* Linzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands llach dec tDemaskiecung.! Das vecnichtende lüeitucteit gegen den deutschen!BCut~ kanziec Seite 4 Nr. 162— 2. Jahrgang Saarbrücken, Dienstag, den 17. Juli 1934 Chefredakteur: M. B r a u n MacBslt Plänt der Btlthswehr Mitteilungen aus Oifiziershreisen an einen Mittelsmann der„Deutschen Freiheit Berlin, 16. Juli sEigen-r Bericht), ist Ruhe im„dritte« Reich" Die braune« Machthaber '»ge« nicht. Aber diese Ruhe ist fürchterlich und man ver- >teht, warum die Hitler und Goebbels und Göring fürchte« als„die Pest des Marxismus" oder die der »Reaktion". Im deutschen Volke habe« zwei Jahr« brauner Mord und 1le nahe Zukunft gegeben werden. Allgemein er- wartet man noch weitere Schlächtereien. Das Rätselraten um die zweite Liste ist im Gange. Vielleicht haben die Hitler, Blomberg, Göring und Goebbels noch die Macht zu einem zweiten Schlachtfest, aber— es wird das letzte sein! Be- zeichnend ist weiter, daß von den Kreisen der Nazi den srü- Heren sozialdemokratisch oder kommunistisch organisiert ge- wesenen Schichten des Volkes mit„einer neuen Abrechnung" gedroht wird, wenn die illegale Propaganda nicht verschwin- den sollte. Viel wahrscheinlicher als die Verwirklichung dieser Nazi- drohungen ist jedoch die von Rechts her geäußerte Ver- mutung. daß die zweite Liste die Name» Göring oder Goebbels, vielleicht soagar beide ent- halte« wird! Zur Zeit ringe« die beide« Führer noch um die Gunst Hitlers und Blombergs, wobei Göring«n- zweifelhaft im Vorteil ist. Wie lange freilich dieses Verhält- nis andauern wird, weiß niemand. Bei der Geistesverfassung des Hitler ist alles denkbar. Man darf bei der Beurteilung der gegenwärtigen Situation nie vergessen, daß die Aktion gegen Röhm eine Aktion der Reichswehr gewesen ist: jetzt aber melden sich Neurath und die Diplomatie und fordern den Sturz von Göring und Goebbels. Des ersten, weil seine Brutalität und seine äugen- scheinliche Geisteskrankheit ihn unmöglich gemacht hat, des zweiten, leil er nur noch imstande ist, das letzte heile außen- politische Porzellan zu zerschlagen. Die Rede des Goebbels gegen die Weltpresse hat im Anßenministerium einen lata- strophalen Eindruck gemacht... Es erfüllt sich das Wort: Wer Blut vergießt, dessen Blut soll wieder vergossen werden. ver Generalstreik in San franzlsko Militärische und polizeiliche Rüstungen Neuyork, 16. Juli. Der Generalstreik in San Franziska, °effen Beginn auf heute früh 8 Uhr festgesetzt war, be- herrscht die Morgenblätter und verdrängt alle anderen Er- s'gnisse. San Franziska machte schon am Sonntag den Ein- brück einer belagerten Stadt, die niemand zu verlassen wagte, die Möglichkeit einer Rückkehr ungewiß ist. Die Einste!- >ung des Straßenbahnverkehrs begann frühzeitig. Die ^ebensmittelläden, die ausverkauft hatten, vernagelten ihre Türen und Fenster. Obwohl die Streikenden selbst durch Bil- vungen von Sicherheitsausschüssen Ausschreitungen vorzu- beugen suchen, kam es bereits zu verschiedenen Zusammen- uößen. die nach Ansicht der Behörden von Kommunisten eingeleitet wurden. In der Nähe der Docks wurde die Ratio- Ualgarde mit Steinen beworfen, woraus sie Feuer gab. In- iolge eines Mißverständnisses ist ein Tockwächter durch einen Bajonettstich lebensgesährlich verletzt. Da sich bereits Nahrungsmittelmangel fühlbar macht, ver- sucht der Streikaussckuß die unruhig werdende Bevölkerung durch di; Ankündigung zu trösten, daß eine Anzahl Speise» Häuser offen bleiben würde. Dem gegenüber weist die Presse darauf hin, daß diese Speise-Häuser höchstens 3666 Personen versorgen könnten, bei einer Gesamtbevölkcrung von 766 666. Die Elektroarbeiter haben bekanntgegeben, daß sie die Streikabstimmung hinausschieben wollten, da eine Unter- bindung der Stromzufuhr auch die Feueralarmanlagen in der ganzen.Stadt lahmlegen ivürbe. Trotzdem sieht die Stadtverwaltung der weiteren Entwicklung der Lage mit größter Besorgnis entgegen, da die Befürchtung wächst, daß es sich um einen revolutionären Anschlag an der ganzen Westküste handelt, dem gegenüber die besonneneren Führer der Gewerkvereine mehr und mehr an Einfluß verlieren werden. Vielfach wird die Ansicht geäußert, baß für San Franziska schwere Tage bevorstehen, schwerer, als seinerzeit bei dem Erdbeben. Zur Aufrechtcrhaltung der Ordnung stehen außer der Poli- zei, die um 566 Mann vermehrt wurde, und außer der Ratio- ualgarde etwa 1660 Manu Buudestruppen zur Verfügung. Siehe Seite 3. Kreise Alle Kreise werden geschlossen, wenn ihr n»r alles in allem nehm Heines hat einen Spießgenosscn meuchlings im Walde abgeschossen oder, wie er es nannte, gescmt. Dann kam Heines zu hohem Amte. Ekelhast spreizte er sich im Fett scheußlicher Macht, die dem Mord entstammte. Aber schon baldc starb der verdammte Mörderkumpan gemeuchelt im Bett. Alle Kreise werden geschlossen. Meuchlings stirbt der, welcher meuchlings schieß». Hitler hat seinen Spießgenosscn Heines im Bett abgeschossen. Wann wohl der nächste Kreislaus sich schließt? Der Rote HanS. Der geridilefe„Führer" Der deutsche Reichskanzler ist das höchste und voll- Kommenste Instrument der nationalsozialistischen Führer- auslese. Er beruft und er verwirft seine Paladine nach dem ungehemmten Autoritätsprinzip. Sein Rechenschafts- bericht vor dem Reichstag hat dem Volke kund getan, wie sich die rein autoritäre, durch keinerlei Massenkritik ge- hinderte Führung ausgewirkt hat. Nach der gewiß nicht übertriebenen Schilderung Adolf Hitlers gab es in den obersten Regionen der Staats- und Parteiführung nicht vereinzelt, sondern in vielen Exemplaren: Urninge, Sittlichkeitsverbrecher, Knabenschänder, Alkoholiker, Meineidige, Spitzbuben, Defraudanten. Volksbetrüger, Prasser und Schlemmer au, armer Kamerad?", Krankhafte Lügner, Verschworene Cliquen, Postenjäger, Feiglinge und Heuchler. Pathologische Ehrgeizlinge, Landesverräter, Hochverräter, Erpresser, Terroristen, Mörder. Jeder dieser Lumpen ist von dem Partei- und Staatschef auserwählt und lange Jahre gehalten worden. Tadel an einem dieser Freunde des deutschen Reichskanzlers ist mit harten Kerkerstrafen, ja mit dem Tode gebüßt worden. Der Reichskanzler hat für die Ermordung dieser seiner Kreaturen die Verantwortung übernommen. Er hat ver- gessen, hinzuzufügen, daß er nach dem Führerprinzip auch die volle. Verantwortung für die Schand- und Untaten dieser Schufte zu tragen hat Er war Mitwisser, in vielen Fällen Befehlsgeber: er deckte die Halunken stets mit seiner Autorität, und er ist daher in vollem Ausmaße ihr Mitschuldiger. Der Reichskanzler hat sich zum Obersten Gerichtherrn über die gonze deutsche Nation ausgerufen. Er hat ver- gessen, sich selbst als den intellektuellen Urheber, Förde- rer und Protektor des größten Staatsskandals in der deutschen Geschichte zu richten und abzuurteilen. Wie konnte er vierzehn Jahre als unverantwortlicher und hemmungsloser Schwätzer den Splitterrichter spielen! Nun sieht das Volk, nun offenbart sich der Welt, welches moralische Recht er und seine Kumpane hatten, an einem bei sonstigen Fehlern säubern und puritanischen Staats- wesen, wie der Republik von Weimar, Kritik zu üben. Nehmt alles nur in allem: drei unbedenklich verdienen- wollende Gefäjäftsleute Zklarek. Kutifker und Barmat und ein paar ihnen auf den Leim gegangene Beamte: das war die Korruptionsliste, die dieser Adolf Hitler der deutschen Republik nachzusagen hatte. Ausgesponnen in taufenden und aber Tausenden Parlaments- und Ver- sammlungsreden, Flugschriften und Zeitungsaufsätzen. Drei profitliebende Kaufleute, von denen keiner je auch nur entfernt an ein Staatsamt oder einen Parteiposten herangekommen war. Man mutz sich und die vielen, die nicht alle werden, noch einmal daran erinnern: die um einige hundert Mark zu billig bezahlte Pelzgarnitur der Frau des demokratischen Oberbürgermeisters Bötz war einer der schwersten Sündenfälle. Damit wurde eine große europäische Nation behelligt und aufgeregt von einem„Führer", der sich und seinen oerlotterten und ver- kommenen-Mitbanditen längst die Korruptions- und die Verbrechensliste vorzuhalten hatte, die oben steht. Jedem Gewerkschaftssekretär rechneten diese Leute seine drei- hundert Mark Monatsgehalt vor und nannten ihn unter dem Beifallsgeheul des honetten deutschen Bürgertums einen„Bonzen". Leute, die kaum zur Macht gekommen, Zehntausende im Monat verjuxten, versoffen, verhurten. Uebrigens, was nicht vergessen werden soll, unter dem Segen vieler protestantischer Pfarrer und unter dem ver- lehnen menschenfürchtigen Schweigen der katholischen Kirche, deren Priester vom Dorfkaplan bis zum Kardinal- erzbischof uns Marxisten jahrzehntelang als sittlich minderwertig verlästert und uns mit Moralpredigten be- lästigt haben, die sie an andre Adressen hätten richten sollen. Wie lange noch kann eine Führung, kann ein System sich halten, das Deutschland in einen stinkenden Morast, in einen grätzlichen Blutsumpf verwandelt hat? Die Prophezeihungen mögen schwanken zwischen hundert Tagen und hundert Wochen und hundert Monaten. Wir beteiligen uns an diesen Voraussagen nicht. Einiak» t besteht jedenfalls darüber, datz die Entzauberung und die Ernüchterung in Deutschland rascher fortgeschritten ist, u.s wir selbst, die wir aus guten Gründen bei festem Glauben an die Zukunft des Sozialismus skeptische Beurteiler bleiben, bis vor kurzem angenommen haben. Soviel ist sicher, datz die nun auch für den oberflächlichen Blick zu Tage tretende Unfähigkeit und Verkommenheit der deutschen Staatsführung das Reifen der Krise in allen ihren Verzweigungen beschleunigt und die Fristen für den grotzen Umschwung, die wirkliche deutsche Revolu- tion abkürzt, die nur sozialistisch sein kann, welche Etappen zwischen jetzt und ihrem Ende auch liegen mögen. Die Beschleunigung des Tempos der Entwicklung stellt den Sozialisten drinnen und drautzen organisatorische und geistige Aufgaben, deren Lösung unmittelbar in Angriff genommen werden mutz. Es kommt nicht nur auf das Zu- sammenarbeiten von Parteiapparaten an, so sehr es zu begrützen ist. wenn die unsinnige Kleinlichkeit nur agitato- rischen Wettbewerbs verschwindet, sondern um das Heraus- arbeiten von Zielen und um die Anwendung von Methoden, die einem in seiner Mehrheit jetzt schon sührer- los und glaubenslos gewordenen Volk, neue seelische Spannkraft zum grotzen Werke der Säuberung und des Aufbaus verleihen. Da» wollen wir über dem Richten und Urteilen nicht vergessen. Millionen Enttäuschter in Teutschland stützen das wankende System nur deshalb noch, weil sie die ge- waltigen ordnenden und rettenden Kräfte noch nicht sehen, die hinter diesem Zusammenbruch in Not und Schande kommen müssen. Diese neuen Kräfte zu entwickeln. sie zu sammeln, ihnen geistigen Inhalt und seelischen Schwung und alles überwindenden Glauben zu geben, ist die nächste drängende Aufgabe, zu deren Lösung wir alle aufgerufen sind. »r. Klansener Der durch den Reichskanzler verleumdete Katholikenführer Anläßlich des Todes des Ministerialdirektors Dr. Klause- ner, des Vorsitzenden der Katholischen Aktion im Bistum Berlin, sind in der Pfarrkirche des so jäh aus dem Leben Gerissenen folgende Verkündigungen bekannt gegeben worden: I. Juli 1934 Ministerialdirektor Klausener, der Vorsitzende der Katholischen Aktion Berlin, ist gestern plötzlich aus diesem Leben abberufen worden. Er liebte seine Kirche und sein Baterland mit jeder Faser seines Herzens und bewies diese Liebe durch Wort und Tat mit dem ganzen Einsatz seiner starken Persönlichkeit bis zum letzten Augenblick seines Lebens. Noch am vorigen Tonntag hat er in seinem Tchlub- wort beim Katholikentag in Hoppegarten feiner glühenden Liebe zu Kirche und Vaterland beredten Ausdruck verliehen. Sein Tod bedeutet auch für unsere Pfarrgemeiikde, der der Verstorbene seit 1925 angehörte und in deren Kirchenvorstand er seit» Jahren eifrig mitarbeitet, einen schweren Verlust. Nach gestern, kaum eine Stunde vor seinem Tode, sprach er fernmündlich mit dem Pfarrer über unsere neuaeschassenc Kindererholungsstätte, für die er sich besonders lebhaft interessierte, t 8. Juli 1934 Dem in einzelnen ausländischen Zeitungen aufgetauchten Gerücht, der Verstorbene sei an staatsfeindlichen Be- strebnngen beteiligt gewesen und habe selbst Hand an sich ge- legt, wird niemand Glauben schenken, der diesen tiesreligiösen Mann gekannt hat. Der„Osservatore Romano", das Organ des Vatikans, sagt zu diesem Gerücht, es sei zu absurd, um widerlegt zu werden, und er sligt hinzu, die Worte, die der Verstorbene am 24. uni beim Katholikentag in Hoppegarten gesprochen habe, werden in den Herzen der deutschen Jugend haften bleiben als Beweis einer außergewöhnlichen Religiosität, eines glühenden Eifers und einer vorbildlichen Liebe zu Kirche und Vaterland. In B..mtivortung zahlloser Anfragen wegen der Be- erdigung sei mitgeteilt, daß die Leiche des Verstorbenen ver- brannt worden ist. Selbstverständlich ist die Verbrennung ohne Wissen der Angehörigen erfolgt, da ja die katholische Kirche die Leichenverbrennung wegen ihrer christentnmo- feindlichen Tendenz streng verbietet. Tie Aschenreste sind gestern mittag 11.39 Uhr in Gegenwart der Familien- ungehörigen, des hochwürdigsten Herrn Bischofs, des gesamten Domkapitels und der hiesigen Pfarrgeistlichkeit in aller Stille auf unserem Friedhof beigesetzt worden, nach einem unmittelbar voraufgegangenen feierlichen Requiem i» der Friedhofskapelle. Generalstreik in San franzlsko Fortsetzung von Seite t. Gouverneur Meriam gab die Entsendung von^ weiteren 1599 Mann Nationalgarde bekannt, wodurch die Stärke der Nationalgarde in San Franziska auf etwa 4599 Plann ge- stiegen ist. Von der Erklärung des Belagerungszustandes hat der Gouverneur zunächst abgesehen. Er versicherte jedoch, dag die Truppen die Lebensmittelzusuhr sichern würden. Besorgnis der Geschäftswelt Neuyork, 17. Juli. Tie Geschäftswelt teilt die Besorgnis, daß der Generalstreik in San Franziska die Streiklage im ganzen Lande verstärken iverde. Es wird daher allgemein gehofft, daß das aus Washington kommende Gerücht sich be- wahrheite. daß Präsident Roosevelt persönlich in San Fran- zisko eingreifen werde, um eine Vermittlung herbcizu- führen. Die düstere Stimmung, mit der die öffentliche Meinung in den Vereinigten Staate» dem Streik in San Franziska entgegensieht, erscheint nicht übertrieben, wenn man die alarmierenden Nachrichten aus anderen Haken- und In- dustriestädtcn berücksichtigt. In Portland lOregon» hat sich die Lage weiter verschärft. Man rechnet dort endgültig mit der Ausrufung des Generalstreiks. In Houston jTexass ivurden drei Neger bei Unruhen streikender Dockarbeiter erschossen. Birmingham lAlabamai meldet den Streik- bcschluß der Textilarbeiter für den ganzen Staat. Auch in der Hauptstadt Washington herrscht eine ziemlich gedrückte Stimmung angesichts des ersten wirklichen Generalstreiks in einer amerikanischen Großstadt. Ein 1919 in Seattle verübter Generalstreik brach bekanntlich rasch zusammen. In politischen Kreisen glaubt man, daß. falls nicht bald eine Beendigung des Streiks gelingt, die Verwendung von BundeStruppen zur Aufrechterhaltung der Ordnung kaum vermieden werden kann, zum mindesten für die Ausrecht- erhaltung des Postverkehrs und möglicherweise auch zur Sicherung der Lebensmitteltransporte. „Handlungen halbetranhener Wilder" General Johnson steht zu seinem Wort General Johnson, der bekannte Leiter der N. R. A., hat am 13. Juli in einer Rede in Waterloo im Staate Iowa die Vorgänge in Deutschland vom 39. Juni sehr scharf kriti- siert. General Johnson bezeichnete die damaligen Maß- nahmen Hitlers und Görings als„Handlungen halb- betrunkener Wilder". Daß man Männer ans ihren Familien herausgerissen, an die Wand gestellt und ohne Ur- teil erschossen habe, das übersteige sein Fassungstvermögen. Aehnliches habe er nur in Mexiko und in halbzivilisiertcn Ländern gesehen: daß solche Dinge in einem Kulturland vor- kommen konnten, sei unbegreiflich. Die Nachrichten über diese Borgänge in Deutschland hätten ihn derart angewil- dert, daß cr krank geworden sei. Der deutsche Geschäftsträger sprach beim Staats- departement vor, um gegen Bemerkungen zu protestieren, die General Johnson in einer am 12. Juli gehaltenen Rede über die jüngsten Ereignisse in Deutschland gemacht haben soll. Das Staatsdepartement lenkte die Aufmerksam- keit Dr. Leithers aus die Tatsache, daß die Erklärungen des Generals Johnson, wie sie von der Presse veröffentlicht ivurden, vom Redner als Privatmann und nicht im Namen des Staatsdevartementes oder der Regierung ab- gegeben worden sind. Staatssekretär Hnll erklärte weiter, es sei bedauerlich, daß es mit Rücksicht aus die Stellung des Generals Johnson im Kabinett möglich gewesen sei. seinen rein persönlichen Acußerungen offiziellen Charakter beizu- General Johnson ist von dem Protest dcS deutschen Ge- schäststrägers sofort in Kenntnis gesetzt worden. Er erklärte, er könne kein Wort von dem zurücknehmen, was er gesagt habe? er habe nicht als Beamter gesprochen, sondern seiner persönlichen Meinung Ausdruck verliehen. Was wird aus Ostlocarno? Man wird kritisch in Paris Paris, 16. Juli. Was wird Deutschland aus die englische und italienisch« Aufforderung, sich einem O st l o c a r n o anzuschließen, ant- warten? Das ist die Frage, die in zahlreichen Pariser Zeitungen gestellt wird. Dabei muß man festhalten, daß durchaus nicht die Meinung vorherrscht, als ob durch den Eintritt Deutschlands in einen Ostpakt die Schwierigkeiten beseitigt werden würden, die mit der Sicherheitssragc zn- sammenhängen. Denn man hat hier kein rechtes Ver- trauen zu Deutschlands Vertragstreue. Man weist darauf hin, daß Deutschland auch den Locarnopakt unterzeichnet habe, der den Frieden im Westen garantieren sollte und doch dabei in den letzten Jahren eine Politik ver» fcInt habe, die durchaus nicht immer friedlich gewesen sei. Ein anderes Bedenken, dem-man hier und da begegnet, ergibt sich aus Polens Haltung. Man kennt die Spannungen, die seit langem zwischen Polen und Sowjet- rußland bestehen. Man weiß, daß eS nicht so einfach ist, dies« Spannungen durch den Ostpakt zu beseitigen. Die„beiden Unbekannte" „Paris-Soir" meint, zwei Unbekannte beherrschten gegen- wärtig das Problem: Polen und Deutschland. Polen habe sich schon lange in Genf gegen die Paktpolitik aus- gesprochen. Aber es werde ihm doch schwer fallen, unter den gegenwärtigen Umständen seine Zustimmung zu verweigern, ohne dadurch ernste Konsequenzen befürchten zu müssen.— Deutschland iverde jetzt Gelegenheit haben, die Reinheit seiner Absichten zu beweisen, mit denen es überall so laut Reklame mache. Hitlers Schweigen über die Außenpolitik beweise wenigstens, daß Deutschland im Augenblick ein wenig aus dem Text gebracht sei. Es sei sich wohl über die Be- deutuug des Moments klar. Antworte es mit ja, dann garantiere es damit die Ostgrenzen, wie es im Westlocarno das für Elsaß-Lothringen getan habe. Antworte es mit n e i n, dann gebe es damit seine Revancheabsichtcn zu. In diesem Falle aber ermächtige es geradezu das Ausland, alle die Maßnahmen zu ergreifen, die zu seiner Sicherheit not- wendig seien. Ehrenhreuz Von Hindenburg gestiftet Berlin, 10. Juli. Aus Vorschlag der RcichSregierung stif- tete Reichspräsident Hindenburg ein Ehrenkreuz für Kriegsteilnehmer und für Kriegerwitwen und-Waisen, auch für die in der Gefangenschaft verstorbenen, sowie für alle verschollenen Kriegsteilnehmer und die an ihren Wunden verstorbenen. Die Auszeichnung wird an einem schwarziveißroteir Band getragen und soll den nächsten Angehörigen derer, für die sie bestimmt ist. und die nicht mehr leben, überreicht werden. „freisten für die polMsdien Gefangenen" Kundgebungen vor der deutschen Botschaft London, 16. Juli. Zu einer neuerlichen Kundgebung kam es vor der deutschen Botschaft, wo eine Delegation, die sich für die Befreiung der politischen Gefangenen im„dritten Reich" einsetzen wollte, vom Botschafter nicht empfangen worden war. Es bildete sich ein Demonstrationszug, den die Polizei schließlich mit Hilfe des Gummiknüppels auflösen konnte. Dabei kam es zu einigen Verhaftungen. Slndenfen verprügeln sich Korporationsstudenten und Nichtkorporierte Göttingen, 16. Juli. In Göttingenn kam eö zwischen Kor- porationSstudentcn und Nichtinkorporiertcn zu lebhaften Auseinandersetzungen. Im Anschluß an einen Bummel der särbentragendcn Verbindungen besetzten etwa tausend Ange- hörige dieser Korporationen die Räume des Ratskeller», „Die deutsche Rechnung war falsch „Petit Partsien" meint, Deutschland habe damit«rechnet» daß England mit der ganzen Angelegenheit nichts zu^ tun haben wolle. Es habe an die i t a l. e n. s che Gegnerschaft geglaubt. Tie Rechnung sei so ialsck als.möglich gewesen. Heute sei das Reich gezwungen, seinen»»ten Glauben un» seine Friedensliebe zu beweisen, indem es sich für ein Ost loearno entscheide oder nicht. Die Berliner Politiker seien i» einer schwierigen Situation. Man habe den Eindruck, da« ihnen nicht unangenehmer sei als eine solche Eni- scheidung. bei der es nur ein Entweder Oder gäbe. Man wolle üch wahrscheinlich in Berlin erst äußern, wenn man wisse, wofür Warschau sich entscheiden werde... Bedenklich Sehr skeptisch äußert sich Saint Briee im„Journal". Man möge dock nickt sagen, daß ein Pakt wirklich eine Sicherheit bedeute. Seit 1925 bestände der Loearnovertrag, aber man wisse, wie Deutschland die dadurch geschaffene Situation seit neun Jahren ausgenützt habe. Um sein« eigene Sicherheit ui garantieren, habe Frankreich Mit- liarden für den Ausbau einer Festungslinie ausgeben müssen, und das genüge noch nicht. Was müsse man von einem Ostloearno denken, dessen Bürge nicht mehr das italienische Heer und die englische Flotte, sondern die rote ?l r m e e sei... Aehnliche Bedenken hat Georges Mareenan im „Jonr", der ausführt, die Aussichten seien, falls Deutschland dem Oüpakt zustimme, für Frankreich wenig günstig^ denn es tansche ein Berteidignngssystem gegen ein Abkommen ein, an dem England nicht beteiligt sei. Tie Theoretiker deS Hitlerismus hätten zu lange geträumt von dem„Drang nach Rußland", als daß sich nicht die Praktiker schon damit ge- nüqend abgegeben hätten. Und man könne nicht vergessen, daß seinerzeit Marschall Pilsudski einige alte Prestige- recknunaen wegen der Ukrainestadt Kieiv zu begleichen hat. Darin liege wohl auch der Grund, ivaruni Deutschland und Polen sich, sträubten, ivenn man ihnen. vorschlage, einen Pakt mit einer dritten Macht zu unterzeichnen, die sie selbst nicht bedrohe. während die nichtinkorporierten Studenten den RathauS- platz einnahmen. Als die Kampfstimmung schließlich in Tät- lichketten auszuarten drohte, ließ die Polizei die streitenden Parteien mit Hilfe eines Spreng ivagens auseinander- treiben. Der Rektor der Universität hat eine disziplinarische Untersuchung eingeleitet. Im Zusammenhang mit diesen Auseinandersetzungen haben sich serner Universität und Studentenschaft veranlaßt gesehen, zwei hiesige farbentragende Verbindungen bis auf weiteres zu suspendieren und in einem öffentlichen Ausruf nachdrücklich zu Disziplin und Ruhe zu ermahnen. Zehn Stu- deuten wurde» im Laufe der Auseinandersetzungen von der Polizei festgenommen: sie werden sich ivegen A ufrhur- und Lanbfriedensbruches zu verantworten habe». Zudilliaus für Illegale Geheimprozeß in München sJnpreßs: In geheimer Sitzung verhandelte das Land» gericht München gegen 6 antisasch'stiscke Arbeiter auS Pir- masens wegen„Fortführung der KPD" und„Vertriebs von illegalen RPD.-Zeitungen". Die Arbeiter Jöckel und Schäfer ivurden zu je zwei Jahren und drei Monaten Zuckt- haus, die Angeklagten Johann Jelinik und Jakob.Schmidt z» einem Jahr und sechs Monaten Zuchlhaus bzw. zu einem Jahr und drei Monaten Gefängnis verureitlt. Pas Neueste Der schwedische Forscher Sven Hedin befindet sich nach hier eingelaufenen Meldungen in Sicherheit. Er hält sich zur Zeit in Urundschi aus. Ein seltsames 16 Meter langes Seenngeheuer ist bei Dunnet Head an der schottischen Nordkttste an Land ge« schwemmt worden. Der Kops des Tieres ist noch Aussagen der Finder groß und flach, nnd der Hals weist eine Art Mähne auf. Der Umfang des Rumpfes soll etwa SS Zenit« meter betragen. Zu Hitler: niemals! Sonntag haben die freien Gewerkschaften des Saar- tzebietes auf einer Konserenz für das gesamte Gebiet ihre Haltung bei der eventuellen Abstimmung am 13. Januar prä- zisiert. Sie haben einstimmig und einmütig beschlossen, gegen eine Rückgabe des Saargebietes an Hitler- Deutschland zu stimmen. Die Parole wurde unter stürmischer Zustimmung und minutenlang anhaltendem Beifall aufgenommen. Damit hat die stärkste und ausschlaggebende Gewerkschastsorganisation des Saargebietes ihre feste Position im Abstimmungskamps auf der Seite der freien Deutschen gegen die Knechte und Handlanger des Hakenkreuzkapitalismus bezogen. Diese Stellungnahme der freien Gewerkschaften wird im ganzen Saargebiet einen starken Widerhall finden. Die Referate Sine dem g. zen Saargebiet waren die Vertreter der frei- gewerkschaftlichen Slrbeiterschast zusammengekommen, so dast sie den großen Saal der Arbeiter-Wohlfahrt füllten. Im Mittelpunkt der Tagung standen zwei Referate, deren Thema lautete:» Spiegel der Rückgliede- Sfc Der Beschluß der freien Saar-Gewerkschaften Die Katholiken an der Saar nicht beruhigt Der große Sfimmungsumsdiwung gegen das„drille ßeldi" „Saarsragen im rung." Der erste Redner, der Bezirkeleiter des Deutschen Metall- arbeiter-Verbandcs, Max Bock, setzte den Delegierten in einem hochinteressanten und glänzend informierenden Bor- trag die großen wirtschaftlichen Zusammenhänge auseinan- der, die mit der eventuellen Rückgliederung des Saargebietee auftauchen und die das Schicksal der Saarbevölterung in ganz einschneidenden Maße bestimmen werden. Mit den tatsächlichen Ziffern und dem tatsächlichen Stand der deutschen darniederlicgendcn Wirtschast widerlegte der Red- ner denn auch die zahlreichen Versprechungen, die die Dema- gogen des„dritten Reiches" skrupellos der Saarbevölterung machen, obgleich sie genau wissen, daß eine Erfüllung ein- fach unmöglich ist. Slnch die politischen Ausführungen des Landesleiters der freien Gewerkschaften, F r i tz D o b i s ch, wurden mit großem Interesse und mit oft durchbrechendem Beifall ausgenommen. Besonders der«nbeugsame Kampswille, der aus den Wor- ten Dobischs hervortrat, riß die Funktionäre zu hellster Bc- geisterung hin nr' entfesselte Beifallsstürme. Seinen beredten Slusdruck fand die kämpferische Ent- schlossenheit und Siegeszuversicht innerhalb der Slrbeitcr- schast auch in der langen und hochstehenden Sl u s s p r a ch e. Einig waren sich alle und ohne Vorbehalt in der Sl b w e h r des Hitler-Faschismus und in dem festen Willen, den Nationalsozialisten an der Saar eine empfindliche Schlappe beizubringen. Gleichermaßen einmütig waren sich auch sämtliche Redner in ihrem Bekenntnis zur notwcn- digen Einheitssront aller sozialistischen, antifaschistisch ringe- stellten Arbeiter. Eine Anklage Einer der erhebendsten Höhepunkte der Konserenz aocr bildete die aus tiefster Ucberzeugung„nd mit einer unbe- schreiblichen Wucht und Kraft vorgetragene Sl n k l a g c des Bergmanns Bolz gegen die zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit, die auf dem Lande täglich von den Anhängern der„deutschen Front" an sozialistisch und antifaschistisch eingestellten Einwohnern des Saargcbietes begangen wird und um die sich kein Mensch zu kümmern scheint. Wie packend waren seine Worte von den Landjägern mit den„zwei Sorten Augen", die die Schurken der„d e u t s ch c n Front" schalten und walten lassen, ohne einzu- schreiten, die aber bei jeder Geringfügigkeit Sinti» faschisten gegenüber aus den Buchstaben des Gesetzes pochen und oft noch mehr sehen und dahinter vermuten, als sich in Wirklichkeit zuträgt, nur um der verhaßten Frciheitsfront eins auszuwischen. Slls zum Schluß der Konferenz, über die wir noch einen ausführlichen Bericht bringen, die„Internationale" durch das Haus dröhnte und die„Frciheits"-Rusc mit einer Be- ^Die gleichgeschaltete katholische„L a n d e s z e i t u n g" in Saarbrücken schreibt zur Kanzlerrede: „To sehr Schuld und Schicksal dieses verschwörerischen SSl.-Kreises, der bekanntlich unter besonderer Gerichtsbar- keit stand, durch die Darlegungen des Reichskanzlers ge- klärt erscheinen mögen, so sehr sind wir auch heute leider noch im Unklaren über das, was anderen, im Zusammen- hang mit den Ereignissen des 30. Juni genannten und getöteten Persönlichkeiten an Schuld zugewiesen wird. In diesen Fällen, in denen es sich zum Teil um untadelige Männer des öffentlichen Lebens handelt, die plötzlich und ohne nähere Begründung mit dem schweren Verbrechen des Verrates beschuldigt und dann getötet worden sind, ist eine rückhaltlose Slufklärung des Volkes doppelt notwendig. Wir vermissen aber leider nicht nur die meisten Namen derer, die außerhalb des rebellischen SA.-Kreises von dem Schick- sal des 3». Juni ereilt worden sind, sondern auch jede Dar- legung darüber, welche Schuld sie auf sich geladen haben. Wir verhehlen nicht die Tatsache, daß uns das Dunkel, das in dieser Hinsicht auch heute noch besteht, ernste Besorgnisse bereitet. Als Männer, die auch nach ihrem Tode einen heiligen Anspruch auf den Nachweis ihrer Schuld oder aus eine öffentliche Ehrenrettung haben, nennen wir insbeson- dere Dr. Klausener, den Vorsitzenden der Katholischen Slktion im Bistum Berlin, und Sldalbert Probst, den Reichs- führer der Deutschen Jugendkraft, von dem wir bisher nur das eine wissen, daß er in zeitlichem Zusammenhang mit den Ereignissen des 30. Juni verhaftet und aus der Flucht erschossen worden ist. Ucber diese beiden Personen liegt bisher noch keinerlei amtliche Erklärung darüber vor, ob und inwieweit man sie überhaupt der Teilnahme an einem Komplott gegen den Staat beschuldigt. Die Erklärung des Ministerpräsidenten Göring am Abend des 30. Juni:„Ich habe meine Slufgabe erweitert, indem ich auch gegen die Unzufriedenen eine» Schlag führte", und die Ungewißheit der Auslegung und der praktischen Tragweite dieser Worte machen eine Erklärung doppelt zur Pflicht. Angesichts der tieferen inneren Erschütterung, die der Tod dieser beiden Männer in weitesten Kreisen des katholischen Volkes aus- gelöst hat, erwarten wir, daß diese Fälle offen und klar aus dem Dunkel hervorgezogen werden, das sie heute noch umgibt." # Die katholische„Neue S a a r- P o st" in Saarbrücken richtet einen Offene» Brief an den„Sehr geehrten Herrn Reichskanzler". Darin heißt es u. a.: Herr Reichskanzler, mit Ihrer Propagandarede vom 13. Juli ist das Vertrauen nicht gewachsen, nein, ganz ehrlich 'soll es ausgesprochen werden, das Mißtrauen wurde noch gewaltig gesteigert. Das Volk will Belege, das Volk will Material, ivill Unterlagen für die staatsfeindlichen Ber- schlungen jener Leute, die Sie nach Ihrem eigenen Geständ- nis vor aller Welt einfach haben erschießen lassen. Das Volk und die Welt erkennt Sie ale obersten Gerichteherrn nicht an: denn Sie sind Partei. Dae deutsche'Volk gibt niemand dae Recht, auch nicht einem Reichskanzler, ohne Urteil je- wand aus dem Leben zu befördern. Und nun, Herr Reichskanzler, Sie haben Ziffern ge- nannt, die Zahl derer, die Ihrem Schwert zum Opfer fielen— um mit Göring zu sprechen. Wo sind die Namen, damit Vergleiche gezogen. Nachprüfungen vorgenommen werden können? Bis jetzt ist das immer noch nicht möglich. Die Katholiken hätten gern etwas davon gehört, ob man den Leuten, die katholisch waren, Gelegenheit gegeben geistcrnng erschollen, die aus der Siegeszuversicht entspringt, waren die Teilnehmer«m ein erhebendes Ereignis bereichert und in ihrem opservollcn Kamps gegen eine Welt voller Feinde neu bestärkt. hat, vor dem Tode die Tröstungen der Kirche zu empfangen. Wir hätten überhaupt gerne einmal etwas darüber gehört, wie Sic heute zu der Kirche und dem Katholizismus stehen, ob die Katholiken weiterhin als angebliche Wühlmäuse ver- folgt werden sollen? Die Katholiken sind enttäuscht über das, was Sie sagten, aber noch weit mehr über das, was Sic nicht sagten. Die Katholiken Deutschlands, überhaupt alle Christen, glauben an eine civige Vergeltung, an ein ewiges Fort- leben. Unsere größten Sorgen sind die Sorgen nir unsere heilige Kirche,'die uns für die Ewigkeit vorzubereiten be- rufen ist. Für die Ewigkeit, Herr Reichskanzler, nicht sur die kurze Spanne Zeit aus Erden. Deshalb sind wir zuerst katholisch und verlangen, daß die Kirche ihre Aufgaben in Teutschland voll und ganz wahr^ nehmen kann. Und unser Glaube verlangt, daß wir auch gute Staatsbürger sind, daß wir unsere Heimat und unser Vaterland als eine Gottesgabc mit ganzem Herzen lieben. Weil wir Katholiken unser Vaterland lieben, deshalb diese offene Sprache, deshalb der Kampf gegen jene, die wir nicht für fähig halten, unser armes Volk herauszuführen aus den jetzigen Wirren, aus den Tagen der Not und des Elends. Wir führen den Kamps gegen Lüge, gegen Verdrehung, gegen falsche Verherrlichung, gegen Personenkult, um mit-verrn v Papen zu reden:„Gegen Eigennutz, Charakterlosigkeit, Un- Wahrhaftigkeit. Unritterlichkeit und Schönfärbereien." Wir an der Saar haben de» Mut, die Dinge noch beim richtigen Namen zu nennen. Glauben Sie nur nicht, datz Sie das Volk überzeugt haben! Gedankenlose Männer haben Sie vielleicht für sich gewonnen und einfältige Frauen, die die Zusammenhänge nicht kennen, und denen der Wind Ihrer Phrasen den Kops-ausgeblasen hat. Die meisten Zuhörer, Herr Reichskanzler, hörten in Ihrer Rede, genau wie in der Rede Ihres Provagandaministers Goebbels, bereits ganz vernehmlich die Melodien des letzten Walzers anklingen... tiebete verboten! Was alles beschlagnahmt wird Neulich ist ein an die katholische Jugend Triers gerichtetes Flugblatt des Prälaten Anheier. Diözesanpräses der katho- tischen Jugendvereine beschlagnahmt worden: Der Oberbürgermeister der Stadt Trier als Ortspolizei- behörde. Hochwürden Herrn Prälat Sl n h e i e r in Trier. Fernmdl. Anfrage v. 29. ds. Mts. PSl. 756/34 Trier, 30. 6. 1934. Betreff. Flublattbeschlagnahmc. Am 29. d. M. wurden in den katholischen Kirchen TrierS in der Zeit der Gottesdienste 647 Flugblätter beschlagnahmt, die an die„Katholischen Jungen und Mädchen in der Hitler- jugend" gerichtet und von Diözesanpräses Prälat Anheier, Domkapitular und Dompfarrer herausgegeben sind. Die Beschlagnahme und Einbeziehung der Flugblätter ist auf Grund des 8~ der Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutze des deutschen Volkes vom 4. 2. 1033 und des 8 14 des Polizeiverwaltungsgesetzcs vom 1. 6. 1931 erfolgt, da der Inhalt in seinen Wendungen„Das absolute Erziehungs- recht hat nicht der Staat, sondern Gott allein",„Und nun will man diese Jugend zwingen, ihr Christus gegebenes Treu- versprechen zu brechen", besonders aber in der Wendung „Ich bitte Dich, katholischer Junge und katholisches Mädchen, in der Staatsjugend, hilf mir beten, damit nicht das Werk des Volkskanzlers durch Ungesetzlichkeiten untergeordneter Organe sabotiert wird" eine unbegründete und untragbare Kritik am nationalsozialistischen Staate darstellt und somit geeignet ist, die öffentliche Sicherheit zu gefährden. Gegen diese Maßnahme steht Ihnen nach 8 45 des Polizei- verwaltungsqesetzes die Beschwerde zu. Diese ist innerhalb zwei Wochen schriftlich oder zu Protokoll bei mir einzulegen. Der k. Oberbürgermeister. vre! Kundgebungen am Sonntag Die antifaschistische Saar-Front wächst In Sulzbach zählte die antifaschistische Kundgebung über 3000 Teilnehmer, in dem kleinen Grenzörtchen Sl u ß e n über 1000 und in Saarlouis, obgleich die Landjäger Hunderte abgehalten hatten, über 200(1. Natürlich werden die bedauernswerten Blätter der sogenannten„deutschen Front" in ihrer hundedemütigen Gleichschaltung wieder einmal be- haupten, das seien nur„Lothringer", oder nur„Emigranten" oder„Farbige" oder„Gesindel", oder aber alles zusammen gewesen. In allen drei Kundgebungen sprachen Mar Braun und Fritz Pfordt. Die Begeisterung der Massen war grenzenlos und überstieg alle Erwartungen. Wenn Räume da freigegeben wären, die diese Massen fassen könnten, wäre mit noch stärkerem Zuzug zu rechnen. Jedenfalls steht eins fest: Die Slntisaschistische Front marschiert und wächst von Tag zu Tag! Umso häßlicher, widerlicher und kleinlicher wirkt das Be- nehmen gewisser Elemente der sogenaiutten„deutschen Front" und gewisser Teile der Landjäger und der Polizei. Es ge- r ügt, dafür zwei Beispiele anzuführen: „Pfui Teufel!"— Ein Exempel In Außen standen einige Hitlergänse in vorgerücktem Jungfrauenalter an einer Straßenecke und schrien und johl- ten und keiften. Desgleichen die schulpflichtige Jugend, die anscheinend im Völkerbundsland zu„rauhen Kämpfern" nach den Sitten und Methoden der Hitler, Röhn, und Genossen erzogen werden. Zugleich aber hatte die„deutsche" Front sol- itzendes Flugblatt im gleichen Orte verbreitet: „Separatistischer Mord- Hüntel hat für Svnntagobe»» in de, Wirtschaft Alexander eine Versammlung einberufen. Als Redner sind bestellt der berüchtigte „Drci-Pseilen-Bonze" Mag Braun und der„Ritter vom hoben Sowjetstern" Fritz Pfordt. Das würdige Paar will die ihnen»er. blieben«(tzalgensrift bis zum(3. Januar 1935 noch^schuell dazu benutzen, auch in unserem Orte ihre schwindsüchtige Filiale mit «ist und Lüge wieder zu beleben. Unsere Austener Bevölkerung legt keinen Wert ans den Besuch der beiden politischen Max und Morize, denen ihre Privatinteressen näher liegen, als unsere Bolksgemeinschast. Wir werden uns von diesen, mit französischem «elde anshaltenen Phrasenonkels nich« zu„ftatns quacklern" machen lassen, das dürfen sie und andere Separatisten sich mer. keu. Die Anstener Bevölkerung weist es weit von fich ab, mit diesen Vaterlandsverrätern Hand in Hand zu gehen. Dieser sepa. ratiftische Spuk wird hier ebenso schnell verschwinden wie in der Pfalz und im Rheinland. Das Sude dieser«algenbrttder wird ihnen zu denken geben. Wir werden ihnen zwar nicht das Ende bereiten wie jenen, die mit Knüppel totgeschlagen wurden oder ins Feuer geworfen wurden, wir haben für sie nur ein gerüttelt Mast Verachtung übrig und werden sie am Sonntag begrüsten mit einem kräftigen„Psni Tensel". Anstener Bürger! Zeigt diesen Wölfen im Schasspelz, dast ihr gleichen Sinnes und gleichen Bln. tes sei wie unsere pfälzischen und rheinischen Brüder, die auch in Tagen der Rot treo»n Volk und Vaterland gestanden. Haltet Disziplin und meide, diese ekelerregend« Sippschaft. Omega." Jeder Kommentar zu diesem Zeugnis Hitlerschen Ungei- stes und tiefster Erniedrigung könnte den Eindruck nur ab- schwächen. Selbstverständlich hatte das Flugblatt nur das Gegenteil erreicht, nämlich nun erst recht alle Slntisaschisten auf die Beine gebracht, so daß über 1000 Teilnehmer an der Kundgebung gezählt werden konnten. Katholische Saar-Jugend Sie erwacht... tfeichsflagge auf Halbmast zum Gedenken des ermordeten Jugendfilhrers Saarlouis, den 15. Juli 1934. Heute fand hier das Kreistressen der Deutschen Jugend- krast, der größten katholischen Jugendorganisation, statt. Die Beteiligung war außerordentlich stark szirka drei- tausend Personen). Zum Zeichen der Trauer um den von Hitlerbanditen ermordeten DJK.-Führer Probst hatten die Jugendlichen ihre Wimpel und Fahnen mit Trauer- floren versehen. In der Saarlouiser Kirche wurde der Festgottesdienjt abgehalten. Kaplan Faber, Schwalbach, sprach über die Pflicht ber jungen katholischen Generation, den Weg, den der ermordete Führer Probst aufgezeigt hat, mutig weiterzugehen.„Probst"— so sagte Kaplan Fabcr wörtlich— ist nach einer Meldung auf der Flucht erschossen worden. Sein Werk aber lebt und wir wären Feiglinge, wollten wir davon ablassen!" Unter Vorantritt zahlreicher Kapellen zogen die Fcstteil- nehmer dann zum Sportplatz. Hier sprach Kaplan Schnei- der. Er wies die Jugend darauf hin, daß sie mit Einsatz nach der Demaskierung Die Weilpress« glaubt einmütig die Komplottlegende des„Fflürers 11 nicht beule eine große Anzahl von Presiestimmen zur Hitler-Rede. Die Ausführlichkeil hak nicht t•!£^fichj, den Lesern ein ziemlich genaues Bild der Meinung der Kullunvelt zu geben. Diese Zitate sollen zugleich beweisen m welch dreister Weise das deutsche BolK von Presse und Rundfunk des..drillen Reiches" belogen wird. Man scheut sich nicht, Tendenz und Anhalt der aus den ausländischen Zeitungen zitierten Stimmen in ihr Gegenteil zu verkehren. Wir lesen da:..Ueberwältigender Eindruck in Holland",..Großer Er- -l.- u Wahrheit ist, daß der Trennungsgraben zwischen den Despoten des«dritten Reiches" und der ltbrigen Welt noch n,e so tief war wie heute.* Paris, den lß. Juli. Da die Rede des deutschen Reichskanzlers in den Pariser Redaktionen erst kurz vor Abschluß der Sonnabendausgabe vorlag, so fehlten in den Morgenzcitungen am Sonnabend durchweg ausführliche Kommentare zu Hitlers AuS- führungcn. Dazu kam der Umstand, daß die Zeitungen mit ausführlichen Berichten über Sir John Simons am Freitag gehaltene UnterhauSrede angefüllt waren. Einen nicht ge- ringen Raum nahmen die Meldungen von der Demarche des englischen Botschafters in Berlin beim Außenminister von Neurath und über das von Mussolini veröffentliche Kommunique ein, das deutlich 6e» weist, in welche Sackgasse sich die Außenpolitik des„dritten Reiches" verrannt hat. Der 14. Juli ist französischer Nationalfeiertag, gilt der Erinnerung an den Sturm auf die Bastille im Jahre 1789. Was Wunder, daß die Zeitungen sich mit den zahlreichen fest- lichcn Veranstaltungen beschäftigten, so daß das„dritte Reich" etwas in den Hintergrund trat. Das sollte sich aber im Laufe des Tages wesentlich ändern. Denn die Mittags- und Abendzeitungen holten das reichlich nach, was in der Morgen- presse versäumt war. Plan kann wohl sgaen, daß selten ein Staatsmann, der eine 1'/,stündige Rede gehalten hat, auf deren Bedeutung er und sein Propagandaministerium tagelang die ganze Welt aufmerksam gemacht haben, cinesounßttn st ige Presse gefunden hat wie der„Führer". Das französische Sprichwort„Wer sich entschuldigt, klagt sich an" kehrt in asten Tonarten immer wieder, wenn geschildert wird, wie Hitler die von ihm in der deutschen Bartholomäusnacht be- fohlenen Morde, von denen er selbst 77 zugibt, zu verteidigen und zu begründen versucht. An' der Spitze aller Betrach- tungen steht die Feststellung, daß Hitler sich über die A u ß e n p o l t i k a u s s ch w i e g. Und einmütig ist die Auf- fassung, der außenpolitische Teil der Rede sei bereits fertig- gestellt gewesen, als man unter dem Eindruck der unvor- Mussolinischcn Kommuniques sich neuen Tatsachen gegenüber hcrgesehenen Demarche des englischen Botschafters und des befunden und zunächst die Sprache verloren habe. „Hitler muß wählen..."-- „Paris-Midi" meint. Reichskanzler Hitler vertage seine Antwort aus den englischen Vorschlag, sich für ein Ost- locarno zu entscheiden, weil er an die Möglichkeit eines solchen Vorschlages überhaupt nicht gedacht habe. Das Reich befinde sich jetzt an einem Scheideweg. Es müsse wählen zwischen der Rückkehr nach Genf und dem weiteren hart- näckigen Verharren in der Isolierung. Morgen schon werde Hitler auf die englische Anfrage antworten müssen, die letzten Endes bedeute Sicherheit oder gewaltsame Revision der Verträge. Was Hitler vom 30. Juni, dem Tage der„blu- tigen Reinigung" des„dritten Reiches" gesagt habe, das seien nur Phrasen, um die öffentliche Mei- nung zu besänftigen, die durch die sogenannten„Ber- schworungcn" beunruhigt sei. Hitler habe wie ein Mann ge- sprachen, dem die innere Situation sehr viel Sorgen mache. * Anklagerede gegen Tote „Jntranfigcant" spricht von einem Plädoyer„pro domo". Erst in letzter Minute habe Hitler darauf verzichtet, sich zur Außenpolitik zu äußern. Das Blatt stellt fest, daß die ge- sänne Weltpresse ungeheuer enttäuscht sei durch die Hitlerrede, ivetl sie weder über die neue Innenpolitik, noch über die neue Wirtschaftspolitik, noch über auswärtige Fragen etwas bringe. EsisteineAnklageredegegendieToten, eine Verteidigungsrede, die nur diejenigen überzeugen könnte, die schon vorher Freunde einer Taktik der blutigen Vergeltung gewesen waren. Hitlers Rede vom 13. Juli werde sein Prestige nicht erhöhen. Wo ist Hitlers Plan? In dem gleichen Blatt äußert sich Gallus: Hitler habe bei seinen Zuhörern starken Erfolg gehabt. Eigentlich sollte doch der Augenblick schlecht gewählt sein für einen Mann, der nicht zögert, seine Gegner ohne jedes richterliche Ein- greifen n i e d e rz u m e tz e l n. Doch den deutschen Ge- fühlen widerstrebten Bluttaten nicht. Was Hitler getan habe, das hätten sonst seine Freunde getan. Damit hänge es auch zusammen, daß, ivcnn eine deutsche Revolution einmal aus- brechen werde, sie von einer Heftigkeit und Brutalität ohne Beispiel sein wurde. Von Deutschlands Notlage habe Hitler kein Wort gesagt. Und doch sei das die Frage, die alle Deutschen beschästige: iv i e könne mau ihnen Exi st enzmöglich ketten geben? Das sei das ein- ztge Problem. Die Juniverschwörer seien der Meinung ge- ivesen, der Kanzler hindere die Wiederanfrichtung des Landes, weil seine Politik das Ausland erschrecke, und weil er selber nicht imstande sei, die wirtschaftlichen Schwierig- feiten zu beseitigen. Wenn Hitler sie als wildgcwordcne Toren hinstelle, als Streber, alle!» beseelt von dem Wunsche, die Herrschaft zu erobern, dann sei das leicht, aber falsch. Tie hätten einen Plan gehabt, der den allgemeinen Interessen entsprochen habe. Habe Hitler einen solchen Plan? Er habe ihn in seiner Rede jedenfalls nicht vorgetragen. Er habe sich damit begnügt, eine Verteidigungsrede für sich zu halten.„Sagen wir noch einmal, die deutsche Revolution ist auf dem Wege", so.schließt der Artikel,. V/o sind die Dokumente? In den Sonntag-Morgenausgaben der Blätter kommt vor allem der„Jour" noch einmal aus die Kanzlerrcde zurück. Hier schreibt der Ehesredaktcur Leon Balbn. objektiv be- urteilt, niüsse man zu dem Ergebnis kommen, daß die Hitler- rede mehr als mittelmäßig gewesen sei. Lasse man die Phrasen beiseite und suche man nach Daten. Dokumenten, Beweisen, bann bleibe nichts, weil es eben nichts derartiges gäbe. Man gebe allerhand Erklärungen ab. aber man könne sie nicht durch die gering st e Tatsache stützen, da cö eben solche Tatsachen nicht gebe.... Hitler habe das erstaunliche Wort ausgesprochen: „Der Nationalsozialismus werde von grenzenlosem Per- trauen getragen." Aber er habe unmittelbar darauf den Satz hinzugefügt:„WirwcrdenhunöertJahrelangim Innern Krieg führen, wenn es nötig ist. um die letzten Reste des Marzismus auszurotten." Die Unlogik, die Unkonsequenz dieser beiden eng an- einandergesllgten Erklärungen genüge, um ein Urteil über den Wert des Hitlerplädoyers abzugeben. Wenn auf sran- zösischem Boden ein Anwalt vor den Geichivorenen so schlecht seinen Klienten verteidigen würde, dann wäre diesem die Todes st rase sicher. Er würde außerdem zu jenen heruntergekommenen Anwälten gezählt werden, die ihre Zukunft bereits hinter sich hätten...» Leidenschaft, Nervosität, Wut „Le Figaro" sDie Rede des Reichskanzlers Hitler von Wladimir d'Ormcsson): „Zwei geschlagene Stunden hat der Reichskanzler Hitler zu seinem Volk und zur Welt gesprochen. Mit abgehackter, erregter, inmitten der Sätze sich selbst erstickender und über- schlagender Stimme, Knurrlaute und Schreie ausstoßend, wie ein Raubtier im Kampf mit dem anderen. Die Rede des Kanzlers wurde mit einer gewissen Angst in Deutschland, das seit 14 Tagen in einer Atmosphäre der Abgestumpftheit lebt, erwartet. Das Ausland wartete mit Neugierde darauf, denn seit den Ereignissen vom 30. Juni hatte der Herr und Meister Deutschlands mit keinem Wort eine Rechtfertigung für die von ihm befohlene Schlächterei versucht. Man rechnete mit einem politischen Akt. Nach den in Berlin zirkulierenden Gerüchten, nahm man au, daß der „Führer" den Zusammentritt des sogenannten Reichstages zum willkommenen Anlaß nehmen werde seine Stellung in der Außenpolitik zu klären und die durch die deutsche Krise überall ausgetretene Beunruhigung zu beseitigen. Man sprach sogar davon, daß Hitler aus diesem Anlaß die Rückkehr Deutschlands in den Völkerbund verkünden werde. In die- fem Punkte haben sich die Voraussagen als falsch erwiesen. Er hat sich ausschließlich auf das„Komplott" Rohm— Schleicher beschränkt,— ohne indessen dazu irgend etwas Neues zu sagen— und Vergangenheit wie Zukunft des Na- tionalsozialismus in übertriebener Weise geschildert. Wir gehen wohl nicht fehl in der Behauptung, daß sowohl Deutschland wie Europa enttäuscht sind. Deutschland, weil eine noch so gute Rede,— und diese letzte zeigte außer- ordentliche Gefiihlskrast— nicht genügt, die wirtschaftlichen und sozialen Schwierigkeiten zu überwinden und die Unzu- sriedenheit zu beseitigen. Der Kanzler mißbraucht die Glau- bigkcit der Massen, zu denen er spricht, wenn er ganz un- kontrollierbare Behauptungen, z. B. über das berühmte Komplott, das so groß angelegt gewesen sein soll, ausstellt. Was das Ausland betrifft, so ist es nicht ganz richtig, von einer Enttäuschung zu reden. Denn das Ausland hat nichts Neues erwartet. Selbst wenn wir in dieser Rede in unserem Sinne positive Vorschläge gefunden hätten, wir würden sie höflich aber ohne Illusionen quittieren. Aber was schlimm ist. das ist der Ton der Kanzlerrcde. Daß ein Regierungschef, der Herr eines mächtigen Volkes, im Herzen Europas, feine Politik und blutigen Unter- drückungsmaßnahmen in solchen Akzenten, mit solcher Leiden- schaft, Nervosität und Wut erklärt und zu rechtfertigen ver- sucht, das läßt wirklich auf eine undefinierbare Kranltscit schließen, Regierungschef! Ueberlegen Sic, welch große Ver- antwortung dieses Wort ausdrückt. Mehr denn je frägt man sich, wenn man die Stimme Hit- ihrer besten Kräfte den katholischen Glauben gegen feind- liche Elemente zu schlitzen habe,„Katholische Jugend, erwache!" rief Kaplan Schneider seinen gespannt lau- schenden Zuhörern zu. Ein interessantes Bild bot sich dem Besucher beim Be- treten des Sportplatzes. Tie beiden sogenannten Reichs- flaggen(Mörderkreuz und Schwarzweißrot) standen auf Halbmast! Requiem für den ermordeten Probst In ber„Saarbrücker Landes-Zeitung" finden wir folgende Notiz: An die Zugendkraflableilungen der Sladk Saarbrücken Am kommenden Mittwoch, dem 18. Juni, findet um 6.35 in der Pfarrkirche M a l st a t t ein feierliches Requiem für den erschossenen Reichsstthrer der Deutschen Jugcndkrast, Adalbert Probst, statt. Wir bitten die Abteilungen, sich mit ihren Bannern vollzählig an diesem Requiem zu de- teiligen. Die übrigen Verbände«nd Bünde der katholischen Jugend sind zur Teilnahme smit Bannern) herzlich ringe- laden, ebenso alle Freunde der katholische» Jugend. Die Bezirksstthrung des Saargcbietes. In Trauer und Treue. Die Empörung bei den saarländischen Katholiken über die Ermordung des katholischen Reichsjugendführers ist tief und nachhaltig. Niemand glaubt an eine Erschießung auf ber Flucht. Alle, die Probst gekannt haben, erklären, er sei viel zu klug gewesen, als daß er seine Schergen durch eine Flucht die Möglichkeit gegeben hätte, ihn mit einem Schein von Recht zu erschießen. Alle Katholiken an der Saar dagegen wissen mit uns, daß dies nur eine Behauptung des GoebbelSschcn Lügen-Nach- richtenbüros ist. Warum hat man die Leiche des Probst ein- geäschert? Warum hat man eine Woche lang den Anver-. wandten und der Kirche keine Ausklärung gegeben? Was hatte man zu verbergen? Eine Erschießung auf der Flucht brauchte nicht verheimlicht zu werden. Diese Fragen bewegten die junger Männer auf dem KretS- treffen der Deutschen Jugendkraft. Es fehlt nur noch, den flammenden Aufruf des Kaplans in nationalsozialistischer Manier zu ergänzen: „Katholische Jugend erwache!"—„Nazihitler verrecke!" M m die„WW«eil"! Die Saar frage steht auf dem Spiel" Eine wichtige französische AeuBsrung Pari», 15. Juli. Im„Jour" äußerte sich der Herausgeber«nd Chef- redaktcur Leon Balbn in einem Leitartikel zu dem Thema:„Die Saarfrage steht aus dem Spiel". „An der Saar," so heißt es.„finanziert die„deutsche Front" die Zeitungen, die dafür sorgen müssen, daß die national- sozialistische Glut nicht verlöscht. Was mußten diese Zeitungen nun angesichts der Tragödie vom 30. Juni schreiben, wenn sie sich nicht vor ihren Lesern demaskieren wollten? Sie konnten doch nicht gegen den Ekel und die Empörung des Saarvolkes ankämpfen. Sie betonten weiter ihre Treue zum Reich, aber sie schrieben, und das ist gerade- zu unerhört bei ihnen:„Die deutsche Reichsregierung muß sofort die Beweise für die Verschwörung und die lückenlose Liste der Gemordeten veröffentlichen. Das Schweigen darf picht länger währen". Was in der Bewegung an der Saar vor allem festgehalten werden MAß, das ist nickt so sehr die Empörung der Saar- länder— ei» solches Gefühl ist vergänglich— als vielmehr die Rückwirkung ans die Ideen und den Einfluß des Ratio- nalsozialismus. Dieser Rückschlag ich deutlich, er vollzieht sich gesetzmäßig. Deutschland durchschreitet von der Gegen- wart an bis zum Frühjahr 1035 den kritischsten Abschnitt seit dem Kriege. Die Lage seiner Wirtschast und setner Finanzen wird täglich schlimmer. Um nicht zu vcrhunacrn.wird man bald zur ZlvangSbewirtschaftung schreiten müssen, wie im Jahre 1918. Die Kartoffel- und Margarineknappheit, die man ge- rade jetzt in Berlin feststellen kann, ist nur ein Signal für die Lebensmittelschmierigkeiten, die diesem Lande droben, das sich durch eigene Schuld um alle Verbindungen mit seinen Nachbarn gebracht hat. Andererseits bcträat die Golddecke für die Mark nur noch 2 Prozent. Das gilt sür das Saargebiet ebenso wie für ganz Deutschland. Das Transfermoratorium, das man in Berlin verkündete, hat ein Echo gefunden, wo man von panischem Schrecken vor dem Sturz der Mark ergriffen wurde, die man in den Saarbanken in Reserve hatte. Man wolle einmal an den Geisteszustand eines Durch- schnitts-Taarländers denke«, der im Augenblick sich noch «ich» klar ist über die Vor-oder Nachteile, die ihm bei der Abstimmung im nächsten Januar ein Ja oder Nein bieten. Er hat die Wahl zwischen der Vereinigung mit einem bankerotten Lande oder dem Status quo mit seinen wundervolle» Borzügen sür Handel und Industrie und dem Schusse des internationalen Mandats Endlich weiß er, daß er weiter zu lt an, den niemand kontrollieren kann. Hitler sprach dann von einem geheimnisvollen Besuch der vvei Männer Röhm, Schleicher und Alvensleben bei dem Botschafter einer fremden Macht. Diese Unterhaltung hat Phantasie Hitlers genügt, die drei„Verräter" der Kon- ipiration mit fremden Mächten zu beschuldigen. Warum wurde der frühere Kanzler und seine Frau getötet? Er wußte mundtot gemacht werden, damit er diesem lächerlichen -o-ärchen nicht entgegentreten konnte, daß man in der Lage war, sich seiner selbst zu bedienen. Ohne lästige Gegenzeugen. Um welchen Botschafter handelt eS sich denn da? Wenn Hit- >ers Behauptung stimmt, dann würbe dieser Botschafter sich bestimmt zu Wort melden. Tie blutigen und furchtbaren Ereignisse in Deutschland werden weitere nach sich ziehen. Wir haben erst den ersten Akt dieses furchtbaren Dramas erlebt. Wir würden diese Tatsache mit tiefem Mitleid konsta- ueren, wenn eS sich nicht um unseren Nachbarn handelte, um °as Nachbarland, an dessen Kopf ein Mann ohne sicheres Urteil, ein unsicherer Abenteurer, zu den brutalsten Maß- uahmen fähig, steht. Und deshalb haben wir mit Recht einige Befürchtungen für die Zukunft. Bleiben wir auf der Wacht, Und verstärken wir den Grenzschutz gegen dieses Deutsch- land, das schon mit seinen eigenen Menschen so rücksichtslos umgeht. »Nor aas sdncr Angst" Englands rceinang Oeslerreldi Im Urteil der Schwell | Paris, 16. JuN. Ter der französischen Regierung nahestehende„T e m p s", °cr wegen des Nationalfeiertages am Samstag nicht er- ichien, nimmt nunmehr Stellung zu der Kanzlerrede. Es oeißt in dem Blatt: Hitlers Ausführungen würden nie- wand zufriedenstellen können. Er sei den Beweis oafür schuldig geblieben, daß die summarische Hinrichtung von Jen 77 Personen ohne richterliches Urteil eine Staats- votwendigkeit gewesen sei. Da er selbst zugegeben habe, daß or von dem Gange der Verschwörung seit März unterrichtet gewesen sei, daß er andererseits behauptet habe, es handle "ch nur um eine kleine Verschwörerschicht, während das ^ios hinter ihm stehe, außerdem noch Armee und Polizei, oätte cr die Rebellen ja nur zu verhasten brauchen. Seine Handlungsweise sei nur aus seier Angst vor einem Attentat Segen seine eigene Person zu erklären. >,Bartholomäusnacht des 20. Jahrhunderts" London, 10. Juli. Hitler» ReichStagS-Pläboyer hat die hiesigen politischen »reise in keiner Weise beeinflußt, die weiter die Auffassung vcrteten, daß nichts die brutalen Morde vom 86. Juni recht- fertigen könne, die man eine„Bartholomäusnacht des SO. Jahrhunderts" nennt. Tic Presse aller Richtungen, ob konservativ, liberal oder sozialistisch, zweifelt nach wie vor an dem sogenannten Nöhm-Komplott. Trotz aller Einzelheiten, die der Kanzler ge- geben hat, lassen die Londoner Zeitungen erkennen, daß Hitler keinen greifbaren Beweis für das Bestehen dieser Re- Solution gegeben hat, die, wie er wußte, seit Monaten in Vorbereitung war, und die erst im allerletzten Äugenblick unterdrückt hat. Man sagt: eine Verschwörung made in Aermany. Das ist hier die allgemeine Auffassung. Gangsters ehrenwerter... Die Chikagoer Gangsters sind ehrenwerter, schreibt die liberale„Tunday Referee", wenn sie töten, behaupten sie nicht, sie täten es. um die bedrohte Freiheit zu retten, son- den, nach ihren eigenen Worten„um den anderen beseitigt »u haben, bevor er es selbst mit ihnen so macht. „Sundan Times", ein konservatives Blatt, sagt, die Er- eignisse des 8l). Juni hätten nicht nur das Weltgewissen empört, sie hätten auch da? deutsche Volk aufgeregt und ver- wirrt. Dann fährt das Blatt fort:„Die Begeisterung der letzt enttäuschten deutschen Jugend wirb eine neue Ab- lenkung finden, die iür viele von ihnen wahrscheinlich der Kommunismus sein wird. Wenn man abwartet, dann wird die deutsche Gefahr vielleicht für das Ausland weniger groß sein, aber um so beträchtlicher für Deutschland selbst. »Deutschland hat aufgehört.• Tie„Times" erklären. Hitler habe ein außerordentliches und schreckliches Bild ausgemalt, das in gewisser Beziehung die Lage in Deutschland widerspiegele. Aber er habe nicht widerlegen können, daß Deutschland aufgehört habe, ein Modernes europäisches Land z« sein und daß es in die Bar- barei JeS Mittelalters zurückaesunken sei. D,e„Times ebenso wie fast die ganze englische Presse steht den Behaup- tungen Hitlers über das angebliche Komplott nach wie vor völlig skeptisch gegenitck«. Gefühl des Schauderns' Bern, 16. Jull. „Revue de Lausanne" schreibt: Die Worte des deutschen Reichskanzlers werben, so meinen wir, nicht das Gefühl des Schauders zerstreuen, das bei den freien Völkern die Ereig- nisse des Ll>. Juni ausgelöst haben. Hitler behauptet, er sei an jenem Tag„der oberste Gerichtshof des deutschen Volkes" gewesen, jener verhaßte Gerichtshof» der durch eine sum- mansche Hinrichtung die Angeklagten aller Verteidigung?- mittel beraubte". „Gedrückt« Stimmung" In der Kroll-Oper, die seit dem Reichstagsbrand als Par- lamentögebäude dient, vermochte das festliche Rot des Saales und der Glanz der Kronleuchter nicht über die gebrückte Stimmung hinwegzutäuschen, die abends K Uhr den Be- ginn der Sitzung beherrschte. Im großen Halbkreis, wo die braunen Parteiuniformen, vermischt mit dem Schwarz der «S. den Ton angeben, bleiben die Plätze der Abgeordneten Röhm, Heines und Ernst leer und klafften noch einige andere Lücken. Auf der Regierungsbank sind alle Reichs- m i u i st e r erschienen, außer Herrn v. Papen. dessen Ab- Wesenheit eine schattenhafte stumme Demonstration dar- stellt. Mit den überfüllten Tribünen kontrastiert die schwach besetzte Diplomatenloge,' die vorderste Reihe, die sonst von den Botschaftern besetzt ivar, ist zu dreiviertel leer. Den Heil- Rufen beim Eintritt Hitlers, der im braunen Hemd und mit der Hakenkreuzbinde am Arm erscheint, folgen einige Minu- ten tödlicher Stille. Der Reichskanzler nimmt neben Frei- Herrn v. Neurath Platz. Görina trägt die graublaue Uni- form des Reichslustschutzbundes,' vom hohen Präsidenten- sitz herab mustert er regungslos die Versammlung. Endlich wird die Sitzung eröffnet, und Hitler besteigt die Rednertribüne. Er ist niedergeschlagen, aber gefaßt. Das Wort„K r i s e", das schon in den ersten Sätzen fällt, läßt auf- horche», aber dann kommt eine schleppende Einleitung: eine halbe Stunde spricht Hitler ivieder von den Fehlern der frü- deren Regierungen. Die Versammlung— 600 Mann, die ihren Rang und ihre Existenz Hitler zu verdanken haben— beginnt ihrer Nervosität in Zurufen und Händeklatschen Luft zu machen. Brausender Beifall folgt einem Bekenntnis des Führers zur wirtschaftlichen A u t a r k i e. Ohne rechten Uebergana geht Hitler dann auf die SA.- Revolte ein. Seine Stimme wird erregt, die geballte Faust fährt durch die Lust. Die ganze Erbitterung gegen die Berussrevolutionäre, die seine Ausbaupläne anfö Spiel setzen, kommt zum Ausdruck. Hitler ist in seinem Innersten getroffen. Nur an den Stellen, wo er sich aegen den Herren- klub und verwandte RechtSkreise wendet und sie als Drohnen anprangert, die vom Nichtstun, vom Klatsch und Intrigen leben, erweist er sich noch als der alte Polemiker. Wenn er Röhm und die andern toten SA.-Führer als Meuterer und Abtrünnige anklagt, bricht die empörte Ge- sühlSwelt durch. Wer die Durchführung eines normalen Gerichtsverfahrens vermißt, stößt auf den ent- schiedenen Protest des Reichskanzlers gegen ein solches Ansinnen. Offen bekennt er sich zum Absolutismus. „Ich ivar verantwortlich für die Geschicke des Landes und handelte in jenen Tagen als des deutschen Volkes oberster Gerichtsherr." Endloser frenetischer Beisall folgte dieser Er- klärung. Die Abgeordneten springen empor, erheben die Arme und bringen dreifache Heil-Rufe auS. Die Tribünen stimmen ein, gellende Frauenstimmen mischen sich in den Taumel des Enthusiasmus, der die Abdankung der alten Rechtsbegruse begrüßt. Mit Fausthieben auss Rednerpult unterstreicht Hitler den Vernichtungswillen des Regimes gegen jeden Versuch des Widerstandes, der mit den Waffen niedergezwungen werben soll. Nachher gebt die Rede zu einem gemessenen Ernst über. Ist das Gemüt Hitlers von Todesahnungen v e r d il st e r t? Er spricht von der Möglichkeit, daß er seinen Platz räumen muß, und von seinem Nachfolger, der dann mit dem gleichen Eiser handeln würde. Der Reichstag singt zum Tckluß da? Horst-Wessel-Lied mit seiner Apotheose der getöteten SA.-Männer—„Kameraden, die Rot-Front und Reaktion erschossen..." Hitler reicht seinen Minister» einem nach dem andern die Hand und schreitet langsam dem Aus- gang zu. Dem fremden Gast auf der Tribüne fällt es nicht leicht, sich der Melancholie dieses Bildes zu entziehen. („Neue Zürcher Zeitung".) „Spät und spärlich" Die seit zwei vollen Wochen verheißenen Ans- klärnngen über Ursache und Umfang der ungesetzlichen Hin- richtungen oeö 80. Juni, die von der großen Rechtfertigungs- rede des Reichskanzlers Adolf Hitler vor dem Reichsiaa erwartet worden waren, sind beklemmend dürftig ausgefallen. Wenn man sich die in der Rede nachzitternde, offenbar echte, leidenschaftliche Empörung des Kanzlers, dessen hoch- gestimmtes Selbstbewußtsein als Führer durch die Unbot- Mäßigkeit der früheren Kampfgenossen empfindlich getroffen zu sein scheint, als Hörer oder Leser nicht selbst zu eigen macht hätte. Nein, das zum Schweigen verurteilte deutsche Volk und die Welt, von deren Meinung auch Deutschland nach wie vor sehr abhängig ist, kann sich nicht mit dem zu- frieden geben, waS sie auS dem Munde des nattonalsozia- listischen Führers hörten. Die so nebenbei hingeworfene Ve- merkiing, nach Lage der Dinge sei ein reguläres Gerichts- verfahren ausgeschlossen gewesen, kann die bangen Zweifel nur verstärken, nicht mindern. Und Hitlers Rede wird um so weniger überzeugen können, als in dem Fasse des 30. Juni dem alten deutschen RechlSsprichwort nicht mehr Genüge geschehen kann, das da lautet: Eines ManneS Rede ist keines Mannes Rede, man soll sie hören alle beede. („Neues Wiener Tageblatt".) ,, «« »Eines Mannes Rede Ist keines Mannes Rede" Die entscheidende Frage aber, die ReckstSfrage. hat Adolf Hitler nicht zu beantworten gewußt. Er hat gegen die Menschen, deren Tötung er befahl, schwerste Anklaaen er- hoben, Anklaaen. die. wenn sie wirklich zu Recht bestanden, unter Umständen schwerste Strafen rechtsertiaen konnten. Aber Hitler bat die öffentliche Meinung seines Lande« und da« Gewissen der Welt nicht beruhigt, die sich nicht damit ab- linden föiinen. daß der Ankläger auch Richter in einer Per- so» war. Er hat nichts gesprochen von einem auch nur primitiven Versahren, das den Spruch, der den Lebenssaden io vieler Menschen plötzi'Ä iv einem Recht«fpjnch ge- freund Ungarn „Kapitel der Schauerromantik Budapest, 16. Juli. In der ungarischen Presse wird die Nachhaltigkeit des Eindruckes der Rede Hitlers bezweifelt und am Inhalt der Rede vielfach Kritik geübt. Allgemein wird jeder Hinweis auf wirtschaftliche und außenpolitische Fragen vermißt und betont, daß auch die Erklärungen über den 30. Juli nur dürstig waren. „P e st i N a p l o" sagt: Die Rebe war ein p a r t e i- p o l i- tische? einseitiges Rechten mit dem nicht an- wescnden Feind. Auf positive Erfolge konnte sich der Führer nicht berufen. Der Passus über die Zuversicht be- zttalich der Serstellung inländischer Rohstoffe erinnere an die Ersatzzeit während des Krieges. Die Rede könne über die Risse des Regimes nicht hinwegtäuschen. Hakenkreuz und Deutschtum bedeuten nicht dasselbe. Im„P e ft i Hirsau" heißt es: Die Rede war eine auf Stimmuugsmachc be- rechnete Propaganda mit dem Zwecke, die Unruhe in Deutsch- land zu beseitigen. Ob dies gelungen ist, wird erst die Zu- ^Ter'^-P rtet Lloyd" schreibt: ES taucht die Frage auf. ob es nicht im Reicksinteresse aewesen wäre, endlich mit dem ganzen Datenmaterial herauszurücken aus dem sich die Ge- ivtßhei) ergebe würde, daß strich und Poll in Teutschland machen kann, steht man vor einer Anzahl beweiSloser Be« Häuptlingen und Vorwürfe, zwischen denen zahlreiche Wider- sprttche stehen bleiben. Die angebliche verschwörerische Verbindung RöhmS mit dem General von G ch l e i ch e r ist noch völlig undurchsichtig geblieben. Nach der eigenen Darstellung des Kanzlers wäre ihm nur der Beginn einer solchen Fühlungnahme von Röhm zunächst verschwiegen worden. Die stattgesundenen Verhandlungen wären später sonach mit Wissen Hitlers vor sich gegangen. Daß der General an der be- Haupteten Verschwörung in ihrer letzten Plangestaltung mitschuldig gewesen wäre, wird gar ni-stt mehr behauptet. Völlig rätselhast und dunkel bleibt endlich die angebliche Beteiligung einer ausländischen Macht, von der in der ersten amtlichen Darstellung so geheimnisvoll und ein- drucksvoll die Rede gewesen war. Der Kanzler, der die Ver- antwortung für die gesamte Aktion gegenüber Reichstag und Volk ausdrücklich übernommen hat, kommt auf den Borwurf des Landesverrats und die amtliche Beschuldigung eines AuslandsstaatcS überhaupt nicht zurück. Am dürftigsten ist aber der Teil der Rechtfertigung qus- gefallen, aus den nicht nur das deutsche Volk, sondern die ganze gesittete Welt am meisten gespannt war: die Begrün- dung der gesetzlosen brutalen Form der so- genannten Säuberungsaktion. Die unerhörte B e f r e m- dung, um nicht zu sagen das Granen, das alle menschlich fühlenden Zeitgenossen ergrissen bat. gegenüber diesen amt- lichen T tungsakten ohne Gcrichtsvertahren, ohne Ver- teidigungSreckite, ohne geordnete Beweisführung, so daß Irrtümern, privater Willkür und persönlichen Rachegelüsten einzelner ausführender Organe keinerlei Garantie gegen- überstand, diese gefühlsmäßige Tatsache von vielleicht noch gar nicht erineßbärer Tragweite, ist offenbar von der führen- den Gruppe überhaupt nicht erfaßt worden. Die europäischen Staatsmänner werden sich freilich weder durch sittliche Empörung noch durch das Gewicht der Argu- mente des Kanzlers, der sich das Verdienst zuschreibt, Deutschland vor dem Bürgerkrieg und damit Europa vor neuer Verwirrung gerettet zu haben, in ihrem Urteil und ihren Entschlüssen bestimmen lassen. Sic werden nüchtern die Wirkungen der deutschen Führerkrise auf die Festigkeit und internationale V e r t'r a g s f ä h i g k e i t der gegenwärtigen Regierung abzuschätzen versuchen. Dabei werden sie vermutlich zum Ergebnis kommen und durch die wenig überzeugende Kanzlerrede darin eher noch bestärkt werden, daß das Prestige der herrschende» Partei durch die offenbar nervöS und teilweise übereilt durch- geführte Aktion im Volk merklich»nd sehr wahrscheinlich entscheidend gelitten hat. Die übersteigerte Tonlage der bisherigen Parteipropaganda rächt sich nun empfindlich. Der Ruhm der sittlichen Erhebung und Einigung des Volkes, der Mythos der Treue und Unetgennützigkelt des Fllhrerkreise«. sie sind durch allzu demagogischen Eiser in der plötzlichen moralischen Bloßstellung der gerichteten Meuterer mit ins Wanken gekommen. Und vor allem wird das System de,' Zwangs und Terrors, das mit dem Hinweis auf jene hohen Werte gerechtfertigt worden war, plötzlich fragwürdig. Und da der Terror sich unter der Einwirkung der folgen- schweren Verbitterung in den Kreisen der Opfer deS 30. Juni eher verstärken muß, wird cr plötzlich als lästig und un- erträglich empfunden. Die wettere Entwicklung scheint unausweichlich. Jakob Burckhardt beschreibt diesen Zustand in der„Zeit Konstantins des Großen" sehr anschaulich:„Feder TerroriSwnS erlahmt, sobald die Durchschnittsmasse ihre Leidenschaft gestillt hat und die unangenehmen Folgen selber zu empfinden anfängt. Die Fanatiker, die ihn perpetuieren wollen, gehen entweder an ihren eigenen Konsequenzen zugrunde oder sie werden beiseite geschoben." „National-Zeitung", Basel. Das Damoklesschwert Der Berliner Berichterstatter der Basler„National» Zeitung" schreibt u. a.: Adolf Hitler selbst machte einen nur zu begreiflichen mit« genommenen und ergriffenen Eindruck. Die Sitzung begann: pünktlich und wurde vom Präsidenten, General Göring, mit kurzen Worten eröffnet. Darauf sprach gleich Adolf Hitler unter dem sichtbaren Druck einer sehr starken inneren Er- regung. DaS war nicht mehr der Staatsmann, sondern der Partei- und VolkSredner. Die Rede des Kanzlers war ein einziges leidenschaftliches nnb offenbar ehrlich überzeugtes Plädoyer pro domo, da? aber sehr vielen Deutschen die innere Ruhe über die nach wie vor nicht ausgeklärten Geschehnisse des 30. Juni keinesfalls wiederzugeben vermag. Das sei übrigens auch im Bewußt- sein des Damoklesschwertes der Maßreglungen gesagt, die den ausländischen Berichterstattern für den Fall einer ofsi- zicll nicht genehmen Haltung gegen die Kanzlerredc ang»» kündigt wurden. wirklich der Gefahr ausgesetzt waren. Opfer eines Kom» plotteS zu werben, ob dieie Geiahr so groß war, daß sie nur durch das persönliche Eingreifen de« Reichskanzlers und durch Verheimlich»»« der schaurigen Vorgänge gemeistert werden konnte. Mit dem Beschluß deS Reichstages ist unter daS Kapitel der Schancrchronik der jüngsten deutschen Ereignisse««« Schluß»«»!« gesetzt. Viele in der Welt werden aber der Meinung lein, daß die nationalsozialisti,che Herrschaft in. Deutschland und HitlerS Prestige nicht gefestigt aus dieser Krise hervorgegangen sind. Im regierungsfreundlichen„Függetlenscg" wird dagegen, gesagt, die Justiz über die Verschwörer und Verräter sei eine innere Angelegenheit. Daß dann die aufgepeitschten Leiden« schatten über die Grenze schlugen, war gewiß gegen die Ab- sichten der deutschen Regierung.„Budapest! Hirlap" hebt das Freimütige und Selbstlose im Gehaben Hitlers hervor, meint aber, daß es zweifelhaft sei, ob die zivilisierte Welt sich be- ruhigen la>°>»n werde. Nordische Länder Stockholm. 10. Inns. Die Presse der drei skandinavischen Länder ist sich einig darüber, daß die Hitlerrede alles andere als Befriedi- gung erwecken könne. Diese Auffassung teile» auch die Zei- tungen. die vorher geneigt waren, an die Existenz des sagen- haften Röhmkomplotts zu glauben. Man schüttelt hier den Kopf darüber, daß Hitler sich 21 Stunden lang am 30. Juni persönlich nach seinen eigenen Worten als erweiterter beut- scher Gerichtshof angesehen habe. Man habe, so heißt eS, die Rebe immer und immer wieder gelesen, um einige Punkte für das tatsächliche Bc st eben eines Kom- plotts zu finden. Vergebens!— DaS Volk in Schweden, Norwegen und Däncntvrk sei niemals Teutschland gegenüber kritischer eingestellt gewesen als im gegen- wältigen Zeitpunkt. Man möchte mit den Nazis nickt-Z mehr zu tun haben, die sich iLWxr ihre Uhkdische Ver=* wandschaft bvnf^l. Spanien enttäuscht M°>>rid, is. Juli. In Spanien ist die Oeffentlichkeit über die Rede Hitlers äußerst enttäuscht und zahlreich sind die Pressestimmen, in denen diese Rede völlig abgelehnt wird. Die Madrider Zeitung„El Debate"(katholisch) sagt? Hitler hahe als Revolutionär gehandelt, für den der Zweck die Mittel heilige. Die Mittel aber bereiten Entsetzen, wenn man sehe, wie sie in einem großen Lande angewendet würden, das christlich und zivilisiert sein wolle. Nein, der Führer habe nicht überzeugt.„Wir wissen, daß das unmög- lich war,- aber wir hofften, daß er uns wenigstens über unsere Zweifel Hinweghelsen würde. Das war nicht der Fall. Bon unserem Protest haben wir nichts zurückzunehmen. Wir können ihn nur wiederholen." „El Socialista"(Madrid): Hitler ist von den Groß- industriellen abhängig. Das beweist der Wandel, der jetzt im Reichswirtschastsministerium vor sich geht; denn dieser Wandel ist die erste Konzession an Krupp. »er ewige ilendiler Hitler und seine homosexuellen Freunde Die neueste Nummer der von Dr. Otto Strasser heraus- gegebenen„Deutschen Revolution": „Unter Bezugnahme auf Punkt 7 der heuchlerischen An- ordnungen Adolf Hitlers für die neue SA. hatten wir an den derzeitigen deutschen Reichskanzler die Frage gerichtet: „Gilt dieser Befehl nur gegenüber den ermordeten SA.- Führern oder auch gegenüber lebenden Ministern und Großivürdcnträgern Ihres Systems?" Es ivar selbstverständlich, daß die einzige Antwort in einer Mordhetze gegen Otto Strasser bestand, in der„Völkischer Beobachter" und„Der Deutsche" die Stichworte für die Provinzpresse gaben. Umso wichtiger erscheint es uns, die Frage durch Nennung einiger Namen zu konkretisieren— schon um Herrn Hitler vor einer Wiederholung des peinlichen Eingeständnisses zu .bewahren, daß ihm von der„unnatürlichen Veranlagung" seiner Unterführer nichts bekannt gewesen sei. Wir klagen daher vor dem deutschen Volk und der Welt- öffentlichkeit zunächst folgende Großwürdenträger des Hitlersystems der homosexuellen Veranlagung und Betätigung an: Reichs mini st er Rudolf Heß, Stellvertreter des Führers und oberster Parteifunktionär: Reichsjugend führer Baldur von Schirach. dem nicht nur die gesamte Hitlerjugend, sondern nunmehr auch die konfessionelle und hündische Jugend ausgeliefert ist: Reichs st atthalter Karl Kaufmann, im Rang eines Reichsministers, zugleich Bauführer von Hamburg: Oberpräsident Hellmuth Brückner, Ober- Präsident von Schlesien, zugleich Gauleiter? Oberleutnant Brückner, persönlicher Adjutant Adolf Hitlers und ST.-Führer. Als Zeugen für unsere Behauptung, die wir jederzeit vor Gericht zu beeiden willens und in der Lage sind, nennen wir(da mit Hauptmann Röhm und Greggor Strasser leider die beiden Hauptzengen rechtzeitig beiseite geschafft wurden) Minister Dr. F r i ck, Oberpräsibent Erich Koch, General von Heinemann(früher Vorsitzender des Uschla), Frau Minister Heß, Ministerpräsident von « i l l i n g e r u. a., auf deren direkter Aussage(neben der persönlichen Einsicht in geheime Partei-Aktcn) unsere An- schuldigung basiert. Reichskanzler Adolf Hitler, dessen langjähriger Privatsekretär und dessen persönlicher Adju- t a n t sich unter den Angeschuldigten befinden, hat das Wort." Verhaftung von SA.-Führern Bremen, 16. Juli(Eig. Bericht). Fünf hervorragende Führer der Bremer TA. sind Nor einiger Zeit plötzlich ver- haftet und in das Gefängnis überführt worden. Man hat sie jetzt wieder entlassen und erklärt, daß sie zwar nicht schuldig seien an dem Komplott des Röhm, daß sie aber ihrer Aemter enthoben seien und noch ein Verfahren zu gewärtigen fjatt.it Amerika sagt: «•Hampelmann unter der eisernen Haske Neuyork, den 16. Juli. Die öffentliche Meinung in Amerika bleibt angesichts der Rede des Reichskanzlers Hitler empört über die jüngsten Ereignisse in Deutschland.?! jemals hat seit dem Kriegsende die deutschfeindliche Stimmung ein solches Ausmaß angenommen. Die demokra- tische Tradition in Amerika hatte schon längst ein gewisses Mißtrauen gegenüber den europäischen Diktaturen erzeugt. Aber die Methoden, die von Hitler angeivandt werden, haben trotz seines Rechtfertigungsversuches bei der großen Mehr- heit des Publikums das absolutistische Regime des„dritten Reiches" vollkommen in Mißkredit gebracht. Am Tage nach den blutigen Vorgängen des 80. Juni hatte sich das amerikanische Gewissen gegen die Brutalität der blutigen Maßnahmen und die Verachtung aller Rechtsgrund- sätze aufgebäumt, die sonst zivilisierten Völkern heilig sind. Hitlers Rede hat ihn in den Augen der Amerikaner wegen seines brutalen Vorgehens nicht gerechtfertigt. Einmütig kritisiert die Presse Hitlers Rede und seine Politik. Oer Fanatiher Die„New Bork Herald Tribüne" gibt ihren Ausführungen die Ueberschrift„D'i e Rede eines Fanatiker s". Das sei das allgemeine Gefühl. Man empöre sich allenthalben darüber, daß Hitler sich identifiziere mit dem nationalen Ge- wissen des deutschen Volkes, als wenn er der oberste deutsche Richter sei.„New Bork Times" bemerkt, daß der deutsche Alleinherrscher zum ersten Male im Reichstag in einer neuen Rolle sich gezeigt habe. In der Verteidigung. Wenn Hitler das Bedürfnis habe, sich zu rechtfertigen, dann nur, weil er nicht sicher ist, das Vertrauen des Volkes zu be- sitzen und des blinden Gehorsames dieses Volkes. Die Zu- kunft allein werde die Festigkeit eines tyrannischen Regime? in Teutschland beweisen. Gehell und Gebrüll „New Bork Post" schreibt unter dem Titel„Ei" Hampelmann unter einer eisernen Maske"! Hitlers Rede zeige deutlich das Bild eines Deutschland, das von seinem Führer enttäuscht sei. Die Nazis seien verwirrt über die Richtung, die dieser einschlage zur Verwirklichung eines sanatischen Sozialismus und seines Programmes. Die SA. stände am Vorabend einer Revolte, und Hitler könne kein Vertrauen mehr zu seinen eigenen Kameraden haben. Er stütze sich auf die Armee.„Das Gebell, das Ge- brüll und die rednerischen Gesten Hitlers kämpfen ver- gebend gegen den unwiderstehlichen Sumpf an. der bald sein „drittes Reich" verschlingen wird, das nur Wind gewesen ist." „Oie Toten können nicht reden" Mehrere Zeitungen, wie Hartford-Courant" meinen, dek Kanzler habe nur einen armseligen Lichtschimmer auf die Ereignisse des 80. Juni geworfen. Andere deuten aus die verschiedenen Widersprüche hin, die Hitlers Erklärungen selbst bieten.„Pioneer Preß" in Saint Paul bedauert, daß die Toten nicht selber ihre eigene Darstellung geben können. Mehrere Zeitungen, wie„Cleveland Plain Dealer" stellen fest, daß Hitlers Rede nichts an der Meinung der Welt geändert haben wird, die, wie„Cansas City Star" hinzufügt, sehr skeptisch sei. In jedem Falle ist die Isolierung, in der Hitler das Reiöi abzuschließen drohe, ein Selbstmord nach der Auffassung des „Philadelphia Jnguirer" ebenso wie des„New Bork Sun", der die Meinung ausspricht, Deutschland werde nicht lange vom„Ersatz" leben könn en... Ahnungsvoll, sentimental und elegisch Zwei iührende deutsche Pressestimmen „Ernst furchtbarer Erkenntnisse" Adolf Hitler hat mit seiner Person die volle Verantwortung für die llberstandenen Tage und ihre Folgen übernommen. Nur weil er sich stark genug fühlt, das Vergangene zu tragen, weiß er sich stark genug, der Nation auf dem Weg in die Zukunft weiter voranzugehen. Der Kanzler hat jetzt enthüllt, daß er schon lange den Irr- weg gesehen hat, den jene betraten. Es kann nichts Tragi- schercs gedacht werden als jene fünfstündige Unterredung mit Stabschef Röhm, die bis Mitternacht währte, in der Adolf Hitler seinen Kameraden beschwor, Kamerad zu bleiben. Adolf Hitler hat ausgesprochen, daß er in einem Augen- blick der höchsten Not, in extremis, es vor der Nation und vor der Geschichte aus sein Gewissen genommen hat, oberster Gerichtsherr dem deutschen Volke zu sein, als solcher zu urteilen und zu strafen. Das Ungeheure solcher Verantwortung letzten richterlichen Han- d e( n s ist g e st e r n erst mit aus die Schultern der Volksvertretung übertragen worden. Es ist nicht zu zweifeln, daß der Reichstag solche Verantwortung nur dann tragen kann, wenn er mit dem Kanzler entschlossen ist, hinfort an seiner Stelle, für die Ordnung des Staates einzutreten. Wenn er weiß, daß die Last, die Adolf Hitler auf sich genommen hat, hinfort die Organe des Staates, die Beamten und Gerichte unverbrüchlich verpflichtet, für die sitt- liche Gesundheit der-Nation zu sorgen. Es muß den ewig sittlichen Mächten eine bleibende Stätte in der Gemeinschaft des Volkes bereitet sein, ein gemeinsamer Wille zum Guten, dem sich der einzelne unterwirst, schafft die Ordnung. Diese Ordnung ist der Staat. Er genügt, aber er genügt nur, weil und solange er ein Organ der Sittlichkeit ist. Dies ist die Lehre, die auf Grund„der vierundzwanzig Stunden der bittersten Entschlüsse seines Lebens" Adolf Hitler der Nation unterbreitet hat. Daß er diese Lehre hat geben können, dazu ist Adolf Hitler das Leid nicht erspart geblieben. Er ha: auch nicht verheimlicht, wie er hat leiden müssen. Das Bild des Kanzlers, wie er am 1. Juli am Fenster seines AmtsgebändeS in Berlin auf die ihm zujubelnde Menge niederblickt, kann nie ver- gcssen werben. Trauer stand in diesem Gesicht geschrieben und der Ernst furchtbarer Erkenntnisse. Wie einst der Soldat sein Leben für das Vaterland in die Schanze geschlagen hat- so hat jetzt der Staatsmann die Not seiner Seele auf si« genommen. Er tat das, weil er„mit jedem Gedanken das Teuerste umkrallt, was uns auf dieser Erde gegeben ist: das deutsche Volk und das Deutsche Reich". („Frankfurter Zeitung"!- „Niederschmetternd" Knapp 14 Tage nach der Niederschlagung der Nöhm-Revolt» hat der Reichskanzler Adolf Hitler am Freitag ins Reichstag vor den Vertretern des deutschen Volkes, damit vor der Nation und auch vor der Welt, einen eingehende» Rechenschaftsbericht gegeben. Dieser Bericht war für alle, die ihn hörten, erschütternd. Verriet er doch, wie verwegc» und kalt berechnend die ewigen Revolutionäre zur Er- reichung ihrer eignen Zwecke vorgehen wollten? vor einem blutigen Bürgerkrieg schreckten sie nicht zurück, und selbst vor sem Leben des Reichskanzlers machten sie unter Ausöen- kung teuflischer Pläne nicht halt. Wer gestern in der Kroll- opcr der denkwürdigen Reichstagssitzung beiwohnte, konnte deutlich erkennen, welch niederschmetternden Ein- druck das vorgelegte Material aus das ganze Haus mact)<£ und wie schwer es anderseits stellenweise dem Reichskanzler wurde, in dieser Offenheit über den Treubruch von Män- nern zu sprechen, die er aus den: Gefühl der Treue heraus zu laiige mit seiner ganzen Person gedeckt hatte. Deutschland befindet sich wirtschaftlich und politisch in einer Lage, in der eine einheitliche Führung auf allen Gebiete» sich nicht von Revolutionären aller Schattierungen in de» Arm fallen lassen kann. Die Schwierigkeiten, die überwu»- den werden müssen, sind an sich schon groß genug. Man kan» ihrer nicht Herr werden, wenn der Staat, von Umstürzler» bedroht, nicht zu arbeiten vermag, und wenn das gesamte wirtschaftliche Leben gelähmt und auch außenpolitische Kreise gestört werden. Die Vorgänge um die Wende Juni-Jul> sollen für alle eine Warnung sein. Die Zeit der per- manentenRevolutionmußvorbeisein! Deutsch- land kann nur unter einem Regiment der Ordnung^ deihcn.„Kölnische Zeitung' Große Baisse in Luxusautos Niemand will sie kaufen... In einer Berliner Garage sind ein Dutzend h o ch f e u- dale Autos, zum größten Teil Mercedes-Wagen, unter- gebracht, die den erschossenen SA.-Führern gehörten. Aber niemand will die Autos kaufen. Zu diesen Wagen stießen in den letzten Tagen noch Autos anderer noch leben- der Nazi-Untersührer, denen die drohenden Befehle des Führers zur Sparsamkeit Angst einjagten und die von ihren schönen Limousinen und Sportswagen nun auf einmal nichts mehr wissen wollen. Auch ihrer Landhäuser haben sich gewisse Unterführer entledigt. Freundinneü, durch die sie zu einem Leben, das weit über ihre finanzielle Kraft hinausging, verführt wurden, sind, so will die Basier„Na- tional-Zeitung" wissen, möglichst in Berussstellungen unter- gebracht worden... M Mamsell" Brauer §1 Ammenmärchen . Die„Schleswig-Holsteinische Tageszeitung" will bei dem allgemeinen Verrücktspielen natürlich nicht gerne zurückstehen. Darum veröffentlichte sie in ihrer Nr. 144 folgende blödsinnige Meldung: „R.-Bad Bramstedt. War es Genosse Brauer? Mit einer sonderbaren Angelegenheit beschäftigen sich zur Zeit die Behörden Aus einem Gut in der Umgegend wurde eine ältere Mamsell beschäftigt, die plötzlich die Dienststelle verließ. Schon den Hausgenossen siel das eigenartige Wesen der zigarrenrauchenden Mam- sell aus. Die Gntsverwaltung hat Anhaltspunkte dafür, daß es sich bei der Person um keinen anderen als nm den flüchtigen ehemaligen Oberbürgermeister von Al- tona, Brauer, handeln soll Man darf gespannt sein, was die diesbezügliche Untersuchung ergeben wird." Man darf gespannt sein, wann sie endgültig über- schnappen^ Ovationen nicht erwünscht" Sie hatten Angst Bekanntlich hielten die Nazibonzen nach ihrer Bar- tholomäusnacht in Flensburg, als in Reichweite der dänischen Grenze, eine Verschwörersitzung ab. Da sie mit der Liebe des Volkes nicht allzu unmittelbar in Berüh- rung kommen wollten, gab die Kreisleitung der NSDAP, folgenden Befehl heraus: „Am 4. und 5.. Juli findet in Flensburg eine Tagung sämtlicher Gauleiter und Reichsleiter der NSDAP, statt. Es wird daraus hingewiesen, daß Ansammlungen und Ovationen nicht erwünscht sind. Es handelt sich um eine ernste Arbeitstagung, die nicht repräsentativen Zwecken dient." Das schlechte Gewissen ist eben manchmal stärker als die Prunksucht. Na also! Es war alles nur ein Traum Die„Flensbeirger Nachrichten" melden im Hauptblatt ihrer Nr. vom 4. Juli(!) folgendes: „Der Generaldirektor der„Manchester Corporation of Transport", Stuart Pilcher, der dem internationalen Straßcnbahnkongreß in Berlin beiwohnt,, hat, wie Reuter aus Berlin meldet, erklärt, daß auf ihn die Volks- tümlichkeit Hitlers bei den deutschen Massen einen großen Eindruck gemach: habe. Er sei daher auch überrascht über die allgemeine Ordnung in Dentschland. besonders, nach- dem er einige übertriebene Berichte gelesen habe, die in der Auslandspresse erschienen sind." Na also! Wer mag sich da eigentlich das Emigranten- märchen aus den Fingern gesogen haben, datz in Deutsch- land in der letzten Iuninackt großes Massaker statt- gefunden habe, bei dem eine sehr große Anzahl bekannter deutscher AerjÜnlichkeiten ums Leben gekomnien jei?, Fememörder Sdiulz Ist er geflohen? Kurz nach dem Massaker im„dritten Reich" fuhr ei» junger Genosse aus dem Ruhrgebiet per Rad nach Amster- dam. Beim Grenzttbertritt stellte er fest, daß die Heber- wachung verschärft war. Er wurde zwecks Prüfung seiner Personalien in ein Zimmer geführt und war Ohrenzeuge eines Telefongesprächs. Aus dem Zwiegespräch konnte er entnehmen, daß Anweisungen zur weiteren Verschärfung der Ueberwachung gegeben Mlirden u nZS e s sich weiter ut» die Fahndung nach Oberleutnant Schul» handelte. Oie Attentatsgerüdite Auf wen wurde geschossen?* Von dem SS.-Mann, der uns die Erekutionsart in Lichter- selde schilderte, wird erklärt, daß anläßlich der Bestattun» von Görings Frau in Karinshall(Schorfheide) tatsächlüb ein Attentat auf Hitler geschehen sei. Hitler sei wie imme< mit einem größeren Schutzgesolge in vier Wagen angesahre»- Er nehme stets in einem anderen Wagen Platz, so daß ma» nie genau wisse, welchen er bei der jeweiligen Fahrt benutzl- Bei der Fahrt nach der Schorfheide glaubte man aber»» wissen, daß er im ersten Wagen fahre. Aus diesen Wagen>>* dann von SA.-Leuten geschossen worden. In diesem Wage» saß aber unter anderen Himmler, der eine Verwundung durch Schuß in den Arm erlitten hat. Aus diesem Grunde sei Himmler nachdem auch nicht mehr in der Oeffentlichkeil zu sehen gewesen, selbst bei der blutigen Aktion gegen die Rebellen nicht in Aktion getreten. Hitler aber hat im dritte» Wagen gesessen und leide nun erst recht seit diesem Vorfall an schlimmstem Verfolgungswahn. Hier finde man auch eine» Anhalt für die Vernichtung seiner bisherigen besten Freunde- — Ueber die wiederholt gemeldete Verwundung Göring? bei einem Autounglück war nichts zu«ja£rea., Das bunte Matt »Deutsche Freiheit", Nr. 162 Eme Dynastie in Geldverlegenheit Wo sind die Reichtümer der Habsburger geblieben! Dienstag, 17. Juli 1984 Wien, im Juli. Die Grundlagen zu dem stolzen Vermögen der Habsbur- qer hat einst Franz von Lothringen gelegt, der Prinzgemahl »er Kaiserin M a r i a- T h e r e s i a. Im Jahre 1743 wurde kr selbst Kaiser des Heiligen römischen Reiches deutscher Na- tion. Er war sparsam bis zur Ucbertreibung und brachte es deshalb fertig, allmählich eine Barschaft von fünfzig Milli- onen Schilling snach heutiger Währung) zu sammeln. In seinem Testament bestimmte er. daß immer zwei Drit- lcl der jährlichen Einnahmen zum eisernen Bestand des Hauses Habsburg gelegt werden müßten. Nur ein Drittel wllte seinen Erbsolgern zur persönlichen Verfügung stehen. Diese Bestimmungen wurden peinlich eingehalten, und daher haben die Reichtümer der Dynastie sich außerordentlich ver- größert. Nach einem Aussatz im„Pesti Naplo", der großen ungari- ichen Zeitung, stellt allein das unbewegliche Vermögen der kaiserlichen Familie, das die Nachfolgestaaten gemäß Para- .gras 208 des Vertrages von St. Germain und Paragraf kW des Vertrages von Trianon entschädigungslos eingc- -logen haben, einen Gesamtwert von einer halben Milliarde Schilling dar. Was aber ist aus den beiveglichen Gütern des Herrscherhauses geworden? Sind all die berühmten Gobe- lins, Kunst- und Büchcrsammlungen, Edelsteine und Gold- Ichmiedcarbeiten ebenso verschwunden wie die anderen Er- mnerungen an eine vierhuudertjährige Rcgicrungszeit? Was für geheimnisvolle Wege sind die Schätze gegangen, die heute zerschmolzen scheinen wie der Schnee in der Tonne? Ein großer Palast in Wien d'icnte als kaiserlicher Möbel- speicher. Er enthielt sehr wertvolle Tapisserien und Zim- mereinrichtungen in den Stilen der letzten fünf Jahrhun- derte. Im November 1018 wurde dieser Speicher gcplün- dert. Noch heute sind die Wiener Antiquitätenhändler mit Tischen und Schränken aus dem fürstlichen Haushalt über- laden. Die Schatzkammern, in denen sich das Tafelsilber, die gol- denen Becher und Servierplatten der Dynastie befanden, sind geleert worden. Die Tonderzllgc der letzten beiden Kai- ser, ihre Salonwagen, Schlafwagen und Lokomotiven sind durch den vormaligen Zeremonienmeister am Ballplatz„un- tcr der Hand" an den jugoslawischen Hos abgestoßen worden. Die Pferde der kaiserlichen Rennställe, wunderbare Tiere darunter, sind in den Reoolutionstagen geschlachtet und zur Ernährung der Bevölkerung verwandt worden. Der Wagen- „.park von Karossen, Landauern und anderen Gcsährten ist ^ausgelöst worden. Heute begegnet man den ehemaligen Hos- kutschen häufig in abgelegenen Alpendörfern, wo sie zur Be- sördcrung der Reisenden verwandt werden. Die Gobelins und Bibliotheken sind zum großen Teil öffentlich versteigert worden. Ucber ihren Erlös und ihr Verbleiben ist so gut wie nichts bekannt geworden. Die Habsburger sammelten seit Jahrhunderten allerlei Modelle von Kleidungsstücken: die Uniformen ihrer Armeen, die Kostüme und Livreen ihrer Garden und Kammerdiener, die Galatrachten der Würdenträger und Hofbeamten. Diese ausgedehnte Gardcrobcnsammlung, deren Stücke zum Teil aus der Renaissance stammten, stellte ein einzigartiges Mu- seum vergangener Moden dar. Sie ist, ivie sie lag und stand, an eine Ausstattungssirma in Hollywood verkauft morden! Die Güter der Habsburger wurden von Oesterreich, Jugo- slawien, Rumänien und der Tschechoslowakei konfisziert. Ter internationale Schiedsgerichtshos im Haag entschied mehrere Male dahin, daß eine Entschädigung nicht zn erfolgen, brauche. Ungarn, Polen und Italien dagegen haben von jeder Einziehung abgesehen. In Polen ist der Erzherzog Karl-Eticnne heule noch einer der reichsten Groß- grundbesitzer des Landes. Er hat.diesen Umstand vornehm- lich seinem Neffen, Alfons XIII. von Spanien, zu verdanken, der eigens zu seinen Gunsten bewirkte, daß die polnische Regierung ein bereits ergangenes Enteignungs-Gesetz wie- der rückgängig machte. Der Duce seinerseits hat der Er» kaiserin Zita die toskanischcn Güter, das Schloß von Eat- taro und die weltberühmte Villa d'Este in Rom für einen Preis abgekauft, der den wahren Wert dieser Besitzungen bei weitem überstieg.... Zwei verschiedene Güter haben die Habsburger sich ge- rettet. Das eine ist ein Schloß in Wartholz, das von seinen Mietern in eine Familienpension umgewandelt worden ist. Die Mieter entrichten aber so gut wie gar keine Zinsen, da die Geschäfte sehr schlecht gehen sollen. Aus dem anderen Besitztum in Tirol befindet sich heute eine Silberfuchsfarm. Auch von hier bekommt die kaiserliche Familie wenig Geld zu sehen. Die Schlösser, die Oesterreich eingezogen hat, sind den> r- schiedenstcn Zwecken gewidmet worden. Ihre Einkünfte sind für die Witwen und Waisen des Weltkrieges bestimmt. Tie großen kaiserlichen Jagden sind teuer verpachtet worden. Andere Besitzungen, ivie beispielsweise Manncsdors, sind zu Mustergütern umgestaltet worden, welche täglich nahezu den gesamten Milchbedars der Hauptstadt befriedigen. In Schloß Laxenburg ist bekanntlich eine Tanz-Tchule eröffnet worden. Tic alte» Ministerwohnungen in Schloß Schön- brunn sind als Rarbetriebe eingerichtet worden, andere Räume dienen als Versammlnngssäle. Die Hofburg selber schließlich, die weltberühmte Residenz des Kaisers Franz Joseph, ist in Privatwohnungen ausgeteilt worden. Hier wohnen hauptsächlich Schauspieler, Schauspielerinnen, Sänger, Tänzerinnen und andere Stars. Im Erdgeschoß liegen die verschiedensten Läden. Manche Mitglieder der Familie Habsburg haben sich ihre persönlichen Güter erhalten können. Von dem Erzherzog Karl-Etien»e war bereits die Rede. Auch ein Tchwiegcr- söhn Kaiser Franz Josephs, der Erzherzog Franz Salvador, hat sein Vermögen gerettet. Er hatte nämlich den vorzüg- lichen Einfall, der jungen Republik Oesterreich zu rechter Zeit den Treueid zu leisten. Die Fürsten Hohenberg, die Verwandten der in Serajcwo ermordeten Thronfolgerin. sind von der Umwälzung ebenfalls nicht betroffen morden. Man hat die Abkömmlinge dieses Hauses nie als Mit- glieder der Dynastie Habsburg betrachtet. Zwei Urenkel Kaiser Franz Josephs haben in Wien eine Weinhandlung ausgemacht, in der sie die Erzeugnisse der Weinberge von Tokay verschleißen. Diese gehören ihrer Großmutter, der Prinziessin Stefanie von Belgien, der Witwe des Erzherzogs Rudolf. Die achtzigjährige Erz- Herzogin Maria-Theresia, die Großmutter des verstorbenen Kaisers Karl, hat ihren Wiener Palast retten können. Sie lebt dort sehr bescheiden und zögert seit zehn Jahren, ob sie Untermieter nehmen soll oder nicht.... Der einzige, der wirklich in völliger Armut gestorben ist, scheint Kaiser Karl selbst gewesen zu sein. Seine Familie wird gegenwärtig von österreichischen und ungarischen Legi- timistcn unterstützt. Als Kaiserin Zita kürzlich mit ihrem Sohn Otto zur Beerdigung des Prinzen von Bourbon nach Paris kam, nahm sie in einem ganz einlachen Hotel auf dem linken Ufer der Seine Wohnung, das an königliche Kundschaft wenig gewohnt ist. Robert Stephan. „Der erste Vauer seines Landes" In Begleitung mehrerer Minister und Staatssekretäre begab sich Mussolini dieser Tage nach den Pontinischen Sümpfen, um ln dem Gebiet, das er dort kultiviert hat, das erste Ge- treibe des Jahres zu dreschen. Drei Stunden lang stand er in weißem offenen Hemd mit kurzen Acrmeln an der Dreschmaschine und warf die Garben höchsteigcnhändig hin- ein. Drei Stunden lang arbeitete er wie jeder andere Bauer, ohne sich umzuschauen, ohne langsamer zu werden, ohne anzuhalte». Um 12 Uhr mittags standen 20 Getreide- säckc auf dem Gutshof. Ter Tuee erhielt eine» Umschlag, i» dem sich der Lohn befand. Für zwei Stunden gewöhnlicher Arbeit erhielt er 4 Lire 20, eine Uebcrstundc wurde mit 2 Lire 00 berechnet, insgesamt also 0 Lire 80. von denen 32 Centesimo für die Hilfskasse und 2 Centesimo für die Syndikatskasse in Abzug gebracht wurden.— In einer An- spräche an die Bauern erklärte Mussolini dann:»Der gei- stige Arbeiter hat im Staate heule ausgespielt. Das alte Rom ist von Bauern geschaffen ivorden, die wahrscheinlich weder lesen noch schreiben konnten. Der Abstieg des Rö- mischen Reiches begann mit der Herrschaft der Schreiber und Intellektuellen." Die Sreisenherrschsft in Aspan Das Kabinett Saito, das dieser Tage seine Demission ge- gebe» hat, zählte zu seinen Mitgliedern mehrere politische Veteranen. Der Premierminister ivar 70 Jahre, der Finanz- minister Takahashi 80, der Innenminister Bamamoto 78 Jahre alt. Wie man sieht, zieht der Kaiser von Japan mit Vorliebe die erfahrensten und— ältesten Männer der Nation zur Mitarbeit heran. Ter jüngste Minister war der für Ackerbau, er zählte 20 Lenze. Wie bei jeder Ministerkrise hat der Mikado auch diesmal wieder zunächst de» 82jährigen Prinzen Saionji um seinen Rat gebeten. Japan ist ein Land, in dem die Weisheit des Alters immer noch das Vorrecht hat. Versicherung gegen Zwillinge Die größte englische Versicherungsgesellschaft schließe neuerdings Verträge mit werdenden Müttern ab für den Fall, daß sie zwei Babys auf eimal zur Welt bringen soll- tcn. Die Versicherung wird so geregelt, daß man eine Summe von 15 Schilling pro Zwilling zahlt. Sobald die Kinder geboren sind, werden der glücklichen Mutter 23 Pfund Sterling ausgehändigt. Auf diese Weise können sich die englischen Elter» vor den Ucbcrraschungcn schützen, die eine Doppelgeburt mit sich bringt. Hollywood 25 Fahre alt Die Hauptstadt des Films feiert in diesem Monat ihren 22. Geburtstag. Es ist ein Vierteljahrhundert her, seit in Los Angeles der erste Film gedreht wurde. Er hieß»Die Nacht des Sultans" und ivurde in den Räumen einer chinesischen Firma aufgenommen. Seine Hauptbarsteller waren Hohart Bosworth und Stella AdamS. Diese beiden Künstler feiern gleichfalls ihr Kinojubiläum, indem sie zur Zeit gemeinsam bei einem neuen Film mitwirken. Der Analphabet als Atadtoberhaupt In dem Oertchen Odanovat in Südserbien hat man zwei- mal die städtischen Wahlen annullieren müssen, ivcil der Kandidat, der die meisten Stimmen auf sich vereinigte, weder lesen noch schreiben konnte. Nach der dritten Wahl wurde er schließlich ernannt. Er hatte zwischen dem zweiten und dritten Termin die Anfangsgründe der serbischen Grammatik erlernt. Freie«ahn dem Tüchtigen! Unsere Töchter, die Kannen Roman von Hermynta Zur Mühlen. 2* Aber ich hätte ebensogut in die leere Lust sprechen können. Lieselotte beachtete meine Worte ebensowenig wie ihr Vater es tat. Ich gab es aus, mit den beiden zu reden! sie hatten ja immer nur ein höhnisches Lächeln für mich. Und was ich wirklich fühle, kann ich ja auch nicht laut aussprechen. Mein ganzes Leben ist zu einem Flüstern geworden, zu einer fruchtlosen Unterhaltung mit mir selbst. Aufpassen, Rücksicht üehmen, seine wahren Gefühle verbergen, jedem nach dem Mund reden, ist das ein Leben? Einmal möchte ich doch zu jenen gehören, die ihre Meinung laut hinausschreien dürfen, die an der Macht sind. Und das Schreckliche ist, daß man nie weiß, wer schließlich die Macht erringen wirb. Da ist diese »cue Partei unter Hitler, er ist mir ja nicht sympathisch, weil er ein Oestcrreicher und ein Katholik ist, aber ivenig- siens gibt ers den Juden, also diese neue Partei, aus deren Mitte jetzt der Reichskanzler hervorgegangen ist!— ich frage wich bisweilen, ob man sich nicht lieber ihr anschließen sollte, als den Deutschnationalen. Wenn ich sicher wäre, daß sie es wit dem Sozialismus nicht ernst meint... Ich habe mich iogar soweit überwunden, Arthur darüber zu befragen. Doch hatte er nur sein ewig höhnisches Lächeln und erwiderte: »So blöd sind die Führer schon nicht. Glaubst du vielleicht, der Herr Göring, dem sie achtzehn die Achselstücke herunter- gerissen haben, und der sich heute noch nicht darüber beruhigt hat. oder der Herr Goebbels, der vor Wut stirbt, weil die großen Zeitungen ihn nicht drucken, werden ein sozialistisches System schassen? Das sagt man so, damit die Arbeitslosen witlaufen." »Sollten wir nicht versuchen, jetzt, da Hitler doch Reichs- Kanzler ist, Lieselotte zum Eintritt In die Partei zu bewegen? Die Elaudia ist schon seit einem Monat dabei." »ES sind viele hysterische Wcibsleute dabei, die so aus ihre Rechnung kommen. Die Lieselotte aber darf nicht beitreten. Verstehst du? Jetzt noch nicht. Erst müssen wir die Wahlen abwarten." Abwarte», Doktor, Abwarten. Mein Gott, wie ich ihn in diesem Augenblick haßte. Abwarten, er hätte mich ja nicht geheiratet, der Klumpfuß, wenn ich ihm nicht eingeredet hätte, ich sei in der Hoffnung. Damals konnte er sich keinen Skandal leisten, das wußte ich. Damals konnte er mit Rück- ficht auf seine neue Praxis nicht sagen: abwarten. Er hat es mir auch nie verziehen, daß Lieselotte erst dreizehn Monate nach unserer Hochzeit ant die Welt gekommen ist. Dabei kann er Gott danken, daß ich ihn geheiratet habe. Ich bin ihm eine gute treue Frau gewesen, ich habe ihn nie betrogen, das eine einzige Mal mit dem kleinen österreichischen Kaiserjäger aus Tirol zählt nicht! in einem Alpenhotel, wo kein Mensch mich gekannt hat. Und ich habe diese Sünde bitter bereut: der kleine Kaiserjäger anscheinend auch, hat er doch keinen Ber- such gemacht, sich mir wieber zu nähern. Er war ein hübscher Bursche, etwas frivol, wie eben Oesterreicher sind. Ich glaube, die Achtung vor der deutschen Frau hat ihn gehindert, aber- nials... Wir deutschen Frauen sind eben anders. Wir sind durch das große Erlebnis des Weltkrieges gestählt. Und schließlich war das zu einer Zeit, da die Deutschen und Oesterreicher Verbündete waren, also eigentlich kann ich diesen Fehltritt mehr als eine patriotische Tat bezeichnen, denn als eine Sünde. Ja, je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr erkenne ich, daß Arthur, im Gegensatz zu mir, eine gute Wahl getzroffen hat. Wo hätte er eine häuslichere Frau finden können, eine bessere Mutter für sein Kind? Und welche Frau hätte sich eine solche Mühe gegeben, unsere gesellschaftliche Position zu stärken? Zu einer Zeit, da so viele von den geheiligten deutschen Traditionen abgefallen sind, bin ich ihnen treu geblieben. Sonst wäre ich ja auch heute nicht im Luisenbund. Uebrigens muß ich Lieselotte in einem recht geben. Es ist entsetzlich langweilig im Luisen- bund. Ich bin gewiß mein Lebtag treu monarchistisch gesinnt gewesen, aber immer nur von Doorn reden. Und wenn sie wenigstens mich reden ließen! Nicht nur die Frau Major und die Baronin Hellsdorf. Die waren beide einmal in Doorn und haben unser» Kaiser besucht, der sie äußerst gnädig empfangen hat. Und nun protzen sie damit, die alten Ziegen^ und wir andern find nur minderwertige Wa«. Bei minderwertiger Ware fällt mir ei», daß die National- sozialisten ja die Warenhäuser schließen wollen. Wenn ich be- denke, ivie schlecht voriges Jahr das Sommerkleid gehalten hat, das ich im Warenhaus gekauft habe, kann ich ihnen nur Recht geben. Es ist in der Wäsche eingegangen und ich weroc es dieses Jahr nicht mehr tragen können. Eigentlich ist es eine Schande, wie diese Warenhäuser einen betrügen. Selbst wenn ich diesen Winter sechzehn Pfund zugenommen habe, das Kleid hätte ja doch passen müssen. Ich werde wohl diesen Sommer bei der Schneiderin der Frau Major arbeiten lassen. Das Unglück ist, daß ihre Kleider wie Säckc aussehen, ohne den geringsten Schick. Aber was soll man tun? Ja, mit den Warenhäusern haben die Nationalsozialisten recht, und mit den Juden und mit den Kommunisten. Als ich heute in der Zeitung las, daß der Reichstag brennt, sagte ich sofort zu Lieselotte: „Den haben die Kommunisten angezündet!" Lieselotte gähnte: es war beim Frühstück. „Er war ohnehin so häßlich," meinte sie. Arthur aber erklärte streng: „Das kann man noch nicht mit Gewißheit sagen. Ab- warten." Die Empörung stieg in mir hoch. Unser Reichstag, dieje Verkörperung Deutschlands. „Man müßte sie mit Stumpf und Stiel ausrotten!" rief ich heftig. „Wen?" fragte Lieselotte gclangwcilt. „Selbstverständlich die Kommunisten." „Sagen das die alten Weiber im Luisenbund?" fragte Lieselotte und gähnte abermals. Und Arthur zog die Brauen hoch und warf mir einen bösen Blick zu: „Kümmere dich nicht um Politik. Das ist Männersache. Sorge lieber dafür, daß heute die Suppe nicht angebrannt ist. Ich keune keine Frau, die so viel von ihrer häuslichen Tüchtigkeit spricht und ein so schlechtes Essen auf den Tisch bringt." .(Fortsetzung folgt^ Pariser Berichte Ein Roman über den Bolschewismus gesucht Die französische Akademie für Erziehung wc"'V 8° Z' 8' e Fürsorge hat jetzt einen interessanten Wettbewerb ausgeschrieben: sie ruft die Dichter und Schriftsteller auf, einen Roman über den Bolschewismus zu schreiben. Der verlangte Roman soll eine Erläuterung der Psychologie des Bolschewismus sein, er soll seine in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft reichenden Auswirkungen auf I amilie, Gesellschaft und Zivilisation aufzeigen. Der Roman kann in Rußland oder in den kommunistischen Kreisen eines anderen Landes spielen. Er muß bis zum 1. Oktober 1934 eingereicht sein, und das Ergebnis des Wettbewerbs soll am 1. April 1935 bekannt gegeben werden. Die ausgesetzten Geldpreise sind von beträchtlicher Höhe: ein erster Preis von 50 000 Franken, ein zweiter von 20 000 Franken und ein dritter von 10 000 Franken. Die französischen Literaturzeitungen kommentieren gerade den finanziellen Teil dieses Wettbewerbs etwas wehmütig, und erinnern daran, daß Frankreichs berühmtester Literaturpreis, der Goncourt-Preis, mit solchen Summen nicht annähernd konkurrieren könne.., Die Reichtümer ller„Unsterblichen" Alle drei Monate treten die Mitglieder der französischem Akademie, die„Unsterblichen", zu einer Sitzung zusammen, in der gewissermaßen der„Kassenbestand" der Akademie aufgenommen wird. Da wird dann immer ein Rechenschaftsbericht über das vergangene Vierteljahr abgelegt, die Liste der verschiedenen Schenkungen wird bekanntgegeben,— kurz, die„Unsterblichen" ergeben sich einmal einer höchst profanen Beschäftigung, aber auch die bereits bei Lebzeiten garantierte Unsterblichkeit kann eben die Notwendigkeit nicht ausschließen, daß in den Karthoteken der Akademie peinliche Ordnung herrschen muß. Das ist um so mehr notwendig, als die Akademie Reichtümer von unübersehbarem Werte besitzt, Reichtümer, die sich von Vierteljahr zu Vierteljahr weiter vermehren und die nicht zuletzt in den kcstbaren Bibliotheksschätzen bestehen. In den letzten drei Monaten haben die verschiedenen Bibliotheken wieder zahlreiche Neuerwerbungen und Schenkungen aufzuweisen. Davon haben nun in einer Sitzung die„Unsterblichen" wieder Kenntnis genommen, und man könnte eine solche Sitzung vielleicht als eine Art himmlischen Verwaltungsrat bezeichnen. Dann wurde auch darüber beraten, in welcher Weise die zur Verfügung stehenden Geldbeträge verwandt werden sollen, und am Ende erhielt jeder anwesende Akademiker seine Aufwandsentschädigung. Ja, die Unsterblichen.., Luftverkehr Algier—Kongo Die Versuche, zwischen Algier und dem Kongo eine ständige Flugzeugverbindung herzustellen, sind jetzt mit aller Energie aufgenommen worden. Alle bisherigen Versuche blieben für einen geregelten und regelmäßigen Luftverkehr ergebnislos, und die Verkehrsflüge zwischen Algier und dem Kongo blieben auf Einzelunternelynungen beschränkt, da es gerade in der Sommerzeit zu gefährlich schien, Post- und Passagierflugzeuge die Sahara passieren zu lassen. Die jetzt aufgenommenen Versuche zielen nun auf eine Regelmäßigkeit dieser Flugverbindung, die für den Handelsverkehr von großer Wichtigkeit ist. Bis Ende dieses Jahres soll es sich entscheiden, in welcher Weise dieses Luftverkehrsproblem gelöst werden kann. Bis dahin wird monatlich einmal ein Flugzeug von Algier nach dem Kongo starten. Soiialistisdi-hommnnisflsdic Einheitsfront Auf dem Wege zu Ihrer Verwirhiidiung in rranhreich Paris, 16. Juli. Der Nationalrat der sozialistischen Partei Hat am Sonntaa folgende Entschließung angenommen: „Der Nationatrat nimmt das Angebot der kommunistischen Partei für eine gemeinsame Aktion gegen den Faschismus und den Krieg an. Er überläßt es dem Verwaltungsausschutz der Partei, den Wortlaut des Abkommens zu formulieren und zu unterzeichnen. Er beschließt bereits jetzt, der kommu- »istischen Partei die Veranstaltung gemeinschaftlicher Kund- gebungen für den 20. Jahrestag der Kriegserklärung vorzu- schlagen und beglückwünscht sich zur Verwirklichung einer Einheitsaktion, nach der sich die Volksmassen sehnen. Die Aktion soll gegen die faschistischen Drohungen eine unüber- steigbare schränke errichten. Er beglückwünscht sich dazu umso mehr, als er in der Einigung ein Mittel zur Vorbereitung der organischen Einigung erblickt, an der er festhält." Der Nationalist hat außerdem beschlossen, der zweiten Internationale das Ergebnis seiner Beratungen mit- zuteilen und sie aufzufordern, bei der dritten Jnter- nationale anzufragen, ob sie zu einem gleichen Schritt im internationalen Rahmen entschlossen ist. Die vom Generalsekretär der Partei, Faure, einge- brachte und von den Kommunisten gutgeheißene Entschließung ist mit 3471 Mandaten angenommen worden, während 366 Mandate aus eine Entschließung entfielen, die an die gemein- same Aktion eine große Reihe von Vorbehalten knüpft. Aber auch die Entschließung Faure stellt gewisse Bedingungen. Die Kommunisten hatten gefordert, daß sämt- Geburtenrückgang in Frankreich Die Nationale Vereinigung für Bevölkerungszuwachs läßt einen Alarmruf an die Oeffentlichkeit ergehen, in dem sie auf die ständige Geburtenabnahme hinweist. Im Jahre 1932 wurden 792 000 französische Kinder geboren, im Jahre 1933 waren es nur noch 682 000. Man hat eine farbige Landkarte herstellen und 65 000 Lehrern und Lehrerinnen zu entsprechender Verwendung zugehen lassen. Auf dieser ist die Bevölkerungsbewegung zwischen 1926 und 1931 aufgezeichnet. Es gibt„tote Gebiete" und„Lebens-Gebiete". In den ersteren übersteigt die Sterbeziffer die der Geburten, in den anderen verhält es sich umgekehrt. Die Lebens-Gebiete liegen vornehmlich im Norden und Süden, während in Mittelfrankreich der Geburtenzuwachs völlig unzureichend ist. Todessfrahlen „Verfrüht" Paris, 16. Juli. Ein amerikanischer Ingenieur will, wie aus Neuyork gemeldet wird, die sogenannten Todesstrahlen entdeckt haben, die mit einer Stärke von 50 Millionen Volt Flugzeuge auf weite Entfernungen und ganze Heere von mehreren Millionen auf einen Schlag zu vernichten ver- mögen. Der„Matln" hat den bekannten französiichen Wissen- schaftler Professor Arsonval um seine Ansicht darüber befragt. Arsonval bezweifelt die Richtigkeit der Meldung, hält aber die Verwirklichung dieser Erfindung nicht für unmöglich. Die Todesstrahlen, mit denen man jede Lebenszelle ver- Nichten könne, besitze man in allen Kurzwellen, sogar in den Hertzschen Wellen. Es handle sich mehr um die Frage der Intensität, um sie für die Vernichtung von Armeen oder das Abschießen von Flugzeugen aus 400 Kilometer Entfernung nutzbar zu machen. Nur erlauben die materiellen Mittel über die man gegenwärtig verfüge, nicht, so gewaltige Elek- trizitätswerke anzulegen, die solche Strahlensendungen er- möglichen.„Diese Strahlen können eines Tages nutzbar ge- macht werden, erklärte der Gelehrte, man ist gegenwärtig da- Pressefehde Um die„Opera Comique" Man soll französisches und deutsches Theaterleben nicht miteinander vergleichen. Die historischen und soziologischen Grundlagen sind zu verschieden, wenn sich oft Vergleiche auch geradezu aufdrängen. Welcher Kenner des Berliner Theaterlebens würde nicht die Parallele ziehen zwischen den Pariser und Berliner subventionierten Bühnen?! Wer möchte nicht auf ersten Anhieb die Grande Opera mit den repräsentativen Opernhäusern Berlins vergleichen, der Staatsoper und der Städtischen Oper, die jetzt, nachdem sie alle künstlerische Bedeutung verloren hat, den stolzen ? Namen„Reichsoper" trägt. Und wer stellt nicht eine gewisse Aehnlichkeit fest zwischen dem zweiten vom Staat unterstützten Pariser Operninstitut, der„Opera Comique" und der „Krolloper" seligen Angedenkens.— Gewiß hat dieser Vergleich einiges für sich: Die ehemalige Staatsoper am Platz der Republik und das Pariser Institut, das der Volksmund immer noch„Salle Favart" nennt, ergänzen die repräsentativen großen Opernhäuser nach der modernen Seite hin. Aber in dieser vermeintlichen Aehnlichkeit liegt auch schon der gewaltige Unterschied: Paris hat, auf dem Gebiet der Oper zumal, niemals einen solch revolutionären Willen gekannt wie den Otto Klemperers, der die Berliner Oper am Platz der Republik zur Avantgarde-Oper ganz Europas machte. Für kurze Zeit nur, denn sehr bald setzte die Reaktion auf sein Erneuerungswerk ein, die noch zu Zeiten des Weimarer Staates den Triumph der Schließung dieses modernen Hauses feiern konnte. Paris hat nie ähnlich radikale Neuerungsversuche in der Oper gekannt wie Berlin. Die Entwicklung ist hier ruhigere, stetigere, traditionsgebundenere Wege gegangen. Es hat selten nur und eigentlich niemals in den staatlichen Instituten aufrüttelnde Experimente gegeben, aber dafür hat man hier auch nie derartige Epochen völligen Niedergangs und ähnlicher Oede gekannt, wie wir sie jetzt in Hitlerdeutschland auf dem Gebiet des musikalischen Theaters verzeichnen müssen. Wenn die Opera Comique die Große Oper nach der „modernen" Seite ergänzt, so ist das in der Hauptsache repertoiremäßig zu verstehen und nicht so sehr— wie das bei der Berliner Krolloper der Fall war— in bezug auf den Aufführungsstil. Die„Opera Comique" zählt zu ihrem Repertoire ja nicht nur die komische Oper, wie man nach dem Namen des Instituts annehmen könnte, sondern darüber hinaus alle jene Werke, die ihrem Charakter nach nicht in die Riesendimensionen der großen repräsentativen Staats- .oper passen. So umfaßt ihr Repertoire von aFigaros Hochzeit" bis„Mignon" und von„Carmen" bis„Pelleas und Melisande" alles, was an intimer Opernkunst geschrieben worden ist, was eine aufgelockertere, psychologische Darstellung verlangt. Daß die naturalistische Schule der italienischen und französischen Veristen einen Hauptanteil des Spielplans ausmachen, ist selbstverständlich. Ebenso, daß von Zeit zu Zeit gerade von diesem Ensemble der V ersuch gemacht werden muß, mit der Operette bester französischer Tradition Kontakt zu halten. Und auf diesem Gebiet ist der komischen Oper kürzlich ein kleines Unglück unterlaufen. Man wollte das Schöne mit dem Nützlichen verbinden, wollte allen künstlerischen Anforderungen gerecht werden, gleichzeitig aber auch ein Kassenstück für die heißen Monate haben. Leider ist beides gründlich mißlungen, und es setzte als einzige Folge dieser Premiere eine Pressepolemik ein, die einer besseren Sache würdig gewesen wäre. Eine Reihe von Kritikern, die z. T., wie es denn in Paris so üblich ist, Kollegen des uraufgeführten Komponisten, eines jungen Algeriers namens P e r e z, sind, fanden die Szene der staatlichen Bühne durch das„Machwerk", das den vielverheißenden Titel„Tout-Ank-Amon" trägt, entweiht, protestierten im Namen der durch den obszönen Text verletzten Moral ebenso wie im Namen der echten Kunst, während die Direktion des Hauses darauf verweisen konnte, daß mancher Text des Altmeisters Offenbach weit gewagter sei als der dieser Novität und sich betreffs der Musik auf das besonders günstige Urteil einiger untadeliger Fachleute berufen konnte. Inzwischen haben sich die erregten Gemüter diesseits und jenseits der Rampe wieder beruhigt, eine neue Premiere, die die französische Uraufführung der in der Musik zwar recht epigonenhaften, aber durch Gesang und Darstellung der herrlichen Ninon Vallin zu stärkster Wirkung gebrachten Mysterienoper„M arie l'Egyptienne" von M a I i p i e r o mit Iber's reizender„A n g e I i q u e" und Floren! Schmitts Ballett„R efletss d'Allemagne" zu einem interessanten Einakterabend verband, hat das angeblich durch die Operette verletzte künstlerische Niveau des Hauses glänzend rehabilitiert; und Herr G h e u s i, der Direktor der„Opera-Comique" wird trotz unzähliger Rücktrittsdrohungen und-Dementis nun also doch die neue Saison leiten. Hoffentlich wird er künftighin in der Auswahl der Novitäten glücklicher sein als in der gerade jetzt mit einer ausgezeichneten„Garmen"-Aufführung abgeschlossenen Spielzeit. Dann wird man ihm und seinem Ensemble auch gerne eine Operettenentgleisung verzeihen. , E«ul Walter Iiche bis zum Terror gehende Mittel angewendet werde» sollen, die Sozialisten verlangen, daß jede unge- schliche Handlung unterbleibt, daß die Unab- hängigkeit beider Parteien gewahrt bleibt und daß die Kommunisten während der gemeinsamen Aktion jede Feindseligkeit gegen ihre marxistischen Brüder einstellen. Es kam allgemein zum Ausdruck, daß eine gemeinsame Aktion wünschenswert und notwendig sei. Nur wenige Stimmen wurden laut gegen die Einheitsfront. Die Be- denken dieser wenigen, daß die Sozialisten von den Kommu- nisten„aufgeknüpft" werden würden, wurde anscheinend von der Mehrheit der sozialistischen Parteileitung nicht geteilt, aber Leon Blum legte Wert aus die Feststellung, daß das gemeinsame Vorgehen die Sozialistische Partei namentlich außenpolitisch nicht binden dürfe. Wenn z.B. die Sowjetunion mit Frankreich ein Militärbündnis abschließen sollte, dürfte man von uns nicht etwa verlangen, uns basür einzusetzen wenn wir es für gefährlich für den Frieden an- sehen. Außenpolitische Bedenken scheinen auch die Gegner des Zusammenschlusses zu haben, die in dem plötzlichen Trängen der Kommunisten die Hand Moskaus erblicken. Gegen solche„Hintergedanken" verwahrt sich die kommu- nistische„Humanite". Auf jeden Fall könne der Abschluß von weittragender Bedeutung iverden. Das Oeuvre weist auf die Gefahren hin, die dem bürgerlichen Frankreich entstehen können und macht die Reaktionskreise für das Tichsinden der beiden Parteien verantwortlich. bei, diesen Gedanken zu realisieren. Aber ich halte es für ver« früht, ihn bereits als ateue Erfindung anzukündigen". BBHEfCftSTEM ®. H., Zürich. Sie schreiben uns:„Höher gehts nimmer! Das „dritte Reich"„formt den neuen Menschen". Bis zum Ueberdrutz haben wir das gehört; w i e es ihn formt, dasiir lieferte der 90. Juni und die erste Juliwochc den besten Beweis. Seit jenen Tagen wird die Zahl der deutschen Emigranten nicht allein an sich, sondern auch durch Nazi-Emigranten noch vermehrt. Dieser ncugcformte deutsch: Mensch kennt keine Skrupel noch Scham, er nimmt selbstverständlich im Auslände auch für sich die-Emigrantcnhilsc in Anspruch, und wenn man ihn höflich daraus hinweist, daß alle Hilfsaktionen der Ausländer lediglich dem Zwecke dienen, den Opfern des Hitler« Regimes zu helfen, aber nicht jenen Menschen, welche als Stoß« trupp und Parteigänger solchen barbarischen Regimes diese Kahne vorantrugen, dann erklären sie dreist und frech:„Auch wir sind jetzt Opfer der Hitler-Regierung und bedürfen der Hilfe." Ter neue Mensch des„dritten Reiches" besitzt weder Takt noch Ehrgefühl und die Haut des Rhinozeros scheint, verglichen mit der seinen, ein Sptnnweb zu sein. Armes Deutschland, wahrlich, du bist um deine neuen Menschen nicht zu beneiden." Dr. A. Lugano.„Seine Rede vom 19. Juli hat Hitler vom Manuskript abgelesen. Trotzdem ist ihm ein kleines Mißgeschick passiert: ziemlich am Anfang begann er einen Satz mit„man darf nicht glauben", verbegerte sich aber sofort in„man darf mir. glauben". Das einzige„Sichversprechen" in der ganzen Rede: Hitlers Unterbewußtes, das die Wahrheit ausplaudert, die er be- wüßt fälscht, hat also die Millionen Zuhörer selber aufgefordert, seinen Worten keinen Glauben zu schenken! Wenn Prof. Freud für seine Theorie von den Kehlleistungen noch einer Bestätigung be- dürfte, hat ihm der Man», der seine Werke verbrennen ließ, den schlagendsten Beweis für ihre Richtigkeit geliefert. Wer aber bis- her noch so gutgläubig war, Hitler Aufrichtigkeit zuzubilligen, wir» durch dieses verräterische psychoanalytische Experiment, das er selbst der Well geboten hat, eines Be>jeren belehrt sein." Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann Pitz in Dud« weiter; für Inserate: Otto Kuhn in Saarbrücken. Rotationsdruck und Berlag: Verlag der Volkssttmme GmbH„ Saarbrücken 8. Schützenstraße 5.— Schließfach 770 Saarbrücken. besonders wvewtvoli zum Verständnis der letzten Ereignisse in Hitler-Deutschland. Ungewöhnlich interessant und aufschlußreich Konrad Heiden: Gehurt des fteiehes Geschichte des Nationalsozialismus bis In die neueste Zelt Hier hat wohl zum erstenmal ein entschiedener Gegner des Nationalsozialismus versucht, Entstehung und Aufbau des nationalsozialistischen Staates so zu sehen, wie sie sind; also weder so, wie die meisten Gegner des Nationalsozialismus ihn am liebsten sähen, noch so, wie er selbst gesehen zu werden wünscht. Es kam dem Verfasser in diesem Buch darauf an, in größtmöglichster nüchterner Klarheit die gewaltigste politische Suggestion zu schildern, die unser Zeitalter kennt. Niemand wird künftig über das Problem des Nationalsozialismus mitsprechen dür- den, der dieses Buch nicht gelesen hat. Preis des 272 Seiten starken Buches: Kartoniert 25. Fr. Leinenband 35,- Fr. Buchhand'ung der Volksstimme Saarbrücken 3 Bahnhofstraße 32 Neunkirchen HüttenLergstraße 41