Sinzigs unabhängige Tageszeitung Veuikchlands ^r. 173— 2. Jahrgang[Saarbrücken, Sonntag Montag, 29. 30. Juli 1934 1 Chefredakteur: M. B r a u n Die Cceignlsse in Oestecceich und die eucapäiscfie Spannung, ID'uhtiqz Uleldunqeti im J-tutecn des O&altes Zu den Enthüllungen über die Reichstags-Drandstlftung SA^MannKrusesagtdge^ Noch immer Schweigen der Regierungs-Brandstifter- Zwei deutsche Juristen nehmen das Wort- Der Brief des Reichstagsbrandstifters Kruse klärt bisher ungelöste Rätsel Der juristische Verfasser einer bekannten Broschüre über den Reichstagsbrand(Verlagsanstalt Graphic- Karlsbad) schreibt uns: Die Selbstbezichtigung des SA.-Mannes Kruse, des Die- «ers Röhms, zusammen mit andern unter Führung von Röhm, Heines und Ernst den Reichstag angezündet zu haben, bedeutet sicherlich eine hochsensationelle Wendung in diesem größten Krimtnalfall unserer Zeit- Die erste Frage, die sich »er gewissenhafte Forscher dieses Labyrinths vorlegt, ist natürlich die: Halten alle Einzelheiten der Darstellung, die Kruse gibt, gemessen an den unzweifelhaft festgestellten Tat- inchen Stand? Stimmen sie mit diesen überein, oder klaffen Widersprüche? Je nachdem wird man die Glaubwürdigkeit dieses Gewährsmannes einzuschätzen haben.— Hier ergibt sich nun: Kruses Darstellung ist nicht nur im Rahmen der bisherigen tatsächlichen Ergebnisse durchaus möglich, sie gibt auch für viele bisher unerklärliche Dinge eine plausible Erklärung. 55m Reichstagsbrandprozeß gegen van der Lübbe und Genos- sen sind eine ganze Reihe von Borgängen absolut unauf- geklärt geblieben, d. h. man hat die Tatsachen, aber siichts von ihren Ursachen feststellen können. Wir siennen hier einiges: 1. Es steht fest, daß das Feuer im großen Sitzungssaal des Reichstages sich binnen drei, allerhöchstens vier Minuten aus einer kleinen Flamm: in einen Riesenbrand verwandelt hat. Alle Sachverständigen haben— mit Recht— es für ab so- lut ausgeschlossen erklärt, daß van der Lübbe, wie er vor Gericht behauptet hat. mit seiner Jacke und einigen daraufgeschütteten Brocken, Reste eines in der Tasche zer- drückten Kohlenanzünders, eine so enorme Wirkung erzielen konnte.— Kruses Darstellung von dem durch zehn TA.-Leute >n Säcken hereingetragenen Brennpulver gibt hier eine volle Erklärung. 2. Am nächsten Tage nach dem Reichstagsbrand bereits mel- dete Görings Pressedienst: die Menge der aufgefunde- sien Brandmaterialien beweise, daß zu ihrer Her- beischaffung mindestens zehn Mann nötig gewesen leien. Nun ist aber, wie aus dem Reichstagsprozeß bekannt, keine Spur mehr von dem verwendeten Brennmaterial gefunden worden, außer den paar Kleidungssetzen van der Lübbes! Diese Notiz kann also nur entstanden sein, weil Man bei Göring wußte, daß wirklich zehn Mann das Brand- Material in den Reichstag geschleppt hatten, wie Kruse jetzt bekannt gibt. 3. Das gleiche gilt von der weiteren Meldung des Preußi- sch?n Pressedienstes, baß diese unbekannten zehn Täter durch den unterirdischen Gang aus dem Reichstag ent- kommen seien. Der Zeuge Weber, der Führer von Görings Stabswache, hat vor dem Reichsgericht bekundet, daß er auf Görings Befehl noch in der Brandnacht die Türen des unterirdischen Gangs geprüft und ordnungsmäßig geschlossen gefunden habe- Es war also ausgeschlossen, daß fremde Täter durch den Tunnel geflohen waren. Nur wer Schlüssel hatte, konnte ihn benutzt haben. Auch hier ent- stammte also die Meldung dem Wissen über den tatsächlichen Vorgang, wie Kruse ihn jetzt bekundet. 4. Der Nachtportter des Reichstages A b e r m a n n hat als Zeuge eidlich bekundet, daß er mehrere Wochen, das letzte Mal zehn Tage vor dem Reichstagsbrand, dcS öfteren nächtliche Schritt: in dem unterirdischen Gang gehört hat. Er hat zur Probe Papier st reifen vor die verschlossenen Türen geklebt und hat sie am nächsten Tag zerrissen vor- gefunden. Dieser einwandfreien Aussage ist das Gericht nicht nachgegangen und hat sie als„belanglos abgetan! Sie findet jetzt ihre überraschende Bestätigung durch die Bekundung Kruses, daß der siebzehn Tage vor dem Brand zusammen- gestellte Stoßtrupp unter Heines und Ernst in mehreren Nächten auf die Brandstiftung unter Benützung des Tunnels einexerziert worden ist. 5. Van der Lübbe hat vor Gericht angegeben, daß er an einer bestimmten Stelle seines„Brandweges"— nämlich im O st Umgang des Sitzungssaales— plötzlich Stimmen aus benachbarten Räumen gehört habe. Alle im Prozeß vernommenen Zeugen jedoch, die bis zu dieser Zeit den Reichstag betreten hatten, befanden sich in einem weit entfernten, nämlich im westlichen Teil deS Reichstags, so daß es unmöglich ist, daß van der Lübbe einen von ihnen wahrgenommen haben kann. Dagegen ist die Ostseite bes Reichstages diejenige, in die man zuerst gelangt, wenn man den Ost-West laufenden unterirdischen Gang vom Präsidentschaftsgebäude benutzt. Nun sagt Kruse aus, daß Röhm den Befehl zum Anstecken der Pulversäcke gegeben hat, nachdem er sich überzeugt hatte, daß van der Lübbe in einem Nebensaal herumsprang.— Auch hier die überraschende Erklärung eines bisher unerklärlichen Tatbestandes. Fassen wir zusammen: Gerade in den Punkten, wo bisher jede menschliche Erklärungskunst versagt hat, falls man nicht an überirdisch« Wunder glauben wollte, gibt die Darstellung bes SA.-Mannes Kruse absolut schlüssige und plausible Er- klärungen. Das spricht sehr stark für ihre Wahrheit! Justtnian. Wiederaufnahme des Reichstagsbrandprozesses? In den vielen Zuschriften, die wir auf den Brief des SA.-Mannes Kruse aus dem Stabe Röhms erhielten, der die Vorgänge bei der Reichstagsbrandstiftung durch die nationalsozialistische Parteiführung schildert, ist auch die Frage aufgeworfen, ob nicht ein Wiederaufnahmeverfahren des Prozesses möglich wäre. Wir haben einen hervorragenden deutschen Juristen gebeten, sich dazu zu äußern. Hier ist seine Meinung: Eine Wiederaufnahme zu Ungunsten der Freige- sprochenen scheidet in diesem Fall für uns aus. Eine Wiederaufnahme zu Gunsten der Freigesprochenen ist aber nichtzulässig. Die Beibringung neuer Tatsachen und Beweismittel be- gründet nach Paragraf 859 der Strafprozeßordnung die Wieberaufnahme nur zu Gunsten eines Verurteilten, wenn die neuen Tatsachen oder Beweismittel allein oder in Verbindung mit den früher erhobenen Beweisen für Frei- leZUSvLK tlß. Pttssstsjltkst oysr*if MveMn? eines milderen Strafgesetzes begründen würde. Die Wiederauf- nähme eines Verfahrens zu Gunsten eines Freigesprochenen nur wegen der Urteilsgründe, also zum Beispiel des- halb, weil er mangels Beweises freigesprochen wurde, wäh- rend seine Freisprechung wegen erwiesener Unschuld hätte eriv'gen müssen, war gesetzlich nie in Deutschland vorgesehen, ein Mangel des Strasprozeßgesetzes, auf den ich mit vielen tnderen seit einem Menschenalter vergeblich hingewiesen habe. Ich habe deshalb die Freisprechung von Torgler und Ge- n-.-ssen im Gegensatz zur landläufigen Meinung nie für einen Akt der Unabhängigkeit bes Reichsgerichtes gehalten, sondern für eine ausgesprochene Liebedienerei gegenüber dem Hitlersystem, das in seiner abgründigen Dummheit sie nur nicht verstanden hat. Wenn nämlich das Reichsgericht die An- geklagten verurteilt hätte, dann hätte es für den Fall des Aufkommens neuer Tatsachen und Beweismittel, auch nach einer etwaigen HinriHtung der Angeklagten, die richter- Formung 2. Seit« Der gefälschte Kanzlerbriet Die„Banden" des deutschen Reichskanzlers und seine Presse Soweit wir sehen könne«, waren wir gestern als einzige deutsche Zeitung in der Lage, den Brief des RetchskanzlerS an den Reichspräsidenten über die Berufung Papens zum Sondergcsandten nach Wien zu veröffentlichen. In diesen Schreiben steht folgender Satz: „In Versolg der Ereignisse in W»en habe ich mich! ge« zwungcn gesehen, dem Herrn Reichspräsidenten die Ent. Hebung des deutschen Gesandten in Wien, Dr. Rieth, von seinem Posten vorzuschlagen, weil er aus Anssordernng österreichischer Bundesminister bzw. der österrcrchlschen Ausständischen sich bereitsindcn ließ, einer mit diesen Nauden getrossenen Abmachung bezüglich fwten Geleites und Abzuges der Ausständischen nach Deutschland ohne Rückfrage bei der deutschen ReichSrcgierung seine Zu- stimmung zu geben." Klar steht im Original„einer mit diesen Banden..." Ter deutschen Presse ist erst heute erlaubt worden, den Bries abzudrucken, und zwar mit der Fälschung, daß es nun heiß» „einer zwischen diese« beide« getroffenen Ab. machnng". Der deutsche Reichskanzler wagt also vor der deutschen Oessentlichkeit nicht, die Bezeichnung seiner parteigenösslschen Mörder des österreichischen Kanzlers als B a n d e n ausrecht, zuerhalten. Der„Führer" hat sich irgendwe ch-n stärkeren Einflüssen ans seiner Partei ge. fügt. Die Fälschung ist lehrreich für die gesamte internationale Politik und sollte auch dem Einsältigsten das Doppelspiel Hitlers klar machen. Er schwankt zwischen der Fnrcht vor den außenpolitischen Folgen der von ihm seit anderthalb Jahr- zehnten organisierten Banditenstreiche und der Angst vor den Banditen, von denen er abhängig ist, und denen er deshalb nicht wehe zu tun wagt. Das ist Hitler. Europa verdient ihn, wenn es ihn duldet. Zwanzig Jahre Krieg Von R. N. Coudenhove-Kalergi Seit 20 Jahren lebt Europa im Kriegszustand. Dem Krieg auf den Schlachtfeldern ist der Wirtschaftskrieg ge- folgt: von der Inflation zur Wirtschaftskrise. Opfer dieser falschen Politik und falschen Wirtschaft sind die Millionen vernichteten Existenzen, die Arbeitslosen, die verelendeten Arbeiter, die verschuldeten Bauern, die zu- grundegerichteten Sparer und Pensionisten. All diese Opfer hätten sich vermeiden lassen, wenn Europa sich am Ende des Weltkrieges zu einer Politik der Ver- söhnung entschlossen hätte und der wirtschaftlichen Zusammen- arbeit. Statt dessen haben die Politiker und WirtschaftSführer nach dem Krieg nichts anderes getan, als die Vorkriegspolttik und die Vorkriegswirtschaft fortzusetzen. Sie glaubten nicht an den Anbruch einer neuen Zeit. Sie verstanden nicht, daß der Weltkrieg den endgültigen Zusammenbruch bedeutet hat deS „europäischen Gleichgewichtes" und des„europäischen Kon- zertes". So setzten sie ihre diplomatischen Jntriguen fort, ihre militärischen Rüstungen, ihre wirtschaftlichen Rivali- täten. Indessen wurde die Lage Europas nicht besser, sondern immer schlechter. Heute steht nicht nur die europäische Wirt- schaft vor dem Bankrott, sondern auch die europäische Kultur. Die Menschenrechte, für deren Anerkennung durch Jahr- hunderte besten Europäer gekämpft und gelitten haben, wer- den heute in den meisten Staaten Europas mit Füßen ge- treten. Die Folter^ deren Abfassung der höchste Ruhm des Sor tletzMg&l lernen nnd sie«n Taten umzusetzen. Es ist Zeit, daß alle europäischen Nationen und Person?»- die guten Willens sind, sich zusammeniinden, um e>» Boll- werk zu schaffen gegen alle Friedensstörer und Intriganten. Der zwanzigste Jahrestag des Kriegsausbruches soll alle wecken, die den Ruf der neuen Zeit noch nicht gehört haben: den Ruf nach einem einigen Europa freier und gleich- berechtigter Nationen! Hie Pest En Europa Dse Nelnuftg eines Genfer Blattes Gens, den 27. Juli. Das„Journal des Nat'öns schreibt: Dollsuß ist rot. Wird Oesterreich leben? Der Monat Juli ist der tragische Monat für Wien. Vor 2« Jahren haben jene, die dem pangermanistischen Wahnsinn dienten und förderten. Tag für Tag gehetzt, Feuer ans Pulverfaß gelegt und schließlich da» Ultimatum lanciert, daß da« große Völkermorden zur Folge balle. Gestern bat man in demselben Wien m't demselben Ziel gemordet. Drang»ach Osten-., Schon schwirren UI» Mitteleuropa die Gerüchte über eine italienische und tschechoslowakische Mobilisation. 2« Jahre haben genüat. nm alles vergessen zu lassen. Nie- mal« ist der Sturz einer Autorität vorhäiigulspoller gcwc- sei, denn jetzt. Und alles geschieht, obwohl her Völkerbund existiert. Monat für Monat frage» sich dieienigcn, die den Frieden verteidigen, weil sie den Krieg und seine' seelische» nnd körperlichen Folgen kenne», was die Mitglieder des Völkerbunds wohl tun könnten. Monat für Monat hat man sich mit den Problemen der Freiheit und des Friedens aus- cinandergesetzt in der Hoffnung, daß Mitglieder des Völker- bundeb sich ihrer Verpflichtung bewußt werben. Verpflichtungen. der Gerechtigkeit zum Siege zu verhelfen. Immer wieder haben sich d e Idealisten, die vielleicht zu wenig Wirk- lichsertspolttiker sind, unmittelbar mit warnender Stimme an de» Völkerbund gewandt. Sie habe« ans die Ereignisse in Oesterreich und die damit verbundene Gefährdung des Weltfriedens hingewiesen- Auch an dieser Stelle haben wir immer wieder die'Not- wendigkeit einer Intervention des Völkerbundes i» einer der kritischsten Situationen, die d'e Pest des Natipnalspzia- lismus tn Mitteleuropa geschalten hat. betont. Hat nicht ein so klardenkender Mann wie M. Bencs. nech am 21, März 1084 erklärt, daß man nqch Prüfung aller Möglichkeiten immer wieder zu der eine» Forderung kom>ne: Absolute Unab- häng'gkeit und Integrität Oesterreichs, garantiert durch d>« enropäi.ch.'n Mächte, ans der Grundlage des Protokolls«0* 1923, garantiert durch den Völkerbund? Nichts geschah. Die Großmächte, die wahrhaft Berant- wortlichen, blickten nach Italien und Dollsuß schlug in de» traurigen Februartagen jene nieder, die in erster Linie für die Unabbäilg'gkeit Oesterreichs stritten, indem sie den Na- ilonallozjalismus bekämpft?». Der autoritäre Staat stand unter römischer Protektion, den Völkerbund überging man und es kam zu der Begegnung Hltler—Mussolini, die Oester- reich den inneren Frieden wiedergeben sollte und bei der zum ersten Male der'Name Rintelen als Nachfolger von Tollfuß genannt wurde. Man handelte, als oh der Völker Hund gar nicht existiere. Als Hitler die Macht in Deutschland übernahm, glaiiblk man in Europa, daß die Anschlnbirage erledigt sei. D>« Mehrheit der Ehristlich-Sozialen und der Sozialisten Oester« reichs, die für den Anschluß war, verzichtete sofort auf diesen Anschluß, um de»'Nationalsozialismus bester bekäMbE» zu können. Auf de» Einfluß von Rom bin wurden dann Christlich-Sozialen saschisiert und man strich aus der posi- tischen Karte Oesterreichs die Sozialisten. Mit diesem^trei® wurde der Kamps den Nationalsozialisten erleichtert- Dort, wo man die Freiheit unterdrückt, werden die W<>f' sc» her Revolution gefährlich. In dem Moment hätte f' ,lC Intervention des Völkerbundes zur Wieberherstellung der Freiheit das Gleichgewicht wieder herstellen können. Ist es heute zu spät? Zur inedlichen Lösung durch de" Völkerbund ist es nicht zu spät Aber es bedarf der Intel» vention. gehandelt muß werde». Es wetterleuchtet in Mitteleuropa- Der 80, Jn„i. der?''■ Juli: Blutige Taten in der Geschichte des traurige» Jgbreä Reiultale des System«„Ordnung und Antor'tät". Die Mitglieder des Völkerbundes müssen intervenieren' S>e dürfen sich durch nichts ablenken laste» Es gilt 4# kämpfen für die Menschlichkeit, Das Werk der Mordsfanflarlc Atsch ein Attentat ani starhentherg geplant freie« Berus auszuüben Jegliche Tätigkeit wird anoschließ» lich den Türken vorbehalte,,. Der Präsident der Republik empfing am Freitag Außenminister Barths« zur Berichterstattung. Außenminister Barth»« hatte an, Freitag eine längere Unterredung mit dem französischen Botschafter in Rom, de Ehambrnn. Die Reichspresiestelle der NSDAP, gibt bekannt, daß zur wettere« Vereinheitlichung von Partei und Staat der Stellvertreter d«s Führer« da« Rech, erhalte» hat, an der Bearbestun« von Gesetz- entwürfe» sämtlicher Reicharessorts teilzunehmen, 12 riugzcugfote Stuttgart, 28, Juli. Das schweizerische Verkehrs» flugzeng Curtiß-Eondor ist am Freitag gegen IN Uhr in der Nähe der Gemarkuugsgrenze Wurniingeii-Weilheini im Oberamt Tuttlingen aus bisher noch nicht geklärten Grün- de» abgestürzt, Beim Aufschlagen ans de» Boden geriet die Maschine in Brand. SA,-mann Kruse und der Reldistagsbrand Ein« Sonder-Ausgabe der„Deutschen Freiheit" Noch immer lausen täglich Hunderte Nachbestellungen ans die Nummer de»„Deutschen Frriheit" ein. dir den Bries des SA.-Mannea Kruse aus dem Stabe Röhin« enthält, der enthüllt, wie das deutsche Reichstagogebände in Brand gesteckt worden ist. Da die betreffende Ausgabe längst ausverkauft ist, haben wir eine Sonber-Ansgabe herausgebracht, die nicht nur den Brie! Kruse«, sondern auch sonstige« wertvolles Material enthält. Berka»gen Sie die So,, der- N urnrnet b e j Ihrem Zeitungshändler! Wien, 38. Juli. Die Geheimnisse nm den Mordputfch lichten sich. Es ist jetzt festgestellt worden, daß die Eindring- Unge z u einer besonderen S A.- M o r d fta n d a r d e gehörten, die sich überwiegend au« ehemaligen, wegen nationalsozialistischer Betätigung entlassenen W e h r m ä n- »crn zusammensetzte. Etwa 108 entlassene Wehrmänner waren an der Aktion beteiligt. Der Rest bestand aus nationalsozialistischen Zivilpersonen Die taktische Durchführung der Miktion hatte der ehemalige Wacht- meiste» Hoszweber, der als Hauptmann austrat, inne. Der Plan des Putschversuchs liegt, wie jetzt einwandfrei feststeht, weit zurück. Die?lnsgabe der letzten Borschristen erfolgte am letzten Montag. Die Verschwörer wurden durch ei» verabredetes Signal alarmiert. In den Briefkästen ihrer Wohnungen fanden sie Zettel mit dem Befehl, sich gegen Mittag in der Turnhalle des deutsche« Turnvereins im Gebäude der Stistskaserne zu sammeln. — Im Verhör behaupteten die Putschisten, ihre Führer hätten ihnen gesagt, es bandle sich um eine l>gale Altion gegen die Regierung... Die Putschisten entwaffnete» die in» Bundeskanzleramt hiensttnenden Polizeibeamten in, Namen des Polizeipräsidenten Steinhäuseru in der Schweiz wohnender, aus dem Vorarlberg stammender Garaaist, der den Transport der Sprengstoffe von Staim nach Au i,n Rbe.nial besorge» sollte. Das Motorboot u Ztt' löwe", das der St. Galler Polizei in die Hände qeiallen enthielt neben de» Bomben und Pistolen auch ein größeres Quantum Zeitungen, nämlich Nummern des Blattes„Xf 1 Rote Adler", das i» München gedruckt wird und als«anipr blatt der NSDAP für Tirol und Vorarlberg bezeichnet ist» jcho» zweimal sind Schmugg.'jseiidunaen dieses Blaues be- Ichlagnahmt worden. Das Motorvoo,„Seelöwe" ist auf de» Namen des Sturmbannführers Kölbl in Lindau eingetragen» * In dieser Nummer des„N o t e» A d l c r S", des national- sozialistischen Kampsblattes für Tirol und Vorarlberg, die zwei Tage vor dem Dolliußmord erschien, standen folgende Sätze:„Die Geschichte wird Herrn Doltiuß und die ganze Sippschaft der nunmehr durch Regiernngsverprdnung ihrer «traftaten entledigten und z« Ehrenmännern uinsrisierten Gauner und Lumpen verurteilen, so wie es heute die über- wältigeiide Mehrheit des Volkes tut. Ritt Rosenkränzen»"d demütigen Bitte» werde» Dollsuß und Genossen nicht gr" ivgndelt werden. Derer, die uns die Kehle zudrücken, könne« wir uns nur dadurch erwehren, daß wir ihnen die Faust g» das Kinn schmettern. Wir fürchten kein irdisches und fei» göttliches Gericht und brsnche« es nicht z« fürchten, denn wir sind j« im Recht, Und weil man uns das Recht vorenthält- weil mau uns ärger und schmählicher behandelt al<-> Neger iklgven oder Kettenhunde, darum wehren wir uns. und jedes Mittel, das uns Wehr fein kann, wird uns auch recht un" billig sein. Wenn ein Mensch überfalle,i und an seinen' Leben bedroht wird, so wehrt er"ch. Die Res>«,runa und iB kleiner Klüngel in Oesterreich peinigen das Volk und de- drohen es an Leib und Leben. Und darum dürfen sich diese Menschen nicht wundern, wenn ihnen gleiches mit gleiche« vergölte« wird. Wer schuldig ist, wird auch gerichtet werben. Mordhetze gegen Nachts darf nicht leben bleiben Saarbritcke«, 28. Juli. Kuum sind einige heuchlerische Phrasen der gleichgeschalteten Presse über das Attentat hegen den Polizeikommissar Machts gedruckt, so beginnt die vetze gegen den Mann von neuem. Es wird behauptet, der Attentäter habe nur mit Platzpatronen geschossen. Von da &er Behauptung, daß Machts die Notwehr über- Ichritten habe, ist nur ein Schritt. Die„Saarbrücker Zeitung" versucht die Ankündi- hung der Regierungskommission, daß sie in Zukunft Hetze hegen ihre Beamten mit den schärfsten Mitteln ahnden werde durch folgende Sätze zu umgehen: Am 17. Mai d. I. schrieb die„Saarbrücker Zeitung" zu Borwürfen gegen Kommissar Machts in einer Denkschrift der„deutschen Front":„Wir halten die in der Denkschrift erhobenen Vorwürfe aufrecht. Und wir hoffen sehr, daß Herr Machts nun einsieht, was allein übrig bleibt: Herr Machts soll klagen. Er muß klagen, wir erwarten seine Klage. Dann wollen wir weiter sehen." Herr Machts hat bis heute nicht geklagt. . Das Blatt weiß sehr genau, warum Machts nicht klagen kann, den» im Saargebiet regiert zwar der Völkerbund, aber in den Gerichten herrscht die Hitlerjustiz. Niemand kann dem Polizeikommissar zumuten, seine Ehre von Hitlerrichtern beurteilen zu lassen. Dies um so weniger, als die Hetzer gegen Machts beabsichtigen, Zeugen aus dem Reiche aufmarschieren zu lassen, die drüben für jeden Mein- eid als nationale Helden gefeiert werden würden. Was kommt es Leuten auf ein paar Meineide an, die als Gang- sters den Mord durch Deutschland und durch Oesterreich rasen lassen Während man in Saarbrücken unter den Augen der gewiß geduldigen Regierungskommission die Mordhetze gegen Machts nur vorsichtig weiter treiben kann, hat die national- sozialistische Presse im Reich, die von saarländischen Korre- spondenten bedient wird, keinerlei Rücksichten zu nehmen. So verleumdet die„Fränkische Tageszeitung" vom 26. Juli munter drauf los: Aber selbst die aufreizenden Haussuchungen durch den kriminellen Spitzel und Emigranten, den deutschen Fahnen- flüchtigen und Schlappmacher des Weltkrieges, Machts, hat zu nichts geführt: es sei denn, daß das daraufhin erfolgte Verbot der deutschen Zeitungen als ein„Erfolg" der Emigrantenpartei gewertet werde, obgleich stimmungsmäßig das Gegenteil der Fall ist. Dienstag früh nun ist ein„Attentat" auf Machts verübt worden, das zwar z« keinerlei Folgen führte, das aber wohl einige interessante Hinweise gestattet. Entweder gedenkt man nun mit fingier- ten Unruhen zu arbeiten oder treiben wirklich einige disziplinlose Elemente— mögen sie gekauft sein oder nicht die Dinge auf die Spitze! Ucber die Einzelheiten des Zwischenfalles war noch nichts zu erfahren. Jedenfalls war der Marktplatz in Saarbrücken, wo die Schüsse aus Machts fielen, in ausfälliger Eile mit Emi- grauten und Kommunisten besetzt, gerade, als ob diese darauf gewartet hätten. Ein Äriegsinvalide, der an dem Attentat beteiligt gewesen sein soll, wurde verletzt und verhaftet, ein anderer konnte unerkannt entkommen. Ob man nun einen Grund gefunden haben sollte? Man darf gespannt darauf sein, welche Hintergründe dieser Zwischenfall gehabt hat. »- So werden durch vermehrte Hetze neue Exzesse vorbereitet, an denen man dann selbstverständlich unschuldig ist. Alles erörtert Saar-Prohteme Die Saarländischen luden ihr den Status quo Straßburg, 28. Juli 1934. Die In Straßburg erscheinende„Tribüne I u i v e" be- lchäftigt sich in einem Artikel„Die deutsche Juni- revolte und die saarländischen Juden" mit der Frage, in welchem Ausmaß die Stimmung der saarländischen Fuden durch die blutigen Ereignisse des 36. Juni beeinflußt wurde. Das Blatt erwähnt dabei, daß eine ganze Anzahl deutscher Juden unter den Opfern des 3 6. Juni SU beklagen sei, Persönlichkeiten, die auch im Saargebiet Freunde und Bekannte gehabt hätten, so daß auch hier Trauer eingekehrt sei. Darüber hinaus habe ein besonderer Passus der Rede des Reichskanzlers vom 13. Juli die saarländischen Juden nach- denklich gestimmt. Denn die deutschen Jude» würden darin SU einer der Verschwörergruppen gerechnet. In seiner Ein- leitung habe Hitler gesagt, daß„gerade der deutsche Arbeiter" diese jüdisch-intcrnationalen Menschheitsbeglücker erkannt vnd innerlich überwunden habe. In diesem Zusammenhang sei die„Schicht der internationalen Volkszersetzer, die Apostel des weltanschaulichen politischen und wirtschaftlichen Kommunismus, die planmäßig die Völker zersetzen und sich be- mühen, das Chaos herbeizuführen", gebrandmarkt worden. Die Gerechtigkeit habe die saarländischen Juden davor be- wahrt, Aeußerungen der Billigung und Zustimmung zu den verschiedenen Maßnahmen oder moralische Werturteile über dre einzelnen Persönlichketten in Deutschland auszusprechen. Es heißt dann wörtlich:„Im Saargebiet hatten viele, an sich wohlmeinende Menschen, die Schilderungen über das den Juden widerfahrene Unrecht für ubertrieben, wenn nicht für unwahr ange- sehen. Jetzt, wo der Blitzstrahl ins eigene Lager gefahren nt> ist der Glaube an die Unrichtigkeit manchen Greuel- Wardens in weiten Kreisen der nichtjüdischen Bevölkerung erschüttert. Die letzten Ereignisse in Deutschland haben wieder offenbart, daß die Lage der Juden in Deutschland wbil und ungesichert bleibt, und das ist ein ungünstiges Vorzeichen für ihre eigene Lage im Saar- gebiet. Darum ziehen sie mit Recht die Folgerung: wie auch immer die Verhältnisse im„dritten Reich" sich ent- wickeln werden— die saarländischen Juden werden niemals auf ihr Lebensrecht in der Heimat und auf ihren Anspruch als Vollbürger verzichten." Am Schluß heißt es dann:„Unser jüdisches Recht ist ge- sicherte! im Lande des Friedens, als in dem Lande, wo nur die bloße Macht regiert. Alles, was dieser dien«, ist vergänglich, und alle Nur-Gewalt ist dazu da, um früher oder später zusammenzubrechen... Die jüdische Saargemein- schast legt an die deutschen Ereignisse in fester und diszipli- nierter Haltung die Maßstäbe der Wahrheit, der Gerechtig- keit und des Friedens an: als eine Pflicht und als eine Hoffnung." Wir begrüßen die Auffassung, die ans diesen Ausführungen spricht, und deren kurzer Sinn der ist, daß kein saarländischer Jude für die Rückgliederung des Saargebietes an Hitler- Deutschland stimmen kann, in dem die jüdischen Ideale Wahrheit, Gerechtigkeit und Frieden keine Stätte haben. Wir würden uns noch mehr über diese Ausführungen der „Tribüne Juive" freuen, wenn sie weniger verklausuliert und offener und deutlicher wären. Der ganze Wust, mit dem der eigentliche Grundgedanke des Artikels umgeben ist. er- innert uns bedauerlicherweise zu sehr an taktische Methoden, wie sie von dem berüchtigten Führer des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, dem Hitlerjuden Hauptmann der Reserve a. D. Dr. Leo Löwenstein beliebt werden. Paris, 28. Juli 1934. Saar-Kalhollken Von unserem Korrespondenten. „Jntransigeant" äußert sich in einem„D i e K a t h o l i k e n für den status quo an der Saar" überschriebencn Artikel zu der Rede, die der Führer der Deutsche» Front P i r r o kürzlich in Kaiserslautern gehalten hat. Das Blatt meint, Pirros Klagen über die hitlerfeindliche Haltung der katholischen Bevölkerung an der Saar seien allerdings be- rcchtigt. Die Taarkatholikcn hätten allen Anlaß zu dem Glauben, daß die Saarsrage nicht eine Nationalitäten-, wohl aber eine religiöse Frage sei. Sie halten es deshalb für nicht Unsere Töchter, die Oa;inen Roman von Hermynia Zur Mühlen. zz . Fkh weiß nicht, seitdem alles so herrlich gekommen ist, er- scheint mir die Stadt gar nicht mehr so klein. Und auch der See gefällt mir jetzt, da Eberhard uns mit seinem Motor- boot darauf herumfährt. Mein schönes Vaterland, du bist das einzige Land, wo das wahre Verdienst belohnt wird, und wo, wie es so schön in der Bibel heißt:„Er flößet die Gewaltigen vom Stuhl und erhebet die Elenden." Mein Gott, wie danke ich dir für deine Gnade, dir und deinem auserivühlten Werk- Zeug, unserem Führer Adolf Hitler, dem deutschesten aller Deutschen. Amen. Gräfin Agnes schreibt in ihr Tagebuch Die Menschen behaupten, es sei Frühling geworden. Tat- sächlich blühen an den geschützten Stellen im Garten bereits nie Bäume und Sträucher, aber mir scheint es, als hätten die Blüten ihren Duft verloren, als würbe die Maisonne von rinem schwarzen Schleier verhüllt und mein geliebter See säge tot und grau zwischen den fruchtbaren Ufern, auf denen sich Tag um Tag so entsetzliche Dinge ereignen. Das Dritte Reich, über das wir stets halb mit Verachtung, halb mit lächelndem Spott gesprochen haben, ist ausgebrochen: ein Reich des Bösen und der Finsternis, ein Reich, das nur ein Dante zu schildern vermöchte: meine schwache Feder ist dazu nicht imstande. Und es ginge auch sonst über meine Kraft: sehe ich doch hinter jedem Wort das schauerliche Bild der gefolterten Menschen, der zerstörten Existenzen, der un- barmherzigen Roheit und Gemeinheit unserer neuen Herren. Es ist ja seltsam, wie wir allen Zensurmaßregeln zum Trotz dennoch so viel erfahren. Unter dem Leichentuch der Angst hervor, das schwer auf uns allen liegt, flattern dennoch Worte auf, dringen in die Häuser, in die Seelen, erschüttern sse zutiefst und erwecken ein heiliges Feuer des Zornes, das 'nicht erlöschen darf, bis zu jenem Tage, da dieses unselige Land von allem Uebel befreit sein wird. Fritz neckte mich neulich, als ich das aussprach: „Sie siyh ja ganz politisch geworden, Gräfin Agnes." Aber was hat Politik mit Menschlichkeit, mit Gerechtigkeit und Liebe zu schassen? Ich bin nur ein Mensch, eine alte Frau, die vielleicht ein Leben hindurch gesündigt hat, indem sie sich von allem zurückzog. Nun aber möchte ich, trotz meiner siebzig Jahre, alles wieder gutmachen, was ich gefehlt, möchte helfen, retten und möchte auch noch den Sturz der jetzigen Machthaber erleben. Es war für mich ein beglückendes Gefühl, als mein kleines Motorboot an der Schweizer Grenze anlegte und ich unseren braven Bürgermeister in Sicherheit wußte. Ich zitterte ja innerlich vor Angst, als Hellsdorf mit seinen Bravos zu mir kam. Würden sie das kleine fensterlose Kämmerchen finden, vor dem der große alte Mahagonischrank stand? Wußte Clau- dia, daß ich den Bürgermeister versteckt hatte? Und wenn sie es wußte, was würde sie tun? Ich konnte mir ja nicht vor- stellen, daß meine Tochter einen hilsslosen alten Mann ver- raten könnte, aber wenn sie es dennoch getan hätte... Ich weiß auch nicht, ob sie die kleine Komödie durchschaut, die ich ihr seit Wochen vorspiele: die kranke alte, zu Tode geängstigte Frau, die um ihr Leben bangt. Es fällt mir nicht leicht, mich in diese Rolle zu finden, fühle ich mich doch stark und mutig wie eine junge Frau. Aber ich muß es tun, wenn mein Haus auch künftighin ein Zufluchtsort für Verfolgte sein soll. Auch dem guten Fritz gegenüber habe ich diese Rolle gespielt, habe ihm erklärt, ich fürchte mich so, er müsse mit seiner Frau und dem Kind zu mir ziehe«. So weiß ich, wenn ich abends das Gartentor versperre, wenigstens, daß Fritz in Sicherheit ist und nicht irgendwo tot auf der Straße liegt. Ich glaube, er hat ja meine Komödie durchschaut: ich fühle mich geehrt über das Vertrauen, das er mir bezeugt, weiß Gott, ich habe es nicht durch mein egoistisches Leben verdient. In all der Trauer und dem Entsetzen mußte ich neulich trotzdem herzlich lachen. Meine gute Kati besuchte mich. Wir sprachen über dieses und jenes, und plötzlich sah ich auf ihrem Gesicht einen halb erstaunten, halb empörten Ausdruck. Ihr Blick war auf einen alten Betstuhl gefallen, den ich von meinem Großmutter geerbt hatte, einen Betstuhl mit einem tiefen Fach für from me Bücher. Ich hatte den Betstuhl, der lange aus dem Boden gestanden, ins Wohnzimmer bringen und unter einem Ma donnenbild aufstellen lassen, vor dem ein Oellichtlei» brennt. Kati fragte mit gerunzelten Brauen: Nazi-Saarlied «Melodie:„Horst-Wessel-Lied".) „Zum letztenmal wird zum Appell geblasen! Zum Morden stehn wir alle schon bereit! Bald plündern Hitlernazi aus auch eure Kassen, Die Freiheit dauert nur noch kurze Zeit! Und haben wir euch endlich einmal wieder, Dann hauen wir euch alles kurz und klein! Ins Konzentrationslager, ihr lieben Brüder Da sperren wir euch tausendweise ein! Die Köpfe ab den roten Kommunisten! Die Jubenschweine hauen wir zu Brei! An die Laternen mit den Sozialisten! Hurra! Die Saar steht uns zum Morden frei! Ans Hakenkreuz dann mit euch Katholiken! Die Protestanten unters Hackebeil! Den Gottesglauben werden wir ersticken! Es lebe unser Gott„Heil Hitler, Heil!" sAus„Der Franc-Tireur".) sehr wünschenswert, durch eine bedingungslose Rückkehr zum Reich ihr eigenes Todesurteil zu unterschreiben. Die Saarkatholiken, die eben hitlerfeindlich seien, würben ihre Propaganda verstärken. Sie hätten sogar die Absicht, um in direkter Verbindung mit dem heiligen Stuhle zu stehen, eine eigene Vertretung des Vatikans in Saarbrücken zu beantragen, damit sie als Mittler zwischen sich und dem Papst in Zukunft nicht mehr h i t l e r d c u t i ch e G e i st- liche nötig hätten. Deutschland und die Schweiz Abschluß eines Verrechnungsabkommens Das am 26. Juli 1984 unterzeichnete deutsch-schweizerische Verrechnungsabkommen sieht vor, daß künftig alle Zah- lungen aus dem Warenverkehr, dem Reiseverkehr und dem Kapitalverkehr durch Einzahlungen auf die beiden Noten- banken erfolgen sollen. Nur für den kleinen Grenzverkehr und gewisse andere Zahlungen sind Ausnahmen vorgesehen. Die jeweils bei den Notenbanken zugunsten der anderen Bank entstehenden Guthaben werden ausgeglichen mit der Maßgabe, daß das voraussichtlich zugunsten Deutschlands vorhandene Guthaben zur Abdeckung des gegenseitigen Warenverkehrs, des Reiseverkehrs und gewisser Zinsver- pflichtungen dient. Bon dem verbleibenden Saldo wird ein bestimmter Betrag der Reichsbank zur Verfügung gestellt. Die weiter vorhandenen Beträge dienen in bestimmter Höhe zur Speisung eines Amortisationsfonds und zur Bezahlung schweizerischer Transitwaren. Der bann noch verbleibende Ueberschuß steht ebenfalls zur Verfügung der Reichsbank. Das Abkommen tritt am 1. August 1934 in Kraft und gilt bis zum 39. Juni 1939, wobei allerdings, wenn das Abkam- men den beiderseits gehegten Erwartungen nicht entsprechen sollte, neue Verständigungen mit der Möglichkeit einer be- sonderen Kündigungsfrist vorgesehen sind. Mit dem Abkom- men sind verbunden Vereinbarungen über die Verrechnung im Warenverkehr, über die Verrechnung im Reiseverkehr und Vereinbarungen über die Durchführung des deutschen Transfermoratoriums, endlich Vereinbarungen über den schweizerisch-deutschen Versicherungsverkehr und Verein- barungen über den Verkehr zwischen der Reichsbank und der Schweizerischen Nationalbank. In dem Warenzahlungs- abkommen ist im wesentlichen geregelt, daß in erster Linie Zahlungen entgegengenommen werden für Waren schweize- rtscher Erzeugung bzw. für Waren, die in der Schweiz eine wesentliche Bearbeitung erfahren haben. Für Waren nicht- schweizerischer Erzeugung sind gewisse Beschränkungen vor- gesehen. Das Reiseabkommen ist lediglich dem jetzigen Stand der Dinge angepaßt worden. Das Transferabkommen sieht vor, daß künftig Zinsen nur noch in Höhe von 4'/, Prozent transferiert werden sollen. Der überschießende Betrag der Zinsverpflichtungen wird unter gewissen Voraussetzungen aus ein besonderes Amortisationskonto in der Schweiz über- tragen und soll dazu dienen, die deutschen Fälligkeiten all- mählich abzutragen. „Seit wann sind Sie bigott geworden, Gräfin Agnes? DaS Beten wird uns nichts nützen." Ich lachte und sie blickte mich vorwurfsvoll an. Nachdem ich mich eine Weile über ihren Aerger gefreut hatte, stand ich aus, verschloß leise die Wohnzimmertür und führte Kati zu dem Betstuhl, dessen Fach ich aufschlug, Unter den frommen Büchern verborgen, lagen vier Revolver. Fritz hatte sie mir zum Ausbewahren gebracht. Kati starrte mich an wie nicht gescheit, dann lachte auch sie, aber aus irgendeinem Grund füllten sich ihre guten Augen mit Tränen, und dann fiel sie mir um den Hals und küßte mich ab. „Das geht nicht, Gräsin Agnes", sagte sie mit nicht ganz fester Stimme.„Wenn man die Massen bei Ihnen findet..." Ich zuckte die Achseln. Dort wird man sie nicht suchen. Und wenn... Es ist doch besser, eine alte Frau kommt ins Gefängnis oder wird er- schlagen, als ein junger Mensch. Und wer sollte mich ver- raten? Auf das Mädchen kann ich mich verlassen." Kati schluckte ein paarmal heftig, und ich wußte: jetzt denkt sie, ja, ans das Mädchen kann sich die alte Frau verlassen, aber wie steht es um meine Tochter Claudia? Ich sprach wieder mit ihr und nahm auch die Mahlzeiten zusammen mit ihr ein. Aber was sagten wir uns schon? Wir redeten über das Wetter, über gleichgültige häusliche Angelegenheiten. Sie sah sehr schlecht aus, blaß, mit schwarzen Ringen unter den Augen, als ob sie nachts nicht schlafen könne. Sie aß fast nichts und wurde schrecklich mager. Manchmal, wenn sie sich unbeobachtet glaubte, blickte sie so verzweifelt drein, daß ich an mich halten mußte, um nicht zu fragen: „Was ist dir, Claudia? Sprich dich doch aus." Sie war auch sehr nervös: ihre Hände zitterten, und sie rauchte eine Zigarette nach der andern. Einmal ging ich in ihr Zimmer, ich glaubte, sie sei ausgegangen, und öffnete ohne zu klopfen die Tür. Da lag sie auf der Chaiselongue und weinte, weinte, wie ich sie nie weinen gesehen hatte. Am t. Mai ging sie zum Fest der Arbeit, zusammen mit Toni. Und wir zwei Alten, Kati unl ich, saßen zusammen im Hause. Kati war schrecklich aufgeregt. «Fortsetzung folgt.) „Deutsche Freiheit", Nr. 172 ARBIIT UMt> WIRTSCHAFT Saarbrücken, den 29./30. Juli 1934 Wachsende Spannung Von Dr. Richard Kern Die wirtschaftlichen Spannungen in Deutschland erfahren eine rasch fortschreitende Verschärfung. Die Zwangsbewirtschaftung wird auf immer weitere Gebiete ausgedehnt, die Devisenknappheit wird immer bedrohlicher, die Stockungen im Außenhandel nehmen zu und der drohende Rohstoffmangel zwingt bereits zur Drosselung der Produktion. Mit der künstlich geschaffenen Binnenkonjunktur in einzelnen Wirtschaftszweigen geht es zu Ende, Drohender Mangel Eine neue Verschärfung droht von der Landwirtschaft her. Die erste amtliche Schätzung der deutschen Getreideernte für 1934, die auf den Schätzungen der amtlichen Saatenstandsberichterstatter von Anfang Juli beruht, läßt eine Ernte von Brotgetreide, d. h. von Roggen, Weizen und Spelz von insgesamt 11,37 Millionen Tonnen erwarten. Dieses Ergebnis bleibt hinter dem Ernteergebnis des Jahres 1933 von 14,49 Millionen Tonnen um nicht weniger als rund 22 Prozent zurück. Dabei hat die Reichs- kreditgesellschaft erst vor wenigen Tagen errechnet, daß die vorhandenen Getreidevorräte nur ausreichen würden, um einen Minderertrag bis zu 15 Prozent auszugleichen. Nach den letzten vorliegenden Verbrauchsberechnungen stellte sich der Verbrauch an Brotgetreide im Jahre ]"'31/32 auf 11,05 Millionen Tonnen, jedoch dürfte er seither nicht unerheblich gestiegen sein. Noch bedenklicher ist das zu erwartende Resultat bei den F uttermitteln. Bei Gerste wird der Ertrag auf 2,91 Millionen Tonnen gegenüber 3,47 geschätzt. Ungünstig wird die Haferernte beurteilt, deren Ertrag mit rund 5 Millionen Tonnen angenommen wird. Dabei sind diese Schätzungen wahrscheinlich noch günstiger als es der Wirklichkeit entspricht.--iisr»»i Die Sorge um die Sicherstellung der Ernährung— in einer Zeit allgemeiner agrarischer Ueberproduktion!— für Mensch und Vieh hat zu einer Verschärfung der Zwangswirtschaft geführt. Der Verkehr wird jetzt vom landwirtschaftlichen Betrieb bis zum Verbraucher geregelt. Waren bereits im Vorjahre Mindestpreise für Roggen und Weizen festgesetzt, so werden jetzt Festpreise sowohl für Brotgetreide als für Hafer und Gerste eingeführt, die nicht unter- oder überschritten werden dürfen. Zugleich wird ein Ablieferungszwang für Getreide eingeführt. Die Betriebe über fünf Hektar müssen in der Zeit vom 16. Juli bis 31. Oktober mindestens 30 Prozent Roggen und 25 Prozent Weizen der Menge liefern, die die Erzeuger aus der Vorjahrsernte geliefert haben. Die Getreidepreise werden erhöht für Roggen im Durchschnitt um 6, für Weizen um 10 RM. für die Tonne. Die Ausmahlung für Roggenmehl wird von 69 auf 75 Prozent gesteigert. Durch diese Verschlechterung der Qualität soll ein Mehr gewonnen werden, das etwa 400 000 Tonnen Roggen entspricht. Die Erhöhung der Getreidepreise in einer Zeit fortschreitender Lohnsenkung und allgemeiner Teuerung ist für die Diktatur ein schwieriges Problem. Denn eine Erhöhung des Brotpreises— bei knapper und teurer Kartoffelversorgung— kann auch durch die schönsten Ley- und Goebbelsreden nicht ganz wettgemacht werden. Deshalb wird eine Stabilität des Brotpreises— versprochen und beim Roggenbrot die Qualität verringert. Da das nicht ausreicht, müßten die Handelsspannen beim Müller und Bäcker, die ja jetzt gleichfalls behördlich festgesetzt werden, herabgesetzt werden. Davon verlautet vorläufig noch nichts, da man die Steigerung der Unzufriedenheit im Mittelstand immer mehr fürchtet. Und so wird die Aufrechterhaltung des bisherigen Brotpreises wahrscheinlich das Schicksal der anderen nationalsozialistischen Versprechungen teilen. Der Futtermangel in vielen Teilen des Reiches hat die Lage der Bauern akut verschlechtert. Noch nicht schlachtreifes und Milchvieh muß abgestoßen werden. Die Preise gehen zurück. Die Landesbauernfiihrer werden unruhig. Die nationalsozialistische Agrarpolitik hat bisher die inländischen Futtermittel zum Nutzen der Großgrundbesitzer und Großbauern systematisch verteuert, die Einfuhr der ölhaltigen Kraftfuttermittel gedrosselt und ihre Preise maßlos erhöht. Jetzt verlangt zum Beispiel der Landesbauernfiihrer in Hessen-Nassau weitgehende und recht kostspielige Maßnahmen: Ankauf von Großvieh zur Einkonservierung für das Winterhilfswerk, Herabsetzung der Umsatz- und Grundvcr- mögenssteuer, Bereitstellung genügender Devisenmengen(!) für den Ankauf ausländischer ölhaltiger Kraftfuttermittel, Beseitigung der Monopolabgabe auf diese Futtermittel und eine darüber hinausgehende weitere Preisherabsetzung, Frachtermäßigungen der Reichsbahn usw Schiffbruch der totalen Agrarpolitik Die Forderungen sind deshalb interessant, weil sie zeigen, wie die totale Agrarpolitik, die sich einbildete, die Wünsche aller landwirtschaftlichen Gruppen zugleich befriedigen zu können, Schiffbruch leidet. Die Begünstigung der Großen, die Getreide und Futtermittel zum Verkauf bringen, hat die Produktionkosten der landwirtschaftlichen Veredelung in die Höhe getrieben; der Versuch, die Fleisch-, Gemüse- und Obstpreise gleichzeitig heraufzusetzen, scheitert an der sich weiter verringenden Kaufkraft der städtischen Massen—„b ei der Verbraucherschaft liegt unglücklicherweise auch noch ein geringer Bedarf(!) an Fleisch vo r", klagt der erwähnte Bauernführer—- und jetzt, wo der Futtermangel diesen Gegensatz akut verschärft hat, verlangen die nationalsozialistischen Bauernführer neben neuen Subventionen aus der geleerten Reichskasse selbst die grundlegende Aendexung dieser Agrarpolitik das Herausbmhea eiye? tragenden Teiles des ganzen Autarkie- und Preistreibereisystems! Das werden die Nationalsozialisten nicht tun und deshalb wird die Unzufriedenheit der Bauernmassen weiter wachsen, um so mehr, da die Futtermitteleinfuhr aus dem Ausland an die Schranke der Devisennot stößt und diese weiter steigert. Nun hat das Konjunkturinstitut kürzlich von einem eventuellen Getreidezuschußbedarf aus dem Ausland in der Höhe von 1 Million Tonnen gesprochen; seine Deckung würde etwa 85 Millionen Reichsmark Devisen erfordern. Diese Schätzung dürfte viel zu gering sein, aber auch ein solcher Betrag bedeutet heute eine schwere, zusätzliche Belastung, die eine noch stärkere Einschränkung anderer Rohstoffeinfuhr bewirken wird. Kurzarbeit— Lohnsenkung Auf industriellem Gebiet hat die Devisennot bereits zur ersten folgenschweren Einschränkung der Produktion geführt. In der Textilindustrie, die bisher durch die Uniformen- und Festkleidbestellungen, zuletzt durch die Hamsterkäufe eine Sonderkonjunktur hatte, darf vom 2 3. Juli ab nicht mehr als 36 Stunden gearbeitet werden. Denn„die vorhandenen Vorräte müssen geschont" werden, da die Devisenlage«Ine Beschränkung der Einfuhr notwendig macht. Zugleich wird die Erweiterung neuer Betriebe oder die Erweiterung bestehender verboten, um eine Umgehung der Arbeitszeitverkürzung zu verhindern. Eine„Anpassung" der Preise an etwa steigende Weltmarktpreise, aber auch, was entscheidend ist, an„unvermeidbare Selbstkostenerhöhungen", wird ausdrücklich zugegeben. Daß eine„scharfe Ueberwachung" stattfinden soll, wird an den Preissteigerungen nichts ändern. E r- höhte Preise für durch Ersatz verfälschte Ware— teuer und schlecht— wird jetzt die Devise! Die Arbeitszeitverkürzung geht natürlich auf Kosten der Beschäftigten und bedeutet einen neuen Abfall ihres unglaublich gedrückten Einkommens. Nach der amtlichen Erhebung für den September 1933 betrug der Bruttostunden verdienst im Durchschnitt 61,5 Reichspfennig, der Nettoverdienst 54,0. Er schwankte bei den einzelnen Kategorien zwischen 36,5 und 64,1 Reichspfennig. Die Wochenarbeitszeit betrug im Durchschnitt 43,16 Stunden und das durchschnittliche Wocheneinkommen 26,53 Reichsmark. Spinner verdienten 31,29 Reichsmark, Weber 30,16 Reichsmark, während Hilfsarbeiterinnen auf 18,81 Reichsmark kamen. Der Vergleich mit 1930 zeigt einen Rückgang des Stundenverdienstes um durchschnittlich 21 Prozent, der Wochen Verdienste— wegen der etwas längeren Arbeitszeit — um 20 Prozent. Seitdem ist aber unter der Hitlerherrschaft eine weitere Lohnsenkung eingetreten, denn eine Erhebung der„Deutschen Arbeitsfront" stellt einen durch- schnittlichen Wochenlohn von nur 21,47 Reichsmark fest. Das bedeutet eine neue Senkung um rund 20 Prozent! Seit 1930, dem Sturz der Regierung Hermann Müllers, ist eine Reduktion um 40 Prozent, fast eine Halbierung, der Löhne eingetreten. Und jetzt bringt die Verkürzung noch eine weitere Verringerung der Iluugerlöhne— wahrscheinlich um 10 bis 20 Prozent! Im Engpaß So spiegelt sich im steigenden individuellen Elend das allgemeine Elend der deutschen Wirtschaft. Die Ausfuhr stagniert, wie die Junizahlen gezeigt haben, weiter, sie war mit 339 Millionen nur um 2 Millionen höher als im Mai, während die Einfuhr mit 377 Millionen sich um 2 Millionen verringerte. Das Passivum betrug 38 Millionen. Dabei hat sich die Einfuhr bei den von den Verboten erfaßten Waren um 10 bis 40 Prozent vermindert. Einfuhrsteigerungen anderer Rohstoffe machten aber diesen Rückgang wieder wett. Betrachtet man das erste Halbjahr 1934, so zeigt sich ein Anwachsen der Einfuhr auf 2302 Millionen(erstes Halbjahr 1933: 2087) und ein Rückgang der Ausfuhr auf 2086 Millionen gegen 2378. Das Passivum beträgt 216 Millionen gegenüber einem Aktivum von 291 im Halbjahr 1933. Ist aber die Gestaltung des Außenhandels bisher nur als ungünstig zu bezeichnen gewesen, so droht das zweite Halbjahr mit noch viel weiter fortschreitender Verschlechterung. Die Zuteilung der Devisenkontingente ist nochmals halbiert worden und beträgt für August nur mehr 5 Prozent. In Wirklichkeit ist die Reithsbank nicht mehr imstande, auch nur diesen Latz allgemein zuzustellen. Die Wirtschaftskreise werden von einer immer stärkeren Unruhe erfaßt und die Wahrheit kann sogar von Deutschland nicht mehr ganz unterdrückt werden. So schreibt die„Frankfurter Zeitung" unter dem bezeichnenden Titel: „Im E n g p a ß": „Schwerer als die vermehrte Arbeitslast der Banken wiegen die Beeinträchtigungen in den Dispositionsmöglichkeiten eines großen Teiles der Industrie und des Handels. Gekaufte Warenkönnenvielfachnichtabgenommen werden und liegen in Kähnen oder Lagerhäusern, was im besten Falle erhebliche Kosten, in manchen Fällen aber auch eine Qualitälsverschlechterung oder gar einen Verderb der Ware zur Folge hat. Die Klagen wichtiger, auf Roh- stoffbezug aus dem Ausland angewiesener Industrien über Verminderung der Vorräte mehren sich; sie werden dadurch verständlich, daß die reguläre und irreguläre Nachfrage aus dem Inland in allen von den Rohstoffsorgen betroffenen Waren sehr lebhaft bleibt, während die Neueindeckung mit Rohstoffen auf die bekannten Schwierigkeiten stößt. Darüber hinaus ist der Kredit, den die deutsche Wirtschaft bei ihren ausländischen Liefe- rantm bisher fmh ms$i W SSJSL mim Fällen weim eingeschränkt und zum Teil sogar unterbunden worden. Bev spielsweise bestehen die Lieferanten eines wichtigen au»- ländischen Rohstoffes, die bisher unter rund viermonatiger Kreditfrist(Dreimonatsakzept) direkt an die deutschen Abnehmer geliefert haben, nunmehr auf Barzahlung am Verschiffungsort, da die bis vor kurzem noch einigermaßen gesicherte Bezahlung der Fakturen bei Verfall infolge der Repartierung ungewiß geworden ist, gleichgültig ob es sich um deutsche Abnehmer mit größten Bankguthaben handelt oder um schwächere." Folgen des Vertragsbruchs Und der Ausweg aus diesem Engpaß? Das wären Roh* Stoffkredite. Aber die Diktatur hat den deutschen Kredit völlig zerstört— mit Gangstern schließt man keine Verträge und am wenigsten im Augenblick des offenen und nicht mehr abzuleugnenden Vertragsbruches. Und der ist jetzt gekommen. Deutschland hat die am 15. Juli fällige Monatsrate für die Zinsen der Dawesanleihe nicht geleistet. Diese Anleihe, die seinerzeit von Schacht persönlich verhandelt, abgeschlossen und eindringlich befürwortet ist, ist mit ganz besonderen Garantien ausgestattet. Für sie haften einmal„alle gegenwärtigen und künftigen Vermögensbestände und Einkünfte des Deutschen Reiches", zweitens alle Einnahmen aus Zöllen, sowie die Steuern auf Tabak, Bier und Zucker und die Einnahmen aus dem Spiritus- monopol. Diese Einnahmen wurden bisher auf ein Konto der Treuhänder bei der Reichsbank eingezahlt und nach Abzug der Zins- und Tilgungsbeiträge der Reichsregierung freigegeben. Jetzt haben die Treuhänder, wozu sie nach dem Anleihevertrag nicht nur berechtigt, sondern verpflichtet waren, alle Zoll- und Steuereinnahmen gesperrt. Die Hitler-Regierung hat daraufhin die Finanzkassen angewiesen, die Einnahmen nicht mehr der Reichsbank, sondern direkt der Reichskasse zu überweisen. Das ist offener Vertragsbruch und wird auch in der ganzen ausländischen Presse als solcher bezeichnet. Es zeigt zugleich, daß auch die weitestgehenden Garantien einem Vertragsbrüchigen Staat gegenüber wertlos sind, wenn nicht materieller Zwan{ zur Erfüllung eingesetzt werden kann. Aber eben deshalb werden sich Private wie Regierungen hüten, einem solchen Staat gar erst neue Kredite zu gewähren und so wird die Drosselung der Einfuhr mit all ihren Folgen— Drosselung der Produktion, steigende Arbeitslosigkeit, Sinken der Einnahmen, weitere Erschütterung der Währung— weiter gehen. Von der Erfüllung ihres Wunsches zur „Normalisierung" ist die Diktatur weiter entfernt als je. Eisenaufarhie Die Eisenindustriellen erwägen, nach Berichten der gleichgeschalteten Presse, auf„heimisches Erz" zurückzugreifen. Das heimische Erz ist das sogenannte Raseneisenerz und der Brauneisenstein im Lahn- und Dillgebiet. Da diese Erze einen Eisengehalt von höchstens 35 Prozent gegen die eingeführten, die 50 Prozent und mehr haben, besitzen, wurden die heimischen Erzgruben schon längst eingestellt. Um die eisenschwachen Erze verhüttungsfähig zu machen, wurden neue Aufbereitungsmethoden erfunden, die angeblich bereits imstande sind, das eisenschwache Erz konkurrenzfähig zu machen. Die Autarkie-Utopisten singen bereits Hymnen, so: „Vorsichtige Schätzungen beziffern den deutschen Vorrat an Brauneisenstein in Süddeutschland, wo er in großen Lagern im braunen Jura von der Schweiz bis nach Frankreich hineinreicht, auf etwa 10 Milliarden Tonnen. Vor allem in Baden sind diese Brauneisensteinlager sehr abbauwürdig, Man würde, wenn die Kalkulationen für die Erzaufbereitungs- anlagen stimmen, eine Versorgung Deutschlands mit den zur Thomasstahlerzeugung notwendigen Erzen erreichen."—■ Dem deutschen Volk blüht nun eine Zeit des Ersatzes: Woll- ersatz nach Röchling, Tabakersatz, Kartoffelersatz, Eisenersat; und, da das Leben in Deutschland kein Leben ist, Lebensersatz. Mehr Ersätze als im Weltkrieg! Ten der„Nahrnngsfronr Das Reichsernährungsministerium und die Marktberichtsstelle bei der Hauptabteilung II des Reichsnährstandes gehen eine sehr optimistisch gefärbte Darstellung über die Getreide- und Kartoffel Vorräte von sich. Wer aber die mitgeteilten. Daten aufmerksam liest, stellt fest: durch den Wahn der landwirtschaftlichen Autarkie, der durch die trostlos« Devisenlage erzwungen wurde, haben im Juni 1934 die Vorräte an Hafer und Roggen„erheblich schneller abgenommen als im Vorjahr"— genauer wird das n i ch t gesagt!—,„weil Hafer und Roggen in starkem Maße infolge des Mangels an Grünfutter verfüttert worden sind." Seit 1928 hat sich dt# Einfuhrüberschuß an Nahrungsmitteln um 73 Prozent(!) gesenkt. Während im Juni des Vorjahres 1,37 Tonnen Kartoffeln verbraucht wurden, wurden heuer 1,75 Millionen Tonnen Kartoffeln verbraucht, dabei wurde heuer bekanntlich der Verbrauch nicht befriedigt. Diese Zahlen zeigen, wie furchtbar die Gangster den Lebensstandard des deutschen Volkes gesenkt haben. Selbst wenn man alle sehr optimistischen Schätzungen der Nazi über die heutigen Leistungen der Landwirtschaft für richtig annimmt, dann hat sich die Leistungsfähigkeit der deutschen Landwirtschaft um maximal 39 Prozent gesteigert. Zu diesen Schätzungen ist zu sagen: man stellt sie gewöhnlich für einen landwirtschaftlich guten Landstrich an und rechnet sie automatisch auf das ganze Reich um. Sehr hoch ist also der Wert solcher Berechnungen nicht zu veranschlagen. Aber wenn selbst diese Zeilen stimmen sollten, muß Deutschland mindestens noch 20 Prozent seines Verbrauchs an Lebensmitteln einführen. Diese Einfuhr kann es sich aber nicht leisten. Bleibt als einziger Ausweg die straffste Kriegswirtschaft übrig. In den berühmten Jahren der Schmach und Schande war niemals, auch 1919 nicht, die Lage Deutschlands so trostlos, wie nun, da es den Gangstern aus» g eliefert ist. Oesfcrrcldi bleibt in Unruhe -ST •.Säuberung" gebt weiter , y° te c* er Exekutive in Steiermark frf w,' C?' 27,^ uI'-®' e Pressestelle des österreichischen Heimat- .»'Se» meldet: Die Säuberungsaktion in Steiermark J""'uefentlichen beendet. Starke Heimatschutzabteilungen s Lberösterrelch. Salzburg und Nieöeröstcrrcich habe» im »m.*^ em Hetmatschutz in Steiermark die Grenzgebiete vn?!. Aufrührern befreit: der Verkelir konnte fast überall frf ,® er aufgenommen werden. Die Verluste des Heimat- Eitzes, der mit dem Bundesheer und der Gendarmerie die fn,.vi" 1 durchführt, sind sehr gross. Nach den bisherigen Mel- "»gen stnd in Steiermark a n 3 0 Tote zu bekla- tnfa' ä n Kärnten haben sich in den Abendstunden an ^reichen Stellen Kämpfe mit znfammengcrvtteten Auf- uyrern ergeben. Der Heimatschutz wird von Hcimatichütz- rn aus Ostttrol unterstützt und hat zahlreiche Orte bereits di*r® ei der Vertreibung der Anfrührer aus Anna- m hellen diese allein neun Tote aus dem Kampfplatz: der ?»,I?°tschutz hatte einen Schivcrvcrivundeien. Im Lande ist alles ruhig, desgleichen in Obcrvsterreich, in Nieder- ""erreich, Tirol, Vorarlberg und Vurgenland. 2'" Die Säuberung des mittleren Enns- a t c s wurde am Freitag erfolgreich durchgeführt. Von . uenmarkt stiess eine Gruppe auf Admont vor. Bundcsheer .Mete zusammen mit einer Heimmchrgruppe nach Verlust- w- 1 Kampf gegen einen stch hartnäckig webrenden Gegner .-""^mittags den Pyhrnpass und erreichte Ltezrn, während ."^ Abteilung des BundeShecreS mit einer Heimivehrgruppe us den Bezirken GrteSkirchen und Efcrding über Aussce bis einach-JrvSaina vordrang. Der Unruheherd im mittleren '-»nstal ist beieitigt. >'ix ZelwIS ehe Beweise , Dresden. 28. Juki. Tic nationalsozialistische Presse bc- ''uuptct, dass der vom Wiener Standgericht zum Tode ver- '"teilte und gehenkte Tchutzbiindler Joseph Gerl sich -rer politischen Aufassung in den letzten Monaten genähert , ive. In diesem Zusammenhang erhalten Drohungen, die der - resdner„Freiheitskampf" bereits am 10. Juli vcrvffent- , chte, Bedeutung:„Legt Dollfuss die Hand an Voiksgenof- s".... dann kann man als sicher annehmen, dass schon s-lichr Stunden später ein Entrüüungsstnrm durch s's vergewaltigte Land geht, der wohl nicht alles bestehen ^sst. was zur Zeit in Oesterreich noch besteht." München. 28. Juli. fJnpressj: Es steht einwandfrei fest, die in München stationierte österreichische Legion bereits vier Tage vor dem Putsch in Alarmbereitschaft gesetzt wurde. Sie war darauf vorbereitet, am LS. Juli in Oesterreich einzumarschieren. Nachdem der Wiener Putich in seinen Anfängen stecken blieb, hat Hitler an dem für den Abmarsch vorgesehenen Tage plötzlich Gegenorder gegeben. Berlin. 28. Juli. Die ersten Meldungen über die Ereignisse in Oesterreich veröffentlichte die„Westfälische Landeszettung" auf der ersten Seite mit folgender, grossgcdrucktcr und rot- unterstrichener lleberschrift:„Dollfuss vom Volk ge- richtet." Das Berliner„Acht-Uhr-Abendblatt" wählte als Schlagzeile:„Das Ende eines Verräters". Das „Stuttgarter Neue Tagblatt" gab seiner Genugtuung iiber den Mord an Dollfuss wie folgt Ausdruck:„Sie(die öfter- rcichifche Regierung» hat geglaubt, ihre Absichten mit brutaler Gewalt durchfetzen zu können, stets auf Kräfte gestützt, die ausserhalb deö österreichischen VvlkSwillens und der öster- rcichischen Gemeinschaft liegen. Sie hat daber wohl kaum ein Recht, ihr Schicksal zu beklagen" Und die Essener„National- Zeitung", das Blatt GöringS, schrieb:„Als die Regierung Dollfuss... eine Verordnung erliess, wonach jeder, ler im Besitz von nicht angemeldeten Sprengstoff getroffen wurde. ... zu keiner anderen als zur Todesstrafe verurteilt werden solle, haben wir bereits mit allem Nachdruck aus genauer Kenntnis der österreichischen Verhältnisse... darauf hingewiesen, dass der Tod auch nur eines vom Stand- gcricht verurteilten politischen Gegners der Regierung Doll- fuss sehr wahrscheinlich auch den Untergang dieser Regierung bedeuten konnte." * Es muß betont werden, dass die deutsche Presse keine Mel- düng veröffentlichen darf, zu deren Publikation die Aulori- sation des Propagandaministcriums fehlt. Die von uns zitierten Aeusserungcn sind also mit Wissen und Wil- len der Hitlerregierung veröffentlicht worden. Erst als der Putsch mißglückt war, wurde der deutsche Gesandte in Wien, Rieth, desavouiert und der Inspekteur für Oester- reich, Habicht, abgesetzt. Diese Massnahmen werden auch da- durch als Manöver entlarvt, dass Habicht schon seit längerer Zeit in der Oefsenilichkeit keine Rolle mehr spielte und die Propagandarcdcn gegen Oesterreich— so z. B. die vom 18- Juni— durch Francnfeld gehalten wurden. Dieser Francnfelö ist nicht abgesetzt worden: er ist geblieben. Francnfeld hatte sogar die Absicht, unmittelbar nach den Wie- ncr Ereignissen eine Rundfunkrede zu halten. Er hat über die Zweckmässigkeit dieser Rede vier S t u n- Ansprache im Rundfunk ausiOt.Zm-Omdrb.-nluslhwnumlh den lang mit Heß konferiert und erst dann auf eine Ansprache im Rundfunk verzichtet, als sich klar heraus- gestellt hatte, daß der Putsch zusammengebrochen ivar. Für Aktivität gegen Hitler Widerwillen und Ekel In England— ver Vatikan: ,.fia2ic2äis©z»a;isti5d»e Gangsters Italien Rom, den 28. Juli. Die hiesigen Zeitungen halten an der Ueberzeugung Deutschlands Verantwortlichkeit für die wiener Vorgänge fest. .Giornale d'J t a l i a" zählt die zahlreichen Terrorakte ex österreichischen Nazis ans. Das Blatt meint, diese Vor- «"»ge könnten durchaus nicht vom innerpolitischcn öster- "'chischeu Standpunkt aus geweitet werden, sie hätten ihren "Aprung in Hitlcrdcutschland. .,L«vora Fascista" betont den internationalen harakter der österreichischen Unabhängigkeit. Die von ^"«tschland geübte Verletzung der elementarsten Regeln in' .-n iliteruatiniialon nrtftt tnrh#ir»(*inn a i> m■> i h, .- internationalen Beziehungen fordere eine gemein» Vflllltfflil !"me Aktion"- 1"'' 1-' tu««»«.« der österreichischen Ncgternng üd der Regierungen, die verantwortlich -' en stir die Unabhängigkeit und terri- " ri a le Unverletzbarkeit der österreichischen Republik. .»Eorrlere della Sera" sagt nnter Hinweis ans dnS j. tonnte geflügelte Wort TalleyrandS, dass die Ermordung I*® österreichischen Bundeskanzlers schlimmer als ein Ver- sbab es ein politischer Fehler sei, und zwar ein i„ r£ r- der dem nationalsozialistischen Regime Deutschland zur La st falle. Die weiteren Aus- s,, drangen betreffen hauptsächlich die Anschlnssirage und die z°rkchrungen Italiens zum Schutze Oesterreichs. Das Ver- bekräftige die Ueberzeugung, daß die Unabhängigkeit ^Österreichs um jeden Preis erhalten werden müsse. ^."Stampa" erklärt:„Wenn die dentschen Machthaber in L?? Frrtum verharren, wird es unvermeidlich, dass sich r Kreis der Isolierung auch im Süden schlicht." Rom, 28. JuN. Der päpstliche„Osservaiore Romano" schreibt:> „Die Ermordung des Kanzlers ist eine Herausforderung Europas und der zivilisierten Welt. Der Kampf zwischen der organisierten Gesellschaft und der anarchistischen Gesell» schaft vergiftet entweder durch die kommunistische oder die nationalsozialistische Demagogie. Er stieg in die Arena, um diesen wütenden Materialismus mit zwei Gesichtern zu be- kämpfen." In einem anderen Artikel schreibt„Osservatore Romano": „Der Nationalsozialismus ist, wie alle Mörderbewcgungen, eine Bande, keine Partei. Die nationalsozialistischen Gangsters sind so in ihrem Blutrahmen geblieben, der um den Nahmen ihrer Infamie gezogen ist... Dollfuss ist wie sein Bruder Klausener gefallen. Seine Henker haben ihm einen Priester verweigert. Die Menschheit und die Religion, die Zivilisation und der Glaube sind gleich- zeitig getroffen worden. Aber die Menschheit und die Zivili- sation wissen jetzt, dass ihre Todfeinde die Tod- feinde des Glanbens und der Religion sind." abhängigkeit Oesterreichs direkte Schritte in dem österreichisch-deutschen Konflikt vermieden werden könnten. Auch der„Daily Telegraph" lehnt ein Eingreifen fremder Mächte in den dcutsch-österrcichischen Streitfall ab und billigt ausdrücklich die Haltung, die Sir John Simon in dieser Frage am Donnerstag im Unterhause eingenommen hat. London, 28. Juli. Der diplomatische Korrespondent der „M o r n i n g Po st" will wissen, dass man in Londoner politischen Kreisen die Ernennung v. Popens zum Deutschen Gesandten in Wien nicht als Zeichen einer Aenderung der deutschen Politik gegenüber Oesterreich ausfasse, sondern im Höchstsalle als eine Aenderung der„Methode". Rom, 28. Juli. Wahrscheinlich wird der Papst die nächste Gelegenheit wahrnehmen, um öffentlich seine Mihbilli- gung auszudrücken über die Gewalt- und Mordaktion, die da« friedliche Leben Oesterreichs ge- stört dat. Diese Erklärung, die in religiösen Ärei>en als sehr wichtig angesehen wird, dürste schon ansang« nächster Woche abgegeben werden. Am Dienstag wird nämlich der Heilige Vater 200 junge Oesterreich er empfangen, die den Sommer in italienischen Ferienkolonien verbringen wollen. Es wird bestätigt, dass die persönliche E n t r tt st u n g des Papstes über die Ermordung des Kanzlers Dollfuss sehr groß ist. Bomben in der Pariser rietro 1 Toter, C Verletzte Paris, 28. Juli. Einer geheimnisvollen Bombencxplosion in P a r i s fiel am Freitagnachmittag ein Menschenleben zu., Opfer. In der vierten Nachmiltagsstundc entdeckte der Kon- trolleur Vinci in einem Abteil der 1. Klasse des Untergrund- bahnzugcs, der aus der Strecke Porte Clignancourt und Porte Orleans fuhr, ein verschnürtes Paket unter einer Bank. Er nahm es an sich und übergab es am Mctro-Bahnhof Moni- parnasie dem Stationsvorsteher Catelas. Als dieser nun die Verschnürung de» Paketes durchschnitt, explodierte der In- halt plötzlich mit lauten Getöse und das Diensthäuschcn, wurde in dichten Nebel gehüllt. Mit schweren Brust- und Kopfverletzungen lag der Bahnhofsvorsteher Catelas am Vo- den, Auch Vinci wurde erheblich verwundet. Drei Fahrgäste, die in der Nähe des Diensthäuschens standen, wurden eben- falls leicht verletzt. Die beiden verwundeten Bahnbcamten wurden sofort in ein Krankenhaus überführt, wo Catelas bald nach seiner Einlicserung starb. Vinci, dessen Zustand hoffnungsvoll ist, wenn auch mit dem Verlust seiner rechten Hand zu rechnen ist, konnte noch am Abend vernommen werden. Er gab an, dass er am Bahnhof St. Michel den Waggon betreten hatte, in dem er das Un- glllckspakct fand. Nur ein einziger Reisender hatte sich in dem Abteil befunden, der an der Station Saint Tulpicc aus- gestiegen sei. Leider ist Vinci nicht in der Lage, diesen Mann zu beschreiben- Polizei und Staatsanwaltschaft sind eifrig bemüht, hinter das Geheimnis dieses Bombenanschlags zu kommen.>\ Die Untersuchung"-. v v.. Paris, 28. Juli. Die polizeiliche Untersuchung des Spreng- stosfanschlags hat bisher nur zu der Feststellung geführt, dass das Explosionsgerät gefährlicher gewesen ist, als die Spreng- stoffpaketc, die in letzter Zeit in Paris von Unbekannten ver- schickt oder niedergelegt worden stnd Der Explosivstoff, der stch in den Paketen befand, wird zur Zeit vom städtischen La- boratorium untersucht. Soweit bis jetzt feststeht, bandelt eS sich um einen Sprengstoff mit grosser Rauchentwicklung, der ungeheuren Schaden hätte anrichten können, wenn er in einem starkbcsctztcn Wagen zur Explosion gekommen wäre. „Bereinigter" Deidissender Köln Intendant beurlaubt Köln. 20. Juli 1034. Der Korruptionsskandal beim Reichssender Köln hat in- zwischen zur Beurlaubung sneudcutsche Umschreibung» dcS Intendanten Dr. GlaSmeier geführt. Auch der Sende- lciter Dr. Fischer soll auf seinen Posten nicht mehr zu- rückkchre». Anlaß zur Aufrollung des Skandals sind die grossen Unterschlagungen von Wiiiterhilssgcldcrn, die der Organisator der Konzerte am Reichssender Köln. Hermann K e i p c r, sich zuschulden kommen ließ und vorin mehrere prominente nationalsozialistische Funktionäre verwickelt sind. Zu bcr— von der D. F. bereits gemeldeten— Eni- lassung des Adiutanten des Dr. Glasmeier, Dr. B a r l a g e, ist noch zu bemerken, daß ihm ausser Unterschlagungen der Missbranch seiner Stellung weiblichen Angestellten gegen- über nachgewiesen wurde- Auch eines seiner Opfer, eine Stenotypistin, flog heraus.— Dabei sage noch einer, der braune Rundfunk sei nicht gesäubert! Italienische Presse noch feindseliger z einem Bericht des Wiener Vertreter« d«S ..11«" ^.lvnderem Hinwels auf den„Völkischen V-obachter" als v"' vimm«rcnufi ueu-cmi'uci wuiuct» vw„4? 0 p 0! 0 > talia" wird die Haltung der deutschen Presse nnter b ,°"> säisch bezeichnet. Die östcrrcichiiche Bundcskanzlci bj" Beweise in den Händen, um die Verantwortung für Terrorakte au Hand der Herkunft des Sprengstoffes Zuzustellen. Fügiand London, den 28. Juli. ®te englische Presse schont wirklich Deutschland nicht, das ^"n hier allenthalben als die Macht ansieht, die aus der mit Hilfe der österreichischen Nazis den tödlichen jf.^ich gegen Dollfuss geführt hat. Aber die Presse wünscht 'cht— und da? entspricht der englischen Mentalität, die ."« nun schon seit Jahren kennt— öassEnglandsichan ^OendwelchenSchrittenberMächleinVerlin I e j l j g t. j"Times" meint, eine Bewegung, die zu solchen Methoden ,^e Zuflucht nehme, flösse allenthalben Widerwillen und ^'"l ein. Das Blatt hofft, dass Frankreichs. Italiens j. tt& Englands Haltung Deutschland einen „^'lsamen Schreck einjage, und daß durch die er- ^tcn energischen Erklärungen drei Mächte für die Un- R 0 m, 27. Juli. Seit Donnerstag hat sich der Ton der ita- lienischen Presse gegenüber Hitierdentschland noch verschärft, obwohl er kaum noch zu steigern war. Man anerkennt nirgendwo die deutsche Ablehnung der Verantwortung an den Vorgängen in Oesterreich. Die Berufung P a p c n 0 hat diese Aussassung eher noch bekräftigt. „Giornale d'Jtalia" meint darin die Entsendung clneS Kommissars zn erkennen, also die Errichtung einer Filiale »der Unterabteilung der Berliner Regierung. ES fühlt stch an die Veranstaltung entiprechender japanischer Missionen an das damit in den japanischen Eiuflustkreis hineingezogene China erinnert. Im Augenblick sind noch keine diplomatischen Aktionen Italiens in Aussicht genommen.„Giornale d'Jtalia" sagt dazu:„Es ist zwecklos, an die diplomatische,, Auswege, mehr oder weniger kollektiver Schritte, mündlicher oder schriftlicher Proteste zu denken, welche die Zeit selbst in ihrer völligen Zwccklosigkeit enthüllt hat. Man braucht Handlungen und Entscheidungen. Jedes grosse Land muh den physische» und moralischen Mnt zu dem einen wie dem anderen aufbringen." Das ist das Bekenntnis, allein zu handeln. Die italie- nischen Truppenbewegungen an der Rordgrenze danern fort. Agentur Havas sagt dazu, dass Italien für jede Eventualität bereit sein wolle, da es jede Einmischung in dt« inneren An- gelegcnheitcn Oesterreichs ablehnt. Es ist bekannt, dass am Mittwoch 3000 Mann der in Deutsch- lanb gebildeten sog. österreichischen Legion ander österreichischen Grenze standen. Diese Abteilungen haben übrigens au d:n Wiener Ereignissen des 25. Irls leinen Anteil- In Rom verhehlt man nicht, dass die Lage ernst ist- Die Botschaster, so besonders der sranzösische und der britische Botschafter, stehe,, in ständiger Verbindung mit dem«talie, nischen Zlussenministerium: doch war diese Fühlungnahme nur informatorischen Zwecken gewidmet. „Auch mit der Waffe" „G azet ta del P 0 p 0 l 0" schreibt in einem Lcitaufsatz: „G e w e h r b e i F u ss!": Das faschistische Italien ziehe die Tatsachen blossen Worten vor- Italien sei vorbereitet, mit dir größten Promptheit und Eutschlusskrast zu handeln. Es könne von scn Ereignissen nicht überrascht werden. Noch einmal für immer künde es an, baß es kein fait accompli. anerkenne, sondern entschlossen sei, die Unabhängigkeit Oeslerreichs auch mit der Waffe zu verteidigen. Im übrigen stehe „Deutschlands Komplicenschaft" an de» österreichischen Ercig- nisien fest Wir wolle» nickt vergessen, so schreibt dgs Biete, dass der Krieg 1014 mit einem Attentat begann. „Lavore Fascista" erklärt, dass die deutsche Schuld vor der ganzen tt u l t« r w c l t erwiese,, sei und sttgt hinzu, wenn Rene vorhanden sei und vor allem, wenn sie vo» deutscher Seite ausrichtig gemeint sei, so würden es die Tat« fachen zeigen müssen. Galda erklärt, last die Ernennung Papenü zum Sondergesandte» trotz deS demonstrative» Brreses des Reichskanzlers Hitler in Italien nachdenklich mache. Diese Ernennung sehe so aus, als sollte in der beut- jchcn Gesandtschast z« Wien ein hoher Kommissar eingesetzt 9eutsom 30. Juni verstärkt wurde, wohl um das deutsche Volk von einem allzu intensiven Nachdenken über den von seinem Führer angezettelten Freundes- und Brudermord abzulenken,' man hatte monatelang vergeblich gefordert, daß o>e Mächte, die seiner Zeit eine feierliche Erklärung für Oesterreichs Unabhängigkeit abgegeben hatten, daß Frank- *eich, England und Italien endlich dem Treiben der Hitler- Propaganda gegen und in Oesterreich ein Ende bereiten würden— alle Mahnungen waren umsonst. Es bedurfte erst des Nazihandstreichs in Wien in diesen Tagen, um mit der Lethargie Schluß zu machen, mit der man vom Auslande her alles das behandelte, was in und um Oesterreich herum in der letzten Zeit geschah. Eines steht schon fest. Die Wiener Ereignisse haben nur »och gefehlt, um den Bankrott der Außenpolitik hes./dritten Reiches" vollständig zu machen. Barthous Reisen nach dem ^sten, seine londoner Verhandlungen, das Ostpaktproblem »nd die Diskussionen, die sich an diese Porgänge knüpften, hatten deutlich gemacht, wie sehr die Hitlerbiplomatje in die defensiv? gedrängt worden war. Aber es gab»och immer eine leise Hoffnung in Deutschland: Mussolini! Diese Hofs- i"l»g bat ssch wie so manche Illusion der braunen Machthaber als trügerisch erwiesen. Wien hat auch die letzten Fäden zerrissen, die Berlin und Rom noch verknüpften, Das ist die Auffassung, der man in Pariser politischen Kreisen allent- halbe» begegnet, und die anch von der französischen Presse geteilt wird. Mussolinis Telegramm a» Fürst Starhcinberg läßt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. „Paris-Midi" sieht in der Tatsache, daß Herr von Pape» letzt als außer- ordentlicher Gesandter nach Wien geschickt ivird, de» Beweis dafür, daß Hitler auf diplomatischem Wege das zu erreichen suche, was ihm durch den Gcwaltstreich seiner Freunde am Mittwoch mißglückt sei, den A n s ch l u ß. Papen solle das »wahre Gesicht Deutschlands" versinnbildlichen, seine Wahl sei geschickt,' sei er doch ein Diplomat, der immer ein Mann »vn Welt zu bleiben verstände, selbst dann, wenn er gegen das Land, bei dem er akkreditiert sei, intrigiere. Gabriel Perrxux sagt im „Paris-Soir" deutlicher, was mit diesem letzten Tatze gemeint sei. Er be- »rerkt, Papen sei im wahre» Sinste dss Wortes ein Dipl?- wat. Er sei sogar»och Mehr als ein Diplomat, wenn man sich all'die Tätigkeit erinnere, die er während des Krieges i» Washington entfaltet habe. Es ist also der Pariser Presse siicht entgangen, daß als deutscher Vertreter in das Land, In dem die Nazis mit Sprengstoffen, die aus den Arsenalen der deutschen Reichsipehr stammen, gegen die Regierung arbeiten, ausgerechnet Herr von Papen entsandt wird, der schon Mäh- *e«d des Krieges in Amerika in seiner Doppeleigenschaft als Attache« der deutschen Botschaft und Sprengstoffattcnlätcc gewisse negative Erfolge auszuweisen hatte. Im „Figaro" zahlt Wladimir d' Or IN csson alle die Tatsachen aus. die geeignet sind, Deutschlands Schuld an den Wiener Ereignissen zu beweisen. Er meint unter Bcznanahinc ans Lündenbnrgs Beileidstelegramm an den österreichischen Bundespräsidenten, es sei wahrscheinlich, daß H i n d e»- b n r g, Neurath und alle jene, die in Deutschland sich »och ein gewisses menschliches Empfinden und Sinn für Politik bewahrt hätten, nach den blutigen Naztvcrbrcchen »am 30, Juni und vom 36- Juli jetzt nachdenken müßten über die schreckliche Wendung, die die deutsche Politik nehme, So .könne die österreichische Krise in der T a t den innerdeutschen Konflikt verschärfen. Mit dieser Möglichkeit müsse man rechnen, ohne sie zu Uber- schätze«. S a i n t- B r i c e meint im „Journal", der beste Beiucis für die Schuld der Hille,>>>»g fti dann z» sehen, baß die deutsche Presse nicht den Teil des M u s s o- lini-Telegramms veröffentlichen dürfe, in dem es hfiiß«, d i e zivilisierte Welt habe bereits Moralisch diejenige» verurteilt, die direkt »der indirekt vergntwörtlich seien. In der radikalen „Ere Nouvelle" beißt es, seit dem 30. Juni sei Teutschland geneigt, die schlimmsten Torheiten nicht nur aus dem Gebiet« der Innen- »»litik, was seine rigene Angelegenheit sei, sondern auch ans dem der Außenpolitik zu begehen, wobei Frankreich nicht '"big zusehen könnte. Der ebenfalls radikale »»Oeuvre" wertet den Ausgang der Wiener Ereignisse als eine Nieder- '»g« der nationalsozialistischen Politik. Das Blatt warnt vor "bzu großer oder gar kriegerischer Schärfe, wie sie vom "ationaltstischcn„Journal des Debats" gefordert wird. Uebcrcilte Handlungen der für die französische Politik Verantwortlichen, so meint„Oeuvre", könnten meist Hitler die öffentliche Meinung zurückerobern, die ihm jetzt verloren stegangen sei. . In dem der politischen Mitte zuneigenden »Intransigeant" »irnmt Gallus das Wort. Er meint, Hitler wolle durch Popens Ernennung zum dculschcn Vertreter am Ballhaus- viatz der Welt zeigen, daß er aus sein AusAutzxrosett verzichte, da er den Mann nach Wien schicke, der nichts mit den Exzessen der Razis zu tun habe. Wenn Deutschland jetzt auf der ganzen Linie abblase, so nur deshalb, weil es begriffen habe, daß es andernsalls die ganze Welt gegen sich haben würde. Aber man möge sich durch Hitlers jetzige Haltung nicht täuschen lassen. Wenn das Gewitter vorüber sei, werde er sein altes Manöver wieder aufnehmen. Dies Manöver werde zwecklos sein, wenn die Großmächte einig bleibe», wie es jetzt der Fall sei. „Petit Parisien" erklärt sehr zurückhaltend, alle Beileidstelegramme der deutschen Würdenträger, alle Maßnahmen gegen den R u n d- f u n k h c tz e r Ha b i ch t und den bisherigen deutschen Gesandten in Wien, Riet b, und vieles andere noch werden nicht den mehr als peinlichen Eindruck verwischen können,■ den Goebbels lyrische Verherrlichung des Wiener Naziputsches und die unglückliche V e r m i t t l u n g s a k t j o n des deutschen G e- sandten zugunsten der Nazirchellen über- all hervorgerufen hätten. Leon Balby fordert in dem im Rechtslager stehenden „Jour" eine aktive französische Außenpolitik. Das gemeine Ver- brechen, das die österreichischen Nazis besangen hätte», he- zahlt und angefeuert von Hitlers Leuten, müsse schleunigst von den Mächten neutralisiert werde». Niemals sei es nötiger gewesen als jetzt, eine Sicherheitspolizei zusammenzuziehen zun, Schutz gegen das Feuer, das schwele oder lodere mitten in diesem verfluchten Nibelungenlande. Schon habe sich Italien England genähert i» der Frage der geineinsamen afrikanischen Grenze» beider Länder. Frank- reich müsse ebenso mit Italien sich einigen.wegen Tunis und anderer Streitpunkte. Im nationalistischen „Ami du Peuple" heißt es, Hitler habe in Wien eine Niederlage erlebt, aber er sei nicht der Mann, der sich durch eine Niederlage aushalten lasse. Und das mache die Lage ernst und besorgniserregend. veleül Es1 Defeil] Keine Antwort Papens Die Blätter veröffentlichen den für den ehemaligeen Vize- kanzler schmeichelhaft gehaltenen Brief Hitlers mit dem An- gebot, aber kein Antwortschreiben v. Papens. Man nimmt an, daß Hitlers Wunsch, wonach v. Papen den Aylin- der mit dem Fcderhuk des Diplomaten vertauschen soll, einem Befehl gleicht mint, der keine weiteren Dis- kussioncn verträgt. ..- „Keine sympathische Erscheinung" „Als Schrittmacher des Nationalsozialismus in Deutsch- land und nach seiner Rolle bei der Zerstörung der Zentrums, partei»nd bei dem Abschluß des von den Nationalsozialisten sabotierten Reichskonkoröats kann Papen sür die Männer des Kabinetts Dolllnß mindestens keine sympathische Erscheinung sein, ganz abgesehen davon, daß seine diplomalische Mission in den Pereinigten Staaten mit nie nachgewiesenen, aber auch»i« aufgeklärten Beschuldigungen über die M>> w i r k u n g an Sabotage- und Terrorakten belastet ist— eine Belastung, die heut« der österreichischen Regierung Bedenken gegen die Gcwäh- rung de» Agrements nahelegen könnte." s„Nene Zürcher Zeitung) „Er wird wieder alle* versprechen" „Ferner wird man mit der Meldung überrascht, baß Pize- kanzler Papen als deutscher Gesandter nach Wien gehe. Papen hat, persönlich vermutlich antglänbig, die k a t h o- tischen Kreise noch immer hineinaelegt, wenn er als Unterhändler des„dritten Reiches" kam, deshalb wurde er bei seinem letzten Besuch in Rom höchst ungnädig behandelt. Nun ivird diese Komödie wiederholt. Papen ipird wieder einmal alles versprechen, was man will, und diese Bersprechunaen werden wie immer nicht eingehalten werden. Sie können gar nicht eingehalten werben. Einsach deshalb, iveil die Gleichschaltung Oesterreichs für den Nazismus eine unerläßliche Voraussetzung seiner Exi- stenz bedeutet. Er kann sie ivohs verleugnen, jedoch niemals aufgeben. Es wird nur in Berlin versucht, sich augenblicklich ganz klein zu machen, um vom heftigen Sturm des Augen- blicks nicht mitgerissen zu werden. Später wird es andere Habichts geben und jene werden betrogen sei», die den Zu- sicherungen Papens geglaubt haben." t„Basler National-Zeitung) W'erccr ZeKungcn besditagnahm! Weil sie gegen die Berufung Papens Stellung nahmen Berlin, 18. Juli. Eine Reihe Wiener Blätter, darunter die„Freie Presse" nnd da«„Neue Wiener Tagblatt", wurden von der Polizei beschlagnahmt, weil sie gegen die Ernennung Papens zum Wiener Gesandten Stellung gc- nommen haben. K3e«h verteitiigf sicü tr wollic nur Blutvergießen verirtfflen Zu den Vorgängen in Wien gibt der nach Teutschland zurückgekehrte Gesandte in Wien Dr. Rieth Hitler eine Erklärung ab, in der es heißt: Es sind über meine Intentionen bei den Ereignissen, die sich im Bundeskanzleramt abgespielt haben, so verschiedenartige Meldungen und Vermutungen über meine Beweggründe ge- äußert worden, daß ich mich veranlaßt sehe, rein sachlich die Ereignisse darzustellen, wie sie sich tatsächlich abgespielt haben. Wie bekannt, hakte die in das Bundeskanzleramt ei na«- dränge.,e Gruppe, nachdem Herr Dvlliuß verwundet worden war und weitere Mitglieder der Regierung sowie etwa MI Beamte gelangen gehalten wurden, gedroht, daß diese Ge- fangeneu erichoiscn würden, wenn die das Gebäude um- lagernden Truppen und Schutzkvrpsmainischaslen es an- greifen sollte». Räch mehreren Stunden, während derer von Regierungsseite inil der eingedrungenen Truppe verhandelt worden war, stellte Minister Neustädter-Stürmer, der den Befehl außerhalb führte, ei» k n r z c s U l t i m a l»»i,»ach dein der Angriff auf das Bundeskanzleramt erfolge» würde. Hauptmann Friedrich Noch vor Ablauf dieser Frist mnrde ich aus dem Bundes- kanaleramt von dem Befehlshaber der eingedrungenen Truppe, der sich als H a u p t m a n n Friedrich vorstellte, telefonisch angerufen. Er teilte mir mit, daß eine Verein- bannig»i,t den Regieruiigsvertrelern abgeschlossen worden sei, aus Grund der, um keine Menschenleben mehr zu opfern, d>: gesamte Truppe, der die österreichische Staatsangehürig- keil bereits aberkannt ivorden sei, mit zugesichertem freiem Gelen unter militärischer Bedeckung aus Oesterreich abtransportiert und an eine Grenze gebracht werden wüste, für die sie die deutsche gewählt hätte. Friedrich lüg!« hinzu, daß die Ausführung des Abkommens noch des- wegen unmöglich sei, iveil seine Leute fürchteten, aus der Fahrt oder vorher niedergemacht zu werden. Infolgedessen bat mich Friedrich, daß Ich mir die Zusage des freien Geleits sür de» Abtransport von dem zuständigen Minister bestätigen ließe. Ich habe dies zunächst nicht zugesagt und erklärt, daß ich mi! den gesamten Vorfällen nicht das geringste zu l»n habe u»d mich nicht damit belassen könne. Daraus bestätigte Herr Fe», einer der II» Bundoskanzleranu gesangen gehaltenen Minister, mir telefonisch die getroffene Abmachung und wiederholte seinerseits die bereits von Friedrich vorgebrachte Bitte, daß ich sofort in das Bundeskanzlcraint komme»nd die ool' Sem dort Befehl führenden Minister Nenstäbter- Stürmer getroffene Abmachung bestätigen laste, iveil hiervon die Durchführung derselben abhänge. Da bis zni» Ablauf des gestellten Ultimatums mir»och wenige Miniiie» übrig bliebe» und nachdem mir übereinstimmend abgegebenen Erklärungen eine friedlich« Lösung nur möglich sei, wenn ich dem an mich gerichteten Ersuche» stattgebe, habe ich Minister Neustädter-Ätürmer aufgesucht. Zu Beginn dieser Unterredung teilte mir dieser mit. daß Herr Dollsuß tot sei. Sudann bestätigte der Minister mir den Inhalt der ge- troftenen Vereinbarung und das zugesicherte freie Geleit sijr d'e gefamte im Gebäude befindliche bewaffnete Truppe. Tie gleiche Bestätigung erhielt ich von dem ebenfalls anwesenden Minister Fe». Ich habe hierzu keinerlei Zustimmung oder sonstige Erklärung gegeben, jedoch betont, daß, wen» ich dieie Mitteilung ans de» erwähnte» Gründen entgegennehme, ich dies nur persönlich tue. A,.s dwftr Schilderung der stattgehabten Vorgänge geht zu- nächst hervor, dgß ich nicht, inie behauptet worden ist, ein« Vcrmittlungsaktion eingeleitet oder mich daran beteiligt habe, sondern daß ich lediglich die Mitteilung einer bereits stattgehabten Vereinbarung gewissermaßen entgegengenommen hohe, ohne mich dazu zu äußern. Es erhellt ierner daraus, daß ich auch nicht ans Veranlassung der in drs tftiistdestaiizleramt eingedrungenen Truppe gehandelt habe, sondern daß ich nur im Einvernehmen mit dem mir zum Ausdruck gebrachten Wunsche österreichischer Re- gwruiigsmitglicder vorgegangen hl». Ich stelle auch sest, daß die Erklärung der drei Regierungs- w'tgiteder über das freie Geleit mir gegenüber abgegeben würde, nachdem sie mir bereits das Hinscheide» des Bundeskanzlers Dollsuß miigeteilt hatten, daß also diese Zusage in voller Kenntnis des traurigen Er^nijses gegeben worden ist. DO9IIU0 Engelbert Dollfuß stand im 13. Lebe>sjßbre. Er wurde i» Texing in Riederösterreich gebore». Er entstammt einer Ge- birgsbanernsaniilie. Nach Abioluier»»g de» Gymnasiums in Hollabrunn studierte«r Rechte i» Wien und Rational- ötonoinie in Berlin. Z» Beginn des Weltkrieges rückte er als Freiwilliger ein,- er wurde Oberleutnant. Nach Kriegs- schluß beendete er seine Studien in Berlin. Als Jurist und Nationalökonom betätigte er sich eifrig in der^Vereinigung der deuftche» Bauernvereine". Später ernannt« ihn der nie- derösterreichiichc Bauernbund zu ihrem Sekretär und in.'7 wählte ihn die Landes-Landwirtschailskamiiier zum Amts- üirektor. In dieser Funktion haj Dollsuß an alle» Aktionen der landwirtschaftlichen und svrstw>rtschaftl'chc,i Hauvtlörver- schalten Oesterreichs grundlegend nnd bestimmend mitgewirkt. Als Vertreter der Landwirtschaft wurde Tallsuß I!>-'!i> in die Vcrwaltungskonimission der Ocstcrreichiscbeii Bundes- bahnen berufen und von dieser zum Präsidenten er- nannt. Als dann lUtil der Bundesminister für Land und Farstiuirtschast, Andreas Thaler, znrücktrg!. wurde Dollluß sein Nachfolger. Nach dem Rückiri» des zweiten Kabinetts Purcsch wurde er 1032 zum Anndeskanzler. Minister dt? Acußern und Minister für La»d- und Forstwirtschaft er- nannt. Ans der Basis der Ehristlichsozialen Partei schuf er die„Oesterrcichjsche Front", unter Ausschaltung des Porta- mentes und wurde so der Diktator Oesterreichs. Er ist vor der Geschichte belastet mit der Blutschuld der Wiener F e- bruartag« 1034, die in tragischer Verkettung mittelbar zu seiner Ermordung durch terroristische Nazis führten. Drei«imilge Verhaftungen Wien, 28. Juli. In Wien wurden der Präsident des österreichisch-deutsche,, Volfshundss Generaldirektor Neu- b acher«nd Professor Hugelmau»»erhastet! ebenso wnrde der G-neraldfrektor der alpinen Montangesrllschast. Dr. A p o l d in Hast genommen. -» Dollfuß' Mörder soll Panetta heißen DNA. Wien, 27. Juli. Wie die„Rcichspoft" meldet, hätte» die in das B,udestanzleramt eingedrungene» Aal- ständischen die dort Dienst tuenden Polizeibeamten im Namen de« Polizeidireftors Lteinhänl nnd drei General- inspcktcurs Dr. Gostmann cntwassnct. Gegen Polizeidirektor Steinhqul, der Borstand der Kriminalsektion der Bundes- polizeidirektion Wien ist, sowie Polizeioberkommissar Dr. Goßmann fei das Verfahren bereits eingeleitet. Polizei- direkter Sieinhäul soll verhaftet worden sein. Die„ReichSpost" derichtet serner, daß der Mörder de» Bnndedlanzters Dr. Dollsuß ei» Säjähriaer Wehrmann namens Panetta sel. Er sei Im Kriege«aiser,äaeir ge- wesen, und da« Tragische sei, daß ein Kaiserjäger den ehe- «glige» Sgilk.rjäger.Oborlentnaut Dollsuß getötet habe... Pariser Berichte Der Flüchtlingskommissar im Pariser Comite Der Flüchtlingskommissar Macdonald, der sich nach er legten Konferenz mit den Hilfsorganisationen einige Tage in Paris aufhielt, besuchte am Mittwochmorgen unerwartet das Comite National in der rue de la Durance. Er erschien in Begleitung seiner Frau und eines deutschen Professors, der sich aufopfernd der entsetzlichen Lage der Flüchtlinge in Frankreich annimmt und deshalb aus Amerika mit dem Kommissar herübergekommen war. Der Flüchtlingskommissar und seine Begleiter, die von dem Direktor des Comite National geführt wurden, waren sichtlich von der großen Zahl der Wartenden und ihrem Elend ergriffen. Im großen Wartesaal ergriff ein Flüchtling das Wort und schilderte dem Oberkommissar die traurige Lage der Flüchtlinge, ihren Hunger, ihre Obdachlosigkeit und die unzureichende Hilfe, die ihnen gewährt wird. Er klagte auch über die unfreundliche, unwürdige Behandlung, die von Seiten eines Teiles der Angestellten den Flüchtlingen zuteil wird. Herr Macdonald erwiderte in deutlicher Erschütterung in einer kleinen englischen Ansprache, die sogleich ins Deutsche übertragen wurde. Er führte aus, er bedauere es sehr, daß unglücklichere!se dem Hohen Kommissariat keine Mittel zur Linderung der Not der Flüchtlinge weder vom Völkerbund, noch von den beteiligten Regierungen zur Verfügung gestellt worden seien. Daher müsse alles Geld bisher und auch weiterhin von Privatleuten aufgebracht werden. Er sagte, es sei ihm sehr wichtig, sich jetzt in den Reihen der Flüchtlinge selbst über ihre Nöte ein Urteil bilden zu können. Schon bisher habe er namentlich in Amerika und England für die notleidenden Emigranten in Paris sammeln, ja sogar betteln müssen.„Zwei Aufgaben sind es vor allem, fuhr Macdonald fort, die von uns jetzt zu lösen sind: die Schaffung von Arbeitsstellen und die Auffindung von Existenzmöglichkeiten, die eine wirkliche dauernde Hilfe für die Flüchtlinge bilden, zweitens aber bis zur Auffindung solcher Einordnung die Gewährung der dringendsten Hilfe, um die Flüchtlinge nicht durch Hunger und Obdachlosigkeit umkommen zu lassen." Die Hilfe könne leider in der heutigen Welt fast nur in drei Ländern, Frankreich, England und Amerika gefunden werden. Macdonald schloß seine kurze Ansprache, die von den anwesenden etwa 150 Flüchtlingen mit begeistertem Beifall aufgenommen wurde, mit den Worten:„Ich werde alles versuchen was in meiner Macht steht, um diese beiden Aufgaben zu lösen, und vor allem um die schwere Not, in der Sie sich befinden, zu lindern." Mit diesen Gedanken des Flüchtlingskommissars ist es freilich nicht zu vereinbaren, daß nach den in Paris umlaufenden Nachrichten das Comite National mit der Absicht umgeht, für einige Zeit ganz zu schließen und die Flüchtlinge ihrem Elend zu überlassen, das sie in Krankheit und Ver brechen treiben muß. K. Deutscher Klub Heute, Samstag, den 28. Juli, um 21 Uhr, spricht Rechtsanwalt Dr. A. Wolff über interessante politische und Kriminalprozesse in den neuen Räumen des Deutschen Klubs: Peristyle, 31 bis, Rue de Vivienne(Metro: Bourse). Danach: Geselliges Beisammensein mit Tanz.— Gäste sehr willkommen. Unkostenbeitrag: 3 Fr. SfraObnrger wodiensdiau Straßburg, 27. Juli Ein Länderkampf und seine Vorgeschichte Zum siebten oder gar achten Male traten zum friedlichen Wettbewerb am vergangenen Sonntag die Landesverbände Baden und Elsaß der Sparte Leichtathletik auf den Plan. Der Kampf fand dieses Mal in Straßburg statt. Ein Ereignis, das uns kaum zu mehr als einer kurzen Berichterstattung herausfordern würde, hätte es nicht eine pikante Vorgeschichte, die mit der Naziverseuchung des deutschen Sportes zu erklären ist. In der letzten Woche vor dem Kampf erhielt der elsässische Verband von den badischen Sportgrößen nämlich einen kleinen Brief, in dem mit Hakenkreuz und„Heil Hitler" einige Bedingungen bekannt gegeben wurden, die der badische Verband stellte. Die Badener teilten höflich und gottesfürchtig mit, daß es bei Länderkämpfen üblich sei, die Fahnen der beteiligten Nationen zu zeigen. Das wußte man auch ohne diesen Hinweis in Straßburg. In der Voraussetzung, daß man in Straßburg zwar wisse, welches die Farben des ,.neuen" Deutschland sind, aber vielleicht doch nicht gesonnen sei, sie allzu auffällig zu zeigen, teilten die Badener mit, daß sie Wert darauf legen müßten, die Fahnen des neuen Deutschland(Hakenkreuzbanner und Schwarz-Weiß-Rot) neben der Trikolore flattern zu sehen. Die Badener erboten sich außerdem, die Fahnen selbst mitzubringen, da sie berechtigten Grund zu der Annahme hatten, daß es solche Fahnen in Straßburg nicht gibt. Zweitens forderten die Führer der badischen Gäste, daß zu Beginn des Kampfes die Nationalhymne gespielt werden müsse, und zwar nicht das Deutschland-, sondern das Horst-Wessel Lied! Immerhin ein sonderbarer Briefwechsel, der sich nur aus der geistigen Einstellung gewisser neuer Größen in Hitler Deutschland erklären läßt. Dem Gastgeber vorschreiben zu wollen, was sich schickt, ist eine Gepflogenheit, die man sonst in der Welt nicht kennt. Nun, die Elsässer sind gemütliche Leute. Sie sagten den Badenern, daß sie kommen, aber alles andere dem elsässischen Verband überlassen sollten. Als am Sonntagmittag der Kampf begann, flatterten keine„Hitlerfahnen über allen Straßen" und auch das Horst-Wessel-Lied blieb ungesungen. Lediglich an der Ehrentribüne, die von der Trikolore umhängt war, sah man die von den Badenern mitgebrachten zwei Fabnen, die so„geschickt" aufgehängt waren, daß sie das Publikum überhaupt nicht zu sehen bekam. Die Mannschaften betraten das Spielfeld. Die Elsässer riefen ihren Sportgruß und die Badener erhoben stumm die Hände. Kein Ruf, kein Sieg-Heil, nichts. Die badischen Schlachtenbummler, in großer Zahl erschienen, machten lange Gesichter und kamen sich, als das elsässische Publikum bei der Komödie überlegen lächelte, recht bedeppert vor. Der Kampf selbst brachte den Badenern einen überlegenen Sieg. Aber es gab zum Schluß keine Feierlichkeiten mehr, kein Bankett— wie sonst üblich— keine Ansprachen! Mit der „Bewunderung" Hitler-Deutschlands ists also nicht so weit her, wie Herr Goebbels durch seine kommandierte Presse dem deutschen Volk immer wieder verkünden läßt. Das habet» die Sportler, die sieb iffi übrigep ju frewcft»tfeiepeu. wieder einmal in Freiheit atmen zu können, zu spüren bekommen. Vielleicht gibts auch einige, die ihre Beobachtungen zu Hause nicht für sich behalten werden. Wer möchte da noch bezweifeln, daß solche sportlichen Wettkämpfe zum „gegenseitigen Verstehen" in außerordentlich hohem Maße beitragen?! Schlagfertiges Amerika! Passage deute! Das ist in Frankreich geheiligter Boden. Der Fußgänger gilt im Lande des gesteigerten Automobilverkehrs noch etv as. Deshalb findet man in allen Städten an wichtigen Verkehrsmittelpunkten Straßenübergänge, die dem Fußgänger Schutz und Sicherheit gewähren. Die Wege sind gekennzeichnet durch großköpfige Nägel, die die Grenzen bilden, innerhalb deren sich der Fußgänger über die Straße bewegen kann. Der Automobilist hat einen heiligen Respekt vor diesen Passages cloutes, er darf sie nur überqueren, wenn kein Fußgänger weit und breit zu sehen ist. Die Fußgänger sind den Behörden für diese Einrichtung dankbar und lassen sich von dem Verkehrsschutzmann gerne zurechtweisen, wenn sie einmal in der Eile der Arbeit oder beim gedankenlosen Straßenbummel die Passage cloute verfehlen. Doch es gibt auch Ausnahmen. Als dieser Tage eine smarte Amerikanerin sich den Teufel um den genagelten Uebergang kümmerte und einfach quer nach eigenem Gutdünken über die Straße lief, ließ der Verkehrsschutzmann ein heiliges Donnerwetter gegen sie los. Sie verstand nicht und ging immer mehr dem Schutzmann entgegen, der über eine so verstockte Sünderin mit Recht empört war. Er wetterte in allen Sprachen der Welt, aber die elegante Miß, ließ sich nicht beeindrucken. Sie marschierte auf ihn zu und als sie nahe genug herangekommen war, versetzte sie dem darob höchst erstaunten Schutzmann zwei Ohrfeigen, die nicht von schlechten Eltern stammten. Als der Schutzmann seine fünf Sinne wieder beisammen hatte, war die schlagfertige Miß längst auf der anderen Straßenseite angelangt, um die Flucht zu ergreifen. Er setzte ihr nach, konnte sie stellen, sie setzte sich wieder zu Wehr, hatte aber diesmal mit ihren Schlägen kein Glück. Sie mußte mit zur Polizei, wo man ihre Personalien feststellte. Sie wird sich nun vor Gericht zu verantworten haben. Man darf nicht ungestraft einen Schutz- mann schlagen, auch wenn man aus dem Lande der unbegrenzten Möglichkeiten kommt! Unwetter über elsässischen Landstrichen Schwere Hagelwetter gingen dieser Tage über verschiedenen elsässischen Weinbaugebieten nieder. Im Mittelelsaß vernichtete ein Hagelwetter große Teile des Dambacher Weinbaugebietes. Auch die Barrer Ecke wurde schwer heimgesucht. Die Winzer sehen in vielen Fällen den Ertrag der Weinernte, die heuer besonders günstig zu werden versprach, vernichtet. Cherchez la femme! Eine blutige Messerstecherei entwickelte sich in der Nacht zum Montag in der Langen Straße zwischen drei Männern, die als Beschützer dort ihrem besonderen Gewerbe nachgehender Frauen bekannt sind. Ein 38 Jahre alter Mann wurde dabei getötet, ein anderer schwer verletzt. Der Täter konnte eine Stunde später in der Nähe des Bahnhofs, als er die Flucht ergreifen wollte, verhaftet werden. Man muß die Pirro und Röchling fassen! Zu dem Attentat auf den Polizeikommissar Machts in Saar- Zu dem Attentat auf den Polizeikommissar Machts in Saarbrücken schreibt die hier erscheinende radikal-sozialistische „Republique" u. a. folgendes:„Nun aber muß die Saar-Regierung ungesäumt handeln. Die zum Morde hetzende Presse hat ihr Existenzrecht verloren. Die Waffen, die zu Putsch und Attentaten dienen sollen, müssen ungesäumt eingezogen werden. Mr. Knox, der Präsident der Regierungskommission, wird wohl jetzt selbst zu der Einsicht gelangt sein, daß die Betrachtungsweise, von der er bisher seine Regierungstätigkeit leiten ließ, daß er nämlich als Schiedsrichter und Unparteiischer in einem fairen Sportsmatch fungiere, nicht länger aufrechterhalten und praktiziert werden kann. Wo Revolverschützen und Journalisten auftreten, hat der Sportbegriff keine Stätte mehr. Die„deutsche Front", die jetzt durch ihre Wortführer erklären läßt, daß sie ihre Hände in Unschuld wasche— sie ist der Ausgangspunkt allen Terrorismus. Die Regierungskommission muß jetzt die Pirro und Röchling fassen. Dann wird der Spuk im Saargebiet rasch verschwunden sein." Diesen Worten kann aus vollem Herzen zustimmen, wer die wahre Stimmung im Saargebiet und die verantwortungslosen Drahtzieher der„deutschen Front" kennt, E. D. Die Elnhelisfron! Aktionsprogramm in Frankreich Paris. 28. Juli. Die marxistische Zeitung„Populaire" ver- öffentlich! den Wortlaut des gemeinsamen AktionSpro- gramms, auf das sich die französischen Sozialisten und Kom- munisten zur Bekämpfung von Faschismus und Krieg und zur Verteidigung der demokratischen Freiheiten geeinigt haben. Das Programm sieht gemeinsame Versammlungen und Straßenkundgebungen vor. bei denen sich Marxisten und Kommunisten gegenseitig Hilfe leisten, wenn die einen oder die anderen mit faschistischen Genern handgemein werden. Unter Wahrung der beiderseitigen Werbetätigkeit wollen sich die beiden Parteien bei dieser gemeinsamen Aktion aeaen- fettiger Kritik enthalten. Zum Ausbau»in»» b!üh«nd»n Unl»m»hm»n» wird von balg. Fabrikanten für Futtermittel Teilhaber gesucht Angebote unter Hecker an die Expd. d. Ztg. SahweizeriaetiM»«>•!«•••»•©*•• Worstearengeschtft tachenbAckerel. Boaditoret, WatM and LIMt» Jxaduits^fthmid TB. Boulevard dt Strasbourg, 8, rat Sl Unreal JUxÜS, bat«an«• IT* Teltftn 4 Linitn verelalgt onter BOTZÄRfS fl-W Staatenloser in gesicherter Positkm kann durch Zufall in einen ersten mitteleuroplischen Staat ein* tjebürgert werden.(Nicht Schweiz). Offerten an Chifftd SA 5 312 Z Schweizer-Annoncen« AG.. Zürich, Schweiz anfeciert in der „Deutsche« Frechett" BBIEFKASTEN „Landeszeitung" Saarbrücken. Sie schreiben in einer Polemik gegen uns:„Wir möchten deshalb die zuständigen Stellen der Sie- gierungskommission zu einer Erwägung der Frage anregen, ob e» sich angesichts der nun einmal gegebenen psychologischen Tatsachen nicht empfiehlt, eine andere, nützlichere Konsequenz aus jenen Bor- gängen zu ziehen, die Konsequenz nämlich, den persönlichen Anlaß zu den wiederholten Zwischenfällen zu beseitigend Tiefe unmißverständliche, an die Regierungskommisston gerichtete Anregung hat die sogenannte„Deutsche Freiheit" in der Form zitiert, daß st« sagte, die„Landeszeitung" habe noch am Tage des Anschlags„die Beseitigung des persönlichen Anlasses, nämlich des Kommissars Machts gefordert— mit Worten, die zu jeder Ausdeutung fähig wäre n". Sie wägen genau, daß nicht nur wir, sondern auch die katholisch« „S a a r- P o st" auf das Bedenkliche Ihrer Formulierungen gegen Machts hingewiesen hat, die im Rahmen der niederträchtigen allgemeinen gleichgeschalteten Pressehetze gegen den Polizeikommisiar zu verstehen wären. Ferner mußten Sie mindestens seit dem 30 June wissen, wie Ihr„Führer" und seine Mörderkreaturen mißliebige Gegner„zu beseitigen" pflegen. Wenn nicht durch Ihre Gleich- schalt>',z mit Gangsters Ihr katholisches Gewi,jen gelitten hätte, würdsi Sie längst gegen die auf Machts gerichtete Attentatshetze protestiert haben. Aber was kann man schon von einem„katho- tischen" Blatt verlangen, das nach einigen schwächlichen LamentiS sogar über die bestialischen Morde an den Katholikenführern Klausener und Probst den Mantel des Schweigens deckt, decken mutz. Sie waschen die Schande nicht von sich ab, daß Sie aus materiellen Bindungen den Anordnungen von Leuten sich fügen, die in der ganzen Welt, neuerdings sogar in dem päpstlichen Blatt, al» Gangsters bezeichnet werden. Sie wollen uns Anstandslehren erteilen? Daß Sie nicht schamrot werden! Religiöser Sozialist. Ueber einen Besuch In der Eifel schreiben Sie uns:„Vom«ahnhos ging ich eine kurze Strecke mit einer Bauersfrau. Ich sagte ihr:„Ich bin aus dem Saargebiet, ich bin neugierig, was hier alles beger geworden ist." Sie antwortete. „Es wird jeden Tag schlechter: wenn heute ein Huhn ein Ei legt, da kümmern sie sich darum: man ist über nichts mehr Herr."— Wenn die Leute merken, daß sie nichts zu fürchten haben, dann sprechen sie sich aus. Ich habe mich mit einer ganzen Reihe Menschen unterhalten in der Eifel, an der Mosel, auf dem HunS« rück. Tort sogar mit SA. und SS. Nach der Aussprache glaubt« keiner mehr an den Heiland Hitler. Tie letzten drei Wochen war ich dann bei meiner Tochter auf dem Hunsrllck. Bor zwei Jahren haben sie mir dort die Fenster eingeworfen: setzt sind die Leute freundlicher als se. Da merkt man am besten den Umschwung." (5. St., Luxemburg. Das nationalistische Lied, das Sie meinen, lautet: Verraten, erschlagen, viel hunderttausend tot. Auf Straßburg welsch« Fahnen verhöhnen deutsche Not. O Straßburg, o Straßburg, mir tut das Herz so weh. Wenn ich auf deinem Münster die Trikolore seh. Laß flattern, laß rauschen, und schwand auch unser Glück, O Straßburg, unser Straßburg, wir holen dich zurück. Mit den Reden und Schwüren des„Führers" stimmt das nicht mehr überein, aber es bleibt eben wahr:«Um ein Königreich bricht man jeden Eid." A. Z. Sie haben eine Reise an den Niederrhein gemacht und alte sozialdemokratische Genogen aufgesucht. Darüber berichten Sie uns: „Trotz der elende» Löhne, die oft nicht einmal zu Margarine reichen, sind unsere Genogen guten Mutes. Alle sind in der Arbeits- front, üben aber bort schon Einfluß in unserem Sinn« aus. Ein früher sehr bekannter Funktionär sagt mir:„Bei uns in den Ver- sammlungen wird nicht mehr mit Heil Hitler gegrüßt, und daS Horst-Wegel-Lied wird nicht mehr gesungen: das haben wir schon fertiggebracht." Ich war Sonntags im Tom. Da predigte ein be- rühmter Kanzelredner, ein Pater: den Namen habe ich vergessen. Ter hat schwer Kritik geübt an dem neuen Kurs. Der Dom war voll, llnsere Genossen sagten mir, die Hälfte seien SPD. und KPD. Als die Predigt zu Ende war, sind die Gläubigen sitzen geblieben, die Hälfte ging heraus. Man kann sich schon ziemlich frei bewegen, die Begeisterung ist verflogen und damit auch der Fanatismus. Ich bin nirgends belästigt worden. Ich ging öfter an Uniformierten vorbei, die mit Heil Hitler grüßten, ich aber sagte freundlich gute« Tag. Einmal ging ich mit einem Freund durch den Friedhof spa- zieren. Auf einmal sagte er:„Jetzt müssen wir die Hand hochhebe«, da kommt eine Fahnensektion, wir können nicht ausweichen." Ich sagte:„Ich mäche nicht Heil." Ich ging stramm vorbei und niemand sagte was. Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann P I tz I« Tub« weiser: für Inserate: Cito Kuhn in Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der VolkSstlmme GmbH« Saarbrücken A Schützenstraße 5.— Schließfach 77S Saarbrücken. Stellung gesucht für jungen Saarländer. Gelernt in erster saarländischer Firma für Sanitätsartikel, Krankenpflege u. Chirurgie. Offerten erb. um. Nr. 1088 an die Expedition dieser Zeitung Existenz Mühle In Luxemburg mit Wasserkraft ana Fischeret, zur Einrichtung eines Touristen- una Wodrenendheimes geeignet, günstig zu verkaufen. Anfrag, an die..Deutsche Freiheit" Saarbrücken, unter L 1089. Werbt iir die Jette Freier Chirurg.-Mediz. Klinik Pr.Ettinger 168ter. Avenue de Neuilly. N E U I LL Y-sur-Seine. Tel.: Maillot 93- 50.— Ständige Betten. 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