LZnzige unabhängige Tageszettung Veuischlands I^r. 138— 2. Jahrgang Saarbrücken, Donnerstag, 12. Juli 1934 Aus dem Inha lt Zuc tinbecußung des Reichstags Seite 3 Die Qeciichtemachecsch tacht Seite 3 Die llncuhen an dec Saac Seite 4 Rapens Tllatkicqec Rede Seite 5 , S&cände und Sabotage Seite 7 Zum Vecbot dec RJmeizec Rcesse Seite 8 Chefredakteur: M. B r a u n Die„feurige Zünde imiri Ber deutsche Beidisiügenmeisier rlditef tolldreiste Drohungen an die Weltpresse Furdit Die Regierung ist wohl unterrichtet über all das, was an Eigennutz, Charakterlosigkeit, Unwahrhastigkeit, Unritter- lichkei» und Anmaßung sich unter dem Deckmantel der deu>- schen Revolution ausbreiten möchte. Bit täuscht sich nicht darüber hinweg, dast der reich« Schatz an Vertrauen, den ihr das deutsche Volk schenkte, bedroht ist. Wenn man Volks- nähe und Volksverbundenheit will, so darf man die Klugheit des Volkes nicht unterschätzen, muß sein Vertrauen erwidern und es nicht unausgesetzt bevormunden wollen. Das deutsche Volk weist, daß seine Lage eine ernste ist, es spürt die W>rl- schastsnot, es erkennt genau die Mängel mancher aus der Not geborenen Gesetze,«s hat ein seines Gefühl für Gewalt und Unrecht, es lächelt über plumpe Versuche, es durch eine falsch« Schönfärberei zu täuschen Vizekanzler v. Papenin Marburg. # Berlin, 11. Juli. Der Reichslügenminister Dr. Goeb- b e l s mit dem Titel Reichsminister für Propaganda und Volksanfklärung spricht 24 Stunden lang durch den Rund- sunt zur Welt. Das ist keine Uebertreibung. Die Rede, die gestern abend in deutscher Sprache gehalten worden ist, wurde in den Nacht- und in den heutigen Tagesstunden für vier Erdteile gefunkt: in deutsch, in französisch, in englisch, in italienisch, in spanisch und portugiesisch. Mit Spannung werden sich in hundert Ländern ungezählte Millionen Menschen diese erste amtliche Kundgebung des deutschen Reichskabinetts nach den Mordtaten angehört haben. Wir hoffen es, denn diese Rede ist ein Zeugnis für die Verkommenheit dieser Reichsregierung, wie es ihre Tot- feinde nicht schlimmer hätten herstellen können. Alle Welt crivartete, daß endlich amtlich gesagt werden würde, was an ber Monatswende in Teutschland wirklich geschehen ist. Das wäre für jeden geistig gesunden Menschen die einzig überzeugende Widerlegung der durch die ganze Welt schwir- renden angeblich so falschen oder übertriebenen Meldungen gewesen. Davon aber hörte man nichts. Rein nichts! Statt der erwarteten lückenlosen Totenliste gab der Reichs- minister eine lückenlose Liste von wilden Beschimpfungen gegen die Weltpresse. Der Mann, der hoch bezahlt wird, weil er Propaganda für das Deutsche Reich treiben soll, hat eine pamphletische Rede gehalten, die alle Welt noch mehr gegen Deutschland auf- bringen muß. Was tut nach den Erklärungen des Ministers, der für die Pflege der Beziehungen zur Zeitungswelt be- rufen ist, die internationale Presse, was sind die Jour- nalisten, die noblen vornehmen und wahrheitsliebenden deutschen Redakteure natürlich ausgenommen? Man hört in der Ministerrebe: Böswillige Verhetzung, Spülicht feiger Lüge, krankhaste Fantasie, skandalöse Vorgänge, heuchlerisches Pathos, Lügenkampagne, Bosheit, Greuelmeldungen, Hetze, nach Strich und Faden gelogen, Lügenkollegen, der Ekel kommt einem hoch, systematische Vergiftung, übelste Art der Re- volverjournalistik, Skrupellosigkeit gewerbsmäßiger Lügen- sabrikanten, hysterische Verleumdung, boshafte und ver- leumderische Journalistik, Inspiratoren dieser Hetze, ge- wissenloses und hinterhältiges Treiben, Verleumdungen der Weltjournaliftik, gewerbsmäßige Lügensabrikanten, Lügenjournaille, hysterische und pathologische Wutaus- brüche. Es ist kaum zu fassen, aber der Frömmste kann jeden Eid darauf leisten: Diese Sammlung von wüsten Schimpfereien ist wirklich alles, was der deutsche Reichsminister aus eigener Gedankenkrast zu einem der abscheulichsten Eremnrsse der neueren Geschichte der Welt zu sagen hat. Alles. Er schloß seine Rede„mit einem lauten und hörbaren Pt'ui Ten- fei!" Das ist in ber Tat die Charakteristik, die dieser Vor- trag verdient. Hat der Reichsminister den Verstand verloren, der ihm bi? jetzt zugetraut wurde? Hält er das ganze deutsche Volk für überzeugte Nationalsozialisten, also für politische Idioten? Glaubt er die Welt außerhalb Teutschlands ließe sich durch Goebbelsche Tchimpkorgien gleichschalten? Nicht nur jeder anständige Journalist, jeder normal denkende Mensch wird dem Minister vorhalten, daß keine Regierung sich über„Ge- rüchtc" beschweren darf, wenn sie selbst mit allen Mitteln des Terrors die Wahrheit über itzrx Tgtkt! Stz tkxdMA t, Welch eine Methode für einen Reichsminister: Er sucht aus taufenden Auslandszeitungen swir stellen lest, daß nicht eine dieser Nachrichten in der„Deutschen Freiheit" enthalten warf ein Dutzend unrichtiger Meldungen oder Kommentare zu- sammen und macht über grauenhafte Morde Witze wie ein Conferencier über Sekt und schöne Frauen. Der Reichslügenminister sagt zynisch von dem ungesctz- lichen Hinschlachten der vielen— wieviele» eigentlich?— Volksgenossen, gegen die zum Teil erwiesenermaßen nicht? vorlag, von denen einige nach halbamtlichen Auskünsten „infolge Mißverständnis" erschossen worden sind,„d r ß alles sich ordnungsmäßig abspielte". Eine Regierung, die bis zur Stunde trotz der Aufforbe- rung auch besorgter Freunde des Regimes weder eine Totenliste noch das geringste Beweismate- r i a l für die Schuld der Erschossenen vorgelegt hat, wagt mit frecher Stirn der Welt zu sagen: „Sie hat die Vorgänge des 30. Juni mit einer beispiellosen Offenheit dem eigenen Volke und der Welt dargelegt. Sie hat mit nichts zurückgehst- t e» und in allem der Wahrheit die Ehre ge- geben. Denn sie war der Uebcrzeugung, daß die Nieder- schlagung der Revolte von der Nation und von der Welt dann am besten oerstanden würde, wenn ihre Hintergründe und die daraus ohne Eingreifen des Führers vermutlich entstandenen Gefahren ohne jede Vertuschung der Öffentlichkeit zur Kenntnis gebracht wur- den. Auch darin unterscheidet sie sich von ihren Vorgänge- rinnen, daß sie Dinge, die die öffentliche Kritik heraus- fordern, nicht mit dem Mantel der Lüge zudeckt, sondern sie ohne jede Rücksicht den Augen des Vol- kes preisgibt, damit das Volk erkenne, wie notwendig und richtig ihr Handeln ist." Ist so etwas an dreister Herausforderung der Wahrheit schon je dagewesen? Nichts über die Zahl ber Opfer, nichts über ihre Schuld, nichts über die Untersuchung, nichts über das Versahren, nichts über die Todesurteile, nichts über die Hinrichtungen, nichts über die Vorgänge bei unzweifelhaften Morden wie bei Schleicher und Gattin und Klausener, nichts über die Gründe der gegen den Willen der Angehörigen vorgenomme- nen vielen Einäscherungen, nichts über das Material, das bei „ordnungsmäßigem Abspielen" doch vorliegen müßte, ist der Oeffentlichkeit bekanntgegeben worden. Und da redet der Mordpropaganbist von„Wahrheit und Klarheit". Der Minister fordert den Spott und den Hohn der ganzen Welt heraus, wenn er die„Disziplin" der deutschen Presse rühmt, deren Redakteure in Todesangst keine Zeile zu schreiben wagen. Er steht vor aller Welt als Lügner da, wenn er behauptet, in der deutschen Presse gäbe es keine Verunglimpfung fremder Staatsmänner. Das sagt der Propagandist einer Partei, deren Presse den österreichischen Bundeskanzler und dessen Minister mit ganzen Kübeln von Unflat ständig überschüttet! Wir hörten die Rede eines Hilflosen! Selbst die Auswahl seiner übrigens zum Teil gefälschten Zitate beweist es. In seiner Zitatenmischung gab Dr. Goebbels nicht einen ein- zigen Satz gerade der Auslandspresse, die in Deutschland verboten ist: aus den Schweizer Zeitungen. Damit ist klar erwiesen, was ohnehin auf der Hand lag: man sperrt die Schweizer Zeitungen aus Deutschland aus, weil sie in beut- scher Sprache geschrieben und daher für die Mörder und Lügner besonders gefährlich sind. Die Nervosität in der Reichsregierung muß allmählich sich der Grenze politischer Unzurechnungsfähigkeit nähern, denn der Reichsminister Dr. Goebbels drohte mit einer offenen Kriegserklärung an die gesamte Weltpresse: „Ich glaube, im Namen des ganzen deutschen Volkes zu sprechen, wenn ich mit Empörung und Entrüstung dagegen Protest einlege und mit aller Deutlichkeit erkläre, daß die deutsche Regierung nicht gewillt ist, we iterhin Auslandskorrespondenten in Deutschland zu dulden» die auf eine solche Weise die Völker gegeneinander Hetzen und eine Atmosphäre herausbeschwören, die jede ehrliche und unvoreingenommene Beziehungssetzung der Nationen zu- einander unmöglich macht." Das ist die Drohung, alle fremden Journalisten auszuweisen, die fernerhin wagen sollten, über Deutschland etwas anderes zuschreiben, als was Mörder undRäuber ihnen befehlen. Die ISl Kraft markjsren, aber ste Disdiöie preisen die Mörder Die organisatorische und moralische Zusammenbruch der Evangelischen Kirche Das Schicksalderdeutschen evangelischen Kirche könnte auch einen NichtProtestanten jammern, wenn es nicht so überreich verdient wäre. Dutzende von Menschen wurden im Namen der gleichen Hakenkreuz- sahne erschossen, die die Fahne der streitbaren Kirchen- fllhrer ist. Im Zeichen des Evangeliums hätten sie auf Grund der Untaten des 30. Juni einen Sturmruf an die Gläubigen ergehen lassen müssen, wenn noch eine Spur von protestantischer Gesinnung in den beamteten Kirchen- männern lebendig wäre. Aber was geschieht? Nie tobte der innere Kirchenstreit so wild wie in den hinter uns liegenden zehn Tagen. Während Tote verscharrt wurden, standen Pfarrer mit dräuenden Gebärden gegeneinander, um im Namen des Evangeliums Macht über die Kirchen- Organisation zu gewinnen. Die Gläubigen sahen stau- nend zu. * Zwei Hitler-Bischöfe haben gewagt, den 30. Juni mit dem Kruzifix zu segnen. Der eine ist der sächsische Lan- desbischof Goch, gleichzeitig Führer der„Deutschen Christen" an Elbe und Pleitze. Er hat eine„General- Verordnung erlassen mit folgenden Sätzen: „Unser Volk und unsere Kirche sind durch Gottes gnä- dige Führung und durch das mannhafte Handeln unseres Führers aus schwerer Gefahr errettet worden....Da ist es unsere Pflicht, i m Gottesdienst dem Herrn für diese Errettung zu danken. Ich ordne hiermit an, in Predigt und Gebot am kommende» Tonntag in allen Gemeinden des Landes der Hilfe Gottes sowie des Führers zu gedenken. Wir wollen alle für- bittend hinter ihm stehen, daß Gott ihn weiter bc- hüte und zu seinem großen Werk Kraft und Gelingen schenke." Noch ein wenig toller treibt es freilich der Ham- burgische Landesbischof Tügel, ein besonders privi- legierter SA.-Mann Jesu. Die Kirche habe, so heißt es in seiner Verfügung.„Adolf Hitler, dessen eiserne Entschlossenheit Deutschland auch heute wieder gerettet habe, und das von ihm getragene große Werk zu unterstützen". Gleichzeitig verbietet Tügel seinen Gläubigen jede Erörterung kirchenpolitischer Fragen, denn, wieder wörtlich, die Predigt habe nicht Steine zu bieten, sondern Brot. Brot, ein wenig mit Blut gemischt— nicht wahr. Herr Bischof? Mit„eiserner Entschlossenheit" wurde gemeu- Siehe Seite 2. nis elender Feiglinge, die ihre Untaten weder vor dem Volke noch vor der Welt zu verantworten wagen. Wird sich die Weltjournalistik diese Herausforderung durch den aus dem Gleis geratenen Minister gefallen lassen? Das ist nicht anzunehmen. Schon ist für heute abend der Vorstand der Vereinigung der ausländischen Presse in Berlin einbe- rufen, um zu beschließen, welche Stellung diese Vereinigung zur Goebbelsrede nehmen soll. Es ist ausgeschlossen, daß die gesamte Weltpresse sich dem Terror der deutschen Reichsregierung fügt. Deren Aeuße- rungen nehmen immer mehr die Verzweiflungsrufe schci- terndcr Hasardeure an, die in ihrem Sumpf ersticken. „Sdimahrede" Paris, 11. Juli. Die GoevbelSrede wird im allgemeinen in der hiesigen Presse noch nicht kommentiert, doch lassen die Ueberschriften, die die Zeitungen den Berichten über die Rede geben, schon die Stellungnahme der Presse deutlich erkennen. Fast in allen Ueberschriften kehrt das Wort wieder: Schmäh- rede Goebbels gegen die ausländischen Zeitungen. Ablehnung in England London, 11. Juli. Die Morgenpresse bringt längere AuS- züge aus der Goebbelsrede. To weil schon Kommentare ge- geben werden, sind sie ein« eisige Ablehnung der Goebbels- schen Methoden. Keine Zeitung bringt irgendwelches Ver- ständnis für die. deutsche Reichsregjerung und ihren Propa, gandisten guj»' Fortsein«, von Sekte f. eftfit und an die Wand gestellt. Das heitzt, Gottes Wort in den irdischen Belangen zu verkünden. Gäbe es noch Richter im Hitlerreich, so würden sie diesen Herren Bischöfen einen Prozeß wegen Gotteslästerung machen. Aber da es Richter nicht mehr gibt, sondern nur noch Funktionäre des„dritten Reiches", so müssen wir uns begnügen, diese evangelischen Kirchenbefehle in die Reihe der dokumentarischen Schändlichkeiten einzureihen, die heute im Mißbrauch mit Gottes Namen von seinen be- amteten Dienern getrieben werden. Wo sind, so möchte man weiter fragen, in diesen Stunden eigentlich die Männer des P f a r e r- N o t- bundes? Begnügen sie sich damit, den innerkirchlichen Kampf gegen die Terrormethoden auszufechten? Gibt es unier ihnen Märtyrer, die Gottes Gebot gegen den be- fohlenen Mord des„dritten Reiches" setzen? Wir haben bis zur Stunde nichts davon gehört. Pfarrer Dr. Nie- möller hat in seinem Prozeß um sein Ruhegehalt so- eben gesiegt: mehr hören wir von den Männern des Not- bundes im Augenblick nicht. Dafür befiehlt Reichsinnenminister Frick, Kirchen- politische Kirchhofsruhe. Aus Gründen der öffentlichen Ruhe, Sicherheit und Ordnung alle entsprechenden Aus- einandersetzungen in öffentlichen Versammlungen, in der Presse, in Flugblättern verboten. Die Fortsetzung des Kirchenkumpfes untergrabe die Schaffung einer wahren Volksgemeinschaft. Das wäre denn der Schlußstrich unter die „evangelische Freihei t". Für einen zornigen Luther, der mit Thesn und Pamphleten arbeitet, um die Kirche im Namen Gottes und der Gläubigen zu verwan- dein, ist fürderhin kein Platz mehr. Der Staatsmann hat Schweigen befohlen— im Einvernehmen mit der de- amteten Pfaffenzunft. Man oerzeihe das harte Wort. Jeder weiß, wie es gemeint ist. Die Totengräber des deutschen Proteftantis- mus werden eines Tages von anklägerifchen und rebel- lischen Protestanten zur Rechenschaft gezogen werden. Attentat auf Hitler? Die Gerüchte wollen nicht verstummen... I« Reiche schwirren Gerüchte übe» ein Attentat ans Sitter umher. Sie wollen auch nicht nach der Goebbels-Rede ver- stummen. Immer wieder wird behauptet, daß die gegen den SS.-Ftthrer Himmler gerichteten Schüsse nach seiner Rück- kehr von Schorfheide Hitler gegolten hätten. Jetzt dringt die „Bolksstimme" die Meldung, daß„Hitler am Donnerstag, dem 5. Juli 1034, durch einen Revolverschnst in die linke Hand verwundet worden sei. Gleichzeitig kündigt die „Bolksstimme"— die Meldung ist ihr erst kurz vor Redat- tionsschlust zugegangen— sür die nächste Nummer nähere Einzelheiten an. Der Attentäter soll Schweizer Staatsbürger sein. Da» Ausbleiben Hitlers aus der Flensburac» Tagung der nationalsozialistischen Gauleiter, wo man ihn bis zum letzten Augenblick erwartet hatte» soll aus dieses Attentat »urttchzustihreu sei«. Das deutsche folh und der 30. luni Stimmungsbericht aus Westdeutschland Inzwischen verzeichnen wir die protestantischen Heeresberichte weniger Tage in gedrängter Kürze. Es geht fast überall darum, daß sich die evangelischen Landeskirchen gegen die Zwangsweise Eingliederung in die Müllersche Reichskirche heftig zur Wehr setzen. Dieser Komps ist besonders in S ü d d e u t s ch l a n d stürmisch und aktuell, und immer sind die„Deutschen Christen" die Stürmböcke für das Müller-Regime. Im Hessischen Landeskirchentag scheiterte der Versuch der Ein- gliederung an der fehlenden Zweidrittelmehrheit. Es gab dabei höchst stürmische, fast bedrohliche Szenen. Man be- rief darauf sofort einen neuen Landeskirchentag ein, aber von den 50 Abgeordneten erschienen nur 29, und der Vorsitzende hob die Versammlung wegen Beschlutzunfähigkeit auf. Tie zurückbleibenden„Deutschen Christen" setzten daraufhin oie Kirchenleitung ab. wählten einen eigenen Landesbischof und beschlossen die Ein- gliederung in die Reichskirche. Also: ein richtiger Staatsstreich. Seine An- erkennung wird aber von der rechtmäßigen Kirchen- leitung verweigert. Eilends kommt Ministerialdirektor Jäger aus Berlin. Er verlangt kategorisch Abänderung der Landeskirchenverfassung und Abänderung des Prin- zips der Zweidrittelmehrheit. Wird nicht pariert— dann soll ein Kirchenkommissar mit der Rute kommen! Ader noch viel turbulenter ging es auf der Tagung der badischen Evangelischen Landessynode zu. Zwei Tage lang tobte in Karlsruhe ein Streit, über den beispiellose Einzelheiten mit offenen persönlichen Drohun- gen berichtet werden. Auch hier wurde, da die erforder- liche Zweidrittelmehrheit nicht erzielt werden konnte, die Eingliederung in die Reichskirche abgelehnt. Die Gegner der„Deutschen Christen" nannten sich bezeichnenderweise die„Positiven", um zu bekennen, daß sie das alte, gläubig-positive Christentum gegen den Ansturm der durch das Hakenkreuz gesegneten Neuerer oerträten. Das Ende war die Auflösung der Landessynode, beschlossen vom Oberkirchenrat. der aus Hörigen der „Deutschen Christen" besteht. Man fragt sich: was tut der R e i ch s b i s ch o f in dieser verzweifelten Lage? Augenblicklich versucht er in Süddeutfchland, und zwar in Baden, im Verein mit den „Deutschen Christen" die Eingliederung der Landeskirche in die Reichskirche zu erzwingen. Borher noch, am 7. Juli, sprach Müller noch in der Aula der Greifswalder Universität. Man werde, so sagte er. vielleicht zwei ' bis drei Generationen gebrauchen, ehe die Kirche eine wahre Volkskirche geworden sei. Ausgangspunkt aller Arbeit müsse das„einfache bloße Wort des Evangeliums" fein. Die Pfarrer sollten in dem Heer, das für den Heiland kämpfte, das beste Ossi- zierskorps der Welt werden, mutig, wahrhastig und in treuester Kameradschaft. Man muß nach diesen Worten die vorwurfsvolle Frage an den Herrn Reichsbischof richten, warum er nicht die besten Leute feines Offizierskorps zum Dienst beim Führer am 30.. Juni abkommandiert habe, um das ein- fache, klare Wort des Evangeliums zu realisieren. Man schreibt uns aus dem Rheinlande: Sind die Ereignisse am deutschen Volke so vorüber gegan- gen wie es in der deutschen Presse scheint? Ist das deutsche Volk so eingeschüchtert, wie es die deutschen Redakteure sind? Wagt das deutsche Volk, wagen die„Kritikaster" und„Nörg- ler" sich nun nicht mehr heraus, wird Deutschland setzt erst recht ein Kirchhof sein? Das sind die Fragen der wahren Freunde Deutschlands, die wiffen, daß von der weiteren Ent- wicklnng in Deutschland das Schicksal Europas abhängt. Dreiviertel des deutschen Volkes hätten wahrscheinlich nichts Außergewöhnliches darin gesehen, wenn Sozialdemokraten und Kommunisten in so großer Zahl abgeschlachtet worden ivären. Nicht, daß man solch ein Massenmorden gebilligt haben würde. Aber es wäre in der Tat nichts Außerordent- liches gewesen: es hätte auf der Linie gelegen, die seit dem 30. Januar lt>33 eingehalten worden ist. Es wäre„Vernich- tnng des Marxismus" gewesen. Jetzt horch» das deutsche Volk aus. Es fühlt instinktiv, daß es steht schlecht um das„dritte Reich". Nur in den ersten Tagen war alles vor Entsetzen gelähmt. Am tiefsten betroffen rvaren die Menschen vom Tode Schleichers und seiner Frau. Dieser ewige Kanzlerftürzer ivar gewiß nicht beliebt. Viele kannten seine Vergangenheit, seine Intrigen, seine machia- velliftischen Methoden der Politik. Viele hofften aber auch noch immer, daß er einmal die Nazis zusammenhauen würde. Im Geheimen erschien er manchem als der einstmalige Er- rettcr vom Nazüoch. Und so legte sich nach der Ermordung dieses Mannes eine tiefe Trauer aus große Teile des beut- ichen Volkes, ob„reaktionär", ob Mittelstand, ob Bauer, ob — Arbeiter. Man mag sich darüber wundern, aber es ist so gewesen, und es ist noch heute so. Diese ganze Aktion er- scheint dem deutschen Volke sinnlos. Sie wirkt umso auswühlender, als bis heute auch nicht der leiseste Versuch unternommen wurde, so etwas wie eine plausible Begründung sür so viele Morde zu geben. Daß Heines, daß Rohm und andere Nazigrößen wie tolle Hund« niedergeschossen wurden, erscheint mindestens den So- zialisten und Republikanern als eine Vorwegnähme der Racix. Gut, daß„die Schweine" weg sind. Hitler aber ist mindestens ebenso, so sagt die Arbeiterschaft, so sagen heute viele Bürger.„Hitler muß weg, je schneller, desto bester." Mit einem Schlage ist der Nimbus«in Hitler gestorben. Nur die ganz Dummen, die nicht denken können,„achten" Hitler noch. Während bis zum 30. Juni der Glaube an die außer- ordentliche Größe dieses Verderbers Deutschlands in der Tat sehr groß und verbreitet war, geht dieser Glaube seit dem 80. Juni schnell verloren. Man könnte hunderte von einzelnen Beispielen anführen, die beweisen, welche ungeheure innere Revolution die Mas- seu ergriffen hat. und wie sie täglich stets mehr nach der Wahrheit suchen und ste auch schließlich finden werden. In Köln war am Abend des 30. Juni ein Leben in den Straßen wie nie zuvor. Uebersallwagen mit Schupo und SS. durchrasten die Stadt. Das Volk riß sich um die Extrablätter. Gespräche wnrben geführt, wie niemals seit dem 80. Januar 1988.„Die Emigranten hat man frühe» als Lumpen bezeichnet, jetzt erschießt dieser Lump sei»« eigenen Leute" und Aehnlicheo wurde ganz offen gesagt. Die Kritik ist nicht totgeschlagen, im Gegenteil, sie wagt sich jetzt überall hervor. Das Volk fühlt instinktiv, daß Hitler am Ende ist. Au» den Straßen in den Orten des ganzen Rhein- laudes erörtert man sehr oskcn die Tinge. Der Hitkcrgruß verschwindet nach und nach. Man wagt wieder etwas, wenn auch noch bescheiden. Selbst die Beamten grüßen mit„Guten Tag", wenn sie vom Publikum mit dem gleichen Grnß an- geredet werden. Der Bann ist aebrochen. Wehe den Machthabers wenn das allgemeine Mißtraue» sich in ossenen Kamps verwandelt. Besonders wichtig ist die Entwicklung in der Schntzpalizei. Es wird immer wieder bestätigt, daß die Schnpo durchaus nicht innerlich gleichgeschaltet ist. Immer wieder werden Severingbilder aus den Spinden in den Polizeiuntcrkünften hervorgeholt. Immer wieder sagen die Schupoleute, daß es doch früher, unter Severins, hun- dert-, nein tausendmal bester war. Jetzt kennen die Beamten nichts als Drill, exerzieren und nur exerzieren. Früher hat- ten die Beamten ihren freien Mittwoch- und Samstagnach- mittag. Früher hatten sie ein Beschwerderecht. Jetzt sind sie rechtlos. Jetzt werden sie täglich gezwungen, Vollstrecker htm- melschreienden Unrechts zu sein. Und vor allen Dingen: alle suhlen, daß sie keine persönliche Zukunft haben. Die Schutzpolizisten fühlen, daß sie die Leidtragende« in einem deutschen Bürgerkrieg und Chaos werden können. Die Mannschaften, die zum großen Teil Söhne deutscher Arbeiter, kleiner Beamten und Bauern sind, wehren sich in- nerlich gegen ein System, das das Volk vergewaltigt. Die alten Beamten in der Schupo wirken als Sauerteig. Viele von den neneingestellten SA.-Leuten sind bereits an- gesteckt. Ein verläßliches Instrument wird die Schutzpolizei zur Verteidigung de? Hitlcrfystems nicht fein. Wie gesagt, ungezählte Einzelheiten liegen vor, die als Mosaik zusammengestellt, ein objektives Bild der inner- deutschen Lage ergeben. Tie sind so vielseitig, daß sie nicht alle aufgeführt werden können. Eines ist sicher: die Abrech- nung naht mit Riesenschritten. Wer führt das Volk in dem kommenden Cbaos? Werden die Männer zur Stelle sein, die verhüten, daß unnötig viel, vielleicht wertvolles Men- schenmaterial im Blute untergeht? Audi der Stahlhelm beurlaubt? Nur keine Haufen bilden Widerstand Berlin, 11. Juli. Taufende Braunhemden, die bisher der nunmehr aufgelösten SA. angehörten, laufe» jetzt zum „Stahlhelm" über, der jetzt nach Möglichkeit feine Kadre» auffüllen will, da man damit rechnet, daß er bald eine wichtige Rolle in der deutschen Politik spielen wird. Dabei wächst in Ttahlhelmkreiien ständig die Unzufriedenheit mit der Hat- tung seines Führers, des Reichsarbeitsministers Seldte, dem man vorwirft, er habe den„Stahlhelm" zugunsten der SA. vernachlässigt. Mehr und mehr fordert man Seldtcs Rücktritt von der Bundesleitung. Dazu trägt auch die Tatsache bei, daß dieser durch einen Tagesbefehl soeben den„Stahll)«lm" bis zum 18. August„beurlaubt" hat. ver unglückseligste Mens® Der Blich auf seine Hände • Paris, 11. Juli. Im„Temps" beschäftigt sich Francvis Mauriac in einem sehr wirkungsvollen Artikel unter der Ueberschrift„Ter unglückseligste der Menschen" mit der Person Adolf Hitlers, wie man sie nach dem 80. Juni sehen muß. Es heißt da u. a.: Als Hitler im Dunkel der Nacht nach München geflogen sei. habe er gewußt, daß er seine®e- fährten, seine Freunde, seine Soldaten, seine Brüder töten ivolle. Rebellen? Vielleicht. Aber sie hatten nicht nach seinem Leben getrachtet, noch ihm seine Macht nehmen wollen. Sein böser Dämon jedoch hat ihn nach nachdenken lasten. Er habe nur an seine schreckliche Aufgabe gedacht: „Tue schnell, was du zu tun hast!".... Furchtbar sei die Art, wie Hitler die Toten entehrt habe. Wenn derjenige, der dies tue, der Mör- der selbst sei, noch befleckt mit ihrem Blut, dann packt einen geradezu ein Schauder, und man kann nur noch Mitleid mit ihm haben Für den Katholiken sei es besonders schlimm, daß er zur Tötung geschritten sei. ohne den Todgeweihten die Frage zu stellen, die Jago an Desdemona gestellt hat:„Hast Du z» Nacht gebetet, Desdemona?" Er habe nicht gefragt:„Hast Du zu Nacht gebetet, Röhm," hast Du zu Nach gebetet. Heines." habt Ihr zu Nacht gebetet. Ihr armen, unbe- kannten Burschen, die sich selbst lebend dem Minotaurus ausgeliefert haben und die ich demselben Henker opfere." Wenn der Katholik Hitler an die Unsterblichkeit glaube, dann leben Röhm. Heines und die anderen alle ewig. Wie will er ihnen dann gegenübertreten, ihnen, die er ge- mordet hat? Dieser begeisterten Jugend, die geschrieen hat: „Hitler, wir hatten Dich doch so lieb!" Diese Klage erfülle die Juninackt und dringt dem Unglücklichen ins Herz, der niemals mehr Schlaf finden wird W»hl sage Hitler, er habe seine Pflicht erfüllt, weil ihm Deutschland lieber sei als feine Freunde. Ader die Menschen, die tm Blut waten, nehmen den Mund immer voll. Diese Maske habe fich der zitternde Robcspierre vor das Gesicht geduuden, und so wird es der Führer bis zu seiner Tadesstuud« tu,. Aber die Maske wird ihm nichts nützen: denn wenn er das nächstemal in einer internationalen Versammlung erscheinen wird, werde er sehen, wie unter lautlosem Schweigen alle Blicke sich auf jeitzx Hätzdx richten werde». Wer Ist mngcrkhfd worden? Berlin. 11. Juli. Der„Völkische Beobachte r" mel- det aus München, daß„über Kardinal Faulhabcr in den letz- ten Tagen alle möglichen Gerüchte umherschwirrten": die Gerüchte seien insReich derGreuelhetze zu verweisen. Gleichzeitig nimmt die Nazipresse die in ausländischen Zeitungen erschienene Meldung, es werde behauptet, daß auch der frühere Minister Treviranus sich unter den Ermordeten bc- sin de, zum Anlaß, zu erklären, daß„neue Lügenmeldungen widerlegt worden seien, da Treviranus sich in England bc- "Diese beiden Feststellungen der Nazipresse verfolgen den Zweck, in der Weltöffentlichkeit den Eindruck zn erwecken, als ob den vielen Mordmeldungcn, die in den ausländischen Zeitungen erschienen sind, kein Glauben zn schenken sei. In Wahrheit erreicht die Hitlerregierung mit ihren Dementis das Gegenteil dessen, was sie zu erreichen beabsichtigt. Ihre Haltung läßt den Schluß zu, daß alle übrigen Mordgcriichtc, von denen die Weltpresse Kenntnis genommen hat, die wirk- lichen Geschehnisse wiedergeben. Wir veröncntlichen nachstehend eine Ausstellung der Morde, die die Hitlerregierung selbst zugegeben hat, ergänzen sie durch die Mordgerüchte, die ste nicht demen- tiert bat und fügen die Namen derer an, die nach private» Meldungen getötet und deren Ermordung, ebenfalls von pri- »atcr, aber nicht von offizieller Seite dementiert worden ist. Die amtlich zugegebenen Morde: 1. General von Schleicher 2. Frau von Schleicher 8. Stabschef Röhm 4. Polizeipräsident Heines 5. Obergruppenführer Schneidhnber 6. Gruppenführer Ernst 7. Gruppenführer Schmidt 8. Gruppenführer Hayn 9. Gruppenführer von Heydebreck Berlin, ll. Juli. Für die Zeit vom S. Juli bis 18. August 1034 hat die Bundesleitung des NT. Deutscher Frontkämpser- bund lT t a h l h e l mj für den Bund allgemeinen Ur- l a» b angeordnet. Von bestimmten Ausnahmen abgesehen, hat die Bundesleitung in dieser Zeit auch das Tragen der Bundestracht verboten. Die Ausnahmen betreffen: 1. Teilnahme geschlossener Ein- heilen des Bundes bei Kundgebungen, a n denen auch andere Organisationen beteiligt sind. Die Teilnahme bedarf der Genehmigung des zuständigen Landesiührers. Ehrenpompauien dürfen hierbei Bunde»- trocht tragen. 2. Teilnahme an den für den 2. August von der Wehr- wacht angesetzten Feiern. Der 2. August 1034 ist sür den NT. Deutscher Frvntkämpferbuud lStahlhelmj, soweit er an den von der Wehrmacht angesetzten»Feiern teilnehmen kann, Dienst. Für diesen Dienst ist Bundestracht anzulegen. Die Bundesleitung hat nunmehr für den gesamten Bund die Anordnung getroffen, daß ab 1. August 1034 das alte Stahlhelm abzeichen nicht mehr getragen werden d a r j IFortjetznng steh« Seit« U . Der„gesäuberte" Reichstag lind die ratlose Reichsregierung Vertrauen der Bonzokratle Berlin, 10. Juli. Der R e i ch s t a g ist für Freitag, den 14. d. M. zusammen- berufen. * Paris, 11. Juli. Der Berliner Tonderberichterstatter des »Paris Soir", der seinem Blatte diese Meldung gibt, glaubt zu wissen, daß Hitler selbst aus Berchtesgaden nach Berlin kommen wird, um vor dem Reichstage grundlegende Aus- führungen über die Reorganisation im Innern und über die außenpolitische Lage zu machen. Mit Rücksicht auf die Bedeutung dieser Sitzung ist das Neichstagspräsidium eifrig bei her Arbeit, für die Neu- besetzung der Mandate der Abgeordneten zu sorgen, die ent weder infolge der sogenannten„Röhm-Revolte" ermordet oder eingekerkert worden sind. Bekanntlich ist im letzten Kabinettsrat das Wahlgesetz zum Reichstag dahin ergänzt worden, daß der Reichstagspräsident eigenmächtig die Nachfolger für freigewordene Mandate bc- stimmen darf, ohne an die Wahlergebnisse und Kandidaten- listen gebunden z» sein. Es ist sicher, so fügt der Korrespondent des„Paris Soir" hinzu, daß Hitler, der dem neuen Programm seiner Regie- rung eine scheinbare Zustimmung des Parlaments verschaf- sen will, vom Reichstag neue Vollmachten fordern wird, die seine persönliche Autorität noch erhöhen sollen. Sdimtfl sdieidel aus Die sorgenvolle Wirtschaftslage Im„Jntransigeant" äußert sich ein anscheinend recht gut informierter Mitarbeiter über die Wirtschaftskrise in Deutsch- land. Er verweist daraus, daß in dem Augenblick, wo sich auf dem deutschen Nahrungsmittelmarkte Schwierigkeiten ergäben, man erfahre, daß der Reichswirtschastsminister Schmidt endgültig von seinem Posten scheide. Gewiß, seine angegrif- fene Gesundheit werde vorgeschoben, aber das sei kein stich- haltiger Grund für seinen endgültigen Rücktritt. Dr. von Rintclen, der nationalsozialistische Vorsitzende eines sehr wichtigen industriellen und kaufmännischen Ver- bandes, solle Reichswirtschastsminister werden. Man berichtet übrigens, daß er bereits als Beobachter an dem letzten Kabinettsrat teilgenommen habe. Er soll sehr weitge- hende Vollmachten aus wirtschaftlichem Ge- biet wie in Zollfragen erhalten, über die man sich soeben im Kabinett schlüssig geworden sei. Werde es gelingen, die wirtschaftliche Lage des Reiches zu bessern? Welche Pläne habe man? Man werde sich schon bald darüber ein Urteil erlauben können. Aber man dürfe sich darüber keinesfalls einem Zweifel hingeben, daß die wirtschaftliche Situation im Innern Deutschlands ziemlich gespannt sei. „Vertrauenszerfair Pessimismus in der Schweiz Basel, 11. Juli. Die Basler„N a t i o n a l- Z e i t u n g" läßt sich aus Berlin berichten: Der Reichstag ist auf Freitag, den 13. Juli, 8 Uhr abends einberufen worden, um eine Erklärung Hitlers über die Lage anzuhören, über die innere und wohl auch äußere, die beide andauernd e r n st sind. Denn von einer Stärkung des „dritten Reiches" durch die Ereignisse des 30. Juni kann gar keine Rede sein. Im Gegenteil, der Vertrauens- zerfall ist zu sichtbar. Das deutsche Volk macht eine seelische Krisis durch, die der Ärifis am Kriegsende in nichts nachsteht. Tie Entwicklung i st unabsehbar. Die Säuberungsaktion war nicht ein Abschluß, sondern sie ist ein Beginn. In den Berliner Auslandsdelegationen, wohl ohne jede Ausnahme, herrscht das Urteil vor, durch die ver- hängntsvolle Aktion des 30. Juni und namentlich auch durch die Begleitumstände fei das internationale deutsche Ansehen und P r e st i g e getroffen worden, wie s e l b st i m Kriege nicht. In hiesigen ausländischen Kreisen wird die Lage in großen Zügen so dargestellt, daß der 30. Juni die Ungewißheit der deutschen Zukunft überzeugend aufzeigte, und daß das englisch-französische Militärabkommen für alle Eventualitäten genüge, ein formelles Bündnis sei gar nicht einmal nötig. von den Nicsmadiern in den Geröditemadiern Eine nene„Säiladit" wird zur Niederlage Der mißverstandene rntirer Die Miesmacher sind Gerüchtemacher geworden. Obwohl es davon bekanntlich nur ein paar Exemplare mit Selten- heitswert gibt, das ganze Volk mit glühender Liebe fund das bei dieser Hitze!) hinter dem Führer steht, wendet sich der Leipziger Polizeipräsident innerhalb drei Tagen schon zum zweiten Male gegen die drei ober vier Gerüchtemacher: „Das Polizeipräsidium Leipzig hatte bereits durch Rund- funk die Bevölkerung gebeten, sich an der eingerisse- nen Gerüchtemacherei nicht zu beteiligen. Leider aber ist dieser wohlgemeinte Rat nicht be- folgt worden und weiterhin werden von einzelnen Quertreibern Beunruhigung und Besorgnis in die Bevölkerung hineingetragen. Immer wieder tauchen an allen Ecken und Enden Gerüchte auf, daß in Leipzig Männer in hervorgehobener Stellung verhaftet oder gar erschossen worden sein sollen. Alle derartigen Angaben sind durchaus unwahr. Jeder Volksgenosse kann sich überzeugen, daß in Leipzig alle im öffentlichen Leben stehende Männer, sofern sie nicht gerade beurlaubt sind, auf ihrem Platze stehen. Das Polizeipräsidium steht auf dem Standpunkt, daß jeder, der Gerüchte erfindet oder verbreitet, die öffentliche Ruhe und Sicherheit gefährdet. Das Polizei- Präsidium wird mit diesen Gerüchtemachern und-verbreitern entsprechend verfahren." Detmold, 11. Juli. Der Leiter der lippischen Lan- despolizei erläßt eine Bekanntmachung, in der er sagt, im Verlaufe der letzten Tage hätten vier Personen in S ch u tz h a f t genommen werden müssen, weil sie geglaubt hätten, anläßlich der letzten innerpolitischen Ereignisse die SA., Partei und Staat und die vom Staat herausgestellten Personen in der Oeffentlichkeit oder im Pri- vatkreise verunglimpfen zu können. Die in Hast Genommenen sähen ihrer richterlichen Bestrafung entgegen. Er ersuche die Bevölkerung des Landes Lippe noch einmal, sich in ihren Aeußerungen im Privatkreisc und in der Oeffentlichkeit die gebotene Zurückhaltung aufzuerlegen, die im nationalsozialistischen Staat von jedem Staatsbürger verlangt werden müsse. Jeder, der, gleich aus welchen Motiven heraus, durch mündliche oder schriftliche Aeußerungen oder durch Denunziationen weiterhin Unruhe in die Bevölkerung bringe, sei ein Schädling am Staate und werde dementsprechend mit den schärfsten Mitteln zur Rechenschast gezogen. Er werbe daher jeden, der glaub> in dieser Zeit seine eogistischen, klatschsüchtigen oder politi- schen Eigenbröteleien herausstellen zu müssen, unabhängig von der einzuleitenden Strafverfolgung, sofort in ein Kon- zentrationslager überweisen. Die Mindestlast be- trage drei Monate. Das gleiche gelte für anonyme «riesschrei ber, die sich nicht einbilden sollten, daß sie nichts zu fassen feien. Die Ortspolizeibehörde Münster teilt mit: „Durch die Geschehnisse der letzten Tage veranlaßt, er- dreisten sich wiederum staatsfeindliche Personen, ihre G e- rllchtemacherei und Wühlarbeit erneut wieder auszunehmen. Mit den niederträchtigsten Behauptungen und unglaubwürdigsten Redereien über Angehörige der Reichs- regierung, der SA. und führende Persönlichkeiten der Be- wegung versucht man, diese im Ansehen zu schädigen. Um diesen staatsschädigenden Verleumdern von vornherein mit aller Schärfe entgegenzutreten, wurden inzwischen zwei Hetzer in Haft genommen. Es wird erneut darauf aufmerksam gemacht, daß in Zukunft gegen zeden, der d u r ch wilde Gerüchtemacherei das Ansehen des Staates und der Bewegung schädigt, mit allen zu Gebote stehenden Mitteln rücksschtSlos vorgegangen werden wird." Es waren nur die Luxuslimousinen der Erschossenen gemeint Streichers„Fränkische Tageszeitung" ist ärger- lich. Es scheint in Nürnberg eine Menge Leute zu geben, die Hitlers zwölf Heuchler-Punkte ernst genommen haben. Ja, diese Leute ivagen sogar, von den SA.-Führer ein Leben nach den Worten Hitlers zu fordern. Dafür werden sie von Gangster-Ttreicher wie folgt belehrt: Diese 110-Prozentigen sind auch im Augenblick wieder heftig am Werke. Sic legen nämlich schleunig st uns die zwölf Punkte aus, die der Führer dem neuen Chef des Stabes der SA. als Richtlinien für sein Wirken ge- geben hat. Und diese Auslegung erfolgt in der bekannten spießigen und gehässigen Weise. Der Führer will nicht, daß seine SA.-Führer in protzi- gen Wagen umhersahren. Das hat ein rechter SA.-Füh- rer sowieso n i e getan. Nun aber bringen wir in Erfahrung, daß diese 110-Pro- zentigcn glauben, SA.-Führer anpöbeln und v e r u n- gl i m p f e n zu können, weil sie überhaupt ein Auto- mobil benutzen. Immerhin: es ist schon allerhand, wenn im Reiche Strei- chers die Bevölkerung wagt, die SA.-Führer, diese bis jetzt allmächtigen Bluthunde und Prasser„anzupöbeln und zu verunglimpfen". Das Volk hat diese Banditen satt. 70 Personen verhaltet Illegale Druckschriften Karlsruhe, 11. Juli. Die Landesstelle des Reichsmini- stcriums für Volksaufklärung und Propaganda teilt mit: Schon seit längerer Zeit konnte die Geheime Staatspolizei feststellen, daß sich mit Unterstützung der Schweizer Kommu- nistenzentrale besonders in den Städten Singen, Na- dolfzell und K onstanz nene illegale kommu- n i st i f ch e Zellen bildeten. Nach gründlicher lieber- wachung und Vorbereitung wurden am Montag, den 0. Juli» in den ersten Morgenstunden in allen drei Städten und ver- schiedencn anderen Orten unter Leitung des Geheimen Staatspolizeiamtes sowie des Bezirksamtes Konstanz, von der gesamten Polizei, Gendarmerie und Kriminalpolizei unter tatkräftiger(!) Mitwirkung der örtlichen SS.- Formationen zahlreiche Haussuchungen durchgeführt, in deren Verlaus über 70 Personen festgenommen wurden. Ein Teil der Festgenommenen wurde wegen Be- sitzes von verbotenen, durchweg von der Schweiz einge- schmuggelten Druckschriften kommunistischer Zel- lenbildung ins Gefängnis eingeliefert. Auch beifllhren- den Jndustrieunternehmungen wurden die Belegschaften zum Teil einer Kontrolle unterzogen, die völlig reibungslos verlies und ein b e- friedigen des Ergebnis hatte. In Singen wurde eine im Spcicherraum versteckt gehaltene große marxi- stische Bibliothek aufgesunden und beschlagnahmt. Die Fahne der ehemaligen Ortsgruppe der KPD. Wollmatingen wurde ebenfalls ermittelt und sichergestellt. Ein„Verleumder" fJnpreß): Das Geheime Staatspolizeiamt in Karlsruhe teilt mit, daß der Metzgermeister Wilhelm Fritscher aus Karlsruhe verhaftet worden ist, weil er„in nicht wieder zu gebender Weise sich abfällig gegen den Reichskanzler und die Reichsregierung ausgelassen hat". Der eiserne Vorhang Die Eahne hoch, die Grenzen fest geschlossen... Die„Neue Züricher Zeitung" schreibt: Von der gesamten deutsch geschriebenen Auslands- landspresse sind in Deutschland im Straßenverkauf nur noch die Wiener„Neue Freie Presse" und die„Basler Nachrich- ten" übrig geblieben, die auf Wohlverhalten hin einstweilen noch geduldet werden, aber ständig unter Beschlagnahmungs- drohung stehen. Die sudetendeutsche„B o h e m i a" ist gleich- zeitig mit der Schweizerpresse verboten worden und teilt jetzt das Schicksal des früher in Deutschland ziemlich stark verbreiteten„Prager Tagblattes", das schon seit Monaten nicht mehr über die Grenze kommt. Die letzte Sendung des „P e st e r L l o y d", der seine tägliche Lieferung nach Berlin auf 10000 Stück steigerte, ist beschlagnahmt und das Blatt jetzt auch noch verboten worden. In Hamburg, wo die ausländischen Zeitungen fast ganz von der Bildfläche ver- schwunden sind, wurde kürzlich die„Time s" als b e- schlag nahmt erklärt und in allen Kiosken eingesammelt. In Berlin hält die Nachfrage nach französischen und eng- tischen Zeitungen, die wie frische Brötchen abgehen, unver- mindert an. Es ist nichts Ungewöhnliches mehr, wenn sogar kleine, vom Stadtzentrum abgelegene Kioske acht französische und sieben englische Tageszeitungen halten und im Laufe des Bormittags von jeder zwanzig bis dreißig Exemplare verkaufen. Als Kuriosität sei vermerkt, daß eine aus War- schau importierte, von A bis Z in hebräischer Sprache und Schrift erscheinende Zeitung„H a j n t", deren Inhalt von den Zensoren nicht zu entziffern ist, ihren Absatz in Teutschland ruckartig gesteigert hat. Man sieht die krausen orientalischen Lettern des jüdischen Blattes in verschiedenen Verkaufsstellen ausgehängt, und die Händler finden anch dafür ihre Abnehmer. sz Todesurteile- 4000 Jahre Kerker Bilanz des Hitlerterrors Die Deutsche Liga für Menschenrechte, Sektion Prag, hat eine Denkschrift versaßt, in der alle von Nazigerichten seit Hitlers Machtantritt bis zum 1. Juni 1034 aus politischen Gründen verhängten und in der Presse veröffentlichten Ur- teile aufgeführt.sind. Aus der Aufstellung ergibt sich, daß in den 16 Monaten Hitlerherrschast 03 Todesurteile, 2804 Jahre, 0 Monate Zuchthaus, 1088 Jahre, 4 Monate Gefängnis, insgesamt 3803 Jahre und ein Monat Freiheitsstrafen ausschließlich aus politischen Gründen ausgesprochen worden sind. Hinzu kommen 4 Urteile, die auf lebenslängliche Zucht- hausstrafen lauteten. Nur ein Mißverständnis München, 10. Juli. Es steht jetzt einwandfrei fest, baß in München ein vollkommen unpolitischer Mitarbeiter der „Münchner Neuesten Nachrichten" infolge einer Na- mensverwechslung" erschossen worden ist. Zustände in dieser Gangster-Regierung! Granat Einer der Mitschuldigen Die„Neue Saar-Post" schreibt: Der Staatssekretär im Ministerium Göring ist G r a u e r t. Grauert. ber Name wird nie genannt. Sein Träger legt auch Wert daraus, nicht ge- nannt zu werden. Er hat auch Grund dazu. Gerade Grauert übte einen unheilvollen Einfluß aus die Entwick- lung in Deutschland aus. Der Mann war früher Staats- anwalt. Der Demokratie nach 1018 wollte er nicht dienen. Er trat aus dem Staatsdienst aus und wurde Syndikus der nordwestlichen Gruppe der Eisenindustriellen. Seine Austrag- geber schoben ihn nach dem„Aufbruch der Nation" in das Ministerium Göring. Zuerst war er Ministerialdirektor. Dann wurde erStaatssekretär. Er übt hier einen großen und unheilvollen Einfluß aus. Der Plan zur Zerschlagung der deutschen Gewerkschaften und die Diffamie- rung ihrer Führer stammt von ihm. Die Entwicklung in den letzten Tagen lief auffallend in der von den reaktionären Großunternehmern gewünschten Richtung. Göring war der Treiber. Unter hinter Göring steht als verantwortlicher Staatssekretär noch immer Grauert. Dem kalten Juristen kann es nicht schwer fallen, den kranken Görina in der von ihm gewünschten Weise zu beeinflussen." SS. in Oranienburg Die unzuverlässige SA. verschwindet Berlin, 10. Juli. Neben Dachau ist das Konzentrations- lager Oranienburg eines der im In- und Ausland bekann- testen Marterlager der braunen Bestien geworden. Ins- besondere durch Segers Enthüllungen über Oranienburg geriet es in aller Leute Mund. Bekannt ist, daß der Führer des Lagers, der Obersturmbannführer Schäfer, ein Opfer der letzten Ereignisse geworden ist. Er konnte sich dem Blut- bad nur durch schleunige Flucht entziehen und lebt jetzt wie sein Opfer Seger außmhalb der Hakenkreuzgrenz- pfähle. Nunmehr ist die gesamte TA.-Wache des Konzentrationslagers Oranienburg abgelöst und durch SS.-Leute ersetzt worden. Als Grund wird angegeben, daß die SA.- Leute nicht mehr zuverlässig seien. Die letzten Ereignisse im „dritten Reiche" hätten sich ungünstig ausgewirkt, auch waren zahlreiche SA.-Leute als Gefangene in Oranienburg geliefert worden, deren Ueberwachung nur durch SS.- Truppen sichergestellt werben könnte. Wie lange wird es dauern, bis man die SS.-Leute durch Polizei ablöst? Eine Gruppe steckt die andere hinter Stacheldraht. So entwickelt sich das„dritte Reich"! Ein Neid! Das Essener Sondergericht verurteilte einen Einwohner, der soeben aus einjähriger Hast im Konzentrationslager zu- rückgekehrt, auf der Straße Hochrufe aus den Sozia- lismus ausgebracht hatte, zu"> Monaten Gefängnis. Der Staatsanwalt hatte nur drei Monate beantragt. Als das Urteil verkündet wurde, erklärte der Verurteilte aus eine Frage des Vorsitzenden, daß er die ihm zur Last gelegte „Straftat" jederzeit wieder begehen würde. Eine deutsche Erage Im Briefkasten eines Naziblattes finden mir die folgende Frage:„Soll man einen Unterstützten nebenbei verdienen lassen? Niemals! Dadurch, daß man einem Unterstützten eine wenn auch kleine Arbeit gibt, schädigt man die Gesamt- heit, indem man einem Handwerker Arbeit entzieht. Dazu wird, wie immer wieder hervorzuheben ist, Schwarzarbeit wie Vergebung von Schwarzarbeit als Betrug bestraft." Die Saar und die öangsterinorde Wie man im keim über sie Stimmung der Saarländer log! Das„Hakenkreuzbanner" in Mannheim (Nr. 309) läßt sich von„unserem ständigen Saar-Korrespondenten" berichten: Die Bevölkerung, durch die überraschende Aktion des Führers sichtlich beunruhigt, begriff schnell, was sich tatsäch- lich im Reiche abspielte. Sie verstand, dag der Kanzler nicht länger gewillt war, unwürdige und unfähige Männer in Amt und Würden zu lassen. Sie empfand eine ungeheure Hochachtung vor der Wucht, der inneren Geschlossenheit und Stärke der Bewegung, die selbst nicht vor hohen und höch- sten Männern Halt machte und rücksichtslos Mißstände und Uebergrifse ans Tageslicht zerrte.Um so freudiger wurde in diesen Tagen der Arm zum deut- schcn Gruß erhoben, weil man instinktiv empfand, welche Gefahr durch das entschlossene Verhalten Adolf Hitlers von dem deutschen Volke abgewendet wurde. End- lich fanden die bekannten zwölf Punkte an den neuen Stabs- chef ungeteilte Zustimmung. Seit zwei Monaten wird im Reich der Kampf gegen Saboteure und Miesmacher geführt. Derselbe wurde vom Saarvolk nicht immer richtig verstanden. Heute weiß man: Der Kampf gegen die Saboteure, gegen die unterirdischen Giftküchen, die sich nicht scheuten, ein Todcsscrum für das eigene Volk zu brauen, dieserKampfistzu Ende. Die im Saargebiet erscheinende gleichgeschaltete katho- lische„Saarpfalz" weiß ganz anders über die Stimmung der Saarländer zu berichten. Sie leitartikelt am 3. Juli: Es gehen im Zusammenhang mit den Vorkommnissen des 39. Juni, 1. und 2. Juli in Deutschland mancherlei Gerüchte um. Wir sind leider bis heute nicht in der Lage, alle Gerüchte, die zum Teil sogar gedruckt wieder- gegeben werden, zu widerlegen, da uns bis heute eine amtliche Verlautbarung aus Deutsch- land nicht zugegangen ist. Wir nehmen an, daß es der deutschen Regierung bis heute nicht möglich war. eindeutig und klar„Ursächlichkeit, Tatsächlichkeit und Verlauf der Staatsnotwehr" darzulegen. Es ist jedoch mit unserer Annahme allein nicht gedient? denn wir fragen uns mit Recht, woher alle diejenigen, die von uns Ausklärung fordern, inzwischen ihre Aufklärung erhalten. Dabei sind wir durchaus der Auffassung, daß es der Presse der„deutschen Front" schlechthin abträglich ist, wenn sie nur Meldungen zu widerlegen versuchen muß, über deren Uu- rtchtigkeit sie nicht einmal orientiert ist. Wir haben wiederholt dazu Stellung genommen und bekennen das auch heute wieder, daß wir nicht mit gewissen Mc- thoden, die vielleicht im Reich angebracht sein mögen, über- einstimmen, so weit es unsere engere Heimat betrifft. Nach dem Ablauf der Dinge glauben wir auch das Recht zu haben, heute festzustellen, daß diese unsere Meinung richtig war und ist. Daß diese unsere Auffassung ausgerechnet erhärtet werden muß an den Vorkommnissen des 89. Juni, 1. und 2. Juli, ist für uns besonders tragisch? wir haben immer versucht, gerade unsere jaardeutschen Interessen in Einklang zu bringen mit den reichSdeutschcn Interessen: b. h. wir waren, sind und bleiben der Auffassung, daß es für alle nur ein Ziel geben kann, die Rückkehr zum deutschen Bater- land. Für dieses Ziel haben wir uns immer eingesetzt. Man darf uns aber auch diese Arbeit nicht allzusehr erschweren. Insbesondere darf man uns nicht zumuten, z» manchem zu schweigen, was hier nicht verschwiegen werden darf.— Dabei wollen wir gar nicht an diejenigen erinnern, die uns zugemutet haben, über gc- wisse Fragen solange zu schweigen, als unsere engere Heimat noch nicht zurückgegliedert ist. Wir betonen, daß wir diesen Dilettanten st andpunkt ab- lehnen. Es ist für uns durchaus untragbar, baß wir nach Ablauf einer Woche noch nicht einmal in der Lage sind, über diejenigen Vorkomm- nisse amtlich zu berichten, die heute nicht nur das Tagesgespräch im Reich, sondern auch im Saargebiet bilden. Alles fragt sich, wo- hin zielte das Komplott, ivie waren die Zusammen- hänge und wer waren die Führer des Komplotts. Das ist und bleibt heute, morgen und übermorgen die große Frage, die beantwortet werden muß. Wir hoffen und wünschen, daß über diese Fragen baldigst Ausklärung gegeben wird. Totenamt „Ein Requiem ist Rache nicht, ein Requiem nicht Sühne" Saarbrücken, den 11. Juni 1934. ^Jn der größten Kirche des Saargebietes, St. Michael, in Saarbrücken wurde heute morgen ein Requiem für den ermordeten Katholikenführcr Berlins, Dr. Klausener abge- halten. Trotz der ungewöhnlichen Stunde war das Gottes- Haus überfüllt. Katholiken aller Stände trauerten um ihren vorbildlichen Führer. Der Altar war mit einem riesigen Trauerflor versehen. Die Fahnen sämtlicher katholischer Bcr- bände hatten Ausstellung genommen und waren ebenfalls beslort. Prälat Schlich bat zum Schluß de? Requiems die Gemeinde, zwei Vaterunser„für den eines gewaltsamen Todes gestorbenen katholischen Führer" und ein Vaterunser „für unser armes, gequältes Vaterland" zu beten. vle sdiwer erschütterte Saar Pariser Meinung Paris, 11. Juli. Der„Petit Parissen" macht längere Aus- führungen über die Aussichten der Rückgliederung des Saar- gebictes an Deutschland. Er meint, daß die Führer der „deutschen Front", Pirro, Röchling, Kiefer und Levacher, nach Berlin gereist seien, um Hitler über die katastrophale Lage der Hitlersreunde im Saargcbict zu unterrichten. Dazu habe beigetragen die wirtschaftliche Situation des Reiches, dann aber auch die Wirkung, die die Ereignisse des 3 9. Juni ge- habt hatten. Mau könne ruhig sagen, daß die„deutsche Front" sich in voller Auflösung befände, ivährcnd die Anhänger des Status quo täglich neuen Zulauf erhielten. Nach der Ver- traucnSkrifc um die Mark gebe es jetzt an der Saar eine Vertrauenskrise an dem ehrlichen Willen der deutschen Regie- rung. Man könne wohl sagen, daß die Sache des jetzigen Saarregimcs aus dem besten Wege sei, d. h. das kaum Ans- ficht zu einer Rückgliederung des Saargebieteo an Deutsch- land bestände. Täglich Saar-Jusiis Was sagt die Abstimmungskommission? Landgerichtsdirektor Kilz in Saarbrücken hat als Vor- sitzender des Schnellgerichts den Emigranten Peter Pitz mit 3 Monaten und 3 Tagen Gefängnis bestraft, wegen des Zusammenstoßes in St. Arnual, anläßlich der Rück- kehr des Bundes der Opfer des Kriegs und der Arbeit von ihrem Sonntagsausfluge. Der Umzug des Bundes mit Musik war polizeilich genehmigt. Der Landgerichts- direktor erlaubte sich nach dem Prozeßbericht folgende unerhörte Bemerkung: „Der Zug stellte an sich eine Provokation dar, wenn er auch genehmigt war." Der Landgerichtsdirektor denkt, wie jeder kleine Polizei- beamte im Saargebiet auch: Alle Umzüge mit Hitler- Anhängern und Heil-Hitler-Rufen sind angemessen und stellen eine Provokation der freiheitlich gesinnten Be- völkerung nicht dar. Allß Umzüge der Hitler-Gegner da- gegen sind von vornherein ein Provokation und eine unzulässige Herausforderung der saarländischen Be- völkerung. * Solange die Beamten des Saargebietes dieser immer wieder bewiesenen Einstellung huldigen, verletzen sie ihre Neutralitätspflicht und geben Ursache für bedauernswerte Zusammenstöße. Diese einfache Wahrheit scheint für den größten Teil der Beamtenschaft unfaßbar zu sein. Will die Abstimmungskommission hier nicht einmal gemein- verständlich eingreifen? mer fünf lade- dort drei Monate! Unhaltbare Urteile vor dem Saarbrücker Schnellgericht Am Samstag wurde der Verteiler der„Volksstimmc", der Hüttenarbeiter Heinrich Fixe mer von zwei National- sozialisten überfallen, niedergeschlagen und schwer mißhan- delt. Noch auf den am Boden liegenden drang man ein, ver- letzte ihn schwer an Händen und Armen und entriß ihm den Packen Zeitungen, den er noch bei sich trug, wobei er mit Heftigen Fußtritten und Schlägen auf die Brust und Seite reguliert wurde. Als der Gegner fast besinnungslos dalag und sein Bruder inzwischen zur Hilfe herbeieilte, suchten die großartigen Nachahmer ihres Adolfs Hitler schleunigst daS Weite. Mittlerweile war es gelungen^ die Personalien des einen Täters festzustellen. Ab«r noch ehe der Name deS zweiten ermittelt werden konnte, fuhren fünf Nazis auf Rädern vor, die die Auskunft gebenden Angenzeugen auf solch eindrncksvolle Art verscheuchten, wie fie bei den Herreu Hitlerianern beliebt ist! Der eine der Schläger hat sich zu verantworten. ES ist der 28jährige Schlosser Anton Gaul. Gemeinschaftlich han- delnd mit einer bisher nicht ermittelten Person, wird ihm gefährliche Körperverletzung und Nötigung vorgeworfen. Was sagt der Herr Nationalsozialist? Wir kennen die Taktik dieser„Kämpfer" zur Gebühr: Der Gegner wird erledigt, aber nachher ists man selber niemals gewesen, da wird die Verantwortung für eine feige Tat— zwei gegen einen— auf keinen Fall übernommen. So auch heute: Gaul erklärt in seiner Einlassung, daß der„Unbekannte", derjenige wel- cher es gewesen wäre.... Er hätte lediglich als Augenzeuge dabei gestanden, nachdem ihm der Zeituugs»erteil«r ein« „Volksstimme" in die Hand gedrückt habe... Das Gericht unter dem Vorsitz von LandgerlchtS-Direktor Öfter fällt den Spruch: Wegen gefährlicher Körperverletzung sag««nb schreibe vier Tage Gefängnis, wegen Nötigung zwei Tage, eine Strafe, die in insgesamt fünf Tage Gefängnis zusammen- zuziehen ist. Strafmildernd wird beurteilt, daß der Angeklagte noch nicht vorbestraft ist.. * Wir erheben die Frage an die Verantwortlichen: Auf welche Strafe wäre erkannt worden, wenn ein Verteiler der „Deutschen Front" oder Herrn Schlemmers„Abendblatt" von Antifaschisten überfallen und niedergetrampclt worden wäre? Die letzten Urteile der Saarjnstiz, die um das heutige er- gänzt werden, würden es begreiflich erscheinen lassen, wenn über einen solchen Delinquenten das Höchststrafmaß in der erdrückenden Schwere des Gesetzes verhängt würde. Auch am Montag stand ein Nichtvorbestrafter vor dem Schnellrichter. Er hatte einen Gegner, der die behördlich ge- nehmigte Demonstration, an der er teilnahm, dauuernd pro- vozierte, einen Schlag versetzt. Dafür wurde er von der Polt- zei so„sanft" aus dem Zug gerissen, daß seine Kleidung zer- fetzt war. Für diesen Angeklagten gab es drei Monate Ausenthalt im Freiquartier der Lerchesslur, und er wurde sofort in Hast genommen. Was wollt ihr? Ein anti- faschistischer Emigrant! Wie ist sein„Fall" mit dem eines aufrechten Hitlerlämpfers zu vergleichen? Daß er nicht zu vergleichen ist, bestätigen die süns Tage Gefängnis, die die Saarjustiz am Tienstaamittag über den braunen Schläger verhängte, Unruhe in der„deutschen Front" Bisher hat die gleichgeschaltete Presse an der Saar zu allen Untaten des Hitlerregimcs im Reiche geschwiegen. Sie hielt„Disziplin", um den Abstimmungskampf und das Rückgliederungsziel nicht zu gefährden. Aber damit ist es jetzt aus. Die Menschen an der Saar sind unruhig und ungläubig geivorden. Sie lassen sich die Vertuschungen und Beschönigungen ihrer Presse nicht lange mehr bieten. In diesem Gefühl wagen sogar die gleichgeschalteten Zeitungen ernste Mahnungen und besorgte Fragen. In der Erwartung der Reichstagssitzung schreibt die katholische„Saarbrücker Landeszeitung": Es ist nicht gut anders möglich, als daß der Reichs- kanzlcr bei dieser Gelegenheit eine rückhaltlose Darlegung der tragischen Vorgänge gibt, von denen da? Volk bislang eine nur sehr unklare Vorstellung hat. Darüber hinaus wird es notwendig sein, endlich die Namen der Getöteten be- kannt zu geben und das Maß der Schuld an- zugeben, das ihnen zugewiesen wird. Wir sagen das gerade vom Saargebiet aus, das seit dem 30. Juni von einer Agitation heimgesucht wird, wie sie in dem Kamps der letzten anderthalb Jahre hier wohl nicht erlebt worden ist. Die deutschfeindlichen Blätter über- bieten sich gegenfeitig in den Bemühungen, das Dnnkel, das noch immer die Aktion des 39. Juni umgibt, auszu- nutzen In diesen Tagen eines noch dunklen Ge- fchehens war hier an der Saar manches Wort der Sorge und der Kritik zu hören. Aber das berührte nicht die große geschichtliche Aufgabe, für die wir hier, eine der letzten Schlachten des Weltkrieges schlagend, als Deutsche im Kampfe stehen. Dieser Kamps ist kein politischer Kampf. Wir kämpfen nicht für ein System, sondern für das deutsche Volt. Wir kämpfen nicht für Personen, sondern für das Reich. Diese Feststellungen, denen die Haltung der überwäl- tigenden Mehrheit der Saarbevölkerung entspricht, hin- dern uns nicht, dieser und jener unlieb- sauten Erscheinung i n Deutschland deutlich unser Mißfallen auszudrücken. Sie hindern uns auch nicht, im Namen der Wahrheit und Klarheit offene Aufklärung über das zu verlangen, w a s s i ch s o eben in Deutschland ereignet hat. Wir fordern diese Aufklärung auch über das von uns bereits wieder- gegebene Gerücht, daß die Leiche Dr. Klauseners auf Veranlassung amtlicher Stellen eingeäschert worden sei. Ein Dementi dieser im Saargebiet seit Tagen verbreiteten Mitteilung ist bisher noch nicht erfolgt, e s b e- steht deshalb aller Grund zu der Annahme, daß sie wirklich zutrifft. So geht es noch eine Weile weiter. Die Aktienmehrheit der„Saarbrücker Lanöeszeitung" befindet sich in den Hau- den der Reichsregierung. Selbst der sich daraus ergebene Zwang wird durchbrochen durch die„Worte der Sorge und der Kritik", die heute allenthalten an der Saar vernchm- bar sind. Hinzn kommt, daß die ganze„deutsche Front" sichtbar zu wanken beginnt. Es gibt dafür eine Reihe von Symptomen. Das„N a t i o n a l b l a t t", Organ der NSDAP, in Trier, schreibt, man könne sich des Ein- drucks nicht erwehren,„daß hier Kräfte am Werk sind, die zioar in der„deutschen Front" tätig sind, die aber in einer wahrhaft deutschen Front nicht die Spur zu suchen haben dürften. Kleine Geister sind es, die das er- bärmliche Ich der eigenen Person und eineö' winzigen Ge- bicteZ über das dcuijche Volk, über unser Deutschland stellen. Einerlei, wo immer diese seltsamen„Patrioten" heute noch stehen mögen, einmal wird ja doch der deutsche Mensch an der Saar sein Urteil fällen über diese mehr als minderwertigen Zeitgenossen, die uns heute noch zu klein und häßlich sind, als daß wir es nötig hätten, st: ins Rampenlicht der Oesfentlichkeit zu zerren und den Deutschen an der Saar und denen im Reich zu sagen: Seht sie euch an, die Saboteure, die gemein- gefährlicher und lumpiger sind als die offe- neu Verräter an der deutschen Saar! Auch die Stunde dieser heuchlerischen„Patrioten" kommt!" Diese Zeilen versetzen die„Saarbrücker Landeszeitung" in helle Empörung. Das Trierer Blatt, das die deutsche Saarpresse grob und unbefugt verdächtige, hatte die Pflicht, etwas offener zu reden Kurz, die Aera der„Volksgemeinschaft" ist auch an der Saar vorbei. Das Volk ist beunruhigt und seine„Führer" geraten sich unter„Heil Hitler!" in die Haare. Stolz weht die Flagge... Seltsame Erinnerung Di« deutsche Presse erinnert begeistert daran, daß vor IS Jahren die französischen Fahnen, die den Franzosen abge- liefert hätten werden sollen, von Soldaten aus dem Zeug- haus geholt und vor dem Denkmal Friedrichs H. verbrannt worden sind.— Seltsam wenig aber spricht die Presse von dem Kommandanten dieses Ueberfalls. Es war ein Leutnant namens Simons, dessen Urgroßmütter und Großmütter den Anforderungen, die man heute an sie stellt, nicht mehr ge- wachsen wären.— Fast so ironisch wie die Tatsache, daß man bei den Tkagerakseicrn die Fahne schwarz-,veiß-rot wehen ließ, ohne zu bedenken, daß der Verfasser des Flaggrnliedes jüdisch gelebt hat und jüdisch gestorben ist. Was alles..Landesverrat" ist In der volkswirtschaftlichen Beilage des„Völkischen Beobachters"(Nr. 166) schreibt Bernhard Köhler: „Es ist Landesverrat lim Original fett gedruckt. Red.) wenn erklärt wird: Die Arbeitsschlacht kann nur gewonnen werden, wenn der Außenhandel wieder in Ord- nung kommt: denn das bedeutet nichts anderes, als daß das Ausland, das sich doch an unserem Außenhandel be- tciligen muß, darüber zu befinden hat, ob daS deutsche Volk seine Arbeit tun und von seiner Arbeit leben darf oder nicht." Man könnte auch noch einen kleinen Schritt weiter- gehen und erklären: Es ist Landesverrat, wenn einer be- hauptet. daß zweimal zwei vier ist. daß man Kühe füttern muß. um sie melken zu können, oder daß beim Abzug FrößerLx Zfl.&iin von klemeren sich ein Minus ergibt,.. Die Marburger Rede Am 17. Juni hielt Vizekanzler von Papen seine vielbeachtete Rede vor dem Marburger Universitätsbund. Vierzehn Tage später wurde ihr Verfasser Dr. Edgar Jung ermordet Aus Wunsch einer Anzahl von Lesern veröffentlichen wir nachstehend einige Auszüge auS Papen:8 Mai' burger Rede. Der Autor dieser Rede. Dr. Edgar Jung, ein Vertrauensmann des B.zekan» erS gcyorr zu den Ermordeten des 30. Juni. Die Rebe gibt einen interessanten Einblick m die Gedankenwelt oerer oe Heilte.Reaktionäre' in Hitler-Deutschland sind. Einige dieser Ideen werden in der kommenden Entwicklung» phase noch eine Rolle spielen. DaS Geschehen der lebten anderthalb Jahre hat das ganze deutsche Volk ersaßt und in seinen Tiefen aufgewühlt. Fast wie ein Traum liegt es über uns. daß wir aus dem Tal der Trübsal, der Hoffnungslosigkeit,des Hasses und der Zer- klüstung wieder zur Gemeinschaft der deutscheu Ratio» zu- rllckgesunden haben. Diese Einheit des Geistes haben wir in dem Rausch von tausend Kundgebungen, Fahnen und Festen einer sich wiederfindenden Nation erlebt. Nnn aber, da die Begeisterung verflacht, die zähe Arbeit an diesem Prozeß ihr Recht sor- °crt, zeigt es sich, daß der Säntcrnngsprozeß von solch historischem Ausmaß auch Schlacken erzeugt, von denen er sich reinigen muß. Schlacken dieser Art gibt es in allen Bezirken unseres Lebens, in den materiellen nud den geistigen. Das Ausland, das uns mit Mißgunst betrachtet, weist mit dem Finger aus die Schlacken und dcuttet sie als eiueu ernsten Zerseßungsprozeß. Es möge sich nicht zu früh freuen, denn wenn wir die Energie aufbringen, uns von diesen schlacken zu befreien, dann beweisen wir gerade damit am besten, wie stark wir innerlich sind, und wie entschloffen, den KZeg der deutschen Revolution nicht umfälschen zu lassen. 29ir wissen, daß die Gerüchte und das Geraune aus dem Dunkeln, in das sie sich flüchten, hervorgezogen werden Glissen. Ein« offene und männliche Aussprache frommt dem Zutschen Volke mehr als beispielsweise der venttllose Au- stand einer Presse, von welcher der Herr Reichsminister für Klolksaufklärung und Propaganda festgestellt hat, daß sie »kein Gesicht mehr habe'. Dieser Mangel besteht ohne Lwcisel. Wenn die berufenen Organe der össcutlichcn Mci- »nng daS geheimnisvolle Dunkel, welches znr Zeit über h'e deutsche Bolksstimmung gebreitet scheint, nicht genügend Achten, so muß der Staatsmann selber eingreisen und die Dinge beim Namen nennen. Ein solches Vorgehen soll beweisen, daß die Regierung l ark genug ist, anständige Kritik zu ertragen, daß sie sich des alten Grundsatzes erinnert, wonach nur Schwächlinge keine Kritik dulden. Wenn das Ausland behauptet, in beut- schcn Landen sei die Freiheit gestorben, so soll es durch die Offenheit meiner Darlegungen darüber belehrt werden, daß die deutsche Regierung eS sich leisten kann, von sich aus brennende Fragen der Nation zur Debatte zu stellen. Dieses issecht erwirbt sich allerdings nur, wer sich ohne Vorbehalte dem Nationalsozialismus und seinem Werke zur Verfügung gestellt und ihm seine Loyalität bewiesen hat. ♦ ^ Daran? ergaben sich auf politischem Gebiet folgende klare Forderungen. Die Zeit der Emanzipation des jeweils nied- rigsten Standes gegen die höheren Stände ist vorüber. Dabei geht es nicht darum, eine» Stand niederzuhalten— das wäre Reaktionär—» sondern zu verhindern, daß ein Stand aussteht, sich des Staates bemächtigt, und für sich den Totalitäts- Anspruch erhebt. Jede natürliche und göttliche Ordnung muß '0 verloren gehen, eS droht die Revolution in Permanenz, «uz der Demokratie kann eine anonyme Tyrannin werden, während aus echter verantwortlicher Herrschaft niemals bie Vernichtung der Volkssreiheit hergeleitet werden kann. 3ch weiß, wie sehr der Führer wünscht, daß im Volke das Gefühl für echte, verantwortliche gerechte Herrschaft lebendig bleibt. Deshalb meine ich, wird der dentsche Staat dermaleinst seine Krönung in einer StaatSspitze finden, die ein fstr alle« mal>u politischen Kämpfen, der Demagogie und dem Streit de, wirtschaftlichen und ständischen Interesse« ent- rückt ist. , Neben dem Erfordernis eines HerrfchaftSprinzipS aus lcherer Verantwortung und übcrpersönllcher Dauer steht— ['.$ gegenseitig bedingend— die Notwendigkeit der Stiftung 'Ner neuen sozialen Ordnung. DaS Gefühl ihrer Notiven- Ijßkeii bewegt alle europäischen Völker, welche die gewaltigen Veränderungen der Industrialisierung, der Verstädterung. Technisierung und der Kapitalisierung durchgemacht ^ben. Daß diese Sehnsucht nach sozialer Neuordnung ins- ''-sondere im Faschismus und Nationalsozialismus lebt, "«cht nicht besonders betont zu werden. Andererseits aber ^kennen wir, wie ungemein schwierig es ist, Masse, die den "»sammenhang mit Blut und Boden verlor, wieder in Volt ^Urückzuverwandeln, da doch die gesunden ständischen Be- wvgungen und Rangordnungen im liberalen Zeitalter ver- wren gegangen sind. . Der Nationalsozialismus legt deshalb entscheidenden Wert °rauf, die Seele dieser Massen zunächst für Volk und Staat Zurückzugewinnen. Dies geschieht in der Hauptsache durch Erziehung, Zucht und Propaganda. Das nationalsozialistische System erfüllt somit zunächst die Ausgaben, zu welcher der Parlamentarismus zu schwach geworden war: den»nmittel- ''"ren Kontakt mit den Massen wiederherzustellen. ES ist so °'ne Art von direkter Demokratie entstanden, der es ge- ^Ngen ist die dem Staat entgleitenden Massen wiederzu- ^Winnen.' Hinter dieser zeitbedingten Notwendigkeit steht "ber al« revolutionäre» Ziel ein viel größeres: die Stiftung ''"«r sozialen Ordnung, die aus gemeingültigen, organischen ^rmen beruht, und nicht nur auf einer geschickten BeHerr- 'chung de, Masse. Die Vorherrschaft einer einzigen Partei an Stelle des mit »iech« verschwundenen Mehrparteiensystemö erscheint mir Geschichtlich als Uebergangszustand. der»nr solange Be- 'echtigung hat. alS eS die Sichern«« deS Umbruchs ver. l°«fit und die personelle«nslese in Funktion tritt. die Logik der antilibcralcn Entwicklung verlangt daS einer organischen politischen W'a-n^löung d. Freiwilligkeit aller Volksteile beruht. Nur orgamsche ^«dt ,tij M« überwinden die Paste: Mi» H ne j5L~ liche Volksgemeinschaft, die am Ende dieser Revolution stehen muß. * Ein Staat muß sich entscheiden, ob er religiös oder weltlich sein will. Die geschichtliche Logik verlangt, daß aus den liberalen weltlichen Staat von 1789 der religiös fundierte Staat der deutschen Gegenrevolution folge. Man soll aber den religiösen Staat, der sich auf ein lebendiges Gottes- bekcnntnts stützt, nicht etwa mit einem verweltlichten Staat, in dem diesseitige Werte an Stelle des JcnscitsglaubenS gesetzt und mit religiösen Eh-'" verbrämt werden. Auch hier gilt ein Wort des Führers aus dem Wert„Mein Kampf', wo er schreibt:„Ich stehe nicht an zu erklären, daß ich in den Männern, die heute die völkische Bewegung in die Krise religiöser Streitigkeiten hineinziehen, schlimmere Feinde meines Volkes sehe, als in dem nächstbesten inter- national eingestellten Kommunisten." Gewiß ist die äußere Achtung vor dem religiösen Bekenntnis ein Fortschritt gegenüber jener ehrsurchtlosen Haltung, wie sie ein ent- arteter Rationalismus zeigte. Aber wir dürfen nicht ver- gessen, daß wirkliche Religion die Bindung an Gott und nicht an jene Ersatzmittel ist, die gerade durch die materiali- stische Geschichtsauffassung eines Karl Marx in da» Bewußt- sein der Völker eingeführt worden sind. Wenn nun weite Kreise, gerade auS dem Gesichtspunkt des totalen Staates und der restlosen Einschmelzung des Volkes heraus eine einheitliche Glanbensgrundlage sor- der», so sollten sie nicht vergessen, daß wir glücklich sein müssen, eine solche Grundlage im Christentum zu besitzen. Auch als Katholik habe ich Verständnis dafür, daß eine aus Gewissensfreiheit ausgebaute religiöse Ueberzeugung es ablehnt, sich von der Politik her im Ureigensten kom- mandieren zu lassen. Man soll sich deshalb nicht darüber hinwegtäuschen, daß etwa aufgezwungene Glanbenskämpse Kräfte auslösen würden, an denen auch Gewalt scheitern muß. Man solle auch jenen Kreisen, die eine neue arteigene, religiöse Einigung erhoffen, sich einmal die Frage stellen, wie sie sich die Erfüllung der deutschen Aufgabe in Europa vorstellen, wenn wir uns freiwillig aus der Reihe der christlichen Völker ausschalten. Jedes Wirken in den euro- päischen Raum hinein erscheint mir unter solchen Voraus- setzungen als unmöglich. Die Tatsache einer gemeinsamen europäischen Kultur und Zivilisation, für die wir selbst soviel beigesteuert haben, verpflichtet trotz aller völkischen Besonderheit der einzelnen Kulturleistung. Wir dürfen uns nicht geistig an den Grenzen abschließen und uns freiwillig in Ghetto begeben. Hier liegt die wirkliche Reaktion, das Sichoerschließen gegenüber der geschichtlichen Notwendigkeit und der Sendung eines Volkes, das, wenn es ein wirkliches großes Volk war, noch immer den Gedanken des Reiches gepflegt wird. Erneuerer sein, heißt, über die zeitlichen Vorteile und Vorurteile hinwegblicken, nach jenen ewigen Ordnungen streben, die zu allen Zeiten und bei allen Na- tionen in der Sehnsucht der Besten lebte. Es hat keinen Zweck, vor sich selber zu verbergen, daß eine gewisse Kluft zwischen dem geistigen Wollen und der täglichen Praxis der deutschen Revolution sich ausgetan hat. Die Führung wird darüber zu wachen haben, daß kein neuer Klassenkampf unter andern Feldzeichen sich wieder- holt. Tie will das VolkSganze und lehnt es deshalb bei aller Anerkennung nationaler Verdienste ab, das Volk für alle Zeiten in eine bevorrechtete Klasse und eine solche minderen Recht» einzuteilen. Eine solche Haltung entspräche nicht dem fast hundertprozentigen Bekenntnis des deutschen Volkes vom 12. November 1933 zur neuen Staatsftthrung. Zwar ist eö selbstverständlich, daß die Träger des revolutionären Prin- zips zunächst die Machtpositionen besitzen. Ist aber eine Revolution vollzogen, so repräsentiert die Regierung nur die Volksgesamtheit, niemals aber ist sie Exponent einzelner Gruppe»! sie müßte sonst bei der Bildung der Vvlksgcmein- schaft scheitern. Dabei muß mau auch mit falschen romantischen Borstellungen brechen, die in das 20. Jahrhundert nicht passen. So können wir nicht hpran denke», die Einteilung des Volkes nach altgriechischem Muster in Spartiate« nud He- loten z« wiederholen. Am Ende einer solche« Entwicklung hatten die Spartiate« nichts zu tun, als die Heloten nieder» zuhalte«, wodurch die außenpolitische Kraft Spartas ge- schwächt wurde. Im Staate der wahren Volksgemeinschaft muß einmal der innerpolitische Schlachtruf verstummen. Ge- miß muß es eine Auslese geben. Aber daS natürliche AuS- gliederungS- und AuSleseprinzip ist nicht durch das Bekennt- niS zu einer bestimmten Formation zu ersetzen, solange die Motive dieses Bekenntnisses unerforschbar bleiben. Darum hat der RS. immer dafür gekämpft, das Parteibuch durch menschliche Bewährung und Leistung abzulösen. Andererseits ist der Adel nicht nur ein Bluts-, sondern auch ein geistiges Prinzip. Es geht deshalb nicht an, de« Geist mit dem Schlag- wort Intellektualismus abzutun. Mangelnde» und primi- tiver Intellekt berechtige« noch nicht zum Kampf gegen In- tellektualismus. Und wenn wir uns heute manchmal über Ivo Prozent Nationalsozialisten beklagen, dann sind es solche Intellektuellen ohne Boden, solche, dio Wissenschaftlern von Weltruf ihre Existenz bestreiten möchten, weil sie kein Parteibuch besitzen. Der im Wesen und im Blute wurzelnde Geist ist aber charaktervoll, unbestechlich, der Erkenntnis und dem Gewissen verhaftet. Ihm gilt unter allen Umständen die Achtung der Nation, weil sie eine Sünde wider die Schöpfung begeht, und sich selbst verleugnet, wenn sie den Geist ver- neint. Hüten wir uns vor der Gefahr, die geistig«« Menschen von der Nation auszuschließen, nud seien wir des Umstandcs «ingehenk, daß ass/I Große auA jem Leiste kommt, anäh in der Politik. Man wende auch nicht ein, die geistigen Menschen entbehren der Vitalität, ohne die ein Volk nicht geführt wer- den könne. Der wahre Geist ist also lebenskräftig, daß«r sich für seine Ueberzeugung opfert. Die Verwechselung von Vitalität mit Brutalität würde eine Anbetung der Gewalt verraten, die für ei« Volk gefährlich wäre. Uebelster Intellektualismus ist allerdings die Herrschaft des'Schlagwortes. Da gibt eS grundliberalc Leute, die keinen Say aussprechen, ohne das Wort liberalistisch zu mißbrauchen. Tie meinen, die echte Humanität wäre liberalistisch, wo sie doch in Wahr- heit eine Blüte der antik-christlichen Kultur ist. Sie bezeich- nen die Freiheit als liberalen Begriff, wo sie doch in Wahr- heit ungermanisch ist. Sie gehen an gegen die Gleichheit vor dem Richter, die als liberale Entartung angeprangert wird, wo sie doch in Wirklichkeit die Voraussetzung jedes gerechten Spruches ist. Diese Leute unterdrücken jedes Fundament des Staates, das noch alle Zeit, nicht nur in liberalen Zeiten, Berechtig- kctt hieß. Ihre Angriffe richten sich gegen die Sicherheit und Freiheit der privaten Lebenssphäre, die sich der deutsche Mensch in Jahrhunderten schwerster Kämpfe errungen hat. ♦ Auch der Satz„Männer machen Geschichte' wird häufig mißverstanden. Mit Recht wendet sich deshalb die Reichs- regierung gegen einen falschen Personenkult, der das un- preußischste ist, was man sich nur vorstellen kann. Große deutsche Männer werden nicht durch Propaganda gemacht, sondern wachsen durch ihre Taten und werben anerkannt von der Geschichte. Auch Byzantinismus kann über dies, Gesetze nicht hinwegtäuschen. Wer deshalb von Preußentum spricht, soll zunächst an stillen und unpersönlichen Dienst, aber erst zuletzt, am besten gar nicht, an Lohn und Anerkennung den- kcn. Die Erziehung eines Volkes zum Dienst am Staat ist ein selbstverständliches Gebot und muß um so härter einsetzen, je lässiger sie von dem Weimarer Regime gepflegt wurde. Aber man soll sich ttbrt die biologischen und psychologischen Grenzen der Erziehung nichts vormachen. Auch der Zwang endet an dem Selbstbehauptungswillen der echten Persön- lichkeit. Gefährlich sind die Reaktionen aus den Zwang. AI» alter Soldat weiß ich, daß die straffste Disziplin durch gewisse Freiheiten ergänzt werden muß. Auch der gute Soldat, der sich mit Freude bedingungslosem Gehorsam unterwarf, zählte die Tage seiner Dienstzeit, weil das Freiheitsbedürsni» der menschlichen Natur eingewurzelt ist. Die Anwendung mili- tärischer Disziplin auf das Gesamtlcben eines Volke» muß sich deshalb in Grenzen halten, die der menschlichen Anlage nicht zuwider lausen. Der Mensch braucht Stunden, in denen er der Familie, der Erholung oder sich selbst gehört. In die- ser Erkenntnis hat der Reichsunterrichtsminister verfügt, den Sonntag wieder zu einem Tag zu machen, welcher der Kirche und der Familie gehört. Berwerflich abv t s s e Grenzen g c- setzt seien, über die sich die Franzosen vollkommen klar seien. Dollfaß Imitiert Mussolini w Vier rainlsierporfeleullles dnb. Wien, 11. Juli. Bundeskanzler Dr.Dollfuß hat gestern namens der Gefamtregterung dem Bundespräsidenten die Demission der Bundesregierung angeboten. Der Bundes- Präsident beauftragte Dr. Dollfuß, Vorschläge für die neue Zusammensetzung der Regierung zu machen. Der Bundes- kanzler wird folgende Ministerliste unterbreiten: Regierungschef Dollfuß mit Bundeskanzleramt, auswärti- gen Angelegenheiten, Sicherheitsivesen soivie Landwirtschaft und Landesverteidigung. Vizekanzler Starhembcrg. Bundesminister Fey, Unterrichtsminister Schuschnigg, So- »ialminister Ncustädter-Stürmcr, Finanzminister Buresch, Handelsminister Stockinger, Justizministcr Berger-Walden- egg, Staatssekretär für Sicherheitswesen Earivinskq, Staats- iekretär»iir Acußeres. der bisherige Berliner Gesandte J»g. Tauichitz. Für die Angelegenheit der inneren Verwaltung«vird ein Bundesminister in Vorschlag kommen. Für die Landesver- teidigung wird anstelle des bisherigen Ministers Schöning- Hartenstein, der ans privaten Gründen ersuchte, von einer Wiederbetrauung abzusehen, ein Staatssekretär bestellt. Ebenso«vird ein Staatssekretär für die Landwirtschaft bestellt «Verden. Dr. Dollfuß nahm die Rekonstruktion der Regierung vor, um auf diese Weise eine konzentrierte Zusammenfassung der wichtigsten auf die Sicherung von Ruhe und Ordnung be- züglichen Ressorts in seiner Hand durchzuführen und so die letzten Reste„staatSseindlicher Bewegungen" zu beseitigen. Es werde ohne Verzug eine Reihe von Maßnahinen dnrchge- führt«verden, die im besonderen eine Erweiterung der aus T p r e n g st o s s a n s chl ä g e bezüglichen Gesetze und Bor- schlüge betreffen. Aus den Besitz von Sprengstoffen wird die Todesstrafe gesetzt, falls nicht innerhalb einer kurz bemessenen Frist, innerhalb deren dem unbefugten Besitzer Straflosigkeit zugesichert wird, die restlose Ablieferung der noch vorhan- denen Sprengstosfvorräte erfolgt. Die Bedeutung dieser Mi- nisterratsbeschliisse«vird durch die Einsetzung eines General- itaatokommissars für außerordentliche Sicherheitsmaßnahmen zur Bekämpfung staatsfeindlicher Bestrebungen in der Per- son des Ministers Fey unterstrichen, der Vorsitzender eines ständigen Ministerausschusses und einer außerordentlichen Staatskommigion mit besonderen Vollmachten wirb..- ver deulsdie Wald brenn!... Neustadt a. d. H. DNB. Neustadt a. d. H., 10. Juli. Wie zu dein am Montag abend unterhalb der Hellerhtttte bei Neiistadt ausgebrochenen Waldbrand ergänzend berichtet wird, gelang es den Be- mühunge» der Feuerwehren, den Brand gegen 23 Uhr nieder- zukämpfen. Ein Morgen Kieiernjungwald fiel den Flammen zuin Opfer. Die Entstehungsursache ist noch ungeklärt. In Kaden^ 4 Karlsruhe. Vermutlich infolge Fahrlässigkeit eines--pa^ ziergängers entstand aui der G e m a r k n n g M ö r) ch«» der Nähe der Landioirtschaftlichen Versuchsanstalt Forchoetm ein Waldbrand, der große Ausdehnung annabn«. Es gelang schließlich, den Brandherd einzudämmen, indem man n. a. Wege bahnte und Gräben zog, die mit Wasser geiüllt wurden. Ein Bestand junger Kiesern auf einer Fläche von 16 Hektar ist dem Feuer zum Opfer gefallen. In Bayern Nürnberg, 0. Juli. Ein riesiger Waldbrand iss am Mon- tagnachmittag in der Nähe von M i t t e r t e i ch an der Bahn- linie Wiejan—Tirschenreuth ausgebrochen, der ein etwa 200 Tagwerke großes Waldgebiet vernichtete. Sämtliche Feuer- wehren der ganzen Umgebung soivie die Arbeüsdienitlager von Marktredwitz, DXldsassen, Mitterteich und Tirschenreuth wurden zu Hilfe gcritien. Auch Zivilisten beteiligten sich an den Löscharbciten. Insgesamt über 1600 Personen nahmen a» der Bekäinpfung des Brandes teil. Biesenwaldbrand in der Lausitz Forst, 11. Juni. Im Laufe des Dienstag brach bei dem dickt bei Forst gelegenen Dorf Scheune ein Waldbrand ans. der, angesacht von dem starken Wind, sich zu einein Riesenbrand entwickelte und etwa 2600 Morgen Wald vernichtete. Die freißurger Universität DNB. Freiburg i. B.. 10. Juli. Im Dachgcschoß der Universität Freiburg brach Dienstagmittag Feuer aus. das sich bei der Trockenheit rasch ausdehnte. In knapp 20 Minuten stand die große Kuppel der Universität in Flammen. Es wurde der Alarm„Großscucr" gegeben. Die Kuppel eingestürzt Das Feuer in der Freiburger Universität Ist gestern abend noch nicht zum Stillstand gekominen. Das große Kupierdach über dem Eingang der Universität ist mit großem Getöse aui die Straße gefallen. Tie Flammen«varen aus dem weltlichen und südlichen Flügel übergesprungen. Die Feuerwehr Icking am westlichen Flügel mehrere Oeffniingen In das ach, uur auch von innen den Brand mit mehreren Schiauchleltungen bekämpfen zu können. Das Gebälk des ivestlichen und ins- liehen Flügels ist eingestürzt. Die Brandstelle bietet ein troü- loses Bild. Vor allem die auf der Westseite gelegene große, mit wunderbaren Wandgemälden geschmückte Aula ist i» ein Trümmerfeld verwandelt ivorden. Mehrere Personen mußten sich wegen Rauchvergiftung. Schnitt- und Vrand- wunden in ärztliche Behandlung begeben. Dank der au'- opfernden Hilfe des Rektors, des Lehrkörpers und der«tu- deuten ist ein großer Teil der im Dachgeschoßniucrgebrachteir Literatur in Sicherheit gebracht worden. So konnte>ass da>^ ganze volkswirtschaftliche Seminar und der größte i. eil de- rechtswissenschaitliche» Seminar» geborgen«verde»,^as Archiv des zeitungsivissenschastliche» Institut» gilt als»er- loren. Man nimmt an, daß ein Kurzschluß im Lichtsprcl- räum den Brand verursacht hat. ♦ Demgegenüber steht fest, daß ei» Professor, der sich zufällig in einem Raunie des Speicher» befand, i» einer Kiste Feuer entdeckte. Er versuchte es mit einem Hand- lösch er zu ersticken: als ihm dies nicht gelang und er die Türe öffnete, um Hilfe zn holen, schlugen die Flammen be- reits heraus und gegen das Gebälk des Dachstockes, der ganz kurze Zeit darauf schon in Flammen stand. Mit diesem nordwestlichen Flügel ist der größere Teil der Universität vom Feuer und Wasser zerstört und ans lange Zeit für U n t e r r i ch t s z>v c ck c nicht verwendbar. «eine nerdstrnanSver Der Reichswehrminister hat mit Rücksicht ans die von der anhaltende» Dürre betroffene Landivirtjchast de» Ausfall der für den Herbst vorgesehenen Manöver»ud Truppenübungen angeordnet. Dabei sprach auch die erhöhte Wald- und H e i d e b r a n d g e f a h r mit, die eine planmäßige Türch- sührung der Hebungen in Frage stellt. Eine rührende Zurückhaltung. Tonst hieß es, daß gröbere Herbstübungen für die Truppe unerläßlich feie». S&bo'age In Erledridisbaien? Vierzig Arbeiter verhaftet— Racheakt? Die Wiener„Rcichspost" berichtet ans Lindau: Wie ge- meldet würbe, haben sich am Freitag in Friedrichshafen zwei Flugzeugunsülle ereignet, die nun ihr Nachspiel hatten. Die gesamte Belegschaft der Dornier-Werte wurde entlassen. 46 Arbeiter find verhastet worden. Eine Neuaufteilung von Arbeitern werde erst nach Klärung der Flugzeugunfällc er- folgen. Nach hier vorliegenden Nachrichten wurde auch in der Zeppelin-Halle ein Sprengkörper gesunden, ebenso in einem dritte» Flug? da» vor dem Start genau durchsucht ivorden«vor. Bei der.'vtageakten scheint es sich n«n Rache für die Erschießung de. l-Ftthrer zu handeln. In Lindau wurden Haussuchungen»ach Sprengstossen vorgenommen. Am Samstag hat sich Hitler zivei Stunden in Friedrichshasen ausgehalten. Andererseits«vird erklärt, daß es sich bei den Sabotage- allen auch uin das E i n g r e i s e n e i n e r K o» k u r r e n z- f i r m a handeln könne, die den Dornieriverken Schaden zu- fügen wollte, da der König von Siam bei den Dornieriverken eine große Bestellung gemacht hat. Die d«irch Explosion ver- nichteten Flugzeuge sollen zu dem vom König v o n S i a in bestellten Geschwader gehört haben. * In Deutschland verden Gerüchte verbreitet, daß die zahl- losen Brände in Deutschland nicht allein durch die große Trockenheit erklärbar seien. Man spricht von B r a n d st i f- tung unzufriedener SA.-Männer und Ar- beitsdienstleute. Es sind nur Gerüchte. Aber daß sie entstehen können und geglaubt werden, besagt genug. Aus Deutschland teilt man uns folgendes Wort mit, das die Runde macht: „Seit dem G ö r i n g zum Reichsforstmeister ernannt wor« den iß, beginnen die Wälder zu brennen., Htth und Hott! Drei Nazistimmen aber die verbotenen Schweizer Zei'ungen „Hessische Landes-Zeitung"(Nr. 177) Es ist große Mode auf dem Kurfürstendamm in Berlin, Schweizer Zeitungen zu taufen und zu lesen. Man glaubt, man hofft, in diesen Blattern die große Sensation zu finden, das große politische Geheimnis zu hören. Es ist ine ewige Sensationslust, die stets große Ueberraschungen er- wartet. Und doch bringen die Schweizer Blätter dem ruhigen und aufmerksamen Leser nur eine Enttäuschung. Sie enthalten kaum mehr, als in den deutschen Zeitungen steht. Höchstens freut sich ein altes Temokratenherz, weil es in Basel oder in Zürich noch eine Partei gibt, die sich demokratisch nennt. Oder man nimmt mit prickelnder Freude zur Kenntnis, baß Alfred Braun, der Rundfunkreporter aus der Systemzeit, nunmehr der Held des Stadtlheaters in Zürich geworden ist. Es sind kümmerliche Lesefrüchte, die aus dem Zeitungs- papier der Eidgenossen zu holen stnb. Die Berichte aus Deutschland stammen zum größten Teil von amtlichen Nachrichtenstellen, die im Austauschverkehr von der Schweizer Depeschenagentur verbreitet werden. Nur manchmal kommt ein Artikel aus Berlin, der statt mit dem Namen des Autors mit einer bescheidenen und schüchternen Null gezeichnet ist. Und darin liest man dann irgendein wag- halsiges und zweifelhaftes Kasfechaus-Gerücht. das mit paihe- tischem Ernst als große Information wiedergegeben wird. Gewöhnlich aber ist znr gleichen Zeit schon ein Dementi unterwegs, das die Unwahrheit feststellt und die Lüge Lüge nennt. Am schneidigsten ist in dieser Beziehung, wie die„Nacht- ausgäbe" schreibt, der Herr Null der„B a s l e r N a t i o n a l- zeitung". Was weiß er oft nicht alles zu erzählen? Bon heimlicher Politik, von diplomatischen Unterredungen, von großen Geheimnissen. Er war zwar nicht dabei, er hat auch nicht mitgewirkt. Aber er weiß es, so gut er oft, ganz genau, dieser gerissene Spürhund, an den Schlüssellöchern zu hör- chcn scheint und alle Sensationen wittert. Leider ist er schwer- hörig. Denn auch was er immer erlauscht hat, es trägt von Anfang an das Kainszeichen der Erfindung zwischen den Zeilen. Wer ist dieser Herr Null? Der ständige Vertreter der ge- nannten Zeitung in Berlin ist es nicht. Ist es vielleicht gar ein verbitterter Emigrant, der am sicheren Schreibtisch jenseits des Rheins die deutsche Innenpolitik miterlebt? Oder ist es der ausgediente Schriftleiter eines ehemals demokratischen Weltblattes in Berlin, der nun das keineswegs rühmenswerte Handwerk der journalistischen Vergangenheit mit aller Heimlichkeit fortsetzt? Trotzdem: Die Chiffre ist gut gewählt. Nicht nur der Schrei- ber ist eine Null, auch das, was er schreibt, hat keinen höheren Wert. „Westdeutscher Beobachter"(Nr. 300) Das Samstag ausgesprochene Verbot der hauptsächlich in Deutschland verbreiteten schweizerischen Zeitungen, der „Neuen Z ü r ch e r Zeitung", der Baseler „N a t i o n a l- Z e i t n n d und des„B e r n e r B u n d". kann eigentlich niemanden überraschen. Denn es ist gewiß eine eigene Situation, in der sich die Schweizer Presse befindet. Sie ist die einzige größere deutschsprachige Presse außerhalb der Reichsgrenzen lvon Oesterreich kann man in diesem Zu- sammenhang absehen!. Von vornherein bestand daher ohne Zweifel eine Gefahr, daß die Schweizer Presse von Elementen mißbraucht würde, denen in Deutschland keine Gelegen- heit mehr gegeben ist. ihre Komplere abzureagieren. Man hat vielleicht auch anfänglich selbst diese Gefahr gesehen. Auch die Schweizer amtlichen Stellen mußten sich dagegen wehren, daß auf diese Weise das gute Verhältnis zwischen Deutschland und der Schweiz unter Umständen getrübt werde könnte. Es kam daher zu einer Vereinbarung zwischen den zustän- digen Stellen in Deutschland und ber Schweiz, in der von schweizerischer Seite das Versprechen der Loyalität gegenüber dem nationalsozialistischen Staate in bezug auf die Presse- Politik eingeräumt wurde, so daß der Einfuhr der Schweizer Presse nach Deutschland keine Hindernisse mehr entgegen- gestellt wurden. In den schweizerischen R e d a k t i o n e n hat man sich jedoch schon bald an diese Vereinbarung wenig g e st ö r t. Man konnte die Beobachtung machen, daß sich die Blätter, die heute in Deutschland verboten sind, immer mehr auf die Behand- lung der deutschen Innenpolitik einstellten. Es erschienen Aufsätze, die weder aus der Hand eines Schweizers stammen noch in ihrer Wirkung für das schweizerische Publikum be- stimmt sein konnten. Die Folge blieb nicht aus. I e n e Kreise i n D e u t s ch l a n d, die sich aus bestimmten Grün- den immer noch nicht mit dem. nationalsozialistischen 2taat abgefunden haben, stürzten sich auf die ausländische deutsch- sprachige Presse, die ihnen das bot, was sie Gott sei Tank in der deutschen Presse nicht mehr finden. Das Geschäft blühte. Eine derartige Konjunktur hatte man wahrscheinlich noch nie erlebt. Vor allem in den letzten Wochen ließ die Geschäfts- tüchtigkeit jede Vorsicht vermissen. Die innerdeutschen Vor- gänge boten Anlaß zu einer wilden Gerüchtemache- r e i, die dazu angetan war, die größte Unruhe in das deutsche Volk hineinzutragen, zumal nunmehr auch unbefangene Neu- gierige sich die Blätter mit den verheißungsvollen Schlag- zeilen kauften. Das konnte sich der nationalsozialistische Staat trotz aller Loyalität nicht mehr bieten lassen. Es war inzwischen zu offensichtlich geworden, daß jene schweizerischen Blätter ein Geschäft daraus machten, Kreisen, deren verderblicher Ein- fluß in Deutschland selbst längst ausgeschaltet wurde, von neuem den Weg in die deutsche Oefsentlichkeit zu ebnen. Gegenüber einem derartigen GeHaren hört jede Loyalität auf. Das Interesse des Staates und das Wohl des Volkes steht in diesem Falle höher. Tie Art, mit der sich jene Blätter in die innerdeutschen Verhältnisse einmischen und mit den Borgängen der letzten Woche beschäftigen, läßt jeden in der internationalen Politik üblichen Takt vermissen. Man wird sich also daran gewöhnen müssen, sich wieder auf die normalen schweizerischen Verhältnisse umzustellen. Wenn nach sechs Monaten diese Umstellung vollzogen ist. läßt/ich vielleicht wieder über den Fall reden. Man wird dann wissen, daß Deutschland es nicht zuläßt, daß unter dem Borwand sogenannter„Pressefreiheit" Geschäfte mit dem Wohle des Volkes gemacht werden. „Deutsche Front", Saarbrücken An maßgebender deutscher Stelle hat man sich nunmehr entschlossen, alle die Blätter aus der Schweiz, deren„Bericht- erstaltung" über den 30. Juni allmählich zur Greuel- Propaganda ausartete, zu verbieten. Der Langmut, der vom nationalsozialistischen Staate diesen Zeitungen entgegen- gebracht wurde, ist von diesen falsch ausgelegt worden. Ihre Meldungen über die„Hintergründe des 30. Juni" wurden täglich lügenhafter. Ter Staat konnte diesem verant- wortungslosen Treiben im eigensten Interesse nicht länger zusehen. Alle Grenzen des j o u r n a l i st i s ch e n An- st an des, den man hilligerweise voraussetzen muß. wurden von diesen Gazetten außer acht gelösten. Von gewisser Seite wird diese Maßnahme vielleicht be- dauert. Denn so kam mancher deutsche Spießbürger um den Nervenkitzel, in der„Neuen Zürcher Zeitung" oder in der „National-Zeitung"„die neuesten Pogrome des Nazi- regimes" nachzulesen. Eine gewisse Sorte von Zeitungslesern braucht nun eimal das armselige Produkt jübi- scher Zeitungsschreiber. Früher las man in diesen Kreisen eifrig das„Berliner Tageblatt" oder das Frank- furter„Intelligenzblatt". Seitdem die jüdischen Schmierfinken aus den deutschen Zeitungen verschwnn- den sind und vornehmlich in der deutschsprachigen Auslands- presse ein Betätigungsfeld für ihr zersetzendes Treiben ge- sunden haben, hat man diese Blätter zu seinem Leib- und Magenblatt erhoben. Denn die müsten ja wissen, was in Deutschland gespielt wird! Damit ist es nun aus. Man kann sich nun nicht mehr ins Kaffeehaus setzen und gemächlich die Lügen der„Neuen Zürcher" zu Gemixte führen. Und das ist in mancherlei Hin- ficht gut! Ostfranzösische Fabrik für QuinquaiU lerie-Artikel sucht zur Erweiterung Mitarbeiter für Verkauf, beider Sprachen mächtig, Beteiligung 50 bis 100000 Fr. Angebote an die„DEUTSCHE FREIHEIT" unter Nr. 555 H Boccaccio in Braun SA. marschiert und der Brigadeführer liebt Aus Deutschland wird uns geschrieben: Der 28jährige Obertruppsührer vom Reservesturm R I 118 in Alsfeld lHessenj heiratete vor etxva einem halben Jahre ein„deutsches Mädchen". Es schien eine sehr glück- liche Ehe War auch tatsächlich so, bis auf eine kleine Störung. Wenn man jung verheiratet ist, möchte man auch etivas von der Ehe haben. Man hat doch ein Rech! dazu, so dachte die junge Frau. Was habe ich von einem Mann, der morgens znr Arbeit geht, abends nach Hause kommt, als wenn er den Mobilmachungsbefehl in Händen hätte, sich in die braune Uniform wirft und zum Dienst rennt! Aufbleiben und auf den auch so geliebten Mann zu warten, ist zwecklos. Denn wenn er nach Hause kommt, ist doch längst Mitternacht vorbei. Resigniert legt sich die junge Frau zu Bett, und ist sich auf einmal darüber im klaren, daß die Sache so nicht weitergehen kann. Keinen Tag mehr! Tags darauf läßt sich die junge Frau dem Brigadeftthrer melden und beschwert sich über besagten Uebelstand. Einxnal Dienst in der Woche wäre genug, und wo man die Zeit zur Verwirklichung des Vierkindersystems hernehmen solle usw., usw. Der Brigadeführer iveiß, ivas hier die Glocke geschlagen hat und verspricht Abhilfe. Eine Woche später wirb der Ober- truppführer zur Führung eines Sturmes befohlen, b. h. stellvertretender Sturmführer unter persönlichem Befehl des Brigadeführers. Wenn jetzt die junge Frau glaubte, endlich einmal ihren Mann für sich zu haben, dann sollte ste sich geirrt haben. Aber dafür bekam sie einen anderen. Der Brigade- führer hatte nämlich beschlossen, sich zuxn stellvertretenden Ehemann zu ernennen, was für ihn kein Kunststück ivar. Der Sturmsllhrerstellvertreter bekain den Befehl zu einem Nachtmarsch. Nachtmärsche sind schön, hauptsächlich von Sams- tagabend 10 Uhr bis Sonntaqmittag 12 Uhr tgünstige Zeit zum Mittagessens. Aber eine Nacht bei einer jungen, liebe- bedürftigen Frau ist auch schön, so dachte der Herr Brigade- sührer und erschien»m 11 Ubr abends be' der jungen Frau und teilt ihr„schnell dienstlich" xnit, daß der Nachtmarsch wahrscheinlich länger dauere als vorgesehen. Im übrigen sei der Herr Brigadeführer dienstfrei uxxd könne etwas Gesell- schaft leisten. I Werfen Sie die„Deutsche Freiheit" nach dem Lesen nicht fort. Geben Sie das Blatt an Leute weiter, die der Aufklärung und Belehrung bedürfen! Perlses* BeräSaSa© Einheitsfront an der Seine Paris, 11. Juli. Mit 4584 gegen 824 Stimmen haben sich die Soizalisten des Departements Seine für die gemein- s a m e Aktion mit den Kommunisten ausgespkochen. Drama unier Dreien Paris, 9. Juli. In der Familie eines peruanischen Diplomaten hat sich eine blutige Tragödie abgeipielt. Manuel Garcia I r i g o y e n, der Geschäftsträger der peruanischen Geiand>chaft inBrussetz der mit einer Chilenin verheiratet war, lebte in Scheidung mit seiner Frau. Die junge Frau war mit ihrer Mutter uxxd ihrer Tchivester nach Paris gezogen. Am Sonntag nachmittag erschien nun der Diplomat plötzlich bei seiner Frau, ichotz diese und ihre Schwester nieder, versuchte sich selbst zu er- schießen und stürzte sich bann vom4.«tock den Fahrstuhlschacht hinunter. Er wurde im Keller des Schachts zerschmettert aufgefunden. Jrigoyen galt als schlechter Charakter und seine Roheiten gegen seine Frau waren in Brüssel nicht unbekannt. Tie beiden schwerverletzten Frauen xvurden in das Hospital Beaujon geschafft. Ihr Zustand ist ernst, doch nicht ganz hoffnungslos. Tie Mutter der beiden Verwundeten, die Schwiegermutter Jrigoyens hatte, verzweifelt über das Drama, das sich vor ihren Augen abspielte, gleichfalls Aus- nähme im Hospital Beaujon gefunden,^ie ist von dort\ct gestern Abend verschwunden und weder in ihr Hexm xn der Rue Galilee zurückgekehrt, noch hat die Chilenische Geiandt- schuft irgendwelche Nachrichten von ihr. Man hofft aber, Satz sie, um den Pressereportern zu entgehen, vielleicht Ausnahme in einer befreundeten Familie gesunden hat. DenfsGier Klub Und warum nicht wiederholen, wenn es so schön war? Die Nachtmärjche wurden ziemlich oft wiederholt und wurde» bald als Schikane empfunden: nur vom Brigadeführer bzw. stellvertretenden Ehemann nicht. Es war auch zu schön. Wieder kam ein Nachtmarsch. Ticke Regenwolken hingen am Himmel und ergossen ihren Segen über die fluchenden SA.- Leute. Schließlich verweigerten ste den Weitermarsch, und der Sturmführerstellvexlreter mußte den Rückmarsch befehlen. Um 1 Uhr nachts kommt der Sturmführer nach Hause und schellt: einmal, zweimal, dreimal. Zum Donnerwetter, wGd denn bald aufgemacht! Nach etwa 10 Minuten öffnet die Frau mit seltsam bleichem Gesicht und zitternden Knien. Wird der Mann auch nicht in die Speisekammer gehen? es gäbe ein Unglück. Aber der Mann geht wortlos ins gemeinsame Schlafzimmer, um sich auszukleiden. Mit einemmal fällt sein Blick auf einen Stuhl in einer Ecke. Er traut seinen Augen nicht. Da liegt doch ein Ehrendolch! Er kann sich nicht ent- sinnen, selber einen zu besitzen. Während die Frau sich noch draußen in der Küche aushält, betrachtet der Mann den Ehrendolch und entdeckt auch den Namen des Besitzers. Er kommt gerade dazu, wie die Frau dem Brigadeführer die Wohnungstür öffnet und dieser in langen Sätzen die Treppe hinabstürmt. In dem Scheidungsprozeß erklärte der Brigadeführer, er habe den Sturmsührer dienstlich kontrollieren wollen und hätte sich zu diesem Zweck auch ins eheliche Schlafzimmer be- geben. Auf die Frage, warum er den Ehrendolch dort ablegte, konnte er keine Antwort geben. Tie Versammlung des Deutschen Klubs findet xn dieser Woche ausnahmsweise in der Taverne d Hauteville, a, Rue d'Hauteville jan der Porte St. Denis) statt: am Samstag, den 14. Juli um 21 Uhr. Debatte über den Nationalfeiertag in Frankreich und in anderen Ländern.— Geselliges Bei- sammensein.— Gäste willkommen. Eintritt sur Gaste:- Er. rafan-ESgcvsyiSEz M.. Ncup-rk. Herzlichen Tank für Brief und Inhalt. Sie und andere bitten wir, stets an die Redaktion der„deutschen Freiheit" zu adregicren, wenn es sich um Mitteilungen für die R e- d a k t i o n handelt. Algeciras. Wir danken für Ihre wertvolle Belehrung. Saba. Herzlichen Tank und herzliche Grüße. Ten Beitrag halten wir aber nicht für geglückt. Wir finden die Forderung übertrieben. Man müßte sie gegenüber allen faschistischen Ländern aufstellen und durchgeführt würde sie doch nicht. Martin Schwarbe, Köln. Tie schreiben im„Westdeutschen Bcobach- tcr":„Nnd wer sich dann gar in der Partei betätigte, der mußte Eramcn bestehen, wie sie keine hohe Schule der Well je einem Schii- lcr auferlegt hat. So entstand die nationalsozialistische Führeraus- lese aus den Besten, Opserbereifesten, Mutigsten nnd Weitblickend- sten aller Schichten und Stände! Sie wuchsen durch die Kraft des neuen Glaubens eng aneinander, lind es bedurfte nur weniger Jahre, daß man nicht mehr Unterscheiden konnte, ob einer als Bür- gcr oder Bauer oder Arbeiter in die Gemeinschaft gekommen war. Tie richteten(Ich dabei ans nach einem, der ihnen als der Schöpser und Stifter die Personifizierung der Idee bedeutete: der Führer Adolf Hitler."— Und die allerschönstcn seiner Ebenbilder hat nun Gott Hitler in die ewigen Marjchgesilde der SA. versammelt? sie waren für diese Erde zu schade. An mehrere, Es ist gewiß möglich, daß die beiden Flugzeug- katastrophen in Württemberg, zumal sie von den Behörden ver- schwiegen worden sind, Sabotageakte als Ursache haben. Im Flugwesen sind zahlreiche ehemalige Offiziere beschäftigt, die sicher mit den erschossenen„Meuterern" sympathisieren. Näheres war bisher nicht zu erfahren. Kriegserinnerung. Sie werden, wie Tie uns schreiben, bei den ewigen Erklärungen, die Mark bleibe unter allen Umständen stabil, lebhast und traurig an die Propaganda für die Kriegsanleihen erinnert. Damals stand auch jeden Tag in allen deutschen Zeitungen, es gebe in der Welt kein so gutes und sicheres Papier wie die deutschen Kriegsanleihen. Das Reich werde seine Pflichten zu aller- erst gegen die Patrioten erfüllen, die Kriegsanleihe gezeichnet haben. Später war das alles vergessen und die Kriegsanleihe- zcicbner waren betrogen. Mit den Beteuerungen, die Reichsmark bleibe stabil, wird es nach Ihrer Meinung nicht anders sein, und Sie werden Recht behalten. Für den Gclamtinhalt verantwortltch: Johann Pitz tn Dud- weiter: kür Jnicrate: Cito Kuhn tn Saarbrücken Rotationsdruck und Vertag: Verlag der Bolksiltmme GmbH„ Saarbrücken 8, Schüßenstraße b.— Schließfach 776 Saarbrücken. Die„Deutsche Freiheit" Einzige unabhängige Tageszeitung Deutschland» mufj man regelmäßig lesen Bestellschein Ich ersuche um regelmässige Zusendung der„Deutschen Freiheit" Name:— Weitergeben! Weitergeben! Strafje Orh s ■M«w.MMlHn.auaisaiKe B i alsllMal| de IT................M.M.a.MeA Unterschrift Verlag der„Deutschen Freiheit" Saarbrücken 3' SchüU enttra fsa 5» PgshchlieMadi 776