a Sinzigs unabhängige Tageszeitung Deutschlands Nr, 167— 2. Jahrgang Saarbrücken, Sonntag Montag, 22. 23. Juli 1934 Chefredakteur: M. B r a u n Ans dem Inha lt lüeCtsensatian: Qeßiichtetec SA~7Tlann aus dem Sia&e Jlohms euthitfCt den JUichstagsbcand Seite 3 Poliflsdie Explosionen an fler Saar Von der Demonstration zur Auflehnung- 20 Zeitungen der„Deutschen Front'' verboten Probemobiimadiung getarnter SA.- Der Versndi, die Regierungsautoritat auszuschalten Höchste Gefahr! Saarbrücken, 21. Juli. ».»N! s Gegner achte, wer es auch sei, ttauchdiebe aber sind keine Partei." Das j£°n ist von dem Schweizer Demokraten Gottsried Keller. stammt aus jenem liberalistischen Zeitalter, in dem der ..apitalismus zwar auch roh genug gegen die empor- Arbeiterschichten auftrat, immerhin aber noch n t. ganz vergessen war, daß politische Gegensätze auch «j e,|ng und nicht nur mit den Fäusten und mit den Tritten on Kanonenstiefeln ausgetragen werden können. Tie Regierungskommisiion an der Saar, die sich ganz ? 0e. r mindestens in ihrer Mehrheit in jenen von dem jetzigen Deutschland her als schwächlich verspotteten uoeralistischen Gedankengängen bewegt, hat zu prüfen, mwieweit sie politischen Slrauchdieben oder politischen -Parteien gegenübersteht. Wenn wir diese Frage auf. Herfen, so haben wir keinen Grund uns als Organ der Hemden Regierung zu fühlen, die durch einen auch von ns stets scharf bekämpften Friedensvertrag über aeutsches Land und über deutsche Volksgenossen gesetzt worden ist. Förderung haben wir durch die Herren nie Erbeten und nie erfahren. Nur einmal hat uns die Regierungskommission ihr Interesse zugewendet. Sie hat uns im vorigen Jahre megen einer Karikatur des deutschen Reichspräsidenten lur acht Tage verboten. Eine außergewöhnlich harte Maß- "ahme, wenn man die blütenweiße Unschuld unsrer da- jkals neu gegründeten Zeitung berücksichtigt. Ein Verbot, Hessen Härte noch besonders hervorsticht, wenn man es mit °er jetzt nur dreitägigen Verbotsdauer gegen Zeitungen vergleicht, die seit vielen Monaten immer wieder solche -Naßnahmen herausfordern. Saarregierungsorgan sind ^>r also nicht. Wir sind aber aus unsrer politischen Gedankenwelt für v>e freie Entwicklung des Abstimmungskampfes. damit mit einem Siege der deutschen Freiheit gegen die braune Gewaltdiktatur über die Deutschen ende. Es geht uns nicht nur um das Stückchen Erde an der Saar, so putsch in seiner Bevölkerung, so schön in seiner Land- ichaft, so bedeutend in seiner industriellen Entwicklung es lein mag. Es geht uns um den Schlag gegen die Barbarei, me Deutschlands Kultur schändet und Europas Frieden dedroht. Wir kämpfen gegen die„Strauchdiebe" Gottfried Kellers. Die Regierungskommission in ihrer allgemein europäischen Unkenntnis des Wesens der national- sozialistischen Roheit und grundsätzlich amoralischen Parteierziehung hat die Kluft nie ganz ermessen können, ose zwischen der Hitlerei und den deutschen Kulturträgern, o>e zwischen mittelalterlichen Folterstätten und dem Modernen Europa liegt. Die Herren im Regierungs- tzebäude zu Saarbrücken haben sich einfach über Folgendes klar zu werden: sie und der antihitlerische Volksteil sehen Nch einer Bewegung gegenüber, die nach dem frech vor der ganzen Welt hinausgeschrienen Zeugnis ihres Fllh- fers, den feine Anhänger mit göttlichen Ehren umgeben, jedes Verbrechen gegen politisch Anders- denkende für erlaubt, ja für geboten hält. Der Reichskanzler und Parteiführer hat sich zum Obersten Gerichtsherrn der ganzen Nation, auch der Saardeutschen, ousgerufen. Er nimmt das Recht in Anspruch. Volks- genossen, die gegen ihn opponieren, ohne Untersuchung und ohne Richterspruch niederschießen zu lassen. Ausdrücklich proklamiert er. daß jeder erschossen werden muß, den er koch seiner Parteimeinung zum Volksverräter stempelt. Zugleich bekundet dieser Reichskanzler und Parteiführer, daß in der Führung seiner Horden alle Schandtaten bis zum -Meuchelmord tagesüblich find. D a s ist der Herr und Führer der„deutschen Front" an oer Saar. Die Glorifizierung einer politischen Banditen- woral durch den Reichskanzler und Parteichef gilt auch ftr die„deutsche Front" im Saargebiet, die bedingungslos jn Führung und Massen dem Halbgott über Leben und Tod in Pgrlin sich jügen müssen. MW HtM jstfct 1935 Saarbrücken,^. Juli. Die Regierungskommission des Saargebietes hat 20 Zeitungen der sogenannten„deutschen Front" ans je drei Tage verboten. Dieses bei der Langmut der Regicrungskommisfion gegenüber den fast täglichen Her- aussorderungen und Verhöhnungen in dieser Presse ganz außergewöhnliche Ereignis zeigt an, daß die als Beauftragte des Völkerbundes regierenden Herren den vollen Ernst der Lage im Saargebict kennen: entweder richtet die Regierungs- kommission endlich«nd unverzüglich eine klare und harte Staatsautorität aus, wie sie gegenüber einer gewalt- tätigen nationalsozialistischen Masienpartei notwendig ist oder das Saargebiet wird in absehbarer Zeit der Schauplatz von Ereignissen, die zu friedensgefährlichen Explosionen in der Hochspannung Europas führen müssen. Die Regierungskommission begründet ihre Verbote selbst damit, daß die Zeitungen der„deutschen Front" Berichte rer- öffentlichen, die„als eine versteckte Aufforderung oder An-, reizung zum Ungehorsam gegen die Anordnungen der Re- giernngskommission oder der ihr unterstellten Behörden be- wertet werden können, daß solche Ausführungen jedenfalls eine ernste Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Orb- uung darstellen." Das ist wirklich'ine sehr zahme Umschreibung, der Bor- gänge, die wir seit 48 Stunden im Saargebiet erleben, und die nichts anderes sind, als die Generalprobe eines Pntsches gegen die Regicrungsautorität, der Versuch, zu erkunden, wie weit die Zersctzungsarbeit in der Polizei die Beamten schon unzuverläsf gemacht hat gegen die Besehle ihrer O:r- gesetzten, der Wille schließlich, den Anordnungen der Regie- rungskommission nicht mehr nur passiven, sondern aktiven Widerstand entgegenzusetzen. Was haben sich denn eigentlich die Regierungskommission und ihre Exekutive herausgenommen? Es ist eine P o l i- zei aktiv« gegen eine in ihren Verzweigungen nach dem Reick z weisende Spitzelorganisation eingeleitet wor- den. Der Verdacht besteht und ist wohl begründet, daß Beamte der Regierungskommission ihre beschworenen Trcuepflichten gegenüber der Regierung verletzt haben.„Im Zuge einer Säuberungsaktion", wie es im Reiche heißen würde, ist auch in den Büros der„deutschen Front" nach Material gesucht worden. Darob gewaltige Entrüstungsstürme! Als ob nicht jede Opposition in jedem Lande so etwas schon hätte hin- nehmen müssen! Als ob nicht eben erst die angebeteten Füh- rer dieser selben„deutschen Front" sogar die Geheimakten des deutschen Vizekanzlers und SaarkommissarS hätten durchwühlen und seine nächsten Mitarbeiter hätten erschießen lassen! In Saarbrücken selbstverständlich, wo noch immer westeuropäische Zivilisation regiert und verwaltet, ist keinem der protestierenden, schimpfenden, höhnenden, singenden, Fah- neu schwing tden, Transparente haltenden, Kampfrufe grö- lendcn Deutschfrontler ein Haar gekrümmt worden. Nicht einmal eine Verhaftung wurde vorgenommen. Bielleicht, weil die Polizei Blutvergießen verhüten wollte. So weit ist es im Saargebiet, daß Polizeibeamte, wenn sie nicht als Vertrauensleute der„deutschen Front" gel- ten, mit Schimpsworten wie Lump und Schuft sich überhäufen lassen müssen. Es sind Folgen einer seit Monaten verübten Pressehetze, die jeden nicht gleichgeschalteten Beamten als „Emigranten", als„Landesverräter", als„Deserteur", als „Franzosensöldling", als„Separatisten" bezeichnet. Keiner der so besudelten Beamten riskiert eine Klage, denn er kennt die Rechtsprechung und die Richter an der Saar. In dem Jndustrieort Brebach bei Saarbrücken haben die Kundgebungen der„deutschen Front" gegen polizeiliche Maß- nahmen am Freitag zu offenem Ausruhr geführt. Da am Tage vorher der führende Polizciossizicr trotz seinem korrekten Verhalten, das selbst die Zeitungen der„deutschen Front" kaum bemäkelten» straflos angepöbelt und eingc- kesselt werden konnte, setzten Hausen der„deutschen Front" nun in Brebach den mit einer Haussuchung beaustragtcn Beamten aktiven Widerstand entgegen. Ein Ehren- standpunkt war diesmal von der„deutschen Front" wirklich nicht zu vertreten. Die Haussuchung betraf ein ganz übles Schmierblatt„Deutscher Kumpel", ein von dunklen Geldern ausgehaltene Wochenschrift, die zu den Prcssekloaken von der Art des berüchtigten„Stürmer" gehört. Die Haussuchung war von der General st aatsanwaltfchaft angeordnet. Ein Vertreter des obersten Gerichts nahm sie unauffällig mit drei in Zivil gekleideten Kriminalbeamten vor. Der„Emi. grantenkommissar Machts", gegen den die Hakenkrcuz-Menge wild aufgehetzt ist, weil er dem Glcichschaltnngsterror sich nicht fügt, war bei der Haussuchung nicht beteiligt. Die plan- mäßige Mobilmachung der getarnten SA., ihr Einsetzen gegen Polizcibeamte und das Zusammenrufen und Aus- putschen der Menge sind also nicht damit zu begründen. d»e Regiernngskommission habe die Herren Nationalsozialisten dadurch„provoziert", daß sie ihnen einen Polizeiossizier zn- mutet, der nicht das Vertanen der Herren Hitler«nd Göring und ihrer Beauftragten im Saargebiet genießt, sondern nur Exekutivbcamter der Saarregierung ist. In Brebach galt der wohlorganisierte Stoß der Regle- -nngsautorität an sich. Die„deutsche Front" will nickt mehr zulassen, daß die an der Saar gültigen Gesetze auch gegen sie angewendet werden. Bielleicht will sie die Regie» »niigstommisston des Völkerbundes noch als eine einftwetle« nicht zu beseitigende Dekoration an der erstrebten Totalität UKt vrauncn Saar-Herrschast dulden. Mehr aber mocyten die Deutschfrontler von ihrem Hcrrscherwillen nicht abgeben. Wie sehr sich die„Landesleitung" Hitlers schon als souveräne Macht sühlt, zeigt die Ankündigung,„sie werde alle diploma- tischen Schritte unternehmen, am zu ihrem Rechte zu kommen". „Diplomatische Schritte", denen allerdings entgegen son- stigcm Bölkerrechtsgcbrauch die Mobilmachungen vorauSge- gangen ist. Die ssiegiernngskommissio» scheint glücklicherweise, gus „diplomatische Schritte" zu verzichten. Sie hat den englischen Staatsangehörigen Hemsley zum Inspekteur der gesamte» saarländischen Landjägerei- und Polizeikräftc ernannt. Der neue Polizcichef, dem damit auch die kommunalen Polizeikräste unterstehen, hat seinen Sitz im Regierungsgebände. Wir begreifen durchaus, daß die Polizeiboamten des Saar- gebietes diese leider notwendige Maßnahme bitter empfinden, aber sie ist nnr eine Folge des kurzsichtigen und national- politisch zu bedauernden Verhaltens vieler Polizeibeamten, die ihre innerliche Parteigebundenhcit an ein bestimmtes Regime in Deutschland von ihren Amtspflichten an der Saar nicht zu trennen vermögen. Niemand, der nicht von Parteifanatismus verblendet ist, verlangt von den Saarbcamten, daß sie prosozialistisch oder prokommuni- stisch sich betätigen. Ebenso wenig, dürfen sie sich aber in ihre Amtshandlungen prohitlerisch einstellen. Wer das nicht be- greift, dem muß das nun endlich mit aller Energie beigebracht werden. Wenn das nun durch einen Briten geschehe« wird, so nur deshalb, weil gerade die Nationalsozialisten an der Saar in wildem Parteihaß die nationale Disziplin vermissen lassen. das Schicksal der Schleicher, Klausener, Probst, Kahr und Hunderten anderer bereitet werden soll. Da ist kein Wort übertrieben. Keine Zeitung der„deutschen Front" hat gewagt einen Mord einen Mord, einen Mörder einen Mörder zu nennen. Die Regierungskommission hat hier eine Bewegung vor sich, die mit den Mitteln von Gang- stern nicht nur arbeitet, sonderen deren Presse Gangster- morde als nationale Pflicht verherrlicht und den für un- gezählte, kaum noch politisch, sondern mehr kriminell zu bewertende Morde Verantwortlichen als den Retter der Nation, als einen DMnessiaSg als ein^n d^r Große n aller Es ist eine verderbliche Illusion, eine bandenmäßig organisierte, gewalttätige Politik erstrebende„Front", die mit zynischer Dreistigkeit sich zur Austilgung aller staatsbürgerlichen und kulturellen Rechte, zur Totalität des einen und nur des einen verbrecherischen Führer- willens bekennt, nach den gleichen Maßstäben wie zivili- sierte geistige Strömungen behandeln zu wollen. An den Grenzen der„deutschen Front" hören die Regeln der europäischen Demokratie, hören die Gesetze der Regier rungskommission, hört jede Loyalität gegenüber Anders- denkenden aus und beginnt üb$x gfc Richte und m* träge erhabene Führerwille des obersten Gerichtsherrn und Scharfrichters aller Deutschen. Tie Regierungskommission und die Welt müssen es endlich, endlich begreifen: im Sa.argebiet regiert zwar formal der Völkerbund, aber es herrscht die Angst vor einer Parteiführung und Parteihorden, denen jede bestialische Vergeltung, alle nur denkbaren Greuel zuzutrauen sind. Seit dem 30. Juni kann das nur noch die Leichtfertigkeit bezweifeln. Wir sehen und anerkennen die großen Schwierigkeiten, unter denen die Regierungskommission arbeitet. Sie sitzt am Explosionsherd, aber ihre Auftraggeber im Völker- bund sind fern und beschäftigen sich mit den Spannungen und den Problemen an der Saar nur vorübergehend und oberflächlich. Umsolautermüssendie Wissendenrufen. Um so rascher muh die Weltmeinung aufgerüttelt, um so stürmischer mutz die Forderung nach realen Garantien für die Freiheit erhoben werden. Der deutsche Nationalsozialismus hat sich durch seinen Führer zu blutiger Brutalität gegen alle bekannt, die ihm Widerstand leisten. Eine solche Bewegung kann nur durch eine starke auf eine zuverlässige Exekutive sich stützende Regierungsautorität in Schranken gehalten werden. Noch hat der eigentliche Abstimmungskampf an der Saar nicht begonnen und schon beginnen die National- sozialisten durch die„deutsche Front" den Terror, den sie bisher nur gegen Andersdenkende ausübten, auch der Regierungskommission entgegenzustellen. Hier müssen unverzüglich starke Autoritätsbegriffe auf- gerichtet und durchgesetzt werden. Es ist hohe Gefahr Wir mahnen, wir warnen, wir fordern. Gespanntheit bleibt Cheron fuhr zu Doumergue Paris, 21. Juli. Die Kabinettssitzung am Freittg nachmit- tag, unter dem Vorsitz des stellvertretenden Ministerprä- sidentcn und Justizminister Cheron, die sich mit dem Vorgehen des Minister Tardieu gegen den radikalsozialisti- scheu Fraktionsvorsitzenden H e r r i o t beschäftigte, brachte keine Aendcrung der politischen Situation, die nach wie vor gespannt blieb. Unmittelbar nach der Sitzung reiste Cheron im Auto nach Tonrncseuille, wo Ministerpräsident Dou- mergue seinen Urlaub verbringt. Man muß auf Grund eines kurzen Kommuniques über den Kabinettsrat damit rechnen, daß Doumergue seinen Urlaub unterbricht und Ansairg der nächsten Woche nach Paris kommen wird. Man nimmt als sicher an, daß es Doumergue gelinge,, wird, die Krise beizulegen, allerdings glaube man zu wissen, daß dies nicht ohne Umbildung der Regierung vor sich gehen wird, der dann Tardieu unter keinen Umständen mehr angehören dürste. Wenn es in der Kabinetlssitzung selbst gestern nicht schon zum offenen Ausbruch der Krise kam, so war dies vor allem dem maßvollen Verhalten deö radikalsozialistischen Parteiführers H e r r i o t zu danken. Dieser hatte in de« frühen Nachmittagsstunden die rabikalsozialistischcn Minister und das Büro der Exekutive seiner Partei im Marine- Ministerium versammelt. Nachdem Chautemps dort den Vorgang im Staviskn-Ausschuß und seine Folgen geschil- dert und danach die Minister allein gelassen hatte, besprachen diese die Situation. Ein Teil der Radikalsozialisten forderte sofort die Demission Tardieus. Sollte diese verweigert iverden, so sollten die radikalsozialistischen Minister sofort aus der Regierung ausscheiden. Hcrriot«varntc vor überstürzten Entschlüssen. In der folgenden Kabinettssitzung suchte zunächst Minister Tardieu sein Verhalten im Staviskn-Ausschuß zu recht- fertigen. Ruhig und maßvoll trat ihm Herriot entgegen, der ihn daraus hinwies, daß mit Rücksicht auf eine Rettung des Burgsriedens sein Verhalten nicht zu entschuldigen sei. England— hinter der französischen Sicherheitsthese Paris, 21. Juli. Die Pariser Zeitungen bringen durchiveg an führender Stelle ausführliche Berichte über Baldwins Rede im englischen Unterhaus, in der er den Plan der eng- tischen Luftaufrttstung entivickelte. Reichswehr im tladitkampt Die llnenfschiedenhelt des Reichskanzlers Berlin, 21. Juli. Von besonderer Seite«vird uns geschrieben: Die deutsche Oesfcntlichkeit erivartete von der jüngsten Rede Hitlers nicht nur Aufklärung über die blutigen Ereig- niffe im Reiche, sondern auch über die Innen- und Außenpolitik, die, ivie es unmer hieß, nunmehr eine neue Richtung erhalten sollten. Hitlers Schweigen in dem Augenblick, Ivo der Bürger sich ängstlich zu fragen anfängt: ivohin gehst Du, Deutschland?, das Schweigen des großen Führers zu einer Stunde voll Hangen und Bangen hatte eine Enttäuschung zur Folge, die für das braune Regime kompromittierlich ist. In Wahrheit m u ß t e Hitler schivcigcn. Einmal«var es ihm unmöglich, die erwarteten genauen Erklärungen abzu- gebe», dann aber legte vor allem die Reichs- wehrihrVetoein. Hatte sie auf der einen Seite durch ihre berufensten Führer eine amtliche Stellungnahme zur Tragödie des 30. Juni vom Kanzler gefordert, so ließ sie andererseits Hitler wissen, daß keinerlei voreilige Erklärung über die allge in einen Linien der deutschen Politik am Platze sei. Einen Tag, nach- dem Hitler seine Erklärung über die politischen Grund- linien abgeben«vird, wird sein Bündnis mit der Reichsivehr besiegelt oder er«vird sich stark genug fühlen, gegen die Reichsivehr auszutreten. Ob ihm diese letzte Möglichkeit überhaupt noch bleibt, daran kann man ivohl zweifeln. Im übrigen verfolgt die Reichswehr denselben Weg, den Nadolny gegangen ist, Hitlcrdentschlands ehemaliger Bot- schaster in Moskau. Er wünschte freundschaftliche Be- Ziehungen zu Rußland und büßte deshalb seinen Posten ein. Aber die Reichswehr wünscht jetzt diese Freundschaft nicht weniger. In ihren Kreisen ist man besorgt, daß man sonst die Waffen- orsenale verliert, die man seit Jahren in Rußland errichtet hat, die Flngzeugiverkstättcn in Lipetz, die Verfügung itbcr das Kriegsmaterial, das man in den roten Fabriken hat an- fertigen lassen. Im Jahre 1933 bereits wollte die Reichs- wehr einen Sondcrgesandten in der Person des O b e r st e n Adam, des gegenwärtigen Befehlshabers für den Wehr- kreis 0(Münster i. W.i nach Moskau schicken, der versuchen sollte, die Frenndschaft des roten Generalstabes zurückzu- erobern, und die alsbaldige Lieferung der als dringend not- wendig erkannten Aufträge z» sichern. Die Wilhclmstraße war damit einverstanden, aber wie eine Bombe platzte in diese Dinge Hilgenbergs berühmte Denkschrift über Deutsch- lands Pläne gegen Towjetrußland hinein. Moskau winkte ab, und die Russenlieferungen hörten auf. Schlimmer noch als über die Außenpolitik sind die Meinungsverschiedenheiten in den Rcgierungskreisen über die innere Politik. Ohne Uebertreibung kann man sagen: hier hat man geradezu ein Chaos vor sich. Die Praktiker in der Regierung, wenn man sie so nennen darf, Schmitt, Schacht und Graf Schwerin- Krosigk haben sich die gegenwärtigen Verhältnisse zu- nutze gemacht, um etwas Ordnung in das Rcichsgebäude zu bringen. Mit Erfolg haben sie den Kops von Philipp Keßler, dem Spezialisten kür nationalsozialistische Wirtschaftsfragen vom Kanzler gefordert, indem sie ihm in einer vertrau- lichen Unterredung gemeinsam das Ultimatum stellten: „Keßler oder wir"... „Paris-Midi" gibt nur die fast einmütige Genugtuung der hiesigen Zeitungen über diese Rede iviedcr, wenn das Blatt sagt, Baldwin habe klar und deutlich die Meinung aus- gesprochen, daß man die Friedensgarantie mit Hilfe der Sicherheit tXrstärken müsse. Damit habe England sich vor- behaltSlos zu der französischen Auffassung bekannt. Eine solche Haltung war ganz und gar nach dem Geschmack der Reichswehr. Immerhin aber befindet sich diese im Gegen- satze zu all denen, die nicht nur eine Verminderung der Kredite verlangen, die für die öffentlichen Arbeiten her- gegeben werden, zwecks Verminderung der Arbeitslosigkeit, sondern auch eine Verringerung der Subventionen für Landwirtschaft und Industrie und vor allem der schwarze» unkontrollierbaren Fonds der Reichswehr. Der Großindustrielle Krnpp von Bohlen fordert nachdrück- lich die schleunige Einberufung einer Konferenz der Groß- sinanz und Großindustrie, damit sie ihre Meinung dar- über aussprechen. Aber selbst wenn diese Konferenz zustande kommt, wirb man sich dann an ihre Ratschläge halten? Andererseits bemüht sich der neue Führer der Viktor Lutze bisher vergeblich, vom Führer genau Aniveisungen über die Neuorganisation der braune» Truppen zu erhalten. Der Urlaub der TA. geht zu Ende, ivas wird vian dann mit den ivilden Scharen anfangen? I welcher Lage werden sie dann sein? Welche Rechte werden st noch haben? Hitler hat bisher noch keine Antwort aus Md wichtigen Fragen gegeben, und den Grund für diese 5- Schweigen kann man leicht erkennen. Wie aus dem Gebic der Außenpolitik hat sich der Führer noch nicht darüber»n der Reichswehr verständigen können, die sehr schart Bedingungen stellt, während Heß und Goebbels unaufhörlich dem Kanzler die Gefahr schildern, die^V' 1! liegt, daß er seine politische Armee zu sehr schwächt. Brills man der SA. die Zähne aus, dann würbe das nichts andere? heißen, als das Regime ganz aus eine Reichswehr zu stützem Kann man sich wundern, wenn Hitler zögert, steht dow seine Stellung als Führer auf dem Spiel! Die schleichende Regierungskrise Riicktrittslustigc Reichsminister Berlin, 20. Juli. Reichspräsident v. Hindenburg empsi»6 am Donnerstag den Rcichsminister deS Acußern Freiherr» v. Neurath zum Vortrag, der sich im Flugzeug nach Marie»' st bürg und von dort im Kraftwagen nach Neudcct begebe» hatte. Der Ncichsaußenminister hat die Absicht, dem Reichs Präsidenten über die Schwierigkeiten der deutschen Slußc« 3 Politik gegenüber den Ostpaktpläncn zu berichten. Das De missionsgesuch des Vizekanzlers v. P a p e n ist noch immer unerledigt. Es wird wohl er» genehmigt werden, wenn eine allgemeine Erledigung der Regierungskrise ohne offenen Bruch mit den konservative» Rechtskreisen möglich ist. Angeblich beabsichtigen auch der R e i ch s j u sti z m i n i st e r Dr. Gürtner und der R e i ch sv e r k e h r s m i n i st e r Eltz v. Rübenach au?- znscheiden. Der Rücktritt des Vizekanzlers v. Pape» soll d»- durch erleichtert iverden, daß der Posten des Vizekanzlers aufgehoben wird. Herrn v. Papen soll, wie früher schon ein- mal, für den Botschafterposten beim Vatikan ausersche» sein. Ob er dort ehrlich willkommen sein würde, dar» n«a» bei dein Vertrauensverlust bezweifeln, den gerade Pape» beim Heiligen Stuhl erlitten hat. jA Mussolini empfing den italienischen Botschafter in Londo» ebenso wie den dentschen und englischen Botschafter in Rom. Die Besprechungen standen im Zusammenhang mit dem Ost' locarnopakt. Die Staatsanwaltschaft in Wien hat das Ruch Moeller»a« den Brucks„Das ewige Reich" beschlagnahmt. Bei den Ueberschwemmnngen in der chinesischen Provi»! Jehol solle» etwa SV 090 Menschen obdachlos geworden sei»' RS. Edmund Reines Was Breslau sagt Man schreibt uns aus Breslau: Aus den Breslauer Zeitungen kannst Du ersehe», welcher Beliebtheit sich unser Polizeipräsidenr Heines ersreute. Es ist nicht schön, wenn heute die ganze Stadt auf ihn schimpft und jedes kleine Vergehen herauskommt, wenn überall her- umgespüri wird, um etwas neues zu entdecken. Daß er ein Lebemann ivar. ist stadtbekannt. Daß er gerne über den Durst trank und nachher die Beherrschung verlor und bei solchen Gelegenheiten in den Lokalen ansrüumle, ist doch nicht io gefährlich. Es gingen dabei höchstens einige Altertümer und Spiegelivände kaputt, aber das war zweck- mäßig für die Arbeitsbeschaffung, denn es waren Rechnun- gen dabei für 3000 Mark. Nur Klatschmäuler können sich darüber aufregen, daß noch Wechsel umlaufen in Höhe von etiva 30 000 Mark. Es ist doch bekannt, daß nur Menschen mit Ansehe» Schulden ma- chen und Schneibcrrechnungcn von>000 Mark präsentieren können. Die Menschen waren froh, für Pg. Heines arbeiten zu dürfen, und auch der Schiihmacher, der noch 400 Mark zu bekommen hat, Hofft, sie zu bekommen. Jetzt benehmen sich manche Menschen so, als ob ein hoher Führer wie Heines in der Tchnapskneipc hätte kampieren solle». Das hiesige Hotel Monopol, in dem schon immer die vornehmsten Leute abgestiegen sind, mußte in der»encn Zeit doch jelbstver- ständlich auch dem Polizeipräsidenten HeineS mit seinem Stabe zur Verfügung stehen. Was will es heißen, wenn die- ses Hotel jetzt noch eine Schuld von 3000 Mark reklamiert: das ist doch ganz unbedeutend und lange nicht so hoch wie die Schulden Domelas unter deni„System". Es gibt leider keine Schlechtigkeit, die man jetzt Heines nicht nachsagt. Die Menschen sind angesichts der glänzenden Vergangenheit dieses Mannes doch sehr undankbar und vergeßlich Daß gerade die so arg schimpfen, die tlin seit 2 Jahren am meiste» verherrlicht haben, zeugt von iehr geringer lleberzengungskrast und Treue. Heines war doch derjenige, der den Mut aufbrachte, den früheren Oberpräsidcnten Lüdemann mit 3 Pfeilen auf der Hose durch die Straßen der Stadt führe» zu lassen, wobei der so Gedemütigte noch die Mauern abkratzen mußte. Ist die Behandlung des Dr. Eckstein schon vergessen, der zum Beweis der Ueberwindung aller Klassengegenjatze Lokusdienst machen mußte und dann zwecks Reinigung der Repu- blik beseitigt wurde? Weiß man nicht mehr, wie der Reichs- banncrstthrcr Alexander aus Befehl Heines solange gestei- nigt wurde, bis er wußte, was arbeiten heiß? Daß er dabei in seiner Dummheit sogar einen doppelten Armbruch bekam und weil er der Menschheit doch nicht mehr viel nützen konnte, schließlich beseitigt ivurde durch einen kleinen Be- triebsunfall. Hat es die undankbare Bevölkerung schon vergessen, wie sie Tonntags in Scharen zum Konzentrationslager pilgern durste, um die Erfindergabe Heines zu bewundern und zu sehen, wie unverständige und bockbeinige Marxisten und Juden zu Zucht, Ordnung und Arbeitsamkeit erzogen wur- den? Ein späteres Zeitalter wird die Ehre unseres HeineS wieder herstellen, er wird als echter und rauher Kämpfer in die Geschichte eingehen. zeugt„Kinder der liebe" Entsetzte Katholiken Es ist noch nicht sehr lange her, daß der deutsche Katho- lizismus in der Sozialdemokratie und in den freien Ge- wcrkschaftcn die Brutstätten antichristlichcr Unmoral erblickte. Wir erinnern uns zahlreicher oberhirtlichcr Rundschreiben voller Anklage gegen die weltanschaulichen Grundlagen der freien deutschen Arbeiterbewegung. Sorgfältig wurde alles zusammengetragen, um die Meinung der Kirche zu be- kräftigen. Jetzt veröffentlicht„D e r d e» t s ch« T e x t i l a r b e i t c r" einen Artikel„Ein offenes Wort für die uneheliche Mutter", worin es heißt: „Im verflossenen liberalistischen Zeitalter galt es als eine durch nichts gutzumachende Schande, wenn ein junges Mädchen Mutter ivurde, ehe es durch Standesamt und Kirche in einer Ehe zur Zeugung zugelassen wurde... Der Nationalsozialismus hat mit diesen veralteten Sitten- begriffen gründlich gebrochen und begrüßt jeden Versuch, durch gesunde arische Kinder die Rasse hochzu- halten, auf das lebhafteste, ohne sich daran zu stoßen, ob das Kind einer legitimen Ehe entspringt oder nicht... Wir achten ieM Madchen, dqs g$ üher aftx Vvmteile hinwegsetzt und sich zu einem Kind der Liebe bekennt.(ff ist doch so, daß gerade diese Kinder in der Regt" weil sie Kinder der Liebe sind und aus wirklicher ZV neigung der beide» Partner gezeugt iverden, r a s s i s»> viel hochwertiger sind als solche, die im Rausch,«u? purer Gewohnheit, aus sittlicher Entartung und dcrglcichfss das Licht der Welt erblicken... Es ist im Gegenteil ein schönes Bekenntnis zur Raffe und z u>» nationalsoziali st ischenBevölkerungspri»' zip, wenn ein junges Mädchen sich-entschließt, sich lieber zu einem Kinde zu bekenne», als ihrem Körper Zwo»» anzutun... In diesem edlen Wetteifer mitzuwirken, ge- reicht keinem jungen Mädchen zur Unehre(!>... Wen» jede deutsche Mutter und jeder deutscher Vater sich die? zu Herzen nimmt, wird sich mit der Zeit ganz von selb» das ergeben, was wir anstreben: eine Hochzüchtung der arischen Rasse. Zum Ceacu der deutsche» Volksgemeinschaft und der Veredelung des deutsche» arischdn Menschen." Voller Entsetzen schreibt die gleichgeschaltete katholisch^ „Saarbrücker Landeszeitung" dazu: „Sachlich braucht zu diesen Auslassungen mobl nichts gr- sagt zu iverden. Wir bringen sie auch nur deshalb unser» Lesern zur Kenntnis, weil sie in erschreckender W«i" zeigen, in welches Chaos sittlicher Begrisf?' v e r iv i r r u n g unser Volk h i n c i n z u g l e i t c» droht, wenn man derartigen Propheten der Unzucht»ich' bald mit Nachdruck den Mund verschließt. Der Verfasser>» zweifellos ein gelehriger Schüler des russische.» Bolschewismus, und daß er diese Tatsache in'' Schlagwörtern ivie„Ueberwindung des liberalistischc» Zeitalters" und„Hochzüchtung der arischen Rasse" zu tar- neu sucht, macht seine Haltung nur um so ekelhafter. E? ist ja wirklich nicht notwendig zu beweisen, daß diese Art einer„gesunden und ehrlichen Bevölkerungspolitik" nicht nur dem christlichen, sondern auch dem rein natürliche»- insbesondere dem altgermanischen Sittlichkeitsbeioußtsei» ins Gesicht schlägt. Wie aber ist es möglich, daß ein solcher Hochgesang auf die Geilheit unbeanstandet im Namen de? nationalsozialistischen Staates in einer Zeitschrift er- scheinen darf, zu deren Bezug Tausende von christ- lichen Arbeitern verpflichtet sind?" Das ist eben heute möglich. Und die gute„Landeszeitung" hat keine andere Sehnsucht, als in dieses Reich„heimza* Mr Malsch, MM Mialidi>fc Ein Relchstagsbrandstifter meidet sicii SiL Mann Kruse Nr. 134 522 vom Stabe»Sinus sdireibl aus der Schweiz an den Reichspräsidenten Ii Ei« SA-Mann vom Stabe Röhms hat am 18. Juli den nachfolgenden Brief an den Reichspräsi- beuten geschrieben. Wir gestehen, daß wir wegen der ungeheuerlichen Beschuldigungen, die er enthält, den Abdruck lange überlegten. Wir entschlossen uns aber, trotz aller Bedenken, ihn zu veröffentlichen. Zum ersten, weil der Schreiber mit seinem vollen Namen an die Oesscntlichkcit tritt, zweitens, weil der Bries vieles von dem bestätigt, was schon früher über die wahren Reichstagsbrandstister geschrieben wurde, und drittens, weil der 311. Juui wieder einmal und grandioser als je zuvor bestätigt hat, daß das deutsche Boll von mörderischen Landsknechten überrumpelt worden ist. Wir versagen uns heute einen eigenen Kommentar. Zunächst warten wir das Echo bei denen ab, die hier ofseu der Brandstiftung und der Mitwisserschaft bezichtigt werden. Redaktion der„Deutschen Freiheit". Schweiz, am 18. Juli 1931. An den Kerrn Reichspräsidenten Generalfeldmarschall v. Hindenburg N e u d e ck(Schloß Neudeckj. Exzellenz, Mein Schreiben wird Sie zweifelsohne in Erstaunen setzen, vorausgesetzt, daß Sie solches überhaupt erhalten und ^nan Ihnen solches nicht auch unterschlägt, wie es dem Ber- nehmen nach vorkommen soll. Ich schreibe Ihnen als bis- heriger deutscher SA.-Mann, teils aus mir selbst, teils im Austrage meines bisherigen Stabschefs Ernst Röhm, der lei- der durch den Kanzler Hitler ermordet wurde. Gehetzt und verfolgt von der Gestapo, nachts gewandert, tagsüber versteckt bei Freunden, in Viehwagen und in Heu- wagen versteckt, so habe ich gestern die Schweizergrenzc er. Zeicht, weiß aber, daß ich auch hier noch nicht in Sicherheit bin. Ich weiß, daß ich auch hier verfolgt werde von den Spitzeln und wenn ich nicht hier im Hause eines Freundes für einige Stunden Unterkunft bekommen hätte, so wäre ich wahrscheinlich bereits durch diese Spitzel ermordet. Ich bin der letzte der aktiven Brandstifter des Reichstagsgebäu- des, darum darf ich. nicht mehr leben und wäre wohl schon längst wie alle meine Kameraden erschossen worden, wenn mich nicht der Stabschef Rohm gedeckt und in seinem per- sönlichen Gefolge gehabt hätte. Ich schreibe diesen meinen Bericht an Sie mit Hilfe eines schreibgewandten Freundes, damit mein Bericht wenigstens niedergelegt ist, falls mir etwas passieren sollte. Das aber kann ich nicht unterlassen: ich werde die Kopien dieses Schreibens gleichzeitig an drei verschiedene Zeitungen neutraler Länder senden, damit diese den Inhalt veröffentlichen, denn die Stunde ist nun ge- kommen, wo jede Rücksicht auf mein Baterland aufhört, wo nur die Wahrheit gesagt werden darf und wo endlich an den Tag kommen soll, was vor dem 3(1. Juni alles passiert ist und wie der Reichstag angezündet wurde. Ich schwöre Ihnen, daß es die volle Wahrheit ist und wenn ich von hier fort- kommen kann und nicht irgendwo ermordet werde, dann werde ich die Akten, die mir mein Stabschef Röhm über- geben hat, der englischen Regierung zur Kenntnis und Ver- össentlichung überreichen, sie gleichzeitig um Schutz angehend. Ich verstehe wenig von Politik oder gar nichts, kann Ihnen deshalb nicht viel über die Verhandlungen vor dem 39. Juni sogen, als was ich aus dem Kreise der im Büro meines Ehefs verkehrenden Personen und Führer der SA. auf- geschnappt habe oder mir der Ches in seiner Aufregung der letzten Zeit selbst gesagt hat. Mein Name ist Ernst Kruse, SA.-Mann Rr. 131522. zu- geteilt zum Stab des Stabschefs Röhm und sein persönlicher Diener. Ich will gewiß den Verstorbenen nicht in Schutz nehmen für seine Handlungen und will auch nicht ein Lob- lied singen, ich weiß, er hat gefehlt in mancher Beziehung, besonders auch in sittlicher Beziehung, aber mir gegenüber war er stets gut und recht und hat mir manches Gute er- wiesen, das ich ihm nie vergessen werde, wenn ich auch nicht zu denen gehörte, die ihm hörig waren, wie so manche seiner SA.- und HJ.-Leute. Nun ganz kurz eine Beschreibung der Vorgänge vor lein 39. Juni. Ich weiß, daß aus Drängen von Ministerpräsident Göring die SA. sollte ausgelöst werden. Goebbels, dieser Schwindler, hat auch geHolsen, hat aber zuerst für die SA. gesprochen, d. h uns gegenüber zu uns gehalten, bis er olles wußte und dann hat er alles verraten, der ist schlimmer als ein Judas. Röhm und eine ganze Anzahl Führer der SA. wehrten sich dagegen und haben in langen VerHand- lungen versucht, eine Aenderung zu erreichen, die Kameraden drängten überall auf Röhm, daß er die Zerreißung nicht zu- lasse. Als alles nichts nutzte, drohte Röhm und einige der hohen SA.-Führer an Hitler, daß wenn die SA. aufgelöst werde oder zersplittert werde, er sich mit Militärs in Ver- bindung setzen werde, um evtl. mit Gemalt die Auslösung zu verhindern. Er werde die Vorgänge beim Reichstags- brand veröffentlichen, und damit den Sturz Görings, Goebbels und damit Hitlers herbeiführen. Entweder oder. Hitler sagte zu, daß er verhüten wolle, daß die SA. zu Schaden komme, versprach auch Göring und Goebbels herumzubringen. Röhm aber verlangte bestimmte Antwort und positive Erklärungen bis zum 1. Juli mittags, andernfalls Röhm annehme, daß keine Zusage gegeben werden könne, dann werde er h..ndeln und sich auf eigene Faust zunächst mit einigen seiner Führer verbinden und gewisse Militär- stellen des Reiches orientieren. Einige M i l i t ä r s waren bereits im Bilde, waren auch evtl. bereit, an höherer Stelle um Unterstützung Rooms sich zu verwenden, alles aber erst, wenn bis zum 1. Juli mittags die Zusage Hitlers nicht angelangt sei. General Schleicher wurde auai oefragt darüber, er ließ aber dem Vermittler strikte erklären daß er mit der ganzen Sache nichts zu tun haben wolle, mit einer Regierung von Brandstistern wolle er nichts zu tun haben. Diese Bemerkung wurde Hitler und Göring auch hinterbracht, worauf Hitler an Röhm ein hef- tiges Telefon losließ, das man im Nebenbüro hören konnte, so tobte dieser edle Kanzler. In der Nacht vom 39. Juni wurde nun die Aktion durch Hitler in München durchgeführt. Ich war selbst in jenen Stunden nicht in Wiessee, sondern in München. Als ich da- von hörte, floh t cf) sofort und versteckte mich dort, wo ich schon längn den Plan hatte, mich zu verbergen, da ich nie sicher war, daß nicht eines Tages ich, von Röhm unbeschützt, doch noch mal dran glauben mußte. Hitler hat nicht sein Versprechen eingelöst, bis zum 1. Juli mittags die Antwort zu geben, sondern er hat in der Nacht vorher losgeschlagen. Röhm wäre sicher nicht im Bett ge- wesen und auch die anderen Führer nicht, wenn in dieser Nacht wirklich eine Revolte geplant gewesen wäre. Das weiß heute jeder SA.-Mann auswendig. Röhm. oer gute Kerl, muhte dran glauben und viele seiner Freunde mit, aber das weiß ich, daß die Kameraden die Kugeln seither lose stecken haben, wenn Hitler, Göring und Goebbels mal nicht hübsch geschützt sich zeigen sollten. Welche Politiken Hintergründe da mitspielen, das alles weiß ich niait, als einfacher SA.-Mann habe ich auch nichts ver- standen und habe mich nicht darum gekümmert, solange alles recht ging, d. h. ich mein Auskommen hatte. Alles weitere werden die Akten ergeben, die ich hier bei mir trage und aus Umwegen der englischen Regierung über- bringen werde. Diese soll dann bestimmen. Nun zu etwas anderem. Der Reichstag ist nicht von den Kommunisten, sondern von SA.-Männer« mit Hilfe von Ran der Lübbe angezündet worden. Ich werde Namen nennen. Am 19. Februar 1933 wurde von Röhm, Heines und Ernst eine Gruppe von 19 Mann ausgesucht, darunter auch ich, zu einer vertrauten Sitzung. Der Plan des Brandes wurde genau besprochen und jeder gefragt, ob er mitmache, d. h. er wurde unter Eid gelegt, zu schweigen und weitere Befehle abzuwarten. Ein Mann namens Lobike lehnte ab, er könne es mit dem Genüssen nicht vereinbaren, das zu tun. Er wurde abgeführt, wir haben ihn nie mehr gesehen, er durfte doch nicht aussagen in seinem inner« Druck. Wir andern ahnten, wohin er kam und schwiegen, mir wußten, daß wir sonst die Sonne nicht mehr scheinen sehen würden. Van der Lübbe war dem Stabschef Röhm hörig, und weil er ein ganz verrückter Streber mar, und sich überall groß machen wollte, wurde er mitbestimmt, den Reichstag anzu- zünden, d. h. ihm wurde nichts gesagt von uns, er sollte ganz allein einsteigen, mit Fackeln, die ihm geliefert wurden, die Nebenräume anzünden nach ganz bestimmter Vorschrift, wir aber sollte» im genau gleichen Zeitpunkt den großen Saal anzünde,, mit Explosivbrandstoff. Wir mnßtcn zweimal nachts Hebung abhalten und vom Präsidcntcnpalais ans durch de,, Kcllergang hinstürmen und wieder forteilen. Ich will mich mit den Vorarbeiten nicht lange aufhalten, jetzt die Name« nennen, die direkt beteiligt wäre,,: Heines, Ernst, als Führer, jeder eine Gruppe von 5 Mann, dann Brähm, Stett- mann, Nagel, Sirop, Kummclsbach, Dicri, ger, Bratschke, Lehmann, Schmiß und Kruse. Ich kann heute die genaue Zeit auf die Minute nicht mehr nennen, als der Befehl kam in der Nacht des 27. Februar, als wir im Keller des Präsidentenpalais von Göring versammelt waren, daß" van der Lübbe bereits am Hause an- gekommen sei. Jeder von uns hatte einen Zellosansack mit einem leichten Pulver darin und eine Rolle Zelluloidstreisen. Was für Pulver, das wurde uns nicht gesagt. Wir hatten jeder Befehl, die Säcke an ganz bestimmten Orten auszu- stellen, mit den Streifen zu verbinden und den Streifen gegen den Ausgang des Kellers auszuziehen. Dort standen Ernst an einem Streifenbündel, am andern Heines und als wir uns zurückgezogen hatten zum Kcllcrcingang, zündeten diese auf einen Befehl Röhm s, der inzwischen sich überzeugte, daß van der Lübbe im Nebensaal herumsprang, die Streifen an. Feuerschlangen nach allen Seiten, wo der Sack getroffen wurde, ein dumpfer Ton und wie brennendes Mehl war die Lust voll und sofort war alles in einen brennenden Dunst eingehüllt. Wir flohen sosort. Das Werk war getan. Van der Lübbe wurde wie verabredet getroffen, das sollte ja so sein, man hatte ihm versprochen, daß er nach der vielleicht ziemlich langen Haft, die man eben nicht ver- meiden könne dem Volke gegenüber, ihn wohl verurteilen werde, aber man werde ihn dann heimlich entlassen und mit viel Geld nach Amerika spedieren, wo er es gut haben könne. Ein reicher Mann, da könne man schon mal ein paar Monate sitzen, besonders wenn man es ihm so bequem als möglich mache. Was diese Leute gehalten haben? Mich schaudert, wenn ich daran denke, mich schaudert aber auch, wenn ich daran denke, daß meine Kameraden, denen unter Todesdrohung die Tat abverlangt wurde, alle nach und nach verschwanden, der eine früher, der andere später. Nur Röhm, Heines, Ernst und Nagel waren neben mir noch am Leben in der letzten Zeit. Nagel ist aber auch am 39. Juni mit Heines erschossen worden. Uns Kameraden hat mau gesagt, daß die Entscheidung bei der Wahl vom März 1933 aus dem Spiele stehe, es sei zu be- fürchten, daß die Kommunisten und Sozialisten doch eine zu große Mehrheit bekämen und dann sei alles umsonst gewesen und alle Kameraden hätten umsonst auf ihre Posten gewartet. Es gelte die Abrechnung mit den Kommunisten. Herr Reichs- Präsident! Ich weiß, ich selbst verdiene nichts anderes als eine Kugel, wenn ich an die Folgen jener Brandnacht denke, wenn ich auch unter Todesörohung dazu gezwungen wurde, mitzutun, aber das eine sollen die großen Halunken doch noch erleben, daß diese grausige Brandnacht der Wahr- beit gemäß an die Oesfcntlichkeit kommt, daß alles klar wird um diesen Schandfleck der deutschen Nation. Heute iveiß ich, daß Deutschland zugrunde geht, wenn nicht eine andere Re- gierung kommt, heute würbe ich tausendmal gerne alles zurücknehmen, was ich getan, wenn ich nur könnte, aber gut machen will vor Gott und den Menschen und alles sagen, dann wird auch mein Gewissen leichter. Mögen sie dann kom- men, die Spürhunde, die mich verfolgen seit dem 39. Juni, um derentwillen ich gehungert und gedurstet, halb verreckt bin im Dreck der Biehställe, um mich zu verbergen. Röhm war in mancher Beziehung schlecht, aber so schlecht war er doch nicht wie Göring, Goebbels und der Lcy, von Hitler wollen wir gar nicht reden, der hat ja kein Wort, der ist ein Hampelmann in den Händen der andern, ein großer Plaqucur, wie ihn die SA.-Führer stets nannten. Daß dieser Hitler, den ich früher verehrte, sich so zeigen würde, hätte ich nie geahnt. Das mar Mord und Uebersall. Die SA.- Führer haben aus ein offenes Wort gerechnet auf den l. Juli, im Vertrauen auf den Führer, dieser aber hat besser gefunden, die Zeugen seiner Schande zu verderben. Göring und Goebbels ivaren die Anstifter des Bran- des, in ihrem Auftrage wurde alles getan und besonders Goebbels wollte alles propagandistisch aus- schlachten, daß das Volk alles glaube und dann schon ent- sprechend stimme. Das ist die Wahrheit über alles. Verzeihen Tie mir, wenn es vielleicht eiivas konfus herauskam, aber oft übernimmt mich die Ausregung und der Zorn und dann verliere ich den Faden. Gott ist mein Zeuge, daß ich hier die Wahrheit ge- sprachen. Ich werde jederzeit und jeder Regierung stehen da- für, wenn man mich schützt vor den Mördern da draußen im so lieben armen deutschen Reiche. Mit tiefster Verehrung Ihr allzeit getreuer deutscher Sol- bat und SA.-Mann a. D. E. Kruse. Das ist der Brief. Näheres über die Akten, die der Ver, fasser der englischen Regierung zur Unterstützung seiner Be- hauptungen senden will, ist uns bis zur Stunde nicht be- kannt. Wir geben de« Brief genau in dem gleichen etwas holprigen Stil wieder, in dem er uns im Wortlaut vorliegt. Vor dem Schafott Abschiedsbriefe eines„Untermenschen" (Inpreft.) Am Samstag vor Pfingsten, dem 19. Mai v. I., wurden in Hamburg die von Hitlers Blutjustiz zum Tode verurteilten Deitmer, Fischer, Schmidt und Wehren- berg enthauptet. In kommunistischen Zeitungen werden die erschüttern- den Abschiedsbriefe Hermann Fischers veröffentlicht. Der Brief an seine Kinder lautet: Liebe Edith und Egon. Wenn Ihr diese Zeilen lest, bin ich schon lange von Euch and Eurer lieben Mutter fort. Darum beherzigt, was ich Euch in meinen letzten Stunden zu sagen habe. Klein wart Ihr. als ich Euch verlassen habe und Eure liebe Mutter Euch gehegt und gepflegt hat. darum seid lieb und gut, haltet zusammen in Freud und Leid. Laßt Eure liebe Mutter niemals im Stich, macht ihr den Le- bensabend freudig und sonnig. Keine bessere Mutter gab es als Eure, die ihre ganze Kraft Euch gewidmet. Mein Schicksal werbet Ihr von Eurer Mutter erfahren. Es küßt Euch Euer Vater, erfüllt seinen Wunsch, und Freude werdet Ihr haben im Leben. Euer Vater. Meinen lieben Kindern Edlth und Egon als letztes Vermächtnis. Hermann Fischer Der Brief an seine Frau:. Hamburg, im Mai. Liebe Hennn. Meinen letzten Dank sage ich dir für die Jahre, welche du mir mit deiner Person geschenkt hast, glückliche Jahre, die ich an deiner Seite verlebt habe, gemeinsam haben wir beide Freud und Leid erleben dürfe». Stolz bin ich dar- auf, dieses bedenken zu können. Dank sage ich dir für deine Liebe': Liebe, die stark genug ist, dieses mit Mut zu tragen. Allzu schwer wiege» Worte, um das Glück kund- zutun, welches du mir, Egon und Edith gegeben hast, aber ich iveiß, daß du es verstehen mußt, hat doch das letzte Bei- sammensein, deine tiefe starke Liebe mich mit Mut er- füllt, meinen letzten Gang in deinem Gedenken zu gehen. Meine ganzen Wünsche begleiten dich ans deinen ferneren Weg, es gebe dir Kraft, den Kindern ihren Lebensweg zu ebnen, auf daß sie einst ebenso glücklich ihr Leben gestalten können wie wir es getan haben. Liebe Henny, noch einmal bekam ich mein großes Glück, welches du mir gabst. Ich werfe mir nichts vor, was ich tat, verantworte ich mit dem höchsten, was ich habe, mit meinem Leben. Möge für euch einst das Glück kommen, für das ich sterbe. Wenn ich auch falle, die Fahne wird stehen, trotzig und stark. Zllle die vor mir den letzten Weg gegangen sind, sind ihn als Mann gegangen. Das selbe werde auch ich tun. Möge ewig der Kommunismus stehen zum Heil der gesamten Menschheit. Eine Idee, welche die Einigkeit, die Liebe und die höchsten Ziele der gesamten Arbeiterklasse mit ihrem Blute er- kämpft, wird einst auch zur Verwirklichung auf dem gan- zen Erdball gelangen. Für dich und den Kindern mein letztes Lebe Wohl. Allen Freunden und Genossen, allen rufe ich ein letztes „Rot Front" zu. Anno 17 Kartoffelsorgen Esse«, 14. Juli. Hier in Bochum und in Dorimund hält die empfindliche Knappheit an Kartoffeln weiter an. Die Bevölkerung wird dadurch immer unruhiger. Es ist ein Zustand, wie im Jahre 1917. Auch der Mangel an Margarine und Schweinefett wird immer drückender. Hamsterfahrten wie im Kriege werden wieder üblich. Tie Bauern halten mit einem ichwarzen'Kartofselvcrkauf sehr zurück, da sie fürchten, das Bich nicht füttern zu können. Mir sagte ein Funktio- när:„Ihr müßt alle Minen springen lassen, damit es zu einem schnellen Zusammenbruch der Wirtschaft kommt. Wir wollen gerne trocken Brot essen, wenn wir wissen: das Ans- land isoliert jetzt Deutschland auf allen Gebieten. Alle Opfer bringen wir gern, die Hauptsache ist, daß Hitler nach dem röhmschen Schlachtfest nicht nur nicht wieder zur Ruhe kommt, sondern bald allen Boden unter den Füßen ver- liert." Wenn bei Gelegenheit über die Zustände der Wei- marer Republick gesprochen wird, dann kann sich niemand vorstellen, wie damals Menschen unzufrieden sein konnten. Die z. Zt. umlaufenden Dreimark- und Drei-RcichSmark- stücke gelte« ad 1. Oktober 1934 nicht mehr als gesetzliche Zahlungsmittel, )ie Nerdliste schwillt an Es sind Hunderte gewesen 3in nt er läuger« ir d di e Liste. Immer neue Namen. Immer neue Einzelheiten. Obwohl Mitwisser ex- 1* r,"0 4 ö,e Wahrheit durch den eisernen Borhang u»d repräsentiert der Welt immer schauerlicher das £um den 80. Juni. Jahrhunderte muh man'n der Geschichte zuxllckblättern, um sich etwas ähnliches ins Gedächtnis zuriickzurusen. Di«versprochene Totenliste kommt nicht. Sie wird nie komme». Sobald amtlich Namen genannt werden, kann man an jedem Ort, wo befehlsgemäß gemordet wurde, allzu leicht nachkontrollieren, ob die Liste wahr- heltsgetreu lst. Darum wirb geschwiegen, verheimlicht, geheuchelt Es ist ja alles.rechtens" geworben durch«abincttsbeschluß. Die blutigen Hände sind gereinigt. Man geht in Urlaub. Nur das Gewissen der Welt geht nicht in Urlaub. Und die Verachtung und das Mißtrauen der Welt gegen ein Land, dessen Beherrscher gemäß der Staatsräson nach ihrem Belieben morden dürfen. Noch nicht genannte Namen Eine unvollständige Liste Zweifelsfreie Opfer des 30. Juni, deren Tob entweder offiziell zugegeben wurde oder aber auf Grund privater In- formatiönen einwandfrei festgestellt ist, sind, nach Schweizer Blättern, folgende Personen: 1. Stabschef Ernst Röhm? 2. General Kurt v. Schleicher? 3. Frau v. Schleicher? 4. Obergruppenführer Karl Ernst? 5. Obergruppenführer Edmund Heines? 6. Obergruppenführer Hans Peter v. Heydebreck? 7. Obergruppenführer Hans Heun? 8. Obergruppenführer Wilhelm Schmid? 9. Gruppenführer August S ch n e i d h u b e r? 10. Standartenführer Graf Spreti? IL Oberregierungsrat v. B o s e, der Sekretär v. Papens? 12. Rechtsanwalt Dr. Edgar Jung? 13. Oberst v. Bredow? IL der frühere bayerische Generalstaatskommissar Gustav v. K a h r? 15. Georg v. D e t t e n, SA.-Führer und politischer Berater Röhms? 16. v. B e u l w i tz, der Pressechef der Berliner SA.? 17. Ministerialdirektor Heinrich Klausener? 18. der frühere nationalsozial. Führer Gregor Straße?? 19. Willi Schmidt, der Musikkritiker der„Münchener Neuesten Nachrichten"? 20. Der Münchener Rechtsanwalt Alexander Glase??. 21. der Münchener Restaurateur Karl Z e h n t n e r? 22. Dr. Beck in München? 23. Standartenführer U h l?" r- 21 Dr. Fritz© e r Ii ch, der frühere Chefredakteur der „Münchner Neuesten Nachrichten"? 25. Standartenführer S ch m i d t, der Adjutant von Heines? 26. ein sächsischer SA.-Führer namens Martin? 27. bis 30. vier SA.-Männer, deren Namen nicht bekannt sind? LI. Kirschbaum, der Adjutant des Gruppenführers Ernst? 82. Major Sander, ein Mitarbeiter Ernsts? 33. v. Mohrenschild, ein Mitarbeiter Ernsts? 34. Rechtsanwalt Dr. V o ß? 35. Oberführer H o f f m a n n? 86. Dr. Billion, ein Arzt in der Gruppe Ernsts? 37. v. K r a u ß e?, der Stellvertreter Röhms? 38. S ch r a ck m tt l l e r, der Polizeipräsident von Magde- bürg? 89. Gehrt, ein Adjutant des Obergruppenführers Ernst? 40. Oberführer Engel? 41. Oberführer Kunz e? 42. Standartenführer Merket? 43. Oberführer Koch? 44. SA.-Führer v. Falken Hausen? 45. SA.-Führer Thomas? 46. Leutnant Richard Scheringer; 47. Standartenführer Dumoulin- Eckhart? 48. Sturmbannführer L ö n n i ck e r? 49. Sturmbannführer K r a u s e? 50. der Dresdner SA.-Führer Schroeder? 51. K e s s e l, der Verbindungsmann zwischen der TA. und der Geheimen Staatspolizei? 52. der SA.-Führer Bergmann? 53. und 54. zwei SA.-Führer unbekannten Namen?, die von Hitler in seiner Reichstagsrede genannt wurden? 55. M a x, der Chauffeur Röhms. Als 56. mit Namen bekanntes Opfer des 30. Juni ist die Frau des Gruppenführers Ernst zu nennen, die aus Ber- zweiflung Selbstmord beging. vi« bäuerische Mordliste Feststellungen der„Neuen Zürcher Zeitung" Während an der Tatsache der Erschießung des ehemaligen Generalstaatskommissars Gustav v. K a h r kaum mehr zu zweifeln ist, figurieren einige politische Persönlichkeiten Bayerns, deren Erschießung aus München gemeldet wurde, nicht mehr aus der letzten, von der„United Preß" verös'ent- lichten Liste der Opfer des 30. Juni. Es scheint, daß einige von den Persönlichkeiten, die an der Niederschlagung des Hitlerputsches vom 9. November 1923 in München beteilig waren, si* der Rache der Nationalsozialisten für ihre da- malige Rolle zu entziehen vermochten und dem Schicksal v. Kahrs entgangen sind. So soll sich angeblich General v. L o s s o w, der im Jahre 1923 Kommandeur der 7. lbane- rischen» Division der Reichswehr war, rechtzeitig in Sicher- heit gebracht haben, und der Wiener„Reichspost" wird nun aus Berlin geschrieben, daß er sich ebenso wie der Polizei- oberst v. S e i ß e r. Kommandeur der bayerischen Landes- polizei im Jahre 1923. und der ehemalige bayer-sche Junen- minister Stütze l in England befinde. In derselben!' 17 Adlige...*„ Kopenhagen, 19. Juli, Die dänische Zeitung„Politiken" veronentlicht eine inoffizielle Liste mit den Namen von 57 Opfern des 30. Juni und 1. Juli, unter denen sich 1 7 Mitglieder des deutschen Adels befinden. Außer den bereits bekannten Namen wirb noch v. Woyrsch, SS.- Osfizier in Breslau, genannt. Düsterberg war in Dachau— wieder frei? Berlin, 20. Juli. Oberst Düsterberg, der frühere zweite Bundesführer des„Stahlhelms", der im Frühjahr 1933 durch nationalsozialistischen Druck von seinem Posten weichen wußte, wurde am 30. Juni in Bayern, wo er seine Ferien verbachte, festgenommen und ins K o n z e n t xa t i o n s- lager Dachau gebracht. Er machte dort eine etwas mehr als zweiwöchige Haftzeit durch. Seit den letzten Tagen befindet sich Düsterberg wieder auf freiem Fuß. Wie sie Strasser zertrampelten In eine Falle gelockt— Im Walde verscharrt Dr. Otto S t r a ß e r, der Herausgeber der„Deutschen Revolution", erzählt in der soeben erschienenen Rummer seiner Zeitung grauenhafte Einzelheiten über die Er- dung seines Bruders Gregor. Wir dürfen sie unser» Lesern nicht vorenthalten: wegen der Persönlichkeit des Toten und der Charakteristik der Meuchelmörder von der SS., die mit der Gestapo zusammen arbeiteten: „Am«amstag, 30. Juni 1934, gegen 1.30 mittags drangen in die Privatwohnung Gregor Ttraßers fünf Beamte der Geheimen Staatspolizei Görings ein und verlangten Gregor Straßer zu sprechen. Gregor Straßer saß mit seiner Familie am MittagStisch und beabsichtigte dann in die Fabrik zu geben, wo für 3 Uhr von ihm eine Feier für die Arbeiter und Angestellten arran- giert war. Tie in Zivil auftretenden Gestapobeamten baten Gregor Straßer ins Nebenzimmer und erklärten ihm dort, er müsse sofort mit in das Büro kommen, da sie dort eine Haus- s u ch u n g vornehmen müßten. Erstaunt frug Gregor Straßer nach dem Grund, worauf ihm gesagt wurde, man müsse sein Büro(!) untersuchen wegen des Verdachts hochverräterischer Bestrebungen. Gregor Straßer begab sich darauf wieder ins Eßzimmer, beruhigte seine Familie und erklärte, schnell mit den Beam- ten ins Büro(Schering-Kahlraum) fahren zu müssen, um bei der doriigen Haussuchung persönlich anwesend zu sein. Tie Beamten fuhren mit Gregor Straßer zunächst auch in das Büro— ließen dann aber plötzlich die Maske der ge- planten Haussuchung fallen und übergaben Gregor Straßer einem vor dem Büro wartenden SS.-Kommando. Das SS.-Kommando fuhr mit dem sofort gefesselten Gre- gor Straßer in rasender Fahrt in den Grunewald, während die Gestapobeamten sich seelenruhig auf den Heimweg mach- ten und die aufgeregten Fragen der besorgten Augenzeugen mit einem vielsagenden Achselzucken beantworteten. Im Grunewald trieb die entmenschte Göriug-Horbe Gre- gor Straßer zunächst tief in den Wald— schlug ihn dann nieder«nd trampelte ihn unter sinnlosem Wutgeheul l'augsam zu Tode. Gegen 3.30 Uhr kamen 3 Mann dieser vertierten Schergen Görings wieder in die Privatwohnung, wo die ganze Fa- milie in größter Sorge saß. Aus die angstvolle Frage von Frau Straßer, wo denn ihr Mann sei, antwortete einer der Hunde: „Das weeß kern Mensch De« kennt niemand mehr," nahm plötzlich ein Buch aus dem Bücherschrank und frug, „wieso das viele Geld dorthin käme". In Wirklichkeit hatte der Komplize Görings das dem er- mordeten Gregor Straßer abgenommene Geld schnell in daS Buch geschoben(da gerade Gehaltstermin war, halte Gregor Straßer den Betrag noch in der Brieftasche gehabt!) und sich aus diese Art von dem Mordgut getrennt. Ein Auslandsdeutscher stellt uns folgenden Brief zur Verfügung:^ Zürich, den 17. Juli 1S34. Sr. Eminenz,> Herrn Erzbischoi Dr. Gröber, ^ Freiburg i. B. Ew. Eminenz! Die politische Entwicklnng in Deutschland namentlich seit den Tagen um den 39. Juni 1934 hat einen Weg genommen, der Ihr noch immer andauerndes Schweigen der katholische» «nd auch der übrigen Welt unverständlich erscheinen läßt. Warum schweigen Sie, Herr Erzbischos? Als der Nationalsozialismus noch schwach war und in Opposition stand, haben Sie sprechen und diesen verurteilen können. Einen Priester Ihrer Diözese haben Sie damals sogar deshalb disziplinär bestrast, weil er Nationalsozialist war. Nachdem alsdann der Nationalsozialismus zur Herrschast gekommen war, haben Sie sich umgestellt und in Ihrer unglücklichen Rede iu der Festhalle zu Karlsruhe anläßlich des Christkönigfestcs des letzten Jahres Ihre Umstellung in einer Form zum Ausdruck gebracht, die die Annahme hätte rechtfertigen kön- nen, als wären Sie selbst als reuiger Sünder zum National- sozialismns umgeschwenkt. Die Welt hat Ihre damalige Um- stellung nicht verstehen können. Nachdem nunmehr aber durch die Ermordung zahlreicher Söhne unserer heiligen katho- lischen Kirche und anderer ausrechter, nachgewiesenermaßen unschuldiger Menschen aus Befehl des Reichskanzlers, die Hand dieses obersten Vertreters der nationalsozialistischen Weltanschauung, mit unschuldigem Blut befleckt worden ist, erwartet die Welt von Ihnen, daß Sie sprechen. Eminenz! Wie oft haben Sie in der vergangene» Zeit persönlich ver- kündet und durch Ihre Priester verkünden lassen, daß das Leben der Ungeborenen heilig sei. Ist Ihnen das Leben der besten Ihre Söhne, des Dr. Klausen er, nicht eben so heilig? Die katholische Welt hat Anspruch daraus, Sic als Oberhirte endlich sprechen ,u hören, nachdem Tie auch früher über die nationalsozialistische Weltanschauung haben sprechen können. Wenn es Ihnen noch nicht bekannt sein sollte, so er- landen Sie es mir als katholischem Auslandsdeutschen und ergebenem Sohne unserer heiligen katholischen Kirche es Ihnen zu sagen: Die Welt erträgt es nicht mehr länger, daß die nationalsozialistisch« Weltanschauung in Deutschland und in Oesterreich von derselben katholischen Kirche um des Ge- wissens willen eine gerade entgegengesetzte Behandlung er« fahrt. Entweder ist diese Weltanschauung nicht zu verein» baren mit katholischen Grundsätzen, dann find Sie als Erz« bischos streng verpflichte«, zu sprechen, oder aber, die genannte Weltanschauung oerstößt nicht gegen unseren Glauben, dann dürfen die Bischöfe Oesterreichs diese Weltanschauung nicht bekämpfen. Herr Erzbischos, spreche» Sie endlich. Ew. Eminenz ergebcnst„ . Ein Auslandsdentscher. In höchstem Entsetzen versuchte die Unglück- liche Frau, begleitet von ihrem Bruder, zu Hitler, zu Frick, zu Göring, zu Dalüge vor- zubringen—. Dieselben Leute, die hunderte Male an ihrem Tisch gc« sessen hatten(Hitler ist der Taufpate d c i Zwil- lingssöhne Gregor Straßers), ließen sich jetzt in der feigste» Weise verleugne«—. wobei die Kreatur Görings, Dalüge, der unglücklichen Frau noch sagen ließ,„sie möge gefälligst ihr Maul halten, so n st würde es ihr genau so ergehen". Tagelang hörten die Hinterbliebenen nichts. Erst als Freunde Gregor StraßerS systematisch die Stätte seiner Ab- schlachtung absuchten, um die Leiche zu bergen(und möglichst zu fotografieren», ließen Göring und Dalüge den völlig un- kenntlichen Leichnam des Ermordeten in der Rächt ausgraben, eiligst verbrennen und«Sergaben am 7. Juli— genau 8 Tage nach dem Mord— der Fa- milie eine Urne mit dem Bemerken, das sei Gregor Straßer. * Otto Straßer schließt diesen Bericht mit folgenden Sätzen: «o weit der Bericht! Und nun fordern wir Herrn Dt, Goebbels, Herrn Minister Göring, Herrn Reichskanzlei: Hitler auf, gegen uns zu klagen, wenn wir sie heute und immerdar vor dem deutschen Volk und der Weltöffentlichkeit des bewußten, überlegten, planmäßigen Mordes an Gregor Straßer bezichtigen, den Herr Göring in hunbsföttiger Weise in einen Hin- tcrhalt lockte und dort einer vorbereiteten Mordkolonne des Herrn Himmler übergab, des gleichen Herrn Himmler» der seine Karriere nur dem Umstand verdankt, daß er jähre- lang Privatsekretär Gregor Straßers war, sich als engster Vertrauter, aufrichtigster Freund und unerschütterlicher An- Hänger des sozialistischen Flügels aufspielte, was er durch Tuz-Freuuöschaft mit Gregor und Otto Straßer besiegelte! An die Weltöffentlichkeit aber richten wir die Aufforderung, diese bestialische Tat Hitlers mit der Reichs- tagS-R e d e Hitlers in Vergleich zu setzen, um dann ein für allemal zu wissen, daß die Friedensworte Hitlers Lüge sind, sein wahres Tun aber Mord und Krieg! 2000 SA. in Dachau London, 29. Juli. Die„Times" berichtet, daß sich etwa 299 9 S?l.- Leute> m Konzentrationslager Dachau befinden. Die Baracke« reiche« nicht mehr aus. so daß Zelte ausgeschlagen werden mußte«, um die Gesan- gevcn unterzubringen. Die sogenannte„Sänberongsaktion" geht weiter. Viele SA.-Leute werde» aus der braunen Ar- mce ausgeschlossen. Zum Teil mit der Begründung, daß iu den vergangenen Monate« weit über 199 990 SA.-Miin»«C illegal eingestellt worde» sind. liiflcr an Manscners Witwe Ein Christ, wie er im Buche steht Wien. 20. Juli.(giß. Ber.) Der hiesigen„Reichspost' wird aus Berlin geschriben: lieber den Tod des Ministe- ria ldi r e kto rs K la use ner, der führenden Persön- Uchkeit in der Katholischen Aktion Berlins, machte ein hoher Ministerialbeamter, der Bescheid wissen kann, folgende Mit- teilung: Frühmorgens wurde Klausener in seiner Wohnung von einer undeutlich sprechenden Person angerufen, er ant- wortrete, er müsse erst zu seinem Büro und seine dienstlichen Arbeiten erlebigen, der Sprecher möge ihn mittags wieder anrufen. Im Laufe des Vormittags, als er mit einem Manne dienstlich verhandelte, kamen zwei SS-Männer, die ihn sehr dringend zu sprechen verlangten. Klausener ba! sie zu warten, bis er mit dem Manne fertig sei. Die SS.» -eute erklärten jedoch, ihre Sache sei so dringlich, der Mann wöge eben ins Vorzimmer gehen, sie beanspruchen nur aanz kurze Zeit. Der Besucher ging. Als er nicht wieder hereingerufen wurde, kam ihm die Sache sonderbar vor? als er das Ministerium verlieb, kam ein Beamter herbei- Sestllrzt und sagte schreckensbleich, er habe Klausener mit einem Schnß in den Hinterkopf auf dem Boden liegen gesehen. Der Besucher benachrichtigte Wort den Psarrgeistlichen, der Frau Klausener Mitteilung wachte. Am folgenden Tage rief der Minister Elz v. R ü b e- Vach die Witwe mündlich an:„Ich habe Ihnen mitzu- teilen, daß Ihr Mann, weil er an einer Verschwörung Oegen den Staat beteiligt ist, in Hast genommen wurde, er hat darauf S e l b st in o r d verübt.' Frau Klausener sei dar- aus zu Hitler gefahren und merkwürdigerweise auch vor- Nelassen ivorden. Sie habe ihm in eindringlichen Worten aas Unrecht vorgehalten. Hitler sei in Wut geraten und habe u. a. gesagt, bei ihr vergesse er. daß sie eine Dame sei. schließlich habe er ihr gesagt, wenn, sie noch etwas gegen die Erschießung ihres Mannes sage, werde er ihr auch die Pen- sion vollständig entziehen. Soweit der Bericht des Ministerialbcamten. Wir, seine Zuhörer, hatten den Eindruck, daß er die Wahrheit sage._ Probst in eine rolle gelocht Berlin, 20. Juli. lJnpreß.» Die deutschen Behörden haben behauptet, daß Prob st, einer ber Führer ber katholischen Jugend, bei einem Fluchtversuch erschossen worden sei. Wir erfahren, daß Probst am Freitag, dem 29. Juni, aufgefordert wurde, an den Besprechungen über die Auslegung des Kon- rorbats teilzunehmen. Zwei Wochen später wurde seine Frau von ber Erschießung„aul ber Flucht' verständigt? eS wurde ihr weiter mitgeteilt, daß die Asche ihr durch die Post zu, bestellt werde. Frau Probst, Mutter eines Kindes von 8 Wochen, erhielt tatsächlich eine Urne, die eine Metallplakette trägt, aus der der Vorname von Probst, das Datum seiner Geburt und das seines TodeS vermerkt ist. So« und mehr Dr. Otto Straßer veröffentlicht in der„Dentsch-n Revolution"»och folgenden ersten Nachtrag zur Mordliste: Oberführer Sander, Berlin? Brigadestthrer Fiedler, Berlin feiner der alten Mitkämp» ki Horst Wessels»? Gaupressewart Martin, Dresden? Adjutant Ernst von Mohrenschild, Berlin? Standartenführer Billain. Köpenick? Adjutant Schröter, Dressen? Jngendsührer Adalbert Propst, Führer der katholischen »Deutschen Jngendkrast'? Stahlhelmsiihrer P. Ttadtler, Berlin? Studentensllhrer P. Morsbach, Berlin, Leiter des Akade- wischen Austausch-Amtes. * Da mit jeder Post nene Mitteilungen aus allen Städten «inlausen, sehr häusig allerding» ohne Namensnennung, ist «s sicher, daß selbstdievonnnsgemeldete Toten, dahl von 5 0 0 noch nicht den vollen Umfang der Hitlerfchen Mordliste wiedergibt. Der deutsche Reichskanzler, der in seiner Berteidigungs» rede die Zahl mit 77 angab» hat also bewußt gelogen. Qesterreltiilstfie Nazis ermorde! Nach Wiener Berichten befinden sich auch österreichische ^Nationalsozialisten unter den Opfern, die nach Teuischland Geflüchtet ivarcn. Nachdem bereits der Nationalsozialist ^aindl als tot gemeldet wurde, ist beim„Tiroler Anzei- 0er« ein Brief aus Berlin eingetrosscn. wonach der aus Innsbruck stammende ehemalige Scklossergehilse Wöpses er, der nach seiner Flucht in Berlin bei der SA. diente, .Anfang Juni verschwunden und nach Meinung seiner vrcunde erschossen worden. Wolter roersfer Einer der Ermordeten von Hirschberg In 6er„E. V.'-Zeiiung(dem Blatte des Zentralvereins Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Nr. 28. 12. 7.) ^ndcn mir folgende Todesanzeige: Mein geliebter Mann, unser geliebter Vater, mein einziges, gutes Kind, mein treuer Schwiegersohn, unser lieber Schwager Walter Foersler tt Im 38. Lebensjahr von uns ge- Zogen. Oe Beisetzung ist in aller tili c in Breslau erfolgt. Hirse berg, Breslau, Gleiwitz, den 4. Juli 1954. z. Zt. Breslau, Eichenderffstr. 65 Ritte f BS' ster. asb. Colin Rechtsanwalt Makter Foerster wurde am 1. Juli mit drei "dern seiner Glaubensgenossen ermordet. Man verhaftete h«. erschoß ihn aus offener Landstraße und ließ die 'eiche liegen. Die Mörder rasten im Auto davon. Von incm Verfahren gegen sie hat man nichts gehört. Es wird l'e erfolgen, denn bekanntlich wurden alle Morde des 80. luni und des 1. Juli von Hitlers Reichskabinett sür rechtens' erklärt. Damit sollen zugleich alle Ansprüche er Angehörigen ausgeschlosien werben. Frau Foerster ist jetzt in Breslau in einem Sanatorium, ^'eviele gebrochene Frauen gehören zu den Opfern der Mutigen Tage?. Liebling des Volks zu sein— Heil Hitler dir! Frau Ernst ermordet?_ Wien, 20. Juli. lJnpreß.) Die„ReichSpost' meldet, baß die Frau des ermordeten Gruppenführers Ernst entgegen den Gerüchten nicht Selbstmord verübt hat, sondern, ebenso wie ihr Mann, verhaftet und erschossen worden ist. Nene Verhaftungen Vier Mitarbeiter Rosenbergs München, 20. Juli. lJnpreß.» Dos Münchcner Büro des von Alsred Rosenberg geleiteten Außenpolitischen Amtes der NSDAP, ist am 80. Juni geschlossen und bis heute noch nicht wieder eröffnet worden. Nur eine Stenotypistin hat die Gestapo in dem Büro gelassen, während sie drei B e- omte verhaftete. Unter den Verhafteten befindet sich der Spezialist für Pressefragen. Berlin, 20. Juli. lJnpreß.» Professor Mayer, ein Mit- arbeiter von Alfred Rosenbcrg, wird seit mehreren Tagen vermißt. Verschwunden ist gleichfalls ein anderer einfluß- reicher Nazi namens Dr. Schubert Und sie schwelgen Um die Todgeweihten in den Konzentrationslagern In der Basler„National-Zeitung' widmet Dr. Her- mann Lepel den drei ermordeten Schriftstellern Dr. Edgar Jung, Dr. Werner Schotte und Dr. Willy Schmidt einen längeren Artikel, den wir in den„Deutschen Stimmen" veröffentlichen werden. Die letzten Sätze des Aussatzes lauten: „In den Gefangenen- und Konzentrationslagern des „dritten Reiches" befinden sich seit März 1933 u. a. noch folgende deutsche Schriftsteller: Ludwig Renn, Karl von Ossietzky, Carlo Mierendorf, Armin T. Wege- . n e r, Kurt Hilter, Fritz Gerlich. Da die deutschen Schriftsteller schweigen, wird es hohe Zeit, daß die nicht unter Terror gestellten Schriftsteller der Welt auf Mittel sinnen, ihre auss höchste bedrohten Berufs- kameraben zu retten, solange ste noch zu retten sind." Das angesehene Basler Blatt fügt hinzu:„Gibt es wirk- lich keine Instanz mehr in der Welt, die die noch in Haft befindlichen deutschen Schriststeller von dem sicheren Tode rettet?" „Die unser heiliges Zeichen.. Heines— zehn Tage vor seinem Tode Der nationalsozialistischen„Schlesischen Tageszeitung" vom 23. Juni 1931 entnehmen wir folgende Schilderung der Sonncnwendfeier der Breslauer SA.: Weit über 30 000 Menschen hatten sich um den Leerbeutler Berg herum eingefunden, um die Sonnenwendseier der Vrcslauer SA. mitzuerleben. Tief ersaßt von dieser weihe- vollen Stunde erlebten sie zutiefst den Sinn dieser Nacht: Die Finsternis muß enden, eS stirbt die böse Saat, Es muß die Not sich wenden, im Ansang war die Tat! Nachdem Brigadesllhrer Heerde die angetretenen Forma- tionen der SA.-Brigade 20 sowie des Marine-Sturmbanncs und des TA.-Hilsswerklagers. insgesamt 15 200 Mann ge- meldet hatte, und das Feldzeichen der Standarte 11 und die Sturmfahnen von Fackelträgern begleitet aus dem^eer- beuteler Berg Aufstellung genommen hatten, sprach Obergruppenführer Heines: Die„nannersehfe" Kehl, 20. Juli. Bor einigen Tagen wurde von der Staats- anwaltschait der Bürgermeister Dr. Held, ein früherer Rechtsanwalt und„alter Kämpfer' der NSDAP., der nach dem 5. März 1933 zum Bürgermeister avancierte, ver- haftet. Bei Zeugeneinvernahmen stellte sich heraus, daß sich Dr. Held nach berühmtem Vorbild gegen den§ 175 des Strafgesetzbuches vergangen hat. Er unterhielt mit meö- reren jungen Leuten ans der SA. die bekannten röhmschen Liebesbezichungen. Ob die anderen Gerüchte, die im Zu- sammenhang mit der Verhaftung Dr. Heids in Kehl kolpor- tiert werden und die von Verfehlungen aus finanziellem Gebiet wissen wollen, der Wahrheit entsprechen, entzieht sich unserer Kenntnis. Mit Dr. Held ist eine besonders bekannte nationalsozialistische Persönlichkeit, einer der eifrigsten Kämpfer gegen das„korrupte« Weimarer System, in die Hände des Staatsanwalts gefallen. Der Mann hat wenig- stens insofern noch Glück gehabt, als er nicht gerade am 30. Juni erwischt wurde Dann hätte er zweifellos zur„Ver- schwörung« Röhm gehört und wäre sofort erschossen worden. Der Staatsanwalt wird vermutlich etwas gnädiger mit ihm perfahrcv...... „Wir feiern die Sonnenwende nicht nur träumerisch uüd romantisch wie in unserer Jugend. Wir sind in den Jahren des Kampfes hart geworden. Wir SA.-Männer scharen uns in diesen Stunden um unsere großen Wachtfeuer, weil e» notwendiger denn je ist. Wache zu halten, damit nicht Schieber und Gauner den Strom des nationalsozialistischen Willens in ein anderes Fahrwasser lenken. Eure harten klaren Augen sind Bekenntnis eures revolutionären Willen?. Ich gebe euch heute ein neues Lied, das unser v:- kenntniS offenbaren soll. Wir find noch nicht z« Ende. Roch ist der Kamps nicht ans, Zu Fäusten ballt die Hände, Wir gehn noch nicht nach HauS, Die erste Schlacht gewonnen, Dies war der Ansang nur, Kämpft weiter, Sturmkolonne«, Für Hitler-Diktatur. Solange noch ein Jude Bon seinen Zinsen lebt. Solange noch ein Bonze An seinem Sessel klebt, Marschieren wir noch immer Im Glauben stark und sest, 109 tote Brüder Die find noch nicht gerächt. Gedenkt der toten Männer» Di« man zu Grabe trug. Fürs Hakenkreuz stürmt weiter Für das man sie erschlug, Es hat dann ihre Leiden, Die Reaktion bespien. Die unser heiliges Zeichen Sich heute feig entliehen. Dieses Lied soll unser hartes fanatisches Bekenntnis sei«. Euer Brigadeführer Heerde hat ein bedeutsame» Wort ge- sprochen, als er sagte: Noch stehe« die in unsere» Stürme«, hie die gemordete» SA.-Kamerade« zu Grabe getragen habe«. Diese alten Gardisten sind Garant der national- sozialistischen Revolution. Die Wachtfeuer der TA. leuchten zum Zeichen unser Bereitschaft, die Revolution zu vollenden. Dafür marschieren wir weiter, ganz dieser einen Aufgabe, unserem Führer und unserem Vaterland verschworen. In guten und schlechten Tagen kämpft die SA. Wir wissen, so- lange der SA.-Mann marschiert, wird das deutsche Volk alle», was ihm da? Schicksal auch hrinscn mag. überwinde». »Deutsche Freiheit" Nr. 167 Das bume Blatt Sonntag-Montag. 22. 28. Juli 1984 ] Verrückt nach ihm... Clark Gable hat auf einer Tournee durch Amerika die seltsamsten Feststellungen in Bezug auf seine Verehrerinnen machen müssen— was soll man daraus schließen?— Sind die Frauen verrückt nach ihm?— Oder sind sie überhaupt verrückt?— Ur- teilen wir selbst! Neuyork, im Juli. Niemals seit Valentino erfreute sich ein Schauspieler bei dem weiblichen Publikum einer derartigen Begeisterung, einer derartigen Verehrung, wie Clark Gable. Er hat vor einiger Zeit in den Vereinigten Staaten eine Reise unternommen, um in den Kinos, wo seine Filme liefen, persönlich aufzutreten. Aber wenn sein Vertrag mit der Metro-Goldwyn-Mayer nur zweimaliges Auftreten am Tage vorsah, so verlangte das Publikum von seinem Idol, daß es ihm seine Tage und sogar seine Nachte opfere. Die alten Christen hatte man den Löwen hingeworfen. Clark wurde den Frauen ausgeliefert, und das ist weit gefahr- licher.... Die Frauen sind wie die Ameisen... Sie rutschen überall durch. Was man auch anstellen möge, um sich vor ihnen zu verbergen, sie finden doch immer Mittel und Wege, um da zu sein. So fand Clark Gable überall, Ivo er hintrat, Frauen: in seiner Loge, in seinem Wagen, in seinem Salon, in seinem Schlafzimmer... in seinem Bett... Glücklicherweise war er überall von seiner Frau begleitet, deren Geduld auf manche harte Probe gestellt wurde. Hier folgen einige der bezeich- nenden Details aus dem Reisctagebuch Clark Gables: „Wir machen die Stars... Sie gehören uns", schrie das ungeduldige Publikum, als man ihm sein Idol verweigerte. Und hiervon überzeugt legten sich die Hände zu Hunderten aus den armen Clark. Der Unglückliche büßte aus dem Schlachtfeld? während der Tressen mit seinen Verehrerinnen ein: 27 Seidentüchcr, 23 Knöpfe, die man ihm von seinen Kleidern gerissen hatte, einen Hemdsärmel, einen Rock- kragen, ein Paar Paniofseln, eine Pyjamajacke, eine Arm- banduhr und seine Haarsträhne, die eine besonders kühne Dame ihm von seinem Kopf geschnitten hatte... Und das nennt man„das schwache Geschlecht..." Clark bedauerte nicht die Andenken, die ihm die nicht sehr sanfte Menge geraubt hat, bis auf die Armbanduhr, die ihm seine Frau an ihrem einjährigen Hochzeitstage geschenkt hat, und die für ihn einen besonderen Wert hatte. Er ließ eine Annonce erscheinen, in der er dem Wiederbringer oder der Wicderbringerin eine genaue Kopie der Uhr sowie 50 Dollars versprach, aber die„Diebin aus Liebe" zieht es vor, die Uhr zu behalten, die so lange den Arm Clark Gables geziert hatte und seine Initialen trug. In Baltimore mietete eine junge Frau das Appartement neben dem des Ehepaars Gable. Von dem Augenblick ihres Einzugs begann sie an der Nachbartüre zu klopfen. Die Leib- wache, die Clark nicht unnützerweise engagiert hatte, sagte, daß er nicht da wäre..So erschien sie aber stündlich wieder, sogar in der Nacht und erhielt immer dieselbe Antwort. Am nächsten Morgen, als Gable unklugerweise ausging, entging Der Äutochampion muß ins Gefängnis Kaye Don, der berühmte englische Rennfahrer, war wäh- rend einer Versuchsfahrt auf der Bahn der Insel Man das Opfer eines Unfalls geworden, bei dem sein Mechaniker Francis Taylor ums Leben gekommen war. Er wurde wegen fahrlässiger Tötuqg angeklagt und der Urteilsspruch, er ihr nicht. Es glückte ihr. mit ihm in den Fahrstuhl zu steigen, welche Gelegenheit sie benutzte, um ihm um den Hals zu fallen und trotz seiner Proteste ihn mit den wildesten Küssen zu bedecken. In der Halle angekommen, sühlte sich Clark sehr unsicher, mit dem Lippenrot jener Frau aus seinem Gesicht. Sie strahlte aber und war sehr stolz über ihre Eroberung und drehte in ihrer Hand einen Knops, den sie dem Unglücklichen von seinem Anzug gerissen hatte. In Neuyork erhielt Clark einen Brief, der in seiner Ecke ein reich verziertes Wappen trug. Die Absenderin trug einen in Amerika wohl bekannten Namen. Ohne Scham erklärte sie Clark, daß er ihr Ideal wäre. Sie hatte bemerkt, daß er. der mit Frauen verheiratet war, die älter waren als er, keine Kinder habe, weder aus seiner ersten noch aus seiner zweiten Ehe. Und sie bat ihn ganz einfach und ohne Um- schweife, die Mutter des Kindes sein zu dürfen, daß er doch zweifellos wünsche. Ihre Eltern wüßten um ihren Plan und widersetzten sich nicht. Sie wären reich genug, um dem Kinde eine gesicherte Zukunft zu garantieren. Das erinnert an den Vorschlag, den Jsadora Duncan Annunzio machte: „Ich möchte ein Kind von Ihnen. Es wird Ihre Klugheit und meine Schönheit haben..."„Hüten wir uns davor, Madame", anwortete er.„Ich fürchte, es könnte meine Schön- hcit und Ihre Klugheit haben..." In ihrem Brief an Gable führte das junge Mädchen noch hinzu:„Sie können meinen Brief ruhig Mrs. Gable zeigen. Sie ist eine Frau und sie wird verstehen, daß dieses Kind die Erfüllung meiner höchsten Wünsche darstellt." Clark zeigte in der Tat diesen seltsamen Brief seiner Frau. Aber entgegen der Ansicht der Schreiberin, stand sie diesem Projekt nicht sehr wohlwollend gegenüber. In Baltimore fand Clark in seiner Loge ein junges Mäd- che» von sehr bescheidenem Aussehen, die sich dort einge- schlichen hatte und ihn mit zitternder Stimme um ein Auto- gramm bat. Clark, glücklich so billig davon zu kommen, nahm eins seiner Fotos, um es zu unterzeichnen, als das junge Mädchen ihren Mantel öffnete, sich einen leichten Büstenhalter vom Körper riß, ihn ihm hinhielt und bat: „Nein... Schreiben Sie hier..." Auch dem Zimmermädchen seines Hotels hatte es der Charme seines schönen Gastes angetan. Schon am ersten Tage betrat sie entschlossen Clarks Zimmer, der dort nicht- ahnend schlief, beugte sich über ihn und liebkoste sein Ge- ficht. Als er darüber erwachte, brach sie in Tränen aus und gestand ihm, daß sie ihn schon seit langem liebe, schon zu Zeiten seiner ersten Filme... Durch das Geräusch erwachte Mrs. Gable und fand ihren Gatten, wie er in seinem Bett saß und den Leiden seines Zimmermädchens zuhörte. Glück- licherweise hat Mrs. Gable Verständnis für Humor. Sie versprach dem jstngen Mädchen, nichts der Direktion zu sagen und gab ihr den Rat, das nächste Mal in ihrer Wahl vor- sichtiger zu sein und sich nicht einen Mann auszusuchen, dessen Frau im Nebenzimmer ist. Es ist eben der Filmheld unserer Tage, der alle unerfüllten Wünsche und Träume an sich zieht. Der Filmheld... Ter letzte Gott... Claude Arlen. der aus vier Monake Gefängnis lautete, machte ihn für den Tod seines Mitarbeiters verantwortlich. Er soll einen Rennwagen ohne Hupe bei Einbruch der Dunkelheit über eine Bahn gelenkt haben, die für die Oeffentlichkeit frei- gegeben war. Der Auto-Champion, der nur eine Geldstrafe erwartet hatte, schien auss äußerste betroffen, als er den Spruch der Richter vernahm. Er verließ schnell den Saal in Begleitung seiner Frau. Ob er die vier Monate wirklich jemals absitzen wird. Der Nomiker als Globetrotter Der frühere Cowboy und jetzige Komiker im Film Will Rogers will um die Welt fahren. Es ist einer der Menschen, die überall dort, wo sie sind, Heiterkeit hervorrufen können. Alles an ihm erscheint lächerlich, bis auf die Summen, die er verdient. In der Tat, seine Gagen für Radiovorträge und journalistische Arbeiten grenzen an die Astronomie. Selbst in diesen Tagen der Krise erhält er noch von^ den Rundfunkgesellschaften pro Minute 1000 Dollar. Seine Witze in der Hearstpresie sind die gesuchtesten, wenn man sie auch nicht immer verstehen kann. So schrieb er neulich wäb- rend der großen Hitze:„Die Zeitungen schreiben, es wären 35 Grad im Schatten. Warum muß mau im Schatten bleiben?" Aber wünschen wir ihm mehr Glück zu seiner Weltreise, als das letztem«!. Im Jahre 1931 ist er nur dazu los- gefahren,„um zu sehen, was sie da in der Mandschurei eigentlich machen". Leider hörten die Feindseligkeiten aw Borabend vor seiner Landung auf. Er blieb in einer Stadt, die die Japaner nicht besetzt hatten.„Bleiben sie," riet ma» ihm,„Sie werden noch den nächsten Sturm miterleben." Er glaubte nichts und reiste ab, und zwei Tage später las er, daß die Stadt eingenommen war. Der siowjet-palast aus buntem Marmor Die Maßnahmen der Sowjetregierung scheinen neuer- dings darauf abgestellt zu sein, die Unterschiede zwischen ihrem Staatswesen und dem übrigen Europa so stark wie möglich zu vermischen. In dieser Richtung lag zweifellos der Beschluß, eine Anzahl von Kathedralen neu herrichten zu lasten. Neuerdings hört man auch von Plänen, die ein wachsendes Interesse für staatliche Prachtentsaltung offen- baren. Die Regierung will einen großartigen„Palast der Sowjets" erbauen lassen. Sie hat vor kurzem eine Sonder- kommission nach Zentral-Asien gesandt, um die verschie- denen Marmorarten zu prüien, die zur Errichtung und Ausschmückung des Sowjetpalastes erforderlich sind. M»» hosft, in Orbekistan die mehrfarbigen Marmorsteine J» finden. Ast Elektrizität ein Ausfuhrartikel In Norwegen erörtert man augenblicklich den Plan, nach verschiedenen europäischen Ländern, insbesondere noch Deutschland, ein gewisses Quantum an Elektrizität auszu- führen. Auf den ersten Blick erscheint dieser Gedanke son- derbar. Es ist aber mit Hilfe von Untersee-Kabeln wohl möglich, beträchtliche Mengen elektrischer Energie noch anderen Ländern zu übertragen. Die Kabel sollen in mcb' rere Stränge geteilt werden, die außer Deutschland auch Dänemark und Schweden mit weißem„Oel" versorgen sollen. Wenn das Projekt tatsächlich verwirklicht werde» sollte, eröffnen sich auch für andere Länder mit überschüssiges Wasserkraft sehr bemerkenswerte Aussichten für diese» neuesten Exportartikel! Ärme spanische Malerl In Spanien scheinen die bildenden Künstler noch weniges Bilder zu verkaufen als in anderen Staaten. In letztet Zeit haben in Madrid 06 private Ausstellungen statt- gesunden. 1080 bemalte Leinwände wurden zur Schau ge' stellt, nur 24 davon sind angekauft worden. Wenn man be- denkt, daß dies im Lande eines Goya, Balesguez und Murillo möglich ist, kann man nur traurig den Kopf schüt' teln. Kommt die Malerei vielleicht im Zeitalter der glatte» Wände und der Film-Fotografie überhaupt aus der Mode? Unsere Töchter, die Oswinen Roman von H e r m y n l a Z ur M ü h l e n. 29 Kann man sich so etwas in unserem Jahrhundert vorstellen? Ein Boykott, etwas dermaßen barbarisches, das Existenzen ruiniert und zahllose brave Menschen zur Verzweiflung .treibt! Freilich brauchten wir uns keine Sorgen zu machen, unsere Führer wachen ja über unser Wohl. Ich zitierte Arthur einen Vers eines echt deutschen Dichters, der das wunderbar schön gesagt hat: Deutschland hat ewigen Bestand, Es ist ein kerngesundes Land. Leider war mir der Name des Dichters entfallen: es wird wohl Arndt gewesen sein. Arthur lächelte und meinte: „Du hast ganz recht, aber ich würde diese Verse lieber nicht vor anderen zitieren." Ich fragte nicht weshalb, ich weiß ja. daß mein geliebter Arthur immer recht hat. Ich wußte es schon vor vielen Jahren, als ich gerade ihn erwählte. Damals rieten mir einige Bekannte ab. Sie machten mich daraus aufmerksam, daß er doch durch sein kleines Gebrechen in allem behindert sei. Ich jedoch liebte ihn so sehr, daß ich kaum merkte, wie er beim Gehen ein wenig, ein ganz klein wenig den Fuß nachzog. Und was kann man gegen die Liebe? Ich emp- fand ja nur den einen Wunsch, Arthur glücklich zu machen, ihm eine treue, liebende Gattin zu sein. Und wie selig war ich, als ich ein Kind unter dem Herzen trug, die Krö- nung unserer Liebe, meine kleine Lieselotte, die mir nie einen Kummer bereitet hat, meine schöne Tochter, die seit einer Woche Braut ist, die Braut des jungen Barons Hells- dors, der wahrscheinlich hier Gauleiter werden wird. Es ist eine Freude, das Glück des Brautpaares zu sehen. Liese- lotte und Eberhard dürften Ansang Mai heiraten und fürs erste zu uns ziehen. Wir haben dann ja schon genügend Platz für zwei Familien. Und dieser Gedanke bringt mich zum HauS des Dr. Bär zurück. Ter eigensinnige alte Mann wollte sich»i&t hellen lasiep. ebenso eigensinnig Krankenkasscnpatienten gingen noch immer zu ihm, wenn- gleich SA.-Männer vor dem Haus postiert waren und alle mit großer Höflichkeit daraus aufmerksam machten, daß Doktor Bär Jude sei und Deutsche sich von arischen Aerzten behandeln lassen sollten. Sogar am Tag des Boykotts hatte einer der BootSmänner, ein Kommunist, die Frechheit, zum Doktor Bär zu gehen, um sich bei ihm einen eitrigen Finger behandeln zu lassen. Aber der Kerl kam ebenso schön an. wie der Ausläufer des jüdischen Warenhauses. Daß es ärger ausging, war ja nicht die Schuld der SA.-Männer. Woher hätten die armen Burschen auch wissen können, daß der Bootsmann herzkrank aus dem Kriege zurückgekommen war und nicht einmal ein bißchen Prügel vertrug? Natür- lich erschraken sie fürchterlich, als er auf einmal ganz steif und starr aus der Erde lag und nicht mehr zu Bewußtsein kcun. Sie trugen den Toten in Doktor Bärs Haus zurück und irgendein hergelaufener kommunistischer Provokateur legte einen Zettel auf die Brust des Toten mit der Inschrift: „Herr Doktor Bär! So ergeht es Ihren Patienten!" Dann schellten sie an der Tür und gingen fort. Natürlich mar der Mann an Herzschlag gestorben und wäre höchstwahrscheinlich auch ohne die paar Hiebe aus der Straße zusammengebrochen. Gott hat jedem Leben sein Ziel gesetzt, und für den Bootsmann hatte eben die letzte Stunde geschlagen. Vielleicht hätte er, wenn mein Arthur ihn behandelt hätte, länger gelebt. Denn der Doktor Bär war nun schon an die siebzig, und so ein alter Mann weiß manchmal nicht mehr recht, was er tut. Daß er yicht bei klarem Verstand war, bewies er ja auch noch am gleichen Tag. Als Arthur abends heimkam, sagte er zu mir: „Dein Wunsch ist in Erfüllung gegangen, Martha. Wir können schon nächste Woche in Doktor Bärs Haus einziehen." Ich traute meinen Ohren nicht. „Wirklich?", fragte ich.„Gibt der eigensinnige Alte doch nach?" Und dann befiel mich eine Sorge: „Aber seine Frau? Vielleicht bleibt sie noch länger hier?" KliiLMM „Unbesorgt. Du kannst schon morgen mit dem Packen be- ginnen." „Ja, aber wie, wie ist das so plötzlich gekommen?" Doktor Bär und seine Frau haben sich vor zwei Stunde» erschossen." „Ich habe dir ja immer gesagt, Arthur, die beiden wäre» in der letzten Zeit nicht mehr ganz normal." Und dann überwältigte mich die Freude. „Das schöne Haus. Endlich eine Wohnung, die deiner wür- big ist, Arthur. Wir werden nur etwas mehr Möbel bra»' chen. Einen Salon, ein neues Speisezimmer. Und ein Ar- beitszimmer für dich. Mit Eichenholzmöbeln." Arthur nickte. Dann sagte er: „Es ist nicht notwendig, daß die ganze Stadt von dec» Selbstmord erfährt. Wir wollen das Andenken des alte» Mannes nicht herabsetzen. Schließlich war er mein Kollege- Ich habe die Erklärung abgegeben, daß er beim Reinige» seines Revolvers verunglückt ist. Und daß seine Frau a»s Verzweiflung über seinen Tod Selbstmord begangen h^ Das macht sich besser." Mein guter Arthur! Wenn ich bedenke, was der Jude ihc» Jahre hindurch angetan hat, und nun ist er noch um seine» Ruf besorgt. Aber Arthur war immer so, herzensgut, rück' sichtsvoll, eine Seele von einem Menschen. Lieselotte kan» auf ihren Vater und ich auf meinen Mann stolz sein. Ich sagte es Arthur: in der überströmenden Freude me>' nes Herzens, in der Liebe, die ich für ihn empfand, konnte ich die Worte nicht zurückhalten. Er blickte mich lange a»- Klänge es nicht lächerlich, ich würde sagen, daß etwas oü< Erschrecken über seine Züge huschte. Dann fragte er: „Glaubst du das wirklich?" „Wie kannst du nur so fragen, Liebster? Du weißt doch' daß ich es seit dem ersten Tag unserer Brautzeit gewußt habe." Arthur lachte, obgleich es doch da gar nichts zu lackien gab- „Jch bin froh, baß dein Wunsch in Erfüllung geht, March»- Und bin'froh, daß der Alte verreckt ist." i Ol0tl Katastrophe der reililrohstoife Betriebe arbeiten nnr noch 36 Stunden J 8"»«, den 20. Juli 1934.(Eig. Drahtb.s Der Rcichswirt- lausmiiiister hat heute eine aufsehenerregende Verordnung «riassen: al deutschen Textilindustrie nicht mehr ■®"«tunden gearbeitet werden, verboten wird die Er- chtung neuer Betriebe oder die Erweiterung schon beste- nver Betriebe. Das Reichsivirtfchaftsniinisterium wird im warft'" mit&eu Preisllberwachungsstellen schärfste Uebcr- lyungemabnahmeii treffen. Berfehlungcu können von die- »> ohne Anrufung der ordentlichen Gerichte mit h putsche Ltrasen geahndet werden. Festgesetzt wer- kön^"tingsstrafen bis zu zehntausend Mark. Betriebe "Uen von diesen Stellen sofort geschlossen werden. # Berlin, den 20. Juli 1934. den letzten Tagen mehren sich die alarmierenden Nach- i*""ber die katastrophale Verengung und Einschnürung ^ deutschen Wirtschaftslebens. Ter immer fühlbarer in 'diemung tretende Rohstoffmangel zwingt zu einschneiden- i^. Maßnahmen. Diese wiederum haben schmerzliche Ein- Erwerbsleben zur Folge. So hat das„dritte nr.«' e^' eine neue Faserstofsverordnung erlassen, die den §?•.®ü^enst der Wirtschaftslage zeigt. Dazu meldet das eutichc Nachrichtenbüro folgendes: Devisenlage hat eine Beschränkung der Einsuhr u. a. °ua, von Faierrohstosfen(Textilieni erforderlich gemacht, heraus ergibt sich die Notwendigkeit, die Verarbeitung tn x Btohstotfe nicht, wie bisher, ganz ungeregelt zu lassen, lindern dafür besorgt zu sein, daß nicht mehr verarbeitet als nach Lage der Dinge erforderlich ist. Die vorhan- venen Borräte müssen geschont werden, und es kann nicht ^nger zugelassen werden, daß z T. weit über Bedars Auf- träge erteilt und ausgeführt werden, und einzelne Betriebe verstärkt arbeiten in einiger Zeit aber.womöglich stilliegen müssen, weil ihnen die für solche Arbeil erforderlichen Roh- stosfmengen nicht zugeteilt werden könne». Es ist richtiger, beizeiten gleichmäßig weniger stark zu arbeiten. Der Reichswirtschastsminlster hat daher im Einvernehmen mit dem Reichsarbeitsnttuistcr bestimmt(Faserstofsvcrord- iiungl, daß in Teilen der Fasetstossivittschas, vom 23. Juli 19.34 aft nicht mehr oder nicht mehr erheblich über 33 Stunden gearbeitet werden soll, soweit nicht eilige Aussuhraufträgc oder sonst beiondere Gründe iür stärkere Arbeit vorliegen. Das Ziel der Verordnung ist. Entlassungen möglichst zu vermeiden. Im zweiten Teil der Verordnung ist für die betreffenden und verwandte» Zweige der Faserstofswirtschast ein Verbot ausgesprochen, neue Betriebe zu errichten oder bestehende Betriebe zn erweitern. Im dritten Teil der Verordnung ivird endlich unter Aus- Hebung der Verordnung zur Verhinderung von Preisstei- gerungen auf dem Textilgebiet vom 19. April l9.34, die ihrer Anlage»ach nur für eine vorübergehende Zeit gedacht war. die Frage der Preise in der Faserstofswirtschasl neu geregelt. Das ist in der Weise geschehen, daß grundsätzlich Preiserhö- Hungen verboten sind, eine Anpassung an etwa ste'gende Weltmarktpreise aber gestattet ist und auch unvermeidbare Telbstkostenerhöhungen berücksichtigt«verde» können. Es ivird eine scharfe Ueberwachung stattfinden: sie wird von den Preisüberwachungsstellen und dem Reichswirtschastsnttniste- rium selbst« durchgeführt werden. Dieses braucht sich bei Feststellung von Versehlungen«ttcht stets an die ordentlichen Gerichte zu wenden, sondern kann auch selbst Orduungs« strafen bis 19 099 Reichsmart festsetzen, Betriebe schließen nnd Schuldigen die Eigenschaft aberkennen, Führer eines Betriebes zu sein." Steuerhinterziehung ist f hrensadie „Alte Kämpfer" als Dcfraudanten vor Geridil und mit Glanz und Gloria ire gesprochen 3Me„Pirmasenser Zeitung" vom 17. Juli berichtet unter der Uebcrschrist„Ein n a t i o n a l s o z i a l i st i s ch e s Urteil": Vor dem Schöffengericht in H a m m ivurdc eine Anklage ?Men Fräulein Mar» L e i n h ä u s e r und gegen deren Ge- '.chastsführer Josef Struchhold verhandelt. Den Ange- sagten wurde zur Last gelegt, in den Jahren 1929 bis 1932 steuern hinterzogen z» haben. Das Finanzamt batte gegen die Angeklagten einen Strafbescheid erlassen, äegen den gerichtliche Entscheidung beantragt war. Die Ver- Wandlung hatte besondere Bedeutung, was der dichtbesetzte Zuschauerraum und das von der Verteidigung gestellte Zeugenaufgebot bewies. U. a. waren als Zeugen erschienen „®er Sturmbannführer Standartcnabjntcint Grothe, der?u „weicher Zeit in Vertretung des Standarteniührers Fischbäch erschien, ferner der Sturmbannführer Wnls nnd der Sturm- äannsührer Hehle, überhaupt die alte Garde des Dritten Reiches, die die Kampfzeit miterlebt hatte. Die Angeklagten gaben zu, bewußt und absichtlich bis zum Jahre 1932 Steuern hinterzogen zu haben, und zwar mit der Begründung, daß sie das Geld in doppelten nnd drei« lachen Beträgen der hintcrzogcnen Stenern der national- sozialistischen Bewegung geopfert hätten. ^ie ließen sich u. a. dahin ein, daß sie der Anweisung der politischen Führung, dem zweiten Reich keine Steuern zu Zahlen, gefolgt seien, damit die Bonzenschast des vorigen Regimes schneller durch das Dritte Reich abgelöst würde. Die Zeugen bestätigten, daß das Geschäft Lcinhäuser, deren Inhaberin und der Angeklagte Struchhold in vorbildlichem Maße sür die Bewegung tätig waren und geopfert haben. Andererseits wurde durch die Beweisaufnahme festgestellt, baß die Geschäfte als„Nazi-Lumpen" boykottiert worden waren und daß ein Geschäft auf Grund der Tatsache ein- gegangen ist und der Vater aus Grund des Boykotts und auf Grund seiner nationalsozialistischen Einstellung sein gc- samtes Vermögen verloren hatte. Vor allen Dingen be- stätigtcn das der Sturmbannführer Wulf und der Stan- dartenaöjutant Sturmbannführer Grothe. Die Staatsanivaltfchast und das Finanzamt, das als Nebenkläger vertreten war, wollten das berücksichtigt haben, allerdings nur im Straßmaß. Dcmgegen beantragte Dr. Weber, die Angeklagten freizusprechen. Er führte auS: ./Neben den bisherigen üblichen Rcchtsquellcn, dem ge- schriebenen Gesetz und dein Gewohnheitsrecht gibt es als dritte Rcchtsqucllc das Volksbcwußtsein. Ein Urteil kann, selbst wenn es mit dem Wortlaut eines vielleicht veralteten Gesetzes in Einklang steht, nicht richtig fein, wenn es dem Voltsbewnßtsein widerspricht." Der Verteidiger wies an Hand von Zitaten berufener polt- tischer Führer und Juristensührer, vor allem des Reichs- juristenkommissar Frank, nach, daß auch im deutschen Recht eine Abkehr von dem früheren formalistischen Standpunkt eintreten müne. Er zitierte vor allen Dingen einen Ans- spruch eines Führers in der Düsseldorfer Gautagung der nationalsozialistischen Juristen, wonach der Führer erklärt hatte:„Er'-* Gebot ist deshalb der Schutz und die Erhaltung des Menschen, der durch seinen ehrlichen deutschen Willen und durch seine Urwüchsigkcit und Zähigkeit die Zukunft sei-' stes Volkes sichert. Wer das Glück hat, Recht zu sprechen über seine Volksgenossen, der möge in keiner Stunde seines Le- bens vergessen, daß der Vorzug, im deutschen Staat Recht zu sprechen, auch verpslichtet, für alle Zeiten kämpferische» deutsches Blut zu erhalten." Dr. Weber führte weiter aus, daß eS ein Unding sei, wenn der, der unter Aufopferung seiner eiaencn Existenz, um das Dritte Reich zu schaffen, vom Richter des„dritten Reiches" verurteilt werden könne. Er wies weiter^'-aus hin, daß auch schon in anderen Fälle» ein übcrgesetzliches, ungeschriebenes Recht von maßgebenden Ver- tcidtgern, z. B. Professor Grimm lEsscns, vertreten worden sei, so bei den Fememorden und bei den Oberschlesien- kämpfen. Dir Ausführungen des Verteidigers lösten im dicht- beseiten Zuhörerraum verschiedentlich Beifall aus. Nach längerer Beratung verkündete unter atemloser Span- nung das Gericht folgendes Urteil: Tie Angeklagten werden freigesprochen, die Kosten des Verfahrens werden der Staatskasse auserlegt. Der Vorsitzende des Schöffengerichts, ein alter National- sozialtst, führte dazu in seiner Begründung ans: Die Ange- klagten hätten zugegeben, sich der Steuerhinterziehung nach dem Gesetz schuldig gemacht zu haben. Es sei aber den Aus- führungen der Verteidigung zu folgen, daß neben dem gc- schriebenen Recht noch ein übergcsetzliches Recht bestände. Die Angeklagten hätten Spcndenscheinc im Sinne des Arbeits- spendengesetzes gezeichnet. Nach dem Gesetzeswortlant träte allerdings erst nur dann eine Straflosigkeit ein, wenn die Spenden die Hälfte des hinterzogenen Betrages darstellten. Das sei hier nicht der Fall, da Spendenscheine an das Finanz- amt in geringerer Höhe gezeichnet seien. Aber, so führte der Richter aus, das Gesetz sei nach dem Willen der heutigen nationalsozialistischen Gesetzgeber auszulegen. Die Angeklagten hätten bei weitem mehr Spenden für die nationalsozialistische Bewegung geopfert, als Steuern hinterzogen sind. Der Sinn des Arbeitsspenbengesctzcs sei der, daß dadurch die nationalsozialistische Regierung in ihrem Bestreben, die Volksgenossen in Brot und Arbeit zu bringen, gefördert «verde. Das sei aber auch das, was die Angeklagte» gewollt hätten. Sie hätten mit ihren Spenden nnd ihrer Unter- sttttzung der Bcivegung das„dritte Reich", das sich die Arbeitsbeschaffung zum Ziel gesetzt hätte, mit ausgerichtet, und demgemäß seien die Spenden im Sinne des Arbeitsspenden- gesetzcs aufzurechnen. Der Richter führte aus, daß diese Spenden viel höher wären als die Spenden des Geschäfts- inannes, der aus Furcht vor Strafe heute herging, an das Finanzamt Spcndenscheinc zu zeichnen. Aus diese» Gründen seien die Angeklagten, die man als Vorkämpfer des„dritten Reichs" bezeichnen könnte, freizusprechen. Wenn auch diese Auffassung sich nicht mit dem Wortlaut des Gesetzes decke, so entspräche sie sicherlich dem Sinne des Gesetzes und der nationalsozialistischen Gesetzgeber. Das Urteil wurde von den Anivcsendcn mit allgemeiner Befriedigung ausgenommen. leqs Villenllonpkqiiariier „Deutsche Arbeitsfront"— ganz feudal Aus Berlin wird berichtet, daß der Führer der„Deutschen Arbeitsfront" sür die Kleinigkeit von 1 ,5 Millionen Mark die lururiöse Berliner Villa des rheinischen Industriellen Otto Wolss, ein Haus größten Pompes und eine Sehens- Würdigkeit architektonischer Feinschmecker, er,vorben hat, um hier das Hauptquartier der„Deutschen Ar» b e i t s s r o n t" auszuschlagen. Das gleldigesdiledillidie Vorbild „Völkische Gesinnung Kindersegen. Unser deutsches Volk hat viel uingelcrnt in den letzten anderthalb Jahren, und «vir können uns freuen über die Ausweitung und die Festigung der neuen Gesinnung. Nur aus einem Gebtete sind iveite Kreise leider noch sehr zurück, das ist die Einstellung zum Kindersegen... dem erbgesunden Kinderreichtum...; nur tüchtiger Kindersegen, opferfreudiges Elterntum sichern unser Volkstuin sür die Zukunft." (Ans der Hitler-Presse.) Adolfs Kinder-Reichtum läßt ebenfalls schön grüßen! MM jitr Die ,M$( Meli"! Straßburger Wodiensdiau Straßburg, 20. Juli 1934. Kundgebung für Thälmann und alle politischen Gefangenen im größten Straßhurger Saal, dem Sängerhaue, veranstaltete das Komite zur Befreiung Erii6t Thälinanns und ■Her antifaschistischen Gefangenen in Deutschland und Oesterreich eine außerordentlich stark besuchte Kundgebung. Im mit roten Fahnen reich dekorierten Saal fielen rwei Bilder auf, das eine von Thälmann, das andere v°n dem ermordeten österreichischen Sozialdemokraten ^ a 1 1 i s c h. Rund zweitausend Demonstranten folgten mit Aufmerksamkeit den von starkem Beifall hegleiteten Reden der Vertreter jener Verbände, die sich itn Komite zusammengeschlossen haben. Für die Kommunisten sprach Georges S a d o u 1 aus Paris, für die Liga für Menschenrechte Herr Rechtsanwalt Bischoff- Straßburg. Einen tiefen Eindruck hinterließen die kämpferischen Ausführungen des Vertreters der Sozialisten, Naegelcn, der einen leidenschaftlichen Appell an die Arbeiter richtete, nicht eher zu rasten und zu ruhen, bis der letzte antifaschistische Kämpfer aus den Klauen des Faschismus befreit sei. Naegelen begrüßte das Zusammengeben von Kommunisten und Sozialisten in einer gemeinsamen Front und gelobte, alle Kräfte einzusetzen, daß der Faschismus in Frankreich niemals zur Herrschaft gelangen dürfe.„Wir verteidigen nicht das heutige Regime, um es nicht abändern zu wollen, sondern wir kämpfen um die nicht vollendete Demokratie." Nach seinen mit brausenden Freiheitsrufen beendeten Ausführungen sprach der Kommunist W o d 1 i, der besonders betonte, daß die Einheitsfront keine Politik der Manövrierung sein könne. Ihm folgte als Vertreter der freien Gewerkschaften I ra b s, der sich besonders an die Jugend wandte, die die Menschenwürde zu verteidigen und eine bessere Gesellschaftsordnung aufzubauen habe. Für die kommunistischen Gewerkschaften sprach Fastnacht, für das Einheitskomite gegen Krieg und Faschismus Bergthold, für die Vereinigung der Frontkämpfer I. i e b r i c h. Außerdem kamen noch zu Wort: Vertreter der antifaschistischen Studenten, der Liga gegen den Antisemitismus und der„Roten Hilfe"., Unter dem Gesang der Internationale löste sich die Vereammlnn„«uf. die ohne jeden Zwischenfall verlaufen ist und ein machtvolles Bekenntnis zum antifaschistischen Kampf darstellt. Baidur von Schirachs Mannen an der Kehler Blöcke Am vergangenen Sonntag trafen Sich in Kehl einige tausend Hitlerjungens und-mädels, um sich den beim Massaker vom 30. Juni verschonten Führer der deutschen Jugend, den aufgeschwemmten Lyriker und„röhmischen" Lebenskünstler Baidur v. S c Ii i r a c h anzuhören. Er hielt vor den jungen Menschen eine Rede, in der er sich diesmal besonders heftig gegen das Privateigentum wandte und als Aufgabe der Jugend bezeichnete, die nationalsozialistische Gesellschaftsordnung zu verwirklichen. Mittags zogen die Jungen hinaus an den Rhein und sangen in der Nähe der Brücke ihre teutonischen Rachegesänge. Auf der französischen Seite lachte man über diese Kindereien und bedauerte die jungen Menschen, die sich in Hitlers N«»w haus zu solchen Komödien mißbrauchen lassen Dazu ist die Jüdin gut Beim Straßburger Tennisturnier ain vergangenen Sonntag trat zu aller Ueberraschung die bekannte jüdische Tennisspielerin Frau Friedleben aus Frankfurt für Deutschland in den Wettbewerb ein. Während man die weit über Deutschlands Grenzen hinaus bekannte Spielerin in Deutschland von der Teilnahme an öffentlichen Turnieren ausgeschaltet bat, scheint man drüben der Auffassung zu sein, daß diese Frau immer noch gut genug ist, Deutschlands Farben bei Konkurrenzen im Ausland zu vertreten. Frau Friedleben gewann denn auch mit der Französin Speranza das Doppel und unterlag im Einzel nur knapp der französischen Spitzenspielerin Mathieu. Eine aufmerksame Hausbesifterin In einem der vielen winkeligen und engen Straßburger Gäßchen feierte dieser Tage eine alte Straßburgerin ein seltsames Jubiläum. Fünfzig Jahre waren vergangen, seit die Frau die Wohnung in einem Haus der Knoblochgasse bezogen hatte. Die Hausbesitzerin erinnerte sich dieses Jubiläums und schickte ihrer Mieterin mit einem Blumenstrauß eine Flasche Champagner und eine extra angefertigte Torte. Eine Aufmerksamkeit, die besonders erwähnt zu werden verdient, weil sie so selten ist, wie der Anlaß dazu! Johann Strauß spielt auf In der Orangerie dirigierte der bekannte\ ertreter der Straußchen Walzerdynastie am vergangenen Mittwoch das städtische Orchester, das seiner geschmeidigen Stabführung mit den Klängen bester Straußscher Musik willig folgte. Der Orangeriesaal war voll besetzt und spendete dem liebenswürdigen Wiener Musikmeister herzlichen Beifall. Der salomonische Richter In keiner beneidenswerten Lage befand sich ein Straßburger Richter, der sich bei einer Verhandlung sechs Damen gegenübersah, die alle im gleichen Hause wohnen und ihre Feindschaft nun vor Gericht austragen wollten. Der, Richter tat das Klügste, wa er in diesem Falle tun konnte: er riet den mundfertigen Damen, sich wieder zu versöhnen. Als diese aber keine Miene machten, der liebenswürdigen Aufforderung nachzukommen, drohte er ihnen allen eine exemplarische Strafe an. worauf sie dann endlich kapierten und sich versöhnten. Die Herren Ehemänner der sechs streitbaren Frauen haben ohnedies noch die Gerichtskosten zu bezahlen. Der Magen der Großstadt Im Monat Juni wurden im städtischen Schlachthaus folgende Tiere geschlachtet: Ochsen 684, Stiere 446, Kühe, 925, Kälber 4393, Hümmel 301, Schweine 4488 und 4 Ziegen. Zum Verkauf in Straßburg wurde bereits geschlachtetes Vieh eingeführt: Rinder 134, Kälber 298, Hümmel 104, Schweine 784, Zicklein 63 und 9 Ziegen. Außerdem gelangten zum Verkauf 1583 Nierenstücke und 74 Storzen. Und diese ganze Herrlichkeit nur für einen Monat. Die Straßburger haben einen gesunden Appetit! Die Feuerwehr räuchert die Francisten aus In Basse-Yug, einem Dorf im lothringischen Industriegebiet, stürmte dieser Tage die Feuerwehr ein Lokal, in dem sich die Francisten gerade zu einem Schmaus zusammengetan hatten. Die nicht wenig überraschten Francisten verließen fluchtartig das Lokal und bekamen dabei von den Feuerwehrleuten auch noch Hiebe. Erst als die Gendarmerie eintraf, konnte die Ordnung wieder hergestellt werden. Der Feuerwehrkommandant behauptet, von dem ganzen Vorgang nichts gewußt zu haben. E. D, Ostiocarno»„Fetzen Papier?" bbiefkastem Sehr kritiche Haltung Frankreichs Paris, 21. Juli.(21. PH.) Wenn man in diesen Tagen die össentliche Meinung in Frankreich studiert, dann wird man finden, daß die Frage, ob D c u t s ch l a n d einem sogenannten Ostlocarno beitritt oder nicht, bei weitem nicht mehr so diskutiert wirb, wie dies noch am Anfang der Woche der Fall war. Allgemein herrscht die Uebcrzeugung, daß Deutsch- lands Antwort ablehnend lauten wird, und— der objektive Beschauer muß das wahrheitsgetreu berichten— man erwartet diese ablehnende Antwort sogar mit einem ge- wissen Gefühl der Befreiung. Keinem Franzosen ist wohl bei de.., Gedanken, mit dem„dritten Reich" einen Bertrag abschließen zu müssen: man hat zu Hitler und seinen „Staatsmännern" nicht das geringste Vertrauen. Man erin- nert sich hier immer wieder, daß die Männer, die heute im ,>dritten Reich" den To» angeben, ihrer eigenen Unterschrift keine besondere Bedeutung beimessen. Darum zerbricht man sich auch nicht lange den Kopf bar- über, was wohl der deutsche Botschafter von K o e st e r am Donnerstag am Quai d'Orsay gewollt hat. Man weiß Frankreichs Außenpolitik in guten Händen und hat— und darin ist das sranzösische Volk fast eines Sinnes— die Uebcrzeugung, daß B a r t h o u sein Wort halten wirb, das er in seiner Bayonner Rede gegeben hat. So soll er denn auch dem„Paris-Midi" zufolge Herrn von Koester klipp und klar zu verstehen gegeben haben, daß Frankreich den Ostpakt nicht etwa als ein Schachergeschäft an- sehe, das man auf die Formel bringen könne: Unterschrist gegen Ausrüstung! Spöttisch nimmt man Notiz davon, daß die Berliner Presse aus das Kommando des Rcichspropagan- disten Goebbels den Ostpakt als eine 2lrt französisch- russischer Intrige, gerichtet gegen das friedfertige „dritte Reich", hinzustellen versucht. Deutschlands Hoffnung auf Polen als Sekundanten ist nur in sehr geringem Maße berechtigt. Am Quai d'Orsay weiß man genau, was man von Polen zu halten hat, und wir verraten kein Geheimnis, wenn wir sagen, man hat dort mehr Vertrauen zu der in Warschau getriebenen 2lußenpolitik, als den Herren in der Wilhelmstraße lieb sein kann. Auch die Hoffnung auf eine französische Regie- rungskrise, die seit 24 Stunden die Berliner Kalkula- tionen zu beleben scheint, wird wie eine buntschillernde Seifenblase sehr schnell zerplatzen. Es wäre verfrüht, schon jetzt vorauszusagen, wie sich Tardieus Angriff auf den Vor- sitzenden der radikalsozialistischen Kammersraktion, den ehe- maligen Ministerpräsidenten Chautemps aus die sran- höfische Innenpolitik auswirken wird, ob er zu einer Um- bildung der Regierung Doumergue, das heißt zum Rücktritt Tardieus, ober zum Austritt der radikalsozialistischen Mi- nister aus der Regierung führen wird. Eines aber ist aus jeden Fall sicher: An Frankreichs Außenpolitik gegenüber dem»dritte» Reich" wird sich nichts ändern. Die Politik, den Frieden durch offene Rüstung zu sichern, gegenüber der heimlichen, aber hier als unheimlich empfundenen Auf- rüstung Hitlerdeutschlands, ist heute Gemeingut fast des gan- zen französischen Volkes geworden, das einmütig den Frie- densreden des„Bel-Adolphe" mißtraut, der ja auch seinem einzigen Duzfreunde Röhm noch vor einigen Monaten die freundschaftlichsten und herzlichsten Briefe schrieb, um ihn bann kaltblütig ermorden zu lassen, zusammen mit all den anderen, die Hitler den Weg zur Macht freigemacht haben. AllgUSf 1914 Der Angriff auf Belgien wird gefeiert Der„Deutsche Presseverlag" versendet einen hymnischen Aufsatz von W. Hoeppener-Flatow„Fahnen im Sturmwind des Sieges", der die folgenden höchst bezeichnenden Sätze enthält:„Belgien: es war zutiefst nicht Deutschlands Wunsch, mit Belgien Krieg zu führen. Es war eine l e- b e n s wi ch t i g e Notwendigkeit. Es mußte mit blitz- schneller Bewegung der Panzergürtel der belgischen Forts in die Hand und hinter den Rücken der deutschen Truppen ge- bracht werden. Und gerade weil diese'Notwendigkeit getan werden mußte, ohne jede Sentimentalität, um Zehn- tausenden deutscher Söhne das Leben zu erhalten, war Bethmann-Hollwegs Wort von dem„Unrecht an Belgien", das gutgemacht werden müsse, so außerordentlich Verhängnis- voll! Aber die oberste Heeresleitung hatte nicht Polit'k zu machen, sondern des genialen Schliesfen Pläne vom Zwei- sronlenkrieg zu verwirklichen... In einem einzigen An- stürm das bis an die Zähne gepanzerte Belgien überren- nend, jagten die deutschen Truppen die französischen und englischen Armeen vor sich her..." Wer die Geschichte des Weltkriegs kennt, weiß, baß hier eine kleine aber nette Geschichtssälschunq vorgenommen wird. Aus diesen Leisten ungefähr ist die Geschichtswissen- schast geschlagen, die dem Deutschen in Zeitungen, Büchern und in den Schulen vorgesetzt wird. Danach sollte man sich im Reich nicht wundern, wenn das Friedensgeschwätz des Vize- Heß nicht ernst genommen wird. Der Durchmarsch durch Belgien, das heißt der Bruch der belgischen Neutralität wurde ohne falsche Sentimentalität vorgenommen. Daß auch heute noch im Reich der Begriff der„Sentamentalität" fehlt, zeigen die Osas-Morde an seinen Freunden. Daß man so viel mangelnder Sentimentalität mit Staunen und Skepsis gegenübersteht, müßte man selbst im„dritten Reich" begrei- fen. „Kölsche Mädchen". Sie teilen uns mit:„Auch das Kölner Strand» bad Maricnburg hat jetzt durch Anschlag bekanntgegeben, daß der Besuch von Juden nicht erwünscht sei. Ter„Westdeutsche Beobachter" begründet diese Maßnahme damit, daß jüdische Besucher durch Spiel mit einem Wasserball andere Besucher belästigt hätten."— Die Begründung ist nicht nur originell, sie zeigt auch, daß man einen all- gemein antisemitischen Grund in Köln nicht anzugeben wagt. L. H., Zürich. Sic schreiben uns:„Eine Anzahl Emigranten, die in ständiger Fühlung mit dem„dritten Reich" sind, beaustragen mich, Ihnen die unter ihnen herrschende Ansicht mitzuteilen, daß die in letzter Zeit in der„D. F." wiederholt zum Ausdruck gebrachte Hoffnung eines baldigen Endes der jetzigen trostlosen Zustände in Deutschland nach ihrer Meinung weder den Tatsachen entsprechen, noch der Entwicklung zum Vorteil gereichen. Allgemeine Orientierung zeigt vielmehr an, daß sich das herrschende System noch lange halten wird, trotz wirtschaftlicher Not, trotz wachsender Un- Zufriedenheit in allen Kreisen. Deshalb erscheint es im Jntereste de» erhofften Umschwunges in Deutschland nicht förderlich, Holl' nungcn zu machen, welche sich vorläufig schwerlich erfüllen werden. Enttäuschung über das Ausbleiben der Wendung wird Widerstands- kraft und Mut in weiten Kreisen schwer belasten. Wir bitten Sie, diesem Gesichtspunkt Beachtung zu schenken."— Nichts liegt uns ferner als unbegründete Hoffnungen zu erwecken. Gerade aus dem Reiche stni wir wiederholt wegen unseres Skeptizismus getadelt worden. Sic dürfen Tatsachen- und Stimmungsberichte, die wir aus dem Reiche und als solche kenntlich bringen, nicht mit unserer eigenen Stellungnahme verwechseln. Immerhin müssen wir hinzu- fügen, daß mehrere Unserer Mitarbeiter im Reiche die große erste Wendung zum Abstieg des Systems, die am 30. Juni eingetreten ist, mit Sicherheit für diesen Sommer vorausgesagt haben, wenn sie natürlich auch nicht wissen konnten, in welchen Formen sie sich vollzog. Katholischer Leser. Es war uns entgangen, daß die früher kaiho« lische„Germania", und zwar ihr total heruntergekommener Ehes- rcdakteur Ritter über die berüchtigte ReichStagsredc Hitler? ZU seinen Massenmorden schreibt:„Wer konnte auch nur einen Augen- blick daran zweifeln, daß die Grundsätze über das Verhältnis der Wehrmacht zu den politischen Organisationen, zu denen sich& ct Führer am Freitag feierlich bekannte, vollkommen mit den Aus- fossungen übereinstimmen, die Vizekanzler von Papen stets ver- treten hat, und daß dieser über den Verdacht erhaben sei, an die Seite von politischen Abenteurern zu geraten, deren Tendenz von Hitler treffend als„nationalsozialistisch" gekennzeichnet wurde. Die ungeheure Gefahr, die von dem Röhm-Schleicherschen Unternehmen drohte, gemäß der Darstellung des Führers erkennen, kann nur heißen: seinen vernichtenden Gegenschlag als notwendig begreifen und ihm für diese Rettungstat danken."—„Wer konnte auch nur einen Augenblick daran zweifeln", daß Popens nächste konservative Mitarbeiter, daß Dr. Klausen«, Probst, von Kohr und einige andere abgeknallte Bürger politische Abenteurer waren, die der „vernichtende Gegenschlag" mit vollem Recht getroffen hat. Für den Kesamtinhalt verantwortlich: Johann P I tz In Dud- weil«: sllr Inserate: Otto Kuhn in Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der VolksNImme GmbH., Saarbrücken Z> Schützenstraßc».— Schließfach 770 Saarbrücken. Pariser Berichte Große Kundgebungen für Thälmann, Torgier, Ossietzky und die anderen Eine gewaltige Kundgebung für die Befreiung von Thälmann, Torgier, Ossiefjky und die anderen von den Faschisten eingekerkerten politischen Gefangenen, fand am Freitag im Wagram-Saal in Paris statt, der bis auf den letzten Platz gefüllt war. Nach einleitenden Worten vPi Henri Barbusse, der den Vorsitz führte, geiselten Frankreichs berühmtester Verteidiger"Moro--Giafferi, für die Kommunisten Marcel Cachin, für die Sozialisten Robert Dupont sowie ein Gewerkschaftsvertreter die Henkermethoden des„dritten Reichs". Mit einer Entschließung, in der die sofortige Freilassung aller eingekerkerten Antifaschisten in Deutschland und Oesterreich gefordert wird, endete die eindrucksvolle Massenversammlung. Zum Gedächtnis Erich MUhsoms Kundgebung des Schutzverbandes deutscher Schriftsteller Am Montag, dem 23. Juli 1934, abends 8.30 Uhr, findet in der Mutualite, Saal H(Paris Ve, nie Victor, Metro Mau- bert-Mutualite) eine Gedächtnisfeier für Erich Mühsam statt. Es sprechen u. a.: Anna Seghers, Aragon, Egon Erwin Kisch, Anselm Ruest, Souchy. Vortrag aus Werken von Erich Mühsam.) Kollegen und Freunde werden um Erscheinen gebeten. Ein schweres Unglück Ein furchtbares Unglück ereignete sich am Freitag früh gegen 2.30 Uhr in der Dynamitfabrik von Paulille bei Pont- Vendrees. In dem Barackengebäude, in dem Versuche mit Nytroglyzerine gemacht wurden, entstand eine Explosion, deren Ursachen noch nicht festgestellt werden konnten. Zwei Arbeiter waren auf der Stelle tot, ein dritter erlitt schwere Verletzungen. Es gelang, die Feuersbrunst, die durch die Explosion entstanden war, auf die Baracke zu beschränken; die angerichtete Verwüstung ist recht beträchtlich. Der Kampf gegen ausländische Arbeitskräfte Der Kahinettschef Max Bonnefous des Arbeitsministers Marquet empfing in diesen Tagen den Besuch einer Abordnung der Union Franchise" unter Führung ihres Präsidenten Göillou, die sich über die Konkurrenz der ausländischen Arbeiter auf dem französischen Arbeitsmarkte beschwerte. Grundsätzlich sprach sich die Abordnung für die Gleichstellung der aus Algier stammenden mit den eingeborenen französischen Arbeitern aus, brachte aber ihre Freiwillige zur Feststellung von Bauplätzen in Vorschlag, auf denen ausländische Arbeiter besonders zahlreich Beschäftigung finden. Man erfährt nur, daß die Vorschläge der Abordnung vom Vertreter des Arbeitsministers freundlich entgegengenommen wurden. Eine Ehetragödie In Levallois bei Paris spielte sich in den Abendstunden des Donnerstag ein blutiges Ehedrama ab. Der 35 Jahre alte Arbeiter Georges Plourdeau gab dort an der Ecke der Rue Gide und der Rue Marius-Aufan auf seine 33jährige Frau Adrienne, die von ihm getrennt lebt, sechs Revolverschüsse ab, so daß sie schwerverletzt zusammenbrach. Während man sie in das nächste Krankenhaus schaffte, wurde der schieß- wütige Eh eman n v erhaftet upd i ns Gefängnis übe rfijhrU Formeln von Dr. Alfred CURIE CREME Radium und Thorium der Topf 15,— die Tube. 10,— PUDER Radium Thorium und Titane Sieben Farben. Die Schachte! 12,50 SEIFE Thorium und peruvianischer Balsam. Das 100 Gr.-St. 3,— Methode Spezial-Rafschiäge für den Sommer IUm sich gegen die schädlichen Sonnenstrahlen zu schützen, doppelt soviel Puder Tho-Radia " auftragen als gewöhnlich. Anhaltend und matt absorbiert es die schädlichen Ausstrahlungen ohne das Atmen der Haut zu verhindern. 2 Wenn Sie eine durch die Sonne verbrannte Haut haben sollten: Röte, Juckreiz, sich schä« ® lende Haut,'tragen Sie in größeren Mengen Creme Tho»Radia auf. 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