Aas dem Inhalt See Heidiskanztec und unsece latenllste Sinzigs unabhängige Tageszeitung Veutschiands Lei!« 3 ff r' 164— 2. Jahrgang Saarbrücken, Donnerstag, den 19. Juli 1934 Chefredakteur: M.Braun Die Pfändung tob RcKüshasscn Vom Massenmord zum Reidisbanhrott- Die„nationale Erhebung" anter internationaler rinanzdiktafur- Hitler als„hranher Mann"- Untergangsstimmung im Deidie Berlin. 18. Juli. j® 6ei1 erst hat der deutsche Reichskanzler in der Kroll-Oper zulegen versucht, welche Segnungen ihm das deutsche dj„, verdankt. Mit materiellen Gütern konnte er aller- Ouf 0 f tlicht dienen. Um so lebhafter verwies er das Volk t die Phrasennebel der nationalen Erhebung. Die deutsche >on habe Achtung und Freiheit im Rate der Völker Zurückgewonnen. Wie es damit steht, kann nun auch die gleichgeschaltete Jl' e den Deutschen nicht mehr ga'nz vorheimlichen. e Pfändung der ReichSetnnahmen von monatlich zwei- hundert Millionen Reichsmark durch die Treuhänder der Bank für internationalen Zahlungsausgleich zeigt für das Hitlcrreich eine Behandlung, wie sie dem türkischen Sultan °ls„kranken Mann" in seinen übelsten Zeiten und exoti- Oku Bankrottstaaten durch ihre Bankgläubiger wider- s°hren sind. sim^„nationale Umbruch", der rassistische Größen- lg».' nordische Edelmenschenwahn, die dilettantische jn„.^^!üssigung der weltwirtschastlichen Beziehungen, die h^^'^^stung der inneren Wirtschafts- und Finanzkräfte, die lans Finanzmanipulationen gegenüber dem Aus- sta Vernichtung aller Rechtsbegrisfe eines Kultur- uates, die Etablierung eines Banditenregimes mit aller ^»cherheit einer solchen Räuberherrschast haben unser ^^'^Ichland zu einem in der ganzen Welt mißachteten, von er Welt auf allen Gebieten mißtrauisch beobachteten ^^tswesen gemacht. Durch die Schuld seiner Regierenden " durch den Leichtsinn und die Feigheit und die politische ^üändnislosigkeit von vielen Millionen der Regierten! be tt ßlQ,,6t man noch immer, die Schuld an dem rapiden utjcheu Niedergang liege an den„Greuelmärchen der migrantenpresse"? Die fremden Staatsmänner und die ' manzleute pflegen mit Recht sehr nüchtern zu urteilen, d die Pfändung der Reichseinnahmen bedeutet: Wir trauen dieser Reichsregierung und ihrem Reichsbank- Präsidenten nicht über den Weg. Wir glauben ihnen kein Wort,«od wir halten ihre Position für unsicher. Jeden- kalls wollen wir, die ausländischen Gläubiger, rechtzeitig Hand aus die Reichseinnahmen legen. ^as ist das, was die gleichgeschaltete Presse eine„Schikane" knnt, weil sie nicht wagt, dem deutschen Volke die Wahrheit 'der die ausländischen Beweggründe zu sagen, die mit dem bankrott Deutschlands aus allen Gebieten rechnen. Unmittelbarer Anlaß der Ttrasmaßnahme gegen das Reich ist, baß Deutschland die am 15. Juli fälligen Zinsen von insgesamt 18 ,52 Millionen Reichsmark für die Dawes- und die N o u n g- Anleihe den Treuhändern nicht in Devisen zur Verfügung gestellt hat. Die Treuhänder haben sich nun nicht damit begnügt, diese Summe sicher zu stellen, sondern sie haben die gesamten Einnahmen aus den Zöllen, der Tabak-, Bier- und Zuckersteuer und dem Branntwein- Monopol gesperrt. Die deutsche Presse verweist darauf, daß daraus den BIZ. und damit den Gläubigern kein unmittel- barer Vorteil erwächst, weil die gesperrten Beträge nicht f transferiert werden können. Das Entscheidende aber ist, daß damit die Gläubiger ein unerhörtes Pressionsmittel in der Hand haben, um die verlogenen Großmäuler Hitler und Schacht klein zu kriegen. Und das Traurige ist nur immer wieder, daß es die deutsche Wirtschast und die deutschen Volksgenossen sind, auf deren Kosten ein Regierungssystem etabliert wurde und allzu langsam zu Grunde geht, das den tiefsten wirtschaftlichen, politischen und moralischen Nieder- gang Deutschlands herbeigeführt hat. Gegen die Gangsters Berlin, 18. Juni. In diplomatischen Kreisen wirb die Auffassung vertreten, daß die Maßnahme der Treuhänder, die allgemeine Ueberraschnng hervorruft, eine Konzession an die erbitterte Stimmung in den Gläubigerländern gegen Hitlerdeutschland ist. Das Vertrauen in die deutschen Regierungsmethodcn sei so gesunken, die allgemeine Empörung über die Gangsterei in Deutschland so gestiegen, daß ein deutlicher Beweis des Mißtrauens und des Hand- lungswillens gegen das Hitlerregime notwendig ge- worden sei. Sdiroife Ablehnung Amerikas Man verlangt Zahlung der Zinsen Washingtcn, 18. Juli. Staatssekretär Hull erklärt in seiner Note, die am Mittwoch dem deutschen Außenministerium überreicht werden soll, baß die amerikanische Regierung es ablehne, ein Abkommen zu unterzeichnen, das handelspoli- tische Vorteile mit irgendeinem Kompensationssystem für die Aufrechterhaltung des ungefähr 600 000 Dollars betragenden Zinsenbienste^ der Dawes- und Boung-Anleihe ent- halte. Die UTA. verlangen die gleiche Behandlung, die andern Ländern gewährt werde. vi« wachsende Panik Flucht in die Sachwerte Das Vertrauen in die Währung sinkt*rapid Berli», 18. Juli. Die Hamsterkäufe von Anzügen, Wäsche, Leibern, Schmucksachen, Tafelservicen usw. setzen sich fort ud werden durch die neueste Maßnahme der BIZ., die sehr ^Unruhigend wirkt, noch gesteigert werden. Kennzeichnend die Jnflationsangst ist das sprunghafte Ansteigen der kreise für Edelsteine. Große Diamanten sind sei» drei Monaten um etwa 25 v. H. teurer geworden und liegen damit etwa 25 v. H. über dem Preisniveau von Amsterdam. Kleinere Diamanten sind um etwa 20 v. H. teurer als in Amsterdam. Für Platin werden etwa 4 RM. per Gramm bezahlt gegenüber nur etwa 3 RM. in London. Für Nichteisenmetalle liegen die offiziellen Preise»m etwa 2ll bis 3U Prozent über der Londoner Parität und die sogenannten„schwarzen" Preise sogar noch höher. Auch die W o l l p r e i s e haben sich nicht dem Preisrückgang im Auslände angepaßt, sondern sind seit dem Erlaß des Einkaussvcrbotes stabil geblieben, wo- dnrch eine Isolierung vom Weltmarkt eingetreten ist. Die Häuserpreise sind innerhalb des letzten Jahres durchschnitt- kich vielleicht im Ausmaße eines Jahres-Borkriegö-Miets» «träges Iber logenannten ,Friede»om>ete"j, gestiegen. Zur Beunruhigung trägt besonders auch der wachsende Rohstoffmangel bei. To versendet die Fabrik für Wecksche Einmachgläser an ihre Kundschaft ein Rundschreiben mit der Bitte, sich mit Weck-Gläsern möglichst bald einzu- decken, da die Augustfabrikation nicht mehr mit den echten Gummiringen, sondern mit E r s a tz st o f f e n versehen werden soll. Man kann sich vorstellen, wie alarmierend eine solche Information auf die Hausfrauen wirkt. nie Rcichsregierung gegen die Saarwlrtschait Erregung in Handels- und Industriekreisen Saarbrücken, 18. Juli. Zahlreiche saarländische Fir- men kommen in Zahlungsschwierigkeiten, weil sie die Gegen- werte für ihre Lieferungen in das Reich nicht erlangen kön- neu. Man wendet gegenüber dem Saargebiet die Repartie- Fortsetzung siehe 2. Seile. Standische Ordnung" erledigt! Zusammenbruch der nationalsozialistischen Ideologie Berlin, 18, Juli. Der Nationalsozialismus trat mit dem Anspruch der Totalität aus. Den Staat, das Geistes, leben, die Wirtschast wollte er alle nach seiner„Welt, anschauung" gestalten. Bon Tag zu Tag wird seine Nieder» läge aus jedem Gebiete mehr offenbar. Den Staat verliert er an die reaktionären Kräfte der Reichswehr, der hohen Bürokratie und der„konservativen Revolution". Im Reich des Geistes ist die Gleichschaltung voll- kommen mißlungen. Der Katholizismus, große Teile des Protestantismus leisten Widerstand und der totgeglaubte Marxismus rüstet sich zu einem ErobernngSzuge in die von Hitler abgestoßenen oder enttäuschten Massen. Nun meldet der dentsche Faschismus auch in der Wirt» s ch a s t das Sterben seiner„Idee" an. Die ständische Ord» nung der Wirtschaft gilt angesichts der sich immer ernster ge- staltcnden Lage, die keine Experimente mehr zuläßt, als endgültig erledigt. Immer mehr dürste das Heil in der alten l i b e r a l i st t s ch e n, also in diesem Falle kapitalistischen Methode gesucht werden. Die durch die nationalsozialistische Phraseologie nicht viel mehr als ein Jahr verhüllten Fronten treten wieder hervor. Das Hitlcrbild verblaßt. Am Horizont großen heran» nahenden Geschehens steht das Löwcnhanpt von Karl Marx. Der Titan eines Jahrtausends schickt sich an, mit neu be- seclten Mafien und geläuterten Kräften in Deutschland den Durchbruch vorzubereiten, den Scharlatane eine kurze Episode aufzuhalten wußten Nadi dem „Führer" die rtihrung Seit dem 30. Juni ist es klar. Die Machtbchauptung Hitlers hat zum letzten Mittel der Gewalt gegriffen, zur Waffe der Todesfurcht. Aber wenn Pistole und Beil so drastisch regieren wie heute, wenn ein Despot sich persönlich für jeden Mord legalisiert, dann ist die Stunde gekommen, wo die Sterne des Glaubens an seine Mission zu sinken be- ginnen. Wie mächtig die deutsche F tt h r e r d ä m m e- r u n g bereits geworden ist, wissen wir aus unzähligen Be- richte». Aber mir wissen auch, daß diese seelische und psycho- logische Wende noch ohnmächtig ist. Die Gegenkräfte sind un- einheitlich und zersplittert. Es fehlt noch an einer neue» menschenbezwingenen Mythologie, die stark genug ist, die Berge Hitlers zu versetzen. Mythologie hier gemeint als die große Kraft von innen her. mit dem Willen zum Opfer und der seelischen Hinneigung großer Massen zum steghaften Ziel. Der 30. Juni und alles, was sich nachher abspielte, hat be«. wiesen, baß ein neuer Abschnitt im Kampf gegen den deutschen Faschismus begonnen hat, der auch der deutsche» Emigration neue Verpflichtungen auferlegt. Hitler hat an dem historischen Samstag nicht nur seine bisherigen Freunde hingemordct. Die Gewchrschüsse gingen durch ihre Körper hindurch und haben ihn selber dort gctrosscn, wo er am sterblichsten ist. Tie deutsche Führcrlegendc, die Idee des Einzig-Einzigen mit dem irrationalen Auftrag zur Rettung des Volkes, ist zum ersten Male seit dem 30. Januar 1033 bei denen erschüttert, die dem Führer die nötige Massenbasis zum Aufstieg gegeben haben. Hitler hat die angebliche Revolte blutig niedergeschlagen, aber damit die viel gefährlichere hervorgerufen: den Schwund des Vertrauens, den Zweifel an setner Ehrlichkeit, die Entzauberung der braunen Lands- knechtskameradie, die der SA. die Symbolik der Fahnen und der Waffen geliefert hatte. Ehe Hitler selber fällt, ist es im Grunde bereits mit dem Führerprinzip zu Ende. Nicht darum, weil Hitler als Be- austragtcr der Reichswehr das„Weitertrciben der Rcvolu- tion" verhüten muß. Auch nicht darum, weil er seine sozia- listischen und mittelständlerischen Versprechungen unerfüllt ließ und nach anderthalb Jahren den wirtschaftlichen, sozialen unh Miujci&n BeMid heH Reiches veiwü stet Jjat. Große Massen wären bereit, noch lange im Elend zu verharren, wenn da oben an der Spitze ein blankes Idol verbleiben würde! Sic würden sich noch lange an die wilde und drohende Stimme, an die Besessenheit des Phrasenrausches klammern, mit dem Willen, ihren Hitler nicht zu verlieren, um sich nicht selbst zu verlieren in Zweifel und Ver- zwciflung. Diese Ftthreröämmerung hat aber nicht nur aktuelle Be- oeutung für die nahe Entwicklung in Hitlerdeutfchland. Sie birgt zugleich für den Sozialisten, der das künftige Deutschland gewinnen und gestalten will, eine wichtige Lehre. Es gab und es gibt noch Sozialisten, die des Glaubens sin., duh die Anwendung des Ftthrerprinzips gescllschafts- und ge- schichtsbindende Kraft besitze, und das, die sozialistische Neu- geiraltung durch Kraft, Wille und Berufung eines einzelnen gemeistert werden könne. Kurz, die Idee der proletarisch- sozialistischen Diktatur ist! fir sie verbunden mit dem Dilta- tor, der noch mit viel grösseren Vollmachten ausgerüstet sein u.üsste, als sie etwa Lenin besaß und heute Stalin in Sowjet- russland inne hat. Im Herzen von Europa sind jedoch die politischen, wirt- schaftlichen und sozialen Probleme so weitreichend und so kompliziert, daß ein einzelner Mensch mit absoluter Befehls- und Entscheidungsgewalt, und sei er ein Uebermensch, zum Scheitern verurteilt wäre. Es hat sich erwiesen, daß die Führeridee keinerlei konstruktive Bedeutung in der nächsten Epoche der deutschen Gesiyichte besitzt, auch wenn sich Hitler noch eine Weile durch brutale Gewalt behaupten kann. Aber das gleiche gilt auch, wie mit voller Offenheit und aller Deutlichkeit bekannt werden muß, für jene Form der Demo- kratie, wie mir sie besessen und wie sie geschlagen ivurd»— geschlagen wegen ihrer Unzulänglichkeit und ihrer Sajwätf):. Wir möchten das Bekenntnis zur„autoritären Demokratie" nicht wieberholen, denn wir wissen aus der TolerierungS- Periode, was damit alles begründet iverben kann, ohne das Verhängnis des Zusammenbruchs auszuhalten. Wird die De- motratie zurückerobert nach schwerem Kamps, so wird sie ein neues Gesicht und eine neue Lebensform haben, in denen sich die harten und blutigen Erfahrungen der faschistischen Aera verdichtet haben. Sie wird Führer ausrüsten mit höchster Vollmacht, einen kleinen Kreis der Handelnden, Befehlenden nnd Verantwortlichen, die nicht aus messianischen Bezirken, sondern aus denen der unbesiegbaren Vernunft und des geistigen und sittlichen Adels kommen. Sic werden keine Usurpatoren der Macht sein durch Marschstiefel und Re- volvcr, durch Mord, Zuchthaus und Konzentrationslager, sondern ihre Gewalt ist der Austrag eines wieder frei- gewordenen und frei entscheidenden Volkes. Ist es zu früh, von den kommenden Dingen zu sprechen, ehe noch der Kamps gegen Hitler gewonnen wurde? Ist es nötig, die Aufgabe der Zukunft zu zeigen, wenn die Gegen- wart noch dem blutigen Faschismus gehört? Man kann nicht früh genug bekennen, daß auch eine künftige Demokratie ein strenges Maß gebundenen Lebens erfordern wird. Denn die FreihcitSidee hat nur Bestand in der Geschichte, wenn sie das Machtmysterium desSlaates durch Geist und Wille gegen die drohenden Ungewitter ewiger menschlicher Unzu- länglichkeit zn behaupten weiss Zar Rettung Thaimanns Englische Delegation gegen das Mordgericht Auf die Nachricht, daß der Prozeß gegen Ernst Thälmann bereits in nächster Zeit vor dem neugebildeten„Volksgericht" stattfinden soll, hat sich im Auftrage des Hilfskomitees sllr die Opfer des Hitlersaschismns eine neue englische Delcga- rion im Flugzeug nach Berlin begeben. Die Delegation be- steht aus der früheren parlamentarischen Unterstaats- sekretärin des Arbeitsministerinuis Ellen Wilkinson, und dem Schriftsteller John Strachcy. Die beiden werden beim deutschen Justizministerium sowie beim Propaganda- Ministerium vorsprechen, um Näheres über das Schicksal Ernst Thälmanns zu erfahren, vor allen Dingen, um sestzu- stellen, ob entgegen den vor kurzer Zeit erfolgten Er- klärungen des Oberreichsanwalts der Prozeß gegen Ernst Thälmann tatsächlich vor dem„Bolksgcricht" und nicht vor dem Reichsgericht stattfinden soll. Der Führer der Opposition im englischen Untcrhause, George Lansbury.hat auf Grund der beim Welthilis- komitee für die Opfer des Hitlersaschismus eingetroffenen Nachrichten über die bevorstehende Abhaltung des Thälmann- Prozesses vor dem.Volksgericht" in einem Schreiben an die Deutsche votschaft in London gegen diese Absicht, schärfsten Protest eingelegt. * Auf Grund der beim Hilsskomitke für die Opfer des Hitlersaschismus eingetroffenen Nachrichten über die Absicht der Hitlerregierung, Ernst Thälmann vor das Volksgericht zu stellen, hat sich in England eln mächtiger Proteststurm erhoben. Die deutsche Botschaft wird mit T c l e g r a m- m e n. Briefen und Telefongesprächen bombar- diert, in denen die Entrüstung und Empörung der breitesten Schichten des englischen Volkes gegen diese Absicht zum AuS- druck kommt, und in der Thälmanns Befreiung gefordert wird. Lord Listowel, Mitglied des Oberhauses, der vor kurzem im Auftrage des Hilfskomitees und des Dimitrofs- Komitees an der Spitze einer englischen Delegation in Berlin war, hat einem Protest führender englischer Politiker, Wissenschaftler und Schriftsteller, unter ihnen Lord Marley, Vizepräsident des Oberhauses, D. N. Pritt, Kronanwalt, Louis Goulding, Carmel Haben Guest, Dorothy Woodman, Sekretärin der Union für Demokratische Kontrolle, und anderer bei der deutschen Botschaft überreicht, Triedhöie werden geschändet Da«.Hamburger Fremdenblatt" berichtet:„In den Nächten zum 20. Juni und zum 4. Juli 1034 sind aus dem israelitischen Friedhof. Rentzelstraße-Turchschnttt zahlreiche Grabsteine umgeworfen und zum Teil schwer be- schädigt worden. Die Nachsorichnngen nach den bisher un- bekannten Tätern dieser verwerflichen Wandlung sind ein- geleitet. Die Täter haben rücksichtslose Strenge der Be- Hörden und der Gerichte zu erwarten. Jedem anständig Denkenden ist der Friede der Toten heilig. Die Bevölkerung wird gebeten, bei der Aufklärung derart gemeiner Straf- taten mitzuwirken und etwaige Wahrnehmungen der Staats- polizei, Inspektion 5. mitzuteilen. Streng vertrauliche Be- Handlung der Angaben wird ausdrücklich zugesichert." Fortsetzung von der erste« Seite Die Refdisregterung gegen die Saarwirlsdiaft rung genau so scharf an wie gegenüber anderen Ländern, in diesem Falle also besonders gegenüber Frankreich. Die Han- delstammer ist energisch vorstellig geworden, aber ohne Er» folg. In Berlin wird erklärt, daß man eine Ausnahme gegenüber dem Saargebiet nicht machen könne, da man sich sonst die Verhandlungen mit anderen Ländern verderbe. Durch diese Behandlung des Saargebietes wird die Stim- mung in den Reihen der„Deutschen Front", die seit Wochen schon sehr gesunken ist, noch mehr verschlechtert. Die Zer- störnng der deutschen Wirtschasts- und Finanzkräste läßt sich gegenüber der Saar nicht mehr länger verbergen. „Steigende Sdiwierigheilcn" Das Ausland fordert sofortige Barzahlung Die„Frankfurter Zeitung" schreibt: Dabei wäre noch zu beachten, daß die Devisenrcpartie- rnng ohnehin großen Teilen der Wirtschaft wachsende Schwierigkeiten bereitet. Gekaufte Waren können nicht ab- genommen werden, wodurch in vielen Fällen große Lagerkosten entstehen, wenn nicht sogar ein Verderb der Ware droht. Da ferner infolge der Repartierung die ausgemachten Z a h l t e r m i n e vielfach nicht eingehalten werde» rönnen, werden die bisher noch aufrechterhaltenen Kreditfristen von den ausländischen Lieseranten viel- fach g e k ü r z t und zum Teil auch völlig aufgehoben und an ihrer Stelle sofortige Barzahlung gefordert. Aus alledem erwachsen für eine große Anzahl von Unter- nehmungen steigende Dispositiv nsschwicrig- ketten, zumal da in der letzten Woche selbst für eine Reihe wichtiger Rohstoffe Devisen zeitweise überhaupt nicht oder nur tn ganz beschränktem Umfange zugeteilt werden konnten. Das Ausmaß der nicht befriedigten Anforderungen des Warenverkehrs läßt sich nicht genau abschätzen. Die Giro- guthaben, die in den letzten vier Wochen um 123 Millionen gestiegen sind, müßten an sich nach dem oben Gesagten die nicht befriedigten Ansprüche widerspiegeln, aber zu ihrer Er- höhung trugen auch andere Einzahlungen(z. B. der Kon- verfionskasse) bei. Nnr unter Berücksichtigung dieser nach außen nicht ohne weiteres ersichtlichen Schwierigkeiten»st jedenfalls die Entwicklung der Devisenbilanz der Reichsbank zu benrteilen, die auch in der abgelaufenen Woche wieder einen kleinen Ueberschnß erkennen ließ. Einem Goldzu- gang von 2,04 Millionen, der aus Rußland stammen dürfte, stand ein Devisenabgang von 1,22 Millionen gegen- über, so daß die Teckungsbestände weiter leicht aus 77,7V MU- lionen wuchsen. Audi Autoreifen! Abgabeverbot— Aber Hitler baut Autostraßen Berlin. 18. Juli. Die Ueberwachungsstelle für Kautschuk ordnet eine Bestandsaufnahme sür Krastsahrzeugdccken (Kraftrad-, Personenkraftwagen-, Lieferwagen- und Riefen- luftdecken sowie Elastikreifen sllr Lastkraftwagens mit dem 18. Juli als Stichtag an. Nicht nur die Reifcnsabriken, so»- der« auch die Hersteller von Kraftfahrzeugen und Anhängern, sowie die Wiedervcrkäufer von Reisen(Grossisten»nd Händlers haben ihre Bestände anzumelden, Wiederverkäufe jedoch nur, falls ihre Bestände 20 Reisen übersteigen. Für die Bestandsaufnahme sind besondere Fragebogen von der W>n° schaftSstelle für Kraftfahrzeugreifcn(Wikrafas anzufordern, die bis zum 30 Juli auszufüllen sind. Gleichzeitig wird den Reifensabrikcn vorläufig bis zum 1. August untersagt, Kraftsahrzeugbcreisungcn aus den Bc- ständen zu verkausen oder sonstwie weiterzugeben. Stach dem 18. Juli hergestellte Reifen dürfen verkauft werden. Nam dem 1. August sollen Erleichterungen des Abgabe- Verbotes je nach dem Ergebnis der Bestandsaufnahme er- folgen. *** Mit der Bestandsaufnahme für Autoreifen schließt üch der Kreis der Bestandsersassungen in der Kautschukbearbeitung, nachdem sür Fahrradreifen, Rohkautschuk und Altgummi bc- reits vorher die entsprechenden Anordnung ergingen. Dem Abgabeverbot(das auch bereits bei Fahrrad reifen»er- ordnet und für Grossisten, nicht aber für Fabriken, bereu» ivieder ausgehoben ivurdes dürste insofern Bedeutung zm kommen, als die Reifenindustrie bereits seit einiger Z^j wesentlich erhöhte Absätze zn verzeichnen hatte, die nia» allein ans dem erweiterten Bedarf des wachsenden-Krast- sahrzeugverkehrs zn erklären ivarcn. Planche Werke der Reifenindustrie arbeiteten in mehreren Schicksten, um dem Bedarf gerecht zu werden, der zum Teil ans Befürchtungen wegen einer Ersatzbeimischung entstand. Hiiniierldline amflldi festgestellt Durdisdinitflldier Wodien-Bruttolotin zwischen 13-32 Hart !Ü Die statistische Abteilung der„deutschen Arbeitsfront" veröffentlicht im„A r b e i t e r t u m". dem amtlichen Organ der„deutschen Arbeitsfront", die Er- gebnisse einer Erhebung über die Einkommensverhältnisse der beschäftigten Mitglieder der ehemaligen Arbeiter- verbände, die jetzt in der„deutschen Arbeitsfront" organt- siert sind. Grundlage für die Untersuchung war die Beitrags- höhe, die bei den meisten Verbänden nach dem Brutto- wochcnlohn des Mitgliedes berechnet wird. Der den Er- Hebungen zugrunde liegende Zeitraum war der Februar 1034. Gewisse Ungcnauigkeiten ergaben sich dadurch, daß drei Verbände die Beitragsberechnung nicht nach dem tat- sächlichen Wochenlohn, sondern nach dem Stundenlohn fest- gesetzt hatten: weiter, daß in der Landwirtschaft der Wert der Deputate in Geld umgerechnet werden mußte lwobei die Preise nicht sehr hoch eingesetzt wurdcnj und endlich dadurch, daß viele Mitglieder höhere Beiträge bezahlten, als ihrem tatsächlichen Verdien st entsprach, weil sie dadurch ein Recht auf höhere Unterstlltzungsleistnngcn erhielten. Von der Untersuchung erfaßt wurden etwa 13,3 Millionen Wochenlöhne mit einer Lohnsumme von rund 432 Millionen Reichsmark. Das durchschnittlichste Wochcncinkommen stellte sich auf 2 5.02 Mark. Die durchschnittlichen Wochenlöhne hatten in den Verbänden der einzelnen Gewerbe etwa fol- genben Stand: Baugewerbe 28,31 Mark Tabakarbeiter 13,53 Mark Bergbau 24,72 Mark Steine u. Erden 20,54 Marl Holzarbeiter 2V.34 Mark Oesfentl.Arbcitcn 28,80 Mark Landwirtschaft 20,87 Mark Lederarbeiter 20,57 Mark Metallarbeiter 32,14 Mark Nahrungsmittel 25,04 Mark Textilarbeiter 21,47 Mark Fabrikarbeiter 20,05 Mark Das„Arbeitertum" schließt den Bericht über diese Unter- suchungen mit der Feststellung, daß es nach den Worten Adolf Hitlers zuerst notwendig sei, die Arbeitslosen wieder in Lohn und Brot zu bringen, und daß erst dann in groß- zügiger Weise daran gegangen werden könne, die Lebens- Haltung des deutschen Arbeiters zu erhöhen. Diese Bemerkung soll die Tatsache verschleiern, daß die Löhne vor der Hitlerherrschast bis zu hundert Prozent höher waren, als sie jetzt sind. An eine Erhöhung der Lebenshal- tung unter«dem jetzigen unfähigen und korrupten System ist gar nicht zu denke». Es schließt überall seine Bilanz>» schweren Verlusten für die Volksgenossen ab._ Zu beachten ist noch, daß die„Arbeitsfront" selbst ty Statistik als zu günstig zu betrachten scheint. Vermehrte ArbeUslosigheH droht Zwangsarbeit für die Opfer der Hitlerkrise Berlin, 17. Juli. Infolge des Rohstoffmangels wird ei» neues Anwachsen der Erwerbslosigkeit befürchtet. Nur un ,. hartem Druck werden viele Betriebe an Massenentlassun^ verhindert. Etwa zu Beginn des Herbstes dürften aber E>>< lassungen in gröberem Umfange nicht zu vermeiden sein.» werden Vorkehrungen getroffen, die neuen Erwerbslosen>? der Zwangsarbeit des Arbeitsdienstes aufzufangen. Jn?.l besondere gilt dies sür die jungen Arbeitskräfte, die«unäckn entlassen werden sollen, um sie den Herden der städtischen industriellen Unzufriedenheit zu entziehen. „vellrage gehen stark zurück" Vor uns liegt ein Brief der„deutschen Arbeitsfront'' Deutscher Arbeiterverbond der öffentlichen Betriebe i ,n Gesamtverband der Deutschen Arbeiter, Verbandskreis' Verwaltung Mannheim, Bezirk 13: Mannheim, den 18. Juni 10^' Bei der Verbandsleitung Berlin ist es ausgesallen, daß d'® Beitragsleistung i n den letzten 2 Monaten st"* zurückgegangen sind. Es kann dies nur wie Verbandsleitung richtig annimmt— daher kommen, doS verschiedene Mitglieder mit ihren Beiträgen im Rückstand sind. Wir müssen Sie daher ersuchen, bei den Mitgliedern eine allgemeine Buchkontrolle vorzunehmen und falls sich»och Rückstände ergeben, uns diese Bücher vor' zulegen, damit wir uns mit dem betr. Mitglied dirc ft bezügl. Nachzahlung der rückständigen Verbandsbeiträge f Verbindung setzen können. Wir ersuchen um umgehende Inangriffnahme dieses Arbeit. Heil Hitler! gez.: W Wipsingcr. gez.: E. Staudingcr. Totenamt für Prohst Saarbrücken, 18. Juli. Auch für den ermordeten DJK.-Ftthrer P r o b st wurde heute früh in der Malstatter Pfarrkirche ein Requiem ab- gehalten. Das Gotteshaus war überfüllt. Die Messe zele- brierte Diözesanpräses Müller. Unter den Besuchern konnte man wieder Herrn Minister Koßmann und den Eisenbahnpräsidenten Niclaus beobachten. Pas neueste Die Polizeipräsektur von Paris gibt bekannt, daß nun die im vorigen Monat aufgeschobenen Bcrsnche mit riesigen Sirenen zur Ankündigung einer Lnstgesahr durchgeführt werden. Im Lause des Nachmittags sollen zwei Sirenen ihre Heulsignale ertönen lassen. Der bekannte Parsümeriefabrikant u»d Gründer der Tageszeitung„Ami du Pcnole", E o« n, der auch der Schöp- fcr der faschistischen Organisatian Solidarite Francaise ist, soll lebensgefährlich erkrankt sein. In der belgischen Kammer begann am Dienstag d«r Parlamentstamps um das Ermächtigungsgesetz, das die neü Regierung de Broqueville gleich nach ihrem Amtseintr' gefordert hatte nnd das der Regierung die Möglichkeit i* ungewöhnliche» Eingriffen aus dem Gebiete der Wirtschd! und der öffentlichen Finanzen geben soll. Der„Matin" läßt sich aus Rom melden, daß der bisherige Botschafter in London Grandi für den Moskauer Posten ansersehen se«. In gut unterrichteten«reisen wo«« man daraus folgern, daß die italtenifch-russiiiben Be' ziehnngen enger gestaltet werde» sollen. Als Richfolg«' Brandis in London werde der Pressechef und Schwiegersohn Mussolinis Gras Eiano genannt. Wie ans Buenos Aires gemeldet wird, bemüht sich Arge"' tinien«m die Beilegung des Ehaotonsl»tts. Es schläft vok' daß die Vereinigten Staate», Brasilien«nd Argentinien aus einer nach Buenos Aires einberufenen Friedens' konsere,>.z den Streit schlichten. Bolivien will aus dieses Vorschlag im Laufe der Woche antworten. Beilegung des Streiks in San Franzisko? dnb. San Franzisko, 18. Juli. Die Streikleitung das Anerbieten gemacht, dxn Streik durch einen Schiedsspralh beizulegen. Unsere Tetenliste! Die Opfer der gemordeten Mörder An den Reidishanzler . Schuldbewußt und blutbesudclt weigern Sie sich noch immer, die Zahl nnd die Namen der aus Ihren Befehl von Ihren bezahlte« Mördern hingeschlachteten Volksgenossen bekannt zu geben. Sie vertrauen daraus, das; das deutsche Volk die volle Wahrheit nicht ersahren kann, weilSie die Presse geknebelt haben und den„Gerüchtemachern" mit schweren Kerker- sirasen drohen. Dennoch geht im Reiche die Wahrheit über Ähre Mordarbeit von Mund zu Mund. Aus dem Saargebiet hat Ihre Presse dringende Sin- hage« an Sic gerichtet. Hier, wo noch Presiesreihcit besteht, kann die Wahrheit nicht unterdrückt werden, Im Saargeb'et wissen Ihre Zeitungen und Ihre Anhänger nichts zu er- wider», wenn sie gefragt werden, warnm der deutsche Reichs- kanzlcr nicht wagt, die Totenliste zu verössentlichen und endlich nachzuweisen, warum Hundertc Volksgenossen ihr Lebe« lassen mußten. Sie. Herr Reichskanzler, haben die Verantwortung sür die Massenmorde übernommen. Sagen S»e nun endlich, wie- uielc Männer und Frauen Sie haben abknallen oder viehisch zu Tode haben mißhandeln lassen. Waren es zweihundert? Oder dreihundert? Dt>er fünfhundert oder noch mehr? Ämmcr wieder lassen Sie sich als einen Helden seiern. Immer wieder lassen Sie Ihre Taten am 80. Jnni und am 1- Juli rühmen. Zählen Sie also endlich Ihre Leichen! Sage« Sie dem Volke und der Welt, wie groß die Liste Ihrer Morde ist. Die Namen derer, die auf Hitlers Befehl am 30. Juni, ' und 2. Juli ermordet worden sind, sind noch immer nicht alle bekannt. Unter den Gemordeten befindet sich der Heines, den man auch im Tode nicht beleidigt, wenn man ihn einen Mehrfachen Mörder nennt. Neben ihm haben sich auch die übrigen SA.-Führer bis hinaus zum Stabschef Röhm als Mörder und Mordanstifter betätigt. Auf Anstiftung und unter Billigung und im Geiste des Parteiführers Hitler. Sie haben die SA. zu ihren verbrecherischen Taten gegen die demo- kratischx und sozialistische Bevölkerung aufgehetzt, sie haben die Befehle zu den Ueberfällen und den Mordanschlägen er- keilt, vom Chef des Stabes kam der vor einigen Monaten bekannt gewordene Befehl, daß für jeden getöteten SA.- Mann sofort sechs bis acht politische Gegner zu erschießen sind. Die Mörder von vorgestern, die die Gemordeten von gestern sind, haben eine lange Liste von Opfern aus ihrem Gewissen. Es sind seit Ansang 1938 in Deutschland annähernd ö00 Männer auf die brutalste Weise hingemordet worden. Man bat sie in ihren Wohnungen, in den Büros, auf der Straße, kurz, wo man verhaßte politische Gegner erwischen konnte, niedergeschlagen, niedergestochen oder niedergeschossen. Man hat andere in die Konzentrationslager geschleppt, dort ge- prügelt und nach Methoden gefoltert, denen gegenüber die des Mittelalters verblassen. Man hat sie zu Krüppeln ge- schlagen, in der Zelle aufgehängt, sie aus den Fennstern hoher Stockwerke in den Hof hinabgestürzt, oder sie„auf der Flucht erschossen". Eine furchtbare Liste, die aber unvollständig ist, weil bei weitem nicht alle Morde bekannt sind. Nicht den ermordeten Mördern, sondern ihre« Opfern muß sich die Welt zuwenden! Neben denen, die noch in den Konzentrationslagern den entsetzlichsten Mißhandlungen ausgesetzt sind, neben den anderen, die, bis zum Wahnsinn gefoltert, in den Irren- anstalten endeten, beklagen die Sozialdemokratie, das Reichsbanner, die Eiserne Front die nachstehen- den Todesopfer. Ermordet wurden: 1. Breslau: Philipp, Verwalter des Gewerkschostshauses, erschossen am 8. 3. 1933. 2. Osfenbach: Reichsbnnnermann Bleß, durch SA. tödlich verletzt am 5. 3., gestorben am 8. 3. 1933. 3. München: Ein Reichsbannerkamerad wird am 9. 3. im Gewerkschaftshaus als Leiche aufgefunden. 4. Chemnitz: der Verlagsdirektor der Chemnitzer„Volks- stimme", Landgraf, wird im Gebäude der„Volksstimme" von der SA. erschossen. 5. Braunschweig: Hans Salle, Jnseraten-Werbeleiter des „Volksfreund" erschossen. 6. Braunschweig: Wilhelm Grotchenn, Postbeamter, zu Tode geschleift. 7. Braunschweig: Matthias Theißen, Geschäftsführer des Baugcwcrksbundes, totgeschlagen.> 8. Breslau: Hans Alexander, Ortssekretär des Reichsban- ners, im Konzentrationslager Papenburg erschossen am 2. 9. 1933. 9. Duisburg: Schlosser, Angestellter des Metallarbeiter- Verbandes, als Leiche aus dem Rhein gebogen. 10. Duisburg: Birk, Bezirksleiter der Binnenschisfer, er- mordet, als Leiche aus dem Rhein gezogen. 11. Duisburg: Rodenstock, Angestellter des Verkehrsbundes, ermordet, als Leiche aus dem Rhein gezogen. 12. Duisburg: Schmalhans, ehrenamtlicher Funktionär des ZdA., ermordet, als Leiche aus dem Rhein gezogen. 13. Konzentrationslager Sonnenburg: Ritter, 52 Jahre alt, von SA. Mann Müller zu Tode gefoltert. 14. Oberhausen: Schmidt, sozialdemokratischer Jugendgenosse, im Mai 1933 von SA. Mann erschossen. 15. Konzentrationslager Börgermoor: Ludwig Pappenheim, Schmalkalden,„aus der Flucht" erschossen. Pappenheim war stark kurzsichtig. 16. Braunschiveig: Otto Rose, Rcichsbannerkamerad, im Kon- zentrationslager z» Tode geprügelt. 17. u. 18. Olilau: 2 Gewerkschaftsangestellte im Büro des Gewerkschaftshauses am 2. März 1933 erschossen. 19."Bremen: I Reichsbannerkamerad stirbt am 3. März 1933 a» den Folgen schwerer Mißhandlungen durch TA. 20. Thaleischweiler: I«Genosse der Eisernen Front wird von SA. bei einem Ucbcrfall getötet. 21. Kiel: Rechtsanwalt Spiegel wird in der Wohnung von SA. erschossen am 12. 3. 1933. 22. Fclgeleben bei Magdeburg: Kresse. Stadtrat, wird von SA. am l2. 3. 1933 erschossen. 23. Berlin: Rechtsanwalt Günther Joachim stirbt am 18. 3. 1933 an den Folgen schwerer Mißhandlungen durch SA. 24. Spandau: Erich Mayer, Führer der Sozialistischen Ar- beiterjugcnd, wird am 22. 3. 1933 als verstümmelte Leiche aufgefunden. 25. Chemnitz: Rechtsanwalt Dr. Weiner wird am 12. 4. 1933 erschossen aufgefunden. 26. Krefeld-Hertingen: Bener, Beigeordneter, wird erschossen aufgefunden am 18. 4. 1933. 27. Berlin: Arthur Müller, Funktionär der SPD., von SA. zu Tode mißhandelt am 12. Mai 1933. 28. Frankfurt a. M.: Dr. Schäfer, erschossen ausgefunden am 17. 7. 1933. 29. Plauen i. V.: Eugen Fritzsch, Redakteur Volkszeitung für Vogtland, von SA.-Mann auf dem Transport ins Konzentrationslager Hohnstein totgeschlagen, Ende Sep- tember 1933. 80. Braunschweig: Otto Rock, Reichsbannerführer, ermordet am 4. 7. 1983. 31. Braunschweig: Benno Ehlers, am 4. 7. ermordet. 32. Braunschweig: Hermann Basse. Sekretär des Eisenbah- nerverbandes, am 4. Juli 1933 ermordet. 38. Köpenick: Johannes Stelling, MdR., Parteivorstands- Mitglied, am 22. Juni 1938 ermordet. 34. Köpenick: Richard Aßman», Reichsbannersührer, am 22. Juni ermordet. 85. Köpenick: Paul van Essen, Reichsbannersührer, am 22. Juni ermordet. 36. Köpenick: R. Krahl am 22..Juni ermordet. 37. Köpenick: Paul Pohl, am 22. Juni ermordet. 38. Köpenick: Anton Schmaus, am 22. Juni ermordet. 39. Dachau, Konzentrationslager: Hunglinger, Polizeimajor München, ermordet. 40. Dachau, Konzentrationslager: Michael Sigmann, Bor- sicher Ortskrankenkasse Pasing, ermordet. 41. Dachau, Konzentrationslager: Felix Fechenbach, Redak- teur, aus dem Wege ins Lager ermordet. 42. Breslau: Dr. Ernst Eckstein, zuletzt Führer der SAP., stirbt an den erlittenen Mißhandlungen. 43. Marienbad: Prof. Theodor Lessing, am 80. August 1938 ermordet. 44. Papenburg, Konzentrationslager: Otto Eggerstedt, Poli- zeipräsident von Altona, am 12. Oktober 1983 ermordet. 45. Neusustrum bei Papenburg, Konzentrationslager: Buse, Polizeimeister in Bochum, Ende November Anfang Dezember 1933 ermordet. 46. Berlin-Britz: Obst, SPD.-Funktionär, nach der Berhaf- tung am 9. 4. 1933 erschossen. 47. Hamburg: Biedermann, MdR., wird als Leiche an der Bahnstrecke ausgesunden, soll angeblich aus fahrendem Schnellzug gesprungen sein. 48. Lübeck: Dr. Solmitz, Redakteur Lübecker„Bolksbote", am Entlassungstag angeblich in der Zelle erhängt. 49. Berlin Wcdding: SPD.-Bezirksvorstcher an Mißhand- lungen gestorben am 25. 3. 1933. 50. Chemnitz: Max Rupf, Rcichsbannerkamerad, erschossen ausgefunden am Ii. 4. 1933. 51. Hannover: Anton Maciossuk, infolge Verletzungen bei Mißhandlungen gestorben am 30. 6. 1933. 52. Papenburg, Konzentrationslager: Bergmann, Polizist^ ermordet am 10. 9. 1933. 53. Kiel: Henk, als„in Konzentrationslager gestorben" ge- meldet. 54. Lübeck: Fick, Rcichsbannerkamerad, zum Tode verurteilt und hingerichtet, hatte sich bei Uebersall durch SA. zur Wehr gesetzt und soll dabei einen SA.-Mann getötet haben. Revision wurde verivorsen und F. am 8. 3. 1934 durch Enthauptung gemordet. In den Tod geheizt: 1. Berlin: Ebel, Geschäftsführer beim Hauptverband der deutschen Krankenkassen, verübt Selbstmord in Unter- suchungshaft am>4. April 1933. 2. Bündheim bei Braunschweig: Wilhelm Rcupke, Konsum- geschästsflihrer, verübt im April 1933 Selbstmord. 3. u. 4. Berlin: Ernst Katz und seine Ehefrau Lina, Tochter Scheidcmanns, erschießen sich in ihrer Wohnung am 9. Mai 1933. 5. München: Toni Pfülf, MdR., vergiftet sich am 9. 7. 1933. 6. Burg Hohnstein, Konzentrationslager: Glaser, Arbeiter aus Ottendorf bei Sebnitz, begeht am 11. August 1933 Selbstmord. 7. Köln: Heinrich Jäger, Bevollmächtigter des Bauarbeiter- Verbandes, wird als Leiche aus dem Rhein gezogen. 8. Köln: Bertram, sozialdemokratischer Funktionär, erhängt sich im Walde, um nicht verraten zu müssen. 9. Köln: Willy Sieke, früherer Bezirksparteisekretär, wird schwer leidend ins Konzentrationslager geschleppt, miß- handelt, stirbt wenige Wochen nach der Entlassung. 10. Worms: Franck, Rcichsbannerkamerad, begeht Selbst- mord am 23. März 1933. 11. Breslau: Pros. Schoeller, Bakteriologe, begeht nach der Entlassung aus der Schutzhaft Selbstmord am 13. 4. 1933. 12. Düsseldorf: Dr. Odenkirchen, Beigeordneter, begeht Selbst- mord im Polizeigcfängnis am 13. April 1938. 13. u. 14. Paris: Dr. Freymuth und Frau, Senatspräsident, begeht Selbstmord am 18. Juli 1933. 15. Sonnenburg, Konzentrationslager: Ein fozialdemokra- tischer Funktionär erhängt sich gm 11. August 1988. 16. Berlin: Otto Schweitzer, Gewerkschaftsführer, begeht An- . fang Dezember Selbstmord. 17. Rostock: Moral, Professor, begeht Selbstmord am 17. Februar 1934. 18. Kieslau, Konzentrationslager: Ludwig Marum, früher Staatsrat, seit Mai 1938 in Schutzhaft, erhängt sich am 29. März 1934. 19., 20. u. 21. Bielefeld: Brinkmann, Berussschuldirektor, begeht mit Frau und Kind Selbstmord am 2. Dez. 1933. 22. Berlin: Lindemann, früher Ortokrankenkassendirektor, begeht Selbstmord am 12. August 1933. 28. Altona: Ein Eisenbahnbeamter begeht»ach der Verhaftung durch SA. im Gefängnis Selbstmord: Mitte Sep- tember 1933 gemeldet. Er hatte Angriffe auf Marxisten nicht unerwidert gelassen. 24. Lübeck: Kaehding, Reichsbannerkamerad, erhängt sich, nachdem er zum Tode verurteilt worden ist, in der Zelle. 78 Sozialdemokraten und Reichsbannerkameradcn, die un- schuldig ohne gerichtliches Versahren hingemordet worden sind— hingemordet von den Banden der Hitler, Röhm, Gö- ring und Heines! Die gemordeten SA.-Führer und ihre Mörder— sie alle zusammen sind die Mörder unserer Kämpfer für ein freies sozialistisches Deutschland. Me front der Anständigen Für ein geeintes Deutschland der Freiheit und der Kultur (Sopobe) Die Ruhe in Deutschland seit dem 30. Juni ist kein äußerlich und scheinbar. Unter der Oberfläche lebt die Gärung fort, und die Spannung wächst von Tag zu Tag. Die Ereignisse des 30. Juni haben auch weiten Kreisen der Bevölkerung die Augen über den wahren Geist der Hitlerdiktatur geöffnet, die bisher immer wieder die Kritik an der nationalsozialistischen Diktatur damit zu entkräften suchten, daß an der L a u t e r k e i t und an dem guten Willen Hitlers nicht zu zweifeln sei. Nachdem aber jetzt Hitler die Ermordung seiner engsten Mitarbeiter als seine mutige Tat feiern läßt, erfaßt das Entsetzen über diese Wildwestmethoden auch weite Kreise des Bürgertums, der Beamtenschaft und der Intellektuellen. Sie sehen das Unglück eines fürchterlichen Zu- sammenbruchs vor sich und suchen nun, sich dieser Ent- Wicklung in den Weg zu stellen, indem sie alle„A n- ständigen" aufrufen, sich zusammen zu finden und ihre antifaschistische Gesinnung offen zu bekunden. In einem in diesen Tagen in Berlin verbreiteten Flugblatt heißt es: „Wer nicht selbst mitschuldig werden will an dem größten Verbrechen, das die Menschheit kennt, dem Verbrechen, das unter dem Namen„Nationalsozialistische Revolution" begangen wurde, der muß jetzt endlich reinen Tisch machen! Wer heute noch zu feige ist, sich offen und klar von der braunen Pest abzusondern— ganz gleich, in welcher Stellung er steht— wird mit zur Verantwortung gezogen werdest Darum gilt ab sofort folgendes: Wer jetzt noch den H i t l e r g r u ß erweist, Hakenkreuz- abzeichen trägt oder die Hakenkreuzsahne hißt, stempelt sich selbst zur Stütze des Mordsystems. Wer jetzt noch Beiträge oder Spenden an national- sozialistische Organisationen oder sür Sammlungen der Nazis zahlt, finanziert einen Hochverrat am deutschen Volk! Wer jetzt noch Mitglied der NSDAP., SS., SA. bleibt, und wer jetzt»och eine Betätigung für diese Gesellschaft ausübt, schließt sich für die Zukunft selbst aus den Reihen der anständigen Menschen aus! Den schwachen Gestalten, die stets zum augenblicklichen Machthaber hinlausen, den naiven Fantasien, die das Phrascngcwäsch vom„Deutschen Sozialismus" ernst nahmen, bietet sich jetzt noch eine Möglichkeit, dahin zurück- zukehren, woher sie gekommen sind, nämlich in die Reihen der politisch Unmündigen, die man für ihre Handlungen nicht verantwortlich machen kann! Wer dieser letzten Mahnung nicht entspricht, hat sich alle Folgen selbst zuzuschreiben! Parole: Erst ausmisten, dann wieder ausbauen! Für ein geeintes Deutschland der Freiheit und der Kultur, der Gerechtigkeit und des Gemcinsinns!" Das Propagandaministerium hat bisher jede anti- faschistische Propaganda als kommunistisch oder marxi- stisch bezeichnet und mit dem Bolschewistenschreck den größten Teil seiner eigenen Propaganda bestritten. Das oben wiedergegebene Flugblatt beweist, daß heute in Deutschland die Front nicht mehr so steht, daß das deutsche Volk und die Welt nur die Wahl haben zwischen Faschismus und Bolschewismus, sondern daß auch die Kräfte sich stark zu regen beginnen, die Deutschland durch ein freiheitliches Regime wieder in die euroMM K^wrgeW.uÜÄÄt«Mn, Schmiergeld Die Erschossenen und die Lebenden Nun der Führer nichts mehr dagegen hat, nun es billig geworden ist, auf frische Gräber zu spucken, erheben plötzlich viele Tapfere ihre Stimme, um gegen das Wohlleben der gewesenen In u r der gewesenen) Bonzen zu protestieren. „Es erscheint nicht nötig, daß Diensträume der Partei in den vornehmsten Gegenden der Stadt bezogen werden", schreibt Goebbels Leibblatt, der„Angriff", der mit der Zeit wirklich alles merkt. Mit Goebbels' Privatwohnung, deren luxuriöse Ausstattung kaum zu überbieten ist, hat das natür- lich nichts zu tun, denn Dienst ist Dienst und Spaß ist Spaß. Auch Dr. Johann von Lecrs—„noch nicht gerichtet"— ist wieder munter geworden.„Man soll nichts vertuschen und soll nichts beschönigen", versichert er in der„Rhetnfront". denn er hat eine gute Witterung für die jeweils gefragte Nuance. „Wer hat das elegante Stabsquartier in Berlin gestiftet? Wer hat hier die Verschwörer gegen den Führer in ihrem Lasterleben geradezu finanziert? Hier kann nur Schmiergeld im Spiel sein, Schmiergeld in grober und feiner Form, Korrnmpierung durch Bankette und Korrum- pierung durch Schecks." Sehr richtig! Leers hat nur ein paar Kleinigkeiten ver» gessen: wer hat den braunen Palast in München gestiftet, wer die braunen Schlösser überall im Reich? Wer hat Görings Palais finanziert, wer bezahlt das luxuriöse Leben, das die braunen Bonzen heute noch führen?—„Hier kann nur Schmiergeld im Spiel sein." Aber über diesen Teil der braunen Korruption darf erst nach der dritten Revolution geschrieben werden. Und dann wird sichS wieder herausstellen, daß die überlebenden Hakenkreixzjchieber «längst aM gewußt haben" Geheimnisse des 30. Innl Berlin, 18. Juli.«Jnpreß.) Aus zuverlässiger Quelle er- fahren wir, weitere Namen der am 30. Juni Ermordeten. Es handelt sich um den Oberführer Fiedler der Brigade 32 «Gruppe Berlin-Brandenburg). den Oberführer Schwarz der Brigade 20«Gruppe BB), den Standartensührer Marcus der Staffel 6«Gruppe BB). den Standarten- führer Heck der Staffel 8«Gruppe BB), den Standarten- fllhrer Krause des Ptontersturms der Brigade 30«Gruppe BB) und den sächsischen SA.-Fllhrer F r a s c n h a us e r. den Bruder des gleichnamigen Generals. Ueber den Verlauf der Blutaktion werden uns außerdem die folgenden Einzelheiten mitgeteilt: Ernst Der Obergruppenführer von Berlin-Brandcnvurg, Ernst, wurde am Freitag, dem 20. Juni, abends, vertraulich benachrichtigt, daß die Reichswehr in Alarmbereitschaft liege. Ernst äußerte: Wenn etwas vorliege, werde man ihn schon benachrichtigen. Er habe seine Urlaubsreife bereits ein- geleitet und werde Samstagfrtth abreisen. Er rief dann noch telefonisch bei Blomberg und Göring an und erkundigte sich, ob eine besondere Aktion geplant sei. Seine Fragen wurden mit nein beantwortet. SamStagfrüh. als Ernst mit seiner Frau sich im Wagen auf dem Wege nach Bremerhaven be- fand, wurde er von TS. überholt und zum Halten aufgesor- dert. Er kam dem Befehl nicht nach und wurde daraufhin von SS. beschossen. Ernst erwiderte das Feuer. Bei diesem Feuerwechsel wurden seine Frau sowie der Chauffeur durch Halsstreisschüsse verletzt, so daß an ein Weiterfahren nicht mehr zu denken war. Ernst wurde verhaftet, mit dem Flug- zeug uach Berlin transportiert und von diesem SS.-Kom- mando, bei dem er besonders verhaßt war, bewußtlos geschlagen und, nachdem er ans der Ohnmacht aufgewacht war, erschossen. Sander Der Stabsleiter der Obergruppe Berlin-Brandenburg, Standartenführer Sander erfuhr von der Verhaftung und Erschießung Ernsts und erklärte:„Wenn Karl etwas gegen den Führer geplant hätte, so würden wir bestimmt etwas da- von gemerkt haben. Göring ist wohl verrückt geworben." Sander fuhr sofort nach München, um mit Hitler zu sprechen, nahm Akten— die letzten Befehle und vertraulichen An- Weisungen von Ernst— mit, um zu beweisen, daß der Er- schossene nichts gegen Hitler geplant gehabt habe. In München angekommen, wurde Sander nicht vorgelassen, son- der» von SS. verhastet, nach Lichterscldc zurücktranöporticrt und erschossen. „Der Mörder Göring* Dem Stabschef R ö h m gab man nach der Verhaftung und Ueberfllhrung ins Gefängnis 15 Minuten Zeit, sich selbst zu erschießen. Er weigerte sich und schrie:„Hitler hat mich verraten! Ich bin unschnldigl Was man an mir begeht, ist ein politischer Mord." Röhm tobte derartig, daß man ihn noch vor Ablauf der 13 Minuten erschoß. Der Adjutant Ernsts, Hauptmann Gert, hatte sich, als er von dem Mord an Ernst erfahren hatte, selbst gestellt. Er wurde erschossen, ebenso wie der zweite Adjutant Ernsts, Hauptmann M o h n s ch t l d. Die Urnen mit der Asche der uach der Ermordung Eingeäscherten wurden den An- gehörigen im preußischen Innenministerium ausgehändigt. Die Mutter Gerts brach in Schreikrämpfe auS: sie rief, sie wolle„den Mörder ihres unschuldig ermordeten Sohnes sprechen". Man versuchte, sie zu beruhigen und fragte sie, ivcn sie mit Mörder meine. Sie antwortete:„Den M ö r d c r G ö r i n g." Daraufhin wurde sie aus dem Innen- Ministerium entfernt. Man hatte ihr nahegelegt, in ihrem Interesse solche Redensarten zu unterlassen: die verzweifelte Frau aber schrie Unter den Linden, daß Göring ihren Sohn ermordet habe. Sie wurde ausgegriffen, und in einem Wagen nach Hause gefahren. Die Erschießungen in Lichterselde wurden von acht Scharführern der Leibstanbarte Hitlers unter Trommel- wirbel durchgeführt, nachdem ein Sturmhauptführer der Leibstandarte das Todesurteil bekanntgegeben hatte. Seldte bekam Prügel und versteckte sich Der Reichsminister und Stahlhelmführer Seldtc wurde am Sonntag, dem 1. Juli, von SS.-Leuten verprügelt: am Montag, dem 2. Juli, hielt er sich im Hotel Bristol versteckt. Der frühere Stahlhelmfllhrer Düsterberg wurde in München verhaftet und gefesselt nach Moabit überführt, wo er auch heute noch sitzt. In Moabit befindet sich ebenfalls der Adjutant des Kronprinzen, Major von Mttldner. Entgegen allen Dementis ist einwandfrei festgestellt, baß der Exkronprinz sich am 30. Juni und 1. Juli in„Ehrenhaft" befand: er durfte das Haus, das von SS. bewacht war, nicht verlassen. Protest he! Hindenburg Berlin, 18. Jnli.«Jnpreß) Der ermordete frühere Reichskanzler Schleicher ist bekanntlich ans dem 3. Garde- regiment hervorgegangen. Nachdem der Mord an Schleicher bekannt geworden war, hat der Regimentovcrein des g. Garderegimcnts eine Protestdclegation zn Hindenburg entsandt. Warum Lack verhaktet wurde Berlin, 18. Juli. Wir erfahren, baß der Rechtsanwalt Dr. Sack, der„Verteidiger" Torgelrs im Reichstagsbrandprozeß mit der Begründung verhaftet worden ist, er habe in enger Beziehung zu dem ermordete» Grupepnführer Ernst ge- standen. weise Voraussaht Der kluge Mann baut vor Von allen Ministern des Kabinetts Hitler kann nur einer sich rühmen, die Ereignisse vorausgesehen und sich darauf rechtzeitig eingestellt zu haben: Der Reichstnnen- minister F r i ck. Er erließ nämlich in seiner Eigenschaft als preußischer Innenminister bereits am 28. Mai 1934 einen Nunderlaß an Behörden, Gemeinden usw., wonach Um- und Neubenennungen von Straßen nach lebenden.Per- j o n e n nicht mehr stau linden Ärlk?. Ersatz für die Erschossenen 12 neue MdR.— Keine SA.-Führer, sondern nur Amtswalter Anstelle der am 30. Juni„gewaltsam ausgeschiedenen ReichstagSabgeordneten" sind vom Reichsinnenminister Dr. Frick zwölf neue Abgeordnete ernannt worden. Alle zwölf sind Amtswalter der nationalsozialistischen Partei. Landivirt und Gauarbettsslihrer Arndt«Breslau), Land- rat in Fulda Dr. Burkhard t, Kulturbaumeister und Gauarbeitsführer in Dortmund K r e i ch b a u m, Polizei- Präsident in Waldenburg von Hiddessen, Oberbürger- meister in Schweidnitz Brzeeiak, Landivirt und Kreis- leiter in Liegnitz K l i e b e r, Dipl.-Jng. und Gankulturwart in Hannover Schirmer, Stadtrat und Chei der politischen Polizei in Wismar O l d a ch, Kreisleiter in Wassertrttdingen «Franken) I t t a m e i e r, Landrat in Crossen a. O. Krüger, Obersebretär und GaugerichtSvorsitzender in Bay- renth Götz und Lehrer und Gauwirtschaftsberater in Neu- stadt a. b. H. B ö s i n g. «0 Maren die Fehlenden? 30 Reichs tagssitze leer London, 18. Juli. Die„Time S" schreibt im Anschluß an die ReichstagSsttzung:„Unter der großen Menge der uni- formierten Abgeordneten waren mehr als 30 leere Sitze. Rur von acht TA.-Führern wurde der Tod ifsiziell mitgeteilt, aber keiner ihrer Kameraden wußte, wo die Vermißten waren." Kritik des 30. Juni ist strafbar München, 17. Juli«Jnpreß). Ein Münchener Arbeiter, der in einer privaten Unterhaltung gesagt hatte, es wundere ihn, daß Hitler von den Sitten Röhms nicht einige Jahre früher Kenntnis gehabt habe, wurde durch SS.-Leute verhaftet. Breslau, 17. Juli«Jnpreß). Der Aibeiter Hermann Schulz wurde vom Breslauer Sondergericht zn 21 Monaten Gesäng- nis verurteilt, weil er über die Erschießung Röhms durch Hitler abfällige Bemerkungen gemacht haben soll. Herr v. Rolir-Demmln verschwanden Gewissermaßen„hinterherum" erfährt man jetzt, daß auch mit dem bekannten Hugenbergsreund, dem Junker Hans von Rohr-Demmin sich etwas ereignet hat. In einem Artikel in der nationalsozialistischen Landpost" beschäftigt sich ein Stabssührer Dr.' Reischle mit dem ehemaligen Staats- sekretär im ReichsernährnngSministerium Herrn von Rohr- Demmtn. An sich sind die üblichen Schimpfereien dieses Nazi- Häuptlings völlig uninteressant, aber dafür schreibt er fol- gende bemerkenswerte Worte: „Hugenbergs ehemaliger Staatssekretär sm Reichs« ernährungsministerinm, Herr von Rohr, hat zu denjenigen Erscheinungen gehört, die vor der Revolte vom 80. Juni Morgenlust gewittert und deshalb erhebliche Vetriebssam, keit entfaltet hatten? er ist augenblicklich unanssindbar." Damit wird wieder ein Geheimnis der Mordnacht gelüftet. Wie soll man eigentlich diese Worte verstehen? Ist der Marxistenfresser HanS von Rohr von seinen ehemaligen Koalitionsfreunden erschossen worden oder ist es ihm ge- lungen, sich rechtzeitig in Sicherheit zu bringen? Wer weiß, vielleicht werden wir In unserer Mitte aust Herrn von Rohr aus Demimn in der Emigration begrüßen dürfen? Hitlers Lüge Berlin, 17. Juli. Die Angabe Hitlers in seiner Reichstags- rede vom vergangenen Freitag, Stabschef Röhm habe für die SA. heimlicherweise 12 Millionen Mark beiseite geschafft, ist auf den W a ch s p l a t t e n, auf denen die Kanzlerrede am Samstag und Sonntag wiederholt wurde, ausgemerzt worden. ueberhol! Warum heißt Kanbrzin jejzt Heydebreck?„Am 21. Juni 1921 stürmte das Freikorps Heydebreck den Ort Kandrzin und warf die polnischen Eindringlinge hinaus. Hauptmann Peter von Heydebreck, heute TA.-Gruppenführer von Pommern, führte seine Wehrwölfe zum Sturm. Der Bericht bildet einen Teilausschnitt aus dem ungemein packenden, herzerfrischenden, mit Freimut und tollem Humor ge- schriebenen Erinnerungen Peter v. Heudebrecks..." «Fränkische Nazipresse.) Keine unnötige Sorge! Heydebreck heißt schon wieder Kandrzin. Gemordete Kameraden sind ungeeignet für Lese- buch-Legeqden! Goebbels lügt wie immer Wien, 17. Juli«Jnpreß). In seiner hysterischen Rede gegen die Auslandskorrespondenten wurde von Goebbels u. a. b<- hauptet, der Wiener Rundfunk habe am 1. Juli„fromm und gottesiürchtig mitgeteilt, daß soeben ReichSbankpräsident Dr. Schacht in Lichterselde erschossen worden sei". Zu dieser Be- hanptung stellt der Wiener Rundfunk in einer offiziellen Er» klärung fest, daß er am 1. Jnli kein Wort von der Erschießung Dr. Schachts, im Gegenteil, daß er die amtliche deutsche Mel- duug wiedergegeben habe, wonach die Gerüchte über den Tod des Reichsbankprüsidenten Dr. Schacht unrichtig seien. Auslandspresse verboten «Jnpreß). Im Anschluß an daS Einfuhr- und Berbreitungs- verbot der Pariser Zeitungen„L'Jntransigeant" und„Paris Totr" bis zum 23. bzw. 23. Juli ist nun auch die englische Zeitung„Evening Standard" auf die Dauer von 1» Tagen in Deutschland verboten worden, wahrscheinlich weil sie, um mit der deutschen Preise zu reden, von Hitlers Mordrede einen„überwältigenden" Eindruck hatten. Korruption u«Ä anderem Nachwort zum Gerelcs-Prozeß Die Ereignisse des 30. Juni und alles das, was nachher kam, haben den Tendenzprozeß gegen den früheren Reichskommissar für Arbeitsbeschaffung, G e r e k e, überschattet, der jetzt wochenlang in Berlin durch- geführt wurde. Schon vor Monaten war Gereke wegen Un- treue zu zweieinhalb Jahren Gefängnis und 100 000 Mark Geldstrafe verurteilt ivorden. Das Reichsgericht hatte jedoch die Revision gegen das Urteil anerkannt, so daß erneut ver- handelt wurde, mit dem Resultat, daß Gereke wiederum zweieinhalb Jahre Gefängnis erhielt. Was wurde ihm vorgeworfen? Er soll Gelder, die er in seiner Eigenschaft als Leiter des Hindenburg-Ausschusses anläßlich der Reichspräsidentenwahl von 1933 gesammelt hatte, nicht dem vorgeschriebenen Zweck zugeführt haben. Es handelte sich dabei um 480 000 Mark. Immer wieder ver- sicherte Gereke, daß ihm das Geld für die Gründung einer Zeitung zur Verfügung gestellt worden sei. Es hat heute keinen Sinn mehr, die Einzelheiten des Pro- zesses zu behandeln. Entscheidend ist, baß dieser ganze Prozeß bewußt als politisches Strafgericht über einen Mann aufgezogen wurde, der dem Nationalsozialismus nicht zu Willen war. Der noch sehr junge Gereke hatte eine glänzende Karriere gemacht. Severing hatte den tatenlustigen Deutschnationalen, mit weitverzweigten Verbindungen ins monarchistische Lager hinein, als Landrat abgesetzt. Er wurde später Präsident deß Lanbgemeindetages und unter Brüning Reichskommissar für Arbeitsbeschaffung. Niemals konnten ihm die Nationalsozialisten verzeihen, baß er unermüdlich für die W i e d e r w a h l H i n d e n b u r g s eintrat und seine hervorragende organisatorische Arbeit zum Erfolg führte, während Hitler als Unterlegener auf der Strecke blieb. Vielleicht kommt einmal die Zeit, in der man in die dunkle 'Zorgeschichte des Prozesses tiefer hineinleuchten kann als heute. Das Gericht machte Gereke in der Urteilsbegründung folgende Komplimente: „Das Gericht lehnte eine Geldstrafe ab, weil nicht eitle Gewinnsucht das Motiv zu Gerekes Taten gewesen sei. Gereke habe im Bewußtsein seines erheblichen Könnens versucht, den Weimarer Staat mit den Mitteln des Weimarer Staates zu bekämpfen. Man müsse auch berücksichtigen, daß Gereke in eine korrupte Umgebung ge- langt sei, in der solche Dinge leider zu den Gepflogen- heiten des parlamentarischen Systems zu gehören schienen." Diese interessante und vielseitige Begründung läßt er- kennen, welche politische Zwecke der Prozeß verfolgte. Man konnte Gereke die Anerkennung nicht versagen, baß er ein tapferer Kämpe gegen„Weimar" gewesen sei. Andererseits aber bat er sich auch am„dritten Reich" dadurch versündigt, daß er für Hinöenburgs Wahl erfolgreich focht. Sehr kühn ist die Stelle über Gerekes„korrupte Umgebung". Das ganze Volk weiß heute, daß das parlamentarische System in den langen Jahren seines Bestandes ein Musterbild von Sauber- keit gegen den korrupten Saustall war, den uns die Bonzen- Wirtschaft des„dritten Reiches" beschert hat. Das wissen auch die Richter genau. Aber als Funktionär des„Führers" müssen sie die Korruption auf der anderen Seite suchen. Der Gereke-Prozetz ist freilich eine Nichtigkeit gegen die Ereignisse des 30. Juni. C':t wurde wenigstens noch der VeMck eiu.es Icualfn ZMatzrM Hnt£inpwm|n< es gibt nicht wenige, die behaupten, Gereke habe sein Leben der Tat: fache zu verdanken, daß er sich hinter Gesängnismauern be- fand. In Hitlerbeutschland gibt eS kein Rechtsgewissen mehr. Der Reichsjustizminister Dr. Gllrtner, der Hüter und Wahrer der deutschen Gerechtigkeit, hat die Morde des 30. Juni sämtliche legalisiert. Auf sein Konto geht eS, daß die Ermordung Klauseners, von Kahrs, des Privat- sekretärs Papens, von Bose, der Frau Schleicher„rechtens" geworden sind. Mit Bestimmtheit wird versichert, daß de» Reichssinanzminister von Schwerin-Krosigk und Reichs- verkehrsminister von Eltz-Rübenach solche Angst vor de» Legalisierungsjustiz ihres Kollegen gehabt haben, daß sie wider ihre Absicht im Hitlerkabinett geblieben sind. Das Ausland beobachtet das alles genau. Es ist nicht nur entsetzt. ES fühlt den moralischen Trennungsgraben. Die Folge ist, daß man Hitlerbeutschland im Auslände keinen Glauben und kein Vertrauen mehr schenkt. Längst ist es so weit, daß der Deutsche im Ausland diese Empfindungen beut» lich zu spüren bekommt, auch wenn er es weit von sich weist, Hitleranhänger zn sein. Deutscher im Auslande, das ist heute ein Makel— so haben Hitler und seine Justiz Deutschlands Ansehen in der Welt gemehrt. v!e Scheinjusßi „Hitler wird stürzen" PariS, 18. Juki. "Der unter dem Pseudonym„Gallus" schreibende, hoch- angesehene Leitartikler des„Jntransigeant" nimmt in einer längeren Abhandlung unter der Ueberschrist„Deutsche Justiz" zu den neuen„Volksgerichten" des Hitler-SystemS Stellung. Er meint, Hitler habe sich damit nur ein neues Instrument zur Unterdrückung seiner Gegner geschaffen. Habe man eben erst dem Kanzler vorgeworfen, baß er diese ohne jedes richterliche Urteil habe hinrichten lassen, so wolle er sich in Zukunft aus eine Scheinjnstiz stützen. Der Jüstizminister habe zwar die neuen Richter bei ihrer Amtseinführung feierlich verpflichtet, ihre Tätigkeit auszuüben„als ünabhängige Richter, nur Gott und ihrem Ge- wissen verantwortlich", aber der Vorsitzende des Gerichts, der ihm unmittelbar als Redner gefolgt sei. habe bewiesen, ivie er diese Verpflichtung auffasse. Er habe erklärt:„Unsere heilige Aufgabe wird eS sein, das Recht entsprechend der neuen Auffassung von Volk und Staat auszulegen." Man werde eben alles in den Buchstaben des Gesetzes hinein- legen, was man für den Schutz der Blutherrfchaft für nötig halte. „Gallus" fährt dann fort:„Beklagen wir die Unglück, lichen, die vor diese Karikatur von einem Gericht sich z» verantworten haben werden. Aber erkennen wir daran auch die Schwächen einer Regierung, die sich gezwungen sieht, solche Mittel anzuwenden, um sich halten zu können. Der Terror mag vielleicht eine Zeitlang ausreichen zum Schutze der Diktatur, aber bald kommt doch ein Tag, wo das Volk das Joch seiner Schmach von sich abschüttelt. Hitlers Herrschast kann nur dann van langer Dauer sein, wenn es ihm gelingt, Deutschland aus seiner verzweifelten Lage zu befreien. Aber alles, was wir von ihm wissen, zeigt uns ihn als unfähig zur Erfüllung dieser gigantischen Auf, gäbe,«£j ist. verurteilt zn stürzen,"- ®cut$tfke Stimmen•(Beilage zur J Deutschten Freiheit"• Iweignisse und QesdkiMen Donnerstag, den 19. Juli 1934 iiii« WM! pas ÜJkeatec des De. Jose# Qoeb&ets ^vesen. Das erlassene Theatergeseg setzt den Schiußpunkt "fiter eine Entwicklung, die das deutsche Theater immer ''ärker aus einer der Kunst oder„dem Vergnügen der Einwohner'(wie es auf dem Giebel des Potsdamer Theaters e ißt) gewidmeten Stätte zu einem kulturellen Vollzugs- fiegan des Staates gemacht hat. Der Typus des von der künst- fifischen Initiative des Unternehmers bestimmten Privat- 1 eaters(dem das deutsche Theater Glanzzeiten seiner Entwicklung verdankt: L'Arronge, Brahm, Reinhardt) verschwin- ct— sämtliche Bühnen des Reiches werden vom Staat »'Übernommen" und dem Propagandaminister unterstellt, der V'ni Benehmen mit dem Reichsdramaturgen) autoritative Gewalt über den Spielplan der Bühnen erhält,— der nicht nur •"e leitenden Persönlichkeiten erst bestätigen muß,— sondern auch das Recht bekommt, den Theatern„Auflagestückc" •"fzunötigen, soweit sich das mit ihrer finanziellen Kapazität verträgt. Das Sterben der privaten Bühnen hat in Berlin •'hon vor dem Erlaß des Theatergesetzes angehoben; wie in oskau werden von der nächsten Spielzeit an die wichtigsten irliner Theater in Staatsregie betrieben: die beiden Opern, _« Staatliche Schauspielhaus, das Deutsche Theater(das seit ** Reinhardts Weggang von Mißerfolg zu Mißerfolg taumelte), das Große Schauspielhaus(das von der Organisation i-Kraft durch Freude" betrieben wird), außerdem die ein- stl Se, buchstäblich mit den Spargroschen der Berliner Arbci- 'j r geschaffene„Volksbühne", die jetzt„Theater am Horst- essel-Pl a g" heißt und dem Befehl eines SA.-Führers, des yrafen Solms-Laubach, überantwortet wird, der vor der Hit- 'fir-Urawälzung durch keinerlei praktische oder theoretische Bemühung innerhalb des deutschen Theaters hervorgetreten 1. v ar. Das(von Herbert Maisch geleitete)„Preußische Thea- ) V r der Jugend", das im Dezember mit vielen preisenden J'eden eröffnet wurde, hat Anfang April schon wieder seine *- afführungen eingestellt.-»-• ^3 Intendanten gingen....' . Die tiefe Unruhe, die mit dem Einbruch der Politik über s deutsche Theater gekommen ist, drückt sich in der Tat- *' ice aus, daß während der laufenden Spielzeit nicht weniger a' 8 15 Intendanten(darunter Dr. Ulbrich, der Intendant des preußischen Staatstheaters) von ihren Posten, meist ohne "allere Begründung, enthoben worden sind; der Opernchef •'fies westfälischen Theaters wurde von einem Tag auf den "fidern„wegen Verstoßes gegen das Führerprinzip" seines A®tes entsetzt. Es entspricht dem heute auch für das Theater geltenden |/imat der Politik, wenn der sonst völlig unbekannte Ber- '"er Schauspieler Ernst Keppler„wegen seiner besonderen 'frdienste um die nationalsozialistische Bewegung" in den ' erwaltungsrat der Reichstheaterkammer berufen wird. , Im Glauben an die Allmacht der Organisation scheinen die >•j'r das kulturelle Leben im„dritten Reiche" verantwortlichen Banner zu übersehen, daß sich das Theater, seiner Natur "ach, auf die Fähigkeit gründet, Freude zu erwecken, Freude ,u versprechen... und daß die Möglichkeit dieser Freude ""mittelbar mit der freiwilligen Bereitschaft des Zuschauers Zusammenhängt, die Eindrücke aufzunehmen, die ihm die °"hne vermitteln will. Man könnte nicht leicht ein theater- pemderes Wort als jenen Ausspruch eines deutschen Theater- '"tendanten ersinnen, demzufolge Adolf Hiller für das deut- •che Volk die„Theaterpflicht proklamiert" habe. Mag sein, "aß man den Ausfall an freiwilligen Theaterbesuchern durch ^'vangsabonnements eine Zeitlang kompensieren, daß man arch Druck auf die politischen Verbände jene Tendenz- • icke durchsetzen kann, denen sich das Publikum immer lautlicher entzieht,— wenn das Theater als Seelenkraft und "eude spendender Organismus dem deutschen Volke erhalten bleiben soll, dann muß der Bühne endlich gegeben wer- was der Bühne ist; denn das Theater muß verdorren, h. seine gesellschaftliche Funktion einbüßen, wenn man J'un ihm(gleich dem Minister Frick) statt der zweckbefreiten 'nstlerischen Leistung eine„Stärkung des Wehrwillens" "der die Pflege des„nationalsozialistischen Geistesgutes" erwartet. Im Bereich des Theaters, in dem nach des Dichters ^°rt durch das gemeinsame künstlerische Erlebnis„alle Renschen Brüder" werden sollen, muß darum der von der t olitik hereingetragene Rassenhaß besonders zersetzend und "ergiftend wirken. w wird gethingt In dem Bestreben, den vielen arbeitslosen Bühnenkünstlern zu Arbeit zu verhelfen und zugleich die im politischen Weben betätigte Aktivität auch im Bereich des Theaters geltend zu machen, ist man eben dabei, allüberall jene Thing- zu schaffen, auf denen in„großen gemeinsamen Feier- "od Weihestunden"„der neue deutsche Mensch geformt und ^schaffen" werden soll. Es entspricht der üblichen Ueber- •rhätzung des Organisatorischen, wenn man von der bloßen Tatsache der Errichtung dieser Thingplätze bereits eine völlige Erneuerung des deutschen Theaters und des deutschen Dramas erwartet. Die„Arbeitsgemeinschaft für das Thing- P la gspiel" verkündet feierlich:„Die vom schöpferischen Menden beherrschte Technik schafft neue Aufgaben, so daß hier fw'eifellos der Schöpfungsakt einer neuen deutschen Kultur ihrer durch den Nationalsozialismus bedingten Totalität Eegt". Vor lauter Begeisterung übersieht man nur, daß bis Eeute noch keine einzige Dichtung vorliegt, die den ganzen Einsatz von Technik und Material lohnen könnte: einstweilen ""hilft man sich notgedrungen mit ad hoc verfaßten Gelegenheitsarbeiten von Kurt Eggers und Riehard Euringer. (Der Freund der rheinischen Landschaft vernimmt mit einem gewissen Unbehagen die Kunde, daß soeben auf der Loreley ®>t dem Bau eines großen,„12—15 000 Menschen umfassenden Thingplatzes für den Gau Hessen-Nassau" begonnen Wörde.) Deutsche letuc Befehlsgewalt des Reichsdramaturgen Die Spielplan-Möglichkeiten des neuen deutschen Theaters sind durch den Wegfall aller einer sozialistischen oder gar pazifistischen Gesinnung verdächtigen sowie der nichtarischen Autoren außerordentlich beschränkt. Schwer lastet die Hand des Reichsdramaturgen auf den Programmen der deutschen Bühnen. Sämtliche Stücke, die die Kriegs- oder die Nachkriegszeit behandeln, sind ihm zuerst vorzulegen; von seinem Recht, Stücke, die dem nationalsozialistischen Geist zuwiderlaufen, abzulehnen, hat er unmittelbar vor der Aufführung des„Prozesses Mary Dugan" in der Volksbühne am Horst-Wessel-Platz Gebrauch macht. Am badischen Staatstheater in Karlsruhe wurde das Drama„Saul" von K. M. Senn sechs Stunden vor der Aufführung abgesetzt, weil das Stück„als Verherrlichung Israels" aufgefaßt werden könnte. Daß diese stete Bedrohung durch einen staatlichen Eingriff die Initiative der Bühnenleiter völlig lähmen muß, ist umso klarer, als sich der Einspruch des Reichsdramaturgen auch auf verstorbene, aus„rassischen" oder weltanschaulichen Gründen abzulehnende Dramatiker wie Hofmannsthal, wie Wedekind und Büchner, ja sogar auf die Klassiker erstreckt. Ich glaube nicht, daß es viele deutsche Bühnenleiter gibt, die heute eine Aufführung von Schillers„Don Carlos" riskieren.(Paradoxerweise heißt es in der Begründung zum „Theatergesetz":„Im nationalsozialistischen Staat ist die Kunst das Ergebnis freien Gestaltens; sie darf nicht kommandiert werden". Wie mag das nur gemeint sein?) Gute alte Schinken Da ist es kein Wunder, wenn auf den Berliner Bühnen innerhalb einer Spielzeit der uralte Gustav v. Moser dreimal zu Wort gekommen ist,... wenn man der Verödung des Spielplans dadurch zu begegnen sucht, daß man Noel Howards vor Jahren vielgespielte„Intimitäten" unter dem harmloseren Titel„Was sich liebt, das kracht sich" von neuem einzuschwärzen versucht. Eine bisher führende süddeutsche Bühne, die durch ausgezeichnete Aufführungen das Interesse an der zeitgenössischen Dramatik durch Jahrzehnte wachgehalten hat... die Münchener Kammerspiele, brachten in der ablaufenden Spielzeit an neueren Werken: „Flachsmann als Erzieher",„Die Journalisten",„Heimliche Brautfahrt",„Krieg im Frieden",„Der Mann mit den grauen Schläfen", etc. Ein Versuch, die systematische Ausgrabung von Stücken aus der Zeit unserer Großväter durch eine Aufführung von Billingers„Goldenen Pfennigen" zu unterbrechen, wurde mit einem Entrüstungssturm der maßgebenden Münchener Presse über den„zersetzenden" Geist dieses Stückes quittiert. Der einzige bedeutende, als„nordisch" anzusprechende deutsche Dramatiker Ernst Barlach, der unter dem verflossenen System Serienaufführungen erlebte, ist diesmal auf einer einzigen Bühne(Altona) zu Wort gekommen,— Paul Ernst und G. Kolbenheyer, zwei Dramatiker, deren Vernachlässigung die nationale Kritik den Bühnen des Weimarer Staates schwer ankreidete, sind So gut wie vom Spielplan verschwunden. Auch von Gerhart Hauptmann, der sich mit einer Bereitwilligkeit„gleichschaltete", die sogar die neuen Gewalthaber überraschte, war in dieser Saison so gut wie nichts mehr zu sehen; die„goldene Harfe" ist außer in München nur mehr in Leipzig und Stendal gespielt worden. Nordische Tumbheit Ein dramatischer Nachwuchs aus dem nationalsozialistischen Lager ist vorerst noch nicht zu erkennen; die beiden Erfolge der abgelaufenen Spielzeit, Forsters„Einer für Alle, Alle gegen Einen" und Graffs„Heimkehr des Matthias Bruck" verdanken ihre Bühnenkarriere mehr ihren kulturpolitischen Tendenzen als ihrem dramatischen Gehalt. Merkwürdigerweise ist der Reichsdramaturg Dr. Rainer Schlösser der Ansicht, daß es am Kritiker liege, wenn das Gedeihen des neuen Dramas bisher zu wünschen übrig lasse. Im„Wissenschaftlichen Pressedienst" schreibt er wörtlich:„Der deutsche Kritiker sollte sich um der Wiedergeburt des nationalen Theaters willen, das Nationaltheater werden will, heute getrost in bewußter ,Einfältigkeit' oder, was dasselbe ist: in nordischer Tumbheit dem Dienst der Dramatik widmen, die Blut von seinem Blut ist". Die Nichtarier und die andern Der Kampf gegen die Bühnenbetätigung von„Nicfit- ariern" hat im Laufe der Spielzeit ständig zugenommen; ausdrücklich verkündet jetzt der„Kampfbund für deutsche Kultur":„Unsere kompromißlose Ablehnung trifft aber auch jene Judenstämmigen, welche als sogenannte Frontarier heute noch auf Nebengeleisen glauben, ungestraft Personal- und Spielplanpolitik treiben zu können. Ebenso lehnen wir auf deutschen Bühnen alle jene Leute ab, die heute noch mit jüdischen Kreisen befreundet oder mehr oder weniger verheiratet sind. Sie mögen noch so große Könner sein". Diese Intransigenz der heute für die Bühnen verantwortlichen Stellen hat dem deutschen Theater vor kurzem seinen besten Schauspieler, Albert Basscrmann, den Träger des Iffland- Ringcs, gekostet. Daß tatsächlich jetzt auch die Frontkämpfer unter den Bühnenkünstlern zu verschwinden haben, lehrt ein Bericht aus Stettin, wo das Publikum gelegentlich einer Aufführung von Ibsens„Hedda Gabler" lebhaft„gegen Stück und Darstellung" protestierte;„Die Zwischenrufe richteten sich gegen die Problematik des Stückes und den im Ensemble stehenden jüdischen Schauspieler L. R" Auch als dem Publikum mitgeteilt wurde, daß der L. R. das Eiserne Kreuz 1. Klasse besitze, legte sich die Erregung nur vorübergehend. Den Auftakt zu der erneuten Judenbekämpfung innerhalb des deutschen Theaters gab ein an maßgeblicher Stelle erschienener Aufsatz des amtierenden Oberpräsidenten für Brandenburg-Berlin, Wilhelm Kube, dessen Germanendrama „Totila" in der deutschen Provinz viel gespielt wird, in dem es wörtlich heißt:„Wenn die krummnasigen Theaterhuren männlicher und weiblicher Anatomie heute nicht in Prag, Wim etc. säBerti»?/(le man sie nachirüüid} sterilisieren und Das war sie nun: die Nacht der langen Messers Ein Schweinehund vom andern abgekehlt! Jegt sind die Toten Wüstlinge und Fresserl Allein wir fragen: Sind die Mörder besser. Die das verhehlt? Mit Phrasen kann man keinen Staat regieren. Ein Weilchen pumpt man wohl die Kassen leer. Doch schließlich gibt es nichts mehr zu verlieren, ,'od eklig greift die Frage an die Nierens Was hinterher? a Dann stier'n sie ohne Antwort, und die Leere Des phrasentrunkenen Hirns wird offenbar. Der eine steht dem andern in der Quere, Der Schwag von Treue, Kameradschaftg,Ehra Schlingt die Gefahr. Jegt weiß ein jeder, daß der Freund ein Lump ist. Und zittert: kommt mein Meuchelmord zurecht? Kein Treubruch, keine Hinterlist zu plump ist, Und eh der ganze Laden nicht in Klump ist. Pausiert das Recht. V.' Sie kennen keine Gnade, keine Reue Sie hegt die Angst, der Jagd- und Mordinstinkt. Sie tünschen sich mit List und Bauernschläue. Das ganze als ein Lied von deutscher Treue Zum Himmel stinkt! M u cki. VetfaUmdec deutschet 1-itm Wie die deutsche Filmindustrie ihrem unvermeidlichen Untergang entgegen geht, zeigt ein Artikel, den die„DAZ." am 25. Mai veröffentlicht. Ob der waghalsige Autor seine Veröffentlichung nicht mit Entlassung oder Konzentrationslager büßen muß? Es heißt da n. a.: „Die Erst- und Uraufführungstheater, die vor zwei Jahren noch zwei Drittel des Kassenertrags eines Films im Durchschnitt beisteuerten, bringen gegenwärtig noch kaum ein Drittel auf. So kommt es, daß unter dem Gesichtswinkel des Ertrags die kleineren Kinos zur Zeit eher besser daran sind, als die größeren, wie man ja auch beachten kann, daß die Laufzeit der Filme in den Haupt- Kinotheatern viel kürzer als etwa in der Anfangszeit des Tonfilms geworden ist. Durch die Abwanderung zu kleineren Theatern und billigeren Plätzen dürfte heute durchschnittlich die doppelte Besucherzahl erforderlich sein, um denselben Erlös wie ehedem für einen Film herauszuholen. Daher erbringen am heimischen Markt die jeweilig ertragreichsten Filme der Saison offensichtlich sehr viel weniger als vor zwei oder drei Jahren in den Anfängen der Tonfilmkonjunktur. Man darf wohl darauf verweisen, daß im Filmjahr 1930/1931 der Film„Der Kongreß tanzt" im deutschen Geschäft 2'/a Millionen Reichsmark, der Film „Zwei Herzen im Dreivierteltakt" 2,2,„Atlantik" 1.9 Millionen Reichsmark eintrug. Gegenwärtig sind Inlandserlöse von einer halben Million eine seltene Erscheinung. In der Saison 1933/1934 brachten z. B. bisher„Reifende Jugend" und„Leise flehen meine Lieder" die zu den geschäftlich günstigsten Erzeugnissen dieser Saison gehörten, bisher gutem Vernehmen nach je etwa 450 000 Reichsmark." Was der mutige Autor des Artikels nicht zu schreiben wagte, daß nämlich ein Durchschnittsfilm heute im deutschen Inlandgeschäft nur noch 100 000 Reichsmark einbringt, erhärtet noch die Tatsache, daß der deutsche Film immer mehr verfällt und bald die Produktionskosten überhaupt nicht mehr decken kann. Dafür ist natürlich der„tüchtige" Herrscher über den deutschen Film, Herr Dr. Goebbels, verantwortlich. Interessant ist bei dieser Gegenüberstellung, daß ein Film österreichischer Provenienz,„Csibi" mit der Jüdin Gaal und dem jüdischen Regisseur Neufeld in Deutschland einen Ertrag von 1,2 Millionen Reichsmark brachte. Verbotene* Heldentum Der Leiter der Filmprüfstelle gibt unter dem Datum des 22. Juni 1934 bekannt, daß am 7. Juni 1934 unter Nr. 36 548 die öffentliche Vorführung des Films„Der Held der Arena" verboten worden ist. Es handelt sich hierbei um einen sechsaktigen Bildstreifen der United Film, Neuyork (Hersteller), bzw. der Bayerischen Filmgesellschaft mbH., München(Antragsteller). Wells schreibt seine Memoiren H. C. Wells, der berühmte englische Schriftsteller, arbeitet augenblicklich an einer Geschichte seines Lebens. Das neue Werk soll bereits im Oktober unter dem Titel„Versuch einer Autobiographie" erscheinen. einsperren. Die Sau fühlt sich im Mist wohl und der Jude in dem, was er Kunst nennt. Prügelstrafe für die Bande wäre ein sanftes Streicheln. Aber wir passen auf". So sind durch die derzeitige deutsche Theaterpolitik so gut wie alle Juden ans den Bühnen verschwunden: die Regisseure und Bühnenbildner, die Sänger und Schauspieler und schließlich— last not least— auch die Zuschauer. Und wer darüber Bescheid weiß, welches glühende und dauernde Theaterinteresse gerade die jüdischen Kreise für das Theater gezeigt haben, wird den völligen Ausfall dieses Theaterpublikums gewiß nicht leicht nehmen; denn wie man auch zu dem vom Nationalsozialismus gewünschten und geförderten Typus des Theaters stehen mag— an der Tatsache kann man nicht vorbeisehen, daß die Anteilnahme des deutschen Publilmms am Theater trog der amtlichen Anstrengungen ganz bedenklich gesunken ist.| Die Massen finden längst in der Politik die Emotionen, deren Befriedigung früher die Bühne mitbesorgt hat; die gebildeteren Schichten aber scheinen es nicht verschmerzen zu könneh, daß durch die Politisierung des ganzen Lebens der Begriff des„Theaters als Freude und Erhebung" durch den Begriff d&.JTheatgrt als Zw onus von t eL Inag"?«eßt word en ist.' Das bunte Matt „Deutsche Freiheit" Nr. 164 Ein Königreich für einen Sitzplatz Mancherlei Theater in London Theater in London,— trotz der Hitzewelle gibt es da aller- band Sensationen. Dabei allerdings darf man ruhig den Begriff„Theater" etwas weiter fassen, denn auch Wimbledon, der berühmte Tennisplatz, war in den letzten Wochen eine Art Theater, mit wahren Tennisdramen, mit Stars und mit einem ungeheuren Andrang von Zuschauern. Seit Wochen schon waren alle Sitzplätze für die Meisterschaften von Wimbledon restlos ausverkauft. Händler machten die besten Geschäfte. Bis zu fünf Pfund forderten und erhielten sie für einxn Platz, der einmal fünf Schillinge gekostet hat. Schon wenige Stunden, nachdem die letzten Zuschauer am Abend den PIptz verlassen hatten, stellten sich die Ersten für die am kommenden Nachmittag beginnenden Spiele an. Sie verbrachten die Nacht auf ihren kleinen mitgebrachten Stuhl- che«, und auch sonst hatten sie sich aufs Beste für eine lange Wartezeit eingerichtet, versorgt mit Essen und Büchern. Es wird erzählt, da st Leute, die morgens nach sechs Uhr an- kamen, zu einer Zeit, da die Zahl der Wartenden schon nach vielen Hunderten zählte, nicht einmal mehr auf einen Steh- platz rechnen konnten und umkehren mußten. Wo in der Welt, muß man schon fragen, gibt es heute noch soviel Enthusiasmus? Dabei wurde der erklärte Lieb- ting des Ccntre Eourt,„Bunni" Austin in einem höchst dramatischen Match von dem Amerikaner Shields glatt ge- ichlagen, sehr zum Leidwesen seiner unzähligen Anhänger. Abxr schließlich stand im Endspiel um die Herren-Meister- schaft von Wimbledon doch noch ein Engländer, Fred Perry, der den Australier Erawford besiegte. Die Freude in Eng- land war groß. Seit dem Jahre 190g, dem Geburtsjahre Per- rys übrigens, hatten Engländer zum ersten Male wieder den Endsieg in Wimbledon errungen. Perry war also der wahre Held und Star von Wimble- don,— und dieser Perry ist noch dazu als Tennisspieler ein richtiger sclfmade-man. Bis 1930 hatte er niemals Unter- richt gehabt. Zum ersten Male trat er hervor, als er im Jahre 1929 in Budapest Weltmeister im Ping-Pong wurde. Er revolutionierte dieses Spiel, indem er ganz neue Schläge erfand, deren Methodik er später auf das Lawn-Tennis zur Anwendung brachte. Perry ist, was man allgemein nicht weiß, Sohn eines Labour-Abgeordneten im Unterhaus, der die Wähler der Landschaft Kettering vertritt. Männer in Weiß auf dem Tennisplatz,—„Männer in Weiß", so heißt auch der neueste Londoner Bühnenerfolg. Im Lyrik-Theater wurde das Stück eines amerikanischen Autors Die Welt auf schienen Die Statistik ist eine schöne Erfindung. Die ganze Welt ist mit 1282 999 Kilometer Schienenwegen belegt. Man hat kürz- lich berechnet, daß auf je 109 Quadratkilometer der Erdoberfläche ein Kilometer Eisenbahn entfällt und auf je 19 999 Bewohner sechseinhalb Kilometer. Biete Völkerschaften in Asien und Ozeanien, die übrigens zahlenmäßig bisher nur annähernd erfaßt sind, werden nicht viel von den sechseinhalb Kilometer merken, die ihnen angeblich zukommen. Berech- nungen hinterm grünen Tisch. Eine Augenblicke ysro Äghas gestorben... Die Nachricht vom Tode Zaro Aghas, des 164jährigen Türke», ist schnell um die ganze Welt gedrungen. Tie er- reichte auch ein altes rumänisches Mütterchen, das vor Schreck darüber einen Herzschlag bekam. Sie war 129 Jahre alt und war in ihrer Jugend mit dem verstorbenen Methu- salem befreundet gewesen. Da aber Zaro Agha schon damals unter diesem Titel aufgeführt. Ter Erfolg nach der Pre- miere war groß beim Publikum und bei der Presse, und es ist anzunehmen, daß das Stück in kurzer Zeit auch an den großen europäischen Bühnen ausgeführt werden wird. Viel- leicht wird es ihm sogar gelingen, die auf der Bühne und im Film so beliebt gewordenen Gerichtsverhandlungen, die nie- mals ihre sichere Pnblikumswirkung versehlten, zu verdrän- gen. Die ausgezeichnete und von sachkundiger Seite unter- stützte Inszenierung in London brachte wohl zum ersten Male einen Operationssaal und den Verlauf einer Operation von solcher naturalistischer Echtheit auf die Bühne. Einen einzigartigen Erfolg aus der englischen Bühne hat ja auch Elisabeth Berg n er z» verzeichnen. Ihre älte- sten Filme sind in englischer Fassung augenblicklich in fast allen großen Kinos von London zu sehen. Mit ihrem ersten englischen Film als„Katharina von Nußland" hatte sie nicht nur einen überwältigenden Erfolg beim Publikum, sondern auch viel zu dem Rufe der englischen Filmindustrie beige- tragen, die bisher vollkommen im Schatten Hollywoods ge- standen hatte. Seit über sieben Monaten nun spielt die Berg- ner vor täglich ausverkauftem Hause in englischer Sprache in einem Stück, das nur um ihretwillen sehenswert und durch sie zum Erlebnis wird. In der Theater-Geschichte wird man vergeblich nach einem Vergleich suchen: denn nie ist es einer Schauspielerin gelun- gen, wie hier, durch ein einziges Auftreten die beliebteste und verwöhnteste Künstlerin einer Weltstadt zu werden. Im Sommer wird Elisabeth Bergner in Stratford, der Geburts- stadt Shakespeares, in den Festspielen auftreten, und im kommenden Herbst wird sie die Erfolgscrie ihres Londoner .Stückes in Ncuyork fortsetzen. Dann aber wird sie wieder nach London zurückkehren, denn da ivill man sie auf keinen Fall verlieren. Schon sind ihr von einer Reihe der bekannte- sten englischen Bühnen-Autoren Stücke angeboten worden, die eigens für sie geschrieben wurden. Aber bisher hat sie sich noch nicht entschieden. Zu einer beliebten und ständigen Einrichtung im Theater- leben Londons wurden auch die Freiluft-Aufsührungen im Regents-Park. Die Aufführung des„Tommernachtstraumes" im Rahmen der dazu passenden Landschaft und in der sau- beren Darstellung zieht immer wieder genug Menschen an und beweist, daß auch hier der Sinn für echte unfi Romantik noch nicht ausgestorben ist. über 69 Lenze zählte, wollten die Eltern der Zwanzigjäh- rigen die Heirat mit dem„alten" Herrn nicht gestatten. Das Mädchen wurde vielmehr in den Harem eines reichen Kauf- manns gesteckt. Immerhin ist es Zaro Agha offenbar ge- lungen, ihr den Atem der Langlebigkeit einzuflößen! Der nordische Robinson Auf einer kleinen Insel im Baltischen Meer längs der Küste von Kalling Hooge lebt das ganze Jahr über ein Ein- siebter, Jans Soerensen Wandt. Diese Insel ist das Eigen- tum einer Gesellschaft der Freunde der Meeresvögel ge- worden. Möwen und wilde Enten sind seine Kameraden ge- worden. Während der milden Jahreszeit ist der Aufenthalt dort vielleicht noch ganz angenehm, aber wenn der Schnee und das Eis Herren der Insel werden, muß der Robinson vergraben in seinem winzigen Häuschen bleiben, das er auf Pfählen montiert hat. Aber der Aufenthalt muß Wandt an- scheinend sehr zusagen, da er einen einmonatigen Urlaub ver- weigert hat, und die Gesellschaft der Vögel vor der der Mev- schen vorzieht. Donnerstag. 19. Juli 1934 Rnfere Töchter, die Oapnen Roman von Hermy«ia Zur Mühlen. i0 Ich sprach darüber mit Lieselotte, die eben keinen Flirt hatte, und sich zu Hause langweilte. Aber bei ihr fand ich wenig Verständnis. „Was geht das mich an?," fragte sie.„Hab dich doch nicht so, Mutter, du verstehst ja auch nichts von der ganzen Sache." Und sie schob die Brauen hoch. Ich fragte mich häufig, wie ich zu diesem Kind gekommen bin. Für Lieselotte gibt es nur eines aus der Welt: ihre eigene Person. Sie hat keine Gesinnung, hat keinen Patrio- tismus. Sie kennt nicht den Begriff von Pflicht, der mich mein ganzes Leben lang geleitet hat. Dabei hat sie doch immer mein Beispiel vor Augen gehabt. Ich kann, ohne mich zu rühmen, sagen, daß ich stets eine pflichttreue Gattin und Mutter und auch eine gute Deutsche geivesen bin. Aber wer hat das zu würdigen gemußt? Nicht Arthur, der mir, weiß Gott, Dank schuldet, denn welche andere Frau hätte den Edel- mut besessen, einen Krüppel zu heiraten, nicht meine Tochter, die immer nur an ihre Unterhaltung gedacht hat, nicht meine Bekannten, die, ich weiß nicht weshalb, mich nie für voll angesehen habe», ja nicht einmal die Dienstmädchen, obgleich ich es wahrlich bei ihnen nicht an Strenge habe fehlen lassen. Nicht wie die andern Frauen, diese Frau Doktor Bär, die seit zehn Jahren das gleiche Mädchen hat, und diese hoch- näsige Gräsin Agnes, bei der die Mädchen nur fortgehen, wenn sie sich verheiraten. Es heißt, daß das Bewußtsein der erfüllten Pflicht für alles andere entschädigt, aber wo bleibt mein Lohn: das eigene Haus, die gute gesellschaftliche Posi- tion, die Bewunderung meiner Mitmenschen? Natürlich trägt auch Arthur an vielem die Schuld. Wenngleich ich jetzt froh bin, daß er seinerzeit nicht zu den Sozialdemokraten ge- gangen ist. Ich habe ihn ja immer davor gewarnt. Trotzdem wäre es in den ersten Jahren nach der schrecklichen Revo- lution leicht möglich gewesen, daß er sich ihnen angeschlossen hätte. Später jedoch, als die Dinge sich zu ändern begannen, hätte er wirttick Mrtu JiUL&i* SMS»£&itiM»£££££&» müssen. Und auch jetzt: was kann es einem Menschen scha- den, der Partei anzugehören, der unser, vom Reichspräsiden- ten berufener Reichskanzler angehört? Aber Arthur ist eben auch in dieser Beziehung kein echter Mann. Jede andere Frau... Aber mich hat mein Gewissen und Gott davor be- wahrt, mich an ihm zu rächen. Ich bin nur froh, daß ich seinerzeit» als jungeS Mädchen, nicht den Juden geheiratet habe, so sehr er mich auch mit seiner Liebe verfolgt hat. Jetzt erst weiß ich, was für ge- fährliche, zersetzende Elemente diese Juden sind, denen nichts heilig ist. Damals habe ich das nur mit dem Instinkt der reinen Frau geahnt. Schon das Sommerkleid, das ich im jüdischen Warenhaus gekauft habe und das in der Wäsche eingegangen ist, liefert mir einen untrüglichen Beweis. Und auch der Doktor Bär, der mit seiner geheuchelten Güte und Menschenliebe uns so viele Patienten fortnimmt. Mein armes Baterland, das unter dem Tchmachfriedcn von Ver- sailles leidet und außerdem noch von den Juden auSgeplün- dert wird. Aber wenn ich in den letzten Jahren so etwas sagen wollte, herrschte Arthur mich an: „Schweig!" Und so mußte ich alle? flüstern, mußte alles, was mir das Herz bedrückt, mir selbst zuraunen. Ja, ich bin eine unglllck- liche Frau, und ich habe mein Unglück nicht verdient. Die Tage nach dem Reichstagsbrand waren sogar bei uns, in diesem elenden Nest, voller Aufregung. Die Tage bis zu den Wahlen flogen nur so dahin. Am Wahltag verschwand Arthur schon in aller Morgenfrühe und ich konnte ihn nicht einmal fragen, was ich wählen solle. So blieb ich denn da- heim. Ich saß am Fenster und sah, wie Toni und Elaudia Arm in Arm zum Wahllokal gingen. Das ärgerte mich. Hätte ich nicht eine so pflichtvergessene Tochter, so ginge jetzt sie mit der Eomtesse Claudia Arm in Arm, und nicht dieses Proletenmädel. Lieselotte ging auch nicht wählen. Es interes- sierte sie nicht. Am Abend wartete ich aufgeregt, daß Arthur heimkomme und mir die Wahlergebnisse mitteile. Pech, wie ich nun schon einmal habe, war mein Radio vor drei Tagen kaputt Wtt ü wurd e j jnit und immer sxgter, und An keimender?eit Von Konrad Paulis Wir wissen nicht, was uns befällt, verdüstert wird und aufgehellt von unsichtbaren Flügeln geheimer Wolken über uns her. Oh, wüßten wir», wir trügen den Frühling nicht so schwer. Wo weht, wo jagt der Wolkenwind Und macht, daß wir im Schatten sind und wieder grell im Lichte? Es muß nicht der am Lenzhimmel, nein: in Gottes Angesichte mags leicht ein Lächeln sein: ein Lächeln über diese Welt, ein Lächeln, das dem Ernst verfällt in seinen heilige» Zügen, voll Schöpfersorge über uns her.., Verstünden wirs, wir trügen den Frühling nicht so schwer. Wo ist Tom Mix? Die amerikanischen Zeitungen melden aus Jacksonville (Illinois), daß dort in einer der letzten Nächte ein Tornado große Verwüstungen angerichtet und zahlreiche Menschen- opfer gefordert habe. Man ist besonders besorgt um dos Schicksal von Tom Mix, des früher sehr berühmten Kino- Helden, der jetzt mit einem eigenen Wanderzirkus durch die amerikanische Provinz zieht und der mit seinem gesamte» Zirkuspersonal von dem verheerenden Sturm überrascht worden ist. Alle Bemühungen, von Tom Mix und seiner Truppe eine Spur zu finden, sollen bisher ergebnislos ver- lausen sein. papstliches Geld In Erinnerung an Monsignore Seipel hat Oesterreich eine Münze mit dem Kopfe des verstorbenen Kanzlers präge» lassen. Auf ihrer Rückseite befindet sich das Haupt des Papstes. Des Bildnis des Obersten Kirchenpriesters ist von dem österreichischen Bildhauer Hanisch Konz« geschaffen worden. Diese konnte nicht erreichen, daß der Papst ihm die notwendigen Sitzungen gewährte, es wurde ihm aber ge- stattet, sich während der Zeremonien im St. Peters-Don« und der Sixtinischcn Kapelle unmittelbar neben dem päpst- lichen Thron zu verstecken. Vier päpstliche Gardewächter waren beauftragt, ihn vor der Schar der Gläubigen zu ver- bergen, indem sie sich vor ihn stellten. Aus diese Weise waren drei Sitzungen ermöglicht. Edelsteine von einem anderen Planeten Ein englischer Forschungsreisender brachte vor einiger Zeit von einer Expedition aus Aegypten Edelsteine mit, d«e er gefunden hatte. Sie wurden in London den Wissenschast' lern des britischen Museums und der königlichen Gesellschaft vorgelegt, die übereinstimmend erklärten, daß sie Edelsteine von dieser Art noch nie gesehen hätten, daß sie auch keine» N.amen hätten und der Wissenschaft bisher noch völlig unbe- kannt seien. Man ist sich aber über die Herkunft dieser Steine nicht einig, denn einige Gelehrte glauben, daß sie von einem anderen Planeten stammen, während andere der Ansicht sind« daß es sich um kosmische Steine handle. Arthur kam noch immer nicht. Rücksichtslos wie immer, dachte ich bei mir. Liselotte erschien gegen elf. Sie verlangte etwas zu essen, und ich mußte noch einmal in die Kuch* gehen, denn das Mädchen, dieses sreche Frauenzimmer, arbeitet nicht nach zehn. Eigentlich bin ich ja doch sroh, SaS es gekündigt hat. Lieselotte und ich saßen dann im Wohnzimmer und war- teten aus Arthur. Lieselotte wollte schlafen gehen, aber i« ließ es nicht zu: ich war viel zu erregt, um allein bleibe» zu können. Sie legte sich mit einem Roman, auf das So!» und schlief ein. Nun wartete ich zitternd auf Arthurs Rück- kehr und dachte wehmütig daran, wie eine andere Tochter mir diese Stunden verkürzt hätte. Gegen eins erschien Arthur. Sein käsiges Gesicht war rm vor Aufregung. Er warf die Wohnzimmertür ins Schloß, daß es nur so dröhnte. „Wir haben gesiegt!" rief er mir zu. Ich blickte ihn verständnislos an. „Wir," was bedeutete das, wenn Arthur„wir" sagt? Und dann bemerkte ich in seinem Knopfloch ein großes Hakenkreuz und wußte, wer„wir" war. Lieselotte war ausgewacht und starrte ebenfalls auf das Abzeichen. Sie hatte ihren Bater noch nie mit einem ge- sehen.* „Seit wann bist du ein Nazi, Vater?" fragte sie ver- schlafen. „Sprich anständig, wenn du von der mächtigsten Parte« des Landes redest," suhr er sie an.»Von der Partei, der auch du angehörst.", »Ich?" Lieselotte wurde vor lauter Staunen ganz wach. „Ja, du. Ich habe dich schon vor Monaten angemeldet- „Ich will doch gar nicht. Das langweilt mich. Ewig diese Umzüge, dieses Geschrei. Was geht das mich an?" Arthur trat zu ihr, ich glaubte einen Augenblick, er werde sie schlagen. Tann aber zog er nur die Brauen hoch und sagte eisig: „Willst du jemand sei», eine Rolle spielen?" Mortjetzung ja Iflkl Alles sprldil von Ost-Loearno Barthon sagt:„Bcuisdiland dari heilte Bedingungen steilen Ostlocarno wird für die Hitler-Regierung eine bittere Pille. Es hat die verhängnisvolle außenpolitische Isolierung, in die das„dritte Reich" durch feine Lenker hinein manövriert wurde, auf die Spitze getrieben, nachdem sich England und Frankreich im Grundsatz für den Pakt aus- gesprochen haben. Der Pakt bedeutet die Anerkennung aller Ostgrenzen unter Frankreichs Protektorat, mit Ein- schluß des Korridors, des Baltikums, der Ukraine. Deutschland soll sich dem Bunde anschließen, um damit die Echtheit seines Friedenswillens zu bezeugen, wofür man ihm die Rückkehr nach Genf zu erleichtern gedenkt. ^ Besonders hat es im Hitlerreiche geschmerzt, daß auch Italien mit von der Partie der andern war. Darum sucht die Razi-Presse nach einigen Hoffnungsschimmern. Sie bringt aus Rom die Nachricht, „daß Mussolini sich dahin geäußert habe, Deutschland müsse bei einer eventuellen Annahme der Pakte ohne weiteres die praktische Gleichberechtigung und das R echt z n r A u f r ii st ung zugesprochen werben. Weiter verlautet, daß Mussolini diese Ansicht mit allem Nachdruck zum Ausdruck gebracht habe gegenüber allen anderen ab- weichenden Interpretationen. Weiter heißt es, daß die italienische Regierung mehr in diesem Sinne auch in Berlin freundschaftliche Ratschläge unterbreitet habe." Der Außenpolitiker des der französischen Regierung sehr nahestehenden„Petit Parisien" sagt genau das Gegenteil. Für Frankreich sei jede„Zweideutigkeil" ausgeschlossen. Frankreich habe durch Barthou erklären lassen, daß Deutschland keine Bedingungen stellen dürfe, und die Anerkennung der deutschen Aufrüstung vor Deutschlands Zustimmung zum Ostpakt nicht in Frage komme. England teile diese Auf- fn f f u n g. Der Satz der Unterhausrede Sir John Simons, den man im Sinne einer englisch-französischen Meinungsverschiedenheit auszuschlachten versuche, sei, so erklärt das haldamtliche Organ, von Barthou und Simon gemeinsam ausgearbeitet worden. Hitler-Deutschland wird sich also entscheiden müssen. Auf Italiens Beistand hat es nicht mehr zu rechnen. Freilich ist die französische Presse teilweise gegenüber Ostlocarno sehr kritisch eingestellt. Immer wieder wird die Frage ausgeworfen, ob es einen Nutzen habe, wenn Hitler-Deutschland einen Vertrag unterzeichne... Französische Bedenken „Was sind Verträge?" Paris. 18. Juli. Ostlocarno steht hier weiter im Mittelpunkt der Politik. Wenn, so sagt„Paris-Midi", Deutschland Sowjctrußland angreist, so verpflichte das Renlocarno Frankreich zur Kriegserklärung an Teutschland. Was würden dann Eng- land und Rußland tun? Die Antwort lautet kurz:„Schlagt euch selbst, ihr Serren Franzosen." Wenn nun aber Deutsch- land dem Ostlocarno zustimme, dann werde es sofort auch auf die Rechtsgleichheit Anspruch erheben, daS heißt, Frank- reichs Abrüstung und Deutschlands Ausrüstung verlangen. Alan habe in Frankreich nicht viel Vertrauen zu Verträgen, die von Deutschland unterzeichnet würden. Man habe 1314 die belgische Neutralität verletzt, seit 1018 tue man das un- unterbrochen mit dem Versailler Vertrag. Am 1. Juli habe Deutschland den von l8 Mächten unterschriebenen Haager Vertrag zerrissen, der der Ursprung des Boung-AbkommenS sei. Vertrüge seien vergänglich, aber die LebenSinteressen der Völker blieben. Die Diplomatie sei rege, aber die Sicher- heit habe den Vortritt. „Le Journal" bläst in dasselbe Horn. Dort sagt Saint Brice: Man tue so, als ob die Sicherheit garantiert werden könne durch einen Vertrag, und zwar tue man das zum gleiche» Beilpunkt, Ivo man verpflichtet sei, festzustellen, daß Deutschland, das die militärischen Klauseln des Vertrags &l von Versailles und seine finanziellen Verpflichtungen vcr- letze, noch immer an der Theorie von dem Fetzen Papier ^ Der^Berliner Korrespondent dcS„Journal" Georges Blun erklärt, die Diplomatie des„dritten Reiches" sei ziemlich verwirrt, aber man stelle sich ruhig und wolle nichts über» stürzen. Man verlasse sich wieder einmal auf die^-iktik deS AbwartenS und wolle die ganze Diskumon am das Glei» der militärischen Gleichheit hinüberschiebcn, Man i 3ortc_durch eine Aenderung des englischen und ital»en>«chen stand- Punktes herbeiführen, indem man Zeit zu gewinnen sucht. Vor allem stütze man sich aus den polniichen Widerstand ß1?Paris-Mid i" meint, viele Anzeichen deuteten darauf hin, daß Deutschland kaum geneigt sei, auf die E'Nladnng^«r John Simons in positivem Sinne zu antworten. Aber das sei Deutschlands Angelegenheit. Es minie be'" als Frankreich wissen, wie es Beweise von seiner Geschicklichkeit zu geben habe. Italien„wohlwollend" Rom, 17. Juli. Die wohlwollende Haltung Italiens zum Ostpakt begründet das ossiziösc„Giornalc d'Jtaiia" aus- brücklich damit, sie sei durch eine gründliche Aenderung des sranzösischen Planes und nicht durch einen Unnau der italienischen Politik bewirkt worden. Im ursprünglichen Plan sei nur eine gegenseitige Garantie zwischen Frankreich und Rußland vorgesehen gewesen: er erschien daher gegen Deutschland gerichtet, weshalb die italienische Regierung aus- drückische Vorbehalte machte, die auch in der italienischen Presse zum Ausdruck gekommen seien. Der zweite sranzösiiche Plan dehne dagegen bei voller Gleichberechtigung die Iran» zösische und russische Garantie auch aus Deutschland aus. und zwar für den Ostpakt und sür de» Locarno-Pakt Man sehe daher nicht ei», warum Italien dem sranzösischen Plan auch im Zusammenhang mit den berechtigte» Interessen Deutsch- lands, die es immer anerkannt und unterstützt habe, feine günstige Gewogenheit versage» sollte. Die von Deutschland immer beanspruchte Gleichberechtigung sollte als logische und natürliche Folge durch den neuen Pakt verwirklicht werden, gemäß der Erklärung vom ll. Dezember 1332 iibrr die Gleichberechtigung im Regime der organisierten Sicherheit. Die Fortschritte dieser organisierten Sicherheit sollten daher auch die Lösung der allgemeinen Abrüstungsprobleme in dem von den Regierungen von Rom und Berlin gewünschten Sinne erleichtern. Deutsche Antwort— Ende der Woche Nach französischer Auffassung soll Deutschland als Gegen- leistung sür den Eintritt in ein Ost-Loearno«nichtige wirtschaftliche Zugeständnisse erhalten. Nach Mit- teilungen ans London ist die deutsche Regierung geneigt, unter zwei Vorbehalten in ein Ost-Loearno einzutreten: Erstens Zuerkennung eines defensiven Rüstungsstanbes für Deutschland:.ziveitens Vereinbarung einer friedlichen V e r t r a g s r c v i s i o n. Die deutsche Antwort ivird in Lon- don für Ende dieser Woche crivartet. Will Polen noch ah warten? Warschau, 17. Juli. Mit dem Beitritt Moskau? zum Völkerbund Hat sich Marschall Pilsndski schon vor einigen Monaten Barthou gegenüber grundsätzlich einverstanden erklärt. Zur Frage des Ostpakt'es werden in nächster Zeit polnische Ab- änderungs vorschlüge vorgelegt werden, die sowohl die geographische Abgrenzung wie den juridischen Ausbau des Ostpaktes betreffen. Marschall Pilsndski weilt gegen- ivärttg auf Urlaub im Wilnaer Gebiet, und seine Meinung zur neuesten Wendung der Verhandlung ist daher»och nicht bekannt. Man glaubt aber allgemein, daß er die Beriicksich- tignng der polnischen Sonderwiiniche zur Bedingung seiner Zustimmung machen wird. Eine rasche Entscheidung Polens ist unter diesen Umständen nicht zu c r iv a r t e n. Sozialisten nnd Kommunisten Sorgen der bürgerlichen Presse ,dnb. Paris, 17. Juli Der Beschluß der sozialistischen Par- tci, mit den Kommunisten zusammen eine gemeinsame Aktion gegen den Faschismus und den Krieg einzuleite», ivird von der gesamten Presse als der erste entscheidende Schritt zur Schaffung der proletarischen Einheitsfront und als ein innerpolitisches Ereignis von größter Tragweite bezeichnet. Tie soziale Revolution und der Klassenkamps werden damit nach Anfiaffung weiter Kreise in ein neues Stadium treten. Tie Allianz zwischen den bisher feindlichen Brüdern gilt als eine natürliche Folge des 6. Februar. Geteilter Meinung ist man höchstens darüber, ob fortan zwei geschlossene Vlocks aufeinanderprallen werden, zwischen denen sämtliche Zivittergebilde verschwinden müßten, oder ob vielleicht Zwischen diesen beiden Gruppen ein Sammelbecken für die wirklich aufbauenden Kräfte der Nation entstehen könnte. ,rür die nationalistischen Kreise gibt es nur eine Lösung: zwischen der nationalen Einigung und dem revolutionären Block gebe es keinen Raum für eine Mittelgruppe. Die Stunde der Entscheidung habe geschlagen, denn die Ereig- Ulli-würden sich überstürzen. Der öffentliche Frieden und vre Zukunft der Nation stünden aus dem Spiele. Ueber eine Mögliche Zwischenlösung äußert sich die linkSradikalsozia- tiitische„Republique" wie folgt: Werden wir eine Spaltung und die Bildung einer Rcformpartei als Mittelding zwischen Reaktion und Revolution erleben, die, vom wirtschaftlichen Realismus und politischer Freiheit getragen, nach der Mitte »nd nach links übergreifen wird, die pazifistisch und national zugleich ist und sich bemüht, die Verbindung zu den ver- ichiedenen Schichten der arbeitenden Bevölkerung aufrecht- zuerhalten, einer Reformpartei, die durch eine stabile Mehr- beit sich die Möglichkeit, autonom zu regieren, verschossen konnte, ohne deshalb gegen eine von der äußersten Rechten drohende Gefahr ein zeitweiliges Bündnis mit der sozio- "^^-kommunistischen Front auszuschlagen? Bon sozialistischer und kommunistischer Seite wird jeden- laus versichert, daß man die gegenseitig eingegangenen Ver- pilichtunge» loyal einhalten ivolle, um der gemeinsamen Union ein Höchstmaß von Erfolg zu sichern. * Erstes Echo von der andern Seite Paris, 18. Juli. Die Tatsache, daß sich die französischen Sozialisten cnt- schlössen haben, mit den Kommunisten eine Einheitsfront öum Zwecke der Abwehr des Faschismus und der Kriegs- gesahr zu bilden, findet in vielen Zeitungen ein Echo. Be- sonders interessant sind die Ausführungen, die im„Paris- Midi" gemacht werden. Das Blatt will wissen, daß,be- sonders unter de» sozialistischen Parlamentarier» die Neigung sehr groß ist, sich von der Partei zu trennen. Tic wollten sich nicht von den Kommunisten einkreisen und aufs Trockene setzen lassen. Dadurch bestehe, so meint das Blatt, die Möglichkeit, daß etiva 80 sozialistische Abgcord- ncte mit dem fortschrittlichen Flügel sich zusammenschließen könnten, um das Linkskartell neu aufleben zu lassen. Darin bestände eine Gefahr sür die gegenwärtige Regierung. Zwei politische Strömungen ständen sich gegenüber, die, die in Ordnung, Freiheit und Arbeit die republikanischen Ziele verwirklichen wollen, und die bolschewistische. Das franzö- ^ sische Volk habe seine Wahl bereits getroffen. Ilmschwung in Luxemburg Die ganze Presse gegen das„dritte Reich" Luxemburg, Mitte Juli 1034. Hatte bisher in Luxemburg eigentlich nur das sozialdenio- kratische„Escher Tageblatt" einen mutige» und zähen Kamps gegen das Hitlerregimc unternommen und bemühten sich die anderen Blätter die Ereignisse jenseits der Mosel, teils ab- wartend, teils sogar befürwortend hinzunehmen, zum mindesten aber mit dem großen Nachbar es nicht zu verderben, so hat sich in der Luxemburger Presse nach dem 30. Juni ein großer Umschwung gerade j» dieser Richtung vollzogen. Man kann heute sagen, daß die Luxemburger Presse von ganz rechts bis ganz links, natürlich mit Niiancenunterschieden entsprechend der volitUchen Gesamttcndenz der einzelnen Blätter, hitlerfeindlich geworden ist. Das größte Organ, das Blatt der maßgebenden Regie- riingskrctse, das„Luxemburger W o r t" bring, täglich svaltenlange Artikel und Berichte über die Ereignisse drü- den. Das klerikale Blatt wendet sich naturgemäß am stärksten gegen die Hebelgriffe gegen die deutschen Katholiken, be- ginnt aber anch am ganzen faschistischen System zu zweifeln. Die liberale„Luxemburger Zeitung", die der Jndu- «trie und dem Handel nahesteht, hat zwar immer grundsäv- lich geivl e Vorbehalte gegen die neuen Zustände in Deutsch- land gemacht, aber man hatte nicht so recht den Mut, seine Stimme gegen das„dritte Reich" laut und deutlich erklingen z» lassen. Hier ist ebenfalls ein erfreulicher Wandel einge- treten. Das größte Organ an der Luxemburger Mosel, das eine gewisse Bedeutung an den deutschen Moselortcn hat, war vor einem Jahr in Deutschland kurz verboten, hat sich dann nicht mehr sehr hitlerieindlich gebärdet, machte gewisser- maßen Burgfrieden, und ist nun wieder seiner alte» Kampfstellung geaen Hitler-Deutschland nähergekommen. Nicht zu- letzt sei ein bürgerlich autoritäres Blatt, daS„Luxemburger Volksblatt", erwähnt, dem man einst naNnagen konnte, cS sei vom Propagandaministcrinm unterstützt. ES hat nach dem 30. Juni einen erfreulichen Abstand zu Hitler-Deutschland eingenommen. Nicht vergessen sei auch die„Nationalzeitung". das Organ des Luxemburger Nordens, das nie hitlersreund- lich war, aber nach dem 30. Juni seine immer schon dcmo- kratische Linie noch schärfer herausstrich. So gibt es heute in dem Lande, das 1014 noch mit Deutsch- land eine Zollunion hatte und von dem der NazistaatSrat Simon und ähnliche Naziagitatoren behaupten, es sei deutsch, kein einziges Blatt mehr, das Hitler und sein Regime be- saht. Ter 30. Juni hat aufgerüttelt alle die, die bisher zwar einen gewissen Abstand, aber keine Gegnerschaft zu Deutsch- land kannten. Bönlsch „Willst du erfahren, was sich ziemt, so frage nur bei edlen Frauen an" &ie gute Stadt Kopenhagen hat in diesen Tagen wieber einmal ein herzerfrischendes Naziabenteuer erlebt. Seit einiger Zeit wurden hier die öffentlichen Gebäude mit Ha- kenkreuzen und nationalsozialistischen Parolen überschmiert, d> Fensterscheiben linksstehender Zeitungen eingeworfen. Redakteure mit Drohbriese» bedacht u'w. So erhielt die bekannte Zeitung„Ekstrabladet" auf dem offiziellen Vriespapier der hiesigen Nazigruppe die Drohung zugestellt, daß man ihr eine Bombe in das Gebäude werfen werde. Taraushin machte sich der Sportredakteur dieser Zeitung mit einem Fotograsen aus den Weg in das natio- laliozialistische Büro und bat dort um die Erlaubnis, die angekündigte Bombe vorher für den Bildteil seiner Zeitung fotografieren zu dürfen. Die sich a» diesen Besuch knüpfende AuSeiiiaiidersctzung wurde später in dem Redaktionskvntor vom„Ekstrabladet" mit den Fäusten fortgesetzt, ivobci der nationalsozialistische Gegner sich schließlich i» einer Telefon- zelle verkroch, von der aus er zitternd das Weite suchte. Da aber auch nach diesem Ausgange die Drohungen und Schmierereien nicht aufhörten, verlor die Polizei die Ge- duld und hielt auf die Ruhestörer einige gut durchgeführte Razzien ab. bei der fast d'c gesamte Gruppe verhaftet werden konnte. Dabei stellte sich heraus, daß ein großer Teil der Kämpfer für die dänische Erneuerung sich im minderjährigen Alter befand. Die Polizei tat in dieser Situation das einzig Richtige: sie rief weibliche Polizeibenmtc herbei, die die jugendlichen Helden der Obhut der staatlichen Kinderschutz- und Erzieht! ngsinstitutc übergab. Es war ein erheiterndes Bild, diese minderjährigen Heroen in kriegerischen Langschäflern von resoluten Frauen abgeführt zu sehen. Hoffentlich spart man nicht mit ungebrannter Asche. Reich- licher Gebrauch d'eies Erziehnngsmittels ist in diesem Falle tausendmal besser, als wenn in kurzer Zeit die Gummi- knllppcl dieser Herrschaften auf den glücken dieser humanen Erzieher herumtanzen. Aegypten gegen das Hahenkrenz Das„dritte Reich" macht keine Eroberung A. P. Kairo, Mitte Juli. Die deutsche Presse kann sich nicht genug daran tun. ihrer Begeisterung darüber Ausdruck zu geben, wie sehr man das neue Deutschland in Aegypten schätzt. Man ging sogar so weit, davon zu sprechen, daß die nationalistische Wasd-Bewegung sich die NSDAP, organt- satorisch zum Vorbild genommen habe. Die Wirklichkeit sieht freilich etwas anders auS. Der Boykott deutscher Waren ist in Aegypten sehr stark. Deutsche Filme wurden ausgepfiffen, besonders„Saison in Kairo", worin die Aegnpier eine Ver- höbnnna ihrer Zilien und Gebräuche sahen. Das»on der deutschen Gesandtschaft subventionierte Kino„Eapitot" machte Bankerott. Als der Zirkus Hagenbeck eine Tournee durch Aegypten machte, weigerten sich die Annoncen-Expe- ditionen, dafür Reklame zu machen. Die deutsche Buchhand- lung Friedrich wurde nur durch das Provagandaministcrium vor dem Bankerott gerettet, während ihr Konkurrent, die nicht gleichgeschaltete Buchhandlung Finck, von den deutsch- lesenden Aegypten« demonstrativ bevorzugt wird. Aber Bcr- lin läßt sich die Propaganda Geld kosten iivie lange noch?). „La Liberte" veröffentlichte spaltenlange, gut bezahlte Lobrede» aus Deutschland, und„Le Journal d»(faire" schwenkte nach anfänglichem Zögern in die gleiche Linie ein. Das be- kam jedoch dem Blatt so schlecht, daß es sein Erscheinen ein- stellen mußte. Darauf wurde der Courrier d'Egyptc ge- schaffen. Das jüdische Organ„Aurore" betrieb icdoch die Gegenpropaganda aus die einfache und geschickte Weise, daß e» Auszüge aus dem„Stürmer" und ähnliche» Produkten brachte. Für diese Rasseprvpaganda aber ist man in Aegypten nicht zu haben. Und als kürzlich aus einer Einladung zu einer Feier des Deutsche» Vereins der geschmackvolle Text des Liedes„Wenns Judenblut vom Messer spritzt", zu lesen war, entfalteten der ehemalige Finanzminister Eattaoui Pascha, die„Aurore" und die„Bonese Egnpttenne" eine Kampagne, die sich gegen derartige Morddrohunge» wandte nnd auch einen Protest des Innenministers bei der deutschen Gesandtschaft zur Folge hatte. Die Empörung steigerte sich, als der Deutsche Verein Frauen von Aegypten! wegen „Rasscnschande" ausschloß! Nazlir lichte in Brasilien Das Auslanddeutschtum leidet Schaden Während bisher das deutsche Schulwesen in Brasilien seit seinem Bestand unangefochten blieb, ja sich meistens größter Förderung durch staatliche Stellen zu erfreue» hatte, haben die brasilianischen Staaten nnter»dem Eindruck des braunen Gangsterwesens einen scharfen Vorstoß gegen das deutsche Schulwesen in Brasilien unternommen. Der Staat Sao Paolo hat für alle deutschen Schulen die portugiesische Un- terrtchtssprache angeordnet. Der Staat Santa Catharina hat den großen deutschen Schulbeztrk Blumenau zerschlagen. 1300 deutsche Schulen sind in ihrer Existenz aus das schwerste bedroht. Wir haben bereits mehrfach darauf hingewiesen daß der Hitlerismus das Auslanddeuischnim auf das schwerste schädigt. Auch in Brasilien hat die wüste und provokatorisch überhebliche Agitation dcS VdA. zur geänderten Haltung der poztugiesischen Oeffevtlichkeit bZgetragen. Pariser Deridite Association de. Emigres Israelites d'AHemagne en F rance Freitag, 20. Juli, 19 Uhr: Gottesdienst für deutsche Emi- granten im Betsaal„Chez Cohn" 4, 17, Rue Beranger(Metro Republique) in Paris. Deutsche Predigt. Jedermann willkommen. DovgalewsKls Einäscherung Die Einäscherung des vor einigen Tagen verstorbenen russischen Botschafters in Frankreich Dovgalewski fand am Dienstag vormittag im Krematorium auf dem Pere Lachaise statt. Das gesamte diplomatische Korps erwies dem Toten die letzte Ehre. Staatspräsident Lebrun hatte sich vertreten lassen. D e französische Regierung war unter Führung von Justizminister Cheron erschienen. Eine Abordnung der kommunistischen Partei legte Kränze am Sarge nieder und sprach nach der Trauerfeier dem sowjetrussischen Geschäftsträger Rosemberg das Beileid der Dritten Internationale aus. Reden wurden nicht gehalten. Ein französisches Infanteriebataillon stellte die Trauerwache. Die Ueberführung der Asche des Toten nach Leninigrad wird in einigen Tagen-r- folgen. Gabriel Bernards Tod Der Veranlasser vor Gericht Der Tod des berühmten französischen Romanschriftstellers Gabriel Bernard, der plötzlich am 3. Juli erfolgte, hatte jetzt ein gerichtliches Nachspiel. Bernard befand sich abends gegen zehn Uhr an jenem Tage in Begleitung seiner Frau, seines jungen Sohnes und einer Freundin in der Rue du Louvre, als ein Unbekannter aus einem Auto stieg und auf den Knaben stürzte und ihn heim Rock ergriff. Als Bernard dem Kinde zu Hilfe kam. rief die Mutter:„Laß ihn doch, er muß betrunken sein." Jetzt geriet der Angreifer in Wut, nahm aus einem Farbentopf, der am Straßenrande stand, einen nassen Pinsel und warf ihn Gabriel Bernard ins Gesicht. Ein Polizeibeamter kam dazu und packte den Betrunkenen, während sich Bernard ruhig entfernte. Plötzlich brach er zusammen und mußte in ein Krankenhaus geschafft werden, wo er bald darauf an einer Herzaffektion starb. Jetzt mußte sich nun der„Attentäter", ein gewisser Maurice Kupperfarh wegen seiner Tat verantworten. Weinend saß er auf der Anklagebank Zu seiner Entschuldigung konnte er nur sinnlose Trunkenheit angeben, und so fiel denn auch das Urteil milde aus: er erhielt 15 Tage Gefängnis mit Strafaufschub in Anbetracht dessen, daß Bernard schon seit langem herzleidend war. Nadi 19 Jahren Eine seltsame Geschichte Am 1. August 1914 mußte ein Geschäftsmann in Le Havre namens Andre Baudier sein Geschäft plötzlich schließen, weil er zum 129. Infanterieregiment einberufe^ war. Selbstverständlich hatte er bei der gebotenen Eile seine geschäftlichen Angelegenheiten nicht ordnen können, und so blieb auch eine Rechnung von 1456,45 Francs unbeglichen für Lieferungen, die ihm eine Nürnberger Firma gemacht hatte. Dafür waren vier Wechsel ausgestellt worden, die in der Zeit vom 31. August 1914 bis zum 31. März 1915 liefen. Uebrigens steht noch nicht einmal fest, ob die Lieferung der Waren erfolgt ist. Als der erste Wechsel am 31. August 1914 vorgelegt wurde, konnte ihn Baudier, der sich an der Marne befand, natürlich nicht einlösen. Als man aber den zweiten am 31. Januar 1915 in Le Havre präsentierte, lag Baudier schon vierundeinhalb Monate lang unter einem einfachen Holzkreuz auf dem Friedhof von Berry-au-Bac. Am 14. September 1914 war er für sein französisches Vaterland gestorben. 19 Jahre gingen dahin. Inzwischen war auch sein alter Vater und einziger Erbe, 81 Jahre alt, gestorben. Im letzten Oktober nun legten in Pontoise, wo die Schwester des verstorbenen Vaterlands Verteidigers wohnt, Polizeibeamte ihr einen unbefristeten Zahlungsbefehl über 3664,35 Francs vor, zahlbar an ein Büro in der Avenue de Malakoff in Paris. Die französische Regierung forderte im Auftrage des deutschen Gläubigers die schleunigste Bezahlung des Wechselbetrages nebst Zinsen für 19 Jahre. Die Schwester des Toten, eine Frau Paris, protestierte gegen die Vollstreckung. Aber das den Gläubiger vertretende Büro beharrte auf seinem Schein und war nur bereit, die Zinsen erst vom 23. Oktober 1919 an zu fordern, dem offiziellen Termin des Friedensschlusses. Zu diesem Zweck mußte Frau Paris auch noch den dokumentarischen Beweis beibringen, daß ihr Bruder wirklich im Felde gefallen war. Nun hat sie 1456,45 Francs, den Betrag der Schuld, zuzüglich 1056,35 Francs, den Betrag der Zinsen für 15 Jahre, in Summa 2512,80 Francs zu zahlen, wie das Pariser Blatt „Le Jour" sagt, zur Strafe dafür, daß sie ihren Bruder im Krieg verloren hat. Man solle, so fügt„Le Jour" hinzu, Madame Paris nicht erzählen, daß Frankreich den Krieg gewonnen hat. Sie würde es wohl nicht glauben. 80000 fremde in Paris Eine Bilanz der Festwochen Paris, Anfang Juli. Die Pariser Festwochen sind vorüber, und die Marschälle dieses großartigen touristischen Feldzuges können sich ruhig wieder an ihre Schreibtische setzen, um die Bilanz zu machen. Es ist nicht mehr nötig, von den Einzelheiten dieser Festwochen zu reden, es ist auch kaum noch nötig, von den zahllosen Ereignissen zu sprechen, die in gesellschaftlicher, künstlerischer und sportlicher Hinsicht sich zu einer glanzvollen Parade aneinanderreihten,— Paris hat sich als ein internationales Zentrum ersten Ranges behauptet, das ist das sozusagen ideelle Fazit, das Frankreich als Ergebnis dieser Festwochen buchen kann. Aber das Ideelle wird übertroffen von der Bedeutung, die dieses Fest von Paris als wirtschaftliches Beispiel einnimmt, ein Beispiel, das gewiß nicht nur für Frankreich wichtig blei- Studio Parnasse II, rue Jules Chaplain, M»ro Vavin 2 Grands Films vers. orig. allem. sous>t frantais Symphonie* Q j|gj Decouvre la vie avec Brigitte Helm Trimms avec Torchesire Rode ben, das seine Wirkung auch auf andere Länder ausstrahlen wird. Fast alle Staaten geben jedes Jahr große Summen aus, um ihren Fremdenverkehr anzukurbeln, aber dieses Geld ist nicht selten wie zum Fenster hinausgeworfen, weil diese Propaganda meist auf üblichen Wegen bleibt, weil sie überall zu einem gefährlichen Schema geworden ist, das nicht gerade geeignet ist, anziehend oder reizvoll auf das reisende Publikum zu wirken. Die Wissenschaft von der Reisepropaganda ist in den letzten Jahren kaum vorwärts gekommen, und wo keine neuen Ideen sind, da helfen auch die großen Gelder nicht. Es ist gewiß nicht so, daß der Reiseverkehr in den meisten Ländern etwa nur darum so stark zurückgegangen ist, weil die touristische Propaganda in vielen Fällen versagt hat. Die Gründe für den Rückgang des Reiseverkehrs liegen ja auf der Hand,— die Krise, die böse Krise, ist wahrhaftig nicht unschuldig an dieser bedauerlichen Tatsache. Aber auch eine andere Tatsache steht fest, die Tatsache nämlich, daß immer noch viel gereist wird, daß die Leute auf der ganzen Welt immer noch gern die Koffer packen und sich mit Wonne dem Reisefieber ausliefern. Natürlich hat sich das Reisen heutzutage in vieler Hinsicht verändert. Die Sehnsucht reguliert sich mehr denn je nach dem Geldbeutel,— doch es wäre falsch, die schlechten Geschäfte mancher Seebäder oder Kurorte nur aus diesem Manko abzuleiten. Wer etwas zu bieten hat, kann auch heute noch mit guten Geschäften rechnen, das ist, etwas profan gesagt, das unweigerliche Gesetz, dem gerade die Touristik unterliegt. Aber wer etwas zu bieten hat, muß auch dafür sorgen, daß es auf wirksame Art an die richtige Adresse gelangt, an das Publikum also. Denn Veilchen, die im Verborgenen blühen, verlieren schnell an Wert. Und dafür, nicht zuletzt, waren die Pariser Festwochen ein ausgezeichnetes Beispiel. Ueberallhin drang die vorbereitende Propaganda, eine ganze Stadt war in ihrem vielverzweigten Betriebe an der Arbeit beteiligt, jeder war auf den richtigen Posten gestellt, und alle zogen an einem Strick. Es war ein Triumpf der Beweglichkeit über die Schwerfälligkeit des Beamtenapparats, der nur zu oft auch die Reisepropaganda verwaltet, es war der Triumpf eines einheitlich geleiteten Willens, der alle Hindernisse der Krise spielend überwand. Alles war glänzend vorbereitet,— von der ermäßigten Eisenbahnkarte bis zur Gratisnacht im Hotel, von der Erleichterung im Autoverkehr bis zum Galaabend in der Oper, nichts war vergessen. Der Erfolg? 80 000 Fremde sind in diesen drei Wochen nach Paris gekommen, die Hotels waren überfüllt, die großen Veranstaltungen waren ausverkauft, die Geschäfte waren gedrängt voll, man kann sich leicht ausrechnen, was das wirtschaftlich bedeutet. Und diese ersten Pariser Festwochen waren nur ein Anfang, nur ein Versuch, sie werden jetzt jedes Jahr stattfinden, und das nächste Mal wird der Reisezustrom nach Paris um diese Zeit gewiß nicht geringer sein. Jemand hat einmal gesagt, die Prosperität sei nur darum verlorengegangen, weil man nicht genügend Propaganda für sie gemacht habe. Paris hat das einmal versucht,— und der Erfolg hat fast für die Richtigkeit dieser optimistischen Bemerkung gesprochen. Marcel Robert Die vergessene Granate Sie tötete fünf Soldaten Paris, den 18. Juli. Ein schrecklicher Unglücksfall ereignete sich am Dienstagmorgen gegen 6 Uhr auf dem Truppenübungsplatz bei Maison Lafitte, wo kurz vorher zu militärischen Uebungcn eine Abteilung der 6. Dragoner aus Vincennes eingetroffen war. Auf dem Truppenübungsplatz finden Schießübungen der in der Umgebung von Paris liegenden militärischen Formationen statt. Nun muß wohl eine Granate dort vergessen worden sein. Jedenfalls sollen zwei Dragoner sie am Dienstag früh mit Gewehrkolben und Fußtritten vor sich hingestoßen haben. Dabei explodierte die Granate, und drei Soldaten wurden auf der Stelle getötet, zwei starben bald, fünfunzwanzig andere wurden verwundet. Man schaffte die Verletzten schnell in das Militärlazarett in St. Germain en Laye, wo zwölf von ihnen in bedenklichem Zustande darniederliesen. Das Glück aus der Luft Dieser Tage hatte die Pariser elegante Welt Gelegenheit, einem neuartigen Schauspiel beizuwohnen, das sowohl durch sich selbst sowie durch den Rahmen, in dem es stattfand, auf seine Zuschauer wirkte: das glückbringende Flugzeug. Das letzte private, deshalb aber nicht von minderem Aufsehen, gesellschaftliche Ereignis der Pariser Saison war die Hochzeit des Herzogs von Luynes mit Fräulein Juana Diaz Unzue. Als der in großem Pomp erschienene Hochzeitszug die Kirche verließ, näherte sich dem Domplatz ein Flugzeug, kam dicht auf die Menge herab und streute weiße Rosen vor die Füße der Jungverheirateten. Dann machte die Maschine eine Wendung und überflog die grünen Rasenflächen, wo sie die Hochzeitsgeschenke, von denen jedes mit einem kleinen Fallschirm versehen war, fallen ließ. Als dann die junge Herzogin das blaue Band vor dem Schloß Dampierre zerreißen wollte, fiel ein riesiges Blumenbukett vom Himmel genau zu ihren Füßen. So„fürstlich" wie dieses Schauspiel, u-ar alles bei di eser Fe ier. Kommando durch Radio Die Pariser Festwochen fanden am Sonntag ihren Abschluß durch die nächtlichen Wasserspiele auf dem See des Bois de Boulogne. Eine sehr hübsche Wirkung wurde durch die Ankunft von Flugzeugen erzielt, die mit Hilfe von Rauchwolken seltsame Bilder auf dem nächtlich beleuchteten Himmel zeichneten. Der Leiter der Veranstaltung kündigte durch Lautsprecher an, daß er eine Rundfunkverbindung mit den Flugzeugen unterhalte und daß er ihre Manöver vom Erdboden aus kommandiere. Zur Belustigung des Publikums begann er nun auch seine Kommandorufe durch die Lautsprecher su übertragen, und jeder Anwesende glaubte an einer spiri- tischen Sitzung teilzunehmen:„Flugzeuge, seid Ihr da?" Die so Angerufenen mußten zweifellos mit„Ja" geantwortet haben, denn als der zweite Ruf ertönte:„In Gruppen antreten!", sah man wie die Apparate, die durch ihre Rauchwolken dem Publikum trotz der späten Stunde deutlich sichtbar waren, sich hintereinander gruppierten, dann flogen sie aber, ohne einen besonderen Befehl erhalten zu haben, in alle Winde auseinander. Dieses deutliche Zeichen von Ungehorsam und die offensichtliche Ohnmacht des Befehlshabers seinen Untergebenen gegenüber, lösten beim Publikum eine derartige Lachsalve aus, daß man sich fragen mußte, ob dieser Ungehorsam nicht gewollt war, um eben die Zuschauermenge zu erheitern. Frankreich he* den schnellsten Zug der Welt Die französischen Eisenbahnlinien halten den Schnellig- keitsrekord für lange Strecken. Der Südexpreß Paris-Bor- deaux, der auf einer Strecke von 500 Kilometern zum ersten Mal eine Meile pro Minute erreichte, einschließlich der Halte- stellen, durchläuft die 582 Kilometer lange Strecke in 355 Minuten Die bemerkenswerteste Strecke ohne Haltestelle liegt zwischen Poitiers und Angouleme; diese 112,6 Kilometer lange Strecke wird genau in einer Stunde erledigt; nur der Chel- tenham Flyer in England ist noch schneller. Der Südexpreß verwirklicht auf der Strecke Paris Poitiers, von Haltestelle zu Haltestelle, eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 100 Kilometern pro Stunde. Ein anderer französischer Rekord ist von dem Expreß Paris-Nancy aufgestellt worden. Er durchläuft 352 Kilometer in 216 Minuten, erstes Beispiel einer direkten Fahrt mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von über 96 Kilometer. BBiemflSTEM H. H„ LH. Gens. Wir erhielten Ihre Zuschrift:»Als deutscher Emigrant, der inzwischen in der TSR. und in Oesterreich gewesen ist, lese ich seit Monaten Ihre Zeitung, die„Deutsche Freiheit". Da ich bisher nie festen ftiiß gefaßt hatte, war es mir nicht möglich, die„Freiheit" zu bestellen. Dafür bin ich aber oft kilometerweit ge- fahren, um sie zu erlangen. Regelrecht schicke ich wichtige Teile und aufklärende Artikel zu guten Freunden nach Deutschland.-Sie sind mir alle dankbar für die Ausschnitte. Für die„Deutsche Freiheit werde ich unter meinen zahlreichen Freunden und Bekannten werben, da ste die einzige Zeitung ist, die nach mir vorliegenden persönlichen Berichten aus Deutschland wahrheitsgemäß schreibt."— Wir freuen uns, daß unser Bemühen, streng bei der Wahrheit zu bleiben, soviel Verständnis findet. Aeropreß. Ihre reichhaltige und im allgemeinen gut unterrichtet« Korrespondenz meldet u. a.:„Ter frühere sozialdemokratische Abgeordnete Liebmann würde im Konzentrationslager Hohenstein s» schwer am Auge verletzt, daß er aus dem einen Auge die Sehkraft verlor.— Unter den Erschollenen befindet sich auch der zum engeren Kreise Gregor Stragers gehörende und zu den ältesten Mitgliedern der NSDAP, zählende Dr. Glaser"- Wird se die Zahl der Ge- marterten und der Getöteten vollständig bekannt werden? „Rnggingen". Aus verschiedenen Landesteilen wird un? mit- geteilt, daß Arbeitern zwansweise im Austrage der„Deutsche» Arbeitsfront" ein Stundenlohn zugunsten der Beschädigten und der Hinterbliebenen aus dem großen Grubcnnunglück in Buggtng-n eingehalten worden ist. Jetzt hört man, daß die„Deutsche Arbeitsfront" auch noch Tammlungen für denselben Zweck durchführen laßt. Wo bleib, das viele Geld? Daß es für andere als den gedachten Zweck verwendet wird, ist klar, denn soviel alS zusammengekommen ist, erhalten die Opfer nie und nimmer. Ans«owno schreibt man unS, daß dort der Deutschen Gesandt- schaft die Fenster eingeworfen worden sind.— Die gleichgeschaltete deutsche Presse dürfte das als etwas zu stürmische Ovation für Hitlerdeutschland aufgesaßt haben. „Mit Tpreewasier getaust". Sie schreiben un» nach einem kurze« Besuche in Ihrer Heimat:„Soll das eine Borahnung für die kom- wenden„glorreichen" Verhältnisse sein? Schon Ansang Juli Kar« tofselschlangen! Das war noch nie da... sagen die alten Berliner. Nein, das ist auch eine der Errnngenschasten des„dritten Reiche?". Es gibt zu wenig Kartoffeln. Die dafür erfundene„Erklärung" ist so sonderbar, daß sie kaum Klauben finden kann: Weil die Heu- ernte soviel Arbeit macht, muß die Kartoffelernte warten?! Und da hat man Arbeitsdienst und Landheiser in Masten aufs Land ge- schickt. Wir glaubten— damit bei der Ernte geholfen wird! Selbst- verständlich hat man die Gelegenheit wahrgenommen, die Preise anständig in die Höhe zu sagen. Von TO Pfg. das Pfund stiegen sie in zwei Tagen auf Iii Pfg.?tber auch die anderen Produkte wollen klettern. So die gelben Rüben»m das Dreifache. Und nicht nur diese Waren machen ihre„Kletterpartien". So stiegen die Preise für Zucker, Fette, für Wolle, Leder, Stoffe in trauter Gemeinschaft mit den anderen Waren. Und alles trotz der Maßnahmen gegen die Preissteigerungen!" Katholisch« Leserin. Sie machen unS das Gebet zugänglich, da» das Bischöfliche Ordinariat für den von Hitlerbestien ermordeten Dr. Klausener angeordnet hat:„Wir bitten Dich, himmlischer Vater, segne unser Volk und Vaterland mit allen Gaben Deiner Huld. Schenke vor allem den Führern, denen das Volk vertrauensvoll die Fülle der Führungsmacht in die Hand gegeben, unbeugsamen Willen zur Wahrheit und Gerechtigkeit, weise Besonnenheit und wahre Klugheit, selbstlosen Dienstmut, echte Demut und erleuchtete Zielklarheit und vor allem die Weisheit tiefer Gottesfurcht und mannhaften Gehorsam? gegen Dein heiliges Gesetz allen Lebens." — Wir wollen Ihre religiösen Gefühle nicht verletzen, aber das Ge- bei klingt in unseren Ohren so, als wollte man den Herrgott bitten, er solle die Dschnngeltiger zur vegetarischen Diät anhalten. Rio de Janeiro. Wir erhielten Ihre Mitteilung:„In Porto Allegre Verlag Livrario do globo, BareelleS, Bertaso& Ein. soll demnächst des Osafs„Kampf" in portugiesischer Sprache erscheinen. Der Uebersetzer ist Major I. de Maltas Jbiapina, Prvfestor der deutschen Sprache an der Militärschule in Rio de Janeiro."— E» wird sich wohl um eine sehr gesäuberte Ausgabe handeln. H., Genf. Ihre dankenswerte Einsendung war durch telegrafisch« Korrespondenzberichte schon überholt. Für so ausführlichen Bericht ist das Jntereste unserer Leserwelt an dieser Spezialmaterie zu gering. Für den(Aesamtinhalt verantwortlich: Johann Pitz tn Dud- weiter: für Inserate: Otto Kuhn in Saarbrücken Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Volksstimme GmbH„ Saarbrück«» i, Schützeustraße b.» Schließfach 778 Kaarbrüclin,