''■'•' l- l\l\'i.u\'- i Linzige unabhängige Tageszeiiung veuischlands ^^i78— 2. Jahrgang Saarbrücken, Samstag, 4. August 1934\ Chefredakteur: M. B r a u n Äie ästecceichische£egiott qceift an Seile 3 Enthüllungen eines SA<*$ühcecs Seite 4 Sen Stücmen dec Jieoulution entgegen Seile 7 Sie Einheitsfront und die J-ntecnationale Seite 8 Per gar aller Deutschen Der Wahnwitz auf dem Gipfel— Die Entwürdigung der Nation Vom Staatsstrelch zum Migenpiebiszlt— Das Ende mit Schrecken Icgionärshaiser 3"-"® er Äar aller Deutschen"? Man tut mit ">e,er Bezeichnung eigentlich den Romanows und insbeson- ihrem letzten ermordeten Kaiser unrecht, auch den Mil- mnen russischen Analphabeten von einst. Gewisse Rechts- Garantien und Hemmungen für den Selbstherrscher, die es 'w alten Rußland gab, fehlen in Hitlerdeutschlanö. Schon bar nicht ist der„Reichstag" mit der russischen Duma zu ver- bleichen. Das Rußland der letzten Jahrzehnte war ein Bolksstaat im Vergleich zur deutschen Despotie. Es ist unmöglich, in der neueren Geschichte Beispiele zu finden für den Staatsstreich, der in der Rächt vor Hinöenburgs Tod durch den Beschluß des Reichs- kabinetts vollzogen worden ist. Nachdem sich vorher schon unter dem Jubel eines Reichstags von bezahlten Kreaturen °er Reichskanzler zum Obersten Gcrichtsherrn aller Deut- lchen, zum Herrn über Leben und Tod für alle erklärt hat, ist ihm nun durch das Reichskabinett alle politische und militärische Macht übertragen worden. Der Eid des Söldnerheeres anf die Person des Führers und Reichskanzler vollendet ein Diktatursystem, das eigentlich nur mit den LcgionärSkaisern des alten Rom eine gewisse Aehnlichkeit hat. Der vielleicht näherliegende Vergleich mit den Staatsstrelchs- abenteuern Napoleons Hl. würde die jetzige deutsche Regie- rui.gsart viel zu günstig beurteilen. Dazu braucht man nur die Lüge des Plebiszits heranzuziehen, die entsprechend napo- leonischcm Vorbild zur Legalisierung des Staatsstreichs durch das Volk veranstaltet wird. Unter Napoleon III. gab es im- werhin eine Kammer mit einer Opposition, mit Immunität wit großen politischen Debatten. Es gab eine gewisse Frei- heit der Presse und des Versammlungsrechts, wenn auch das Plebiszit selbst unter dem Terror der Regierungsstellen im Lande stattfand. Tie Diktatur Hitler kennt von alle dem Nichts. Die Volksabstimmung, die mit der außergewöhnlich kur- !en Frist von IS Tagen angesetzt wird, geht so vor sich, daß »uch nicht der Schatten der Mitbestimmung des Volkes bleibt. Nicht ein kritischer Aussatz über die Vorgänge bei dem „Thronwechsel" darf geschrieben, kein aufklärendes Flug- blatt darf verteilt werden. Nirgendwo dürfen Kritiker des Systems zu einer Versammlung zusammen treten. Nur der Diktator und seine Unterführer dürfen sprechen. Mit allen Mitteln der Propaganda und des Massendrucks wird alles daran gesetzt werden, die Deutschen zu den Abstim- mungsurnen zu treiben, um der Welt zu zeigen, daß die Miesmacher und Nörgler endlich ausgerottet find. Daß dennoch Millionen Deutsche sich widersetzen werden, ist gewiß. Die Welt wird sich nicht täuschen lassen. Wenn der deutsche Diktator in den Volksmassen aller Schichten das Vertrauen noch genösse, das er behauptet, so hätte kein Hin- ternis bestanden, den verfassungsmäßigen Weg zu gehen. Ein Vakuum wäre nicht eingetreten. Der Reichsgcrichtspräsi- dent Bumke, alles andere als ein Hochverräter, hätte treu und brav seines Amtes als Stellvertreter des Reichspräsi- denten gewaltet, bis das Volk seine Entscheidung in einer übrigens ebenfalls unfreien Wahl getroffen hätte. Nicht ein- mal das konnte der scheinbar allmächtige„Führer" wagen. Er schielte nach der Reichswehr, nach der hohen Bürokratie, nach den feudalen und hochkapitalistischen Schichten, nach den Prüsidentschaftsanwärtern, nach den Thronprütendenten der Monarchisten und nicht zuletzt nach den Intriganten in sei- ner eigenen Bewegung und war deshalb für rasche Ent- schlüsse. Ein Reichskabinett, das sein Schicksal unlöslich mit dem Hitlers verbunden hat, konnte keine anderen Entschlüsse fassen als die, die wir gestern zur Vernichtung des letzten Restes der republikanischen Verfassung erlebt haben. Daß dies alles vor sich geht unter der phrasenhaften Be- teuerung„Die Staatsgewalt geht vom Volke aus", macht die Sache so widerlich, daß sie nur mit Ekel erörtert werden kann. Bei weitem nicht alle Nationalsozialisten find mit der Lösung einverstanden, denn die Klügeren sagen stch, daß Hitler zwar gesetzlich nun noch mehr gegen öffentliche Kritik geschützt ist, daß er sie aber anderseits nun in erhöhtem Maße herausfordern wird. Er hat stch sozusagen zum Reichsgott ernannt, und man wird von ihm nun die Wunder verlangen, die ihm seine Allmacht ermöglicht— wenigstens nach den Träumen der Primitiven. Die Enttäuschung über das Versagen des Diktatursystems hat heute schon die Mehrheit der Deutschen erfaßt. Man hat sich mit Erfolg Mühe gegeben, die Mißstimmung auf Hitlers Paladine abzulenken und ihn so selbst zu entlasten. Nun wird auch dieses Bemühen bald zum Scheitern verurteilt sein. We- der ist die mächtige Figur des altenHindenburg noch vorhanden, die viele mit einer fast mystischen Zuversicht erfüllte, bei denen Hitler kein Vertrauen genoß, doch kann man nun sich damit herausreden, daß Hitler noch dieses oder jenes Stück Macht fehle, das er zur Verwirklichung seiner Pläne brauche. Nun hat er alles, was je in einem großen Reiche ein Mensch an Machtfülle besaß. Das Volk, soweit es nicht schon er- nüchtert ist, blickt aus den schon zu Lebzeiten unter die Götter erhobenen Cäsar mit Erwartungen von fast religiöser In- brnnst. Der Absturz wird furchtbar werden. Soweit man auch die Geschichte zurllckblättern mag: mahn- witzige Experimente, wie das in Deutschland seinem Ver- hängnis entgegengehende, haben stets mit Revolution oder kriegerischer Niederlage geendet oder mit Krieg und Revo- lution. Das deutsche Experiment ist verrückter als alles, was je dagewesen ist, und entsprechend wird sein Ende werden Reidisbanhrollcur Dr. Sdiadit Der unmögliche„Reiter" Berlin, 8. August. Die Betrauung des Reichsbankprästdenten Dr. Schacht, wenn auch zunächst für S Monate, mit der Führung der Ge- fchäfte des Reichswirtschaftsministeriums ist ein Ereignis von außergewöhnlicher Bedeutung, das blitzartig die kata- strophale Luge der deutschen Wirtschaft beleuchtet. Aus dema- Sogischen Gründen wurde im vorigen Jahr die sogenannte Arbeitsschlacht in Szene gesetzt und es wurden mehrere Mil- starben Mark in die Wirtschaft, ohne Rücksicht auf die schwere finanzielle Lage des Reichs, hineingepumpt. Dadurch ent- stand eine Schcinkonjunktur, und das deutsche Volk hatte tat- fächlich den Eindruck, als ob es unter Hitler besser geworden sei. Aber schon seit einigen Monaten beginnt sich diese un- Nerantwortliche Wirtschaftspolitik, durch die die Gold- und Devisenbestände der Reichsbank verpulvert wurden, bitter du rächen. Es wurden die elementarsten Grundsätze einer vernünf- ligen Wirtschaftspolitik völlig unbeachtet gelassen. Das Hitlerregime übersah mit sejmr unsinn igest AsttMexollM die Tatsache, daß bei der besonderen Struktur der deutschen Wirtschaft, die auf den Rohstoff- und Lcbensmittelbezug aus dem Ausland angewiesen ist, sie stch auf die Dauer den Luxus einer Vernachlässigung der Ausfuhr nicht erlauben kann. Gerade die künstliche Belebung der inländischen Produktion hat eine erhöhte Einfuhr von Rohstoffen zur Folge gehabt. Zu gleicher Zeit hat aber die Autarkiepolitik einen kata- strophalen Rückgang der Ausfuhr bewirkt. Die Auswir- kungen dieser Hasardeurpolitik auf dem Gebiete der Wirt- schaft sind bekannt: das Reich hat keine Devisen mehr, das Reich mußte durch Einstellung der Transserüberweisungen seinen Bankrott offen zugeben, die Einfuhr mußte gedrosselt werden, die Preise sind bereits gestiegen und in einzelnen Industriezweigen, so beispielsweise in der Textilindustrie, die über 1200 OOS Arbeiter beschäftigt, ist kürzlich eine Pro- dnktionsdrosselung von 30 Prozent verordnet worden. Alle diese für die deutsche Volkswirtschaft schwerwiegenden Maßnahmen mußten getrogen werden, um die Mark zu Lortsetzustg liehe S. Seite. Trcocsdiwar mit Harra Die Preisgabe der nallonalsozIallsilscbeE: Idee In ganz Deutschland wehen Fahnen auf Halbmast. Die große Popularität, die der greise Reichspräsident besah und keiner seiner politischen Gegner leugnen wird, hat e starkes und echtes Trauergefühl in unzahligen Herzen er- sah man Menschen, deren Züge nichts weniger als Schmerz verrieten. Es schien, als ob sich hier eine u n g e h e u r e seelische Spannung gelöst hätte: als ob die Er- Hebung Adolf Hitlers zum Reichspräsidenten durch sein untergebenes Kabinett viel stärker und mitschwingender gewesen sei als die Klage an der Totenbahre des alten Mannes.„.. Täuschen wir uns nicht: eine neue Welle des Wunderglaubens rollt über die Häupter Unzähliger. Der Nimbus des„Führers", sehr stark abgeblaßt durch die Ereignisse des 30. Juni, durch Zweifel und Bedrängnis um die nahe Zukunft, hat wieder frischere Farben bekomden. Esist etwas geschehen! Hitler steht steil oben auf der Spitze. Er hat eine neue Chance zur Rettung und zur Befreiung. Unter Trommelwirbeln hat jetzt auch die„Sphinx', die Reichswehr, den Treueeid geschworen. Ihm, dem einzigen, der eine unsagbare Macht in seinen Händen vereinigt! Macht hat zu allen Zeiten eine zauberische Gewalt auf die Schwachen und Ratlosen ausgeübt, und die Küsse aus den Saum des Purpurs waren stets verbunden mit dem Glauben an das Berufensein desjenigen, der ihn trug. Dies zu verkennen, hieße an einer wichtigen Tatsache der Völker- und Massenpsychologie achtlos vorübergehen. Wer um sie weiß, ist vor Fehlschlüssen und Enttäuschungen bewahrt Die Entscheidung über Hitlers Reichspräsidentschaft ist. unter Vernichtung der letzten verfassungsmäßigen Rechte, bereits getroffen worden, als die Agonie Hindenburgs gerade begonnen hatte. Hinter diesem schnellen Entschluß stand die Furcht vor der Unruhe eines tief aufgewühlten und an seinen Machthaber» längstzweifelndenVolkes.demmanwieder einmalimponierenmußte. Der kalte und eilige Staatsstreich des ersten August, der allen Kombinationen um Hindenburgs Nachfolge vor- beugte, war für das braune Regime eine zwingende Not- wendigkeit. Vielleicht hätte es Machtkämpfe um die Reichspräsidentschaft überhaupt nicht mehr aushalten können. Aber der Rausch und die Freude, daß wieder einmal in kritischer Stunde„schlagartig" gehandelt wurde, werden schnell verfliegen. Hindenburg ist tot. Mit dem Führer, dem Reichspräsidenten und Reichskanzler Hitler bleibt je- doch alles am Leben, was das deutsche Volk in allen seinen Schichten unzufrieden und innerlich rebellisch gegen das „dritte Reich" gemacht hat. Auch der Reichspräsident Adolf Hitler wird das unaufhörliche Absinken der Löhne nicht hindern können. Er vermag den murrenden Mittel- ständlern keine kaufkräftigen Konsumenten in die Läden zu schicken. Rohstoffnot. drohende Inflation, unaufhalt- same außenpolitische Vereinsamung, wachsendes Miß- trauen des Auslandes, Kriegsgefahr am Welthorizont— nichts davon wird sich wandeln, eher noch vergrößern und verschärfen. In wenigen Wochen wird die Ernüchterung wieder da sein. * Nichts vermag der Reichspräsident Hitler zu lösen und zu bessern, was der Reichskanzler Adolf Hitler verknotete, vernichtete und zerschlug. Jetzt werden ihm viel- mehr alle Verantwortlichkeiten mit doppelter Wucht vor dem ganzen Volke zu» geschoben werden. Jetzt gibt es kein Ausweichen mehr, kein Spiel mehr mit verteilten Kräften! Keiner wird mehr sagen dürfen, wenn Not und Mord anschleichen, wenn Streicher zu Pogromen läutet, wenn die braunen Banditen in Kellern und Konzentrationslagern Hilflose zu Tode quälen:„Hitler will das nicht!" Der„oberste Ge- xichtsherr d$s deutschen Volkes" steht setzt aus d£l höchsten 3'ftne des Reiches. Es gibt keine Gegenkraft mehr, die ihm in den Arm fallen könnte. Aber neben dem Zepter lebt gefährlich die Entzaube- rung. Adolf Hitler als Reichspräsident: jetzt löst er sich von allem los, was an echter sozialisti» scher Sehnsucht in der nationalsoziali st i- schen Bewegung vorhanden war und ihr aus den Quellen des Gefühls den stärksten Auftrieb gegeben ha^e. Alles werden diese Massen verzeihen, vielleicht so- gar offenen Verfassungsbruch, Eidesverletzung, ja leider auch den Diebstahl an den letzten politischen Freiheits- rechten. Aver niemals wird der Stachel eines Verrats am Ideal und an der Idee entfernt werden können, wenn der Führer und Wegbahner offen seinen Frieden macht mit den gesellschaftlichen Kräften, die abseits vom Volk und gegen das Volk stehen. Jetzt er st ist die nationalsoziali st ische „Revolution" beendet, die von ihren Hinter- männern immer nur als Gegenrevolution geduldet wurde. Aber nicht mit ihrem Siege! Der 2. August ist das sym- bolische Datum des Umbruchs, nicht der Anfang einer Evolution, sondern die Parole des politischen und sozialen Rechtsumkehrt. Hitler, der niemals das Wort„Sozialismus" sonderlich leiden mochte, hat sein Bündnis mit allen früheren Feinden des Nationalsozialismus gemacht, mit Ausnahme der Arbeiterschaft.'allen Bedrängten und Leidenden in den industriellen Vororten der Großstädte, im Mittelstande und unter den Kleinbauern auf dem Lande. Der Satiriker George Groß hat es einmalig und un- nachahmlich gezeichnet: dasGesichtderherrschen- den Klasse. Schwerindustrie, Großbourgeoisie, Ost- junkertum und Militär: wie reich sind die Varianten für einen genialen Zeichner von Köpfen, Kleidern und Uni- formen! Reichspräsident Adolf Hitler repräsentiert die eiserne Kulisse des absoluten Staates, hinter der sie, be- schützt von Unbotmäßigkeit, volle Bewegungsfreiheit er- halten. Der Aufbruch des Nationalsozialismus— war das nicht eine lockende Idee mit einer herrlichen Bewegung zur Niederhaltung des Sozialismus? Wäre Adolf Hitler nicht dagewesen, wahrhastig, dann hätte er erfunden werden müssen. Zehntausende deutscher Wehrmachtsoldaten haben am Donnerstag dem„Führer und Reichskanzler" Adolf Hitler, ihrem neuen Oberbefehlshaber, die Treue geschworen. Die äußere Macht über sie ist von einem Generalfeldmarschall auf einen Gefreiten übergegangen. Aber wir sind weit davon entfernt, Hitler als den„Gefangenen" der Wehr- macht, besser der Generale zu bezeichnen. Es wird zwar behauptet, daß die hohe Generalität die Erfüllung be- stimmter Forderungen verlangt hat, ehe sie sich zur Auer- kennung dieses Oberfehlshabers bereit erklärte. Alan spricht von einer Art Vorzensur über die unbe- rechenbare und gefährliche Rhetorik Hitlers, über bestimmte außenpolitische Garantien, die der nach Meinung des Generalstabs noch unzulänglichen deutschen Aufrüstung Rechnung tragen. Im Augenblick ist für uns wichtiger, daß die Reichswehr in Adolf Hitler einen Repräsentanten des deutschen Volkes anerkennt, der Gewalt über Sachen und Seelen besitzt. Sie sieht jeden- falls heute keinen andern, aber sie würde vielleicht ihren heutigen Oberbefehlshaber bedenkenlos fallen lassen und jeden anderen Führer anerkennen, wenn er eben nur vor- standen wäre. Die Treue des Soldaten hat, was diesen Punkt anlangt, zu allen Zeiten in ihrer Treulosigkeit be- standen. Uebermorgen wird Hindenburg in feierlichem Staats- begräbnis seine letzte Fahrt antreten. Adolf Hitler, der Usurpator einer noch viel größeren Macht, wird von dem Meistersinger-Schicksal nicht bewahrt bleiben:„Versungen und vertan." Der deutsche Alltag ist kein Festspiel, son- dern durchdröhnt vo.n Alarm und durchzittert von Unruhe. Tie deutsche Krise Hut eine neue Etappe begonnen. An ihrem Ende wird die Zerstörung eines Götzen stehen. Welch eine Aufgabe für die Kommenden, ans den Trümmern des„dritten Reiches" die„zweite Republik" zu gestalten! Sie wird dem deutschen Volke die gestoblene politische Freiheit zurückgeben, aber sonst, darauf schivören wir. mit der ersten kelne Aehnlichkeit besitzen. Die lüge flcs • Die Staatsgewalt gew!orn"'!£ dnb. Berlin, den 2. August 1834. Der Führer und Reichskanzler hat an den Re'chö'nncn- minister folgendes Schreiben gerichtet: Herr Reichsinnenminister! Die infolge des nationalen Unglücks, das unser Volk betroffen hat, notwendig gewordene gesetzliche Regln»« der Frage des Staatsoberhauptes veranlaßt mich zu sol- gcnder Anordnung: 1. Die Grobe des Dahingeschiedenen hat dem Titel „Reichspräsident" eine einmalige Bedeutung gegeben. Er ist nach unser aller Empfinden in dem, was er»ns sagle. unzertrennlich verbunden mit dem Namen des grohe» Toten. Ich bitte daher Borsorge treffen zu wollen, dab ich im amtlichen und anßeramtlichen Berkchr wie bisher nur als Führer und Reichskanzler angesprochen werde. Diese Rcglung soll auch für die Zukunft gelten. 2. Ich will, dasi die vom Kabinett beschlossene und verfassungsrechtlich gültige Betrauung meiner Person und damit des Reichskanzleramtcs an sich mit den Funktionen des früheren Reichspräsidenten die ausdrückliche Sanktion des deutschen Voltes erhält Fest durchdrungen von der Ueberzeugung, dasi jede Staatsgewalt vom Volke aus- gehen und von ihm in freier und geheimer Wahl bestätigt fein mnst. bitte ich Sie, den Beschlnb des Kabinetts mit den etwa noch notwendigen Ergänzungen unverzüglich dem deutschen Volke zur freien Volksabstimmung vorlegen z« lasten. Berlin, den 2. August 1931. Adolf Hitler, deutscher Reichskanzler. * Die Reichsregierung beschlob entsprechend dem Wunsche des Führers und Reichskanzlers, die Volksabstimmung über das Reichsgesetz vom l. August 1934 am Sonntag, dem lg. August herbeizuführen. Eine deutsche Sllrnrne Die„Frankfurter Zeitung" wundert sich nicht Das ehemals demokratische Vlall in Frankfurt am Main schreibt: Tic bange Frage, die jede» Staatsbürger seit Jahren be- schältigte, die'trage, was iverden wird, wenn der alte Mar- schall aus dem Leben scheide, konnte im nationalsozialistischen Reich eine rasche und klare Beantwortung linden: der R e i ch s k a n z l e r i st zugleich Reichspräsident geworden. Diese Lösung überrascht uns nicht, denn sie i st die e i n s a ch st e und n a t ü r l i ch st e. die getroffen werden konnte, weil der Mann, der die- ses aufs höchste Maß autoritärer Führung gesteigerte Dop- pelamt bekleidet, Adolf Hitler heißt und iveil er d i e S e e l e des„dritten Reiches" verkörpert. Der Mann, der in Deutschland die höchsten Entscheidungen persönlich fällt, ist zugleich die Stelle, bei der die höch st e st a a t s- rechtliche Autorität liegt. Das ist der Sinn der Lö- sung. Tie Verantwortung des Kanzlers war schon bis zum Heuligen Tag so groß, daß sie durch das Gesetz, das heute verkündet wurde, nicht vergröbert werden konnte. Sie liegt restlos und vollkommen bei Adolf Hitler. In seiner Eigen- schalt als Reichspräsident ist Adolf Hitler künftig zugleich Oberbefehlshaber der Wehrmacht. General von Blomberg hat den Befehl zur Vereidigung der Truppen aus den neuen Oberbefehlshaber unmittelbar nach der Vcrkündung des „Gesetzes über das Staatsoberhaupt" gegeben. D> e Summe aller politischen und militärischen Macht liegt nun in Hitlers Hand. Wir misten, was der alte Reichspräsident seinem Volke inniger wünschte als alles andere' glücklich und einig zu iverden im Genuh deutscher Freiheit, deutschen Rechts und deutscher Selbstverpslichlung. Möge es Adolf Hitler, dem neuen Oberhaupt des Reiches, beschicken sein, dem Volke in immer wachsendem Vi ab Glück und Einigkeit zu bringen und zu erhalten. Diktator und Söldner „Bei Gott diesen heiligen Eid" Berlin, 2. Aug. Reichsioehrminister Generaloberst v. Blomberg hat auf Grund des Gesetzes über das Staatsoberhaupt des Deutschen Reiches und Volkes die so- sortigc Vereidigung der Soldaten der Wehrmacht auf den Führer des Deutschen Reiches und Volkes, Adolf Hitler, be- fohlen. Die Eidesformel lautet: Ich schwöre bei Gott diesen heiligen Eid, dab ich dem Führer des Deutschen Reiches und Volkes. Adolf Hitler, dem Oberbefehlshaber der Wehrmacht, unbedingten Ge- boriam leisten und als tapferer Soldat bereit sein will, jederzeit fiir diesen Eid mein Leben einzusetzen. Anschließend an die Vereidigung wurde auf den neuen Oberbefehlshaber der Wehrmacht ein Hurra ausgebracht, dem die beiden Nationalhymnen folgen. vr. Meißner, ein Charakter Von Ebert über Hindenburg zu Hitler Berlin, 3. Aug. Der Führer und Reichskanzler Adolf Hit- lcr hat den Staatssekretär des verstorbenen Rcichspräsiden- tcu v. Hindenburg, Dr. M e i b» e r, mit der Weiterführung der bisher vom Büro des Reichspräsidenten geführten Ge- schäfte beauftragt. Der Konflikt Wien-Berlin Der„Sondergesandte" des Reiths antichambriert und Härtel auf Bedingungen Wien, 8. Aug. Die Absicht des Vizekanzlers von Papen, als„Sondergcsandter" des Deutschen Reichs schon zu den Beiseyungsseierlichkeiten für den ermordeten Bundeskanzler Dollsub nach Wien zu kommen, ist durch deutliches Abwinken der Regierung und durch die drohende Haltung der Heim- wehren unmöglich gemacht worden. Von Papen hat sich damii begnügen müssen, am Requiem für Tollsuß in der Hedwigs- kirche in Berlin teilzunehmen. Es ist nun acht Tage her. daß der Reichskanzler Hitler die Entsendung von Papens als Svndergesandter nach Wien öffentlich angekündigt hat. Bisher hat aber die österreichische 8>'egierung das Agrement für irgendeine Art gesandtichaft- sicher Betätigung des Herrn von Papen in Wien nicht er- teilt. Eine Stellung als„Sondergejandter" kommt nach der einmütigen hiesigen Auffassung überhaupt nicht in Betracht. Herr von Papen müßte sich wie jeder andere Gesandte auch in das diplomatische Korps eingliedern und alle Sonderrechte würden ihm verweigert werden. Die Reichsregierung hat immer wieder verkündet, dab spätestens am Mittwoch oder am Donnerstag der laufenden Woche das Adrcmcnt erteilt werde. Bisher ist diese Boraus' sage aber nicht eingetroffen, und soweit wir unterrichtet si»d. wird sich die Bundesregierung auch erst in einigen Tagen in>' der Frage PapenS beschäftigen. Sic läßt einstweilen de» Reichskanzler und seinen Tondergesandtcn antichambriere»' sammelt das Material über die Unterstützung der Österreich'' schen Nationalsozialisten durch reichsdcutsche Stellen unbue"- handelt mit Rom, Parts und London über die weiteren deutsch-österreichischen Konflikt zu unternehmenden Schritte. Im Zuge dieser Besprechungen wird auch geklärt werde»' unter welchen Bedingungen Herr v. Papen in Wien zugk' lassen werden wird. Reichsbar.hro;fcur Dr. Schacht Fortsetzung von Seite l retten. Aber es war andererseits ganz klar, dab die scharfe Tevisenrcpartiernng aus stärksten Widerstand bei der Jndu- strie stoben würde, da für sie die Drosselung der Einsuhr mit Produktionseinschrankung gleichbedeutend 4st. Mächtige Kräfte waren am Werk, um die Reichsbankpolitik zu hintertreiben. Der bisherige Leiter des Reichswirt- fchaftsministerinms hatte zwar die Notwendigkeit der schar- fen Deviienreparticrung eingesehen, gleichzeitig aber ver- sucht, zugnnsten der Industrie möglichst viele Dcviscnzu- tcilungen herauszuschlagen. Obwohl schon seit Monaten die Devisenzuteilungen recht streng gehandhabt wurden, wenn auch nicht so streng, wie seit den letzten fünf Wochen, ist die Einfuhr nur in geringem Umfange zurückgegangen. Sie stellte sich beispielsweise im Mai und im Juni immer noch auf 870 resp. 377 Millionen Mark. Im Oktober und November vorigen Jahres dagc- gen, also in einer Zeit, wo bereits die Ansprüche der Jndu- strie aus ausländischen Nohstosfbczug ebenfalls grob war. betrag die Einfuhr nur 347 resp. 3äl Millionen Mark. Also im Vergleich zu den letzten Monaten des vergangenen Iah- reS war eigentlich, statt einer scharfen Einsuhreinschränkung, eine Einfuhrsteigerung festzustellen. Diesem Znstand, der bei der finanziellen Lage des Reichs und bei der rückläufigen Ausfuhr zu einem vollständigen Zusammenbruch der Mark führen müßte, soll nun mit der Ernennnng des Reichsbankpräsidenten Schacht zum Reichs- wirtfchaftsminister ein Ende gemacht werden. Seine Ernennung ist nur so zu verstehen, dab von jetzt ab in weit größerem Ausmaße als bisher die gesamte Wirt- fchaftspolttik unter dem Gesichtspunkt der Rettung des De- oisenbestandes geführt wird. Im Vordergrund aller wirt- schaftlichen Maßnahmen wird also in Zukunft nicht die Frage der Ankurbelung der Wirtschaft, sondern das Devisen- Problem stehen. Die Interessen der Wirtschast werben diesem Problem unterstellt, d.§, mit der Politik der Scheinkonjunktur, mit der Politik der Arbcitsschlacht, mit der Politik der Scheinsicgr zur Be- kämpsung der Arbeitslosigkeit ist es aus. W'c sehr die strenge Dcvisenrepartierung der Reichsbank die Wirtschaft getrosten hat gehl ans der Tatsache hervor, daß unter dem Druck Schach!» der bisherige Wirt chaits- minister Dr- Schmitt sich vor einigen Tagen genötigt sah. in einem Rundschreiben mitzuteilen dast es zwecklos sei. sich untc» Ansührnng arbei!s..iarktpoliti,ch:r Argumen.e an die Treuhänder der Arbeit zu wenden, um ihre Vermittlung zur Bew Uigung von Devisen in Anspruch zu nehmen. Aus diesem Rundschreiben gehl also deutlich hervor, dab die lata- strophalc sinanzielle Lage des„dritten Reichs" in immer gröberem Maße ihre bedenkliche Rückwirkung auf den Be- schästigungsgrad der deutschen Industrie ausübt. Und diese Rückentwicklung wird nicht aufzuhalten sein. Die Wirtschafts- diktatur Schachts bedeutet nichts anderes, als weitere Dros- selnng der Produktion und somit Erhöhung der Arbeits- lvsigkeit. Dies alles geschieht ober indesse» zu einer Zeit, wo der Lebensunterhalt in Deutschland im Znsammenhang mit den Preiserhöhungen erheblich gestiegen ist. Stach in diesen Tagen mußte in einer amtlichen Statistik fest» gestellt werden, daß die Erzeugerpreise für Kartoffeln in diesem Jahre sich ungefähr aus das Dreisache des vorjährigen Preisstandes stellten. Diese? Beispiel zeigt deutlich, wie die Dinge liegen. Auf der einen Seite sieht sich die Httlerrcgicrung gezwungen, um eine Inflation zu verhindern, die Produktion zu drosseln, und damii das Einkommen des deutschen Arbeiters und An- gestellten, das ohnehin den Tiefstand erreicht hat, noch weiter zurückzuschrauben, auf der anderen Seite ist sie nicht in der Lage, die Preise für die wichtigsten Konsumartikel dem ge- sunkenen Einkommennioeau anzupassen. Im Gegenteil, die Preise steigen immer weiter und in dieser Diskrepanz zivi- schen dem Einkommen und den Preisen wird die Ursache .künssbiger schwerer Erschütterung«» der Wirtschaft des „dritten Reiches" zu suchen sein, die auch Dr. Schacht nick' verhindern wird. „Notnsstand" in 43 Stödten lInprcbj: In 43 deutschen Städten ist der„Notzustand erk.ärl worden. Darunter befinden sich Städte, wie Bresla>- Görlitz. Schnekdcmühl. Kiel, Erfurt. Wiesbaden, Altona. Solingen. Dnsseidorf und Dortmund. Ter„Notzustand", oe nach der Verordnung der Hitlcrregicrung in Städten m besonders hohen Erwerbslosen- und Armensürioraen Au>> gaben erklärt werden kann, bedeutet, dab von ausivau kommende Erwerbslose an Unterstützung nur so viel er halten wie unbedingt nötig ist. um am Leben zu bleiben. Illusionen Naziwesen wird ausgestellt. In Düsseldorf wird eine Ausstellung veranstaltet: Kampf der NSDAP". Aus dieser Ausstellung soll» a- Streben nach Weltgeltung veranschaulicht iverden.•>' Zentrum der Ausstellung befindet sich das Symbol: ,A grobes Halbrund, das in allegorischen Darstellungen die c> malige deutsche Parteizerklüftung, den Zusammenbruch» 1918, Spartakus, Inflation. Separatismus schildert,?u gruppiert um eine Weltkugel von fünf Meter Durchmesse• Damit dieses Symbol der erstrebten Weltgeltung auch ll«. besonders betont werde, ist es so postiert, dab die HfjJ*".,, straße der Ausstellung, eine Fahnenstraße von lauter Mo sahnen, direkt auf die nazische Weltkugel zuführt.— müssen allerdings hinzusetzen: Da? Naziwesen gehör!: eine Ausstellung. Es wäre wichtig, wenn solche Ausstellung des Wahn- und Mordsinns auch ins Ausland kämen. SA.-Mann Kruse In unserm gestrigen Artikel, der sich mit der ersten Aeu»^ rung der Nazipresse zu dem Bericht des SA.-Mann» Kr» beschäftigte, hat sich ein Druckfehler eingeschmuggelt. verständlich erfolgte die Absendung de» Briefes und je> Ankunft in unserer Redaktion nicht im August, sondern Juli. Was alle Leser vermutlich von selbst gemerkt haben- Die österreidiisdi-bagrisdie Legion greift Feuerüberfall aof Kollerschlag Die österreichische Presse sefjt ihre Veröffentlichungen über die Unterstütfung des Aufstandes der österreichischen Nationalsozialisten aus dem Reich fort. So berichtet das„Linzer Volksblatt": Die Aktion begann Donnerstag um 10.30 Uhr nachts. Zu diesem Zeitpunkt gelang es einem Zollbeamten und einem Schutzkorpsmann des Zollamtes Haselbach, eine aus drei Mann bestehende Patrouille der Legionäre aus österreichi- schem Boden zu stellen. Auf Anruf der Oesterreicher flüchtete ein Legionär, die andern stellten sich zum Kampf. Der eine von ihnen war der in der ganzen Gegend berüchtigte Führer der Legionäre T r e m l aus Haslach, der seit dem Bestehen der Legion einer der fanatischsten Kämpfer der Legion war. Er führte das Kommando über das Sammellager in Weg- scheid, wo die. österreichischen Flüchtlinge von den Legionären übernommen wurden. Seit anderthalb Jahren lauerte Treml an der Grenze, jeder kannte ihn und seine furchtbaren Dro- Hungen. Diesmal ereilte ihn sein Schicksal. Er konnte von der Waffe keinen Gebrauch machen, weil er sich in den Hal- men des Kornfeldes, wo er sich niedergeworfen hatte, ocr- fing. So wurde er von der österreichischen Patrouille über- wältigt und verhaftet. Der Legionär Weih wurde ver- mundet, der zweite flüchtete nach Deutschland. Ueberfall auf das Grenzzollamt Die schwere Bewaffnung Tremls, er trug ein Hand- Maschinengewehr, eine Maschinenpistole, eine Walterpistole, eine Handgranate und eine Kombinationszange, die vermut- lich zum Abzwicken der Telefonleitungen dienen sollte, lieh darauf schlichen, dah eine gröbere A t i o n der Legionäre im Gange war. Diese Befürchtung sollte leider schon in den nächsten Stunden furchtbare Bestätigung finden. Um 2 Uhr früh begann der Einsall der Legionäre in Koller- schlag. Eine Abteilung von 10 bis 15 Mann überschritt in der Nähe der Grenzbrücke beim Zollamte Hanging die Grenze, konnte unbemerkt an das dortige Zollamt, das von vier Zollbeamten und einem Schutzkorpsmann besetzt war, heranschleichen und es umzingeln. Es wurde von allen Seiten beschossen, und die Legionäre, die schwer bewass- net waren, vor allem mit Handmaschincngewehren und Maschinenpistolen, forderten unter fürchterlichen Drohungen und mit dem Hinweis, dah bereits sämtliche Zollhäuser von der Legion besetzt und Kollerschlag in ihrem Besitze sei, die Beamten zur Uebergabe auf. Die Handgranaten waren bereits wurffertig. Angesichts der Uebermacht blieb den Eingeschlossenen nichts anderes übrig, als sich zu ergeben. Sie wurden entwaffnet und in der Zollkaserne ge- fangengesetzt. Um 2.30 Uhr erschien an der Hanginger Brücke der Fahr- park der Legionäre, ein Lastauto, ein Uebersallauto. ein Per- sonenauto und eine Beiwagenmaschine. Einzelne in diesen Autos befindliche bayerische Staatsbürger wurden mit den erbeuteten Waffe» der Zollbeamten ausgerüstet, in einer Hütte am Grenzbach richteten die Legionäre ein Munitions- depot ein, dann setzte sich die Kolonne in Bewegung gegen das nur zwei Kilometer von der Grenze entfernte Koller- schlag. Die eingeschlossenen Zollbeamten muhten diese Bor- bereitungen mit ansehen, ohne die Kollerschlager warnen zu können. In furchtbarer Spannung erlebten sie die nächsten Stunden. Nach anderthalb Stunden rollte die Beiwagen- Maschine mit dem ersten Verwundeten nach Wcgscheid zurück, nach zehn Minuten folgten die AutoS, gleichfalls mit Ber- mundeten. Um 4.30 Uhr kamen die übrigen Legionäre zu Fuh zurück, an ihrer Spitze der Führer der ganzen Aktion, ^Hauptmann G e i st e r. Bis gegen 8 Uhr hielten sie noch die Grenzkaserne besetzt, dann zogen sie sich wieder nach Weg- scheid zurück, und H a n g i n g war wieder frei. Blutige Straßenkämpfe der Wegscheidel Straße gegen die Ortsmitte vor. Sie hatten als ortskundigen Führer den 20jährigen Kollerschlager Gast- wirtssohn Franz Brunnbauer und den Bäckergehilsen Johann Martl. Brunnbauer kam bereits am Vortag nach Wegscheid und führte die Legionäre in den Ort. Der erste Angriff konnte zunächst abgewiesen werden. Die Angreifer hatten zwei Tote. Unmittelbar an der Hauswand seines väterlichen Hauses sank Brunnbauer tödlich getroffen zu Boden. Er hatte noch eine Handgranate und eine Pistole in den Händen, die er eben hatte neu laden wollen. Wenige Schritte davon fiel der Legionär Obermüller. Als die Legionäre den tapferen Widerstand sahen, gaben sie allmählich den Kampf aus. Sie hatten mindestens fünf- hundert Schüsse abgegeben. Tie Verteidiger etwa dreihig. Die Legionäre wurden von einer von Heilstein zu Hilfe kommenden Verstärkung unterstützt, konnten sick aber aus bayerisches Gebiet slüchten. Wenige Stunden später kam der bayerische Kultusminister Schemm, dem Hitler telefonisch von Bayreuth aus Befehl gegeben hatte, aus raschestem Wege nach Wegscheid zu fahren. Er unterhandelte mit den gefangenen Oesterreichern und entschuldigte sich schließlich namens der Reichsreaieruug. Line Aktion großen Stils war geplant Das Eingreisen der höchsten Regierungsstelle erfolgte recyr- zeitig, denn von bayerischer Seite kommt die Nachricht, dah tatsächlich ein Einmarsch der Legion in großem Stil geplant war. In Wegscheid selbst sollen bereits Legionäre zum Ein- marsch bereitgestanden sein. Einer Nachricht aus Bayern zu- folge ist nunmehr die österreichische Legion abgerüstet nnd zurückgezogen worden. Hauptmann Geister und zwei andere Führer der Legion sollen in Passau hingerichtet werben. "Aus einer Meldung des Oberösterreichischen Landespresse- dienstes geht hervor, daß jeder Legionär mit einer Maschinen- gcwehrpistole und außerdem mit einer P i st o l e bewaffnet war. Die Legionäre verloren drei Tote, mehrere von ihnen wurden verletzt. Der Arztsohn Hartmann aus Wegscheid hat einen B a j o n e t t st i ch erhalten, vermutlich bei seinem hinterhältigen Kampf mit Gendarmerieinspektor Hölzel. »er Nachwels der Fäden Killers Inzwischen hatte sich in Kollerschlag ein furchtbarer Straßenkampf abgespielt. Der Ort trägt noch uberall die Spuren dieses Gefechtes, zahlreiche Blutspuren auf dem Boden, zerschossene Häuserfronten, übel zugerichtete Woh- nungen. Die Legionäre, die sich um 2.30 Uhr in den Ort ein- schlichten, suchten den Gendarmerieposten von zwei weiten im Sturm zu nehmen. Ein Teil eröffnete von der Kirche her das Feuer gegen den Posten, ein anderer rückte langsam auf Paris, 3. August. lBon unserem Korrespondenten) Georges Marcenay stellt im„Jour" fest, dah Deutschland die volle Verantwortung für das Drama von Wien trage. Man habe, so führt er aus, bereit« wenige Stunden nach der Ermordung des Kanzlers Dollfuh einen Deutschen ver- hastet, der ein das Deutsche Reich stark belastendes Doku- ment bei sich getragen habe. In ihm heiht es, dah die öfter- reichische Bewegung vollkommen so aufgezogen sein müsse, dah sie als von Oesterreich selbst ausgehend und nicht von draußen hereingetragen wirke. Auch müsse ein Kampf mit der Bundesarmee so weit wie möglich vermieden werden. Marcenay weist nun in seinen Ausführungen aus die vollkommene Uebereinstimmung der in diesem Schriftstück gegebenen Richtlinien mit dem Text hin, den die deutsche Presse und der Berliner und Mün- Göring und Brandstiftung Ein Hinweis Die Enthüllungen des SA-Mannes Kruse über den Reichstagsbrand haben Göring als den Anstifter des Bran- des vor aller Welt bloßgestellt. Es gibt aber noch einen anderen, wenn auch indirekten, aber darum nicht minder zwingenden Beiveis. Göring ivar zur Zeit des Brandes und ist heute noch der Präsident des Reichstags. Er ist preußischer Ministerpräsident und mit fast unbeschränkten Machtvollkommenheiten ausgestattet. Am 12. September 1032 hat er im Reichstage pathetisch.erklärt: „Ich bin fest entschlossen, sowohl das Ansehen des Reichstages aufrechtzuerhalten, wie vor allem das Recht der deutsche» Volksvertretung, gemäß der deutschen Verfassung zu arbeiten." Diesem arbeitswütigen und auf das Ansehen des Parla- ments so erpichten Präsidenten passiert nun das„Mih- geschick", dah ihm von„frevelhaften Händen" sein teures ParlamcntSgebäude in Brand gesteckt wird, so dah er in ein Notgebäude, die K r o l l- O p e r, übersiedeln muh. Aber merkwürdig, der allermächtige Präsident und Minister hat in den seit dem Brande verflossenen rund eineinhalb Jahren keinerlei Anstalten gemacht, den Reichstagssaat renovieren und wieder für die Reichstagszwccke herrichten zu lassen. chener Rundfunk für die Bekanntgabe der ersten Meldungen über den„Wiener Putsch" verwandt habe. Er unterstreicht vor allem die Tat- fache, dah die erste deutsche Rundfunkmeldung davon gespro- chen habe, dah die Tyrannei der Regierung Dollfuh das österreichische Volk bewogen habe, sich dagegen zu erheben und sich vom Tyrannen zu befreien. Und in den ersten Ber- liner Kommentaren habe man zynisch der österreichischen Bundesarmee geschmeichelt, deren Uniformen sich die Mörder als Maskierung bedient hätten. Zum Schluh habe das Schriftstück angeordnet, dah die führenden Persönlichkeiten und die Regierungsmitglieder, die sich der Bewegung wider- setzten, sofort zu verhaften und unschädlich zu machen sind. Ge- rade aber aus diesen Anordnungen gehe klar und deutlich hervor, schreibt„Jour" dah der Mordbefehl durch die glei- chen Drahtzieher des Putsches, nämlich durch die Münchener Nazis, durch das Reich erteilt worden ist In der gleichen Zeit aber hat er für sich selber ein Prunk- palais und für seine verstorbene Frau ein Mausoleum bauen lassen. Wenn ihm das Parlament so am Herzen läge, als er vorgibt, dann hätte er den Reichstag längst wieder instand- setzen lassen, was höchstens einige Monate in Anspruch ge- rommen hätte. Diese Unterlassung spricht Bände. Sie ist ein indirekter Beweis, wie„gelegen" diesem Präsidenten de- Brand kam, wie sehr er seinen„Intentionen" entsprach. V« ist„Pfarrer" nondimeqer? Einer der übelsten Klopffechter des„dritten Reichs" war bis zu Hitlers Machtantritt der ehemalige evangelische Pfarrer Münchmeyer. Seit Jahr und Tag scheint er sang- und klanglos verschwunden zu sein. Man hört und sieht nichts mehr von ihm. Im evangelischen Kirchenstreit wäre doch eigentlich sein Platz gewesen. Als„Fleischbeschauer des «dritten Reichs"", der eine Narbe am Körper eines jungen Mädchens betasten wollte und sich dabei vergriff, hat sich Pfarrer Mllnchmener ebenso um die Hebung der Sittlichkeit wie durch sein T.ben gegen die Republik um das Kommen des„dritten Reiches" verdient gemacht, so dah es höchst undankbar von Adolf dem Grohcn ist, ihn jetzt so zu vergessen. MM iü[ Die„WW zrWl"! Kalholisdi• eine Rasse F. B. Der Rassenirrsinn ist vom Wesen des Nationalsozia- lismus nicht zu trennen,' er ist der wichtigste Bestandteil sei- ner Ideologie, aber es ist nur ein Zufall, dah dieser Rassen- irrsinn in ber Formulierung, die im Günther gegeben hat, zur heiligen unbezweiselbaren Lehre des Naziwesens gewor- den ist. Mit gleichem Fug und Recht hätten die Machthaber im„dritten Reich" auch irgend eine der vielen anderen Leh- ren, die das„Ariertum" als Krone der Schöpfung betrach- ten, zur Basis ihrer Welt- und Menschenbetrachtung machen können. Wer die Publikationen durcharbeitet, die der verstorbene Gründer und Besitzer des Hammer-Berlages Fritsch und die ihm nahestehenden Kreise seit Jahrzehnten auf den Markt der deutschen Dummheit warf, wird die kuriosesten Ent- deckungen machen. So kurios daß diese höchst unerquickliche, ja schmutzige Arbeit ihren Sinn bekommt. Bor allem macht man die eine Erfahrung, dah alle Ver- suche, auf wissenschaftliche Art und Weise das Rassengeschwätz erledigen zu wollen, unsinnig sind,' man kann nicht mit den Methoden und Argumenten der Biologen und Anthropo- logen Menschen antworten oder ihre Meinungen widerlegen, die nichts mit Wissenschaft zu tun haben. Das, was die Nazis unter Rassenkunde verstehen, gehört in das Gebiet der Psychiatrie oder es ist mindestens eine Massenpsychose, die wissenschaftliche Darlegungen und Diskussionen nicht zu hei- len im Stande sind. Der ganze Unsinn und Irrsinn entschleiert sich einem erst, wenn man, wie gesagt, die Vorläufer des Günther studiert. Unter diesen verdienen heute jene eine besondere Beachtung, die darauf ausgehen, die Katholiken als eine besondere, selbstverständlich minderwertige Rasse darzustellen. Unter Günthers Vorläufern genieht ein Mann besondere Ehren, er wird geradezu als eine Art Heiliger betrachtet, als ein Märtyrer, der niemals in seinem Vaterlande ernst genom- wen wurde, obwohl durch seine Lehre geradezu das Heil- Wittel für das kranke Europa hätte werden können. Die nazischc Rassenwissenschaft beruft sich immer wieder auf ihn. Wir sprechen von dem französische»„Anthropologen" Geor- ges Vacher de Lapouge: in seinem Hauptwerk„LAryen, !on rolesocial". Paris, Albert Fontemving, 1309, äußert er sich auch über die rassische Lage der Katholiken. Seine Dar- I.gung ist deshalb interessant, weil sie die-rassische Grundläge fast wörtlich so darstellt, wie es sonst die heutigen Rasse- apostel mit dem Judentum machen. Vacher de Lapouge schreibt in seinem oben genannten Werk sS. 387s über die katholische Rasse: „Als die Reformation zum Ausbruch kam, wendeten sich die blonden und langköpfigen Völker alsbald ihr zu. Zwi- schen dem Geist der Kirche, ganz Autorität, und dem ari- scheu Geiste, ganz Individualismus, bestand ein unüber- brückbarcr Gegensatz. Durch die Reformation wurde je- der Gläubige sein eigener Bischof und Papst. Da« war den Rasseninstinkten gemähcr. Die egoistischen Sonder- bestrebungen der Fürsten, die Verfolgungen durch die Kir- che bewirkten, dah die individuellen Neigungen nicht über- all zu dem gleichen Resultat führten, trotzdem aber ist die Grenze des Protestantismus nahezu identisch mit der Langköpsigkcit,.. Bemerkenswert ist. dah sich in Deutsch- land in den Mischgebiete» die Beziehungen zwischen Be- kcnntnis und Rasse sogar bis zu den einzelne» herab ver- folgen läht. Die Protestanten sind dort um zwei bis drei Jndcxeinheite,, langköpfigcr als die Katholiken. Die Re- formation erscheint somit als ein Versuch, das Christen- tum den ererbten Tendenzen dex arischen Rasse anzu- passen. Wie der Gedanke der Freiheit, hat auch sie niemals dauernd unter andern Rassen Eingang gefunden." Soweit der französische Vorläufer Günthers: dah er mit Unrecht unernst genommen wurde, kann danach wohl nie- wand mehr behaupten. Es ist ihm sein Recht widerfahren, und wenn nun von ihm gesprochen wurde, dann nur des- halb, weil die Hitlerei einen dazu zwingt, sich mit allen mög- lichen Albernheiten und Irrsinnigkeiten zu befassen. Aus dem Buch Vacher de Lapouges ging die Behauptung, die Katholiken seien rassisch von anderen Bekenntnissen un- terschieden. in die deutsche Rassenliteratur über. Ein Jahr nach Vacher de Lapouges Buch erschien ein seltsames beut- sches Buch: Heinrich Driesmans„Das Keltentum in der europäischen Blutmischung", Leipzig, DiederichS, 1000. Die- ses Buch stellt dem Arier, der natürlich das Edelste ist, was Gott geschaffen hat. nicht den Juden gegenüber, der Feind des Driesmans ist da« Keltentum, eine„brünette, brachy- cephale, alpine Raffe". Man beachte den Fortschritt: hier tauchen bereits die gelehrt klingende» Fremdworte als Mit- tel zur Formulierung des Unsinns auf! Auch Driesmans besaht sich mit der Frage der katholischen Rasse und sagt: „Hat man wohl bis auf den heutigen Tag häufig blonde katholische Geistliche gesehen'? Mönche und Einsiedler wohl, weil deren Lebensart dem weltgewandten, wirklich- keitsseindlichen, eigenartigen Sinne der Germanen sym- pathisch sein muhte. Aber Priester, die sich einer den Wil- len des einzelnen zerbrechenden Institution bcdingungß- los unterwerfen, die sich bis ins Einzelne vorschreiben lassen müssen, wie sie zu denken und zu Handel» haben— nein!. Der blonde katholische Priester ist eine Abnormität, ein Monstrum. Man achte nur auf die Diener der allein selig machenden Kirche: ihre rundliche, gedrungene Schä- delbildung, das breite behagliche Gesicht, welches, um mit Friedrich Hebbel zu reden, sich wie ein„vollkommen glaubwürdiges Attest" ausnimmt,„das der dankbare Ma- gen über die regelmäßig empfangenen Futterlieferungen ausgestellt", die rastlos umherspähendcn dunklen Augen, die durchweg schwarzen Haare,— so wird man den sremd- rassigen TypuS, der hier vorliegt, nicht verkennen können- Es kann keinem Zweifel unierliegen, daß man es hier mit einem Volk in unserem Volk zu tun hat, das sich im Schöße der katholischen Kirche wie auf einem ihm besonders zu- träglichen fetten Boden konserviert hat. Doch soll nicht in Abrede gestellt werden, dah auch die protestantische Kirche solche keltische(-alpine) Elemente angezogen habe, und be- zeichnenderweise zumeist in ihren orthodoxesten Zentren, in denen gleichfalls der schwarze, rundschädelige, gedrungene Typus den Ausschlag gibt." Das Buch von Driesmans ist bis in die Nachkriegszeit in den antisemitischen Schriften angepriesen worden, die der Kyfshäuser-Berlag, Zechner& Co., in München herausgab: der Kyfshäuser-Berlag wurde später von der Firma Franz Eher gekauft, dem heutige» Partei-Zentral-Verlags-Geschäft der Hitlerei: lange Jahre hindurch war das Signet des Ver- lages Eher mit dem des Kyffhäuser-Verlages identisch. Auch diese Schriften selbst haben die Meinung vertreten, daß der. Katholizismus rassisch vom echten Deutschtum ge- schieden sei. Wir wollen nur ein Beispiel aus einer solchen Schrift geben: in den Semigothaismen(aus T. 214) heiht es: „Der Katholizismus hat nach... rein statistischen Ergeb- nisten schon von Natur aus eine engere Verbindung mit den unarischen Fremdclementen unserer Völker, ist von Natur aus leichter geneigt, sie völlig in sich aufzunehmen. Die zahl- reich aufzudeckenden Beziehungen zwischen Katholizismus und Judentum haben darin ihre Grundlage". Vacher de Lapouge war ein Franzose, aber die Franzosen haben ihn samt seiner Lehre ausgelacht: die Deutschen er- leiden das tragigroteske Schicksal ans der Basis einer irr- sinnigen Rassenlehre„umgeformt" zu werden, wenn sie sichs gefallen lassen.., 1 Die Räuberbande! Vierter Bericht von einem ehemaligen SA.-Führer9 .^ Hitler zur Macht kam, hofften ungezählte Mittel- stanosexistenzen auf eine durchgreifende Hilfsaktion für den notleidenden gewerblichen Mittelstand. Die Schuhgeschäfte hofften auf ein gutes Stiesellieferungsgeschäft, die Schneider aui Uniformlicferungsaufträge, die Textilbranchc aus Liese- rung von Braunhemden und sonstigen Ausrüstungsgegen- itanoen usw. Wie sah es aber dann in der Praxis aus? Das heißt, wie wird es auch im Saargebiet zugehen? Der Schuhmacher- nieister Maier Frankfurt a. M-, Zeil, war alter Pg. und hatte jahrelang„geopfert", die Führung der SA. poussiert und geschmiert lalso Herrn Wehner und Herrn Vcckerlei. Er hoffte aus Grund seiner löblichen Vorbereitungen auf ein gutes Stiefelgeschäft. Und wirklich kamen auch die tapferen „Kämpfer" in hellen Scharen heran, zahlten für die Stiesel •> Mark an, zogen sie an und vergaßen zu 90 Prozent, die vereinbarten Ratenzahlungen einzuhalten, weil sie von ihrer jämmerlich geringen Wohlfahrtsunrerstützung beim besten Willen nichts abbringen konnten. Alle Mahnungen bei den Sturmführern und selbst bei den höheren Dienststellen nützten nichts, weil die SA.-Männer erklärten, baß sie„Be- fehl" hätten, sich Stiefel zu beschaffen, aber jwtt der geringen Unterstützung nichts hergeben könnten. Mit einem Satz: alle Schuhhändler im Reich lieferten so unzählige Stiefel gratis, konnten nichts unternehmen, mußten sogar strenge darüber schweigen und sich nur bei ihren Stiefellicserauteu schadlos halten, indem sie bei den Fabriken einfach die Stiefel nicht bezahlten. So kurbelten sie die Wirtschast an. Tic Schuh- fabriken aber erhöhten die Akkorde der Schuharbeiter, und so kam es. daß die Lohnarbeiter die Stiefel der TA. zum großen ^.eil bezahlten mußten. Die Schuhfabriken wurden, als die Schuhgeschäste keine Stiefel mehr kreditierten mit Gammelaufträgen von der SA. direkt beehrt. So hat z. 83. die Firma Benedum in Pirmasens Stiefel aus Stiefel direkt au die SA. geliefert, u. a. auch nach Frankfurt, und bis heute keinen Heller dafür erhalten. Alle sanften Mahnungen der Firma Benednm flogen in den Papierkorb. Die Firma wagte es nicht, gegen die allmächtige SA. und PO. etwas direkt zu unternehmen. Statt dessen meldete sie ihrem Berussverbanö diese un- erhörten Vorfälle und ersuchte um dahingehendes Einwirken auf die oberste SA.-Führung, daß die viel hundert Paar umfassende Stiefclliefcrung auch bezahlt würde. Umsonst. Der Bericht der Standarte 81 an die oberste SA.-Führung lautete nämlich: „Die Firma Benedum hat, entgegen dem nationalsozia- listischen Grundsatz, Sticsellieferungen nur durch den ein- heimischen Schuhhandel vornehmen zu lassen, einige hun- dcrt Paare Stiefel geliefert, die von der Standarte 81 dann beschlagnahmt und an bedürftige SA.-Männer verausgabt worden sind. gez. Mehner." In Wirklichkeit hat der Standartenführer stillschweigend die Bestellung der Stiesel vornehmen lasten, die Stiesel dann beschlagnahmt und unter stillschiveigender Duldung durch de» Truppsührcr Ludin geeigneten Kreaturen verteilen, zum Teil verkaufen lasten. Auch der Fübrersiab dieser Formationen rüstete sich mit diesen billigen Stieseln aus und bereicherte sich auf die niederträchtigste Weise an dem so herein- geschwindelten deutschen Volksgut. Was sich die Schuhlicseranten dachten, wenn sie bei den großen SA.-Aufmärschen die„braunen Garanten eines nencn Teutschlands" in ihren Stiefeln daherkommen sahen, das kann man sich denken. So ging mehr als ein Schuhwaren- Händler, gezwungen von der Unterbilanz aus seinem ersten Geschäftsjahr unter Adolf, dem moralischen Erneuerer, zu den Kritikastern und Miesmachern. Dazu kam. daß durch das große Stiesclgcfchäft der Umsatz in Zivilschuhcn gewaltig nachließ, so daß der Schaden doppelt groß war. Bor allen Dingen erkannten die Geschäftsleute aus der nationalsozia- listischen Praxis, daß alles ein ganz aeinciner Nepp ivar: daß die„Garanten" der nene» sauberen Weltanschauung in Wirk- Iichkeit niederträchtige Erpresser war-n, die keine Ahnung von dem Grundsatz von Treu und Glauben hatten. Oer Sturrnkiihrer»I» Mätresse Auch der Waffenhändlcr Weiß in Frankfurt. Bilbeler- straßc, kann ein Liedchcn singen von dem neuen national- sozialistischen„Ethos", d. h. von der Zerstörung jedweder Ehrenhaftigkeit, jeglicher anständiger Gesinnung. Ter Homo- sexuelle Sturmführer B u ß, der sich von dem bekannten Walter Jensen, Bcrgcrstraße 104, seinem Lustknaben, zwei Jahre lang wie ein Zuhälter ernähren ließ, holte bei diesem Herrn Weiß mehrere Pistolen, die er an SA.-Männer gegen bar verkaufte. Der gute Herr Weiß hat bis heute noch keinen Pfennig von diesen Pistolen. Er bekam als Entschädigung „Empfehlungen" von diesem Büß, und die so empfohlenen braunen Kämpfer kauften, zahlten an und blieben mit den Raten hängen. Eines TageS mußte Weiß einsehen, daß er sich in der moralischen Qualität der braunen Kämpfer ge- wältig geirrt hatte: daß er umsonst die NaziS vor der Macht- Übernahme mit Waffen und Munition versorgt hatte. Seinen Dank hat er also reichlich erhalten. Der Sturmbannführer Otto Held war dagegen ein andrer Kerl. Er ließ sich eine Sammelliste ausfertigen, in der zu lesen war, daß der Sturm 30/81 für bedürftige SA.-Käme- raden sorgen wolle und erwarte, daß sympathisierende Gönner Geldbeträge für diese armen SA.-Männer zeichneten. Der SA.-Mann Gerloni ivurde loSgeschickt und sammelte etwa 70,— Mk., die er dem Otto Held ablieferte, der mit 15,— Mark eine Pistole bei Weiß anzahlte und den Rest iür sich ivohl verbrauchte. Die später bis an die oberste SA.-Führung gemachte Beschwerde ist bei der SänberungSaktion vom 30. Juni wohl auch von der Bilbfläche verfchivunden. Kein Wunder, daß auch diese Führer ausgeatmet haben und aus vollem Herzen ihrem Führer für die Aktion dankten. Die Lieferanten der Braunhemden waren nicht minder un- zutrieben. Ein Jude Schwarz soll vor langen Jahren ein „dreckiges" Verhältnis gehabt haben, dem ein„Judenstämm- ling" cntsprosten sei. Da das Kind einen Vater haben mußte, betratete die Jungfrau einen Herrn Schneider, der seine» Namen gerne gab, als er erfuhr, daß er im Gcgenzug ein Wäscheaeschäst bekonvnen sollte. Von diesem Wäschegeschäft und seinen Inhabern ist nun die Rede: Vor der Machtübernahme ivar dieses Geschäftchcn pleite. Da kam Adolf in den Sattel und die Firma Schwarz- Schneider in Frankfurt, Zeil, obenauf, denn der Sohn, ob- mobl„Judensiämmling", war SS.-Mann, und der Vater hatte„ante" Beziehungen zur Reichszeugmeisterei, an die er in der Folge Tausende Braunhemden lieferte. Und wieber wiederholte sich das alte Spiel: Austräge, An- zahlungcn. Raten— zum Schluß kann der Verkäufer raten, wann er evtl. etwas bekommt. Auch liier die verfluchte Moral, diese veru'ünschtc Charakterlosigkeit der Menschen, die tagtäg- lich als Elite und oberste Träger der nationalsozialistischen Weltanickauuna gefeiert und in Wirklichkeit wider Willen zu Betrügern gemacht wurden. Denn auf der einen Seite zwang sie der„Befehl", sich auszurüsten: aus der andern Seite frug kein Mensch, wie es ihnen möglich war. Jedenfalls wurden die Zuschüsse oben verbraucht. So trug z. B. der Sturmführer ein unbezahltes seidenes. Braunhemd von dieser Firma Schwarz-Tchneider. Einer, der sich an Mitgliedsbeiträgen gesund machte Es wäre unbillig, wenn man von Schneider sprechen wollte, ohne von Schweizer zu sprechen, dem ehemaligen Orts- grnppenlciter der Ortsgruppe Ostend Frankfurt. Der rauchte ständig dicke Schnciderzigarrcn, ab von Schneiders Silber- tellcrn in denen pompöser Villa am Röderbergweg, schlürfte Schneiders Weine. Wen soll es wundern, wenn dieser Schweizer tat, was alle fast taten? Er überschrieb dem Schneider alle Lieferungsansträge als Zeugwart der Kleider- taste der Staudartc 81. Wer will sich schon da aufregen, daß die Firma Neithardt keine Austräge mehr bekam, sondern die Firma Schwarz alles schluckte? Die Firma Schneider hatte nämlich Schweizer in der Hand, denn dieser halte als Ortsgruppenleiter jahrelang Auf- uahmegelder und Beiträge zur NSDAP, unterschlagen. Er machte das so, daß er grundsätzlich jede Neuaufnahme ein halbes Jahr zurückstellte und in diesem halben Jahr die Beiträge für sich kassieren ließ. Ihn störte es nicht, daß dadurch die rauhen Kämpfer viel spätere, d. h. höhere Mit- gliedsnummcrn der NSDAP, bekamen als andere. Erst als Adolf die Macht übernahm, galt die Höhe der Mitglieds- «Ummer als ein Zeichen besonders wertvoller national- sozialistischer Gesinnung. Da gabs natürlich Krach. Schweizer ivurde schwer angegriffen, aber sie konnten ihn nicht aus der Partei werfen, er wußte zuviel, und seine Richter Ereignisse und 9esdkidiien ';!:''V'«! f. r ff! M s Samstag, den». August 1934 Die Seme#eqen Proskriptionsliste der deutschen Schriftsteller In der neuesten Nummer 29 der..Deutschen Presse", dem v_5| ziellen Organ des..Reichsverbandes der Deutschen t resse", wird eine Liste derjenigen Redakteure und Schriftleiter im Bereich des Landesverbandes Berlin veröffentlicht, deren Anträge auf Aufnahme in die Berufsliste der Schriftleiter abgelehnt worden ist. Damit ist, so sagt die Basler„National-Zeitung", das Moralische und wirtschaftliche Todesurteil über 157 Männer des deutschen Schrifttums gesprochen worden. Wer nicht in die Berufsliste der deutschen Schriftleiter aufgenommen Vurd, dem ist nicht nur die Möglichkeit einer ferneren Betätigung in den Redaktionen sämtlicher deutscher Blätter untersagt, sondern überhaupt die Ausübung jeder schriftstellerischen Tätigkeit. Denn das neue Schriftleitergesetz bestimmt, daß nicht nur derjenige Schriftleiter ist, der einen festbesoldeten Redakteurposten bekleidet, sondern auch derjenige. der sich an deutschen Zeitungen als Mitarbeiter ohne feste Bindung betätigt. Die Mehrzahl der vom Landesverband Berlin abgelehnten Schriftleiter ist n i ch t sriseher Abstammung. Die Ablehnung stützt sich somit auf Ziffer 3 des§ 5(Arierparagraf). Es ist nicht erkennbar, aber anzunehmen, daß die entscheidende Instanz in einigen Fällen Ausnahmen gemacht hat, die unter besonderen Verhältnissen zulässig sind, aber in jedem Fall der direkten Entscheidung des Propagandaministers unterliegen, der bekanntlich der Vater des Schrift- leitergesetjes ist. In einigen Fällen ist die Nichtaufnahme begründet mit dem Hinweis auf die Nichterfüllung der Ziffer 7 des erwähnten Paragrafen, in dem die Rede ist *on Voraussetzungen, die der Berufsausübung zuwiderlaufen. Hier handelt es sich ohne Zweifel um die frühere politische Betätigung der Ausgeschlossenen. Das ergibt sich deutlich aus einem Fall, in dem bekannt wurde, daß der verfemte Schriftsteller früher intensiver Mitarbeiter an sozialdemokratischen Blättern war, dessen Gesinnung der heutigen Regierung verdächtig ist. Es sind natürlich auch Fälle denkbar, bei denen eine Nichtaufnahme in die Berufsliste darum nicht erfolgte, weil der Petent ein unwürdiges Verhalten an den Tag gelegt hat. Die Paragrafen 14 tiud 15 enthalten nämlich Bestimmungen, daß derjenige Schriftleiter, der sich nicht nur im Beruf, sondern auch "ußerberuflich unwürdig benimmt, also sich etwa der Spiel- leidensehaft oder dem Trunk ergibt, von der Berufsliste gestrichen werden muß. Diese Entscheidungen sind inappelabel. Bei den 157 Ausgestoßenen fand indessen In der überwiegend großen Mehrzahl die Expulsion lediglich auf Grund des Arierparagrafen statt. Es sind einige Namen darunter, die einen guten Klang hatten und deren Träger heute in einem Alter sind, in dem ein Berufswechsel als ein Ding der Unmöglichkeit erscheint. Darunter befinden sich, um nur einige bekannte Namen zu erwähnen, der Schriftsteller und Dramaturg Julius Bah, einst eifriger Vorkämpfer des Volksbühnen-Gedankens, ferner Dr. Arthur 11 o e s s e r, langjähriger geschätzter Schanspielreferent und Fruilletönredakteur der„Vossischen Zeitung" und bis vor der Umwälzung Geschäftsführer des Schutjverhandes der deutschen Schriftsteller. Vom gleichen Schicksal wurde Fritz Engel, Redakteur und Kritiker am„Berliner Tageblatt", betroffen. Dr. Ludwig Freund, der Kollege Fritz Kleins und ehemalige» stellvertretender Chefredakteur der„Deutschen Allgemeinen Zeitung" und Dr. Georg F r ö s ch e 1, bekannter Mitarbeiter der Ullstein-Zeitungen, sind ebenfalls cu unfreiwilliger Muße verurteilt worden. Dr. Alfred '-andsburg, ehemaliger Herausgeber wirtschaftspolitischer Zeitschriften, muß die Feder ebenso beiseite legen, Seccucia tBus Im Angesicht eines aus tausend Wunden blutenden Deutschland, im Angesicht jenes kulturellen Trümmerhaufens, der von deutscher Kultur, von deutschem Musikleben nach 18- Monatiger Nazi-Fremdherrschaft übrig geblieben ist, gilt es, eines Mannes zu gedenken, der sich, dem italienischen Kulturpreis entstammend, mehr und mehr zum Deutschen gewandelt hat, der schließlich in seiner südlichen Heimat ein fremder geworden war und während des Krieges auf dem Zwischenstaatlichen Boden der Schweiz sehnsüchtig auf den lag der Rückkehr nach Deutschland wartete. Es bleibt eines der seltenen Ruhmesblätter in der Geschichte der Weimarer Republik, daß die für das preußische Eunstlcben damals Verantwortlichen 1920 Busoni an die berliner Akademie beriefen; und die drei folgenden Jahre, >n denen dieser Meister in Berlin wirkte, schaffte und lehrte, scheinen uns rückblickend die letzte Aufstiegs- und Entwich- li'ngsepoche zu sein, die die heute heimatlose deutsche Musik «riebt hat. Es ist bezeichnend für den Geisteszustand dieser Zeit, daß die offizielle Musikwelt des Jahres 1934 von Busonis Gedächtnistag kaum Notiz nimmt, während sie sich nicht genug tun kann in der Veranstaltung Schwung- und inhaltloser Eremdenverkehrsfestspiele, während sie große und kleine Betriebsgrößen immer wieder feiert und weit über Gebühr «hrt. Am meisten wird man vielleicht noch von dem Pianisten Busoni reden hören, der bedeutendsten und umfassendsten Virtuosenerscheinung nach Liszt, deren Zauber jedem unvergeßlich ist, der sie auch nur einmal erlebt hat, deren Wirkung in seinen heute wirkenden Schülern ebenso tvie in seinem Bearbeiterwerk(der Bach-Ausgabe vor allem) Noch lebendig ist.« im*-»-■> Komponist Busoni war eigentlich stets nur einem kleineren Kreise bekannt. Er verband— Kind eines italienischen Vaters und einer deutschen Mutter— italienische Eormenklarhcit mit deutschem Exp erimentier willen. Er hat 157 wie drei seiner Kollegen vom Ullsteinverlag, darunter der ehemals leitende Redakteur der„Voß", Dr. Karl M i s ch, der seit fast dreißig Jahren an demselben Blatt wirkende Musikkritiker Edwin N e r u d a, der Musikreferent der „B. Z. am Mittag", Viktor Zuckerkandl, sowie die Gesellschaftsberichterstatterin der Ullstein-Blätter, Bella Fromm-Ste 11 ermann. Expulsiert wurde endlich der bekannte Schriftsteller und Redakteur Richard Wilde, der zuerst während vieler Jahre im Feuilletonteil des inzwischen eingegangenen„Berliner Börsenkourier" führend gewirkt hat und später in die Redaktion des„Acht-Uhr- Abendblatt" eintrat, das jetzt in Form einer Betriebsgemein- schaft von den Redakteuren und Angestellten weiter zu führen versucht wird. Für viele der auf der Liste der angeprangerten Schriftsteller bedeutet die erwähnte Maßnahme den völligen Zusammenbruch ihrer Existenz, weil sie keinerlei Möglichkeit haben, ihrem bisherigen Broterwerb nachzugehen. Die Hoffnung auf Beschäftigung bei den stark in die Erscheinung tretenden jüdischen Blättern erscheint ebenfalls sehr gering, zumal die Redaktionen dieser Blätter bereits in eindringlichen Kundgebungen auf den gewaltigen Zulauf jüdischer Autoren und auf die Unmöglichkeit, sie in zureichender Weise beschäftigen zu können, hingewiesen JCindec spieten in Deutschland... „Es ist schrecklich," sagt die Frau und bekommt traurige Augen,„daheim spielen unsere Kinder jetzt immer nur „Kommunisten-Erschießen". Stellen sich gegenseitig an die Wand und„morden" sich mit blutrünstiger Fantasie. Vor ein paar Tagen schrie unsere Else plötzlich„Tod Moskau". Und als ich sie frage, ob sie denn weiß, was Moskau ist, sagt sie— ganz böse auf midi—„Kommunist—!"„Und was ist ein Kommunist?", fragte ich weiter, nachdem ich berichtigt habe, daß Moskau eine Stadt sei. Else überlegt „Kommunist—". Und dann kommt etwas heraus, Mittelding zwischen Teufel und Hetze, unwirklich, unmenschlich, eine Fabelgestalt, bemalt mit Blut und Feuer, bizarr; grotesk und grauenhaft, würdig des Wahnsinns eines Edgar Allan Poe. Als ich ihr erkläre, ein Kommunist sei wie wir ein Mensch aus Fleisch und Blut, nur habtz er vielleicht politisch abweichende Anschauungen, da will das achtjährige Mädchen mir erst nicht glauben, und es braucht lange Zeit, um dem Kind klar zu machen, daß man Kommunisten ebensowenig erschießen darf wie andere Menschen. Das Furchtharste aber ist, daß, wenn das Kind in der Schule jetzt seine neue Meinung vertritt, die Eltern— als Staatsfeinde angesehen werden..,.,"-< Das— ist— Deutschland—, i u, Verfilmung der„Heiligen Johanna" Shaws Komödie„Die Heilige Johanna" soll nun endgültig im Sommer nächsten Jahres verfilmt werden. Shaw hat erklärt, daß die Handlung sich im Film bedeutend schneller als in der Dichtung entwickeln müsse. Da kein Filmbearbeiter so gut in der Lage sei, diese Umwandlung vorzunehmen, wie der Autor selbst, wird Shaw entscheidenden Einfluß auf die Gestaltung des Manuskripts nehmen und vielleicht das Drehbuch schreiben.« Die Erzieher der deutschen Jugend, In Zoppot ist die Schulungstagung der künftigen Naziführer eröffnet worden. Unter den Rednern befinden sich der Pogromhetzer Streicher und der Ost-Eroberer Alfred Rosenberg, Leiter des Auswärtigen Amtes der NSDAP.^ sich nie einer bestimmten Richtung angeschlossen, aber es gab nichts im Umkreis der„Neuen Musik" der letzten 25 Jahre, das nicht in Busoni sein Echo gefunden und in ihm auch eigentlich seinen Ursprung gehabt hätte. Seine Kompositionen— von dem weit in die Zukunft weisenden„Con- certo für Klavier mit Orchester und Schlußchor"(op. 39) bis zu dem fast schon jenseitigen Bühnenspiel von„Dr. Faust", über dessen Vollendung er vor 10 Jahren starb—seine theoretischen Werke— von dem„Entwurf einer neuen Aesthetik der Tonkunst"(1907) bis zu jenem denkwürdigen Aufruf zur„Neuen Klassizität", der 1922 im„Melos" erschien—, waren Wegbereiter und Marksteine jener letzten Musikwende, die vom unfruchtbaren Wagnerepigonentum, von romantischer und veristischer„Ausdrucks"-Kunst weg und zu einer neuen eigengesetzlichen Form- und Materialsprache der Klangkunst hinführte.— Allen, die ihn gekannt haben, wird aber neben dem Künstler der Mensch Busoni, dieser große europäische Geist, der in ihm lebendige völker- und kulturverbindende Fortschrittswille unvergeßlich sein.— Vielleicht wird Herr Dr. Goebbels, wenn ihm die Sorge um den eigenen Kopf und die Schirmheraschaft über einige Dutzend Thingplatzfestspiele dazu noch Zeit läßt, auch eine Busoni-Feier veranstalten lassen und trotz der Rassenmischung des Jubilars ein kräftiges„denn er war unser" durch seinen Lügenäther schreien. Der Tote wird sich gegen diese Schändung nicht wehren können, ebensowenig wie seine Freunde und Schüler es im Vorjahre nicht verhindern konnten, daß bei den faschistischen Werbefestspielen in Florenz seine„Faust"-Musik zwischen Königs- und Faschistenhymne ertönte.— Busonis Stunde wird kommen. Wenn dereinst das deutsche und italienische Volk die Ketten der faschistischen Tyrannis abgeschüttelt haben werden, wird neben anderen, Geist und Werk diese» großen Toten Zeugnis von ihrer Kulturverbundenheit ablegen. Die freien Völker Europas werden auch diesen Europäer, der. lebte er, heute ruhe- und heimatloser als zur Zeit des Weltkrieges umherirren müßte, eins t zu ehren wissen, —""~ P- W, J JCclcqsaus&cuch- Qedächtnis- Seiec In 9Sectin Die Volksverführer von des Kriegsgotts Gnaden Begehen laut mit festlichen Paraden Die Stunde, da die Meßelei begann. Mag die Kulturwelt um die Opfer trauern, Ein Gangsterführer denkt mit Wonneschauern Der Zeiten, da das Blut in Strömen rann. (Er hat es selbst laut in die Welt geschrien, Daß er einst Gott gedankt auf seinen Knien, Da der die Welt in Menschenblut ersäuft. Und hat er nicht nach 20„Friedens''jähren j Die Leichen derer, die ihm lästig waren —„Mein Kampf" verkündend, Mann auf Mam gehäuft?.' m l, A«.^ As A Europa staunend, schaudernd, prüfend, harrend, Sieht die Besessenen in Kriegsschmuck starrend Und in den äugen sturen Wahnsinns Glanz.—' Ein Trost will all dies Gleißen überstrahlen, j Die Freudenfeiern dieser Kannibalen, Sie werden ihnen selbst zum— Totentanz!! Charlov ..1.... L_ I Matal 1934 Die Bergner verboten— besserer Ehebruch empfohlen Da die nationalsozialistischen Filme infolge ihrer Langweiligkeit vor leeren Häusern laufen, sehen sich die Filmfirmen des„dritten Reiches" genötigt, Unterhaltungsschmarren der ältesten Art zu drehen oder bewährte Filme von ehedem wieder anzusetzen. Das hat man auch mit dem guten Film„Der träumende Mund" versucht. Der„Angriff veröffentlicht nunmehr triumphierend eine Zuschrift, aus der hervorgeht, daß der Film„auf Anraten der Filmkammei wieder zurückgezogen wurde. Dan beißt sich Goebbels Leibblatt in längerem Kommentar noch einmal die Zähne an dem Kunstwerk aus, denn die Hauptrolle darin hat eine große , jüdische Schauspielerin: Elisabeth Bergner, vor deren „lüsternen Munde" sich die gesamte braune Redaktion bekreuzigt. In dieser Redaktion wie in dieser Filmkammer sitzen die Freunde des Hanns Heinz Ewers, der eine der schwülsten, pornographischsten Romane der letzten zwanzig Jahre auf dem Gewissen hat, Alraune genannt. Dieser schmierige Schmarren— neben dem„Der träumende Mund" ein im Erotischen geradezu prüder, moralischer Film für höhere Töchter ist— wurde verfilmt, ohne daß die Nazipresse bisher auch nur muckste. Denn der erst in Perversitäten machte, ist Leibdichter des Hakenkreuzes geworden, und den mannermordenden lüsternen Vamp spielt eine blonde germanische Brigitte, die heute eine brave Hitlerike ist. Sollte sich ein nichtarischer Urahne herausstellen, so wird auch ihr„lüsterner Mund" entdeckt werden.. Aber da der„Angriff" auch bei dieser Gelegenheit die deutsche Frauenchre vor irgend etwas zu retten sucht, wollen wir ihm ein Zitätchen mit auf den Weg geben. Wir lesen in einer gleichgeschalteten Frauen-Zeitschrift einige Rezepte für das Strandleben der deutschen Frau 1934: „Bewegungsspiele am Strand, dem wohliges Nichtstun folgt, unterbrochen von einem kleinen Flirt, schaffen erst die wahre Erholung, die Sand, Strand und des weite Meer zu gewähren vermögen.,." Dieser kleine Ehebruch wird in der Juli-Nummer der hitler- treuen„Eleganten Welt" empfohlen, aus der die Weiber der besseren Nazibonzen ihre Informationen über den jeweiligen guten Ton beziehen! Heues 3*>uch um Jüschs Das neue Buch„Eintritt verböte n", Egon Erwin Kischs erstes literarisches Werk nach seiner Haftentlassung aus Spandau, wird im August in mehreren Sprachen erscheinen. Die deutsche und französische Ausgabe erscheinen bei Editions du Garrefour. In englischer Sprache kommt das Buch gleichzeitig bei John Lane, London und Knopf, Neuyork heraus, der eine Gesamtausgabe von Kischs Werken veranstaltet. Die Ankündigung des Buches wurde vom Goebbelsschen„Angriff" unter dem Titel „Hetzer als Tantiemen-Bezieher" an der Spitze des Blattes mit einer wütenden Kanonade von Verleumdungen und Morddrohungen gegen Egon Erwin Kisdi und sein literarisches Schaffen geantwortet. Kischs neues Werk befaßt sich in hoher Darstellungskunst und größter sprachlicher Vollendung mit den vor Unberufenen ängstlich gehüteten Geheimnissen Europas. Das Buch enthält auch ein Kapitel, das in Deutschland spielt. Die rassischen. hBelanqe Die Pfarrer beklagen sich Im Düsseldorfer„Mittag" führt Oberlandeskirchenrat Lampe bewegliche Klage gegen die Ueberlastung der evangelischen Pastoren mit der Erforschung der arischen Abstammung ihrer Gemeindeangehörigen. Selbst auf den kleinen Pfarrämtern würden täglich mehrere Stunden, die die Pfarrer früher für die Seelsorge verwenden konnten, für das Aufspüren der rassischen„Belange" der Großmütter, Urgroßmütter und Urgroßväter vertan. Das Publikum wird dringend aufgefordert, die überlasteten Pfarrer durch Angaben aus eigenen Familienbibeln und Stammbüchern möglichst zu entlasten. UlaßstäAe Aus einem Inserat der Deutschen VerTagsanstalt Stuttgart: Detlev von Liliencron„Die Wikingharfe". Es ist ui»je»r« Pflicht, dem deutschen Dichter und größten Lyriker uSfh Goethe iinaern g anze Liehe«at^t^ CüZubnn geu. Zum Gedächtnis der 10. Wiederkehr seines Todestages .Deutsch« Freiheit«, Nr. 17h Das bunte Blatt Die„Acherin" von Acotlanb Mrb ... und das Verbrechen von Vrigthon Eine junge, hübsche Amerikanerin mit vollem, braunem Haar im Alter von 25 Jahren ist in Paris eingetroffen. Das einzige, was an ihr auffällt, ist vielleicht ihr beweglicher Blick. Sie ist nicht von einer schwarzen Katze umgeben, hat keineswegs das Aussehen einer klassischen.Wahrsagerin« und trotzdem... es ist die„Seherin von Scotland Uard", Gene Dennis, der sich die englischen Detektive gerne bedienen, wenn sie einen schwierigen„Fall" haben. Gene Dennis ist in Kansar als Tochter eines Farmers und einer französischen Mutter geboren. Seit ihrem achten Le- bensjahr ist sich Gene ihrer Fähigkeiten bewußt, die später die Massen in Erstaunen setzten.„Ich habe die genaue Ziffer des Vermögens meines Vaters erraten," erzählt sie,„die Orte, wo meine Mutter gewisse Dinge vor mir verwahrte und die Geheimnisse unserer Nachbarn." „Mit zwölf Jahren kam ich in ein Kloster zur Erziehung. Die Leichtigkeit, mit der ich dort fast unmöglich erscheinende Dinge löste, beeindruckte sehr lebhast die Nonnen. Aber erst als ich vierzehn Jahre alt war, begannen sich die Zeitungen mit mir zu beschäftigen." England kann froh sein, daß Gene Dennis sich in ihrem Lande niedergelassen hat. Sofort nach der Entdeckung des Koffers von Brighton hat man ihre Hilfe in Anspruch ge- nommen. Ihre Art zu arbeiten ist sehr einfach. Es genügt, ihr einen Gegenstand zu übergeben, der einer lebenden ober toten Person gehört hat, und sofort erscheint die Geschichte dieser Person wie im Traum vor ihren Augen. „Als man mich gefragt hat," erzählte Miß Dennis,„sah ich bereits voraus, baß man bald eine weitere Leiche entdecken werde. Meines Erachtens nach haben aber die beiden Verbrechen nichts miteinander zu tun. Während der letzten zehn Tage haben sich die beiden Bilder, die ich im Unterbewußtsein hatte, getrennt. Der Mörder des ersten Verbrechens ist mir erschienen. Ich würde ihn wiedererkennen, wenn ich ihn aus der Straße treffen würde. Es ist ein junger Mann, mit schwarzen Haaren, klein von Figur, starrem Blick, dicken Fingern und auf dem ganzen Körper behaart und tätowiert. Er geht gut angezogen, wenn er auch nur über wenig Geld verfügt und er hat bestimmt auf Schiffen gearbeitet. Ich bin überzeugt, daß er den Rauschgifthandel betrieben hat. Hier- auf lege ich großen Wert, denn diese Tatsache wird der Schlüssel sein, das Geheimnis zu lösen. Der Mord ist nicht an einsamem Orte verübt worden. Zuerst glaubte ich, daß es in einer Schule war, jetzt aber bin ich davon überzeugt, daß der Schauplatz ein Haus von schlechtem Ruf war. Eigentümerin dieses Hauses ist eine Frau reifen Alters von sehr traurigem Aussehen, die das ganze Verbrechen kennt, aber nicht zu sprechen wagt. Der Mörder ist ein sexuell anormal veranlag- ter Mann. Er kannte sein Opfer, eine verheiratete Frau, die ihren Gatten verlassen hatte und ihrer bevorstehenden Mut- terschaft kein Gewicht beimaß. Ich wage kaum daran zu den- ken, wie der Mord verübt wurde. Es ist ein entsetzliches, sadistisches Verbrechen. Die Polizei von London sucht jetzt nach dem schlecht beleum- mundeten Haus und der vermißten Frau, die ihren Mann verlassen hat. Aber zuerst muß wohl der Mörder gefunden werden, sonst können die Frauen Englands nicht mehr ruhig schlafen. Die Polizei gibt sehr viel auf die Enthüllungen von Gene Dennis, die auch beim letzten Derby den Sieg von Windsor Lad vorausgesagt hat. A. Das Ungeheuer von Loch Reß in den Augen seiner verschiedenen Beschauer. In den letzten Tagen haben verschiedene englische Blätter über zahlreiche neue Beobachtungen des Ungeheuers von Loch Netz berichtet. Unsere Töchter, die IKapnen Roman von HermyniaZur Mühlen. 40 Claudia aber klammerte sich fester an ihn und schrie über den ganzen Platz: „Könnt ihr denn nicht helfen? Seid ihr alle Feiglinge?" Sie riß das Hakenkreuz von ihrer Brust und warf es dem Anführer ins Gesicht. „Euer Mordabzetchen. Das Abzeichen der Feigen!" und dann schrie sie wieder: „Rettet den alten Mann. Schlagt die Bestien tot!" Eine große Menge hatte sich plötzlich angesammelt, die Menschen schienen aus der Erde zu wachsen und den Zug zu umgeben. Ein junger Mensch sprang vor, stellte sich neben Claudia und den alten Huber und zog ein Messer hervor. Und nun kamen die Menschen immer näher, schwarz, drohend. Ein paar Stimmen begannen die Internationale zu singen. Schon waren die SA-Männer umringt. Aber die Unfern, jetzt darf ich wohl wagen, die Unfern zu sagen, hatten keine Waffen. Und dann knallten die Schüsse, die ich gehört hatte. Der erste traf den jungen Menschen, der zweite Claudia. Der Zug schritt weiter und ließ die beiden Toten liegen. Sie wurden von den Unfern aufgehoben und fort- getragen. Am Abend brachten sie mir mein Kind. Liebevolle Hände hatten die Wunde in Claudias Stirn gereinigt und ihre Kleiber in Ordnung gebracht. Fremde Menschen kamen zu- sammen mit Fritz und Seppel. Sie drückten mir die Hand, einige alte Frauen und junge Mädchen küßten mich. Kati bestand darauf, die Nacht bei mir zu verbringen. Es wäre nicht nötig gewesen. Ich saß bis zum Morgengrauen neben Claudias Bett. Nun hatte ich mein Kind wieder. Nun war ich bei allem Schmerz glücklich, weil ich um es weinen durfte. Sie war sehr schön, meine Claudia. Uebcr ihren Zügen lag eine wundervolle Ruhe, ich sah. vielleicht zum erstenmal, wie edel ihre Stirn war. Und auch die Hände, die ich immer an ihr geliebt hatte, die Hände, die von Mut und wabrer Vornehmheit sprachen, hatten nicht gelogen Die Fenster standen offen, und aus dem Garten duftete der Jasmin in das stille Zimmer. Das Gewitter, das spät nach- mittags ausgebrochen war, hatte sich verzogen,' über-dem See leuchteten die Sterne. Nur in weiter Ferne hörte man noch ein leises Donnergrollen. Ich hielt die kalte Hand in der meinen und dachte: sie hat den weiten Weg zu mir rasch zurückgelegt, meine Claudia, viel rascher, als ich zu hoffen gewagt hatte. Und ich dachte auch: sie ist die letzte unseres Stammes, und sie hat ihm im Tode Ehre gemacht. Armes verivirrtes Herz, armer ver- wirrter Kopf, als es in euch hell zu werden begann, konntet ihr nur sterben, aber sterben im Dienste einer guten Sache. Andere wären vielleicht klüger gewesen, andere hätten sich nicht fortreihen lassen und hätten lebend gegen die Feinde gekämpft. Du, mein Kind, konntest nur durch deinen Tod kämpfen. Aber auch das ist etwas, ist viel. Und ich bin stolz auf dich. Di« Sichel des zunehmenden Mondes kam hinter einer Wolke hervor und beleuchtete silbrig Claudias weißes stilles Gesicht. Es sah aus, als schlafe sie- Ihr Mund schien zu lächeln und dieses Lächeln war. als sagte sie: „Ich bin müde, Mutter, ich muß schlafen. Aber du schläfst nicht, du wirst all das tun, was ich jetzt versäume. All das gutmachen, was ich schlecht gemacht habe." Und ich drückte die schmale kalte Hand und versprach eS Claudia. Kati. die die ganze Nacht im Nebenzimmer gesessen hatte, kam, sobald es zu dämmern begang- Sie staunte, als sie mich sah. Ich war nicht erschöpft. Ich war wohl traurig, aber nicht verzweifelt. Fast schien es mir. als habe Claudia mir ihre noch ungebrauchten Kräfte geschenkt. Am frühen Morgen ging ich zu den Eltern des jungen Mannes, der getötet worden war. Ich wußte nicht, wie sie hießen, sie kannten mich nicht, aber wir fühlten, daß wir dennoch zusammengehören. Ich glaube, ich habe hier, in der kleinen Stube dieser Arbeiter, viel bitterlicher geweint, als neben Claudias Totenbett. Der Tote war so jung, noch nicht zwanzig: ihm hatten sie viel mehr geraubt als Claudia. Jahres die glücklich hätten lein können. Und wie vielen, wie Samstag, L August Lachen nicht verlernen Die lieben Kleinen... Der kleine Hans war den Tag über sehr unartig gewese« und hatte seine kleine Schwester geschlagen. Die Mutter er- zählte das abends dem Vater, der entschied: „Wenn du das nächste Mal deine Schwester schlägst, Haus, gehst du ohne Abendessen zu Bett!" Hänschen dachte einen Augenblick nach. Dann sagte er trotzig: „Dann haue ich eben das nächste Mal weine Schwester erst nach dem Abendbrot!"(„Jugend".) Im Zoo Sie:„Nun stehen wir schon eine geschlagene Viertel- stunde hier vor dem Hyänenkäfig, und das Tier hat nicht ein einziges Mal gelacht." Er:„Und dabei hat es die ganze Zeit deinen neuen Hut angestiert."(„Jugend".) Guter Tausch Vermieterin zum neuen Mieter:„Aber das eine sage ich Ihnen gleich, bei mir heißt es zahlen oder ausziehen!" Der neue Mieter:„Sehr gut, sehr gut, angenommen- Meine früheren Wirtinnen verlangten immer gleich beides!" („Fliegende Blätter"^ Ein Trost Hensel hat sich auf eine Bank gesetzt, ohne zu merken, daß diese Bank frisch gestrichen war.„Donnerwetter," fährt er entsetzt auf, als er den Schaben besieht,„jetzt habe ich die ganze Farbe hier am Mantel!" „DaS macht nichts weiter, mein Herr," meint gutmütig der Mann mit dem Farbtopf, der gerade hinzukommt,„ich muß die Bank sowieso noch einmal überstreichen." („Neue I.&.".) Der Fehlbetrag „Wie teilst du denn dein Gehalt ein?" „Etwa SN Prozent für Miete, 30 Prozent für Kleidung, 40 Prozent für Essen und 20 Prozent für Vergnügen!" „Aber daß sind ja 120 Prozent!" „Ja, leider, leider!"(„Neue I. Z.") Nachschrift Pflegerin, die für eine Patientin einen Brief geschrieben hat:„Haben Sie sonst noch etwas zu schreiben?" Dame:„Nein! Ich denke nicht. Fügen Sie nur noch hinzu: Entschuldige bitte die schlechte Schrift." („Morning Post".) Vockefeller will 100 Aahre werden! John Rockefeller, der kürzlich im Krankenbett seinen 95. Geburtstag feierte, hat die löbliche Absicht kundgetan, huu- dert Jahre alt zu werden. Er hat schon immer Sinn für runde Summen gehabt. Wahrscheinlich findet er, daß jeman- dem, der in seinem Leben über eine Milliarde Dollar ver- dient hat, eine dreistellige Zahl besser ansteht als die zwei- stellige der gewöhnlich Sterblichen. Es fragt sich nur, ob der Tod mit sich handeln läßt, oder ob vor ihm nicht der reichste Mann der Welt zu einem„Jedermann" wird! „Verschiedenartige Kundgebungen' Ueber die Festnahme Toni Mancinis, des Mörders von Brighton, brachte eine französische Zeitung aus London ein Telegramm, das mit folgenden Worten schloß:„Sowohl beim Verlassen von Scotland-Yard wie bei der Ankunft auf der Polizeistation von Brighton war der Mörder Violet KayeS Gegenstand verschiedenartiger Massenkundgebungen."„Ver- schiedenartige" Kundgebungen? Waren etwa auch Teilnehmer darunter, die dem Verbrecher ihre Sympathie bekundet haben?! vielen haben sie solche Jahre der Zukunft geraubt! Wie vieles werden sie sie noch rauben? In den stillen Stunden der Totenwacht neben Claudias Bett hatte ich das Gefühl einer Vollendung, einer Erfüllung empfunden. Aber hier, bei diesem halben Kind, diesem nock fast unreifen Leben, das nie Früchte tragen würde, überkam mich ein anderes Gefühl. Zuerst ein wilder Haß, der m>* das Blut in die Wangen jagte, einen roten Schleier vor meine Augen legte, den Puls in meinen Schläfen hämmern ließ. Haß und Rachsucht. Es diesen Menschen zurückzuzahlen, nein, nicht einmal diesen Menschen, den Tätern, sondern den Anstiftern, denen, die Mord und Gewalt gegen Wehrlose predigen, die mit ihren Äorten Sinn in Wahnsinn verkehren, Menschlichkeit in Bestialität. Wer sie doch erreichen könnte, diese großen und kleinen Führer, diese aus der Nacht empor- gestiegenen Gespenster der Grausamkeit und der Heuchele». Wer doch ihnen das antun könnte, was sie andern antun. Wer doch die Mörder eines ganzen Landes töten könnte..- Mein Blick fiel auf die Eltern des jungen Toten, und mein Zorn und Haß machte einem Gefühl der Beschämung Platz. Aus ihren Zügen sprach unendliches Leid, aber auch etwas, das ich nicht zu deuten verstand: eine Entschlossenheit, eine tapfere Unbeugsamkeit, die stärker war als der Tod. Mir war, als sehe ich dem Leben ins Gesicht, dem unbesieg- lichen, unzerstörbaren Leben, dem Leben, das nach den harten Winterfrösten von neuem Knospen treibt, die zu Blüte und Frucht werden, dem Leben nicht der Menschen, sondern der Idee. Das hier war nicht das sinnlose Ausbrausen meiner Claudia, die ohne zu denken, von Ekel getrieben, nur dem Gefühl gehorchend, in den Tod gestürzt war. Es war auch nicht die ohnmächtige Wut einer alten Frau, die aus einem Geschlecht stammte, das lange Jahrhunderte Herr über die andern gewesen war und nicht glauben konnte, baß es für sie etwas Unmögliches gebe. Das, was ich sah, war das geduldige Ausharren einer Klasse, die in sich die Zukunft trug und die deshalb allem zum Trotz nicht überwunden werden konnte. Ich sprach voll Ehrfurcht mit diesen beiden Menschen, mir war, als ließen sie sich zu mir, zu der Vergangenheit herab. (Fortsetzung folgt.) Jcii Stürmen der Revolnflon prekdededen Die französische Presse Ober den denfschen Staatsstreich ^ Paris, 3. August. Fu 6er französischen Presse besteht kein Zweifel darüber, baß Deutschland schweren Zeiten entgegengeht. In diesem «inne ist auch ein Artikel gehalten, den Gallus im »Intransigeant" veröffentlicht. -..Hinbeiiburg tat seinen letzten Atemzug am Jahrestag der Kriegserklärung". so beginnt der Verfasser. Man müsse sich ragen, ob sein Tod nicht für Teutschland ebenso schwere kkolgen haben werde wie die Wahnsinnstat von 1914. Man werde jetzt wieder an das fatale Wort Hitlers erinnert, daß cr noch leben würde, wenn Hindenburg bereits seine Augen geschlossen habe, jenes Wort, das Hitler dereinst sprach, als Hindenburg ihm den Weg zur Macht versperrte. Nun sei Hitler tatsächlich der Ueberlebende. Aber vielleicht würden die Abergläubischen, die zu viel vom Schicksal verlangen, sich nunmehr ängstlich fragen, ob der Tod des alten Soldaten »n einem solchen Tage Sieg oder Kall in den Abgrund zu bedeuten habe. Zwar habe mau einem alten Götzenbild Weih- rauch gestreut, das keine Macht mehr besessen.habe. Aber immerhin konnten gewisse Leute in seinem Namen sprechen vnd sich auk seine Autorität stützen, wenn es galt, dem Kanz- ler Widerstand zu leisten. Nunmehr gebe es nur einen Herrscher und der freiste Hitler. Aber habe er dadurch an Macht gewonnen? Das sei zweifelhaft. Denn er sei nunmehr ungeschützt dem Urteil des Volkes gusgesetzt. Wenn er sich nur ein Fünkchen Klugheit bewahrt hätte, so hätte er diese Verantwortlichkeit nicht übernommen, londern hätte einen Nachfolger für den Präsidenten ivählen lassen. Denn wer auö Willkür zur Macht gelangt sei, sei nie- mals frei in seinen Entschlüssen. Er müsse mit den Menschen seiner Umgebung und seiner Partei, die ja sein Machtinstru- ment darstellen, rechnen. Jetzt iverde eS sich zeigen, ob diese Partei den Krautjunkern, den Großindustriellen und den Mitgliedern des alten Heeres Schutz gegen Ausschreitungen der Nazis zubilligen werde, oder ob sie die günstige Gelegen- heit benutzen werde, um endlich das alte nationalsozialistische Programm in die Tat umzusetzen. Keiner könne voraussehen, was komme. Aber das eine könne gesagt werden: wie immer auch die Entscheidung ausfallen werde, eS werbe Unzufriedene entwedr rechts oder links geben. Jener Schein von Einigkeit, den Hindenburg Teutschland verliehen habe, schwinde mit seinem Tode, durch den sich neue innere Tpal- tuygen vorbereiten. Auch »»Paris Soir" stellt fest, daß sich ganz Deutschland nunmehr in den Händen eines einzigen Mannes befinde, denn man müsse den Tod Hindenbnrgs dahin verstehen, daß mau ihm. bildlich gespro- chen, das Rückgrat geschwunden sei. Niemand seiner Kaste könne ihn ersetzen. Die Militärs, von denen gesprochen wurde, seien entweder säst ebenso alt wie der Tote, oder politisch ganz unerfahren oder nicht populair genug. So habe Hitler alle Macht an sich reißen können. Er vereinige in seiner Hand jetzt die Macht, die die Präsidentschaft ge- währe mit der deS Reichskanzlers. DaS bedeute, daß jede Kontrolle und jedes Gegengewicht aufhöre. Es bedeute die Kapitulation der traditionellen Erbe»käste .^vorder siegreichen revolutionären Partei. Jetzt gebe. es keiuen Schiedsrichter mehr, /einen mehr, der mäßigend wirken könne, oder der um Schutz anaerüse» wer- den könne. Um die Situation klar zu sehen, müsse mau sich einmal Mussolini ohne den italienischen K ö- nig und ohne Papst vorstellen. Nun habe sich Deutsch- land vollständig ergeben. Denn auch das Heer scheine ja mit dieser Lösung, die es widerspruchslos angenommen habe, einverstanden Auch der Leitartikel des ,,1'emps" drückt die Besorgnis vor dem. was nach Hindenburgs Tode letzt in Deutschland geschehen wird, und was auch für ganz Europa das noch Unbekannte sei, mit dem man aber zu rech- Nen habe, aus. Die eigentümliche Verkettung, daß am Erin- nerungstage des Ausbruchs des Weltkrieges der Mann jen- seit des Rheines gestorben sei. der die Personifizierung des Krieges war, den das kaiserliche Deutschland vier Jahre lang gegen die ganze Welt führte, jenes Krieges, der das größte Verbrechen darstellt, das ein durch seine Kührer irre- geleitetes Volk an der Zivilisation begangen habe, beschäf- tige alle Gemüter. Man könne es als Schicksalszeichen ausfassen. Mit dem Tobe HindenburgS beginne jenseits des Rheines ein neues Zeitalte?» Zwar sei schon in den letzten Wochen und Monaten der Einfluß des Marschallpräsidenten sehr gering gewesen. Aber seine Anwesenheit genügte doch, um das Schlimmste zu verhindern. Hindenburg, durch das Alter geschwächt, stänM- in Gefahr von der nationalsozialistischen Klüt hinweggeschwemmt zu werden, habe doch die letzte moralische Kraft in einem Deutschland verkörpert, das dnrch die Not vom rechten Wege abgewichen, allen Stürmen der Revolution preis- gegeben sei. Nach Ihm gebe e? nur noch jenen hitlerischen Mustizismus, der aus Haß und Geivalt bestehe, jene Verwirrtheit der Herzen und Geister, jene Verwahrlosung aller bösen In- stinkte, die durch die schlimmste Demagogie entfesselt seien. Zwar habe auch Hindenburg nieder die bösen Kehler auf dem Gebiete der Außenpolitik, die die gänzliche Jsolieipiiig Deutschlands zur Fotae hatten, noch die inuernolitischeu Verbrechen, die il"'mi Höheoijnkt ani 39. Juni erreichten, ner- hindern können. Man müsse aber sagen, daß der Tod Hin- denburgs im Interesse seines guten Rufes zur rechten Zeit erfolgt sei, damit sein Name nicht mit dem verknüpft werden könne, was sich jetzt in Deutschland vollendet und was jeder liberalen, auf der Menschenwürde ausgebauten Zivilisation Hohn spricht. Gestern noch habe man gefragt, wie die NachMIge für Hindenburg geregelt werden solle. Heute bereits habe Hitler, der nach dem Ausspruch eines seiner Untergebenen selbst die Gesetze mache, durch Gesetz die Personalunion zwischen den Kunktionen des Präsideuten und denen des Kanzlers fest- gelegt. ..Es gibt keine deutsche Republik mehr, es gibt keine deutsche Verfassung mehr, es gibt keine deutsche Regierung mebr, es gib« nur noch den Reichssiibrer Hitler mit seinen Vollmachten die viel gröber seien, als sie die Hohenzollern iemals belegen hätten. Er ist nach Gott der Herr des deutschen Volkes" schreibt der„Temps" wörtlich. Aber werde Meie Verwegenheit genügen, so fährt das Blatt fort,»m die Situation jenseits des Rheins zu regeln. Hinter dem Marschall Hindenburg standen sebr mächtige poli- tische und soziale.ffräite: die pechiWchen Krautiunker, die Jndustriemagnaten. die lleberreste der Aristokratie nn S des Großbürgertums und vor allem die Reichswehr mit ihren Führern. Werden sie alle stillschweigend mit einem Ge- iv alt st reich, der seinesgleichen in der Ge- schichte nicht hat, einverstanden sein? Das sei das Geheimnis von morgen. Und wenn man dabei bedenkt, daß der ReichSführer Hitler nunmehr von der Vormund- schast Hindenburgs befreit und ohne jede Hemmung seitens der Regierung, den Weg vollkommen frei vor sich hat, den er nunmehr entsprechend den Wünschen seiner Parteigänger gehen könne, so dürfe es sich hierbei um eine soziale und politische Re- volution handeln. Jetzt beginne tatsächlich erst der Versuch» ein neues Deutschland zu schassen. „Staatsstreich" Paris, den 3. August 1934. Die französische Oeffentlichkeit versucht, der Persönlichkeit des einstige» Reichspräsidenten gerecht zu werden. Aber alle Blätter sind sich zugleich der Bedeutung, die die Reichspräsi- dentschaft Hitlers für Deutschland und die Welt habe, be- wüßt. Viele Blätter erinnern an Hitler? Wort:„Ich habe Zeit zu warten, der Feldmarschall von Hindenburg ist fünf- undachtzig Jahre alt. Ich erst 43 Jahre." Daß Hitler im Gegensatz zu Hindenburg eine schlechte Presse hat, ist nach allem Vorangegangenen nur selbstverständlich. „Populaire" iveist darauf hin, daß Hitler in dem Augenblick die gesamt, Macht an sich reißt, Ivo die Golddeckung für die Mark gleich Null sei. Die Wirtschaftssrage sei heute entscheidend. Da» „dritte Reich" werde in Konkurs gehen müssen. Man geh' diesem Konkurs mit einer„Volksabstimmung" am dem Wege. Dazu habe man eine Revolution nötig, aber dies« Revolution werde der Nationalsozialismus nicht fertig- bringen. Im „Jour" spricht Saint- Briee von einem Staatsstreich, auf den Hitler schon lange gewartet habe. Daß es so gekommen sei, sei nicht verwunderlich, denn wer habe nach der Ver- gewaltigung der deutschen Einzelstaaten, der Parteien, des Reichstages, gegen die Verletzung der Weimarer Verfassung Widerspruch wagen können. Der gegenwärtige Reichstag sei doch nichts anderes als eine Vereinigung von Lakeien. Diktator nnd Ohcrtjcneral Zwei schweizer Stimmen Die Basler„National-Zeitung" läßt sich aus Berlin schreiben: In den Eafes, den Geschäften, auf den Straßen, in den Omnibussen, in den Stadt- und Untergrundbahnzügen wer- den die Ereignisse dieses denkwürdigen Tages offen oder heimlich, mit mehr oder weniger schlechtem G e- w i s s ejt hesp r o ch e n, und zwar ist festzustellen, daß Hit- l e r s S t a a t s st r e i ch die Mensch e 11 f a st n och mehr beschäftigt als der erwartete Tod Hinten- b u r g s. Tie Oeffentlichkeit fühlt sich vielfach geradezu überrumpelt. Die Mehrheit wird diesem Staatsstreich wohl zustimmen. Scharen wiederum verhalten sich absolut gleichgültig. Nur eine Minderheit wird sich, als sie die sensationellen Dekrete vernahm, die am Donnerstagvormit- tag Schlag auf Schlag erfolgten, au den Kopf gefaßt haben. Zu dieser Minderheit gehört sicherlich auch die Bürokratie, der es in den letzten Wochen außergesetzlicher Gewaltakte immer unbehaglicher und unheimlicher zu Mute wurde. Denn nichts hat dem Regime im Inland und dann Haupt- sächlich im Ausland den Kredit gründlicher zerstört, als das lleberbord werfen fundamentaler Garan- t i e n a n j e n e m b l u t s g e n S a m s t a g d e s 39. I u u i. Noch am^Mittwoch wurde, wie gemeldet, von wohl int'or- mierter Seite berichtet, diesmal werde man wohl auch nur den Schein der Ungesetzlichkeit vermeiden und den neuen Reichspräsidenten streng nach dem vorgeschriebenen Ritus der Verfassung bestimmen. Aber das gerade Gegen- t e i l ist geschehen. Die Dekrete, die Hitler zum deutschen Eäsar machen, sitzd tp r in ml iuxi it. i sch zwar korrekte sie gründen sich auf das Ermächtigungsgesetz, das der Regierung vom Reichstag verliehen wurde. Dock praktisch genommen bedeuten sie einen Staatsstreich der folgenschwersten Konsequenzen. Der gesürchtete Tag ist gekommen, da die Macht über Leben und Tod von 9ö Millionen Deutschen, des größten Volkes in Europa, kontroll- und garantielos der Hand eines einzigen 'Mannes überliefert ist. Adols Hitler ist oberste Exekutive, ist oberster Gerichtsherr, und ist mit zwei oder drei engsten Mitarbeitern oberster deutscher Gesetzgeber. Die schleunige Vereidigung der Reichswehr, kaum eine Stunde nach dem Tod des bisherigen. Oberbefehlshabers aus den Namen des Führers, hat die Wehrmacht v o l l k o m m e n über- rumpelt und dem Diktator bedingungslos u n t e r st e l l t. Adolf Hitler ist jetzt auch O b e r g e n e r a l. Höchstens in Monarchien war bis jetzt eine solche Vereidi- guug möglich und dann noch lauge nicht mit dieser Schnelligkeit, die Schlüsse daraus ziehen läßt, wie sehr es den Macht- Habern darum zu tun war, keine Zeit zu verlieren und überall sofort Tatsachen zu schaffen. Der 2. August gab Adolf Hitlers schon ernsthastem Nachlassen der Macht über Teutschland vorläufig neuen starken Auftrieb. Die kommende Entwicklung hängt jedoch von Gewalten ab, über die auch Hitler nichts vermögen wird. Ohne Hinden- bürg, der ihn im Notsall immer noch deckte, isoliert, aus der Spitze der Staatspyramidc, steht er jetzt da. Isolierter als je ein Potentat in der neueren Geschichte. Die Ereignisse des 39. Juni haben den Träger dieser un- gewöhnlichen Machtsülle als eine plötzlichen Impulsen aus- gesetzte, innerlich ziemlich labile Persönlichkeit erscheinen lassen. Sollte die plötzliche Würde nicht eine ebenso plötzliche Festigung ihrer Gedanken und Grundsätze bewirken, so sind die Befürchtungen des Auslandes wohl be- g r e i s l i ch. * Die„Neue Zürcher Zeitung" schreibt: Am Todestage Hindenburgs sind die letzten Reste der Weimarer Verfassung im Winde zerflattert. Das Gesetz, das die Aemter des Reichspräsidenten und Reichskanzlers in der Person Hitlers vereinigt, bedeutet einen gesetzgeberischen Handstreich, der seit der letzte» Nacht, noch bevor Hindenburg die Augen geschlossen hatte, vorbereitet war und am heutigen Tage blitzschnell in die Tat umgesetzt wurde, ehe das Volk überhaupt zur Besinnung kommen konnte. Unter all den Ueberraschnngsmanövern, mit denen der National- sozialismus feine Alleinherrschaft begründet hat. ist der Heu- tige Erlaß sicher das größte und folgenschwer st e. Trotz ihrer schon so oft proklamierten Bereitschaft, jederzeit ans Volk zu appellieren und sich seinem Urteil zu unter- werfen, hat e£ die nationalsozialistische Führerschaft unter den heu- tigrn Verhältnissen, wo die Stimmung im Volke von Un- sicherheit und Zweifel bis zum Borgefühl einer nahenden Katastrophe schwankt, sür angezeigt erachtet, eine plebiszi- täre Wahl des neuen Staatöabcrhauptes auszuschalten und ein für allemal ein kai,->ee»ni ,,Ii zu schassen. Gebeime Hoffnungen, die in monarchistischen Kreisen ge- nährt worden sein mochten, sind damit durchkreuzt. Deutsch- land erhält weder einen Retchsverweser noch ein gekröntes Haupt: aber es hat sich aus anderem Wege tu eine absolute Monarchie verwandelt. War Hindenburg nur sür eine bestimmte Amtsdauer gewählt, so hat sich Hitler selbst als lebenslänglichen und unabsetzbaren Inhaber der Staats- gemalt eingesetzt. Er ist niemand v e r a n t w o r t l i ch. Er ist in einer Person Staatsoberhaupt, Regierungschef, Gesetzgeber oberster Gertchtsherr, Spitze der Armee und Herr über Krieg und Frieden... Das Schicksal der Reichs w e h r ist von nun an mit dem- jeuigen Hitlers verkettet, eine Tatsache, die für die Eni- Wicklung der Abrüstungssrage und der auswärtigen Politik überhaupt von der größten Bedeutung ist General von Iii l o m b e r g ist mit seinen Bestrebungen, Hitler die Armee als Machtmittel zur Verfügung zu stellen und ihn dafür vom Einfluß der SA. zu befreien, am Ziel angelangt. Ein englischer Nachruf „Ich bin ein Monarchist" London, 8. Aug. Sir Horaee Rumbold, der von 1928 bis 1933 britischer Botschafter in Berlin war, huldigte Donners- tagabeud in einer Iiuudfunkansprache dem Andenken des ver- storbenen Reichspräsidenten v. Hindenburg. Der Redner schilderte einen Besuch, den er im Sommer vorigen Jahres im Landhaus des Präsidenten v. Hindenburg in Neudeck ab- gestattet habe. Der Präsident nahm mich, so sagte Rumbold, in sein Arbeitszimmer und zeigte mir u. a. eine Büste des vormaiigen Kaisers und einen Helm, den er im Feldzuge 1879/71 getragen hatte und der von einer Kugel durchlöchert war, ohne daß diese ihm Schaden zugefügt hatte. Bevor ich mich verabschiedete, forderte er mich ans, König Georg seine Hochachtung auszusprechen. Ich erwiderte, ich würbe mich freuen, Seiner Majestät mitzuteilen, daß ich den Präsidenten in so guter Gesundheit und Geistesverfassung verlassen habe. Er zögerte einen Augenblick und sagte dann mit Nachdruck: „.im bin ein Mone ctstst'. Dies ist bezeichnend sür den Mann, ein überzeugter Monarchist, der bis zur letzten Minute seine Tätigkeit loyal und uneigennützig in den Dienst der Repu- blik stellte. Amerika Ober Mndenborg Neuyork. 8. August. Die amerikanische Presse kommentiert den Tod Hindenburgs nach zwei Richtungen. Die einen preisen Hindenburg als ganz großen Mann, die anderen sind über den wirklichen Wert des alten Mannes im Zweifel. „New Bork S u n" wendet sich gegen die Legende, daß Hindenburg der wahre Tieger von Tanuenberg sei. Die Tor- heit der Russen und General Hoffmanns strategische Pläne hätten Hindenburg den Sieg gebracht. D''e amerikanische Presse erörtert dann weiter die Frage, ob inwieweit die Bereinigung der Prästbeutenschaft mit dem Amt des Kanzlers, die Hitler unwillkürlich vorgenvm- men habe, Schwierigkeiten bereiten werde. Im allgemeinen werde der Gedanke dieser totalen Diktatur, wie er in der Geschichte ohne Beispiel ist, wenig s y m p a t h i s ch b e- grüßt. Ludendorff flaggt nicht München. 2. August.(United Preß.» Da die meisten Häuser in München aus Anlaß des Todes des Reichspräsidenten Halbmast geflaggt haben, fällt es um so mehr aus. daß das Haus des Generals L u d e» d o r f f. des ehemaligen engsten Mitarbeiters des verstorbenen Feldmarfchalls, keine Flagge zeigt. Ludendorff erklärte auf eine Anfrage der „United Preß", er habe feit dem Kriege keine Flagge ge- zeigt und werde dies auch nie mehr tun. Pas Newesfe Nach einer Havasmeldung aus Rom werden der öster- reichische Bundeskanzler S ch n s ch n i g g nnd F ü r st S t a r- Hemberg wahrscheinlich im September zu Verhandlungen mit Mussolini nach Rom kommen. Die gesamte tschechoslowakische Presse dementiert nachdrücklichst die Nachricht, daß die Westmächte mit der klei- nen Entente über die Wiederherstellung der Habsburger Monarchie in Oesterreich als einziges Mittel zur Ver- hütung des Anschlusses verhandelten. Es sei auch nicht wahr, daß lediglich die Tschechoslowakei sich dem Plane widerietic. Im Gegenteil in Belgrad sei der Wider st and da- gegen noch viel größer. Die kleine Entente würde niemals ihre Zustimmung dazu geben. „News C h r o n i c l e" will wissen, daß das englische Innenministerium gemeinsam mit militärischen nnd Lust- sachverständigen augenblicklich geHelm gehaltene Versuche in den belebtesten Londoner Stadtvierteln vornimmt, um fest- zustellen, in welcher Weise die Londoner Bevölkerung am besten gegen Gaoangrisse zu schütze» sei. WESTLAND Um »«»Ige deutsche Cfochemeltung erscheint in Saarbrücken jeden Freitag. „Westland" behandelt in unparteiischer Weise politische, kulturelle und wirt schaftiiche Fragen. Besondere Auf« merksamkeit widmet es der deutschen Entwicklung. Die nationalsozialistische revolutionäre Uebergangszeit will es begreifen und nicht bejammern helfen Deshalb späht„Westland" nicht„Angriffspunkte" aus, sondern sucht ein umfassendes Bild zu geben. Es wendet sich an den selbständig denkenden Leser, der mit ihm dieWahrheit für die schärfste Waffe des politischen Kampfes hält. Aus der neuesten Nummer: Hitlers Panama Paul von Hindenburg „Der Stürmer" als Lesebuch Pg. John Dillinger Die Saarabstimmung in Gefahr Hütten ohne Erze Die regelmäßige Zustellung erfolgt durch die Weifland-Verlags-G. m. b. H Saa brücken 3 ♦ Brauer,frahe«—8 ♦ Telefon 21014 Die Infernalionale und die Kommunisten Von Emile Vandervelde Die Annahme des Einheitsfrontangebots der Kommu- niftifchen Partei für den Kampf gegen Faschismus und Krieg durch unsere französischen Genossen ist ein Ereignis, dessen Tragweite weit über den Rahmen der französischen Sozialistischen Partei hinausreicht. Von vornherein sei festgestellt, daß ich mit Leon Blum, Paul F a u r e und L e b a s völlig einer Meinung bin, daß es moralisch unmöglich gewesen wäre, dieses Angebot rundweg abzulehnen. Gewiß, wenn man sich sogar nur der allerjüngsten Vergangenheit erinnert, ist die über- raschende Wendung der kommunistischen Taktik ein Anlaß zu berechtigtem Mißtrauen. Man schließt Dario t aus, weil er die Einheitsfront verwirklicht hat und am nächsten Tag macht man Einheitsfrontangebote. Man bezeichnet täglich die Sozialisten als Sozialverräter oder Sozial- fafchisten und lädt sie plötzlich zum Kampf gegen den Faschismus ein. Man macht unter dem Deckmantel der Einheitsfront Manöver mit dem eingestandenen Ziel, Zellen in die sozialistische Bewegung einzubauen und sie zu zersetzen, und plötzlich fordert man sie auf, gemeinsame Kundgebungen zu veranstalten, bei denen jeder Streit über grundsätzliche und taktische Fragen ebenso aus- geschlossen sein soll wie die systematische Anwendung der Gewalt, und die kein anderes Ziel haben sollen als den Kampf gegen den Krieg und— was im Mund der Bol- schewiken unerhört klingt—„den Kamps für die Vertei- digung der demokratischen Freiheiten". Das ist in der Tat zu schön und man versteht sehr gut, daß bei der Ankündigung derartiger Angebote viele sich gesagt haben:„Timeo Danaos...„(Ich fürchte die Griechen, selbst wenn sie Geschenke bringen.) Dabei darf man freilich nicht vergessen, daß die Im- tiative zu gemeinsamen Aktionen, die von Paris nach den Februartagen ausging, offenkundig dem stärksten Gefühl der Arbeitermassen zumindest in der Hauptstadt entspricht. Man darf ferner nicht übersehen, daß zum Unterschied von den sozialistischen Parteien, die ihr Internationalismus nicht hindert, höchst eifersüchtig über ihre Autonomie zu wachen, die kommunistischen Parteien und. mehr vielleicht als irgend eine andere die französische Kommunistische Partei, ihre Taktik nach den Instruktionen bestimmen, die aus Moskau durch die Dritte Internationale erhalten. Gestern noch verharrten die französischen Kommunisten gegen das innerste Gefühl einer großen Zahl ihrer Mit- glieder in der törichten Taktik der Aufrechterhaltung ihrer Kandidaten im zweiten Wahlgang, woraus die Reaktiv- näre den größten Vorteil zogen— auf Befehl aus der URLs. Morgen werden s>e zweifellos entgegengesetzten Losungen ebenso gefügig gehorchen, einfach weil man in Moskau den ungeheuerlichen inneren Widerspruch ver- standen zu haben scheint, zwischen dem Eintritt in den Völkerbundsrat und der Schonung aller Parteien in Frankreich aus Gründen der internationalen Politik, je- doch mit der einzigen Ausnahme der einen Partei, die auf- richtig und aus vollem Herzen allem zum Trotz stets für die russische Revolution eingetreten ist. Unter diesen Umständen ist es keineswegs zweifelhaft, daß die plötzliche Aenderung der kommunistischen Taktik auf Einflüsse und Erwägungen internationaler Natur zu- rückgeht. Unsere französischen Genossen haben daher auch voll- kommen recht, wenn sie erklären, daß die Entschließung oder Empfehlung ihres Landesparteirates zugunsten der Einheitsfront— die„am Rande der Internationale" steht — nicht bloß sofort vor der Internationale begründet wer- den muß. sondern daß die TAI. sich mit dem Gesamt- Problem beschäftigen muß. Dabei darf man sich nicht dar- über täuschen, daß bei der Exekutive der SAI. die Dinge zweifellos nicht so einfach verlaufen werden wie beim Landesparteirat der französischen Sozialisten. Frankreich ist gegenwärtig das einzige Land West- und Mitteleuropas— wir nehmen nicht einmal die Tschecho- slowakei aus—, wo die Kommunistische Partei nicht eine winzige Gruppe darstellt. In Belgien und der Schweiz, in den nördlichen Ländern, in Großbritannien, lehen die Sozialisten im allgemeinen sehr wenig Anlaß, gemeinsame Aktionen mit winzigen Minderheiten durchzuführen, die die systematische Anwendung der Gewalt verherrlichen und eher stören, als wirksam im Kampf gegen den Faschismus und den Krieg mitzutun. So kann sich die Frage der Ein- heitsfront als Vorstufe der organisatorischen Einheit nur in der Form stellen, wie sie immer von der SAI. gestellt wurde: Untersuchung der Gesamtheit des Problems durch die beiden Internationalen. Auf unsere Inititativen in diesem Sinne zur Zeit der Tragödie der proletarischen Parteien in Deutschland hat die Kommunistische Internationale keine direkte Antwort gegeben. Hat sich die Meinung Moskaus geändert? Haben die Kriegsgefahren im Fernen Osten und die furchtbaren Lehren der Ereignisse in Deutschland und Oesterreich Früchte getragen? Das Experiment— ebensowenig wie Paul Faure wollen wir Abenteuer sagen—, das in Frankreich gemacht wird und das die ganze Internationale mit größtem Interesse verfolgen wird, wird es einen Wende- punkt in der Geschichte der Arbeiterbewegung bedeuten? Ueber diese Fragen, die ernstesten der Stunde, wird die Internationale in Kürze zu beraten haben. Jüdisch« Rechtsanwalt dekoriert sJnpreß.) Der Rechtsanwalt am Landgericht Berlin, Dr. Ernst Frankenstein, der als einer der besten Kenner des italienischen Rechts in Deutschland gilt, wurde zum Kom- mandeurs des Ordens der italienischen Krone ernannt. pariser Berichte Luaulheus lelzle Fahr! Nancy, 3. August 1934. (Von unserem Korrespondenten) Am 20. Erinnerungstage des Kriegsausbruches, am gleichen Tage, da in Deutschland der alte Reichspräsident für immer seine Augen schloß, ist Marschall Lyauthey in Nancy feierlich zu Grabe getragen worden. Der Präsident der französischen Republik, die Mitglieder der Regierung, des diplomatische Korps, die Generalität und zahlreiche marokkanische Würdenträger haben am Donnerstag in Nancy der feierlichen Beisetzung des Marschalls Lyauthey beigewohnt. Nach der religiösen Zeremonie fand unter dem Vorbeimarsch von 6000 Soldaten auf Platz Stanislas in Nancy die Trauerfeierlichkeiten statt. In einer längeren Rede würdigte Marschall Petain noch einmal die großen Verdienste des Toten um sein Vaterland. Nach Schluß der offiziellen Trauerfeierlichkeiten wurde der Leichnam des Marschalls nochmals in den Dom von Nancy überführt, wo er eine provisorische Ruhestätte finden wird. Seltsamer Unfall Ein nicht alltäglicher Unglücksfall ereignete sich in Neuilly bei Paris in der Rue de Longchamp Nummer 13. Dort stürzte der Fußboden eines Zimmers, in dem Herr Perez und Frau Delonche wohnten, in das ein Stockwerk tiefer liegende Waschhaus. Balkenbruch war die Ursache des Unfalls. Frau Delonche war rittlings auf den Rand des Waschkessels gestürzt und hatte schwere Verletzungen am Schenkel erlitten. Herr Perez klagt über Nierenschmerzen, scheint aber leichter verletzt. Nachdem die beiden Verunglückten mittels einer Leiter aus ihrer qualvollen Lage durch die rasch herbeigerufene Feuerwehr befreit worden waren, wurden sie in das Hospital Beaujon zur weiteren Behandlung überführt. Kostbares Perlenholller' Ein kostbares Perlenkollier, das aus 102 Perlen bestand und einen Wert von 550 000 Francs repräsentiert, ist Frau Auguste Petry, 3 avenue de la Glaciere in Belleville gestohlen worden Bisher konnte die Polizei weder von dem Diebe noch von dem Kollier eine Spur entdecken. Ein Christ Pfarrer verweigert den Heeresdienst Paris, 1. Aug. Das Militärgericht in Toulon verurteilte einen Rekruten, von Berus Pastor, zum zweiten Male wegen Verweigerung des Militärdienstes. Nach der ersten Verurtei- lung, die ihm ein Jahr Gefängnis einbrachte, ist er zum zweitenmal einberufen worden. Diesesmal sollte er sich bei einem Artillerie-Regiment in Toulon melden. Der Pastor verweigerte abermals den Dienst und wurde nunmehr vom Militärgericht in Toulon zu zwei Jahren Gefängnis verur- teilt. Nach der Verbüßung dieser Strafe wird er zum dritten Male einberufen werden. BBIEFKftSTEM Alier Nürnberger. Sie machen uns darauf aufmerksam, daß ei« großer Teil der gleichgeschalteten Blätter anläßlich der Kriegs- erinnerungstage Gedichte von Karl Bröger veröffentlicht und fragen uns, ob Bröger etwa gleichgeschaltet sei. Unsere Antwort: Karl Bröger wurde, wie man uns berichtete, beim Sturm der Braunen auf die„Fränkische Tageöpost" nicht unerheblich verletzt. Tann brachte man ihm nach Dachau, wo er nach einigen Monaten seinen Sohn als Lagerinsagen wiedersah! Man hatte den jungen Menschen einfach dabehalten, weil er es gewagt hatte, sich nach dem Befin- den seines Baters zu erkundigen. Das alles hat den kriegsverwun- beten Marxisten Karl Bröger nicht davor beschützt, daß seine Gedichtsbände von hinten und von vorn bestohlen wurden, ohne dag man ihm einen Pfennig Honorar gezahlt hätte.„Denk eö, o Deutsch- land!" Auch dieses Gedicht fanden wir in der„Kölnischen Zeitung, die Karl Brögers Schicksal genau kennt und sich nicht schämte. „Schweiz". Wenn Sie uns nicht schreiben wollen, worum eS sich handelt, hat die weitere Korrespondenz keinen Zweck. Belgischer Strand. Sie schreiben uns:„Sie sind, soweit ich hier Ihre Zeitung beobachten konnte, über die Wirtschaftslage in Deutsch- land gut unterrichtet. Ich kann Ihnen eigentlich wenig dazu sagen. In den Grogstädten zeigen sich die sinkenden Warenhausumsätze, wie stark die Kaufkraft der Magen gesunken ist. Den großen Spezial- gefchäften geht es etwas beger— merkwürdigerweise neuerdings gerade den jüdischen. Das hat seinen tieferen Grund. Alles, was in Opposition zu den Nazis steht, Katholiken, Sozialdemokraten, Kommunisten, geht nämlich neuerdings sozusagen zum P r o t e st in die jüdischen Geschäfte und verschafft ihnen noch leidlich gute Um- sätze. Umso schlechter geht es den sogenannten gleichgeschalteten Warenhäusern, wo man die jüdischen Leiter durch streng arisch« ei setzte und Hakenkreuzsahnen auf den Giebeln hißte. Sie müßten einmal die gähnende Leere bei der Westdeutschen Kaufhos AG. sehen, wie sich die Leonhard Tietz AG. unter sanftem Druck umgetauft hat! In Köln und anderöwo spricht man darum allgemein von der Westdeutschen Friedhofs AG."— Ihnen und den anderen Freunden, die sich jetzt an der belgischen Küste von den Strapazen des„dritten Reiches" erholen und, wie wir hören, eifrig die„Deutsche Freiheit" lesen, gute Wünsche für das Resugium einiger Wochen in einem politisch freien Lande. „Im Auslande". ES ist immer schön und mutig, wenn alte Freunde an uns schreiben, sobald sie ein paar Tage im Ausland sind. Ihre Beobachtungen bestätigen, daß die Stimmung drüben immer kritischer wird, und die Leute recht freimütig reden. So hör- ten Sie, wie in einer rheinischen Stadt ein Straßenbahnschaffner sich im besetzten Wagen laut und abfällig über die tollen Zustände äußerte und unter anderm die Frage aufwarf:„Was mögen wohl die maßgebenden früheren Führer der SPD. denken, wo wir hin- treiben, und wie mögen sie das deutsche Volk und seine Führer einschätzen." Sie glauben nicht, daß ein Fahrgast den Mann denun- ziert hat. „Landhelfer". Wir danken für den Bericht. Auch von anderer Seite hören wir, daß es viele„Deserteure" aus den Landhilfslagern gibt. Saladin. Wir danken Ihnen herzlich für die Spende auS Ihrer geistigen Schatzkammer, gespendet mit sultanischer Verschwendung. Sie werden Ihre Spuren bald in der„D. F." erkennen. „Alaaf Köln". Die Enttäuschung wird immer größer? Bei einer Versammlung der Fachschaft Elsen und Stahl von der Deutschen Arbeitsfront, die mindestens 40 000 Arbeiter umfaßt, waren nur wenige hundert erschienen. Bon der Firma Gottfried Hagen in Köln- Kalk, die eine Belegschaft von 1000 Mann hat, waren nur 7 Mann da. Von der Gasmotoren Deutz mit einer Belegschaft von 800 Mann hatten sich ganze drei Mann eingefunden.— Es geht eben abwärt?, und der Terror allein kann nicht helfen. Rheinläaderin. Sie haben erfahren, daß allein die rheinische Na- tionalsozialiftische Bolkswoblfahrt über einen Park von 214 Autos verfügt. Bon anderer Seite wird uns eine ähnlich große Zahl ge- nannt. Sie teilen uns ferner mit, daß nach vertraulichen Aus- künften von besorgten Iugendpflegerinnen und Aerztinnen die Schwangerschaften bei minderjährigen Mitgliedern des BdM. sehr zunehmen, und viele Mütter ihre Töchter nur noch widerwillig in diesem Bunde lassen. «Ein Mädchen aus Westfalen". Es ist treu von Ihnen, daß Sie gleich die erste Gelegenheit benutzen, uns zu schreiben. Sie berich- ten uns, daß die alten unverwüstlichen Sozialdemokraten in den Konsumvereinen einen zähen Kampf gegen die unfähigen und kor- rupten braunen Bonzen führen. So haben Sie uns einen Bericht über den Konsumverein in Bünde übermittelt. Bei der Abstimmung über die Entlastung des Nazivorstandes hatte die geheime Abstim- mung folgendes Ergebnis: Ja, keine Stimme: Nein, 80 Stimmen: ungültig eine Stimme.— Bei der Wahl eines Vorstandsmitglied«» erhielt der von den Nazis hinausgedrängte Marxist Robe 7« Stim- men, der Gegenkandidat nur 7 Stimmen!— Die Sozialdemokraten lassen sich von der braunen Bande weder einschüchtern noch bestechen. Grüßen Sie alle in Treue. L"-- wmaemmm Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann P i tz in Dud- weiler: Gr Inserate: Cito ß u h n In Saarbrücken Notalionsdrud und Verlag: Verlag der Vo.ksstlmme GmbH. Saarbrücken& Schützenilraße 5.- Schlievlach 776 Saarbrücken Die interessanteste Schrift des Tages: (Kittet ca&tr Von KLAUS BREDOW Fragen Sie in den Kiosken und Buchhandlungen nach