nü Sinzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Nr. 169— 2. Jahrgang Saarbrücken, Mittwoch, 25. Juli 1934 Chefredakteur: M. B r a u n Dem, der den Geist bildet, beherrscht, muß zuletzt die Herrschaft werden, denn endlich an dem Ziel der Zeit, wenn anders die Welt einen Plan, wenn des Menschen Leben irgend nur Bedeutung hat, endlich muß die Sitte und Vernunft siegen, die rohe. Gewalt der Form erliegen. Schiller Hochpolitisches Attentat Gewaltige Erregung Em Saargebiet- SS.-Mann schießt auf Gen Führer der Polizeiexekutive- Schuld der terroristischen„deutschen Front"- Das Saargebiet als europaischer Geiahreitherd- Verlogene Darstellung des Deutschen Nachrichten-Büros Saarbrücken, den 24. Juli 19S4. ©in feiges Attentat wurde Heute gegen 8.43 Uhr vormit, ags auf Polizeikommisiar Machts unternommen. Kam- '"Mar Machts, der Zivilkleidung trug, war gerade im Be- Knss, an der Bcrgwerksdirektion die Straße zu überqueren, i»Iß er sich mitten aus dem Fahrdamm befand, sprang ein *u bex on' i)cr Verkehrsinsel ausgelauert hatte, viotzlich von hinten auf Machts zu und gab aus ganz kurzer Entfernung mehrere Schüsse aus ihn ab, ohne ihn zu treffen, -^er Uebersallene lies zunächst einige Schritte auf das Hotel ^-xcelsior zu» riß nun seine Pistole heraus und schoß ans den Angreifer, der das Feuer noch erwiderte. Beim dritten oder N'erten Schuß streckte Machts seinen Gegner nieder. Auf die Schüsse hin eilte» Polizeibeamte herbei, die den Attentäter '"ein nahegelegenes Schuhgeschäft brachten. Der Attentäter ist der vierzig Jahre alte Johann «aumgärtner aus Saarbrücken und gehört seit fahren der nationalsozialistischen Partei »n. Er ist ein SS.-Mann. Am kleinen Finger der echten Hand trägt er einen SS.-Ring— breiter silberner A'ng mit schwarzem Wappenschild und der Inschrift SS. ^er Verletzte wurde ins Krankenhaus geschasft, wo fest- gestellt wurde, daß er einen Beckenschuß erlitten hat. Der Polizeipräsident M a t h c r u ließ fich von dem Polizei- »mmissar Machts sofort Bericht erstatten und begab sich °»nn mit ihm zum Tatort. * ©in Augenzeuge berichtet: ».Heute srüh stand ich auf der Bahnhosstraße an der Ecke Straße, unweit vom Hotel Exzelsior. Ich sah mir vier dte vielen fremden Autos an, die in dichter Reihe bei- einander standen. Plötzlich hörte ich einige Schüsse und sah ?"ch sofort einen Menschenauflauf. Kommissar Machts, :® r«n Zivil war, eilte auf den Bürgersteig in Rich- -""ä Hotel Exzelsior hinüber, und ich wunderte mich ^vr darüber, weil mir die Situation ganz unerklärlich war. sah ich hinter ihm einen Mann von etwa S3 Jahren von untersetzter Gestalt lausen, der aus Machts aus einem Re- IfcGer schoß. Menschen schrien und liefen fort, während die «müsse knallten. Während dessen zog Machts aus seiner Rosche einen Revolver und gab auf den Mann, der immer "och weiter schoß, einige Schüsse ab. Ein paar Augenblicke es wie ein richtiges Duell. Plötzlich sank der Mann Netrvssen nieder. Ich hörte noch, wie Machts z« der Menge ?"d zu den Beamten, die herbeigeeilt waren, saate:„Ich ^°nnte mir nicht mehr anders Helsen. Ich war in Notwehr." Attentäter wurde dann, wobei eine immer stärker an- Wachsende Menschenmenge Zeuge war, ins Schuhgeschäft Messer geschafft. Es ist ein Wunder, daß anscheinend kein «traßenpassant getroffen worden ist. * Die Hetze der„deutschen Front" und ihrer gesamten Presse gegen den„Emigrantenkommissar" Machts hat ihre Früchte getragen. Man ist von Beschimpfungen und Ver- 'eumdungen zu Schüssen übergegangen. Nach dem, was lest Monaten in den gleichgeschalteten Zeitungen an der ^aar über den Führer der blauen Polizei Saarbrückens ke'cr,rieben werden durfte, mutzten überhitzte fanatisierte ^ationalistengehirne annehmen, datz es ein verdienstliches Aerh sei, diesen„Landesverräter", diesen„Separatisten", °'esen„Deserteur" niederzuschießen. Der Täter konnte sogar hoffen, wenn er einigermaßen geschickt vorging, freigesprochen zu werden. Jüngst erst hat Clrt Gericht in Saarbrücken einen Nationalsozialisten in °Hen Ehren freigesprochen, der in die Arbeiterwohlfahrt. Wohnstätte Max Brauns, ein Paket mit Sprengstoff geschickt hat. Nur durch den Zufall, datz die Flasche mit °em Sprengstoff auf dem Transport zerbrach, wurde un- Übersehbares Unheil verhindert. Der Verteidiger des An- geklagten aber verkündete seelenruhig vor Gericht und "hne gerügt zu werden, datz man sich doch freuen werde, 'veun dem besagten Max Braun etwas passiere. Wörtlich sagte er. ohne datz er vom Borsitzenden des Schwurgerichts zur Ordnung gerufen wurde: „Jeder von uns würde es gerne sehen, wenn dem Herrn Matz Brann eines Tages etwas zustieße. Wenn ihm wirklich etwas passiert, dann braucht er sich picht zu wundern. Jeder Deutsche fühlende an der Saar ist ihm seines provozierenden Wir- kens wegen feindlich gesinnt." Der vom Hitlergeist also wahrhaft besessene Jurist vergaß nicht, hinzuzufügen: „Ich appelliere an Ihr deutschsühlendes Herz, meine Herren Geschworenen." Dos war am 4. Juli. Eine offene Morddrohung und Mordanreizung, ein Appell an ein„deutschfühlendes Herz", zum Revolver zu greifen. Die Schüsse auf den Polizeikommissar, deren sich dieser tapfer und kaltblütig erwehrte, gelten nicht nur diesem Beamten und sind alles andere als ein zufälliges Ereignis. Gewiß haben die Führer der„deutschen Front" diesen Burschen nicht gedungen, abersiehabendieAtmo- sphäre bewußt geschaffen, aus der solche Explosionen entstehen müssen. Der gemalt- tätige SS.-Mann hat keinerlei private Gründe, auf den Kommissar Machts zu schießen. Er hat die Waffe aus der Stimmung und aus der Roheit heraus erhoben, die durch die Agitation der„deutschen Front" in ihm erzeugt wor- den ist. Die Zusammenhänge sind klar. Monatelange persön- liche Hetze gegen den„Emigrantenkommissar". Offizielle Demonstrationen der„deutschen Front" gegen Amtshand- lungen des Kommissars Machts. Begeisterte Schilderungen dieser Stratzenexzesse in der Presse der„deutschen Front". Wiederholung dieser Ausschreitungen einen Tag später, und zwar durch eine Probemobilmachung der getarnten SA. und SS. Verbot der Zeitungen der„deutschen Front". Offizielle Kriegserklärung an die Regierungskommission durch den journalistischen Führer der„deutschen Front", Chefredakteur Hellbrllck in Saarbrücken. Verlegung der Amtswaltertagung in reichsdeutsches Gebiet. Uebergang zu illegalen Handlungen und damit Uebergang zur Ille- galität. Der Attentäter hat das alles auf seine Art begriffen: er wollte einfach bett niederschießen, den et aus den Zeitungen neben Max Braun als einen Hauptverräter an der deutschen Sache betrachtete. Datz das Attentat wohl- vorbereitet war. geht daraus hervor, datz er genau mutzte, wann und auf welchem Wege Kommissar Machts zu seinem Dienste g.ng. Das ist allerdings nichts Besonderes, denn alle der„deutschen Front" mißliebige Personen wer- den genau bespitzelt. Die Schüsse von Saarbrücken müssen i n a l l e r W e l t alarmierend wirken. Durch den Terror und die wilde Hetze der„deutschen Front", aber auch durch die Mordbeispiele, die seit Jahr und Tag von den Macht- habern im„dritten Reiche" gegeben werden, ist die Mög- lichkeit eurer freien Abstimmungsbewegung jetzt schon aufs höchste gefährdet. Dazu kommt, datz die Regierungs- Kommission nach ihren eigenen Angaben berechtigte Zweifel an der Zuverlässigkeit ihrer Exekutive hat. Wer von den Gegnern der„deutschen Front" ist im Saargeb.et noch seines Lebens sicher, wer kann ohne Ge- fahr wagen, seine antihitlerische Ueberzeugung frei her- aus zu betätigen, wenn möglich ist, was wir nun innerhalb drei Tagen alles im Saargebiet erlebt haben? Wir wiederholen und verstärken unsere Mahnungen. Nur eine feste Regierungsautorität, nur eine ganz zuverlässige Exekutive, nur strenge Matznahmen können das Sourgebiet vor Erschütterungen bewahren, die schwere europäische Folgen haben müssen. DND.„berichtet" Wie das halbamtliche Nachrichtenbüro arbeitet, beweist folgende Meldung, die es heute in die Welt gejagt hat: t raulhfiber hat eine liste... Der Kardinal unter schärfster Beobachtung J Paris, 24. JuN. „Paris Soir" schreibt, daß neue Sorgen dem„dritten Reiche" durch den Hl. Stuhl verursacht würden. Der Kar- dinal Faulhaber, so werde behauptet, besäße eine nahezu vollkommene Liste aller derjenigen, die zu den Opfern des Sll. Juni zu rechnen seien. Aus dieser Liste seien die Namen einer großen Zahl Katholiken und Juden verzeichnet, die weder mit Politik, noch mit dem„Komplott" des Sll. Juni etwas zu tun hätten. Dieses Dokument sei bereits in den Händen des Vatikans. Aber seine Veröffentlichung hieße den Kardinal Faulhaber den schrecklichsten Rachegelüsten der deutschen Regierung ausliefern. Die Geheimpolizei, die Gestapo, habe dem Kardinal bereits mitgeteilt, daß er, sofern von diesen Dingen etwas in die O c f f e n tl i ch ke i t komme, wegen Lanbcsver, rats verfolgt werden würde. „Freundliches Land"... mit diesen Worten schließt „Paris Soir" seine interessanten Mitteilungen. „Gebunden an Gottes Wort..." Zwei herrliche Zeugen Christi Die beiden Superintendenten der evangelischen Synoden zu Saarbrücken und St. Johann haben an den Oekumeni- schen Rat in Genf folgendes Telegramm gerichtet: „Die Regierungskommission des Saargebictes hat die dcutschgesinnten Zeitungen des Saargebictes auf drei Tage verboten. Die für dieses Verbot der Öffentlichkeit bekanntgegebenen Gründe widersprechen auss neue einer wahren treuhänderischen Neu- tralität und wirklichen Gerechtigkeit. In den Eingriffen der Rcgicrungskommission in die freie Meinungsäußerung der deutschgesinnten Bevölkerung sehen wir ein neues Hemmnis für eine wahre Befriedung der Völker. Gebunden an G o t- tes Wort und die Bekenntnisse der Väter legen die Unterzeichneten als die Vertreter der deutschen evangelischen Gemeinden an der Saar vor der ganzen evangelischen Christenheit förmlichen und feierlichen Pro- test gegen dte Entrechtung des deutschen Volkes an der Saar ein. Die Superintendenten: sgez.) D. Nold, Jung. Im OeKumenischen Rat zu Genf werden, so hoffen wir, einige evangelische Christen sitzen, die im Gegensatze zu Siehe Seite 2. Niedergeschossen! Heute vormittag, etwa um S Uhr, hat der Polizeikommissar MachtS einen Zivilisten in der Nähe des Hauptbahnhofs in der Reichs st raße niedergeschossen. Näheres ist darüber noch nicht zu erjahrcn„ Nach den Mitteilungen von Augenzeugen soll der Betreffende, der sich in Begleitung einer anderen Person befunden hat, von hinten her einen Schuß auf den Kommissar abgegeben haben, ohne zu treffen. Machts habe sich daraus umgedreht und den Mann mit 4 Schüssen niedergestreckt. Er wurde ins Krankenhaus Reppersbcrg gebracht, wo er sofort operiert werden mußte. Ob die Verletzungen lebensgefährlich sind, läßt sich z. Z. noch nicht sagen. Wie wir erfahren, handelt es sich um einen Chauffeur Johann Baumgärtner, Saar- brücken, Gravelottestraße 6. Wir haben das Büro telefonisch gestellt. Es behauptete, fünf- oder sechsmal vergeblich von der Polizei Auskunft ver- langt zu haben. Wir, die wir in keinerlei näherer Beziehung zum Polizeipräsidenten stehen, haben sofort Auskunft er- halten. Das Büro behauptet, einen Augenzeusen gesprochen zu haben. Es mußte also wissen, baß mehrere Schüsse auf den Kommissar abgegeben worden sind, che dieser schoß. Trotzdem beginnt es seine Meldung„Der Kommissar Machts hat einen Zivilisten niedergeschossen". Es soll damit der klare Tatbestand verdreht werden, baß Machts in Notwehr gehandelt hat. Jeder anständige und gewissenhafte Journalist würde den Bericht der Feststellung begonnen haben, daß auf den Kommissar ein Attentat verübt worden ist. Das Deutsche Nachrichtenbüro ist bei solchen W-thoden Me Mande INI den deutschen Journalismus» Fortsetzung von Seite 1 den beiden saarländischen Superintendenten noch im Geiste des Evangeliums leben. Im Evangelium aber ist die Wahrheit mit dem Heiland der Christen so verbunden, daß es Jesus sogar sagen läßt: „Ich bin die Wahrheit" Die Wahrheit aber ist, daß die Herren Superintendenten D. Nold und Imig sich durch feiges menschenfürchtiges Schweigen zu Mitschuldigen aller Verbrechen in Hitlerdeutschland gemacht haben. Sie haben geschwiegen zu den Eid- und Rechtsbrüchen der Reichsregierung. geschwiegen zu Raub und Diebstahl, ge- schwiegen zu den Nassen- und Glaubensverfolgungen, ge- schwiegen zum Mißbrauch von grauen und Kindern als Geiseln, geschwiegen zu den„Selbstmorden" und„Er- schiehungen auf der Flucht", geschwiegen zu den Todes- urteilen und Hinrichtungen an nachweislich Unschuldigen, geschwiegen zu den Folterungen und den Morden, ge- schwiegen zu dem hundertfachen Menschenschlachten„im Zuge der Säuberungsaktion", geschwiegen zu all den amt- lichen Lügen, die zur Vertuschung der amtlichen Bestlali- täten verbreitet worden sind Und solche Christi Geistes unwürdige Lippenchristen wagen vor der Welt zu plappern:„Gebunden an Gottes Wort und die Bekenntnisse der Väter" Der Oekumenische Rar wird das Telegramm aus Saar- brücken als das bewerten, was es ist: ein Dokument poli- 'tischer Einseitigkeit und Engstirnigkeit ohne jeden sitt- lichen Wert. Wer die Entrechtung des deutschen Volkes und die millionenfache Schädigung seiner Kultur, wer die tägliche Lästerung Gottes und die ungezählten Verbrechen gegen seine Gebote durch die jetzigen deutschen Machthaber ohne Widerspruch hinnimmt, hat jedes Recht verwirkt, einen Protest im Namen Christi zu erlassen. * Da schweigen die„Christen" Die„Junge Front" widmet dem erschossenen Reichs- führer der DIK. folgenden Nachruf: «Dem aus dieser Zeitltchkeit abgeschiedenen ReichSfiihrcr der«Deutschen Jugendkraft" war cS nur anderthalb Jahr lang vergönnt, im Dienste der katholischen deutschen Sport- jugend zu wirken. Im November 1032 wurde ihm von der Reichsleitung der'DIK. die Durchführung der wehr- sportlichen Erziehung der jungen Mannschaft in den katho- tischen Verbanden übertragen. Als der Reichofport- kommissar die Umstellung ans Führerprinzip aller in die große deutsche Sportfront eingegliederte Verbände anordnete, wurde Adalbert Probst am 10. Dezember 1033 zum Reichssnhrcr der DIK. bestellt. In nimmermüder und hingebender Bereitschaft arbeitete er für Kirche, Volk und Baterland. Sein Herzensanliegen war die Erziehung der jungen katholischen Mannschaft zu freudigem, opsersinnigem, allzeit bereitem Dienst an der Nation. Dies ist Vermächtnis des Toten an alle, die seiner Ftth- rung unterstanden, und die jetzt im stillen Gebet seiner ge- denken." Probst ist im Auftrage der deutschen Machthaber er- mordet worden. Der Mord wurde durch die Reichsregie- rung nachträglich für„rechtens" erklärt. Wo bleibt da„Gottes Wort"? Wo bleiben die Proteste der Kirchen? Zuspitzung in Oesterreich Nazis drohen mit neuen Attentaten Wien, 24. Juli. Die Wiener Nationalsozialisten haben in den Straßen einen Ausruf verteilt, der geradezu ein Ultimatum an die Regierung darstellt n„d als Antwort ans den tttrzlichen Rcgicrungserlaß gegen den Besitz von Sprengstoffen gelten kann. Die Nazis drohen in diesem Ausruf, alle öffentlichen Gebäude in die Lust zu sprengen, wenn ein einziger Nationalsozialift verhaftet oder zu einer Geldstrafe verurteilt wird. Rom, 24. Juli. Am 23. und 27. Juli werden Mussolini und Dollsuß eine Zusammenkunft haben, in der Dollsuß u. a. erklären wird, daß er aus Grund der Fortdauer der national- sozialistischen Attentate in Deutschland den Völkerbund anrufen werde. Der österreichische Bundeskanzler wird sich bemühen, Bedenken Italiens in dieser Richtung zu über- winden. Wien, 24. Juli. Die Sonn- und MontagSzeitungen er- warten, daß Frankreich, Großbritannien und Italien von neuem in Berlin vorstellig werden, um ein Ende der nationalsozialistischen Terrorakte in Oesterreich zu erreichen. * In allen Bezirken Wiens sind am Montag Massen- Verhaftungen von Sozialdemokraten und Kommunisten erfolgt. Man spricht von etwa 333 bis 4333 Verhaftungen. SprengstoNunde am Dodensec Schweizer Bundesrat greift ein Bern, 23. Juli. In Bern sind bereits Berichte über die Aufdeckung eines Sprengstosfschmuggels, der aus Deutschland nach Oesterreich den Weg durch die Schweiz genommen hat, angelangt. Die Verhafteten haben ein umfassendes Geständnis abgelegt. Sie gehören der„Ocsterreichischcn Legion" in Deutschland an und hatten die Sprengstoffe in direktem Auftrag des Kommandos der SA.- Legion in Lindau durch die Schweiz nach Oesterreich zu bringen. Die Sprengminen stammten aus den Magazinen der TA.-Gauleitung in Lindau. Tie Verhasteten werben sich wegen Vergehens gegen die Zoll- Vorschriften wie auch wegen Verletzung des Sprengstoff- gesetzeS zu verantworten haben. Weiter wird die Angelegenheit, wie wir im Bundeshaus erfahren, noch diplomatische Schritte zur Folge haben, da sie eine krasse Grenzverletzung bedeutet. Man war in Bern schon seit längerer Zeit durch die St. Galler Bc- Hörden davon unterrichtet, daß vermutlich Sprengstoffe aus Deutschland durch die Schweiz nach Oesterreich geschmuggelt werden. Die Mutmaßungen haben sich dann verdichtet, so daß die St. Galler Polizei am Samstag mit Erfolg zugreifen konnte. In Bern anerkennt man dieses zuverlässige und erfolgreiche Handeln der St. Galler Rantonspolizci. Der Bundesrat wird sich am Dienstag mit der Angelegenheit befasien. Vorläufig bleiben die drei Schmuggler in St. Gallen in Haft. 5« wird man„national" Zur Lebensgcsdildife des Attentäters der„deulsdien Front" Der Täter Baumgärtner ist im ganzen Saargcbiet äußerst übel beleumdet. Zur Zeit der französischen Besatzung gleich nach dem Kriege war er Agent des französischen Nachrichten- dicnstes unter dem damaligen französischen Leutnant Martin, der das sogenannte 2. Büro leitete. Neben dein Verräter Rebmann war Baumgärtner der berüchtigste Spitzel und Verräter des ganzen Saargebietes. Als solcher beteiligte er sich lebhaft an der Beschlagnahme von deutschem Militärgut durch die französische Besatzungsbchörde, die jedesmal auf den Verrat Baumgärtners hin in Privatwohnungen in Saar- brücken und im übrigen Saargcbiet Durchsuchungen vor- nehmen ließ. Baumgärtner beschuldigte die deutschen Saar- gebietsbewohner. ganz gleich, ob diese auch einwandfreie Eigentumsrechte an den in ihrem Besitz befindlichen deutschen Militärgut machen konnte». Er verfolgte die ge- samtc deutsche Bevölkerung des Sargebicts damals mit seinem besonderen Haß. Sehr lebhaft beteiligte er sich auch an de» Versammlungsüberwachuugen im Dienste des iranzö- fischen Nachrichtendienstes. Viele deutsche Saargebietsbeivoh- ner, die damals vor den französischen Kriegsgerichten zur Aburteilung standen, haben dieses dem Verrat Baumgärt- ncrs und seinem Komplicen Rebmann zu verdanken, und Ostlocara« Hitlerdeutschland wartet auf die anderen Paris. 24. Juli. Der Sonderberichterstatter des«Paris-Midi", Robert Lorette, drückt in einem längeren Telefonat aus Berlin das Erstaunen aus, das allgemein darüber herrsche, daß der Außenminister von Neurath am Sonntag nicht ivie erwartet im Rundfunk gesprochen lzabe. Lorette meint, daß der Grund für dieses gänzliche Stillschweigen des Reiches, für das Hinauszögern einer Antwort. auf die die ganze Welt gespannt sei, sehr einfach zu er- klären sei. Deutschland wolle de» Fortgang der französischen MinistcAkrise abivarten, um davon seine eigene Politik ab- hängig zu machen. Es ivolle ferner abivarten, weiche Stellung insbesondere Rom und Warschau zu der Tatsache ein- nehmen, daß England seine Luftflotte vermehren ivill. Jedenfalls sei aber eins bei dieser zögernden Politik des Reiches gewiß, je länger die deutsche Regierung warte, um zur Außenpolitik Stellung zu nehmen, desto mehr zeige sie ihre Schiväche. Im„Paris-Soir" schrc'bt der Präger Sonbcrbcricht- erstatte! des Blattes, daß Deutschland alles tun iv? r d c. w a s es nur könne, u m den O st p a k t z u in Scheitern zu bringen. Die dcntiche Diplomatie bc- mühe sich die Frage des Ostpaktes mit der Frage der Ent- waffnung, oder beller gesagt, der deutschen Ausrüstung zu verguickcn. Es hasse, daß sich aus diese Weise zwischen England und Italien einerseits, und Frankreich, der liletnen Entente und Sowjetrußland andererseits eine zugespitzte und zu Verwicklungen führende Debatte ergebe» werde, durch die die Vorschläge des Herrn Varthou ein für allemal bc- graben werden. Englische LuftschufzrOsfungen Noch nie erlebtes Ausmaß London, 28. Juli. Die englischen Luftstreitkräfte, deren Bestände nach dem von Baldwin im Unterhaus« vorgetragenen Programm in nächster Zeit erheblich vermehrt werden sollen, beginnen mit dem heutigen Tage eine Anzahl von Hebungen, die ein unerhörtes Ausmaß Häven. Die Hebungen werden die ganze Woche andauern. Tie sollen über London selbst und der Umgebung der englischen Hauptstadt stattfinden, wo sich auch alle bedeutenden Flugzcntren des JnselreicheS befinden. Die Luftmanöocr beginnen allabcnd- ltch um sechs Uhr und dauern bis um 0 Uhr früh. Da? Luft- fahrtministerium drückte bereits sein Bedauern darüber auS, daß man die Nachtruhe der Londoner Bevölkerung etwas stören Mütze, fügte aber hinzu, daß alle Vorkehrungen ge- troffen seien, um diese Störungen auf ihr Mindestmaß herab- zudrücken. An den Luftübungen nehmen 383 Flugzeuge teil. Es soll die Probe darauf gemacht werden, daß die Verbindungen zwischen den Kampffiug- zeugen, den anderen Flugzeugen, den Bcobachtungsposten. den Alarmposten und den Scheinwerferabtetlungen gut organisiert sind. Man wird die Manöver in beträchtlichen Höhen abhalten. Bombenflugzeuge sollen sich etwa 3333 Meter über dem Erd- bodcn bewegen, d'c anderen sollen nicht unter.333 Meter heruntergehen. Man will dadurch unter allen Um- ständen Unglücksfälle vermeiden und etwaigen Spionen jede Beobachtung unmöglich machen. Denn schließlich, so sagt man. handele es sich um das wichtigste Manöver, das jemals in England stattgefunden habe, da die Hälfte der gesamten eng- tischen Luftstreitkräfte daran beteiligt sei. Paris, 24. Juli. Lebrun und Pefo'n Zwei wichtige Reden Frankreich steht in dem Eindruck wichtiger politischer Reden. In Aurillac weihte Präsident Lebrun ein Denkmal ein. das zum Gedächtnis seine» ermordeten Amts- Vorgängers Doumergue errichtet worden war. Bei dem aus diesem Anlaß im Rathaus von Aurillac statifindendcn Fest- bankett sprach Präsident Lcbrun auch über die inncrpolitischc Situation Frankreichs, wobei er die Hoffnung aussprach, daß Doumergue die Uebcrwindung der Krise gelungen werbe. Zu gleicher Zeit hatten sich in Saint M a l o, der alten, von Seeräuberromantik umwobenen Stadt, tue ehe- maligen Reserveoffiziere Frankreichs zu einer Tagung zusammengefunden, an der mehr als taufend Reserveoffiziere, die Ossiziere der 4. Marinedivisivn. der Presekt von d'Jlle et Vaitaine, die Abgeordneten des De- partements und vor allem Kriegsmintster Marschall P etain teilnahmen. Minutenlange Beifallskundgebungen zeugten von der Beliebtheit des Siegers von Berdun, als Marschall Petatn aus dem Festbankett das Wort ergriff. Lautlose Stille herrschte, als er davon sprach, daß der nächste Krieg iv i e ein Blitz aus heiterem Himmel ausbrechen würde. Er müsse in dieser Stunde daran erinnern, daß bat ganze Volk von der Gefahr be- troffen würde, daß Frankreich einem plötzlichen Ueberiall viele Verurteilte werden sich dieses sauberen Paares noch erinnern können, das in den Kriegsgerichtsverhandlungen als Zeuge gegen sie auftrat. Die Verrätcrtätigkcit Baum- gärtners trägt Schuld an vielen Tränen, die in den Saar- gcbicsfamilicn während der damaligen Zeit vergossen wurden. Auch die damals vorgekommenen zahlreichen Ausweisungen deutscher Redakteure des Saargcbicts kommen nicht unwesentlich auf das Verrätcrkonto Baumgartners. Erinnert fei noch an eine KriegSbeschädigtcuversammluug in dem damaligen Restaurant«Neues Kindt" sjetzt Taarterrasse) in Saarbrücken, in der Baumgärtner versuchte, eine» Kriegs- krüppel, der nur ein Bei» hatte, zu verkästen, als dieser als Diskussionsredner aufgetreten war. Der bedauernswerte Schwerkriegsbeschädigte fiel aus Angst vor den evtl. Folgen seiner Verhaftung in Ohnmacht, woraus sich sämtliche Ver- sinumlungsteil»ehiner gegen den Verräter Baumgärtncr ivnndten, und dieser aus dem Lokal flüchten mußte. Als die Regierungskommission die Macht im Saargcbiet übernahm und das 2 Büro des französischen Nachrichtendienstes unter Leutnant Martin aufgelöst ivurdc, kehrte Baumgärtncr nach und nach ivicder den nationalen Deutschen hervor, um so seine damaligen Schandtaten vergessen zu machen. ausgesetzt sein könnte. Während noch vor dem Weltkriege und selbst noch einige Zeit nach dem Friedensschluß die meisten Großmächie nichts wesentliches zum Ausbau ihrer nalio- nalen Vereidigung getan hätten, begänne in Deutschland, in Rußland und in Italien die militärische Ausbildung bereits in den Schule». Frankreich hingegen habe sechszig Jahre ge- zögert, bis es sich zur Einführung der Militär- die» stp sticht entschloß. In einer Zeit, in der die Welt von den gewagtesten Abcntcucrpläneii spreche, müsse Frank- reich seine Ideale und sein Erbe schützen. Es müsse den wiedergewonnenen Frieden, den es durch den Tod vo» 1 503 303 tapferen Soldaten erworben habe, zu erhalten ver- suchen. Traubenzndter uns Holl? Eine sensationelle Entdeckung— Wenns wahr ist London, 24. Juli. «Tunöay Expreß" bringt aufsehenerregende Enthüllungen über die Versuche, die zur Zeit von zwei Chemikern, Dr. Friedrich Berging, einem Deutschen und dem Eng- läiidcr Dr. W. O r m a n d y in einer kleinen Fabrik in Mannhelw-Rhetnau angestellt iverden, um Holz in Traubenzucker u m z u w a n d e l n. Die Finanzierung dieser Versuche soll durch da» Deutsch« Reich erfolgt sei», doch sollen sich auch britische chemische Gesellschaften, dtc sick für die Entdeckung interessierten, an der Finanzierung bc- te'ltgt haben. Das Geheimnis der chemischen Formel soll un- gewöhnlich streng gehütet werden. Das Blatt erinnert daran, daß Traubenzucker sehr leicht in Nitroglycerin« umzuwandeln sei. „Liinday Expreß" hat durch Dr. Ormanby die Mitteilung erhalten, daß Deutschland der sich a u ß c n o r d e n t l I ch e n Wichtigkeit der Entdeckung voll bewußt sei. Während des Weltkrieges sei ein Teil der deutschen Bevölkerung tatsäch- Uch am Verhungern gewesen, iveil die für ihre Eriiährnoss notwendigen Produkte zur Herstellung von Zündstoffen Vre- Wendung fanden. Das sei jetzt anders und deshalb habe Hitler kürzlich erklärt!„Deutsche Gelehrte werbe» mit deutschem Material das Reich zu einer unabhängigen Nation machen." Gegenwärtig könne die Mannheimer Fabrik jährlich mehr als 3333 Tonnen kohlensaure Salze sRnmcrkiing für die Redaktion: Earbo-Nitratef herstellen, d'c zum menschlichen Verbrauch bestimmt sind. Die Entdeckung stellt aber eine» noch viel'wichtigeren Faktor dar, denn durch sie könnte eine Nahrungsmittelreserve garantiert werden, da dank der deutschen Wälder so viel Traubenzucker zu niedrigem Preise gewonnen werden könnte, wie die deutsche Bevölkerung zur Ernährung benötigt. lodesdrobungen gegen Sir John Simon DNB Paris. 23. Juli. Nach einer Meldung der«Ehikag» Tribüne" aus London soll der Staatssekretär im Forcig» Office Sir John Simon um persönlichen polizeilichen Schub ersuch! haben, weil ihm mehrere Drohbriefe zugegangen seien. Ladn Simon habe u. a. eine Zuschrift erhalten, in der es heiße, daß Sir John Simon das Land in den Krieg iübrr und er gekennzeichnet sei. Man werde ihn aus dem Wegr räumen. tf! DNB London, 23. Juli. Ter englische Anßenmiii'stcr S>r John Simon ist, wie„Daily Telegraph" meldet, in letzter Zeit mehrfach telefonisch mit dem Tode bedroht worden- Jnsolgedesien wurde eine besondere Polizeiwache am Hause des Außenministers aufgestellt. Erst kürzlich wurde Lodö Simon von einem Unbekannten angeläutet, der erklärte! „2tr John Simon führt England dem Krieg entgegen. Er ist ein gezeichneter Mann. Ich werde ihn vernichten." Pas neueste Der Dampfer„M onte Rosa" von der Hamburgs Südamerikanische n Dampsschissohrtsgeseil» schaft, der sich ans einer Bergnllgungoreiic nach de>» Nordkap befindet, ist bei den Faröer-Fnseln infolge dichten Nebels auf ein Riss aufgelaufen. An Bor' befinden sich etwa 1233 Fahrgäste. Zu Hilfe geeilte Schifte sind bemüht, die«Monte Rosa" wieder flott zu machen. Die große Hitze in Amerika hat nach neueren Mclbunge» bisher 413 Tode zur Folge gehabt. Wie die Telegrafenagentur der Sowjetunion mitteilt' haben Sowjetrußland und Bulgarien belchlosst»' normale d plomatifche Beziehungen durch den gegenscitigt» Austausch der Gesandte« wieder herzustellen. Luftfahrtminister Lord Londonderry»ertrat im tischen Oberhaus bei der Lnftaufrüftnngadebatte den Stand» Punkt der Regierung. Der Antrag der Arbeiterpartei wurde mit 34 gegen neun Stimmen abgelehnt. In einem Spionagcprozeß vor dem Obersten Gericht de» Sowietnnion worden von 2» a n g e t l a g t e n Ingenieure» vernneTt»*** Tode durch Erschieße» EL Seine Majestät der Gauleiter Wie Mtler Einfadiiteit versteht Ich verlange insbesondere vom SA.-Führer, daß er ein Vorbild in der Einfachheit und nicht im Aufwand ist. Ich wünsche nicht, daß der SA.- Führer kostbare Diners gibt oder an solchen teilnimmt. Adolf Hitler. Am 28. Juni nahm Hitler in Essen an der Hochzeit des Staatsrats und Gauleiters Terboven teil. Von dort flog er zum Kameradenmord nach München und am Tage darauf veröffentlichte er die zwölf Gebote für die SA., in denen er die Schlemmereien und Prassereien der Ermordeten ver- dämmte und größte Einfachheit forderte. Da Terboven bis heute noch nicht ermordet wurde, und da außerdem Hitler persönlich an der Trauung seines Gau- leiters teilnahm, muß man annehmen, daß die Lebensweise dieses Gauleiters den Forderungen des Führers nach Ein- fachheit und Schlichtheit entspricht. Es ist daher interessant, einiges aus dem Programm dieser Musterhochzeitsfeier mit- zuteilen. Am Mittwoch, dem 27. Juni, erschien in den Essener Zei- tungen folgender Aufruf an die Essener Bevölkerung Anläßlich der am 28. Juni 1934 stattfindenden Hochzeit des Staatsrates und Gauleiters Terboven sindet am 27. Juni abends, ein Fackelzug statt, an dem teilnehmen PO., HJ., SA. und SS. Der Abmarsch erfolgt vom Platz des 21. März um 21 Uhr. Folgende Straßen werden berührt: Waldt- hausen-, Holz-, Viehoser-, Hcrbert-Norkus-, Schlenhos-, Union-, Matthias-, Segeroth-. Thomae-, Schwanenkamp-, Friedrichstraße, Huyssenallee, Adolf-Hitler-Platz. Hier erfolgt die Auslösung des Fackelzuges. Am Saalbau erfolgt der Borbeimarsch vor» dem Brautpaar. Die Trauerfeier in der Münsterkirche beginnt nach Anfahrt des Brautpaares und geladener hoher Gäste am 28. Juni um 18 Uhr. Am Donnerstag bleibt der Saalbau von 14 Uhr an für die Oesfentlichkeit geschloffen. Der Zutritt zur Kirche ist nur mit besonderen Ausweis- karten der Gauleitung gestattet. Der Adols-Hitler-Platz bleibt für den allgemeinen Publikumsverkehr gesperrt. Der Balkon des Burgkasees Blau ist durch Fahnen und Wimpel der HJ., BdM. und des Jungvolkes sowie durch die Fansarenbläser der HJ. besetzt. Etwa 6060 Hitler-Jungen werden nach besonderer An- ordnung aus dem Adols-Hitler-Platz ausgestellt, Bom Adols-Hitler-Platz bis zum Saalbau wird aus dem Wege Akazieuallee—Am Handclshos—Huyssenallee von den Organisationen der NSDAP. Spalier gebildet. Nach Beendigung der Trauung werden Brautpaar und Gäste in Krostwagen durch das Spalier bis zum Saalbau sahren. Am 28. Juni ist in Erinnerung an den Schandvcrtrag von Versailles bis 12 Uhr Halbmast zu flaggen, von 12 Uhr an werden die Fahnen anläßlich der Hochzcitsscierlichkciten auf Vollmast gesetzt. Wir bitten die Bevölkerung, durch rege Teilnahme und durch Flaggen dem alten Führer und Borkämpfer des Gaues Effen, unserem Gauleiter Staatsrat Terboven, zu seinem Ehrentage zu bekunden, daß der Gau Essen einmütig zu ihm treue Gefolgschaft leistet. Wir machen nochmals darauf aufmerksam, daß das Wersen von Blumen in die Fahrzeuge unbedingt unterbleiben muß. Essen, den 28. Juni 1934. Der Kreisleiter der NSDAP, Essen F r c y t a a. Der Brigadeführer der Brigade 73 Zapf. Der Polizeipräsident Zech. Der Oberbürgermeister der Stadt Essen Reismann-Grone. * Die»Essener Volkszeitung" berichtet über den Fackelzug folgendes: Fackelzug zu Ehren des Gauleiters und Stadtrats Terboven Anläßlich der heute stattfindenden Hochzeit des Gauleiters und Staatsrat Te r b o v e n fand gestern abend ein Fackelzug statt, an dem sich sämtliche NT.-Formationen beteiligten. Der Zug entwickelte sich auf dem Platz des 21. März und ging von da aus durch die Waldhaujen-, Holz-, Adolf-Hitler-, Herbert-Norkus-, Schlenhos-, Union-, Matthias-, Segeroth-, Thomae-, Sckivanenkamp-, Fricdrichstraße, Huyssenallee zum Adols-Hitler-Platz. Die Straßen waren mit Fahnen festlich geschmückt. Am Parkhotel war ein Triumphbogen aus- gebaut, ebenfalls war vor dem Hauptportal des Saal- baues ein großer Triumphbogen errichtet, unter diesem Triumphbogen war ein Podium angeordnet, vvndemderGauleitermitseiner Braut den Vorbeimarsch des imposanten Zuges abnahm. Ter Gauleiter war von seinem Stab umgeben. Man sab in seiner Nähe außerdem den stellvertretenden Gauleiter U n g e r, den Oberbürgermeister Dr. Reismann- Grone, den Krcisleiter F r e i i a g, Polizeipräsident Zech und zahlreiche andere in der Oefsentlichkeit bedeutende Per- sönlichkeiten. Der Taalbau war in strahlendes Licht getaucht. Als die Spitze des Fackelzuges den Saalbau erreichte, leuchtete auf dem Balkon des Saalbaues ein bengalisches Feuer aus, das einen festlichen Glanz verbreitete. Der Vorbeimarsch am Saalbau begann gegen 22.10 Uhr und dauerte ununterbrochen bis gegen 23,15 Uhr, Man darf annehmen, daß sich an dem Zuge ungefähr 20 000 Personen beteiligten. Von der Kapelle angeführt, marschierte zunächst die PO. an dem Gauleiter vorbei, es folgten dann die national- sozialistischen Betriebszellenorganisationen. Besonders reizvoll war das Bild der in Festunisorm marschierenden Knappen, es folgte dann wieder die PO., anschließend kam die Hitlerjugend, dahinter die TA., zunächst die SA.-Ttandarie 58. Einen besonderen Ein- druck machte der exakte Parademarsch des Feldjägerkorps. Es folgten die SA.-Standarten 80, 218 und 219, den Schluß der SA,-Formationen machte die Motor-TA. In der unendlichen Reihe der Techserkolonnen kam dann das NTKK. und der Fliegersturm. Als Höhepunkt wurde allgemein der schneidige Vorbeimarsch der ST., Sturmbann 1, geweitet. Während des ganzen Vorbeimarjckies stand der Gauleiter mit zum Gruß erhobenem Arm auf dem Podium. Es ist säst überflüssig zu sagen, daß das Ereignis eine große Menschenmenge herbeigelockt hatte, die die Straßen umsäumte. Schon vor 21 Uhr mußte die Huyssenallee wegen der ungeheuren Menge für den Fahrverkehr gesperrt wer- den. Ein starkes Aufgebot von Polizeibeamten sorgte sür die reibungslose Abwicklung des Verkehrs. Triumphbogen ivaren errichtet: was sie gekostet haben, verschweigt die„Essener Volkszeitung". Viele, viele tausend Mark. Eine Blumenpracht wie nie war dort ent- faltet. In dieser Blumenpracht mar das Podium errichtet. Damit das Brautpaar zur Geltung kam, ivar eine besondere starke Lichtleitung zu dem Triumphbogen gelegt und ganz besondere Lampen bestrahlten das Brautpaar in der Nacht wie im stärksten Sonnenlicht. Was diese besondere Anlage gekostet, ivar nicht in Erfahrung zu bringen. Aber so Herr- liches hat Essen in der besten Zeit der Hochkonjunktur, als in der Kanonenstadt für alle Herren Länder Kanonen gemacht wurden und die erlauchtesten Herrscher kamen, nicht gesehen. Und nun erst die Trauung. Hitler und Göring waren Trauzeugen aus dem Standes- amt und in der Müustcrkirchc. Ferner nahmen teil Adjudant Brückner, Reichspresseches Dr. Dietrich und Ober- führer Schau b. Oberbürgermeister Dr. Reismann-Grone nahm persönlich die Trauung vor. Seine Rede war so interessant, daß wir sie unseren Lesern nicht vorenthalten möchten. Nach den Essener Zeitungsberichten führte der höchste Standesbeamte der Arbeiterstadt aus: „Ein seltenes Glück." so sagte er,„ist heute über Essen ausgestreut. Aus dem uralten Eichbaum, den wir in unserer siammeskundlichen Ausstellung im Museum in den letzten Wochen sehen konnten, dem Stammbaum der Dar Boven, der seit 1550 in der schwarzen Erde unseres Stiftes ver- wurzelt steht, schließt heute den Ehebund ein Sproß Joses Terboven— der politische Leiter des rheinischen Nord- westens—, uns Alten die große Hoffnung sür die Zukunft. Er vermählt sich mit einem Fräulein aus dem äußersten Osten, deren Vorsahren hart wie Stahl gewesen sein müssen. Ein glückliches Symbol. Die zarte Blume kommt aus der Fremde, aber sie ist kein Fremdling, denn sie kommt als langjährige Parteigenossin und wird hier so von der Liebe von Tausenden umgeben, daß sie glaubt, in der Heimat zu sein. Und dieses frohe Fest breitet sich aus zu einem poli- tischen und geschichtlichen Ereignis. Unser tausendjähriges Assindi, gegründet, befestigt und zweifellos besucht von Karl dem Großen, hat zahlreichen deutschen KaiKurf Schumacher Ein tapferer Kämpfer Heber das Befinden des früheren sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten Dr. Kurt Schumacher sStutt- gart), der sich seit dem Juni v. I. im Konzentrationslager befindet, erhalten wir folgende Mitteilungen: Nach der Verhaftung hatte man zunächst die Absicht. Schuhmacher in einem demütigenden Triumphzug durch die Straßen Stuttgarts zu führen. Da er schwerkriegsbeschädigt ist— er hat im Weltkrieg 17 Verletzungen erlitten, einen Arm verloren und Auszeichnungen erhalten— scheiterte die Ausführung dieses gemeinen Planes an dem Einspruch des württembergischen Offiziersbundes. Schumacher kam zunächst auf den Heuberg in die schlimmste Kategorie des Schutz- Hastvollzugs und wurde hier auf jede Art schikaniert. Nach den Angaben von entlassenen Schutzhäftlingen hat er sich sehr gut und tapfer gehalten. Als der Heuberg im Te- zember von den marxistischen Schutzhäftlingen geräumt wurde, kam er auf den Kuhberg, einem früheren Militärgesängnis bei Ulm. Die Schutzhästlinge sind dort in Kassematten untergebracht. Es wurde ihm erlaubt, Sprach- studien zu treiben: auch konnte er Briefe empfangen, in denen aber nichts von Politik enthalten sein durfte. Im Februar 1934 ging es Schumacher„noch gut", aber der Lese- stoff war ihm entzogen worden. Die Verschlechterung seiner Lage war daraus zurückzu- führen, daß Schumacher ein unbeugsamer Soziali st geblieben ist und sich offen zu seiner Ueberzeugung bekannt hat. So ist er z. B, einmal aus folgendem Grund mißhandelt worden, Em Wachmann behauptete, in einer Versammlung, in der Schumacher als Redner aufgetreten sei, so geschlagen worden zu sein, daß er monatelang im Krankenhaus habe liegen müssen. Als Schumacher zur Rede gestellt wurde, er- klärte er, er bedauere nur, daß dieser Kerl damals nicht krepiert sei. Er ist daraus mit dem Gesicht gegen die Wand gestellt und fürchterlich geprügelt worden. Sein Mut, der sich auch bei anderen Gelegenheiten äußerte, und der ihm so viele körperliche Leiden zufügte, brachte ihm aber die A ch- tung aller Häftlinge und zum Teil selbst der Wach- Mannschaften ein. In der letzten Zeit geht es Schumacher körperlich sehr schlecht. Hauptsächlich sind seine Augen sehr geschwächt. Das Gerücht, daß er bereits erblindet sei, soll sich aber nicht be- stätigen. Die allgemeine Behandlung der Gefangenen auf dem Kuhberg ist gemein und schikanös, das Essen sehr schlecht und knapp, das Lager sehr schmutzig. Die Gefangenen holen vor Hunger manchmal die in den Schweinetrog geworfenen schlechten Äartosfeln heraus. Die Nazis lassen Schumacher nicht frei, weil sie nicht wollen, daß er sich nach seiner Entlassung weiterhin marxistisch betätigt. ..»eil Moskau" Und Räuberfantasien der Faschifsten In der„Pirmasenser Zeitung" lesen wir: Waldfischbach, 17. Juli. Tie Gendarmerie Waldfischbach ver- hastete gestern den ledigen Ä, B e n e w a r t und lieferte ihn in das Gefängnis ein, Ter Verhaftete brachte seine Abnei- gung gegen den nationalsozialistischen Staat in der Wirtschaft Fröhlich dadurch zum Ausdruck, daß n beim Eintretest in die fern von Otto dem Groben bis zu dem letzten Hohenzollern, eine feste Burg und eine geruhige Gaststätte geboten. Wenn heute zu diesem hochzeitlichen Fest Sie, mein Führer, erschienen sind mit ihren alten treuen Gefolgsmanncn, vor allem mit Ihnen, Herr Ministerpräsident Gö- ring, wenn wir die beiden Ehrenbürger der größten Metallstadt Deutschlands gleichzeitig begrüßen dürfen, ,o setzt sich für uns heute diese stattliche Reihe der erlauchten Besuche fort, die für die Stadt ein Ruhm und für die Geschichte ein Ereignis sind. Um diese Stunde in etwa festzuhalten, hat die Stadt Essen heute ein Goldenes Buch begonnen. Es soll ein Ausdruck dafür sein, daß heute mkk dem„dritten Reich" und diesem Besuch eine Epoche der Stadt eingeleitet wird." Man würde den Eindruck verwischen, wenn man dieser Rede auch nur ein Wort hinzufügen würde. Nach der Trauung fand das Hochzeitsmahl statt, worüber die Presse folgendes berichtet: „Bei dem Hochzeitsmahl gab der alte Mitkämpfer des Gauleiters Terboven, ST.-Gruppcnführer Zech, seiner Freude über die enge Verbundenheit Ausdruck, die hier an der Tafel offenbar werde, wo gute alte Kampfkameradschaft den SA,-Mann mit dem Arbeiter verbinde.— M i n i st e r- Präsident Göring beglückwünschte das Braut- paar im Namen der Partei herzlich und feierte auch die Braut des Gauleiters Ter- boven als alte Nationalsoziali st in und Mit- streiterin, Mini st erpräsident Göring schloß seine Rede mit einem dreifachen„Sieg-Heil!" aus den Führer und das Brautpaar," Während der Feier war der ganze Saalbau mit allen seinen Wirtschastsräumen und Nebensälen, die viele, viele Tausende von Menschen faßten, nur für die Hochzeitsgäste reserviert. * Das ist das„dritte Reich". Alles Dagewesene wird in den Schatten gestellt. Ja, man muß ihnen zugestehen, sie können Feste feiern. Wie klein muß sich wohl Frau Krupp vorge- kommen sein? Gegen diese Feierlichkeit war ihre Hochzeit in der guten alten Zeit nur etwas Bescheidenes. Die Essener Bevölkerung fragt sich mit Recht, wer bezahlt das alles? Und ein alter Eingesessener sagte:„Ja, früher zu Wilhelms Zeiten haben wir in Essen große Feste gefeiert. Krupp hat dann große Stiftungen an die Stadt gemacht. Die Stadt Essen hat nie einen Schaden gehabt, Krupp auch nicht, denn er nahm das Geld an Verdienst für Kanonen sogar van anderen Staaten wieder ein. Und jetzt bekommt Essen keine Stiftung, nein, ich glaube, die Steuerzahler müssen noch olle stiften, um die Kosten des großen Festes zu begleichen." Daß die Geschenke nicht ausblieben, versteht sich von selbst. Die Frau erhielt ein fabrikneues wunderbares Auto und groß und klein brachten Gaben. Böse Zungen behaupten, alle die Vorfahren von dem früheren kleinen Bankbeamten, jetzigen Staatsrat Terboven, die kleinen Kötter sKlein- dauern), die Handwerker, die Wirte und Händler, hätten alle zusammen seit dem Jahre 1550 nicht soviele Geschenke erhalten wie der jetzige Gauleiter und seine„zarte Blume" aus dem Osten. Ein K r i e ch e r t u m hat sich da wieder bemerkbar gemacht wie selten. Jeder wollte beim Gauleiter lieb Kind sein und schickte Geschenke. Verehrung und Zuneigung konnte nur bei wenigen festgestellt werden. Ein hübsche Wohnung hat das junge Paar auch, nämlich die Villa des früheren Oberbürgermeisters und späteren Reichsinnenministers Dr. B r a ch t. Dem jungen Paar stehen achtzehn Zimmer zur Verfügung. Was ist früher ge- schimpft worden, wenn die kleinen„Bonzen" mit ihren kinderreichen Familien ein bescheidenes Haus bezogen. Da wurden die Nazizeitungen voll geschmiert, Häuser' sotogra- siert, und jetzt, wo junge Leute ein Haus mit 18 Zimmern beziehen, ist alles„in Ordnung". Ja, früher gab es auch nur „Bonzen" und jetzt Generaloberbonzen. Wie lange noch bis zum furchtbaren Erwachen? Die Essener Arbeiter nehmen jede Woche eine Feierschicht mehr aus sich, um einem weiteren Kameraden die Möglichkeit zur Arbeit zu geben, sie schränken sich ein, damit die Stadt und das Reich die Arbeitslosenunterstützung sparen und„Zig- tausende" von Mark verplempert sür Ausschmückung der Straßen, sür Musik, Fahnen, Feuerwerk aus Anlaß der Hochzeit eines Gauleiters. Der Führer, der Ministerpräsident und so und soviele kommen von Berlin, um an den Feierlichkeiten teilzunehmen. L, armes deutsches Volk, wohin wirst du geführt? Und das alles einen Tag vor dem„berühmten" 30. Juni 1934! Von der Prunkhochzeit zur Mordnacht... Wirtschaft mit den Worten„Heil-Moskau" grüßte. Dem Un- verbesserlichcn muß nun durch eine drakonische Strafe klar ge- macht werden, daß solche Ausfälle im heuligen Staat nicht mehr geduldet werden. Landau. In Wörth am Rhein wurde ein Kommunistennest ausgehoben. 15 Personen sind in diesem Zusammenhang in Untersuchungshast gesetzt worden. Die Kommunisten haben nicht nur in ihrer Ortsgruppe die ausgelöste Kommunistische Partei Deutschlands neu ausgebaut. Beiträge erhoben und regelmäßige Zusammenkünfte mit politischen Besprechungen abgehalten, sie haben auch rege Verbindung mit den Kommu- nisten Badens und den Emigranten in Frankreich unter- halten. Zum Beweis für die Gefährlichkeit des Treibens die- ser Leute diene die Tatsache, daß zwei französische Karabiner mit Munition und nicht unbedeutende Mengen Sprengstoff in ihrem Besitz vorgefunden worden sind. Es ist in ihren Kreisen schon darüber gesprochen worden, daß die Gcndar- meriestation in Wörth am Rhein in die Luft gesprengt werden solle, daß Eisenbahnviadukte durch Sprengungen beseitigt und Anmarschstraßen unpassierbar gemacht werden sollten. Die Tat der Beschuldigten wird als Hochverrat bewertet werden müssen, so daß ihre Aburteilung in Landau nickt erfolgen wird. Deutsche Lohntüte Wocheneinkommen eines verheirateten städtischen Arbeiters 40 Stunden je 0,64 Mk.= 25,60 Mk. Hiervon ab: Jnva- lidenversicherung 0,75 Mk., Krankenversicherung 0,96 Mk., Erwerbslosenversicherung 0,91 Mk. Gesamtsumme der Ab- züge 2£ 62 Mk. Auszahlung 22,08 Mk vDeuliäe Freili.:f ,r. 169^^^^ Saarbrücken, 3en 25. Juli 1934 ■————*» Mittelalterliche Gewerbepoiifih Frisierte Lohnstatistik Demnächst soll ein neues Handwerkergeset; verkündet Werden. Nach dem, wafl über das Gesetz bisher bekannt wurde, wird die mittelalterliche Zunftordnung ein wenig variiert und adaptiert werden. Das Prinzip der Gewerbefreiheit, natürlich„ein liberalistisdies Vorurteil", wird aufgehoben. In die Handwerksrollen werden in Hinkunft nur Handwerker, nicht aber Unternehmer, die Handwerker beschäftigen, aufgenommen werden. Auf die Weise wird die Innung jeden ihr Nichtpassenden auszuschalten vermögen. Den Obermeistern wird Strafbefugnis eingeräumt, außerdem wird ein„Ehrengericht" geschaffen. Obermeister und Ehrengericht werden das Recht, Lehrlinge zu halten, aberkennen dürfen, bei besonders schweren Fällen kann der Meistertitel abererkannt werden. Alle Handwerkerorganisationen werden aufgelöst, an ihre Stelle sollen die alten Zünfte als Zwangsinnungen treten. Es wird nach dem neuen Gesetz nur noch 70 Berufsgruppen mit 1 300 000 Handwerksbetrieben und fünf Millionen Meistern, Gesellen und Lehrlingen geben. Etwa um das Jahr 1400 wäre dieses Gesetz eine wirtschaftspolitisch wichtige Sache gewesen, 1934 ist es wahnsinnig und wird die Lage des Handwerks nur noch verschlechtern. ,Wird der FAD. eingestellt?. Der FAD.-Macher Hierl war in Ostpreußen und gab dort der„Preußischen Zeitung" ein Interview. Er konnte über die Zukunft des Arbeitsdienstes keinerlei Angaben machen. Es seien zwar für die Arbeitsdienstpflicht alle Voraussetzungen geschaffen worden:„Hinreichend vorgebildete Führer, große Lager und noch größere Aufgaben. Das Entscheidende wird schließlich sein, ob das Reichsfinanzministerium in der Lage sein wird, die nötigen Mittel für den FAD. flüssig zu machen." Man sieht, die großen Nazischnauzen werden immer bescheidener. Not der deutschen Sffliftahrt Durch die deutsche Presse gebt folgende offenbar aus einer Korrespondenz herrührende Betrachtung:„Die größten deutschen Schiffahrtslinien weisen ein mehr oder weniger großes Defizit auf. Es kann nicht geleugnet werden, daß die Mindererträge einzig und allein auf die Unterbietungen durch valutaschwache Länder, vor allen Dingen Amerika und England, zurückgeführt werden müssen. Gleichzeitig hat sich damit auch die Frage erhoben, ob der deutschen Schiffahrt durch staatliche Subventionen geholfen werden könnte. Man steht aber nicht nur Staat- licherseits, sondern auch in der Privatwirtschaft auf dem Standpunkt, daß bisher immer noch Subventionen nur zu einer Zerstörung der Widerstandskraft der Unterstützten geführt hätten. Deutschland hat bisher relativ geringe fcimmen seiner Schiffahrt zugute kommen lassen. Diese Zuwendungen bestanden meistens in der Finanzierung von Schiffsneubauten in der Form von Unterstützungskrediten für die deutschen Werften, wodurch die Schiffahrtslinien in die Lage versetzt wurden, den überalterten Schiffspark zu erneuern. 1933 erfolgte dann die allgemeine Reichshilfe, die ungefähr jährlich 40 Millionen Mark beträgt. Außerdem laufen die Zuschüsse für Reparaturen, Instandsetzungsarbeiten und Neubauten als Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen weiter. Deutschland hat deshalb noch nicht im entferntesten soviel an Subventionen für seine Schiffahrt gezahlt, wie sehr viele ausländische Staaten. Es kann aber kein Zweifel darüber sein, daß eine internationale Schiff ahrtsverstän- digung nur erzielt werden kann durch eine gleichzeitige Verständigung über die Regierungssubventionen."— In Wirklichkeit geht die verzweifelte Lage der deutschen Schiffahrt auf die wahnsinnige Autarkiepolitik der deutschen Regierung zurück. Es ist mehr als naiv, wenn der Verfasser der Notiz annimmt, die englische und amerikanische Regierung mögen ihre Schiffahrten schädigen, damit es der deutschen besser gehen kann. Solange die wahnsinnige Nazipolitik das Reich aus einem Unheil ins andere treibt, wird auch die deutsche Schiffahrt schlecht gehen. Welferer ROdtgang des Masdtlnenaporls Ein gleichgeschaltetes Blatt schreibt:„Im Gegensatz zu der Gestaltung des Inlandsgcschäftes der deutschen Maschinenindustrie hat sich der Absatz nach dem Ausland in den bisher verflossenen Monaten 1934 unbefriedigend entwickelt. Die Auslandsaufträge sanken gegenüber dem letzten Vierteljahr 1933 um rund 15 Prozent; fast die ganze Zunahme, die seit dem Tiefstand zu Beginn des vorigen Jahres erzielt werden konnte, ist wieder verloren gegangen. Die Bedeutung der Auslandsbestellungen nimmt seit zweieinhalb Jahren dauernd ab; gegenwärtig entfällt auf sie nur noch ein Sechstel der gesamten Maschinaufträge.... Gesamtwirtschaftlich kommt der deutschen Maschinenausfuhr entscheidende Bedeutung zu. Die aus dem Maschinenexport anfallenden Devisen bilden eine der stärksten Quellen des gesamten deutschen Devisenaufkommen»...."— Allmählich beginnt selbst in der gleichgeschalteten Presse die Wahrheit durchzusickern. Es geht immer besser „Das vergangene Jahr und das erste Vierteljahr 1934 brachten der Leder- wie der Schuhindustrie Deutschlands eine enorme Beschäftigungssteigerung. Sie war vor allen Dingen auf die Ausrüstung der HJ., des FAD. und der SA. mit Marschstiefeln zurückzuführen. Nach der Eindeckung dieses Bedarfs ist dann das Stiefelgeschäft plötzlich sehr still geworden. Fast gleichzeitig aber setzte eine starke Nachfrage nach Schuhen ein. Soweit man bis jetzt beobachten konnte, handelt es sich zu einem recht großen Prozentsatz leider a u ch um Vorartskäufe, weil das Publikum eine Verknappung der Ledereinfuhr befürchtet, zu der bis jetzt noch nicht der geringste Anlaß vorliegt."— Aus einem gleichgeschalteten Blatt, dem wir schon manche Nachrijljt verdanken und das wir deshalb nicht nennen. Um den Umfang des Lohnabbaus zu verschleiern, veröffentlicht die„deutsche Arbeitsfront" eine Statistik, die vornehmlich der Auslandspropaganda dienen soll. Wir haben uns schon kurz mit diesem Machwerk beschäftigt. Die Statistik gibt den durchschnittlichen Wochenlohn der in den Arbeiterverbänden der„deutschen Arbeitsfront" organisierten Arbeiter im Februar mit 26,22 RM. brutto(das waren zirka 20 Mark ausbezahlter Nettolohn) an. Diese Statistik ist ein plumpes Manöver. Zu Grunde gelegt wurden die Beitragsstufen der einzelnen Verbände; der Lohn eines Arbeiters, der 14,40 RM. verdiente, liegt in dieser Statistik gleich mit einem Bruttolohn von 19,20 RM. Von 5,79 Millionen Mitgliedern wurden nur 3,89 durch die Erhebung erfaßt; die schlecht entlohnten Landarbeiter, Heimarbeiter, Hausgehilfen und die Arbeiter in grafischen Berufen(die durch den Zusammenbruch der Presse in außerordentlichem Ausmaß kurz- Das Italien Mussolinis hat seit 1927, seit der Stabilisierung der Lira, die Löhne um 45 bis 50 Prozent gesenkt. „Zwischen Juni 1927 und Dezember 1928 wurden die Löhne und Gehälter um rund 20 Prozent gesenkt. Eine weitere Lohnsenkung bis zu 10 Prozent fand 1929 statt, und im November 1930 registrierte man eine allgemeine Lohnsenkung, die in gewissen Fällen 18 Prozent nicht überschritt, in anderen Fällen aber 25 Prozent erreichte. 1931 fanden zahlreiche Angleichungen statt"(Biagi, Unterstaatssekretär im Korporationsministerium im„Corriere della Sera" vom 29. März 1932). Von Mitte April bis Mitte Mai 1934 wurden auf Mussolinis strikte Anweisung, der sich die Industriellen nur zu gern gefügt haben, die Löhne erneut um 7 Prozent gesenkt(unter Einrechnung der Kürzung der Familienzuschläge bis zu 10 Prozent) und am 26. Mai hat Mussolini bereits eine weitere Lohnsenkung angekündigt:„Der Arbeitslohn muß unter Umständen noch weitere Senkungen erfahren", um „den Kampf auf dem Weltmarkt fortzuführen und unsere Ausfuhr zu steigern". In Deutschland ist in der Arbeiterschaft die Erinnerung an den Kampf der Gewerkschaften lebendig, die nationalsozialistische Diktatur kann einen offenen schlagartigen Lohnabbau noch nicht riskieren. Irn„dritten Reich" werden die Löhne allmählich gesenkt. Man begann mit der Senkung der Reallöhne, die Preise wurden in die Höhe ge- Ein Textilfachmann schreibt der„Neuen Zürcher Zeitung": Die Zuspitzung der Lage auf dem Devisenmarkt und die Unterbindung der Rohstoffeinfuhr zwingen Deutschland dazu, die vorhandenen Reserven zu strecken. Was jedoch heute in Deutschland alles unter Reserven verstanden wird, erführt man. aus einer Mitteilung des Gauwirtschaftsberaters für das Wirtschaftsgebiet Westfalen, Dr. Josef Klein, der nach dem Bericht der in Berlin erscheinenden ..Textil-Zcitung" in einer Kundgebung in Münster auf die Bedeutung der Lumpen als eine wichtige Rohstoffreserve für die deutsche Textilindustrie hinwies und eine restlose Erfassung dieser Bestände(Abfalltextilien und aus dem Konsum genommene Textilwaren) für die nächste Zeit in Aussicht stellte. Wenn auch diese Verlautbarung mit der beruhigenden Versicherung schloß, die Qualität der deutschen lextil- waren werde durch die Verwendung von Abfallumpen nicht verschlechtert, so wird man dieser Behauptung berechtigte Zweifel entgegensetzen dürfen. Die Verarbeitung wollener Abfälle aus dem Kehrricht herausgelesener Lumpen zu spinnbaren Fasern ruft die Erinnerung an jene Textilprodukte Italienische Juden boykottieren deutsche Waren (ZTA.) Ohne daß eine offizielle Boykottparole ausgegeben worden war, sind die italienischen Juden alle still- schweigend übereingekommen, deutsche Waren nicht zu kaufen und jeden geschäftlichen Kontakt mit Hitler-Deutschland zu meiden. Ein hervorragender jüdischer Gelehrter und Leiter einer wichtigen staatlichen Institution in Mailand— er wünscht nicht, daß sein Name genannt wird— hat das Angebot einer deutschen Firma, einen von dieser vertriebenen neu erfundenen Apparat an seinem Institut einzuführen, zurückgewiesen und wurde deswegen von der Firma im Wege durch das deutsche Konsulat wegen antideutscher Tätigkeit verklagt. Um die Erweiterung des schweizerischen Bata- Betriebes Zehn Gemeinden des Kantons A a r g a u haben bei der Kantonalregierung gegen die Behinderung der Erweiterungsbauten protestiert, die Bata zur Vergrößerung seines Werkes in Möhlin durchführt. Die Gemeinden erklären sich laut der bezüglichen Estrop-Information durch den Plan eines Verbots dieser Erweiterungsarbeiten, das auf Grund des Bundesratsbeschlusses vom 11. Juni erlassen werden soll, ernstlich beeinträchtigt, da hierdurch eine Beschäftigungsmöglichkeit für tausende Arbeiter entzogen werden würde. Krieg, gegen Automaten Das neue Automatengesetz schreibt vor, daß Automaten nur so lange verkaufen dürfen als Geschäfte offen haben. Das Gesetz ist zur Förderung der Automatenindustrie gemacht. Augenblicklich zerbricht man sich die Köpfe, ob auch die Automaten auf den BahühölES yon dem njuen Gesetz betroffen sind, arbeiten) wurden überhaupt nicht berücksichtigt. Bei Bauarbeitern, Holzarbeitern und Steinarbeitern wurde ein Stundenlohn zu Grunde gelegt und durch entsprechende Multiplikation als Wochenlohn aufgeführt, trotzdem im Februar 53 Prozent der Holzarbeiter, 76,4 Prozent der Bauarbeiter und 92,5 Prozent der Steinarbeiter nach der Statistik der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung verkürzt arbeiteten. Wie stark sich der Arbeitsverdienst durch Lohnkürzung und Kurzarbeit weiter verringerte, ergibt sich aus der Abrechnung der in den einzelnen Lohngruppen verkauften Invalidenmarken. Im ersten Quartal 1934 verdienten 29,3 Prozent der Arbeiter wöchentlich noch nicht 12 Mark, also noch weniger, als die durchschnittliche Arbeitslosenunterstützung beträgt, im Durchschnitt 1933 waren es„nur" 26,8 Prozent. trieben. Dann folgte ein kunstvolles System„freiwillliger Spenden, so daß heute vom Bruttolohn nur noch 75 bis 80 Prozent ausgezahlt werden. Als das aus Italien übernommene Spendensystem auf wachsenden Widerstand der Arbeiter stieß. bereitete man den Lohnabbau auf der ganzen Linie vor. Doch schiebt das agitatorisch geschicktere national- sozialistische Regime die Verantwortung den einzelnen Unternehmern zu. Das am 1. Mai in Kraft getretene Arbeits Ordnungsgesetz hat den deutschen Unternehmern Freiheit w der Gestaltung der Lohn- und Arbeitsbedingungen gebracht. Die letzten Schutzbestimmungen der Arbeiterschaft wurden aufgehoben. Die Unternehmer machen von ihrer Freiheit munter Gebrauch. Das Sozialamt der„deutschen Arbeitsfront" mußte(am 9. Juni) feststellen,„daß Unternehmer oder Betriebsführer in falsch(?) verstandener Auffassung von der ihnen durch das Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit gegebenen Freiheit in der Gestaltung der Lohn- und Arbeitsbedingungen sich selbst das Recht nehmen, untertarifliche Löhne und Gehälter zu zahlen". Die Tariflöhne sind nach amtlicher Angabe im ganzen Reiche gesunken. Aber nicht einmal sie werden bezahlt. Der deutsch' Nationalsozialismus will wie der italienische Faschismus den Großbesitz auf Kosten der Arbeiter und Angestellten sanieren. Faschismus bedeute überall Verelendung der arbeitenden Massen. wach, mit denen man sich in Deutschland während des Krieges und in der ersten Nachkriegszeit zufriedengeben mußte. Dieses Stoffmaterial gefiel zwar beim ersten Augenschein, doch durften an dessen Haltbarkeit nur geringe Anforderungen gestellt werden. Das Abgleiten der Rohwollpreise hat dann in der ganzen Welt die Verwendung der aus Lumpen gewonnenen Kunstwolle eingeschränkt bis sie jetzt in Deutschland ihre Wiederauferstehung erlebt. Es soll nicht verkannt werden, daß Deutschland in seiner heiklen Lage nichts unversucht lassen darf, um wenigstens für den Binnenmarkt Ersatz für die ausfallenden Rohstoffe zu schaffen; die Schweiz hat aber ein lebhaftes Interesse daran, sich vor der Einfuhr derart min- derwertiger Qualitäten zu hüten. Eine Abwehr ist in diesem Falle deshalb einigermaßen schwierig, weil es selbst für den Fachmann ohne genaue mikroskopische Untersuchung nicht möglich ist, die Verarbeitung von Kunstwolle festzustellen. Ein wirksamer Schutz wäre jedoch denk» bar, wenn man sich schon jetzt vorsorglich dazu entschließen würde, den Zollsat; für Kunstseide und kunstwolllialtige Textilwaren zu erhöhen, um die Einfuhr nach der Schwei? zu erschweren. Kommt ein Sturz der Weinpreise? Das heiße Jahr ist nach verschiedenen landwirtschaftlichen Berichten für die Weinlese günstig gewesen; allerdings hat die Reblaus mehr Schaden angerichtet als früher, weshalb man die Umstellung auf amerikanische Rebstöcke propagiert. Das Verkaufsgeschäft älterer Bestände ist schwache namentlich an der Saar und in Süddeutschland, wo nodu große Bestände der letzten Lese vorhanden sind, was um so bezeichnender ist, als die- vorige Lese bekanntlich schlecht war. Augenblicklich sieht die Preisgestaltung so aus: an der Nahe und in Rhein-Hessen erzielen bessere Qualitäten 900 bis 1200 RM. pro Stück, das sind 1200 Liter. Moselweine, deren Preise sich nach Lage und Wachstum richten, im allgemeinen 800 bis 1200 RM. pro Fuder(960 Liter). Die Winzer des Westens und Südwestens befürchten eine starke Herabsetzung der Weinpreise. Kaalschuh Beschränkung der Einfuhr Die UeberwachungSstelle für Kautschuk erläßt eilte Anordnung, nach der Firmen, die Kautschuk im In- oder Ausland zur Verarbeitung im Inlande erwerben wollen, der Zustimmung der UeberwachungSstelle in Form einer Ein- k a u s s g e n e b m i g u n g bedürfen. Des weiteren wird der Kreis derjenigen, die gewerbsmäßig am Verkehr mit Kautschuk teihnebmen, aus die vor dem 0. Mai am Verkehr mit Kautschuk teilnehmen, aus die vor dem 0. Mai 1934 Beteiligten begrenzt: ohne Genehmigung der UeberwachungSstelle darf niemand sonst Kautschuk kaufen oder darüber verfügen. Der unmittelbare Einkauf von Kaut- schuf im Ausland ist nur Berarbeitern gestattet, die schon bis- her im Besitz einer allgemeinen Devisengenehmigung waren und diesen nur in dem Umfang, der dem Verhältnis der un- mittelbaren Einkäufe im laufenden Vierteljahr zu den durch Vermittlung eines inländischen Einfuhrhändle rs g etätig te» ÄöuLcn entspricht. Verelendung der arbeitenden Massen Lumpen als Rohsiaffreserve ■ M ®euts€fie stimmen*(Beilefe zu?.I>euisdien tteifkeii'• Itei&nisse und QesMdhteu WDUMM"' ■■iiililllllllillili Dltlll iIM.ni.üi!u ..! Iii,, Mittwoch, den 2d. Juli 1934 Äcei£cMocdete tdqac Jung.- De. lüecnec Schatte- De. lüittg Schmid Vom Qcofreu, Jlausch c? r"^cichsverband deutscher Schriftsteller", die offizielle iriftstellerorganisation des„dritten Reiches", hat vor ® ln'ger Zeit einen Fragebogen versandt, von dessen genauer usfüllung die weitere Berufstätigkeit abhängig gemacht ^urdc. -Man hätte annehmen sollen, daß ein Verband, der vom wiftsteller verlangt, daß er sich ihm mit Haut und Haaren ^schreibt, wenigstens das nackte Leben dieser von ihm„in 'enst genommenen" Autoren zu schützen wisse. Seit dem • Juni 1934 weiß man, daß dieser Verband dazu nicht 0< Ier nicht imstande ist; denn an diesem 30. Juni 34 wurden die deutschen Schriftsteller Dr. Edgar jung, r- Werner Schotte, Dr. Willy S e h m i d erschossen— ••"schössen ohne Gerichtsspruch, ohne Verhör, ja ohne jenes echt auf Verteidigung, das selbst mazedonische Feldgerichte em Angeklagten einzuräumen pflegen. Man wird mich recht ^erstehen: die Erschießung dreier Schriftsteller in einem ' an d, das sich selbst stolz zum Land der„Dichter und enker" ernannt hat, ist nicht nur eine deutsche, sondern ®me das europäische Geistesleben berührende Angelegenheit. 8 geht alle geistig tätigen Menschen an, ob es auf unserem ^'nen Kontinent erlaubt sein kann, Menschen wegen ihrer .riftlich niedergelegten Meinung aus ihren Wohnungen zu reißen und von irgendeinem, vermutlich niemandem verantwortlichen Rollkommando füsilieren zu lassen. Hat Herr oetz Otto Stoffregen, der bisher durch keinerlei geistige Leistung hervorgetretene Führer des„Reichsverbandes outscher Schriftsteller", sich'um das Schicksal dieser drei Erschossenen Schriftsteller auch nur eine Sekunde gewummert? Und wenn er es nicht getan hat, wie reagieren die rutschen, in den Grenzen des„dritten Reiches" verbliebenen ' ohriftsteller auf diesen ihren Berufskollegen gegenüber 'erübten Gewaltakt?__ * Jm November 1933 haben 88 deutsche Schriftsteller, die jemand darum gebeten hatte, dem Reichskanzler Adolf «tler„treueste Gefolgschaft" zugelobt,— demselben eichskanzler, bei dessen Regierungsantritt jene Holzstöße Aufflammten, auf denen die Bücher bisheriger Kollegen verrannt wurden. Das Treuegelöbnis der Flake, Seidel, Renn, ■nding, Ponten, Frenßen, Loerke und Genossen hat damals em Ausland eine etwas merkwürdige Interpretation jenes Kameradschaftsgeistes vorgeführt, von dem gerade in outschland in Lied und Wort so viel Wesens gemacht wird. " heute das Schweigen dieser 88 etwa bedeuten, daß B,e die treueste Gefolgschaft, die sie dem siegreichen Diktator •"boten, bis zur schweigenden Zustimmung zu der ohne einen e riehtsspruch vollzogenen Tötung ihrer Berufskollegen übertreiben wollen? Diese Männer des Geistes sollten zum ödesten von Shakespeare wissen, daß„Mord verübt", wer '•Mörder schont". Sie, die allen geistigen Ausschreitungen •" c» nationalsozialistischen Regimes gegenüber bestenfalls Cin„würdevolles Schweigen" aufbrachten, sollten wissen, W 3" es einen Grad des Schweigens gibt, der Mitschuld behütet; diese Mitschuld muß auch auf jenen„Reichsverband p utscher Schriftsteller" ausgedehnt werden, der seinen Mit- »•"edern zwar einen Maulkorb vorbinden, so lange sie leben, für den sie aber Hekuba sind, sobald sie von halbstaat- 'chen Rollkommandos erledigt worden sind. Diese im„Reichsverband" zusammengeschlossenen deut- Bf iten Schriftsteller, die anscheinend zum Totschweigen der ® 30. Juni vorgefallenen Dinge entschlossen sind, müssen sich gefallen lassen, wenn nach ihrem menschlichen Ver- B Agen das Ausland sich um die Durchleuchtung der Gründe 'emüht, die zur Füsilierung der drei Schriftsteller geführt tabeu. Ich möchte bei dieser Gelegenheit die Führung des 'Eichsverbandes daran erinnern, daß sich in seiner Mitte Er preußische Staatsrat und bisherige Chefdramaturg des Preußischen Staatstheaters, Hans Johst, befindet, der in hinein zwangsweise auf sämtlichen deutschen Bühnen gezielten Landsknechtsschauspiel„Schlageter" den nackten Mord mit folgendem unmißverständlichen Satze gefeiert hat: 'jDie Menschheit braucht endlich wieder Führer und Priester, den Mut haben, Blut zu vergießen und zu schlachten!" u iese Führer, nach denen der heute in ein Capri-Idyll verlogene Dichter Hans Johst ruft, haben sich am 30. Juni Befunden, um ohne Verhör drei deutsche Schriftsteller umzubringen. ♦ , Edgar J u n>,-> in seinem Buch„Die Herrschaft der Minderwertigen" den I>„Utwe!s zu bringen versucht, daß die Uc mokralie(und der inr verbundene Parlamentarismus) eine Unterweriige Spezies Mensch zur Macht kommen lasse,—- e"ien unheroischen Typus, der gefährlichen Entscheidungen Ausweicht und überall die Durchsetzung einer verkleinerten, Mittelmäßigen Menschenart ermöglicht. Ich halte es persön- jEn mit Montesquieu, der gesagt hat:„Heureu» le peuple, U°nt l'historic est ennuyeuse" und möchte mich bei diesem Mnlaß mit einer Auffassung von Politik nicht auseinander- J^Öen, nach der es wichtig ist, alle Staatsposten mit einem 'roß heroischer Uebermenschen zu besetzen. Jedenfalls ^Atten unter der Herrschaft der„Minderwertigen", die dem Hitlerreich vorausging, auch in Deutschland jene zehn Gebote Gültigkeit, ohne die keine Nomadenhorde bestehen Aann. Edgar Jungs Buch hat viel zur Erzeugung jener Mentalität beigetragen, al» sei ein Volk in einer Krisen- Sll«ation durch eine Garde von über allen Normen der Ethik 'bid der Logik stehenden Politikern besser regiert als durch ^urmalinenschen, die sich noch an die in allen zivilisierten i'äaten gültigen Rechtsbezriffe gebunden fühlen. Jetzt aber, a die„minderwertigen" Anhänger' der Demokratie längst uurch eine nur sich verantwortliche Führergarde ersetzt sind, ^Ar mit der Demokratie auch die Rechtsgarantie eines un- Aßhängigeü Tribunals ausgetilgt, vor dem der arme Jung»ich mit geistigen Waffen hätte verteidigen können. Edgar Jung war -Von Freunden gewarnt worden] aber er blieb in seiner Wohnung, da er sich vor seinem Gewissen keiner anderen Schuld bewußt war als die bekannte Marburger Rede des Vizekanzlers von Papen, des zweithöchsten Beamten des Reiches, mitkonzipiert zu haben— jenes Herrn von Papen, der heute noch sein Amt in der Regierung innehat. Am 30. Juni wurde er verhaftet; und am selben Tage getötet. Tagelang hoffte Jungs Frau, daß ihr Gatte noch am Leben sei. Schließlich wurde ihr als Antwort ohne weiteren Bescheid die Aschenurne ihres Gatten zugestellt. * Dr. Werner Schotte, der Redakteur der„Führerbriefe", die auf die deutsche Politik im Sinne eines autoritären Kurses Einfluß zu nehmen suchten, entstammt der Sphäre jenes Berliner„Herrenklubs", der zum Unheil Deutschlands in der Politik herumdilettiert. Moeller van den Bruck, der sein Buch„Das Dritte Reich" dem prominenten Herrenklubmitglied Heinrich von Gleichen gewidmet hat(der eben noch die schützende Grenze erreichte), erwägt in diesem Buch kalten Blutes die Möglichkeit, ob es nicht doch vielleicht nötig sei,„die eine Hälfte des deutschen Volks" auszurotten, bevor Deutschland der großen„Erneuerung" teilhaftig werden könne. Aber der Blutrausch, den er auf dem Papier in das Spiel einkalkulierte, konnte in der Realität auch vor der Türe eines Herrenklubs nicht abgestoppt werden. * Der dritte der am 30. Juni erschossenen Schriftsteller ist der Münchener Musikschriftsteller Dr. Willy Schmid, der an den„Münchener Neuesten Nachrichten" als Musikkritiker tätig war und noch vor kurzem nach den Eindrücken der Berner Festwoche einen Aufsatz über Otmar Schoeck geschrieben hatte. Willy Schmid, den seine Freunde als„vornehm-schlichten und gütigen Menschen" schildern, wurde erschossen, weil man ihn mit dem(inzwischen gleichfalls getöteten) SA.-Gruppenführer Wilhelm Schmid verwechselt hatte. Das heißt also: die Exekution Willy Schmids ging unter Formen vor sich, die dem unglücklichen Münchener Schriftsteller noch nicht einmal den Nachweis ermöglichte, daß er nicht der Gesuchte war.(Vielleicht interessiert sich der Präsident der Musikkammer Richard Strauß für den Fall Willy Schmid; hat doch Schmid kurz vor seinem Tode einen Aufsatz„Das Münchnerische bei Richard Strauß" veröffentlicht. Wird Willy Schmids gewaltsamer, unschuldig erlittene Tod das„Menschliche bei Richard Strauß" zum Vorschein kommen lassen?) * Zwei Tage nach dem 30. Juni aber hat der Stellvertreter des Führers in einer Rede, in der er den französischen Außenminister ob dessen Begeisterung für Richard Wagner umworben hat, ausdrücklich erklärt, es habe einen tiefen Sinn, wenn im Falle militärischer Unruhen jeder zehnte Mann erschossen werde. Da nach der heutigen nationalsozialistischen Staatsauffassung jeder deutsche Bürger irgendwie als Soldat seines Landes anzusprechen ist, bat Rudolf Heß demnach mit seiner Lobpreisung der Dezimierung einer Truppe„ohne Ansehen der Person und der persönlichen Schuld" den Kernsatz des neuen germanischen Rechts formuliert. Diesmal, am 30. Juni 1934, haben sich drei deutsche Schriftsteller unter diesen ohne weiteres zum Tode verurteilten„zehnten" Männern befunden. Wie bekannt, hat sieh dieser Tage der Münchener Schriftsteller Erich Mühsam, ein Mann von 57 Jahren, nach 16monatiger qualvoller Haft in einem Konzentrationslager (laut amtlicher Darstellung) erhängt. In den Gefangenen- und Konzentrationslagern des„dritten Reiches" befinden sich seit März 1933 u. a. noch folgende deutsche Schriftsteller: Ludwig Renn, Carl v. Ossictjky, Carlo Nierendorf, Armin T. Wegner, Kurt Hiller, Fritz Gerlich, Ernst Hardt. Da die deutschen Schriftsteller schweigen, wird es hohe Zeit, daß die nicht unter Terror gestellten Schriftsteller der Welt auf Mittel sinnen, ihre aufs höchste bedrohten Berufskameraden zu retten, so lange sie noch zu retten sind. Hermann Lepel. Ibas einem 3Jfaccez passiecen kann „Horst-Wessel-Truppe in der Ewigkeit" In der„Times" berichtet ein englischer Pfarrer über ein Erlebnis, das er während einer Deutschlandreise in München hatte. Ein Hitlerjunge wurde beerdigt, und der Gebiet*- führer erklärte bei der Beisetzung der Asche:„Du bist nun in die himmlischen Heerscharen Horst Wessels eingegangen." Der anwesende Pastor sagte dazu:„Ob es in der Ewigkeit eine Horst-Wessel-Truppe gibt, weiß ich nicht" und fuhr dann in seiner Trauerandacht fort. Der Gebietsführer trat jedoch vor und erklärte:„Kamerad, Du bist bestimmt in Horst Wessels Heerscharen eingegangen." Der Pastor antwortete:„Ich muß dagegen protestieren" und verließ den Friedhof. Drei Tage später wurde er verhaftet und erst nach sechs Tagen freigelassen. Jotatuecnocdetec Vernordung tut not Auf dem nationalsozialistischen Äerzte- kongreß in Dortmund sprach Dr. J e ß:„Wir wollen den nordischen Geist, der die Kulturen des Altertums schuf, und das nordische Blut wieder zur Geltung bringen. Unter schweren Bedingungen wurde dieses Blut in grauer Vorzeit gezüchtet. Ins Wandern gekommen, unterwarfen sich seine Träger, die Massen der dunklen Völker. Viel ist im Lauf der Zeit gegen das Blut gesündigt worden, aber heute schreiten wir von dgr Entnordung zur Totalvernordung des VnIWes.'S~ Wir waren klug, ach viel zu klug. Und warn nicht klug genug. Wir sprachen zur Sache, zur Sache stets. Betrüger schrien:„Betrug!" Und gingen hin mit viel Gebrüll Und tobten, drohten, logen. Zu ihnen sind, mit ihnen sind Durch Dick und Dünn gezogen. Für die ein Räuschlein angenehm,— Ein Rausch, der Rausch viel lieber. Sie taumelten vorwärts, sie griffen in die Luft Und purzelten hinüber..« Sie fanden sich wieder im Sonnenreich, Im Paradies auf Erden. Und wenn sie auf Marsch, bei Fest und Gesang, Dann fragten sie nicht: Was soll werden? Doch als sie genügend Lärm gemacht—> Und als sie ausgeschlafen, Da fühlten sie Ketten und Fesseln und Last Da ahnten sie: Wir sind Sklaven. Sie rieben sich die Augen aus Und wunderten sich sehr. Sie sehen sich die Angen aus. Die Ketten bleiben schwer. Der Rausch wird überaus teuer bezahlt. So teuer, wie nie sie gedacht. „Was wird? Was soll werden", So fragen sie... So klagen, die erwacht. Aus Gläubigen wurden Gläubiger. Sie waren hineingezogen. Sie müssen mit! Und woll'n nicht mehr... Der Rausch, der Rausch ist verflogen. Heinz Wielek JUiul Ciaadel und die Itauen Dieser Tage erscheint ein kleiner Gedichlsband des großen französischen Dichters und Diplomaten, ein Gedichlsband mit dem Titel„Hör' zu mein Mädchen", der außer bereits bekannten auch einige unveröffentlichte Gedichte enthalten wird. Mit der Herausgabe dieses Auswahlbandes verfolgt Claudel einen besonderen Zweck, was schon durch eine Widmung angedeutet wird:„Den Frauen und jungen christlichen Mädchen Frankreichs, Belgiens und Kanadas ist dieses Buch ehrerbietigst gewidmet". Der Sinn dieser Widmung ergibt sich näher aus einer kurzen Erklärung, die Claudel über dieses Werk gemacht hat: Eine große katholische Organisation hat kürzlich bei 20 000 französischen Mädchen und Frauen Umfrage über deren literarischen Geschmack gehalten. Fast einstimmig liefen diese Klagen auf diese Klage hinaus: Warum beschäftigt man sich nicht mehr mit uns? Warum verachtet man uns? Warum findet man in fast jedem neuen Buch, das man aufschlägt, statt trostvoller und erhebender Dinge diese entsetzliche Leere, die durch das Fehlen des Göttlichen entsteht, wenn es sich um die Beschreibung der scheußlichsten Seiten des menschlichen Lebens handelt, das mit einer Art trockener Ironie und einer bösen Freude dargestellt wird?" Um diese pathetische Forderung zu erfüllen, hat ein französischer Dichter aus seinem Werk die Seiten ausgewählt, die ihm durch die Heilige Schrift, durch die Lithargie. durch das christliche Leben eingegeben wurden und die ihm am besten geeignet schienen, die weibliche Seele zu berühren und zu stärken. Für sie, für alle aufrichtigen Christen sind sie geschrieben worden. Was werden die 20 000 Frauen antworten, wenn sie nach der Lektüre dieses Werkes nochmal nach ihrer Meinung gefragt werden sollten? tili Sammelband Andce Qides Nach Albert Einstein veröffentlicht nun auch der französische Dichter Andre Gide eine Sammlung seiner Betrachtungen Uber politische und soziale Zeitfragen. Er faßt sein Glaubensbekenntnis in folgenden Sätzen zusammen:„Während der Faschismus jede persönliche Freiheit unter der staatlichen Uebermacht erbarmungslos zermalmt, schafft der Kollektivismus, indem er die Schranke der Klasse, der Rasse und der Nation beseitigt, den Raum zur Entfaltung eines wirklich lebendigen Individualismus, der für alle Menschen und nicht nur für eine bevorrechtete Minderheit erreichbar ist. In der kollektivistischen Gesellschaft von morgen wird die einzige notwendige Ungleichheit diejenige des Verdienstes und des persönlichen Wertes sein; was verschwinden wird, sind lediglich die künstlichen Ungleichheiten, die in der heutigen Gesellschaft durch die Uebermacht des Geldes hervorgerufen sind." Cin biblisches, fteama 3xam lüecfels Max Reinhardt hat in den letzton Tagen zahlreiche Besprechungen mit dem deutschen Komponisten Kurt Weil gehabt, der die Musik zu der nächsten Inszenierung Reinhardts, dem neuesten Werk Franz Werfeis, einem„Volk der Verheißung" betitelten biblischen Drama. Die Uraufführung dürfte voraussichtlich in der Londoner Albert Hall stattfinden; für die Rolle des Moses ist Feder Schaljapin in Aussicht genommen. Franz Werfeis neues Drama hat eine ganz eigene Form, das gesprochene Wort geht zuweilen in Rezitation und Gesang über. Das Thema stützt sich auf vier Begebenheiten aus dem Alten Testament, die teils in die Zeit der Erzväter, teils in die der Propheten fallen. 3aczan veeboten Der Leite, der Filmorüfstelle hat den Me..ifc£oldwya- jülajex- Film„ Tarza n and bis nute" yerbQtyy Das bunte Blatt »Deutsche Freiheit" Nr. 169 Mittwoch. 26. Juli 1984 Die„russische Venus" „Das schönste Perlenkollier der Welt" London. 28. Juli 1984. In einem Krankenhaus in London ist vor einigen Tagen eine alte Frau in großem Elend gestorben, einsam und verlassen, ein Schicksal unter vielen. Der Arzt wollte den Totenschein ausstellen, aber kein Mensch wußte zunächst den Namen dieser Frau, und man mußte erst Nachforschungen anstellen, um ihre Identität festzustellen. Da erfuhr man dann, daß diese Frau Vera Taberkow hieß, ein Name, mit dem sich der Glanz früherer Tage verband, Reichtum und Ansehen, und man erinnerte sich, daß diese Frau einst den stolzen Beinamen einer»russischen Venus" erhalten hatte, daß sie lange vor dem Weltkrieg eine große Rolle in Peters- bürg gespielt hatte. Es war einmal.... so kann man wirklich die Geschichte der Vera Taberkow beginnen. Sie war das Kind armer Eltern und mußte schon in ihrer frühesten Jugend ihr kärg- liches Brot als Wasserträgerin selber verdienen. Aber sie war schön, sehr schön und sie machte die Bekanntschast eines der größten Juwelenhändler von Petersburg, der sie aus ihrer elenden Umgebung herausriß und sie als Verkäuferin in sein Geschäft nahm. Er hatte einen guten Griff getan, denn die Schönheit und die Anmut seiner Verkäuferin ver- schafften ihm die reichsten und vornehmsten Leute der Stadt als Kundschaft, in der ganzen Gesellschaft sprach man von dieser schönen Verkäuferin. Der Juwelenhändler wurde kurz darauf sogar Hoslieferant der Zarenfamilie, und er heiratete schließlich die Frau, die ihm so viel Glück gebracht hatte. Das war um das Jahr 1890. Vera Taberkow begann ein Leben in Reichtum und Glanz, in ihrem Salon waren die höchsten Persönlichkeiten ständig zu Gast, sie wurde ver- ehrt, sie wurde bewundert? vergessen waren die Armut und das Elend ihrer Vergangenheit. Ueberall hieß sie nur ncch die»russische Venus", die Welt lag ihr zu Füßen. Eines Tages, so erzählt man sich, erschien in dem Juwe- liergeschäft, in dem die„russische Venus" regierte, ein junger russischer Prinz und verlangte das„schönste Perlenkollier Filmstar oder Ataatsprästbent? Präsident Roosevelt ist zwar der„erste Mann" in den Vereinigten Staaten, aber er ist schlecht bezahlt. In der Rangliste der höchsten Gehaltsempfänger steht er weit hin- ter vielen anderen amerikanischen Berühmtheiten zurück— insbesondere hinter den Filmstars.— Wie«ine der letzten Statistiken aus Hollywood erkennen läßt, beziehen 119 Filmstars feste Bezüge, die weit höher sind als das Gehalt des Präsidenten Roosevelt. Drei weitere Filmstars beziehen genau soviel wie er: 75 000 Dollar. Das höchste Gehalt für einen männlichen Filmschauspieler das je gezahlt wurde, ist 316 000 Dollar im Jahr, das höchste Jahresgehalt einer Filmschauspielerin ist 191 000. Eigenartigerweis« ist in dieser Statistik kein Name genannt— jeder große Star kann so behaupten, er hätte den Rekord innegehabt!— Die Ame- rikaner achten bei der Zuteilung der Gehälter nicht auf das Alter, nur der Erfolg, die Beliebtheit beim Publikum entscheidet. Lange Zeit hindurch bezog Mary Dreßler, die berühmte komische Alte die höchste Gage von Hollywood. Jetzt macht die Gage eines fünfjährigen Filmwunderkindes Sensation: Shirley Temple, die bisher 150 Dollar die Wo- che bezog, hat jetzt unter Androhung des Kontraktbruches ein wöchentliches Honorar von 1250 Dollar zugestanden er- halten. Ihr Vater, ein Neunorker Bankier hatte das Dop- pelte gefordert— die Familie kann auch so zufrieden sein. gestorben der Welt". Der Ehemann der„Venus" konnte natürlich dem Kunden mit einem derart außergewöhnlichen Stück nicht dienen, aber der junge Prinz bestand auf seinem Verlangen, und der Juwelierhändler mußte eigens nach Indien reisen, um das gewünschte Kollier zu beschaffen...■ Klingt das nicht wie ein Märchen aus Tausend und einer Nacht? Während der Gemahl sich auf die Suche nach„den schönsten Perlen der Welt" begeben hatte, tröstete sich die„Venus" mit dem Prinzen, der sie mit Liebeserklärungen verfolgte. Als der Juwelenhändler von seiner Reise zurückgekehrt war, schickte er eine Auswahl der wundervollsten Perlen dem Prinzen ins Haus, dazu natürlich die Rechnung, die sich auf nicht weniger als drei Millionen Rubel belief. Eine Stunde später erschien in dem Juweliergeschäft ein Diener des Prinzen, überbrachte einen Scheck über drei Millionen — und das Perlenkollier! Er überreichte gleichzeitig Vera Taberkow einen Brief, in dem der Prinz sie bat, dieses Ge- schenk anzunehmen. Wer wollte jetzt noch sagen, daß dies nicht wahrhaft ein Märchen wäre? Vera Taberkow nahm beides an, den Scheck und das Kol- lier, und jetzt konnte sie wirklich behaupten, Juwelen zu be- sitzen, die an Wert den Juwelen der Zarin nicht nach- standen, ja, sie fast übertrafen! Das war der Höhepunkt ihrer märchenhaften Karriere. Auf die Jahre des Reichtums folgten wieder die dürren Jahre des Elends. Es kam die russische Revolution, der Juwelierhändler und viele seiner reichen Kunden wurden an die Wand gestellt, der„russischen Venus" aber gelang es, nach England zu entkommen. Sie hatte noch beträchtliche Teiles ihres Vermögens retten können, aber sie gab das Geld in Lbndon mit vollen Händen aus, bis eines Tages ihre Kasse leer war. Sie war wieder zu jener Armut zurück- gekehrt, aus der sie gekommen war, doch die Schönheit war verflogen, sie war eine alte Frau. Jetzt also ist sie gestorben, diese Frau, die einmal im Leben ein Leben in Reichtum, Schönheit und Glanz geführt hat, eine Frau, deren Namen und deren fantastischen Auf- stieg man in der erregten Zeit des Nachkriegs schon vergessen hate. Es war einmal..., R. P. Willen s>ie schon... ...welche Stadt man das„Capua der Geister" nennt?— Wien(nach Grillparzer). ...woher der Sherry kommt?— Von Jerz de la Fron- tera(Spanien). ...wie die Mutter des Achilles hieß?— ThetiS. ...was Thomas de Torquemada war?— Ein berüchtigter spanischer Großinquisitor(1420-1498). ...was ein Afrikandcr ist?— Ein in Südafrika geborener Abkömmling weißer Einwanderer. ...wann etwa Buddha lebte?— Um 500 v. Chr. ...wie die Japaner ihren Ehrenkodex nennen?— Buschido. ..welches das Buch war, in dem Ruydard Kippling zu- erst den Urwald verherrlichte?— Das Dschungelbuch. ...wieviel Reisende schätzungsweise jährlich den Suez- kanal durchschwimmen?— Rund 500 000. ...wer zuerst Afrika umschifft hat?— Die Phönizier, etwa 000 v. Chr. ... daß kaltes Wasser heilen kann? Es machte große? Aufsehen, als der englische Arzt Right 1777, an Bord eines Schiffes an Typhus erkrankt, sich kalten Begießungen unter- zog. 1820 wendete dann der deutsche Arzt Vincenz Prieß- Nitz erstmalig Kaltwasserkuren systematisch gegen vexschie- dene Krankheiten mit gutem Erfolg an. Weltbekannt wurde dann Sebastian Kneipp mit seinen Kuren. Der Schäferhund als Mörder In Frankfort, im Staate Kentucky, war ein Schäfer« Hund regelrecht von einem Gericht zum Tode durch die Kugel verurteilt worden, weil er einige Schafe umgebracht hatte. Die letzten Tage verbrachte„Patsy", so heißt der Hund» im Stadtgefängnis von Frankfort. Kurz vor dem Hinrich- tungstermin, so berichten die Neuyorker Blätter, legten die Gefängniswärter zusammen und ließen Patsy, den sie alle liebgewonnen hatten, eine große Portion Ochsenschwanz als Henkersmahlzeit kommen. Eine Stunde später sollte er er- schössen werden. Patsy war gerade mit dem letzten Bissen fertig, als ein Kurier des Gouverneurs von Kentucky ein- traf und dem Gefängnisdirektor ein versiegeltes Schreiben überreichte. Es war die Begnadigung Patsys! Die Urkunde enthielt 500 Worte jenes altmodischen Englisch, in dem die Gouverneure von Kentucky heute noch mit den Staats- bürgern verkehren. Es hieß darin, daß Patsy„ein exew- plarisches Leben" geführt habe, bis er in schlechte Gesellschaft geraten sei! Da aber sein Herr gelobt habe, dafür zu sorgen, daß er sich in Zukunft anständiger benehmen werde und da auch die letzten Schafherden in der Gegend an Chikagoer Großschlächtereien verkauft worden wären, so daß weitere Mordtaten Patsys nicht zu befürchten feien, habe er, der Gouverneur von Kentucky, Gnade für Recht ergehen lassen. O;ean Töpenickiade Zwei unbekannte Hochstapler haben ihre große Ähnlichkeit mit den im ganzen Lande gefeierten polnischen Ozean- sliegern Josef und Benjamin Adamovicz ausgenützt, einige Tage auf Kosten der Bevölkerung gut zu leben und sich umjubeln zu lassen. Während die echten Brüder Adamovicz in Warschau weilten, kündigten die Hochstapler in deren Namen ihre Ankunft in Lodz und Czenstochau an. Zu ihre» Ehren wurden in diesen beiden Städten große Empfänge und Diners veranstaltet. In blumengeschmückten Wage» fuhr das falsche Brüderpaar durch die Straßen zu den großen Ehrenveranstaltungen, an denen Vertreter der Be- Hörden, der Aeroklub und andre Organisationen teilnahmen. Die beiden Hochstapler begnügten sich aber nicht mit dieser noch relativ harmlosen Irreführung der Bevölkerung, son- dern sammelten auch noch Gaben für den Ankauf eines Ozeanflugzeuges. Der nackte Verkäufer In Marseille ereignen sich die tollsten Geschichten. Neulich erblickten ein paar Polizisten in einer Nebenstraße des alte» Hafenviertels ein vollständig nacktes Individuum, das Arm einen Korb voller Haselnüsse trug.„Was tust du hier in diesem Aufzug," fuhren ihn die Polizisten an.„Ich ver« kaufe meine Haselnüsse," antwortete der andere unerschütter- lich. Als man den Händler, einen Araber, auf die Wache führte, erzählte er, Freunde hätten ihn nach einem erregte» Streit ausgezogen und seine Sachen weggenommen. Da er keine anderen besäße, andererseits aber leben müsse, habe er sich entschlossen, sein Gewerbe ohne Bekleidung weiter zu betreiben. Er wurde von der Polizei mit Kleidern ver- sehen und nicht weiter verfolgt. Vrüsteler Weltausstellung 1935 Im nächsten Jahre wird in Brüssel eine große internatio- nale Ausstellung stattfinden, die den Namen„Brüsseler Weltausstellung 1935" trägt. Zur Zeit werden umfangreiche Vorarbeiten durchgeführt. Man arbeitet gerade an der Fertigstellung eines Stadions, in dem 75 000 Personen Platz finden werden. Auf dem Gelände werden große Messehalle»' Gartenanlagen und ein Vergnügungspark gebaut. Zahl- reiche europäische Länder haben bereits ihre Teilnahme zü' gesagt. Unsere Töchter, die Oapnen Roman von HermyniaZur Mühlen. 61 Ucberhaupt gibt es trotz dem hehren Ernst dieser Tage immer wieder allerlei, das einen zum Lachen bringt. So neulich, alS sie den sozialdemokratischen Bürgermeister zwangen, mit der Hakenkreuzfahne durch die Straße zu marschieren. Ich gönnte es ihm? seine Frau war nach dem Umsturz so unliebenswürdig zu mir. Der Bürgermeister schnitt ein Gesicht wie ein kranker Affe, und wenn er stehen blieb, erhielt er von unserer braven SA. einen gutmütigen kleinen Hieb. Dann lief er immer ein paar Schritte, und die Jungens bogen sich vor Lachen. Am folgenden Tag hieß es. man habe bei ihm hochverräterische Dokumente gesunden und er sollte verhaftet werden. Aber da war unser Bürgermeister mit einem Mal verschwunden. So sind diese Herrschasten: sie haben nicht für einen roten Groschen Mut. In der ganzen Stadt wurde herumgeredet, wo er wohl sein könne, denn die Schweizer Grenze war streng bewacht. Ich habe so meinen Verbacht: es gibt nur einen Menschen, der ihn versteckt haben kann. Und ich sagte zu meinem künstigen Schwiegersohn, dem Baron Hellsdorf: „An eurer Stelle würde ich bei der Gräfin Agnes Saldern Haussuchung halten. Ich weiß genau, baß diese Frau eine wütende Feindin unserer Bewegung ist. Es geht bei ihr so weit, daß sie mich nicht einmal mehr grüßt. Außerdem habe ich den Verdacht, daß sie jüdische Ahnen hat." Mein künftiger Schwiegersohn, der Baron Hellsdorf, war hocherfreut über meinen Rat. Er ging selbst mit vier SA.- Leuten Haussuchung machen. Später schilderte er uns die ganze Begebenheit. Die Gräfin Agnes empfing selbst die Leute, sehr ruhig, sehr gelassen und furchtbar hochmütig. Sie saß in einem großen Lehnsessel und betrachtete alle durch ihr Lorgnon. Mein künftiger Schwiegersohn, der Baron Hells- dorf, wollte sie überrumpeln und schrie sie an: „Sie haben den Bürgermeister bei sich versteckt. Geben Sie ihn sofort heraus." Die alte Frau blickte ihn lange an, dann sagte sie gelassen: „Seit wann haben die Hellsdorf vergessen, wie man mit einer Dame umgeht? Dieser Ton ist hier nicht am Platz." Ein junger, eifriger SA.-Mann drängte sich vor: „Her mit dem Bürgermeister, sonst...!" Die alte Frau lächelte. „Ach, das ist ja der Hermann, der früher bei den Kommu- nisten war und wegen Trunksucht aus der Partei ausge- schlössen wurde. Trinken Sie noch immer so viel, mein Sohn?" „Werden Sie endlich unsere Frage beantworten?" brüllte mein künftiger Schwiegersohn, der Baron Hellsdorf, die alte Frau an. Es war ja begreiflich, daß er diese Beleidigung ^ines braven SA-Mannes nicht einfach durchgehen ließ. „Sobald Sie die Frage in einem anständigen Ton an mich richten, werde ich sie beantworten." Die alte Frau lächelte noch immer, nahm ruhig eine Zigarette aus der Silberdose und entzündete sie. „Wo ist der Bürgermeister?" schrie ein zweiter der SA.- Leute. „Der Alfred," sagte das freche alte Weibsbild.„Ja, der Alfred. Ihre Mutter hat mir oft vorgejammert, was für ein Tunichtgut Sie sind. Erinnern Sie sich noch, wie Sie als Junge bei mir im Garten Acpfel gestohlen haben und ich Sie losbitten mußte, damit Sie keine Prügel bekommen?" Mein künftiger Schwiegersohn, der Baron Hellsdorf, merkte, daß die Alte sich nicht einschüchtern lasse. Er fragte daher ganz höflich: „Haben Sie den Bürgermeister versteckt? Ich rate Ihnen im Guten, die Wahrheit zu sagen." Die Alte zuckte die Achseln. „Wir Saldners pflegen nicht zu lügen, Baron Hellsdorf. Wir haben auch nie zu den Menschen gehört, die sich einem siegreichen Pöbel anschließen. Bis auf mein« Tochter Claudia. Sie wissen ja, daß sie bei Ihrer Partei ist. Glauben Sie wirklich, ich würde die Verantwortung übernehmen, den Bürgermeister im gleichen Haus mit meiner Tochter zu verstecken?" Und dann sagte das freche Weibsbilds „Sie können sich setzen, meine Herren, wenn Sie wolle»- Sie sind zwar ungebetene Gäste, aber immerhin Gäste. U» 9 wenn der Baron Hellsdorf seine Manieren vergessen hat' ich habe es nicht getan." Mein künftiger Schwiegersohn, der Baron Hellsdorf, der sich von den unverschämten Anwürfen der Alten peinlich berührt fühlte, schickte die SA.-Leute aus dem Zimmer u» 9 blieb mit der Alten allein. „Sagen Sie jetzt endlich die Wahrheit," herrschte er sie a»- Sie betrachtete ihn durch ihr Lorgnon von oben bis unte»- Dann sagte sie: „Ihre Mutter war meine Freundin, ich bin froh, daß\ lt gestorben ist, ohne diese Schande zu erleben." „Wo ist der Bürgermeister?" Mein künftiger Schwiegersohn, der Baron Hellsdorß konnte sich kaum mehr beherrschen. Er sagte uns, daß er t> et Alten am liebsten eine heruntergehauen hätte. Und weiß Gott, daß sie es verdiente. „Ich nehme an, daß Ihre Leute jetzt mein Haus durch' suchen. Sie werden außer meiner Tochter Claudia und det Dienerschaft niemand finden. Uebrigens möchte ich Sie darau! aufmerksam machen, daß das, was Sie hier tun, Haus' friebensbruch ist." „Sie werden Ihre Haltung noch bereuen." Die Nlte lachte. „Wollt Ihr mich einsperren? Mein Großvater hat auf de»' Spielberg gesessen, es wird für mich eine Ehre sein, seineiö Beispiel zu folgen. Was liegt ay einer alten Frau?" Mein künftiger Schwiegersohn, der Baron Hellsborf, wollt 9 eben energisch gegen die Alte vorgehen, da flog die Tür aul- und Claudia stürzte ins Zimmer. „Was wollt Ihr von meiner Mutter?" schrie sie. „Nichts, nichts. Wir wollen nur, daß sie den Bürgermeister den sie versteckt hat, herausgibt!" „Er ist nicht hier!" schrie Claudia außer sich.„Wie kö»"t Ihr wagen, eine alte Frau zu belästigen, ihr zu drohe»? Ich bin in der Partei, ich werde wich beschweren." Mortjetzung folgt-! Befg'iebsfiigireff' in die ..Arbeltsfront"! öas wahre mationa alistische Endsiel ist enthüllt Der Stellvertreter des„Führers der Wirtschaft", Graf fön der Goltz richtet soeben an die Betrtcbssührer einen Aufruf zum Eintritt in die„Deutsche Arbeitsfront". Es ist ein Dokument, das mit erstaunlicher Offenheit zeigt, dag die einstigen gelben Gewerkschaften gegen diese »Deutsche Arbeitsfront" ein Muster sozialer Interessen- Vertretung und sozialen Kampsgeistes gewesen sind. Mit welcher Begründung empfiehlt Herr von der Goltz den Betricbsführern den Beitritt? Wir müssen wörtlich zitieren: „Sozialpolitische Auseinandersetzungen innerhalb der Wirtschaftsorganisation sind gesetzwidrig und verboten. Ebenso ist„nach dem Willen unseres Führers Adolf Hitler die Deutsche Arbeitsfront nicht die Stätte, wo die materiellen Fragen des täglichen Arbritslebens ent- schieben, die natürlichen Unterschiede der einzelnen Ar- beltsmcnschen aufeinander abgestimmt werden". lAufrus vom 27. November 1933.) Niemand kann wollen, daß die rclne Atmosphäre gegenseitigen Bcrstchcn-Wollens, wie die Erziehung der Arbeitsfront sie fördert, entwertet wird durch den Hintergedanken materieller Interessenvertretung. Tie Arbeitsfront führt die Mensche» zusammen,' ihre Interessen auseinanderzusetzen ist deren eigene Sache, be- trcut vom Treuhänder des RS.-Staates und seiner Bei- räte. Interessenmittler dieser oder jener Richtung kennt das Gesetz freier nationalsozialistischer Menschen nicht. Sache des Unternehmertums i,. es in erster Linie, dein Ge- setz des Führers Geltung zu verschaffen. Wer ohne zum Betrieb zu gehören für den Bctriebsführer mit der Gc- folgschast über Interesscnsragen verhandelt, handelt gesetz- widrig. Wer statt mit der Gefolgschaft mit betriebsfremden Vertretern verhandelt, handelt gesetzwidrig. Wie soll der Arbeiter das Gesetz achten, wenn es fein Bctriebsführer selbst nicht tut!" Das ist also das Erbe einer mehr als scchzigjährigen Ge- werkschaftsarbeit! Die„Deutsche Arbeitsfront", die die Ber- bände ersetzen sollte, ist ein Tolidaritätsverein von Unter- nehmern und Arbeitern, in dem„sozialpolitische Erörtc- rungen" verboten sind! Hier soll man sich„gegenseitig ver- stehen", gehorsam den» Führer und wirtschaftlich abhängig hoi» Treuhänder. Hier kann der Unternchmersührcr seinem -lrbcitcr-Gefolgsmann auf die k hulter klopfen, ungestört durch„Hintergedanken materieller Interessenvertretung". Und der Sozialismus? Wie es damit heute steht, veranschaulicht bildhaft der„Westdeutsche Beobachter" (18. Juli), wo wir wörtlich lesen: Die Deutsche Arbeitsfront ist der Garant dafür, dast die Entwicklung im nationalsozialistischen Geiste voran- schreitet. Dem deutschen Arbeitertum ist von der Beivcgung nie ein„Paradies" versprochen worden. Wir ivollen auch kein Paradies haben, sondern wir wollen nur, dast jeder nach seinen Fähigkeiten in die Lage versetzt wird, seine Kräfte zu regen und sich den Platz zu erobern, der ihm t».. gebührt. ■»«* Dast dieser Kamps sich in Formen vollzieht, die dem gesunden Rechtsempfinden des deutschen Rottes entsprechen, darüber wacht die Deutsche Arbeitsfront. Sie hat dafür gesorgt, dast der Klassenkampf aus ber einen und der Standesdünkel auf der andern Seite ausgerottet wurde, und sie wird dasür sorgen, dast in der Zukunft die alten Fehler nicht wieder gemacht werden. Die Entwicklung ivird zeigen, wer sich den Forderungen der neuen Zeit unter- ivirft i-r.o wer in seinem alten Fahrivasser weiter- schwimmen will. Der Sozialismus ist von uns niemals als eine materielle Angelegenheit gepredigt worden. Die Politik der Lohntüten ivar kein Sozialismus, sie wurde vom Nationalsozialismus immer abgelehnt. Tic NSDAP, erblickt im Sozialismus das Aufgehen der Einzelmonschen >n die Gemeinschaft des Volkes, den Dienst an der Gesamt- heit. Sie verlangt Opfer zum Wohle aller, und nur wenn das ganze Volk ohne Ausnahme diesem Gebot der Zeit Folge leistet, wird ein Ausstieg möglich sein. Die überwiegende Mehrzahl des deutschen Volkes hat heute schon bewiesen, dast sie erkannt hat, worum es gebt. Ein groster Teil der deutschen Unternehmer steht bereits auf dem Roden der neuen Ordnung. Die Deutsche Arbeits- front wird dakür sorgen, dast auch der letzte in die Gemein- schast eines kämpfenden Volkes eingereiht wird. Es ist nur ein kleiner Unterschied. Der Unternehmer tut freudig und freiwillig in der„Deutschen Arbeitsfront" mit. Er jst vor Sozialismus sicher. Der ist jetzt keine materielle Angclegncheit mehr. Der Arbeiter wirb den Unternehmer vie nach der Lohntüte fragen, um nicht gegen den national- sozialistischen Geist zu verstoßen, wegen der Opfer zum Wohle aller... Betrug und Lüge! Längst hat baS Volk erkannt,„worum Jh» geht". Könnte dieses Volk frei sprechen, wäre es frei vom Druck der braunen Henker: die Herrschaften würden er- leben, wie die Gemeinschaft eines kämpfenden Volkes iv i r k- l i ch aussteht. Der Zwang zum l. Mal Wer an der Betriebsfeier fehlt, kann entlassen Werden... Berlin. 13. Juli. Ucbcr die Entscheidung eines Arbeits- gerichts, nach welcher unbegründetes Fernbleiben von den Betriebsfcierlichkeiten am l. Mai als Entlassungsgrund gilt, berichtet der„Informationsdienst" der Deutschen Arbeitsfront u. a.: Die Kläger, frühere Mitglieder der Bibelforscher- Vereinigung, waren am 1. Mai trotz Aufforderung nicht tu der Verpflichtung des VertranenSrates und zu den übrigen Betriebsfcierlichkeiten im Betriebe erschienen. Ebnen wurde daraufhin das Arbeitsverhältnis gekündigt. Vor Gericht beriefen sie sich darauf, dast sie an der Feier ,®m 1. Mai auf Grund ihrer christlichen Ueberzeugung nicht hatten teilnehmen können. Die Schrift gebiete ihnen, Gott allein die Ehre zu geben, Und es sei ihnen unmöglich, die führenden Staatsmänner trotz Anerkennung ihrer Verdienste mit einer Ehre zu be- vrnken, die nur Gott allein gebühre. Das Arbeitsgericht hat °>e Klage auf Widerruf der Kündigung abgewiesen. In den «ntscheibungsgründen heißt es: -„Wenn auch die Kläger sämtlich schon längere Zeit im Betriebe der Beklagten tätig gewesen sind, ai>o eine schütz- würdige Beiriedsgemciujchajt vorliegt und die Kündigung dir Kläger wegen ihrer familienrechtlichcn Verpflichtung hart trifft, so kann das Gericht trotzdem nicht anerkennen, dast die Kündigung eine unbillige Härte darstellt,' denn sie findet ihren sehr berechtigten Grund in dem Verhalten der Kläger am 1. Mai. In dieser Haltung liegt eine schwere Verletzung der im Arbeitsvertrag begründeten privairechtlichen Ber- pflichtung der Kläger zum Gehorsam den Anordnungen des Betriebsführers gegenüber. Gleichzeitig muß diese Disziplinlosigkeit auch als grober Verstoß gegen die im Arbcitsordnnngsgesctz festgelegten öffentlich-rechtlichen Pflichten aller Gösolgschaslsinitglieder beurteilt werden. Der Anord- »ung des Führers, am t. Mai zur Verpflichtung des Ver- trauensrates im Betriebe zu erscheinen, mußten die Kläger nach dem Inhalt des Arbeitsvertrages nachkommen. Diese Beteiligung gehört zn den Pflichten, die dem Ar- bciter zur Förderung der Bctriebszwecke, zur Erreichung der erstrebten Betriebsgemeinschaft und zum gemeinen Nutzen von Volk und Staat auferlegt worden sind. Demgegenüber klingt es ganz ungeheuerlich und wie eine Ver- höhnung des nationalsozialistschen Staates, feiner Führer und des deutschen Volkes, wenn die Kläger ihr gemein- schaftsfeindlichcs Verhalten durch ihre angeblichen religiösen Bedenken entschuldigen ivollen. Auch im»ationalfozia- llstischcn Staat ist die Religionsfreiheit gewährleistet. TaS Verlangen der Kläger stellt aber einen Mißbrauch dieser Freiheit dar, den der Staat nicht dulden, geschweige denn noch schlitzen kann. Durch die Bestimmung des ArbeitSordnungsgcsetzes, daß die Vertrauensräte am 1. Mai in feierlicher Handlung vor der Gefolgschaft zu verpflichten sind,»nd durch das Ge- fetz, welches de» l. Mai zum Feiertag erhob, ist die Ge- Wissens- und Glaubensfreiheit nicht im mindesten ein- geschränkt worden. Die genannten Gesetzesbestimmungen be- ruhen nicht auf der unglaublichen Ansicht der Kläger, den führenden Staatsmännern des nationalsozialistischen Deutschen Reiches göttliche Ehre zuteil werden müßte, sie verlangen keinen solchen Unfug, wie die Kläger in der Klaaeschrtst zn ihrer Entschuldigung anführen. Wenn daher die Beklagte die Kläger ans Grund der hartnäckigen Weige- rnng. am 1. Mai im Betriebe zu erscheinen, und der dabei zum Ausdruck gebrachten geistigen stattöfeindlichcn Einstellung itlrtsiclers Freisprach Ein merkwürdiger Fall: ein Hitler-Gericht spricht dnb Berlin, 28. Juli. Die Große Strafkammer des Landgerichtes fällte am Montag im Hirtsicfer-Prozeß folgendes Urteil: Das Verfahren gegen den angeklagten Geschäftsführer Dr. Heinrich G e r l i ch und den früheren Mtnistcrial- direktor Hermann Peters im Falle der Verleihung des dritten. EhreiidoktpMtels au.Mnistcr a. D., Hirtsieser wird auf Grund der.politischen Ämnestie eingestellt. Eben- so werden sämtliche Angeklagte, also Staatsminister a. D. Dr. Heinrich Hirtsieser, Staatssekretär a. D. Pro- sessor Dr. Adolf Scheidt, Ministerialdirektor i. e. R. Alexander Schneider und Ministerialvcrwaltungs- direktor a. D. Geheimrat Tillich freigesprochen. Die verleumderische Hetze gegen den früheren preußischen Wohlfahrtsministcr und prominenten Zentrumspolitiker Hirtsieser hat sich als so haltlos herausgestellt, daß sogar ein Gericht des„dritten Reiches" kein anderes Urteil als den Frcifpruch aller Angeklagten fällen konnte. Der Vor- sitzende hat aber selbst offenbar das Gefühl gehabt, daß ein solches Urteil in Deutschland, das kejn Rechtsstaat mehr ist, einen ganz ungewöhnlichen Ausnahmefall darstellt und hat es für nötig gefunden, das Gericht in der Begründung des Urteils wegen des erfolgten Freisprnchs zu entschuldigen. Das Urteil, so führte der Vorsitzende in der Begründung u. a. aus, beendet einen Prozeß, der in der Ocsscntlichkeit stärkstem Interesse begegnet ist, einmal wegen der be- teiligten Persönlichkeiten, von denen einige im politischen Leben eine führende Rolle gespielt haben, andererseits wegen der gegen sie erhobenen Vorwürfe, unter denen der wichtigste der ist, daß öffentliche Gelder in unvcranl- wortlicher Weise vergeudet worden sein sollen. Das seiner- zeit von der Staatsanwaltschaft sehr sorgfältig geführte Ermittlungsverfahren endete mit der Feststellung, daß ein großer Teil der gegen die Angeklagten erhobenen Vor- würfe unbegründet oder nicht zu erweisen war. Insoweit kam es zur Einstellung, ohne daß eine Hauptvcrhandlnng stattfand. Der Vorsitzende verwahrte sich dagegen, daß das Urteil etwa als Folge einer volkSfrcmden Einstellung des Gerichtes oder der Anwendung von Paragrafeil, die dem heutigen VolkseinpHnden nicht entsprächen, angesehen werde. * In seinen weiteren Ausführungen hat der Vorsitzende unter anderem sogar erklärt,„daß der gestürzte politische Gegner vor dem Gesetz auf dieselbe sachliche Beurteilung rechnen können wird,.wie jeder andere Volksgenosse auch". Die Tatsache, daß eiiie solche Selbstverständlichkeit überhaupt ausgesprochen zu werden braucht, zeigt besser als die schärfste Kritik, wie die Rcchtszustäude im„dritten Reiche" sind. * Tad Urteil läßt aber gerade darum besondere Schlüsse zn. Es beweist, daß die deutschen Richter anfangen, die harte brauen Faust aus ihren Schultern zu lockern. Sie wagen es bereits wieder, fich ans Rcchtsgrnndsätze zu berufen und einen vom„dritten Reich" geächteten Politiker freizusprechen — trotz wilder Beschimpfungen dieses Mannes in ber nationalsozialistischen Presse. Sie haben natürlich etwas Furcht vor den Folgen ihres Mutes. Darum berufen sie sich kurioserweisc ans den „Führer" und sein Bekenntnis zum Rechtogcdankcn! In Wahrheit ist ihr Urteil eine Ketzerei, ein Beweis, daß die Gegenrevolution alt-reattionärer Richtung unter der Beamteufchaft an Bode« gewönne« hat» enkgegenkommenderwelse mit einer vierwöchigen Kür. digungsfrist entlassen hat, so kann beim besten Willen von keiner unbilligen Härte, von einem Verstoß gegen die Grundsätze der Bctriebsgemcinschaft, von einem Mißbrau-' deS formalen Künbtgungsrechts gesprochen werden. ver Kassierer „Marxistische Korruptionsmethoden" Berlin, 17. Juli. Zu der hohen Strafe von 2 Jahren Zuchthaus und 5 Iahren Ehrverlust wurde vom Ber- liner Schöffengericht ein Kassierer des Deutschen Holz« arbeiterverbandcs der„Deutschen Arbeitsfront" verurteilt, der 450 Mark Bcitragsgeldcr unterschlagen hatte. Der An- geklagte Willi Nipko erklärte zivar, daß er bei der Abrech- ining im vorigen Oktober die Aktentasche mit den ein- kassierten Bcitragsgcldern lind restlichen Beitragsmarken vergessen habe, während er mit einem Freunde ein paar Glas Bier getrunken habe, da ihm aber das gleiche Ver- sehen auch bei der nächsten Beitragseinziehung im Novem- ber passierte, schenkte das Gericht seiner Darstellung keinen Glanben. In der Urteilsbegründung erklärte der Vorsitzende, die Gerichte müßten dafür sorgen, daß„marristifchc Karrup- tionsmcthodcn nicht in die eigenen Ziethen der Partei ein- reißen". Ein interessanter Bericht. Dieser Gerichtsvorsibende be- kennt mit schöner Ehrlichkeit, daß die Ausgabe der Justiz im„dritten Reich" darin besteht, die Partei vor Korrup- tion zu schützen. Er hat nur eins vergessen: den Nachweis der„marxistischen Korruptionsmcthoden" zu liefern. Erinnert man sich noch deS 2. Mai 1933, der Besetzung und „Eroberung" der Gciverkschastshäuscr? Seitenlang wurde über angebliche Korruption der Gewerkschaftsführer bc- richtet, die man„schlagartig" entdeckt habe. Aber man hat keinem einzigen von ihnen den Prozeß machen können. Es war verleumderische Lüge, um den Dieb- stahl der Gewerkschastsgclder zu rechtfertigen. Alle Kassen waren in Ordnung. Die Verwaltung wurde von sauberen Leuten geführt. Heute? Die braune Gcwcrkschaftsboiizokratic sitzt in einem einzigen Korruptionsstall, in dem co keine Kontrolle gibt. Tic Pflege ihrer Antos ist ihnen wichtiger als die Pflege der Interessen der Mitglieder, die längst erkannt haben, wo- fiir ihnen heute die Beiträge abgezogen werde». Der Berliner Herr Gerichtsvorfitzeiidc ivctß das noch nicht. Wüßte er eS: er dürfte es nicht sage».„Marxistische Korruption": das ist ein für alle Lebenslagen empfehlen»- wertes Rezept. Das mi Zwei Hinricl— ein angeblicher Selbstmord DNB. Stuttgart. 28. Juli. Im Hose des Iustizgebäudeö wurden am Montag friitz hin- gerichtet: Der am 2 März d. I. vom Schwurgericht«lull- gart wegen Mordes zum Tode verurteilte geschiedene Wilhelm Ulrich von Schwaikheim(Oberantt Waiblingen) und der am 5. d. M. vom Sondergerichc Stutigart wegen politischen Mordes zum Tode verurteilte ledige ErHardt Minnich von Tteinschönau(Tschechoslowakei). Ulrich hatte am 23. Oktober>933 seine Geliebte, die eine Eheschließung mit ihm abgelehnt Halle, erschossen. Minntch. der»och im Frühjahr d. I. in Backning als rühriger Kommunist staatsfeindliche Tätigkeit enifaltetc, Hai dort am 15. Mai den verdienten Polizeiwachtmeister Bücke, der gegen ihn einschreite» wollte, durch einen aus nächster Nähe abgegebenen Herzschuß getötet. Der am 17. Februar d. I. vom Schwurgericht Stuttgart ivegen Mordes zum Tode verurteilte R u d o l s R e i t c r hat Ende letzter Woche im Gerichtsgesängnis„seinem Lebe» selbst ein Ende gemacht"... „Welch ein" Französischer Publizist hört Hitler Paris. 23. Juli. Im„Journal" wirst Clement B a n t c l die Frage auf, wie es möglich sei, daß ei» Preisausschreiben der sran- zösischen Akademie über das Thema„Welche Vor- stell u n g macht man sich heute von der R c d e- k u n st?" so crsolglvs war. daß ein Preis nicht verteilt werden konnte. Er nieint, eS käme heute garnicht mehr auf den Inhalt der Rede an, sonder» nur ans den Lärm, be» man beim Reden mache. Und nun erzählt er recht amüsant: er habe fich im Radio Hitlers Reichstagörede mit angehört. Do habe er sich gesagt:„Welch eine Stimme, welch ein Luftzug! Welch ein Gebrüll! Dieser Diktator ist vor allem ein Tribiinenmensch! Wenn er nicht eine Kehle aus Essener Stahl halte, wenn es ihm nicht möglich wäre, stundenlang den Spucknaps festzuhalten, die Massen in seinen Bann zu zwingen, indem er sich geradezu physisch an sie wendet, dann wäre Hitler nicht das, was er ist. Ein Versagen seiner Stimmbänder während seines Kampfes uni die Eroberung der Macht hätte siir Hitler das Sandkorn sein können, von dem Pascal in seinem Erom- well spricht Und sein Abenteuer hätte ein schnelles Ende genommen. Was Wort Ist heute die Tat. In jedem Falle Ist diese ohne das Wort unmöglich. Der g r öftre politische » in en,>v c n n er keine S t i m n> e hat." Auch Mussolini sei vor allem ein Redner. Das charak- teristijchste Bild seiner Herrschast sei das, das ihn beim Reden auf der Höhe eines Balkons zeige. Die Demokratie verschenke wie gcivisse Franc» sich anscheinend an die. die am besten schmußcn können. Unser Jahrhundert sei Messiassen günstig, die vielleicht nur Wortathlctcn seien. Weitergeben! Weitergeben! s Werfen Sie die„Deutsche Freiheit" nach dem Lesen nicht fort. Geben Sie das Blatt an Leute weiter, die der Aufklärung und Belehrung bedürfen I I Die größten Lampen leben habe Ober Rohm am 30. Juni und am ß. lall *»Husumer Nachrichten" veröffentlichten am 3 0. Juni einen Artikel von Wilhelm Kube, Gau- leiter der Kurmark, unter dem Titel:„Die Partei formt den Staat." In diesem Artikel, in dem er sich mit den Bürokraten auseinandersetzt, die das Aufbauwerk der Nationalsozialisten zu sabotieren versuchten, verweist Kube auf die Stärke der Partei und fährt dann fort: Erfreulich ist es, daß die revolutionären Männer im engsten Rate des Führers sitzen: Rudolf Heß. Ernst Röhm, Hermann Göring, Joseph Goebbels. Walter Darre und Robert Leu. Dazu die Gauleiter, Ober- gruppenführer und Gruppenführer. Diese Männer halten mit eiserner Treue dem geliebten Führer die Formationen der Partei intakt zur Verfügung. Das ist Deutschlands Kern, das Fundament des Dritten Reiches und seiner kommenden Vollkommenheit. Es wäre Irrsinn, in die Treue dieser Eisenreiter Hitlers Zweifel zu setzen. So Kube am 30. Juni in den„Husumer Nachrichten", die in der Kopfleiste noch stolz den Vermerk tragen:„Nicht vordatiert". Als der Artikel an die Leser kam, hatte«...•_. unter„Deutschlands Kern" bereits Hitlers Mord- Streicher versteht die Welt nicht mehr und Hochverräter sämtlich persönlich. Es wird uns allen ein unvergeßliches Erlebnis bleiben, den geliebten Führer als ersten, tapfersten und größten Ak- tivisten handeln zu sehen. Die alte SA.— nicht der Röhmsche Wechsel- balg mit seinen Konjunkturhyänen!— bleibt ein Kern- stück der Bewegung. Stand die SA. zur Zeit des Severins- schen Gummiknüppels neben uns, so stehen wir von der PO.^in Zeiten Röhmscher Gemeinheiten neben der SA. Kameradschaft wird in der Not gehärtet. Darum mit Joseph Goebbels: Der Furcht so fern, dem Tod so nah! Heil dir. SA." So Kube am 8. Juli über den„Eisenreiter" Röhm vom 30. Juni. Und dieser Lump lebt weiter, eng verbündet mit dem„Führer". Kube hat recht, Hitler führt„Ehren- männer". ölMs noch Richter? Kommando gewütet und der Eisenreiter Röhm war nicht mehr. Aber Kube blieb leben, und er zögerte nicht, den Kameradenmord Hitlers schnellstens öffentlich zu feiern. Am 8. Juli veröffentlichte die„Westfälische Landes- zeitung" in Dortmund einen neuen Artikel von Kube: „Der Führer und seine SA." Darin schwelgt er eine Spalte lang in Erinnerungen an die„große Zeit" der SA., als sie vor der Machtergreifung Hitlers mit der „roten Meute" und mit Severings Polizei kämpfte: „Das war, das ist Adolf Hitlers SA.".... Gerade weil wir den Führer lieben, achten und ehren wie seine SA., die nichts mit Lumpen wie Röhm, Ernst und Heines zu tun hat. Wehe dem, der jetzt glaubt, an der SA. Adolf Hitlers sein Mütchen kühlen zu dürfen! Oberster SA.-Fllhrer ist Adolf Hitler selbst. Und Adolf Hitler führt Ehrenmänner, du reaktionäres Ge- schmeiß, das da glaubt, der Führer ließe seine Kameraden im Stich, weil einige Lumpen die Ehre der SA. zu schänden suchten. Ter Führer hat am 30. Juni das Reich und den Nationalsozialismus gerettet. Ich bekam am Freitag, dem Sll. Juni, gegen 3.45 Uhr aus Godesberg vom Führer den Beseht, am 30. Juni um 11 Uhr vormittags in Wiessee am Tegernsee zu sein, um zur Verfügung des Führers zu stehen. Mit dem Schlafwagenschnellzug erreichte ich Mün- che» rechtzeitig. Ein Dutzend hoher SA.- Führer und Verschwörer waren im Zuge und wunderten sich über die Mitfahrt eines der von ihnen gehaßten Gau- leiter. 25 Kilometer hinter München traf ich den von Wiessec kommenden Führer. Meldung:„Gauleiter, ST.- Gruppenführer Kube zum Dienst beim Führer!" Kurzer Händedruck. Stahlhart der Blick des Führers. Zwei Obergruppenführer und mein persönlicher Referent Pg. Rühle lMitgliedsnummer 694) waren in meinem Wagen. Alle durften passieren. Tann kamen die ersten Ver- s ch w ö r e r w a g e n. Adolf Hitler griff sich die Landes- Die Streichersche„Fränkische Tageszeitung" vom 12. Juli jammert: Geographisch liegt die Grafschaft G l a tz in Mittelschlesien, und damit auch im neuen Deutschland. Wenn man aber folgendes hört, dann sollte man an- nehmen, die Stadt Landeck in dieser Grasschaft Glatz sei inzwischen nach außerhalb der deutschen Grenzen verlegt worden. Nach Anbruch des Dritten Reiches kam, mit vielen anderen Zeitgenossen, auch ein früherer Reichsbannermann in die SA. in Landeck. Er wurde sogar Scharführer, bzw. lief mit diesem Abzeichen umher, ohne daß sich feststellen ließ, wer ihn eigentlich zum Scharführer gemacht habe. Nach einiger Zeit wurde der Führer der betreffenden SA.-Einheit von einigen alten SA.-Kameraden auf diesen Zeitgenossen und seine bewegte reichsbannerliche Vergangenheit aufmerksam gemacht. Wie sich das. gehört, flog der Knabe daraus aus der SA. in hohem Bogen heraus, nicht ohne daß ihm vorher sein Standartenführer, der inzwischen zum Gruppenstab nach Nürnberg versetzt worden ist, einige notwendige Kleinigkeiten erzählte. Der herausgeflogene Scharführer beschwerte sich darauf bei der vorgesetzten Dienststelle seines Standartenführers, die selbstverständlich diese Beschwerde als nichtig abwies und es bei dem Ausschluß aus der SA. beließ. Und nun kommt die Sache, deretwegen wir anzunehmen bereit sind, Landeck liege nicht mehr in Deutschland: Der frühere Marxist, der sich so in die SA. eingeschlichen hatte, ging nämlich her und verklagte seinen ehemaligen SA.- Führer wegen Beleidigung vor dem Gericht. Und das Gericht gab dieser Klage statt, und erließ in diesen Tagen gegen den, wie schon gesagt, jetzt in Nürn- berg sitzenden SA.-Führer einen Vorsllhrungsbefehl. Wie wir diese Sache erfuhren, da haben wir zuerst an einen verspäteten Aprilscherz geglaubt. Leider mußten wir uns später davon überzeugen, daß es wirklich noch Richter in Deutschland gibt, die Verfahren gegen SA.-Führer anhängig werden lassen, wenn Marxisten solchen Wunsch empfinden. Wir sind nun gespannt auf den Ausgang dieses Prozesses Pariser Berichte Horn in Paris Die„alte Geschichte" Seitdem die 41jährige Frau Lemoine von ihrem Manne geschieden war, fühlte sie sich in der Einsamkeit ihrer eleganten Wohnung in Auteuil bei Paris nicht recht wohl, und sie war glücklich, als sie in dem zwei Jahre jüngeren Marcel Mails einen Freund fand, der bereit war, Einsamkeit und Wohnung mit ihr zu teilen. Eine Zeit reinsten Glückes folgte nun für das Paar, aber diese Zeit war leider nur sehr kurz. Zu verschieden waren ihre Charaktere. Es kam zu lauten und heftigen Auseinandersetzungen zwischen den Liebenden, und den Nachbarn war es schon geraume Zeit klar, daß das Liebesspiel einen tragischen Ausgang nehmen würde. Am Freitag abend trat denn auch die Katastrophe ein. Plötzlich vernahm man aus Lemoines Wohnung 5 Revolverschüsse, und Nachharn, die sofort herbeieilten, fanden Maile tot auf dem Fußboden liegen. Als Polizeibeamte die Täterin, die vor Schluchzen kaum ein Wort sprechen konnte, abführten, rief sie nur immer wieder:„Ich hatte ihn ja so lieb! Ich habe ihn nur getötet, weil er wieder zu seiner alten Freundin zurückwollte." Heinrich Heine sagt:„Es ist eine alte Geschichte, doch ist sie ewig neu"..» Rabenelfern Ein Martyrium Eine entsetzliche Untat beging in Caen der 25jährige Metzgergehilfe Jean Vaudelle, der seit einiger Zeit mit Suzanne Lafontaine verheiratet war, die ihm einen dreijährigen Knaben mit in die Ehe gebracht hatte. Das Kind war zunächst in fremder Pflege, wurde aber dann in die Obhut seiner Mutter genommen. Schon oft hatten die Nachbarn gehört, wie der Stiefvater, der als besonders roh verschrien war, das Kind in Gegenwart seiner Mutter unmenschlich mißhandelt hatte, ohne daß diese ihn daran hinderte. Am Samsta" nun forderte der Unhold plötzlich das unschuldige Kind auf, niederzuknieen. Dann nahm er einen schweren Liederriemen und schlug damit unaufhörlich auf das Kind ein, das furchtbar schrie. Mit entstelltem Gesicht, vom herablaufendem Blute geblendet, flüchtete das Kind auf den Schoß seiner Mutter. Das versetzte den Rohling erst recht in Wut, der nun von neuem so lange auf den Knaben einschlug, bis dieser sich nicht mehr rührte. Dann legte Vaudelle sich zu Bett. Als er am nächsten Morgen aufstand, stellte er in aller Seelenruhe fest, daß das Kind inzwischen gestorben war. Nachbarn, die von dem schrecklichen E. de des kleinen Eduard erfuhren, riefen die Polizei herbei, die beide Rabeneltern sofort verhafteten. Nur mit Mühe konnten die Beamten sie vor dem Schicksal bewahren, von der empörte» Bevölkerung des Ortes gelynzcht zu werden./ Eine Untat Ein unmenschlicher Roheitsakt ereignete sich in Chalons sur Marne. Dort drang ein Unbekannter in der Nacht zum Sonntag in ein städtisches Kinderheim ein und raubte ein sieben Monate altes Mädchen, nachdem er vorher zwei kleine Knaben ausgewickelt hatte, die er aber dann liegen ließ, so daß sie ruhig wieder einschliefen. Am Sonntag früh fand man in einem Getreidefeld den armen Säugilng, der so furchtbar zugerichtet war, daß er bald darauf starb. Es scheint sicher, daß es sich um eine Wahnsinnstat handelt. Bisher hat man von dem Täter noch keine Spur. Seltsame Granaten Nachdem kürzlich 8 Soldaten einer Granate zum Opfer gefallen waren, die auf dem Schießplatz von Maison Lafitte explodierte, hat man neuerdings in der gleichen Gegend wiederum andere Granaten gefunden. Man vermutet allerdings, daß die Geschosse nicht mehr geladen sind. Auf jeden Fall ist eine militärische Untersuchung im Gange, um festzustellen, woher die geheimnisvollen Granaten stammen. Steigende Arbeitslosigkeit Das Arbeitsministerium gibt bekannt, daß am 14. Juli die Zahl der unterstützten Arbeitslosen 314 679 betrug, zu denen noch 207 Wohlfahrtserwerbslose kommen, so daß sich die Gesamtzahl auf 314 886, davon 244 028 Männer und 70 858 Frauen, erhöht. In der Vorwoche wurden in Frankreich 312 532 unterstützte Erwerbslose, also 2354 weniger, gezählt. Die Wollkämmereien in Roubaix und Tourcoing werden von Montag, dem 23. Juli, an geschlossen werden. Der Arbeitgeberverband setzte die Arbeiter der von der Schließung betroffenen Fabriken von dieser Maßnahme am Ende der letzten Woche in Kenntnis. Dadurch werden 15 000 Arbeiter und Arbeiterinnen zum Feiern verurteilt. Der Arbeitgeberverband von Roubaix-Tourcoing hat nun an die Bürgermeister der beiden Städte das Ersuchen gerichtet, sie möchten beim Handelsministerium die Sicherung der Ausfuhr ihrer Produkte nach Deutschland erreichen. Dann würde sich die Schließung der Fabriken vermeiden lassen. Die Deutsche Freiheitsbibliothek veranstaltet demnächst in ihren Räumen, 65, Boulevard Arago, Paris 13, eine Ausstellung von besonderer Aktualität: „Deutschland nach dem 3 0. Juni 193 4". Die Eröffnung findet am Donnerstag, dem 27. Juli, statt. Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann P i tz In Dud- weiter! für Inserate: Otto Kuhn in Saarbrücken. Rotationsbruck und Verlag: Verlag»er Volksstimm« GmbH„ Saarbrücken& SHützenftrahe S.- KHUeßsaH Z28£aa rfrt Mt» und glauben im übrigen, daß es nichts schaden würde, wenck die vorgesetzte Behörde den Herren Richtern in Landeck, du für diese unerhörte Geschichte verantwortlich sind, einmal nachdrücklichst einiges erzählen würde.- Vor einigen Tagen noch teilte die„NSK.*, die offizielle Korrespondenz der NSDAP., mit, baß Führer der Be- wegung Staatsfunktionäre seien und daß gegen deren polt- tische Entscheidungen der Klageweg nicht beschritten werde» könnte. Wenn nun ein SA.-Führer einen ehemaligen Marxisten wegen zweifelhafter Gesinnung aus der SA. ent- sernt, und ihm das in der notwendigen Form mitteilt, so hat er hier eine politische Entscheidung getroffen. Das ist allen klar, nur dem Gericht in Landeck nicht. Also schein Landeck doch nicht mehr ganz in Deutschland zu liegen. Seltsamer Umbau Für alle Fälle Die braune Presse schreibt:„Es konnte nicht ausbleiben, daß die Errichtung eines großen Bauzaunes und das Vor- fahren von Möbelwagen vor dem Gebäude der Vizekanzler in der Voßstraße den Anlaß zu vielen Gerüchten gab, in deren Mittelpunkt die politische Stellung des Vizekanzlers von Papen stand. Dabei handelt es sich lediglich um einen Umzug, der durch einen völligen Umbau dieses Gebäudes notwendig geworden ist. Das Haus ist ein früheres Bank- gebäude und stößt mit seiner Rückfront an den großen Kow- plex der reichseigenen Gebäude an. Schon lange bestand der Plan einer engeren Verbindung mit der Reichskanzlei. Wie wir jetzt erfahren, soll der Umbau von der obersten SA.-Führung vollzogen werden, die dadurch in un- mittelbare Nähe des Wohnsitzes des Führer verlegt wird." So harmlos löst sich jede Sorge im„dritten Reich". Viel- leicht gabs auch nur in Wiessee und in München Umbauten. Wenn man aber die Berichtigung genauer betrachtet, dann erfährt man aus ihr, daß der Osaf sich in Berlin scheinbar nicht mehr sicher fühlt, denn er baut sich eine Festung, das letzte ihm nicht unmittelbare Gebäude im ganzen Komplex der reichseigenen Gebäude soll nun von der obersten SA.- Führung umgebaut und besetzt werden. Vor kurzem ging durch die ausländische Presse die Nachricht, Hitler habe eine Million Dollar ins Ausland gebracht: wir selbst machten auf eine Veröffentlichung der Zeitschrist„Die Polizei" ausmerk- sam, aus der hervorging, daß die Naziminister für sich daS Recht in Anspruch nehmen, aus ihren Automobilen die Kenn- zeichen ED lTiplomatisches Korpsl anzubringen und nun noch die Nachricht vom„Umbau". Man scheint sich für alle Fälle vorzusehen. BRIEFKASTEN Emigrant Lothringen. Sie schreiben uns:„Als politischer E«i- grant habe ich auch das, was von meinen Möbeln und Bücher» nach einer erfolgreichen Attacke schwarz-brauner Rollkommandos i« März 1933 noch übrig war, endlich erhalten. Die Schilderung der Umwege werden Sie mir ersparen. Aber ich muß Ihnen ein Er- lebnis mitteilen. Tief unten in einer Bücherkiste fand ich ei» bereits vergessenes Gästebuch wieder, in das mir in besseren Tagen kurze Besucher ein paar freundliche Worte hineingeschrieben hatte». Beim Durchblättern aber entdeckte ich zu meiner nicht geringen Ueberraschung dicht hinter Grüßen von Hermann Müller und Konrad Haenisch die folgenden Eintragungen: „Beherrscht von Trauer und Wehmut, von innerer Wut erfüllt, sahen wir das Geschehen der letzten Tage. Würdig des Erlebte» geben wir uns dem Hoffen hin, daß da? Gute im Menschen siegt und damit die Idee des Sozialismus, deren Träger wir sind uns allezeit bleiben. Freiheit!" Tie Eintragung aus dem nächsten Blatte lautete: „Wenn die Sonne der Freiheit auch schamersüllt ob der Gescheh- nijje der letzten Tage ihr Angesicht verhüllt hat, so kann uns doch niemand die Gewißheit rauben, daß sie dereinst umso strahlender durch die dunklen Wolken, welche augenblicklich Über unserrn armen Vaterlande lagern, hervorbrechen wird. März 1933. Frei- heit!" Was war geschehen? Junge Menschen, mir durch ihre Gesinnung verbunden, hatten freiwillig beim Fortschaffen meines zertrüm- Merten Hausrates geholfen. Sie fanden dabei das Buch. Daraufhin nahmen sie jene Eintragungen vor in der Erwartung, daß ich si« doch einmal finden würde. Nun las ich nach anderthalb Jahre» ihren Gruß und ihr Bekenntnis, mit ungelenker, eiliger Hand geschrieben, mit vollem Namen unterzeichnet. Sie werde» begreifen, daß mir dieses Buch nun unter allen meinen Bücher» das liebste geworden ist." St. L., Luzern. Studienhalber wollen Sie von uns die Benennung von Büchern, die die kulturpolitischen Greueltaten des„dritte» Reiches" systematisch und möglichst vollständig wiedergeben. Wir empfehlen Ihnen: Konrad Heiden:„D ieGeburtdesTritten Reiches" sin der„D. F." bereits eingehend gewürdigt) und das soeben erschienene Buch„Die braun- Kult« r", ein Doku- mentenspiegel von Cassie Michaelis, Heinz Michaelis und W. C 1- Somin, das mehr bietet, al» sein Titel besagt. Beide Bücher sin» im Europa-Verlag Zürich erschienen und müßen Ihnen und ander» dringend empfohlen werden. Helene S. Sie schreiben uns:„Im Prozeß gegen den frühere» Zentrumsminister Hirtsieser wird dem Herrn schwer angekreidet, baß ihm einmal die Stadt Tiigeldors hundert Flaschen Rotwein spendiert hat. Ich finde so etwas auch nicht richtig, aber ich 16- doch immer von den vielen Geschenken, die der„Führer" anläßnw seines Geburtstages oder zu Weihnachten erhält. Außerdem er- innere ich mich, daß Bismarck sehr oft lukullisch« Geschenke mit Ver- gnügen entgegennahm In seinen Tischgesprächen hat er immer wieder Spender und Gaben gerühmt. Wo besieht da der Unter- schied?" Den könnte nur die nationalsozialistische Presse auf- klären und die begnügt sich damit, den Durst und den Hunger vo» roten und schwarzen„Systemlingen" pharisäerhaft zu untersuche»- Erich Weinert. Ein vielgereister Politiker, der jüngst zum erste» Male in Saarbrücken war, schrieb uns nachher:„Saarbrücke» kommt mir vor wie eiye Goldgräberstadt, allzuplötzlich groß ge- worden und noch ohne innere Kultur, augenblicklich statt vom G°U- rausch von politischer Fieberhitze ergriffen." Das war eine bitterböse aber leider sehr zutreffende Bemerkung. Was die„Kultur" betrifft, so möchten wir nicht verfehlen, auf eine kleine Oase hinzuweisen- Sie heißt Ka-Va-Ta und ist ein Kabarett im Saale der Arbeiter- Wohlfahrt. Hier erlebten wir einen Abend, der uns aufrichtete, und Ihnen, lieber kommunistischer Genosse Erich Weinert, verdanke» wir das stärkste Erlebnis. Sie standen mit Ihrem guten Kopse, i« dem jede Linie bis hinauf zum blonden Haarschops echt arisch ist, vor dem roten Vorhang und Sie sprachen einige Ihrer kämpferische», bitteren und flammenden Gedichte mit solch verzehrender Leiden- schaft, daß wir Sie noch stundenlang hätten hören mögen. Sie waren an diesem Abend in einer wackeren Kumpanei: mit dem junge» Schauspieler Leo Aschkenasy, den Hitler-Deutschland zu dessen Schaden vertrieb, mit Gerda Redlich, der frischen und freche» Sprecherin, mit Therese Bärwald, der unbegreiflich echten Paro- disttn, und mit Julia Marcus, die den SS.-Standartensührer Gerhart Hauptmann mit olympischer Grazie vortanzte. Theo Maret gab geschickt die Konference dazu. Kurz, Ka-Va-Ta ist hinreißend ungleich geschattet Schon Jhre swe gen, Erich Wewers kommen wiü nieder,"