Sinzig« unabhängige Tageszeitung Deutschlands Nr. 175— 2. Jahrgang Saarbrücken, Mittwoch, 1. August 1934 Chefredakteur: M. B r a u n Oesteueichs innece Spannung Seite 2 Vlassenuechaftungen und Jtutschqecüchte Seite 2 QacC&ets AauPt öffentliche TJleutung Seite 4 Deutsch* englisches£uftuxeltciisten Seite 6 Dec Jxipst pic JCeuzzug gegen cJCitlec Seite 6 spricht von rieg Die europäischen Gefahrenherde: Oesterreich und die Saar Diplomatische Aktivität in gans Europa— Ernste Sorgen Zwanzig laiirc Die Erinnerungen des 1. August London, den 81. Juli 1984. .Der weitbekannte englische Journalist Ward Price, cr nach einem längeren Ausenthalt in Paris sich zur Zeit vis Dollsuß ermordet wurde, in Berlin befand und darauf >°>ort nach Wien eilte, gibt in der„Daily Mail" eine Dar- Heilung der europäischen Lage, so wie er sie nach Fühlung- vahme mit gutunterrichteten politischen Kreisen in diesen °rei Hauptstädten sieht. Er will mit seinen Ausführungen °"f die Frage antworten, die, wie er sagt, auf aller Lippen ichwebe: werde Dollfuß' Ermordung der Funke sein, der das europäische Pulversaß zur Explosion bringe? „Frankreich", meint Price,„fürchtet den Krieg, aber es 'llrchtet im Augenblick Deutschland nicht. Frankreich befindet och auf dem Höhepunkt seiner militärischen Kraft. Die Pari- >er Negierung wird niemals einen Angriffskrieg gegen Deutschland unternehmen: aber es könnte zn Feindseligkeiten kommen, wenn das Reich versuchen sollte, die«aar zn besetzen oder sogar dann, wenn die Abstimmung im nächsten Januar zu Deutschlands Gunsten ausgehen und das Reich seine Souveränität an der Saar ausrichten wollte» ohne daß Berlin vorher in barem Gelde Frankreich für die Saargruben und für das dort angelegte französische Kapital entschädige« würde. Uebrigcns würbe Frankreich an jedem Kriege teilnehmen, den Deutschland durch einen Angriff gegen irgend eine Macht 'w Osten verschulden würde,' denn Frankreich ist überzeugt, daß es selbst hinterher angegriffen würde, falls das Reich Sieger sein würde. Frankreich macht der englischen Negierung alle Aussichten hosfungsindnsteie im Schwere Belastung Wien, 81. Juli. Wir haben gestern die Mitteilung gebracht, daß die Wiener Legierung dem Generaldirektor A p p o l d von der Alpinen ^vntangesellschaft wegen der Teilnahme am Nazi-Putsch ver- dostet worden ist. Selbst die„Frankfurter Zeitung" sah sich bereits am Samstag genötigt festzustellen, daß bei den dampfen in Steiermark die Alpine Montangescllschast außer- "rdentlich schwer belastet ist. Die blutigen Kämpfe spielten dch in der Gegend von Leoben ab, also in der Nähe des Sitzes Alpinen Montangesellschaft, dieses größten österreichischen ^rzabbauuntcrnchmens. Es ist ferner festgestellt worden, daß leitende Angestellte dieser Gesellschaft bei dem blutigen Ausstand in Steiermark eine führende Rolle gespielt haben. Damit hat sich neuerdings bestätigt, daß diese Gesellschaft ei«e der Hauptstützpunkte der nationalsozialistischen Bewe- 8ung in Oesterreich war. Remerkenswert wird aber diese Tatsache erst durch die Feststellung, daß die Alpine Montangesellschaft ein deutsches Unternehmen ist. Ter verhastete Generaldirektor Appold 'ilbst ist deutscher Staatsangehöriger. Die Alpine Montan- Gesellschaft gehörte früher dem Stinneskoanzern an. Nach der PZlette dieses großen JnslationskonzernS ging dieses auf seine Hilfe im Falle eines deutschen Angriffs in Europa. Dafür verlangt es von England, daß es die Neutralität und territoriale Unverletzlichkeit der Niederlande noch mehr als die Belgiens schütze. Frankreich weist der englischen Regie- rung immer wieder nach, daß die Niederlande ein Stützpunkt für furchtbare deutsche Luftangriffe auf alle Teile der bri- tischen Inseln sein könnten. Wenn sich dagegen England zum Schutze der holländischen Neutralität verpflichten würbe, dann könnte die Regierung im Haag ihre Flugplätze der englischen Luftflotte für Gegenangriffe auf Teutschland zur Verfügung stellen." Price sagt bann weiter, die Franzosen seien felsenfest von dem Vorhandensein geheimer Waffenlager in Deutschland überzeugt. Im Anschluß daran spricht er von den Eindrücken, die er während seines Aufenthaltes in Berlin gesammelt habe. „Die Masse des Volkes", erklärt er offen,„will nichts von einem Kriege wissen, aber die Deutschen würden ihn mit aller Verbissenheit führen, wie ein Tier, das in der Falle sitze, wenn es ihrer Negierung gelänge, sie davon zu überzeugen, daß das Reich von feindlichen Staaten eingekreist sei." Schließlich kommt Price auf Oesterreich zu sprechen. Er meint, das österreichische Volke bestehe zu je einem Drittel aus Kommunisten(er verwechselt diese mit den Sozialdemo- kraten. Die Redaktion), Nationalsozialisten und Anhängern der von Dollfuß betriebenen Politik. Aber diese drei gleich starken Parteien seien eine große Gefahr für das östcrrei- chische Spiel. Hintergrund der Alpinen Monlan-Gesellschaif Unternehmen in den Besitz der Vereinigten Stahlwerke AG. über, an deren Spitze, wie bekannt, einer der größten beut- schen schiverindustriellcn Scharfmacher, Generaldirektor Vögler, steht. Damit werden die Beziehungen aufgedeckt, die aus dem Ruhrgebiet auf geschäftlicher und politischer Basis nach der Steiermark unterhalten wurden. Die Ruhr- industriellen gehören bekanntlich zu den eigentlichen Geld- gebern der nationalsozialistischen Bewegung, und gerade Generaldirektor Vögeler hatte naturgemäß das größte Jnter- esse, aus der Alpinen Montangesellschaft ein Bollwerk der Hitler-Bewegung in Oesterreich zu machen. Der Prozeß, der demnächst gegen den Generaldirektor Appold und einige leitende Angestellte der Alpinen Montan- gesellschaft geführt werden wird, wird wahrscheinlich noch einige pikante Einzelheiten über die Zusammenhänge zwi- schen den Scharfmachern der Ruhrindustrie und dem Putsch in Oesterreich aufdecken. Jedenfalls beweist der Fall Alpine Montangesellschaft, wie zahlreiche andere Fälle, wie schwer Hitler-Deutschland beiden blutigen Ereignissen in Oester- reich belastet ist. Er beweist aber auch enuerdings mit aller Deutlichkeit, baß im Grunde genommen Hitler und seine blutigen Schergen im Auftrage des Großkapitals, vor allem der Schlotbarone von der Ruhr, handeln. Sondergesondter Popen abgelehnt Er wird nur als regulärer Gesandter zugelassen Räch einer Meldung des„Matin" aus Berlin wurde be- tfüs am Montagmorqen damit gerechnet, daß der italienische gesandte in Wien, Preziosi. der österreichischen Regierung °v» Rat gegeben haben soll, das Agrement für von ^vpenzu verweigern. Da der italienische Diplomat °be« aus Italien zurückgekehrt ist. scheint seine Haltung °i»ekt von Mussolini inspiriert zu sein. . Diese Nachrichten sind jetzt näher umrissen. Die öfter- ^chische Regierung trägt sich mit der Absicht, Pape n a l s "«ondergesandten" abzulehnen. Damit werde, so verlautet in diplomatischen Kreisen, der Eindruck erweckt, als ?erde Oesterreich von Deutschland anders behandelt als r ftetib ein anderes europäisches Land; als mache die Reichs- ^egieruna sttr sich in Oesterreich besondere Rechte geltend, die ^ diplomatischen Verkeilt: der Staate««tttereinander bis. her nicht üblich waren. Infolgedessen würde sich die öfter» reichische Bundesregierung genötigt sehen, das Agrement für Herrn von Papen zu verweigern, wenn die Reichsregte- rung tatsächlich der Ansicht wäre, daß Oesterreich anders zu behandeln sei, als andere Staaten, in denen ein deutscher Diplomat akkrediert ist. Oesterreich verlange von Deutschland lediglich als unabhängiger souveräner Staat be- handelt zu werden. Wenn Herr von Papen als Gesandter nach Wien komme, als Nachfolger des abberufenen Dr. Nieih, so werde die österreichische Bundesregierung ihm das Agre- ment erteilen. Eine Sondermission gebe es für den neuen deutschen Gesandten in Wien jedoch nicht. Da diese Frage nicht geklärt sei, werde also die österreichische Bundes- rcgierung vermutlich noch Rückfrage in Berlin halten, um über den AusgabenkreiZ des Herr« von Pape» informiert t» fein. Jeder, der noch vor acht Tagen einen Aufsatz zur Er- innerung an den Kriegsausbruch vom 1. August 1914 ge- schrieben hätte, der besaß immerhin die Illusion eines Standorts. Es war die Wüstenei eines Friedens, zerrissen und zerfurcht von den politischen, gesellschaftlichen und seelischen Folgen des vierjährigen Mordens. Heute ist auch diese Ebene nicht mehr vorhanden. Wir haben bei- nahe wieder eine Vorkriegszeit, mit jähen Schüssen, mit Ultimaten und Truppenkonzentrationen, und es zeigt eine blutige Spur von Serajewo nach Wien # Stellen wir die Daten noch einmal fest: Am 26. Juli 1914 ordnete Oesterreich-Ungarn die Mobilmachung seiner Armeen gegen Serbien an. Am 28. Juli erfolgte die offi- zielle Kriegserklärung. Am 1. August wurde Deutschlands Kriegserklärung an Rußland überreicht, am 3. August die- jenige an Frankreich. Am 4. August, nachdem die deutschen Truppen in Belgien einmarschiert waren, erklärte Eng- land an Deutschland den Krieg. Es kam die Zeit, wo auf den unermüdlich nach den Kriegsschauplätzen rollenden Waggons zu lesen war:„Hier können Kriegserklärungen angenommen werden." Es ging dann freilich auch in rasender Eile. Am 6. August Kriegserklärung Oesterreichs an Rußland. Am 23. August Japans an Deutschland. Viele andere kamen hinzu: im Mai 1915 Italien, 1917 Amerika. Die Flammen züngelten auf allen Erdteilen und fraßen Menschen, Wohnstätten und alles das. was mit den zivili- fatorischen Anstrengungen von Generationen im Bunde war. Wir scheuen uns vor dem Wagnis, hier über die Ur- fachen des großen Mordens auch nur im Umriß etwas zu schreiben. Man kennt immer nur die nahe Veran- lassung der geschichtlichen Auseinandersetzungen, die in Blut und Tränen endeten. Das andere verfällt der Partei- nähme und der Legende. Es gibt nichts relativeres als die „Schuld". Bibliotheken sind um die tieferen Ursachen und Zusammenhänge des Weltkrieges geschrieben worden, aber die„Wahrheit" und die letzte Ausklärung haben selbst die aktenmäßig belegten Untersuchungen, die vielen Sammlungen in allen Farben des Regenbogens nicht ge- bracht. Lloyd George sprach das Wort vom„Hinein- schliddern". Es ist nur in einem gewissen Sinne richtig. Das Ungeheuer Krieg saß längst mitten unter den Völ- kern. Als es auf die Weltbühne trat, schämte sich jeder, es verwahrt und genährt zu haben. Für jeden war jeder der Störer des so heiß gewollten Friedens. * Wir Aelteren haben noch genau im Gedächtnis, wie es in jenen ersten Augusttagen in Deutschland war. Zu den Bezirkskommandos zogen die langen Pappschachtelprozes- sionen der Einberufenen. Die ausrückenden Truppen hatten Blumen in den Kanonenrohren und Gewehrläufen steckten. Frauen und Kinder marschierten im Tempo flotter Militärmusik mit. Jeder Schuß ein Ruß, jeder Stoß ein Franzos, jeder Tritt ein Britt! Im September würden sie alle wieder da sein, die siegreichen Helden. Als die ersten Verwundeten kamen, den Arm in der Binde, umringte man sie an den Straßenecken und bewunderte die Hüter deutscher Ehre. Unter diesen Soldaten waren Millionen aus dem deutschen Arbeitsvolke. Sie hatten noch im Juli, auf- gerufen von der Sozialdemokratie, an gewaltigen Frie- denskundgebungen teilgenommen. Die große Wendx hat der Glaube herbeigeführt, der von denen um Bethmann- Hollweg bewußt genährte Glaube, daß Rußland Deutsch- land herausgefordert und angegriffen habe. Dag Zaren- reich war damals der Kernsitz europäischer Reaktion, der Ausgangspunkt der Volksentrechtung, auf preußischen Spuren, die in der deutschen Arbeiterschaft durch Genera- tionen eine bewußte Staatsverneinung erzeugte. August Bebel hatte, schon mit grauem Kopfe, erklärt, daß auch er die Flinte auf den Buckel nehmen würde, wenn es gegen den Zaren ginge. Als Ludwig Frank freiwillig auszog, um nach wenigen Tagen zu sterben, schrieb er:„Einer muß &£ Fundamente gefchen dabenEr glaubte, wie um, Zahlige andere Sozialisten, der persönliche Einsatz an der Seite der Volksgenossen und Arbeitsbrüder gebe ein An- recht zur Teilnahme am Neubau des kommenden Reiches deutscher Freiheit und sozialer Gerechtigkeit. Es war die Hoffnung, daß nach dem furchtbaren Gol- gathaweg der Ausblick auf den Frieden unter den Men- schen gewonnen würde. Keiner ahnte, daß die Ar- beiterfchaft zur Macht kommen würde in einem besiegten und ausgebluteten Lande! So wurde die Stunde der Be- willigung der Kriegskredite zur Tragödie des mitteleuro- Peuschen Sozialismus, der Anfang des Kampfes unter Brüdern im Ziel. Durch die Entzweiung auf dem Wege zu ihm verloren sie ihre Macht. Der Sozialismus wurde mitgerissen in das große Weltbeben, das mit der Kanonade von Lüttich begonnen hatte. * Versailles, Bürgerkrieg, Weimar, Inflation, Erstarkung der Reaktion, Inthronisation der großen Hitler-Charla- tanerie— welche Wegwenden deutschen Schicksals! Es steht kein Stein mehr aufeinander. Die schöne Idee der Entwicklung zur Vernunft, des allmählichen Klüger- und Besserwerdens der Menschen, der die Kinder des 19. Jahr- Hunderts nachgegangen: sie ist erdrückt vom Irrsinn, der als menschliche Urgewalt losgebrochenen Besessenheit. Die Grausamkeit des Krieges wurde übergipfelt durch die systematisch erdachte Gewalttat gegen den eigenen Volks- angehörigen, geführt von erstohlener und erschlichener Macht. Und die übrige Welt? Neue Mächtegruppierungen um den entfesselten Kapitalismus, der vom Krankenbett aus seine Söldner bezahlt. Weltbrände im Westen und im Osten. Neue Massen, die mit dem Mittel geistiger Propa- ganda, mit vollendeten Mordwaffen zum Dung für die kommende Kultivierung der geschändeten Erde erzogen werden. Das ist die Perspektive. Man muß viel Glauben besitzen, um des Kämpfens nicht müde zu werden. Vor den Irrenden zu predigen und sie erziehen zu wollen. Sie zur Einsicht zu bringen, daß die Freiheit und der Friede, die Neu- gestaltung der von Menschen geschaffenen und durch Men- schen zu formenden sozialen Ordnung in die Welt gesetzt werden können, wenn sie nur wollten. Es ist, immer noch, schade um die Menschen. Vor dem düster verhangenen Vorhang der Kriegserinnerung wissen wir um die Verheißung, um die zu leben und zu streiten sich lohnt. Das Geständnis des Kanzlcrmärders Pianeffa Ml in, auf Dollfuß gesdiossen zu hauen DOllfUß Am Montagnachmittag 16 Uhr trat unter dem Vorsitz des Generalmajors Oberwcger, bisher Heeresinspektor der In- santerie, das durch Regierungsverordnung anfgestellre Militärgericht zu seiner ersten Sitzung zusammen. Verhan- delt wurde gegen den Mörder des Bundeskanzlers Dr. Dollfuß. den 34 Jahre alten Handelsangestellten Otto P l a n e t t a, und gegen den Anführer des Ueberfalls auf das Bundeskanzleramt, den 29 Jahre alten Elektrotechniker Franz Holzweber. Beide sind des Hochverrats und Planetta überdies des Mordes an dem Bundeskanzler an- geklagt. Der Taal steht unter militärischer Bewachung. Die beiden Angeklagten sind bisher nicht vorbestraft. Die Anklage ivird von Staatsanwalt Dr. Tuppy mündlich vorgetragen. Sie gibt eine ausführliche Darstellung des Ueberfalls aus das Bundeskanzleramt am 25. Juli. Darin heißt es: Wie nach den bisherigen Erhebungen festgestellt wurde, blieb der Bundeskanzler trotz der schweren Verletzungen noch einige Stunden am Leben und teilweise auch bei Bewußtsein, ob- ivohl er erst nach ungefähr 26 Minuten verbunden ivurde. Er konnte noch einige Male mit dem Minister Fen sprechen. Gegen 15.45 Uhr ist der Bundeskanzler seinen Verletzungen erlegen. Von den zivei Tchußverletzungen ist ein Schuß links am Hals eingedrungen, hat das Rückenmark durchbohrt und ist durch den Körper bis zur rechten Achselhöhle gegangen. Der zweite Schuß drang links an der Halssette neben dem ersten ein und ivar ein Steckschuß. Keiner der beiden Schüsse war unmittelbar tödlich, vielmehr ist der Tob durch Ver- Italiens Nein! blutung eingetreten. Planetta gab z«, daß er möglicher,veisc beide Schüsse aus den Bundeskanzler abge- gebe» habe. Seine Ausführungen gehen jedoch dahin, daß er nicht die Absicht gehabt habe, den Bundeskanzler zu treften, geschweige denn zu töten, umsoweniger, als ausdrücklich die Parole ausgegeben worden sei, daß keinerlei Gewalttaten dieser Art, insbesondere keine Erschießungen vorgenommen werden dürfen, ausgenommen in den dringendsten Fallen. Die Schüsse seien unabsichtlich losgegangen, möglicherwcne durch Berühren des Bundeskanzlers. Diese Rechtfertigung sei offenbar unrichtig, heißt es in der Anklage. Es wäre«i» unglaubliarcr Zufall, daß zwei Schüsse unbeabsichtigt los- gingen un.' den Bundeskanzler träfen, so daß dieser tödum verwundet werde. Es habe sich auch ein Zeuge gesunden, der angab, daß ihm Planetta nachher gezeigt habe, wie die Schüsse aus den Bundeskanzler losgegangen seien. Es>3 dies der Maschinenschlosser Stein. In den Händen des zweiten Angeklagten Holzwe ver habe sich gewissermaßen bei der Durchführung der Putsch- aktion die Leitung befunden. Er war eS, der den Kommandanten der militärischen Wache des Bundeskanzleramtes entwaffnet hat. Der Staatsanwalt stellte den Antrag, die beiden wegen des Verbrechens des Hochverrats uno Planetta außerdem wegen des Verbrechens des Morde-- zu verurteilen. Um 18.15 Uhr ivurde die Verhandlung unter- brachen, um der Verteidigung die Möglichkeit einer Ruck- spräche mit den Angeklagten zu geben. Man schreibt uns aus der Schweiz. Dollfuß ist tot. Die Presse ergeht sich in mehr oder minder sentimentalen Betrachtungen über sein Schicksal. Die einen finden, er sei ein Held gewesen und andere seiern ihn als einen großen Staatsmann und der„Osservatore Romano" gar als den Vater des Vaterlandes. Das Andenken an Dollfuß ist kein ungetrübtes. Man denkt an die blutigen Februartage, als man mit Empörung die Ereignisse in Oesterreich verfolgte. Genau wie in Deutsch- lanb Leute zu sagen pflegten, ja Hitler wolle nur das Beste und er sei gar nicht so, bis diese Superklugen durch den 36. Juni eines anderen belehrt wurden, ebenso sagte man dies von Dollfuß. Schließlich mar doch er als Bundeskanzler verantwortlich für das, was in seinem Lande geschah. Ver- schiedentlich, nein immer hatte er es bis zur Niederschlagung der SPO. in der Hand den Kurs zu ändern. Herr Dollfuß scheute sich nicht, den auf die Verfassung abgelegten und noch dazu sür einen Katholiken schmerwiegenden Eid zu brechen. Man darf wohl annehmen, daß er sich dieser Tatsache bewußt war und es ist für ihn umso verwerflicher, daß er Schutz- bündler, die doch die Verfassung verteidigten, kalt aushängen ließ. Schließlich duldete es sein christliches Herz, daß man Hundertc von erschossenen Schutzbündlern wie Viecher ver- scharrte und die vollständig zusammengebrochene Frau des hingerichteten Arbeiterführers Koloman Wallisch zu einem Jahr Zuchthaus verurteilt wurde. Man soll auf Tote keine Steine werfen, es sind leider Tatsachen. Gewiß hat er es nicht verdient, gerade von Nationalsozia- listen ermordet zu werden. Diese wurde» wohl von ihm und seinen Kabinettsmitgliebern öffentlich mit starken Worten abgelehnt, was ihn aber nicht hinderte, mit ihnen hinter den Kulissen zu verhandeln. Nie ging man gegen sie in der Schärfe vor wie gegen die Sozialisten. Wie überall in rcak- ttonären Staaten sind die Roten ein willkommenes Freiwild. Obwohl die Nazis nun schon seit Jahr und Tag ihre gefähr- >lichen Sprengstoffattentate verüben, ist noch kein einziger zum Tode verurteilt worden, nur zu Kerkerstrafen, die man ja schließlich durch Amnestie wieder löschen kann. Hingegen wurde an dem ersten Sozialisten, den man in den letzten Tagen erwischte, das Todesurteil sofort vollstreckt. Die Na- ziS haben sich gegenüber der Nachsicht deS Herrn Dollfuß we- nig dankbar gezeigt. Sie haben ihn ermordet. Ein für einen Nazi wenig aufregenden Umstand. Aber gerade dieser von Nationalsozialisten verübte Mord ist das Bezeichnende im letzten Abschnitt der österreichischen Geschichte. Otto Bauer berichtete bald nach den Februartagcn in einer Broschüre über die Verhandlungen, die die SPO. durch Mittelsmänner mit Dollfuß führte. Diese Verhandlungen be- zeugen eine Weitherzigkeit und eine Nachgiebigkeit, von der man sagen muß, daß sie fast zu groß war, Aber Herr Dollfuß wollte nicht. Es kam zu dem bekannten Aufstand. DaS war die Schuld von Dollfuß. In der Folge übte man die Praxis, immer scharf gegen Links und nachsichtig gegen die Nazis zu sein. Dollfuß schonte eine Partei, die ihn nicht schonen wollte, hingegen schlug er eine nieder, die ihn nicht nur schonen wollte, sondern sogar in seinem schweren Kampfe unterstützen wollte. Mit welchem Erfolg hat man nun gesehen. Vor diesem Ende wäre Dollfuß bewahrt geblieben, wenn er sich auf eine so starke Partei wie die SPO. gestützt hätte. Gegen eine solche Partei und so ausgezeichnete Truppe wie der Republikanische Schutzbund hätten die Nazis nie einen Aufstand versuchen können. So aber tappte die Innenpolitik mit seinem Ende im Dunklen, was früher oder später auch mit dem lebenden Dollfuß eingetreten wäre. Das Blut von zweitausend Schutzbttndlern befleckt sein Andenken. (Von unserem Korrespondenten) Sehr aufmerksam beobachtet man h*er die außerordentliche Verschärfung, die in den letzten Tagen in den Beziehungen zwischen Rom und Berlin eingetreten ist und die ihren Niederschlag in der Italienischen wie in der deutschen Presse findet. Dabei ist festzustellen, daß die Haltung des Dure von französischer Seite in jeder Beziehung gebilligt wirb. Man hat nichts gegen die italienischen Truppenansammlungcn an der Grenze von Nordtirol, man stellt fest, daß die energische Sprache des„M essagero" durchaus berechtigt sei, wenn er offenbar von Mussolini sebst inspiriert, erkläre, man ver- handle nicht zweimal aus dem Fuße moralischer Gleichheit mit jemanden, der mit so viel Zynismus die Gesetze der Ehre beiseite gestoßen habe. Jede Regierung habe Deutsch- land gegenüber ihre volle Handlungsfreiheit zurückgc- wonnen. Man glaube wohl, so meint James Jouadieu im»Fi- g a r o", daß Mussolini, nachdem er viel zu lange eine Politik der Zugeständnisse an Deutschland getrieben habe, die ihm eine Enttäuschung nach der anderen eingetragen habe, end- lich begriffe, daß man sich unmöglich denen nähern könne, die ihr Wort brächen und vor dem niederträchtigen Mord nicht zurückschreckten, um ihre Pläne zu verwirklichen. Könne man solchen„Gangstern", wie die„Times" sie nenne, neue Waffen, könne man ihnen Rüstnngsfreiheit zuerkennen? Endlich scheine Italien„Nein" sagen zu wollen. Es werde dabei Zust'mmung finden bei all denen, die sich bewußt seien, welche Drohung das„dritte Reich" für den Weltsrieden bedeute- Im gleichen Sinne läßt sich auch Taint-Brice im„I o u r- n a l" vernehmen. Er meint, wenn man»ach dem Wiener Putsch noch von der Absicht spreche, mit Hitler eine Verein- barung zur gegenseitigen Hilfe jOstlocarno. D. R-) zu schassen, dann wäre das schlimmste Ironie..Könne man über- Haupt noch davon reden, daß die Rüstungsfreiheit schleunigst durchgeführt werden müsse? Jetzt müsse man Lösungen sin- den, die den tatsächlichen Verhältnissen Rechnung trügen. Wachsamkeit in Paris Paris, 81. Juli. Beide seien gewaltig und brutal, aber beide verständen e» auch, sich mit einem diplomatischen Maskenkostüm auszu staffieren. Nachdem Hitler gesehen habe, daß er mit Gewa nichts habe erreichen können, versuche er es jetzt^unt Popen„ehrlos" Paris, 81. Juli. (Von unserem Korresponbentenl Ein scharfes Urteil fällt Gallus im ,Ln t r a n s i g e a n t" über Papen. Er sagt, Hitler und Papen seien sich in einem Punkte völlig gleich, in ihrer Doppelzüngigkeit. Intrige"und gebe dem Mann den Austrag sein Spiel 5» spielen, der dadurch ehrlos geworden sei. daß er kürznw seinen vertrauten Sekretär habe abschlachten kaycn, oh auch nur den geringsten Versuch gemacht zu haben, ihn vo der Welt zu verteidigen, oder den leisesten Widerspruch gewagt zu haben..^ Das Spiel werde niemand täuschen. Hitler gebe seinen«» schlußplan nicht auf. Er versuche jetzt aus eine neue scher» heilige Methode sein Ziel zu erreiche». Er habe»»cht»» Mut gehabt, telegrafisch in Wien sein B«ileid zu dem a- scheulichcn Attentat auszusprechen, dessen Urheber er sei. w hvsse, daß es Popens verdächtigter Geschicklichkeit geling- das vergossene Blut vergessen zu machen. Aber die beiden würdigen Kumpane täuschten sich, wenn sie meinten, Europ ließe sich zum Narren halten. Jugoslawiens Mißtrauen Eine amtliche Warnung an Italien Berlin, 81. Juli. Die südslawische Gesandtschaft in Berlin teilt mit:„Gegenüber den Ereignissen in Oesterreich ist der Standpunkt der südslawischen Behörden vollständig kor- r e k t. ES wird eine strenge Kontroll: an der Grenze vorgenommen, und von irgendwelchen Zwischenfällen oder Pro vokationcn kann keine Rede sein- Bisher sind<66 österreichische Flüchtlinge auf der Linie Maribor-- Dravograd sMarburg-Drauburg» mit 266 Gewehren, einem Maschinengeiv-ehr und einigen Revolvern festgenommen, fort entwaffnet und interniert worden. Es handelt sim durchweg um Leute jüngeren Alters- Die Bewegungen an der Grenze werden mit otienc" Augen beobachtet, und es wirb allen Stellen zur Pflicht fl*-'* macht, die Ruhe zu bewahren. Es wurde alles Notwendige veranlaßt, um die Sicherheit der Grenze zu gewährleiste» und die korrekten Beziehungen zu Oesterreich ausrechtz»' erhalten. Obwohl der Standpunkt eingenommen wird, da*? die Vorgänge in Oesterreich streng innenpolitischen Charak- tcrs sind, und während alles getan wird, um die guten nachbarlichen Beziehungen zu Oesterreich nicht zu verletzen,*» die südslawische Regierung der Ansicht, daß im Falle belo»' derer Verwicklungen einzig nnd allein der Völkerbund z»' ständig ist, um über die österreichische Frage als internatio» nales Problem zu entscheiden." Tiefer Ernst in England Anklage gegen die Reichsresierund Die„Deutsche Rochenschau" wurde auf Veran- lassung deS Reichsvropagandaministers wegen grober außen- politischer Taktlosigkeit auf acht Tage verboten. Aus einem Gut in der Nähe von Niort westlich von La Rochelle explodierte beim Dreschen eine Dampf- Maschine. Sechs Personen wurden getötet und viele schwer verletzt. London, 36. Juli. Im Unterhaus wurde am Montag die bereits angekündigte Anfrage über O e st e r r e i ch an die Regierung gestellt. Außenminister Simon teilte mit, er wisse nichts von irgend- einer Absicht, eine Sondersitzung des Rölkerbundsrates zur Erwägung der Lage in Oesterreich einzuberufen. Letzten Februar und wieder vor kurzem erhielt ich von der öfter- reichischen Regierung eine Sammlung von Material, das einen beträchtlichen deutschen Einfluß in der Propaganda gegen die österreichische Negierung und einer Reihe von aus österreichischem Gebiet begangenen Verbrechen andeutet. Die- ses Material wurde von der österreichischen Regierung auch der italienischen und der französischen Regierung übermittelt. Bei der Bestätigung des Empfangs dieser Mit- teilungen unterrichtete ich den österreichischen Gesandten da- hingehend, daß die britische Regierung nicht dieAbsicht habe, in die Angelegenheiten irgendeines anderen Landes einzu- greifen und daß sie voll das Recht Oesterreichs anerkenne, zu fordern, baß. keine Einmischung in seine inneren Ange- legenheiten von irgendeiner andere» Seite erfolgt. Die An- sicht der britischen Regierung in dieser Frage bleibt u n- verändert bestehen. In Beantwortung der besonderen Frage, ob er im Verein mit anderen Regierungen Schritte unternehmen werbe, um die deutsche Regierung zu warnen, daß diese Verbrechen aushören müßten, erwiderte Simon:„Die Anficht der bri- tischen Regierung ist wohl bekannt und was ich gesagt habe, zeugt davon," Aus die weitere Frage, ob er u n m i t t e l-> bare Vorstellungen bei der deutschen Regierung übet diesen Ausdruck der Nichtbilltgung erhoben habe, antworte^ Simon:„In Anbetracht des ernsten Gesüßt^ der Verantwortung, die jeder empfinden muß, der Fragen über dieses Thema stellt oder beantwortet, ziehe ic» vor, daß diese Anfrage schriftlich gestellt wird." Auf die Frage eines Mitgliedes des Parlaments, welch** Schritte die britische Regierung unternehme und h ü unternehmen beabsichtige, um die Unabhängigkeit Oester' rcichs zu wahren, erklärte Simon: Die Regierung verfolgt weiterhin sorgfältig die Lage. Es ist aber von seitc» der Regierung keine Aktion erforderlich oder in Erwägung. eine sozialistische Forderung Rückkehr zum Parlamentarismus London, 81. J»^' „Daily Herald", das Organ der Arbeiterpartei, erklärt' um in Oesterreich wirklich die Lage zu klären und geordnete Zustände von Dauer zu schaffen, müsse man vollkomme» freie Wahlen ausschreiben: man habe, so sagt das Blatt,» Oesterreich keinen nationalsozialistischen und keinen faschißs' schen Terror nötig. Man dürfe nur nicht den Wahlen Vergewaltigung der politischen Minderheiten folgen last«»- Notwendig fei restlose Rückkehr zum parlamentarische» System, das Dollfuß vernichtet habe. _ Der braune Peler von der Saar Pirro,„ein Katholik" tf^ notwendig, daß wir ihn der Weltöffentlichkeit vor- stellen und ihn von der Saar her in einem größeren Raum pronzieren. Unser brauner Peter— das ist Herr Pirro, Landesleiter der„deutschen Front", bis vor wenigen Mo- uaten ein kleiner Beamter im früher pfälzischen Teile des Saargebiets, heute dank Röchling und Pape»„Führer", der ^n ungefüger Schrift und unbeholfenem Wort den Saar- Indern„heim" zum Reich verhelfen soll. Kleines geistiges Format hat im braunen Gefilde fett jeher die höchsten Aus- sichten. Kürzlich hat er seine Amtswalter nach Kaiserslautern jen- feits der Saargrenze zu einer Jnstruktionsstunde gebeten. Sie wurde durch den Rundfunk übertragen, der nicht ver- bergen konnte, daß da ein sorgfältig von anderen aufgebautes Manuskript mit Anstrengung abgelesen wurde. Diese Rede bedeutete die Proklamation der Illegalität, nehmt alles nur in allem,' sie war eine terroristische Musterkollektion aller Drohungen mit Aechtung und Gewalt, die täglich durch die Straßen und durch die gleichgeschalteten Zeitungen des Saar- gebiets hallen. Jeder wurde zum vernichtungswürdigen Feind ausgerufen, der von seiner Entscheidungsfreiheit Ge- brauch macht und nicht mit der„deutschen Front" ins„dritte Reich" marschieren will. Wir verzichten, uns mit seiner Beschimpfung der Emi- 6rante« auseinanderzusetzen. Ein Freund, der die Rede mit anhörte, sagte uns nachher, daß jeder verhungerte und t*r- e® m'ö r der unter einer Seinebrücke schlafen müsse, von deutscher Ehre und Würde mehr in sich rage^ als dieser Herr Pirro. Er nannte diejenigen, die an er<^aar gegen Hitler kämpfen um der Reinigung und Rein- beit Deutschlands willen, das„erste Bataillon der Fremden- »egion in unserem Saarlande",„Landesverräter", die nur »>hr eigenes Geschäft" im Auge hätten. Er wagte sie als Garanten der internationalen Rüstungsindustrie zu bezetch- uen— im Auftrage Röchlings, der eine Separatabteilung Mr Aufrüstungsgeschäfte mit Frankreich besitzt. * Aber das war nicht sehr interessant und nicht sehr un- gewöhnlich. Für Herrn Pirro war die Beschimpfung der Emigration nur ein Vorwand zu einem wilden Angriff aus die S a a r- K a t h o l i k e n, die sich trotz allen guten Zu- redens nicht gleichschalten lassen wollen. Seit dem 30. Juni kehren die Katholiken der„deutschen Front" und der Rück- gliederungswerbung in hellen Scharen den Rücken. Der „Katholik" Pirro hatte die Aufgabe, diese Abtrünnigen, die voll Grauen sind über die von Hitler befohlenen Morde ihrer Glaubensbrüder, wieder in den braunen Stall zu sperren. Dieser Teil der Rede war ein solcher Appell an die Ge- dankenlosen, an die Vergeßlichen, eine solch freche und zu- gleich verlogene Manifestation eines irreligiösen Verleug- vers der Religion, daß wir uns damit kurz beschäftigen müssen. Wörtlich sagte Herr Pirro: „Wir hatten einmal ein Deutschland, da schrieben täglich tausende Zeitungen über die Religion, sie lästerten Gott und verherrlichten die Unsitte, die im Kino und Theater propagiert wurde. Durch die Straßen Ber- *• lins und anderer deutscher Städte zogen Propagandazüge von Gottlosenbewegungen, sie trugen verhöhnende Plakate, Priester und Geistliche wurden nur alsPsasfen ver- lästert, in Versammlungen wurden die Sätze marxi- stischer Gottesleugner zitiert, wie z. B.„Das Christentum und der Sozialismus vertragen sich wie Wasser und Feuer", oder„Pfaffe, deine Uhr ist abgelaufen, mach deine Rechnung mit dem Himmel", oder„Man dient dem Herr« gott, sofern es einen gibt, am besten dadurch, daß man diese schwarze Pest ausrottet". In dieser Zeit, da dies alles in Deutschland möglich war, erhob sich nicht eine einzige Stimme im Saargebiet mit der Forderung: Weil im Reich der Bolschewismus wühlt und die Gottlosigkeit groß wird, wollen wir nicht mehr zurückkehren. Man war vielmehr für die Parole:„Heim in unser Vaterland!" Wer hätte trotzdem als anständiger Katholik behaupten können, daß das Deutschland von damals ein Hort seiner Religion gewesen wäre?" Wir wollen Pirro auf diesem Wege folgen. 14 Jahre lang hat„Weimar" regiert. Eineinhalb Jahre lang haben wir das „dritte Reich" mit Hitler als Diktator, der alles weiß, und ohne dessen Willen nichts geschieht. Wir fragen also Herrn Pirro: Wo und wann wurden in den vierzehn Jahren der Republik katholische Organisationen bedrückt und ver- boten?, katholische Jungmannen geprügelt?, Priester nachts aus den Betten geholt, vom Mob durch die Straßen ge- führt, geschlagen und in Schutzhaft genommen?, wegen politischer Meinungsäußerungen lange Monate hindurch eingekerkert? Wann und wo wurden in diesen vierzehn Jahren katho- tische kirchliche Kulthandlungen geschmäht und verspottet, wie es der offizielle Kulturberater des„dritten Reiches" Alfred Rosenberg in seinem„Mythus" tut? Wann und wo wurden katholische Zeitungen, kirch- liche Mitteilungsblätter, Werbungen für die katholische Publizistik verboten? Die bischöflichen Paläste gestürmt wie in Würzburg, wo- bei der Bischof nur durch den Umstand schwerster Miß- Handlung entging, daß er zufällig nicht im Haufe weilte? Ein Erzbischos und Kardinal wie Faulhaber öffentlich geschmäht und unter strengste Beobachtung und Bewachung gestellt wurde? Katholische Führer wie Klausener und Propst durch Be- austragte der Regierung hingcmordet? Ihre Leichen den Angehörigen trotz flehentlicher Ritten nicht gezeigt wur- den? Die Leichen allen religiös-kirchlichcn Gebräuchen zuwider in aller Stille verbrannt und beigesetzt wurden, da- mit niemand ihre blutigen Wunden sehen kann? Wir können diese Liste in beliebiger Länge fortsetzen. Der Katholik Pirro, der genau weiß, was im„dritten Reich" passiert ist und täglich neu passieren kann, hat diese Drang- salierungen seiner Kirche, die Ermordung zahlreicher Glaubensfreunde, die Schmähung der Priester und Kirchen- fürsten nicht nur ausdrücklich gebilligt. Wobei er den mil- dernden Umstand hat: Es wäre zu Ende mit dem Führer der„deutschen Front", wenn er ein Wort der Kritik oder des Bedauerns wagen würde. Wo sind die früheren„Gottesleugner" geblieben— jene nämlich, die den Katholiken vollen Lebensraum gaben und keinem Priester ein Haar krümmten? Herr Pirro klärt uns folgendermaßen darüber auf: Was hat sich inzwischen geändert? Die bolschewistische Gefahr und damit das Gottesleugnertum wurden in Deutschland ausgerottet. Seine Träger sind zum großen Teil flüchtig. Nicht wenige haben das Saar- gebiet zu ihrem Asyl gemacht. Während sie drüben nun in Deutschland früher von Pfasfen redeten, heucheln die- selben Gottesleugner hier täglich die Sorge um„unsere Priester". Und was müssen wir erleben: Die Todfeinde des Christentums und ihre in Aussicht genommenen Opfer, vor allem also die Priester selber, sollen, wenn es ihnen nach ginge, heute Hand in Hand in gleicher Marschrichtung aus das gleiche Ziel losmarschieren. Die Gottlosen und Kirchenhasser wollen im Schatten Gottes wandeln, um ihrem teuslichcn Handwerk den Segen zu erschleichen. Wir haben an Herrn Pirro Fragen gestellt. Es sind, mehr noch als die unsrigen, Fragen, die die se h e n d gc w o r- denen Saar-Katholiken stellen. Er wird sie nie- mals beantworten, ein niedriger Demagoge mit fremden Manuskripten, der selbst in des Teufels Küche vom Herde verjagt werden müßte. Park Uder Saar-Haihoiihen Paris, 31. Juli. (Von unserem Korrespondenten) Die am letzten Sonntag veranstaltete Tagung der katho- tischen Jugend in Saarbrücken findet lebhasten Nachhall in der französischen Presse. Dabei begnügen sich die Zeitungen nicht damit, wie das sonst bei Saarveranstaltungen vielfach der Fall zu sein pslegte, nur die Kundgebung als solche zu registrieren, sie halten mit ihrer eigenen Meinung durchaus nicht zurück. So sagt„Petit Parisien", Saarbrücken habe schon lange nicht eine solche Veranstaltung wie die am Sonntag gesehen. Aber es sei bezeichnend gewesen, daß diese taufende junger Leute nicht„Heil Hitler" gerufen hätten. wie man es sonst in den Straßen Saarbrückens so oft höre. Das Blatt schildert, wie man den Teilnehmern in Trier ursprünglich die Stellung eines Sonderzuges verweigert, wie man ihnen auf der Fahrt durch Hitlerdeutschlanb das Tragen ihrer Bundeskleidnng verboten habe. Schließlich wird festgestellt daß gegenüber der großen Zahl der Teil- nehmer an der katholischen Veranstaltung die saarländischen Nazis nicht gewagt hätten, sich zu rühren. „Matin" meint, Bischof Bornewasser von Trier habe ein„Plädoyer pro Homo,, gehalten, als er erklärte, er könne seinen Zuhörern nicht raten, wie sie sich am Tage der Saarabstimmung verhalten sollten, denn er würde damit entgegen den zwischen Frankreich und Deutschland ge- schlössen«» Abkommen handeln, wonach niemand sich in den Abstimmungskampf einmischen dürfe. Fttr die Saar-Regierung Damit sie den Ungeist der„deutschen Front" erkenne Erst heute kommt uns die„Pirmasenser Zeitung" (Nr. 170) zu Gesicht. Sie berichtet über das Attentat auf den Polizeikommissar Machts so, wie es die gleichste- schaltete Saarpresse gerne möchte, aber immerhin nicht wagen kann: Emigrantenkommiflar Machts inszeniert Attentate gegen sich und hängts der Deutschen Front an... Das Verbot der gesamten Saarpresse durch die Regie- rungskommission des Völkerbundes und seine Begründung zeigen erneut, daß die ausführenden Faktoren des Völker- bundes genau soviel taugen ivie dieser selbst. Ganz abgc- sehen davon, daß das Saarvolk regiert wird von Leuten, die dieser Bevölkerung geradezu feindlich gegenüberstehen, muß doch nachdrücklich daraus verwiesen werden, daß im Saargebiet der tolle Zustand herrscht, daß die Völkerbunds- leute Elemente bevorzugen, deren moralische und sonstige Qualitäten unter dem Nullpunkt liegen— Elemente, die gar nicht abstimmungsberechtigt sind und von denen mit zu- reichenden Beweisen behauptet werden konnte, sie seien bestochene Elemente, Provokateure und Spitzel, so wie dieser Kommissar Machts, aus den gestern ein Individuum Schüsse abgab, von denen man noch nicht recht weiß, ob sie nicht tatsächlich bestellte Arbeit waren. Diese Tat fach« allein kennzeichnet den Urgrund dieser Zustände, nämlich den Völkerbund selbst. Nicht nur an der Saar zeigt sich, daß bis zum kleinsten Beamten, der vom Völkerbund ab- hängig ist, in Wirklichkeit die französische Brutalität, die Ungerechtigkeit, die Verleugnung des primitivsten Selbst- bestimmungsrechtcs eines Volkes die Unsterne sind, die den Völkerbund beeinflussen. Alles, was an der Saar an Lum- perei des Emigrantengestndcls und ihrer Förderung durch die Regierungskommission geschieht, ist nicht nur eine An- gelegenheit des Saargebiets— diese Politik gegen die Saarbevölkerung ist nur möglich, weil der Völkerbund als Gesamtheit sich damit gleichstellt. Das ist die wahre Gesinnung und die eigentliche Sprache der„Deutschen Front". Oder irren wir uns? Wird eine gleichgeschaltete Zeitung des Saargebietes gegen die..Pirmasenser Zeitung" zu protestieren wagen? Wir sind gern bereit, uns belehren zu lassen. Saarhommissar Dürfte!? Der Nachfolger Papens Berliner Meldungen wollen wissen, daß zum Nachfolger Papens als Saarkommissar der Rcichsregierung der Gau- leiter der Pfalz, Bürckel, ausersehen sei. Die„Volksstimme" bemerkt noch dazu: Bürckel ist nicht nur ein unfähiger und weit unter dem Mittelmaß stehender Mensch. Er gehört auch zu den größten Säufern des„dritten Reiches" und tritt würdig an die Seite des Alkoholikers Dr. Ley. Man kann dem Saargebiet zu diesem neuen Saar- kommissar wirklich gratulieren. Worten, welche Gefühle diese Katastrophe in uns erregt. Gegen drei Uhr bin ich wieder im Amt und gehe dort zum Unterstaatssekretär Zimmermann. Er sitzt nervös beschäftigt an seinem Schreibtisch, seine übliche burschiose Art dient ihm diesmal dazu, die innere Unruhe zu verbergen, sein immer gerötetes Gesicht mit dem blonden Schnurrbart scheint noch um eine Nuance röter zu sein.„Ist eine Antwort aus Peters- bürg da?"—„Nein, nichts— ob die Russen überhaupt ant- wortcn werden, ist doch mehr als zweifelhaft. Wenn man nur schon klar wüßte, was England machen wird." Die Fran- zosen würden natürlich mit den Russen gehen. Es bleibe den armen Kerls doch nichts anderes übrig, auch wenn ihnen davor graut. Dann mit einem etwas sarkastischen Lächeln, zu mir hin:„Ja. nun ist Alldeutsch Trumpf!" Aus dem tele- fonischen Apparat auf dem Schreibtisch kommt das Klingel- zeichen, Zimmermann nimmt den Hörer ans Ohr. Leise zu mir:„Moltkc ist am Telefon." Dann in den Sprechapparat hinein:„Nein, noch nichts. Exellenz."— Auf eine wiederholte Frage:„Ja, ich glaube auch— aber ein bißchen müssen wir wohl noch warten— nein, nicht sehr lange mehr." Er legt den Hörer hin und dann wieder zu mir:„Moltke will wissen, ob es losgehen kann." Die ganze telefonische Unterhaltung ließ eine durch falsche Heiterkeit maskierte Aufregung erkennen. Ich verlasse Zimmermann und gehe in den Konferenz- saal, wo auf dem grünbezogenen Tisch wieder die weißen Bogen sauber hingebreitet sind. Die Tür zum Korridor bleibt geöffnet, und als ich gegen fünf Uhr gerade dort stehe, kommt Jagow vorbei, vergnügt lächelnd, ein Blatt Papier in der Hand haltend, und geht eilig zur Treppe hin. Zwei Minute» später sehe ich, durch das Fenster auf die Wilhelmstraße hin- unterblickend, Jagow mit Bethmann im offenen Automobil abfahren, in der Richtung zum Schloß. Beide sind ossenbar in sehr guter Stimmung, Jagow hält noch immer das Blatt Papier in der Hand. Gleich darauf kommt Zimmermann, stark echauffiert, durch den Korridor.„Ich muß zum Kriegs- minister," sagt er mir und will schnell weitergehen. Ich halte ihn auf:„Bethmann und Jagow sind ins Schloß gefahren? Haben Sie eine gute Nachricht bekommen?"—„Vielleicht— es scheint, daß die Engländer nicht mitgehen wollen." Eine halbe Stunde später sehe ich Moltke kommen. Mit schwitzendem Gesicht, jugendlich erreg! den Helm, infolge der Aufregung, ein wenig schief aus dem Kops. Er bringt ins Amt die Anordnung der Mobilmachung mit. Unten auf ber Straße werden bereits die Extrablätter ausgeschrien. Durch 1. Jlu&ufi Wir entnehmen diesen Abschnitt dem soeben erschienenen Buche Theodor Wolffs„Der Krieg des Pontius Pilatus", Verlag Oprecht und llelbring, Zürich. Sonnabend, den 1. August. Gestern abend ist in Paris,>oi Safe Croissant, Jaures erschossen worden— von einem Raoul Villain, einem Schreibersohn. Es ist ein logischer Mord, denn für die Bergpredigt ist in der neuen Religion kein Platz. Dunkle Mächte haben die Völker umstrickt, ihr Netz über die Welt gesponnen, die Mörderhand hält das Genick der Menschheit gepackt. Am Abend dieses unheilvollen Tages kommen in Paris die nächsten Freunde des ermordeten Führers zusammen, um Her- wann Müller zu hören, der auf Wunsch der deutschen Partei- genossen die Reise unternommen hat. Erst trifft man sich in einem Zimmer des Palais Bourbon, dann, bei Nacht schon, sln der Redaktion der„Humanite"— in dieser Redaktion, in der gestern noch Jaures arbeitend, diskutierend und an- feuernd saß. Man hat noch keine Kunde davon, daß in Berlin bereits die Mobilmachung verfügt worden ist. Man glaubt Noch unter dem Damoklesschwert zu beraten, und weiß nicht, das schon das Schwert des Militärs regiert. Marcel Scmbat führt bei der Zusammenkunft den Vorsitz zuerst trägt der Gast, den man kameradschaftlich begrüßt hat, die Meinung der deutschen Sozialdemokratie vor. Eigentlich ist es nicht eine Meinung, sondern es sind eher mehrere Meinungen, und alles ist unbestimmt, wenig greisbar und„informa- torisch", mit lauter Borbehalten verknüpft. Hermann Müller sagt, die deutsche Partei halte die Lage für außerordentlich kritisch, der Kaiser und Bethmann erstrebten die Aufrecht- «Haltung des Friedens, aber die Entscheidung liege in Petersburg. Darüber, ob man beim Ausbruch eines Krieges die Kriegskredite votieren solle, bestehe in der deutschen Sozial- demokratischen Partei keine Einigkeit. Er könne keine Er- klärungen im Namen seiner Fraktion abgeben, aber seine Parteifreunde hielten eine möglichst einheitliche Haltung der deutschen und de, französischen Sozialdemokratie für sehr wünschenswert. Eine Verständigung über eine gleichartige gemeinsame Erklärung würde allerdings in solcher Tchnellig- feit nicht zu erreichen sein, offenbar sei auch der Telegraf zwischen Paris und Verlin, den man dazu brauche, bereits gesperrt. Ter Franzose Renaudel erkärt, wenn Frankreich von Deutschland angegrissen würde, müßten die fran- zösischen Genossen für die Kredite stimmen. Die deutschen würden, wenn ein deutscher Angriff vorläge, in anderer Lage sein und die Kredite ablehnen können. Es entspinnt sich eine Debatte darüber, ob und warum der Fall für die einen und die anderen verschieden liege, wo Recht und wo Unrecht, und wo hier und dort die Pflicht der Sozialdemokraten sei. Die Franzosen sagen: Wir müssen die freiheitlichen Tradi- tionen Frankreichs gegen den deutschen Imperialismus und Militarismus verteidigen, die französische Republik kämpft für ihre demokratischen Ideale und ihre Existenz. Darauf entgegnet Hermann Müller, die Tatsache der Kriegser- klärung sei für die Feststellung, wer als Angreifer zu gelten habe, nicht allein maßgebend, die kapitalistisch-imperialistische Expansionspolitik aller Staaten habe die Gefahr verursacht und jetzt sei der wahre Schuldige die russische Kriegspartei. Er regt, ohne sichtbaren Erfolg, eine gemeinsame Stimment- Haltung an. Man fragt ihn, ob die deutsche Partei nicht schließlich für die Kriegskrcdite stimmen werde, und weicht — nur Marcel Sem bat scheint die Idee der Stimment- Haltungstaktik aufgegriffen zu haben— mit diesem skeptischen Einwand der Antwort aus. Hermann Muller verläßt noch in der Nacht Paris. Das Anerbieten seiner französischen Partei- genossen, ihm einen französischen Paß zu besorgen, hat er nicht angenommen. Den ganzen Vormittag über bin ich im Auswärtigen Amt. In dem großen Wartesaal befinden sich Graf Szögyeny, der schwedische Baron Taube und der Belgier Baron Beyens, aber soweit es eine Unterhaltung gibt, wird sie nur stockend und leise geführt. Beyens sagt mir ein paar Worte über die glänzende Verfassung und die Aussichten der deutschen Armee. Eine überflüssige und etwas unnatürliche Höflichkeit- Ich frage Szögyeny, der ganz zusammengebrochen dasitzt: „Sehen Tie»och die geringste Chance für eine Rettung aus dieser furchtbaren Situation?" Er antwortet mit einem Achselzucken:„Eins zu e-ner Million." Als ich mittags für eine kurze Weile zur Redaktion fuhren will, treffe ich unten in der Trcppenhalle den Korrespondenten des„Temps", Commert. Wir sagen uns nur mit ein paar fliegenden Deutsche Sorge« Die Anfechtbarkeit arisch-jüdischer Mischehen Der Vierte Zivilsenat des Reichsgerichts hat eine grundlegende Entscheidung über die Frage der Anfechtbarkeit arisch-jüdischer Mischehen auf Grund des Paragrafen 1333 des Bürgerlichen Gesetzbuches wie folgt bekanntgegeben: Eine solche Ehe ist nur anfechtbar, wenn bei Abschluß der Ehe dem einen Teil die Zugehörigkeit des andern Teils zur jüdischen Raffe nicht bekannt war. Im vorliegenden Fall aber(im Fall Nies gegen Nies, Entscheidung des Oder- landesgerichts Karlsruhe) kann die Ehe nicht angefochten werden. Der anfechtende Teil hat die Zugehörigkeit deS ander» Teils zur jüdischen Rasse gekannt. Dem Reichsgericht ist auch die Möglichkeit genommen, das bestehende Recht zu criveitcrn. Solange der Paragraf 1838 in seiner derzeitigen Fassung bestehen bleibt, ist die Anfechtbarkeit einer Ehe nur aus den im Paragrafen 1883 festgelegten Gründen möglich. Tic Entscheidung de? Oberlandcsgerichts Karlsruhe wurde auf die Revision der Beklagten hin aufgehoben, und das die Anfechtungsklage abweisende Urteil des Landgerichts Heidelberg wurde wieder hergestellt. (Paragraf 1883 des Bürgerlichen Gesetzbuchs lautet: Eine Ehe kann von dem Ehegatten angefochten werden, der sich bei der Eheschließung in der Person des andern Ehegatten oder über solche persönliche Eigenschaften des andern Ehe- gatten geirrt hat, die ihn bei Kenntnis der Sachlage und bei verständiger Würdigung des Wesens der Ehe von der Ein- gchung der Ehe abgehalten haben würden.) Die Begründung Die Entscheidung des Vierten Zivilsenats über die An- fechtbarkeit arisch-jüdischer Mischehen enthält unter anderm folgende Gesichtspunkte: Die Anfechtbarkeit der Ehe nach Paragraf 1833 des Bürgerlichen Gesetzbuchs ist gegeben bei einem Irrtum des einen eheschließcnden Teils über solche persönliche Eigenschaften des andern Teils, bei deren Kenntnis dieser eine Teil unter vernünftiger Würdigung deS Wesens der Ehe diese Ehe nicht geschlossen haben würde. Bor allem muß dabei der nach Paragraf 1338 anfechtende Teil den vollen Beweis für seine Behauptungen führen. Hat etiva ein arischer Ehegatte bei seiner Eheschließung nicht gewußt, daß der andre eheschließende Teil der jüdische» Rasse angehört, sp ist das ein Irrtum über wichtige persönliche Eigenschaften. Im vorliegenden Falle aber ivar dem anfechten- den Teil die Abstammung der Ehepartnerin von jüdischen Eltern bekannt. Das Oberlandesgericht Karls- r u h e hat angenommen, der vom Aniechtungskläger be- hauptcte Irrtum bestehe in der Unkenntnis der Folgen des Eingehens einer solchen Mischehe. Diesen Ausführungen ver- mochte das Reichsgericht nicht zu folge». Der arische Ehe- gatte hatte bei der Eheschließung Kenntnis von der jüdischen Abstammung seiner Frau. In diesem Falle ist vom Stand- punkt des gektcnden Rechts aus die Anfechtung wegen Irr- tums ausgeschlossen. ES wäre möglich, daß der eine Teil von dem Einfluß der nichtarischen Abstammung deS andern Teils auf die Ehe nichts gewußt hätte, daß er vielleicht geglaubt hätte, allein der Ucbertritt des jüdischen Teils zur christlichen Kirche ge- »üge, um eine völlig arische Ehe zu schließen. Da wäre ein Irrtum über wesentliche persönliche Eigenschaften vielleicht denkbar. Für etne solche Unkenntnis spricht aber im vorliegenden Falle keinerlei Wahrscheinlichkeit. ES genügt, hervorzuheben, daß das Programm der Nationalsozia- listischen Deutschen Arbeiterpartei durch Punkt 4 und 5 bereits die Verschiedenheit der deutschen und der jüdischen Nasse mit allem Nachdruck betont hat. Diese Lehren sind auch unzweifelhaft ins Verständnis des Volkes gedrungen. Unter diesen Umständen ist der Fall eines IrrtumS seit Veröffentlichung dieses Programms in den mit dem Pro- gramm bekanntgewordenen Bevölkernngskrcisen, zu denen unstreitig der Anfechtnngskläger gehört, nur selten»och an- zunehmen. Die Anfechtbarkeit der arisch-jüdischcn Mischehe kann auch im Hinblick aus das Berufsbeamtengcsetz nur in dem von diesem Gesetz selbst gezogenen Rahmen gegeben sein. Die Gerichte sind nicht bckugt, über diesen Rahmen der nationalsozialistischen Gesetzgebung hinaus den national- sozialistischen Anschauungen Geltung zu verschaffen. Nach dem Berussbeamtengesetz treffen aber die mit jüdischen Frauen bereits verheirateten Beamten keine Nachteile. Nur wer eine solche Mischehe neu eingeht, kann nicht mehr Neamter bleiben. Dieser Standpunkt entspricht auch dem Inhalt des Schreibens des Neichsministers des Innern vom 17. Januar 1834, in dem darauf aufmerksam gemacht wird, Wie Goebbels Öffentliche Heinnng kaufl 4000 Dollar Jahresgehalt Man schreibt uns aus Neuyork: So wie man das Geld, an dem der Schweiß und das Blut des deutschen Volkes klebt, in Amerika für Propaganda ver- schwendet, so wird man es auch in anderen Ländern ver- pulvern. Der Erfolg ist gleich Null. Man hat unter der deutschen Bevölkerung Amerikas wohl einige Tausend An- Hänger gesunden, die meisten hat man durch die Drohungen in Nazioereinigungen gepreßt. Man drohte denen, die sich weigerten, Nazis zu werden, ihre Angehörigen in Deutsch- land in die Gefängnisse zu sperren. Es gibt noch immer genug Leute, welche stch einschüchtern lassen. Auf diese Mitglieder kann Hitler wahrhaftig nicht stolz sein, von Ueberzeugung ist nicht die geringste Spur. Sonst hat der Propaganda- apparat, welcher große Summen verschlingt, das Gegenteil von dem erreicht, was von ihm erwartet wurde. Der Aben- teurerpolitik Hitlcrbeutschlands begegnete man hier in Amerika von Anfang an mit Mißtrauen. Je mehr Propa- gandamaterial man in Amerika hincinschleuderte, je mehr Naziagcnten man herüberschickte, je mehr Amerikaner man sich für schweres Geld kaufte— desto stärker wurde das Miß- trauen. Und heute spricht man von Hitler und Konsorten nur noch im Tone größter Verachtung. Kein Naziagcnt, kein vom deutschen Vlutgeldgckaufter amerikanischer Hitlerpropagan- dist, kein phrasenschlcimcnder Goebbels kann die amerika- nische Meinung ändern und Stimmung für Hitlerland in Amerika machen. Die„Deutsche Freiheit" hatte in einer früheren Ausgabe schon über die Tätigkeit der Unter- fuchungskommission berichtet. Heute soll der Bericht sortge- setzt werden, um zu zeigen, wie eine Nation, die stch selbst bankrott erklärt. Geld verschwendet für unnütze Propaganda. George Sylvester Viereck muß in diesem Bericht noch ein- mal unter die Lupe genommen werden. Er ist diesmal per- sünlich als Zeuge geladen, um ihm die Möglichkeit zu nehmen, die Beschuldigungen, welche man gegen ihn erhebt, bei seinen gläubigen Nazisreunden als Lüge hinzustellen. Er bestätigt alles, was die„Deutsche Freiheit" in ihrem letzten Bericht brachte und in die Enge getrieben, macht er noch weitere Eni- hüllungen. Er gesteht, daß er ein Monatsgehalt von 1750 Dollar erhält, auf Grund eines Kontraktes, welchen er mit Dr. Goebbels, dem deutschen Propagandaminister, abschloß. Außer dieser Summe wird ihm das Gehalt für seinen Sek- retär und die Miete für sein Büro bezahlt. Er nennt die Summe, welche er von der Naziregierung bekommt, eine Kleinigkeit für einen Mann, der gewohnt ist, mehr für seine schriftstellerische Tätigkeit zu erhalten. Als er das letzte Mal in Deutschland war, hatte er eine Unterhaltung mit Hitler, in welcher dieser sagte:„Ich habe keinen Krieg an die Juden erklärt, sondern die Juden haben Krieg an mich erklärt. Ich habe den Juden kein Leid zngesügt, ich habe nnr ihre Feig- heit etwas eingeschränkt." Für die Dauer von 4 Monaten bekam Viereck vom frühere» Generalkonsul Dr. Otto Kiep eine Extrazuwendung von 500 Tollars pro Monat für seine hitlerfreundliche Tätigkeit. Die Neuyorkcr Firma Carl Boyire bekommt monatlich 4000 Dollar, dafür muß sie Hitlerbroschüren in Umlauf bringen und prohitlersche Artikel in die Zeitungen lancieren. Der Zeuge Dr. Gissibl machte bei seiner Vernehmung eine originelle Bemerkung, die verdient festgehalten zu werden. Er sagt:„Hitler ist der Führer aller Deutschen, ob diese nun in Deutschland oder außerhalb der deutschen Grenzen leben, ja, jeder gebürtige Ausländer deutscher Abstammung hat Hitler als seinen Führer anzuerkennen." Man muß über diesen Ausspruch richtig nachdenken, um eine Idee zu be- kommen, wie es im Gehirne eines richtigen Nazisten aus- steht. Es hat den Anschein, daß nach dem Zusammenbruch deS „dritten Reichs" eine Hochkonjunktur für Irrenärzte einsetzt. Joy Lee, Millionär, Presseagcnt, die rechte Hand des Oel- königs Rockefeller, läßt sich von der Naziregierung ein Iah- resgcha't von 25 000 Dollar zahlen- Sein Sohn JamcS Lee, welcher als Verbindungsmann in Berlin stationiert ist, be- zieht ein Jahresgehalt von 83 000 Dollar. Die beiden Lce's werden als Berater benötigt, in dieser Eigenschaft empfahlen sie der Naziregierung, Joachim Ribbentropp nach Amerika zu senden, um mit Präsident Rooscvclt über deutsche Rllstun- gen zu konferieren. Aus der Unterredung ist nichts gewor- den. Dr. Hans Luther und Dr. Otto Kiep luden bekannte amerikanische Schriftsteller, Vortragende und Presseleute z» einer Deutschlandreise ein. Freie Ucberfahrt wurde zuge- sichert. Angesichts dieser Enthüllungen, hat Goebbels die Stirn abzuleugnen, Deutschland spendet Geld für Ausland?- Propaganda. Die Untersuchung geht weiter und man kann wirklich gespannt sein, was noch alles enthüllt wirb. daß die Schranken, die die Rcichsrcgierung selbst bei der Ariergeietzgebung gezogen hat, beachtet werden müßten. Hin- sichtlich der Bestimmungen des Paragrafen 1333 gilt nach wie vor die Bindung des Richters an das Gesetz. So lange die Bestimmungen des Paragrafen 1333, und zwar mit rück- wirkender Kraft, nicht abgeändert sind, ist eine Anfechtung arisch-jüdischer Mischehen wie im vorliegenden Falle nicht möglich. Ehrenmann Streicher Ein Angeklagter hatte einen Strafbesehl über einem Befehl gleichkommt, der kein« weiteren Dis- Herausgebers des„Stürmer" erhalten und dagegen Ein- spruch erhoben. In der Verhandlung vor dem Amtsgericht Frankfurt erklärte er, daß es ihm auf ein Urteil des Gc- richts über den„Stürmer" ankomme. Das Gericht lehnte es ab, darüber zu entscheiden und bestätigte durch Urteil die im Strafbesehl ergangene Strafe- Der Angeklagte war in einer Lesehalle erschienen und hatte den„Stürmer" verlangt. H^er- bei tat er gegenüber dem Angestellten der Lesehalle eine be- leidigcnde Aeußerung über den Herausgeber deS„Stürmer", der hierüber in Kenntnis gesetzt und daraufhin Strafantrag stellte. Neffe von Papen im Konzentrationslager (Inprcß.)„Manchester Guardian" bestätigt die Nachricht, die wir kürzlich veröffentlichten und wonach ein Neffe des Vizekanzlers von Papen sich seit längerer Zeit im Konzen- trationslager Oranienburg befindet. Arier und NiclKarler Eine Statistik über Rechtsanwälte und Notare Die„Deutsche Justiz" veröffentlicht eine Uebersicht übe^ die Zahl der am 1. Mai 1834 in Preußen zugelassenen arischen und nichtarischen Rechtsanwälte und Notare. Danach hat aus Grund der letzten im preußischen Justizministerium getroffenen Feststellungen die Durchführung des Gesetzes über die Zulassung zur Nechtsanwaltschaft und des Berufs- bcamtengcsetzes vom 7. April 1833 hinsichtlich der preußischen Rechtsanwälte und Notare in den einzelnen Oberlandes- gerichtsbezirken folgendes Ergebnis gehabt: Insgesamt waren am 1. Mai 1834 10886 Rechts- anwälte zugelassen, von denen 2008 Nicht- arier sind. Von den 1364 ausgeschiedenen n i ch t a r i s ch e n Anwälten sind 1084 auf Grund des Ge- setzes über die Zulassung zur Nechtsanwaltschaft und, wie die Aufstellung in der„Deutschen Justiz" sagt, 230 auS an- deren Gründen ausgeschieden. Die Gesamtzahl der am 7. April 1833 vorhandenen Notare in Preußen betrug 6226, darunter 2051 Nichtarier. Am 1. Mai 1884 waren noch 5216 Notare zugelassen, unter denen 862 Nichtarier sind. Von den ausgeschiedenen 1189 nichtarischen No- t a r e n sind 1065 infolge Zurücknahme der Zulassung zur Rechtsanwaltschaft und auf Grund des Berufsbeamtcn- gesetzes, und 144 aus anderen Gründen ausgeschieden. die„Linden" fahren, während dies hier geschieht, im offenen Auto Offiziere, schwenke» Tücher und Degen, und rufen der heranstürzenden Menge das Wort„Mobilmachung" zu. Durch die ganze Stadt dringt, schnell sich fortpflanzend, der Ruf. Um fünf Uhr nachmittags übergibt in Petersburg Graf Pourtalcö, auf Äniveisung des Reichskanzlers, die Kriegs- erklärung, die mit der russischen Mobilmachung begründet wird. Im telegrafischen Text Bethmanns heißt es:„Seine Majestät, der Kaiser, mein erhabener Souverän, nimmt im Namen des Reiches die Herausforderung an." Die„gute Nachricht" war ein um vier Uhr dreißig Minuten eingetroffenes Telegramm Lichnowskys gewesen: Grey habe ihm Tyrrell geschickt und ihn dann auch telefonisch gefragt, ob für den Fall, daß Frankreich in einem deutsch- russischen Kriege neutral bleibe— unter englischer Bürg- schast, nahm der Botschafter an—. Deutschland bereit sein würde, von einem Angriff auf die Franzosen abzusehen. Anderthalb Stunden später eine zweite Depesche LichnowskyS: Tyrrell fei soeben bei ihm gewesen und habe ihm erklärt, Grey wolle am Nachmittag Vorschläge für eine englische Neutralität machen, selbst für den Fall, daß der Krieg Deutschlands mit Rußland und Frankreich nicht zu ver- hindern sei. In der Besprechung be>m Kaiser hatte große Freude geherrscht. Man hatte die Mitteilung— denn die zweite, unwahrscheinlich günstige, war noch nicht eingetroffen — so aufgefaßt, als böte Gren die französische Neutralität unter der Garantie Englands an. Der Kaiser hoffte in diesem Augenblick, vielleicht werbe noch der ganze Krieg, mindestens aber der gegen Frankreich, zu verhindern sein. Er wollte ihn nicht, diesen Krieg, er sträubte sich gegen diesen Gedanken, der nun nicht nur ein Gedanke war. und gewiß sprach er jetzt, hoffnungsselig, im stillen ein Dankgebet. Molkte, der auf dem Wege zum Gcneralstab war, wurde herbeigeholt. Der Kaiser sagte ihm:„Also wir marschieren einfach mit der ganzen Armee im Osten auf!" Herr von Moltte, verblüfft über diese Wendung der Dinge, entgegnete, das sei unmög- lich, man könne den Aufmarsch eines Millionenheeres nicht improvisieren, man werbe nicht ein schlagfertiges Heer, son- dern einen wüsten, ungeordneten Haufen bewaffneter Menschen an die Ostgrenze bringen. Der Kaiser, sehr erregt: „Ihr Onkel würde mir etne andere Antwort gegeben haben" — was dem Generalstabschef, wie er in seiner Erzählung hinzufügt, sehr wehe tat. Schließlich setzte Molike durch, daß der Ausmarsch gegen Frankreich mit starken Kräften plan» mäßig verlaufen sollte, nach Beendigung dieser Operation würde man große Teile des Heeres an die russische Grenze transportieren können. Er sagt in seinen Aufzeichnungen, er sei im Lause dieser Szene in eine fast verzweifelte Stimmung geraten und das Ergebnis habe in ihm Zuver- ficht und Vertrauen zerstört. Wilhelm. II. telegrafierte nun an den König von England: die Mobilmachung nach Osten und Westen könne er nicht rückgängig machen, aber wenn die französische Neutralität durch die britische Flotte und die britische Armee garantiert werde... so werde er Frankreich nicht angreifen lassen und eine anderweitige Verwendung der Truppen bestimmen. Hoffentlich werde Frankreich nicht ner- vöö. Bethmann telegrafierte ähnlich an Lichnowsky, Jagow, mit bestem Dank für Grey, ebenfalls. Leiber war alles nur eine telefonisches Mißverständnis, Grey hatte gemeint, daß Deutschland auf jeden Krieg, auch auf den Krieg mit Ruß- laud, verzichten solle, und Lichnowsky hatte, wie er am fol- genden Tage, dem 2. August, etivas kleinlaut zugab, die Sache falsch abgefaßt. Grey konnte, falls es zum russisch-deutschen Kriege käme, die Neutralität Frankreichs gar nicht garan- ticren, da die französische Regierung, ebenso wie die deutsche, entschlossen war, ihre Allianzverpslichtungen zu erfüllen. So erlosch auch dieses letzte Licht. Am Abend dieses 1. August nähren stch noch Illusionen an seinem Schein. Um 8 Uhr bin ich bei Wilhelm von Stumm, der im Smoking aus dem Klub kommt, und dem ich sage: „Nun-ist der Krieg da. ich habe seit langem gefürchtet, daß es so enden wird." Er antwortete:„Es ich noch nicht sicher", seine Stimme ist etwas heiser, er steht hinter dem Schreibtisch und stützt sich mit beiden Fäusten auf.„Noch nicht sicher? Aber es wird doch schon mobilgemacht?"—„Trotzdem."— „Sie meinen, daß noch eine Möglichkeit besteht—?"— Ein „Ja", mit einer Stimme hervorgestoßen, die fest sein soll. „Ja, es ist möglich, wir kommen vielleicht noch heraus."— „Ohne Krieg?"—„Ja, auch ohne Krieg." Obgleich mich im ersten Augenblick seine Klubeleganz wie etwas gestört hat, was nicht tn die Situation paßt, finde ich sein Ringen nach einem Nettungstau sympathisch, und ich würde gern gläubig von ihm gehen. Aber kann man das, wenn unten schon das „Mobilmachung" durch die Straßen dröhnt? Nebenan, vor dem Reichskanzlerpalais, marschiert, als ich das Amt verlasse, gerade ein Zug von Manifestanten auf. Sie marschieren stramm wie ein Kriegerverein, fingen„Heil Dir im Sicgerkranz". machen dann im Vorhof unter den Fenstern halt, und ein Anführer spricht. Bethmann— in der Dunkel- heit, gegen die ein dünner Lichtschein aus den Laternen nichts vsnnng, seh? ich d i| Gestali nur undeutlich— Mt Jahre 1848 war ei, daß aus einer Bürgerdeputation •eraiu dem regierenden Despoten Preußens das Wort nach- wr 3?®)»Das eben ist das Unglück der Könige, daß sie die Ij 8 nicht hören wollen." Es läßt sich allerdings nicht ugnen, daß der Urheber des berühmten Ausspruches, der ° s tpreußische Arzt Johann Jacob;, jüdischer Herkunft —»her ebenso sicher war Männerstolz vor Königsronen auch im reinarischen Bürgertum jener Zeit kein ganz Unbekannter Begriff. Es gab sogar damals Richter wie en aufrechten v. Grolmann, die— es klingt heute wie * ln Traum— sich weigerten, auf Befehl des Monarchen das echt zu beugen und lieber ihren Abschied nahmen. , Welcher Absturz von diesem Bürgertum zu dem heutigen, »s ohne Wimpernzucken sich anhört wie sein„Führer" 77 orde gesteht, ohne daß auch nur eine mutige Stimme des /»teste, laut wurde. Man sucht nach Maßstäben für diesen Abgrund feigen, zitternden Kadavergehorsams und findet sie »ndlich in entlegenen Jahrtausenden, bei den Römern der ecfallszeit. Fast fünfhundert Jahre lang hatte im republi- anischen Rom der oberste Grundsatz gegolten, daß ein r owischer Bürger von niemandem körperlich angetastet, ausgepeitscht werden dürfe. Dann aber kam jene Periode des ■Abstiegs, von der ihr lateinischer Geschichtsschreiber sagt: 'uere in servitium— sie stürzten hinab in die Knechtschaft, l r heutige italienische Geschichtsforscher G. Ferrero aber /gründet in seinem Werk„Größe und Niedergang Roms" da» feige Verhalten, das die Enkel der stolzen Republikaner e> den Massenschlächtereien des entstehenden Kaiserreiches c" den Tag legten, mit dem Satze: Es traten der Egoismus, die nervöse Angst und jener glühende Lebensdurst, den die Zivilisation dadurch hervorruft, daß sie die geistigen wie die sinnlichen Genüsse ungleich vermehrt, auf einmal in Taten wilder Grausamkeit und erbärmlicher Feigheit in die Erscheinung, die in der Weltgeschichte ihresgleichen suchen, b'e haben inzwischen ihresgleichen gefunden— im glorreichen Jahre der Zivilisation 1934! Denn der Ausspruch berreros über die Metzelei des Jahres 43 v. Chr. paßt wie angegossen auf das, was in Deutschland soeben vor sich ging. Das kleine und mittlere Bürgerturm des Jahres 1848 war ' sehr viel ärmer an materiellen Genußmöglichkeiten als der Bürger von 1934, entsprechend aber waren geistige Bildung und Charakter damals noch geschätztere Dinge als heutigentags. Heute, wo der allerschäbigste Materialismus 'tn Bürgertum Orgien feiert,— um so schäbiger, je großartiger er sich mit idealistischem Phrasenschwulst von„Gemeinnutz" drapiert— heute sorgen Angst um Stellung, Verdienst, Kundschaft, Karriere dafür, daß jedes Bürgerherz zur Mördergrube wird. Nicht das ist das Unsägliche, daß ein Tyrann 77 oder mehr Opfer aus dem Kreise seiner nächsten Anhänger, aus den höchsten aktiven und gewesenen Funk- tionären des Staates schlachtet. Das Entsetzliche ist dieses angstbleiche und schldtternde Bürgertum, worin es Männer, die der Stimme ihres Gewissens gehorchen, einfach nicht Oiehr zu geben scheint. Wir pflegten vor kurzem noch bei der geschichtlichen Betrachtung der letzten Jahrhunderte die aufsteigende Linie der Rechtssicherheit, der Beseitigung obrigkeitlicher Willkür a» betonen. Wie weit müssen wir diese Linie zurück verfolgen, ;"m bei einem Tiefstand anzulangen, der etwa dem heutigen entspricht? Bis zum Alten Fritzen? Zu dessen Zeiten l'ieß es noch:„Ja, wenn das Kammergericht in Berlin nicht v äre!" Bis zum Großen Kurfürsten? Der hat zwar einmal die Führer der frondierenden ostpreußischen Stände, Rhode "od Kalkstein, widerrechtlich verhaften lassen, aber er- lie jeden Hieb empfanden. Ich sah vom Fenster aus die Flammen hoch- schlagen? sie schienen in den Himmel zu greisen, anklagend, drohend. Gegen Abend erhob sich ein starker Wind und trieb die Asche über den See. Und ich mußte daran denken, daß Asche ein gutes Düngemittel ist. Wie oft hat Fritz die Kamin- asche für den Garten geholt. Auch diese Asche wird befruchtend wirken, und aus ihr wird Neues erstehen, besser noch als das Alte. Die Bücher, die für viele, die sie einmal gelesen hatten, nachher zu etwas Totem, Vergessenem geworden waren, werden nun in den Geistern und Herzen eine Auferstehung erleben und unsterblich sein. Aber ebenso unsterblich, ebenso u-nvergeßlich wird die Schande unseres Landes sein, in dem so etwas geschehen konnte. Nach der Bücherverbrennung begann Claudia mich zu quälen, ich solle doch in die Schweiz gehen. Ich passe nicht mehr hierher, ich würde mich dort viel wohler fühlen. «Glaubst du, daß ich einen Sichtvermerk bekomme?" fragte ich sie ein wenig boshaft. Sie wurde dunkelrot. „Wozu brauchst du einen, Mutter? Du hast doch das Motorboot. Du kannst doch wieder einmal die Schweizer Grenze entlang fahren." Wieder einmal die Schweizer Grenze entlang fahren? Also hat sie es doch gewußt! Und hat geschwiegen! Ich empfand eine große, tiefe Freude, doch durste Claudia das nicht merken. So jagte ich nur: „Warum willst du mich loswerden, Claudia?" „Weil, weil..." Sie stockte und sagte dann mit tonloser Stimme, wie ein Mensch, der eine auswendig gelernte Lektion herleiert:„Weil sich in die SA. eine Menge dunkler Elemente eingeschlichen hat und es nicht ausgeschlossen ist, daß diese Provokateure gegen den Willen der Führer..." Sie brach abermals ab und flüsterte dann:„Ich bitte dich, Mutter, geh in die Schweiz. Es könnte dir etwas geschehen. Diese Menschen, die sich als Nationalsozialisten ausgeben und in Wirklichkeit etwas ganz anderes sind..." Ich blickte sie an und fragte: „Seit wann lügst du, mein Kind? Bei allem, was du getan hast, habe ich mich damit getröstet, daß du wenigstens aufrichtig und nicht verlogen bist. Hast du jetzt auch noch diese eine gute Eigenschaft verloren?" Sie wurde dunkelrot, sie senkte die Augen, hob sie dann wieber, sah mich mit einem fast irren Blick an. Ihre Hände zitterten, ihre Lippen bebten. Sie konnte meinem Blick nicht standhalten. Unvermittelt sagte sie, mit der einen zitternden Hand auf das Madonnenbild über dem Betstuhl weisend: „Du bist wieder fromm geworden, Mutter. Bete, bete, daß nicht alles, daß nicht..." Die Stimme versagte ihr. Sie stand so hilflos, so verloren vor mir, baß mir das Herz weh tat. Claudia." iaate ich lankt.„Ich möchte dir etwas sagen.". v e h r in der Nacht zum 30. Juli ivissen. Tatsächlich hatte sich in der Nacht das sonst ruhige Bild der Bundes- Hauptstadt plötzlich verändert, in allen Straßen sah man Ucbersallautos, Militärtransporte, Wachleute mit Stahl- Helm und Geivehr, und alle'staatlichen und öffentlichen Gc- bäude, auch— ivie schon berichtet— das Journalistcnzimmer im Haupttelegrafcnamt,«vurben mit verstärkten Abteilungen besetzt. Man konte sich den Grund der Vorkehrungen nicht er- klären. Erst spät nachts wurde bekannt, daß die Polizei Kenntnis davon erhalten hätte, die Heimivehr«volle«vegen der zivcideutigen Haltung von Polizeibeamten und Wach- organen die Polizei entivafsnen: doch sei die Heimivehr von ihren Absichten abgebracht«vordcn. Minister Fey erklärte, daß die Heimivehr gar nicht an einen Putsch denke. Lallte Rintelen entführt werden? Wien, 30. Juli. sUnited Preßt. Vierzig Nationalsozialisten haben in der letzten Nacht versucht, den früheren österreichi- schen Gesandten in Rom. Dr. R i n t c l e n, zu entführen Der Plan konnte jedoch nicht durchgeführt«verde««, da die Kran- kcnschwester, die am Krankenbett Rintelens«veilte, Alarm schlug. Ter Polizei gelang es. mehrere National sozia- I> st e n zu verhaften. D«e Wache vor dem Kranken- zimmer Dr. Rintelens ist verstärkt«vordcn. ..Mörder und Päderasfcn" Eine Kostprobe aus Mussolinis Hauptorgan und Sprachrohr Die Sprache der italienischen Presse«vird mit jedem Tage schärfer. Man darf wohl von einem Ausbruch des Haffe» und der Wur gegen Hitlerdeutschland sprechen. Das von Mussv- Cni selbst begründete Blatt„Popolo d'Jtalia", das auch heute das eigentliche Sprachrohr von Mussolini ist, schreibt z- B. von den Deutschen: „In ihren trüben Seelen sind die wilden Instinkte und ber Blutdurst wieder erwacht, den die römische Kultur in zwei Jahrtausenden des Christentums in ihren Noinaden- seelen abgedämpft hat. Die Nationalsozialisten sind Mörder und Päderastcn, nur das und nicht anderes." „Popolo de Roma" bezeichnet die Haltung der deutschen Regierung als„kindisch und univttrdig": „Alle«vissen in Europa," schreibt das Blatt,„von wem und wie der Reichstag angezündet wurde. Nur Hitler«veiß eS nicht. Alle«vußten um das Gebühren Röhms. Nur Hitler nicht. Eines schönen Tages wird Hitler um die frühere Bc- Handlung Görings als Morphinist in einem Sanatorium erfahren,«vas er heute noch nicht«veiß. Man muß zittern darüber,«vas geschehen wird an dem Tage, an dem er es endlich erfährt." In römischen politischen Kreisen«vird besondere Bcdeu- tu»g einem, wie man behauptet, von Mussolini selbst direkt tnspirieite» Art'kel im„Messaggero" beigemessen. In diesen« Artikel«vird ausgeführt, daß nach der Ermordung von Doll- suß nicht mehr,«vie so oft früher, diplomatische Schritte unternommen, sondern die Truppen in Beivegung gesetzt worden seien. Das sei wahre faschistische Diploinatie. Italien werde sich nicht irgendwelchen diplomatischen Schritten an- derer Regierungen anschließen. Viel zu oft sind die Ver- sprechungen der deutschen Regierung nicht gehalten worden: viel zu oft«varen b't Verhandlungen ein Borwand, um Zeit Zu geivinnen, um die Ideen und die Tatsachen zu verivischen. In den letzten Ereignissen sieht das Blatt ein Zeugnis da- sür, wie Deutschland seine Verpflichtungen erfüllt.„Man verhandelt nicht zweimal ans dem gleichen Fuße mit öein, der mit soviel Zynismus die Gesetze der Ehre verletzt. Es nibt jetzt keine Regierung, die nicht das Recht hätte, Deutsch- lanb gegenüber ihre volle Handlungsfreiheit zurück- gewinnen." Was«n diesen« Zusammenhang unter der Hanölungs- heiheit der Regierungen zu verstehen ist. geht aus allen völlig übereinstimmend» Aeußerungen der italienischen Presse voll- kommen klar hervor: Italien hält jetzt die Drohung mit der bewaffneten Macht für die einzig richtige und«virksame Methode Deutschland gegenüber- kranzSsisehe Ausstellung in Luiemburg Im Zeichen französisch-luxemburgischer Freundschaft In ber Schule am Königsring«vurde eine französische Ausstellung eröffnet, in der touristische und verkehrstechnt- sche Dinge unter besonderer Berücksichtigung Elsaß-Lothringens gezeigt werde». Die Ausstellung soll den Ziocck haben, die luxemburgisch-französische Freundschaft«veiter zu festigen und den GrenztvuriSmus zu heben. In einem Will- kommengruß an die französischen Gäste, die in den nächste» Wochen die Ausstellung besichtigen«Verden, weist das sozial- demokratische„Escher Tageblatt" daraus hin, daß just 30 Jahre am Tage der Eröffnung vergangen seien, seitdem Deutschland das friedfertige Luxemburg unter Vertragsbruch überfallen habe. An der Eröffnung nahmen die Grobherzogin und ihr Gemahl, Regierungsmitglieder, Deputierte und Ge- meinderäte aller Parteien aus Luxemburg, der frauzösische. belgische und italienische Gesandte, Senator Eceard du BaS- 3!hin, Generaldirektor der elsaß-lothringischen Eisenbahnen Bauer Straßburg, Bürgermeister Vautrin-Mctz soivie zahl- reiche clsaß-lothringisch: Journalisten teil. Bei einem Bau- kett, das Samstagabend im Hotel„Braffeur" stattfand,«vurde von den Senatoren Eceard und Präsident de Witt-Guizot die luxemburgisch-französischc Freundschaft gcsciert,«vas der luxcmburger liberale Minister Eticnne Schinit in seiner Er- widerung anerkennend unterstrich. Die Ausstellung wird sich in Luxemburg bi» 3. August halte». Ei» Rundgang unseres Mitarbeiters zeigte ihm die Entivicklnng der sranzösischen Eisenbahnen bis in die Neuzeit Metz, Straßburg und Nancy haben einige Säle, in denen Möbel aus elfässischen Museen, Bücher, elsäffische Malereien untergebracht sind. Die evaii- gelischen und katholischen Scouts stellen ebenso aus,«vie Restaurateure. Transporteure, Bäder soivie eine Bauban- ausstellung in Erinnerung an den großen Baumeister Vau- ban, der ein großes Verdienst an der Errichtung der Festung Luxemburg hat. Bei der Eröffnung«varen die Chasseurs aus Forbach zu Gaste und an« Sonntag unterclsässischc Bauern- niusiker Man veranstaltet tu« Rahmen der Ausstellung noch lothringische und elsässische Tage und sonst sind auch noch eine Anzahl Sondcrveranstaltungen vorgesehen. vrlei ans Köln Der Humor ist noch geblieben Wir erhalten folgenden Brief: Im Rheinlande,«vo man selbst das Alleräußerste der braunen Schmach noch mit einigem Huinor zu quittieren pflegt, war der 30. Juni ein Witz in aller Munde: Tünnes trifft Schäl in der Hohestraße. Schäl trägt eine funkelnagelneue SA.-Uniform und scheint heute besonders vergnügt. Tünnes, erstaunt, fragt feinen Freund:«£iu ens Neues DnnamUaUenlal In Vorarlberg Rorschbach, 81. Juli. In der Nacht vom SamStag auf Tonntag sind G l e i s a n l a g e n des B a h n h o f s L u st e n- a u in Vorarlberg in die Luft gesprengt«vordcn/ Der Zug- verkehr von der Ostschiveiz»ach Bregenz ist bis jetzt noch nicht«vtedcr hergestellt. Die Züge«vurden anfänglich nach Linda» umgeleitet, doch ist inzivischen auch die deutsche Grenze vollständig gesperrt«vordcn. Durch das Spreng- stoffattentat sollte die gesamte Bahnhofsanlage in Lastenau zerstört«verben., vie vede Frauenleids Was hat der österreichische Gauleiter der Nazis gesagt? ,,, ' Zürich, 31. Juli. Schweizer Zeitungen vom 14. Juli berichten: „Die Spannung zivischcn Wien und Berlin hat sich stark verschärst, und vollends hat der aus Oesterreich geflüchtete Nationalsozialist Frauenfcld durch eine an« Rundfunk ge- haltene, jedes Maß überschreitende Rede die Beziehungen vergiftet. Er bezeichnete den Bundeskanzler Dollfuß als einen Hochverräter, der ein ähnliches Schicksal«vir der erschossene Stabschef Röhin verdiene!" Die Rede wird wohl in dem Anklagematerial der öfter- reichischen Regierung gegen Berlin eine bedeutsame Rolle spielen. venner verhallen Zeichen der Nervosität Wien, 31. Juli 1331. Der sozialdemokratische frühere Bundeskanzler Karl Renner ist Sonntagmorgen verhaftet«vordrn. Die Gründe für seine Verhaftung, von der die Presse bisher keiner,e« Mitteilung gebracht hat, sind noch nicht festz,«stelle» gewesen. Dem Vernehmen nach soll auch der sozialdemokratische Ab- geordnete Ellenbogen im Lause des Sonntags ver- haftet«vordcn fein. Tauschitz wieder Gesandter Wien, 81. Juli. Bundcsamtlich«vird mitgeteilt: Bundes« kanzler Schuschnigg hatte gestern den Staatssekretär für auswärtige Angelegenheiten, Ingenieur Tauschitz, empfangen und teilte ihm mit. es scheine ihm mit Rücksicht aus die all- gemeine Situation«vünschensivert, daß Staatssekretär Tau- schiß«nieder die Führung der Gesandtschaft Berlin über» nehme. Tauschitz erklärte, er werde sich dem neuen Bundes- kanzler ebenso loyal zur Verfügung stellen, wie dein ver- civigten Bundeskanzler Dollfuß. Zum Bundesminister sür Landwirtschaft wurde der bis- herige Landeshauptmann von Niederösterrcich Josef Rcither ernannt. Starhemberg Führer der Vaterländischen Front Wie», 81. Juli. Stach einer Mitteilung des BnndeSkom- missars sür Heimatdicnst, Adam,«vird Vizekanzler Fürst Ttarheinberg die Leitung der Vaterländischen Front über- nehmen. Damit ist das Erbe von Dr. Dollfuß zwischen Dr. Schuschnigg und Vizekanzler Starhemberg gc- teilt«vorden. Die Uebernabmc der Leitung der Vatcrlän- dischen Front durch Vizekanzler Fürst Ttarheinberg bedeutet eine weitere erhebliche Verstärkung der Heiinivehrvppvsition in Oeslerreich.■. Schäl,«vie küs du in die SA.-Kluft?!" Schäl:„Jo, dat is jet feine»! Bei uns sin alles jode Lück, nur zivei sin nix wert, der Tturmführer un singe Adjutant, und dat sin jcrad zwei Nazis." Ich bin aktiver„Kämpfer" in einem Flicgerstur«». Wir «verde» hauptsächlich im Segelflugsport praktisch ausgebildet. Bon« Kampfflugzeug wird uns zuerst am Motor Unterricht erteilt. Das geschieht natürlich in einer separaten Jnstruk- tionSstunde. Tie besonders Zuverlässigen von uns kommen dann zivecks außergewöhnlicher Ausbildung zun« Standorts- kommando eines aktiven FltegersturmS nebst Fliegerschule. Ich selbst war schon in N. Nun ergab sich das sehr erfreuliche Resultat: In meinen« Flicgersturm befinden sich ehemalige Reichsbanncrkame- raden, Naturfreunde, ehemalige Mitglieder des ZdA. und auch ehemalige Windhorstbündler. Ausgesprochene Braune falsa auch innen völlig Braune!) haben«vir in der Mannschaft tatsächlich keinen einzigen mehr. Die paar echten Nazis haben wir sehr bald hinausgeekelt gehabt. Unser Jnstruk- tcnr, ehemaliger Kriegssliegcr, ist ei» seiner Kerl und des- halb auch ein Nazi-Fresser. Er ist lediglich aus Lust und Liebe zur Fliegersache dabei. To ab und zu bespricht er mit mir einige Dinge. Wenn«vir dann so die einzelnen Käme- raden unseres Fliegcrsturnis durchgehen, dann sagt er immer mit seinen kurz abgehackten Sätzen:„Flicgersturm, «vie er sein soll!" Und ich denke in« stillen: DaS gibt einen roten Fliegersturm! Dir und allen Freunden schöne Grüße und ein kräftiges Frei Heil! Ernst von Wolzogen Der Gründer des„Ueberbrettl" Am Montagsrüh starb in München der Schriftsteller Ernst Frhr. v. Wolzogen im 70. Lebensjahr. Dieser Tod reißt keine Lücke. Die„große" Zeit des alten Herr» liegt drei Jahr- zehnte zurück. Damals zog er als Gründer und Leiter seines „Ueberbrettl" durch die deutschen Lande, Konserencier und Anreger zivischen Biedermeier und Jugendstil. Bon seinen Büchern hat„Lumpengesindel" den«»eisten Erfolg gehabt, eine nicht reizlose Schilderung Münchencr Künstlerboheme. An ber Schwelle des Todes begeisterte er sich noch einmal. Für den Nationalsozialismus. Strauß sagt ab Wien läßt ihn iinlcs liegen Wien, 30. Juli. Tie Wiener Staatsoper«vird infolge der Absage setner Mitwirkung an den Festspielen in Salzburg keine Werke von RichardStrauß mehr aufführen. Bor- auSsichtlich dürfte auch die Aufführung de« angekündigten Strauß-Zyklus bei den Salzburger Festspielen untxrbleiden. Pariser Beruhte Die Aussreiinng „Deutschland nach dem 30. Juni" die von der Deutschen Freiheitsbibliothek, Paris, 65 Bd. Arago(Metro Galciere) veranstaltet wird, ist mit einer Ansprache von Egon Erwin Kisch unter großer Beteiligung eröffnet worden. Die Fülle unbekannten Materials über die Ereignisse der letzten Wochen gibt dem lebhaften Interesse, dem die Ausstellung allenthalben begegnet, vollste Berechtigung. Wir machen noch einmal darauf aufmerksam, daß die Ausstellung täglich, außer Sonntags, von 10—12 und von 17—19 Uhr geöffnet ist, darüber hinaus Dienstags- und Freitagsabends von 8.30—10 Uhr. Eintritt 2 Fr., Arbeitslose 0,50 Fr. Wer wissen will, was in Deutschland vorgeht, muß diese 'Ausstellung gesehen haben. Revolution im Pariser Sender Den Hörern des Radio Paris wurde in einer der letzten Nächte ein unerwarteter Ohrenschmaus geboten. Sie hatten gerade die 6. Symphonie von Beethoven gehört, als die Musik plötzlich abbrach. Viele Hörer machten sich nun an ihrem Apparat zu schaffen, um festzustellen, was eigentlich los sei. Da vernahmen sie mit einem Male die deutschen Worte„Achtung, achtung!". Und nun folgte auch schon die Internationale, die von Musikern unbekannter Nationalität gespielt wurde. Es soll Hörer gegeben haben, die von dieser Darbietung etwas unangenehm überrascht waren. Sie wandten sich deshalb sofort an die Leitung des Radio Paris, erhielten von dort aber die Auskunft, daß dort kein Sprecher die Worte„Achtung, achtung!" gerufert oder eine Musikkapelle gar die Internationale gespielt habe. Man erklärt nun den Zwischenfall damit, daß Radio Paris zehn Minuten ausgesetzt habe. Dabei seien einige Hörer in die ganz nahe dabei liegende Wellenlänge eines russischen Senders geraten. Jedenfalls hat es also auf dem staatlichen Pariser Sender keine Revolution gegeben. Bildhauer und Diplomat Die halbnackten Duellanten Ein Duell wurde am Sonntagfrüh zwischen einem Bildhauer und einem Diplomaten in einem Park in Neuilly bei Paris ausgetragen. Eines Tages war der Bildhauer, der als Künstler nicht ganz unbekannt ist und gelegentlich auch malt, gerade dabei, den Mondaufgang über den Tuilerien auf die Leinwand zu bannen, als ein junger Kavalier vorüberging, der zum diplomatischen Personal der kleinsten Republik der Welt gehört. Ihm gefiel die Begleiterin des Künstlers, eine Kreolin, anscheinend so gut, daß er die Galanterie wohl etwas zu weit trieb. Kurz und gut, diese machte den Künstler auf den jungen Mann aufmerksam. Jetzt sprang der Bildhauer und Maler auf und riß von seinem Zeichenblock ein Stückchen Papier, auf das er seinen Namen kritzelte, während der Diplomat ihm seine Karte überreichte. Am Sonntag sollte nun das blutige Nachspiel stattfinden, das aber gar nicht so blutig verlief. Als Zeugen des Künstlers fungierten ein Schriftsteller und ein Rechtsanwalt, dem Manne mit der großen Zukunft standen zwei Mitglieder der italienischen Kolonie zur Seite. Versühnungsversuche scheiterten. Halbnackt, den Säbel in der Hand, standen sich die beiden Gegner auf einem Sandweg gegenüber. Schlag halb zehn Uhr kreuzten sie zum erstenmal die Waffen. 30 Minuten später stürzten sie im Kreise einer Reihe guter Freunde ein Glas Versöhnungschampagner hinunter. Der Kampf jedoch war sehr eigenartig gewesen. Der Maler, weniger geschickt in der Handhabung des Säbels als in der des Meißels oder des Pinsels, hatte Hieb für Hieb einstecken müssen, darunter zwei Schläge auf das Schulterblatt. Deshalb erhoben die Aerzte mit Erfolg gegen weiteres„Blutvergießen" Einspruch. Auch so war die Ehre gerettet, die der schönen Kreolin wie die ihrer beiden Anbeter. WESTLAND l)itabNnql9e deutsche CfocHenseltuna erscheint in Saarbrücken jeden Freitag. „Westland" behandelt in unparteiischer Weise politische, kulturelle und wirt schaftliche Fragen. Besondere Aufmerksamkeit widmet es der deutschen Entwicklung. Die nationalsozialistische revolutionäre Uebergangszeit will es begreifen und nicht bejammern helfen Deshalb späht„Westland" nicht„Angriffspunkte" aus, sondern sucht ein umfassendes Bild zu geben Es wendet sich an den selbständig denkenden Leser, der mit ihm dieWahrheit für die schärfste Waffe des politischen Kampfes hält. Aus der neuesten Nummer: Heldenleben des Dr. Ley Essen und die Mordaktion Plulos Reich: die Bergleute an der Ruhr Donau und Saar Saargebiet an der Reihe Der Ferngas-Betrug Die regelmäßige Zustellung erfolgt durch die Westland»Verlagt*G. m. b. H Saa brücken 3 ♦ Brauerstrafje 6—8+ Telefon 21014 Politischer Einbruch? Der Rechtsanwalt Pierre Chautemps, ein Bruder des ehemaligen Ministerpräsidenten, besitzt in der Umgegend von Nantes, in Prefailles ein Landhaus, das er aber zur Zeit nicht bewohnt. Kürzlich bemerkte nun ein Wächter, daß man nachts in das Haus eingedrungen war. Tatsächlich hatte ein Einbruch stattgefunden. Spuren fanden sich an der Küchentür und an den Läden eines Fensters, dessen eine Scheibe zerbrochen worden war. Auch im Waschhaus war eine Scheibe in Mitleidenschaft gezogen worden, und der Haken, der zum Festhalten der Fensterläden diente, war losgerissen. Nach den Feststellungen der Polizei wurde von den Einbrechern nichts gestohlen. Man nimmt allgemein an, daß diese aus politischen Gründen handelten. Sie glaubten wohl irrtümlich, bei Chautemps Akten zu finden, die sie im Kampfe gegen dessen Bruder Camille, den Vorsitzenden der radikalsozialistischen Kammerfraktion und ehemaligen Ministerpräsidenten zu verwenden hofften. Gasmasken... „Paris Soir" veröffentlicht eine neue Verordnung des Pariser Polizeipräsidenten. Danach ist der Verkauf von Gasmasken nur gestattet, wenn diese Masken die vom Kriegsministerium vorgeschriebenen technischen Bedingungen erfüllen. Jedem Käu.er muß eine genaue Gebrauchsanweisung ausgehändigt werden, die auch Vorschriften über die Lagerung und Aufbewahrung der Gasmasken usw. enthält. Der Verkäufer muß sich verpflichten, bei vorschriftsmäßiger Aufbewahrung seitens des Käufers eventuell schadhafte Teile, die durch die Lagerung entstehen, gegen neue zu ersetzen. Ameisen! Ameisen! Am Montparnasse herrschte am Sonntagabend starkes Leben. Die Vorplätze der Kaffeehäuser waren von Gästen überfüllt. Spaziergänger gingen in dichten Reihen auf den Boulevards hin und her. Plötzlich, gegen zehn Uhr abends, ließ sich eine dichte Wolke von geflügelten Ameisen, die wohl von der Seine kamen und den Boulevard Raspail hinaufflogen, in einem der bekanntesten Cafes am Carrefour\ avin nieder. Etwa zehn Minuten lang hielten diese kleinen Bestien die„Stellung", indem sie sich auf die Zeltdächer setzten oder in dichten Kreisen um die Kandelaber, elektrischen Lampen und Bäume herumwirbelten. Die Zuschauer wehrten sich mehr belustigt als eifrig gegen die Störenfriede. Aber die Geschäftsführer und die Kellner löschten das Licht und zündeten wohl tausend Stücke Papier an, um die unerwünschten Gäste zu verscheuchen. Man he- (Besonders wertvoll zum Verständnis der letzten Ereignisse in Hitler-Deutschland. Ungewöhnlich interessant und aufschlußreich Konrad Heiden: Geburt desdritten^teifbes Geschichte des Nationalsozialismus bis in die neueste Zeit Niemand wird künftig über das Problem des Nationalsozialismus mitsprechen dür- den, der dieses Buch nicht gelesen hat. Preis des 272 Seiten starken Buches: Kartonier» 25,- Fr. Leinenhand 35,- Fr. Buchhand ung der Volksstimme Saarbrücken 3 Bahnhofstraße 32 Neunkirchen Hüttenbergstraße 41 •vgBR nutzte dazu sogar wohlriechendes Pulver, Besen und Handtücher. Aber die Wolke der geflügelten Ameisen verschwand anscheinend nach einer unbekannten Bestimmung erst, als die Tiere wohl glaubten, nun lange genug Station gemacht zu haben. Auf dem Kriegsschauplatz blieben einige tote Ameisen zurück als einzige Zeugen dieses vorübergehenden feindlichen Einmarsches. Der verhexte Gutspächter Marcel Serenne, ein zwanzigjähriger Landwirt in Saint- Philbert de Grandlieu, kehrte in Begleitung des sechzigjährigen Landwirts Victor Herriaud auf seinen Pachthof zurück. Unterwegs machte Herriaud seinem Begleiter das Geständnis, daß er glaube, von einem Zauber verhext zu sein. Seine Kühe gäben keine Milch mehr und seine Kinder seien fortwährend krank. Er fragte also den Nachbarn, ob er nicht Bücher besäße, in denen etwas über Zauberei stehe. „Gewiß," erwiderte Serenne und erklärte sich bereit, sie ihm zu bringen. Nun aber erzählte Herriaud die Geschichte weiter, und am nächsten Tage behauptete das ganze Dorf, Serenne sei ein Zauberer. Jetzt suchte dieser nun den alten Herriaud auf und wünschte von ihm Aufklärung über dieses Gerede. Herriaud erwiderte ganz einfach, der andere sei eben ein Zauberer und habe ihn verhext. Serenne wollte nun das boshafte Vergnügen mit Herriaud weiter fortsetzen. Er zeigte diesem deshalb ein geschicktes Taschenspielerkunststück. Jetzt war es für den Alten ganz klar, daß er von Serenne verhext war. Er packte nun einen riesigen Stein und warf ihn dem anderen ins Gesicht. Schwerverletzt trug man Serenne weg. Nun wird die Hexengeschichte den Strafrichtex beschäftigen, BBIEFKflSTEM H. K Herzliche» Dank. Ihre Arbeit ist ausgezeichnet. Wir brücket! sie. Gern geben wir noch Ihre„Luftige kleine Geschichte mü einem leider ernsten Hintergrund" unserer Leserschaft weiter:„Ich sag im Zuge und las die„Deutsche Freiheit". Mir gegenüber saß ein Deut- scher. Ter Zug mutzte nun über italienisches Gebiet und ein Be- amter kontrollierte die Page, wobei ihn der Deutsche fragte, ob er nicht auch deutsche Päge kontrolliert habe, worauf dieser verneinte. Daraus bat er sich von mir die„Freiheit" aus, deren Inhalt er alsbald gierig verschlang. Gr vergatz aber nicht bei lebet Station hinauszusehen, ob sich nicht so ein lieber Landsmann nähere." An alle peinlichen. Der von den Nazi ermordete FeliZ Fechenbach wurde 1922 vom Volksgericht München wegen an« geblichen Landesverrats zu 11 Jahren Zuchthaus verurteilt. Nachdem die Wiederaufnahme gegen die Urteile der bayerischen Volks- gerichte gesetzlich eingeführt war, hob das Reichsgericht das Urteil aus und stellte das Verfahre» gegen Fechenbach ein. Fechenbach war wegen einer nicht begangenen Tat, die tm Fall der Begehung ver- jährt gewesen wäre, verurteilt worden. Tie Strafsache gegen Fechen- bach war hauptsächlich durch die geschiedene Frau Fechenbachs, eine Dr. Martha Czernichowsky-Fechenbach, in Flutz ge» kommen. In einer Anzeige eines Anonymus war auf das„Zeugnis" der Frau Czernichowski-Fechenbach bezug genommen. Sie wurde als„Zeugin" vorgeladen und packte als solche, wiewohl ihr als geschiedener Frau ohne weiteres ein Zeugnisverweigerungsrecht zustand, in seitenlangen Protokollen über den angeblichen Landes- verrat Fechenbachs aus, selbstverständlich„pflichtgemäß". Nach der Verurteilung Fechenbachs legte die geschiedene Frau seinen Namen ab und praktizierte unter ihrem Mädchennamen Gzernichowski als Aerztin in Deutschland. Nach der„nglionalen Revolution" wanderte sie nach Palästina aus. Wer aber beschreibt das Erstaunen aller Anständigen, daß nun, nach der Ermordung Fechenbachs, diese Frau seinen Namen wieder als Neklameschild benutzt? In Jeru- salem hängt vor ihrer Wohnung ein Schild:„Dr. Ezernichowski- Fechenbach, Aerztin." Die Meinung der Nazi, Fechenbach sei ei» Landesverräter gewesen, ist die Ursache seiner Ermordung. Diese Meinung ich nach dem Dargelegten in erster Linie durch die geschiedene Frau verursacht und verschuldet. Tollte sich diese Frau nicht schämen, jetzt das Andenken, das die Welt Felis Fechenbach als einem Märtyrer der sozialistischen Idee gewährt, für ihre Geschäfts» zwecke zu benutzen? Die Frage stellen, heißt auch, sie beantworten. Aus Aegypten schreibt man uns:„ Vor etwa drei Monaten fand vor dem Sondergericht München unter Ausschluß der Lefsentlichkeit eine Verhandlung gegen einen Herrn statt, der der Beleidigung Hitlers angeklagt war, weil er gesprächsweise behauptet hatte, Hitler sei„schwul". Ter Angeklagte beteuerte, lediglich eine allgemein verbreitete Ansicht ohne jede beleidigende Absicht weiterverbreitet z» haben, die, ob sie zutreffe oder nicht, an sich überhaupt keine Be- leidigung darstelle, da Homosexualität nicht ehrenrührig sein könne, wenn, wie allgemein bekannt, Männer aus der nächsten Umgebung Hitlers und im Besitze der höchsten staatlichen Ehren- stellen homosexuell seien. Der Angeklagte wurde tatsächlich freigesprochen.— Die Homosexualität Brückners, des persönlichen Adjutanten Hitlers Ist erwiese». In München lief lange Zeit eine sittlich übel beleumdete geschiedene Frau, trotz rein jüdischer Abstammung, mit dem Parteiabzeichen herum. Sie brüstet« sich in der Oesfentlichkeit damit, daß alle Münchener Parteigrötzen, wie Esser und Röhm,„in ihrem Hause verkehrten". Die Frau beschäs- tigte einen 13- bis 11jährigen bildhübschen Hitlerjungen als„Halb- tagsmädchen", angeblich zur Reinhaltung ihrer Wohnung. Als sie eines Tage? dem Jungen Vorwürfe wegen unentschuldigten Aus- bleiben? machte, erklärte dieser sein Fernbleiben vom„Dienst" da- mit, daß er b i s n a ch t S 2 U h r bei Herrn Oberleutnant Brückner gewesen und dort mit Sekt traktiert worden sei. Infolgedessen sei er am nächsten Morgen zu müde gewesen, um rechtzeitig auszustehen. Worin der„Dienst" bei dem Herrn Oberleutnant im Einzelnen bestanden hat, bat der Junge allerdings nicht erzählt."— lins würde die Erotika der Hitlerpaladtne nicht interessieren, wenn ER. Hetz und andere Typen nicht die Erneuerer und Reiniger Teutschlands spielten. Das sind uns schon die richtigen Moralhelden. Literatur „Oesterreich 1921", die Geschichte einer Konterrevolution, die sich bereits im Druck befindet und im September im Europa-Verlag Zürich erscheinen wird. Das Buch, SRI Seiten stark, ist der erste Versuch einer eingehenden, geschichtlichen Tarstellung der große» Probleme des heutigen Oesterreich. Es schildert den aufregenden Kampf, den die österreichischen Arbeiter 7 Jahre lang, vom 1. Juli 1927 bis 12. Februar 1931, gegen die faschistischen Gefahre» geführt haben. Es zeigt, wie nach den Februarkämpsen der Austrosaschismus vollendet wurde. Es bespricht die internationalen Zusammenhänge der österreichischen Frage und legt die Gründe der tiefen Unruhe dar, die das kleine, von politischen und wirtschaftlichen Krisen gepeinigte Land burchzittert. Das Buch— von einem der besten Kenner der österreichischen Politik geschrieben— enthält viele bisher unbekannte Einzelheiten über die Entwicklung der österreichischen Konterrevolution. Da Oesterreich weiter im Mittelpunkt des Welt- Interesses steht, kommt diesem Buch erhöhte Bedeutung zu. Für den Gesamtlnhalt verantwortlich: Johann P l tz tn Dud- weiter: sür Inserate: Otto Kuhn tn Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Volksstimme GmbH, Saarbrücken 8, Schützenstratze 5.— Schließfach 776 Saarbrücken. Die„Deutsche Freiheit" Einzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands rnufj man regelmäßig lesen Bestellschein Ich ersuche um regelmäßige Zusendung der„Deutschen Freiheit" Namei...—————— Slrafje:.... Ort:.......... ...... den Unterschrift Verlag der rr Deutschen Freiheit" Ssy br pc ktn 1 1 Sdiülzetiiirtii» j' P ostschliefdach^