. zwei- einhalb Jahre Gefängnis, die anderen Angeklagten ein Jahr Gefängnis bis zu drei Jahren Zuchthaus. ♦ Berlin, 29. Juni. lJnpreß.f Das Berliner Sondergericht verurteilte einen 21jährigen Arbeiter wegen„Verbreitung unwahrer Behauptungen über die SA." zu sechs Monaten Gefängnis.^ Leipzig, 29. Juni. lJnpreß.f Das Reichsgericht verurteilte vier Berliner Arbeiter,„die im Auftrage der Zentralleitung der KPD. im Frühjahr vergangenen Jahres Hochverräte- rische Zeitungen und Zeitschristen vertrieben hatten", zu Ge- sängnisstrafen von einem Jahr und sechs Monaten bis zu zwei Jahren. Der kommunistische Abgeordnete des Danziger Landtags,.-. Totzki, wurde wegen Vertriebs illegaler Literatur zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Die„Umgliedernng" der SA. Gehelmbefehl an die Presse- Auch hohe Gruppenführer unter Zensur gestellt Berlin, 29. Juni. sInpreß.) Die Beurlaubung der SA. durch den Führer der Obergruppe III, Berlin, Gruppenführer Karl Ernst, findet ihre Erklärung in einem vertraulichen Dokument, das der„Inpreß" im Wortlaut vorliegt. Es handelt sich um die Presseinstruktion der Neichspressestelle vom 2. Mai 1934, die von größter poli- tischer Bedeutung ist, da sie die Zersetzung der SA. in einem trotz vieler Symptome und Beweise bisher der Oeffentlichkeit nicht bekannt gewordenen Ausmatz zugibt. Diese Instruktion enthüllt weiter, daß die Umgliederung der SA. bereits in vollem Gange ist. Wir geben nachstehend den Wortlaut des Dokuments: „Ueber die Neugliederung und Umgliederung der SA. darf in der Presse nichts gebracht werden. Wenn diese Umgliederung beendet ist, wird die Oberste SA.-Führung selbst falls dies notwendig erscheint, dazu Stellung nehmen. Das gilt auch für die Presse des Reiches dann, falls hohe Gruppen bzw. deren Führer den Versuch machen sollten, Notizen über die Umgliederung der SA. unterzubringen. Für die Veröffentlichung ist es keine Entschuldigung, wenn t» malige SA.-Leute saus Güstrow, Dresden, Barmen und Sebniyi, wobei in Betracht zu ziehen ist, daß gemäß den Be- stimmungen der Naziregierung die Angehörigen der SA. der allgemeinen polizeilichen Verfolgung entzogen sind und einer besonderen SA.-Gerichtsbarkeit unterliegen lder sogenannten Feldpolize'i. so daß es sich in den genannten vier Fällen um besonders schwere Hochverratsvergehen handeln muß. Insgesamt ergibt das IIS Steckbriese aus politischen Gründen gegenüber durchschnittlich etwa 39 im gleichen Zeit- räum, die noch vor wenigen Monaten erlassen wurden. Ganz besonders aber fällt aus, daß in der Zeit vom 19. April bis 19. Mai 19 Fahnenflüchtige der Reichswehr auf- geführt werden. Im Vergleich zu den früheren Steckbriefnachträgen bedeutet die jetzt erkennbare Häufung von Fahnenfluchtdclikien in einem so kurzen Zeitraum eine geradezu aufsehenerregende Erscheinung. HHlers lugend Der Dortmunder Oenerai-Anie'öer' Erpressung beim Zeitungsverkauf Dortmund, 29. Juni sJnpreßf. Vor dem Dortmunder Landgericht wird gegenwärtig ein Prozeß verhandelt, über den zu berichten der deutschen Presse strengstens verboten worden ist. Die früheren Besitzer des„Dortmunder General- anzeigers", der größten Provinzzeitung vor Hitlers Macht- antritt, verlangen von den jetzigen Besitzern des vor einigen Monaten in„Westfälische Landeszeitung" umgetauften Blattes einen Schadenersatz in Höhe von 8 Millionen Reichsmark. Sic begründen ihre Forderung mit den eigen- artigen„Kausmethodcn" der heutigen Besitzer, die damit zum ersten Male in der Oeffentlichkeit bekannt werden. Im Frühsommer des vorige» Jahres wurde der„Dort- munder Generalanzeiger" bekanntlich verboten, weil er ein Bild Hitlers veröffentlicht hatte, das angeblich„einen un- günstigen Eindruck von dem Aussehen des Führers gab". Am gleichen Tage rief die Parteileitung der NSDAP, die damaligen Anteilbesitzer zu einer Sitzung zusammen und teilte ihnen mit, daß für ihre persönliche Sicherheit keine Gewähr übernommen werden könne, wenn sie ihre Besitz- rechte an der Zeitung nicht verkaufen würden. Die Naz'i- führer boten für die Zeitung den lächerlich geringen Betrag von 379 999 Mark und erklärten gleichzeitig, daß sämtliche Anteilbesitzer, wenn der Vorschlag abgelehnt werbe, in ein Konzentrationslager überführt werden würden. Auf Grund dieser Drohung wurde das Angebot angenommen. Die „Käufer" zahlten den Betrag von 379 999 Mark aus den Kassenbeständen des„Dortmunder Generalanzeigers"? sie übernahmen das Blatt also völlig umsonst. In dem Prozeß, der jetzt verhandelt wird, berufen sich die früheren Besitzer darauf, daß der damalige„Berkaus" un- gültig sei, weil er mit Drohungen und unter Zwang ab- gepreßt worden ist. von solchen Stellen Notizen darüber herrühren sollten. In Zweifelsfällen möge sich die Presse sofort an das darüber allein zuständige Presseamt der Obersten SA.-Führung, Berlin SW. 63, Zimmerstraße 99/91, Tel. A 1, Jäger, 9922, wenden." Politische und fahnenflüchtige Berlin, 29. Juni. lJnpreß.f Eine aufschlußreiche Jllu- stration zu Hitlers Verzweiflungskampf gegen die„Mies- inacher" bietet die Prüfung der lausenden Steckbriefregister- ergänzungen. Neben einer ungeheuren Steigerung der aus kriminellen Gründen Gesuchten schwillt die Zahl der politisch Verfolgten in immer schnellerem Tempo an. Die Nachträge zum Steckbriefregister von Mitte April bis Mitte Mai z. B., für einen Zeilraum von vier Wochen also, weisen 198 Namen von Personen auf, die wegen kommunistischer Tätigkeit neu verfolgt werden? dazu kommen eine Frau Marie Grase. Dresden, wegen illegaler Betätigung für die SPD., ein Polizei-Wachtmeister Nüdolf Christ aus Mülheim und zwei Adlige aus München und Dresden. Weitere vier sind eheAus Ramstein lPsalz) schreibt man uns: Am Sonntag marschierte die Hitlerjugend durch die Straßen, wobei sie nationale Lieber sangen. Diesem Trupp begegnete das acht- jährige Töchterchen eines Metzgermeisters, das Wurstwaren austrug. Weil das Kind beim Vorbeimarsch der Hitlerjugend die Hand nicht erhob, wurde es vom Führer verprügeii. Durch das laute Schreien des Kindes wurde die Mutter auf den Borfall aufmerksam und wollte ihrer Kleinen zur Hilfe eilen. Ohne weiteres schlug derselbe Führer, der die Kleine mißhandelt hatte, der Frau derart ins Gesicht, daß das Blut aus Mund und Nase floß. Tie Frau blutete so stark, daß die Uniform des Führers mit Blut befleckt wurde Stolz aui seine Heldentat marschierte der braune Juqenderzieher' weiter. * Der Gebietsführer der b a d i s ch e n HJ. erläßt eine Er- klärung, daß der Ueheber einer von ihrer Leitung miß- billigten Demonstration gegen katholische Pfarrer in Karlsruhe-Mühlburg noch vor einigen Monaten dem katholischen Jugendverband„Ouickborn", an- gehört habe. Offenbar sei er als Provokateur in die HJ. eingetreten und habe ausdrückliche Befehle der Gebiets- führung verletzt. Sein Verhalten sei die Frucht nicht der Erziehung in der HJ., sondern in einer katholischen Jugend- organisation. Der Fall beweise, daß„tatsächlich" Pronoka- teure in die Reihen der HJ. geschickt würden, um Schwierig- leiten zu bereiten und das Ansehen der„Staatsjugend" zu' schädigen. Wir können den Fall aus der Ferne nicht beurteilen. Das aber wissen wir, daß es in der Nazibewegung, die zu feig ist, zu ihren Taten zu stehen, üblich ist, Handlungen, die man nicht ableugnen kann und nicht billigen will, auf„Provo- kateure" abzuschieben. Sonst waren diese Kommunisten oder Juden, nun sind sie, dem Modenwechsel entsprechend, katho- lisch, demnächst wahrscheinlich„reaktionär". An sich ist es eine alte Erfahrung, daß gerade Neulinge einer Bewegung sich meist durch besonderen Eiser und oft durch besonderen Haß gegen die Richtung, zu der sie sich früher bekannten, auszeichnen. Ganz ausrichtig. Und da solche Roheiten heute überall verübt werden und sich ganz ungezwungen aus dem Wesen und der derzeitigen Taktik der Hitlerbanden erklären lasten, so wird es mit dem„Provokateur" nur eine faule Ausrebe sein. Per erbarmungslose Fotograf Auf dem Markusplatz in Venedig Venedig, die Zusammenkunft der Diktatoren Mussolini und Hitler, muß man im Kino gesehen haben. Der Film- streifen, in dem der Berichterstatter der For Wochenschau 5us historische Ereignis ausgefangen hat, ist keineswegs humo- ristisch gemeint. Nichtsdestoweniger ist ihm in den ivesteuro- päischen Kinotheatern ei» Heiterkeitsersolg beschicken gewesen, der die Lustspielregisseure neidisch mache» konnte. Der Elou ist die Erscheinung Hitlers während der Rede des Duee aus dem Markusplatz. Die Linse des Kinomatograt'en hat den Venediger Seelenzusiand des deutschen Diktators unbarmherzig eingesanaen. Während der Duee zur Menge spricht, steht Hitler wie ein eben geprügelter Hund, oder richtiger: wie die Karikatur eines geprügelten Hundes, auf dem Balkon des Palazzo. Mit einem unbeschreiblich trau- rigen und zugleich unbegreiflich stupiden Ausdruck stiert Deutschlands Führer in die Lust von Venedig. Mustolini sprechen zu hören, ist interessant, selbst für den Ausländer, der nicht italienisch versteht. Hitler ist augenscheinlich zu melancholisch gestimmt, als daß er seinem italienischen Kol- legen zuhören könnte. Erst als ein Herr seiner Umgebung ihn heimlich anstößt, scheint sich der deutsche Diktator seiner Anstandspflicht zu erinnern, er senkt den sturen Blick aus die Straße und verzieht sein Gesicht zu einem freundlichen Grinsen. Wer diese Szene auf der Leinwand gesehen bat, wird sich über den Eindruck, den Hitler in Venedig emp- sangen hat, nichts weismachen lassen. Dem Führer muß nach seinem Gespräch mit dem Duee sehr übel zumute gewesen sein. j„Neues Tagebuch".! Anton Prezier Warum so still? Bor kurzem feierte der wirkliche Begründer des Nazi- wesens Anton Drexler seinen 59. Geburtstag. Das Regime, das sonst so gern brüllt, hat aus diesem Tag nichts gemacht. Wir finden eine einzige kleine Notiz im gleichgeschalteten Zeitungsberg über dieses Ereignis, in der es dunkel, ober aufschlußreich heißt:„Anton Dreckler trat vorübergehend etwas in den Hintergrund. Der Führer vergaß dem Münchner Parteigründer aber niemals die großen Dienste, die er ihm geleistet hatte. Frühere Systemregierungen hatten Anton Dreister um Brot und Arbeit gebracht. Es war kür Adolf Hitler eine Selbstverständlichkeit, den ältesten Be- sehlshaber der alten Garde nach der Machtergreifung wieder in seine Dienststelle einzusetzen." Das ist alles und schließlich: weniger konnte man für den Begründer der dreckiaen, ö&er klotzig verdienend,» Firma nicht tun. Oder sollte der Gründer des Nationalsozialismus über die Bewegung anders denken, als die heutigen Haunt- Verdiener? Weltergehens Weltergehen! z Werfen Sie die„Deutsche Freiheit" nach dem Lesen nicht fort. Geben Sie das Blatt an Leute weiter, die der Aufklärung und Belehrung bedürfen! 1 „Deutsche Freiheit", Nr. 147 MBU? UMD W»TS(HAP7 Saarbrücken, 29. Juni 19S4 Qeschäftsbelebung durch Hamstern Fast alle Untersuchungen über wirtschaftliche Vorgänge, die in dem heutigen Deutschland veröffentlicht werden, seihst solche, die den Anschein der Objektivität und der wissenschaftlichen Unabhängigkeit erwecken wollen, sind auf Optimismus frisiert. Deshalb ist es für uns„Kritikaster" d. h. Menschen, die sich über die Geschehnisse in Deutschland ein objektives Bild machen wollen, bisweilen sehr schwer, sich in dem Wust der bewußten Irreführung und des Triumphgeschreis auszukennen. Das ist in den Fällen beson, ders schwierig, in denen bei einer oberflächlichen Betrachtung der Eindruck erweckt wird, als ob wirklich wieder einmal ein Erfolg erzielt wurde. Als Beispiel für ein solch kritiklose Schönmalerei seitens einer bisher jedenfalls ernst gehaltenen wissenschaftlichen Institution, einer Schönmalerei, die nichts als Bluff ist, kann wohl der jüngste Bericht des Instituts für Konjunkturforschung über die Lage des deutschen Einzelhandels gelten. Dieser Bericht trägt die schreiende Ueherschrift„Wachsende Einzelhandelsumsätze". Triumphierend wird in der Einleitung betont, daß die Einzelhandelsumsätze in Deutschland ganz beträchlich gestiegen seien, daß diese Steigerung in erster Linie den Fachgeschäften, nicht aber den Waren- und Kaufhäusern zugute kommt. Also gewissermaßen ein zweifacher Erfolg: eine allgemeine Belebung des Geschäfts und eine Tendenz zur Erstirkung der Position des notleidenden Mittelstandes. Im einzelnen erfahren wir aus dem Bericht folgendes: Die Gesamtumsätze des deutschen Einzelhandels lagen im ersten Drittel des Jahres 1934 um rund 9 Prozent über Vorjahrshöhe. Die Zunahme des Umsatzes war am stärksten in Haushaltlingsgegenständen und Wohnbedarf. Hier war der Umsatz in den ersten vier Monaten sogar um 30 Prozent höher gegenüber den entsprechenden Umsätzen des Vorjahres. Auch die Textil- und Bekleidungsumsätze haben ziemlich lebhaft zugenommen; sie sind mengenmäßig um etwa 8 bis 10 Prozent gewachsen, wertmäßig sogar um 13 Prozent infolge der inzwischen gestiegenen Preise. Es scheint also wirklich, daß alles besser geworden ist und daß es weiter noch besser sein wird. Aber bei näherer Betrachtung liegen die Dinge doch wesentlich anders. Es steht fest— und das wird auch von amtlicher Seite nicht bestritten—, daß die Einkommensverhältnisse der breiten Bevölkerungsschichten, von den Konjunkturhyänen abgesehen, in Deutschland wenig gestiegen sind. Nach den früheren Mitteilungen des gleichen Instituts für Konjunkturforschung ist das Einkommen der Angestellten, Arbeiter und Beamten seit dem zweiten Quartal 1933, d. h. seit Beginn der sogenannten„Arbeitsschlacht" von 6490 Millionen auf 6802 Millionen im ersten Quartal 1934, also um rund 5 Prozent gestiegen. Das ist wirklich ein sehr mageres Ergebnis, wenn man bedenkt, daß in der genannten Zeit angeblich 2,5 Millionen Menschen mehr in den Produktionsprozeß einbezogen wurden. Es steht also fest, daß das Gesamteinkommen der arbeitenden Bevölkerung durch die niedrig gehaltenen Löhne trotz der Erhöhung der Zahl der Beschäftigten um zweieinhalb Millionen, fast unverändert geblieben ist. Es fragt sich, wie konnte unter diesen Umständen eine derartige Belebung des Einzelhandelsgeschäftes erfolgen, insbesondere, wenn man in Betracht zieht, daß schon das Weihnachtsgeschäft sehr lebhaft verlief, und daß die Preise gestiegen sind. Das Institut für Konjunkturforschung sagt selbst in seinem Bericht:„Eine Zunahme des Einkoramens ist die Voraussetzung dafür, daß Verbrauch und Einzelhandelsumsätze wachsen können... Diesmal wurden dagegen den Die Mssemfe Zielen der Reichsregierung entsprechend die Gehälter und Löhne bisher nicht erhöht."(Es ist im übrigen sehr bemerkenswert, daß manchmal den amtlichen Stellen, wie das hier der Fall ist, versehentlich die Wahrheit entschlüpft, indem nämlich das Konjunkturinstitut unumwunden zugibt, daß die sogenannte Arbeitsschlacht sich auf Kosten der arbeitenden Bevölkerung vollzieht, deren Lebensstandard absichtlich niedrig gehalten wird.) Man steht also vor einem Rätsel: Das Einkommen der Breiten Bevölkerungsschichten ist ganz unbedeutend gestiegen, pro Kopf der arbeitenden Bevölkerung sogar gefallen, und dennoch fortgesetzten Wachsen der Einzelhandelsumsätze! Die Erklärung ist indessen einfach. Der wohlhabende Teil der Bevölkerung, die Unternehmer, die Agrarier und die herrschende Parteiclique begann, insbesondere seit Februar Angstkäufe vorzunehmen. Diese Leute schreien zwar laut ,,Heil Hitler", sie suchen aber ihr wirkliches Heil in den rechtzeitigen Eindeckungen mit Fertigwaren. Diese Tatsache wird nicht nur durch die Mitteilungen bestätigt, die jeweilig aus Deutschland gelangen, sondern auch durch die Einzelhandelsstatistik. Eine alte kaufmännische Erfahrung im Textilgeschäft lehrt, daß in Zeiten einer normalen sich organisch entwickelnden Belebung des Geschäfts sich zunächst die Frauen eindecken, dann die Kinder und zuletzt die Männer. Wenn man aber der Statistik des Konjunkturforschungsinstituts nachgeht, so erfahren wir, daß bei den Fachgeschäften für Damen- und Mädchenkleidung die Umsätze in den ersten vier Jahren des Jahres 1934, trotz der inzwischen erfolgten Preiserhöhung, nur um 9,5 Prozent gestiegen sind, dagegen die Umsätze bei den Fachgeschäften für Herren- und Knabenkleidung in der gleichen Zeit um 27,4 Prozent. Angesichts dieser Angstverkäufe ist diese Tatsache durchaus verständlich. Bei der großen Verbreitung von Kunstseide in der Damenmode, die aus inländischen Rohstoffen hergestellt wird, erscheinen derartige Angstkäufe bei Frauen nur teilweise erforderlich, umso mehr als au dt der Wandel der Mode bei Trauerkleidung eine größere Rolle spielt. Herrenkleidung besteht dagegen aus reinen Wollstoffen, die man gegenüber den minderwertigeren Kunstwollerzeugnissen bevorzugt. Da die deutsche Bevölkerung unter dem Eindruck der verfehlten Außenhandelspolitik der nationalsozialistischen Regierung eine bedeutende Einschränkung der Wolleinfuhr befürchtet, so werden eben Herrenwollstoffe auf Vorrat gekauft. Aus diesen Angstkäufen heraus erklärt sich auch die Tatsache, daß beispielsweise die Umsätze sich* in Nabrungs- und Genußmittel keineswegs belebt haben, wie dies das Konjunkturinstitut ausdrücklich feststellt. Wäre die Steigerung der Einzelhandelsumsätze der Ausdruck eines beginnenden Wohlstandes, dann wäre auch hier eine Umsatzbelebung eingetreten, umso mehr, als doch angeblich 2,5 Millionen Arbeitslose Beschäftigung gefunden haben sollen. Diese Hamsterkäufe, diese Eindeckungen auf Vorrat, sind ein Zeichen der ungesunden Entwicklung, die in sich Gefahren birgt und bald zu Rückschlägen führen wird. Es ist eben ein großer Unterschied, ob die wachsenden Einzelhandelsumsätze auf Grund von Angstkäufen, auf Grund mangelnden Vertrauens der Bevölkerung zum neuen System, oder ob sie auf Grund eines steigenden Wohlstandes der Bevölkerung erfolgen. Auf diesen wesentlichen Unterschied, der auf die jetzige Scheinkonjunktur im deutschen Einzelhandel ein ganz anderes Licht wirft, hat selbstverständlich das gleichgeschaltete Institut für Konjunkturforschung, obwohl dies seine Pflicht wäre, nicht hingewiesen. Goebbels und Gott- Granaten statt Brot- Die Kohlrübe taucht wieder auf! In Deutschland droht Mißernte. Zwar hat Goebbels in seiner oberschlesischen Rede mit keckem Mund sich gebrüstet, daß der liebe Gott den Nazis sichtbar beistehe, während er die früheren Zentrumsregierungen im Stich gelassen habe. Aber es scheint, daß der liebe Gott sich einstweilen den Anweisungen der Goebbels und Hitler noch nicht fügen will: Dürre hat weite Landstriche des„dritten Reiches" heimgesucht. Man soll mit dem lieben Gott überhaupt in der Politik vorsichtig umgehen. Wir erinnern uns, daß im Kriegsjahr 1916 der damalige Reichskanzler Bethmann Hollweg vor dem Reichstag erklärte:„Unter Gottes sichtlichem Segen reift eine herrliche Ernte auf unseren Feldern",— und dann kam der berüchtigte Kohlrübenwinter. Reichliche Regenfälle können zwar noch, falls sie einsetzen, einen Teil dessen gut machen, was der trocken-heiße Vorsommer verdorben hat— wir hoffen im Interesse des armen Volkes, daß es geschehe—, aber selbst eine Mittelernte ist nicht mehr zu erzielen. Der erste Grasschnitt hat auf den ausgedörrten Wiesen fast nichts ergeben, zahlreiche Bauern verkaufen ihr Vieh aus Sorge vor Futtermangel. Die Kartoffeln sind klein geblieben, das Kraut steht streckenweise nur wenige Zentimeter hoch. Getreide steht dünn und wird notreif. So ungefähr lauten die Berichte aus verschiedenen Teilen Deutschlands. Unter normalen Verhältnisen gäbe das alles keinen Grund zu übertriebenen Besorgnissen. Gewiß ist eine Mißernte niemals ein volkswirtschaftlich erfreuliches Ereignis. Aber seitdem es einen Wellhandel gibt, war es sonst immer möglich, den Ausfall eines einzelnen Landes aus den Vorräten des Weltmarktes zu decken— natürlich im Austausch gegen andere Waren. Das geht aber nur, wenn ein Land an den Welthandel angeschlossen, nicht jedoch, wenn es von ihm abgesperrt ist. Im blockierten Deutschland des Weltkrieges wurde die Mißernte von 1916 sofort zur echten Hungersnot. Das heutige Deutschland Hitlers hat sich durch die wahnwitzige Autarkie-Politik selbst blockiert. Es besitzt nichts womit es Lebensmittel vom Ausland in größerem Umfang ankaufen kann. Der Gold- und Devisenschatz der Reichsbank ist verwirtschaftet, schon stockt aus Mangel an Zahlungsmöglichkeit die Einfuhr der Industrierohstoffe. Der Zahlungsbankrott an das Ausland ist öffentlich von Schacht verkündet, schwere handelspolitische Abwehrmaßnahmen der betroffenen Gläubigerstaaten wie Zwangsclearing u. dgl. drohen. Es ist anzunehmen, daß ein großer Teil der Zinsen, die Deutschland sich zu zahlen weigert, von den Gläubigern zwangsmäßig einbehalten wird. Nun stelle man sich vor, was es in solcher Lage bedeutet, wenn Deutschland infolge Mißernte sich gezwungen sieht, für Hunderte von Millionen Lebensmittel zusätzlich vom Ausland einzukaufen. Die deutsche Regierung hat zwar, das steht fest, im Zuge ihrer Rüstungsmaßnahmen auch gewisse Getreidevorräte aufgespeichert. Wieviel sie jetzt davon hergeben wird, wo zwar schon die Blockade Deutschlands, aber ohne Krieg, eingesetzt hat, bleibt abzuwarten. Doch selbst wenn die braunen Militaristen angesichts der gegenwärtigen, dringendsten Not dieses Stück ihrer Zukunftspläne opfern, so ist damit die Ernährungsfrage bei weitem noch nicht gelöst. Die deutsche Vieh- und Geflügelwirtschaft, schoninnor- malen Zeiten zum großen Teil auf ausländische Futtermittel angewiesen, muß einen furchtbaren Rückschlag erleiden, wenn sie keine vermehrte ausländische Zufuhr erhält, gerade angesichts der ganz miserablen Futtermittel- und Heuernte. Nach vorübergehender Fleischfülle infolge von Notschlachtungen drohen dann Milch-, Butter- und Eiermangel, anschließend auch Fleisch- und Fettmaugel. Die Einfuhr ausländischer Fettstoffe(man erinnere sich der furchtbaren fettlosen Zeit des Weltkrieges) wird dann gebieterische Notwendigkeit. Aber auch sie erfordert den Besitz von ausländischen Zahlungsmitteln! Hinzu kommt noch das katastrophale Zurückbleiben der Kartoffeln, wogegen jetzt schon amtlich der verstärkte Anbau von Kohlrüben empfohlen wird. Kohlrüben— das Wort hat einen eigenen Klang. Für den Deutschen, der den Krieg miterlebt hat, bedeutet die Kohlrübe der Inbegriff der Unterernährung und des langsamen Verhungertes. Das deutsche Volk geht zweifellos schweren Hungertagen entgegen. Schuld daran ist aber nicht die Natur, nicht eine Dürre, wie sie sonst ein zivilisiertes Land ohne spürbaren Rückgang der Volksernährung leicht überwindet. Schuld sind vielmehr die gegenwärtigen Machthaber, die das deutsche A olksvermögen, für das Brot und Fett hätte gekauft werden können, für Granaten und Kriegsmaterialien, für unproduktive Reklame-Arbeitsschlachten und für das Luxusleben der braunen Bonzen haben draufgehen lassen. Von ihnen ist Rechenschaft zu fordern! Julius Civilis Zeidien der Wfrfediaffepanlh Die Essener„National-Zeitung", die in den letzten Tagen mehrfach von„Preisrevolution" und„Angstpsychose mit Uebereindeckung" sprach, sieht sich gezwungen, in ihrer neuesten Nummer zu gestehen:„Wir sind heute so weit, daß auf Grund der unverantwortlichen Gerüchtemacherei, die auch von ausländischen Quellen und Blättern genährt wird, sei es, daß man die Mark in ihrem Bestände als gefährdet hinstellt oder eine kurz bevorstehende Rohstoffsperre an die Wand malt, schon wieder sogenannte Hamsterkäufe vorgenommen werden. Vornehmlich handelt es sich dabei um die Tuchwarenbranche..." Aber auch auf dem Gebiete der Reisenwirtschaft wird von einer„zu erwartenden Preiserhöhung" und von einer„gleichzeitig erheblichen Qualitätsminderung" gesprochen,„weil dem Gummi aus Rohstoffmangel demnächst Sägemehl beigemischt werden müßte". Es muß eine wahre Panik herrschen, wenn Telegramme wie das folgende in Deutschland bereits zum Einkauf auffordern:„Gummiringkartell hat 1. Juni Abschlüsse bei bisherigem Preis und Qualität gesperrt. Wir halten euch aber bisherigen Preis und Qualität bei sofortiger Bestellung noch aufredet. Freundschaftlicher Rat, mit Eindcckung nicht zu zögern." Deutsche Dauernnof Fast alle Schlachtviehmärkte sind mit Rindern, Kälbern und vielfach auch mit Schafen weit über Bedarf beschickt. Das reichliche Angebot hatte zur Folge, daß die Verkäufer auf fast allen Märkten Verluste hinnehmen mußten. Die ungeheure Trockenheit dieses Jahres hat eine schlechte Futterernte zur Folge gehabt. Infolgedessen sehen sich die Bauern gezwungen, Vieh abzustoßen. Diese Notlage wird von gewissenlosen Viehaufkäufern benutzt, um die an sich schon niedrigen Viehpreise noch weiter zu drücken. Der Landesbauernführer von Württemberg hat folgenden Aufruf erlassen: Wie der Verlauf der Viehmärkte in den letzten Tagen zeigt, dauern die Angstverkäufe von Vieh weiter an. Es besteht deshalb erneut Veranlassung, darauf hinzuweisen, daß die Verschleuderung von Vieh trotz der andauernden Trockenheit sinnlos geworden ist. Es schweben zur Zeit Verhandlungen mit den zuständigen Stellen, um eine Entlastung der Viehmärkte herbeizuführen. Außerdem ist in allernächster Zeit mit einer Reglung der Vieh- und Schweinepreise zu rechnen. Die Württembergische Forstdirektion hat bereits eine Zusage hinsichtlich der Abgabe von Waldgras und Waldstreu erreicht, so daß auf diese Weise zu einer Erleichterung der Viehhaltung beigetragen wird. Es besteht deshalb keine Veranlassung, das Vieh im jetzigen Augenblick in Massen zu Verlustpreisen abzustoßen. Ernteaussichten Der jetzt vorliegende Bericht über die Gesamtvorräte am 31. Mai zeigt, daß Deutschland 1,8 Millionen Tonnen gegenüber 1,075 Millionen Tonnen am gleichen Tage des Vorjahres an Weizenvorräten und 1.68 Millionen gegenüber 1,38 Millionen Tonnen Roggen besitzt. Den Mangel an Futtermitteln will man durch vermehrten Anbau von Hülsenfrüchten überwinden, die als Ersatzmittel für ausländisches Kraftfutter verwendet werden sollen. Man kanns auch so sagen Der„Wirtschaftsdienst"(24) schreibt:„Der Verrechnungsverkehr mit den Ländern, mit denen sogenannte Schwedenabkommen bestehen, ist ab 9. Juni vorübergehend gesperrt worden, weil sieh bei der Benutzung der Sonderkonten Mißbräuche ergeben haben, deren Abstellung in Verhandlungen mit den betreffenden Vertragsstaaten bereits vorbereitet wird. In den letzten Wochen haben sich die Markeinzahlungen auf diesen Konten stark gehäuft; infolge des Verkaufs dieser Markbeträge durch die ausländischen Notenbanken erlitt die Reichsmark im Ausland eine Abschwächung.' Juden müssen ruiniert werden .(ZTA.) Laut„Nürnberger Zeitung" erklärte Gaupropagandaleiter Holtz in einer Versammlung der Warenhaus- Angestellten zum Thema„Der Jude im Warenhaus": Oberstes Gesetz der Regierung ist die Sorge für den deutschen Menschen. Der Warenhaus-Jude aber solle, wenn sein Umsatz zurückgegangen sei, eben das früher verdiente Geld zusetzen. Es wird nie geduldet werden, daß der Jude aus Profitgier arisches Personal entläßt. Selbst der Versuch dazu würde als ein Boykott an dem Werk Hitlers geahndet werden. Der Kampf in Franken gegen die Juden werde nie aufhören, bis der letzte Jude das Land verlassen hat. „Fränkische Tageszeitung", Nürnberg, berichtet:„Wie uns die Gauleitung des NS.-Hago mitteilt, bezieht eine Reihe Nürnberger und Fürther Zigarrengeschäfte immer noch Zigarren von jüdischen Lieferanten. Die NS.-Hago ist an die betreffenden Zigarrengeschäfte herangetreten, um diesem Uebelstand abzuhelfen... Falls die Ermahnungen der NS.- Hago gegenüber den betreffenden Firmen nicht fruchten sollen, würden wir uns veranlaßt sehen, Namen zu nennen." Will Rußland deutsche Waren? Der„Wirtschaftsdienst"(24) schreibt:„Das Blatt des russischen Volkskommissars der Schwerindustrie„Sa indu- strialisaziu" bekundet seit längerer Zeit erstmalig wieder Interesse an einer Ausweitung des deutsch-russischen Warenverkehrs und macht bereits positive Vorschläge für Methode und Finanzierung." ..b los (Deutsche Stimmen•(Beilage zur Deutschen Freiheit"• Ireignisse und Geschichten ' WWWW'S Samstaa. der» so j..«i iu»»~~g Samstag, den 3Q. Juni 1934 Zolletn harn mit tphcaim Auch Otta Qehühcs Vodild-> iiidisch gemixt Die kurze und gewiß lustige Mitteilung, daß der Frideri- cus Rex des deutschen Films, Otto Gebühr, wegen seiner jüdischen Großmutter aus dem deutschen Filmwesen verschwinden muß, verlangt einen Nachtrag. Schon einmal waren die Hohenzollern bei den deutschen Nationalsozialisten in Ungnade, namentlich bei jener Gruppe von Alldeutschen, die man als die Vorläufer des Nazitums bezeichnen darf, aus deren Mitte heraus die Gründung der NSDAP, erfolgte. Unmittelbar nach dem Krieg und unter dem Eindruck der Allerhöchsten Desertion nach Amerongen waren diese Nationalisten ganz und gar nicht geneigt, Wilhelm II. zu verteidigen. Im Gegenteil, sie ließen eine eigene Schrift erscheinen, um Wilhelm II. als„J u d s t i z e n" zu entlarven. Aber nicht genug daran, sie verkündeten in ihrer Schrift überhaupt historisch begründete Zweifel an der Rassenreinheit und Blutechtheit der Hohenzollern, also auch an der Rassenreinheit des Fridericus Rex, Friedrichs II., der heute samt seiner Marschmusik sozusagen als Protektor des Naziwesens im„dritten Reich" anerkannt wird. stizen italienischen Gräfin auf der Hohenzollerschen Ahnentafel als von einer der Ahnmütter des Kaisers. Welches gräfliche Quartier von den etlichen der 4096 Quarten der großen Maltzahnschen Ahnentafel aber gemeint ist?— Nescia.(Ich weiß nicht.) Es handelt sich da wohl um weibliche Nachkommen aus den Pierleoni, welchen eigens nachzugehen wäre. Dann verlautet, daß ein Markgraf von Brandenburg— als die Hohenzollern noch nicht Kurfürsten waren, eine Schauspielerin aus jüdischem Geblüt zu seiner Gemahlin gemacht habe, nachdem sie vom Kaiser zur Freiin erhoben worden sei— eine Annahme, d(e geschichtlich nicht beglaubigt, aber von einigen fest vertreten und verschiedentlich auch in die Literatur übergegangen ist." Wem aber auch das noch nicht genügt, um an das jüdische Blut der Hohenzollern zu glauben, dem wird die folgende Geschichte hinzugefügt: Mit dem Ende der deutschen Monarchie ist nach unserer Quelle eine alte Prophezeiung Wahrheit geworden; doch lassen wir unsere Quelle selbst sprechen: „Jüdischer Raff- und Wuchergeist hat zunächst die innere und dann von dieser aus die äußere Front erschüttert und die dem Judentum innewohnenden, destruktiven, zersetzenden, verneinenden und zerstörenden Kräfte haben der Monarchie der Hohenzollern das Lebenslicht ausgeblasen. So ist z. B. eine Jahrhunderte alte Prophezeiung oder besser ein alter Fluch in Erfüllung gegangen. Als der Burggraf von Nürnberg.'Friedrich von Hohenzollern, vor fünfhundert Jahren die Mark Brandenburg von Kaiser Sigismund, vom böhmischen König, um drei- hunderttausend Goldgulden erkaufte, lieferte sein Hofjude Ephraim den Kaufschilling! Aber die eingesessenen Edclleute der Mark setzten sich gegen den Schacher mit den Waffen zur Wehr und der Hohcnzoller hatte Mühe, mit den Rebellen fertig zu werden. Bekannt ist, daß der Markgraf und Kurfürst Friedrich einen der von Quitzows hinrichten ließ und selbst der Hinrichtung beiwohnte. Als nun Quitzow den Scheiterhaufen bestiegen hatte und dieser angezündet wurde, rief er dem Kurfürsten zu: Du Landräuber willst dich an meinem Ende weiden. Aber ich sage dir: Zollern ist mit Ephraim nach Berlin gekommen, Zollern Tuch mit Ephraim wieder hin- . p kommt a u s.' Auch Dietrich Eckart, den die Nazis mit Recht zu ihrem Nationalpoeten gemacht haben, kannte diese Sage. In seiner Münchener Wochenschrift„Auf gut Deutsch" wies dieser scharfsinnige Historiker auf sie hin:„Diese Sage ist sehr alt, ich selbst kenne sie schon seit zwanzig Jahren. Sie wirkt doppelt merkwürdig, wenn man hört, daß mit der Wichtigste der Berliner Rathenaus Emil hieß, Emil aber der übliche Deckname für Ephraim ist." All das aber bewiese schließlich nur die Verquickung der Hohenzollern mit den Juden, noch nicht aber ihre rassenmäßige Vermischung mit ihnen. Unsere Quelle klärt uns auch da auf, indem sie sagt: „Die bekannten Nostradamus-Weissagungen enthalten nichts besonders Greifbares, dagegen besagt die von dem Abt des Klosters zu Alt-Oetting im 17. Jahrhundert verfaßte Chronik den Aufstieg der Hohenzollern und anderes richtig voraus, auch den Deutschland schwerst niederziehenden Weltkrieg— nachdem Deutschland langsam wieder emporkommt, aber— und das ist der merkwürdige Schluß— ille Imperator ultimus erit sui generis. Sui generis!(Dieser Kaiser wird der letzte seines Geschlechtes sein. Seines Geschlechtes!) Das ist allerdings verschieden auszulegen." Da die Chronik von Alt-Oetting unserem gewissenhaften Historiker ein zu schwaches Beweismaterial zu sein scheint, gibt er uns noch andere Beweise in die Hand, um uns das jüdische Blut der Hohenzollern zu beweisen: „Was nun den jüdischen Einschlag der Hohenzollern eigentlich anbelangt, so spricht eine weitere viel verbreitete, allerdings unbewiesene Version von einer stark jud- „Auf Korsika sollen die festen Häuser der(nach anderen von der nächstliegenden italienischen Küste herübergekommenen) Bonaparte und der späteren Hohenzollern auf gegenüberliegenden Bergen gestanden haben — und beide Geschlechter von aus dem Zerfall des Römischen Reiches verbliebenen römischen Senatorengeschlechtern abstammen. Die Colonna(sagt Kentsch) sollen von den altrömischen Camillern stammen. 1452 begrüßte Vici- guera I., Graf von Collalto und Treviso aus dem Hause Colonna den Markgrafen Albrecht Achich(Achilles Friedrich— Achich, alte Zusammenziehung) von Brandenburg (der als Rat Kaiser Friedrichs III. mit diesem nach Italien gekommen war) als Stammverwandten und dieser war hocherfreut, die schöne Heimat seiner G e- schlechtsvettern zu sehen! Schmidt meint, der Name des Berges Zoller komme von dem römischen Möns solarius und sei, wie viele Deutsche, aus römischen Namen durch Umbildung entstanden. Die nachmaligen Hohenzollern(vorher Colonna oder Collalto, die italienischen Grafen gleichen Namens sagen, sie seien gleichen Ursprungs) sollen dann über Spanien und Südfrankreich nach dem südlichen Deutschland gekommen sein und sind im Vergleich zu anderen deutschen Fürstenhäusern erst spät hochgekommen... Bemerkenswerterweise sollen nach höchst beachtenswürdigen älteren und alten Quellen auch die Habsburger... ebenso wie die Grimaldi von Monaco von einem jüdischen Senatorengeschlecht des alten Rom ihren Ausgang genommen haben. Vielleicht darüber a. a. 0. einmal mehr wie über den jüdischen Ursprung der Fürsten von Montenegro aus dem Aaroniden- stamme Njegusch und seine mit dem Geschick eines berufsmäßigen Börsianers ausgenützte Konjukturen. Durch ihre jüdische Blutbeimengung, das heißt durch ihre jud- stize, haben diese mehr oder minder auch ziemlich judstiz aussehenden hohen Herren unbewußt tüchtige Vorarbeit zum Umsturz und damit zu ihrem eigenen Sturze geleistet— Alljudaan zu Nutz und Frommen." Soweit unsere Quelle, deren historische Glaubwürdigkeit, deren Ernst und deren Beweiskraft in nichts der Günther- sehen Rasselehre, der Arbeit der vielen Rasseämter usw. nachsteht. Jetzt muß auch klar werden, warum der judstize Otto Gebühr sein Vorbild so trefflich darstellen konnte; das Vorbild war gleich ihm— judstiz. Bleibt noch übrig zu verraten, wer unsere Quelle ist. Unsere Quelle ist das seit vielen Jahren aus dem Buchhandel zurückgezogene Buch„Semi-Imperato r". Das Buch ist anonym erschienen, der Verlag aber heißt: Franz Ebers Nachfolger. Der ungenannte Verfasser ist also ein engerer Verlagskollege des Herrn Reichskanzler selbst. Das Buch„SemiImperator" und eine Reihe ähnlicher ihm vorangegangener Werke bilden das wissenschaftliche Rüstzeug des Pogromi- sten Streicher, der immer wieder den Inhalt dieser alten Bände variiert und neugeformt seinen Lesern auftischt. Die Geschichtswissenschaft aus Hitlers Verlag Franz Eher, die wir heute unseren Lesern vorsetzten, entspricht durchaus den sonstigen Zweigen nationalsozialistischer Wissenschaft, die das Volk der Dichter und Denker zu fressen hat, wenn es nicht ins Konzentrationslager kommen will. Und zu all dem schweigen die Universitäten! M WW Stimmen des Auslandes Hitler-Freunden in» Stammbuch Herzerfrischende Worte gegen heimliehe und offene Freunde des„dritten Reiches" hat in diesen Tagen die Kopenhagener Zeitung„E x t r a b I a d e t" gefunden. Wir wollen sie wegen ihrer erfreulichen Eindeutigkeit hier im Auszuge veröffentlichen. Die Vorgeschichte ist folgende: Deutsche literarische Kreise hatten eine Einladung der dänischen Schriftstellervereinigung veranlaßt, und diese Vereinigung hat diese Einladung nicht abgelehnt. Hören wir, wie das linksbürgerliche Blatt diese Tatsache beurteilt: „Wie kann es der dänischen Schriftstellervereinigung einfallen, eine Tat zu begehen, die allen wirklichen Dänen wie eine Judastat, wie Verrat vorkommen mu? In dem Lande, mit dem die Herren freundschaftliche Höflichkeiten austauschen, ist alle Geistesfreiheit unterdrückt, die Bücher und Zeitungen, die den Machthaber» nicht behagen, werden verboten und verbrannt, und die Verfasser oder Redakteure werden in Gefängnisse oder Konzentrationslager gebracht. Eine große Zahl deutscher Dichter befinden sich im Exil, es ist verboten, ihre Namen zu nennen in dem Lande, zu dem sie gehören. Der berühmteste dieser Verfasser ist Einstein— wenn er nicht geflüchtet wäre, würde er nun im Gefängnis sitzen. Sein Eigentum wurde beschlagnahmt zugunsten des Landes, für dessen Weltberühmtheit er mehr getan hat als alle Häuptlinge des Nationalsozialismus zusammengenommen. Mit diesem Lande, in dem alle geistige Freiheit, alle Meinungsfreiheit und alle Pressefreiheit von Polizei und Soldaten unterdrückt ist, hat es also eine dänische Verfasserkorporation für passend gefunden, in freundschaftliche Zusammenarbeit zu treten. Lag dafür eine Notwendigkeit vor? Niemals! Wenn die Deutschen die Herren einluden, war es die simpelste Sache der Welt, mit einer höflichen Absage zu antworten. Aber man fühlte sich so beehrt, daß man gleich Ja und Danke sagte, ja. man war offenbar geehrt und geschmeichelt. Verstand man nicht, daß uns die Deutschen nicht um unserer schönen Augen willen einluden, sondern daß s ihnen darum geht, sich in den Augen des Auslandes zu rehabilitieren, indem sie geistige Verbindungen über ihre Grenzen hinaus schaffen? Nein, die Herren schienen überhaupt nichts zu verstehen, sie gingen sofort in die Falle. Welcher Mangel an Verstand und Gefühl! Welche Schwachheit gegenüber einer so leicht zu durchschauenden Freundlichkeit! Anstatt ein wenig zu überlegen, katzebuckelte man und machte Kratzfüße, geehrt und geschmeichelt: 0, wie nett von den Herren Nazis, js diese Freundlichkeit zu erweisen! tBäses aus(Deutsch-JCcane Daß man sich nicht schämt! Herr Böhm hat in Deutsch Krone eine SA.-Parade angenommen. Große Schlagzeile im„Völkischen Beobachter": „Ehrung des Stabschefs in Deutsch-Krone— Herzlicher Empfang— Ehrenvalerschaft für ein Mädchen und einen Knaben!" Daß dem herzlichen Empfang gleich Zwillinge ehrenhalber entsprungen sind, ist praktisch. Bisher haben sich Böhms Beziehungen zu kleinen Negerknaben als unfruchtbar erwiesen. Qcuh aus dem Tlaccenhaus „Die aztekisch ebräischen Horden haben den niederträch- tigen Wodanskult zu uns gebracht und uns aufgezwungen.... So wurde der edle, echt germanische Thyr oder Tor dem Volke entfremdet. Mit dem erbärmlichen Wodin-Odin-Kult wurde der amerikanische Menschenopfer, und Molochdienst uns aufgezwungen. Leider gibt es heute noch„germanische" Forscher, die uns einreden wollen, daß der ebräische Tyrann Wodin-Odin-Adam ein germanischer Gott gewesen sei." „Nationalsozialistische Monatshefte." JCapellmeistee(fieidenceich Der Kapellmeister Heidenreich von der Berliner Staatsoper war bisher noch nicht entfernt. Schließlich entdeckte man, daß er nicht reiner Arier war und setzte ihn ab. Die Entlassung wurde ihm in der Form mitgeteilt, daß eines Tages am Eingang der Staatsoper ein Anschlag hing:„Herrn Kapellmeister Heidenreich ist das Betreten der Staatsoper verboten". Der Mann ging nah Hause und erschoß sich. (Die heutige englische£itecatuc Unter den modernen englischen Schriftstellern ist eine Reihe auch auf dem europäischen Kontinent bekannt. Ihre Bücher sind zum größten Teil übersetzt und werden mit vollem Recht gern gelesen. Die bekanntesten sind wohl: Aldous Huxley,"James Joyce und Harold N i c o 1 s o n. Aldous Huxley, der Enkel des bekannten Darwin- Vorkämpfers und berühmten Wissenschaftlers Thomas Huxley, ist zweifellos einer der begabtesten und geistreichsten Schriftsteller englischer Zunge. Er verfügt über ein außer- ordentliches Wissen und verbindet es in glänzender Weise mit großem Geschmack; er ist vielseitig interessiert, an den schönen Künsten in gleicher Weise wie an den Fortschritten der modernen Wissenschaft; er reist gerne und viel uud versteht es meisterhaft, in seine Beschreibungen von Menschen und Landschaft eine ungewöhnliche Kenntnis der großen geschichtlichen Zusammenhänge zu verflechten. Deutlich kommt dies auch in seinem letzten Reisebuch über Mexiko zum Ausdruck. Sein Prosastil ist im allgemeinen von einer überaus großen Einfachheit und Knappheit, während seine Verse gerade in ihrer Bewegung einsam in der modernen englischen Literatur auf großer und stolzer Höhe stehen. Neben seinen vielseitigen Interessen beobachtet Huxley sehr intensiv das politische Geschehen unserer Tage und sieht, wie das häufig in seinen Artikeln zum Ausdruck kommt, mit wachsender Besorgnis und Angst auf die Entwicklung der Dinge auf unserer Lide und besonders auf dem europäischen Kontinent. Der noch nicht 40jährige, der außerdem das größte literarisch- und sozial-kritische Talent Englands ist, hat sich in-sehr kurzer Zeit einen großen und bewundernden Kreis von Lesern im In- und Ausland erzogen. Seine Leser, denen er schon viele und schöne Stunden bereitet hat, dürfen noch Größeres von ihm erwarten. und auf dem Kontinent rasch durch seine ausgezeichneten Bücher bekannt geworden. Von einer höheren Warte aus beschäftigt er sich darin fast ausschließlich mit den Kulissen der großen Friedenskonferenzen und ihrer Nachfolger. Gerade durch seine persönlichen und genauen Kenntnisse von den wahren Vorgängen ist er besonders dazu geeignet, seinen Lesern auf eine einfache Weise zu erklären, was viele nicht deuten konnten und was doch sehr menschlich war. Er entrollt ein scharfes Bild von den wahren Charakteren der Hauptdarsteller, die damals auf der vordersten politischen Bühne handelnd standen. Mit einer sachlichen Kritik uud einer skeptischen Ironie deutet er vieles und gerade dadurch, daß er es in rein Menschliches auflöst, zeigt er die vielen Fehler der ehemaligen Politik auf. Mit seinem neuesten Buch, das der Biografie des Lord Curzon gewidmet ist, setzt er die Reihe seiner politischen Darstellungen fort. Ernst Schubert. James Joyce ist einem breiteren Publikum durch sein großangelegtes Werk„Ulysses" bekannt geworden. In seiner Heimat ist das Buch bekanntlich verboten und eine Reihe anderer Länder hat sich diesem Verbot angeschlossen. Trotzdem hat es sich rasch einen großen Kreis von aufrichtigen Bewunderern geschaffen und es könnte allzu leicht dazu verführen, seinen Ruf auf die Verbote zurückzuführen. Viele sind der Ansicht, daß es zu sehr überschätzt werde und doch ist nichts falscher als gerade diese Meinung. Immer wieder muß man beim Lesen den genialen Meister der Sprache be-(faSChisieuhuch au f. dem' tidcX wundern, der jene wunderbaren Wortspiele und eine völlig v,. unbekannte und fast neue Sprache erfunden hat. Keineswegs allein im rein Artistischen liegt die Bedeutung dieses Buches, sondern darin, daß es dem Autor in einer bisher nie erlebten Weise gelungen ist, alle jene unterbewußten und halbbewußten Zustände in der Seele des Menschen hervorzuzaubern und an das helle Tageslicht zu bringen. In James Joyce hat die moderne englische Literatur einen der fesselndsten und geistvollsten Schriftsteller. Harold Nicolson, der Sproß einer alten Diplomaten- fatniüe und selbst früher aktiver Diplomat, ist in England j.....r„^IKVCV Einer Veröffentlichung des„Osservatore Romano" ist zu entnehmen, daß sämtliche Schriften des früheren italienischen Kultusminister G e n t i 1 e, der auch die Schulreform durchgeführt hat, durch ein Verdikt des Papstes auf den Index gesetzt worden sind. Gentile, der als der Philosoph des Faschismus anzusehen ist, bekleidet heute das Amt eines Staats- jminisf ra. Vom gleichen Verbot wurden auch sämtliche Schriften des italienischen Philosophen C r o c e, eines Schülers Hegels, betroffen. „Deutsche Freiheit" Nr. 148 Das bunte Vlatt Samstag, 30. Juni 1934 ♦jßt- ^ Rheinische Apäße Der Gerüchtemacher Der Wegearbeiter Döres Speck war die lebendige Zeitung non Volmerswerth und versorgte dos Dorf mit Neuigkeiten, wobei es ihm freilich nicht immer auf die Wahrheit ankam, sondern mehr auf die Verbreitung seines Geschwätzes. Eines Tages stand er, von seiner Arb«it ausruhend, auf seine Kratzhacke gestützt, als der Schmätze Henderich vorbeikam, der sein Dreirad schob, um leere Gemüsekörbe abzuholen. Wie er Döres Speck sah, dachte er, da er sich öfter über dessen Klatsch geärgert hatte: halt! dem willste du mal einen oarat machen! „'n Dag, Döres!" „'n Dag, Henderich! Wo willsbe denn hin mit dem Dreirad?" „Oh," antwortete der Schmitz- Henderich,„ich— öh— ich will in die Neustadt. Da liegt ein Schiss am Rhein mit Erdäpfeln. Die kann man sich umsonst holen." „Umsonst?" „Eja, umsonst. Die sind naß geworden. Viel wird ja nich dran sein, aber man kann sie, mag leicht sein, noch brauchen, um die Schweine damit zu füttern." „Ja, dat kann man." meinte Döres Speck.„Wat sagste? Ein ganzes Schiff voll Erdäpfeln? Und umsonst? Dat wär' mir doch wat!" Er schulterte seine Kratzhacke und ging eilig ins Dorf, um die Neuigkeit an den Mann zu bringen. Als der Schmitz« Henderich nach einer halben Stunde mit seinem beladenen Dreirad wieder heim wollte, begegnete ihm das halbe Dorf mit Schiel^karren, Dreirädern, Zieh- karren. Und wie er den ersten, den zweiten und den dritten fragte, wohin er wolle, und zur Antwort bekam, baß er nach dem Rhein fahre, um in der Neustadt umsonst Kar- toffeln aus dem Schiff zu holen, da wurde der Schwitze Henderich nachdenklich. Schließlich sagte er sich: Die Bewohner der Osterinsel Die Insel Tristan da Cunhas, die unter dem Namen „Osterinsel" berühmt geworden ist, ist ein seltsamer Erben- platz. Mitten im Süd-Atlantik, 1800 Meilen von Afrikas Küste entfernt, liegt sie verloren und weit weg von den Schiffahrtslinien. Sie hat eine merkwürdige Bevölkerung von einigen hundert Einwohnern, die stark gemischte Ele- mente umfassen. Zahlreiche Abenteurer sind hier nach einem ereignisreichen Leben gestrandet. England, dem die Insel gehört, tut alles, um sie nicht verkommen zu lassen: dank der spärlichen Pflanzungen auf der Insel und der Vorräte, die vom Kontinent durch Lebensmittel-Schiffe herangebracht werden, haben sich die Insulaner bisher mehr recht als schlecht ernähren können. Doch der ständige Zuwachs der Bevölkerung droht ihr Dasein mehr und mehr einzuschrän- ken, so daß England bereits ihre Umsiedlung in Aussicht ge- nommen hat. Woraufhin natürlich Kanada und Südafrika, die hauptsächlich für die Beherbergung von Auswanderern in Frage kommen, geantwortet haben, daß sie nicht wissen, was sie mit den Leuten anfangen sollten. Und England, das selbst mit Arbeitslosen übervölkert ist, fragt sich nun, wie es diese überflüssigen und enterbten Elemente unterbringen soll. Der vielumworbene Zwergstaat Obwohl Andorra nur eine Miniatur-Republik ist, ist sie nichtsdestoweniger der Gegenstand mancher Begierden. „Wenn sie alle hinfahren, muß doch wohl am End' was Wahres dran sein. Man kann alles nich wissen." Drehte sein Dreirad um und fuhr auch an den Rhein. Der Schwitze Röbes und der liebe Gott Früher floß der Dllsselbach offen durch die Mühlenstraße in Düsseldorf. Zu den einzelnen Häusern führten schmale Holzbrücken, die oft in miserabler Verfassung waren, so daß sie selbst am hellen Tage nur mit Lebensgefahr überschritten werben konnten. Der Schmitz« Köbes kehrte an einem Samstag spät abends stark benebelt nach Hause heim. Als er bis zu der Brücke, die über den Bach führte, gekommen war, stiegen ihm Zweifel auf, ob er den schmalen Steg in der Dunkelheit finden würde. Dazu hatte sich der Himmel mit schwarzem Gewölk überzogen. Dumps rollte der Donner, ab und zu zuckte ein Blitz. In seiner Herzensangst dachte Schwitze Köbes an Gott und betete: „Lieber Gott, laß mich noch einmal glücklich nach Haus kommen. Ich will auch im Leben nicht mehr ins Wirtshaus gehen!" In diesem Augenblick zuckte ein Blitz auf: die Helligkeit benutzte Schwitze Köbes und eilte über den Steg. Er um- klammerte das morsche Geländer und wähnte sich in Sicher- heit, und übermütig rief er: „Jetzt kannst du mir den Puckel raufrutschen!" Aber kaum hatte er das gerufen, da wich das morsche Holz, und er stürzte in den Bach. Als er drunten sag, sah er vor- wurfsvoll nach dem Himmel und sprach: „Lieber Gott, du bist mir auch ein Retter, du! Du kannst auch kein Späßchen vertragen!" Hans Müller-Schlösser. Vor einigen Monaten wollte ein reicher Tscheche, der über einige tausend Dollar verfügte, die Täler von Andorra käuflich erwerben. Nunmehr ist kürzlich ein gewisser Boris von Skossirefs dort aufgetaucht, der sich als Vertreter des Hauses Frankreich ausgab und die Rechte des Herzogs von Guise auf das Fürstentum Andorra wahrnehmen wollte. Er setzte den erstaunten Bewohnern des Ländchens auseinander, daß einst Heinrich IV. der legitime Erbe dieser Rechte gewesen sei, die ihm von seiner Mutter Jeanne d'Albert, der Gattin Johann I., des Grafen von Feix, überkommen seien. Daraus ergebe sich, baß Johann III., Herzog von Guise, jetzt zusammen mit dem Fürsten von Urgell, Erbansprüche auf das Gebiet besitze. Auf Grund einer Untersuchung stellte sich jedoch heraus daß Skossirefs ein Betrüger war. Er wurde unverzüglich aus Andorra ausgewiesen. Die Zwergrepublik weiß sich zu verteidigen Die böse Schwiegermutter Dieser Tage wurde das zur Wirklichkeit, was böse Zungen schon immer gesagt hatten. Ein jung Verheirateter stellte sich dem Gefängnis von Santa Palazia in Ancona freiwillig und bat um seine Aufnahme. Auf die Frage nach seiner Tat, mußte er antworten, daß er zwar nichts verbrochen habe, daß er jedoch das Leben im Gefängnis dem weiteren Zusammenleben mit seiner Schwiegermutter vorziehe. Er drückte seine tiefe Enttäuschung darüber aus, als man ihm eröffnete, daß man ihn bann nicht nehmen könne. 500 Dollars pro Minute Die Frau des Präsidenten der Vereinigten Staaten be- weist mit ihren Antworten sowohl ihren großen Takt als auch ihre Schlagfertigkeit. Dieser Tage erhielt sie die Summe von 3000 Dollar für einen Vortrag, den sie über Frauenfragen im Radio gehalten hat. Die Uebertragung hat genau sechs Minuten gedauert. Daraufhin erhielt Mrs. Roosevelt eine Zuschrift, in der man sie fragte, ob sie ihrer Meinung nach diese 3000 Dollar verdient hätte. Aber die Frau des Präsidenten ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und antwortete:„Sie haben recht. Niemand ist fähig eine Arbeit zu leisten, die mit S00 Dollar pro Minute bezahlt werden kann. Ich habe auch niemals angenommen, daß meine Arbeit so viel wert war. Daher habe ich auch die 3000 Dollar sofort einem Wohltätigkeitsfonds überwiesen. Den» iib habe mir gesagt, daß man einen solchen Preis nicht Mrs. Roosevelt bezahlt hatte, sondern der Frau des Präsidenten der Vereinigten Staaten." Weltmeister im s>chlsngenbeschwören In dem dänischen Orte Hirtshals bei Hjörring hat sich eine hübsche kleine Schlangengeschichte zugetragen, die zum Glück ein heiteres Ende fand. Ein sechsjähriger Knabe fand beim Spielen in einer Sandschlucht acht lebendige Kreuz- otlern von mehr als zwölf Zentimeter Länge. In der Meinung, es seien Fische, steckte der junge Nimrod die zischenden Schlangen in die Hosentasche, um sie seiner Mutter zu bringen. Zu Hause warf er sie mit der Be- merkung, er habe einen schönen Braten mitgebracht, auf den Fußboden, wo sie sofort zischend in Kampfstellung gingen. Die erschrockene Mutter erkannte blitzschnell den Irrtum ihres Sohnes und rief^eine Nachbarin herbei. Den beiden Frauen glückte es, die Schlangen totzuschlagen, ehe sie Schaden anrichten konnten. Wissen s>ie schon... ... welches der wirkliche Name von Voltaire war? Francois Arouet(1694—1778). ... welches der wirkliche Name des französischen Dichters Stendhal war?— Marie Henri Beyle(1785—1849). ... welcher englische Dichter in der Südsee starb?— Robert Louis Stevenson. ... wer sich selbst den„König der Diebe" nannte? Der rumänische Hochstapler Georges Manolescu. ... wer die erste moderne Tänzerin war, die barfüßig tanzte?— Jsadora Duncan(1902). ... wie die berühmteste Moschee in Europa heißt?—> Die Hagia Sophia. ... welches Tier den Siamesen heilig ist?— Der weiße Elephant. ... wie der Palast der türkischen Sultane hieß?— Das Serail. ... nach wem die berühmteste Pyramide ihren Namen hat?— Nach Cheops, ägyptischem König(um 2700 v. Chr.). ... wie der größte Lyriker Chinas heißt?— Li-tei-po. ... der wievielte Teil der Menschheit in China lebt?— Mehr als ein Viertel(ca. 425 Millionen Einwohner). ... wie der letzte Buchstabe des griechischen Alphabets heißt?— Omega. ... welche„Schrift" aus Knoten in einem Strick besteht?— Die Quippu der Peruaner. V Unsere Töchter, die Kannen Roman von HermyniaZurMühlen. 10 „Leg es doch unter den Baum," bat ich.„Damit du wenigstens ein Geschenk hast." „Laß doch, Mutter, ich kann warten." Aber ich wollte unbedingt, daß meine Toni ein Weih- Nachtsgeschenk hat und band die Kordel auf und packte das Buch aus. Die Toni sprang vor und wollte es mir aus der Hand reißen. Doch kam sie zu spät, ich hatte schon den Titel gelesen:„Mein Kamps" von Adolf Hitler. Ich hatte für diesen einen Abend meinen Kummer ver- gessen wollen und mit meiner Toni so sein, wie ich es srüher gewesen mar. Aber dieses Buch da, dieser Name, nein, es ging nicht. Ich dachte an andere Weihnachten, als mein Anton noch lebte. Das ganze Jahr sparte ich Pfennig um Pfennig zusammen, um ihm ein Buch zu schenken, das er sich wünschte, und wie er sich freuen konnte, wie er das Buch liebevoll in die Hand nahm, darin zu blättern begann und plötzlich die Toni und mich völlig vergaß, weil er zu lesen angefangen hatte. Die kleine Toni zupste ihn dann am Aermel: „Vater, wir sind auch noch da. Vergiß das nicht." Und mein Anton stellte ein wenig beschämt das Buch in den Bücherschrank, den er sich selbst gezimmert hatte. Später dann setzte sich die große Toni zu ihm und las ait, und wenn ihr etwas besonders gefiel, rief sie eifrig: „Hör zu, Mutter," und las die Stelle laut vor. Seit dem Tode meines Anton hatten wir einander immer nur nützliche Sachen geschenkt, und nun kam zum erstenmal wieder ein Buch ins Haus. Und was für eines! Ich blickte zum Bücherschrank hinüber, in dem die Bücher, die mein Anton so oft gelesen und die er so geliebt hatte, standen. Und die toten Bücher waren mir mit einem Male näher als mein eigenes Kind. Die Toni schien meine Gedanken zu erraten. „Ich habe dir doch gesagt, Mutter, daß du das Paket nicht aufmachen sollst" Ich war noch immer wie vor den Kopf geschlagen, nicht zornig, nur traurig und verwirrt. Und ich hatte nur einen Gedanken: „Aber nicht in Vaters Schrank, Toni, nicht in Baters Schrank." Die Toni nickte nur, und dann saßen wir lange stumm unter dem brennenden Baum, Mutter und Kind, und doch zwei Fremde, die einander nicht mehr verstanden. Die Kerzen knisterten leise und so oft eine erlosch, war mir zu- mute, als sei mein Anton von neuem gestorben und habe auch meine Toni mit in den Tod genommen. Am ersten Januar ging ich wie alle Jahre zur Gräfin Agnes, um ihr ein gutes neues Jahr zu wünschen. Als die Marie, das Mädchen, mir öffnete, machte sie ein erfreutes Gesicht. „Das ist recht, daß sie gekommen sind, Frau Gruber. Ich weiß mir schon gar nicht mehr zu helfen. Die liebe Alte," die Marie ist ein junges Ding von neunzehn Jahren und findet es unter ihrer Würbe, die Gräsin Agnes beim Titel zu nennen,, und die Gräsin Agnes weiß, daß sie für die Marie„die liebe Alte" ist und lacht darüber,„die liebe Alte sitzt nun schon den ganzen Morgen da und weint. Sie will mir nicht sagen, warum. Und ich Hab Angst, sie könnte mir noch krank werden." Ich bin rasch in das Wohnzimmer gelaufen und richtig, da saß die alte Frau ganz klein und zusammengekauert neben dem Kamin und weinte, daß es sie nur so schüttelte. „Was ist denn geschehen?" fragte ich erschrocken. Tie alte Frau hob den Kopf: ihr Gesicht war ganz ver- ändert, verzerrt, als ob sie Schmerzen hätte, und die Augen waren dick verschwollen vom Weinen. Sie reichte mir stumm die Hand, und als ich sagte: „Ich bin gekommen, um ein gutes neues Jahr zu wünschen," erwiderte sie mit zitternder Stimme: „Wünsch mir, daß ich bald sterbe, Kati, das ist das einzige, was du mir wünschen kannst." Sie hat mich seit vielen Jahren, seit der Zeit, da ich als junges Ding bei ihr mar, nicht mehr geduzt, und es ist mir ganz komisch vorgekommen. Sie hat nach ihrem nassen Taschentuch getastet, sich die Augen gewischt und versucht, nicht mehr zu weinen. Aber die Tränen sind ihr immer wieder über die Wangen ge- laufen, und ihr kleiner, magerer Körper hat gebebt. Mein erster Gedanke war: sie hat ihr Vermögen verloren. Das kommt ja heutzutage oft vor. Und was soll die alte Frau, die nie arbeiten gelernt hat, tun? Die Claudia kann ja auch nichts. Ich habe sie gefragt, ob es das ist. Sie hat den Kopf geschüttelt: „Wenn es nur das wäre, Kati." Sie tat mir so leid, aber ich mußte trotzdem insgeheim lächeln: wer Geld hat, versteht es nicht, seinen Wert zu schätzen, und gar die Gräfin Agnes, die so anspruchslos ist, die weiß ja gar nicht, was es heißt, wenn man ohne Pfennig dasteht. Sie hat eben immer genug zum Leben gehabt. Vielleicht hat sie meine Gedanken erraten. „Ich weiß, daß auch das ein Schlag für mich wäre," hat sie gesagt.„Ich bin ja schon alt und kann nicht arbeiten. Aber das wäre wenigstens keine Schande. Und ich müßte mich nicht fragen, ob nicht auch ich die Schuld daran trage. Nein, das wäre keine Schande." Sie hat mich so hilflos angesehen, daß ich gar nicht wußte, was tun.. Ich bin weiter in sie gedrungen, sie soll mir doch sagen, was geschehen ist, aber sie hat nur geweint und geflüstert: „Das Aergste, Kati, das Allerärgste, die größte Schande, die mich treffen konnte." Und mehr war nicht aus ihr herauszubringen. Ich blieb über eine Stunde bei ihr und versuchte, sie zu trösten, aber wie kann man einen Menschen trösten, wenn man nicht weiß, worüber er verzweifelt ist? Immer wieder bat ich sie, es mir doch zu sagen, aber immer wieder ant- wartete sie: „Ich kann nicht, Kati, ich kann nicht. Ich schäme mich zu sehr. Bielleicht morgen. Heute kann ich es nicht sagen. Kann nicht." Tie hielt meine Hand fest mit ihrer alten mageren kleinen Hand. Und dann sagte sie auf einmal, ganz unvermittelt: „Wir waren immer anständige Menschen, immer. Wenn ich zurückdenke, an meinen Vater und meinen Großvater und noch weiter an ihre Frauen, so brauche ich mich nicht zu schämen. Mein Großvater hat auf dem Spielberg ge- seifen, weil er für die Freiheit gekämpft hat. Ja, wir waren alle anständige Mensche». Alle." Und dann weinte sie wieder, so verzweifelt, so fassungslos, daß mir das Herz weh ta». (Fortsetzung folgt^ Mussolini und Darthou „Nichts iur den Frieden getan, eher fOr den Krieg" Italienische Unlrenndlhhhell Rom, 29. Juni. Zum Abschluß der B a l k a n r c i s e Bar- rhous schreibt die„Gazctla bei Popolo", ihr Aktivum er- scheine keineswegs imposant. Wenn man die Bilanz ziehen wolle. Müsse nian vor allem eine ungerechtfertigte Beleidigung der nationalen B e st r e b u n g c n Ungarns feststellen. die zu einem einmütigen Protest der Nation gesührt habe. Tic Haltung Frankreichs sei insosern sonderbar, als es unbedingt kür den Völkerbund eintrete, aber zugleich jede Revisionspolitik bekämpfe. Tic Balkan- reise hat jedenfalls zu einer B e r st ä r k u n g der B l o et- Politik und der Balkantsierung der f r a n• zösischen Politik geführt. Dagegen sei keine der«chwe- benden internationalen fragen von der Abrüstung bis zur Verbesserung der politischen Beziehungen einer Lösung ent- gegengekührt worden. Aber jener Abenteuergcist der Balkan- floaten sei verstärkt worden, der sehr oft in der unmäßigen Sprache Tttulescus zum Ausdruck komme Es sei nichts türden Frieden getan, sondern c b e r> ü r d e» K r i e g gewirkt worden, sowie für die Blocks- und Einkrelsungs- Politik, die Delcassö eingeleitet und die dann 1014 zum Krieg geführt habe, für den die Geschichte Deutschland»ich, mehr d-e ganze Verantwortung zuschreibe. Zudem müsse man auch die Londoner Reise des Generals W ey» and in Betracht ziehen, mit der Frankreich die Möglichkeit einer cnglisch-französischcn Zusammenarbeit aus militärischem Ge- biet prüfen wollte. Während sich so Frankreich mit Blocks und Bündnissen die Vorherrschati.af dem Kontinent zu sichern suche, möchte es auch eine Stütze in England finden, dem es Schutz gegen die Luftangriffe zusichere. Heise nach Rom Paris, 29. Juni. Ter römische Berichterstatter des„Matin" will erfahren haben, daß die von Außenminister Barthou in einem Presseinterview abgegebene Erklärung. er würde gern nach Rom kommen, wenn es sich nicht um einen protokollari- scheu Besuch, sondern um eine allgemeine Rcglung der französisch-italienischen fragen Handele, im Rom günstig anige- nommen ivorde» sei. Die Unterredung des französischen Bot- schasters mit Unterstaatssekretär Suvich am Donnerstag dürfte einem Meinungsaustausch über die etwaige Annäherung der französischen und der italienischen Stellungnahme zu den regionalen Pakten und der allgemeinen Zusammen- arbeit in Europa gedient habe» Auch die diplomatische Mit- arbeiten» des„Oeuvre" versichert, daß Italien sich lebhast für die regionalen Pakte interessierte. Die römische Regie- rung habe sogar, wie verlaute, m Paris einen Schritt unter- nommen, um sich über den„Blechanismus" dieser Pakte und über die Gründe zu unterrichten, aus denen man sie nicht offiziell vom Ost-Locarno in Kenntnis gesetzt habe. In gul- unterrichteten französischen Kreisen habe man am Donners- tag den Eindruck gehabt, daß die Reise Barthous nach Rom vielleicht nicht mehr in allzu weiter Ferne liege. Wie lauge notii in Oesterreich? Oer Terror erreicht Gipielpunhle Eisenbahnanschläge &nß Wien, 28. Juni. Der Ministerrat ist am Donners» taguachmittag zusammengetreten, um über die zahlreichen Vorfälle der letzte» Nacht zu beraten. Wie jetzt bekannt wird, ist in der vergangenen Nacht die bekannte Mitten waldbahn Innsbruck— Gar- misch-Partcnkirchcn an drei Stellen ge- sprengt norden. An verschiedenen Stellen wurden an den Bahngleisen die Telegrafen- und Tclefonmastcn durch Sprengungen umgelegt. In B l n d c n z sollen ferner die Schienen an einigen Stellen ausgerissen sein. Gerüchte, nach denen es sich hierbei um ein Attentat gegen den Zug handelt, mit dem der sranzö- fische Außenminister Rarthon nach Paris zurückkehrte, finden keine Bestätigung. Die Sprengung der Eisenbahnstrecke soll vielmehr eine Stunde nach der Vorbeifahrt des französischen Außenministers erfolgt sein. Auch bei Judcnburg in Strier- mark, Bruck a. d. Mur, Amstcttcn in Niederllsterrerch, Vöckla- brück an der Wcstbahn und bei Salzburg wurden Anschläge aus die Bahnkörper verübt. Die Gleisanlogen wurden be- schädigt. Außerdem wurden längs den Bahnlinien vertan- 9? leite Telegrafenleitungen durchschnitten und Telegrafen- mästen durchsägt. Sprengstoffanschläge in Tirol und Vorarlberg 6n6. Wien, 28. Juni. Zu den Vorfällen, die sich im Laufe der letzten Nacht hauptsächlich im Alpengebiet ereigneten, werden noch folgende Sprengstoffauschläge gemeldet: Aus dem Jnnsbrucker Eifenbahnviadnkt wurde eine auf Zeit eingestellte Höllenmaschine gesunden, die jedoch nicht zur Explosion kam. An verschiedenen Orten Tirols wurden An- schlüge auf die Elektrizitätswerke verübt. In Achensee wurde der Versuch unternommen, den Standamm eines Kanals eines Elektrizitätswertes»u sprengen. Von feiten der Be- Hörden wurde erklärt, daß Fußspuren von der b a y e r i- schen Seite her festgestellt worden seien. In Vor- arlberg erfolgten in Bregenz, Dornbirn und Hohenems An- schlage gegen Eisenbahnbrücke», Elektrizitätswerke, Tele- grasen- und Telesonleitnngen. Durch die Explosion eines Sprengkörpers wurde in Vludenz eine erhebliche Störung in den Leitungsanlagen verursacht. Zahlreiche Sprengstoffanschläge in Kufstein dnb. Kusstein, 28. Juni. Ju der Nacht zum TonnerSrog wurden in Kufstein auf die Hochdruckwasserleitung des Elek- trizitätsmerkes und auf die Wasserleitung der Stadt Spreng- stosfanschläge verübt. Die beiden Wasserleitungen wurden gesprengt und teilweise zerstört. Dabei wurde auch ein Hoch- spaunungskabel zerrissen. Die Trümmer flogen Hunderte von Meter weit. Ein Stück flog ins Tal hinab und durch- schlug das Dach eines Hauses. Die Detonationen wurden in der ganzen Stadt gehört und gleichzeitig erlosch das Licht, das erst später wieder in Gang gesetzt werden konnte. Der Weg zum Kaisertal ist durch die ntederströmenden Wasser- Massen teilweise ungangbar gemacht. Fast gleichzeitig wurden Anschläge auf das städtische Wasserwerk„Turer Reservoir" und aus das Transforma- torenhaus in der Nähe des Liszt-Tenkmals verübt,^er Materialschaden ist sehr groß. Das Elektrizitätswerk steht unter polizeilichem Schutz, Die Erregung in der Stadt ist ungeheuer. Mehrere Personen wurden verhaftet. Neue Zusammenstöße in Graz dnb Wien. 28. Juni. Wie aus Graz berichtet wird, haben sich dort am Donnerstag neue Unruhen ereignet. Zwilchen Angehörigen der ostmärkifchen Sturmscharen und Passanten sNazts?» kam es zu einem Heftigen Wortwechsel, der schließlich in Tätlichkeiten ausartete. Die- Polizei sah sich gezwun- gen einzugleisen und das Stadtzentrum abzuriegeln, lieber die Gründe v»r neuen Zusammenstöße liegen noch keine amt- lichen Mitteilungen vor. Anschläge in Salzburg dnb. Mii» chen, 28. Juni. Wie der Lesterreichische Presse- dienst aus Salzburg meldet, wurde in den Morgenstunden des Donnerstag ein Sabotageakt gegen die städtische Wasser- leitung durchgeführt, der zur Folge hatte, daß die Trink- Wasserversorgung Salzburgs aus 21 Stunden unterbrochen ist. In der Nacht zum 28. wurde ei« Sprengstosfanschlag aus das Gebäude der Sulzburger Landesregierung verübt, der aus dem Hause eine große Zahl von Steinquader» heraus- riß. Ans der Bahnstrecke Salzburg—Wien wurde kurz vor der Station Ederbauer ein Anschlag verübt, durch den ein Gleis zerstört wnrde. Der Verkehr mußte eingleisig ausrecht erhalten werden. Im Zentrum der Stadt Salzburg explo- vierten am 27. Juni gegen Abend zwei große Sprengkörper, und zwar der eine am Maqnartplatz, dem sämtliche Fenster der Kanzlei der Vaterländischen Front zum Opfer sielen. Ein zweiter Sprengkörper explodierte in nnmittelbarer Nähe und zerstörte einen großen Teil der Fenster des Salz- burger Stadttheaters sowie einen Teil der Fenster des Spieltasinos. Die Vorstellung im Salzburger Stadttheater mußte unterbrochen werden. Ell Todesurteile beantragt Der drille RochcprezeO wegen Ermordung eines SA-Mannes im polischen Sireil- Zwei Beschuldigte schon hingerichiei Wie das„Deutsche Nachrichtenbüro" meldet, beantragte der Staatsanwalt im sogenannten„Tritten Hecklinger Mord- Prozeß", der wegen der Ermordung des SA.-Mannes Eieslick gesührt wird, gegen alle elf An- geklagten die Todes st rase. In einem ersten Prozeß wegen der Ermordung des TA.» ManneS Eieslick wurden zivei Angeklagte zum Tode verurteilt, die inzwischen bereits hingerichtet sind. Gegen eine Reihe weiterer Angeklagten, die sich wegen Mit- täterschalt zu verantworten hatten, ivurde vor dem Schwur- geeicht in Dessau im November 1988 ein zweiter Prozeß durchgeführt, der mit der Beurteilung von zehn Angeklagten zum Tode endete. Dieses Urteil ivurde vom 6. Strafsenat des Reichsgerichts aufgehoben und ide Sache zur VerHand- lung an das Dessauer Schwurgericht zurückverwiese». In der Begründung, mit der das Reichsgericht das Urteil seinerzeit aufgehoben hatte, war— wie berichtet— u, a. zum Ausdruck gebracht worden, daß es ftix die einzelnen Verurteilten nicht hinreichend gekläri sei, ob sie die Tat als ihre eigene gewollt hätten: wenn das Schwurgericht erneut zu der Feststellung kommen sollte, daß die Angeklagten, auch soweit sie nicht geschossen hätten, den Mord gewollt hätten, so müsse es bei jedem einzelnen die Tatsachen klar- legen, au« denen es diesen Schluß ziehe: insbesondere sei bei dem Angeklagten Thalmann sc», im ersten Urteil nicht hinreichend dargetan, daß er mit den andern zum Zwecke des Uebersalls in Verbindung gestanden habe. Aus den Staatsanwalt hat offenbar die Angst vor dem Terror mehr Eindruck gemacht als die Rcchtsbelehrung durch das höchste deutsche Gericht. Er hat schon zwei der Be- schuldigten dem Scharsrichter überliefert und will nun noch elf Arbeiter köpfen lassen, Ter Staatsanwalt übertrumpst die Forderung nationalsozialistischer Agitatoren, die für jeden gefallenen SA.-Mann zehn Marxisten gemordet wissen wollen. Die Losung des Staatsanwalts ist: Dreizehn für einen! Man vergegenwärtige sich, was den blutigen Zusammen- stoßen an gegenseitiger Verhetzung, an Herausforderung von der einen zur anderen Seite, an Terror und Haß voraus- gegange» ist, erst dann bekommt man einen Maßstab für die Größe des Verbrechens, das der Staatsanwalt gegen die an dem Streit Beteiligten fordert. Es ist eine rein barbarische Rachejustiz, die sich nur gegen die Linke auswirkt. Mit Recht hat ein solches Gerichtsverfahren nichts mehr zu tun. Das bleibt bestehen, selbst wenn das Urteil statt elf Todesstrafen elf endlos lange Zuchthausstrafen verhängen sollte. Freilich würde Zuchthaus wenigstens las Leben der elf Anti- faschisten retten, und daß sie die harten Zuchthausstrafen nicht bis zum Ende abzubüßen haben, dafür wird die Ent- wicklung in Deutschland sorgen. Das Neueste Im„Völkischen Beobachter" veröffentlicht Reichswehr» mini st er Generaloberst v, Blomberg einen Aus» satz über„Die Wehrmacht im Dritten Reich", in der er u. a. jagt, die Wehrmacht diene diesem Staat, den sie aus innerster Ueberzcugung bejahe, sie stehe zur Führung, die ihr das vor- nehmste Recht wiedergegeben habe, nicht nur Träger der Waffe, sondern auch der von Staat und Volt anerkannte Träger eines unbegrenzten Vertrauens zu sein. Die dcutsch-cnglischen Tranoserverhand- l u n g e n sind am Freitag fortgesetzt worden. Ueber ihre Aussichten mischen sich zweifelnd und zuversichtliche Stim- men. Sehr fraglich ist, ob eine Einigung»och vor dem t. Juli möglich ist, da sich die Reichsbank mit Rücksicht aus die übrigen Gläubiger nicht ohne weiteres zn Konzessionen de- reitsinden werde. Wie von litauischer amtlicher Seite bekanntgegeben wirb, hat der Gouverneur des M e m e l g e b i c t e s den Landcspräsidentcn Dr. Schreiber seines Amtes enthoben. Die Maßnahme wird mit einer Förderung der national- sozialistischen Bewegung durch Schreiber begründet. Nach einer Meldung des österreichischen Pressedienstes sind dieser Tage 299 Bauern und Gewerbetreibenden aus der Kirche ausgetreten, weil in Braunau vom(Geistlichen die Massen der Heimwehrleute gesegnet wurden, mit denen zuvor ein SA.-Mann ermordet worden war. Der französische Senat hat die von der Kammer bereits verabschiedeten Nachtragstreditc für die Landes- Verteidigung in Höhe von über drei Mit, liarden Franken angenommen. Bei Vcrvins fNordfrantreichi fuhr in der Dunkelheit ein mit sieben Personen besetzter Kraftwagen in einen Kanal. Bon den Insassen konnten nur der Wagenführer, ein Ge- schästsinhabcr aus Vervins, und sein Nesse gerettet werden. Die übrigen fünf mit dem Fahrzeugbcsitzcr verwandten Per- sonen wurden erst nach mehrstündigen Bemühungen tot ge- borgen. Im britischen Unterhaus wurde die Clearing-Bor- l a g e am Donnerstagabend angenommen Nachdem der Ge- setzesvorschlag die königliche Zustimmung erhalten hat, ist er Gesetz geworden. Nach einer Meldung ans Lissabon ist ein Fischerboot mit acht Mann in der Nähe des Häsens Nazare gesunken. Fünf Mann der Besatzung ertranken, der Nest konnte von einem anderen Fischerboot gerettet werden. Tenge Oders! von liindenhurg Der Gereke-Prozeß enthüllt weiter dnb, Berlin, 28. Juni. In der Donnerstagsitznng des Pro- zesses gegen den ehemaligen Rcichskommissar Gercke trat Oberst Oskar v. Hindenburg erneut als Zeuge auf. Er hatte seine nochmalige Vernehmung gewünscht, weil gewisse Gegensätze zwischen seiner Aussage und der Aussage der Schwester Margarethe Sprung bestanden. Der Zeuge ging aus die Behauptungen ein, wonach Dr, Gercke in seiner Wohnung eine Summe Geldes in einer Matratze vernäht aufbewahrt habe und daß er, der Zeuge, von dieser Tatsache gewußt hätte, Oberst v, Hindenburg betonte, er habe schon bei seiner erste» Vernehmung erklärt, daß er von der An- gclegcnheit nichts wisse und die Wohnung Tr Gerekes überhaupt nicht gekannt habe. Ter Zeuge erklärte sodann, daß er Dr. Gereke während der ganzen Wahlperiode nicht ein einziges Mal, weder in seiner Wohnung, noch im Hotel Prinz Älbrecht in irgendeiner Form gesprochen habe. Oberst v. Hindenburg dnb. Berlin, 28. Juni. Im Verlaufe seiner Vernehmung erklärte der Zeuge Oberst v, Hindenburg zn der Aussage der Zeugin Margarethe Sprung, er habe erst nach dem ersten Wahlgang Dr. Gereke in seiner Wohnung aufgesucht. Der Vorsitzende hielt dem Zeugen sodann die Aussagen der Zeu- gin Sprung vor, die ausgesagt habe, daß am 29. 2. 1982, also vor dem ersten Mahlgang, Dr, Gercke zwei Telefongespräche mit dem Obersten v. Hindenburg geführt habe. Im Verlause des ersten Gesprächs habe Dr. Gereke gesagt, es müsse irgendetwas geschehen, die Seitensprünge des Silberfuchses zu durchkreuzen, um einer Kandidatur Düster- bergs, die von Hilgenberg beabsichtigt mar, entgegenzuwirken. Dahei habe Gercke weiter gesagt, um diese Kandidatur abzuivehren, müsse er leider den Zeitungssonds angreifen. Nach der Aushändigung der 500 000 Mark an den früheren dentschnationalen Reichstagsabgcvrdnetcn Obcrsohren habe Gercke bann in einem zweiten Telefongespräch dem Obersten v, Hindenburg mitgeteilt, daß er zu den vorhandenen vier- hundertachtzigtauscnd RM, noch 20 000 RM. aus eigenen Mit- teln zugelegt habe, iveil die andere Seite 500 000. RM. verlangt hätte,— Oberst v. Hindenburg erklärte Kaan, daß er sich eines solchen Gespräches nicht erinnern könne. Die Zeugin Sprung blieb bei ibren früheren Bekundungen über den In- halt der Telefongespräche. In diesem Zusammenhang teilte der Vorsitzende mit, daß über diese Frage demnächst auch Hilgenberg ver- nommen werden soll. Ter Angeklagte Gereke erinnert nun den Zeugen Obersten v. Hindenburg daran, daß er schon vor der Konstituierung des Hindenburg Ausschusses mit ihm wiederholt gesprochen habe und auch damals schon die Rot- wendigkeit einer Zeitnngsgründung erörtert wotden sei. Zeuge o, Hindenburg gibt die Möglichkeit solcher Gespräche zu, aber die Zeitungssrage sei nach seiner Erinnerung erst später vor dem zweiten Wahlgang Gegenstand von Ver- Handlungen gewesen. Rechtsanwalt Dr, L a n g b e h n: Ist dabei auch der Plan besprochen worden, die Reichskanzlerjchast Brünings durch eine Kanzlerschaft Schleichers abzulösen und hängt damit auch der Zeitungsplan zusammen? Zeuge v Hindenburg: Nein, es wurde ja ausdrück- lissi festgelegt, daß die zu gründende Zeitung über den Par- tei n stehe und keinen Interessen dienen solle. Damit ist die Vernehmung», Htndenburgs beendet. Es trirt eine Pause ein. da der Angeklagte Gereke wiederum, einen Schwächeanfall erlitt. vlehesgerneinschaff Der bekannte Arzt und Schriftsteller Dr Friedrich Wolf, der Verfasser des Dramas„Zyankali", aber auch einer populären Naturheilkunde, teil! das Tch'ckchl vieler linksgerichteter Schriftsteller: das„dritte Reich" stiehlt ihm sein Vermöge». Aber in diesem Falle glauble das Landes- polizeiamt Württemberg— Dr, Wolf wohnte zuletzt in Stuttgart—»och ein übriges tu» zu sollen: es forderte jedermann auf, der Vermögenvstücke des Beraubten in Ge- wahrsam habe oder über ihren Verbleib Bescheid wisse, dem Landes»"! zeiawt Anzeige zu erstaNen, Wer die Anzeige unterließe, so hieß es weiter, stelle sich damit außerhalb oer o>,ilsgemein,chaft. Wobei sich das edte Landespolizeiamt wohl nicht ganz klar darüber gewesen ist, daß es mit d'esem Hinweis die Volks- gemeinschast Hitlerscher Couleur zu einer Diebes- g e m e i n s ch a f t degradiert hat. Krieg mit geheimen Otiten Sensationelle Enthüllungen Whftham Steeds Der frühere Chefredakteur der„Times", Englands ange- sehender Journalist, Wickham Steed hat einen geradezu sensa- tionellen Artikel über die deutschen Kriegsvorbereitungen aus chemischem wie bakteriologischem Gebiet in der englischen Monatszeitschrift„The Rineteenth Century and After" ver- össentlicht. Der bekannte englische Journalist trifft seine Feststellungen aus Grund sehr wichtiger Geheimdokumente, die sich in seinem Besitz befinden und von dem deutschen Kriegs- Ministerium stammen. Diese Dokumente enthüllen die beut- scheu Absichten, den kommenden Krieg in der Hauptsache mit Giftgasen und Bakterienkulturen zu sühreu. Wie gesagt, die Dokumente entstammen dem Geheimdienst des deutschen Kriegsministcriums unter dem Kennzeichen L. G. A., eine Abkürzung für Luft-Gas-Angriff. Das erste Dokument ist vom Juli 1932 datiert, ist ausdrücklich als Geheimdokument gekennzeichnet und an eine Flugzeugsirma adressiert. Darin wird die Stärke der sran- zöstschen Befestigungen angeführt, gegen die sowohl Jnfan- terie wie Artillerie kaum etwas ausrichten können. Die For- dcrung des Tages sei: Intensivste und planmäßigste Stär- kung der deutschen Lustslotte, um aus diesem Wege rücksichts- los gegen die militärischen und wichtigen Industriezentren wie die großen Städte des feindlichen Landes zu operiereu. Die Firma wird dann um ein entsprechendes Gutachten ge- beten. In dem Dokument wird aus die bisherigen wissen- schaftlichen Versuche mit flüssigen chemischen Mitteln und Baktcrienkulturen Bezug genommen. Die verschiedenen Methoden eines Angriffs mit Giftgasen und Bakterien- kulturen werden angeführt, ebenso wie die bisherigen Ber- suchsergebnisse durch die Geheimabteilung des Kriegs- Ministeriums. Der englische Journalist geht dann noch auf einige Details, so u. a. auf die V rgasung der feindlichen Untergrundbahn- stationen ein. Nach den vorliegenden Dokumenten haben die deutschen Geheimagenten bereits sowohl in Frankreich wie in England entsprechende Versuche durchgeführt«ud genaue Pläne über die wichtigsten Punkte, Berechnungen und Ber- suchsergebnisse in Paris wie in London eingesandt. Aus Grund weiterer Dokumente weist der bekannte eng- lische Journalist nach, daß die in Deutschland vorgenommenen Versuche mit Giftgasen und Bakterienkulturen nach einem Schreiben vom 27. Januar 1933 als in jeder Hinsicht erfolg- reich beendet wurden. Die mit den verschiedenen Versuchen beauftragte deutsche Firma erhielt dann am 16. Mai 1933 durch Erlaubnis des Reichskanzlers Hitler zur Durchführung der weiteren Versuche die genauen chemischen Formel., der Bakterienkulturen mitgeteilt. Das war am Vorabend der großen Friedenserklärungen des Reichskanzlers Hitler. Die dann in aller Stille vor- genommenen Versuche werden als restlos zufriedenstellend bezeichnet. Im Oktober 1933 hatte dann die LGA. die genaue« Pläne für deutsche Luftangriffe gegen folgende französische Städte fertig vorliegen: Diedenhofen, Metz, Strahburg, Bel» fort, Nancy, Berdun, Toul, Epinal, Paris, Toulon, Mar» seille, Lyon, Le Havre, Ronen, Nantes, le Creusot St., Etienne, Ronbaix und elf weitere Orte im Norddeparte- ment und nenn Orte im Maas- und Moselgebiet. Wie ge» sagt, genaue Pläne für den deutschen Lustkrieg gegen Frank» reich mit Giftgasen und Bakterienknltnren. Nach den weiter vorliegenden Dokumenten sind von den deutschen Geheimagenten sowohl in Paris wie in London in aller Stille ausgiebige wissenschaftliche Versuche durchgeführt worden. So n. a. in Paris am 18. August 1933 und am IS. September 1933. Alle mit gutem Erfolg. Der bekannte englische Journalist schließt mit der Fest» stellung: Nicht uninteressant ist es, daß kurze Zeit nach den ersten Erhebungen des LGA. in dem Fachblatt des deutschen Kriegsministeriums, in dem„Militärwochenblatt", ein Arti- kel über die Notwendigkeit ganz neuer Angriffsmethoden er- schien, die den Feind außerstande setzte, sich dagegen zu ver- teidigen. Steuerfragen Gesellschafts- gründungen Wenden Sie sich an F. BRIQUEU LICENCIE EN DROIT ehemaliger Kontrolleur der direkten Steuer» behörden. um vom offiziellen Standpunkt aus beraten zu werden. 25. Bd. Bonne.Nouvelle, PARIS(2). Telefon Louvre 22-95 VILLA SLfiT 1930 erbaute herrschaftliche W..M Garten, Garage, Büros, tu ver Haufen. 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