Nr. 149— 2. Jahrgang Einzige unabhängige Tageszeitung Veutschiands Saarbrücken, Sonntag Montag, 1.2. Juli 1934 Chefredakteur: M.Braun XX 37 Ans dem Inha l! JzaHsfeckcise in.£cndca Seite 2 Sozialistisch^kamanistische tuth&UsfcOHt? Seite 3 JCuituekampfUief. dee deutschen^Bischöfe Seite 7 JlocseueCt gegen ifchacht Seite 8 England fiir Papen Hoffnungen auf den Vizekanzler und den Verrat Hitlers an seinen««alten Kämpfern 11 Dr. 0. G. London, Ende Juni. „German? i« newg"— Deutschland, das heißt Neuigkeiten Selten traf diese Parole aus die enqlische Presse so zu wie heute. Sollte jemand den Versuch machen, alle Artikel und Berichte der ernsten englischen Zeitungen wie„Times", „Manchester Guardian",„Daily Telegraph" und„Morning Post" auszuschneiden, die irgendwie auf Deutschland Bezug haben, so bliebe in diesen Tagen nicht mehr viel von den politischen Seiten dieser Zeitungen übrig. Aber selbst die Sensationsblätter wie Beaverbrocks„Daily Erpreß" und „Evening Standard", wie der„Daily Herald" und„News Chronicle" bringen neben so welterschütternden Ereignissen wie dem englisch-australischen Cricket-Match. dem aufregenden Leichcnfund im Koffer in der Gepäckaufbewahrungsstelle und dem Ehescheidungsprozeß der Tänzerin Tilly Losch mit allen Einzelheiten, soweit man in England darüber schreiben darf, immer wieder Schlagzeilen über Deutschland. Nur die faschistische Rothermerepresse schweigt eisern— und auch die- ses Schweigen spricht Bände. Popens Marburger Rede hat hier wie eine Bombe ein- geschlagen. Sie bestätigte alle Ahnungen und Gerüchte: es ist etwas nicht in Ordnung mit dem Naziregime. Schon Hitlers Reife zu Mussolini hat mau hier als einen Verzweiflungsakt aufgefaßt. Und nun, kaum ist Hitler zurück, die Papen-Rede. Und nicht nur die Rede, son- dern fast noch wichtiger, das Verbot Goebbels, über liefe Rede zu berichten, die scharfe Gegenrede von Goeb- bels, der i«cht minder scharfe Gegenartikel von Rosen- b e r g im„Völkischen Beobachter". Englische Blätter be- richteten von einem Glückwunschtelegramm Hindenburgs an Papen, von einem Rücktrittsangebot Popens, das von Hitler abgelehnt wurde. Wilhelm in Doorn gibt dem„Daily Herald" ein Interview, nicht direkt aber durch einen Hof- beamten, worin er von seiner baldigen Rückkehr spricht. Der ehemalige Herzog von Braunschweig, Wilhelms Schwiegersohn, der über enge Beziehungen zum britischen Hof verfügt, Ruprecht von Bayern und Brüning find in London. Was geht da vor? Die englische Presse— die kleinsten Provinzblättchen brin- gen Leitartikel über diese Frage— sieht die Gruppenverteilung einigermaßen klar. Auf der einen Seite die Jun- ker, die für ihren Besitz fürchten, die Großindu- st r t e l l e n, denen die Wirtschaftspolitik zu chaotisch ist, die Bürokratie, die Kirchen, der Reichspräsident, der in Neudeck wieder stark unter Junkereinfluß steht, und als das große Fragezeichen die Reichswehr. Auf der anderen Seite die proletarischen Elemente der S A., die Nazijugend und die Demagogen, die diese Gruppen führen und sich ihrer bedienen, die Goebbels, Ley, Schirach, Streicher. Röhm. Ob Popens Borstoß einem festen Plan zu- folge erfolgte, ob es sich nur um einen Vorstoß handclt, der die Widerstandskraft des Gegners erkunden soll, ob Papen verfrüht losschlug, aus Furcht, Hindenburg könne bald ster- ben, das weiß man nicht. Hier hat die Kombination freien Spielraum. Wird die Reichswehr eine offene Machtergreifung der Konservativen mit oder ohne Hitler unterstützen, oder wird sie nach wie vor sich fernhalten und abwarten? DaS ist die Frage, die alle englischen Zeitungen sich stellen und die sie vorsichtig, wie sie sind, nicht beantworten. Sie alle nehmen an, daß Hitler versuchen wirb, die Gegensätze auszugleichen, sie glauben sogar, daß es ihm zeitweise gelingen mag, aber sie sehen doch klar, daß auf die Dauer Worte nichts besagen, sondern daß beide Gruppen Taten sehen wollen. Kann Hitler die gewünschte Ware liesern? Und wenn nicht, was bei der schlechten Wirtschaftslage anzunehmen ist, was dann? Die Mehrzahl der englischen Blätter würde einen Sieg Popens begrüßen. Man liebt zwar Herrn von Papen hier gar nicht, aber man zieht immerhin einen konservativ regierten Rechtsstaat dem heutigen Zustand vor und erst recht natürlich einem Staat, in dem die Goebbels, Rosenberg und Röhm allein komman- dieren. Die Linkspresse freilich sagt offen, daß ein Papen- regiment mit oder ohne Monarchie auch nicht gerade eine Be- freiung Deutschlands und damit eine Befreiung der Welt von einer großen Gefahr bedeute. In einem Punkt ist ein großer Teil der englischen Presse blind. Hier hat die planmäßige Nazipropaganda Erfolg ge- habt. Man hält Hitler persönlich für einen respektablen Mann, der all dies» Ausschreitungen und Unterdrückungen gar nicht gewollt habe und sich nur nicht gegen seine wilden Gehilsen habe durchsetzen können. Man beschwört Hitler, diese wilden Männer abzusägen und die SA. aufzulösen, dann könne er in die gute Gesellschaft aufgenommen werden. Man will offenbar nicht sehen, daß alle Greueltaten mit Hitlers Willen geschehen sind, daß er der wahre Urheber der Judenverfolgungen ist, daß das alles schon in seinem Buch steht. Man steht in Hitler den gemäßigt- konservativen Mann, der nur aus Treue und Schwäche seine alten Mitkämpfer hält. Ein konservatives Regiment, das die Goebbels, Rosenberg, Röhm und Streicher ausschaltet, könnte in maßgebenden englischen Kreisen auf eine gewisse Sympathie rechnen, auch wenn Hitler nach wie vor an der Spitze steht. Der„Daily Herald" meldet aus Berlin, daß am kommen- den Dienstag eine Kabtnettssitzung stattfinde, in der die beiden Regierungsclquen um die Macht kämpfen würden: die Gruppe Papen und ie Gruppe Goebbels. Papen habe die Absicht, sich erneut nach Neudeck zu wen- den, um mit Hindenburg zu besprechen, ob es zweckmäßig sei, daß er weiter balanciere oder seine Demission und die der mit ihm verbundenen Minister Neurath, Krosigk, Seldte und Rübenach anbiete. Ccstapo und Vizekanzler Verhaftungen, Haussuchungen. Ueberwachung Berlin, so. Juni.(Jnpreß.) Die Geheime Staatspolizei übergibt der Oeffentlichkeit ein Kommunique, in dem sie be- hauptet, daß ihr von einer Verhaftung des Journalisten Edgar Jung, des Ratgebers Papen, und des Herausgebers der„Führerbriefe", Walter Schotte, nichts bekannt sei. In Wahrheit hat vor drei Tagen, gegen Mitternacht, SA. das Haus, das Jung bewohnt, umstellt, und Polizei drang in das HauS ein. Jung zog sich einen Augenblick ins Bade- »immer zurück und schrieb an die Wand:„Geheime Staats- polizei". Diese Bemerkung verriet später, was mit ihm ge- schehen war. Der Vizekanzler Papen hat sofort, nachdem er von der Verhaftung erfuhr, bei der Gestapo protestiert: ohne Erfolg. Man erklärte ihm. daß„Dr. Jung im Anschluß an eine Haussuchung verhaftet worden sei". In den Diensträumen des Vizekanzlers von Papen find in der letzten Woche, jedesmal nacht», geheime Haussuchungen vorgenommen worden: alle Papiere wurden gevrüft. Weiter «fahren wir, daß alle Telefongespräche Popens abgehört werden: sämtliche Personen, die ihn besuchen, werden au»- nahmslos fotografiert. Um die Erregung in der Hauptstadt zu charakterisiere«, genügt es zu vermerken, daß gestern, unverzüglich demen- tiert, das Gerücht kursierte, von Papen sei durch die Ge- Heime Staatspolizei verhaftet worden. In eingeweihten Kreisen wird darauf aufmerksam gemacht, daß das Vorgehen der Gestapo gegen den Freund Papen», Jung, und den Herausgeber der Führerbriefe, Schotte, so- wie die Ueberwachung Popens auf eine Rücksprache zwischen Goebbels und Himmler zurückzuführen ist. Himmler, der Chef der Geheimen Staatspolizei, steht mit dem Propaganda- minister in engstem Kontakt: er ist heute noch stellvertreten- der Reichspropagandaleiter der NSDAP. Die Marburger Rede Popens zirkuliert in der Reichswehr in Tausenden von Exemplaren. Die Verbreitung wird»ou den Offizieren der Reichswehr begünstigt. Unter d*n Gratulationen, die Papen zu seiner Marburger Reoe ethteU, oeHnoet sich ein Brief de» Ex-Kronprinzen. Gestern und heute Auf einem Bücherbrett sahen wir jüngst sechs stattliche Bände. Es war eine Sammlung der Geseße und Verordnungen des„dritten Reichs". Die Einbände sahen ganz normal aus, nichts verriet von außen die Hexentanzpläße der Druckerschwärze auf tausenden von Papierseiten. Aber es gibt unter diesen Gesetzen eines, dessen Gemeinheit und Qrausamkeit selbst in dieser Kollektion ohnesglei- chen ist. Es ist das bereits im„Betrieb" befindliche Geseß zur Verhütung erbkranken Nachwuchses, das die Sterilisierung, nötigenfalls die Zwangssterilisierung von Trägern erblicher Geisteskrankheiten, erblicher Blindheit und Taubheit, schwerer körperlicher Mißbildungen und des erblichen Alkoholismus verlangt. Es ist an sich sehr wohl denkbar, daß ein Staat im Dienste am Volksgenossen derartige Bestimmungen zur Hebung des Gesundheitszustandes erläßt, und eine durchgegliederte und verantwortungsbewußte Gemeinschaft hat sogar die Verpflichtung, die Gesunden vor dem Fluch vererbbarer Krankheit mit jedem, unter Umständen auch sehr hartem Mittel, zu schüßen. Unter einer Bedingung freilich. Nämlich der, daß Eingriffe in das unerseßbare Gut des Menschenkörpers nur erfolgen nach den höchsten Maximen medizinisch-wissenschaftlicher Erkenntnis; daß sich keine mit dem Messer bewaffnete Hand an einen lebendigen Leib wagt, die die Wirkung eines operativen Eingriffs nicht voll erkennt. Für die offizielle Medizin des„dritten Reichs" aber ist das nicht mehr gültig. Auf dem 46. Kongreß für innere Medizin in Wiesbaden wurde offen erklärt, der Politiker könne nicht warten, bis die Fundamente der Erbwissenschaft und Rassenlehre bis ins kleinste ausgebaut und gesichert seien. Er müsse aufbauen auf der„intuitiv erschauten Grundwahrheit der blutmäßigen Verschiedenheit der Völker wie der einzelnen". Die Politik müsse der Wissenschaft vorauseilen und— das ist der furchtbare und entscheidende Saß—„manchmal auch über sie hinwegspringen". Das ist die nackte Aufforderung, das Onerationsmesser unter Umständen zum politischen Zweck zu mißbrauchen. Tausend Aerzte und Wissenschaftler hörten sich das an, keiner stand auf und gab schreiend dem professoralen Redner das Echo seiner Schande zurück, im Namen des deutschen Geistes und eines Jahrhunderts deutscher ärztlicher Kunst. Alle wußten sie, daß die Wissenschaft bei weitem noch nicht vermag, mit einiger Genauigkeit den Wert der Nachkommen eines Elternpaares vorherzusagen. Keiner machte den hinwand, daß dieses Geseß auf dem stursten naturwissenschaftlichen Materialismus beruht, der die Kräfte der Seele und des Willens mißachtet. Alle waren glücklich, über die Hürden der Wissenschaft mit SA.-Gepäck„hinwegspringen" zu dürfen, oder sie taten wenigstens so, vor Furcht zitternd, sonst in die Kolonnen der reaktionären Miesmacher eingereiht zu werden. Aber das ist noch nicht das schlimmste. Die deutsche Aerzteschaft, die bisher die Heiligkeit der Berufsverschwiegenheit durch ihre Standesgerichte schüßte, läßt sich zur medizinischen Gestapo anmelden, besser: zum Spißel der Sterilisierung. Medizinalrat Trunk beschäftigt sich in der„Münchner medizinischen Wochenschrift"(Nummer 19) mit der Anzeigepflicht der Aerzte auf Grund des Geseßes. Er stellt fest, daß alle Aerzte und Zahnärzte verpflichtet sind, jede Person anzuzeigen, die dem zur Anzeige Verpflichteten in seiner Berufstätigkeit bekannt sind und an einer der in den Para- grafen 1, 2 angeführten Krankheiten leiden. Wie weit dieser Zwang geht, zeigt folgender Saß aus den Ausführungsbestimmungen:„Wer eine körperliche Mißbildung sieht, die den Geschädigten merkliche Nachteile im Lebenskampfe zufügt, Klumpfuß, Hüftluxation, Wolfsrachen etc. und nicht ganz offensichtlich auf einen Unfall zurückzuführen ist, muß die Anzeige machen." Das träfe nun freilich Herrn Goebbels sehr hart. Ihm aber hat man troßdem die Nachkommenschaft nicht versagt. Wie aber steht es mit den marxistischen Untermenschen, mit den minderrassigen Staatsfeinden? Hier ist das Tor der Willkür weit geöffnet, durch das braune Diagnose und Therapie unter dem Kommando der Politik jederzeit einmarschieren können. In den Konzentrationslagern leisten Aerzte Polizeidienst. Ihr ärztliches Gewissen verstummt vor Gefolterten und Getöteten. Sie stellen sich den Rasse- und Sippeämtern zur Verfügung. Sie gehen auf die Jagd nach angeblichen Erbkrankheiten zwecks Sterilisierung, obwohl sie wissen, daß sie damit Menschen der Afterwissenschaft ausliefern. Im Kriege mußten die deutschen Aerzte Kranke gesund schreiben. Heute werden sie verpflichtet, Gesunde unter Umständen erbkrank zu schreiben. Das ist ein Vertrauensverlust für den Arzt als Helfer und als Menschen von übersehbarer Tragweite. Denn Unzählige werden nur noch unter Zwang zum Doktor gehen, weil sie die Sterilisierungsagenten des„dritten Reichs" mehr zu fürchten haben als die Gespenster der Krankheit Anguu Noch eine Verhotfang Berlin, 80. Juni. Reichskanzler Hitler iveiger.te sich Rs jetzt. der Forderung des Vizekanzlers nachzugeben. Dr. Edgar Jung aus der Hast zu entlassen. Die Spannung im Rcichskabinett hat sich deshalb wieder verschärft. Wie sehr die Gestapo den Kreis um Pave'n überwacht, geht daraus hervor, daß der Pariser Korrespondent des Ullstein- Nauses kurz nach seiner Ankunsi in Berlin verhaftet worden ist. Dr. Riariaur hatte hier den Weg zu den Büros des Vize- kanzlers v. Pape« eingeschlagen und nachher in der Wohnung Edgar Jungs vorgesprochen, wo der ahnungslose Besucher von der Polizei festgenommen wurde. Mariaux war lange Jahre Redakteur der„Kölnischen Zei- tiiitg", zeigte eine Zeitlang Verständnis für die Linke und wechselte dann, die.uonfunkiur witternd, zur Rechten hinüber. Er hat sich im vorigen Jahre besonders auf den Boden der gegebenen Tatjachen gestellt. Oskar v. lllndcnhzrg als Zeuge Berlin, 29. Juni. In der gestrigen Sitzung des Gereke-Prozesics wurde als erster Zeuge der Sohn des Reichspräsidenten Oberst Oskar von Hindcnburg vernommen. Oberst von Hindenburg hatte, wie berichicl,»m seine nochmalige Vernehmung gebeten, weil gewisse Widersprüche zwischen seinen Auslagen und den- jcnigen der Schwester Margarethe Sprung hervorgetreten waren. Oberst von Hindenburg erklärte heute: Es war damals die Rede von einer Summe, die in die Wob nung Dr. Gerekes geschickt worden sei. Es wurde weiter n« lagt, da» sich dieses Gelb mit meinem Wissen in Matratzen eingenäht befunden haben tollte. Ich habe damals gesag. das, ich das für ausgeschlossen halte, nnd habe den Satz hin- zugefügt, das, ich die Wohnung Dr. Gcrctes überhaupt Nicht gekannt habe. Ich will heute präzis erklären: es ist so gewesen, das, ich während der ganzen Mahlperivhe nicht ein einziges Mal weder Gereke in seiner Wohnung noch im Hotel „Prinz Aibrecht" in irgendeiner Form gesprochen oder aui- gesucht habe. Ich habe nicht einmal gewußt, wo sich Dr. Gcrekes Wohnung besand. Ter Vorsitzende hielt dem Zeugen dann die weitere Pe- knndnng der Zeugin Sprung vor, daß Dr. Gereke am 20. Februar. also vor dem erste» Wahlgang, zweimal Tele- iongesprächr mit Oberst von Hindenburg geführt habe. Bei dem ersten Gespräch habe Dr. Gereke getagt, es mitsie irgend eiivas gegen die„Seitensprünge des Silberfuchses" unter- nvmmen iverdrn, nämlich gegen die Ausstellung der Kandi- dalur Düsterberg dürch Geheimrat Hugcnbcrg. Dabei habe Gereke gejagt, um diese Kandidatur abzuwehren, müsse er leider den Zeitungskonds angreifen. Räch der Aushändigung der SM 999 Mark a» Dr. Obersohren habe Gereke dann in einem zweiten Telesongesprach Oberst von Hindcnburg mitgeteilt, er habe zu den 480 000 Mark noch aus eigenen Mittel» 20 000 Mark zulegen müssen, weil die andere Seite 7,00 000 Mark verlangt habe. Oberst von Hindenburg erklärte dazu, an ein solches Ge- sprach könne er s i ch n i ch t e r> n n e r n. Er halte es aber iür ausgeschlossen, daß es in dieser Weise geiührt worden fei, denn es wäre ihm sicherlich im Gedächtnis geblieben, wenn von einem StimmeataUk die Rede gewesen wäre. Dr. Gereke« Verteidiger erinnerte Oberst v. Hindcn- bürg an ein Gespräch, daS er gleich nach Gerckes Verhaftung mit ihm geiührt habe wegen der Freilassung Gerckes. Bei dieser Gelegenheit habe er gesägt, daß Gereke doch nur da« Geld für den ZeitnugSsonds vom Wahlsonds nbgrzwtfgi habe und Oberst v. Hindenburg habe geäußert, er er- innere sich dessen letzt, aber er habe die Zahl nicht mehr im Kopf, es könnten 400 000 bis 50(1000 Mark gewesen sein. Oberst von Hindenburg erwiderte, es sei möglich, daß auch über Geld gesprochen worden sei. Aber an die ihm von r. Langbehn in den Mund gelegte Aeußerüng könne er sich keinesfalls erinnern. Der Vorsitzende teilte mit. daß Uber dieie Fragen demnächst auch Gcheimrat Hugenberg vcr- nvmmen werden ioil. Verteidiger! Wurde nicht der Plan erörtert, die Reichs- kanzierschaft Brünings ourch eine Reichskanzlerschait v.«chl e i ch e r S abzulösen? Und hing damit nicht der Zei- lungsplan zusammen?— Zeuge v. Hindenburg: Nein. Es wurde ja ausdrücklich iestgeiegt. daß die zu gründende Zei- sosste Parteien stehen und keine» Interessen dienen Transferkrise in London Meine Todesurteile! Aber furchtbare Zuchthausstrafen für Unschuldige Dessau, Sil. Juni. lDRB.I In der dritten Verhandlung wegen der Ermordung des SA-Mannes C t e s l i ck fällte heute das D e s s a u e r Schwurgericht nach Illtägiger VerhandliiNgsdauer das Urteil. Tie beiden Haupt- angeklagten Gast und Werner wurden zu Zuchthausstrafen von 9 bzw. li Jahren, sechs weitere Angeklagte wegen Landsricdcusbruchs zu GesänguiSstrasen von 8 blS 4 Jahren verurteilt. Drei Angeklagten wurden freigesprochen. Der Staatsanwalt hatte lwie berichtet) für sämtliche eis Angeklagten die Todesstrafe beantragt. Wie ans der Urteilsbegründung hervorgeht, hat das Äe- rtcht es im vorliegenden Falle nicht als erwieft» angefehen. daß eine Verabredung zur Begehung von Geivalttätigkeiten vor der Versammlung erfolgt ist. Es sielen l bis 2 scharfe Schüsse, von denen einer Eieslict tras. Es könne als sicher angenommen werden, daß der tödliche Schuß ans der Pistole des Hingerichteten Hans gekommen sei. weiter daß der zweite Schuß von B I e s e r abgegeben wurde, der ebenfalls hingerichtet ist. Räch einer kurzen Zeit seien dann die weiteren Schüsse geiatlen. Der Eriolg, die Tötung Cteslick, sei aber bereits eingetreten geweint. Die bloße Anwesenheit a» dem Tatort genüge nicht, die Mittäter- Ichaii festzustellen. Die für die Annahme der Mordadsicht er- tvrderltche Ueverleaung habe das Gericht nicht feststellen können. So kam es zu der Austritt daß Werner nnd Gast wegen verinchren Totfchlag» nnd«chweren Landfriedens- bruchs z« bestrasen feien und sechs Angeklagte wegen Land- friedensbruchs. Stockende Verhandlungen London, 30. Juni. Tie deutsch-englischen Verhandlungen sind Freitag nicht weitergeführt worden, da die deutschen Delegierten, nachdem sie das Ergebnis der bisherigen Bc- sprechungen nach Berlin übermittelt haben, nunmehr erst weitere Moislingen abivarten. Man kann daraus iolgern, daß die Besprechungen in ein entscheidendes Stadium gc- kommen sind. Bon englischer Seite verlautet, daß man nicht sehr geneigt sei, TranSfermögltchkeiten durch Einräumung zusätzlicher deutscher Einfuhren zu schassen. In der Eity laufen Gerüchte um, daß die Verhandlungen vor einem ergebnislosen Abbruch stehen. Ob diese Gerüchte aus Wahrheit beruhen, oder ob nur technische Stockungen vorliegen, muß sich rasch zeigen. Blaff oder Ernsl? DOG., London, 29. Juni. In Shakespeares„Was ihr wollt" gibt es eine köstliche Szene. Der jämmerlich feine Junker Bleichwang fordert aus Anraten seiner Freunde die als Ritter verkleidete Viola zum Zweikamps heraus. Tie Zwischenträger schildern nun den beiden die Kraft und den Kampsesmut des Gegners. Bleichwang und Viola wollen fliesten, aber beide werden zitternd»nd bebend von verschiedenen Seiten zum Kainps- platz gezerrt nnd beginnen den„Kampf" unter Angstschreien mit dem Mücken einander zugewendet, jederzeit bereit, zu hielten. Ein wenig erinnert der deutsch-cuglische Schuldcnstreit an diese Ssl-ne. Deulschland hatte gedroht, die Zinsen aus der Daivcs- und Bounganleiye nicht zu zahlen. England hatte mit der Clearingdrohung geantwortet in der Hoffnung, Deutschland werde daraufhin nachgeben. Aber Schacht gab nicht nach in der Annahme, England bluffe nur. Aber nun war England es seiner Ehre schuldig, ernst zu machen. Ha, dachte es, du zahlst nicht, dann holen wir uns die Gelder aus deiner Ausfuhr, wir sind stärker. Ha, sagte Schacht, wenn ihr ein Clearingverfahren für England macht, bann machen wir eins für das Britische Empire, da sind ivir stärker, denn da führen wir mehr ein als aus. Ha, antwortete England, das ist ja eine leere Drohung, ihr braucht ja die Rohstoffe ans dem Empire. Ha, antwortete Hitler, bildet euch das nur nicht ein, wir erfinden uns dann eben künstliche Rohstoffe, denkt an die Zuckerrübe. Und so bluffte mau hinüber und herüber, und beim Bluffen zitterte man vernehmlich. Tie engtische Regierung brachte ein Clearinggcsctz im Unterhaus ein, das Gesetz wurde in zwei Tagen durchgepeitscht, es wurde einstimmig angenommen, aber unter allseifigem Weh- klagen und Beben, am liebsten hätte man es einstfmmig ast- gelehnt— denn nichts scheut man so sehr wie einen Handels- krieg. Am Ende, so denkt man, machen die wilden Kerle, die Razis, doch ernst. Und in Berlin? Run, da zittert man nicht weniger. Und als England winkte, da war auch schon eine deutsche Ber- handlungsdclegation in London. Denn am Ende, so denkt Herr Schacht, zitternd, machen die zähen Burschen, die Eng- ländcr, doch ernst. Und einen Handelskrieg mit dem Britischen Weltreich könnte Deutschland in seiner heutigen Lage gerade noch gebrauchen. Ist es ein gutes oder ein böses Omen, daß ein jüdischer Ehausscur die deutschen Unter- Händler ins Hotel gefahren hat? Kr Krug HVäsdicn..Stahlhelm and Sä. Neue ß utfot- Ncjies Verbot Frankfurt, 30. Juni. Tie Staatspolizeistelle Mainz hat mit sofortiger Wirkung die Ortsgruppe Mainz-Kastel des RSTFB. iStahlhelm» aufgelöst und verboten. Den Mitgliedern ist jede politische und organisatorische Be- tätigung sowie das Tragen der Uniform und der Abzeichen untersagt worden. Dazu teilt die Polizrtdirektion Mainz folgendes mit:„In der Nacht zum 24. d. M. hat der Krastwagenführer Kurt P l a n t tz e r aus Mainz-Kastel den SA.-Mann Hvssmann in Mai,,z»Kostheim mit einer gefüllten Weinflasche zusammen- geschlagen. Hossmann hat schwere Schädelvcrletzungen davongetragen und mußte ins Krankenhaus eingeliefert werden. Die Tat geschah aus politischen Beweggründen. Ptiinitzer und Hossmann waren seither Mitglieder des Stahlhelms. Als Hoffmann z»r SA.-Reserve übertrat, wachte ihm Ptanitzer Vorhaltungen nnd nannte Hm einen Verräter. Er beleidigte dabei wettet die SA., insbeson- Legen japanische Kriegshefte Scharfer russicher Protest Tokio, 80. Juni. lFSU.j Der Geschäftsträger der Sowjet- »nion in To'io, Botichastsrat Raiwid, hat bei der japanischen Regierung energische Vorstellungen gegen die Presse kamvagne gegen die Sowjetunion erhoben. Gegenstand seines Protestes war die Beschuldigung, die Sowjelbotschast habe die Vereinigung der Freunde der Sowjetunion illegal unter- stützt, da sich diese ganze„Unterstützung" aus Uebcrlassung von Informationen und Bildern sowie auf ein Abonnement von .10 Exemplaren ihrer Zeitschrist im Gesamtbetrage von 35 Wn lnoch nicht 1» amerikanische Dollar» reduziert. Weiterhin protestierte der Geschäftsträger gegen die Vorführung eines patriotischen Films„Herrschender Wille", der ossen- sichtlich zum Kriege hetzt. Dieser Film, dessen Verfasser Kapt- tän Mitsida vom Marineministcrium unter Mitarbeit zweier anderer Offiziere, Leutnant Shtbat und Major Matsui ist. demonstriert die Notwendigkeit eines Krieges gegen die Sowjetunion spätestens im Jahre 1037, vor Beendigung des zweiten Fttnsjahresplanes. Im Film wird ein völlig ver- logrnes Bild von den Rüstungen ddr Sowjetunion gegen Japan und von der„bolschewistischen Weltqeiahr" gegeben. In Beglritvorträgen zu diesem Film wird ossen sür den Krieg gesprochen. Nene Sdiladrtsdilfiholosse Einzelheiten über die Ausrüstung der neuen englischen Schlachtschiffe London, 80. Juni. Heber die neucik englischen Schlachtschisse. die i. I. 1037 aus Kiel gelegt Werden sollen, meldet der Marineberichterstatter des..Dailn Telegraph" bemerken»- werte Einzelheiten. Räch seiner Darstellung wird man beim Bau dieser Schisse, die je nach dem Ausgang der Flotten- kvnierenz eine Tonnage von 22 000 bis 95 080 haben werden, in erster Linie ans zuverlässige Schutzmaßnahmen gegen Flugzeugangrijfe achten. Tic Maschinen- und Kesselräume sowie die Magazinrännie werden durch besonders dicke stählerne Schutzdächer bombensicher gemacht werden. Die Kommandobrücke, Signalstationen usw. werden gegen MaschinengewehrangrUfe niedrig fliegender Flugzeuge ge- Ichützt. Tie neuen Schiachtschititnpen werden mit 8—12 Schnettieuergeichützen und 9 schwerkalivrigen Maschinen- gern ehren zur Flugzeugabwehr ausgerüstet. Ferner werde» sie Geschütze erhalten, deren Schußgeschwindigkeit beinahe doppelt so schnell Ist wie diejenige der jetzt in Gebrauch bc- sindlfchen 15-Joll-Gesch«tze. Die vorgesehenen Schlachtschiffe, die vorläufig mit dem Sammelnamen„König Georg 5" be- zeichnet werden, sollen ferner außer den Dampfturbinen mit Tieselaniagen ausgerüstet werden, um ihren Wirtungs- radius aus 20 000 Kilometer zu erhvhen.^^^^^ fiele fahre zndifltmis! Im Altonaer Blutsonntag-Prozeß.«amen im Juni keine de, Altona. 30. Juni. lDRB.i Nach vierläalger Verhandlung"" V au""^ckinen. äcää"».?»>."»' i'Ä.T.&«'ü Nordamerikas Luihwungen B«d ,up.,hm. d« j»-w.°M*«"»•««|-|- flcflAflfcn wurden wegen Beihilfe zum vollendeten Mord bzw. wegen Beißi'fe-„>» vollendeten Totschlag und wegen schweren Landsriede,isbrnrbes und schweren Aufruhrs z» Zuchthausstrafen von 2—10 Jahren verurteilt. i>«rc die vom Stahlhelm zur SA.-Reserve übergetretenen Leute und bedrohte fU.- Als.Hojfmanu gegen die Anwürfe Planitzers Verwahrung einlegte und ihm widersprach, zog dieser eine gefüllte Weinslasche und schlug Hossmann nieder. Planitzer wurde festgenommen und befindet sich in Unter- suchungShust. Er darf aber nicht allein sür die Tat vcrant- rvortlich gemacht werden. Mitschuldig sind auch die «rubrer der Ortsgruppe Mainz Kastel des RSTFB., der Planitzer seither angehört hatte, die eine derartig ieindliche «tnnmung gegen die SA. aufkomman lassen. Um allen Weiterungen energisch entgegenzutreten, wurde SJUil; oon>^28. 6. die Ortsaruppe Mainz-Kastel des .«■c-TifB. von der Staatspolizei Mainz mit sofortiger Wir- s|tPM>>3»a»a rT- k 2f« bun lA cö.«ch» de Paris" aus London s m>t A»i-B?»^ beschlossen habe», die Ftottrngleichh 103', i«« i!r» i England an! der Flott-Nkonscrenz n lehnen^ würde jeden anderen Porschlag t M« rikodie Präsidentenwahl u find««i»5 Mx Nusrechtrrhaitnng der Orduu Truone?^ Maßnahmen geirosse» worden. T ganze Land 5m«.''.^"eitschaft. Ab Samsrag ist für d des Gener»?^ Alkoholverbo» verkündet worden. Die W« gierunasnm ki Äfl Eardrnas. der Anwärter der 9 Srni e' i 1' durchaus gesichert, da die O-posttion einigen kon^./^ 5"'^".n gemeinsamen Kandidat Eardrnas wo«Vas?»''. Anwärter onigesteN, Hab' Staate» Michoaca?, Uriegominlftcr und Gouverneur d atGut?i?ben""Uchen den Rockn Mountains und d zahlreichen SSUSÄ ci"c ungewöhnliche Hitze, die führt hg, All^^ durch Httzichlag und Ertrinken t Personen ,.n.» 5.^ Nenvork-r Zen.ralpork kamen ,i brißeste» Tag" seit ö"^"l-^lphia hatte am Freitag d l'urg war seit^»er Stadt. A»«f>""" matti zu oerAchn?..""" Mm 6crar' m u» Ullgvll bnb. Washington, 80. Juni. Das amerikanische KriegSamt ßni neue Rüstttngggufkräge im Werte von 5.5 Millionen Dollar vergeben. Es handelt sich um die Lieferung von 91 Martin-Bombenslugzeugen und 280 Wight-Flugzeug- motoren. ▼.-teiiung Berlin, 29. Juni. Die letzte Rummer der„CV. der Wochenschrist des Centrolvereins der deutsche biirger jüdischen Glauben?, ist p o l i z e i l> ch b nahmt worden, weil sie, wie da» Deutsche Rachr mitteilt, in einer Glosie nn"— -»cii, weil sie, wie da» Deutsche Rachr mitteilt, in einer Glosse versteckte Angriffe gegen nalsozialtstische Bewegung enthalte. Sozialistische AKtions-Einbclt an der Saar?*S*!**SSS Ein Sdireiben der Kommunlsflsdien Partei an die Sozialdemokratische Partei Wie die„Arbeiter-Zeitung" mitteilt, hat die Bezirks- leitung der Kommunistischen Partei Saargebiet folgendes Schreiben an den Vorstand der Sozialdemokratischen Landespartei des Saargebiets übermittelt: Saarbrücken, 29. Juni. An den Vorstand der Sozialdemokratischen Landespartei des Saargebiets Saarbrücken. Werte Genossen! Tausende sozialdemokratische und kommu- nistische Arbeiter demonstrierten am 25. Juni auf den Straßen Saarbrückens ihren unbeugsamen Willen zur Kampfeseinheit gegen den Faschismus. In zahlreichen Orten des Saargebiets, so in Ottweiler, St. Arnual, Burbach, Landsweiler usw. haben kommunistische und sozialdemo- kratische Ortsgruppen gemeinsame Kampf-Komitees gebildet, Kamps-Kundgebungen und Demonstrationen veranstaltet, sind sozialdemokratische und kommunistische Arbeiter zum ein- heitlichen Massenselbstschutz zusammengetreten, um den saschistischen Terror niederzubrechen und den Faschismus an der Saar zu schlagen. Alle diese Talsachen sind unwiderleg- bare Beweise dafür, daß die Entschlossenheit der Arbeiter zum gemeinsamen antifaschistischen Kampf im ganzen Saar- gebiet unaufhaltsam wächst. Sie zeigen, daß zehntausende und aber zehntausende Arbeiter des Saargebietes von einem Willen beseelt sind: Hitler muß an der Saar geschlagen werden! . Tw.antifaschistisch gesinnte Arbeiterschaft muß durch die stürmische Entfaltung ihres Massenkampses die Auslieferung des werktätigen Saarvolkes an das antifaschistische Blut- und Hunger-Regime Hitlers verhindern. Denn Anschluß an Hitler-Deutschland würde Ermordung und Einkerkerung Hunderter und taufender Kämpfer der antifaschistischen Arbeiterschaft, Vernichtung der elementarsten polillschen Rechte der Arbeiterklasse, völlige Versklavung und Knechtung aller Werktätigen, Lohnraub, Schließung der Gruben und gesteigerte Arbeitslosigkeit, Auslieferung unserer Jugend als Kanonensutter für die wütenden saschistischen Kriegs- treiber und Vernichtung lausender Existenzen des werk- tätigen Mittelstandes und der Kleinbauern bedeuten. In dem unbeugsamen Willen, alles zu tun, um die Arbeiterklasse im Kampfe gegen den faschistischen Todfeind und gegen die drohende Kriegsgesahr zu einigen, richten wir an Euch den Borschlag, in Einheitsfront den Kampf auf der Grundlage folgender Forderungen, Losungen und Aktions- maßnahmen zu führen, die den Interessen der gesamten Arbeiterschaft entsprechen und geeignet sind, dem Hitler- Faschismus entscheidende Schläge beizubringen: 1. Sofortige Einleitung von Kampfmaßnahmen für die Befreiung Ernst Thälmanns und aller eingekerkerten Antifaschisten, Organisierung von Kundgebungen und Demonstrationen, Massenprotesten und Proteststreiks. Wir schlagen vor, für diese Forderung im Lause des Monats Juli einen einheitlichen Kampftag zu veran- stalten. 2. Organisierung eines M a s s e n s e l b st s ch u tz e s in allen Orten und Betrieben zum Schutze des Lebens, der Wohnungen und des Eigentums der Werktätigen gegen den saschistischen Terror. 3. Kampf gegen jede Beschränkung der Bersammlungs-, Demonstratio»«-, Presse- und Koalitions-Freiheit der antifaschistischen Arbeiterschaft, gegen alle Terror-Ur- teile, die von der Saar-Justiz gegen antifaschistische fl etällt werden, für die Entfernung aller saschiitischen Elemente aus der Polizei und Justiz. 4. Gemeinsame M o b i l i s i e r u n g d e r A r b e i t e r zum Kample Tür Erhöhung der Löhne und Unterstützungen, sowie gegen den faschistischen Betriebsterror. Organisie- rung von Abteilung«- und Rclegschastsversammlungen in den Betrieben, sowie von Erwerbslosenversamm- lungen, Mobilisierung der Gewerkschaftsmitglieder für die Abhaltung gemeinsamer Zahlstellenversammlungen unter Hinzuziehung christlicher Arbeiter, wo zum Kamps für diese Forderung Stellung genommen wird. 5. Bildung von gemeinsamen Kampskomitees gegen den Anschluß an Hitler-Deutschland und, im Falle einer imperialistischen Zwangsabstimmung. sür die Bei- beHaltung des Status quo als dem verhältnismäßig günstigen Kampsboden sür die Arbeiterklasse. Gemein- same Demonstrationen und Kundgebungen gegen den Faschismus und für die obigen Forderungen in allen Orten und Betrieben. Durch die Aktionseinheit der sozialdemokratischen und kom- munistischen Arbeiter wird es möglich sein. Tausende von christlichen Arbeitern in die Front der antifaschistischen Arbeiterschaft einzureihen und die heute noch unter dem moralischen und materiellen Druck des Faschismus stehenden, aber bereits schwankenden werktätigen Mittelschichten mitzureißen. Zur Aussprache über unseren Vorschlag und zur Fest- legung der einzelnen Maßnahmen für die Durchführung der Einheitsfront schlagen wir Euch vor. eine Besprechung am Dienstag dem 3. Juli, herbeizuführen, an der Vertreter der Bezirksleitung der Kommunistischen Partei und des Vor- standes der Sozialdemokratischen Partei teilnehmen. Ueber Zeit und Ort der Besprechung können wir uns durch Rück- spräche verständigen. Wir erwarten Eure umgehende Ant- wort aus diesen Borschlag. Mit proletarischem Gruß! Bezirksleitung der Kommunistischen Partei Saargebiet. * Gewerksdsalfserlolg Im Saargebiet Kurzarbeiterunterstützung bei den französischen Gruben Die Arbeiterverbände haben unter Führung der freien Gewerkschaften von der Grubenverwaltung verlangt, daß sie eine Unterstützung sür die durch das Feiern besonders be- trofsene Bergarbeiter gewährt. Trotzdem die Zahl der Arbeitstage gegenüber dem vorigen Jahre sich wesentlich erhöht hat, erkennt die Generaldirektion an, daß die Verringerung der Krise nur eine bescheidene Er- leichterung in der Lage des Grubenpersonals gebracht hat, und sie hat eingewilligt, daß sie sich den Bemühungen der Regierungskommission gegenüber den durch das Feiern be- sonders betroffenen Bergarbeitern anschließt. Arbeiter, welchen die Grubcnverwaltung die Möglichkeit nicht gibt, 29 Schichten in einem Monat zu verfahren, werden ab 1. Juli 1934 eine Unterstützung erhalten. Die Unter stützung wird auf folgender Basis berechnet: 4 Fr. für die erste ganze Schicht unter 29, 8 Fr. für die zweite, 12 Fr. für die dritte, 1« Fr. sür die weiteren ganzen Schichten. Der zu bezahlende Betrag wird pro'/>» der nicht ver- fahrenen Schichten lunter 29» berechnet und bezieht sich aus die Vollhauer, die anderen Arbeiter werden im Verhältnis ihrer Zehntel bezahlt. Indessen wird diese Entschädigung nur dann voll bezahlt, wenn die Leistung 1185 Kilogramm erreicht sLeistung im Februar 1199». Die Entschädigung wird um'/>» für eine Leistung zwischen 1184 Kilogramm und 1189 Kilogramm ge- kürzt. Eine fernere Kürzung um je tritt entsprechend für jede weitere Verminderung der Leistung um 5 Kilo- gramm ein. Tie Verwaltung behält sich vor, diese Bestimmung zu jeder Zeit mit einer Frist von einem Monat zu kündigen. ver Sozialdemokrat vor dem Rcidisgcridif Franz Klühs hält sich tapfer— Ein Jungsozialist:„Ich hoffe, daß Du die zwei Jahre nicht absitzen mußt; dafür wollen wir sorgen.. Franz Klühs. der frühere zweite Chefredakteur des »Vorwärts" und Wilhelm Krüger, der frühere preu- bische Abgeordnete, wurden, wie aus der Tagespreffe ichon bekannt, am 29. Juni vom Reichsgericht in Leipzig>«gen angeblicher»Vorbereitung zum Hochverrat" zu zwei Jahren und 9 Monaten Gefängnis verurteilt. Einem Prozeßbericht des Amsterdamer„Het Volk" entnehmen wir: ,„Klühs machte vor Gericht als sozialistischer Kämpfer einen prächtigen Eindruck. Er erklärte, daß er seit vielen Jahren Sozialdemokrat sei und seine Ueberzengung nicht geändert habe. Das Gefängnis, und was die'cm voranging, haben aus dem dunkelblonden kräftigen 57jährigen Mann wohl einen Greis gemacht, aber sein Geist hat nicht gelitten. Ruhig und sicher, mit dem fühlbaren Uebergewicht eines starken Charakters klang seine Stimme den Richtern in die Ohren. Die Männer in den roten Talaren saßen unbeweglich und hörte» äu. sie bewegten sich nicht, als Klühs erklärte, daß seine Erklärungen, abgelegt vor der Geheimen Staatspolizei im Columbia-Haus, nichts bedeuten könnten, da sie abgelegt worden seien unter geistigem und vor allem auch unter körperlichem Druck, über deffen Einzelheiten er lieber hier nicht sprechen wolle. Sie bewegten sich nicht, als der Beamte der Geheimen Staats- volizei. der bei dem peinlichen Verhör von Klühs anwesend gewesen war. erklärte, firf) an nichts erinnern zu können! olles sei sehr ruhig verlausen Und so stand es natürlich auch ln den Akten. Es hals Klühs nichts, daß er ihm zurief: er chiffe doch was geschah, als er. Klühs, während des Verhörs in ein angrenzendes Zimmer gebracht worden sei. Ter Be- amte blieb be> seinen Erklärungen und erst, als er aus Ver- fangen der Verteidigung den Eid ablegen sollte, wurde er ein wenig unsicher. Ein Meineid verjährt in Deutschland erst»ach zwavzia Jahren!" Einen schlechten Eindruck hat dagegen auf den Bericht«- statter der Angeklagte Wilhelm Krüger gemacht. Bon ihm sagt er. daß sein schwächliches Verhalten auf seine körpe»- lichen Gebrechen zurücklussihren sein möge. Das Urteil Der Berichterstatter von»Het Volk" fährt dann fort: »Der Gerichtshof erklärte, von den Versicherungen der Angeklagten nichts zu glauben, ja er nahm dafür selbst als Be- weis die ritterliche Erklärung von Klühs, daß er. trotz tak- tischer Meinungsverschiedenheiten, die Prager Emigranten als seine besten Freunde ansehe. Klühs hat nach den Erklä- rungen des Gerichts de«„Reuen Vorwärts" verbreiten wollen, obivohl er im ganzen nur acht Exemplare mitgebracht hatte. Angesichts der Tatsache, daß Deutschland vor dem Entstehen neuer Unruhen geschützt werden müsse, müßten darum die beiden Angeklagten auf längere Zeil aus der Gesellschast ausgeschlossen werde». Klühs und Krüger wurden daraus zu zwei Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt unter Abzug oer neun Monate Untersuchungshast, Neubecker wurde freigesprochen. Die„Morning Post" veröffentlicht die folgende köstliche Geschichte: „General Görings Schwäche sür Uniformen und Zere- monien wird allmählich sprichwörtlich. Das letzte Beispiel dieser Schwäche hat Berlin mit einer der hübschesten Ge- schichten seit Monaten versehen. Die Gelegenheit war der Empfang, den der Naziminister in seiner Eigenschaft als Oberjagdmeister dem diplomatischen Korps gab. Tie Gäste versammelten sich früh morgens in einem Wald in der Nähe Berlins, wo sie von Görings Leib- wache empfangen wurden, die für diese Gelegenheit in alter- tümliche Jagdkostüme gekleidet war. Nach einer halbstün- digen Wartezeit erschien der Gastgeber in höchsteigener Person. General Göring hatte ein rauhes Leinenhemd an, kurze Lederhosen, Hirschlederstiefel und er trug einen Speer. Allein und hutlos trat er zu den Klängen von Jagdhornsansaren zwischen den Bäumen hervor. Sein Auftreten ähnelte, so er- zählt ein Augenzeuge, außerordentlich dem Austreten Sieg- frieds im ersten Akt der Oper. Nachdem die Gäste vorgestellt waren, hielt Göring eine kurze Ansprache über den männlichen Jagdsport. Es sei er- wünscht, gewisse Tiere ungezähmt zu erhalten, damit die modernen Germanen, wie ihre männlichen Vorfahren, in Kontakt mit der primitiven Natur blieben. Um seine Gedanken zu unterstreichen, führte der Ober- jagdmeister seine Zuhörer in einen anderen Teil des Waldes, wo 4 oder 5 Wisente, die kürzlich sür diesen Zweck erworben waren, eine ziemlich schläfrige Darstellung vom wilden Leben boten. Da die Vorstellung wegen der Anwesenheit von Damen ungemütlich zu werden begann, stieg die Gesellschast in eine. Anzahl leichter Pserdekutschen und jagte durch den Wald, ge» führt von dem Gastgeber, der seine Pferde selbst leitete, während der Doyen des Diplomatischen Korps neben ihm auf dem Bock saß. Schließlich langte man an einer pracht- vollen neuen Jagdhütte an, die völlig aus Holz im skandina- vischen Stil gebaut war und üppig mit Wisentköpfcn, Ge- weihen, Hörnern und anderen Jagdtrophäen geschmückt war. General Göring, der sich umgezogen hatte, um sein Kostüm zu wechseln, aber am Speer festhielt, machte hier die Hon- neurs bei der Tafel.", nohenhledberger zur Margarinesfalle Militärmusik in der Frühstückspause Der„Völkische Beobachter" berichtet aus Augsburg:„Einen neuen Weg der Freizeitgestaltung fand der Betriebsführer der Aktienbleicherei Prinz in Augsburg. Um 11.15 Uhr be- ginnt die Pause, die großen Maschinenhallen öffnen sich,— aus dem Halbdunkel der lärmdurchtosten Räume strömen Männer und Frauen im blauen und weißen Arbeitskittel hinaus ins Freie— an die Sonne. Plötzlich schmettert ein schneidiger Militärmarsch über den Fabrikhos. Das Konzert der Reichswehrkapelle dauert etwa eine halbe Stunde, dann endet die Pause, die Maschinen lausen wieder an... Nur eine halbe Stunde— immerhin Anlaß genug, sie so zu ge- stalten, daß sie wahrhast erlebt war." Gegen Inquisition Nach der Verkündung des Urteils drang die Frau von Klühs nach vorn und warf sich in die Arme ihres Mannes. Das Gericht verhielt sich lautlos, und die bewaffneten Be- amten ließen zu, daß unser Parteigenosse, der eben zu einer langen Freiheitsstrafe verurteilt worden war, seine Frau tröstete. Plötzlich stand ein unbekannter Parteigenosse, ein junger forscher Kerl, mitten im Saal und rief Klühs zu: „Ich hoffe, daß Du die zwei Jahre nicht absitzen mußt. Kamerad! Dafür wolle» wir sorgen!" Im nächsten Augenblick war der Mann in dem allgemeinen Durcheinander wieder verschwunden." «„Neuer Vorwärts"» Ein Protest des„Völkischen Beobachters Ueber die Vernehmung von Gefangenen, die so lange geschlagen worden seien, bis ihnen„das Blut herunterge- rönnen ist und sie die Aussagen, die ihnen vorgesagt wurden, bestätigten", lesen wir: „To arbeitete'einst die Inquisition, so wurden Hexen „peinlich" befragt. Seit Jahrhunderten hat sich die Mensch- heit frei gemacht von solchen krankhasten Verirrungen, die heute unseren Abscheu hervorrufen. All das schien einer fernen Vergangenheit anzugehören. Wenn wir in den alten Quellen nachschlagen, dann überkam uns Nachsahren die Scham darüber, daß menschlicher Geist überhaupt die Grausamkeit der Folterungen ersinnen konnte... Wie lange noch diese Kulturschande, wie lange noch diese Zu- stände, die jeder menschlichen Gesittung Hohn sprechen'? Wie lange noch die blutige Gewaltherrschaft einer von allen guten Geistern verlassenen volkssremden Clique? Wenn diese Saat von Haß und Blut einst aufgehen wird, dann zittert, Henkersknechte!" Das steht im Zentralorgan der Folterpartei, dem„Bölki- schen Beobachter", und richtet sich g e g e n O e st e r r e i ch. Er wird sidi holen Hanfstängl und das Neuyorker Tribunal Am 2. Juli beginnt bekanntlich in Neuyork unter Beteili- gung führender amerikanischer Juristen, Politiker, Wissen- schaftler und Künstler ein Prozeß über die Hitlergreuel. Ter Untersuchungsausschuß unter deffen Leitung der Greuel- prozeß stattfinden, hat Hanfstängl, den Vertrauensmann Hitlers und Auslandspressechef der NSDAP., der sich gegen- wärtig in Amerika aufhält, aufgefordert, als Zeuge vor dem Tribunal zu erscheinen. Als Ankläger wird der bekannte deutsche Rechtsanwalt Dr. Kurt Rosenscld fungieren. Hanfstängl hat bisher auf die Einladung des Untersuchungsausschusses nicht geantwortet. Seine Haltung in Amerika deutet daraus hin, daß er es nicht wagen wird, vor dem unparteiischen Tribunal das Hitlerregime gegen die er- hobenen schweren Anklagen zu verteidigen. Weitergeben! weltergeben! I Werfen Sie die„Deutsche Freiheit" nach dem Lesen nicht fort. Geben Sie das Blatt an Leute weiter, die der Aufklärung und Belehrung bedürfen! I in Osterreldilsdien Herhern Wien. 29. Juni.(Jnpreß): In den österreichischen Gefäng- niffen iverden immer noch Frauen festgehalten, die im Zu- sammenhang mit den Februarereiqnisscn verhaftet wurden. Es sind dies die Nationalrotsabqevrdnetc Gabriele Prost, die dem Vorstand der SDOe. angehörte, ferner Hella Pvstra- necky, ebenfalls Micglied des Parteivorstandcs, die Proku- ristin der Arbciterbank Feilenreiter und Frau Dr. Helene Popper, die Schwester von Julius Deutsch. In keinem der vier Fälle ist di« monatelange Untersuchungshaft juristisch zu rechtfertigen. 4 >, 111 11 1 m V, V ,V' ,''"".:*;(■ 1» ARBEIT UMD WIRTSCHAFT Saarbrücken, 30. Juni 1934 Btr deutsch« Staatsbankrott Hohes Spiel Nicht nachdrücklich genug kann gesagt werden, daß es sich bei dem Staatsbankrott Hitler-Deutschlands nicht um das private Gläubiger-Schuldner-Verhältnis, um eine rein kapitalistische Angelegenheit handelt! Wäre dem so, dann könnten wir ruhig den Bemühungen um eine Reghlng nach Herabsetzung der Schuldenlast Erfolg wünschen. Aber es handelt sich nicht um ein Geschäft, sondern um Politik. Ein hohes Spiel wird gespielt um die Existenz der Diktatur, um die Fortdauer des Systems. Die Diktatur steht finanziell vor dem Abgrund, sie braucht Geld. Im Innern ist nichts mehr zu holen. Deshalb der Entschluß, sich der dem Ausland gehörenden Milliarden zu bemächtigen. Gelingt die Aneignung, so sind fürs erste die ihre Existenz gefährdenden Nöte überwunden. Gelingt der kühne Versuch, die Milliardencxpropria- tion des Auslandes— vielleicht die größte der Geschichte— durchzuführen, so hat Hitler gesiegt. Der Sieg hängt von dem Verhalten der auswärtigen Regierungen ab, die zu Gegenmaßnahmen entschlossen sind. Sozialistische Parteien, die aus völliger Verkennung der Tatsachen diesen Maßnahmen entgegentreten wollten, würden das Spiel Hitlers treiben und die deutsche Diktatur in ihrem kritischsten Augenblick stützen. Wir möchten deshalb erwarten, daß sich nicht wiederholt, was sich in der Rüstungsfrage ereignet hat. Macdonald und Henderson, Regierung und Arbeiterpartei, „Times" und„Daily Herald" sind— ohne Absicht, aber in der Wirkung— zu Stützen der Außenpolitik der Hitlerdiktatur und ihrer Aufrüstung geworden. Jetzt handelt es sich um die finanzielle Rettung Hitlers, und wir möchten dringend wünschen, daß das begriffen wird! Das System Kämpft um seine Exisfens unterhalten, Rüstungsgegenstände herzustellen,„eine Fortsetzung der günstigen Behandlung der deutschen strategische Bahnen und Autostraßen zu bauen, hundert- Waren auf dem englischen Markt nicht in Aussicht nehmen lausende überflüssiger Parteileute zu versorgen, so steht der zu können, wenn britische Waren in wachsendem Maße Schwindler Schacht Schacht hatte früher stets Reparationsschulden zwischen den rein politischen und den privaten Wirtschaftsschulden unterschieden. So sehr er für die Streichung der ersteren plädierte, so hoch beteuerte er„als ehrbarer Kaufmann", daß die privaten Wirtschaftsschulden heilig seien und bis aufs letzte zurückgezahlt würden. Seitdem aber Deutschland nach dem Hoover-Moratorium der Reparationszahlungen ledig geworden war, machte Schadet die Entdeckung, daß auch die Wirtschaftsschulden politische sind— und politische Schulden braucht man oder kann man nicht bezahlen! Nun ist Schachts Behauptung einfach unwahr. Nach seinen eigenen(zweifelhaften) Angaben beliefen sich die Reparationszahlungen auf 10,5 Milliarden. Nach den offiziellen Angaben erreichten die deutschen Auslandsschulden ihren höchsten Stand Mitte 1930 mit 26 bis 27 Milliarden RM. 16 Milliarden würden also selbst nach dieser Rechnung für rein wirtschaftliche Zwecke verbraucht wortlCsp sein. Daß dem so ist, beweisen ja auch die bekannten Tatsachen, daß die Reichsbank selbst durch die Dawes Anleihe, die ihr restlos in Gold zufloß, daß die deutsche Schiffahrt, die Eisen-, Kali- und Elektrizitätsindustrie und viele andere, aber auch die deutsche Landwirtschaft mittels ausländischer Kredite wieder aufgebaut worden sind. Daß dabei, volkswirtschaftlich betrachtet, trotz den Reparationszahlungen Uebcrschüsse erzielt wurden, beweist die Tatsache, daß der Goldschatz der Reichsbank, der am Ende der Inflation auf etwa 400 Millionen zusammengeschmolzen war, vor der nationalsozialistischen Mißwirtschaft ständig anstieg, zeitweise die Drei- Milliarden Grenze erreichte und daß die Notendeckung sechzig Prozent überstieg. Aber wozu sich mit Schacht auseinandersetzen? Der sehr deutschfreundliche„Economist" bezeichnet mit einer bei ihm ganz ungewöhnlichen Schärfe die Erklärungen Schachts als „frivol sophistisch und den Tatsachen widersprechen d". Das Entscheidende ist allein, daß, wenn Schacht jetzt die Behauptung aufstellt, alle deutschen Auslandsschulden seien politische Schulden, er damit zugleich ankündigt, daß politische Schulden nicht gezahlt werden können. Der Vorschlag des Zahlungsaufschubs ist nichts weiter als eine Tarnung der Zahlungsverweigerung! Schacht Ist in dieser Politik auch nur ausführendes Organ efer offen verkündeten nationalsozialistischen Absichten. Die Zahlungsverweigerung erscheint in dem nationalsozialistischen Programm als der entscheidende Punkt in dem„Krieg gegen das internationale Finanz- und Leihkapital". Schacht hat die Zahlungseinstellung systematisch vorbereitet, als er im Frühling 1933 ohne Not die internationalen Kredite, die Luther für die Reichsbank und Gold- diskontbank in der Bankkrise 1931 erhalten hatte, zurückzahlte. Er verminderte so absichtlich die Goldreserven. Ebenso war er es, der als Reichsbankpräsident die Fundierung der gefährlichen kurzfristigen Schulden unter nichtigen Vorwänden verhindert und dadcirMi erst die Gefährlichkeit der Bankenkrise von 1931 so stark gesteigert hatte, daß das erste Moratorium für die kurzfristigen Schulden des Stillhalteabkommens schwer vermeidbar wurde. Hitler will Tribute! Mit der nationalsozialistischen Diktatur begint nun jene „K reditausweitun g", jenes Aufgeben der„Deflationspolitik", jene Pumpwirtschaft Krosigks, jene faule Wechselreiterei, jene Inflationspolitik, in deren Dienst Schacht gewissen- und hemmungslos die Reichsbank gestellt hat, die alle faulen Wechsel aufnimmt, alle faulen Wertpapiere stützt. Es ist aber klar: wenn man in eine Wirtschaft künstlich durch Notendruck oder durch Wechsel, die von der Notenbank garantiert sind, Milliarden hineinpumpt, so schafft man damit eine künstliche Nachfrage, eine Ausdehnung des Verbrauchs jeder Art und bewirkt damit zugleich eine Steigerung der Einfuhr. Und wenn diese Schuldenproduktion im großen Maßstab noch dazu dient, unproduktive Arbeiten in Gang zu setzen, eine Millionenarmee zu kleiden und zu ansteigenden Einfuhr keine Vermehrung der Ausfuhr gegenüber und um so weniger, wenn zugleich eine Handelspolitik getrieben wird, die den Export totschlägt! Es ist also nicht die Krise, und es sind auch nicht die Handelshcmmnisse der anderen, die die Passivität der Handelsbilanz herbeigeführt haben— denn die bestanden schon früher, ohne die Aktivität der Handelsbilanz von 1931, 1932 und sogar 1933 zum Verschwinden zu bringen— sondern es ist die hemmungslose Ausgaben-, Schulden- und Inflationswirtschaft der Hitlerdiktatur, die den Goldvorrat vergeudet, den Export ruiniert und absichtlich die Situation herbeigeführt hat, in der— und das war ja schon der Wille Schachts und Hitlers— die Zahlungseinstellung als einziger Ausweg erscheint. Um ganz sicher zu gehen, ist ja den deutschen Unternehmungen in großem Maßsab gestattet werden, ihre langfristigen Schulden zu den gesunkenen Kursen im Ausland zurückzukaufen— man schätzt den Betrag eher zu gering mit über 600 Millionen Mark— und Schacht hat dafür ohne Not die Devisen zur Verfügung gestellt. Zugleich ist das System entwickelt worden, Exporte zum Teil mit Sperrmark und Skrips bezahlen zu lassen, was gleichfalls Devisen- entgang bedeutete. Diese Erkenntnis beginnt sich— sehr zum Leidwesen der Schacht und Hitler— durchzusetzen. Auch im Ausland fiel es auf, daß die Berliner Börse nach der Verkündung des Moratoriums plötzlich fest wurde. Die Erklärung? Der Berliner Korrespondent des„Economist" schreibt: „Die Ueberzeugung überwiegt, daß eitle vollkommene Suspension des Transfers, wenn sie trotz der Drohungen der Gläuhigcrländer mit Vergeltungsmaßnahmen durchgesetzt werden kann, die endgültige Streichung(extinetion) der Schulden bedeutet". Aber allzu scharf macht schartig und die Tollheit hat selbst in dieser Zeit ihre Grenzen! Hiller hat schon bisher für seine Politik der Rüstungen, der Verschärfung der Unsicherheit, der fortgesetzten Störung aller internationalen und wirtschaftlichen Beziehungen vom Ausland ungeheure Subventionen bekommen. Die Entwertung von Pfund und Dollar hat der deutschen Wirtschaft nach den offiziellen, sicher zu geringen Angaben allein bis September 1933 eine Entlastung von vier Milliarden Reichsmark gebracht. Dazu kommen die großen Gewinne, die durch die Rückkäufe der ausländischen Schuldverschreibungen gemacht worden sind, und die Gewinne, die in großem Maßstabe entstehen, wenn Gläubiger die blockierte Mark in Zahlung geben. Denn sie haben ja die Mark seinerzeit zum vollen Wert bezahlt und müssen sie jetzt mit 30,50 und mehr Prozent Verlust hergeben! Und auch da bandelt es sich um Milliarden, um die die deutsche Wirtschaft entlastet wurde. Es sind also schon anständige Tribute, die bisher an das Hitlerregime gezahlt worden sind. Jetzt geht es um den Rest, dessen Höhe allerdings nicht genau zu erfahren ist. Es dürfte sich— wenn man von den 2,5 bis 3 Milliarden Stillhaltegeldern absieht— etwa um 10 Milliarden handeln. Markt unterworfen ver- jede und rung immer Der Widerstand des Auslandes Hier setzt nun der Widerstand des Auslandes ein. Die englische Regierung bat ein Gesetz annehmen lassen, das ihr nicht nur die Einführung des Zwangsclearing gestattet, sondern sie darüber hinaus zu allen zweckentsprechenden Vergeltungsmaßnahmen ermächtigt(Einfuhrbeschränkungen und vollständige Einfuhrverbote!), falls Deutschland Gegenmaßnahmen ergreifen würde. Die englische Regierung hat gleichzeitig eine Note an die deutsche gerichtet, in der sie die völlige Aussetzung des Transfers für unbegründet, das bedingte Angebot der Reichsbank, die Zinsen für die Anleihen mit 40 Prozent in Zahlung zu nehmen, für unangemessen erklärt, für den Bankrott die Politik der deutschen Regierung verantwortlich macht und schließlich ankündigt, « k zu können, wenn Beschränkungen auf dem deutschen und die gerechten Ansprüche britischer Anleihebesitzer ohne Ausgleich abgewiesen würden". Sie ist zu Verhandlungen bereit, und es ist interessant, daß die deutsche Regierung ihre großsprecherische Drohung, unter dem Druck einer Clearing-Ankündigung überhaupt nicht zu verhandeln, Schon aufgegeben hat. Eine deutsche Delegation verhandelt in London. Die französische Regierung ist, wie sie amtlich bekanntgibt, bereit, mit der deutschen Regierung zu handeln, aber— auch hier die offene Drohung ohne Rücksicht auf die auch so empfindliche Ehre Hitlers Schachts— sie hat beschlössen, daß sie, wenn bis zum 1. Juli derartige Ve-« handlungen erfolglos bleiben sollten, nicht umhin könn, von allen MittelnGebrauch zu machen, die sich ia ihrer Macht befinden, um die Interessen der französischen Sparer zu verteidigen. Zu diesem Zweck hat sie bereits die Maßnahmen br' stimmt, welche erlauben werden, den Transfer der von Deutschland in Mark geleisteten Zahlungen sicherzustellen. Die Schweizer und die holländische Regie- verhandeln— bisher resultatlos. Sie möchten noch Sondervorteile für ihre Gläubiger erzielen. Da aber die anderen Regierungen— außer England und Frankreich auch die Vereinigten Staaten und Schweden— Sonde r- behandlungen nicht akzeptieren, sondern sie auch für ihres Gläubiger in Anspruch nehmen werden, ist die Situation fiie Holland und die Schweiz nicht gerade aussichtsreich, ur.cl die für Deutschland wenig angenehme Möglichkeit taucht auf, daß es gar noch zu einer Verständigung der Gläubigers regierungen und zu einem gemeinsamen Vorgehen kommen könnte. Die deutsche Presse macht einen ziemlich verdutzten Eindruck. Die Sache mit England ist auch zu ärgerlich. Gerade jetzt muß der so bequeme M a c d o n a I d auf einen monatelangen Krankbeitsurlaub gehen, und die Führung der Angelegenheit liegt bei dem Schatzkanzler NevilleCham- b e r 1 a i n, der gesunden Menschenverstand hat und was von der Sache versteht. Und für ein 19 Milliarden-Geschenk an Hitler kann sich schließlich auch die Labour Party nicht begeistern! Die Situation ist wirklich ungemütlich. „Die Transferdiskussion spitzt sich zu," konstatiert beküni-• mert die„Frankfurter Zeitung" und besorgt warnt sie vor dem„Spiel mit Wirtschaftskrieg". Das gleichgeschaltete Papier weiß natürlich, daß dies Spiel nicht gespielt werden wird. Die Goldreserve der Reichsbank ist unter die 100-Millionen-Grenze gefallen: die eingestandene schwebende Schuld des kreditunwürdigen Reiches hat die Rekordhöhe von iiher vier Milliarden erreicht, und dazu kommen weitere Milliarden faule Wechsel des Reichs, der Reichsbahn, der Post und der Öffentlichen Körperschaften. Die tleue 4 Prozent Reichsanleihe ist ein voller Mißerfolg geworden, und die Drosselung der Einfuhr muß immer würgender werden. Devisenkontingente können den Importeuren nicht mehr zugeteilt werden, und nur für die wichtigsten(lies rüstungS- wichtigen) Importe will die Reichsbank nach Maßgabe des jeweiligen Eingangs von Exportdevisen Einfuhrbewilligungen zulassen und Devisen zuteilen. Hitlerdeutschland kann keinen Wirtschaftskrieg führen un 1 auch keinen anderen. Das wissen die anderen. Und was sie allein hören wollen, die Garantie, daß Deutschland wieder eine anständige und ehrliche, von der Oeffentliehkeit kontrollierte Finanz- und Wirtschaftspolitik führen wird, die Garantie kann ihr die herrschende Gangster-Bande, die vom Raub— vom Raub an Deutschland und vom Raub am Unland lebt— nicht geben. Und deshalb haben sie wenig Grund zum Entgegenkommen, deshalb wird die grandiose Expropriation, von der Schacht und Hitler träumen, nicht in Erfüll ung Schutt! gehen. Die Diktatur sinkt tiefer in Schmutz und Dr. Richard Kern. Flucht aus dar Mark ROcksang der Sparkasseneinlagen Nach der amtlichen preußischen Statistik haben sich die Spareinlagen der preußischen Sparkassen im Mai um 10,3 Mill. Reichsmark auf 7,072 Milliarden RM. erhöht. Allerdings hat sich die Aufwärtsbewegung der Spareinlagen aus jahreszeitlichen Gründen etwas verlangsamt. Seit Bestehen der monatlichen Statistik war mit einer Ausnahme das Sparergebnis des Mai stets geringer als das des Vormonats. Die in diesem Jahre durch die günstige Witterung bereits früher einsetzende Reisezeit sowie Rückgriffe auf Sparguthaben zur Finanzierung begonnener Arheitsbeschaffungsmaßnahmen haben den saisonmäßigen Einfluß in diesem Jabre vermutlich noch verstärkt. In fünf von dreizehn preußischen Provinzen waren daher die Auszahlungen im Mai etwas größer als die Einzahl u n g e n. Im ganzen Staatsgebiet ergab sich ein Rück- zihlungsübcrschuß von 5,4 Mill. RM. Einschließlich der Zins- und Anfwertungsgutschriften sind jedoch die Spareinlagen weiter gestiegen. * Zum ersten Male waren also seit Jahren die Rückzahlungen größer als die Einzahlungen. Was der amtliche Bericht zur Begründung anführt, ist natürlich nur Gerede, um von der wirklichen Ursache abzulenken. Das Vertrauen in die Reichsmark schwindet auch in Deutschland. Dazu kommt die Sorge um die Robstoffe. Man deckt sich ein. Man bamatert. Lieber den Schrank voller Kleider und die Speisekammer voller Lebensmittel als unter dieser Regierung Sparguthaben! Das ist schon der Standpunkt von Millionen Deutschen. Kein Automobilexport der Sowjetunion w/',*'" d kitige Zeitungen veröffentlichten in den letzten i rf< l", n 8 en über den Export von Sowjetautomobilen na clen baltischen Ländern, und zwar zu ausgesprochenen umpingpreigpn. Wir erfahren dazu, daß diese Meldung jeder run age entbehrt. Die Automobilproduktion der Sowjet- "° n. st^ war außerordentlich angewachsen und ihre Er- ,:.^nisse smd denen anderer Länder gleichwertig, sie bcab- stürnf-^"T Zunächst nicht, mit ihren Erzeugnissen,.für die W.-lt„' S< 1*" achfrage im eigenen Lande herrscht, auf den .... car' t zu kommen. Insbesondere ist dies nicht für Per- tumautos der Automohiifahrik Gorki(N. Nowgorod) rnög- der'Fori®" e,ner d,e Sowjetunion beschränkten Lizenz dfese Äf,« n, l S riK aU, c WCrden- Es hat<>«-" Ansfteln, als ob von dem i Uber Sowjetdumping die Aufmerksamkeit Monat®. Um8Unde senken sollten, daß in den letzten deutsche Stimmen•&ei1a$e zur..Deutschen Greiftet#' BBBMEffgST lonntag-Montag, den 1. und 2. Juli 1934 fre¥nisic und Qesthidtien ■!.:■( (m 35tief(Ramain(RoUands „3Ac ac&eUet fixe das neue Jahrtausend, dessen Eingangspforte iht seid Romain Rolland hat an Bela Illes. den Sekretär der Internationalen Vereinigung Revolutionärer Schriftsteller, den folgenden Brief gerichtet: Die schöpferische Arbeit des Schriftstellers'. Werter Genosse Bela IHes Ich habe Ihren Brief vom 16. Mai mit der Einladung der -Vereinigung sowjctrussischer Schriftsteller" erhalten. Sehr gern hätte ich Ende Juni an Ihrem Kongreß teilgenommen, aber meine Krankheit macht mir die Reise unmöglich. So. svill ich midi mit Ihnen wenigstens schriftlich über gewisse Fragen, über die der Kongreß diskutieren wird, unterhalten. Vielleicht ist es interessant für Sie, das nachstehende Fragment eines Briefes, den ich soeben einem Genossen in Nowosibirsk geschrieben habe, kennen zu lernen. Dieser Genosse holte meinen Rat für Arbeiter-Anfänger ein über die Kunst zu schreiben. Ich riet ihm zu meiner eigenen Regel: „Frage: Welche grundlegenden Ratschläge kann man Schriftsteller-Anfängern geben, besonders solchen aus Arbeiter- und Bauernkreisen? Antwort: 1. Man soll niemals etwas schreiben, ehe man nicht zwingende Verpflichtung dazu fühlt, sei es infolge einer Verpflichtung zur sozialen Aktion, sei es aus innerer Notwendigkeit heraus. Es ist nicht nur nutzlos, sondern auch schädlich, die Zahl jener Schriftsteller zu vergrößern, die aus Laune oder aus Eitelkeit schreiben. Alles, was man schreibt, soll Notwendigkeit sein oder scheinen. 2. Wenn man schreibt, soll man aufrichtig sein und sich znr Aufrichtigkeit zwingen. Man soll nur schreiben, um die W ahrheit zu sagen, die Wahrheit über das, was man denkt, was man sieht, was man glaubt. 3. Man soll arbeiten, um sich so richtig wie möglich in der präzisesten, direktesten, klarsten und kürzesten Form auszudrück e n. Das ist das Ganze Geheimnis des Stils. Wenn man das erreicht hat, schreibt man gut. Aber es ist schwer. Denn meistens hat man große Mühe, sich aus dem Gewirr, dem Kompost, dem Dunklen, Nebelhaften, und all dem Unnötigen, das uns einhüllt, herauszuarbeiten. 4. Eine solche Arbeit muß ein jederallein, individuell machen. Denn ein jeder muß gegen die Fehler ankämpfen, die seiner eigenen Natur innewohnen, er muß sie gut erkennen, er muß sein eigener, strenger Richter sein.— Aber eine solche Arbeit, die darin besteht, sich Festigkeit und Sauberkeit im Ausdruck anzueignen, wird erheblich erleichtert durch die Lektüre einiger schöner, großer Werke der „klassischen" Literatur in der eigenen Sprache. Man soll sie auf die allgemeine Anlage des Stoffes, auf den Aufbau der Kapitel und in den Kapiteln auf den der Sätze, der gedanklichen Logik und des Wertes der Worte hin studieren. (Das, was vorangeht, ist die vorbereitende Arbeit, die technische Arbeit, unentbehrlich, um das Werkzeug des Stils zu schmieden und seine Handhabung zu üben.) Erst dann, wenn das getan ist, beginnt die wirkliche, schöpferische Arbeit. Man sieht sich verschiedenen künstlerischen Strömungen gegenüber. Dem Realismus, dem Naturalismus, dem Romantismus usw. Alle können nicht gleiche Wahl treffen. Denn man muß auf die Notwendigkeit der eigenen Natur Rücksicht nehmen. Es ist sogar eine Pflicht, die eigene Natur auszureifen und zu vervollkommnen, denn, wohlgemerkt, in der Kunst kann niemand gegen seine Natur etwas Gutes leisten. Es handelt sich also darum, aus dem. was die eigene individuelle Natur verlangt, für das große Kollektivwerk das beste heraus- zuentwiekeln. Und darum muß das kollektive Werk sich von weiten, fruchtbaren, allumfassenden Prinzipien leiten lassen. Was mich betrifft, so habe ich als Hauptregel immer das Gebot des großen Goethe befolgt, dessen schöpferische Tätigkeit all die verschiedenen geistigen Mächte umfaßte: Lyrik und Wissenschaft,„Dichtung und Wahrheit. „Der Geist des Wahren ist da» wahre Ideal" Versuchen wir in den„G eist des fahren e in* zudringen, aber nicht nur bis zur Rinde. Gehen wir bis auf den Grund. Wir müssen die lebendigen Kräfte des V ah- ren erfassen und sie nach außen hervorsprudeln lassen. Ihr, die Ihr Arbeiter und Zeugen des gigantischen Wiederaufbaus einer Welt seid, begnügt Euch nicht damit die oberflächlichen und konfusen Bewegungen auf der Arbeitsstätte beschreiben. Bohrt in den Seelen, in der Gemeinschaftssfeelo (Dummheit ist Jcumpf wie in einem Brunnen, damit das Grundwasser der verborgenen Energie, die Euch in der Sowjetunion nährt, aus dem Boden hervortritt und sich ausbreitet. Der hauptsächlichste Fehler der Sowjetliteratur ist eben der, daß sie sich auf die äußerliche Beschreibung der Tatsachen des Aufbaues beschränkt. Man muß den brennenden Geist der Exaltation, der begeisterten Selbstverleugnung und des festen Glaubens, der hier herrscht und die Mannschaften über sich selbst erhebt, heraufbeschwören, erwecken, ausstrahlen. Dem Realismus der Beobachtung muß sich die natürliche Lyrik des Herzens beigesellen, die erwärmt; das ist das geistige Gleichgewicht, das sich schwer verwirklicht. Hier ebenfalls kann das Beispiel der großen Meister die Anfänger erleuchten." * Ich möchte, werter Genosse Bela Illes, Ihnen noch einige Worte sagen über den„sozialistischen Realismus", der, nach dem Wort des Statuts der Vereinigung der Sowjet- Schriftsteller die hauptsächlichste Methode der Sowjetliteratur ist. Niemand verkündet mehr als ich die Notwendigkeit eines lebendigen Bandes zwischen dem Künstler und der konkreten Wirklichkeit, nicht nur objektiv studiert, sondern wiedererlebt in voller schöpferischer Tätigkeit. Ich habe geschrieben: „Jeder Gedanke, der nicht znr Aktion führt, ist eine Fehlgeburt oder ein Verrat", nnd ich habe versucht, jede meiner Schriften zu einer Aktion zu machen. Ich stimme also den Sowjetschriftstellern zu, die ihre Kunst in die Flut der Entwicklung und der Revolution stellen, der Revolution, die bekämpft, zerstört und wieder aufbaut. In diesem Sinne haben sie teil an den lebendigen Kräften der Epoche. So werden sie selbst zum Naturelement. Aber es wäre übertrieben und sogar unheilvoll für die Zukunft der neuen Ordnung, die von der Revolution geschaffen wird, wollte man die Kunst nur in diese einzige Rolle einengen. Die freien Gebiete der reinen Betrachtung, der großen geistigen Träume müssen der Poesie reserviert bleiben. Ebenso wie die Wissenschaft für ihre Forschungen uneingeengte Freiheit gebraucht, ohne sich in ihren letzten Gedanken dabei aufzuhalten, welchen Gebrauch man von ihren Entdeckungen inachen wird— denn die angewandte Wissenschaft wird später nach und nach aus den ewigen Quellen schöpfen, ebenso muß man notwendigerweise das innere Aufwallen der Lyrik und die poetische Konzentration in ihrer ganzen Fülle besteben lassen. Das sind Reichtümer, die zutiefst im menschlichen Geist eingegraben sind. Wenn man ein anderes Bild anwenden will, kann man sie mit kostbaren Minen vergleichen, die die Reserven bilden für die Zukunft. Die größten Dichter, Goethe, Shakespeare, Dante, Aeschylos, lassen in ihren Werken zwei Dinge erscheinen: Eines ist an die Entwicklung ihrer Zeit gebunden, das andere geht viel tiefer und weit über die Bedürfnisse und das Streben ihres Zeitalters hinaus. Und dieses letztere ist es, von dem noch die neuesten Zeitalter leben. Es hat ihren Ruhm und den ihres Volkes verewigt. Meine Genossen! Geht sparsam um mit Euren Reichtümern. Ihr arbeitet nicht für den gegenwärtigen Augenblick. Ihr arbeitet für das neue Jahrtausend, dessen Eingangspforte ihr seid. Sichert also breiten Platz den Dichtern und Gelehrten, deren Stimme eilten weiten Raum füllen kann. Ermutigt die reine Poesie wie die reine Wissenschaft. All das, was Kunst und Wissenschaft auf dem Felde der Schönheit und der Wahrheit erwirbt, Ist der Speicher für die Samenkörner der neuen Welt, die Ihr gründet. Ich füge hinzu, daß all das den reinen Künstler(wie auch den reinen Gelehrten) nicht von einer Arbeit entbindet, die sozial nützlich Ist. Das ist nicht nur unbedingte Rechtspflicht gegenüber der Gemeinschaft, sondern auch notwendige hygierte des Geistes. Intellektuelle Konzentration und produktive Weite sollen miteinander abwechseln und einander das Gleichgewicht halten. Vollkommener Mensch wird der, dem es gelingt, in sich ein reiches Innenleben zu unterhalten und gleichzeitig dessen Energien in die gemeinsame Tat ausfließen zu lassen. Ich sende Ihnen, unseren Genossen der Vereinigung der Sowjetschriftsteller, meine brüderlichen Grüße und drücke Ihnen, Genosse Bela Illes, herzlichst die Hand, v^ Ihr ergebener . Romain Rolland. Der letzte Schrei ist die Ekstase Für Rasse, Blut und Nation; Zum Hausgebrauch für Schmidt und Hase Gut eingepackt in eine Phrase Der geistigen Konfektion. Halbbildung ist ein schweres Leiden. Das man mit Logik nicht heilt. Um schlimmste Folgen zu vermelden. Muß man es an der Wurzel schneiden. Damit es nicht weitereilt. Die Aussicht, aus Analphabeten Menschen zu machen, ist stark. Doch nationalen Iiaßpoeten Muß man fest in den Hintern treten, Mitten ins geistige Mark! H o r a t i o. (Die Acaune JCameta Das nationalsozialistische Erlebnis „In diesem Sinne erkläre ich die Ausstellung für eröffnet. 4* schloß Goebbels die Eröffnungsrede der„riesigen Leistungsschau, deren gewaltige Wandfotografien u. a. historische Momente der nationalsozialistischen Revolution darstellen". Dahn„durchbrausten die Berliner Ausstellungshallen das Deutschlandlied und das IIorst-Wrssel-Lled". So schreibt der ..Lokäl-Anzeiger" über die Schau deutschen Sehaffens:„Die Kanter a". Es ist ein Vergnügen, Goebbels Rede zu lesen, weil der maitre aller Manager, vor sich die Widergaben von Hunderten von Objektiven, die Objektivität des Objektivs anerkannte, zum ersten Male die Wahrheit sprach: „Aber nicht nur für unsere eigenen Volksgenossen hat die Kamera diese Bilddokumente eines unbeirrbaren, neuen deutschen Werdens geschaffen— ebenso unvergleichlich ist die Wirkung auf das skeptische Ausland. Heute werden auch dem mißtrauischsten Ausländer, sofern er nicht bösen Hillens ist, durch die Kamera die Augen geöffnet." Tatsächlich, das Kameraobjektiv ist nicht gleichzuschalten, es bewahrte seine Objektivität, tatsächlich, den mißtrauischsten Ausländern wurden„durch die Fotos" aus dem Deutschland von heute die Augen geöffnet. „All jenen, die die herzerhebenden Tage nicht selber miterleben.durften— den ersten Mai, den Tag von Tannen« berg, den Tag am Niederwalddenkmal, die Tage von Nürnberg und das Erntedankfest an den Ufern der Weser— steht heute— durch die Hochflut von Bilderveröffentlichungen in Zeitungeb, Zeitschriften und Büchern— der Aufbruch der Nation vor geistigem Auge." Vor dem geistigen Auge der Welt steht heute wie ein Mene tekel die fotografierte Wirklichkeit, der fotografierte Ungeist der Herrschenden einer geknechteten Nation. „Das Erlebnis des einzelnen ist zu einem Volkserlebnis geworden, und das nur durch die Kamera." Und das nur durch die Kamera. Und das nur durch die Kamera? Ja, Goebbels sprach die Wahrheit, das Erlebnis des einzelnen ist zu einem Volkserlebnis geworden durch Goebbels Camera obscura. Die Lichtstrahlen, die in cino Camera obscura fallen, geben alles umgekehrt wieder. F, Juteltiqemhestienqift Ortsgruppenleiter Seehofer, Lauf, eröffnete im Sprechabend bei der Ortsgruppe Altstadt, Sektion Egydien, den Kampf gegen Kritikaster, Miesmacher und Besserwisser. Er geißelte in scharfen Worten die staatsfeindliche Tätigkeit jener notorischen Nichtskönner, konfessionellen Hetzer und sonstigen Kerle, die vor der Machtübernahme den Nationalsozialismen bekämpften und in den Dreck zogen. Wenn diese feinen Leute heute glauben, nachdem sie 14 Jahre lang alles getan haben, um den Wiederaufstieg unseres Vaterlandes zu ver. hindern, nunmehr ihr Intelligenzbestiengift in das deutsche Volk hineinspritzen zu können, so bekennen sie sich damit zu den Feinden Deutschlands und müssen damit rechnen, in Zukunft entsprechend behandelt zu werden. „Fränkische Tageszeitung." Struensee „S t r u e n s e e" ist das Thema des ersten internationalen Films, den die neue Toeplitz-Produktion in London drehen wird. Der Film, der von H. G. Lustig und M. Legan verfaßt ist, zeigt das Leben des Arztes Struensee. der sich im 18. Jahrhundert zum Diktator Dänemarks aufschwang und ein tragisches Ende nahm. Kurt Bernhard wird den Film inszenieren. Für die Titelrolle wird ein bekannter amerikanischer Star nach England engagiert. lüaAcheit Damentee bei Hitler Eine authentische Begebenheit Man hört gelegentlich von den„stillen Stunden", die Hitler im Kreise seiner Mitarbeiter auf dem bayrischen Gut Obersalzberg verbringt. Aber über eine sozusagen gesellschaftliche Veranstaltung im Hause Hitler bringt folgende kleine Geschichte Aufschluß, die uns direkt von einer Augenzeugin übermittelt worden ist. Die junge Dame berichtet: „Wer beschreibt mein Erstaunen, als ich eines Morgens einen Anruf aus der Reichskanzlei erhielt, Ich solle mich noch am gleichen Abend in der Wilhelmstraße zu einem kleinen Geselischaftsabend einfinden? Sofort beratschlagte Ich mit einem meiner guten Freunde die wichtigste Vorfrage: „Schminken oder nicht?" Er entschied:„Nicht schminken!" Er erinnerte sich an das bekannte Naziwort:„Die deutsche Frau schminkt sich nicht!" So warf ich mich also abends in ein dezentes Gesellschaftskleid Und nahm mir, da es etwas spät geworden war und ich a n der Peripherie der Stadt wohne, rasch ein Auto. Dem Ghauffeur sagte ich:„Zur Reichskanzlei!" Das Wort wirkte. Ich kam in rasendem Tempo pünktlich vorgefahren und eilte die Treppen hinauf, nicht ohne mich vorher bei einer ganzen Schar uniformierter Türwächter ausgewiesen zu haben. Auf der Treppe begegnete ich einer jungen Dame— in voller Kriegsbemalung. Welch ein Schreck! Rasch verschwand ich in einem kleinen Nebenraum, um mit Hilfe der in der Handtasche mitgeführten Utensilien das Versäumte gebührend nachzuholen. r Also, die deutsche Frau schminkt sich doch! In dem Zimmer, in dem uns Hitler empfing, fand ich schon eine große Zahl von Damen in halblautem Gespräch beisammen. Der Führer schwieg beharrlich und saß steif, gleichsam in Würde erstarrt, gelangweilt zwischen den vielen Frauen. Das Essen w st gut. aber einfach Während der Mahlzeit fiel ebenfalls fast kein Wort. AI« l»s Schweigen auch nachher andauerte, faßte sich eine der jungen Frauen, eine blonde Naive, das Herz und holte großzügig zn einer Frage aus: „Mciti Führer! Sie lieben das Fliegen wohl nicht gerade besonders?" „Warum?" kam ee erstaunt und polternd aus seinem llahdL Sie zögerte ein wenig, dann kam es fast tvider Willen heraus:„Weil Sie immer beim Aussteigen aus dem Flugzeug so schneeweiß aussehen!" Tableau— eisiges Schweigen. Nach diesem mißglückten Versuch wagte es niemand mehr, die Konversation fortzusetzen. So vergingen wieder peinlich» Minuten, in denen jeder seine eigenen Gedanken tib'ir Aviatik und Heroentum haben mochte. Schließlich gelang es einem der hünenhaften Mäirherbtind- angehörigen. die Hitler auch hier sorglich vor der Anziehung des anderen Geschlechts schirmten, das Gespräch wieder in Gang zu bringen. Man sprach von dem Harmlosesten auf der Welt, das es gibt, man sprach vom Spazierengehen. Adolf Hitler erklärte in dem Tonfall eines Napoleon:„Ich habe keine Zeit, spazieren zu gehen. Daraufhin wagte bitte der eingeschüchterten Schönen die Bemerkung:„Aber mein Führer, S-e haben doch einen so prächtigen Garten direkt hinter der Reichskanzlei." Da brauste Adolf auf:„Was, In den Garten soll ich gehen, damit sie mir über die Mauer eine Bombe schmeißen?" Er zitterte förmlich an allen Gliedern. Die Unterhaltung war jäh beendet, und nach einigen Höf. lichkeitsworten fand das gesellschaftliche Ereignis im Haus« Hitlers seinen zeitigen AbsAluß."(„Die Wahrheit".]) „Deutsche Freiheit" Nr. 1t» Das bunte Blatt Sonntag-Montag, 1./2. Jnli 1994 Zwerge und Riesen Aus dem Äbnormitätenkabmett der Ostur Die Natur gesollt sich mitunter in allerlei Abnormitäten. Von Zeit zu Zeit taucht in der Weltpresse die Nachricht aus, daß wieder ein Kalb mit zwei Kopsen oder ein anderer Vier- süßler mit nur drei Füßen geboren wurde. Diese Meldungen sind allerdings unverbürgt. Aber zuweilen schafft die Laune der Natur auch Menschen, die man als abnorm bezeichnen kann. Sie sind entweder Zwerg« oder wahre Riesen, besitzen ostmals einen Körperumfang, der sozusagen nicht mehr mensch- lich ist, oder aber zeichnen sich aus irgendeine andere Art und Weise aus. Vor etwa sechs Monaten erschien in dem französischen Oise- Departement in Estrees Saint Denis vor der Assentierungs- kommission ein wahrer Riese. Den Jüngling wollte man unter den Maßstab stellen. Aber dies gelang nicht. Der Kops des Militärpflichtigen ragte nämlich, trotzdem die Latte auf den höchsten Grad eingestellt wurde, noch immer 3 Zentimeter hervor. Nun bestieg der Jüngling die Waage, aber auch sein Gewicht konnte nicht festgestellt werden. Die Waage erwies sich als zu schwach. Die Assentterungskommission kam nach langer Beratung, als sie diese beiden mißlungenen Versuche sah, zu dem Be- schluß, daß der junge Mann für den Militärdienst untauglich fei, denn dem französischen Staat kann man nicht zumuten, einen 2 Meter 3 Zentimeter langen Rekruten einzukleiden und für seinen Gebrauch ein extra Bett anzusertigen. Der kuriose Zufall wollte es nun, daß am selben Tage vor der Asscntierungskommission in Straßburg ein anderer Jüngling erschien, der nur 1 Meter 13 Zentimeter groß, also einer der winzigsten französischen Männer war. Natürlich wurde auch dieser kein Soldat. Aber, die Blätter berichteten von diesem seltsamen Zusammentressen. Ein Impresario witterte ein gutes Geschäft, suchte die beiden aus, und bald wurden sie mit einem recht hohen Gehalt engagiert. Solche Zwerge und Riesen kommen zu jeder Zeit vor. Einer der berühmtesten Riesen der alten Zeit mar Walter Pasing, der Portier des englischen Königs Jakob l., der die Kleinigkeit von 2,34 Meter maß. Einen eigenartigen Rekord stellte auch Maximilian Müller aus, der als 55jähriger noch 2 Zentimeter wuchs. Er maß 253 Zentimeter. Vor etwa 53 Jahren lebte in London ein Ire namens Patrick O'Brien, der die unglaubliche Länge von 2,38 Nieter hatte. Dieser vor- sintflutlich-neuzeitlichc Riese pslegte seine Zigaretten an den Straßenlaternen anzuzünden. Den Größenrekorb hielt aber der Oesterreicher Franz Winkelmcier, der im Jahre 19(1« in London als 24jähriger starb. Er wollte eben aus einem Ein- spänner aussteigen, erhob sich in seiner ganzen Größe und sank plötzlich wie vom Blitz getrosse» aus den Sitz zurück. Sein Kopf hatte die elektrische Leitung berührt. Auch von vielen berühmten Zwergen weiß der Chronist zu erzählen. Einer der berühmtesten unter ihnen war John Worrenburgh, der nur 104 Zentimeter groß war. Dieser lebte zu Ende des vorigen Jahrhunderts und hielt sich für gewöhn- lich in Holland aus. Eines Tages wollte er ohne jede Be- gleitung die Heimreise nach London antreten. Aber dies ging nicht so einfach. Er war nämlich ohne fremde Hilfe nicht im- stände, die Trittbretter des Eisenbahnwagens zu besteigen. Er mußte wie ein kleines Kind herausgehoben werden. Der Zwerg setzte sich aber in den Kops, dies allein zu tun. Als es jedoch nicht ging und die Umstehenden zu lachen begannen, packte ihn eine solche Verzweiflung, daß er aus die Straße rannte und sich unter eine sahrende Straßenbahn warf. Ten kleinsten Zwerg der Welt besitzt wohl Budapest. Der heute 55 Jahre alte Zoli, übrigens ein ausgezeichneter Artist, ein Spaßmacher ersten Ranges, mißt nur 98 Zentimeter. Das kleinste Männlein, mit einem riesengroßen Kops und einem winzigen Körperchen, ist in der ungarischen Hauptstadt eine stadtbekannte Erscheinung. Er pflegt um 12 Uhr mittags spa- zieren zu gehen und den schönen Frauen eifrig den Hos zu machen. Diese lassen sich dies gern gefallen, denn Zoll ist nicht nur der kleinste Mann der Welt, sondern auch ern Mensch voll Humor und Witz. Zu den abnormalen Erscheinungen gehören auch die Men- schenkolosse. Wiegt ein Mensch über 103 Kilo, so ist er schon sehr dick. Aber es gibt auch menschliche Geschöpf«, die das Zwei- und Dreisache, ja sogar das Mchrsache dieses Gewichtes haben. Zahlreiche solche Menschenkolosse wurden im Lause der Jahre von den Wissenschaftlern beobachtet. Hier eine kleine Blütenlese dieser interessanten Fälle. Monsieur Marechal Dupont aus Liege maß 2 Meter und wog 257 Kilogramm. Da er ein wohlhabender Mann war. ließ er sich ein einstöckiges Haus bauen und richtete sich dieses ganz nach seinem eigenen Bedars ein. Er verließ das Haus während zwanzig Jahren nicht ein einziges Mal, und als er im Jahre 1884 das Zeitliche segnete, mutzte das Haustor er- wettert werden, damit man den recht umfangreichen Sarg heraustragen könne. Der Engländer Bright, der zu Ende des vorigen Jahrhunderts in London lebte, wog noch mehr. Sein Körpergewicht betrug nicht weniger als 283 Kilogramm. Er starb als 21jähriger infolge Herzverfettung. Den Fettigkeits- rekord hält aber zweifellos der Amerikaner Daniel Lambert, der ein Körpergewicht von 1133 Pfund hatte. Dieser Koloß produzierte sich bei Bornum, und es wurde ihm ein eigener Wagen aus Eisen, von vier Pferden gezogen, gebaut. In der Arena wurde er von vier kräftigen Männern getragen, denn gehen konnte der Koloß keinen Schritt. Er verspeiste tag- täglich etwa 33 Eier, 12 Psund Fleisch und noch einiges dazu. Die dickste Frau der Geschichte war Lady Wheler aus War- wickshir, die im vorigen Jahrhundert lebte. Als 33jährige wog sie nicht weniger als 257 Kilogramm. Die Geschichte kennt auch viele Männer, die eine geradezu anormale Kraft besaßen. Der kanadische Athlet Wilhelm Cyr konnte ein Gewicht von 1719 Kilogramm mit Leichtig- keit ausheben. Er trug aus seiner Hand ein Podium mit 23 Menschen. Georg Soptmann, ein Uhrmacher aus Philadel- phia, vermochte sogar mit einem Gewicht von 1533 Kilo- gramm dr« Zirkusarena zweimal zu durchqueren. Die stärksten Zähne besaß der Engländer Mac Tophon aus Liverpool. Er konnte mit seinen Zähnen einen 533 Kilo- gramm schweren Tisch in die Luft heben. In London erregte kürzlich ein 31 Jahre alter Mann namens Charles Harrison ungeheures Aussehen. Charles stand eines Tages an einer Straßenecke und begann zu dem größten Gaudium des Publikums sein Mittagsmahl zu ver- speisen. Dieses Mahl schaute recht eigenartig aus. Er ah in schneller Reihenfolge: ein halbes Pfund Kohlenpulver, ein halbes Psund Sägespäne, 3 Zigaretten und 2 Stearinkerzen. Dann nahm er ans seiner Tasche ein Glas hervor und atz auch dieses Glas aus. Sein Gebaren rief einen regelrechten Straßenauflauf her- vor. Schließlich wurde der„Straßenmensch" aus die Polizei- wache geführt. Er wurde vor den Polizeirichter gestellt. Und nun kam das Absonderlichste. Es stellte sich heraus, daß Charles Harrison. seines Zei- chens nach ein kleiner Handelsangestellter, oftmals das un- widerstehliche Verlangen nach solchen„Leckerbissen" sühlt. Bisher tat er dies nur in seiner Behausung, nun wollte er aber mit seinem noch nie dagewesenen Magen auch Geld ver- dienen, eine Artistenkanone werden. Und dieses sein Ziel hatte er auch erreicht. Ein Londoner Zirkus engagierte^ihn sofort mit einer Riesengage. Nun darf er. ja muß er jeden Tag Stearinkerzen und Glas essen. Charles Harrison wird jetzt übrigens auch von einigen Wissenschaftlern untersucht, die das Geheimnis dieses menschlichen Straußmagens ergründen wollen. Barth. Älter park Altes bröckelndes Gemäuer, Moos und Zwergsarn in den Ritzen, Durch die schwarzen Eiben blitzen Grell zerslockte Sonnenseuer. „I v» m Hitze kocht im Land und glutet: Hier im moosigen Berstecke Duftet herb die Buchsbaumhecke, Feucht von Nelkenrot durchblutet. Schwarzes nasses Erdreich lagert Unter Kräutern geil und mastig, Oben wirrt sich dünn und hastig Astmerk alt und abgemagert. Hinter eingerosteten Riegeln Schlafen flüsternd Lied und Sage, Wacht das Tor, daß niemand wage Sein Geheimnis zu entsiegeln. Hermann Hesse Der Doppelgänger des Haren In Leningrad wurde vor kurzem ein historischer Film gedreht, der die revolutionären Ereignisse aus dem Jahre 1935 behandelte. Nikolaus II. und verschiedene hohe Persön- lichkeiten der Zeit spielen in dem Film mit. Für die Ver- körperung der Person des letzten Zaren hatte man unter den Komparsen einen Mann herausgesunden, der eine ganz verblüffende Aehnlichkeit mit Nikolaus II. hatte. Es ist ein ehemaliger Bäcker Evdakow, der heute ungefähr 53 Jahre alt ist. Seine Aehnlichkeit mit dem früheren Zaren war schon unter dem alten Regime bekannt und erregte den Un- willen der Petersburger Polizei, denn es war untragbar, daß ein einlacher Untertan dieselben Gesichtszüge trug wie der Herrscher aller Reußen. Die Polizei legte dem unfrei- willigen Doppelgänger des Zaren daher aus, nur rasiert auf die Straße zu gehen. Jetzt fragt keine Polizei mehr nach dem Bart des Bäckers Evdakow— nur der Film- regisieur. Wer redet im Unterhaus am meisten! Der Rekord der Beredsamkeit wird, was man kaum glau- den sollte, von den englischen Parlamentariern gehalten. Die Länge ihrer Ausführungen ist durch einen Einblick in die Parlamentszeitung täglich sestzustellen. Sir Eustache Percy hat für eine einzige Zwischenfrage einen Redeschwall von 175 Druckspalten losgelassen. Der Rang wird ihm streitig ge- macht von S»r Herbert Samuel, der sich vorläufig mit 172 Spalten begnügt hat. In weitem Abstand folgen Llovd George mit 128 und Macdonald, der niemals mehr als 133 Spalten redet. Am schweigsamsten ist Mr. Baldwiu. Er ist noch nie über 73 Spalten hinausgekommen Em seltsamer Mageninhalt Die Aerzte von King's Hospital in London haben eine Kranke operiert, in deren Magen man genau 1238 Gegen- stände verschiedenster Art gesunden hat. Es ist bestimmt nicht uninteressant, diese einmal genau auszuzählen: 584 Tapeten- nägel, 144 Teppichnägel, 43 kleine Schrauben, 3 mittlere Schrauben, 83 große Schrauben, 77 kleine Eisenbolzen, 3 Bilderhaken, eine Nagelseile, ein Stück einer Teetasse,» Nadeln ohne Kopf, 59 Rosenkranz-Perlen, vier Stück Eisen- draht, 89 Glassplitter usw. Nach einem solchen Inventar kann uns die Legende des Straußen-Magen reichlich banal erscheinen. Unsere Töchter, die Keinen Roman von Hermynia Zur Mühlen. ll Schließlich sagte sie: „Das ist kein guter Reujahrsansang für dich, Kati. Geh heim. Du kannst mir nicht Helsen. Komm morgen wieder, vielleicht kann ich es dir dann sagen." Ich ging, und als ich mich in der Tür noch einmal um- drehte, sah ich, wie die alte Frau von neuem das Gesicht in die Hände vergraben hatte, als wollte sie niemand sehen und von niemand gesehen werden. Und ihr Körper bebte wieder vor Schluchzen. Ich brauchte mir nicht lange über den Kummer der alten Frau den Kops zu zerbrechen. Als ich über die See- promenade heimging, sah ich Claudia vor mir. Sie schritt frisch und munter aus wie ein junges Mädchen. Der Sohn des Notars Fachinger, der zu den Ferien heimgekommen ist, kam mir entgegen Und Claudia hob die Hand und sagte so laut, daß alle in der Nähe es hören konnten: „Heil Hitler!" Der Sohn des Notars Föching« grüßte mit erhobener Hand zurück, dann schloß er sich Claudia an, und sie gingen zusammen weiter. Von der entgegengesetzten Seite kam die Frau Doktor Feldhüter mit ihrer Lieselotte. Sie hatte das Ganze ge- sehen. Ich hörte, wie sie im Vorbeigehen zu Lieselotte sagte: „Also auch die Claudia. Das müssen wir gleich dem Vater erzählen. Ich Hab dir ja schon immer gesagt, Lieselotte...." Mehr hörte ich nicht, weil die Frau Doktor immer so schnell läuft, als ob sie etwas zu versäumen hätte. Ich ging langsam weiter? die Knie zitterten mir. Ich backte an die Gräsin AaneS, au ihre Worte, daß die Aristokraten, die sich zu den Nazis schlagen, der„ärgste Pöbel" sind. Und jetzt muß die alte Frau das mit ihrer Claudia er- leben. Die alte Frau, die stolz daraus ist, daß ihr Großvater für die Freiheit gekämpft hat. Auch mein Anton hat für die Freiheit gekämpft,— und unsere Toni.... Toni und Claudia, unsere Kinder, unsere Töchter, die Nazinen. Das war unser Neujahrstag. Gräsin AgneS schreibt in ihr Tagebuch Früher habe ich mich immer vor meiner Tochter Claudia versteckt, wenn ich in mein Tagebuch schrieb. Es ist ja auch lächerlich: eine alte Frau, die wie ein Backsisch Gedanken und Gefühle niederschreibt. Und Claudias spöttisches Lächeln tat mir stets weh. Sie verstand ja nicht, daß ein einsamer Mensch seine Gedanken, Sorgen und Gefühle irgend jemand mitteilen muß,— selbst wenn dieser Jemand nur ein weißes Blatt Papier ist. Ein einsamer Mensch, ja, das bin ich eigentlich immer gewesen, schon als Kind. Meine Geschwister waren so anders als ich, starke, lebensfrohe, gesunde Kinder: ich aber mußte mich immer schonen, ich durste nicht reiten, nicht Tennis spielen, keine Ausslüge machen. Ich war immer die„arme Agnes", die„nichts aus- hält". Seltsam, daß von uns allen nur ich heute nych am Leben bin. Meine beiden Brüder sind im Krieg gefallen und meine Schwester ist schon vor zehn Jahren gestorben. Aber wenngleich d»e anderen Kinder nicht mit mir spielen wollten, war ich dennoch nicht unglücklich. Ich entdeckte sehr früh eine Welt, in der ich mich heimlich fühlte: die der Bücher. In ihr lebte ich, in ihr war ich glücklich. Wir hatten eine große Bibliothek, die von meinem Großvater stammte. Wie viele schöne Stunden verbrachte ich, zusammengekauert auf dem alten Ledersosa, dermaßen in ein Buch vertieft, daß ich nichts anderes sah und hörte, als das Leben der erdachten Gestalten, die mir näher standen als die Eltern und die Geschwister? Ich weiß nicht, ob es Zusall war. oder meinem Charakter entsprang, daß ich nur die roman- tischen Werke liebte und nichts von denen wissen wollte, die sich mit der Wirklichkeit befaßten. Diese seige Angst vor der Wirklichkeit hat mich mein Leben lang versolgt. Ich schloß die Augen, wo ich sie hätte öffnen müssen, ich ver- stopste mir die Ohren vor den unharmonischen Tönen deS Lebens,— als Kind, als Mädchen, als Frau. Und nun. da ich sechsundsechzig Jahre alt bin. steht mit einem Male diese Wirklichkeit vor mir, grauenerregend, drohend, ein Feind, gegen den ich nicht auskommen kann. Tie geht bei mrr ein und aus. sie brüllt und johlt aus der Straße, so laut, daß es durch den Garten bis in mein stilles Wohn- zimmer dringt. Und ich bin alt und zittere vor ihr. Siein, ich will mich nicht schlechter machen als ich bin: ich zittere»ich, nur vor ihr, ich will sie auch bekämpfen, aber meine Hände sind leer, ich habe keine Wassen. Keine Wassen, nein, auch das stimmt nicht: ist ein Leben, das nie jemand geschadet hat, sind die Erinnerungen an eine lange Reihe ehrenhaster Ahnen, ist Stolz, nicht Hochmut, keine Wasse? Und habe ich nicht als junge Frau diese Wasse gebraucht, um eine unglückliche Ehe zu ertragen? Weder meine Eltern, noch meine Verwandten, noch die Bekannten haben gewußt, wie unglücklich meine Ehe war. Ich zeigte mich ihnen stets zufrieden, ein heiteres Lächeln auf den Lippen, und wenn mein Mann monatelang fortblieb, so hatte ich stets eine Erklärung zur Hand:„Meine Gesundheit, ich muß ganz still leben, und Ferdinand nimm» immer so oiel Rückficht aus mich? er weiß, daß ich in unserer Villa am Bodens« gut ausgehoben bin." kFortjctzung st>l&4-i Jaitet ans, Ihr(apicrn flincrf Die deutschen Dlsdiöte proklamieren den Widerstand gegen den Nationalsozialismus- Der gemeinsame große lilrtenbriei jDic deutschen Bischöfe haben einen gemeinsamenHirtenbrief abgefaßt. Er ist ungewöhnlich lang und ein Dokument des deutschen Religionskriege^, das alle andere an Bedeu- tung überragt. Sie beruht darauf, daß hier alle deutschen Bischöfe ihre Stimme gegen die GlaubenSvergewaltigung durch den Nationalsozialismus und gegen das Neuheidentum erheben. Die wichtigsten Partien des Hirtenbriefs lauten: Bitterer Schmerz und quälende Sorge Jedes Herz, das noch katholisch fühlt, bäumt sich schon beim tencnen Gedanken«nächtig dagegen auf, auch nur eine der vorgenannten göttlichen Heilstaten irgendwie in Zweifel zu z.heu, oder gar sie preiszugeben. In ernster Erwägung dieser Hedanken versteht Ihr, geliebte Tiözesanen, ivie bitter uns Bischöfen der schmerz und ivie quälend die Zorge darüber Ist, da« gerade im letzten Jahre Strömungen und Bewegungen in unserem Raterlandc aufgetreten und er- itarkt lind, welche sich direkt gegen die angeführten Groß- taten Jesu Uhrlsti und gegen die Grundivahrheite» der katho- tischen Kirche wenden und- damit nicht zufrieden— aus «Gründung einer neuen Religion und einer deutschen N a t l o n a l k i r ch e hinzielen, die sie begründen«vollen »neuen Glaube u", ivie sie sagen, mit dem ,,MhthuS des Blutes". Dieser neue Glaube hat nichts mehr zu tun mit dem„Festfürwaln halten" dessen, was die weige göttliche Wahrheit den Menschen geofsenbart hat und EhrlstuS verbürgt hat mit dem Worte:»Himmel und Erde,verden vergehen, aber mein« Worte werden nicht ver- gehen"(Mark. IS. Sli. Dieser neue Glaube ist menschliche Erfindung, menschliches Meinen: er ist durch keine Gewähr der Wahrheit gestützt und darum ein willkürliches Sichhin- geben au fchlbarc MenschenwcISHeit. Dem entgegen ner- künden wir die ganze Hoheit und Tiefe der göttlichen Osten- barung... Die Neuheiden ftür alle Völker und für alle Zeiten bat Christus seine "irche gestiftet, denn„Gott will, das« alle Menschen das Heil erlange« und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen". »« man sogar einen deutschen Kardinal, einen um Religion und Sittlich- teit in Deutschland hochverdienten Fürsten der Kirche un- gestrast in niedriger Weise kränkt und össcntlich schmäht. Nainens des katholischen Volkes weisen«vir es zurück, daß man die Seelsorger, unsere Priester verdächtigt, schimpit und ihr seelsorgliches Wirken unter mißtrauijchc Kontrolle stellt. Die so um ihres Gehorsams gegen die Kirche und in der Treue zu ihrem heiligen Amte bedrückten und bedräng- tcn MKMeder des deutschen Klerus dürlen versichert sein, daß jeder ungerechte Angriff und jedes fchnldlos von ihnen ertragene Leid die Liebe ihrer Bischöfe und das Vertrauen des katholischen Volkes verinehrt. .Wir rnien auf!" Gegen Rosenberg• Wir müssen um so bestimmter sprechen, weil jene„ver- kehrten Reden", die zum Absall von Christus und zur Annahme eines„neuen Glaubens" anlocken, sich durch eine verIhr habt gehört und gelesen: Sittlich sei, was dem Volke nützt. Tittlich sei,«vas den Forderungen, den Zivccken und dem Wohle der Rasic entspricht. Wir. eure Bischöfe, sagen euch: Sittlich ist das, was dem Willen und de,, Geboten Gottes entspricht, die cntivedcr als Naturrecht,„auf den Tafeln des Menschenberzens stehen" lRömcr 2,65), oder in den hl. Büchern der Offenbarung enthalten sind, oder durch das Lehramt der Kirche, der Verwalterin der Offenbarung, i» Christi Auftrag verkündet werden. Solche Sittlichkeit ist Quell des Segens für das Volk. Die Treue zum l. und 8. Gebot Gottes z. B. ivird die Familie erbgesuud erhalten. Die Treue zum 5. und 7. und 8. Gebot GniteS wird das Ge- meinschaftsleben eines Volkes unter den Segen der Bruder- liebe, der Gerechtigkeit und Wahrheit stelle». Die Trenc zu den Ebcgesetzen der Kirche ivird dem lanaiamen Sterben eines Volkes Einhalt gebieten, für die Reinerhaltung des Blutes die beste Eugenik bedeuten. Ihr habt gebort und gelesen: Man könne eine« Eid auf vorbehaltlose Gefolgschaft leisten. Wir, eure Bnchöfe sagen euch dazu, der Eid ist ett,e feierliche Anrufung Gottes, kann also niemals zu einer Leistung verpflichten, die einem Ge- böte Gottes widerspreche» würde. Man kann durch den Eid, etwa durch den Beamten- oder Soldateneid, sich zu treuer Berufsarbeit, zum Gehorsam gegen die rechtmäßige, Obrigkeit verpflichten. Wenn aber ein Befehl etwas fordern sollte was den Geboten Gottes und dem Gewissen wider- spricht, würbe das gelten, was die Bifchofskvnferenz von Fulda im November 1010 in einer feierlichen Rechtsverwahrung zur Weimarer Verfassung ausgesprochen hat:„Was den auf die Verfassung zu leistenden Eid angeht, so werden Katholiken durch ihn felbstnerdändlich in nichts vervslichtet, was einem göttlichen oder kirchlichen Geies, und damit ihren, Gewisse» widerstreitet." „ES Ist nidit Politik" Geliebte Diözefanen! Vielleicht wird man euch sagen, wie man es schon so oft gesagt hat, es sei das Eintreten der Bischöfe für den Glauben unserer Bäter, ihre Warnung vor de» Irrlehren des neuen Heidentums»nd den Schlaawortrn «einer Vertreter eine unberufene„Einuii'chung in die Politik". Im Bewußtsein unserer religiösen Sendung und der Verpflichtung unseres hl. Amtes weisen ivir diese unwahre Mißdeutuna unseres Handelns zurück. Es ist nicht Politik, den Glauben an Gott als das Fundament aller Ordnung auf Erden zu verkünden und zu verteidigen. Es ist sticht Politik, Zeugnis abzulegen für Christus, den Erlöser der Welt. Es ist nicht Politik, die ewigen Sttteugcfetze der Menschheit, die heiligen zehn Gebote Gottes und die von Gott gewollte Rechtsordnung zu verteidigen. Es ist nicht Politik, die Verirrungen eines heidnische» Ehrbegriffes zu- nickzuweisen und daran zu erinnern, daß da? Duell und die Mensur durch göttliches und kirchliches Gesetz verboten sind. Es ist nicht Politik, sich in christlicher Nächstenliebe deren an- zunehmen,«velche ohne eigene persönliche Schuld durch de» Umschwung der Zeitverlmltnisie in Not und Bedrängnis- gekommen und sogar vielfach linnerecht an Ehre und gutem 'Ruf geschädigt worden sind. Es ist nicht Politik, den Raum und die Möglichkeit zu einer wahrhaft christlichen Bildung Geliebte Diözefanen! Wir haben es freudig begrüßt, al-5 nn vorigen Jahre die Reichsregierung es als ihren Cut- sthlnß und festen Willen bekundete, die Rechte und die Frei- heit der iKrchx zu achten und zu schüchen. In inniger Liebe zu unserem deutschen Volke, in aufrichtiger Anerkennung der Maßnahmen der Regierung zur Abivehr der Gottlosem- Propaganda und der östentlichen Uiisittlichkeit, im Vertrauen aus ihren Willen, die Kräfte des Christentums zum tragen- den Fundament der neuen Volksordiinng zu macheu, wären und sind«vir bereit, das uns zugesicherte freie Wirke» der Kirche zum Heile der Menschen, zum ivabren Glück unseres Volkes einzusetzen. Wenn wir heute euch und alle deutschen Volksgenossen ausrufe» zur Verteidigvna des ererbten Gottesglaubens, zur Verteidigung der christlichen Sittlich- keit. zur Abwehr einer neuheidnischen Beivegnng,«velche ebenso, wie jene kommunisickch, Goltlosenprouagaiida das deutsche Volk vo» Gott, von Christus, von der Kirche Christi losreißen«vill, so ist das,«vir«viederholen es—»ich« Pols- tik, sondern freudig geleistete Arbeit zum Heil des Volkes, und daher auch Mitarbeit zum Ziel' der Reichsregierung, den Neubau unseres Volkslebens an' dem Fundament des Christentums zu errichten. Zu dieser Mitarbeit sind«vir durch unser Amt verpflichtet, zu solcher Mitarbeit dräng« uns die Liebe unserer Herzen zu unserer Heimat, unserem Volke... „llaifetaus, ihr tapferen Männer" . Ihr Eltern, macht euer» Kindern gegenüber Gebrauch von eueren Elternrechten: duldet nicht, daß sie vertrauten Um- gang mit den Ungläubigen haben, daß sie Organisationen beitreten und Schliffe» lese», in welche« das Neubeidentum gepredigt, gegen Kirche und Obrigkeit gehetzt wird. Seid euch bewußt, daß ihr veraiitwortlich bleibt für euerer Kin- der religiöses und sittliches Leben, auch«venn sie uir Erholung oder beim Landaufenthalt fern von euch weile».— Katholische Lehrer und Lehrerinnen, seid mit den Eltern «nie bisher die sichtbaren Schutzengel der euch anvertrauten Kiilddr ukld bedenket es«vohf, daß ffir cinsi»erbet Rechenschaft ablegen müssen vor dem allwissenden Got« über die Er- fsisiiing euer helligen, christlichen Berufsaufgabe an den Lieblingen des Heilands. Holtet an», ihr tapfer?» Männer und Frauen, in euere» vo» der Kirche gesegnete» Vereine«, die euch festigen in Glaiibenssrcnde, euch tn freundschaf:- l«cher Bruderliebe zusammenführen, euch zu pflichttreuem Leben anleiten, euch immer«vieder zur Vereinigung mit Christus an der Komniuniönbnnk führen. Katholische Ittgend, halte fest an deinem CbristusS,inner und wenn man es schmäht»nd deinen Händen entreißt, so pflege um wmebr die Christustreue tn deinem Herzen, lind.ve i man dich hindert, dein ChrtstuSzetchen öffentlich zu tragen, so mehr die Christustreue in deinem Herzen. Und wenn Pflichttreue der Welt ein leuchtend Zeichen sein, ivie du treue Gefolgschaft leistest im Heerbanne Jesu Christi... Lebensmut als Piiidit Die seelische Stimmung der deutschen Juden (Z. T. St.) Tic„Iüdische Rundschau" knüpft im Leitartikel ihrer Nummer 51 an die alte südliche Legende von den« Mann an. der zehn Jahre im Gesäugu's verbrachte Und sich seine Kraft dadurch erhielt daß er an jedem Morgen In die dunkle Zelle einige Hundert Stecknadel» warf und den ganzen Tag damit verbrachte, die Nadel» zu suchen. „Um das deutsche Judentum herum ist es— fährt die „I. R." fort- recht dunkel und eng. Der naive Mensch, der der Meinung ist, das deutsche.Judentum würde Im Auge- sich! der vielen gemeinsamen Ausgabe» und Sorgen in Ge- meinsamkeit an die Lösung der täglichen Probleme gehe», sieht sich in dieser Annahme getäuscht. Man vertreibt sich rvcl- «nehr die Zelt damit, daß vian in allen möglichen Ecken die aus den alten Dascinsformen»es deutichen Iudevtnms n« t- genommenen Stecknadeln wirft und meint, sich dadurch irisch »nd geschmeidig sür das kommende Leben zu erhallen." R" fordert: Echte Umformung des jüdischen Lebens. In der„Jüdisch-liberalen Zeitung" lNr. 5l> fuhrt Nabb. Dr. LazaruS-W'csbade» u. a aus:„Wir Juden von heute sind stärker als unsere Väter im Mittelalter vom Schicksal betroffen Es fehlt uns noch der Mut und die Kraft, den seelischen Druck zu ertragen, denn«vir besitzen nicht mehr jene innere Welt des jüdischen?ebonsiu!amm"nhanges. Das Denke«' des liberalen Menschen'm letzten Fahrzehnt war erfüllt vom Entivicklungsdogma. Wir hatten das Heiligtum des Judentums veröden lassen." Dr. Lazarus aidi die Parole: „Lebensmut ist Pflicht." Die Illegale Presse Berll n. 29. Juni. lInprcß): Die Verbreitung der illegalen Presse in Deutschland n«nmt immer größere«« Uuisnuq an. Allein in Berlin erscheinen regelmäßig die„Rote Fahne", Zentralvrgan der KPD., die antifaschistische Zeitung„Trotz alledem" das theoretische Organ„Die Internationale" und 20 Bezirksblätter. Das ArbeitSlosenko«nltee gibt„Der Stein- oekbruder" heraus. d-e Freidenker die„Proletarische Frei- denkerstimme", die Rote Hille das„Tribunal" und die IAH. „Solidarität". Die Sozialdemokrat'c verbreitet die„Sozia« listische Aktion" und zahlreiche klein« Broschüren, Pariser Berichte Schuhmacher und Künstler dazu In Paris hat sich vor kurzem in der rue de 1a Paix ein Schuhkünstler niedergelassen, der den Ehrgeiz hat„ehaus- sures haute couture", also Maßschuhe feinster Sorte, zu liefern. Sylvain Tahak hat die ganze Welt bereist, hat die Füße der Frauen aller Länder ernsthaft studiert und behauptet an jedem getragenen Schuh erkennen zu können, welcher Nationalität seine Besitzerin angehört.„Ein Schuh muß wie ein Kleid auf die bestimmte Person zugeschnitten sein," erklärt der elegante und sympatische Schuhkünstler, „und jedes Kleid braucht seinen besonderen Schuh." Wie die großen Pariser Modesalons will er zu jeder Saison seine neuen Modelle herausbringen, die in der ganzne Welt den Ruhm ihres Schöpfers und den Namen der Pariser Eleganz verkünden sollen. Dos Kartell der Pariser Gruppen der SPD. und SAPD. Die Pariser Gruppen der SPD. und SAPD. sind sich einig in dem Willen, ein gemeinsames Kampfkartell zu bilden. Sie lassen sich dabei von folgenden Ausgangspunkten leiten: 1. Für die Wiederaufrichtung der deutschen Arbeiterbewegung ist nach dem Zusammenbruch ihrer bisherigen Organisationen mit dem Siege des Faschismus die Schaffung einer neuen revolutionären Partei zu einer gebieterischen Notwendigkeit geworden. 2. Der Prozeß der Neuformierung, der die Arbeiterbewegung vor völlig neue Aufgaben stellt, wird in erster Linie durch die Klassenkampfbedingung in Deutschland bestimmt. Die marxistische Emigration muß bei seiner Zusammenfassung, Verallgemeinerung und theoretischen Durcharbeitung mitwirken. Sie muß theoretisch und praktisch die Erfahrungen des russischen Oktober und des Nachkriegsdeutschlands auf der Grundlage des revolutionären Marxismus sich zu eigen machen. 3. Die zentrale Aufgabe des Kampfkartells ist die gemeinschaftliche Erarbeitung der Prinzipien und der Organisation der neuen revolutionär-sozialistischen Partei, welche die proletarische Einheit verwirklicht. Diese Arbeit soll im engsten Anschluß an die Erfahrungen der in Deutschland tätigen Genossen und unter Berücksichtigung aller von ihnen kommenden Anregungen erfolgen. 4. Die angeschlossenen Gruppen verpflichten sich, in ihren Organisationen für die Verbreiterung des Kampfkartells über den Pariser Rahmen hinaus zu wirken. Sie sind völlig davon durchgedrungen, daß die neue Partei nicht als Erweiterung der alten Organisationen entstehen kann und wird. Vielmehr betrachten die beiden Organisationen ihre eigene Existenz als ein Provisorium, das mit der Bildung der neuen Partei sein Ende findet. Da sich die beiden Gruppen nur als Teil der künftigen einheitlichen Partei auffassen, sie aber vorläufig ihre Aufgabe nur bei Wahrung ihrer Selbstständigkeit erfüllen können, kommt bei der Zusammenarbeit im Kartell eine gegenseitige Mitgliederwerbung nicht in Frage. 5. Das Kampfkartell schafft sich ein paritätisches Büro. Es ist für die Durchführung der gestellten Aufgaben verantwortlich und hat nach außen hin die Ideen zu propagieren, über die im Inneren Einmütigkeit besteht. So lange das Kartell nicht über ein eigenes Publikationsorgan verfügt, sollen die für die Öffentlichkeit bestimmten Aeußerungen des Kampfkartells in den Blättern zum Abdruck kommen, die den angeschlossenen Organisationen zu diesem Zweck zur Verfügung stehen. Die sozialistischen französischen Gewert, schalten sind nicht abgeneigt, mit den komm«, «istischen Gewerkschaften übex die Bildnng einer Einheitsfront zu verhandeln. Der Vorstand der sozialistischen Gewerkichast sCGT.s hat einen austerordentlichen Kongreß zur Prttsnng der Lage einbernsen. Damit würden die Ge- werkschasten dem Beispiel der entsprechenden politischen Par- teien folgen, die gleichfalls versuchen, eine Einheitsfront gegen den Faschismus zu bilden. Dr. Sp€cialiste 9ö, rue de Rivoli— M6lro: Chaicle- RADIKALE HEILUNG von BLUT., HAUT, and FRAUENKRANKHEITEN Hella ag von Kramptndern and offenen Bein wanden Neueste Behandlungsmetboden Elektrizität. Impfungsvertahren Trypafle vine» Einspritzungen Blut, und Hatn.Untersuchungen. Sper. makultur. Salvarsan Wismut usw. Sprechstunden täglich von 10—12 und von 4—8 Uhr Sonntags von 9—12 Uhr Konsultationen von 25 Fr. ab. Man spricht deutsch WWW Deutsches Zahnärztliches Institut I iZ, RUE DE OOUAl. Metro s Blanche, Pigalle fei. rrinite JO»27 Sprechstunden: W2, 2»8 Uhr I Zahn« u. Mundkrankh., Röntgen. Elektrotherapie, Prothesen, Kronen. Brücken in Gold, Platin u. 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Diathermie. ±= Persönliche oder schriftliche Auskünfte auf Wunsch Roosevett gegen Schacht Scharfe amerikanische Note- Die den sehe Öffentlichkeit belogen Seit Wochen standen in der gleichgeschalteten deutschen Presse trostvolle Meldungen, daß in Nordamerika volles Verständnis'ür die Einstellung der Transferzahlungen durch die Reichsbankrotteure Hitler und Schacht vorhanden sei. Man deutete sogar hossnungssroh an, daß aus Nord- amerika ein neuer Kreditstrom nach Deutschland fließen werde, damit die deutsche Wirtschast sich mit Rohstoffen aus dem kreditipendenden Lande eindecken könne. Diese Fantasien werden durch die amerikanische Antwortnote aus die deutsche Transfernote jäh zerrissen. Genau wie die eng- lische Regierung wirst auch die amerikanische dem beut- schen Reichsbankpräsidenten betrügerischen Bankrott vor. Sie stellt fest, daß die deutsche Bankrottregierung statt ihren Schuldenverpflichtungen nachzukommen. betrügerische Manipulationen an den Börsen vorgenommen hat:»erner daß sie, statt notwendige Materialeinkäuse zu tätigen, ge- waltige Rüstungsvorräte ausgekauft hat. Es herrscht also vollkommene Einigkeit zwischen England, Frankreich»nd Nordamerika in der Auffassung über die Ursachen des beut- schen Staatsbankrotts. Das ist von großer Wichtigkeit auch für die Beurteilung der Rüstungsverhandlungen. Der Reichsbankrotteur Hitler und seine betrügerischen Bankrott- Paladine haben Deutschland politisch und wirtschaftlich isoliert. Der Ring um Deutschland wird nur durchbrochen werden, wenn ein Systemwechsel in Deutschland sich durch- setzt. dnb. Berlin, 29. Juni. Die amerikanische Antwortnote, die am 27. Juni, abends, dem deutschen Geschäftsträger in Washington zuging, hat folgenden Inhalt: Die amerikanische Regierung habe die deutsche Transfer- note vom IS. Juni ihrer Bedeutung entsprechend mit Sorg- sali geprüft. Sie sei beunruhigt über die Andeutungen, daß zwischen den verschiedenen nationalen Gruppen von In- hadern deutscher Anleihestücke Diskriminierungen ftattsinden könnten. Die Bedingungen bei der Begebung der deutschen Jjzö CfCunßA. 166, Boul' Haussmann 83, Boulavard Maleiharbas ^77, Regent Streut, London W. I Moderne Damengürtel mit Büstenhalter Anleihen im Auslande ebenso wie bei der Dawes- und Boung-Anlethe seien doch allen Ländern gegenüber die glei- chen gewesen. Was insbesondere die Anleihe« angehe, die Amerika Deutschland gewährt habe, so feie« diese mit der ausdrück- lichen Abmachung beschlossen worden, daß sie für produk- tive Zwecke verwendet werden sollen. Als solche Zwecke seien der Ausbau der Handelsflotte, die Modernisierung der Reichsbahn, die Gesundung des Bankwesens, der Bau von Häusern, Straßen, Kanälen usw. von den geldsnchenden deutschen Stellen angegeben worden. Das amerikanische Kapital sei unbestrittenermaßen ein wesentliches Element im Ausbau der deutschen Wirtschast nach dem Znsammen- bruch von 1923 gewesen. Die Bereinigten Staaten hätte« ihrerseits keine Reparationen von Deutschland empfangen. Wenn Deutschland jetzt aus seineu zusammengeschmolzenen Gold-«nd Devisenvorrat und ans Maßnahme« der"Glau- biger hinweise, durch die die deutsche Aussuhr geschädigt worden sei, so müsse zwar anerkannt werden, daß überall in der Welt Handelsbarrieren den Welthandel ernstlich be- hinderte« und daß die deutsche Transserlage dadurch ungün- stig beeinflußt worden sei. Deutschland habe sich aber auch durch seine Politik in vielen Teilen der Welt selbst Opposition ge- schassen, durch die Handelstouslikte eut, standen seien und durch die die deutsche Aussuhr»er- mindert worden sei. Die Rote kritisiert alsdann die in de« letzten Jahren durchgeführte Entschuldung der kurzfristige« Berbindlichtei- ten und den Rückkauf von Anleih stücken aus ans- ländischen Märkten und betont, daß die Abtragung ausländischer Schul» den allem außer den wesentlichste» Be- dürsnissen einer Regierung vorzugehen habe. Deutschland habe aber z. B. erhebliche Sum- wen für Materialeinkäuse ausgewandt, die sich für Rüstungskäuse eigneten. Der enge Zusammenhang, den die deutsche Regierung zwi- schen den Zahlungen ihrer ausländischen Schulden und den Handelsbilanzen herstellt, schein» der ameri, kanischen Regierung nicht zutreffend. Das Bestrebe», die Handelsbilanz auszugleichen, werde wahrscheinlich das Gesamtvolumen des Welthandels und damit die Transfer, Möglichkeiten noch weiter herabdrücken; dieser Weg müsse auch unvermeidlich aus Diskriminierung zwischen verschiedenen Gläubigern hinauslaufen. Aber es sei doch anzuerkennen, daß der durch die vielfachen Handelshemmnisse verursachte Schwund des Warenaus- tausches die Schwierigkeiten Deutschlands erhöht habe, sei- nen ausländischen Verpflichtungen nachzukommen. Zum Schluß spricht die Note die Erwartung aus. daß die deutsche Regierung keine Diskriminierung der amerikanischen Inhaber von Dawes- und Noung- Anleihe zulassen werde. Kammersieg Bartheus Sur Steuerreform und sum Arbeitsbeschaffungsplan dnb. Paris, 29. Juni, Ministerpräsident Doumergue mußte in der Freilagvormittagsitzung der Kammer bei Beratung der Steuerreform Widerstände überwinden. Der Vorsitzende der Radikalsozialisten erklärte, niemand könne es für nützlich halten, die Regierung wegen einer einzelnen Frage zu stürzen. Als Politiker müsse man aber fragen, was geschehen, würde, wenn die Regierung gestürzt werden sollte. Man müsse an das Land denken, und daher fordere er seine Freunde auf, einen von der Opposition beantragten Zusatzantrag, gegen den die Regierung die Vertrauensfrage ge- stellt hat. abzulehnen. Die Kammer entsprach mit 342 gegen 223 Stimmen diesem Antrag. Der Regierung haben ihr Vertrauen versagt 19 Kom- munisten, 96 Sozialisten, 24 Neusozialisten, 9 unabhängige Kommunisten, 9 Sozialrepublitaner. 22 Radikalsozialisten. S Mitglieder der unabhängigen Linken. 6 elsässische Abge- ordnete und 19„Wilde". Außerdem haben 31 Abgeordnete der verschiedensten Fraktion Stimmenthaltung geübt. Marquets Arbeitsbeschaffungsplan gebilligt dnb. Paris. 29. Juni. Der Kabinettsrat hat am Freitag den vom Arbeitsminister unterbreiteten Arbeitsbeschasfungs- plan gebilligt. Der Minister hat noch am Freitag dem Präsi- denten der Republik zwei Gesetzentwürfe zur Unterzeichnung zugehen lassen. Ter eine sieht eine Kreditaufnahme von 173 Millionen Franken vor, die es dem Staat ermöglichen soll, sich an den von verschiedenen Gemeinden schon begonnenen Arbeiten zu beteiligen. Der zweite Gesetzentwurs bezieht sich aus eine Anleihe in Höhe von 2.S Milliarden Franken, die die Sozialversicherungskasse den großen französischen Eisenbahngejellschasten bewilligen soll. Diese Anleihe soll zur Finanzierung umfangreicher Arbeiten innerhalb des Eisenbahnbetriebes, vor allem der Elektrifizierung und An- legung von Uebersührungen verwandt werden. Podeur fpecialislc OEimCHSPRECHEND Münchener u Pariser Fakultb 17, rue Reaumur MCtro Arts-st-Mttlsn od. RCpubllquc frtum-, Blut». Haut», Harn» und Geschlechtskrankheiten,(ripper, Syphilid Männerschwäche. Neueste Heil verfahren. Elektrizität. itarti Samen anu Hiu.anayser» Massige Bedingungen. lAuch tür Kassenversicherte. Täglich von 9. I und 4- 8,30.'Uhr Sonn» und Feieria js von 9 bis 1 u. auf Rend. v. Tel. 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Feuerkassentare 2»-2 090.— Warum soll nicht auch dieses Hotel pleite sein, wenn ganz Hamburg bankrott ist? Trotzdem wird stch wohl ein Käufer finden. Einst» »eilen tippen wir auf die NSDAP., die noch immer überall in Deutschland(tzebäude zur standesgemäßen Unterbringung ihrer Büros und Bonzen erwirbt. CT., G««t. Jbneri hat ein Wort von Bismarck so gut gefallen, daß Sie um Heften Wiedergabe bitten:„Ein unerläßliches Requisit ift We Wc6u[b- muß warten können, bis der richtige Moment herangekommen ift. und dars nicht» überstürzen. „»"'iL i0 ist. Wenn man die schönste in„liii* dem»euer nimmt, fallt sie zusammen." Daran sw?^ T"!.!®«6«S. Die Kölner kennen aber ein weife» et och üvverdrleve» allt»»zutreffen scheint.„Mer kann 3* nen 6at man auä«"lin geschrieben. «iL 1, J»des„Stahlhelms" in der Reichshauptftadt R- DentMien"V-?? sondern auch laut einer Anordnung de» au'äi Ima^ abgeliefert werden müssen. Ob «fc l', II! 11 R-'-hspr°sit.ent von Hindenburg da» Ab- SfiÄKÄ'"""--»- 6fl6fn"" r für folgende» Zitat au» dem L®"'tndet T ,9?, r' 241* u Hanken:„Wenn da» Wort Sozial'»- naHozioliänntT I* 1» c a8t' wenigsten» da» ein«, daß der Ratio. -«iwl M-"cht spurlos an der Wirtschast vorbeigehen kann." - Bemgia ierrenl. Die Spuren schrecken! «ebrm!? 1"undern sich, daß der OberreglerungSrat fiochüb,.,,«7 Re chssusti,Ministerium in einem Vortrag in der und außerehelich^'««Kfl« mischrasstge Ehen ichen forderte^"Mischung zwischen verschiedenrassigen Men» welche< R„h™^■ roote"°hl°°rerft festzustellen, vieviel« und welche Rapen sich ,« diesem Pinscher gemischt haben. äs',r.s 5ÄÄ r- M eÄ5"ÄÄ*