Aas dem Inhalt Jlötuns Glück und tnde Einzige Unabhängige Tageszeitung Deuiichlands Leite 5 Nr. 150— 2. Jahrgang Saarbrücken, Dienstag, 3. Juli 1934 Chefredakteur: M. B r a u n Waldenburg-Krise Das Demissionsgcsntii— Reichspräsident, Reitiisverweser oder flonardiie? Neue revolutionäre Epoche lim Hindenbnrgs RttditrMI Der Kampf um die Reichsspitze a r i ö 2; Juli(Eig. Bericht). Es liegen neuerdings aus zuverlässigert Quellen Nachrichten aus Berlin vor, die fest behaupten, daß der Reichspräsident von Hinden- ourg sein Äücktritlsgesuch eingereicht habe. r Ct® 0tt Altersleiden zermürbte Neichspräsident ist durch die Ereignisse, die ihm nur allmählich bekannt ge- worden sind, tief erschüttert. Er und seine Umgebung haben den Glauben verloren, daß die Autorität und die Lebenskräfte des Reichspräsidenten noch ausreichen, um irgendwie in die furchtbare Krise aktiv eingreifen Zu können. Auch als R e i ch s v e r w e s e r für die vielleicht heranziehende Monarchie hält man Hinden- bürg n i ch t mehr für geeignet. Was zur Zeit geschieht, liegt alles außerhalb der Willensspäre des Hmdenburgkreises. Ob der Alle bleibt oder gehalten wird, ist für die Männer der Gegenrevolution lediglich eine inner- und außenpolitische Zweckmäßigkeilsfrage. Pape» bleibt veiangener Seine Akten beseitigt— Alle Bewegungsfreiheit entzogen Berlin, 2. Juli(Eigner Bericht). Die Meldungen über eine Flucht des Vizekanzlers von Papen sind falsch. Er befindet sich als Gefangener in Berlin. Zwar »st er nicht in ein Gefängnis eingeliefert worden, aber er wird Tag und Nacht von Bewaffneten Görings überwacht. Jede amtliche Tätigkeit ist ihm untersagt. Alle Akten aus seinem Amtsgebäude und aus seiner Privalwohnung sind entfernt worden und werden nun gründlich untersucht, da man den Nachweis finden möchte, daß von Papen an der Verschwörung beteiligt war. Solange die Untersuchung der Akten dauert, ist Popens Schicksal ganz ungewiß. Vizekanzler ist er jedenfalls zur Stunde nur noch dem Titel nach. Seine Entmachlung ist im Augenblick vollständig. Sdileidier Opfcr einer raisdiang? Saarbrücken, 2. Jnli. UeBer die Gründe der Verhaftung«nd Ermordung Schleichers werden Einzelheiten bekannt, die die ossiziellen Auslastungen verschweigen. Mehrere französische Blätter be- schästigen sich mit dieser Version. Danach zirkulierte am Tage nach der Marburger Rede des Vizekanzlers v. Papen in sogenannten politischen greisen Berlins eine„Minister- liste", die die Mitglieder eines künstigen Retchswehrkabinetts nach einem Sturze Hitlers enthielt. Der Kanzler dieses Kabinetts sollte der Ches der Heeresleitung General von Fritsch sein, während Schleicher die Reichswehr übernehmen sollte. Diese sogenannte Ministerliste war ofsenbar ein Fantasieprodnkt. Es Icheint aber, daß ihr Bekanntwerden namentlich auch im Ausland, Hitler und Göring einen Vor- wand zum Einschreiten gegen Schleicher gegeben hat. Man darf hinzufügen, daß sie selbst diese angebliche Minifterliste nicht ernst genommen haben dürsten. Zu fragen bleibt, ob die ganze Liste nicht grade dort entstanden ist, wo man ein Dokument brauchte, um gegen den Verhaßten vorzugehen. (Siehe auch 2. Seite.) Komplott mit Jugoslawien? Röhms ausländische Pläne lieber die ausländischen Verbindungen, die de« erschösse- nen SA.-Ches Röhn, in den> amtliche» Berliner Verlaut- barnnge» nachgesagt werden, weiß die„Neue Zürcher Zeitung" zu berichten, dast es sich»m Beziehungen zu Jugoslawien handele. Röhm scheint danach bei seinem Besuch in Jugoslawien aus eigene Faust An^.-nnolidk ge- trieben zu haben. Das Tauschobjekt das er L lyij das Cell Das stürmische Tempo der deutschen Entwicklung Adolf Hitler hat seine öffentliche Laufbahn als bezahlter politischer Agent der Reichswehr begonnen. Er beendet sie als ein Reichskanzler, der nichts anderes ist als eine Marionelte in der Hand des Reichswehrministers und seiner Generale. Wie lange er als Puppe der nun zu- nächst im Reiche allmächtigen Wehrmacht in der Rolle des„Führers" durch seinen Blutsumpf waten darf, be- stimmen die hohen Militärs. Der Reichswehrminister von Blomberg hat in einem Erlaß, der in der ganzen Geschichte seinesgleichen sucht, den deutschen Reichskanzler gerühmt, daß er einen Reichs- ministerkollegen und ältesten Kameraden„persönlich an- gegriffen und zerschmettert", also abgeschlachtet hat. Ter Mann, dessen Hände noch rauchen vom Blute seiner Freunde und brüderlichen Kumpane, wird der deutschen Jugend als leuchtende Borbilde hingestellt. Mit Schaudern wendet sich die Zivilisation von dieser bar- barischen Entartung, die ein Volk mit großer Kultur- geschichte schändet. Nicht einmal die Soldateska, die im Jahre 1903 im Konak zu Belgrad den König Alexander und seine Draga niedersäbelte, hat so stolz von ihrer Mordtat gesprochen. Der deutsche Reichskanzler und der deutsche Reichswehrminister, der in General Schleicher einen Kameraden unter den Schlachtopfern der Mord- nacht sieht, überbieten sich an freudigen Bekenntnissen zu der Schmach, die sie gemeinsam Deutschland zugefügt haben. Alles, was die Welt je über den deutschen Mili- tarismus gesagt hat, wird angesichts der neuesten Ereig- niste und mehr noch auf Grund der amtlichen militärischen Kundgebung von neuem aufwachen und mehr als je ge- glaubt werden. Es ist ein schweres Schicksal für Deutschland. Ein Regime, das seinen Machtantritt durch die Brand- stiftung des Hauses der Volksvertretung beleuchtete und nun durch einen Massenmord ohne Gleichen sich zu be- haupten versucht, bleibt ein gefährlicher Unruheherd für die ganze Welt. Seine jetzigen Führer werden nie mehr irgendwelches Vertrauen bei zivilisierten Regierungen erlangen können. Zu der politischen, wirtschaftlichen, finanziellen Isolierung Deutschlands wird die moralische hinzukommen, bis neue große Ereignisse Volk und Land entsühnen. Das Gelichter, das die gleichgeschaltete Presse Deutsch- lands redigieren darf, singt wahre Iubellieder auf Er- eigniste, die Massenschlächter vom Range eines Kürten oder eines Haarmann erbleichen lasten könnten. Der, den sie ihren„Führer" nennen, wird mit Ausdrücken der Be- wunderung und der Liebe überschüttet. Die Erschossenen auf Hitlers, Görings und Blombergs Iagdstrecke, die uns dieselbe Presse gestern noch als heroische Gestalten beut- schen Mannestums rühmte und die ausnahmslos von eben jenem„Führer" berufen und gehalten wurden, sind nun asoziale und amoralische Elemente, moralisch minder- wertige Jämmerlinge, Dummköpfe mit krankhafter Ver- anlagung und Selbstüberschätzung, obskure Persönlich- keiten mit perverser Verschwendungssucht. Welch ein Ge- zeter wäre losgebrochen, wenn noch vor 3 Tagen, die „deutschfeindliche" Presse zu der verkommenes Gesindel auch uns zu rechnen beliebt, so von Röhm, Heines, Ernst und Konsorten geschrieben haben würde. Es naht die Zeit, in der die korrupte deutsche Presse auch die blutigen Ge- stalten, die sie heute noch anbetet, wahrheitsecht charakterisieren möchte, aber sie wird dann nicht mehr die Gelegenheit dazu haben. Mit den blutbesessenen Führern werden zu Hunderttausenden die feilen Gesellen verschwinden, die dem Banditismus in unserem Vaterland zum Siege verholfen und ihm gedient Häven. Was ist seit Samstag hinter den Exekutionen und Füsilladen, die noch immer wüten, geschehen? Der deutsche Hochkapitalismus, der deutsche Großgrundbesitz, haben durch ihre Exekutivorgane, also durch die Reichswehr, die Schutzpolizei und die hohe Bürokratie die sozialistischen Strömungen im deutschen Nationalismus nieder- geschlagen. Sie wollen gemeinsam das Reich regieren und im Sinne kapitalistischer Reaktion gegen alle sozialisti- schen Richtungen„Ordnung" schaffen. Alles, was Besitz- Vorrechte bedroht fühlte, atmet auf. Hitler ist nun offen der gegenrevolutionäre Führer und wird als solcher ausgerufen und byzantinisch umschmeichelt. In dieser Glorifi- zierung spricht sich die Unruhe der nun mit ungehemmter Brutalität Herrschenden aus. Es fehlt ihnen trotz da und dort inszeniertem Volksjubel die Massenbasis. In Hitler sehen sie den zur Zeit einzigen Mitverschworenen der Gegenrevolution, der das drohende Chaos aufhalten kann. Zwar ist er aus der Unterwelt aufgestiegen und herrscht mit den Methoden der Unterwelt, aber das ist im Augen- blick für die Feudalen aller Art kein Hindernis. Es geht um ihre Macht und um nichts anderes in diesem unglück- lichen Deutschland. Wie diese Macht stabilisiert werden soll, liegt noch voll- kommen im Dunkeln. Nur soviel ist klar, daß über die Machtverteilung in den obersten Schichten.der Gegen- revolution selbst die stärksten Meinungsverschiedenheiten herrschen. Der Kampf um die Nachfolge des Reichspräsidenten beginnt. Ob der uralte Herr nun schnellstens durch den Tod abgeht oder demissioniert oder zum Rücktritt gezwungen wird: eine akute R e i ch s p r ä s i d e n t e n k r i s e ist da. Die Monarchisten und ihre Thronanwärter stehen auf dem Sprung. Fortsetzung siehe 2. Seite. eineS lebenden Bären, der jugoslawische» Regierung für eine tatkräftige Unterstützung des bedrängten Deutschland ange- boten hätte, wäre einösterreichischesGreuzgebiet gewesen, und zwar der mit deutschsprachigen und slowenischen Einwohnern gemischte Teil Südkärntens an der Nordseite der Karawanken, der im Jahre 1920 zum Abstimmungsgebiet gehört nnd sich mit überwiegender Mehrheit für Oesterreich erklärt hatte. Brüning beteiligt? London, den 2. Juli 1934. Eine eigentümlich anmutende Information des Sonntags- Mattes„Sunday Referee" bringt den ehemaligen Reichs- kanzler Dr. Brüning, über dessen gegenwärtigen Aufenthalt in England viel gerätselt worden ist, in Zusammenhang mit den Ereignissen in Deutschland. Die Reise Brünings stehe in Zusammenhang mit Schleichers Plänen zum Sturze Hitlers. Brüning habe sich an einem Staatsstreich zum r''N imS sich dabei der radikalen Nazis b edienen wvllen. AuH e^e Reste de» früheren Zentrums- kanzlers Brüning habe in London sondiert, wie auch in Paris sondiert worden sei. Auch eine Reise des früheren Reichskanzlers Dr. Wirt nach Moskau, die das Blatt er- wähnt, stehe damit im Zusammenhang. Die Meldung ist auch in die französische Presse überge« gangen. Sie verdient ein großes Fragezeichen. Selbst wenn man annehmen wollte, daß die alten Gegensätze zwischen Brüning und Schleicher— bekanntlich war es Schleicher, der den Kanzler Brüning gestürzt hat— durch die Ereignisse inzwischen überbrückt worden seien, so wäre doch gerade Brü- ning kaum der Mann, den sich die„radikalen Nazis" als Führer aussuchen würden. Zu der Berhastung und Erschießung des Berliner Grup- pensllhrers Ernst erfährt man noch, daß Ernst i« Bremen festgenommen wurde, als er gerade mit seiner Frau eine Hochzeitsreise nach de» canarischen Inseln antrete« wollte. Ernst war persönlich nahe befreundet mit dem Prinzen Ferdinand von Hoheuzollern. dem ältesten Sohne des ehe, maligen Kronprinzen. Die Ermordung von Ernst ist in, zwi schen amtli ch worden,^ Sdilcidicr and der Quai d'Orsav Brüning, Wtrih und Schacht beteiligst Neue revoluffonare Epoche Fortsetzung von Seite L Reichsverweserschaft oder Kaiserreich? Rückkehr zum monarchistischen Legitim ismus oder Vorstoß zu einem bonapartistischen Imperatoren- tum? Alle Tore stehen offen. Rur ein Ausweg zur ruhigen Entwicklung in Deutschland tut sich nirgends auf. Alle werden sich täuschen, die ihn nun erhoffen. Denn seit Samstag vollzieht sich ijjt Reich eine psychologische Verschiebung, die Hunderttausende schon erfaßt hat und Millionen Erreichen und aufwühlen muß. Bisher galt Adolf Hitler seinen proletarischen Anhängern als der Mann besten sozialistischen Wollens, der durch reaktionäre- Elemente in seiner Umgebung an großen sozialistischen Taten gehindert werde. Run schießt er gerade die national- sozialistischen Revolutionäre zusammen, wie immer man moralisch auch über sie urteilen mag. Für die einiger- maßen politisch Geschulten in der SA. und in der NSDAP, ist der offene Uebergang Hitlers zu den kapitalistischen und feudalen Reaktionären sichtbar. Die weniger klaren Elemente der Volksmasse werden nun. sobald die Be- täubung des ersten Todesschreckens gewichen sein wird, unter eine gewaltige Woge der Aufklärung von Mund zu Mund gesetzt werden. Daran werden sich Sozial- demokraten, Kommunisten und die nun massenhaft ent- täuschten und erweckten SA.-Leute gemeinsam beteiligen. Die deutschen Leitungen sind angefüllt mit Treuekund- gedungen für Hitler. Aber wer telegrafiert ihm? Es sind die hohen braunen Bonzen, die um Amt und Leben zittern. Tief unter ihnen jedoch fluten seit 4? Stunden Heere von verratenen und betrogenen Nationalsozialisten nach links. Die deutsche Gegenrevolution, die auf ihren Leichen- Hügeln glaubt triumphieren zu können, zerstört selbst die Massenbewegung, durch die sie gegen Demokratie und sozialen Reformismus zur Macht getragen worden ist. Diese Gegenrevolution kann köpfen und erschießen, sie kann die sozialen Spannungen mit Haß und Rache er- füllen bis zum Bersten, aber sie zeigt keine Idee und keinen Willen, die deutsche Krise zu entwirren und zu lösen. Die Not des deutschen Volkes in ihren millionenfachen materiellen und seelischen Leiden besteht mehr denn je. und verbrecherische Politiker, die nichts andres kennen als Terror und Mord, können die Not nicht lindern. Eines aber haben sie nun erreicht, und wir wollen ihnen diese Feststellung nicht vorenthalten: Die Hitler und Göring uno Blomberg haben die letzten Zweifel beseitigt, daß die unvermeidlichen revolutionären Kämpfe in Deutschland nur unter entschlossenster und furchtbarster Gewalt siegen können. Die Geburtswehen der neuen Gesellschaft, die sich in Deutschland durchringen muß. werden furchtbarer sein als alles, was uns die Geschichte aus Revolutionen Europas überliefert hat. Das„dritte Reich" rast im Blutrausch. Es kann nur noch durch ein Schreckensregiment sich behaupten. Seine „Ruhe" ist die Todesangst. Die aber wird überwunden werben. Der blutige Samstag ist nicht ein Abschluß, sondern ein Anfang. Eine Entwicklung beginnt, die das Blutregime befestigen und in schweren, aber notwendigen Konvulsionen das sozialistische Teutschland erkämpfen wird. Hurt von Sdiieidicr Der„soziale General" Kurt von Schleicher wurde am 7. April 1882 zu Brandenburg a. d. Havel als Sohn eines Offiziers gebare». Seiue Familie gebart zum preußisch-westsälischen Kleinadel, hat aher ihre» Ursprung in Tüddeutschlaud. Schleicher wurde im Kadelleuhaus Großlicherfcldc erzogen und trat mit 17 Iahren als Leutnant in das 3. Garde-Re- gemcnt zu Fuß, aus dem auch Hindcnburg stammt, ein. und in Sem er 1009 zum Oberleutnant befördert wurde. Nach Be- such der Kriegsakademie wurde er 1013 Hauptmann im Regiment und 1014 zum Großen Gxueralftab kommandiert, und zwar zur Eifenbahnabteilung, deren Chef Gröner war. Dieser ivurde auf Schleicher aufmerksam. Bei Ausbruch des Weltkrieges ivurde Schleicher als Leiter des Büros zum Stabe des Gencralgnartie, meistcrs kom- mandiert. Diesen Posten hat er mit kurzer Unterbrechung während des ganzen Krieges innegehabt. In dieser Stellung waren neben rein militärischen Angelegenheiten immer wehr Aufgaben anderen Eha,alters zu erfüllen. Schleicher loste diese Ausgaben mit Geschick Als General Gröner Ludendorffs Nachfolger als Ehef des GeneralstabcS ivurde. berief er seinen Mitarbeiter Schleicher in der Obersten Heeresleitung wieder in feine Nähe. Hier erlebte Schleicher die Revolution. Mit der Obersten Heeresleitung kam er nach Kassel, und dort war er es. dessen Austreten die Lage für die Regierung Eberl rettete. Nach Gründung der Reichswehr ivurde Schleicher engster Mitarbeiter N o s k x S und später G e ß l c r S. Er stand steis an angeschenem, doch wichtigen Platze. Während des Kapp- Putschcs 1920 und während der Sparlakusunruhen 1923 24 ivar er der Verbindungsoffizier des mit der Ausübung der Gewalt betrauten Militärs und der Zivilrcgierung. Nach dem Rücktritt Westlers Und der Berufung GröncrS zum R e i ch S w c h r m i n j st e r stieg Schleichers Einfluß durch seint srciindschafilichcu Beziehungen zu seinem Borge- setzten. Nachdem dann iin März 1029 das Ministeramt im Rtichsivchrministcriuni gegründet wurde, wurde Schleicher zum Chef des Postens ernannt. Erst dadurch trat Schleicher für die Oesfentlichkeit ins Blickfeld. Trotzdem hat er es verstanden. auch weiterhin mehr hinter den Kulissen zu wirkeil Seinem einst gen Gönner Grüner folgte er l»32^ls Reichswehrminister im neuen Kabinett von Pape». Da- mit war sein Ausscheiden aus dem Reichsheer verbünde», doch blieb er„General der Jnsautcric". In der Regicrungszeit des Kabinetts von Pape« trat er Nicht hervor: fein Einfluß war aber außenpolitisch iu dem steifen Rücken der deutschen Vertreter iu Gens und innen- politisch in der freundlichen Haltung gegen die National- sozmlisten zh erkennen. Erst als?r d,e Erfolglosigkeit seiner Bemühungen einsah, wandte er sich Verhandlungen mit den Gewerkschaften zu und übernahm am 2. Dezember 1032 die Leitung der Retchsregicrung. Er selbst behielt neben der ReichSkanzlerschast das Reichswehrmiuisterium. Sowohl NSDAP, sowie SPD und KPD. jagte» ihm schärfste Oppo- sttiou an Haid wurden Gerüchte über Unstimmigkeit«» im Kabinett laut. Das Gesetz des Buttcrbeimischuiigszwangcs zur Mar- g.ir>»e erhöhte die Mißstimmung und nahst, Schleicher den Ruf des„ioz'aicn Generals". Das Bekanntwerden einer Unterredung Hitlers mit von Pape» und das Gerücht über Verhandlungen Schleichers mit Gregor Straßer vermehrten London, 2. Juli. Ucbcr die Vorgeschichte des deutschen Staatsstreiches weiß das englische Sonntagsblatt„Sunday Referee" noch einige interessante Angaben zu machen, sur die mir ihnen jedoch die volle Verantwortung überlassen müssen. Danach sollen an den Pläne» des Generals v. Schleicher auch Dr. Brüning und Dr. Wirth, die beiden früheren Zentrumskanzlcr, be- teiligt gewesen sein. Sowohl der englische Besuch Brünings wie eine geplante Reise Dr. Wirths»ach Moskau sollten im Auslände das Terrain laudieren helfen. Weiter soll an diesen Bestrebungen auch der Reichsbank- Präsident Dr. Schacht beteiligt gewesen sein. Er soll sich auch mit dem Gouverneur der Bank von England Montagu Norman in Badenweiler getroffen und ihn gefragt haben, ob eine neue deutsche Regierung aus esne englische Anleihe rechnen könne. I» Paris soll ein Vertrauensmann Schleichers sogar im Auswärtigen Amt mit einer maßgebenden Persönlichkeit zu einer Vereinbarung gelangt sein, und zwar auf folgender Grundlage: Ter Berliner Berichterstatter des Pariser„Le Journal" gibt als einer der wenigen ausländischen Journalisten Einzelheiten über die blutigen Ereignisse in München, in Wiessee und in Berlin wieder, die im Augenblick nicht nach- geprüft werden können, aber die amtliche Darstellung jeden- falls in manchen Punkten ergänzte. In München hatten sich eine Anzahl von Obergruppen- und Grnppensührcrn der SA. versammelt und berieten in der Nacht die letzten Einzel- heilen der Ergebung, die sich gegen den reaktionären Kurs der Regierung richten sollte. Hierbei bleibt jedoch eine Tat- lache noch nicht ganz klar, wie weit nämlich die Pläne der Verschwörer gingen. Anscheinend sollte Hitler iveiter an der Spitze der Regierung bleibe», er sollte»ur gezwungen werden, den Kurs seiner Politik im Sinne der sozialistische» Forderungen der SA. zu ändern. Die SA.-Führung war jedoch schon seit längerer Zeit aus Beseht Hitlers und Görings bespitzelt worden. Bon den Vorbereitungen erhielt Hitler, der gerade in Essen weilte, Mitteilung, und daraufhin begab er sich, ivie bereits gemeldet, mit dem Flugzeua»ach München. Rohm und die anderen SA.-Führer hatten indessen damit gerechnet, daß Hitler von Essen aus nach Wilhelmshaven fliegen würde, Ivo der Panzerkreuzer„Deutschland" vom Stapel ge- lassen werden sollte. Nachdem sich Hitler mit dem baorischen Inneimuuister Wagner in Verbindung gesetzt hatte, wurde die SS. alarmiert, sie umzingelte das Braune Haus und Hitler drang in Begleitung mit den SS.beulen in die Räume, Ivo die Verschwörer berfetcn. Der Korrespondent des..Journal" weiß zi» berichten, das, dos überraschende Ein- dringen Hitlers aus die Verschwörer einen nieder- schmetternden Eindruck gemacht hatte. HitEr soll lein Wort getagt haben, sondern er näherte sich den SA. Führern und riß einem jeden von ihnen wortlos die Achselstücke her- irutcr. Ucber die Einzelheiten der Ermordung der SA.- Führer berichtet der Korrespondent des..Journal" nichts. Noch in der gleichen Nacht begab sich Hitler in Begleitung von TS.-Leuten nach Wieske, Ivo er Röliin»nd Heines vorgefunden hatte. In Wiessee sollen sich sehr dramatische die politische Beunruhigung. Der für den 7. Februar fest- gesetzte Reichsiagszusammeniritt mußte den Sturz der Re- gierung Krügen. wenn nicht vorher die Diktatur erklärt wurde. Aber schon am 28 Januar 1938 trat Schleicher zurück, und der Reichspräsident übertug am 39. Januar die Regie- rnng der nationalen Konzentration Hitler-von Papen- Scldtc. Schleicher hatte mit<8 Jahren die aeich'edcne Frau seines Vetters Bpgislau von Schleicher Elisabeth von Schleicher, eine Tochter des Generals der Kavallerie a. D. o. Hennings, geheiratet. Eine„dirisftitiie" Stimme „Siehe, wie fein und lieblich ist es, wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen" Die„Germania" sagt zu den Ereignissen, die an- scheinend auch dem Führer der Berliner Katholiken Dr. K l a u s e n e r das Leben gekostet haben: D.e Aufruhrer, an der Spitze der Stabschef Nöhm, sind verhaftet worden. Wv sie Widerstand zu leiste» 0 e r> u ch t e n, w n r d c um so e n t s ch i ed e n c r z u g e- packti.. Wir können hinzufügen, daß in diesem Augenblick stch jeder deutsche Volksgenosse die Aufforderung des neuen Stabschefs zu clgen macht, und daß es icdem einzelnen ein Bedürfnis ist. d e m F ll h r e r u» v e r b r ij ch l i ch c T r e u c zu geloben in diesen schweren Stunden, wo es stch darum Handell, den unter allergrößten Schwierigkeiten begonnenen, vom Anstand mit stärkstem Gegendruck beanlivorleteu Aus- bau de» neue» Staates gegen anhühreriiche Elemente. von welcher Seite sie auch kommen mögen.->» schlitzen und weuer durchzujührea Die Niederwerfung der aufrührerische» Elemente hat sich ohne Aufsehen vollzogen. Das Straßenbild Berlins trug den ganzen Tag über normale Zuge. Aus dem Reich wird das- selbe berichtet. Ueberall herrscht vollständige Ruhe und Ord- nung. Zu Beunruhigtzugcn liegt keinerlei An- 1 a ß v o r. Lcij§HW welter Auch Streicher bleibt in hohen Ehren Wie Hitler„säubert", ersteht man aus folgenden Met- düngen: Köln, 2. Juli. Der Stabsleltcr der PO. und Führer der Deutsche» Arbeitasront Dr. Ley sprach bei einen, Appell der politischen Leiter des Gaues Köln-Aachen. Er erklärte, da» Adols Hitlers Tat von gestern dem Volke, der Partei und Deutschland jenen gewaltigen revolutionären Impuls wiedergegeben habe, der notwendig sei, um Deutschland zu der Größe emporzuMrei^ wie es das Schicksal fordere. .. jt.. 75^.. Die künftige deutsche Regierung werde den Status quo Europas respektieren, doch sich vorbehalten, aus friedlichem Wege eine Revision Herbeizuführen. Ferner werde Deutschland sich jedes Drucks aus die Abstimmungsberechtigten im Saargebict enthalten und außerdem bereit sein, in einem liberalen Geist über die Frage der Saargruben zu ver- handeln. Weiter werde Deutschland seine Bemühungen für einen Anschluß Oesterreichs nicht fortsetzen. Als Gegenleistung wolle Frankreich grundsätzlich der Ruck- gäbe einiger deutscher Kolonien und bem Reich gewisse wirte schastliche und finanzielle Zugeständnisse machen. Eine der französischen Forderungen soll übrigens darin bestanden haben, daß Deutschland mit der Sowjetunion sich einigen müsse. Soweit die Angaben des englischen Sonntagsblattes. Hier dürfte Richtiges und Falsches durcheinander gemengt sein, zumal was die angebliche Tätigkeit einzelner Persönlich- keilen betrifft. Szenen abgespielt haben, wobei Hitler insbesondere Haupt- mann Röhn, die schwersten Vorwürfe gemacht halte. Hitler spielte die Rolle des Moralisch-Entrüstcten. der seine Em- pörung über die lbm angeblich unbekannten perversen Neigungen von Rvbm und Heines Ausdruck gab. In derselbe» Nacht ist Göring, der gemeinsam mit Hitler die sozialistische'Richtung innerhalb der Partei bekömvitg, von Hitler über die Ereignisse benachrichtigt worden. Nach den Mitteilungen, die Göring zugegangen waren, sollte an der Spivc der SA.-Verschwörung der Grnppwnuhrcr von Berlin Brandenburg. Ernst, stehen. Merkwürdig ist je- doch die Tatsache, daß Grnppcn'ührer Ernst zu dieser Zeit nicht i» Berlin weilte, sonder» in Bremen verholtet ivurde, von Ivo aus er angeblich eine Vergnügungsfahrt nach Ma- deira antreten wollte. Göring mobilisiert« im Gegensatz zu Hitler nicht die sondern alarmierte seine ihm ergebene Poiizeitruvpc zur besonderen Berivendung u■ er Führung des Majors Wecke. Diese Truppe besetzte das Stabsgebäude der SA. und»ahm zahlreiche Verhaftungen vor. Unter anderem ist der gesamte Stab der Berliner SA. n»ter Schloß und Riegel gesetzt worden. So kam es. daß die Berliner Bevölkerung ein un- gehontes Bild iah. D'c Polizei ivar es. die das Stabsge- gewöhntes Bild'ah. Die Polizei war es, d>e das e-trasten bild völlia verschwand, Göring hatte i» ei nein besonderen Erlaß der Berliner SA n ch' nur dgs Trage» der Uniform »erboten, sondern auch den SA.-Leuten untersagt, stch über die Ereignisse zu unterhalten. Bezeichnend kür den Terror, unter.de», Deutschland steht, sind kolaende Däne ans de», Berich, des Ko> rit>>'ntsn: „Es kann gar keinem Zweifel unterliegen, daß die Bevöl- keriing von den Ereignissen auss tiefste aufgewühlt war. Wenn aber aus de» Straßen kaum diskutiert ivird, so ge- schielst das deswegen iveil die Bevölkerung sich im Verlauf« der letzten Monate abgewöhnt hgt, auf den Straßen zji den politischen Ereignissen Stellung zu nehmen. Ein jeder ist sich bewußt, daß eine Stellungnahme zu den Ereignissen für ihn gefährlich sein könnte." Dr. Leq ist der Läuser, der aktiv au dem EisersucktS-»nd We»»hausdrama in Bacharach beteilig« war, das zwei Nazi, sjihrern, darunter Muchow, das Leben kostete. Leu ist das Subjekt, besten ganze Vergangenheit mit Schiebungen, Kor- ruptionsprozcstcu und Ritualmordschwindcl erfüllt ist. Er ist und bleibt Hitlers treuer Paladin. Dasselbe gilt von dem Pornograsen Streicher, d-r eben erst dem Stabschef Röhn, die fränkische SA. in Parade vor- führte Auch er ist der„Sänberungsaltion" entgangen. Man sieht, wie Hitler sänbert... * Berlin, 2. Juli. Nach einer amtlichen Mitteilung hat die Säuberungsaktion am Sonntagabend ihren Abschluß ge- sunden. Somit hat der gesamte Eingriff zur Wirderherstel- lung und Sicherung der Ordnung in Deutschland 21 Stunden gedauert. Im ganzen Reich herrscht völlige Stühe und Ord- »una. Das gesamte Volk steht in unerhörter Begeisterung hinter dem Führer. Ein Hilfloser stammelt Seldtes Aufruf Berlin, 2. Juli Der Bnndcsführer des„Stahlhelm", Reichsarbeilsminister Sei die, hat jolgenden Ausruf er- lassen: „Angesichts der schivercn Schick'alsstunde. die alle deutsche» Volksgenosten und mit ihnen meine allen Kamerad«» er- leben, iveiic ich darauf hü. daß W n r d e, R n b e und H a l- tuilg gerade den alte» Kameraden aezieuil. I» Treue zum Führer, zum Rcickispräsidenien»nd zu», Staate werden w r immer unwandelbar dastehen. Immer gilt es tur uns das Wohl des Staates, das das höchste Geiev ist. I n l o e r n st c r Zeit gehört aus die Straße»ur die Uniform der Staatsgewalt. Ich ordne daher für den„Stahlhelm" mit sofortiger Wirkung an. daß bis aus Gegenbefehl das Trage» der Nu i j o r m unterbleibt. Heil Hitler! Seldte." was e nßeMtch in venksm an« cranD? Goebbels erklärte in seiner Rundfunkrede vom t. 7 1934: Wir sind weit davon entfernt, tleiuliche Neckerei«» und Nörgeleien, die nun einmal iu der Natur vieler Mensche» liegen, allzu tragisch zu nehmen." General Göring in seinem Tagesbefehl vom 1 7. 1034 an die SA.:„Der Führer hat die schwersten Maßnahmen gegen diejenigen besohlen, welche die Ausführungen kritisieren, die aus seinen Befehl ergrissen wurden." Poü3€9 gegen Äße UM. Oie lfmsä-ise m«Ger enfschsüenten Nacht Die blutigen 24 Stundei Eine Chronik vom 30. Juni zum 1. Juli Der Dliitsfinier! Die Welt schreit vor Entsetzen auf. Zwölf hohe Staats- Würdenträger ermordet(fooiel wurden bis jetzt zuge- geben), darunter drei Männer von weltbekannten Namen, ferner eine Frau— so sieht es aus. wenn Hitler sein Personal wechselt. Ein Bluthund rast. Es scheint, daß er Röhm und Heines vor seinen eigenen Augen niederschießen ließ. Das ist nicht mehr Energie, das ist auch nicht mehr Brutalität, das ist Blutrausch. Wer die entsetzlichen Vorgänge in Deutschland richtig verstehen will, darf nicht vergessen, daß der Beruf von Mördern das Morden ist. Er muß sich vor Augen halten, daß das Element von Kriechtieren der Sumpf ist. Und vor allem muß er stets daran denken, daß das Geschäft von Lügnern das Lügen ist. Mord, Sumpf und Lüge— das sind die Kennzeichen der deutschen Tragödie, die sich soeben abgespielt hat und die vermutlich noch nicht zu Ende ist. Wenn wir früher schrieben, daß das Nazisystem auf Mord aufgebaut ist. dann waren das angeblich Greuelmärchen. Wenn wir feststellten, daß Hitlers brauner Staat durch und durch von Korruption zerfressen ist. dann war das böswillige Hetze. Und wenn wir der Wahrheit gemäß sagten, daß die entscheidenden Stellen des braunen Staatswesens von moralisch verkommenen Menschen besetzt sind, dann hießen wir böswillige Schänder und Schmäher Deutsch- lands. Nun stellt sich heraus, daß wir weit mehr recht hatten, als wir selbst ahnen konnten. Adolf Hitler selbst hat durch sein Blutbad und durch dessen, zwölf Punkte umfassende, „Rechtfertigung" ein Bild des„dritten Reiches" gezeichnet, von dem sich jeder anständige Mensch mit Grauen ab- wendet. Der- deutsche Reichskanzler soll sich keinen Illusionen hingeben: in den Augen der Welt hat er seinen Kredit verspielt. Sie mag seine blutige Energie, nein Hysterie mit Grauen und Widerwillen anerkennen. Aber es gibt nichts menschlich Gemeinsames mehr mit einem Staat, der nur durch zwölffachen Mord regiert werden kann, und mit einem Staatsmann, der ohne zwölffachen Mord viel- leicht heute schon ein erledigter Mann wäre. Er klagt jetzt, daß die SA.-Führung ein einziger großer Schweinestall gewesen sei. Wenn dieser Schweinestall, wie die Dinge heute liegen, wirklich nur durch zwölffachen Mord hätte gereinigt werden können, dann wäre der Hauptschuldige Adolf Hitler selbst: denn er hatte es in der Hand, schon vor Jahr und Tag durchzugreifen. Er klagt heute über unverantwortliche Schlemmereien, über Luxusautos und Diners, über unwürdiges Benehmen von SA.-Führern in der Öffentlichkeit: er schimpft darüber, daß die braunen Helden sich öffentlich betrinken, randa- lieren„oder gar Exzesse veranstalten". Aber welches Recht hat gerade Hitler, solche Borwürfe zu erheben? Reist er nicht selbst auf seinen Per- gnügungsfahrten mit sechs Luxusautomobilen durchs Land? Ist er nicht selbst der Mann, der ständig unterwegs bei Besichtigungen und Ausflügen und fast nie an seinem Schreibtisch in der Reichskanzlei zu finden ist? Und ist der unwürdigste und lächerlichste Träger eines widerlichen Prunks nicht gerade der Mann, mit dessen Hilfe er jetzt Röhm und seine Kameraden ins Jenseits geschickt hat? Gegen den traut er sich freilich kein Wort zu sagen, weil er ohne ihn im Augenblick verloren wäre. Es ist einfach feige Heuchelei, den SA.-Führern Prunk und Luxus vor- zuwerfen, solange das oberste Vorbild dieses Luxus. Her- mann Göring, unter dem Beinamen Lametta-Hermann erster Würdenträger des Reiches ist. Die übelste Scheinheiligkeit offenbart sich aber in den Klagen über die sexuelle Korrumpierung der SA. Hier ist ein furchtbares Unheil in der deutschen Jugend längst angerichtet worden und nicht mehr gutzumachen. Wenn Hitler der Welt weis machen wollte, daß er diese Dinge nicht oder nicht im ganzen Umfange gewußt habe, dann müßte man ihn für außergewöhnlich dumm halten. Er hat den Schmutz natürlich genau gekannt. Vor einigen Iahren bereits erschien bei ihm eine national- sozialistische Deputation unter Führung des Grafen Reoentlow und beklagte sich über die privaten Lieb- habereien des SA.-Chefs Röhm. Hitler erwiderte zynisch, ihm sei es ganz wurscht, ob einer so oder so.... nun folgte ein nicht wiederzugebendes Wort. Nein. Adolf Hitler soll sich nicht vor der Verantwortung für das von ihm verschuldete Unheil drücken können, und wenn er jetzt zehnmal„Haltet den Dieb!" schreit. Adolf Hitler ist es. der die deutsche Jugend diesen perver- Jen Lüstlingen als Lustknaben ausgeliefert hat. Adolf Hitler ist es, der mit einer korrupten und blutdürstigen SA.- Clique eine Schreckensherrschast über Deutschland aus- gerichtet hat. Adolf Hitler ist es, der die Rowdys zu Herren im Lande gemacht hat und die wirklich sozialen Elemente des Volkes unter ihren Stieselabsatz brachte. Adolf Hitler ist es, der Mörder als Polizeipräsidenten einsetzte und ihnen Hunderttausende von anständigen Gegnern in den Konzentrationslagern als Beute vorwarf. Adolf Hitler ist es. der der deutschen Jugend den Mord am politischen Gegner als Ideal gepredigt hat und ihn ihr jetzt als Beispiel vorführt. Wir können wirklich froh sein, daß bis heute im Saar- gebiet noch andere Methoden herrschen. Vielleicht überlegen es stch sogar Herr Röchling und Herr Pirro, ob es nicht doch besser ist, in Ehren und mit heilen Knochen abgesägt zu werden, als sich ermorden lassen zu müssen, wenn dem Führer die Nase nicht mehr paßt. Der weitaus größte Teil der Saarbevölkerung dürfte den von der„deutschen Front" bisher beklagten„Terror" der Regierungskommission den gegenwärtigen deutschen Regierungsmethoden jedenfalls vorziehen. wie ermordeten SA-Führer An der Spitze Röhm Berlin, den t. Juli 1934. Amtlich wird folgendes gemeldet: Der ehemalige Stabschef Röhm hat sein Verbrechen gegen den Staat und seine Untreue gegen den Führer mit dem Tode gesühnt. Oberregierungsrat v. Rose hat sich, als er verhastet werden sollte, erschossen. Weiter haben ihr Komplott gegen die Staatssicherheit und gegen den Führer mit dem Tode gesühnt: Gregor T t r a s s e r, Polizeipräsident Heines, Bresla«, Ministerpräsident von Sachsen, v. K i l l i n g e r. Obergruppenführer August Schneidhnber-München, Gruppenführer Karl Ernst- Berlin, Gruppenführer Wilhelm Schmidt, Gruppenführer Hans Hayn- Sachsen, Gruppenführer Peter v. Heydebreck-Pommern, Standartenführer Hans Erwin Graf Spreti-München. ..Rühm werde daraufhin..." Killinger nicht erschossen! Berlin. 1. Juli. Das Deutsche Nachrichtenbüro meldet folgendes: Dem ehemaligen Stabschef Röhm ist Gelegenheit gegeben worden, die Konsequenzen aus seinem verräterischen Hau- deln zu ziehen. Er tat das nicht und wurde daraufhin er, schössen. Während das gleiche Büro am Samstag gemeldet hatte, daß der sächsische Ministerpräsident Manfred von Killinger erschossen worden sei, wurde am Sonntagabend durch Rund- funk diese Meldung widerrufen und erklärt, Killinger sei nicht erschossen und bleibe auch im Amte. Die erste Falsch- Meldung wäre unverständlich. Vielleicht hat Killinger auf der Mordliste gestanden, ist aber noch rechtzeitig zu Kreuze gekrochen. Darüber werden die nächsten Tage Ausklärung bringen. Interessant ist auch die Tatsache, daß der gleiche Rund- sunk die Ermordung des Reichsbankpräsidenten Schacht dementiert. Eine Nachricht von der Ermordung Schachts war weder uns noch andern Blättern bekannt geworden. Schleicher und seine Frau Bestialisch im Senatorium getötet Berlin, den 80. Juni 1934. Das amtliche Deutsche Nachrichtenbüro teilt mit, daß die Gestapo auf Befehl Görings in die Wohnung Schleichers eingebrochen ist. Offenbar ans Anweisung Görings ließ sich die Gestapo dazu verleiten, den General und seine Frau ohne irgendwelche nähere Erklärungen abzugeben, einfach niederzuschießen. Natürlich wird von den braunen Schergen die Meldung verbreitet, daß Schleicher und seine Frau sich mit der Waffe in der Hand zur Wehr gesetzt hätten. Das ist eine ebensolche Lüge, wie die frühere Behauptung, daß Schleicher und Röhm Selbstmord begangen hätten. tlinisterialdirehtor Hlansener Der Mord am Leiter der Katholischen Akion Der Führer der Katholischen Aktion in Berlin» Ministerialdirektor Klau jener, der intime Mitarbeiter des katholischen Bischofs von Berlin, ist aus Befehl Hitlers von einer in seine Wohnung eindringenden Streife e r- schössen worden. Die amtliche Meldung darüber sucht den Tatbestand zu verschleiern, indem sie behauptet, Klausener habe sich einer durch Hitler angeordneten Haussuchung widersetzt und habe deshalb erschossen werden müssen. In Wirklichkeit liegt hier glatter vorbedachter Mord vor. Wer Klausener, den Führer der Katholiken Berlins, kennt und die Arbeit dieses Mannes seit Jahren beobachtete, weiß, wie fern ihm jeder gewaltsame Widerstand gelegen hat. Das wird uns insbesondere auch die inzwischen gleichgeschaltete ehemals katholische„Saarbrttcker Landes-Zeitung", mit der er in sehr guter Beziehung stand, bestätigen können und— hoffentlich morgen auch bestätigen. Oder sollten wir uns irren! Sollte immer noch die Angst vor der nationalsoziali- stischen Gewalttat und die Hörigkeit gegenüber den national- sozialistischen Propagaudafonds stärker sein als das katholische Gewissen? Wir werden sehen! Im übrigen beweist dieser Mord an Klausener nur erneut die gestern von uns schon gebrachte Meldung, daß der Kultur- kämpf gegen die Katholiken trotz der vorgestrigen Meldung über eine angebliche Entspannuno und Einigung zwischen Episkopat und Hitler weitergeht. Die Verteidigung der Bforde Röhm trat mit Schleicher In Beziehung II DD DNR. München,»9. Juni. Die Reichöpressestelle der NSDAP, teilt mit: Seit vielen Monaten wurde von einzelnen Elementen versucht, zwischen SA. und Partei sowohl wie zwischen SA. und Staat Keile zu treiben und Gegensätze zu erzeugen. Der Verdacht, daß diese Versuche einer beschränk- ten, bestimmt eingestellten Clique zuzuschreiben sind, wurde mehr und mehr bestätigt. Stabschef Röhm, der vom Führer mit seltenem Vertrauen ausgestattet worden war, trat diesen Erscheinungen nicht nur nicht entgegen, sondern förderte sie unzweifelhaft. Seine bekannte unglückliche Veranlagung führte allmählich zu so unerträglichen Belastungen, daß der Führer der Bewegung und Oberste Führer der SA. selbst»n schwerste Gewissenskonflikte getrieben wurde. Stabschef Röhm trat ohne Wissen des Führers mit General Schleicher in Beziehungen. Er bediente sich dabei neben einem anderen SA.-Ftthrer einer von Adolf Hitler Ichärsstens abgelehnten in Berlin bekannten obskuren Persönlichkeit. Da diese Ber- Handlungen endlich— natürlich ebenfalls ohne Wissen deS Führers— zu einer auswärtigen Macht bzw. deren Ber» tretung sich hinstreckten, war sowohl vom Standpunkt der Partei wie auch vom Standpunkt des Staates ein Ein» schreiten nicht mehr zu umgehen. Planmäßig provozierte Zwischenfälle führ- ten dazu, daß der Führer heute nacht um 2 Uhr, nach der Besichtigung von Arbeitslagern in Westfalen, von Bonn ans im Flugzeug nach München flog, nm die sofortige Absetzung und Verhaftung der am schwersten belasteten Führer anzn- ordnen. Der Führer begab sich mit wenigen Begleitern persönlich nach Wiessee, um dort jeden Versuch eines Wider- ftandes im Keime z« ersticken. Die Durchführung der Ber- hastungen zeigte moralisch so traurige Bilder, daß jede Spur von Mitleid schwinden mußte. Einige dieser SA.-Führer hatten stch Lustknaben mitgenommen. Einer wurde in der ekelhaftesten Situation ausgeschreckt und verhastet. Der Führer gab den Befehl zur rücksichtslosen Ausrottung dieser Pestbeule. Er will in Zukunft nicht viehr dulden, daß Mil- lionen anständiger Menschen durch einzelne krankhast ver- anlagtc Wesen belastet und kompromittiert werden. Der Führer gab dem preußische» Ministerpräsidenten Göring den Befehl, in Berlin eine ähnliche Aktion durchzuführen und dort insbesondere die reaktiv- näre» Verbündeten dieses politischen Komplotts auszuheben. Mittags 12 Uhr hielt der Führer vor den in München zusammengekommenen höheren SA.-Führern eine Ansprache, in der er seine„unerschütterliche Verbundenheit" mit der SA. betonte, zugleich jedoch den Entschluß verkündete, disziplinlose und ungehorsame Subjekte sowie unsoziale oder „krankhast veranlagte Elemente" von jetzt ab unbarmherzig auszurotten und z« vernichten. Er wies darauf hin, daß der Dienst in der SA. Ehrendienst sei, für den Zehntausendc braver SA.-MLnner die schwersten Opfer gebracht hätten. Er erwarte von dem Führer jeder SA.-Einheit, daß er sich dieser Opfer selber würdig erweise und in seinem Vaterlandc als Vorbild lebe. Er wies weiter daraus hin, daß er jahrelang Stabschef Röhm vor schweren Angrissen gedeckt habe, daß aber die letzte Entwicklung ihn zwinge, über jedes persönliche Empfinden das Wohl der Bewegung und damit das des Staates zu stellen, und daß er vor allem jeden Versuch, in lächerlichen Zirkeln ehrgeiziger Naturen eine neue Um- wälzung zu propagieren» im Keime ersticken und ausrotten werde. Der deutsche Massenmord hat aber auch noch eine tiefere Bedeutung. Bisher hat das braune System seine Bluttaten eisern abgeleugnet, denn sie richteten sich fast ausschließlich gegen Marxisten und Juden. Heute beginnt gewissermaßen eine neue Aera der politischen Schlächterei. Heute chird der Mord offen verkündet, damit alles in lähmen- dem Entsetzen erstarre. Hitlerdeutschland tritt in die Periode der offenen Blutherrschast ein. Es ist zugleich die Periode der offenen, höhnischen, eis- kalten Reaktion. Der Traum vom Sozialismus ist ausge- träumt. Wir wehren uns gewiß dagegen, daß man einen jetzt ermordeten Mörder wie Heines zum Sozialisten und zum Opser seiner Gesinnung stempelt. Aber schon der ermordete Röhm hatte sich, bewußt oder unbewußt, zum Sprecher der sozialistischen Gefühle seiner Mannschaft gemacht. Gefliffent- lich werden jetzt die persönlichen Laster der Ermordeten ans Licht gezerrt, die man solange deckte und verschwieg: man will von der sehr ernsten sozialen Unruhe ablenken, aus der Röhms Verschwörung entsprang. Aber die Wahrheit springt in die Augen, wenn man sich die Liste der Opser genau an- sieht. Die debeutendste Gestalt unter den Toten ist Gregor Strasser, der einstige Führer des sozialistischen Flügels der NSDAP., der sich vor anderthalb Jahren von Hitler trennte, weil er dessen Katastrophenkurs nicht mehr mitmache» wollte. Sein eigener schrecklicher Tod gibt ihm noch nach- träglich aus eine furchtbare Weise recht. Denn mit einem Schlage hat der hitlerische Nationalsozialismus heute den letzten lügnerischen Schleier eines angeblichen Sozialismus abgeworfen und steht vor der Welt da als die Verkör- perung der sinnlosen, ideenlosen Gewalt, der zu ihrer selbst- behauptung jedes Mittel recht ist. Bevor Hitler zu seinem politischen Schlachtfest nach München abslog, ließ er sich in Essen zusammen m i t Herrn Krupp von Bohlen und Halbach soto- glasieren. Der Schwerindustrielle dürste von Hitlers blutigen Plänen nichts gewußt haben. Aber er wußte sicher bereits, daß Hitler sich für die Reaktion und gegen den Sozialismus entschieden hatte. Strasser tot. Röhm tot. Schleicher tot— der Sozialis- mus in den Reihen der NSDAP, ist mit dem Revolver abgetan. Die Reaktion hat freie Bahn in Deutschland, sie geht an ihr Geschäft, und dies Geschäft ist der Mord. Aber da- Volk lebt. Es wird diesen Mord nicht ver- gessen. und es wird vielleicht noch durch viele folgende Morde daran erinnert werden. Und wenn die Mordfurie weiter rast, dann wird sie sich früher oder später ihr Opfer unter denen suchen, die heute noch die Henker sind. Milretöic sfandredilltdic IrsflätBondcn So fand er angeblich seine Kameraden.... München, 30 Juni. Ueber die Akiion Adolf Hilllers meldet die NSK. noch weiter von ebnem Augenzeugen: Ter Führer weilte in Essen angeblich zur Besichtigung von Aribcitsdienst- lagern um die Verschwörer in Ruhe zu wiegen. Um 3 Uhr nachts flog er nach München und hörte bei seiner Ankunft um 4 Uhr nachts auf dem dortigen Flugplatz, dag die dortige CA. in derselben Nacht unter der Parole alarmiert worden sei: Ter Führer ist gegen uns Die Reichswehr ist gegen uns? SA. heraus ans die Straßen. Ter bäuerische Innenminister hatte inzwischen die Obergruppenführer Schneid-Huber und Schmidt gemaßregelt, ihnen den Beiehl entzogen. Tie Leute wurden verhastet. Hitler riß den Leuten selbst die Achsel- stücke von der Uniform. Er fuhr dann weiter nach RvHms Landhaus in Wiesee. Drang in das HauS mit seinen Mann- schasten ein. Röhm fügte sich wortlos und ohne Widerstand und ließ sich verhaften. Im gegenüberliegenden Limmer iveilte Heines. Obergruppenführer Schlesiens. Ten Eintreten- den bot sich ein schamloses Bild dar. Heines lag mit einem homosexuellen Jüngling im Bett. Tie widerliche Szene bei der Verhaftung läßt sich nicht beschreiben. Sie wirst nn- glaubliche Schlaglichter auf die Leute in der Umgebung des bisherigen Ttabchefs. Mit Röhm wurde der arößte Teil seines Stabes verhaftet. Eine ganze Reche von SA-Führer» wurden aus der Straße und in München aus den Zügen heraus verhaftet. Wer iltn alles begleitete Der überaus mutige Führer Saarbrücken, den 2. Juli 1934. Ter Propagandaapparat des„dritten Reiches" versucht die scheußlichen Mordtaten des Blutkanzlers als ein Wunder des entschlossenen Mutes und kühner Selbstopferung des Führers hinzustcelln. Tie bis jetzt verbreiteten Meldungen gebe» erfreulicherweise die Möglichkeit, dem vom Führer ausgebrachten„Mut" ein wenig nachzugehen. Die RcichSpressesteNe der NSDAP, schildert in ihrer Mel- dung vom 30. Juni, das unerhört tapfere Verhalten Hitlers bei dem Ueberfall auf Röhm und Heines. Es heißt in dieser Meldung wörtlich: „Der Führer begab sich mit wenigen Begleitern persönlich nach WieSsee, um dort jeglichen Versuch eines Widerstandes im Keime zu ersticken." Propagandaminister Goebbels hat in seiner gestrigen Rundfunkansprache über diese Situation folgende Schilde- rung gegeben: „Außer seiner regulären SS.-Begleitung dürfen noch seine treuen Kameraden'Brückner, Schaub und Schreck sowie der Neichspressechef der NSDAP. Dr. Dietrich und ich mitfahren." Hier ist zu den wenigen Begleitern bereit? die stattliche SS.-Wache hinzugetreten. Der ganze Nimbus zerstiebt aber vor der Darstellung, die der Sonderberichterstatter des„Journal" in der Nummer vom 1. Juli seines Blattes daüber gibt. Es heißt dort: „Dann stieg der Führer in sein Auto mit seiner Bcglci- tung, die durch Reichs wehrsoldatcn verstärkt worden war und suhr zur Villa am Wiessee, wo Haupt- mann Röhm wohnte." Um einige im tiefsten Schlaf liegende SA.-Führer mit ihren Lustknaben zu verhaften, zieht der tapfere Führer mit seiner SS.-Wache, einer RcichSwehrabteilung und seinen Freunden los. Fürwahr kein Heldenstück! Abonnier; die„vemsme f reibeif Gering verbleiet|ede Kritik— SA. dort nicht mehr zusammentreten Weiter ohne Uniform und ohne Waffen Berlin, den 2. Juli 1934. Im Laufe des Sonntag sind zahlreiche standrechtliche Erschießungen in Berlin, München und anderen Orten innerhalb der SA. vorgenommen worden. Die Namen der Erschossenen werden zur Zeit noch nicht bekanntgegeben. Die Bekanntmachung soll aber im Laufe des kommenden Tages erfolgen. Besonderes Aufsehen erregt die Tatsache, daß unter den Erschossenen sich eine Anzahl von Polizeibeamten befinden. 7. Jeder Versuch der SA., zusammenzutreten, wirö st r e n g b e st r a f t. 8. Der Polizeigeneral Dalegue wird oberster Führer der SA. von Berlin-Brandenburg. Da pfeift ein anderer Wind. Die SA. wird einem höheren Polizeiführer unterstellt und zur Bedeutungs- losigßeit dadurch herabgedrückt, daß sie nirgendwo zu- sammentreten darf. Die SA wird degradiert. Wer daran noch zweifeln sollte, der mag die Goebbels- Rede, die gestern abend über alle deutschen Sender ge- geben wurde, noch einmal aufmerksam durchlesen. Mit unmißverständlicher Deutlichkeit erklärt Goebbels im Einverständnis mit Hitler: „Der SS. und ihrer Führung gebührt höchstes Lob und der Dank der Nation für ihre vorbildliche Treue und Disziplin, die sie. wie so oft schon, in schwierigen Situationen, auch hier wieder bewiesen hat." Wohlgcmerkt, nur der SS. wird gedankt, von der SA. kein Wort. Der Traum der SA. ist ausgeträumt. B e r l i n. 2. Juli. Die von vornherein schwächliche Stellung des neu- ernannten Obersten SA.-Chefs Lutze ergibt sich aus dem Vorgehen Görings gegen die SA. in Berlin. Nicht Lutze, sondern Göring hat folgenden Erlaß herausgegeben: 1. Untersagt ist jede Kritik, die sich mit der Erschießung der Gruppenführer befaßt, auch jede Kritik über die Maßnahmen des Führers. 2. Nichtbefolgung dieses Verbots hat schwerste Strafe zur Folge. 3. Die Beurlaubung der SA. für den Monat Juli wird aufrechterhalten. 4. Das Tragen der Uniform und des Ehrendolches ist streng untersagt. 5. Die Standartenführer halten sich auf Abruf bereit. 6. Die inhaftierten Gruppenführer bleiben weiter in Haft. Die unschuldig Inhaftierten haben sich bei den Ber- rätern zu bedanken. Papros engste Mitarbeiter OöerreöisrüRäsral v.Bose and lierrenkluD-ftltgtled v. Tstfiirsdi erschossen B.tlln, 1. I.Ii Itftfl. Berich!» Popens engster Mitarbeiter, der Obcrregierunzsrat von Bose, Leiter der Bizekanzlei des amtlichen Büros des Vizekanzlers des„dritten gleiches", ist erschossen aus- gesunden worden. Die amtliche Darstellung darüber gibt „S c l b st m o r d" an und behauptet, es habe' in der Bize- kanzlei des Herrn von Papen und insbesondere in den Amtsräumen des Herrn von Bose eine Untersuchung statt, finden mosten, bei der sich Herr von Bose selbst erschossen habe. Wahrscheinlich dürste es sich mit diesem „Selbstmord" ähnlich verhalten wie mit dem angeblichen„Wider st and" des Katholiken- führcrs Klansencr. Auch einer der engeren Freunde des Herrn von Papen aus dem Herrenklnb, Herr von Tschirsch, ist tot ausge- snndcn worden. Ter amtliche Bericht behauptet auch bei ihm ,Selbstmord". Aber man geht wohl nicht sehl in der Annahme, daß Herr von Tschirsch der gleichen Methode zum Opfer gefallen ist. wie Herr von Schleicher nnd dessen Frau. Im Zusammenhang damit behauptet die Gestapo Görings» daß die„Rebellen" ansgerechnet mit Sowjet,Rußland landesverrätcrische Beziehungen angeknüpit haben sollten. Diese Meldung mit der Kennzeichnung„Bot- schewistenschreck" ist natürlich allzu durchsichtig, um irgend- welchen Glauben zn finden oder zu verdienen. Papen Wie lange noch? Ueber den Aufenthalt Popens herrscht immer uoch Un- klarhctt. Das Hitler-Regimc läßt die Meldung vcrbre'ten, daß Herr von Pape» ans der Schutzhast zwar entlassen sei, aber seine Wohnung nicht verlasse» dürste und unter Polizeiaufsicht stände. * Sonntagabend wird von gut unterrichteter Seite mitgeteilt, daß Reichsvizckanzler vvn Papen nicht mehr lange im RcichSkabinett verbleiben werde. Er soll unter allen Umständen ansgcschisft werden. An seine Stelle soll, in Anerken- nüng für seine scheußliche Blutarbeit, Göring treten. Erafi Röfcms Glück und Ende Schöpfer und Führer der SA., ist, wie jetzt amtlich zugegeben wird, von seinen bisherigen Kameraden Kraft Befehls von Adolf Hitler ermordet worden. Sein abenteuerliches Leben hat«in nicht weniger abenteuerliches Ende gesunden. Röhm wurde am 28. 11. 1887 als Svhn eines bayrischen Eiscnbahnbcamten geboren. Er absolvierte üb« da- Gym- nasium in München und ichlna dann die Berufsoffiziers- lausbahn ein. Bei Kriegsbeginn Leutnant und Adjutant eines bayrischen Infanterieregiments, wurde er während des Krieges Oberleutnant, Kompaniestthrer und schließlich Hauptmann. Nach einigen Verwundungen wurde er zum Generalstab kommandiert. Nach Ausbruch der Revolution von 1918»ahm er nicht, gleich vielen seiner Standesgenossen, seine Entlassung aus dem republikanischen Heere, sondern diente in ihm nibclungcntrcu weiter. Die deutsche Republik ahnte selbstverständlich nicht, wen sie in Röhm beschäftigte und bezahlte. Röhms Tätigkeit als Adjutant einer republikanischen Jnfantcricbrigade wurde unterbrochen, als er sich dem gegenrevolutionären Freikorps Epp anschloß, einer Söldnertruppc die der heutige Hitlerstatthalter von Bayern, General von Evp, führte. Mit diesem Freikorps beteiligte fich Röhm an der „Befreiung" Münchens. Nach Münchens Einnahme arbeitete er unter der sozialistischen Regierung Hofsmann in der Münchener Ttadtkommandantur im Sinne der Gegen- revolution und betätigte sich bei der militärischen Auf- ziehung der bayrischen Eimvohncrivchren, die dem deutschen Reich in der Folge so viel außenpolitische Schwierigkeiten bringen sollte. Schließlich trat er wieder zu dem inzmilchcn zur„Tchtttzcnbrigade" gewordenen Freikorps Epp zurück und wirkte mit ihm als Befreier Teutschlands im Umher- ziehen. Als im Jahre 1920 der Kapp- Pntsch anSbrach, mar- fchiertc er mit dem Freikorps in das Rnhrgcbiet ein, um den Widerstand der Arbeiter gegen die hochverräterischen Putschisten niederzuhalten. Die Einsetzung Severings als Staatskommissar kür das Nuhrgcbict durch die siegreiche Regierung der Republik konnte damals diesem Spnk noch ein Ende bereiten. Nunmehr fand sich Röhm zur republikanischen Reichswehr zurück und die deutsche Republik nahm ihn>v jeder ans und beschäftigte ihn im General- stab de§ Wehrkreiskommandos 7 zu München. Röhm selbst hat sein damaliges Wirken in einem Buch ausführlich ge- schildert, dem er bezeichnender Meise den Titel„Die Ge- schichte eines Hochverräters" gab lMünchen 19281. Seine Tätigkeit war in der Tat ein einziger fortgesetzter Hochverrat gegen die deutsche Republik, deren Gehalt ein- zustecken er sich aber nicht schämte. Röhms hochverräterische Tätigkeit hatte da? Ziel der Erhebung Hitlers zum politischen Führer. Röhm kam zur nationalsozialistischen Arbeiterpartei, als diese noch ein Grttppchen von beiläufig 49 Mann war und er war bald, wie Konrad Heiden sagt,„der zielbewußte Organisator der zahlreichen Wehren. Freikorps und Bünde, die aus Rayern ein Heerlaaer gegen die„marristische" Re- publik und ihre Berliner Regierung machen wollten". Die Sturmabteilungen der NSDAP., die Brigade Ehrhard, der „Bund Oberland", die Zeitsrciwilligcnvcrbändc, die „Reichsllagge" und alle die sonstigen Verbände nnd Ver- bändchen, die damals das politische Leben Deutschlands nn- sicher machten, hatten in Röhm einen Förderer und Gönner. Geheime Hochverratsdokuincnte der Hitler- Partei lagen wohlverwahrt in Röhms Büro der r e p u b l i k a n i s ch c n Reichswehr. Was anderer- seit? die Hitlerpartei an Geheimnissen über die Reichswehr wissen wollte, erfuhr sie von Röhm. Gegen den damals noch leidlich verfassungstreuen deutschen Oniziersbnnd. die TtandeSorganisation der deutschen Offiziere, gründete Röhm den„R a t i o n a l v c r b a n d deutscher Ossi- zier t", dessen wichtigster Zweck es war, Die aktiven und pensionierten Offiziere der Hitlerci zuzuführen und sie gegen die Weimarer Verfassung ausznvutichen. Die Republik beschäftigte und zahlte ihn weiter. Als er schließlich gegen die Münchencr sozialdemokratische Maifeier vom 1. 5. 1923 bcivgssnctcn Widerstand der sog.„Kampiverbände" eigen- mächtig organisierte, unter der Parole, daß die Roten „ivie die tollen Hunde niedergeknallt" w c rck e n müßten, erhielt er zunächst den Abschied, seine Entlassung wurde aber in der Folge von dem General von Lossow zurückgenommen. Erst als sich am 1. 9. 1923 der „Bund Oberland",^ die„Ncichsflaggc" und die Sturmab- teilungen der NSDAP, zum„vaterländischen Kampsbund" zusammenschlössen, trat Röhm endlich von sich aus aus der republikanischen Armee aus um seine volle Arbeitskraft dieler Putschorganiiatioiien zu widmen. Am H i t i e r p ii t s ch vom November 1923 nahm Röhm führend teil, ivurde verhastet nnd wegen Beihilfe zum Hochverrat zur gesetzlichen Mindcststrafe von 1 Jahr 3 Monaten Festungshaft nnd 109 Mark Geldstrafe verurteilt. Das pflichtvergessene Gericht gewährte dem überführten Hochverräter in unvcrbnlllcr Sninpaihieerllärung für seine Tat volle Beivährungssrist. Ter Vorsitzende dieses Gerichtes ist heute von Hitlers und Franks Gnaden Präsident des größten bayrischen Oberlandcsgcrichtcs. Am.1. April 1924 wurde Röhm auf Grund dieses Urteils aus der Haft entlassen Einen Monat später war er als nationalsozialistischer Abgeordneter in den deutschen Reichstag gewählt. Ein halbes Jahr später wurde Hitler selbst, der von seiner fünfjährigen Frei- heitsstraie nur iechs Monate hatte absitzen müssen, eben- falls mit Bewährungsfrist entlassen. Es begann nun die Zeit des Krachs zwischen Hitler und Ludendorsf, von denen jeder bewaffnete Hausen gegen die deutsche Republik aufzog. woran Hitler auch die vom Gericht gestellte Bewährungsfrist keineswegs hinderte. Tie bewaffneten Hausen Hitlers hießen CA., diejenigen Ludendorsf„Frontbann". Führer des Frontbanns ivar während der Zeit, in der Hitler einge- sperrt ivar, Roh», geworden, denn ein echter deutscher Rc- volulionär muß doch schließlich auch von etwas leben. Hitler wollte LudenDorff den Röhm als ein gutes Pferd aus dem Statt holen» n d bot Röhm deshalb die Führung seiner TA. an. Röhm wußte aber damals noch nicht, ob Ludendorsf oder Hitler das Rennen um die Führung des Hochverrats machen werde und lehnte deshalb Hitlers Anaebot ab, legte aber auch, um sich nicht zwischen zwei Stühle zu setze», die Füh- rung des„FronibannS" nieder und zog sich in das„Privat-- leben" zurück, nachdem er vorher vergeblich versucht hatte. Die beiden Hansen unter seiner Führung zu vereinigen. Bon Hitler erntete er hierfür kein Lob, wohl aber von Ludendorsf. dessen damaliges Organ, der„Völkische Kurier", ihm einen AbickieüSartikel widmete in dem er sagte, ohne Röhm sei „nicht nur die völkische, sondern überhaupt die nationale Beivegung in Bayern nach der Novemberrevolution undenkbar g e>v e s e n". Ter Unterzeichner dieses Artikels war der Hauptmann a. D. Weiß, heute als journalistischer Lcibtrabant Hitlers der „Führer" Des Reichsverbandcs der deutschen Presse. Das„Privatleben" Röhms bestand darin, daß er sich eine Tätigkeit als Söldner für einen auswärtigen Staat suchte. Ohne Soldatenspielerei zn leben, erschien ihm undcnk- bar. Schließlich fand er ein Engagement für de» südamcri- konischen Staat Bali via, ließ sich zum bolivianischen „Oberstleutnant" ernennen und brachte als Militari»,trnk- teur den Bolivianern ihre vaterländischen„Belang:" bei. Zufällig brach ausgerechnet während dieses Wirkens von Röhn, ein Putsch des bolivianischen Militärs gegen die zi- vile Regierung aus. ^Röhm blieb Angestellter des bolivianischen Staates, bis die Hitlerbewcgung in Dentichland einen solchen Umfang angenommen hatte, daß sie im September 1939 zum ersten Mal 107 Abgeordnete in den deutschen NeichZiaa entsenden konnte. Gudendorfs war inzwischen voll- ständig ins Hintertreffen geraten und galt in Teutschland und in der Welt nur noch als eine tragikomische Figur. Es stand also einem neuen Ausbruch von Nibelun- a«ntreue Röhms nichts mehr im Wege Röl.m verrat' als StÄsch-^"'«"-» Deutschland zurück und trat ais Stabschef an die Spitze der SA. Deren-tärle steigerte sich unter seiner Führung allmählich j>, die vun- '!'l be Jf 1^.""k"'"°hernd eine Million. Sie taat lm wtaat und eine ebensvnroße Geraus- h. Drohung der Weimarer Republik die in- ^""en von Mepublitauern in Diejenigen Brüning,-Licoiranud und des w- •ora WarmbolD übergegangen war. Dies; Regie- rung exerzierte zum ersten Male in Deutschland der Ovvo- sition vor. wie man am besten die Beriassnn» auohöh'en könne. Es tamh'e»um erstten Ma'e da? Schlag- wurde ein sorderunq wie zwischen von direk Die zwölf Lügen „Hitler weiß alles" Inlie Der neue Mann stellt sich vor TNB. München, 80. Jnni. Der Chef des Stabes, Lutze» hat folgenden Ausruf erlassen: „Ausruf!' SA.-Kamerade»! Ter Führer hat mich an seine Seite als Chef des Stades berufen. Das mir dadurch erwiesene Vertraue» mutz und werde ich rechtfertigen durch unverbrüchliche Treue zum Führer und restlosen Einsatz für den Nationalsozialismus »nd dadurch für unser Volk. Als ich vor etwa tZ Jahren zum erstenmal Führer einer kleinen SA. war, habe ich drei Tugenden an die Spitze meines Handelns gestellt und sie von der SA. gefordert. Tiele drei Tuaenden haben die SA. groß gemacht, und heute, «o ich in schicksalfchwcrer Stunde meinem Führer an hervor- ragender Stelle dienen darf, sollest sie erst recht Richtschnur für die ganz« TA. sein: unbedingte Treue, schärfste Disziplin, hingebender Lpsermut! So wollen wir, die wir Nationalsozialisten sind, gemein- sam arbeiten. Ich bin überzeugt, dann kann es nur ei» Marsch zur Freiheit werden. Es lebe der Führer! Der Chef des Stabes: gez. ♦ Die Ernennung des Obergruppenführers Lutze, Han- nvver, zum Nachfolger Röhms als Oberster SA.-Stabs- chef großes Erstaunen hervorgerufen. Selbst alte SA.-Leute kennen de» Träger dieses Namens nicht und haben niemals von ihm etwas Besonderes gehört. Man weiß lediglich, daß »utzc früher als TA.-Führer in Elberfeld geivirkt hat, daß Lr dann als Polizeipräsident nach Hannover gerufen und öort schließlich Oberpräsidcnt geworben ist und vom Gruppenführer zum Obergruppenführer avancierte. Es ist auch Sein Geheimnis, daß Lutze ein völlig bedeutungsloser und Unfähiger Mann ist, der sich, wie wir zuverlässig wissen, in Erkenntnis seiner eigenen Unfähigkeit zunächst geweigert hatte, den ihm übertragenen höheren Vcrwaltungsposten an- Annehmen. Er ist eigentlich gegen seinen Willen befördert avvrden. Aus diesem Umstände schließt man, daß Hitler ihn dum Obersten SA.-Stabschef berufen hat, um ein ihm blind ergebenes Subjekt an der Spitze der gefährlichen TA. zu haben und vor neuen Umtrieben geschützt zu sein. Keinerlei„Unstimmigkeit" Nur Mord unter Ministerkollegen Die„Kölnische Zeitung" wendet sich cm das wieder einmal ganz schlecht unterrichtete Ausland: Mit dem jetzt geführten Schlag ist eine schwere Sorge vom deutschen Volk genommen worden. Die Führer und Verführten in dieser Meuterei werden sich vor Gericht („Gericht* nennt sich so etivaS! Neb. d.„D. F.") wegen Treu» losigkeit und Landesverrat zu verantworten haben. Aus der Aktion muß ein gesäuberter und gefestigter Staat hervor- gehen. Zwei Tage zuvor war bei einem Tee Empfang zu Ehren der Vertreter der deutschen Außcnbandelskammern von autorisierter Seite gesagt worden, daßsichdasAus- land täusche, wenn es auf Unstimmigkeit und Spannungen in derReicbsregieriing irgend- welche Hoffnungen setze. Soweit solche Ansichten im Ausland bestanden haben mögen, sind sie jetzt als irrig widerlegt worden. Die in der Nacht zum Tainstag unschäb- nch gemachten Elemente waren nicht die Träger eines I Volkswillens, fondern ehrgeizige Abenteurer. In der kurzen Geschichte dieser SA.-Revolution gibt es ein Dokument, das zum Schändlichsten gehört, was jemals der„Führer* aus seinen Händen ließ. Amtlich wird ein Befehl Hitlers an den neuen Chef des Stabes veröffent- licht: IS Punkte, die die Ursachen der Zersetzung im Körper der SA. darstellen sollen und die entsprechenden Gegenmaß- regeln verkünden. Hitler verlangt zunächst vom SA.-Ftthrer„vorbildliche Einfachheit*. Er wünsche nicht, daß man kostbare Diners gibt oder an solchen teilnimmt. Er verbietet, daß Mittel der Partei für Freßgelage verwandt würden. Das luxuriöse Stabsquartier in Berlin habe monatlich bis zu 30 0 0 0 Mark für Fe st essen ausgegeben und sei sofort aufzulösen. Allen SA.-Ftthrern sei die Teilnahme auch an sogenannten diplomatischen Diners verboten. Der„Führer*, der bekanntlich„alles iveiß*, was im Land und im Kreise der Seinen geschieht, tut so. als ob er bisher auf dem Mond gelebt habe. Er gibt sich den Anschein, all diese Dinge gerade erst erfahren zu haben. Es ist blanke Lüge und Heuchelet, um das Blutgericht über die Rebellen zu begründen und sich die Sympathie der tieferschütterten SA.-Leute wieder zuzuwenden. Denn er hat alles gewußt. Er bekam dauernd die Berichte über die internen Borgänge im verluderten Führerkreise. Nun hat er durchgegriffen. Er hat ruhig zu- gesehen, wie seine Vertrauten sein und seiner Garden An- sehen in Orgien verschwendeten. Jetzt auf einmal wird Hitler ethisch und moralisch, Tribun und Reiniger der deutschen Sitte von un- tauglichen Ele m-e nten, die Kraft seines Ver- trauens und unter seiner Verantwortung auf ihre einflußreichen Posten kamen. Er tut auch so, als habe er nicht geahnt, was mit den Autos auf den sogenannten Dienstreisen getrieben wird. Punkt 5 und 6 lauten: 5. Ich wünsche nicht, baß SA.-Führer in kostbaren Limon- sinen oder Kabriolets Dienstreisen nnternehmen oder Dienst- gelder ,ür die Anschaffung derselben verwenden. Dasselbe gilt für die Leiter der politischen Organisationen. 6. SA.-Führer oder politische Leiter, die sich vor aller Oefsentlichkeit betrinken, sind unwürdig, Führer ihres Volkes zu sein. Das Verbot nörgelnder Kritik ver- pflichtet z» vorbildlicher eigener Haltung. Fehler können jederzeit verziehen werden, schlechte Aufführung nicht. SA.- Führer, die sich daher vor den Augen der Oefsentlichkeit un- würdig benehmen, randalieren oder gar Erzesie veranstalten, sind ohne Rücksicht sofort aus der SA. zu entfernen. Ich mache die vorgesetzten Dienststellen verantwortlich dafür, daß durch- gegriffen wird. Was Hitler hier kritisiert, war eine durchaus typische SA.- Haltung. Das kostbare Auto gehörte zum Herrn Gauleiter, der Wein und die Mädchen dazu. Das Fußvolk amüsierte sich auf billigere Weise. Nur er, Adolf, ist immer rein geblieben und tritt jetzt mit dem feurigen Schwert unter die Sünder, die bisher ungestört in seinem Schatten tun konnten, was sie wollten. Auf einmal entdeckt Hitler auch, daß die Jugend ge- sährdet sei: 7. Ich erwarte von allen TA.-Fllhrern, daß sie mithelfen, die SA. als reinliche«nd saubere Institution zu erhalten und zu festigen. Ich möchte insbesondere, daß jede Mutter ihren Sohn in SA., Partei und Hitler-Jugend geben kann, ohne Furcht, er könne dort sittlich oder moralisch verdorben wer- den. Ich wünsche daher, daß alle SA.-Führer peinlichst darüber wachen, daß Ver- schlangen nach 8 175 mit dem sofortigen Ausschluß des Schuldigen aus SA. und Partei beantwortet werden. Ich will Männer als SA.-Führer sehen und leine lächerlichen Affen. Das ist ein besonders klassischer Punkt. Hitler hat genau gewußt, welchen Gefahren die Jugend im Zeichen einer s y st e m a t i s ch gepflegten H o m o i e x n a l i i a t ausgesetzt war. Er hatte Röhn, zum intimsten Freunde, er kannte all die SA.-Führer. Gauleiter und Polizeipräsidenten genau mit Namen, die dauernd aus Jagd nach männlichen Schätzen waren. Er kannte die brutalen Perversionen in SÄ.-Kasernen, bei Folterungen und Quälereien. Jetzt stellt er sich an, als ob er die Jugend vor allem vor sittlicher Ge- fährbung beschützen ivolle. Die Gefährdung besteht natürlich weiter fort. Sie ist ein Teil des SA.» Geistes und längst tief und unverwischbar in die Hitler- Jugend eingedrungen: Ter Tauberer kommt zu spät. Dazu eine kleine saarländische Randbemerkung: Tle„Saar- brücker Zeitung" unterschlägt in ihrer Ausgabe vom Tonntagmorgcn die Sätze des Punktes 7, die sich mit der Homosexualität im SA.-Lagcr beschäftigen. Ihre Wiedergabe endigt mit den Worten:„sittlich und moralisch gefährdet uerden* Ist die Unterschlagung auf eine Anwandlung von Scham über soviele verlogene Heuchelei ihres„Führers" zurückzuführen? Oder wollte die„Saarbrücker Zeitung" bitlcrischer noch als Hitler sein, um der empfindsamen Oefsentlichkeit der„deutschen Front* diese Sittenbilder vom Aufbruch der Nation im geliebten„drit- tcn Reich" zu verbergen? Die übrigen Punkte interessieren nicht weiter. Sie handeln von Gehorsam, Treue und Kameradschaft: sie verlangen Loyalität und Offenheit. Die SA.-Führer sollten ihre Stärke aus den Gebieten suchen, die ihnen gegeben seien, und nicht auf solchen, die andern zukämen. So entdeckt der„Führer" plötzlich diewahren Aufgaben seiner SA. Auf der Bahre liegen die Er- schosiencn. Vorgestern hätten sie, wenn sie gestorben wären, ein Staatsbegräbnis erhalten. Jetzt wird man sie einscharren, nach dem alttestamentarischen Spruch:„Nicht gedacht soll ihrer werden..." Sie waren, wahrhastig, nicht unsere Freunde. Unter den Getöteten befinden sich einige der grausamsten und gewöhn- lichsten Typen der braunen Gewalthaber, wobei sich der Vlick besonders auf den Fememörder Heines richtet. Aber gewiß nahmen es auch einige der Toten ernst mit dem Sozialismus, und sie erblickten im Führer den Ver- rätcr an den Idealen des Nationalsozialismus. Sie waren Rebellen, und jetzt wird Schande und Schmutz aus sie ge» häuft. Statt Kränzen legt ihnen der„Führer" an ihren Särgen diese zwölf Punkte nieder. Er konnte nichts Glücklichere? tun. Sie eigenen sich vor- trefflich dazu, das Charakterbild dieses Manneö vor dem ganzen betörten und betrogenen Volke zu enthüllen. Mit ihnen geht die Illusion von seiner Wahrhaftigkeit und seinem ehrlichen Wollen zu Ende, die noch bis jetzt bei un- zähligen Deutschen bestand.. Ein verlogener»nd demagogischer Volkstribun wittert Kata- strophe und Untergang. wort vom„autoritären" Kurs auf. der sich angeblich auf die Autorität Hindenburgs, in Wirklichkeit auf diejenige seines "'assung nicht vorgesehenen Sohns", wie Theodor °lft ihn nannte, stützte. Nach der Verfassung bedurfte die Regierung des Vertrauens des Reichtagcs. Jetzt bedurfte wzuiagen der Reichstag des Vertrauens der autoritär ge- Nützten Regierung. Machte er nicht, was diese wollte, dann ^nrbx tT heimgeschickt, und er machte was die Autoritären wollten, um nicht heimgeschickt zu werden. Tie staatsrechtliche„Theorie* für diese kalte Abschaffung fver Verfassung machte der Professor Karl Schmitt, jetzt «er Hos- und Leibrechtsverdreher der Hitlerdiktatur. Rohm «agte sich, daß er die Verfassuna der Republik nicht mehr zu ^chten^braucln! als ihre gesetzlichen Vertreter. So wuchs die ^A. Sie hatte schließlich in demonstrativer Weise ihre Ober- äruppenführungen am Sitze der Reichswehrkommandos, war wilitärisch ausgebildet, bekleidet und ausgerüstet, was aber selbstverständlich von Röhm in der frechsten Weise g c l e u g- vet wurde. Nur so viele Wasfen, als sie Mannschaften hatte, konnte sie denn doch nicht in der Weimarer Republik austreiben.> Der Machtkoller Hitlers und RöhmS wuchs unter diesen Umständen ins Ungemessene. AlS Brüning gar im Januar -332 Hitler zu sich bat, um thn zu bewegen, der Neuwahl H'ndenbnrgs nach Ablauf seiner Wahlzeit nichts in den •Weg zu legen, ließ sich Hitler auf das dringende Verlangen feiner Unterführer als Gegenkandidat gegen Hindenburg tür die Reichsprästdentcnschalt aufstellen, nachdem er zuvor burch eine Schiebung lSchcinerncnnung zum braunschweigi- scheu RegierungSrats in den Besitz der deutschen StaatSan- llehörigkeit gelangt war. Brüning wagte es nicht, diese Schiebung als eine solche zu bezeichnen und Hitler als Aus- (ander von der Kandidatenliste zu streichen. Nach Hitlers Wahlniederlage rächte er sich an ihm durch Auflösung der «A„ die von Hindenburg. Brüning und Gröner im April 1332 verfügt wurde. Tas Meisterstück, Brüning und Gröner hieriveoen z u stürzen und den da- Wals fast unbekannten Papen zum Reichskanzler zu machen, vollbrachte Röhm in Zu- sammenarbeit mit dem jetzt ermordeten Ge- ueral von Schleicher. Um zu wissen, wer Herr Adolf Hitler ist und ivas seine Sprüche über Treue und andere üermanischen Tugenden wert sind, braucht man nur nach- Anlesen, was über die damaligen Tage Goebbels in seinem äeschwätzigen Hintertreppenbuch„Vom Kaiserhos zur Reichs- kanzlcr" berichtet. Hitler wäre heute nicht deut- scher Diktator, wenn Röhm und Schleicher "'cht gewesen wären. Kein Wunder, daß Röhm für so viele Taten nach dem „Umbruch* mit allen nur denkbaren Ehren überhäuft wurde. Er wurde nicht nur bäurischer Staatssekretär und Ehrenbürger des Bayrischen Staates ldiese eigens aelchanene „Würbe" haben außer ihm nur Hindenburg und Hitler, ein letzt besonders bemerkenswertes Trio von Ehrenbürgern), '°uderu auch N e j.ch s m i u ijtkk»llö leMveMndlich unbeschränkter Herr der SA. Es wurde ihm das Recht eingeräumt, eigene Auszeichnungen namens der SA. zu verleihen, wofür er bezeichnenderweise einen„Ehren- dolch" wählte. Er war Herr über Leben und Tod nicht nur für seine Leute, sondern durste sogar einen Ukas heraus- geben, in dem er seine SA-Männer ermächtigte, falls einem S A.- Mann etwas passiere, im Wege der S e l b st j u st i z k u r z h ä n d i g eine b e st i m m t e An- zahl von unbeteiligten Gegnern zu„erle- digen*. Röhm machte von seiner Macht in der schamlosesten Weise Gebrauch, verfehlte selbstverständlich auch nicht, seinen Leuten jedweden Tpartanismus zu predigen»nd sich selbst nach Kräften zu bereichern, so daß er nach sehr kurzer Zeit schon als Besitzer eines palastähnlichen Hauses in der Hauptvillengegend von München figurierte. BIS zu dem Zeitpunkt, zu dem Röhm und die SA. in besonderem Maß eine öffentliche Gefahr für Teutschland wurden, schwieg die Sozialdemokratie über die andere Seite des Privatlebens von Röhm. Sie betrachtete Röhms homosexuelle Beranlagung als seine Privatangelegenheit. Als aber Röhm einen Teil feiner homosexuellen Kumpane, der Ernst, du Moulin-Eckhardt, Graf Tpredi, Reiner, Hell- oorl usw., in führende SA.-Stellen brachte, so daß an der «pltze dieser Vereinigung Hunderttau seu- der von Jugendlichen eine ganze Sammlung e"i T«?A rt;. e, rtcr stand, als außerdem bekannt wurde, daß Röhn, sich trotz seiner öffentlichen Stellung in ordinärer Weise aus ösicntlichen Straßen und Plätzen an Strichjungen heranmachte, schweinische Briefe an homosexuelle Freunde schrieb, in eine Reihe von Strafverfahren nach 8 175, ver- wickelt war, gleichwohl aber in schamloser Heuchelei Dienst» befehle erlicfi, wonach geschlechtlich Abnorme vom Dienst in 2," F«. auögeichlossen seien, sprach die sozialdemokratische Presse diese Taliachen aus. Wiewohl sse dokumentarisch beleat waren, deckte Hitler Röhm nicht nur, sondern ließ die Behauptungen der sozial- demokratischen Presse in der gesamten Naziprcffe als niederträchtige Lügen brandmarken. Röhm selbst strengte Straf- und Zivilprozesse an, zog sie aber wieder zurück, als die angegriffenen Zeitungen Wahrheitsbeweis antraten. Ter Oberleutnant zur See a. T. Klotz, der die Liebesbriefe Röhms im Faksimiledruck veröffentlichte, wurde wegen seiner angeblichen Fälschung(die sich vor Gericht natürlich als echt herausstellte) von vier Naziabgeordncten des deutschen Reichstags schwer verprügelt»nd nach dem „Umbruch" von der Hitler-Regierung ausgebürgert. Gleich- zeitig aber wurden Morbpläne gegen Röhm und seinen da- maliaen Mitarbeiter Bell bekannt iBell haben die Nazi Im März 1983 ermordet). Röhm flüchtete in Todesangst zu dem Reichsbannerführer Major M a y r und vertraute ihm die Mordpläne an. Als die nationalsozialistischen Täter dingfest gemacht und bestraft waren, bestritt Röhm in tKient- liehen Erklärungen die Unterredung mit Manr. Es stellte sich heraus, daß die gedungenen Mordbuben von einer dem braunen Haus nahestehenden SNL.e stiftet, wa u.p-t Müb-U well Röhm einem Teil der Nazi durch die Enthüllungen über sein Privatleben als nicht mehr tragbar erschien. Wiewohl es klar erwiesen wurde, daß fllÖfnn selbst niemand anders als die Nazircichsleitung der Anstiftung zum Mord beschuldigt hatte, erklärte Hitler öffentlich, daß er mit Röhm stehe und falle. Nach dem„Umbruch* nahm das„Licbeslcbcn* Röbms unerhörte Dimensionen an. Jetzt, Ivo er sozusagen sich außer- halb des Gesetzes fühlte, war es ein oifenes Geheimnis, daß feine Gewissenlosigkeit gegenüber Jugendlichen keine Grenzen mehr kannte, so daß es Heiterkeit und Entrüstung zugleich erregte, als gerade Röhm im vorigen Jahr sich mit einem„Erlaß" gegen Tittlichkeitsichnüffler und«Mucker wendete. Zum letzten Mal bat die Veranlagung Röhms eine gemisse politische Rolle insofern gespielt, als es sich erwies, daß der Reichotagsbrandstifter va» der Lübbe auf seiner (im Besitze des ermordeten Bell besindlich gewesenen) „Liebesliste* verzeichnet war. Herrn Hitler aber verursachte alles dies keine Gewissens- bisse, solange er Röhm zu seinen unbedingt ergebenen Tra- bauten rechnete. Erst als sich die Gerüchte vcrdichietcn, daß Röhm den„Urlaub* der TA. als eine Vorbereitung ihrer Auslösung ansehe, und daß er deswenen srondiere, wurde Hitler moralisch, fuhr nach Bad Wicssee und„überraschte" dort, wie es in der Bekanntmach»»» der Reichsprenestelle der NSDAP, vom 30.(i. 84 heißt, Röhm und seine Kumpane mit„Lustknaben" in den„ekelhaftesten" Silua tonen. Jetzt auf einmal war Röhm wegen der Tinge, die Hiiler seit Jahr und Tag wußte, zu einer sittlichen„Pestbeule* geworben. Jetzt auf einmal ist er parteiamtlich ein„krankhaft ver- anlagtes Wesen*. Jetzt ans einmal wird sogar zugegeben, daß Hitler dnrch die Teckuna Röhms in„schwerste Gewissens- konslikte" gebracht worden sei. Ernst Röhm ist nie ein sympathischer Mensch gewesen. Dazu war er zu verlogen und zu brutal. Gegenüber den Leuten, die sich jetzt ihm gegenüber sittlich in die Brust werfen, steht er immerhin erhaben da. Persönlich war er der Knecht seines»»geziiaelten Trieblebeiis. dem die Verhältnisse nur allzusehr entgegenkamen. Intellektuell war er, was etwas heißen will, noch unter dem Nazidurchschnitt. Er war geistig eine LandSkiikchtsnatur, die um einige hundert Jahre zu ivät geboren war. Seine monoman einseitig soldätisthK Tenkunasweise war die Quelle seines infernalischen Hasset gegen alles, was er zu Recht oder zu Unrecht im Verdacht hatte, ei» Gegner des Militärischen z» sein. Sein größter Ehrgeiz war, die SA. in die Reichswehr ein- zu gliedern und selb st an die Spitze der Reichs- wehr zu treten. Diesem Ziel ordnete er alle seine Ge- danken unter. Er ist gefallen, weil er alanbte. gegen den- jenigen aufmucken zu dürfen, der ihm alles verdankte. Sein persönliches Ende ist. das ist für ieden Kenner der Verhältnisse gewiß, der Anfang der galoppierenden Schwind- sucht der Hitlerei, das Eingeständnis der Zersetzung aller menschlichen Werte in einer Bewegung, die sich anmaßte, ein S?-Millionen-Volk ethisch zu erneuern.. Volhsabsflnuiningshommissloii Die Saar ond ihre Enisdieidung Die Abstimmungskommission, über deren Zusammensetzung wir bereits ausführlich berichtet haben, ist im Saargebiet eingetrofjen. Die Abstimmungskommission hat sich mit fol- gendcm Schreiben an die Bevölkerung gewandt. Die Bevölkerung des Saargebietes ist gemäß 8 34 der An- läge zu Art. öa des Versailler Vertrages berufen, über die Souveränität des Gebietes ihren Willen zu äußern. Der Völkerbundsrat hat als Termin für diese Volksabstimmung Sonntag, den 13. Januar 1935, bestimmt, lieber folgende drei Fragen hat die Bevölkerung sich zu entscheiden: a» Beibehaltung der durch den Vertrag von Versailles ge- schaffenen Rechtsordnung: b> Vereinigung mit Frankreich? c) Vereinigung mit Deutschland. Der Völkcrbundsrat hat durch Beschluß vom 4. Juni 1934 die unterzeichnete Kommission eingesetzt und sie mit der Vor- bereitung, Leitung und Ueberwachung der Abstimmung beauftragt. Mit dem heutigen Tage tritt die Bolksabstimmungs- kommission im Taargebie' ihr Amt an. Damit beginnt die Abstimmungsperiodc. Nach dem Friedensvertrag sind die notwendigen Maß- nahmen zu treffen, damit eine freie, geheime und un- beeinflußte Stimmabgabe gesichert werde. Hierzu hat sowohl die französische als auch die deutsche Regierung vor dem Völkerbundsrat u. a. folgendes feierlich erklärt: a) sich jedes unmittelbaren oder mittelbaren Druckes zu enthalten, der die Freiheit und die Aufrichtigkeit der Stimm- abgäbe beeinträchtigen könnte? b> sich ebenso hinsichtlich der abstimmungsberechtigten Per- sonen jeder Verfolgung, Vergeltungsmaßnahme oder Schlechtcrstellung wegen der politischen Haltung, die diese Personen während der Verwaltung durch den Völkerbund mit Beziehung aus den Gegenstand der Volksbefragung ein- genommen haben, zu enthalten? c> die geeigneten Maßnahmen zu treffen, um jede diesen Verpflichtungen zuwiderlaufende Handlung ihrer Staats- angehörigen zu verhindern oder ihr Einhalt zu gebieten. Auch die Volksabstimmungskommission wird ihrerseits nichts unterlassen, was erforderlich erscheint, die freie, ge- Heime und unbeeinflußte Stimmabgabe sicherzustellen. Sie rechnet dabei auf die willige Unterstützung der Bevölkerung des Gebiets, die sich zweifellos bewußt ist, daß nur auf diese Weise ihren eigenen Interessen am besten gedient ist. Ganz besonders erwartet die Volksabstimmungskommis- sion von allen Beamten, daß sie bei Erfüllung ihrer Aufgabe weitgehendste Unterstützung findet, und daß die Beamten sich selbst jeder unmittelbaren oder mittelbaren Beeinflussung der Stimmenabgabe sorgfältigst enthalten. An die gesamte Bevölkerung ergeht hiermit weiterhin die Ausforderung, während der Abstimmungsperiode Ruhe und Ordnung zu wahren und dazu beizutragen, daß die Anord- nungen der Kommission nach Wort und Geist durchgeführt werden. Saarbrücken, den 1. Juli 1934. Die Volksabstimmuugskommission des Völkerbundes: A. E. Rhode. D. de Jongh. v. Henry. ver Immer Irene Slreidier Zahlreiche Gauleitungen haben dem„Führer" absolute Treue und Gehorsam gelobt. Die Gauleitung Franken hat folgende Kundgebung erlassen: Der Führer hatte lange Jahre hindurch den bisherigen Stabschef Ernst Röhm mit seinem höchsten Vertrauen aus- gezeichnet. Er hatte ihm die Oberste Leitung des Stabes der SA. übergeben. Dieses Vertrauen mißbrauchte der Stabschef in schändlichster Weise. Er trieb Verrat am Führer, an der Bewegung, an Volk und Vaterland Der Führer stieß ihn darum aus der SA. und aus der Partei aus. Es ist selbstverständlich, daß die TA., ST., die Poli- tische Leitung mit allen Untcrorganisationen und darüber hinaus die gesamte Bevölkerung Frankens in uner- s ch ii t t e r l i ch e r T re u e zu Adolf Hitler stehen. Es ist Anweisung gegeben, daß verbrecherische Elemente, die die Ausstoßung Röhms zu dunklen Zwecken ausnutzen wollen, sofort zu verhaften sind. Nationalsozialisten, Volksgenossen und Volksgenossinncn! Franken ist eine Hoch- bürg des Nationalsozialismus. Es ist damit auch eine Einheitsfront an der Saar Unsere Töchter, die Ospnen Roman von HermyniaZurMühlen. 12 Freilich war mir das anfangs schwer. Ich konnte und wollte nicht glauben, daß der hübsche junge Ossizier, der um sechs Jahre jünger war als ich, mich, die Dreißigjährige, nur wegen des Geldes geheiratet hatte. Ich liebte ihn und als ich seine Frau wurde, glaubte ich, nun werde für mich das selige Leben beginnen, von dem ich in den Büchern der Romantiker so viel gelesen hatte. Aber nach sechs Mo- langweilte. Aber die stillen Freuden, die mich beglückten, Bücher, schöne Landschaften, Bilder sagten ihm nichts. Er hatte nur Verständnis für Pferde, Hasardspiele und Frauen, naten mußte ich erkennen, daß ich meinen Mann tödlich Andere, lebensvolle Frauen. Als unsere Tochter geboren wurde, bestand er darauf, daß sie den Namen Elaudia erhalte. Ich wußte ja genau, daß er damals in eine schöne Römerin, die Claudia hieß, verliebt war, und nicht unglücklich verliebt. Dieser Name, diese Er- innerung errichteten zwischen mir und meinem Kind eine Mauer. Als Ferdinand schon längst seine Elaudia vergessen hatte und anderen Frauen nachlief, sah ich, so oft ich den Namen hörte, noch immer die erste Claudia vor mir, schwarzäugig, mit blaujchwarzcm Haar, lebhast, bezaubernd. Und wenn ich mein Kind rief, mußte ich immer an diese Frau denken, die mir in meiner Ehe den ersten Schmerz angetan hatte. Vielleicht hat die kleine Claudia das instinktiv gefühlt. Wer kann sagen, was ein Kind empfindet? Jedenfalls war sie zu mir anders, als die Kinder anderer Mütter, und ich beneidete oft insgeheim meine gute Kati, die sich so gut mit ihrem Mäderl verstand. Aber das war später, als wir unser Haus in München aufgegeben und die Villa am Boöensee gekauft hatten. Ferdinand war zuerst sehr gegen diesen Kauf. Aber mich zog es her? vielleicht, weil Annette Droste-Hülshofs hier in der Nähe gelebt, gelitten und geschrieben hat. Auch sie war unglücklich gewesen, kränklich und zart« aber welch« Ksajt In Saarbrücken-Burbach tagte am Samstag die große Einheitsfront-Kundgebung. Das Versammlungslokal war beängstigend überfüllt. Hunderte umlagerten es und Hun- derte standen in den anliegenden Straßen. Der kommunistische Redner Fritz Pfordt, Mitglied der kommunistischen Bezirksleitung des Saar- aebiets. erklärte im Namen der Kommunistischen Partei, daß sie ehrlich die Einheitsfront mit der Sozialdemokratischen Lanöesparlei wolle und unter Hintenanstellung aller tren- nenden Gesichtspunkte die Einheit der Aktion wünsche. Die Versammlung quittierte das mit jubelndem Beifall und spen- dcte auch den übrigen Ausführungen des Redners starke Zu- stimmung. Im Anschluß an seine Ausführungen sang die ganze Versammlung das Lied:„Brüder zur Sonne, zur Freiheit!" Dann kündigte der Leiter der Versammlung, Genosse Barth, Burbach, den Führer der Freiheitsfront, Max Braun an, der von der ganzen Versammlung ohne Unterschied der Partei mit langanhaltenber Akklamation begrüßt wurde. Er schloß sich den Ausführungen des kommunistischen Vor- redners bezüglich einer ehrlichen, offenen und tatkräftigen Einheitsfront an und betonte, daß es notwendig sei, in diese Einheitsfront alles einzube- fassen, was sich als revolutionäre Sozia- listen ein- und unterzuordnen ausrichtig gewillt sei, und daß andererseits diese marxistische Einheitsfront ihre Verlänge- rung finden müsse in einer gesamten A n t i h i t l e r s r o n t aller saarländischen Gegner der braunen Despotie und aller Kämpfer für die deutsche Freiheit! Diese Ausführungen wurden von der Versammlung stür- misch begrüßt und einstimmig gutgeheißen. Dann ging Braun auf die jüngsten Ereignisse im„dritten Reiche" ein. Er gab die einzelnen neuen Tatsachen bekannt, die von der Versammlung mit lebhasten Aeußerungen der Anteilnahme entgegengenommen wurden. Als er bekannt gab, daß jetzt Mord und Terror innerhalb der Herr- schenden Partei sich gegen die eigenen Leute breitmache, die an Hitlers Worte geglaubt und aus das Programm ge- schworen hätten, ging tiefste Bewegung durch den Saal. Eine Woge des Abscheus und der harten Entschlossenheit, eine hundertprozentig gerechte Abrechnung mit diesem System vorzunehmen, ging durch die Ber- sammlung. Als dann Max Braun zum Schlüsse aufforderte, die Begeisterung der heutigen Kundgebung als nährende Flamme wach zu halten für die Stunde der großen Entschei- dung, und verzehrt von ihrem Brand in die Schlacht zu ziehen mit dem jubelnden Rufe: Freiheit! Freiheit!— brauste nicht endenwollender Beifall durch den Versamm- lungsraum. Dann sang die ganze Versammlung stehend mit erhobener Faust die„Internationale" und nahm eine von Barth verlesene Entschließung, in der das Vorgehen der Sozialdemokratischen und Kommunistischen Partei des Saar- gebietes zur Bildung einer Einheitsfront lebhast begrüßt wird, einstimmig an. Dagegen lehnte es die Versammlung auf Vorschlag des Einheitskomitees ebenfalls einstimmig ab, irgendwelche sozio- listischen oder kommunistischen Splittergruppen zu Wort kommen zu lassen. Die Versammlung war ein großer Erfolg für den Ein- heitsfrontgedanken und den Gedanken einer gesamten Anti- hitlerfront an der Saar. Ihr werden weitere folgen, die den Siegeszug der Freiheit beginnen werden. «I Wenn schon- denn schon" Goebbels gegen Pestbeulen, Korruption sherde, moralische Verwilderung— Er redet im Rundfunk über die Einig» keit des deutschen Volkes. Am Sonntagabend sprach Goebbels über alle beut- schen Sender. Mit dramatischer Begeisterung bekannte er sich zur Ermordung seiner bisherigen Kameraden. Er schweifwedelt ekelhast vor Hitler. Er schimpfte über Tchäd- linge und Verräter minutenlang— aber das deutsche Volk sei herrlich einig. Einige Sätze aus der Rede: Der Führer hat lange und schweigend zugeschaut. Ost und oft hatten die verantwortlichen Männer, die er in sein engstes Vertrauen zog. gewarnt. Ihre Warnungen wurden in den Wind geschlagen oder gar mit überheblichem und zynischem Lächeln abgetan. Wo es nun in Güte nicht ging, mußte es mit der Härte geschehen. Und so wie der Führer in der Güte groß ist, so kann er auch groß sein in der Härte. Es sollte an diesem Beispiel gezeigt werden, und auch die Kreise der Reaktion, die hier im Bunde waren, sollten wissen, daß nun der Ernst beginnt. Wenn schon— denn schon. Die ewigen Quertreiber aber mönen an diesem Beispiel lernen, was es heißt, sich an der Sicherheit des deutschen Staates und an der Unantastbarkeit des national- sozialistischen Regimes zu vergreisen. Noch einmal sei es allen gesagt: Jede Hand, die sich uns entgegenstreckt, soll unsere Freundeshand empfangen. Jede geballte Faust, die gegen den Führer und sein Regime er- hoben wird, soll ausgebrochen iverden, wenn nötig, mit Gewalt. Die Pestbeulen, Korruptionshcrde, Krankheitssymptome moralischer Verivilderuna im öffentlichen Leben iverden ausgebrannt und zwar bis aufs Fleisch. Die Verschivörer meinten in ihren Konventikeln, es müsse eine zweite Revolution gemacht werden. Nun. diese Hochburg absoluter Gefolgschgftstrcue und nie versagenden Glaubens an den Führer. Es lebe der Führer, es lebe unser Volk und Vaterland! (gez. v. Obernitz).(gez. Streicher), 3 TT.-Ttandarte: tgez. Fischer). sprach dennoch aus ihren Werken. Es verging kaum ein Monat, ohne daß ich nach Meersburg gepilgert wäre, in das schöne Zimmer, aus dessen Fenster man in steiler Tiefe den See sieht. Tort holte ich mir immer neue Kraft. Freilich. Annette hatte einen Trost in ihrer Traurigkeit, sie konnte schreiben, konnte eine Schöpferin sein, und ich konnte nichts, gar nichts. Ich war eine Frau, die es nicht verstand, ihren Mann zu halten, war eine Mutter, die es nicht verstand, mit ihrem Kind umzugchen. Je älter Clgudia wurde, desto mehr erkannte ich das. Es war eine Unruhe in dem erwachsenen Mädchen, die ich nicht begriff. Als suche sie immer noch etwas, das sie nicht finden könne. Sie war ein schönes Geschöpf, aber eS ging eine Kälte von ihr aus. die abstoßend wirkte. Ich ahnte nicht, was sich unter dieser Kälte verbarg Es siel mir nun auf, daß sie nicht wie andere Mädchen ihres Alters Freundinnen hatte, und harmlose kleine Flirts. Eine Zeitlang, als sie etwa zwanzig zählte, war sie sehr fromm. Ihr Zimmer war ange- füllt von Heiligenbildern, sie verbrachte Stunden in der Kirche, sie fastete wie eine Karmeliterin. Aber sie schien auch darin keine Befriedigung zu finden. Oft kam sie am Sonntag nach dem Segen heim mit halbirrcn Augen, blaß, verbittert. Ihre Frömmigkeit schenkte ihr keinen Frieden. Und eines Tages verschwanden aus ihrem Zimmer die Heiligenbilder, und sie ging nicht mehr in die Kirche. Ja, sie weigerte sich sogar, das Grab ihres Baters zu besuchen. Für mich hatte sie nur Spott und Hohn? alles, was ich tat, erschien ihr lächerlich. Und sie machte daraus kein Hehl. Sie lachte über meine Bücher, über meine Liebe zu den Blumen im Garten, über meine armseligen Versuche, andern Menschen zu helfen. Sie lachte über meine Lesewut, obzwar sie gerade um jene Zeit selbst sehr viel las. Einmol warf ich einen Blick in ihren Bücherschrank und erschrak: ich hatte gar nicht gewußt, daß es solche Bücher gebe, häßliche, gemeine Bücher, die sich nur mit geschlechtlichen Dingen befaßten. Und nicht ernst und wissenschaftlich, sondern auf abscheulich frivole und zynische Art. Aber daS war noch nicht das«ergste. Dieje Bücher müjfe« zweite Revolution ist gekommen, aber anders, als sie sich das gedacht hatten. Sie hatten sich schon die uns feindlich gesinnte Auslandspresse zu Hilfe gerufen, sie saselten schon seit Wochen von einer Krise des Systems. Oft haben wir schon gesagt, wir sehen die Wühlmäuse zwar, aber wir wollten sie erst einmal aus ihren Löchern und Schlupf- ivinkeln lassen. Sie haben uns nicht verstanden und sind herausgekommen. Nun trifft sie ihr verdientes Schicksal. Das Volk aber kann sich nur zu den Ereignissen des 30. Juni beglückwünschen.... Blomberg dankt Die Reichswehr ist zufrieden Reichswchrminister von Blomberg hat folgenden Erlaß an die Wehrmacht herausgegeben: „An die Wehrmacht! Der Führer hat in soldatischer Ent- schlosscnhcit und vorbildlichem Mut die Verräter und Meu- terer selbst angegriffen und niedergeschmettert. Die Wehr- macht als der Waffenträger des gesamten Volkes, fern von innerpolitischcn Kämpfen, wird danken durch Hingebung und Treue! Das vom Führer geforderte gute Verhältnis zur neuen SA. wird die Wehrmacht mit Freuden pflegen im Bewußtsein der gemeinsamen Ideale. Der Alarmzustand ist überall ausgehoben. Gez. v. Blomberg." Die Reichswehr ist mit Hitler zufrieden. Der SA.-Kon- kurrenl ist entscheidend geschlagen. Die dezimierte und ent» waffnete SA. wird freudig begrüßt. In Zukunft kann die Reaktion sich wieder auf die Reichswehr stützen. Unter diesem Gesichtswinkel muß man auch ein freundliches Glückwunsch, telegramm des Reichswehrministers an den neuen SA.- Stabschef Lutze betrachten. wie Gift auf Claudia gewirkt haben, denn eines Tages Hot der junge Gärtner mich um eine Unterredung. Ich glaubte, er wolle eine Lohnerhöhung, weil er vor einigen Monaten geheiratet hatte und seine nette junge Frau in der Hoffnung mar, und ich ärgerte mich schon über mich selbst, daß ich sie ihm nicht bereits gegeben hatte. Aber etwas ganz anderes kam zur Sprache. Der junge Mann war schrecklich verlegen, er drehte die Mütze zwischen den Fingern, und sein Gesicht war dunkelrot. Ich mußte lächeln und sagte: „Aber Fritz, wir kennen einander doch schon seit vier Jahren. Ich weiß, was Sie wollen? selbstverständlich be- kommen Sie jetzt mehr Lohn. Wir müssen ja an das Kleine denken." Fritz wurde noch röter und verlegener. „Ich komm mit meinem Lohn aus, Gräfin Agnes," sagte cr barsch.„Aber ich möchte kündigen." „Kündigen?" Ich begriff es nicht. Fritz arbeitete seit vier Jahren bei mir, und ich hatte ihm immer nachgegeben, wenn er sagte: „Das geht nicht. Hier gehören keine Dahlien her, sondern Astern." Er mußte es ja als Gärtner besser wissen als ich. „Wenn es sich um die große Tanne handelt, Fritz, von der Tie meinen, man müsse sie fällen, weil sie den Rosen schadet," begann ich.„Mir ist leid um den Baum, aber wenn Sie wirk- lich glauben..." „Es handelt sich nicht um eine Lohnerhöhung und nicht um die Tanne," erwiderte Fritz und blickte mich hilflos an. „So reden Sie doch, Fritz. Mir können Sie wirklich alle? sagen." „Alles," brummte Fritz.„Ja ober gerade das...* Er verstummte von neuem und drehte und drehte an seiner Mütze. Schließlich platzte er heraus: „Die Komtesse Claudia soll mich in Ruhe lassen." „Sie wissen doch, Fritz, daß Sie sich von niemand etwas dreinreden lassen brauchen, höchstens von mir, und«ch, ich gebe doch immer nach." (Fortsetzung folgte) Das Idi« der Weil Frankreich voll fllMraBCB Die Schweiz urleill Die groben Schweizer Blatter nehmen sehr freigebend Stellung zu den deutschen Ereignissen. Sie find voller Skepsis gegenüber den Behauptungen, daß in Teutschland wieder alles in Ordnung sei. „Unheilbar vergiftet" Die„Neue Zürcher Zeitung"araktcr und Lebenswandel vor aller Welt rücksichtslos bloßgestellt hat. wird wohl das Verhältnis des„Führers" zu „seiner TA." unheilbar v e r z i f i e t bleiben." .Nur eine Scene".... Skeptisch iiher die weitere Entwicklung Paris. 2. Juli.(gig. Bericht.) achtet die französische Presse die deutschen Vorgange m Die Ereignisse in Deutschland werden in Paris von allen l® feb«n 6 bafe 1 b'i a wW» cb Ii& S»U 1 fid) selbst Kreisen der Bevölkerung mit fieberhafter Aufmerksam- wn haben, um sich nun auch noch um die Fran- Tie Basler„National-Zeitung"(Nr. 296) sagt: „F st n» n Hitler, iv i c seine Freunde rühmen. »>irklich stärker geworden denn je"? Dein Schritt Jwch gewiß. Te n Ruhm wird sogar i» gewissen«reisen ins Grenzenlose steigen. In Wirklichkeit aber hat Hitler zunächst die Position der«oniervativen und der Deut.chnationalen gestärkt. Das zeigt sich„'cht heute und nicht morgen, solange der Schrecken angesichts der erschossene» Weggenossen Hitlers »och jede Gegenströmung und Aktivität lähmt. Auch die TA. mag ä u st e r l i ch intakt bleiben. Aber die Abgesetzten und die Erschossenen habe» nicht nur ihre Freunde sie haben die Mafien der TA., mit denen sie feit F ihren verbunden waren, hinter sich. Tiefe Mafien werden zum Teil noch iveitcr nach links ge- trieben. Tic zweite Revolution hat iv e d c r begonnen. noch ist sie erledigt. Di« Toten. Btnt- zeugen ihrer nationalsozialistischen Gesinnung, mögen sie im übrigen auch univmpathiiche Gestalten gewesen sein, werden gegen d'e Lebenden ausstehen. Das Schauspiel ist unheimlich. .-Der Horizont hat sich wieder erhellt, aber er wird sich wieder verfinstern. Die cchle und auch furchtbare Dynamik, welche H'tler mit seiner Bewegung entfesselt hat, könnte sich aus die Dauer stärker erwecken als alle Taktik, ja alle Mensche»- kraft lind Energie. To ist das. was sich heute vor unseren Augen abspielt, nur«ine Tzene des groben Schau- spiels, in dem die einen ein nationales Festspiel, die andern ein Drama, die DIefcrblickenden sicher aber die Tra- gödie eines grobe» Volkes scheu." Schweizer Journalist verhaftet Bei der Aktion Görings in Berlin ist auch der dortige Korrespondent der„Basler National-Zeitung", Behrens, verhaftet ivordcn. Er wurde drei Stunden festgehalten und vernommen. Tann wurde er wieder auf freien Fust gesetzt. französische Presseshninten „De Reichswehr herrscht" Mamille Loutre, der Berliner Korrespondent des«Petit P a r i si e n" schreibt: »Am Abend des SO. Juni steht der Führer in einer vor- lausig verstärkte» persönlichen Position da. Ebenso hat die Rolle der Reichsivehr als Schiedsrichter an Bedeutung ge- wonncn. Tie Besiegten sind die Papen-Gruppe. die zum Schweigen verurteilt ist. und aus der anderen Seite die SA, die nach revolutionären Lösungen der Krise suchte. Tas Regime wird sich künftig vor allem aus das Heer, serner aus die Geheime Staatspolizei und die SS. stützen. Und aufier- dem aui eine SA., die aus ihrem Urlaub gereinigt zurück- kehren wird." Pierre Bernus schreibt im»Journal des Döbats": „Auf jeden Fall scheint die Reichswehr den Hauptgewinn gemacht zu haben, was auch>mmer Hitlers Hintergedanken dabei sein mögen Der Kanzler kann aus die Dauer nichts ohne sie tun. Tie Militärs und die alten Preußen sind durchaus bereit, sich des Führer« soweit zu bedienen, soweit es ihren Zwecken entspricht, Tab«! mächst ihre wirkliche Autorität... das Teutschland, das wahrscheinlich nach und »ach aus dielen Wirren hervorgehen wird, wird daö alte nationalistische Teutschland sein, das den Krieg von 1914 heraufbeschworen bat. Tazu wird eS als Zusatz den Nationalsozialismus geben, der dann die Einigung des Reichs aus Kosten Preußens durchgeführt haben wird." ,.vas Ende des ln aten Staates. Der»T e m p s" schreibt in seinem Leitartikel vom Montag: „Es ist keine Gegcnrcvviutivn, es ist kein Staatsstreich, es ist nicht einmal die blutige Unterdrückung einer klaren Gegenbewegung gegen das Regime) es ist einfach ein Fieber- ansall, dessen gleichen man in der Geschichte nicht kennt... wo soll das hinführen? TaS ist da? Geheimnis von morgen. Da» nationalsozialistische Regime ist nicht mehr„total", das ist eine iür di« Entwicklung der deutschen Zustände wichtige Tatsache. Tie Unterdrückung der politischen Parteien hat nur dazu geführt, daß Büraerkriegstruppen entstanden. Es ist klar, welche Gefahr das für ein Land bedeutet, das mitten im finanziellen Bankrott steht und mit den Schwierigkeiten einer wirkliHen WirtjchaststataMopHe kämpft." Keit verfolgt. Am Sonntag erschienen„Intransigeant" und„Paris Svir", die gestern Paris bis Mitternacht mit stündlichen Reuausgaben versahen, in denen die nach Berlin entsandte» Sonderkorrewvndenten Uber die ein- zelnen Borgänge berichteten und ihre Eindrücke schilderten. In den Montagblättern ist die Auffassung allge- mein, daß Hitler einen Frontenivechsel vorgenommen habe. d. h. seine eigenen Mitarbeiter, die ihm zur Macht verholscn haben, gewaltsam beseitigt habe, um sich nun- mehr auf die Reichswehr zu stützen. Als den Sieger sieht man die Reichswehr an. Sie habe, so meint man, den Schlüssel zur Lage in der Hand. Man zweifelt allgemein daran, daß dies zur Befriedung der internen Lage beitrage. „Petit Parisien" berichtet, Hitlers Stärke liege darin, in der Reichswehr eine neue Stütze gefunden zu haben. Seine Macht aber sei nicht gefestigt, daß er jetzt in Gegen- satz zu den Hunderttausenden von SA.-Leuten sei, die Hitlers scharfes Vorgehen im Augenblick kaum glauben, werde früher oder später an ihm zur Rache führen. Das Blatt bringt groß aufgemacht das Manifest des Prager Borstandes der SPD., in dem das deutsche Volk vor dem Henker Hitler gewarnt wird. Es berichtet, daß dieses Manifest in verschiedenen deutschen Städten in aller Heimlichkeit verbreitet worden sei. Mißtrauisch beob- England en'scizl Deutschland und die Tyrannei Einhellig lehnt die englische Presse Hitlers Blut- und Terrormethoden ab. In de» Blätter», die am Sonntag nicht erschienen sind, werden heute die Ereignisse i» Deutschland lebhaft kommeuttert. Die konservative„Daily Mail" be- zweifelt, daß irgendeine fremde Regierung, so wie es in Hitlers Manifest heißt, in die Verschwörung der SA.- Führer verwickelt sei, sagt im Hinblick auf das von Hitler angerichtete Blutbad:„In Deutschland ist die Gerechtigkeit endgültig vom Thron gestoßen." In der konservativen„Morning Post" heißt eS:„Nun- mehr bestehe kein Zweifel, daß Deutschland unter der Tyrannei lebe. Wenn nur Menschen beuehlten, so wie die Macht ihnen entschivinde, nehmen zu derartigen Terror- Methoden ihre Zuflucht. * Die Revolution beginnt erst „Die Wahnsinnigen, die das darnicderliegende deutsche Volk regieren, haben also den Totschläger gegen ihre eigenen Leute gerichtet. Für den Augenblick scheint die Revolte er- stickt, i» Wirklichkeit hat sie erst begonnen. Jetzt werden vielleicht Deutschland und die übrige Welt erkennen, was das Hakenkreuz eigentlich zu bedeuten hat:„ES ist das Symbol der Barbaren."" Eine englische Presscslimme „Ein Sieg der Reaktion" „S u n d a y Erpreß", das faschistenfreuudliche Blatt bei Lord Beaverbrook schreibt: „Das ganze bedeutet einen Tieg des rechten Flügels der Nazipartei, hinter der Herr Thyssen und andere Geldgeber uud Industrielle stehe»— alles Leute, die Hitler überhaupt erst zur Macht gebracht haben. Tie neue Regierung ist eine Konzentration der Reaktionär«, die gegen die radikalen NaziS sind Hitler bleibt das Aushängeschild, aber seine Herren sind jetzt hervorgetreten. Die Reichswehr hat schon lange auf einen Tag wie diesen gewartet." Zwei SondenSge ralf SS. Nach Berlin London, 1. Juli(Eigenbericht). Reuter meldet aus München, daß zwei Sonderzüge mit ausgesuchten Stnrmtruppen in schwarzer Uniform nach Berlin abgegangen sind. Im übrigen scheint es sich zu be- stätigcu, daß der Vizekanzler von Pape» nicht verhaftet ist: aber er darf seine Wohnung nicht verlassen und steht unter polizeilicher Aussicht. Er gilt also zumindest als verdächtig. Der Arbeitsminister Selbte, Führer des national- sozialistischen Frvnikämpfcrbundes(Stahlhelm) empfiehlt seinen Kameraden, sich ruhig zu verhalten uud dem Führer absolute Treue»u bewahren. Amerika „New Uork Tribüne" schreibt:„DaS ist das Ende der Loyalität, mit weicher Hitler bis setzt seine Untergebenen stützte, selbst ivenn sie durch ihr Verhalten die Partei zu diskreditieren drohten. Die Nachrichten aus Deutschland zeigen, daß jetzt nur eine Militärdiktatur ver- hindern kann, daß Deutschland der Schau- platz eines Bürgerkrieges wird. Die innerpoli- tische Krise wird durch eine ganze Reihe von Faktoren ver- schärst, die teilweise auch außenpolitisch von größter Bedeu- tung sind. So stellt sich die Frage, ob Hitler gegen die ganze Weltmeinung bestehen kann, während sein Regime offenbare Zeichen des Zerfalls zeige. Möglicherweise haben die jetzigen Unruhen nur vorübergehenden Charakter, aber es kann auch sein, daß die inneren Schwierigkeiten für die national- sozialistische Regierung zu einem nicht überwinbbaren SindttviS Wkrdxn. zosen zu kümmern.. Das„Journal" weist auf die' Macht des Mthtarij» mus in Deutschland hin und meint, ckttes was zur Star- kung der militärischen Gewalten in Deutschland beitrage, sei einer friedlichen Entwicklung dienstlich. Im„Matin" führt Philipp Barrls aus: es sei fraglich, wie iveit die große Masse sich auf die Dauer zur hitlen- schen Politik bekennen werde. Das hängt in erster Linie von der wirtschaftlichen Entwicklung ab. Es seien Zweifei gestattet, ob der Führer der wirtschaftlichen Schwierig- Kelten Herr werden könne. Unter der Uebcrschrift„Furcur Germanigue" in Anlehnung an daS Wort des römischen Geschichtsschreibers TacituS vom„suror germanicus" heißt eS im„Jour". alles, was man jetzt in Deutschland erlebt, hätte TacituS und— ueton schon vor rund 2 Jahrtausenden von den Germanen be- richtet. Hitler, seine Freunde und seine Gegner, das seien. die alten Germanen. Germanen, wie sie sich gleichgeblieben: seien, die auf Blutopier nicht verzichten können. Ter sozialistische„P o p u l a i r e" kommt zu dem Ergcb- niS, daß Hitler sich im Augenblick über Wasser hatten kann mit Hilfe der Konservativen und der Hochfinanz. Der nationalistische„Ami d u Pcuple" glaubt nicht an HitlerS endgültige» Tieg. Er Ggt hinzu:„die Klnahett ge- bietet uns, abzuwarten... und auf dem Posten zu sein. Blsffiofe irr:enl»r:e'turßtl<£cto:£«n? Macht die Kirche alles mit? Tie„Rene Zürcher Zeitung"(Nr. 1180) berichtet aus Berlin: In den Verhandlungen zwischen dem Staat und der ka- thviischen Kirche sind weitere Fortschritte zu verzeichnen, obwohl die Konserenz sich gegenwärtig noch in Fori» einer allgemeinen Diskussion abwickelt. Die Behandlung der ton- krcten Fragen soll in den nächsten Tagen ausgenommen werden, und wenn sich die beiderseitig gehegten Hoi'nlingcn auf einen positiven Abschluß erfüllen, so ist damit zu rechnen, daß Mitte Juli ein f c r t i g e r V e r t r a g parasiert werden kann, der die Ausftthningsbestimmungcn zum Reichskvnkor- dat enthält. Ten Bespreckpinge» der letzten Tage lag eine 72 Seiten umiassende Note des Vatikans zugrunde, die schon vor Wochen i» Berlin überreicht wurde und de» ganzen Komplex der zwischen Staat und Kirche bestehenden streit- fragen behandelt. In der Diskussion stellten beide Dclego- tione» die Beschwerdepunkle zur Verhandlung, wobei auch über die Mordaitäre von GoNmiitz gesprochen wurde: auf katholischer Seite ivird dabei entschieden i» Abrede gestellt, daß ein Zusammenhang mit der konfessionellen Jugendarbeit besteht. Gestern abend sind die drei mit den Verhandlungen be- trauten Kircheniitrsten, Erzbischos Gröber und die Bischöfe Bcrning und Bares, von Hitler zu einer längeren Be- sprechung empfangen worden. Die Kirche verzichtet ihrerseits auf das Borhaben, einen Hirtenbrief, der die Ergebnisse der Bischosalonserenz von Fulda enthält, am nächste» Sonntag von allen katholischen Kanzeln in Teutschland verlesen zu lassen. lEs handelt sich NW den Hirtenbrief, dessen wichtigste Stellen wir schon veröffentlichten.(„D. F.") Schon seit län- gerer Zeit waren die Katholiken auf diese» Hirtenbrief hin. der ein kirchenpolitischcs Ereignt« ersten Ranges z„ werden versprach, in Spannung gehakt«'» worden, so daß der Ver- zieht völlig überraschend kommt. Man erblickt darin eine Konzessio» an die Reichsregierung, die ihrerseits von der antiklerikalen Politik abrückt und sich mit de» katholikcn- feindlichen Vorstößen, die sich imZLandc herum ereignen, nicht identifizieren will. »!c londoner Transierverhandlungen Vertagung auf Montag London, SO. Juni.(Europaprcß) Tie deutsch englischen Transierverhandlungen sind heute nach vierstündiger Dauer bis Montag vertagt worden. Bis dabin! st v o r l ä u- s i g auch die Inkraftsetzung des englischen Clearings aufgeschoben w o r d c n. Wie in dem offiziösen Communiaue betont wird, baben sich die Standvunkte in den heutigen Besprechungen einander genähert, so daß nun wieder Hoffnung auf eine Einigung bestehe. »räsidcn'eimalil in Mn'.Ko General Cardenas Sieg TNB Mexiko, 2. Juli. Tic Präsidentenwahlen sind am Sonntag in ganz Mexiko unter stärkster Beteiligung ruhig verlauie». mit Ausnahme von Veraernz. wo im'Verlaufe von tätlichen Auseinandersetzungen ein Wahlvorsteher er- mordet iviirdc. Tie Wahl brachte für den Kandidaten der Regierung«- partei, General Lazaro CardenaS. eine» überwältigenden Sieg. Ilm halb 12 llhr abends laa folgendes vorläufige Ergebnis nvr: Cardenas 1901)864, Billa Real 1" 161, Teicda (Lintssozialisti 9477, Laborde(Kommunist) 6406 Stimmen. zwei Zerstörer Kollidieren Unglück in der japanischen Marine dnb. Schanghai, SO. Juni. Bei Nachtmanövern an der Küste von Korea sind die japanischen Zerstörer„Jnazuma" und„Minukj"»lammens-stoße» und kurz daran' gesunken. TaS japanische Marlnemin'ster'um teilt mit, daß Sei dem Unglück vier Mairosen ums Leben kamen, während vier weitere verletzt wurden. Zwei Angehörige der Besatzung werden noch vermißt. Im Augenblick des Zusammenstoßes tzerrMe dicket Nebel. Nieder mit Hitler I Ein Aufruf des Vorstandes der SPD. Deutsches Volk! Die Verbrecherbande, die sich auf Deutschland gestürzt hak, geht in Blut und Schmutz unter. Adolf Hitler selbst beschuldigt-seine nächsten Mitarbeiter, die Männer, die ihn in die Macht getragen haben, der abscheulichsten sittlichen Verderbnis, der verb-- herischen Vergeudung öffentlicher Gelder. Der Mord wütet unker denFührern derSA. Hitler ist der Hauptschuldige an den Verbrechen dieser Männer. E r hat sie gerufen zu Terror, zu Mord, zur Veraewal- tigung des Volkes. E r hat ihre Greueltaten gebilligt und geduldet. E r hat sie Kameraden genannt. E r hat die Ehre der Mörder, der Folterknechte, der sittlich verkommenen Burschen mit der seinen verbunden. Zehntausende von Opfern aus dem freiheitliebenden Volk zeugen von der Blutschuld dieser Verbrecher, von der Schuld Hitlers. Hitler hat den Mord gepredigt. Hitler hat die Mörder von Potempa gefeiert und befreit. H i t l e r hat die Röhm und Heines genutzt, weil er Verbrecher brauchte. Hitler hat jahrelang die Verbrecher gedeckt. Jedes Wort der öffentlichen An- klage und der Verachtung, das er ausspricht, richtet ihn selber. Diese Männer, ihre Verbrechen, ihre Schändlichkeit, das war sein System. E r hat Röhm zum Reichsminister gemacht. E r hat ihm die Jugend ausgeliefert, obwohl er den Mann kannte wie kein anderer. Zeht sucht er mit geheuchelter sittlicher Entrüstung eines Schmierenkomödianten die Verantwortung abzuwälzen. Jetzt lätzt er seine Spießgesellen morden, nicht um ihrer Ver- brechen willen, sondern um sich selbst zu retten. Hitler trägt die Hauptschuld. Hitler ist der Feind. Wer mit ihm gemeinsame Sache macht, ist mitschuldig. H i l l e r, Röhm und ihresgleichen das sind die Männer, in deren Hand die Ehre der Ration, das Schicksal und das Leben des Volkes gegeben wurde. Das sind die Kräfte, die Deutschland reinigen und sittlich erneuern wollten. Sie haben alles zerschlagen, was in schwerster Zeit für Deutschland getan und aufgebaut worden ist. Sie haben niedergetrampelt. was die deutsche Arbeiterschaft und die deutsche Geisteswelt in Jahrzehnten aufgebaut haben. Hunderttausende braune Bonzen haben sich wie ein Heu- schreckenschwarm auf das Reich, die Reichskasse, den Goldschah der Reichsbank auf die ganze deutsche Arbeiterschaft als eine willkommene Beute gestürzt. Sie bereichern sich schamlos, verprassen in schwelgerischen Gelagen das Gut des Volkes und frönen widernatürlichen Lastern, während das Volk hungert, die Löhne sinken. Handel und Wandel veröden und das betrogene Landvolk immer mehr im Elend versinkt. Wahrheit, Sittlichkeit. Ehrlichkeit, das wahre Deutschland wurde unterdrückt und verfolgt, das Volk schamlos belogen und betrogen. Jetzt hat Hitler selbst die Anklagen der Verfolgten gegen sein System bestätigt. Für dieses System ist die Freiheit des Volkes, sind Ehre und Ansehen der Ration, d e Zukunft seiner Arbeiterschaft und die Wohlfahrt seiner arbeitenden Schicht geopfert worden. Die Gefahr, die Deutschland bedroht, ist nicht der Bolschewis- mus, die Gefahr ist Hitler und sein System. Es ist genug, es ist übergenug. Schreit hinaus, was Ihr an zorniger Empörung in Euch trägt. Wer darf noch schweigen? Heraus mit der Anklage gegen Millionen. Offen sprechen, dann ist der Terror machtlos. Schluß mit dem Schweigen! Wehe den Beamten, wehe den Richtern, die sich zu Henkers- knechten des wankenden Systems gegen die Massenempörung machen. Am Tage der Befreiung wird die Vergeltung sie erreichen. Schluß mit dem System des Zwanges und der Unterdrückung. Kämpft gegen den Terror, kämpft aenen die Hungerlöhne, gegen die Versklavung des ganzen Volkes in Stadt und Land. Es ebe der Sozia Ismus, es lebe die freie deulfche Republik! Berlin, den l. Juli 1934. Mvrbß kür di®..Deutsahe Freiheit" Pariser Berichte An wen wenden sidi Em granfen? 4ssistance medicale aux enfants iTemigres 37, rue Julien Lacroix, Metro Couronnes.(Telefon Menil- montant 67-23). Kostenlose ärztliche Sprechstunden für mittellose Emigrantenkinder. Montag, Mittwoch, Donners- 15—17 Uhr. Sonntag 10—11 Uhr(nur für dringende Fälle). Association des emigres israelites d'Allemagne en France Berufsberatung jeden Mittwoch von 19—20 Uhr 30„Chez Cohn", 17, rue Beranger(Metro Republique). Association des juifs polonais refugies d'Allemagne 12 bis, rue Guilleminot(Metro: Edgar-Quinet). Montag und Donnerstag von 17—19 Uhr. Service juridique Rechtsstelle für deutsche Flüchtlinge, 5, Avenue de la Republique(3. Etage), Paris Xle. Sprechstunden: Montag, Mittwoch und Freitag, von 3—6 Uhr. Hechaluz 31, rue des Petites-Ecuries. Telefon: Province 11-93. Sprechstunden: 10—12, außer Sonnabend und Sonntag. Comite National 5, rue de la Durance(Dorian 78-91). Täglich von 8.45— 12 Uhr. Sonnabend geschlossen, Sonntag von 9—12 Uhr. Association des F.migres d'Allemagne en France(A. E. A.) 5, Cite du Retiro(Nähe Madeleine). Sprechstunden von 9 Uhr 30 bis 12 Uhr 30. Telefon: Anjou 70-24. Entigrairen dürfen nur 2000 Rl*l. mitnehmen. (Inpreß.) Das Amt für Devisenkontrolle hat den Höchstbetrag, den Auswanderer in Bargeld aus Deutschland mitzunehmen das Recht haben, von 10 000 auf 2000 Reichsmark herabgesetzt. Eine Ausnahme bilden Personen, die nach Palästina emigrieren; sie haben eine Summe mitzunehmen, die (jjr ihre Niederlassung in Palästina erforderlich ist. Emlgran!enelend in Paris Viele, die außerhalb des Machtbereiches der braunen Herrschaft leben, machen sich nicht klar, wie groß seit Monaten HHB Deutsches Zahnärztliches Institut I 22, RUE DE OOUAi Wetro i Blanche, Pi*all« fei. rnnife SO-27 Sprechstunden.*12, 2.8 Uhr I /ahn« u. Mundkranich. Röntgen. Elektrotherapie, Prothesen. Kronen. Brücken in Gold. Platin u. 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Andere verließen sich darauf, daß sie von Angehörigen in Deutschland wenigstens das Notwendigste geschickt erhalten würden. Die meisten dieser Hoffnungen sind enttäuscht worden. Es ist leider nur sehr wenigen gelungen, die carte de travail und eine dauernde Arbeit zu erhalten. In vielen Fällen sind Ausweisungen gerade dann erfolgt, wenn der Flüchtling einen Antrag beim Arbeitsministerium eingereicht hatte, ihm Arbeitserlaubnis zu geben, zuweilen sogar dann, wenn ihm diese seltene Erlaubnis erteilt war. Dadurch werden alle Emigranten unruhig, ein Teil von ihnen wagt es nicht mehr, sich um die Arbeitsgenehmigung zu bemühen, und zieht die Unsicherheit einer selbständigen Tätigkeit im Handwerk oder Handel vor. Aber auch dort erleben sie jetzt neue Enttäuschungen. Während anfangs ein Teil der neu eingerichteten kleinen Betriebe— wie Wäsche- Docieu r fyeciatiste I DEUTSCHSPRECHEND! Münchener u. Pariser FakultA 17, rue Reaumur Mttro Arti-et-M®tiers od. 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Am schlimmsten sind aber die daran, die ohne Hilfsmittel hier eingetroffen sind, oder die erst in der letzten Zeit ankommen. Sie finden jetzt niemand, der sich zu einer Hilfe bereit erklärt. Das Comite National darf keine neuen Flüchtlinge mehr aufnehmen, es„liquidiert" nur und weist selbst die Verzweifelten ab. Ganz vereinzelte Ausnahmen ändern nichts an dieser Regel. Das Matteotti-Comite hat keine Unterstützungsmittel mehr, die Entr'Aide Europeenne hat ihr Tagesheim, ihren Service Social, ihren Kinderhort völlig ge- schlosssen, sie bemüht sich nur noch in einer kleinen Abteilung einige Leute aufs Land zu bringen, aber auch das mit schwachem Erfolg. So kommen die vielen, vielen Armen, die Hunger leiden und kein Quartier haben, seit Wochen zur Deutschen Kommission, deren bescheidene Mittel aber nicht ausreichen, um sie vor der schlimmsten Not zu bewahren. Sie finden keine Arbeit, keine Hoffnung auf Beschäftigung, müssen sogar ihre Ausweisung befürchten, wenn sie bettelnd angetroffen werden. Und doch ist das jetzt das Mittel geworden, von dem eine große Zahl dieser Emigranten noch lebt, sonst müßten sie elend umkommen. Darf dies so bleiben? Alle Verantwortlichen müssen endlich auf Abhilfe Für den©efamtlnhalt verantwortlich: Johann P I tz in Dud. weiler: für Inserate: Ctto Kuhn In Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der VolkSstimme GmbH, Saarbrücken t, Schützenstraße b,— SchltehjaH 776 Saarbrücken, _