.v v 9( m den&uc g- TlatianaCe£eg.ettde und Aistocische Hatsacfien Seite 3 Sinzigs unabhängige Tageszeitung Deutschlands Nr. 177— 2. Jahrgang Saarbrücken, Freitag, 3. August 1934 Chefredakteur: M. B r a u n BtidisprasMeiit Moli Hitler Die Vollendung der deutsdien Diktator zum üewaltapparat ood Kriegs Instrument- rurdit vor der Volksbefragung Berlin, 2. August(Eigener Bericht). DlOOlbCr^ fÜT UHICF Kurz nach 9 Uhr vormittags wurde der Tod des Reichspräsidenten von Hindenburg amtlich bekannt gegeben. Kurz darnach wurde über alle deutschen Sender das Staatsstreichgesetz verkündet, das in der Nachtsitzung des Reichskabinetts beschlossen worden ist: Die Reichsregierung hat folgendes Gesetz verabschiedet: § 1 Das Amt des Reichspräsidenten wird mit dem des Reichskanzlers vereinigt. Infolgedessen gehen die bisherigen Befugnisse des Reichs« Präsidenten auf den Führer und Reichskanzler Adolf Hitler über. Er bestimmt seinen Stellvertreter. § 2 Dieses Gesetz tritt mit Wirkung von dem Zeitpunkt des Ahlebens des Reichspräsidenten von Hindenburg in Kraft. Dieses Gesetz ist die Vollendung der tolalen deutschen Diktatur durch Adolf Hiller, wenn auch zur Stunde noch nicht klar sichtbar ist, welche Kräfte sich zur Durchsehung des neuen Staatsstreiches und zum Schuhe der Diktatur Hitler vereint haben. Dieses Gesetz proklamiert den Willen eines einzelnen Cannes zum einzigen Staalsgesetz. Hitler als neuer Reichspräsident überträgt sich selbst alle Befugnisie. Alle Arabesken, die man Schein halber aus der demokratischen Periode noch übernommen hat, werden ab- gestreift. Die letzte Milbestimmung des deutschen Volkes wird mit dem Tode Hindenburgs begraben. Wie es seit dem Beginn der Kanzlerschaft Hillers keine freien Wahlen mehr zu irgendeiner gesehgeben- den Körperschaft oder zu einer Gemeindevertretung gab. ist dem deutschen Volke nun auch das Recht zur Wahl des Reichspräsidenten durch Volksabstimmung genom- wen worden. Mit dem Beschluß des Reichskabinetts erledigen sich Kombinationen, die in der internationalen Preffe "och diesen Vormittag reichlich angestellt worden sind. Aichls mehr vom Prinzen Philipp von Hessen als Aeichsverweser, nichts mehr von General von Blomberg als Nachfolger Hindenburgs, nichts mehr von all den Fürsten und Generälen, die als Kandidaten für die Aeichspräsidenlschaft antraten. Ein Dutzend eidbrüchige Aeichsminister in Berlin, die um ihren Kopf bangen, er- böigen den Fall. Das Staatsstreichgeseh zeigt nicht die Kraft, sondern die Schwäche des Reichskabinetts, das nicht wagen bann. eine Volksbefragung über die Nachfolgeschaft Hindenburgs zu wagen. Hätte das Regime mit Adolf Hitler als Spitze die Autorität und die Sympathie im Aolke. die es behauptet, so würde es die Gelegenheit öenühl haben, um den Führer in einem großen Plebiszit Zum Reichspräsidenten proklamieren zu lassen. Auch das wäre zwar bei dem Mangel eines freien Versamm- bngsrechles und einer freien Presse und bei der Iln- Möglichkeit, Gegenkandidaten aufzustellen, ein großer Schwindel gewesen, aber immerhin hätte es den Schein Mitbestimmung des Volkes gewahrt. Wenn man noch vor demAbleben des Reichspräsidenten sich entschloß, die Nachfolge diktatorisch zu regeln, so deshalb, weil man fürchtete, daß schon die wenigen Stunden eines Vakuums mit den unvermeidlichen Intrigen um die Nachfolge große Gefahren in sich barg. Das Reichskabinett seh! den brutal diktatorischen Weg fort, der mit der Ernennung Hilters beschritten worden ist. Seit dem 30. Januar 1933 wird Deutschland durch eine ununterbrochene Kette von Verfassungs- und Gesehesbrüchen re- giert. Seil dem Zusammentritt des ersten Hitler- Reichstags, der durch eine verfassungsbrüchige Nieder- knüpplung jeder Opposition zustande gekommen war, hat die deutsche Gesetzgebung jede Legalität verlassen. Keines der seitdem beschlossenen Gesehe ist verfassungs- mäßig zustandegekommen. Die Ausschaltung der Volks- rechte bei der Neubesetzung der Reichspräsidenlenschaft wird der Welt deutlicher noch als alle bisherigen Vor- gänge beweisen, daß in Deutschland unver- anworllich und unkontrolliert gefähr- liche Persönlichkeilen und Kräfte Herr- schen, die sich rücksichtslos über alles Denken und Empfinden moderner Slaalsführung hinwegsehen. Adolf Hiller hat sich zum Herrn über alle Deutschen ausrufen lassen. Wie ihn die Well beurteilt, hat sie nach dem 30. Juni deutlich genug ausgesprochen. Mit blutiger Gewalt hat er sich seinen Weg zur Höhe gebahnt. Mit Gewalt und Blut wird er ihn behaupten— nach innen und nach außen. Europa sieht sich einem Deutschen Reich gegenüber, das von gefährlicheren Mächten beherrscht wird, als irgendein absolutistisches Regime in der neueren Ge- schichte. Dieses beunruhigte Europa wird weder glauben, daß durch den legal verkleideten Staatsstreich in Berlin die Lösung der inneren Spannungen Deutschlands her- beigeführt wird noch daß dadurch die europäischen Böl- ker die friedliche Lösung der außenpolitischen Probleme erwackn dürfen, dix sie ersehnen. Oer Erlaß an die Wehrmacht Berlin, 2. August. Der Reichswehrminister von Blomberg hat einen Er- last an die Wehrmacht gerichtet, dessen entscheidende Sätze lauten:. Generalfeldmarschall von Hindenburg, der oberste Befehls- haber der Wehrmacht im grasten Kriege, ist von uns gegangen. In tiefer Erschütterung stehen wir an seiner Bahre. Das Hcldenlebcn eines grasten Soldaten hat damit seinen Abschlust gesunden. Es war ein Leben treuester Pflichterfüllung, das stets nur ein Ziel kannte: Unermüdlichen Dienst an Volk und Baterland. Sein Beispiel befiehlt uns» am Baterland bis zum letzten Atemzug zu hängen und auch unsere Kraft und unser Leben weiter einzusetzen für das neue Deutschland. Seine Tore hat der Feldmarschall uns geöffnet und dadurch der Sehnsucht von Jahrhunderten deutscher Geschichte Erfüllung gegeben. Eingedenk dieser Heldengestalt schreiten wir den Weg in die deutsche Zukunft voller Vertrauen ans den Füh- rer des deutschen Reiches und Volkes Adolf Hitler. Dcrlin in Erwartung Berlin, 2. August.(Eig. Bericht.) Heule vor 20 Jahren war der erste Mobilmachungs- lag. Die Erinnerung an den Kriegsbeginn tritt aber in der Presse und in allen Gesprächen weil in den Hinter- grund gegenüber der Aufregung, die der Tod des greisen Reichspräsidenten verursacht. Bis diesen Morgen ver- suchte die offizielle Berichterstattung noch Hoffnungen auf das Wunder einer Genesung des alten Herrn zu erwecken, und einige nationalsozialistische Zeitungen be- richteten sogar, als beständen keine ernsten Sorgen um das Leben des Patienten in Neudeck. Die Krank- heitsberichle seil der letzten Nacht brachten aber der gesamten Bevölkerung zum Bewußtsein, daß das große politische Ereignis seines Todes unmittelbar bevorsteht. Die Stadt ist in einer Spannung wie seil vielen Iahren nicht. Während die letzten politischen Katastrophen die- ses Sommers am 30. Juni mit den Massenerschiehungen von Opponenten des Regimes und am 25. Juli mit dem Kanzlermord in Wien ganz überraschend kamen, blieb nun Zeit, sich auf große innerpolilische Sensationen vor- zubereilen, und man tut dies in privaten politischen Er- örlerungen reichlich. Zumal in den Ministerien des Reichs und Preußens, wo viele Beamte bei jedem Umschwung um ihre Existenz zittern, ist die Aufregung groß. Journalisten, die nach Ostpreußen geeilt sind, um wenigstens bis zum Herrenhaus in Neudeck vorzudringen, kamen unverrichteter Sache zurück, da alle Zugangswege in weitem Ilmkreis von Reichswehr abgesperrt sind. Es sind ähn- liche Borsichtsmaßnahmen getroffen wie beim Ableben des Kaisers Friedrich III., als der junge Kaiser aus Sorge um höfische Intrigen das Schloß mit seinem ster- benden Vater militärisch sichern lieh. Der Flug des Reichskanzlers nach Neudeck, und zwar in Begleitung des Staatssekretärs beim Reichspräsidenten, Meiß- hat großes Aussehen erregt. Man glaubt nicht. _ b299 Mann starken Belegschaft dieser Abteilung stimmten für die Razi- jin» Z,«-: T«nt später wurde ans der Bekanntmachuugs- tasel vermerkt, daß„mehr als SN Prozent" der Kollegen für die nationalsozialistische Liste gestimmt hätten. Die Liste sei also angenommen, Nnter diese Bekanntmach«»« schrieb ein Arbeiter:„2N2 SN Prozent— stimmt de,», das?" Neue Kürzung der Arbeitszeit Berlin 30. Juli.(Jnpreß.i DaS statistische Reichsamt macht das Eingeständnis, das, im Monat Juni„vielfach die Arbe tözeit gekürzt worden ist". Die Durchschnitts- arbeitSzen ging von 7.94 stunden im Monat Mai aus 7,43 Stunde» im Monat Juni zurück. Paris Hocmpanmmg Paris, 2. August. Die deutsche brös^dentschaftskrise beherrschend im Vorder* srund- Kombinationen der französischen Seitungen Nachfolge auf den Reichspräsidcntenstuhl akut ivcrde, werde man den Reichstag zu einer feierlichen Sitzung einberufen. Tie Regierung werde die Abänderung der Bestimmungen für die Wahl des Reichspräsidenten beantragen, der Hitler- reichstag werde natürlich zustimmen und Hitler bcvollmäch- tigen, selbst Hindenburgs Nachfolger zu bestimmen. Gallus meint im „Intransigeant" der 87jährige Hindenburg, der seit Monaten bereits körperlich recht schivach sei, habe nur noch dem Namen nach eine Rolle gespielt. Aber seine Gegenwart habe den Wert eines Sym bols gehabt. Wer werde ihn ersetzen? Wer werbe Prestige genug besitzen, um im Notsalle sich Hitlers unsinnigen Plänen zu widersetzen? Was werde Hitler selbst am Tage nach dem Tode des alten Soldaten beschließen? Der Reichspräsident, so sagt Gallus weiter, sei auch Chef der Reichswehr: diese aber sei nicht hitlerisch gesonnen. Sie sei sogar vor einigt Woche» recht aufsässig geivordcn. Um sie zu beruhigen, habe man die SA. beurlaubt und Röhm und den anderen SA.- Führern den Prozeß gemacht. Gerade jetzt trete die SA. wieder ihren Dienst an. Werde Hitler nun in seiner Hand die Führung der regulären und der irregulären Armee ver- einigen, ohne daß dagegen irgend ein Widerspruch laut werde? Die deutschen Wirren, so schließt der Leitartikel des„In- transigeant", sind nicht zu Ende, im Gegenteil, sie haben kaum begonnen. Der Berliner Sonderberichterstatter des„Jntransi- g c a» t" ist der Auffassung, daß es zu der von der Weimarer Verfassung vorgesehenen Wahl des Reichspräsidenten über- Haupt nicht kommen werde. Im Augenblick, wo die Frage der Das neueste Bei dem feierliche» Requiem ans Anlaß des Todes Dr. Dollsuß hat der Reichskanzler Herrn v. Pape» mit seiner Vertretung beaustragt. Wie die Reichobahndirektion Trier mitteilt, entgleiste ans der Strecke Trier Hermesteil am Mitlivochabcud die Loko- motive und der Packwagen eines Personenzuges. Bei dem Unfall wurde niemand verletzt. Die Untersuchung ergab, daß 0 inder ans dem Orte Kell am Nachmittag in einer Kurve schwere Steiue aus die Geleiic gelegt datt-m, dir der Lokomotivführer zu spät bemerkte An einer Stelle häuften sich die Steine derart, daß die Zugmaschine nnd der Packwagen aus den Geleisen sprangen. Die?>nsgleiinng wurde sofort in die Wege geleitet. Die Kinder, die den Zngnusall verur- sachten, sind 9— II Jahre alt. Am Dienstagabend ist die Gegend des Galibier-Passes in den französischen Alpen von einer Wasserhose heim- gesucht worden, die ungeheuren. aus viele Millionen gclckmtz- ten Schaden anrichtete. Ans einer Strecke von sechs Kilo- meiern wurden sämtliche Berkehrsverbindnnaen unter- krochen. Die Ortschaft Ballone ist besonders stark heimgesucht worden. Hier wurden zehn Gebäude vollständig zerstört und d'?i Brsi'»en sortg"rlss>n Zn d-n Re-eungsarbeit» worden Mannschaften eines in de- Näd? manövrierend--" Artister''«-- rcgim-ntS hinzugezogen. Menschenleben sind anscheinend nicht zu beklagen. Die französische Polizei hat den 3V Jahre alten Bergarbei- ter Naokas in Stiering-Wendcl oerhaftet, der früher Vorarbeiter>>--! den Grenzbefestigungen war. Er soll für Deutschland Spionage getrieben haben. Tokio. Die Sven-Hcdin-Erpedition ist in Urumtschi eingetroffen. Angefichts der zunehmende,! Unruhen ist in Renvork die Ausstellung eines Spezial-Polizeiregiments angeordnet worden, das rund 1209 Polizisten«msaffen wird und das bei etwaigen Unruhen eingesetzt werden soll. Wcrbi Jßr tiie..Itäufsdie rreiheil Eine Reminiszenz Man schreibt uns aus Berlin: In der Weimarer Verfassung war die Stellvertretung des Reichspräsidenten ursprünglich so geregelt, daß im Falle der Verhinderung des Reichspräsidenten zunächst der Reichskanzler sein Stellvertreter sein sollte. Bei voraussichtlich längerer Dauer der Verhinderung sollte der Reichstag durch ein Reichs^esetz die Vertretung regein. Als Ebert, der erste Reichspräsident, 1025 starb, ging deshalb das Amt des Stellvertreters zunächst auf den damaligen Reichskanzler D r. L u t h e r über. Von der Mitte und der Linken wurde befürchtet, daß Luther versuchen würde, die ihm zugefallene Machtsülle in reaktionärem Sinne auszunutzen. Aber Luther war klug O, darauf zu verzichten und es kam schnell eine Zndigung zustande, durch welche ein Reichsgesetz den damaligen Präsidenten des Reichsgerichts, D r. Simons, den früheren Reichsaußenminister, zum stellvertretenden Reichspräsidenten ernannte, der bis zur Wahl Hindenburgs zum Reichspräsidenten im Amte blieb. A's 1932 Hitler zweimal— im August und im November— von Hindenburg mit seinem Anspruch auf dle Kanzlerschaft abgewiesen worden war, ließen die Nationalsozialisten durch das Zentrum an die Sozialdemokratie den Gedanken heranbringen, gemäß Artikel 43 der Weimarer Verfassung im Reichstage den Antrag zu stellen, den Reichspräsidenten abzusetzen. Die erforderliche Zweidrittelmehrheit sollte aus den Sozialdemokraten, den Kommunisten und den Nationalsozialisten bestehen. Bei Annahme des Antrags hätte eine Volksabstimmung die endgültige Entscheidung über die Absetzung treffen müssen. Durch den Beschluß des Reichstages wäre der Reichspräsident.an der ferneren Ausübung des Amtes verhindert' gewesen. Die Sozialdemokratie lehnte das Ansinnen ab> das von den Nationalsozialisten gewünschte Chaos zu schaffen, aus dem sie als Netter Deutschlands zur Macht kommen wollten. In dieser Situation griffen die Nazis einen Gedanken auf, den die Mitte und die Linke früher geäußert hatten, zu dessen Verwirklichung ihnen aber die erforderliche Zweidrittelmehrheit fehlte. Sie wünschten die Verfassung dahingehend geändert, daß bei Verhinderung des Reichspräsidenten stets sofort der jeweilige Präsident des Reichsgerichts als Stellvertreter zu fungieren habe. Damals war v. Schleicher Reichskanzler und die Nationalsozialisten fürchteten, daß bei einem evcniuellen Ablegen des hochbetaaten Reichspräsidenten v. Sch'elcher automatisch.zunächst' Reichspräsident werden und dadurch die Reichswehr und die Konservativen alle Macht ans sich konzentrieren würden. Deshalb stellten die Nazis nun im Reichstage selber den Antrag, die Weimarer Verfassung dahin zu andern, daß der jeweilige Präsident des Reichsgerichts bei Verhinderung des Reichspräsidenten sofort als Stellvertreter zu fungieren habe. Das Gesetz wurde am 9. Dezember 1932 in 3. Lesung mit 404 gegen 127 deuischnationale und kommunistische Stimmen, also mit verfassungsändernder Mehrheit angenommen. Es tritt beim Ableben Hindenburgs sofort in Geltung. Stellvertretender Reichspräsident ist dann Herr B u m k e, der jetzige Präsident des Reichsgerichts. Heute wünscht Hitler vielleicht, daß der ursprüngliche Wortlaut der Verfassung, wonach ihm als Reichskanzler.zunächst' die Stellvertretung zufallen würde, noch in Kraft wäre. Er könnte dann das.zunächst' beliebig lange dauern lassen, ohne zu einer Handlung greifen zu müssen, die den von ihm ersehnten Zustand, R e i ch s n r ä s i d e n t und Reichskanzler jn einer Person zu sein, erst herbeiführen müßte,' dieser Zustand wäre dann automatisch eingetreten. Zetzt kann er ihn nur durch einen eklatanten Verfassungsbruch sofort wieder herstellen, wobei er nicht weiß, wie die Reichswehr, die Zunker und. die Großindustriellen daraus reagieren werden Man halte es für sehr gut möglich, daß Hitler der Form halber, um mit seiner Bescheidenheit Eindruck zu machen, irgend jemand als Präsidenten vorschlagen werde. Dan» aber ivcrde die gesamte Reichsregierung Einspruch erheben, um mit Unterstützung des NeichStagspräsidenten Göring den Führer davon zu überzeugen, daß nur er den Posten über- nehmen könne, der allein Ihm zukomme.- Diese Szene werde sich unter Heilrusen und allgemeiner Begeisterung abspielen nnd eine Wahl ersetzen, die an und für sich nur recht alltäglich wirken würbe. In Deutschland brauche man eben immer etwas, nm die Leute zu begei- stern. Und nach der Wahl? schließt der Bericht. Werde Hitler ein- verstanden sein,„R e i ch s f ü h r c r"— so heißt es, werde i" Zukunft sich der Reichspräsident nennen— zu sein und einen anderen mit der Kanzlerschaft zu betrauen? Nein. Hitler iverde die Funktionen des Kanzlers mit de- nen des Reichspräsidenten vereinen und silb durch eine» Vizekanzler, vielleicht Göring— für Goebbels beständen nur geringe Chancen— vertreten lassen. Schisse gegen ßlstiiof Bares? Ans Berlin wird berichtet, daß Bischof Dr. Bares plötzlich die Nejchshauptftadt verlasse,, und sich nach Süd- deutscht«!,» begeben hat. Seit längerer Zeit fühlte er sich von Nationalsozialisten verfolgt, die vor einigen Tagen einen ttcberfall ans ihn inszenierten. Nur durch das Dazwischqp- t»ctcn eines Geistliche» wurde das Attentat vereitelt»nd das Leben des Bischofs gerettet. Jedoch soll Bischof Bares leicht verwnndei worden sein, während der ihn verteidigende Geist- licho zwei Schüsse durch die Lunge davontrug. Auch die katholische„Neue Saar-Post" bestätigt die Mel- dnn« Atzerdinns keicn&'«■ Bemühungen, mit de» maßaeben- den Berliner Stelle« in Verbindung z», treten, erfolglos gc- blieben. Bischof Dr. Bares war der Unterhändler der Kirche bei ten jüngsten Berliner Besprechungen über die Anslegu»" des Konkordats. Obwohl er dem Nationcil'"iialismus keines- wegs grundsätzlich feindlich gegenliberstcht. hat er durch seine große Berliner Rede gegen das Neuheidentum eine Reib" von scharfen Angriffen ans sich gezogen. Er galt seither als einer der E'vonentcn der katholischen Opposition gegen das „dritte Reich". vle Srenrcn lest geschlossen! Lagen Schweizer Zeitungen Aus Berlin meldet die„Neue Züricher Zeitung": Tie„B a s I e r Nachrichten" sind, obwohl diese Zeitung nicht unter einem formellen Verbot stand, seit fünf Tagen'" Teutschland verschwunden. Die Ausgaben vom letzte" Donnerstag und Freitag verfielen schon an der Grenze der Beschlagnahmung. Die am Samstagmvrgcn gedruckte Tonntagausgabe wurde von vornherein von der Beförderung ausgeschlossen, so daß die Spedition der Zeitnngsballen f'* erübrigte. Auch die Montagausgabe ist bisher noch nicht e>"' getroffen. Nachdem das Interesse des Publikums in Deutsch' land sich in vermehrtem Maße der„T h u r g a u c r Ze>* t n n g" zugeivedente hat, widmet die deutsche Polizei a»ch diesem Blatt eine verstärkte Aufmerksamkeit. Heute erfolgt seine B e s ch l a g n a h m u n g in Berlin. Die„Thul' gaucr Zeitung" befand sich dabei in der illustren Geiellicha'^ des„T e m p S", der bei der gleichen Razzia an allen Bel' kaufsstellcn eingesammelt wurde. MchkllSmzz e in Spanien Die Regierung und die Sozialisten Madrid, 2. Aug. Der Vorsitzende der sozialistischen Partei- der ehemalige Minister Caballero, erklärte, die R e g> c' rungersindedieVerschörungen, um ihr Vorgehe'' gegen die marxistischen Organisationen zu rechtfertigen sich selbst an der Macht zu halten. Die Marxisten dächte" an keinen revolutionären Ausstand. Die sozialistischen Gewerkschaften erlassen einen Rufe"'' Darin wird behauptet, daß auch in den schlimmsten Zeit"" der Monarchie die Belange des arbeitenden Volkes niemals so schlecht vertreten gewesen seien, wie durch die sogenannt^ republikanischen Regierungen seit dem Herbst vorig^ Jahres. Fast ständig sei der Alarmzustand erklärt. Geg"" ein solches System des„weißen Terrors" hätten platonis«' Proteste keinen Zweck mehr. Die Arbeiterschaft müsse s" höchster Kraftanstrengung bereit sein, um damit das Au-'" nahmercgime zu beenden. Geschlossene Einheit sei deshal" empfohlen. Wo bleib! die lolcnlislc? Ein Dementi ohne Wirkung Die gleichgeschaltete Saardrücker„Landes-Zeitnng" demt"^ tiert die auch von der„Deutschen Freiheit" ttbernomme" Meldung von der Ermordung des greifen Banernsühre'' Dr. Heim. Sie behauptet, daß der Totgesagte lebe und st® bester Gesundheit erfreue. Teltsg,»erweise begnügt sich b" Blatt mit dieser Mitteilung zur Beschwichtigung seines kath"' lischen Gewissens. Es unterläßt die Frage nach der Totenlist-- aus der, von Dr. Klausener«nd Propst ganz abgesehen zaln reiche gute Katholiken ausgezählt werden müßten. Ei«r^ lebt— wieviele sind gemordet worden?^, scheint, daß eS die Pflicht eines sich katholisch nennende" Blattes wäre, mit den Rufen und mit den Fragen nic>l' auszuhören. Darum nehmen wir sie wieder auf. Wann wird das dentis Volk erfahren, welche Männer und Frauen den Mordbefe?^ leu der„Fülltet" zum Opfer sielen?„ -L - Hintienbiirg Vo»®a 0 1 dem Reichspräsidenten und GeneralfeldmarschaN P a ul von Hindenburg und Beneckendorff Ichlietzt ein Mann die Augen, dessen nationale Legende Nch in der deutschen Geschichte nur mit Figuren wie Karl ^©tofee, Kaiser Barbarossa, Friedrich der Große, Wilhelm I. und Bismarck vergleichen läßt. Die Untersuchung seines geschichtlichen Werdens lehrt uns. wie verhältnismäßig gering die persönlichen Leistungen eines Menschen sein können, um ihm den Nachruhm eines Großen zu sichern. Wäre der pensionierte General von Hindenburg im Juli 1914, 67jährig, gestorben, so würde sein Name nur in einigen Offizierskasinos und Regiments- und Korpsgeschichten für einige Jahre fort- gelebt haben. Nichts kündet bis an die Schwelle des Greisenalters hervorragende militärische Leistungen Hindenburgs. Keiner seiner Kameraden und keiner seiner hohen Vorgesetzten sah in ihm einen General über oen Durchschnitt, einen Strategen, einen Heerführer. In den Tagen der Mobilmachung dachte niemand in der Obersten Heeresleitung daran, dem alten General in Hannover irgendein Kommando, und wäre es nur in der Etappe oder in der Heimat, zu übertragen. Der Aller- höchste Kriegsherr und seine nächsten Berater erinnerten sich des verabschiedeten Korpskommandeurs erst, als die Russen tief in Ostpreußen eingedrungen waren und schwierige militärische Operationen, verbunden mit schick- ,alsichwerer Schwächung der Westfront durch die Ent- sendung mehrerer Armeekorps in den Osten, notwendig wurden. Tie strategische Führung des militärisch und für die Widerstandsmoral im Volke enorm wichtigen Gegenstoßes lm Osten wurde dem eben erst zum General beförderten Erich Ludendorff übertragen. Dieser energische und von einem großen Ehrgeiz beseelte Mann hatte sich schon in den ersten Kriegstagen bei dem Handstreich auf die belgische Festung Lüttich ausgezeichnet. Ihm traute man den stählernen Fleiß, die harten Nerven und die rasch planenden Entschlüsse für die gewaltigen Schlachten in Ostpreußen zu. Seine militärische Charge und seine verhältnismäßige Jugend ließen aber seine Ernennung zum Heerführer nicht zu. Auch sein Charakter nicht. Man suchte für ihn einen gereiften General, der in seiner Persönlichkeit die Gewähr dafür bot, daß er mit dem unruhigen und höchst unbe- quemen Ludendorff ohne nennenswerte Reibungen arbeiten konnte. So oerfiel man auf Hindenburg. Sein Charakter und nicht seine militärische Bedeutung entschied die Berufung. Für die nun beginnende weltgeschichtliche Arbeit Hindenburgs ist dieses Vertrauen in die Beständigkeit, ja in die Schwer- fälligkeit seines Charakters, diese Abneigung gegen Ex- perimentieren, das altkonservative Denken und Handeln entscheidend. ♦ Wie General Helmut von Moltke noch am Morgen des 3. Juli 1866 ein in Preußen kaum genannter und außer- halb der Landesgrenzen ganz unbekannter Mann war, am Abend jedoch als Sieger von Königgrätz seinen Weltruhm gesichert hatte, so ist Hindenburg Ende August 1914 durch den einen Heeresbericht über den Sieg von Tannenberg für immer in die Ruhmeshalle der großen Feldherren eingetreten. Für das deutsche Volk war er von dieser Stunde an der Befreier Ostpreußens. Zum ersten Male der Retter des Reichs. Von seinem Stabschef Ludendorff wußten damals nicht viele. Er stand unbeachtet in dem mächtigen Schatten Hindenburgs und. trat erst in den nächsten Iahren mehr in den Vordergrund, als in der langen Dauer des schweren Krieges große politische Ent- scheidungen drängend wurden. Die schwachen Figuren des Kaisers und seines Sohnes verblaßten in den Wettern des Weltkrieges rasch. Die Spitzen der Monarchie hatten lange vor dem 9. November 1918 in Volk und Heer die Autorität verloren. Die Marneschlaäst stürzte den Generalstabschef von Moltke, den kleinen Neffen des großen Oheim. Kein deutscher Heerfüh.er konnte in den langen Stellungskämpfen und in den gigantischen Bewegungsschlachten den großen Namen streitig machen, den Hindenburg bei Tannenberg gewonnen und in den masurischen Winterschlachten be- festigt hatte. So wurde er, als der Krieg immer mehr zu einem militärischen und wirtschaftlichen Weltgericht gegen das deutsche Reich emporwuchs, schließlich zum Oberbe- fehlshaber über alle Riesenheere an sämtlichen deutschen Fronten ernannt und General Ludendorff wurde sein Generalquartiermeister. Hindenburgs über- ragende militärische Position blieb auch unangetastet, als im Oktober 1918 Erich Ludendorff unter der Wucht der militmischen Zusammenbrüche an fast allen Fronten und unter dem Mißtrauen des neuen ersten parlamentarischen Reichskabinetts gestürzt wurde. Sein Nachfolger wurde General Gröner. Er durchlebte mit Hindenburg die Novembertage 1918. Er wurde aktiv, als die Frage der Abdankung des Kaisers unter dem Drängen des Reichs- Kanzlers PrinzMaxvonBaden im großen Haupt- quartier zur Entscheidung stand. Von ihm stammt das Wort:„Majestät, in solcher Situation ist der Fahneneid eine Fiktion." Eine Wahrheit, die ihm die Monarchisten und ihre Generale nie verziehen haben. Hindenburg blieb passiv, wie im Grunde stets in seinem Leben. Er stand auf seinem Posten und harrte aus. Still wäre er beiseite getreten, wenn der Reichskanzler und Volksbeauftragte Friedrich Ebert es befohlen hotte. Die neue Regierung wünschte aber sein Bleiben. Sie wollte die ungeheuren Schwierigkeiten im Innern und die drohende Zersetzung im Heere, die in der Etappe schon bis zu Auflösungserscheinungen gediehen war. sie wollte die unabsehbaren Ausgaben des Rücktransportes der Massenheere in rasch aufeinanderfolgenden Terminen, die durch den Wassenstillstand vorgeschrieben waren, nicht noch mehr komplizieren. So liquidierte Hindenburg mit seiner Autorität organisatorisch das große und großartige deutiche Volksheer des Weltkrieges. * Der historische Fehler jener Tage lag weniger tn vem Belassen Hindenburgs auf seinem militärischen Führer- posten in Spa, als in der heute unbegreiflich erscheinen- den Tatsache, daß man nicht den Wasfenstill- st and, der einer Kapitulation nahekam, mit dem Namen des F e l d m a r s ch a l l s ver- bunden hat. Erzberger ging seinen Opfer- und Todesweg zu General Foch in den Wald von Compiögne. Er und Ebert und Scheidemann waren von nun an die Dolchstößler, die landesverräterisch dem im Felde unbesiegten grauen Heere den Siegeskranz entrissen hatten, der nach der nationalsozialistischen demagogischen Lüge zum Greifen nahe war. Generalfeldmarschall von Hindenburg hatte dem mit den Waffenstillstandsoerhandlungen beauftragten Reichstagsabgeordneten Erzberger ausdrücklich und un- zweideutig und urkundlich kundgetan, daß der Waffen- stillstand unbedingt sofort abgeschlossen werden müsse, auch wenn der französische Generalismus keinerlei Er- leichterungen zugestehe. So von der militärischen Spitze gedrängt, unterschrieb Matthias Erzberger das furchtbare Dokument. Daß Generalfeldmarschast von Hindenburg später vor dem Untersuchungsausschuß des Reichstags dennoch sich den Dolchstoßschwindel zu eigen machte, ließ zum ersten Male erkennen, wie stark er gewissen mili- tärischen und gesellschaftlichen Einflüssen zugänglich war, und wie sehr er dann bewußt oder unbewußt die klare Wahrheit verbog. Nach der Auflösung der großen Heeresmassen schied General von Hindenburg aus dem Reichsdienst aus. Wie einst als verabschiedeter General zog er sich wieder in seine Häuslichkeit zu Hannover zurück. Anders als der unruhige Ludendorff, dessen unbefriedigter Ehrgeiz die Entmachtung nie verwinden konnte. An den gegenrevo- lutionären Treibereien gegen die Republik, die im März 1926 in dem verunglückten Kapp-Putsch gipfelten, war Ludendorff immer wieder beteiligt. Er sollte auch die „nationale Armee" kommandieren, die Adolf Hitler schaffen wollte, als er am 8. November 1923 vom Bürger- bräukeller zu München aus seinen Adlerflug zur Be- freiung der deutschen Nation antreten wollte. Erst von da ab versank Ludendorff ganz in lächerliche, an Narretei grenzende völkische Spielereien. Die Schwerfälligkeit und die innere Ausgeglichenheit Hindenburgs, der sich mit seinem von ihm nie erwarteten und wahrscheinlich auch nicht ersehnten Weltruhm als Heerführer saturiert fühlte, auch wenn seine militärische Laufbahn mit der größten Niederlage aller Zeiten geendet hatte, bewahrte ihn vor politischen Strebereien. Er blieb in Hannover und wartete, im Grunde derselbe wie in den Vorkriegsjahren. auf nichts. Man darf glauben, daß seine Wünsche nur auf ein friedliches Alter gerichtet waren. * Da starb Friedrich Ebert, von den nationalisti- schen Verleumdern in den Tod gehetzt. Die Macht der herrschenden feudalen und kapitalistischen Schichten der Wirtschaft, die durch die politische Umwälzung von 1918 nicht gebrochen worden war. hatte sich inzwischen wieder so erweitert, daß sie den sozialistischen Volksmassen die Reichspräsidentschaft mit Erfolg streitig machen Konuten- Dies um so mehr, als die Zerklüftung der sozialistischen Arbeiterklasse in Sozialdemokraten und Kommunisten sich vertieft hatte. Beide Parteien konnten sich zu keiner politischen Aktion zusammenfinden. Jetzt nicht in der überparteilichen Präsidentschaftswahl und auch später nicht. Der republikanische Sammelkandidat, Wilhelm M a r x, ein biderer Zentrumsmann, ohne großes Format und ohne alle Eigenschaften, an denen sich die Phantasie des Volkes hätte entzücken können, stand gegen den nicht minder unbedeutenden Duisburger Oberbürgermeister und Reichsminister des Innern, Dr. I a r r e s. Der kommu- nistische Sonderkandidat, Ernst T h ä l m a n n, machte den Sieg des Republikaners Wilhelm Max im ersten Wahlgang unmöglich. Hingegen wäre Wilhelm Marx im zweiten Wahlgang Reichspräsident geworden, wenn nicht Iarres zum Verzicht bewogen und an seine Stelle Gene- ralfeldmarschall von Hindenburg zum Kandidaten ausge- rufen worden wäre. Nach einem kurzen, erbitterten Ringen siegte er mit knapper Mehrheit über seinen zivilistischen republikanischen Gegner. Das war im Jahre 1925. Als er in einem feierlichen Staatsakte im Reichstage vor der Volksvertretung auf das schwarz-rot-goldene Reichsbanner in die Hand des sozialdemokratischen Reichs- tagspräfidenten Paul Löbe den Eid auf die Verfassung der Republik leistete, gingen starke Zweifel durch das Parlament, ob der alte Soldat, der drei preußischen Königen fast sechs Jahrzehnte gedient hatte, dem republikanischen Staate den Schwur halten werde. Die Hoffnungen der Gegenrevolution wurden mächtig geweckt. Die Sorgen der Republikaner wuchsen. Indes war der Reichspräsident von Hindenburg mehr als ein halbes Jahrzehnt eine einzige Enttäuschung für die deutschnationalen Monarchisten, hinter denen, nur erst schwach und wenig beachtet, die völkischen Gruppen um die Nationalsozialisten sich erhoben. Der Generalfeld- Marschall als Reichspräsident, der aus seiner Monarchist!- schen Ueberzeugung und aus seinem inneren Treueverhält- nis zum preußischen Königtum nie ein Hehl gemacht hat, übte sein Amt streng verfassungsmäßig, mehr und mehr sogar mit einer gewissen persönlicken Wärme für das Staatswesen aus, zu dessen Führung er in so hohem Alter gerufen worden war. Er arbeitete loyal mit Polstikern wie Stresemann, Otto Braun, Her- mann Müller und Paul Löbe zusammen. Es ist nicht zu leugnen, daß der im Grund unpolitische alte Mann seinen Gesichtskreis noch zu erweitern verstand und mehr als einmal selbständige Entscheidungen traf. Mehr noch als innenpolitisch trat er außenpolitisch in Gegensatz zu den nationalistischen Kräften, die ihn gewählt hatten. Die Dawes- und Aoung-Gesetze, die Locarno- und Kellogg- Pakte tragen seine Unterschrift. Er geriet in eine Linie mit den schlappen Pazifisten und verruchten Landesver- rätern. Politische Gassenbuben wie Dr. Goebbels be- schimpften ihn öffentlich. Er schwieg und arbeitete und harrte auf seinem Posten aus wie stets. Diese wichtige geschichtliche Periode von Stresemann bis Hermann Müller darf nicht übersehen werden, wenn man den Entschluß der republikanischen Parteien ver- stehen will, die im Frühling 1932 in einer letzten gemein- samen Front sich auf die Wiederwahl Hindenburgs einten, um wenigstens in der höchsten Spitze des Reichs und im Kommando der Wehrmacht eine Persönlichkeit zu wissen, die damals im schroffen sachlichen und persönlichen Gegen- satz zu den verbrecherischen Naturen in der Führung des Nationalsozialismus stand. Der 85jährige wurde zum zweiten Male Reichspräsident. Die republikanische Parole für den uralten kaiserlichen Feldmarschall des Weltkrieges war das sichtbarste Zeichen der inneren Schwäche des deutschen Republikanismus und seiner Ab- lehnung durch gewaltige Teile der Nation. Der Reichs- Präsidentschaftskandidat Adolf Hitler erhielt Stimmen- zahlen, die in das Phantastische stiegen und die natio- nalsozialistische Hochflut zu einer unmittelbaren Staats- gefohr machten. Die zweite Reichspräsidentschaft Hindenburgs zeigt auch bei rückhaltendem Urteil keinerlei große Linien mehr. Der alte Mann wurde von politischen und militärischen und gesellschaftlichen In- trigen hin und her gerissen. Der schwankende Charakter von Popens, zusammen mit bornierten, um ihren Be- sitz sich sorgenden, auf Subventionen lauernden östlichen Gutsbesitzern regierte ein Jahr lang den Reichspräsi- denten. Das unwürdige Hin und Her des Jahres 1932, die unkluge Trennung von allen lebendigen Massen- Kräften, die Kette von Rechtsbrllchen. die Zermürbung der beschworenen Reichsverfassung, die abenteuerlichen, die unverantwortlichen Schiebungen hinter den Kulissen entwickelten sich, die schließlich zu dem Hassardeurstreich der Berufung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 36. Januar 1933 führten. MitoerlogenemPathos, mitFackelzügen. mitdemtheatra- tischen Staatsakt von Potsdam wurde diese letzte Aera der Reichspräsidentschaft Hindenburg begannen. Er stirbt nun in Tagen, die den politischen, wirtschaftlichen und morali- schen Zusammenbruch eines Systems aus Meineid und Terror und Raub und Mord aller Welt zeigen. Die per- sönliche Schuld des Mannes an diesem rapiaden Verfall Deutschlands zu untersuchen, ist hier nicht der Ort. Wir schätzen sie nicht zu hoch ein. Seine Passivität, seine geistige Unbeholfenheit und seine auch moralische Primi- tivität haben wohl seit langem den Wirbel und die um- wälzenden Wirkungen der Vielfalt von großen Ereig- nissen nicht mehr überschauen können. Als der vielgeschmähte Friedrich Eberl an einem Märzabend des Jahres 1925 als Leichnam aus dem Palais des Reichspräsidenten getragen wurde, waren er und seine Familie so arm wie an dem Tage im Jahre 1919, der den sozialdemotzratischen Abgeordneten und Parteiführer zum .Staatsoberhaupt gemacht hatte. Neben ein paar be- scheidenen Möbelstücken war es das geistige Rüstzeug des Autodidakten, das die Hinterlassenschaft geblieben war: eine kluge und vornehm ausgewählte Vücherei. Die nationale Legende verschweigt die Uneigennützig- keit des idealistischen Marxisten Friedrich Ebert, den sie politischen Kindern aller Altersstufen als einen gering- wertigen, egoistisch-materialistisch denkenden und handelnden Emporkömmling hinstellt. Dieselbe nationale Legende verschweigt natürlich auch, daß der nun ver- storbene Reichspräsident und seine Familie keineswegs von der vorbildlichen Katonischen Strenge des Sozialdemokraten Friedrich Ebert.in Fragen der persönlichen Bereicherung waren. Dotationen an Minister und Generale sind in Preußen nicht selten gewesen. Es ist aber ein einzigartiger Vor- gang, der mit altpreußischen Begriffen nicht zu verein- baren ist, daß der Generalfeldmarschall und Reichspräsi- dent sich aus Summen, die von hochkapitalistischen Schichten gesammelt worden waren, ein Rittergut und später noch eine große Erweiterung dieses Besitzes schenken ließ. Noch weniger korrekt war die sofortige Ueberschreibung an seinen Sohn Oskar von Hindenburg, nur zu dem Zwecke, um dem Staat die Erbschaftssteuer bei dem, Ableben des Reichspräsidenten vorzuenthalten. Das war eine Vorsicht in steuerlichen Dingen, die selbst die notorische Steuerscheu des Altreichskanzlers Fürst von Bismarck weit hinter sich ließ. Die patriotischen Kinder- fibeln, zu denen seit jeher auch alle kapitalistischen und christlichen Zeitungen gehören, werden freilich solche Tat- fachen niemals zur allgemeinen Kenntnis bringen. Dem Volke muß der Glaube an Halbgötter, die nur durch Ge- schichtslügen möglich find, erhalten werden. Hindenburg erhielt das Familiengut Neudeck geschenkt, damit er bodenständig immer wieder im Kreise der härtesten und zuverlässigsten Stützen aller Reaktion, der adligen Grundbesitzer, sich erholen könne. Im Herren- hause zu Neudeck sind die politischen Intrigen zum Ziele gesuhlt woxdeNj die den Reichspräsidenten von Hinden- fctitfi mehr und' mehr und endgültig von allen republikanischen Schichten trennten. Als„Agrarbolschewist" wurde Reichskanzler Brüning vrn den Agrarjunkern gestützt. Weil er das Bekanntwerden des Osthilfeskandals müden riesenhaften Subventionen, diesen Korruptions- gsldern an Hindenburgs nächste Freude, nicht verhindert hat, mutzte General von Schleicher nach wenigen Wochen Kanzlerschaft aus der Wilhelmstraße weichen. Datz Hindenburg aus eigener Tradition und unter dem Druck seiner Umgebung das Schicksal des Reichs in schwersten Tagen mit den Besitzinteressen geschichtlich überlebter Herrenschichten verbunden hat, ist Schuld für ihn und Tragik für die Nation. In einer nahen Zukunft wird sich dieser grobe Fehler furchtbar rächen. * Hindenburg! Welch ein Leben, das fast ein Jahr- hundert umfaßt: von den Tagen des Vormärz, über die Revolution von 1848, über die Reaktionsperiode, über den Hochflug des Hohenzollernars von Königgrätz bis zum Niedersinken der Monarchie im Herbst 1918, von den Anfängen sozialistischer Arbeiterkämpfe bis zu sozialisti- schen Massentriumphen in der Republik, vom Sieges- glänze des Kaiserreichs im Spiegelsaal zu Versailles bis zur Kapitulation von Versailles und zu den Tiefen natio- , naler Ohnmacht unter faschistischem Abenteurertum. So ging der königlich preußische Leutnant von Hinden- bürg seinen Weg bis zum Feldmarschall und zum Reichs- Präsidenten. Sein Name wird lange in der Weltgeschichte fortleben. Seine Taten wird die kritische Historie nur gering bewerten. Er wurzelte in vergangenen Zeiten und ivar bis zuletzt ein Schildhalter für den Schutz von Vor- rechten, die zum Untergang verurteilt sind. Der Tod ruft den uralten Soldaten ab. Die Reichs- führung verwaist. Die militärischen Ehrensalven donnern über Hindenburgs Grab als den Abschluß einer Epoche deutscher Geschichte. Deutschlands Riesentragödie steht vor neuen dramati- schen Akten. Die Reichskrise ruft nach Männern und nach Taten.. 1 3 SA-Maiin Kruse Ist das alles? Wir haben lange auf ein amtliches Dementi zu dem Brief deö SA.- Mannes Kruse:„Ein Reichötagsbrandstifter stellt sich vor" gewartet. Wir hörten nicht das mindeste. Keine reichsdeutsche Zeitung hat ein Wort dazu gesagt. Jetzt wird das Schweigen zum ersten Male durchbrochen. Es ist die„Deutsche Front", das Blatt der Nazis und Gleich- geschalteten des Saargebiets. Das Blatt schreibt: „Enthüllungen über den Reichstagsbrand: ein Brand- stister meldet sich..." usw. das ist die neueste Sensation der separatistischen Asphaltprelle an der Saar. Wer»st der geheimnisvolle Flüchtling? Am 17. Julr soll er in der Schweiz gelandet sein. Wie kommt es aber dann, daß eingeweihte Lintskreise sich schon am 16. Juli von den kommenden„Enthüllungen" über Röhms Brand- ftisterrolle unterhalten konnten, von denen ihnen doch da- mals noch nichts bekannt sein konnte. Wir können mit Na- men und Ort dienen, wenn es gcwünscht wird? Das steht denn doch vcrdächtignachbe st ellter Arbeit aus. Damit dürste die Mär von dem unbekannten Emigranten der SA. ihre restlose Erledigung gesunden haben. Auf eine solche belanglose Antwort waren wir, es sei offen gestanden, nicht gefaßt. Wir hatten geglaubt, baß die bewährte Dementiermaschinerie in Gang gesetzt werden würde, schon darum, weil der Brief Kruses an den Reichs- Präsidenten eine Wirkung gehabt hat. die uns selbst über- rascht. Unsere Sondernummer, die den Blies enthielt, mußte schon wiederholt nachgedruckt werden. Wir fordern die„Deutsche Front" aus, uns sofort „Name und Ort" z u n e n n e n. Unsererseits stellen wir fest, daß uns der Brief Kruses mit der Bitte um Abdruck am 1#. August, mit der zweiten Post gegen in Uhr morgens zugestellt wurde. Der Briefumschlag trug den Stempel„Zürich, 17. Angust". Die Hilflosigkeit der„Deutschen Front" ist eine neue Bestätigung für die Echtheit des Briefes und die Wahr- heitstreue Kruses. t Auwi sdireibf Drleie h. b. Der Bann 84 der Hitlerjugend veranstaltet Ende August in Wilster einen Aufmarsch und hatte den Hohen- zollernsproß Auwi gebeten, das Protektorat über diese Veranstaltung zu übernehmen. Auwi hat nun zwar leider keine Zeit, da er in Ferien gehen muß, um seine von den Besorgnissen der letzten Wochen angegriffenen Nerven wieder in Ordnung zu bringen, aber er hat die Gelegen- heit benutzt, sich einmal recht dick bei den Hitlerjungen an- zuschmieren. Der Brief, in dem er das tat, lautet so: „Potsdam, Sanssouci, Villa Liegnitz, 7. 7. 34. Lieber Kam. und Pg. Hunsfcldt! Ihre im Namen der dortigen HJ. ausgesprochene Bitte zur Uebernahme des Protektorats am 2kl. August hat mich gerade nach den letzten Geschehnissen besonders gefreut. jWieso. waren Königliche Hoheit eliva doch nicht ganz echt. D. Rcd.l Zeigt sie mir doch, daß Ihr, genau so wenig wie unser Führer, an meiner Treue zu ihm gezweifelt habt. Da ich aber Mitte des Monats au! Urlaub fahre und voraussichtlich noch einen Teil des Monats August sort bin, kann ich noch gar nicht - übersehen, wo ich dann sein werde.»' weis auf den Aushang und durch Zirkulation der Bestell- Liste von Hand zu Hand, damit ein Erfolg ermöglicht wird. Die Bestellkarte wollen Sie ausgefüllt einsenden. Heil Hitlerl Thermomcterfabrikation Wilhelm Lindenlaub Gerabcrg i. Thlir. Mitglied der deutschen Arbeitsfront. Die gestohlenen ürbeilergrosdien Leu muß die Kassensdiiiissel heransriidien Niller selbst will an die Kasse Das Vermögen der Arbeitsfront ihm unterstellt Die großkapitalistische Diktatur hat durch Hitler einen Schlag gegen die„Arbeitsfront" führen lassen, der die letzten Illusionen zerstört. Alle Funktionen, die eine Vertretung von Arbeiterintercssen, wenn auch in beschränktester Form, er- möglicht hätten, sind der Arbeitsfront bereits genommen worden. Jetzt wird ihr auch die Verfügung über die Mit- gltebsbeiträge und die Kapitalien der Arbeitsfront entzogen. Dr. Leu pfeift aus dem letzten Loche. An Macht und Einfluß ist ihm nichts geblieben— jetzt geht es an die finanzielle Grundlage seiner parasitären Existenz! Das Vermögen der deutschen Gewerkschaften war«in großes sozialpolitisches Zweckvermögen, das von den Ge- wühlten der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter autonom verwaltet wurde. Es diente der Aufrcchterhaltung und Bcr- teidigung des kulturellen Standes der Arbeiterschaft, es wurde für Kampf und Unterstützungszwecke verwendet. Auf diesem Vermögen beruhte der materielle Aufstieg der beut- scheu Arbeiterschaft! Die gewerkschaftlich organisierten Arvcl- ter hatten kraft der demokratischen Verfassung der Gcwerk- schastcn darüber ein Mitbestimmungsrecht. Dies sozialpolitische Zwcckvcrmögen ist am 2. Mai 1033 gestohlen worden. Es siel in die Hand der Arbeitsfront. Nun wurde es ein Zweckvcrmögen gegen die Arbeiter. Die Beiträge wurden nach wie vor eingetrieben—, aber die Aus- zahlungen eingestellt! Eine gewaltige, bei der ehemaligen Arbetterbank zentralisierte Kapitalmacht wuchs heran, auf deren Grundlage die Bonzen der Arbeitsfront ihre parasitäre Existenz ausbauten. Eine riesenhafte Korruption wurde ge- züchtet, gegen die alle Hitlerenthttllungen über die»orrup- Hitlers Bauernpolitik Berlin, 20. Juli. Für das kommende Jahr ist als Festpreis für Futtcrgerstc und Hafer ein Erzeuger-VerkausSpreis von 150 Mk. pro Tonne offiziell festgelegt worden. Dageaen müssen die Bauern für Futtermittel alter Ernte aus den Märkten heute selbst 200 Mk. pro Tonne bezahlen,'- tion in der TA. ein Kinderspiel sind- DaS korrupteste Subsekt unter diesen Parasiten ist der Ley. Noch 1032 war dieser Mann vollkommen vermögenslos und bankrott— heute kann er die Tiergartenvilla eines Großindustriellen für 1800 00» Reichsmark kaufen!(Eine Million scchöhunderttausend Reichsmark.) Aber— d« glaubst zu stehlen und wirst bestohlen! Da? gc- samte Vermögen der Arbeitsfront einschließlich der Vers»- gungsgcivalt über die„Bank der deutschen Arbeiter", die rund 700 Millionen Mark Kapitalien verwaltet, ist dein Reichsschatzamt der nationalsozialistischen Partei unterstellt worden. Damit ist der Diebstahl vollendet! Die Beiträge der Arbeitsfront sind fortan reine Parteibeiträge für öd? NSDAP., die letzte Fiktion, daß das Zweckvcrmögen dcb deutschen Arbeiter erhalten werde, ist gefallen. Auch soru^» ist nun völlig klargestellt, daß die Arbeitergroschen ist* 9? braunen Diktatoren geraubt worden sind! Die letzte B»" sügungsgewall über das beim Reichöschatzamt der NSDA'jl zentralisierte Vermögen besitzt Hitler. Seine politische Macht zerbröckelt— aber seine Finanzmacht wird gestärkt. Das Großkapital braucht ihn nicht mehr zu finanzieren— er finanziert sich selbst durch den Raub der Gewerkschaftsgcldek. Dieser Diebstahl ist die Ouvertüre zu dem neuen Schlag der Unternehmer gegen die Arbeiter, zu Kurzarbeit und Lohndruck. Das ist die wahre Volksgemeinschaft, und das samose„Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit" erhält jetzt erst seinen richtigen Sinn. An Händen und Füßen g^' fesselt, sind die Arbeiter den Unternehmern ausgeliefert—* und sie müssen obendrein noch Tribute für die FinanzierunO der Kapitalsdiktatur zahlen! Die Katastrophe des Außenhandels Berlin, 30. Juli. sJnpreß.) Die deutsche Ausfuhr nach Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland, Estland. Lettland und Litauen, die im Jahre 1029»och 1363 Millionen Mark betrug, fiel im Jahre 1033 auf 307 Millionen Mark: die Einfuhr aus diesen Ländern ist in der gleichen Zeit von auf 342 Millionen Mark zurückgegangen. Butlers flMe ifl Oesterreich Eine Nazi Minlstcrlisfe- Die Dokumente des Hofelsekretärs «.Habineff Rinlelen" W i e n, 1. Ana. Bei Durchsuchung der Wohnung von Dr. Rintelen in einem Wiener Hotel ist von der Polizei eine voll- ständige Liste des Kabinetts Rintelen beschlagnahmt worden, welches nach dem Putsch das Ministerium Dollsuß ablösen wllte. Die Ministerliste lautet: Kauzler: Dr. Rintelen? Vizekanzler: Theo Habicht, ehemaliger Inspekteur der nationalsozialistischen Partei Oesterreichs? Auswärtiges: Professor Hugelmann? Krieg: General Wagner? Sicherheitswesen: Dr. Brandl, früher Wiener Polizeipräsi- °cnt? Unterricht: Professor Gleispach? Propaganda: jvtaueitfclb, früher Razigauleiter von Wien? Handel: Dr. A p o l d, Generaldirektor der Alpinen Montan-Gescll- schaft? Soziale Fürsorge: N c« b a ch e r, Präsident der deutsch- österreichischen Bereinigung für den Anschlug. 4- In ganz Oesterreich betrachtet man die Tatsache, dah die beiden letzteren in Deutschland unter Hitler arbeitenden österreichischen Führer als Minister ausersehcn waren» für eine starke Kompromittierung Hitlerdeutschlands. In der Tat hat Hitlerdeutschland diesen beiden Männern, Habicht «nd Frauenscld, den gesamten Propagandaapparat zur Ber- Nlgnng gestellt und ihnen in den österreichischen Legionen eine bewaffnete Macht an die Hand gegeben. »Ifofeisekretär Nee! Wien, 1. August. Der Bundesminister für Heimatdienst Abaw. machte im Auftrag der Bundesregierung im Rund- f nk die Mitteilung, die österreichische Behörde besitze ein f"ofument. das einen geschlossenen Tchutdbeweis I efcrc und damit der vom Berliner Nachrichtendienst und i:r reichödeutschen Presse hartnäckig vertretenen Auffassung * itgegentritt, wonach der Putsch ein: rein innerösterrcichische k ngelegenheit gewesen sei und dag keinerlei Fäden über die H rcnze führten. ! Die Mitteilung des Bundeskommissars lautet: »In der Nacht vom Mittwoch auf den Donnerstag de? Karwoche, also wenige Stunden nach der Ermordung des «»undeskanzlers, wurde am Ausgang des obcrostcrreichischen kDvrfes Kollerschlag ein Unbekannter augehalten, der sich.als Hotelsekretär Franz Herl aus Müuche,, t legitimierte. In seinem reichsdeutschen Paß, der die Nummer <474 trägt, befand sich ein gebührenfreies Dauervisum zur Ausreise nach Oesterreich. Bei der Leibesvisitation fand man t chrere Tokumentc. Unter dem Hemd trug er halbchiffrierte Depeschen, die noch nicht ganz entziffert sind. Eine davon lautete beispielsweise:„Rintelen... Kanzler. Rintelen ver- handelt... Neue Besteckmuster unterwegs... kommt nicht wehr in Frage." In den Schuhen des Verhafteten fand die Polizei. Aufzeichnungen mit genauen Verhaltungsmaßregeln sür die Nationalsozialisten in Oesterreich im Falle des Stur- Ses der Regierung Tollfuß. Aus den Dokumenten geht her- vor, daß auf das Stichwort„Sommersell" zunächst ein u n- bewaffneter Ausstand erfolgen sollte, der im Falle eines Widerstandes der Staatsgewalt in eine b e w a f f n e t e Erhebung übergehen sollte. Das Stichwort für diesen zweiten Fall lautete:„Preisschießen mit italienischer Nacht." Das Wort„Sommersest" wurde übrigens im Lause der Woche ruehrmals von den Behörden in halbchifsrierten Ra- diomeldungen abgehört. Jetzt kennt man seinen Sinn. Ter . Verhaftete gab ferner an, daß er diese Schriftstücke in M P a s s a u erhalten habe und sie in Linz hauptpostlagernd o ausgeben sollte. Als Entlohnung für diesen Dienst hatte er eine» Betrag von 530 Schilling erhalten. Das bei dem Verhafteten gefundene Dokument gliedert sich in mehrere Punkte. Der erste Abschnitt enk- hält insbesondere die Worte:»Es besteht die Möglichkeit, daß die Regierung Dollsuß eines Tages zum Rücktritt gc- ,'wungen wird. Stichwort„Sommerfest". Entweder wird eine iteuc Regierung ernannt oder es entspinnt sich ei» Kamps »im die Nachfolge. Der zweite Abschnitt enthält u- a. t>ic Sätze:„In jedem Fall entsteht aus eine bestimmte Zeit - nuten vor Beginn des Rennens wurde es zum Startplatz geführt, um gesattelt zu werden. Es herrschte eine unerhörte Hitze. Das Tier, das im allgemeinen sehr ruhig war, schlug um sich und warf sich zu Boden. Es wollte nicht starten und weigerte sich hartnäckig, sich wieder zu erheben. Man mußte es entsatteln, bevor es aus seine vier Beine sprang. Nun führte man es eine Weile umher, um es zu beruhigen. Als man ihm aber die Sporen gab, legte es sich sofort wieber ins Gras. Da nichts mit ihm anzufangen war, mußte es von der Startliste gestrichen werden. Harinero ist ein Bruder des Derbystegers Trigo. „Claudia ist tot." Ich glaube nicht, daß ich ohnmächtig geworden bin,' nur ein schwarzer Schleier senkte sich vor mein« Augen, und konnte nicht sprechen. Nach einer langen, langen Zeit ver- suchte ich, mich auf>dem Sofa aufzusetzen und sagte: „Erzähl mir alles, Toni." Und während sie zu sprechen begann, merkte ich plötzlich' daß sie nicht mehr das Hakenkreuz trug und dachte verwirrt: wie froh wird meine gute Kati sein- Toni erzählte es mir, später erzählten Fritz und Seppel es mir wieder. Jodes Wort hat sich in meiner Seele eing^ brannt: ich werde nie eines von ihnen vergessen. Wenn allein im Garten sitze, flüsterte ich sie mir vor, voll Trauer, aber auch voll Stolz. Wir hatten zu lange gewartet. Der alte Huber wurde früh am Nachmittag festgenommen. Sie hingen ihm ein Schild um den Hals, aus dem stand:„Ich bin der alte Bonze Huber" und führten ihn so, mit Schlägen und Hieben, dura die Stadt. Claudia begegnete dem Zug auf dem großen Platz vor dem See. „Ich hatte sie ja schon einmal zurückhalten müssen," sagte Toni,„aber heute war sie allein.„Ich kam erst dazu, als es schon zu spät war." Claudia stand eine Sekunde regungslos und starrte auf den schauerlichen Zug. Sie sah, das erfuhr ich später von anderen, wie einer der Nazis dem alten Mann ein Bein stellte, so daß er hinfiel, und wie derselbe Bursche dem au! der Erde Liegenden Fußtritte versetzte. Sie sah, wie der alte Mann hochgerissen wurde und wie die Gummiknüttel aus seinen Rücken niederhieben. In dielet Augenblick sprang sie vor und stellte sich vor den alten Mann. Das sah Toni. Claudia schrie die SA.-Männer an: „Laßt den Alten los, ihr Bestien, ihr Mörder!" „Gehen Sie, mein Kind, gehen Sie. Mir ist nicht zu hellen* ^Fortsetzung folgt.). Nene»kirnst Eßr 20000«arisdK riOMnge Pa.Sslina das Haupiland fttr Einwanderung und Siedlung- Die PaDfrage tZTA.j In einer in London abgehaltenen Pressekonferenz berichtet der Oberkommissar für die deutschen Flüchtlinge James G. Ntaedonald über die bisherigen Ergebnisse der Arbeit zur Wiederfeßhaftmachung und wirtschaftlichen Eingliederung der im letzten Jahre aus Teutschland ge- flüchteten Personen, erörterte die Möglichkeit der endgül- Egen Lösung des Auswandererproblems und stellte eine Berechnung der Kosten der in nächster Zeit nach dieser Stich- tung zu treffenden Maßnahmen an. Ter Oberkommissar erklärte, die Zahl derjenigen, die de- reits endgültig eine Heimstätte gefunden haben, werde auf über 20 000 geschätzt Palästina sei das Hauptnicderlassungsland für jüdische Flüchtlinge) abgesehen von den Tausenden, die unmittcl- bar aus Deutschland ihren Weg in dieses Land gefunden ha- ben, sei man monatlich etiva 100 Personen behilflich, aus den- jenigcn Ländern Europas, in denen sse vorübergehend Auf- enthalt genommen haben, nach Palästina auszuwandern. Annähernd 1500 Personen seien in den letzten sechs Monaten von den beiden wichtigsten Auswanderer-Hilfsorganisationen, Hicem und Anglo-Hicem, nach Palästina und nach anderen überseeischen Ländern wcitergelcitet worden. Etwa 600 von diesen seien nach Palästina gegangen. Weitere 600 Personen wurden durch die beiden Verbände in verschiedene curo- päische Länder zu dauernder Niederlassung gebracht. Die er- wähnten und andere Organisationen bemühen sich. Unter- bringungsmöglichkeiten in Handel, Industrie und Landwirt- schaft in allen Ländern ausfindig zu machen, die für Ein- »oanderung in Betracht kommen. Dagegen haben sich die von Zeit zu Zeit auftauchenden Projekte für Massensiedlung in weniger entwickelten Länder» als undurchführbar erwie- ien. Zu ihrer Verwirklichung wären so große Summen er- forderlich, ivie man sie unmöglich aufbringen könnte. Außer- dem aber seien die meisten dieser Siedlungsprojektc unter den gegenwärtigen Verhältnissen nicht als wirtschaftlich ge- sunb anzusehen. Aus der Tagung des Beirats des Oberkommissariats, die im Juni in Paris stattfand, sei vorgeschlagen worden, daß dem Büro des Oberkommissars zunächst von allen Hilfs- komitees genaue Berichte über die Zahl derjenigen, die zur Auswanderung entschlossen und geeignet find, zugestellt werden und daß dann eine besondere, aus den Vertretern der Auswanderungs-Organisat-onen zusammengesetzte Kommission auf Grund dieser Listen Pläne fttr die Ueber- see-Auswanderung ausstellen solle. Dabei habe es sich nur um die in Handel, Industrie und Landwirtschaft Tätigen und die Büroangestellten gehandelt, nicht aber um Akademiker und Intellektuelle, fttr die beson- dere Pläne entworfen wurden. Nunmehr sei die Gesamtlage von dieser Sachverständigcn-Kommission im Lichte der von den Organisationen erhaltenen Berichte überprüft worden. Die von den Organisationen betreuten Auswanderer seien nach Berus und Eignung für die Auswanderung klassifiziert worden Es habe sich ergeben, daß für sofortige Ausivan- derung insgesamt etwa 4600 Menschen geeignet sind. Die durchschnittlichen Kosten des Transports in überseeische Län- der und des Unterhalts bis zur Eingliederung in das ivirt- schastliche Leben des neuen Staates seien mit 50 Pfund pro Kopf berechnet ivorden, betrüge» also insgesamt 225 000 Pfund. Diese Summe würde es ermöglichen, das Emigrations- Problem in seinem gegenwärtigen Stand fast in vollem Um- fang zu lösen. Gleichzeitig seien jedoch die Komitees in fast allen an Deutschland angrenzenden Länder» bei der Fortsetzung der unbedingt notwendigen direkten Unterstütznngsarbeit durch Mangel an Mitteln schwer behindert. Diese Unterstützungs- arbeit müsse fortgesetzt werden, bis jene Auswanderer, die in den Ländern ihres jetzigen Ausenthalts wirtschaftlich nicht eingegliedert sind, weitergeleilel werden können. Die Kommission, fuhr der Oberkommissar fort, habe auch Berichte über Industrielle, landwirtschaftlich« und kauf- männische Möglichkeiten, die aus Grund von Untersuch»»- ge„ in einer Reihe von Ländern an Ort und Stelle dnrch- geführt werden, geprüft. Man habe beschlossen, diese Untersuchungen durch eingehen- dere technische Studien fortzusetzen und zu versuchen, in den Einwanderungsländern Handels- und Jndustriebanken oder andere Finanzinstitute aussindig zu machen, mit deren Hilfe einzelne Tpezialprojekte verwirklicht werden könnten. Etwa ein Fünftel aller für die Auswanderung geeigneten, also 900 Personen, sind Nichtjudcn. Von diesen kommt ein großer Teil für landivirtschaftliche Siedlung in Frage) es sei ge- plant, Gruppen zwecks gemeinschaftlicher Ansicdlnng zu bil- den. Tie erfolgreiche Durchführung dieses Programms hänge jedoch davon ab, ob die notivendigen Mittel dazu ausgebracht werden. Die Kommission habe es dem High Kommission«! überlassen, gemeinsam mit den wichtigsten Organisationen, die sich mit der Fürsorge für jüdische und nichtjlldische Aus- wandercr befassen, die Möglichkeit zu prüfen, wie die großen Mittel aufgebracht werden sollen, die für die sofortige Aus- Wanderung notwendig sind: allgemein war man der Ansicht, daß zwar die Hauptlast von den privaten Organisationen getragen werden muß, daß aber auch aus öffentlichen Mitteln ei» Beitrag zu den Kosten geleistet werden soll. Oberkommissar Macdonald ivieS darauf hin, daß eine der Aufgaben, der er sich sofort nach seiner Ernennung ge- widmet habe, die Beschaffung von Jdentitäis- und Steife- ausweisen für die Auswanderer sei. Daß viele der aus Deutschland Ausgeivanderten keinen gültigen Paß hatten, habe eine ernste Schivicrigkeit gebildet. Für vier Kategorien von Personen habe Vorsorge getroffen iverden müssen: a) für diejenigen, d; c einen deutschen Paß haben, aber seine Erneuerung durch die deutschen Konsulate nicht erlangen können: b> für diejenigen, die noch deutsche Steichsangehörigc sind, aber keinen Paß haben: c) für diejenigen, die einen Staatenlosenpaß oder einen von den deutschen Behörden an Personen, deren Staatsangehörigkeit nicht feststeht, aus- gegebenen„Fremdenpaß" besitzen, dessen Gültigkeit erloschen ist: d> für Personen, die durch Verlust der deutschen Staats- angehörigkeit feit ihrer Auswanderung aus Deutschland staatenlos geworden sind. Zunächst habe man daran gedacht, ein neues Dokument,»ach der Art des für russische und arme- nische Flüchtlinge ausgegebenen„Nansen-Passes".zu schassen, habe aber dann eine einfacher: Lösung gesunde». Aus der Januarsitzung der Ständigen Kommission des Ber- waltunqsrates des Flttchtlings-Oberkommissariats war vorgeschlagen worden, daß die Staaten, j„ denen die Ausgewandert«« sich derzeit aufhalten, Bewerbern deutscher Staatsangehörigkeit oder Staatenlosen, die keine» gül» tigen Paß haben, ein„Jdcntitäts- und Rcisedokument" ausfolgen, wie es aus einer Konferenz der Verkchrsorga- nisation des Völkerbundes im Jahre 1027 für Personen ohne staatlichen Paß beschlossen worden war. Da für die Ausgabe eines solchen Dokuments eine inter- nationale Konvention nicht notwendig ivar, konnte sie sofort erfolgen. Die Vorschlüge des Komitees wurden an die Staa- teil weitergcleitet, die im Verwaltungsrat vertreten sind, und dieser billigte sie auf seiner Maitagung. Nunmehr haben die Staaten, die in erster Reihe an der Ansivanderersrage inter- essiert sind, allgemein di« Vorschläge angenommen: die bc- treffenden Regierungen sind bereit, den Ausgewanderten entweder das von der Konferenz im Jahre 1927 vorgeschlagene Dokument oder ein in dem herressende» Lande eingeführtes ähnliches Jdcntitäts- oder Reisepaslier auszustellen. Betxes- send die Gültigkeitsdauer dieser Reisedllkumenie, konnte eine einheitliche Praxis aller beteiligten Länder nicht mehr erzielt werden.. In England, Polen und Tchwedeik»>nd die Re- gierungen bereit, ein Dokument mit einjähriger GrkltigkeitS- bauer auszustellen. In andern Ländern ist die Gültigkeit auf sechs Monate beschränkt, in anderen ivicdcrum soll die Gültigkeitsdauer je nach den Umständen variieren. Die Mitglieder des Verwaltungsrates haben ferner beschlossen zu empseh- len, daß dieses Reisedokument für die Erteilung von Visen in gleicher Weise anerkannt werden soll wie ein staatlicher Paß, und baß die Staaten den Ausgewanderten die Visa kostenlos ausstellen sollen. Diese Empfehlung wurde allen Staaten übermittelt, und man hofft, daß viele sie annehmen werden. Tie Regicrungskommission im Saargcbiet hat sich bereit erklärt, de» in diesem Gebiete registrierte« Ausgewander- te« eine» dem von der Völkerbundskonferenz vorgeschla- geuen Dokument entsprechenden RnSweis zn geben. Eine der Schwierigkeiten bei der Aussolgung von Reise- dokumenten in einzelnen Ländern bestand darin, daß die betreffend: Regierung einen Nachweis darüber verlangte, daß der Ausgewanderte nicht mehr deutscher Rcichsangchö- riger oder außerstande ist, von den deutschen Behörden ein Reisedokumcnt zu bekommen. Nunmehr habe die deutsche Reichsregierung ihre Konsulate angewiesen, in de,, Fällen, in denen sie aus irgend einem Grunde nicht in der Lage sind, den Paß eines deutschen Reichsangehörigen zu verlängern oder einen neue» Paß auszustellen, über die Ablehnung eine« schriftliche,, Be- scheid zu erteilen. Auch sei vereinbart worden, daß die deutschen Behörde» in der Regel den Ausgewanderten Bestätigungen über ihren früheren Aufenthalt in Teutschland geben werden- So werde es dem Ausgewanderten möglich sein, den Paßbehörden deS AufenthaltSlandcs den verlangten Nachweis zu erbringen, daß er von seinem Staate keine Reiseöokumente erhalten kann, um nötigenfalls seine Identität nachzuweisen. Die all- gemeine Annahme der Vorschlüge des Berwaltungsrats be- deute die Beseitigung der technischen Schwierigkeiten bei der Uebcrsührung Ausgewanderter in Länder, in denen sie sich dauernd niederlassen können. Die Anträge auf Ausstellung der Reisedokiimentc sind nicht an das Oberkommissariat, sonder» an di« Paßbehörde,, der betreffende« Länder zu »schien. Ueber die genauen Bedingung:« für die Aussolgung dieser Dokumente erteilen die großen Flüchtlingsorganisa- tionen Auskunft. Mahlzel! au! der Briefwaage Die Gräfin als Volkserzieherin h. b. Ten Erfolgen, die der Sklavenhändler Leu mit seinem Ausspruch:„Wir müssen das überflüssige Fett in unserem Volke entfernen!" errungen hat. wurde in diesen Tagen ein neuer zugesellt. In der landwirtschaftlichen Zeitschrift:„Land und Frau" hat sich in letzter Zeit die Gräfin Grvßcnbrink über die Ernährung der landwirtschaftlichen Angestellten ausgelassen. Unter der Ucberschrift:«Frühstücksmengen- abgäbe für männliche und weibliche Angestellte" schreibt die Hochwohlgeborene folgende Sätze: „Wenn der Beamte zur Frühstückszeit ein Ei und Brot bis zur vollkommenen Sättigung erhält, würde ich nach Größe deS Eies eine Menge von 23—81 Gramm Butter, 14—19 Gramm Aufschnitt und 43—57 Gramm Sirup bzw. Marmelade verabreichen. Wenn außerdem noch Weißkäse zu dieser Mahlzeit verabreicht wird, können Sic die But- ter und den Ausschnitt um etwa 18 v. H. kürzen. Für mann- liche und weibliche Angestellte dürften die Zahlen ähnlich liegen. Es muß hier aber auf die Beschäftigung Rücksicht genommen werden, da der Verbrauch an Kalorien den körperlichen Leistungen entsprechend verschieden ist. Zur Reglung der Verdauung empfehle ich im Winter der Marmelade 2—3 Gramm Melasse hinzuzufügen." Man sieht sie vor sich, die Frau Gräsin im„dritten Reich", wie sie mit Briefwaage und Millimetermaß ihren Auge- stellten Ei. Butter und Fleisch zumißt. Tic wird das sehr gewissenhaft tun. Denn in ihrem Gutshaushalt darf an den sieben Wochentagen für das Frühstück pro Nase nicht mehr verbraucht werden als 115,3 Gramm Fleisch und 189 Gramm Butter. Vorausgesetzt, daß kein Weißkäse verabreicht wird! Denn in diesem Falle würde sich die Flcischmenge um 20,8 auf 94,7 Gramm und die Buttcrmenge um 34 auf 155 Gramm und Nase senken. Das ist nicht niehr als billig! Man darf ja nicht vergessen, daß die srcßsüchtigen Angestellten in der Woche 350 Gramm Sirup oder Marmelade pro Magen verzehren. Und selbst wenn man die billigste Sorte dieser edlen Brotbestrcichungs- Möglichkeiten dafür beschafft: daS Jahr ist lang. Außerdem werden ja die Kosten für die Marmelade im Winter noch durch die der Verdauungsregluug dienenden Melasse ver- teucrt. Melasse ist ein Abfallprodukt der Zuckerproduktion »nd wurde im Weimarer Staat dem Pserdefutter beigemischt So ändern sich die Zeiten. Selbstverständlich ist die Frau Gräsin mit ihren Aus- lassungen in der Oesfcntlichkeit schwer ausgefallen. Daher sahen sich eine Reihe nationalsozialistischer landwirtschaftlicher Zeitungen veranlaßt, die Frau Gräsin ein wenig an- »«flachsen. Die„Nationalsozialistische Landpcst" versucht so- gar den Anschein zu erwecken, als ob sie wirklich empört von einer derartigen Einstellung gegenüber den landwirtschaft- lichen Arbeitnehmern abrückt. Aber das nützt den Herr- schatten nichts. Denn erst der nationalsozialistische Staat mit feiner Unterordnung unter den Willen des Arbeitgebers hat den Besitzenden die Möglichkeit gegeben, sich öffentlich für eine derartige Auffassung einzusetzen, wie es die Gräfin von Großenbrink in obigem getan hat. Herr»aupttnami Löwenslcin Hitlerjude am Scheidewege Die„Deutsche Freiheit" hatte vor nicht langer Zeit auf die würdelose Rede hingewiesen, die der wenig rühmlich bekannte Führer des Rcichsbundes Jüdischer Frontsoldaten „Hauptmann der Reserve n. D." Leo L ö w e n st c i n kürz- lich gehalten hatte. Löwenstein hatte unter anderem erklärt, er verlange gar nicht, daß man den Juden in Deutschland die Gleichberechtigung zugestände, man müsse ihnen aber gestatten, Soldaten zu werden und für das Vaterland die Waffen zu tragen. Wir habe» uns offengestanden gewundert, daß tausende ehemalige» jüdischer Frontsoldaten die dem RJF. ange- hören und von denen»vir ivisscn, daß sie im kleinen Finger mehr Charakter besitzen als ihr sogenannter Führer jcinals i»n großen Munde gehabt hat, sich eine solche Charakterlosig- keit dieses Mannes widerspruchslos gefallen ließen. Es ist uns eine Genugtuung, zn erfahren, daß sich endlich die O p p 0> i t i 0 n gegen Hauptmann L ö iv e n st e i n regt, der seit Jahren nur ein Ziel kennt: die jüdischen Frontsoldaten als Vorspann für den Verband der national- deutschen Juden zu mißbrauchen. Die Ortsgruppe Düsseldorf des NIF. nahm am 18. Juli als Antivort aus Löivensteins Rede eine Entschließung an. die als Kampfruf gegen den Hakenkreuzritter Löivcn- stein zu inerten ist. In ihr ivird betont, daß„die Erhaltung des Lebensraums des deutschen Judentums erstrebt" ivird und daß man charaktervoll daran arbeiten»volle,„den Tvpus Inden zu gestalten, der der ganzen Welt zeigt,»vas Jude sein»virklich bedeutet-" Wie»vir hören, begründete der Düsseldorfer Genieinderabbincr Dr. Siegfried Klein, unseres Wissens ehemaliger Feldgeistlicher, in»varmen Aus- führungen die Notivendigkcil einer solchen Entschließung im gegenivärtigen Zeitpunkte. Tie Resolution sei an alle Orts- gruppen des RJF- ger'cktct und»verde io den Anlaß zur Klärung einer der entscheidenden Fragen des Bundes geben. Herr Löwenstein ivird Farbe bekennen müssen. Dabei wird ihin»vohl sein„Freund S e l d t e", auf den er sich so oft berufen hat, kaum helfen können. Hakenkreuz und David- stern! Maulspitzcn gilt nicht, jetzt muß gepfiffen iverden. A. PH. Ein neues MdB. Wie wird man„national"? Man schreibt uns aus der Pfalz: Als Ersatz für die von Hitler am 30. April„erledigten" SA.-Fiihrer die Mitglied des sogenannten Reichstags waren, wurden gemäß der neuesten staatsrechtlichen Nebung im„dritten Reich", von Innenminister Frick eine Reihe anderer Nazi zu„Ab- geordneten" ernannt. Unter ihnen befindet sich auch einer namens Bösing ans Neustadt fPsalzj Dieser Rösing, ein Männlein Ansang der 30er Jahre, ist feit einiger Zeit „Gauivirtschastsberater" der Pfalz ohne daß irgend jemand weiß, woher er von ivirtschastlichen Dingen etwas verstehen soll- Man hätte ihn genau so zum Professor für hebräische Sprache ernennen können, denn beides sind ihm Bücher mit 7 und noch mehr Tiegeln. Zur Zeit der Republik ivar er im Nebenamt Lehrer, im Hauptamt Naziagitator. Dazu hatte Bösing, wie so viele andere seiner Pg. in der Pfalz, besondere Legitimation. Als der Herr Nazil:hrcr noch kein Geld von der deutschen Republik bezog, sich noch im Vorbcreitiingsstadinn für feinen späteren Nebenberuf befand, über keine Mittel vcrsügtc und Musik in Gasthauskapellen machte, war die Pfalz noch von französischen Truppen besetzt. Es war zu der Zeit als die pfälzischen Eisenbahner den Dienst verweigerten und lieber die Ausweisung aus sich nahmen, als die Eisenbahn in sran- zösische Regie übernommen wurde, da überkam diesen Pa- trioten die Lust, wenn er schon von der deutschen Republik kein Geld bekommen konnte, solches von der französischen Republik zu beziehen. Das war auch um deswillen ange- nehmer, weil der französische Franken viel kaufkräftiger war als die Jnflationsmark Bösing ivandte sich an eine bcfrenn- dcte Perion von der er glaubte, daß sie Beziehungen zu einem Regiebahnongestellten habe, um durch dessen Ber- mittluug zu erreichen, daß er von der französischen Regie- bahn eingestellt werde. Die angegangene Person machte ihn darauf ausmerksam. daß er das doch nicht machen könne. Bö- sing setzte sich über solche kleinlich« Bedenken hinweg und erwiderte ihm sprichwörtlich:„Ub! bene, ibi patria".„Wo es mir aut geht, da ist mein Vaterland". Wenn er nicht zur französischen Rcgiebahn kam. so lag das nicht an ihm, son- der» an der anderen Seite. Jetzt geht es dem Herrn Gauiwrischastsberatcr, Lehrer und neuem M. d.R. gut in Deutschland, also ist es sein Vaterland. Wer zweifelt da noch an dem reinen Patriotismus der Nazigrößcn? Hat Herr Frick nicht die richtige Wahl ge- troffen, als er Böllna»um Ersatz für„ehrveraeiiene Ver- räter" wie seine Vorgänger von nazi-anNsivcgeu genannt werden, berufen hat? .Mutter und«lud Im„dritten Reich" lJnpreß) Ueber die Praxis der nationalsozialistischen „Sorge für Mutter und Kind", zu der in Hunderten von Plakaten aufgerufen wird, gibt der folgende Vorfall, der uns bekannt ivird, Aufschluß. Einer 28jährigen Frau, die aus dem Arbeitsamt Wedding wegen Unterstützung vorstellig wurde, erklärte der dienst- tuende Nazibeamte, sie müsse, sich fttr den nächsten Morgen bereit halten, zur Landhilse zu fahren. Aus die Frage der Frau, was denn in ihrer Abwesenheit mit ihrer Wohnung und ihren Möbeln werben solle, antwortete der Beamte: „Darum machen Sie sich keine Sorge. Die kommen aus den Speicher" Die Frau, erschreckt, fragt weiter:„Ja, soll ich denn mein Kind von 4 Jahren mit>n die Landhilse nehmen?" Der Beamte fährt die Frau ivüiend an:„Jeden- falls fahren Sie morgen früh zur Landhilse! Für Ihr Kind steht uns das Waisenhaus zur Verfügung: da werden wir es unterbringen. Damit basta." I Die europäische Unruhe Widerhall der Rede Baldwins A. Ph. Paris, den 2. August 1934. P-ßott unserem Korrespondenten) Baldwins am Montag im Unterhaus gehaltene Rede ist zu bedeutungsvoll, als daß sie nicht eine Zeitlang im Border- grund des politischen Interesses in Frankreich stehen sollte, wenn dies auch durch die alarmierenden Meldungen über Hindenburgs Gesundheitszustand sehr stark in Anspruch ge- nommen ist. Dabei wird jetzt manches Wenn und Aber laut; die einen möchten. Baldwin hätte sich noch deutlicher aus- drucken müssen, andere wie Saint-Brice im„I o u r n a l" bemängeln die geringe Begeisterung, mit der der stellver- tretende englische Ministerpräsident über den Ostpakt ge- sprachen habe. Man möchte eben lieber ein sranzösisch-eng- tische« Militärbündnis, dessen einzelne Artikel man schwarz aus weiß nach Hause tragen könnte, als das Versprechen eines Ministers, das leicht in Vergessenheit geraten könnte, wenn sich die Wolken am europäischen Himmel erst einmal verzogen haben. Dabei verschweigen die Blätter heute die Sorgen nicht, die ihnen das Verhalten Jugoslawiens macht, das seine Trnppen ,««, Einmarsch in Italien bereit hält, salls Mussolini etwa zum«chuste der österreichischen Unab- hanglgkeit ,n Oesterreich einrücken würde. Leon Bailby meint im„I o u r", England und Frankreich Latten sicherlich ein gemeinsames Interesse daran, sich mit Italien in Verbindung zn setzen, damit man keinen Fehler mache. Man habe zu oft die augenblickliche Lage mit ? er UT verglichen, als dast man nicht verpflichtet sei. Wache zu halten in der Nähe der Pulvermagazine, die leicht in Brand geraten könnten. Im übrigen verweist im gleichen Blatte GeorgesMar- c e n a y aus die ungeheure, heilsame und ernüchternde Wir- kung, die Baldwins Rede in Deutschland auslöse. Dieser Hieb habe eben gesessen. Ata» könne sicher sein, dast das jedesmal so sein werde, wo London keinen Zweifel an seinen Absichten lassen werde. Wien ghic! Rom Die Spannung in Oesterreich und Mussolinis militärische Demonstration „Die Küste von Dover liegt an der Donau", so variiert Wladimir D'Ormesson Baldivins Wort, Englands Grenze sei der Rhein. Er bedauert, dast Italiens Haltung in der österreichischen Frage die Belgrader Presse in Auf- regung versetze. Es sei kein Grund zu Auseinandersetzungen zivischen Jugoslawien und Italien vorhanden. Trost aller Sympathien für Jugoslawien müsse man doch sagen, die wichtigste Frage sei sür Europa im Augenblick Oesterreichs Unabhängigkeit. Für sie setzen sich mit aller Energie Frankreich, England und Italien vereint ein. Diese ruhige und feste Haltung sei die einzige und beste Garantie sür Europas Frieden. Im„I o u r n a l" meint Saint-Brice. vor allem müsse man das Mistverständnis beseitigen, das sich zeige, weil die Kleine Entente Italien den einzigen wirksamen Schritt ver- bieten zu müssen glaube, durch den Oesterreichs Unabhängig- keit zu retten sei. „Petit P a r i s i e n" stellt Englands Wandlung mit Ge- nugtuung fest. Frankreich ziehe jestt Vorteile aus der Unruhe Europas, die HitlcrdeutschlandS Werk sei. Der geräuschvolle Austritt des Reiches aus dem Völkerbund und der Abrüstungskonferenz, die schweren Verletzungen der Militärklauseln des Versailler Vertrages, die ununter- brochcne Einmischung der Nazis in Oesterreichs Innenpolitik, die Mordtaten vom 39. Juni, der Kanzlermord am 25. Juli hätten England angewidert, das jetzt mehr und mehr das Bedürfnis, sein Gewicht auf die europäische Waagschale zu legen, zu erkennen gebe. Man könne sich in Frankreich zu diesem Streben»nr beglückwünschen, das zu einer immer enger werdenden Annäherung zwischen England und Frank- reich führen könne, zur Verteidigung des Rechts und der Gerechtigkeit wie zur Ausrcchterhaltung und Organisation des Friedens. (Von unserem Korrespondenten) A. PH. Paris, 1. August. Die französische Presse hält mit ihren Bedenken über die innerösterreichische Entwicklung auch heute nicht zurück. Man kennt hier genau die Schwächen, die Dollfuß während sei- ner Regierungszeit deutlich erkennen liest, man erinnert hier und da daran, dast es alles andere als politisch klug von ihm war, die österreichische Sozialdemokratie zu vernichten, wo- durch er in einen Zweifrontenkrieg hineingezwungen wurde, ober das hindert die Blätter nicht, anzuerkennen, daß Doll- fuß, nicht zuletzt gestützt aus das internationale Ansehen, das er genoß, allein imstande war, das österreichische Staatsschiff zwischen Scylla und Charybdis einigermaßen heil hindurch- zusteuern. Diese Autorität, das ist in hiesigen politische« Kreisen ebenso wie in der Presse die einhellige Auffassung, fehlt dem neuen Bundeskanzler. Man zweifelt nicht an Schuschniggs gutem Willen und ehr- lichen Absichten. Aber man fürchtet, er werde sich gegenüber den Ansprüchen der Heimwchr nicht durchsetzen können. Leise erinnert man zuweilen auch daran, dast der neue Bundes- kanzler früher ein begeisterter Anhänger des Anschlußgedan- kcns war Einmütig ist man hier der Ausfassung, daß für Oesterreich mehr die schwarzen als die heiteren Lose in der Zeiten Schöße ruhen. In diesem Zusammenhang meint„Oeuvre", es handele sich im Augenblick in Oesterreich um einen Burgfrieden zwi- schen Christlich-Sozialen und H e i m w e h r. NiePariser Berichte Deutscher Klub Um 21 Uhr im..Peristyle" 31 bis, Rue de Vivienne (Metro: Bourse) heute, Samstag: Geselliges Beisammensein mit Tanz, zu dem Gäste sehr gern willkommen sind. Gast- beitrag: 5 Fr.(Stellungslose: 3 Fr.) Association des Emigres Israelites d'AHemagne en France Freitag. 3. August, abends 7 Uhr, Gottesdienst im Betsaal ,.Chez Cohn", 17 Rue Beranger(Metro Republique) in Paris. Deutsche Predigt, jedermann ist willkommen. 20 Pariser Bankiers vor Gericht 20 Pariser Bankiers hatten sich kürzlich vor Gericht zu verantworten. Gegen sie war Anklage erhoben worden, weil sie die Lose für die Nationallotterie, deren Preis auf 100 Fr. je Stück festgesetzt ist, mit einem Aufgeld verkauft hatten. Sie hatten durchschnittlich 10 bis 20 Fr. mehr gefordert und erhalten. Als Entschuldigung machten die Angeklagten geltend, daß sie zusammen mit dem Los jedesmal einen anderen Gegenstand verkauft hätten. Die einen hatte n den Kauf eines Bleistiftes, die anderen den einer Brieftasche verlangt, andere wieder gaben die heißbegehrten Lose nur ab, wenn man gleichzeitig ein Los für eine andere Lotterie, zum Beispiel die Luxemburger, erstand. Aber das Gericht meinte, das seien alles nur, Mätzchen", mit denen man dem Lotteriegesetz ein Schnippchen schlagen wolle. 17 Bankiers erhielten deshalb Geldstrafen von teils 16, teils 25 oder 50 oder 100 Fr., während die restlichen drei Angeklagten freigesprochen worden. Helfer der Pariser Fußgänger In Paris befinden sich auf den Straßenübergängen fast an allen Ecken große Nägel mit noch größeren Köpfen, die anzeigen, an welchen Stellen die Fußgänger die Straßen überqueren d\ fen, ohne Gefahr zu laufen, dem Verkehr zum Opfer zu fallen. Öiese„Sicherheitswege", die es oft gar nicht sind, führen die Bezeichnung„Passage Cloute". Nun unterrichtete dieser Tage der Abgeordnete des Departements Haute-Saone Theo Valens! den Präsidenten der französischen Kammer davon, daß er beim Wiederzusammentritt des Parlaments nach den Ferien an den Minister des Innern folgende Anfrage richten werde: 1. Ueber die Sicherheit, die angeblich die Passages Cloutes gewähren, 2. über die oft tödlichen Unfälle, die sich täglich ereignen, 3. über die Art, wie Kraftwagenführer und Schaffner oft die Passages Cloudes mißachten, 4. über die Gründe, aus denen heraus es der Polizei unmöglich sei, eine Verlangsamung des Verkehrs zu erreichen, 5. über die Notwendigkeit, allen Kraftwagenführern den Führerschein sofort zu entziehen, die Schuld an einem Unfall seien. Herr Theo Valens! ist auf dem besten Wege, bei den Pariser Fußgängern sieb beliebt zu madhe%- BtRIEPjgaSTESa „Hans". Ihnen hat man aus dem Reiche geschrieben, man erzähle sich dort, dast Göring alle seine Hemden zu Oberhemden ernannt Hobe, um sie ebenfalls an seinem Aufstieg teilnehmen zu lagen. Rumänischer Emigrant Schweiz. Sie haben die Tragik der Emi- gration in vielen Jahren und Ländern gekostet. Umso schöner, daß Sie so unverbittert geblieben sind und sich dankbar derer erinnern, die Ihnen in Teutschland geholfen haben. Einige davon sind, wie Sie uns schreiben, Opfer der braunen Mordbestien geworden. Be- sonders gefreut hat uns. daß Sie als alter Mitstreiter wie folgt über unser Blatt urteilen:„Ich gehöre zu densenigen, die die „Teutsche Freiheit" von Anfang an jeden Tag fleißig lesen, und sie ist mir eine Lebensnotwendigkeit geworden. Ich habe wiederholt auf Grund meiner Personalkenntnige in Teutschland feststellen kön- nen, daß Ihre Angaben auf Wahrheit beruhen. Man kann Ihnen volles Vertrauen schenken. Ich liebe Ihre Zeitung, und ich trage nach meinen Krästen bei, sie zu verbreiten. Ich bewundere sie. Ter Kamps muß weiter gehen, bis die Freiheit kommt." Verlassen Sie sich daraus: es wird bis zum Ende gekämpft und Teutschlands Frei» heit wird kommen. C. Cr W. In Ihrer Stadt erzählt man sich: Ein Betrunkener steht vor dem Schaufenster einer Kunsthandlung, wo die Bilder der Fsth- rer des Reichs ausgestellt sind. Wankend und mit geballter Faust schreit er immer wieder das Bild von Hitler an:„Dich kauf' ich mir noch." Ein Schutzmann, der in der Nähe stand, führte ihn ab. Als die Personalien festgestellt waren, teilte ein Schupo der Ehe- srau mit, daß ihr Mann eingesperrt sei und warum. Tie Frau fuhr hoch:„Ja, wenn der Kerl besoffen ist, kauft er jeden... Dreck." Mondarf. Ihnen haben deutsche Kurgäste erzählt: Im Himmel gibt es bekanntlich auch Tiere. Einige davon äußerten beim PetriiS den Wunsch, einmal herunter gehen zu dürfen in das„dritte Reich", weil sie sich überzeugen wollten, wie es den Tieren geht. Zuerst trabte das Pserd los. Es kam gleich wieder zurück und sagte:„Da ist für mich nichts mehr zu tun. Es gibt nur noch Autos." Tann ging die Kuh hinunter. Auch sie kam sofort zurück: sie klagte:„Tie wollen mich ja alle melken." Zuletzt hoppelte die Ziege loS und kam und kam nicht wieder. Endlich nach dreiviertel Jahren kam sie abgezehrt und am ganzen Körper geschunden zurück. Petrus fragte sie, ob es ihr denn im„dritten Reich" so gefallen habe, weil sie so lange ausgeblieben sei.„Gefallen? Im Gegenteil. Ich habe einmal aemeckert und bin dafür gleich ins Konzentrationslager ge- kommen." „Wasserkante" Sie schreiben uns:„In Hamburg ist neulich ein erotischer Baumstamm angekommen, den zwei SA.-Männer in die Gauleitung transportieren sollten. Da der Stamm sehr lang ist, macht der eine SA.-Mann den Vorschlag, den Stamm auseinander- zusagen.„Nein," erwidert der andere,„das dürfen mir nicht, denn dann hat der Stamm nicht mehr das richtige Maß. Er soll zu einer Mundharmonika sür Dr. Goebbels verarbeitet werden." Brooklvn. Sie schreiben uns:„Obgleich ich beträchtlich weiter links stehe als Sie, möchte ich doch sagen, daß die„Deutsche Freiheit" die einzige im Ausland erscheinende Tageszeitung ist, die ihrer Auf- gäbe im vollen Maße gerecht wird."— Daß uns Anerkennungen von Lesern, zumal Journalisten, die„weiter links" stehen, beson- ders freuen, werden Sie uns glauben. Wenn wir nun aber be- hauplen, w i r ständen„weiter links" als Sie? Wer entscheidet dann den Streit? Stockholm. Ihrem Briefe entnehmen wir:„Kürzlich verschwand aus Stockholm der ehemalige deutsche Flüchtling Kurt Martin Blltt. ner alias Walter Dahlberg. Nach den getroffenen Feststellungen ist offensichtlich, daß B. seit einigen Monaten im Dienste der Gestapo steht. Der skrupellose Verräter paarte seine Spitzelarbeit mit ge- gemeinen Betrügereien. Nebe».Dokumenten entwendete gr einen wand könne sagen, ob dieser Burgsrieden von kurzer»de* langer Dauer sein werde. Wie dem auch sei, von seiner Dauer hänge die Haltung der nationalsozialistischen Bewegung und auch die Politik ab, die Hitlers Sondergesandter von Popen in Deutschlands Namen in Wien treiben müsse. Eines sei sicher, der jetzt beginnende Zeitabschnitt werde Oesterreichs Schicksal entscheiden. Im„F i g a r o" betont James Donnadieu, daß Schusch- nigg als Bundeskanzler neben sich den Vizekanzler Fürsten Starhemberg und den Major Fey habe, dem die gesamte Polizei unterstellt sei. Beide seien die bedeutendsten Heim- wehrführer. Das gebe zu denken. Wenn auch im Kabinett alle einig seien im Kampf gegen Hitler, so seien sie es aber durchaus nicht in der Behandlung wichtigster innen- und außenpolitischer Fragen. ,,. Geheimabkommen? London, 1. August. In einer Meldung des Wiener Korrespondenten der „Daily Mail" heißt es, die scharfen militärischen Matz- nahmen, die Mussolini zum tatsächlichen Schiedsrichter in Mitteleuropa machten, leiteten sich, wie der Berichterstatter in ausgezeichnet unterrichteten diplomatischen Kreisen ersah- ren haben will, aus einem politischen Abkommen her, das bisher geheim gehalten worden sei. Anscheinend habe Mussolini von den revolutionären Ab- sichten der österreichischen Nationalsozialisten Kenntnis ge- habt, aber der Putsch, der die Negierung Dollfutz habe stür- zen sollen, sei erst für den Monat September beab- sichtigt gewesen. Der Duee hätte sicherlich Dollfuß bei der geplanten Zusammenkunft in Rieeione davon unterrichtet. In jedem Falle habe er seine Vorbereitungen getroffen, um schleunigst einzugreifen. Allerdings sei zu befürchten gewesen, dast die jugoslawische Regierung ein Eingreifen Italiens in Oesterreichs Ange- legenheiten benutzt hätte, um in Italien einzudringen. Aber die französische Regierung habe, so erklärt„Daily Mail" versprochen, ihren Einfluß zu verwenden, um von Ingo- stawien, Rumänien und der Tschechoslowakei die Zusage zu erhalten, dast Italien, wenn es gezwungen sei, Oesterreich zu Hilfe zu kommen, dies tun könne, ohne Gefahr zu laufen, von anderen beunruhigt zu werden. HnsSolinl und lUHer Ernst der Lage in die deutschen Köpfe London, 1. August. Der römische Korrespondent der„Morning Post" meldet seinem Blatte, dast die versöhnlichen Worte, die Hitler in seinem offenen Briefe an Papen ausgesprochen habe, auf diplomatischem Wege Mussolini mitgeteilt worden seien. Jta- lien aber halte als Antwort zwei Flugzeugbrigaden, das heiße 209 Flugzeuge in Bereitschaft, die in den letzten Tagen zu Manövern in Venezien versammelt seien. Italiens amt- liche Ausfassung der Tinge sei kurz gesagt die, daß man seine Ansicht über Deutschland ändern müsse und die Kraftentfal- tung nötig sei, um„in die deutschen Köpfe die Er- kenntnis von dem Ernst der Lage hin'einzu- trichtern". größeren zur Emigrantenunterstützung bestimmten Gelbbetrag und unterschlug Abonnementsgelder. Sicherlich beging er die kriminellen Handlungen in der Ueberzeugung, daß die Gestapo ihren Agenten unter allen Umständen decken würde. Bekanntlich sind solche ver- brecherischen Subjekte für die schmutzige Arbeit der Gestapo gut ge- nug. Büttner-Dahlberg, geboren in Dresden, ist 26 Jahre alt, zirka 1,70 Meter groß, dunkles gescheiteltes Haar, hageres länglich«? Ge- ficht, spricht sächsischen Dialekt, Berus Elektromechaniker." Jurist. Die soeben erschienene Kriminalstatistik lBand 483 der vom Reichsamt sür Statistik herausgegebenen Publikationen) stellt fest, daß die meisten Morde am Wochenende stattfinden. An dieses Gesetz hat sich auch der„Führer" gehalten, bekanntlich war der 80. Juni ein Samstag! H. W. Wir berichtigen gern, daß infolge eines Druckfehler» der Geburtsmonat von Nexö falsch angegeben wurde. Nexö hatte am 26. Juli Geburtstag. Literatur Theodor W-lss: Der Krieg des Pontius Pilatus. 454 Seiten. Kart. Fr.. Leine« Fr. 11,—. Verlag Oprecht«. Helbiug, Zürich.— Zwanzig Jahre sind seit dem Ausbruch des Krieges ver- gangen. Alle Völker können sagen, daß sie diesen Krieg nicht gewollt haben und von den Staatsmännern hat, welcher Art' ihre Rotte auch gewesen ist, keiner die ungeheure Häufung der Opfer vorher- gesehen. Fünfzehn Millionen Menschenleben vernichtet, auf den Schlachtfeldern oder hinter den kämpfenden Heeren, nein, so weit hat vor zwanzig Jahren anch die robusteste Vorstellungskraft mm gereicht. Und keine Statistik spricht von dem getöteten Geist. Man kann in dem Buch Theodor Wolfss drei Abschnitte unterscheiden- Der erste Teil handelt von den Vorgängen und, genauer gesagt, von den politischen Fehlern Wilhelm II. und seines Kanzlers Veto- mann-Hollweg in den letzten Jahren vor dem Kriege. Der zweite Teil gibt eine Darstellung der geistigen Strömungen, der inneren Verhältnige und der hauptsächlichen handelnden Persönlichkeiten tn den wichtigsten Ländern, die dann in den Krieg eintraten. Der dritte Teil des Buches nähert sich dem Genre der Memoiren, denn er enthält, innerhalb der fortlaufenden Darstellungen der politischen Vorgänge, das, was der Versager als damaliger Chefredakteur des „Berliner Tageblattes" in den Tagen vor dem Ausbruch des Krte- ges selbst erlebt und gesehen hat. Das Buch ist nicht zu verwechseln mit der großen Menge von Werken, die den Ausbruch des Kriege» ans Grund eines gelehrten Aktenstudinms schildern. Tie genau« Kenntnis der in den Akten dargelegten Tatsachen ist hier nur neben- bei, ohne jede Pedanterie verwertet und bildet nur die sichere Grundlage, aus der das eigene, sehr persönliche, neue Gesichtspunkte eröffnende Urteil und die farbige und plastische Schilderung de» selber Miterlebten sich aufbauten. Soll man da? Buch, trotz seiner stilistischen Eigenart, in eine bestimmte Gattung einreihen, so ließe sich am ehesten sagen, daß eine gewisse Geistesverwandtschaft mit den Büchern zweier Künstler der historischen Darstellung besteht, die Theodor Wolss besonders liebt: mit den Büchern Andre Maurots und Lyton Ttracheys. „Europäische Hefte" Nr. 16 soeben erschienen. AuS dem Inhalt: Willi Schlamm: Europa» eiternde Wunde. Jo.rf Gerl. Engel- bert Tollfuft. Ein K'r i m i n a l i st: Der Fall Fey. Georg Steinbock: Sieger Tardie«. Notizen. „Die Sammlung". Diese ausgezeichnete Zeitschrift gibt soeben ihr August-Heft heraus. Damit schließt die„Sammlung" zugleich ihren ersten Jahrgang ab, der alle Erwartungen erfüllt hat, die man an den Kreis ihrer Helfer stellen mußte. In diesen zwölf Heften Hai das geistige Deutschland seinen Ausdruck gesunden, das heute außer- halb seiner Grenzen höchstes deutsches Wesen repräsentiert. Wir beglückwünschen den Herausgeber Klaus Mann und seine Mit- arbeiter, dankbar für das Vergangene, das Kommende erwartend. Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann P I tz tn Dud« weiter: für Inserate: Otto Kuhn tn Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der VolkSstimme GmbH, Saarbrücken h- Schützenjlraße S, Schließfach 776 Saarbrücken,