Nr. 94. AdmmemeMs• Krdtngvnge»: Obonnementä- Preis pränumerando: Pierteljährl. z�o Ml., monall. l.ioMk., wöchentlich 2S Pfg. frei ins HauS. Einzelne Nummer S Psg. Sonntags« Nummer mit tllustrirter Sonntags- Betlage„Die Neu« Well" 10 Pfg. Post- Abonnement! 3,30 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- gettungs- Preisliste für 1397 unter Et. 7437. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland 3 Mark pro Monat. 14. Jahrg. Die Instrtwns-Grbithr beträgt für die sechsgefpallsns Kolonel- zcile oder deren Raum 40 Pfg., für Vereins- und VerfammlungS-Anzeigsit, sowie ArbeitSmarlt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittag» in der Expedition abgegeben werde». Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr abends, an Sonn- und Festtage» bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Stschrinl täglich nutzet Monkng«. Devliner VolksblÄkk. Zern sprechet! Sink!, Et. ISlZS. Telegramm- Adresse: ..»oiialdemosttäl Setlin". Zentralorgan der sozialdemokratischen Uartei Deutschlands. W-daktion: 8V. 19. Uenty-Straße 2. Hlepedition: 8V. 19. Neuty-Straße 3. Aus Enslunv. London, den 20. April. fDas„Konzert" der Mächte und der Krieg. Transvaalfrage und griechische Frage. Mr. Norman und Normann- Schumann. Der Kongreß der Independent Ladour Parti). Die Taktik der Sozialisten gegenüber den liberalen Gewerkschaften. Annäherung zwischen John Burns und Jndependent Labour Party. Der Stand der Verhandlungen im Maschinenbauergewcrbe.) Das neue„europäische Konzert" hat also seinen zweiten Erfolg zu verzeichnen. Nachdem es zuerst mit unerreichter Meisterschaft eine sich fast von selbst darbietende Lösung der kretensischen Frage verhindert hat. hat es nunmehr einen Krieg möglich gemacht, den zu verhindern seine SpezialMission mar. Jetzt wird man es mohl für seine Hanplinission erklären, den Krieg zu„lokalisiren", und menn das bisher Erreichte als Probe dafür zu dienen hat, was mir von der Zukunft zu gewärtige» haben, so können sich die Völker Europa's noch sehr netter Leistungen von seilen der„Eintracht der Großmächte" versehen. Inzwischen wird in Thessalien und Epirns geschossen, und alle Welt ist gespannt zu sehen, wie lange die Griechen der Uebermacht der türkischen Waffen stand halten werden. Die ersten Berichte vom Kriegsschauplatz zeigen so viel, daß beide Seiten Ernst machen, daß die patriotische Aufwallung der Griechen mehr ist wie„Theater- lärm". Die öffentliche Meinung Englands ist Griechenland gegenüber getheilt, der Türkei gegenüber vorwiegend gegnerisch gesinnt. Für die Türkei wagt eigentlich niemand offen einzutreten, selbst die eingefleischtesten Tones sprechen von dem Reich des Sultans in Europa nur noch als von einem Ding, das„werth ist. daß es zu gründe gehl"— sobald die Zeilverhältnisse es erlauben. Da aber die gegenwärtigen Zeilverhältnisse, das beißt die Stellung Rußlands und die Haltung Deutschlands, dies nicht erlauben, ist der Aerger über Griechenlands unzeitgemäßes Vorgeben bei verschiedenen Leuten stärker wie die Gegnerschaft gegen die Regierungsmelhoden des Sultans und überträgt sich gelegentlich aus die griechische Sache überhaupt. Man darf aber solchen Stimmen kein übermäßiges Ge- wicht beilegen.„Unsere Leute hassen die Arbeit, die sie in den kretensischen Gewäffern zn verrichten haben"— diese Worte des konservativen Admirals Field in der letzten Parlamentssitznng vor den Ferien können als der Durchschnilts-Ausdruck der Empfindungen der Masse der Engländer gelten. Im übrigen markirt die Stellung, welche die Parteien oder Gruppen zu den Dingen in Südafrika einnehmen, ihre Hallung in der griechischen Frage. Die Vertreter der Politik der starken Hand gegenüber den Buren sind für Nachgiebigkeit gegenüber den Mächten in bezug auf Kreta, während die Befür- worter einer Politik der Versöhnung und Geduld in Südafrika für eine Politik der starken Hand gegenüber den Mächten in Griechen- land sind. Die Gründe für dieses Wechselverbältniß liegen auf der Hand, es ist das natürliche Gegenspiel einer ähnliche» Kombination in Deutschland. Statt Hand in Hand Rußland gegenüber für die Stärkung Griechenlands einzutreten, wie es in beider Interesse geboten wäre, arbeiten Deutschland und England— das eine willig. daZ andere wie der Wunsch und Willen— der russischen Orientpolitik in die Hände. Wenn darin nicht bald Wechsel eintritt, so wird Rußland ebenso die Frucht des griechisch- türkischen Krieges einheimsen, wie es die Frucht des japanisch-chinesischen Krieges eingeheimst hat. Wie viel radikalisirendes Pbrasentbnin bei der hiesigen„Libe- ralen Vorwärts- Bewegung"(Liberal Forward Movement) auch unterläuft, so haben die Leute, die hier unter dieser Firma die Agi- tation für die griechische Sache aufgenommen haben, immerhin das Verdienst, daß sie die öffenlliche Meinung Englands in einer den Interessen Rußlands feindlichen') Richtung bearbeiten und damit einer Versumpfung der englischen Orientpolitik entgegenwirken. Mit welchem Erfolg, das hängt von dem Widerhall ab. den die Agitation in Frankreich und Deutschland findet. Der Verdacht, daß Griechenland bewußt das Spiel Rußlands spielt, kann wohl als beseitigt gelten, die Befürchtung, daß es gegen seine Absicht für Rußland arbeitet, hat solange ihre Berechtigung, als die Völker West-EnropaS ihre» Regierungen erlauben, die Schildknappe» des Zaren zu spielen.„Wenn Griechenland fällt," schreibt hier das „Daily Chronicle",„so gewinnt eine andere Macht, und zwar nur Eine andere Macht. Es ist dies nicht die Türkei, sondern Rußland. Um' sein Ziel zu erreichen, hat es vor keinem Zynismus Halt ge- macht, ist es mit uns wie mit einem Spielbnll umgegangen. Wir sind es, die dabei verlieren werden— an Ansehen und an der Möglichkeit, im östlichen Europa Gutes auszuwirken." Das gilt aber nicht nur für England, es gilt für das ganze demokratische Europa. Mit bezug auf das„Daily Chronicle" sei beiläufig erwähnt, daß deffen Redakteur Henry Norman mit Herrn Normann. Schuhmann etwa so viel gemein hat, wie der verstorbene General v. Blnmenthal mit dem Dramaturgen Oskar Blnmenthal. Er ist ein Engländer und nimmt in der Londoner journalistische» Welt eine ziemlich geachtete Stellung ein. Ein� vor etwa einem Jahre erschienenes Buch von ihm über die Verhältnisse in Ostafieu hatte einen guten Erfolg.— Gestern und heute tagt in London der vierte Jahres- kongreß der Jndependent Labour Party. Gleich- zeitig mit ihm ward ein großer Bazar in der St. Martins Town Hall abgehalten, der einen ländlidien Markt und Karneval im „Lustigen England" darstellt und Gelder— 1000 Pfund— für de» Wahlfonds der Partei ausbringen soll. Ob der finanzielle Zweck erreicht wird, läßt sich noch nicht übersehen, die Einrichtung des Bazars und der Besuch desselben an den ersten Tagen ließen wenig zn wünschen übrig. Zwei am Ostertage ab- gehaltene Volksversammlungen waren glänzend besucht und gaben Tom Mann, Keir Hardic, Cyrran und anderen Mitgliedern der Partei Gelegenbeil zu scharfer Kritik der liberale» Partei und derjenigen Gewerkschaflssührer, welche ihr die Stange hallen. Die Konferenz selbst, die von 103 Delegirten besucht war, de- schäftigte sich weniger mit Fragen des Programms, als mit Fragen der Organisation und der Taktik. In letzterer Hinsicht ist von besonderer Wichtigkeil ein Beschluß, der es den Parlamentskandidaten der Partei verbietet, die rednerische Unterstützung von Gegnern des Sozialismus nachzusuchen, ob dies nun liberale oder konservative Arbeilervertreler seien. Maßgebend für ihn war der Umstand, daß der frühere Redakteur der„Workmans Times", Jos. Bnrgeß, der für Blackburn kandidiren soll, an die bekannten liberalen Arbeiter- abgeordneten Broadhnrst, John H. Wilson und Sam Woods das Ansuchen gerichtet hat, für seine Kandidatur öffentlich einzi. treten Damit hatte er nach der Ansicht der Mehrheit der Delegirten die Ehre der Partei bloßgestellt. Nur eine kleine Minderheit war gegen die vorern'ähnte Resolution, darunter die Delegirten für Sheffield, die erklärte», daß sie durch Zusammengehen mit den liberalen Ge werkschafllern bei den Wahlen zur städtischen Vertretung und in der Gemeindeverwaltung selbst verschiedene werthvolle Erfolge erzielt hätten. Ihnen wurde erwidert, die Resolution richte sich nicht gegen die Masse der liberalen Gewerkschaftler, sondern nur gegen die Führer, die direkte Gegner des Sozialismus seien. Bnrgeß selbst, der sonst ziemlichen Einfluß in der Partei hat, hat in der Aprilnummer des Liverpooler„Labour Chronicle" sein Verhalten ivie folgt motivirt: „Es ist Zeit, den Thalsachen gerade ins Gesicht zn sehen. Unser Traum, daß die 1895 zerschlagene liberale Regierung die letzte ihrer Art sein werde, hat wenig Aussicht, in Erfüllung zu gehen. Aber ob dies nun der Fall oder nicht, so behaupte ich, daß es unsere Pflicht ist, jedesmal die herrschenden Gewalten anzugreifen. Wir lhaten dies, als die Liberalen im Amt waren, und sollten es auch jetzt thun, wo die Tones herrschen. Wenn wir bei unserer Kritik der Tory-Regierung hinzusetzen, daß eine liberale Regierung nicht besser wäre, so nentraliflre» wir unsere Kritik. Das Resultat ist, daß wir zwischen zwei Stühle falle». Und es würde vielleicht zu einer sachgemäßeren Beurtheilung der Dinge unsererseits führe», wenn wir aushörten, den uns gegenüberstehenden liberalen Arbeiter- führern zn unterstellen, daß'sie von korrupten Motiven geleitet würden. ES ist nur natürlich, ans solche Provokation, die um so größer ist, je mehr sie auf relativer Wahrheit beruht, Vergeltung zn üben. Persönlich bedauere ich es sehr, daß dieser Geist um sich greift. Er kann zu nichts gutem führen. Unsere Haltung gegenüber den liberalen Arbeiterlenten ist dieselbe, über die wir uns beschweren, wenn uns die Sozialdemokraten Kompromißlerei vorwerfen. Wir sind ihnen nicht gut genug. Die liberalen Arbeiterleute sind uns nicht gut genug. Ans der ganzen Linie sollte ein toleranterer Geist obwalten. Ich glaube, daß es möglich ist, ein praktisches Mittel zn finden, auf grnnd dessen alle drei Richtungen sich verbünden können, unter Freiheit sür jede einzelne, ihre speziellen Ansichten ohne Schaden für dasselbe zur Gellung zu bringen." So Bnrgeß. Bei seinen Ansfnhrnngen muß man natürlich immer die besondere» englischen Verhältnisse im Auge behalten. Die „liberalen" Arbeitervertreter, um die es sich da handelt, würden in Deutschland ganz zweifelsohne im sozialistischen Lager stehe». Unter Sozialdemokiaten sind hier speziell die Mitglieder der Sozial- demokratischen Föderation gemeint. Die Engländer lieben es, die Begriffe ganz nach konkreten Fällen zu bilden, so daß manches Wort, das sür Deutsche einen sehr iveiten Inhalt hat, sür Engländer sehr spezielle Bedeutung erhält. So sind verschiedene Donnerreden von John Burns gegen„die Sozialdemokraten" in Deutschland für Ab- sagen an die Sozialdemokratie gehalten worden, während sie that- sächlich nur einer verhältnißmäßig kleinen Zahl von Leuten gelten, deren Taktik falsch oder richtig sein mag, aber jedenfalls nicht niil der Sozialdemokratie schlechtweg zusammenfällt. Beiläufig sind in neuerer Zeit Schritte unternommen worden, zwischen Burns und verschiedenen bekannteren hiesige» Sozialisten eine Verständigung herbeizuführen und nach allem, was man aus der Haltung der L�gane der Jndependent Labour Party schließen kann, auch mit Erfolg. Abschließendes über den Kongreß, der u. a. eine griechen- freundliche Resolution beschlossen hat, in meinem nächsten Brief. Mit bezug auf die Verhandlungen zwischen den Unternehmern im Schiffsbaugewerbe und dem amalgamirten Verein der Masdzinen- bancr ist zu melden, daß bezüglich der Frage der Ueberzeitarbeit *) Hier müssen wir doch ein dickes Fragezeichen machen, die englischen Griechenfrennde schwärnien meist auch für ginßland. Uebrigens verweisen wir auf die Ausführungen des Genossen Hynd- mann, aus dessen Feder wir dieser Tage einen zweiten Artikel über die Orieutsrage zum Abdruck bringen werden. R. d.„B." eine Einigung erzielt worden ist, während dagegen in der Frage der Einstellung von anderen als gelernten Maschinenbauer» für gewisse von diese» reklamirte Arbeiten die Unlernehnicr kein allgemein bindendes Versprechen abgeben zn können erklärten. Sie seien jedoch bereit, über jeden einzelnen Beschwerdefall in dieser Hinsicht mit der Gewerkschaft oder deren zuständigen Vertretern jeweilig zn verhandeln.—_ Dev lgvierhislH-kürkisrhe Divirg. Seit gestern sind keine entscheidenden, nicht einmal bedeutende Nachrichten vom Kriegsschauplatz eingetroffen. Dieser Stillstand in den Nachrichten ist jedoch kein Stillstand in den Kriegsoperalionen. Unmittelbar nach Erklärung dcS Krieges durch die Türkei vollzogen sich die Ereignisse mit außerordentlicher Schnelle. Es war eben aus beide» Seiten alles seit Wochen zum Losschlagen bereit. Und so folgte denn für das erste Stadium des Krieges Schlag auf Schlag. Den Türke» ist es gelungen, die Grenzpässe zu erzwingen und sich Thessalien zu öffnen, was freilich noch kein endgiltiger Er- folg ist, aber doch ein lüchliges Stück Wegs zu ihm. Die augenblickliche Pause erklärt sich daraus, daß die Türken, nachdem sie den Schlüssel des thessalischen Thors in ihren Besitz gebracht haben, durch dieses sehr enge Thor eine Armee mit Artillerie und Train schaffen müssen, was einige Zeit in Anspruch nimmt. Und außerdem brauchten die Truppen, welche drei Tage lang harte, fast ununter- brochene Kämpfe hatten und weile Strecken zurücklegen mußten, einige Erholungszeit. Den» jetzt erst komnit die endgillige Entscheidung, und zwar vor den Mauern von Larissa, das zwar keine sehr starke Festung ist, von dem HaupUheil der griechischen Armee aber beschirmt wird. Da wäre es sehr unklug gewesen, hätte der türkische General sich a»f einen Handstreich verlassen und die errungenen Vorlheile in Frage gestellt. lieber den augenblicklichen Stand und die Stellung der beide» Armeen sind wir— mit Ausnahme der, allerdings wichtigsten That- sache, daß die Türken sich Turnawo's bemächtigt haben,— heute ebenso im Unklaren wie gestern. Vielleicht noch unklarer. Sind doch die meisten eingelausenen Nachrichten mehr verwirrend als ausklärend. Dies hat seinen Grund wohl darin, daß die Befehlshaber beider Armeen das Bedürfniß empfinden, ihre Streitkräfte und Bewegungen geHeini zn hallen; die Zeitungs- telegramme werden ja bei der Blitzesschnelle des elektrischen Funkens von dem Feind wenige Minuten, höchstens Stunden nach der Abfendung gelesen— und wenn sie vorher die halbe Welt durchreist haben. Man erinnert sich, daß während des d e u t s ch- s r a n z ö s i s ch e n KriegZ der Zeitungs-Telegraph den kommandirende» Generälen verschiedentliche Male red>t schlimme Streiche gespielt hat. Ans dem Gewirr der vorliegenden Telegramme ist nicht klug zu werden. Die Telegramme von dem Sieg der Türke» und der Er- stürinnng Larissas durch die Türken sind offenbar Reporter« Phantasien. Die Nachrichten von großen griechischen Siege» an der östlichen Grenze sind nicht ernsthaft zn nehmen. Sie besagen blos, daß griechische Truppenabtheilnnge» rechts und links des Melnnapasses vordringen konnten, weil die Türken sich n u r mit dem Melunapaß beschäftigten, den sie auch erstürmt habe». Die griechische» Truppen, die diese„Siege" er- fochten haben, werden inzwischen nach Larissa zurückberufen sein, wo sie nöthig sind, während sie als vorgeschobene Posten voraus- sichtlich verloren wären. Ans dem w e st l i ch e n Kriegsschauplatz scheinen die Griechen Über die Grenze gedrungen zu sei»; sie melden auch verschiedene Er- folge. Jedoch Prevesa, das von der See aus seit vier Tagen beschossen wird, ist noch nicht gefallen. Auch von einem Aufstand zn Makedonien verlautet nichts. Und es muß in Erwägung gezogen werden, daß die Entscheidung unter allen Umständen auf dem ö st l i ch e n Kriegsschauplatz erfolgen muß. Auch die Operationen der griechischen Flotte sind nur von sekundärer Bedeutung, obgleich allem Anschein nach die griechische Flotte vollständig die See beherrscht, weil die türkische in so üliserablem Zustand ist, daß sie sich nicht auf die hohe See wagt. Auf Kreta ist alles beim alten— das heißt das„einige Europa" herrscht und es gehl alles drunter und drüber. Die Meldung, daß die Ausständischen dem„Vereinigten Europa" den Krieg erklären wollen, ist deshalb mcht so ganz unmöglich und blöd- sinnig, wie sie auf den erste» Blick erscheint.— Natürlich wird die Lage der Dinge von allen den Groß- und Kleiumächten, die im Trübe» zu fischen lieben— und welche thäten das nicht?— nach Kräften ausgenutzt. Daß die Serben, Vulgaren u. s. w. sich, falls es nicht zur Geueral-Theilung kommt, wenigstens vorläufig einige Vortheile sicher» wolle», versteht sich von selbst. Das hat indeß, so lauge Rußland Gewehr beim Fuß steht, u»d Ruhe! lommandirt, nicht viel zu bedeuten. Aber wird «s Gewehr beim Fuß stehen bleiben? Eine recht bedenkliche Nach- licht kommt heule aus Konstantinopel: „Wie verlautet, hat Rußland bei der Pforte um die Erlaub» iß zur Durchfahrt der Schwarzen Bieer-Flotte durch die Dardanellen n a ch g e s u ch t." Mau muß bedenken, daß die Durchfahrt durch die Dardanellen seit 160 Jahren das Strebeziel der russischen Eroberungspolitik ist; und daß die Dardanellen der Punkt sind, wo die Interessen Rußlands und des übrigen Europa am härtesten und schärfsten ans- einander stoßen. Bestätigt sich die obige Nachricht, was vorläufig noch proble, matilch ist, so wird»nzweifelhast England mit der kolossalen Flotte, die es im Mittelmeer angesammelt hat— stärker als diz aller übrigen Großmächte zusammen—, sehr bald vor den Darda, nellen erscheinen. Und der Tanz des„e i n i g e n E n r o p a" kann losgehen.— »« AnS K o n st an tin o p el liegen folgende Meldungen über die Ans Weisung der griechischen Staatsangehörigen vor: Von den Lokal- und Provinzialbehörden wurde ein Ibtägiger Termin für die Abreise der griechischen Unterthanen bekannt gegeben. Die Frage bezüglich des vorläufigen Schutzes der griechischen Unterthanen ist offen geblieben. Von griechischer Seite hofft man eine Terinin-Verlängerung und durch fremde Jnter- vention die Einschränkung dieser Maßregel, da die Durch- sührnng auch die türkischen Handelsinteressen schiver schädigen würde. Nach Saloniki wurde zum Schutze des Häsens ein Torpedo per Bahn expedirt. Einer offiziellen Kundinachnng zufolge haben alle griechische» Schiffe vom 17. April binnen 15 Tagen die türkischen Gewässer zn verlassen. Die Leuchlthürme des Golfes von Saloniki, Karabnrnn und Apauoni hören von heule ab in 5 Tagen auf zn leuchten und von diesem Termin ab ist der Eintritt in den Hasen von Saloniki zur Nachtzeit sür alle Schiffe verboten. Aus amtlicher griechischer Quelle wird hierzu gemeldet: Be- kanntlich ist von der türkischen giegierung den zahlreichen, im osmanischen Gebiet wohnenden griechischen Unterthanen eine Frist von H Tagen zum Verlassen desselben gewährt worden. Da dies« Perbannungsmaßregel allen Prinzipien der modernen Zivilisation zuwider ist, hat sich die griechische Regierung entschlossen. keine Repressalien zn üben. Sie giebt vielmehr bekannt, daß die besonders in Thessalien ebenfalls zahlreich wohnenden türkischen Unterthanen ungestört den Schutz der griechischen Gesetze genießen iverde», so lauge sie selbst gegen die ihnen gewährte Gastfreund, schaft durch Störung der öffeutlichen Ruhe nicht verstoßen. Ueber die Vorgänge vom K r i e g s s ch a u p l a tz e bringen wir in Ergänzung der vorstehenden Zusammenstellung folgende Nachrichten: Aus Larissa von heute vormittags 11 Uhr liegt die Nachricht vor, daß die Türken einige Punkte bei Meluna und Nezero eingenommen haben. In westlicher Richtung wurde heute Vor- mittag sehr lebhast gekämpft. Die„Times" melden vom gestrigen Tage aus Athen: Aus Larissa hier eingegangene Telegramme fordern dringend die E»t' sendung von Verstärkungen, da die Truppen durch die fortwährenden Angriffe der Türken erschöpft seien. Darauf sind in Eile Ver- stärkungen abgesandt. Von Athen ist gestern(21.) die Garnison in Stärk« von 2500 Mann nach Volo abgegangen. Die Palastwache und 260 Mann von der Gendarmerie werden wahrscheinlich heute nachfolgen. Eine Depesche aus A r t a meldet, daß Oberst Manos auf feinem Vormarsche mehrere Ortschaften eingenommen und in Jmarei die griechische Flagge gehißt hat. Die Türken haben Philippiadha verlassen, nachdem sie Feuer in den Ort gelegt hatteiu Di« griechischen Truppen sind noch nicht bis Philippiadha vor- gedrungen. Auch Strivinn haben die Türken in Brand gesteckt, ehe sie es verließen. politische Mebevficht. Berlin, 22. Äpril. Das allerneneste vom Vereinsgesetz soll nach der „Nnt.-Ztg." sein, daß der Entwurf des Herrn von der Recke dem Staatsministcrinm überhaupt noch nicht vorgelegen habe. O.b das wahr ist, ivisseu wir nicht. Ist es aber wahr, wie schade um die vielen Artikel der bürgerlichen Presse über das Vereinsgesetz!— An de» Rücktritt des Staatssekretärs Nieberding will niemand ernstlich glauben. So weit das Gerücht aber ernst genommen wurde, will man die angeblichen Rücktritts- gedanten mit einem vom Kaiser beabsichtigten neuen Umsturz- zesetze in Verbindung gebracht wissen.— Tie Jnteresscnwirthschaft in den Parlamenten wird in der neueste» Nunnner der„Sozialen Praxis" als«ine allgemein-curo- päische Erscheinung behandelt. An einen Aufsatz von SzadMsy über die so vielen Staub aufwirbelnde Frage der„Jnkoinptabiliiät" in Ungarn schließt der Herausgeber, Dr. I a st r o>v, eine» Aussatz, der die Prinzipienfrage, und besonders auch die deutschen Verhält- nisse behandelt. Der Verfasser kommt zu dem Ergebniß. daß wir in Deutschland, obgleich wir Skandalprozesse, wie in Ungarn, Frankreich. Italien nicht erlebt haben, mit unserer verschleierten Jnteressenpolitik eine moralisch vielleicht»och verhängnißvollere Bahn betreten haben. Die Wurzel des Uebels liege nicht soivohl darin, daß in dem gesetz- gebenden Körper interessirte Abgeordnete mitstiinmen(dies sei aller- dings unvermeidlich), sondern darin, daß dem Publikum niemals klarer Wein dariiber eingeschenkt wird, ivelche Abgeordneten einen persönlichen Vorthetl von einem Gesetzgebungs-Vorschlage erhoffen: „Der Begründer der agrarisch»» Aera in unserer Gesetzgebung, Fürst Bismarck, hat stets mit voller Offenheit davon gesprochen, daß der persönliche Vortheil, den er von einer Aenderung der Gesetz- gebung erhoffe, für ihn den psychologischen Anstoß dazu gegeben habe, den Umschwung der Gesetzgebung vom Freihandel zum Schutz- zoll ins Auge zu fassen. Er hat einmal in einer Vorstellung an Wilhelm I. mit ausdrücklichen Worten gesagt, daß unter allen Ministern er und sein Kollege Friedenthal allein ein entscheidendes Urtheil hätten, weil sie allein reiche Leute seien und wirth- schaftliche Einwirkungen der Gesetzgebung an einem eigenen Vermögen spüre» könnten. Dies« Argumentativ» ist zwar irrig. Sie schlägt allem, was wir über die Bedeutung un- interessirter Staatsmänner von Ariftides bis auf Lincoln und bis zur Gegenwart herab wissen, geradezu ins Gesicht. Sie widerspricht auch der eigenen Lebensgeschichte Bismarck'?; der Bis- marck, der die Politik des Jahres ISS6 machte, war ein armer märkischer Edelmann. Aber man mag gegen die Lebensanfchauung, die aus jene» Sätzen spricht, jeden anderen Vorwurf erheben; der Vorwurf, daß er die eigene Jnteressirtheit habe verschleiern wollen, trifft den Begründer der agrarische» Aera nicht. Die Schuld daran, daß wir in allen unseren wirthschaftlichen Frage» nicht klar darüber sehen, wie weit der einzelne Abgeordnete interessirt ist, trifft viel- mehr gerade die Gegner der Agrarier und der Schutzzöllner über« Haupt. Schon nach der heutigen Geschäftsordnung des Reichstags stände dem nichts im Wege, daß bei der Berathnng eines Spiritus- gesetzes von einer oppositionssähigen Partei ein Antrag eingebracht würde: der Reichstag wolle beschließen, daß vor Eintritt in die zweite Lesung jeder Abgeordnete zu erklären habe, ob und welche Beiträge er durch die verschiedene Bemeffung der Spiritusstener erspart habe, und daß das Verzeichniß der eingegangenen Antworten den Drucksachen des Hauses einzuverleiben sei... Es soll einerseits für die interesstrten Abgeordneten aus ihrer Jnteressirtheit kein moralischer Vorwurf hergeleitet werden; aber ebensowenig sollen sie denen, welche die Thatsache der Jnteressirtheit im Einzelfalle berichten, das Motiv beleidigender Absichte» unterschieben. In dieser Art ist es möglich, die Frage der persönliche» Jnteressirtheit in unseren Parlamenlen zu besprechen. Wird dieser Weg nicht betreten, bleiben wir dabei, daß es ziemlicher sei, über die genierliche Frage, mit wie viel tausend Mark ein Abgeordneter an einer Gesetzesvorlage inter- essirt sei. zu schweigen, so werden wir auch ohne Panama und Panamino und ohne die reinigenden Wirkungen derartiger straf- gerichtlicher Ungewitter, in einen Znstand gerathen, der für das Niveau des öffentliche» Lebens vielleicht �noch verhängnißvoller ist." Deutsches Reich. — Zur preußischen Medizin alresorm äußert sich die„Berl. Corr." folgendermaßen: Nachdem die Grundzüge über die Umgestaltung der Medizinal- behörde»»ach sorgfältigen Vorarbeiten in der Medizinalabiheilung des Kullnsministerinins fertiggestellt sind, beabsichtigt der Minister der Medizinalangelegenheite» Dr. Bosse, diese Grundzüge, bevor sie mit de» anderen betheiligte» Ressorts beratheu und in die Fonn eines Gesetzentwurfs gekleidet werden, in einer freien Kom- Mission von Parlamentariern, Verwaltungsbeamte» und medizinischen Sachverständigen zur Erörterung zu stelle». Die Berathnngen der Kommission iverde» am 3. Mai d. I. beginnen. Den Konferenz- Mitgliedern sind schon vorher zugleich mit den Grundzüge» mehrere hierauf bezügliche Denlschristen zugänglich gemacht worden, welche folgende technische und verwaltungsrechtliche Einzelfragen be- handeln: 1. DaS Verhältniß der Staatsverwaltung zur Selbstverwaltung auf dem Gebiete des Medizinalivesens. 2. die Bereitstellung öffentlicher Untersnchungsanstalten für die Zwecke des Gesundheitswesens, 3. die Abtrennung der gerichlsärztlichen Thätigkeit von dem Physikate, 4. die Umgestaltung des Physikats. Die Berathungen.sollen zunächst nur«inen insormatorischen Charakter habe». Da kann es wohl noch Jahrzehnte dauern, bis die preußische Medizinalpolizei den modernen Anforderungen entsprechen wird.— — Die Zahl der aus dem Reichsgebiet aus- gewiesene» Ausländer hat nach den amtliche» Feststellunge» nn letzten Jahre(1896) im ganzen 441 betragen, und zwar 882 männliche und S9 weibliche Personen, deren Alter zwischen IS und 79 Jahren schwankte. Nach dem Alter haben bei den männlichen Personen die Ausweisungen mit dem 16. Lebens- jähre begonnen, in welchem zwei Burschen standen. Ebenso wurden zwei 17jährige, vier 13jäbrige und acht Illjährige „auf den Schub" gebracht. Die höchste Zahl der Ausweisungen erfolgte in der Altersgrenze von 20 bis 29 Jahren, nämlich 131; dann sinkt die Ziffer mit jedem weitere» Jahrzehnt. Zwischen 3v und 39 Jahre» standen 116 Ausgewiesene, zwischen 40 und 49 Jahren 69. zwischen 50»nd S9 Jahre» 38, zwischen 60 und 69 Jahren 10, und die 70 überschritten hatten zwei ausgewiesene Männer, der eine mit 72 und der andere mit 79 Jahren. Fast genau so verhält es sich bei den weiblichen Ausgewiesenen. Hier haben die Ausweisungen zwar schon mit dem 15. Lebensjahre be- gönnen, in welchem zwei Abgeschobene standen, während eine das 16. Lebensjahr erreicht hatte; doch fehlen dann die 17- bis 19jährigen ganz. Auch waren jene drei sehr jungen Abgeschobenen Mitglieder reisender Künstlergesellschaften, die mit ihren Eltern reisten. In, Alter von 20 bis 29 Jahren standen dann ferner 19 weib- liche Ausgewiesene, zwischen 30 und 39 Jahren ebenfalls 19. zwischen 40 und 49 Jahren 13. zwischen 50»nd 59 Jahren 4. von denen zwei 50, die dritte 55 und die vierte 59 Jahre alt war, und die älteste ansgewiesene weibliche Person hatte ein Alter von 69 Jahren erreicht. Bemerkenswerth ist dabei noch besonders, daß die weiblichen Ausgewiesenen etwa ein Siebentel der männlichen betrugen. Hinsichtlich der S t a a t s a n g e h S r i g k e i t der Ausgewiesenen � steht Oesterreich-Ungarn obenan; denn ihn, wurden von Deutschland 282 Eingeborne, und zwar 242 männliche und 40 weib- liche, zurückgegeben. Dann folgte Frankreich, dem 34 Aus- gewiesene(31 männliche m>d 3 weiblich«) angehörten, ferner die Niederlande mit 30(28 männliche und 2 weibliche), Polen mit 22(20 männliche und 2 weibliche), die Schweiz eben- falls mit 22(15 männliche und 7 weibliche), Rußland mit 18, Italien nnt 15, Belgien 6, Luxemburg 5, Dänemark 3, Schweden ebenfalls mit 3 und Nord» Amerika endlich niit nur 1 Ausgewiesenen. Was den Grund der Ausweisungen anbetrifft, so stehen an erster Stelle Land st reichen und Betteln mit 367 Aus- gewiesenen, von denen 317 Männer nnd 30 Frauen waren. Ferner erfolgte wegen Diebstahls die Ausweisung von 46 männlichen und 8 weiblichen Personen. letztere zumeist H o t e l- Z i in m e r in ä d ch e n. 20 weiblichen Personen wurde der fernere Ansenthalt in Deutschland wegen Sittlichkeitsvergehens ver- boten Wegen Betruges wurden 4 männliche und eine weibliche Person ausgewiesen; und endlich wegen Nichtbeschaffung eines Unterkommens 5, wegen Straßenraubes 2, Kuppelei 3, Unterschlagung. Hehlerei, Raubes, Münzverbrcchens und Wilderns je 1 Person. Politische Gründe sind also bei keinem der Ausgewiesenen angegeben. In betreff der V e r t h e i l u n g der Answeisungen auf die einzelnen Bundesstaaten bezw. preußischen Pro- vinzen steht obenan das Reichsland Elfaß-Lothringen mit 62 männliche»»nd 8 weiblichen Personen. Dann folgen die Regierungsbezirke Breslau mit 47 männlichen und 18 weiblichen, Oppeln mit 13 männlichen, Posen mit 12, Münster mit 11, Düsseldorf mit 10, Potsdam und Franksurta. O. mit je 8, L ü» e b u r g mit 7, Berlin mit 6 männlichen und 1 weibliche», H i l d e s h e i m mit 5 männlichen, Magdeburg mit 3 und 1 weiblichen, Liegnitz, Kassel und Aachen mit je 3 Personen, Stade, Hannover, Wiesbaden, Merse- bnrg, Stettin, Marienwerder und Schlesnng mit je 2 Personen und Bromberg, Aurich, Trier, Minden und Erfurt mit je 1 Person, während die deutschen Bundesstaaten und Freien Städte auswiesen: Bayern 75 männliche und 14 weibliche, Sachsen 56 männliche und 5 weibliche, Baden 20 männliche und 2 weibliche, Hamburg 6 männliche und 2 weib- liche, Hessen 5 männliche. Bremen 2 Personen und W n r t- t e m b e r g 1 Person. Interessant ist hier der Vergleich zwischen dem kleinen Baden und dem großen Württemberg, deren Ausweisungen im umgekehrten Verhältniß zu ihrer Größe stehen. was jedenfalls daher komnit, daß fast alle aus dem Süden nach Deutschland kommenden Personen ihren Weg durch Baden nehmen. Betrachtet man schließlich noch die Jahreszeit, in der die Ausweisungen erfolgten, so ergiebt sich, daß die Mehrzahl der Aus- gewiesenen im Februar, im Monat Mai und im Oktober ans Deutschland scheiden mußten und zwar im Februar 44. im Mai 62 und im Oktober 50 Personen, während im W eihn ach ts- monat die geringste Zahl von Deutschland schied, nämlich 12 Personen. Die übrigen Monate halten sich annähernd aus gleicher Höhe zwischen 20 und 30 Ausweisungen. — Die freisinnige VolkSpartei will nun in Königsberg i. Pr. den Gutsbesitzer Papendieck- Dalheim für den Reichstag kandidiren.— — Die Klagen der Lagerhalter auf ihrer letzten Generalversammlung in Chemnitz über mancherlei Mißstände in den Geschäflen der Konsumvereine werden von den Uuternehmerblättern zu hämischen Bemerkungen über„sozialdemokratische Arbeitgeber", über die„dividendenfrohe Arbeiterfrenndlichkeil der Sozialdemokratie" ausgenutzt. Es genügt, demgegenüber daraus aufmerksam zu machen, daß die bürgerlichen Blätter das Material ihrer Angriffe aus den Mit- theilungen der sozialdemokratischen Zeitungen entnehmen mußten. Unsere Parteiblälter, welche von jeher der Organisation der Konsumvereins- angestellten sympathisch und fördernd gegenüberstanden, sind die Pnblikationsorgane für die Lagerhalter und vernrlbeilten stets die Uebelstände, die in manchen Konsumvereinen eingerissen sind, ebenso scharf wie die Mißstände in den Etablissements der Privatunter- »ehmer. Wo haben je die Blätter vom Schlage der„Köln. Ztg." und des „Leipz. Tagebl.", die sich jetzt so eifrig der Lagerhalter anzunehmen belieben, die Ausbeulung der Arbeiter durch ihre kapitalistischen Freunde gerügt? Stets und immer beschönigen sie selbst das Schlimmste, was Unternehmerbrutalität dem Arbeiter zufügt. Unsere Partei darf sich dagegen das Zeugniß ausstellen, daß sie, wo immer sie auf Mißstände stößt, fei es auch bei Konsumvereinen. die unter Verwaltung der Angehörigen der eigenen Partei stehen. rücksichtslos die Aufdeckung derselben betrieben und aus Abhilfe ge- drungen hat. Uebrigens werden die Zustände, über welche die Lager- Halter geklagt haben— den Bericht über die betr. Generalversammlung brach! en wir in unserer vorigen Nummer— noch weit übertroffen von denjenigen in den Geschäften der konservativen und liberale» Krämer. Der Unterschied ist nur, daß die Beschwerden der letztere» infolge des unternehmerlichen Terrorismus kaum je in die Oeffentlichkeit gelangen, während die Lagerhalter ohne Furcht vor Maßregelung frei heraustreten dürfen. Also möge das kapitalistische Preßvolk gefälligst vor seinen eigenen Thüren kehren!"— — lieber da? End« de? Groß Herzogs von Mecklenburg-Schwerin wird der„Voss. Ztg." von zuver- lässiger Seite noch mitgetheilt, der Fürst habe bei dem Sturz beide Beine, verschiedene Rippen und die Wirbelsäule gebrochen; das Ende soll so furchtbar gewesen sein, daß diejenigen, die beim Tode an- wesend waren, noch heute bei der bloßen Erinnerung in Erregung gerathen.— — Das Ende de?„FalleSBauer". DaS am 4. Februar d. I. vom Kriegsgericht in Stuttgart über den Lieutenant Nabe aus Anlaß des„Falles Bauer" gefällte Urlheil scheint die königliche Bestätigung erhallen zu haben. Lieutenant Rabe hat laut „N. Tgbl." am letzten Mittwoch seine viermonatliche Festungshaft auf dem Hohen-Asperg angetreten. Ob auch auf die gegen ihn be- antragte Entfernung aus dem Heere erkannt worden, ist bis jetzt nicht in die Oeffentlichkeit gedrungen.(Rabe war beschuldigt, den Musketier Bauer III von Neckarsulm in Verzweiflung und Tod getrieben zu haben.)— — Eugen Binder, der langjährige Redakteur d«S offiziellen Organs der süddeutschen Bolkspartei. des„Beobachters", ist einem Herzleiden erlegen. Die„Schwöb. Tagwacht" schreibt über den Verstorbenen:„Er war geboren am 20. Oktober 1837 in Wimpfen, woselbst sein Vater Kaufmann war. Er übernahm von demselben nicht nur das Geschäft, sondern auch dessen politische Gesinnung und wurde Demokrat. Im Jahre 1873 trat er in die Redaktion des „Beobachters" ein. der er mit einer mehrjährigen Unterbrechung bis zu seinem Tode angehört«. In den letzten Jahren war Binder durch sein Leiden gezwungen. etwas aus der Vorderfront des poli- tischen Kampfes zurückzutreten. Er hatte auch verschiedentlich die Leiden eines oppositionellen Redakteurs zu fühlen, so erhielt er einmal wegen einer scharfen Charaklerisirnng der Diener unseres Staatskirchentbnms drei Monate Gefängniß, die er im Zellen- aesängniß in Heilbronu abbüßte. Binder ließ sich aber deshalb von seiner Uebsrzengung nicht abbringen. Und die Ueberzeugung ist des Mannes Ehre!"— Ungar«. — In Slavonien sollen wegen der zahlreichen Verhaftungen die Feldarbeiten stocken.— Frankreich. — Von Leo Taxi l. Zahlreiche Personen, welche der ver- meintlichen Diana-Vaughan Geldgeschenke übersandten, wollen gegen Leo Taxil einen BetrugSprozeß anstrengen.— Spanien. — Die CorteS(das Parlament) sollen zum 20. Mai ein- berufen werden.— — Verhaftung eineS Anarchisten. Die Polizei in Barcelona verhastete den Anarchisten Magin Audal, der mit einem Genoffen, welcher wegen des Dynamitattentats von der Cambios- straße als Gefangener auf der Festung Monjnich weilt, einen„ge- Heimen Briefwechsel„gefährlicher Art" gehabt haben soll. Es ist merkwürdig, daß diese"Verhaftung gerade in dem Augenblicke er- folgte, in welchem vor dem obersten Kriegsgerichte in Madrid die Berufung der Gefangenen von Monjuich gegen das grausame Ur- theil der ersten Instanz zur Verhandlung kommen soll.— Afrika. Lourenco Marqnez» 22. April. DaS englische Geschwader. bestehend aus sechs Schiffen, ist in den Flnß eingelaufen. Zwei andere Schiffe sind auf der äußeren Rhede geblieben. Ein sran- zösisches Kriegsschiff ist heute eingetroffen. Es handelt sich um die vielbesprochenen Absichten Englands nach der Delagoabai. Kapstadt, 22. April. Die Wehrkommission der Kolonie hat die Errichtung einer lokalen Streitmacht von 11 000 Mann empfohlen, sowie die Einsührnug der militärischen Dienstpflicht für alle Weißen männlichen Geschlechts im Alter von 18 bis 60 Jahren. und schließlich eine bedeutende Vermehrung der Garnison von Reichstruppen.— Amerika. New Dork, 22. April.(„Franks. Ztg.") Das Senatskomilee soll beabsichtigen, die rückwirkende Klausel der Tarif-Bill fallen zu lassen. Die Debatte im Plenum beginne im Mai.— Montevideo, 21. April. Ans den Präsidenten wurde heute ein Pistolenschuß abgegeben. Der Schuß ging fehl, der Uebelthäter wurde verHaftel.—_ Unser holländischer Genosse Vliegen veröffentlicht in der „Leipziger Volkszeitung", anknüpfend an den Schoenlank'schen?lus- fall gegen Liebknecht's Holländische Reiseskizzc einen Artikel, in welchem er statistisch nachweift, daß ein großer Theil der holländischen Arbeiter im Elend lebt. Dies ist unzweifelhaft richtig, ist unter der Herrschaft des Kapitalismus sogar selbstverständlich. Liebknecht wird sich, soweit Grund dazu, mit Freund Vliegen in der holländischen Parteipreffe auseinandersetzen.—_ Varlamenkaripches. Ter nationalliberale Abg. Siegle hat nochmals in Rücksicht auf feine Gefundheitsverhältnisse ein Gesuch um Verlängerung seines Urlaubs beim Reichstags-Präsidium eingereicht. Im Zlbgcordnetcuhansc ist ein von dem Bureaudirektor Geh. Regierungsrath Kleinschmidt zusammengestelltes Verzeichniß der unerledigten Vorlagen verausgabt worden. Danach harren noch zehn Regierungsvorlagen, sieben Anträge und acht Kommissionsbericht« der Erledigung durch daS Abgeordnetenhaus. ii den Regierungsvorlagen gehören da? Handelskaminer-Gesetz, die ebersicht von den Staatseinnahinen und Ausgaben des Jahres vom 1. April 1895/96, das Elatsgesetz, der Nachtragsetat zum Rorinaletat vom 4. Mai 1892, betreffend die Besoldungen der Leiter und Lehrer der höheren Unterrichtsanstalten, der Gesetzentwurf über die Tagegelder und Reisekosten der Staat?- beamteU, die Vorlage über das Charitee-KrankenhauS und den Botanischen Garten. Von den Anträgen seien hervorgehoben der Antrag Langerhans, betreffend die Verpflichtung der bürgerlichen Gemeinden bezüglich der Bauten und Reparaturen von Kirchen-, Psarr- und Küstergebäuden, der Antrag Weyerbusch wegen Abänderung deS Koinmiiiialabgaben-Gesetzes, der Antrag v. Heydebrand u. d. Lafa wegen Verbesserung deS Diensteinkomniens der Geistlichen, der Antrag Motty über Meliorationsdarlehen nnd der Antrag Hoens- broech, betreffend die Aufhebung von Zollkrediten bei der Einfuhr von Getreide. Im Herrenhause sind noch der dem Hause von der Etaatsregierimg zugegangene Gesetzentwurf, betreffend die Errichtung eines Amtsgerichts in der Stadt Witkowo. und außerdem noch sieben Vorlagen zu erledigen, die vom Ab- geordnetenhause inS Herrenhaus gelangt sind; darunter die Städte- und Laiidgeuieiiide- Ordnung für die Provinz Heffen- Naffau, der Gesetzentwurf wegen Regelung der Richtergehälter und der Gesetz- enlwurf, betreffend die Fürsorge für die Wittwen und Waisen der unmittelbaren EtaalSbeamten. VÄrkei-Vschvichcten. Die Parteikonferenz für Schwarzburg-SonderShanfe«, die zu Ostern in Ichtershausen tagte und von 10 Orten mit 21 Delegirten beschickt war, wählte als Kandidaten für den Reichs- t a g«instimmig den Genoffen I o o S, Redakteur und Landtags- Abgeordneter in Gotha. Weiter wurde u. a. befchloffen, daß sich die Parteigenossen an den G e m e i n d« r a t h S- und Landtags« wählen betheiligen sollen, daß alljährlich«ine Parteikonferenz ab- zuhalten ist und daß für die Weiterverbreitung der„Thüringer Tribüne" energisch gewirkt werden soll. Zum Vertrauensmann des Kreises wurde der Parteigenosse G i l e k in Arnstadt gewählt. Die Sozial- demokratie Schivarzburg-Soiidershausens hat im vergangenen Ver- waltungSjahr infolge zahlreicher Prozesse 1253,33 M. Ausgaben gehabt, die nur durch Zuschüsse auS der Hauptkaffe gedeckt werden konnten. Seit sieben Jahren ist in Uetersen in Holstein die Mai- f e i e r ungehindert begangen worden, diesmal hat die Polizeibehörde die Erlaubniß ohne weiteres versagt. Dieselbe Behörde hat die Märzversammlung, weit dort einige Lieder gesungen wurden, als „Festlichkeit" angesehen und den Leiter in Strafe genommen. Ter Sozialdemokratische Verein in Erfurt ist im letzten Berichtsjahr von 143 Mitgliedern auf 215 gewachsen. Unter den Mitgliedern sind: 55 Schuhmacher, 34 Schneider, 28 Metallarbeiter, 13 Tabakarbeiter, II Tischler, 11 Buchdrucker, 3 Buchbinder. 5 Maler. 4 Handarbeiter. 7 Maurer, je 2 Bildhauer, Stellmacder und Bräuer; alle übrigen Berufe sind im Verein durch je 1 Mann vertreten. Die Mitgliedschaften dem Alter nach registrirt ergiebt 42 Genossen im Alter von 20—25 Jahren, 99 im Alter von 25—35 Jahren und 74 Mitglieder über dieses Alter hinaus. Die Vereiusbibliothek umfaßt 135 Bände. Zur Maifeier in der Schweiz. In Winterthur geben die zwei großen Mafchinensabriken mit 3700 Arbeiter» am 1. Mai von Mittag an frei. In früheren Jahren zeigten die betreffenden Geschästsleitiingen«inen mibeugsainen Willen gegen die Freigabe, im vorigen Jahre verlangte die Mehrzahl der Arbeiter durch Unterschrift die Freigabe, worauf sie erfolgie, und in diesem Jahre genügte in beiden Fabriken ein Gesuch der Arbeiterausschüsse au die Geschästsleitniigen. Damit haben sich die Arbeiter vorläufig wenigstens den Nachmittag dauernd erobert. Der gleiche Vorgang spielte sich im vorigen Jahre in einer großen Stricker« ifabrik ab, die nun dieses Jahr von sich aus die Freigabe erklärte und gleichzeitig die Reduktion der Arbeitszeit von 11 ans W/t Stunden bekannt machte. Die Winterthnrer Arbeiter geben diesmal eine eigen« Maizeitnng mit lokaler Färbung heraus. Polizeiliches, Gerichtliches it. — Ueber eine Haupt- und Staatsaktion gegen sozial- demokratische Frauen Breslaus, beziehentlich über einen neuen Prozeß berichtet die„Volksmacht": Die nöthigen Beweis- Materialien ziifamnieiizubringen hat unserer Polizei zwar enlfetzlicbe Mühe gemacht, aber nunmehr ist es, nach Ansicht der Polizei selbst i und der Siaalsanwaltschast, endlich doch glücklich gelungen. Unsere beiden weiblichen Verlraiieiispersonen, die Frauen Geiser und Kaiser, werden als Hauplangeschuldigte sunktionire». Sie haben sich, nach der Ansicht der Männer der Gesetze, durch volle fünf Jahre hindurch in dreifacher Beziehung schuldig gemacht, indem sie erstens die Ziele des am 9. Dezember 1892 durch Urlbeil de? hiesigen königlichen Schöffengerichts aufgelösten„Allgemeinen Arbeiterinnenvereins" dem gerichtlichen Verbote zuwider iinausgesetzl zu erreichen suchten durch eine heimliche Fortsetzung dieses Vereins, welche in einer-»«er kennt sie?—.sozialdemokratischen Frauen« agitations-Vereinigung" zu tage getreten fein soll. Sie sollen ferner in den heimlichen Verein Frauen aufgenommen haben, und drittens, eine gesetzesmidrige enge Verbindung mit dem sozialdemokratische» Verein für Breslau und Umgegend unterhalten haben. Als Zeugen für diese Bergehen werde» mehr als ein Dutzend Polizcibeamte, Polizeikommissarien. Kriminalkon, missarien, Schutzleute und außer- dem eine ganz große Anzahl von Frauen vor den Schranken des Gerichts zu erscheinen haben. Auch wird sich die Anklage wahr- scheinlich aus eine beträchtliche Zahl andere Frauen, die dem auf- gelösten Arbeiterinnenverein angehört habe», erstrecken. Landesversammlnng der Sozialdemokraten Sachsens. C h e m n i tz, 21. April. Zweiter Verhandlungstag. Vom dritten Punkt der Tagesordnung ist noch der letzte Theil, Aufstellung der Kandidaten zu den Landtags- Wahle», zu er- ledige». Aufgestellt wird im 1. Kreis der Stadt Dresden: Buchdrucker H. Schön feld; im 4. KreiS der Stadt Dresden: der bisherige Vertreter Kaden. Urber die Frage, ob für die beiden Leipziger Kreise Kandidaten aufgestellt werden sollen. entspinnt sich eine lebhafte Debatte. Geyer erklärt sich dagegen. Ein solcher Beschluß könne nur Verwirrung hervorrufen. Bisher sei es den einzelnen Kreisen übe» lassen geblieben, den Kandidaten nusznwählen; die Lanbesversammlung habe die Kandidat»««»» immer nur bestätigt. Am Ende zivinge»»vir ihnen Kandidaten auf, die sie, iven» sie sich zur Betheiligung an der Wahl entschließen sollten, nachher gar nicht nehmen. Grenz: Wir stehen ans dem Boden unserer Erklärung und stelle»» keine Kandidaten ans. Breslauer- Dresden beantragt: Es wird den Leipziger Genossen überlassen, in den zivei Leipziger Kreisen Kandidaten auf» zustellen. Sollien die Leipziger Genossen es ablehne», dann erhält das Zentral-Wahlkoniitee den Austrag, Kandidaten zu nominiren. Geyer- Leipzig und Lorenz- Cheinnitz bekämpsen den ziveiten Theil dieses Antrages. Den Leipzigern könnten keine Kandidaten oktroyirt»verde», für die schließlich gar nicht agitirt »verde. Die Laiidesversainmlung sei kein Konvent, der Emissäre ans- sende,»im widerspenstige Städte znr Raison zu bringen. Der zweite Theil des Antrages»vird hierrnlf zurückgezogen, der erste beinahe einstimmig angenoinnien. Die Ausstellung der übrige» Kandidaten wird sehr rasch erledigt. Aufgestellt»verde» für de» 1. Kreis der Stadt Chemnitz Genosse Robert Zeisig, für den S. ländlichen Wahlkreis(Amtsgerichtsbezirk R a d e b u r g) Genosie Planitz- Dresden, für den 1». länd- lichen Wahlkreis der bisherige Vertreter. Genosse Schulze« Cossebaude, für den 16. ländlichen Wahlkreis der bisherige Vertreter, Genosse Horn, für de» IS. ländlichen Wablkreis Genosse T h i e»» e in Meißeil, für den 19. ländlichen Wahlkreis Genosse Ernst N i e t s ch k e in Großenhain; für den 24. ländlichen Wahlkreis der bisherige Vertreter Genosse P o st e l t in Dresden; sür den 29. ländlichen Wahlkreis Genosse Landgraf in Burgstädt; für den 39. ländliche» Wahlkreis der bisherige Vertreter, Genoise Geyer in Leipzig; im 33. ländliche» Wahlkreis Genosse Albin Langer in Chemnitz; und iin 35. ländlichen Wahlkreis Genosse H a»» s ch i l d in Chemnitz. Die Aufstellung der Kandidaten für die übrigen Kreise mußte unterbleibe», da keine Vorschläge vorlagen. Den Genossen dieser Kreise wird die Nominirung in Verbindung mit den» Zentral- komitee überlassen. Zu diese» Kreise» gehört auch der 49. Kreis, de» bisher Genosie Stolle vertrat. Die dortigen Genossen hatten beschlossen, keinen Kandidaten aufzustellen, weil sie auf der Landesversammlung noch ein- mal die Prinzipalfrage: Wahlbetheiligung oder nicht, entschiede» haben wollten. Schmidt- Zivickau erklärt jedoch, daß sich die Geuosien dem Beschlüsse der Landesversammlung nunmehr voraussichtlich fügen>v ü r d e>». Es folgt Punkt 4 der Tagesordnung: Anträge der Partei- genossen. Genossen in Döbeln beantragen: Die Landesversammlung »volle beschließe», die Fraktion deS Landtages zu beauftragen, im Landtage den Antrag zu stelle», die Dissidenten von den Kirchen- abgaben und die Kinder der Dissidenten vom Religionsunterricht zu befreien. Der Antrag wird von Geyer- Leipzig bekäinpft,»veil ein Vorgehen der Fraktion in dieser Richtung ansgeschlosien sei, und abgelehnt. Beschlossen wird, daß die Aufstellung der Kandi- baten zn den Landtags-Wahlen bis Ende Juni zn erfolgen hat. Angenonnnen wird folgender Antrag, den N i t s ch e- Pieschen einbringt:„Die Parteigenossen sind verpflichtet, in alle» zur Wahl stehenden Kreisen die Vorarbeiten sofort aufzunehmen. Zeigt sich dabei in einzelnen Kreisen, daß keine Möglichkeit vorhanden ist, Wahlmänner zu finden, so können die Genossen dieser Kreise i>n Einverständniß mit dein Zentralkomitee eine besondere, nach den jeiveiligen Verhällniffen eingerichtete Wahlbetheiligung vornehmen. S ch r a m m- Oelsnitz beantragt, das Zeniral-Wahlkomitee zu beauftrag«», in den Kreisen, die gegen Wahlbetheiligung sind, eine rege Agitation sür Wahlbetheiligung zu entfalten. Dieser Antrag wird von Schmidt- Zivickan, N i t s ch e- Pieschen, Hoffmann- Chemnitz und anderen bekämpft und mit großer Majorität gegen 4 Stiinine» abgelehnt. Weitere Anträge liegen nicht vor. Als Sitz d e S Zentralkomitees wird wieder DreSden bestimint. Die nächste LandeSversammlnng soll in Leipzig abgehalten »verde«.(36 Stimmen dafür, 28 dagegen.) Damit ist die Tagesordnung erledigt. K a d e n schließt die Berathnngen mit einem kirrzen, kräftig«» Schlnßivort, worin er der Tobten gedenkt, die die Partei in» ver- flossenen Jahre verloren hat. Die Delegirten erheben sich zu Ehren der Verstorbene» von den Plätzen. Mit einem begeisterten Hoch aus das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht wird die Landesversammlung geschlossen. Der Ksngreß der sozialdemokratische« Partei Hollands, der zu Ostern in A r n h e i m abgehalten»vurde und deutscherseits durch den ReichstagS-Abgeordneten Genossen Harm auS Elberfeld, belgischerseits duich de» Genossen van Beveren auS Gent be. sucht»var, ist vornehmlich deshalb»vichtig, weil er die erste Wahl- beivegnng»tnserer hvlländischen.Parleigenossen einzuleiten hatte. Die holländische Partei zählt jetzt 28 Abtheilnnge» und 19 Wahlvereine mit insgesamint 1599 Mitgliedern, gegen 1990 Mitglieder im Vorjahre. Die Abonnei» teilzahl des„Eocianldemokraat ist von 1299 anj 1599 gestiegen. Das Wachsthiun der kleinen Partei ist also unver. kennbar. Genosse Tro el str a»vard»weder zum Redakteur des„Soziaal. demokiaat" gewählt. Der Parteivorstand bekam den Anstrag. wenn es der Partei gelingen sollte, Vertreter ins Parlament zu bekommen, das Blatt zu erweitern. Eine Sitzung war den Wahlen gewidmet, wöbe» auch nicht zur Partei gehörende Organisationen zugelassen»varen. 46 Vereine mit 4999 Mitglieder»»varen vertrete». Ei» vorläufiges Programm ward aufgestellt»»»d eine Kommission gewählt, welche ein Kommunal- programn» entnxrsen soll. Mit Rücksicht ans von der Regierung gestellte Bedingungen zur Erlangung der„Rechtspersönlichkeit" für die Parlei-Organlsation wurde» einige Etatntenabänderunge» vorgenommen. Weiterstanden auf der Tagesordnung: Das Verhält», iß der Sozialdemokratie zur Religion, und: Der AlkoholismuS. Zur ersten Frage ward, nach einem Referat des Genossen van der Goes, eine Resolution angenommen. »vori» erklärt»vird, daß es nothivendig fei, die ökonomische und Solitische Macht der Kirche zu brechen, ohne aber die religiöse Überzeugung der Gläubigen zu verletzen. Der Bekämpfung des Alkohols»vard zugestimmt. Eine Resolution,»velche staatlichen Betrieb der Kohlenbergwerke in der Provinz Limburg fordert,»vurde angenommen. Ebenso eine Resolution, welche das Verhalten derjenigen rügt, die nicht kandidiren »vollen, wenn sie von den Genosse» dazu berufen werden. Diese Resolution, welche auf den Genossen van Kol zielte, vernrsachte eine stürmische Diskussion, die in allgemeinen Jubel überging, als van Kol selbst dafür stimmte. Nach einem Schlußivort des Vorsitzenden V l i e g e n und deS Genossen H a r m schloß der Kongreß mit dem Gesang der Arbeiter- Marseillaise. Kongreß des Uerkandes der Socker«ud Sernfsgenosse« Dentfchlonds. G e r a. 21. April 1897. Zweiter Verhandlnngstag. Die A n t r ä g e: 1.„Abschaffung der wöchentlichen Beiträge und Einführung von Monalsbeiträgen"; 2.„Der Hauptvorstand »vird beauftragt, in kürzester Zeit eine Enquete zu veranstalten, um ans grund von Thatsachenmaterial I. die ivirthschaftliche Lage der Bäckcrei-Arbeiter Deutschlands kennzeichnen zu können; II. ein Bild über die bisherige Durchführung des Maximal-Arbeitstages zu geben und die Nolhivendigkeit desselben aller Welt vor Augen zn führen", »verde»» nach kurzer Debatte angenommen. Ein weiterer Antrag:„Den Hauptvorstand zu ermächtige», sobald die Bäckereiverordnung vom 4. März v. I. seitens der Reichsregiernng ausgehoben oder verschlechtert werden sollte, den Generalstreik sämmtlicher Bäcker Deutschlands zu proklamiren, um so durch einen ivirthschaftliche» Kampf den zwölsstündigen oder kürzeren Arbeitstag zu erringen", giebt zu einer lebhaften Debatte Älnlaß, bei welcher sich zeigt, daß auch die Mehr- heit der Bäckerei-Arbeiter aus dem Hamburger Hafenarbeiterstreik die richtigen Schlüsse gezogen hat. Lediglich die Delegirten von Hamburg nnd Berlin legen sich für den Antrag ins Zeug, letztere schon nnter Borbehalt einer Aenderung, während im übrigen mit Ent- schiedenheil der Antrag bekämpst»vird. Mit recht wird mehrfach aus die noch sch>vache Organisation hingeiviesen, die eine Garantie sür die»virksaine Turchführnng eines solchen Beschlusses absolut nicht biete. Die Verfechter des Antrages sind der Ansicht, daß„die All- geineinheit" die Bäckerei-Arbeiter nicht im Stich lasse»»vird, falls die Regierung die Bäcksreiverordnung etiva aufheben»volle. Die Organi- satio»»verde durch einen Generalstreik erst gekrästigt»verde». Diese Ansicht»viderlegtein treffendster Weise Genosse Sabath-Haniburg, der als Vertreter der Generalkommisflo» der Geiverkschasten Deutschlands zugegen ist. Er gab zu, daß die indifferenten Bäckerei-Arbeiter sich augenblicklich durch die Begeisterung hinreißen lassen würden, aus der andere» Seite stehe aber unumstößlich fest, daß die Ernüchterung allzu früh eintreten und die erhoffte Wirkung des Beschlusses in das Gegentheil»»»schlagen»verde. Vor allem solle man daran denken, die Organisation zu stärken und sich nicht auf die„Allgemeinheit" verlassen, die in den meisten Fällen trotz des vorhandenen guten Willens gar nicht helfen könne. Weiter solle man die noch vorhandenei, Mißstände im Berns ans- decken, die derartige sind, daß die Masse des Volkes,»venn sie er- fährt,»vie es bei Herstellung der Lebensmittel noch zugeht, mit Entrüstung den aiisbentungslüfiernen Innungen ihre Sympathie» entziehen»vird. Im Interesse des Fortschritts, de» die Organisation in den letzten Jahren gemacht hat, bitte er, einen Beschluß zu gunste» des Streiks nicht zu fassen.— Die Antragsteller glauben, schon die heute gepflogenen Debatte» würden den Beschluß »virkungslos machen, sie ziehen deshalb den Antrag zurück. N a ch m i t t a g s- S i tz n n g. Ei» Antrag der Mitgliedschaft Frankfurt a. M. will, daß neben den» Verbandsorgan, das übrigens obligatorisch eingeführt ist, kein Fachblatt mehr heraus- gegeben»vird.' Anlaß zur Stellung dieses Antrages hat der Um- stand gegeben, daß die Mitgliedschaft Berlin den„Bäcker", Organ für die Jiiteressen der Bäckergesellen Berlins und Unigegend(ziveiter Jahrgang) begründet hat, welches Blatt allinonatlich in 2999 Exem- plaren unentgeltlich in den Bäckereien zur Bertheilung gelangt. Diese„Berliner Extraivnrst",»vie sie verschiedentlich bezeichnet»vird, hat aber bisher dem Verband noch keinerlei Kosten vernrsacht und esivird beschlossen, sie»lnter solchen Umständen den Berlinern zn erhalten, dagegen aber jeder»veiteren Herausgabe von Fachblältern energisch entgegenzutreten. Die Erhöhung der Beiträge ans monatlich 89 Ps.(jetzt wöchentlich 15 Pf.) wird mit 17 gegen 6 Stimmen beschlossen. Ais Sitz für den Vorstand wird Hamburg, für de» Ausschuß Lübeck bestimmt. Zum Vorsitzenden des Ver- bandes»vird A l t m a» n- Hamburg mit 29 gegen 3 Stimnien»vieder- geivählt. Ihm»vird die Fnkrmig sämmllicher Geschäfte(inkl. Redaktion des Verbandsblattes) übertragen und hierfür ein Gehalt von 1499 M. jährlich festgesetzt. Für AgilationStouren»verde»» 5 M. Spesen und 3 M. für Versäu»nnisse ausgeworfen. Zum stellvertretenden Vor- sitzenden»vird L i e s ch e r- Hamburg geivählt Es wird dem Vor- stände anheimgegeben, bei Bestimmung des Ortes sür die nächste Generalversammlung Sttddeutschland zu berücksichtigen. Mit einem kräftigen Appell an die Delegirten, i» ihrer Hennath sür strikteste Durchführung der gefaßten Beschlüsse einzutreten nnd mit einein Hoch auf den Verband schließt der Vorsitzende den Kongreß. Zwölfte Generalversammlung des Kerkattdes der Zimmerlente. Halberstadt. 21. April. 2. Tag(Fortsetzung). S t e h r- Berlin regt eine andenvcitige Regelung der Verlagsverhältnisse an. Ruft- Altona erklärt»ani«ns der Preßkommission. daß sie mit der Entivickluug des„Ziunnerers" als Kampforgan zufrieden sei»md die Thätigkeit des Redakteurs lobend anerkenne. A»>ch er»vendet sich gegen die Einführimg technischer Blätter. Die »veiler folgende Debatte führt zil einer lebhafte» Erörterung einer Reih« kleinerer Anträge über Anzeige», Bekanntgabe von Ans- geschlossenen. Kürz« der Berichte und Verschmelzung der Blätter „Ziinmerer",„Grundstein" und„Blvckiandiverker". Außerdem konnnen verschiedene Beschiveiden zur Aussprache, besonders eine solche vo» Berlin, die Stehr vertritt. Lebhaste Erörterungen führte auch die Frage herbei, ob der„Zinnnerer" nicht enger mit den» Verband« zu verfchmelzen sei»ud»vie das geschshe» solle. Nachmittag. Nach einen» Schlußwort des Referenlen, der davor»varnt, mit den eingebrachten Anträgen der Presse Fesseln anzulegen, wird in die Spezialberathinig der vorliegenden Anträge eingetreten. Di« Anträge betreffend die technische Beilage»verde»» durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt. Zwei Auträge über die Art, wie die Anzeigen z» berechnen»md zu quitliren sind,»verde» abgelehnt; ebenso»vird ei» Antrag, den Vereins- nnd BersannnlinigSanzeiger fortfalle» zu lassen, verivorsen. Ein Antrag, dahin zu ivirken, daß der Redalteur möglichst schnell zu politischen, geiverk- schastlichen Ansrnfen Je. Siellimg zu nehmen hat,»vird angenomme». Beschlossen wird ferner, die örtlichen Be- richte möglichst ktlrz zu fasse». Der Wunsch, die Presse aller Bauhandiverker zn verschmelze», hat zn drei Anträgen geführt. Diefelben führe» znr Einreichung z»vcier Resolutionen. Dleselben lauten: I. Die heutige 12. Generalversammlung beschließt den dem- »ächstigen Vorstand zu beauftragen, mit den anderen Berufen zivecks Verschmelzung der Blätter in Verbindung zn treten und der nächsten Generalversaininlung ein« Vorlage zu uuUrdreiten resp. Bericht zu erstatte». II. Die 12. Generalversamnrlung spricht den Wunsch aus, daß der Redakteur des„Zimmerers" mit den Redakleuren der andere» Geiverkschastsblätter»n Verbindung treten möchte, uln durch gemein- sames Zusammenarbeiten sich die Arbeit betreffs Herstelluug der Leitartikel zu erleichtern. Resolution II»vird angenommen, Resolution I ffiltt damit. Zur Verlagsfrage liegen vier Anträge vor: I. die 12. General» Versammlung des Verbandes der Znnmerleute erklärt sich mit der Haltung und Schreiblveise des„Zinnnerer" bezüglich der namentlich im letzten Jahre gebrachte« Leitartikel und anderen Artikel ein- verstanden. In bezug ans das Bestiminungsrecht über die finan- ziellen Verhältnisse läßt sie ebenfalls de>n Redakteur in so »veit freie Hand, als derselbe stets rechtzeitig eventuelle Ueberschüffe der Hauptkasse des Verbandes zu überweisen hat, in» übrigen aber zwecks schnelleren und leichteren Arbeitens»hm eine selbständige Kassenführung gestattet ist. Eine beliebige Kontrolle steht dem Hauptvorstand zu. II. Eine sünfgliedrige Kommisstou zu wählen, die einen Kontrakt zivischen Hauptvorstand und Verleger des „Zimmerer" ausarbeiten soll. Der dritte Antrag enthält einen Zusatz zu I, wonach die Herstellungskosten pro Nulnmer 3V« Pf. nicht überschreiten dürfen. Der vierte Antrag betrifft eine Er- leichterung der Versendung des Blattes an die Unterkassirer in große», Städten, die sür zulässig erklärt»vird, soivie die Zahlstelle die Kosten trägt. Die erste Resolution gelangt zur Annahme, die andere» Resolutionen fallen. Zu dem fünften Punkt der Tagesordnung: L o h n b e w-e g u n g, nimmt»»»ter Beziehung auf die Angaben des Geschäftsberichtes Schrader-Hamburg das Wort. Er schildert die Erfahrungen, die man bei den Streiks der letzte» Jahre gemacht habe. Da sei zunächst die Lehre, daß man nicht i» ungünstiger Zeit streiken dürfe, z. B. nicht im Winter,»vo die Aussicht auf Durchdrücken einer Forderung gleich Null sei. Eine Platzsperre, die schon»ach 14 Tagen illusorisch sei. müsse, uin nicht alle Organifirte» vom Platze zu vertreibe», unter solche» Umständen schnell aufgehoben»verde«. Man solle bei allen Forderungen als Hauptpunkt die Verkürzung der Arbeitszeit ins Auge fassen. Weiter darf»nan den Versuch, einen Miniuiallohn einzuführen, nicht a»l§ dem Auge lassen. Bei allen Fordertingen ist es»ölhig, einen vollständigen Tarif auszuarbeiten. Auch der Unfallschutz darf nicht vergessen»verden. Voraussetzung sür einen Streik sei, daß die große Mehrheit der Arbeiter im Beruf gewillt sei, sich solidarisch zu erweisen, und eine lebhafte Baulhätigkeit niuß vorhanden sein. Die Lokalkasse muß so gestillt sein, daß sie bis auf eine Woche allein genügt. Die Thätigkeit der Kartelle sei nicht zu hoch anzuschlagen, soiveit»nan sie als geldspendende Helfer betrachte. Bon großer Wichtig- keit sei auch ein Absatz der Extramarke», der stelleniveise ja sehr gut, aber in einzelne» Orten auffällig gering gewesen sei. Redner schlägt folgende Resolution vor: I» Erivägung, daß durch die heutige kapitalistische ProduttionS- »veise die Reservearmee immer mehr anivächst, ist diesem Amvachsen gegenüber eine dementsprechende Verkürzung der Arbeitszeit bis auf acht Stunden dllrchaus gerechtfertigt. In fernerer Erivägung, daß uns aber i» absehbarer Zeit»veder dltrch die Gesetzgebung noch durch die Unternehmer ein achtstündiger Arbeitstag geivährt »vird, beschließt die 12.Generalversaminlung des Verbandes ber Ziinmer- leute Dentschlands, daß da, wo Forderungen gestellt»verden, stets neben einem Minimallohn die Verkürzung der Arbeitszeit als erste Forderung aufzustellen ist, speziell aber da.»vo heut« noch länger als zehn Stunden in unserem Beruf ge- arbeitet»vird. Des weiteren muß sich jede Zahlstelle, welche in die Bewegung tritt, zur Pflicht mache», einen vollständigen Tarif anSzuarbeiten, »ach»velchem nicht nur der Lohn genau bestimmt wird, sondern auch die Dauer der täglichen Arbeitszeit für den Sommer als auch sür die Wintermonate festgesetzt ist. In anbetracht aber dessen, daß die Hauptkaffe»nit den an sie eingesandten Quartalsbeiträge», die stattfindenden Lohnkämpfe nicht in der wirksanien Weise unterstützen kann, wie es nothwendig ist. verpflichten sich alle amveseuden Delegirten, mit aller Energie für den Verlrieb der vo» der Hauptkaffe herauszugebenden Extra- marken im»veitesten Kreise der deutsche» Zimmerleute eintreten z» wollen. Die Debatte beginnt mit einer Erörterung des Dresdener Streiks, dessen Abrechnung»eben sehr geringer Streikunterstützung sehr hohe Posten für Bahnhosskontrolle, Zeitversäumniß:c. enthält. I ä h r i g- Dresden führt Beschiverde, daß der Ha«»ptvorstai»d die Veröffentlichung der Abrechnung veriveigert habe. Schräder betont, daß der Hauptvorstand einhellig der Ansicht»var, die Ver- öffentlichling sei eine Blamage, die man verineiden müsse. Die durch den Fall hervorgerufene Debatte dauert bis zum Schluß der heutigen Tagung._ Berlin«itb Umgebung. Achtnng, Holzarbeiter! Bei der Firma Schul, u. Co.. Nieder-Echöneiveide haben 29 Tischler die Arbeit nieder- gelegt»vegen Maßregelung eines Kollegen, ivelcher 25 Jahre daselbst beschäftigt»var. Bitte, streng den Zuzug fernzuhalten. M« An« fragen sind zu richten an A. Hempel, Adlershos. Achtnng. Töpfer! Die öffentliche Verfanunlung vom 21. April beschloß, die Breslauer Kollegen,»velche sich iin Generalstreik bestnden, dadurch zu unterstütze», daß die Sammlung zum Streik- fonds für die beiden nächsten Wochen vom 24. Apnl bis 8. Mai ausgesetzt»vird»nd dafür 59 Pf. pro Woche für die Breslauer ge- sammelt»verde» soll. Wir ersuchen daher die Kollegen,»nit doppeltem Eifer für die Samnilnng einzutreten, da die B reS la uer Kollegen sehr dringend der Mittel bedürfen. Sammellisten zu diesem Ziveck können am Freitag, 23. April, von 7 Uhr ab im Nach- »veis entgegengenommen»verden. Metallarbeiter. Die Werkstatt> Bertranenslente der Metall- arbeiler für den Norden»verde» ersucht, am Sonnabend, den 24. d. Mts., abends 8 Uhr, in» Lokal von Di ecke, Ackerstr. 123, vom Unterzeichnete» die Mainiarken i» Empfang zu nehmen. Gleich- zeitig findet Abrechnung statt. W. Stähr, Bcrtrauensmann der Berliner Metallarbeiter für den Norden. Eine Lohnbewegung der Kupferschmiede, die»vir in Nr. 91 als in Aussicht stehend meldeten, ist,»vie wir auS genau unter- richteter Quelle erfahren, nicht geplant. Di« Nachricht hatten»vir bürgerlichen Blättern entnommen. Deutsches Reich. Ueber den Manrerftrcik in Brandenburg a. H. berichtet linser dortiges Partei-Organ, daß von über 490 Ausständigen nur noch 149 am Ort weilen; die übrigen sind abgereist. Auch von diesen würde ein erheblicher Theil Brandenblirg schon verlassen haben,»venu nicht die Unternehnier schon vor den Ostertagen ihre Bereitivilligkeit zr» Unterhandlungen nach dem Fest zugesagt hätte». Verhandlungen haben darauf in» Rathhanse unter Leitung des Herrn Syndikus Dr. Meier stattgesunde». Infolge der ablehnenden Haltung der Unternehmer, die anfänglich Zusagen»nachte», dieselben aber am Schluß wieder znrücknahine», tan, es aber zn keiner Einigung. Der Vorschlag des Syndikus, die Streitfragen dem Schiedsspruch des Geiverbeperichts zu unterbreiten,»vurde von ihnen r u n d iv c g abgelehnt. Nach der durchaus sachlichen Verhandlung erklärte» die Herreu plötzlich, mit der bisherigen Konnnisston der Arbeiter nicht »veiler verhandeln zu»vollen Die Arbeiter habe», um ihrer Friedens- liebe Ausdruck zu geben, diesem Verlangen Folge gegeben und eine neue Konniiissto» geivahll. Der Streik der Holzarbeiter in Luckenwalde dauert noch ort. Der Zuzug von Tischlern und Drechslern ist deshalb vor- äufig noch fernzuhalten. Lohnbewegung der Steinsetzer. Im Hamburger Steinsetzer- streik»vird es höchstivahrschenilich in nächster Zeit zur Entscheidung kommen. Das Streikkomitee»vill der Arbeiterschaft de» Vorschlag machen, noch ein letztes Mal die Unternehnier zu einer Einigluig zu veranlassen. Auch ist Aussicht vorhanden, daß diese jetzt ans eine» deraitigcn Vorschlag eingehen. Am»»eisten dürfte dazu die Thatsache beitragen, daß eS in den ganzen elf Monate», die der Kampf nun schon dauert, nicht gelungen ist, auch nur einen einzigen / W de nuSiuilvtiaen Streikbrecher heranzuziehen. stehen den hauptsächlich m betracht kommenden sieben Firme» jetzt 120 Mann zur Verfügung, während dieselben»ach einer im Mai v. I. apfgenomnwnen Statistik 440 Mann beschäftigten— und in diesem Jahre noch eine größere Anzahl einstellen müssen. Auch ist es dem Streikkomitee m der vorigen Woche wieder möglich gewesen, weitere 30 Mann in Arbeit zu bringen, so daß nur noch 8S Mann zu Unterstlitzen waren. Es ist aber noch imnier der Zuzug streng fern zu halten und für alle Fälle auch Unterstützung noth- lvendig, da die Unternehmer ein Entgegenkommen bisher nur des- halb abgelehnt habe», weil sie von Woche zu Woche darauf rechneten� daß die Unterstützung nicht ausgezahlt werden könnte. Die Steinsetzer und Berufsgenossen in Hannover haben den Meistern und dem Magistrat(letzterem für die Regiearbeiten) folgende Forderungel, unterbreitet: für Steinsetzer: Stunden lohn am Ort 80 Pf.(bisher 45 Pf.), tägliche Arbeits� leistnng 18 bis 20 Quadratmeter Reihenpflaster; Akkord: für Reihenpflaster 25 Pf., für Mosaikpflaster 70 Pf. pro Quadratmeter, Ueberstunden 55 Pf., über Land 55 Pf. Stundenlohn und wöchentlich einmal freie Fahrt von und»ach der Arbeitsstätte; innerhalb der effektiven Arbeitszeit täglich zwei Pausen von je 10 Minuten Daner. Für N a in in e r: Stundenlohn 32—35 Pf.; für H i l f s- arbeiter: 30— 32 Pf. Der Tarif soll am 15. Mai in kraft treten. Um die Durchführung zu erleichtern, ist Zuzug fernzuhalten. Der Streik in Magdeburg(Firnia Ljadenthi») dauert fort. Es sind noch sechs Mann zn unterstützen. Die Chemnitzer Steinsetzer haben folgende Forderungen aufgestellt: zehnstündige Arbeitszeit, 50 Pf. Stundenlohn, Ueber- stunden 00 Pf., täglich zwei Extrapausen von je 10 Minuten Daner, Sonnabends um 5 Uhr Feierabend ohne Lohnabzug. Die Innung hat mit Gegenvorschlägen geantwortet, die gegen früher eine Verschlechterung bedeute», und lehnt jede Einigung ab. Allerdings flnd auch die großen Arbeiten noch nicht im Gange. In Sangerhausen haben zwei Meister die geforderte Lohn- erhöhung(45 Pf. Stundenlohn, Ueberstunden 50 Pf.) bewilligt; auch haben sie sich verpflichtet, nur organisirte Steinsetzer zu beschäftigen, in Anerkennung der Thatfache, daß es nur allein dem Vorgehen derselben zu danken ist, wenn die unsinnigen Preisdrllckereien der Meister untereinander aufhöre» müsse». Die Meister i» Roßla und Oberröblingen verhalten sich dagegen ablehnend. Zuzug nach diesen Orten ist daher fernzn- halten, ebenso nach den Orten Altona, Gera(Reuß), Görlitz, Herford, Jerxheim, Memel, Osterburg, Stettin, S t a r g a r d t i. P. und W a n d s b e ck. In Flensburg sucht ein gewisser Sande Steinsetzer z» engagiren und dieselben dann nach Hamburg zn dirigire». C wird gebeten, auf die Umwege des Genannten nicht einzugehen. Der Zentralvorstand. Die Arbeiterpresse wird um Abdruck gebeten. Dem Streik der Tischler Stettins haben sich auch die Mit- glieder des Hirsch-Duncker'schen Gewerkvereins angeschlossen. Am Tischlerstreik in Kiel sind jetzt 168 Personen betheiligt, von denen 115 verheirathet und 41 ledig sind. Bei 15 Meistern sind 45 Tischler in Arbeit. Die z» de» neuen Forderungen Arbeitenden zahlen pro Woche und Mann 3 M. zum Slreikfonds. Der Vorsitzende des Gewerbegcrichts hat unter Zusicherung größter Unparteilichkeit ein Schiedsgericht vorgeschlagen, welches von den Gesellen angenommen ist, die Zustimmung der Meister steht noch ans. Die streikenden Hafenarbeiter LiibeikS(Tischler, Drechsler und Maschinenarbeiter) bitten die deutschen Fachgenossen dringend darum, alles, ivas in ihren Kräften steht, zu thun, um den Zuzug fernzuhalte», insbesondere gegenüber den verlockenden Arbeits- angeboten, die von feiten der Unternehmer in den verschiedensten Zeitungen veröffentlicht werden, für die erforderliche Ausklärung zu sorgen. Die Adresse des Streikkomitees ist: D. R o h d e in Lübeck, Lederstr. 3. Die Arbeiterpresse wird um Abdruck gebeten. In Bremcn stellten am Dienstag gegen 100 F e i n s p i n n e- rinne» der I u t e s p i n n e r e i und Weberei B r e u> e n die Spinnstühle ab, um eine Erhöhung der Akkordlöhne durchzu- führen, was auch gelang. Ueber den Töpferstreik in BreSlan berichtet die„Volks wacht", daß die renoinmirteste Firma(Kanold), die 35 Mann be schäftigl, die Forderung der Gehilfen anerkannt hat. 30 der Streikenden haben Breslau verlassen, um anderwärts in Arbeit zn treten. Einheimische Streikbrecher sind nicht zu verzeichnen und auswärtige ebenfalls nicht. Der Lohnkonimission der Töpfer ist ein Schreiben der Vereinigung der Breslauer Ofenfabrikanlen zu gegangen, worin bedauert wird, daß die Arbeiter den Lohnlarif der Unternehmer abgelehnt haben, da diese Ablehnung nur dazu beilrage.„andere Heizungsmethoden in Ausschwung zu bringen". Dieser Schreckschuß, sagt die„Aolkswacht", wird sicher ohne Wirkung bleiben. Andere Heizungsmethoden werden ganz un bekümmert um die Lohnbewegung der Töpfer mit dem Fort schreiten der Technik ohnehin eingeführt, wie die Erfahrung ge lehrt hat. In Erfurt haben von zirka 210 iusgcsammt beschäftigten Z i m m e r l e u t e n 199 die Arbeit niedergelegt. Sie fordern zehnstündige Arbeitszeit, 35 Pf. Stundenlohn, für Ueberstunden 10 Pf. Zuschlag und 50 Pf. Stundenlohn für Nacht-, Wasser- und Sonntagsarbeit. Die Meister wolle» zwar den Zehnstnndentag bewilligen, der auf de» meisten Bauplätzen ohnehin schon eingeführt ist, aber nur 30—32 Pf. Durchschnittslohn geben und die bessere» Arbeiter(Poliere jc.) nach Ermessen entlohne». A«S Sondershausen wird berichtet, daß städtische Ar- b e i t e r wegen Herabsetzung ihres Tagesverdienstes von 1,50 auf 1 M. einen Ausstand begonnen hätten. Die„Leipziger Volkszeitnng" sucht den Ausschluß der egalen Vertreter der Buchdrucker Leipzigs aus dem Gewerkschaftskartell durch einen Bericht über das Referat zu rechtferligen, das der„Korrespondent"- Redakteur Rex. Häuser in der letzte» allgemeinen Vuchdruckerversammlung ge- halten hat, die zu dieser Sache Stellung nahm. Unser Leipziger Brnderorgan empfiehlt den Parteiblättern, die das Gewerkschastskartell wegen seines Beschlusses getadelt hatten— verlheidigt hat ihn mit Aus- »ahme der„Leipz. Volks-Ztg." kein Blatt— ihre Kritik auf grund des Rexhäuser'schen Referats„noch einmal»achznprilfen". Um aber zu erfahren, was Rexhänser ausführte, genügt der Bericht der„Leipz. Volks-Ztg." absolut nicht. Dazu ist es schon nölhig, den „Korrespondent" vom 22. April zu lese», der das Referat Rex- häuser's ausführlich wiedergiebt. Aus dem Bericht des„Korr." ist nur zu ersehen, daß das Referat Rexhäuser's zwar nicht durchweg den Nagel auf den Kopf traf, so überschätzt er die englischen Gcwerkvereine, serner hätte er die mitunter übermäßig persönliche Anzapfung manches Kartellmitgliedes wie manche andere Aeußerung unterlassen könne», ohne feiner Sache zu schaden, im ganzen ist aber seine Rede eine berechtigte Abwehr unberechtigter Angriffe gewesen und wenn er sagte:„Auch wir sind der Meinung, daß nur durch die Beseitigung der gegenwärtigen Produktionsweise und Vergesellschaftung der Produktionsmittel eine dauernde Besserung und eine menschen- würdige Existenz für die Arbeiter begründet wird," so ist das allein schon hinreichend, um der„Leipz. Volks-Zeitung' den Rath mit vollem Recht retourniren zu können, den sie anderen Parteiblältern zu gebe» für angemessen wähnte. Ueber den Stand des Holzarbciter-Streiks in den Stuhl fabrike» in G-rings walde i. S. wird uns mitgetheilt: Die Zahl der Streikenden betrug 304, wovon 302 organisirt. Abgereist sind bis 17. April 50 Mann, in Arbeit getreten bei unbetheiligten Meistern 17 Mann, fahnenflüchtig geworden 15 Mann. Jede Woche werden 2400 M. Unterstützung ausgezahlt. Neuerliche Ver- Handlungen sind daran gescheitert, daß die Fabrikanten bedingnngS- lose Rückkehr zur Arbeit verlangen. Zuzug ist streng fernzuhalten. Die Zimmerer in Göppingen in Württemberg haben nach zweimaligen vergeblichen Verhandlungen ihrer Lohnkommission mit den Unternehmern die Arbeit eingestellt. Von 120—130 insgesammt beschäftigten Zimmerern haben sich über 100 in die Slreiklisten ein- tragen lassen. Gefordert wird u. a.: der Zehnstundentag, ein Minimallohn von 38 Pf. fiir Arbeiter über 20 Jahre und ein Lohn von 30—35 Pf. für jüngere Arbeiter, serner für Ueberstunden und Wasserarbeit 25 pCt., für Nachtarbeit 50 pCt. und für Sonntags arbeit 100 pCt. Aufschlag. Anstand. Der Ausstand der Ziegelei- Arbeiter der Umgebung von Brüssel umfaßt jetzt gegen 2000 Man». Ein Theil der Unter- nehmer hat die geforderte Zulage von 25 Centimes für das Tausend Ziegel bewilligt. Die Arbeitenden zahlen den Mehrverdienst an die Streikkasse. Viele Ziegelstreicher haben Brüssel verlassen und sind nach Frankreich ausgewandert, wo höhere Löhne gezahlt werden. Der Streik der Bergleute aus l a Grand C o m b e in Alais(Frankreich) hat sich auf die Nachbargruben ausgedehnt, so daß jetzt 3000 Arbeiter daran belheiligt sind. Die Soldaten und Gendarmen haben nichts zu thun; die Streikenden halten täglich in aller Ruhe und Gesetzmäßigkeit starkbesuchte Versammlungen ab. In Birmingham in England traten am 2. Osterfeiertag die Bedienstelen der zwei Hanptlinien der Pferdebahn in Streik. Soziales. Eine einheitliche Regelung der Garn- Nnmerirung nach metrischem S y st e m wird von den Regierungen des Deutschen Reichs und Oesterreich-Nngarns beabsichtigt. Znr Statistik der preußischen Irrenanstalten. Ueber die Bes itzver hält nisse und die Größe der Irrenanstalten Preußens ist dem Hefte 144 des amtlichen Qucllenwerkes der „Preußischen Statistik" zu entnehmen, daß iin Jahre 1894 dem Staate 3 Jrrenkliniken an den Universitäten zu Berlin, Greiiswald und Halle mit 194 bezw. 64 und 81 Plätzen gehörten. Die Pro- viuzialverbände unterhielten 49 Anstalten mit 25 530 und die städti- scheu Gemeinden 14 Anstalten mit 6154 Plätze»; außerdem standen de» Provinzialvcrbänden und den städtischen Berwaltiiiigen noch 1736 Plätze in 26 allgemeinen Heilaustallen zur Verfügung. Mit Hilfe der Wohlthätigkeit endlich wurde der Betrieb von 20 Anstalten religiöser Orden und Genossenschaften mit 4157 und von 11 milden Sliftunge» mit 3781 Plätzen für Geisteskranke erhalten. Endlich befanden sich 98 Irrenanstalten im Besitze von Privatpersonen, welche 5952 Geisteskranke aufnahmen. In sämmtlichen Anstalten sind 54 307 Geisteskranke im Jahre 1894 gegen 25 568 im Jahre 1880— also in 15 Jahren 28 739---- 112,4 v. H. mehr— verpflegt worden. Der österreichische Zentral-Gewerbe-Jnspektor Migerka in Wien, der ein arges Hemmuiß strenger Durchführung des Arbeiterschntzes war, ist p e n s i o n i r t worden. I» Bergen in N o r w e g e n ist die Speisung d e r S ch u l- linder ans K o st e» der Gemeinde eingeführt. Ungefähr 1000 Kinder von sämmtlichen Schulen der Stadt bekommen viermal wöchentlich Essen. Die Gemeinde hat für den Zweck 10 000 Kronen bewilligt, obwohl die Armcuverwallung und die Schulleitung ab- gerathen hatte». Aber es nahten die Gemeinderalhs-Wahlen, und da die Opposition die Sache auf ihr Programm gesetzt hatte, nahm sich der Magistrat derselben an und setzte sie durch. VevfanmtlttNJgon. Der hiesige Zweigberein des Zcntralverbaudes deutscher Brauer wählte in seiner letzten Mitgliederversammlung zur Revision der Verbands- Hauptkasse, ivelche laut Beschluß des vorjährigen Delegirlentages»eben den üblichen Quartals-Revisionen an stelle des Delegirtentages in diesem Jahre statlstnden soll, den Kollegen Klein-Hamburg. Ferner wurde nochmals über den Antrag Hamburg betreffend Gründung eines Slreikfonds durch Zahlung von Beiträgen von pro Mitglied und Monat 25 Pf. beraihen. Diese» Antrag hat der Hauplvorstand nunmehr zu dem seinigen gemacht und dahin modifizirt, daß er von dem festgesetzte» Satz von 25 Pf. pro Monat abweicht und es den Zahlstellen überläßt, über die Höhe einer obligatorischen Zahlung zum Streikfonds ihre Ansichten anszusprechen. Falls sich eine Anzahl Zahlstellen für den An- ficht ausspricht, wird der Hauptvorstand eine Urabstimmung veranstalten und zwar erstens über die Gründung eines Streikfonds und zweitens über die Höhe der zu zahlenden Bei- träge. Die Versammlung sprach sich für den Antrag ans und er- klärte sich für Beiträge von 20 Pf. pro Mitglied und Monat durch Quittung in Marken a 10 Pf. Unter Verschiedenem beschloß die Versammlung, daß die Brauer zu den Vormiltagsversammlungen der Gewerkschaften am I. Mai ohne vorherige Zusammenkunft sich direkt nach dem Versammlungslokal bei Niest, Weberstraße, be- geben sollen. Die Korbmacher beschlossen in einer öffentlichen Versammlung am 21. April bei Feind in der Weinstraße durch Annahme einer entsprechenden Resolution, den I. Mai durch Arbeitsruhe zu feiern. Die Feiernden haben sich früh 8 Uhr bei Stramm in der Ritter- straße 123 einzufinden, um sich von dort aus in die Versammlung der Holzarbeiter zu begeben. Denjenigen Korbmachern, die ge- zwunge» sind, am I. Mai zu arbeiten, wurde die moralische Pflicht auferlegt, eine» Theil ihres Arbeitsverdienstes, jedoch nicht unter 50 Ps., der Streikkasse der Korbmacher zu überiveisen. Eine längere Debatte folgte dem Bericht des Gewerlschafts-Delegirten; hauptsächlichster Gegenstand war die Resolution des Ausschusses der Geiverkschafts- kommifsion und die Anstellung eines zweiten Bureaubeamten. Die Versammelten hielten eine Einschränkung der Bnrcau-Arbeiten bei dem steligen Vorwärtsschreiten der Gewerkschaftsbewegung für nn- möglich und erklärten sich für Anstellung eines zweiten Beamte Die Resolution betreffend wurden anch gegentheilige Meinung� laut. Man nahm an, daß die in der Resolution vorgeschlagene Taktik bei Streiks von große», gut orgauifirten Genierkschasten aus- gehe, für die kleinen, noch wenig organisirten Gewerkschaften bedeute le jedock eine Vergewaltigung. Zum Schluß der Debatte erklärte ich die Mehrheit der Versammelten mit Fassung und Inhalt der Resolution einverstanden. Zum gewerkscbasllichen Punkt wurde mit- zelheilt, daß von Zeit zu Zeit in den Werkstätten Kollegen vor- prechen würden, um sich über Lohn- und sonstige Verhältnisse zu »formiren resp. Anknüpfungen im Interesse der Organisation zu '»che». Einen weiteren Zeitraum beanspruchte die Erörterung in- terner gewerkschaftlicher Angelegenheiten, dje in einer demnächstigen Versammlung weitere Besprechung erfahre» resp. ihre Erledigung Inden sollen. Tie Töpfer beschloffen in einer öffentlichen Versammlung, die am Mittwoch in den Arminhallen tagte, wie in de» Vorjahren, so auch in diesem Jahre den 1. M a i durch strikte Arbeits- ruhe zu feiern. Hierauf berichtete T h i e in e über die Ursachen der Aussperrung der Töpfer in Breslau und ersuchte die Versammellen, den Zuzug nach dort fernzuhalten und ür pekuniäre Unterstützung Sorge zu tragen. Nach längerer Diskussion gelangte ein Antrag zur Annahme, nach welchem die Sammlungen für den Streikfonds auf 14 Tage ausgesetzt werden ollen»nd jeder Kollege verpflichtet wird, zu gunsten der Breslauer Ausgesperrten pro Woche 50 Pf. abzuführen. Von mehreren Rednern wurde die lässig« Thätigkeit des Hauptvertrauensmannes gerügt und eine Neuwahl beantragt, schließlich aber beschlossen, der Vertrauens- männer-Konferenz die weiteren Maßnahmen zn überlassen. Mit derBer- lretung der Berliner Töpfer lokaler Richtung auf dem Kongreß der lokal- organisirten Gewerkschaften wurde T h i e m e betraut. Zum Schluß wurde noch zur regen Betheiligung an den Sammlungen und zur Agitation für die Organisation aufgefordert, sowie auf die Ver- trauensmänner-Konferenzen hingewiesen, die jeden Mittwoch im ArveltSnachwits Klofterstr. 101 stattfinden und die Vertretung aller Bauten in denselben für nothwendig erachtet. Die Stockarbeiter debattirten am Mittwoch in einer nur schwach besuchten Versammlung über die Beschickung des Kongresses der lokalorganisirten Gewerkschaften. Die Meinungen der Redner waren gelheilt. Während einige für oie Beschickung eintraten, hielten andere dieselbe für nicht erforderlich, weil das Interesse der Stockarbeiter durch dieVerhandlungendesKongressesnicht unmittelbar berührt werde. Die Versammlung entschied sich dahin, den Kollege» Ebel in g als Delegirten zum Kongreß zu senden, beauftragte denselben aber, gegen die obligatorische Einführung eines Organs der Lokalorganisationen zu stimmen. Bezüglich der Maifeier wurde eine Resolution an- genommen, welche es für Ehrenpflicht eines jeden Stockarbeiters er- klärt, den 1. Mai durch Arbeitsruhe zu feiern. Der Allgemeine Arbeiter- und Arbeitcrinnenverei» hat nach dem in der letzten Generalversammluug gegebenen Kassenbericht im 1. Quartal eine Einnahme von 137,07 M. und eine Ausgabe von 57,45 M. gehabt. Auf Antrag der Revisorin wurde dem Kassirer Dccharge ertheilt. Der Vorsitzende Weise mahnt zur Theilnahme an der M a i s e i e r. Beschlossen wird, daß jedes Mit- glied 25 Pf. an die Vereinskasse zu zahlen hat. Reinickendorf. Am 11. d. M. hielt der Arbeiterbildungs- Verein„Zukunft" eine Versammlung in Böttcher's Seepar! ab. Herr Dr. Weyl sprach in eingehender Weife über die Proletarier- kraukheiten, insbesondere die Tuberkulose. Ter Vortrag wurde von der Versammlung mit großem Beifall aufgenommen. Ferner ist »och hervorzuheben, daß die Lokalliste, die am II. April erschienen ist, nicht anerkannt und vom Arbeiterbildnngs-Verei» aufs ent- schiedenste zurückgewiesen wurde.(Damit kann wohl blos die von Reinickendorf gemeint sein. D. Red.) Dieselbe trägt nicht die richtige Unterschrift, sondern sie ist mit den Namen Dohrmann unterzeichnet._ Oepeftszen und lehke Nachvirhken. Berlin, 22. April.(B. H.) Generalmajor v. d. Goltz(Pascha) ist aus Frankfurt a. O. hier eingetroffen und hatte eine einstündige Unterredung mit dem türkischen Botschafter. Braunschweig, 22. April.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Die Generalversammlung der Metallarbeiter lehnte die Einführung der Arbeilslosen-Unterstützung ab. Frnnkfnrt a. M., 22. April. Die„Franks. Ztg." meldet aus London: Einer Depesche der„Times" ans Petersburg zufolge haben in der neuen Banmwollenspinnerei des Engländers Howard aber- mals Ruhestörungen staltgefunden. Tausend Streikende wurden ver- hastet und angeblich in ihre Heimath verschickt. Für den 28. d. M. ist der Generalstreik angemeldet. Frankfurt a. M., 22. April.(B. H.) Der„Franks. Zeitung" wird aus Konstantinopel telegraphirt: Gestern Nachmittag wurde ein außerordentlicher Ministerrath abgehalten, um Beschlüsse über das weitere Vorgehen der türkischen Armee in Griechenland zu fasse». Die bisherigen Beirälhe im Ministerrath warnte» vor einem Vorgehen über Larissa hinaus, weil dies nolhwendigerweise zu einer Schwächung derjenigen Positionen führen müßte, ivelche Griechenland von der See- feite zu attakiren beabsichtige, sobald die türkische Armee iveiter in Thessalien eingedrungen sei. Der kaiserliche Adjutant Oberst Riza Bey reiste heule mit besonderen Ordres ins Hauptquartier ad. Der Korrespondent der„Frankfurter Zeitung" hat guten Grund zu der Annahme, daß diese Befehle dahin lauten, Edhem Pascha solle die Fortifikalionen von Larissa und auf der ganzen Linie ausbauen und in der Defensive verbleiben. Frankfurt a. M., 22. April.(B. H.) Aus Konstantin opel berichtet die„Franks. Ztg.": Rußland lehnte es ab, den Schutz der Griechen in der Türkei zu übernehmen. Griechenland appellirte darauf an den Edelmulh Frankreichs, damit es sich dieser Aufgabe unterziehe. Frankfurt a. M.. 22. April.(B. H.) Aus Kopenhagen wird der„Franks. Ztg." berichtet: Der Athener Korrespondent der „Politiken" telegraphirte seinem Blatte, König Georg habe gestern in einer Audienz erklärt, daß seine Abreise nach Thessalien bevorstehe. Prag, 22. April.(W. T. B.) In einer gestern abgehaltenen Versammlung der Handlungsgehilfen kam es zwischen national- slavische» Sozialisten und Sozialdemokraten zu einem heftigen Zu- sammenstoß. Die Versammlung wurde aufgelöst. Beide Parteien geriethen ins Handgemenge. Viele sprangen aus den Fenstern. Drei Personen wurden schwer verletzt. Die Tumnltuanten wurden durch die Wache zerstreut. Ein Wachmann erhielt einen Dolchstoß. Paris, 22. April.„Ageuce naliou-rle" meldet vom Kriegsschauplatze: Der heutige Tag wird die Entscheidung bringe». Seit dem Morgengrauen wüthet der Kampf nördlich von Malis. Di? Türken machten, die Unmöglichkeit, den Mali-Engpaß zn durchbrechen, einsehend, eine Schwenkung, um die griechischen Truppen zu zerniren und ihre Verbindung mir Turnavo abzuschneiden Die Griechen verließen Mezara. um nicht in der Flanke angegriffen zu werden. Ohne Kampf zogen die Türken in Mezara ein und marschirten dann auf Rapsali, wo es zu einem heftigen Kampfe kam, der beim Ab- gange der Depesche noch wüthele. PariS, 22. April.(W. T. B.) In der Militärpatronen-Fabrik in Vlncennes wurden durch eine Explosion 4 Soldaten schwer ver« wundet. London, 22. April.(W. T. B) Ueber die gestrigen Kämpf« im Meluna-Passe berichtet der Berichterstatter des„Reuter'fchen Bureaus" von gestern 11 Uhr vormittags: Seit Tagesanbruch tobt ein heftiger Kaiupf. Die Griechen versuchte» die aus einem Hügel gegen- über der Schlucht befindliche türkische Stellung stürmend zu nehme», wurden aber mit schweren Verlusten zuräckgeworfen. Der Kamps dauert noch immer fort. Die Türken haben starke Reserven in Be- reitschaft, ivelche erforderlichenfalls in den Kampf eingreifen können. Am selben Orte fiel gestern Dschelal Pascha, der Kommandeur einer Division Neschat Pascha gehörenden Brigade. Rom, 22. April.(W. T. B.) Als der König Humbert sich eute Nachmittag 2'/- Uhr mit seinem ersten Adjutanten General Pouzio-Vaglia zu dem Rennen nach Capannella begab, nähert« sich außerhalb des Thores von San Giovanni, etwa zwei Kilo- meter von der Stadt, ein Mann schnell dem königlichen Wagen und führte eiuen Dolchstoß gegen den König. Der Stoß ging durch ein geschicktes Ausweichen fehl. Der Verbrecher warf alsbald nach dem Stoße den Dolch fort und wurde sofort verhaftet. Der Schuldige heißt Peter Acciarito, ist 24 Jahre alt, ans Artena ge, bürtig, ist Schmiedearbeiter und seit zwei Tage» ohne Arbeit. Nach den erste» Nachforschungen soll Acciarito ein überspannter Mensch sein, der keine Mitschuldigen hat. Konstantinopel, 22. April.(B. H.) Der griechische Dampfer „Pantalegon" niit Rekruten nnd Freiwilligen an Bord, ist von einem türkischen Schiffe in den Dardanellen beschlagnahmt worden. Konstantinopel, 22. April.(Meldung des Wiener Telegr.-Korr.« Bureaus.) Nach Angabe des Kriegsministers befanden sich bls gestern 54 Bataillone, 2 Kavallerie-Regimenter und 16 Batterien auf griechischem Gebiet. Heutige Depeschen aus Elassona melden, daß die griechischen Truppen in panikartiger Flucht Kozkoy ver- lassen haben von türkischen Truppen verfolgt werde». Letzter« passirten Tschesifleo(?) und besetzten Berybermen(?). Der Flügel der dritten Division sei bis Revolnos und Mussalar vorgerückt. Die Zeitung„Jkdam" meldet, daß Edhem Pascha nach Elassang zurückgekehrt fei, um die Maßnahmen für den Vormarsch zu beschleunigen. Die türkische Avantgarde sei vor Larissa erschienen. Die gemeldete Ernennung Abdullah- Paschas zum Cdes des Generalstabes der Operalionsarmee scheint ausgehoben zn sei», Bombay, 22. April.(Meldung des„Reuter'fchen Bureaus".) Seit Ausbruch der Pest sind 11 706 Erkrankungen und 10 020 Todes» fälle zn verzeichnen. Die gesammte Stcrblichkeitsziffer belänft sich durchschnittlich in einer Woche auf 836. Die Flüchtlinge kehre» zum größten Theil in ihre Wohnorte zurück. Verantwortlicher Redalteur: Robert Schmidt in Berlin. Kür den Jnseratentheil verantwortlich: Tb- Glocke in Berlin. Druck und Bcrlaq von Max Babing in Berlin. Hierzu 1 Beilage u. Ilnterbaltungsblatt« Nr. 94. 14.| Killißc te Jpnüfirts" Knliull üoMIntt Fm>»S, 23. April 1897. ANoderne Vleikttmnrevn. Eine Konferenz von Arbeitgebern und Arbeitnehmern in k k u m n l a t o r e n b e t r i e b e n ist an, Mittwoch Abend im Bureau der Berussgenossenschaft für Feinmechanik, Jerusalem«!' strape 66, 2 Treppen, abgehalten worden. Den Zweck der auf Ver- anlassung des Reichskanzlers anberaumten Berhandlnngen sollte die Begutachtung eines Entwurfs g e w e r b e h y g i e n i s ch e r Vorschriften bilden, welche die möglichste Verhütung von Bleivergiftungen in Anlage» zur Herstellung elektrischer Akkumulatoren bewirken sollen. Die Verhand- lungen, welche von 6'/« bis Z'/z Uhr abends dauerten, wurden geleitet von dem Vorsitzenden der Berufsgenossen- schasl, Herrn Riese; Theiluehmer an der Konferenz waren ferner neun Unternehmer der Branche, vier Arbeiter aus den in betrackt kommenden Betrieben, zwei Arbeitervertreter der zuständigen Berussgen ossenschaft, zwei Beamte derselben und endlich der Vertrauensarzt dieser Bernfsgenosscnschaft, der im„Vor- wärls" schon mehrfach erwähnte Herr Dr. weck. H a d r a. Der vom Reichsamt des Innern ausgearbeitete Entwurf bot in einer den Unternehmern allerdings außerordentlich günstigen Form eine Reihe von Bestimmungen, welche wenigstens de» gröbsten hygienischen Schädigungen der in betracht konimenden Arbeiter ein Ziel setze» sollten. Es ist nicht zu verwundern, daß diese am grünen Tisch sabrizirten Anordnungen manches enthielte», was i» der Praxis kaum als gewerbehygicuischer Fortschritt angesehen werden kann. Doch wurde in der Konferenz namentlich aus Betreiben einiger der anwesenden ZIrbeiter manche Verbesserung versucht und zum theil auch in die Um- äuderungen des Entivurfs eingefügt. Andererseits konnte es de» Bemühungen dieser Theilnedmer leider vielfach nicht gelingen, die sehr auf Wahrung ihrer Betriebsinteressen bedachten Unternehmer für die Einführungen weitgehender und wirklich heilsamer An- ordnnngen zu erwärmen. Die Betheiligten nahmen namentlich darauf bedacht, einen gewissen Widerspruch zwischen de» beiden ZZ 14 und 19 des Entwurfs zu beseitige»; der erstere Para- graph bestimmt, daß in einem staubfreien Theile der Anlage für die Arbeiter ein Wasch- und Anklcideraum und getrennt davon, „soweit für einen solchen das Bedarf n iß vorhanden", ein Speiseraum vorhanden sein muß. Im Z 19 ist dagegen gesagt, daß Arbeiter überhaupt keine Eßwaaren mit in die Arbeitsräume nehmen dürfe» und den Speiseraum nur betrete» dürfen, nachdem sie die Garderobe gewechselt und sich gründlich gereinigt haben. Das nöthige Reinigungsmaterial, als Nagel- und Zahnbürsten, Gefäße zum Mundspülen, Seife, Handtücher ec., sei vom Arbeit- geber gratis zu liefern. Zu diesen Bestimmungen wurde ein von den anwesenden Arbeitern gestellter Antrag angenommen, wonach diese znr Reinigung dienenden Gegenstände für jeden der in betracht kommenden Arbeiter vorhanden sein müssen. Die»nge- nügende und widerspruchsvolle Bestimmung des Entwurfes, daß die Einrichtungen nur zu treffen seien, soweit ei» Bedürfniß vorhanden, wurde gestrichen und entsprechend hinzugefügt, daß die Zeitdauer zum Umkleiden und Reinigen nicht in die Pausen, sondern in die Arbeitszeit einzurechnen sei. Ferner ist festgelegt worden, daß der Unternehmer den Arbeitern täglich einen Liter Milch als Gegenmittel gegen den Giftstanb gratis zu liefern hat. Neu ein- tretende Arbeiter sollen durch einen Arzt oder durch de» Betriebs- leiter entsprechende Belehrung über die Anwendung der hygienischen Vorschriften erhalten. Leider hat die Profitwuth der betheiligten Unternehmer die eine wichtige Bestimmung des Regierungsentwurfs zu Fall« ge- bracht. daß Arbeiterinnen in den bezeichneten Be- trieben nicht beschäftigt werden dürfen. Die Begründung dieser Aendernng klingt wahrhaft rührend. Es wnrde von den U/>ternehmern angedeutet, ihr gutes Herz könne es nicht mitansehen. daß gerade die F a m i l i e n h ä u p t e r den Bergiftuugeu ausschließlich ausgesetzt seien; es wäre für den Wohlstand einer Arbeiterfamilie weit weniger bedenklich, wen» eine erwachsene Tochter erkrankte, als wenn dies Unglück den Familienvater selber treffe. Auch sei gerade bei der Arbeit in Akkumulatorenbetrieben die körperliche Konstitution des Weibes zum mindesten so widerstandsfähig wie die des Mannes. und zwar schon in Ermangelung deS Schnurrbartes, aus den die Hände des Mannes bei den unwillkürlichen Berührungen besonders viel Bleislaub ab- lagerten. Man sieht, auch in dieser verteufelt ernsten Sache sind Gründe für die Unternehmer so wohlfeil wie Brombeeren, wenn es gilt, die Dividende aus der Höhe zu halten. Gnade fand jedoch des weiteren die Bestimmung des Entwurfs, wonach in jedem Betriebe für die besonders gefährdeten Arbeiter ein approbirter Arzt zur Ueberwachung angestellt, verde» soll; derselbe hat allmonatlich eine körperliche Unter- suchung vorzunehnie» und über den Gesundheitszustand eines jeden Arbeiters Buch zu führe»; auch steht ihm das Recht zu, Arbeiter, die sich in sanitärer Hinsicht nicht für die Beschäftigung in Akkumnlatorenfabrikeu qnalifiziren, von dieser Arbeil auszuschließen. Was die Bestinimungen des Entwurfs in rein technischer Hinsicht betrifft, so bestimmt der Z 4 in der gemeinschaftlich vereinbarten Fassung, daß, wo maschinelle Bearbeitung der Blei- platten stattfindet, durch geeignete Vorrichtungen thunlichst dafür Sorge getragen werden muß, daß abgerissene Blei» theile, als Spähne u. s. w. nicht umhergeschleudert werden. Auch sollen die Arbeitsräume mindestens 3 Meter, die Formirräume 3>/s Meter hoch und mit gegenüberliegende» Fenster», welche eine Ventilation ermöglichen, versehen sein; salls keine genügenden Fenster vorhanden, sollen besondere Ventilatoren angebracht werden. Nach 8 S sollen Apparate zur Herstellung von trockenem Bleistaub so ab- gedichtet und eingerichtet sei», daß weder bei dem Herstelluiigs- verfahren noch bei ihrer Entleerung Bleistanb entweichen kann. Der § 7 bestimmt, daß die Behälter mit Bleistaub oder Bleiverbinvniigen nach der Oeffnnng auf einen Rost zu stellen und salls sie nicht in einem besonderen Raum stehe», mit diesem Rost auf einen mit Rand ver- sehenen Untersatz so auszustellen sind, daß bei der Entnahme au? dem Behälter verstreute Stoffe in den Untersatz aufgefangen werden können. Dem Entwurf fehlt leider eine Bestimmung, die nach Ansicht der betheiligten Arbeiter eine der wichtigfien und nothwendigsten von alle» wäre. Es ist in ihm nämlich mit keiner Silbe von einer Ver- ringerung der Maximalbegrenzung der Arbeitszeit die Rede; ein von de» auivesendeii Arbeiter» gestellter Antrag, die höchstzulässige Arbeitszeit auf a ch t S t» n d e n festzulegen, ivurde, angeblich als nicht zur Sache gehörig(!). gar nicht erst zur Diskussion gestellt. Aus gleichem Grunde verweigerte man eine Diskussion über die in diese» gefährliche» Betrieben außerordentlich ungünstigen Lohn- Verhältnisse. Die Meinungen in diesen Dinge», so hieß es, seien doch zu verschieden, als daß man zu einer Einigung kommen könne. Dies ist das wesentlichste aus den gepflogenen Verhandlungen. Die Frage ist nun, ob und inwieweit es überhaupt erforderlich ist, gesetzliche Bestimmungen zu treffen, durch welche Leben und Gesundheit der Arbeiter besser als bisher vor Gefährdung geschützt werden. Als Antwort auf diese Frage möge folgende uns ans Fachkreisen zugegangene Schilderung des gegenwärtigen Standes der Dinge dienen. Bereits im Jahre 1896 sind Bestimmungen erlassen worden, wonach Arbeiter in Blei- und Bleizucker-Fabriken nicht länger als täglich 11 Stunden beschäftigt werden dürfen. Wie steht es aber, so schreibt man uns, mit der Dnrchsührnng dieser Verordnung? Es sind verschiedene Betriebe zu nennen, in denen eine wöchentliche Arbeitszeit von 99 bis lüv Stunden vorgekommen ist! Als Firmen, bei denen es in dieser Beziehung besonders schlimm stehen soll, sind Dr. Lehmann». Wann, sowie S. Hainmacher zu erwähnen. Ungemein niedrig sind die Löhne in den Akkumulatoren- fabrikeu. Dr. Lehmann u. Wann zahle» ihren Arbeitern einen Stundenlohn von 22>/z Pf., bei Kaiser u. K o. in Charlottenburg giebl es etwas mehr." nämlich 25 bis 30 Pf., die Aktiengesellschaft Hagen«. Westphalen zahlt 20 bis 30 Pf., verlheilt aber unter ihre Aktionäre eine Dividende von 10 bis 15 pCt. Die Gülcher Akkumulatorenwerke zahle» einen Stundenlohn von 25 Pf. Ferner ist aufzuzählen: Zimmermann, Kantstr. 56 in Charlottenburg mit 25 Pf. bis 30 Pf. Stundenloh»; in den L e i l» e r' s ch e» Elektrizitätswerke», Kreuzbergstraße, wird ein Wochenlohn von 12 bis 16 M. gezahlt. Aehnliche Lohnverhältnisse herrschen in den B ö s e' s ch e n und Hammacher'sche» Fabriken. Was die hygienischen Z u st ä n d e betrifft, so müssen in den meisten Fabriken die Mahlzeiten in den Arbeitsräumen eingenommen werden. Meistens dient der Arbeitsrauin auch als Ankleideraum; bei S. Hammacher befindet sich derselbe über den Bedürfuißanstalte». Von hygienischen Vorsichtsmaßregel» ist fast nirgends eine Spur zu finden. Die Arbeiter fragen sich in stoischem Zynismus, was ihnen solche Maßregeln denn auch viel nützen sollen.„Werden wir anch, so äußern sie sich, wirklich vor Bleikolik und Bleivergistung einigermaßen geschützt, so sterben wir doch bei Löhnen, die für uns und unsere Familie auch nicht entfcrnt zum Sattessen ausreichen, an der Schwindsucht. Den Kapitalisten kann wenig an der Aeuderung dieser grauenhasten Zustände liegen, solange ihnen aus dem großen Heer der industriellen Reserve-Armee immer neue Hilfskräfte zu- laufen. Es muß sich nun zeigen, ob man von R e i ch s w e g e n ge» sonnen ist, der systematischen Vergiftung und Verkrüppelung zahlreicher Arbeiter der in betracht kommenden Betriebe wenigstens in etwas vorzubeugen. Dazu gehört, daß außer den im Entwurf bereits provisorisch festgelegten Bestimmungen auch solche getroffen werden, welche die Arbeit von Frauen und Minderjährigen gänzlich ver- biete», die Arbeitszeit der Männer aber auf die gewiß bescheiden zu nennende Achtftundenforderung reduziren. Eine Erhöhung der Hnngerlöhne in den in Frage kommenden Giftstätten läßt sich allerding? nur erzielen, wenn die Aibeitei/ in sestgeschlvffeuen Organisationen den Kampf mit ihren erklärten Feinden aufnehmen._ Lokales. Tie Schnlbesuchö-KontroUe wird für die Gemeinde- schulen ausgeübt durch die Schttlkommissionen als Organe der Schuldepntatio», die den Ursachen der Schulversäuniniffe nach- zuspüreu haben, damit die Regelmäßigkeit des Schulbesuches eventuell durch Bestrafung der Eltern erzwungen werden kann. Bei den höheren Schulen wird diese stark nach dem Polizeistock schmcckeude Art der Kontrolle nicht für n ö t h i g gehalten, weil angenommen wird, daß besser silnirte Eltern ihre Kinder nur selten ans anderen als Krankheitsursachen die Schule versäumen lassen. Schulversänmniß-Strafen wurden im Jahre 1895/96 4712 verfügt. Sie richteten sich gegen 1585 Familien- Häupter: gegen 698 je 1 Strafe, gegen 283 je 2, gegen 162 je 3, gegen 126 je 4, gegen 87 je 5 u. s. w.. im Maximum gegen ein Familienhaupt 19 Strafen. Erledigt wurden»och vor Jahres- schluß 4047 Strafen. Davon wurden 825 infolge Wider- spruchserklärung und 134 infolge B«usungseinlegung auf- gehoben und 987 nach erlangter Rechtskraft erlassen, so daß insgesammt 1946(48 pCt. der erledigte») wegfielen. 2101 (52 pCt. der erledigten) wurden vollstreckt, und zwar bezahlt 1573 und abgesessen 523(75 bezw. 25 pCt. der voll- strickten). Eine Vergleichung mit dem Vorjahr verbietet sich, weil der Vorjahr-Bericht 5 Quartale, Jauuar 1894 bis März 1895, um- faßt.(Die im Bericht beigefügte einfache Rcduzirring auf 4 Fünftel der Zahle» dieses Zeitraums ist unbrauchbar, da die Versäumnisse sich ohne Zweifel sehr ungleich über die verschiedenen Quartale ver- theile».) Ersichtlich wird daraus nur das eine, daß die Zahl der Strafen weiter abgenommen hat. lieber die Strafbeträge theilt der Bericht pro 1825/96 zum ersten Male ausführlicheres mit. Sie schwankten zwischen 1— 15 M., doch waren die niedrigsten am häufigsten vertreten: unter 4990 Strasverfügungcn(278 noch un- erledigte des Vorjahres mitgezählt) 1373 Mal 1 M., 363 Mal 2. 839 Mal 3, 447 Mal 4, 343 Mal 5 M. u. s. w. Bezahlt wurde» naturgemäß vorwiegend die niedrigen, abgesessen die hohen Beträge. Zum Beispiel wurden bezahlt von de» vollstreckten Strafen a 1 M. 97pCt..& 2 M. 87pCt.. ä 3 M. 76 pCt.. ä 4 M. 65pCl.. a bM. 55pCt.:c Dagegen z. B. a 10 M. nur 17 pCt., ä II M. 18 pCt., k 12 M. 14 pCt. Der Prozentsatz der abgesessenen Strafen bewegte sich dem- entsprechend umgekehrt, von nur 3 pCt. bei 1 M. bis 86 pCt. bei 12 M. Strafen zu 13 und 14 M. wurde» sännntlich, zu 15 M. fast sämmtlich abgesessen. Daß die Regelmäßigkeit des Schulbesuches weniger durch Nachlässigkeit der Eltern, als durch A r m u t h u» d Elend beeinträchtigt wird, ist bekannt. Es würde auch aus de» Berichte» hervorgehen, wen» in ihnen nicht jede Angabe darüber fehlte, welche Echulversäumniß- Ursachen da vorlagen, wo Strafen aufgehoben bezw. erlassen werden mußten. In den letzten Jahren ist. wie schon gesagt, die Zahl der Strasverfügunge» geringer, also der Schulbesuch wahrscheinlich regelmäßiger geworden, aber wohl nicht so sehr deshalb, weil seit 1893 die Strafbeftimmungen wieder einmal strenger angewendet werden, als deshalb, weil die Erwerbs- Verhältnisse in Berlin seit einiger Zeit wieder einmal etwas weniger ungünstig sind. Znr Auflösung der Berlwer OrtSkrankenkaffe für Hand- lungöaehilfen und Lehrlinge. Das Oberpräsidium hat folgen- den interessanten und wichtigen Erlaß an de» Magistrat von Berlin gerichtet. „Das königliche Oberverwaltungsgericht hat in dem Erkenutniß vom 4. Februar d. I. dahin entschieden, daß die Errichtung be- sonderer Ortskrankenkasse» für Handlungsgehilfen nach den Be- stimmungen des Krankenversicherungs-Gesetzes nicht zulässig ist. Durch dieses Erkenutniß muß die dortige Ortskrankenkasse für Haudlungs- gehilsen als aufgelöst im Sinne des K 47 a. a. O. angesehen wer- den. Ich ersuche nunmehr, mir wegen Zuweisung der Kassen- Mitglieder an andere Kassen und Bertheilung des Vermögens der aufgelösten Kasse entsprechende Borschläge zu machen." Das„Verl. Tagebl.", dem wir diese Nachricht entnehmen, bemerkt hierzu: Obwohl die Entscheidung des Ooer-Verwallungsgerichts und der darauf fußende Erlaß des Oberpräsidiums nach der augenblicklichen Rechtslage nnzweiselhaft richtig ist. läßt die Entwickelung der Sache doch wieder einmal das vielfache Schwanken unserer Gesetzgebung auf sozialpolitischem Gebiete und eine damit leider verbundene Üiechts- Unsicherheit erkenne». Die betreffende Krankenkasse ist vom Magistrat unterm 28. November 1892 mit allseitiger instanzlicher Zustimniunp begründet worden, desgleiche» ei» neues Statut vom 14. März 1894 und ein Nachtrag vom 15. März 1395. Seit der Novelle zum Krankcnversicheruugs-Gesetz ist die Sache aber schwankend geworden. Ei» Reichsgerichts- Erkenutniß vom 17. September 1888 läßt dieselbe unbestimmt. Der Oberpräsident und der Handels- minister waren inzwischen infolge der Novelle zweifel- hast geworden und haben infolge dessen den Präsidenten des Berliner Bezirksausschusses angewiesen, � auf Ungiltigkeits- erklärung des Statuts gegen de» Bezirksausschuß für den Stadtkreis Berlin zu klagen. Die Entscheidung ist, wie angegeben, ausgefallen. Der oberste Berwaltungsgerichtshof schließt mit de» Worte»:„Die Errichtung der besonderen Orts-Kraukenkasse für die Haudlungs- gehilsen und-Lehrlinge durfte nicht genehmigt werden. So weit für sie die Versich-rungspflicht besteht, gehören sie mit allen anderen versicherungspflichtigen Personen des Betriebes, in dem sie be- schäftigt sind, derselben nach vorstehende» Grundsätze» zu ermittelnden Orts-Krankenkasse an. #«C| > wer« / kalte So die Mittheilung des„B. T" Soviel uns bekannt, wurde diese Kasse erst auf einen vom Magistrat an die vorgesetzte Behördx gerichteten Antrag hin ins Leben gerufen. Wir find begierig zu er« fahren, wie sich der Magistrat zu dem Austrage des Oberpräfidenlen stellen bezw. welche Vorschläge er hinsichtlich Zuweisung der Mit« glieder an andere Kasse» und Bertheilung des Kaffenvermögens niachen wird. Zum polizeilichen Verfrommnngsstreben. In Sachen der äußeren Heilighallung der Sonn- und Feiertage hat jetzt das Polizeipräsidium an die einzelnen Reviere die Verfügung ergehen lassen, daß sänimtliche Vorstände solcher Vereine, die anr ersten O st e r f e i e r t a g bei Abhaltung von P r i v a t f e st l i ch- leiten nach 12 Uhr nachts noch eine Tanzlust bar- k e i t veranstaltet haben, zur polizeilichen Bestrafung angezeigt werden sollen. Diese Verfügung erregt in den betheiligten Kreise» großes Befremden, da sämmtliche 14 Vereinsvorstände, die wegen Ahhaltung von Tanzlustbarkeiten in der Nacht vom ersten zum zweiten Weihnachtsfeiertage in Polizeistrafe genommen waren und gegen diese beim Schöffengericht aus Kosten des Vereins der Saalbesitzer Klage erhoben hallen, ein obsiegendes Er- kenntniß erstritten haben, ohne daß vom Polizeipräsidium dagegen Berufung eingelegt worden ist. Das Gericht hat sich dabei auf den Standpunkt gestellt, daß derartige Privat-Lustbarkeiten nicht unter die Bestimmungen der Polizei-Verordnnng vom 10. Oktober 1896 fallen, und daß auch die nach 12 Uhr nachts abgehaltene Tanzlustbarkeiten nicht a l s n n nl i t l e l b a r im Z il s a m m e n h a n g e mit den festlichen Veranstaltungen, die vor 12 Uhr stattfanden, angesehen werden können, umsomehr, als diese Veranstaltungen ernster Natur waren. Der Verein der Sanlbesitzer wird nun auch diesmal für die Bereinsvorstände, welche ein polizeiliches Strafmandat erhalten werden, eintreten und die beim Schöffengericht zu erhebenden Klage» aus seine Kosten führen laffen. Zu den Zustände» in, Betriebe der Wäschefabrik von cgfried Henmansohn, Roseustraße 16, worüber der Gerichts- ericht in der Nummer vom 21. April ein empörendes Bild eut- faltete, geht uns noch die Mitlheilung zu, daß die im Geschäft aus- genutzte» Mädchen sich noch besonders durch eine Anordnung be- schwert fühlen, die zwar nicht so schnierzhaft ist, wie die Prügel. mit denen der rohe Prinzipal sie zum theil traktirt, die aber dafür eine nicht minder bedenkliche Gefahr für Leib und Leben in sich schließt. Dem weiblichen Personal wird nämlich zugemuthet, die 19 große» Fenster des in der ersten Etage belegenen Geschäfts nach Bedarf zu putzen. In anderen derartige» Räumlich- keilen ist es seit Jahren Brauch, daß diese Arbeit von den mit praktischen Leitern versehenen Angestellten der Fensterreinigungs- Institute verrichtet wird. Aber das kostet ja Geld und daher müssen im Geschäft des Frauenprttglers Heymausoh» die Mädchen. die zum theil noch halbe Kinder sind, diese anstrengende und nicht nu-, gefährliche Arbeit vom Fensterbrett ans verrichten. Jr Die Stempelung der Eisenbahu-Fahrkarten, welche bisher nicht nur mit der Angabe des Datums, sonder» auch der Stunde erfolgte, in der die Karte gelöst wnrde, soll jetzt auf Verfügung des Eisenbahnmiuisters vereinsacht werde», indem die Fahrkarten nur noch de» Datumstempel erhalten und die genaueren Zeitangaben fortfallen sollen Das Publikum kann also in Zukunft die Fahrt unterbreche», ohne die Fahrkarte prolongiren lassen zu müssen und den Beamten wird auf zweifache Weise eine nicht unerhebliche Arbeil gespart. Freigräber sollen laut Beschluß des Kuratoriums für das städtische Bestattungswesen die bisherigen Armengräber benannt werden. Mit dieser Milderung des Ausdrucks wird an der That- fache, daß unter der göttlichen Weltordnung auch nach dem Tode eines Mensche» noch die subtilsten Klaffenunterschiede kraß aufrecht erhalten werde», nicht das geringste geändert. Die alte Lügenphrase, daß wenigstens der Tod alle gleich mache, wird erst zur Wahrheit werde», wenn das Genieiuwesen sich entschließt, sür die Beerdigungen ausschließlich Sorge zu tragen. Aber das ist ja„sozialistisch"! Zur Ehre seines Vaterlandes? Der Kaiser von Oesterreich hat den Theaterdirektor Lautenburg vorgestern i» einer Audienz empfange». Er soll dabei folgendes gesagt haben: Ich freue mich von ganzem Herze», zu sehe», daß ein Oesterreicher oder Ungar, im Auslande lebend, durch Fleiß, Intelligenz und Arbeitsamkeit es zu einer großen Stellung bringt und dadurch seinem Vaterlande E h r e m a ch t.— In den vom Direktor Lautenburg verwalteten Rcsidenz-Thealer werden ausschließlich Stücke gegeben, zu denen man Frauen und Töchter nicht mitnehmen soll. Tie Berliner Bcrkehrsanstalt wird binnen kurzem als Ge- nossenschast m. b. H. zu existiren aushören. Am nächste» Montag findet die Generalversammlung statt, welche über die L guidatio» des Unternehmens Beschluß fassen soll. Die Praktiken, welche von diesem Institut neuerdings mit den Kantionen der Angestellten ge- trieben wurden, haben wir a» mehreren drastischen Beispielen ge« schildert. DaS große Sammelbecke» des WaffersturzeS im Biktoria» Park wird augenblicklich einem völlige» Umbau unterzogen. Die Wasfermaffen erhalte» nämlich ihren Abfluß durch einen»ach dem Maschmenhause zu liegenden Kanal. Da nun bisher der Boden des Beckens i» gleicher Höhe mit diesem Kanal lag, so erfolgte der Abfluß des Wassers nicht mit der erforderlichen Schnelligkeit. Infolge dessen wird jetzt noch kurz vor der Eröffnung des Wassersturzes der Boden des Beckens bedeutend höher gelegt, als der Abstußkanal. Die Gartenbau- AuSftellung im Treptower Park, deren Eröffnung am nächsten Mittwoch vor sich geht, wird znr Zeit eifrig gefördert. Das Programm, das der Verein zur Beförderung des Gartenbaues zc. anläßlich d« von ihm veranstalteten Ausstellung aufgestellt hat, ist folgendes: Dienstag, den 27. April, 9 Uhr: Chemiehalle, Znsammentritt der Preisrichter.— Mittwoch, den 28. April, 12 Uhr: Eröffnung der Ausstellung.— Donnerstag, den 29. April, 5 Uhr: Große allgemeine Versammlung zur Besprechung wichtiger Tagesfragcn im Hotel Imperial, Unter den Linden 44. Tagesordnung: 1. Ausstellnngs- wese»(Referent: Kgl. Gartenbauduektor Siebert-Frankfurt a. M.; Korreferent: Oekonomierath Späth-Berlin). 2. Auktionswesen(Re- ferent: Junge). 3. Fachschulwesen(Referent: Dr. Deile-Bcrlin. � Freitag, de» 30. April, 4 Uhr: Versammlung des Märkische» Obst- ban-BereinS in Treptow. Restaurant Braun. 6 Uhr: Versammlung des Vereins deutscher Garteiikünstler im Deutschen Hof, Luckauer« straße 15.— Sonnabend, den 1. Mai. Ausflug nach Potsdam.~- Sonntag, den 2. Mai. Besuch der Späth'sche» Baumschule. I» folge der fortgcschten Weigerungen der Große» Berliner Pferdebahn- Gesellschaft, neue Pserdebahnlinien ein- zurichten, die das Innere der Stadt mit de» Außenbezirken ver- binden, hatte sich vvr kurzein eine Anzahl Bewohner Moabits mit einer Eingabe an das Polizeipräsidium gewendet und darin die Bitte ausgesprochen, daß diese Behörde die Gesellschaft zur Errichtung solcher Linien veranlassen möge. Das Polizeipräsidium hat»un aus diese Eingabe den Bescheid erlheilt, daß es auf die Errichtung neuer Pferdebahnlinien keine» Einfluß habe, sondern daß dies lediglich Sache der Pferdebahn-Gesellschaft selbst sei. Die Petenten haben in folge dessen nun beschlossen, ihre Wünsche de» in Aussicht stehenden neuen Konkurreuzgesellschasteu zugehen zu lasse». Eine schlimnic Fahrt, die auf die Art des Transport? von Geisteskranken ei» bedenkliches Licht wirst, hatte am Mittwoch Nach- mittag gegen 6 Uhr der Schutzmann Reuglewski vom 43. Revier ausznftehen. Bei dem 54 Jahre allen Arbeiter August Schäfer aus der Reicheubergerstraße 7, der früher schon einmal in einer Anstalt war, brach vorgestern plötzlich von neuem der Mahn- sinn ans. Der Kranke lärmte so hejtig, daß das ganz? Hans i» Ans« regnng gerieth> Man rief die Polizei deS 48� Reviers z» Hilfe und der Schutzmann R. setzte sich mit dem Kranken in eine Droschke. III» ihn»ach der Charilee zu bringen. In der Leipzigerstraße sprang Schäfer wiederholt während der Fahrt aus dem Wagen. Der Schutz. niann setzte ihm jedesmal nach und brachte ihn mit Hilfe des Publikums wieder in die Droschke. Nachdem der Kranke noch öfter seine Mütze weggeworfen hatte, kam man endlich nach der Anstalt. Hier tobt- er zunächst noch eine Weile und lies dann im Trab »ach der Jrrenstalion. Bei allen Sprüngen war er unverletzt ge- blieben. Zum Fall Rothenburg wird berichtet: Frau Baumeister Rothenburg, die sich zetzt bekanntlich der Freiheit erfreut, hatte die Wiederanshebung ihrer Entmündigung bei dem hiesigen kgl. Amts- gericht und der kgl. Staatsanwallschaft beantragt. Beide Behörden hatten indeß vorläufig eine Ermittelung über den einschlägigen Thatbestand, wie wir bereits gemeldet, abgelehnt, worauf seitens der schwergeprüften Dame der weitere Instanzenweg beschritten wurde. Jetzt haben die Ministerialinstanzen sich anscheinend der Aufklärung der dunklen, und merkwürdigen Verhältnisse angenommen und amtliche Ermittelungen hierüber beschlossen. Dem Sohn der Frau Baumeister Rothenburg, Referendar Rothenburg, ging in dieser Beziehung folgendes Schreiben des Herrn Kullnsministers Dr. Bosse zu: Ew. Wohlgeboren benachrichtige ich, daß ich die Vorstellung vom Lg. März d. I., betreffend den Aufenthalt Ihrer Frau Mutter in der städtischen Irrenanstalt Herzberge und die Aufhebung der Ent- mnndignng der Ersteren an die Herren Minister der Justiz und des Innern zur ressortmäßigen weiteren Behandlung abgegeben habe. Das Polizeipräsidium theilt mit: Einem diebischen Burschen, welcher den Zenlral-Marklhallen-Käuferinnen Trägerdienste leistet, ist ein grünes Damen-Portemonnaie mit Metallbuchstaben R. und ein Paar goldene Ohrringe(Schlangen) abgenommen. Eigen- lhümer wollen sich) in den Vormillagsstnnden im Polizei- Präsidium Alexander-Platz parterre, Zimmer 97. melden.— Am 26. v. Mts. sind im Keller eines Hauses der Graudenzerstraße vier Flaschen Champagner und sechs Flaschen Weißwein vorgefunden, welche offenbar aus einem Diebstahl herrühren. Die weiß ver- kapselten Champagnerflaschen tragen die Aufschrist:„Crsinkmt Extra Curee Champagne Strub. Blankenborn& Co. St. Louis (Alsace). Der Weißwein ist blau verkapselt und hat die Aufschrift: „Rüdesheimer-Berg". Eigenthümer werde» ersucht, sich auf Zimmer 36 des Polizei-Dienstgebäudes Alexanderplatz 3—6, Eingang an der Stadtbahn, Wochentags in den Vormittagsstunden, zu melden.s Vom Tambour der Schlosttvache ist gestern Mittag auf dem Belleallianceplatze der bei seineu Eltern Wallstr. 1 beschäftigte Kanf. mann Alfred Hoffman» derart verletzt worden, daß er die Unfall- ftation aufsuchen mußte. Aus»och unaufgeklärten Gründen, wahr scheinlich aber, weil die Zivilpersonen, welche den Zug begleiteten, zu «ahe kamen, schlug der Tambour mit dem Stock um sich. Während andere Leute mit einigen Schlägen auf die Schulter davon kamen, wurde dem Hoffmann die rechte Backe derart durchgeschlagen, daß er sofort ärztliche Hilfe aussuchen mußte. Der Verletzte hat gegen den Tambour bei der Militärbehörde Strafanzeige erstattet. In Zukunft wird er aber hoffentlich solchen Spektakelstücken fern bleiben. Als Leiche wiedergefunden worden ist der 20 Jahre alte Garde. Pionier Wilhelm Heidmann aus Elmshorn, der am 4. Oktober v. I. bei der 4. Kompagnie des Garde-Pionierbataillons eintrat, seit vier Wochen verschwunden war und wegen Fahnenflucht verfolgt wurde. Gestern Nachmittag gegen 6 Uhr fanden Fischer seine Leiche i» der Nähe der Kaserne unter der Eiscnbahnbrücke an der Mühlenstraße in der Spree und landeten sie. Als Grund des wahrscheinlich vor- liegenden Selbstmordes wird»unglückliche Liebe" zum iviiiilärstand angegeben. Verhaftung eines Berliner Tefrandanten. Der Privat Pächter der hiesigen Getreide-Genossenschast, Franz Pöckern, flüchtete ain g. April»ach Unterschlagung von Geldbeträgen in Höhe von 700 M. Die steckbriefliche Verfolgung war wirkungslos. Jetzt hat sich der ungetreue Mann der Polizeibehörde zu Stolp freiwillig ge- stellt und um seine Verhaftung gebeten. In seinem Besitze fand man noch baare— 11 Pf. vor; de» Rest des Geldes hat er nach seiner Angabe in Frankfurt a. O., Breslau, Stettin, Köslin und Kolberg verjubelt. Schon wieber beschäftigt der Fund einer Kindesleiche die Be- Hörden. Es handelt sich anscheinend um«in nengeborenes Kind. Die Leiche, die schon ziemlich stark verwest ist, lag auf dem Grund- stück Waldeinarstr. bü vor der Thür zum Vorboden. Sie war ver- packt in Leinwand, buntem Tuch, wie man es zu Küchengardinen gebraucht und Packpapier. Die Polizei de? LS. RevierS hat sie beschlagnahmt. Verschwunden sind seit einigen Tagen zwei Knaben, darunter ein aus Berlin gebürtiger 14 jähriger Schüler, namens Barnim Wilhelm, der gegenwärtig in Volkenshagen(Mecklenburg) auf Bc- such weilte. Der Knabe ist in Begleitung des II jährigen Sohnes des Gutspächters Laase daselbst von Hause weggegangen und beide sind nicht wieder dahin zurückgekehrt. Die Recherchen nach ihrem Verbleib waren bisher resultatlos. Ueber eine Rohheit gegen einen Radfahrer wird uns ge- meldet: Als vorgestern Nachmillag gegen 4 Uhr ein Kaufmann Richter auf eineni Zweirad die Mendelssohnstraße passirte, bereiteten sich mehrere halbwüchsige Burschen das Vergnügen, den Fahrer mit Kohlenstücken zu werfe». Hierbei flog ein ziemlich großes Stück Preß- kohle dem R. ins Auge, welches dadurch schwer verletzt wurde. Es gelang, eine» der Burschen festzunehmen, der der 18. Polizeiwache zugeführt wurde. Zur Ermordung des PfandleiherS Zridler hört man jetzt vielfach die Ansicht äußern, daß es sich, entgegen früheren Annahmen, gar nicht um«inen Raubmord handele. Man weist darauf hm, baß einige Ringe, die man anfangs ver- mißte, man später doch noch gesunden hat. Eine goldene Uhr mit goldener Kette, die im Pulte lag, hat der Mörder ebenso unberührt gelassen, wie eine Menge Goldsachen, die sich in einer Holzkiste besanden und einem Räuber nicht mmder leicht zugänglich waren wie die Uhr. Die Tochter des Ermordeten, die Tischlerfrau Hartmann, hat übrigens das Geschäft ihres Vaters nach dem Hause Wiesenstr. 15 verlegt,»m es dort fortzusetzen. Der Hauswirlh hat ihr alle-Sache», die sie nach und nach wegschaffen wollte, auf seine Kosten auf einmal hinüberbringen lassen. Bon Entdeckung des Mörders ist zur Zeit gar nicht mehr die Rede. Beim Spielen am Treppengeländer ist abermals ein Kind verunglückt. Der siebenjährige Sohn Paul des Tischlermeisters Oertel aus der Markgrafenstraße 9 wollte die Wendeltreppe im Borderhause hinunterrutschen, schlug im zweiten Stock hintenüber und fiel bis auf den Absatz im ersten Stock kopfüber hinab. Der Knabe erlitt eine Gehirnerschütterung und mußte gleich in das Krankenhaus am Urban gebracht werden, nach Ansicht der Aerzte wird er kaum mit dem Leben davonkommen. Theater. Franz Tewele beendigt morgen sein Gastspiel im Lessing- Theater, das ursprünglich nur auf zehn Abende abgeschlosien war, aber um weitere fünf Abende verlängert worden ist. Der Künstler begiebt sich von hier nach Haniburg, wo er im Thalia-Theater einen größeren Zyklus von Gastvorstellungen giebt. Inzwischen hat sich Frau Julie itopaSct- Karczag wieder dein Ferenczy-Enfenlble eingereiht, dessen hervorragendste Kräfte bisher m Hamburg scstgehalten waren und erst im Laufe dieser Woche eingetroffen sind, nm zunächst am Sonnabend und Sonntag ia der Operette„Waldmeister" zusammenzuwirken.— Hauptmannes„Versunkene Glocke" erfährt am Freitag im Deutschen Theater ihre 75. Auf- führung.— Das Schauspiel„Die Unehrlichen" von Gerolamo Rovekta, das am nächsten Dienstag zur ersten Aufführung konunt, wird gleichzeitig auch am Deutschen Volkstheater in Wien vorbereitet; dichter von Else Lehmann, Oskar Sauer und Hermann Müller gespielten Rollen sollen dort durch Frau Odilo», Herrn Christiens und Herrn Tyrolt dargestellt werden.— Im Theater des Westens findet am Sonntag Nachmittag eine einmalige Wieder- holung des Schauspiels„Korpsgeist" von Max Mehner statt.— Das Hoyerh'che Lustspiel„Kinder der Bühne" wird am Sonntag im Zentral- Theater von dem Personal des Berliner Theaters m der ursprünglichen Besetzung dargestellt werden.— JmSchiller-Theaterist für nächsten Sonntag Nachmittag eine Aufführung von„Wilhelm Stell", für die Abendvorstellung eine Wiederholung von Moser's Schwank„Das Stistungsfest" angesetzt. Ende nächster Woche konimt Anzengrnber's vieraktiges Volks- schausptel„Der„G'wiffenSwurm" zum ersten Male zur Aufführung. Ntts de« Nachbarorten. Im Tauzsaal verhaftet wurde am 3. Feiertag im„Linden- park" z» Schöneberg ein Deserteur Sch. von der 12. Kompagnie des 8. Jnfanterie-Regiments in Franksurl a. O. Er hatte sich von seiner in Schöneberg wohnende» und bei einem dorligen Eisenbahn- Regiment als Kochfrau beschäftigten Mntler 3 Mark �schicken laffen, Halle sich darauf ohne Urlaub aus seiner Garnison entfernt und war nach Schöneberg gefahren, wo er jedoch nicht seine Mntter, sondern schnurstracks den Tanzsaal des„Lindenparks" auf- suchte. Hier wurde er auf Requisition seines Frankfurter Regiments von der ans ihn fahndenden Schöneberger Polizei nm �/4l Uhr nachts festgenommen und der Mililärwache des Eisenbahn-Regiments III m der Groß-Görschenstraße übergeben. Ein Ballon der Berliner Lnftschiffer Abtheilnng landete nach dreistündiger stürmischer Fahrt in der Nähe von Wusterhausen in Pommern. Ter Ballon war gegen 11 Uhr vormittags bei schwachem Südwind ausgestiegen. In der Nähe von Wolgast hatten die Insassen desselben, ein Oifizicr und ein Unteroffizier, zu lande» versucht, was ihnen aber bei dem in den unteren Luflschichten herrschenden starken Südwesttvinde nicht gelang. Sie wurden viel- mehr von dem Slnrme ersaßt und in nordwestlicher Richtttttg über die noch zum lheil unter Wasser stehenden Ziesewiefen getrieben. Hierbei streifte der Korb mehrmals de» Boden beziehungsweise das Waffer, wodurch die Insassen fast bis anf die Haut durchnäßt wurde». Endlich gelang es ihnen aber, in der Nähe des oben- genannten Dorfes glücklich festen F»h zu fassen. Der Ballon und die Gerälhschaflen sind unverletzt geblieben. Sozittlo Nechkspfregv. Für die Erhaltung der RekurSinstanz m Nnfall-Streit- sacheu spricht der Alksgang eines Prozesses, de» der Tischler Antowill gegen die Baugeivcrks-Berufsgenoffenschaft durchfocht. Aitlowill, der unstreitig eine» Betriebsunfall erlitten hatte, war der schrift- lichen Aufforderung der BernsSgenossenschafl, in ein Kraitkenhmis zu gehen, nicht nachgekommen. Die Bernfsgenossenschaft hatte dann jede Entschädigung abgelehnt, indem sie sich auf zwei ärztliche Gutachten berief, ivonach A. im Krankenhanse sehr bald genesen wäre. Das Schiedsgericht erkannte im selben Sinne. Das R e i ch s- V e r s i ch e r u n g s a m t be» schäftigte sich demnächst anf den Rekurs des Klägers recht eingehend mit der Sache. So hörte eS zum Beispiel noch den Professor Dr. Bose über die Unfallfolgen. Bose untersuchte den Fuß des Klägers, ivobei er Röntgenstrahlen benutzte. Er stellte fest, daß dem A. bei dem Fersenbeinbrnch ein Knochen vollständig zerdrückt worden sei. Prof. Bose kam zu folgendem Schluß-Gutachten: 95er» letzungen des Fersenbeines, wie die vorliegende, seien mit groben Nachtheilen für den Verletzten verknüpft. Es blieben große Beschwerden zurück und die Erwerbsfähigkeit werde erheblich beschränkt. Es seien auch heftige Schmerzen unausbleiblich. Die Behandlung des Klägers in einem Krankenhanse würde den behaupteten Erfolg nicht gehabt haben. Den vorhandenen Grad der Erwerbsunfähigkeit schätzte der Obergniachter auf sechzig Prozent. Das Reichsgericht ver� nrtheille darattf die Bernfsgenossenschaft, den Kläger in dieser Höhe zu entschädigen.— Diese Korrektur der Entscheide der ersten Instanzen wäre unmöglich gewesen, wenn der fromme Wunsch mancher Kreise, das Reichs- Versicherungsamt aus einem R e k u r s g e r i ch t zit einem Revisionsgericht zu degra- diren. bereits Wirklichkeit wäre. Aber auch die angestrebte Beschränkung der Rekmsfähigkeit anf solche Fälle, wo das Schiedsgericht mehr als 2ö pCt. der Vollrente bewilligte, wird durch den Verlans der berichtete» Unfallsache ad absurdum geführt. Diese Beschränkung würde vor allem auch zur Folge haben, daß so mancher infolge eines Unfalles nervös Belastete um seine Rente käme. Wie oft ist nicht erst auf Anregmig des Rekurs- g�e r i ch t s durch medizinische Autoritäten ersten Ranges in solchen Fällen der ursächliche Zusammenhang zwischen dem Leiden und einem Betricdstinsalle erwiesen worden, nachdem daS Schiedsgericht den Anspruch abgetviesen halte. Geridiks»Jettung. Ein Zengniff-ZtvangSderfahren ist, der„Germania" znkokge. seit einige» Tage» gegen den Herausgeber der„stteichshanptstädt. Corr.", Schriftsteller Dr. Horn, aichäugig. Das Blatt schreibt: Wie erinnerlich, wurde in den ersten Tagen des März d. I. vom Ober- Staatsanwalt Drescher ein Disziplinarverfahren wider Unbekannt beantragt, weil derselbe vermnthele, daß eine den Abschluß der Bor- »ntersuchung gegen den Kriminalkommissar von Tausch be- treffende Nachricht, in welcher auch von der AuS- arbeitung der Anklageschrift durch den Staatsanwalt Eger die Rede war, durch einen Bruch des Amtsgeheimnisses in die Tages- presse gelangt war. Jetzt, nach Ablanf von 7 Wochen, nahm man allgemein an, daß die Erinittelnngen in dieser staatsgesährdenden Sache sich im Sande verlaufen hätten, als dem genannten Redakteur plötzlich am Oster-Sonnabend früh gegen 8 Ubr eine Zeugenladnng zu 3>/s Uhr vormittags zugestellt ivurde. In der Annahme, daß es sich um ein«„eilige Sache" handelte, stellte sich Dr. H. dem Unter- suchungsrichter, Amtsgerichtsrath v. Podeivils, der»hn alsbald darauf aufmerksam machle, baß er den Auftrag habe, den Zeugen sofort zu vereidigen und— was sich bei der Wichtigkeit dieser UntersuchnngSart eigentlich von selbst versteht— bei event. Zeugnißveriveigernng Zivangshast anznordne». Trotzdem machte Dr. H. allerhand Bedenken geltend, waS den Richter schließlich doch veranlaßle, die eilige Sache auf vier Tage zu vertagen.—- Der neue Termin war ans Mittwoch an- beraiimt worden. In demselben gab der Zeuge nochmals die Er- klärung ab, daß er das Zeugniß verweigere, weil die Strafprozeß- Ordnung auf die vorliegende Disziplinaruntersuchung keine Anwendung finden könne- das Einführungsgefetz zur Strafprozeß' Ordnung zähle alle Fälle auf, in denen die Gtrasprozeß-Ordnnng Anwendung finden solle oder nicht, es enthalte keinerlei Bestimmung über ihre„analoge" Anwendung ans sonstige Fälle, insbesondere kenne daS Disziplinar- gesetz gar nicht die Unterscheidung der Strafthaten, welche§ 69 Abs. 2 der St.-P.-O. mache(Verbrechen, Bergehen und Uebertretnngen!) und endlich sei die Kriminalordnnng von 130k, auf welche man sich berufen habe, eben durch die Strafprozeß-Ordnung von 1877 aufgehoben. Der Zeuge erbot sich aber, eventuell eidlich zu bekunden, daß er seine Information weder von einem Beamte» noch von einem lliechiz. aiiwalt habe, und daß auch sein Gewährsmann, der seinerseits keinen Hintermann habe, seine Kenntniß weder durch einen Beamten noch von einem Rechtsanwalt erlangt habe. Damit widerlege sich die Annahme, daß die Veröffentlichung de? inkriminirten Artikels durch ein Dienstvergehen ermöglicht worden sei. Sollte, um die Preisgabe seines Gewährsinaiines durch Wortbrnch zu er- zwingen, die Zeugniß-Zivangshafl gegen ihn angeordnet werden, so erklärte Zeuge, werde sein Vertreter, Rechtsanwalt Dr. Lubszynski, dem ihn» geivordenen Auftrage gemäß, sofort beim königliche» Land- gericht I, Berlin, Beschwerde erheben. Amisgerichtsrath v. Podewils erklärte nun», ehr, daß es ihm zweifelhaft erscheine, ob überhaupt ein Disziplinarverfabren vorliege; es blieb sonach die Frage offen, die nach§ 63 St.-Pr.-O. dem Zeugen vor seiner Vernehmung zu de- antworten»st,»vas nämlich eigentlich den„Gegenstand der Unter- suchung" bildet. Bei dieser Sachlage»var es nur gerechtfertigt, daß der Richter nicht sofort zur Anordnung der Zwangshaft schritt, sondern dem Zeugen Dr. Horn einen Gerichtsbeschluß darüber in Aussicht stellte. Ter Redakteur des in polnischer Sprache herausgegebenen Parteiorgans„Gazela Roboduitza", Eduard Waychle, stand gestern unter der Anklage der Beleidigung durch die Presse vor der nennten Strafkammer des Landgerichts I. Beanstandet war ein an? Königshütte datirter Artikel, der in einer Januar-Nummer der ge- »annte» Zeitung erschienen war. Der Artikel schilderte die Ver- hältniffe der oberschlesischen Fabrikarbeiter. Der Lohn sei weit geringer »vie früher, die Arbeitsstunden seien dagegen»veit über das gesetz- liche Maß hinaus vermehrt»vorden. Allerdings habe man jetzt Fabrikinspektoren, aber diese— hier folgt ein Vor- »vurf, gegen den sich die Anklage richtet. Wegen dieses Vonmirss stellte der zuständig« Regierungspräsident Strafantrag. Ein Wahrheitsbeiveis ivurde von dem Angeklagten nicht angetreten. Der Staatsanivall hob»vie üblich hervor, daß die Tendenz des ganzen Artikels auf Verhetzung der Arbeiter gegen die Arbeitgeber berechnet sei und daß die beanstandete Behauptung völlig aus der Luft gegriffen sei. Er beantragte eine Gesängnißstrafe von sechs Wochen. Der Gerichtshof erkannte auf einen Monat Ge- fängniß. Einer der zahlreichen Prozesse, die eine der unliebsamsten Folgen der verflossene» B e r l i» e r G e>v e r b e- A u s st e l l n n g bilden, beschäftigte vorgestern das Kammergericht. Direktor Sternheim hatte einen Theil der Veranda seines im Vergnügungspark der Ans- stellnng befindlichen Theaters„Nen-Berlin" an die Buchhändler Jacobsthal und Fnßinger zum Ziveck eines Verkaufs von Büchern jc. zum Preise von 1000 Mark verpachtet,»vorauf denn auch die Pächter an der bezeichneten Stelle einen KioSk errichteten und mit den» Betrieb ihres Geschäfts begannen. Aber schon in» ersten Monat mußten sie anf Allsforderung des Arbeilsansschusses den Kiosk entferne» und den Verkauf einstelle», da,»vie ihnen bedenlet ivurde, das Bücherverkaussrechl für das ganze Gebiet der Ausstellung einheitlich verpachtet sei. so daß der von ihnen mit Direktor S. geschlossene Vertrag der Ansstestnngsleitnng gegenüber jeder Rechtsverbindlichkeit ermangele. Die Buchhändler klagten hierauf gegen Direktor S. auf Entschädigung, der sich hierzu aber nicht für verpflichtet erachtete, da er seiner Ansicht nach zu Unterverpachtungen berechtigt gewesen sei. Da die Beweisaufnahme ergab/ daß das betreffende Terrain dem Direktor S. nur zun» Zivecke der Errichtung eines Spezialitäleu-Theaters verpachtet»var, so erachtete das Landgericht I de» Verklagte» nicht als berechtigt zn der fraglichen Untervermiethnng und vernrtheilte ihn, an die beiden Kläger gemeinschaftlich SSI M., außerdem noch an F. I3S M. als Schadenersatz zu zahlen. Das Kammergericht hat diese Entscheidung pure bestätigt. Koschemann und Westphal haben gestern durch ihre Ver- theidiger das Rechtsmittel der Revision einlegen laffen. Kosche- mann hat,»vie berichtet»vird, bisher das Urtheil, das ihn zn 10 Jahren Zuchthaus vernrtheilte, mit großer Seelenruhe entgegen- genommen, da er mit Bestimmiheit die Aushebung desselben erhofft. Aus diesen» Grunde»vill er auch in Unterslichungshafi bleiben und verzichlet daraus, inzivischen den Rest seiner 9i»onalllchen Gefängniß- strafe, die er»vege» Verbreitung der anarchistischen Schrift„Gretchen und Helene" sich zuzog und im Juli v. I. unierbreche» mußte, obivohl es noch 11 Wochen sind, bis zur Entscheidung vor dem Reichsgerichte zu verbüßen. In Amvaltskreisen zirkulirt jetzt has Gerücht, daß die Geschivorenen,»velche im Prozeß Kosche- uianO fmigirten, de» Landgerichts-Direktor Rieck zu eine»» Diner einMade» haben sollen. Eine schwere Rnsschreitung gegen einen Feldwebel vom Garde-Rcgiment zu Fuß ließ sich der sind. jur. Hugo Z i l l m e r zu schulden kommen. An einen» Sonntag Abend be- lästigte der Student verschiedene junge Damen in der Friedrich- straße. Nin Schutz zu suchen,»vandte sich auf der Rothbrücke der Weidendammer- Brücke eine Dame an den Feldwebel Karlborn, während Zillmer mit erhobenem Stocke aus de» Be- schützer des jungen Mädchens losging. Hieran kehrte steh der Feld- »vebel vorläufig nicht, doch der Student»vagte es, ihn nicht nur zu beschimpfen, sondern auch schließlich energisch an die Brust zu packeti. Es sammelte sich viel Publikum an und, um der peinlichen Situation ein Ende zu bereiten, schritt ein Offizier ein, der die Sistirung zur Kaserne des 2. Garde- Regiments veranlaßt?. Auch auf der Wachlstnbe benahm sich der Student höchst stegelhaft und nannte den Feldivebel einen„Ekel". Wegen des Straßen- auftrittS»vurde Zillmer in eine Polizei st rase von 6 Mark genommen,»vährend er sich wegen»vörtlicher und thätlicher Beleidigung deS Feldtvebels gestern vor der ziveiten Straskatnmer des Landgerichts I. zu verantworten hatte. Der Gerichtshof nahm zu gunstcn des Angeklagten an, daß er damals betrunken»var, obivohl es ein starkes Stück sei, sich als gebildeter Mann derartig an des „Königs" Rock zu vergreifen. Die Strafe ivurde äußerst gelinde benieffeu und lautete das Urtheil auf 40 M. Geldstrafe oder 8 Tage Gefängniß.— Man vergleiche mit diesem milden Urlheil die harten Gefängnißstrafen, die,»vie an anderer Stelle in dieser Rubrik e>.'< sichtlich, gegen einige Maurer ausgesprochen sind. welche in fejf begreiflicher Erregung einen„Kollegen" durchprügelten. yT Eine arge Schlägerei,»velche am 30. Mai d. I. aus det,» Neubau der Lölve'schen Fabrik staltfaiid, beschäftigte gestern die vierte Straskaminer des Landgerichts I. Die sechs Maurer Karst«», Boß, Seichler, Glander, Peters und Balcke»varen beschuldigt, den Maurer Rückert in einer daS Leben gefährdende» Weise mißhandelt zn Huben. An dem genannten Tage gerieth Rückert»nit einem Arbeitskollege»»vegen einer geringfügigen Veranlass»»»« in Streit. Da Rückerl trotz mehrsacher Ermahnung des Poliers nicht zur Ruhe zu bringen war, sondern seinen Gegner»i»it einen» Spate» bedrohte, so»vurde er entlassen. Als er in der Baubude seinen Loh» ausbezahlt erhielt, prahlte er damit, d a ß e r Polizeispitzel sei, er»verde jetzt»»ach den» Polizei. bureau gehe»»nd Anzeige erstatten,»vie eS auy dem Bau zugehe. Der gleichfalls anwesende Angeklagte Karsten lackte ih» ans,»vorauf Rückert ihm einen Fußtritt versetzte. Sie geriethen in Hundgemenge,»vobei llinckert den kürzeren zog. Als er dann zur Bude hinausgedräilgt ivurde, bearbeiteten die übrigen Angeklagten ihn dermaßen, daß er im Wagen nach dem Krankenhause gebracht»verden mußte. Die An- geklagten, denen die Rechtsanivälte Dr. L ö w e n st e i n, K a tz und Heine als Vertheidiger zur Seite standen, erreichten, daß ihnen mildernde Umstände zugebilligt wurde», da Rückerl sich ungehörig benommen und geivisserniaße» die Schlägerei provozut habe. Bei Karsten wurde Notdivehr als vorliegend angenomnien und dw Millhäterschaft des Angeklagte» Boß nicht für eriviescn-rächtet- beide»vnrden freigesprochen. Dagegen»vnrden die Angeklagten Seichter und Glander zu je einem Mottai, Peters und Baicke zu je drei Wochen Gefängniß verurtheiit. VevsÄmmInngett. „Ter Prozcff Koscheinan»»" oder„Wer stiiv die Pro« pagaitdisteu der That?" So lautete die Tagesordnung einer von den Belliner Anarchisten zum Mittwoch Abend nach Keller'S Feftfälen einberufene» Versammlung, die von«tiva 1500 Personen, »vohl»neistens Eozialdeniokraten, besucht»var. Referent»var der Schloffer Karl Wiesiuthal. Er hat im Koschemann-Prozeß al« Zeuge fungirt, ist am Abend deS Tages, an dem die Kiste abgeschickt »vurde, bis spät in die Nacht hinein niit Koschemann zufamuien geivesen, auch hat Koschemann die Nacht bei ihn, znaebracht. Da hätte er dein Koschemann wohl etivas anmerken müssen, wenn er eben eine solche That vollbracht hätte. Die bürgerliche Gesell- schasl tröste sich jetzt damit, daß Koscheniann nach 10 Jahren alS ein„brauchbares Mitglied" in die menschliche Gesellschaft zurück- kehre»»verde. Dies sei bei der im Zuchthaus übliche» Kost und den barbarischen Disziplinarstrafen,»vie Lattenarrest, Prügelstrase«... nicht anzuuehnieu. In den» Prozeß ist nicht beiviesen»verde», daß Koschemann Anhänger der Propaganda der That ist. An, Schluß fordert der Vortragende alle Anivesenden, die Koschemann für un- schuldig halten, auf, sich von den Plätzen zu erheben. Dies geschieht von sämmtlichen Theilnehmern. In der Diskussion spricht zunächst Korbmacher Belz, der die Versammlungen bei Späth stets einbernsen hat. Er erklärt, daß Koschemann der idealste Mensch und vollständig unfähig sei, Blut gu vergießen. Auch wendet sich der Redner gegen Landauer, der vor Gericht von der„Spitzelfalle" bei Späth gesprochen habe, trotzdem er dort nie gewesen sei und die Versammlungen gar nicht kenne. Sibg. S t a d t h a g e n. mit Beifall empfangen, hat von Anfang an die Ueberzeugnng von Koschemann's Unschuld, aber auch davon gehabt, das; man ihn verurtheilen werde. ES werde alles erklärt durch die Thatsache, daß Koschemann vor einem ans politischen Gegnern bestehenden bürgerlichen Gerichtshofe gestanden habe. Es fei die politische Gespenstcrfurcht zu berncksichligen. Zu Geschworenen können nach dem Gesetze solche Leute gewählt werde», auf die man sich in politischen Prozessen verlassen könne. Der Vorsitzende sei anscheinend sehr nervös gewesen und habe den Eindruck gemacht, daß er es für seine Pflicht halte, mit Sorgfalt alles, nicht nur Thatsachen, sondern Gerüchte, Verdachtsansichten zusammenzutragen und zu betone», was de» Angcl'aglen belasten könne. Ungeheuerlich sei die Stellung eines der Verlheidiger gewesen, der ohne auch nur den Schein eines Beweises auzusuhren, es als seine Ueberzeugnng ausgedrückt habe. daß es sich um ein anarchistisches Attentat handele. Dem Angeklagten sei nichts bewiesen worden; es lasse sich wohl sagen: ikoscheinann ist unschuldig verirrtheilt worden. In politischen Pro- gessen sind— und das ist bei der politischen Hetze und dem aus politische» Gründen gefaßten Vornrlhcil begreislich— schon oft Unschuldige ins Zuchthaus geschickt worden. Der Anarchist Weisheit erzählt, daß auch er einst, als er ans dem Gefängniß entlassen wurde, von einem Kriininalbeamten zu Spitzeldiensten hätte gedungen werden sollen. Eben dieser habe aber, ivie sich in der Verhandlung ergeben habe, mit dem Hanpt- belnstnnaSzeugcn Brede z» lhnu gehabt.— Ad. Hofsmann hielt Ztoscheinann für»»schuldig und glaubt überhaupt nicht an ei» anarchistisches illttentat. Auch er sei seinerzeit von dem Polizei» koniiuissar Weinert zu Berichten aufgefordert worden. Er sollte die Woche 20 M. fest erhalten. Jede einzelne Leistung habe außerdem je nach Art der Leistung extra bezahlt werden sollen. Zum Schluß wird eine Resolution angenommen, in der die Versammlung ihre Ueberzeugnng von der Unschuld Koschemann's ausspricht und hofft, daß derselbe in der Nevisionsinstanz frei- gesprochen iverde. Eine VcrtranenSmänner- Versammlnng dcS deutschen Holzarbeitcr-Pcrbandes nahm am Mittwoch Stellung zur Mai- feiet. Einleitend wies der Vorsitzende Glocke darauf hin, daß in diesem Jahre der Feier dadurch größere Schwierigkeiten im Wege ständen, da der 1. Mai auf dem Sonnabend(Zahltag) falle. Es sei deshalb Aufgabe des Vertrauensmannes, dahin zu wirke», daß in diesem Jahre am Freitag der Lohn ge- zahlt würde. Es entspann sich hierauf eine lebhafte Diskussion, in der sich fast alle Redner für allgemeine Arbeitsruhe aussprachen. Einige Redner hegte» doch Bedenken, da einige Unter- nehmer ihre» Haß gegen die Arbeiter geltend machen würden und kein Kostgeld zahlen, was eine» Theil Familienväter abhalten könnte, zu feiern. Es gelangte folgende Resolution zur Annahme: Die heutige Vertrauensuiännerversanunlung verpflichtet sich, in den Werk- stellen dahin zu wirken, daß allgemeine Arbeilsrnhe am 1. Mai eintritt. In Werkstellen jedoch, wo es absolut unmöglich ist zu feiern, sind die Arbeilende» verpflichtet, pro Mann 1 M. an den Verband für den Streikfonds zu zahlen, wofür eine Quittungsmarke verabreicht wird. — Ferner wurde beschlossen, nm kontrolliren zu könne», wer gearbeitet oder gefeiert hat: jeder feiernde Kollege erhält eine rothe Feiermarke auf Karte oder Buch geklebt. Die Einklebung findet am 1. Mai. früh, in der„Neuen Welt", Hasenhaibe, statt. Hieraus gab der Arbeitsvermittler M a a ß einen Bericht über die Streiks bei Elsholz und Rode. Der erstere ist nach zweiwöchentlicher Dauer durch Vergleich beigelegt. Letzterer dauert fort. Mehrere Maßregelungen wurde» angemeldet, über welche die Ortsverwaltnng Beschluß fassen soll. Es wurde sodann die Fnt8° der Extrastcuer zum Streikfonds erörtert. Der Vorsitzende theilte mit, daß nach der Abrechnung im letzten Vierteljahr die Extrabeiträge ziemlich spärlich eingelaufen, daß dagegen zu den vielen Werkstaltdifferenzen bedeutend mehr ausgegeben wurde. Von verschiedenen Seilen wurde gewünscht, daß jeder einzelne Vertrauensmann seine Schuldigkeit thun sollte und für Einziehung der Verbands- und Extrabeiträge sorgen müsse. Beschlossen wurde sodann, den Extrabeitrag pro Woche auf 10 Pf. biS auf weiteres festzusetzen, um sowohl die fast täglich ausbrechenden Werlstattstreiks in Berlin, als auch die streikenden Kollegen in den verschiedenen Städten Deutschlands unter- stützen zu können. Ferner wurde noch niitgetheilt, daß die Firma Mittag hier, welche in Kottbus eine Lolzbearbeitungs-Fabrik besitzt. größere Abzüge gemacht hat. Die Kollegen, zirka bv, haben die Ar- beit eingestellt. Die Anwesenden wurde» ersucht, sobald sie erfahren, daß hier für Mittag Arbeiten angefertigt werden, dies aus dem Arbeitsnachweis zu melden. Die Berliner Schriftgießrr waren am 21. April im Louisen städtischen Konzerthause vollzählig erschienen, um die Antwort der Prinzipale auf den ihnen von dem Vorstaude der Gchilsenschast unterbreiteten Lohntaris entgegenzunehmen. Die Forderung der Ge Hilfe» geht dahin, einen einheitlichen Tarif für Berlin in alle» Gießereien zur Anerkennung zu bringen, ebenso wird eine Erhöhung der Hilfsarbeiterinnenlöhn« gefordert, sowie die Verkürzung der Ar- beitszeit auf 8 Stunden. Die Antwort der Prinzipale ging bei dem Vor- sitzenden der Schriftgießergehilfe» pünktlich ein und besagt das Schreiben, daß die Priuzipalilät gewillt ist, mit der Gehilfenschast einen neuen allgemeine» Tarif zu vereinbaren und ersucht dieselbe, zu diesem Ziveck eine Kommisston von vier Gehilse» zu wählen, welche an, Sonntag, den 2S. April, vvtmiltags 10 Uhr, zu Verhandlungen bereit ist. Die Prinzipale entsenden ihrerseits ebenfalls vier Ver- tretet und zwar die Echriftgießereibesitzer R e i n h o l d, B orchardt (Wöllmer), Graumann(Gursch)»nd Abman». Unterzeichnet war das Schriftstück von sämmtlichen Berliner Schriftgießereien. Vorsitzender Kollege Berkhahn eröffnet über das Autworlschreiben die De- datte und bemerkt zugleich, daß der Vorstand de» Kollegen empfiehlt, auf Verhandlungen einzugehen. Die Debatte dreht sich nur hanpt- sächlich darum, was bei den Verhandlungen wohl herauskomme» könne. Einzelne Redner gaben ihrer Meinung dahin Ausdruck, daß unter keinen Umständen von der Vorlage nach unten abgewichen werden solle, ebenso auf der Forderung des Achlstnndenlages strikte zu beharren. Andererseits wurde erklärt, daß die Kommission auf Grund der Vorlage mit den Prinzipalen zu verhandeln habe und sei doch selbstverständlich, daß die Kommission nichts abschließen könne, sonder» das Verhandelte wiederum der Versammlung vorzulege» habe. Alles weitere regele sich dann von selbst. Ein Novum aber sei es, strikte auf einem Punkte zu beharren und dabei in Ver Handlungen treten zu wollen. Folgende Resolution wurde hierauf mit großer Majorität an- genommen:„Die Versammlung beschließt, den Vorschlag der Prinzipale anzunehmen und entsendet vier Kollegen ohne gebundenes Mandat zu den Verhandlungen. Gleichzeitig hehält sich die Ver- saniinlung alles weitere bis nach Anhörung des Berichts der Kom- Mission vor."— Nachdem noch die Kollegen Berkhahn, Nie- meyer, Fischer, Alb. Voigt als Vertreter und N o w a ck als Ersatzmann gewählt, schloß der Vorsitzende mit einem Hoch aus die Berliner Schriflgießerei-Arbetter und-Arbeiterinnen.die imposante Versammlung. lieber die Kntscherfrage wurde in einer vor Ostern bei Dräsel abgehaltene» Versammlung von Taxameter-Droschkenfuhrherren, welche Kutscher beschästigen, eifrig debatlirt. Da die Herren vollständig unter .sich waren— sie ivaren nämlich per Karte eingeladen worden und tagten hinler verschlossene» Thüren—, so kann man sich ohne weiteres denken, daß in der Unterhaltung großartiges geleistet wurde. Der Wortführer des Abeuds war Herr G r a s s o w, welcher sich infolge seiner eigenthümlichen Geschäflspraktike» hinsichtlich der Ver- leihung von Ausrüstungsgegenstäuden an die Kutscher und sonstiger liebenswürdigen Eigenschaften einer ganz besonderen Beliebtheil bei den Kutschern ersreut. Wie sehr auch er„seine Leute" in sein fuhrherrliches Herz geschlossen hat. beweist das Bild, welches er von den Taxamelerkutschern im allgemeinen entwarf. Nach Herrn Graffow sind die Kutscher nicht höflich und nicht reinlich genug, dafür aber anspruchsvoll im höchsten Grade. Auf de» Fuhrhos zur Arbeit loiumen sie mit brenneuder Zigarre im Munde, die Hände in den Hosen- laschen, und abends bringen sie sich gar noch ein Mädchen mit! Wenn sie auf den Hälleplätzen stehen, dann liegen sie in den Kneipen und sind oft so betrunken, daß sie nicht zu fahren vermöchten. Vom Fahren verstehen sie überhaupt nichts, die theuren Pferde werden in kurzer Zeit steif und lahm, das Fuhrwerk in Grund und Boden gefahren. Dazu seien sie die schlimmsten Betrüger, welche den armen Fnhrherrn betrügen auf allen Ecken und Kante». Schreckliche Menschen, die Taxameterkutscher! Da kann man sich freilich nicht wundern, daß die Fuhrherrn auf Antrag des Herrn Graffow schließlich beschlossen, ein Beschwerdebuch für Taxameterkutscher im Vereiusbnreau der Droschkenbesitzer, Vereinigung auszulegen. Ein wahres Glück, daß für die bewegliche Klage des Herrn Grassow. daß es„schwer sei. gute und brauchbare Kutscher zu bekommen", die Möglichkeit einer Abhilfe gegeben ist. Das Polizeipräsidium ertheilt nämlich jetzt nnr solchen Personen den Fahrschein, ivelche 6 Wochen in Berlin als Kutscher gefahren haben und deren Tüchtigkeit von der„Genossenschaft" beglaubigt wird. Da ist ja Herr Grassow in der angenehmen Lage, Kutscher aus- zubilden, wie sie seinen geheimsten Herzenswünschen entsprechen. Ter Verein der Holz- und Bretterträger beschloß i» seiner letzten Versammlung, das Verkehrslokal im Osten, Koczarowski, Langestr. 60, zu meiden und dafür ein andere? zu suchen. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrte die Versaminlnng das Andenken des verstorbenen Genossen E ch u l tz e in üblicher Weise. Schöneberg. Am Sonntag, den II. April, fand eine ö ffent« liche Bau- und ge'verbliche Hilfsarbeiter-Ver- s a m»> l u» g in Obst's Salon stalt. Frau R o h r l a ck referirte über die Ursachen und Folgen des Hamburger Streiks. Ihre Aus» sübrnngen, in denen sie zeigte, daß das deutsche Proletariat I>/i Millionen Mark Strafgeld für die ungenügende Organisation der Hafenarbeiter hat zahlen müssen, endigten mit dem Rufe: Proleiarier aller Länder, vereinigt Euch! In der Diskussion sprach Kollege Behrendt, a» vielen Beispielen zeigend, daß es die böchste Zeit zum Anschluß der Kollegen an die Organisation, d. h. den Verband, ist. Unter Verschiedenem äußerten sich die Kollegen Klinge und Stallt über den Vertrieb der Agilationsmarlen. 3Ut>»tt«»-Kildttns«I'chttlr. von Sonntag, den 2». April, ob, ist die B t b l t o t h e l in der N o r d s ch u l e, v r u n n e n st r. Si, für die Mitglieder an solgenden Tagen geofsaei- Sonntag«, vorniittag« von lO—n, Dienstag« ini 6 Freitag», abend»!s9-l0 Uhr. Mitglied«betlräg- werde» an diesen Tagen in der Nordsckulc«»»gegengenoinmen, ebenso in solgende» Zahlstille»: fflotlsr. Schulz. Admtralslr. eo»! Schöning,»öpnickerstr.»»: Menl, Barnimftr. ei; Babiel, Moscnthalersir. 67; gileinert, Müllerstr. 7»:«urghaus», Pulbuserstr. 3i; Blanlenteld. Siephanstr. üs: Werner, BlUewstr. 69; Grube, Mariend orserstr. 6; Kahler, Junk rftr. 1; H. König«, Diesfenbachstr. so. Alle Zuschrisicn sind an de»«So, styendcn Paul Mü>1« jr., so. Man- teusselsir. 119, Geldsendungen an den Kassirer H. König«, L. Diefsenbachstr. 30, zu senden. ftft-»m>?>»i>»>tirl,I»>b». Freitag. Aufllirung, abend» 9 Uhr, Sebastiansir. 79 bei Jerger. Arbriter-Ki>»K«rt>»>»d Kerii»» nnd glmg»g»»d. vorsthender Ab. Neu- niann, Pasewallerstrahe 3.— Alle Aenderungcn im Berei>i«kalei>der sind zu richten an Fried. Korium, Mantcufselstr.«9, v. 9 Tr. Frritna. Uebungsstunde abend« 9—1 1 Nbr. Aufnahme von Mitgliedern. C o l l e g i a, Adalbertstr. 9' bei Roll.— Kaiser'scher Männerchor, Schivedterstr. 23'9t bei Wernau.— Nord, veieranenstr. 18 bei Schulz.— Unoerz aal I. Melchiorstr.'6 bei Sieh- mann.— Treu und Einigkeit, Nixdois, Bergstrahe 9« bei Wähler.— Buchbinde r-Mnnnerchor, Köpnielerlir. 93 bei Schöning.— Bcreinte Sange«brllder Moabit«, Puillihfir, 10 bei I. Psarr.— Matenzweig, Licdemsel der Slellmacher, Rosenlhalerstrahe 67 bei Babiel,— Maiglöcichen, Lindowerstrabe 96 bei Sachs.— Geinüthlichkeit(Putzer), Scydelstr. 30 bei Kröger.— Froh-Hosfnnng(West), Pallassirahe Nr.>6 bei N. Faller.— Morgenrolh Ii, Charlotienburg. Bismarilslraße 7t bei Krause.— Tnpographia, Veuthstrahs 20 bei Cohn.— G e org in a, Gürlitzer- strahe 69 bei Vogel.— Lorbeer zweig, Schönhauser Allee>35 bei Ramlow.— V 0 rw ä r t« III, Friedrichsseide, Lichienbsrqer Prinzen-Allee 6 — Rhein gold, Weinstr. II hei Feindt.— Rosen! Haler Barst adt, Usedonislr. 33�bei Dlbäler,— M e lo d i a, Rixdorf, Berzstir. 169 be� Thomas. G ?r«s, Naunnnstrahe s« bei Streit.— Brandenburger Männer a»gveretn, B>andc»b»>g a. H., Vergftr. 6, Mengerl's Bollsgarten. L> b e r t t, Wrangelsir st bei Redanz.— Brllderschast(Hausdiener), Alte �-...._ Slrauhbsrger- bet Meihuer.— Jalobstr. s«/6S bei C. Lamprechl.— Freie Liebe rlafsl, Sirauhbsrger- prahe 3 bei Wwe. Röll.— Nordwacht, Ehausfeeltraße 79 F r« te Sänger II, Schmargendorl. Warnemiinderftrahe.„Wirthshaus Echmargendors".— Sä» g e rl r e>«. LanghanSstr. 38 bei Nendenberger.— Sorgensret, Admtralstrahe tS c bei Möhring.— Weihe Rose III, Rixdors, Karlsganen- und Wihmannstrahen-Ecle bei Bode.— — Bieber'scher Männerchor, Linieniirabs 96.— Geselligleit, Hennixsdors, Böhmen'« Gabhau«.— Eintracht III, Eberswalbe. Eisen- dghnstrahc 66 bei Hagewald.— Sprene. Rosenlhalerstr. 57 bei Babiel.— K I i n g»1 ü I l e r'scher Männerchor, Weihensee. König-Chaussee bei«rennert. — Völle rsriihltng(Simlaleure), Oranicnstr Iv9 bei Greiser.— Neue Zeil, Rammlerstr. 2S«Elle Swinemünderstr.) bei Schmidt.— Liederlranz, Brandenburg 0..6., Bergstr. 6(Mengerl's Ballsgarten).— Frethetlsgloclen, Wöriher-str.«9 bei Buchholz.— O b« r 0 n, Oranienstr. 121 bei Wohliebe. Knud der tzeseliige» Arb»>t,r»rrei»» Kerli»« und Zlnigrgeud. Alle Zuschrtsien stnd zu senden an P. Gent, Drcsdenerstr. 107/108. Freitag: Musil- vercin H 0 ss n u n g- O st, Grabe Franlsurlerfirahe 193 bei Gold.— Lotterie- llub Fortuna, Göriitzirfträh« 60 bet Siewert.— Gesellige Bereinigung „L i e g n i tz e r Schwei z",»Icichenbergerstr. SS bei Fincl.— Skatllub Einigkeit, Wollinerstr. t6 bei Zugowsli.— Berein für B 0 l l« 1 h ü m I i ch e S u 11 st, Blnm-nstr. 39 bei Reich.— Berel» der T a n i m e ist e r Annenstr. t«. Arbeiter- Paucherbnud Krriin» und Zliugegcud. Aenderunge» im Bereinslalender stnd zu richten an Hermann Braunschweia. Dresdenerstr. so, 2. Hof. Freitag. Südost. Wieiierstr. 03 bei Felile.— Blaue Wolle, Weddingst, ahe 0 bei Ignatius. «>»la»g-,?»r,i- und gegeUigr Urr»!»«. Freitag. Alhleteuvirein §el sen ses>, Krautstr. 0 bel Böttcher.— Tanzlehrerveretn S 0 l i d a r i t ä t. nnenstr. 16.— Musikveretn Tusch, Uebungsstunde jeden Freitag, Bercinsfltznng jeden Dienstag noch dem 1. Langestr. los bei Nebelin.— Karthaus'scher Gesangverein, Landsberger Allee>00 bet Wöbei.— Turnverein G esu n d- dr« n» e n. Abends von sjj— tor Uhr: l. Männerabthetlung Pankstr. 9— lo. Arbeiter Uuruerbniid. Freitag: Turnverein F i ch t e, Berlin. Abends von s— to Uhr: 9. Männer- Abtheilung Slalitzeisirahe 66—66 1 Männer ablheilung Siephanstr ahe 3. 6. Männerabtheilung Stckerstrahe 07. s. Männer abtheitung Siallschrciberstrahe 6«. l. LehrlingSabthctlung Fricdenstrghe 37. 3 LchrlingSabtheilung Boeckhftrahe 91. 1. Damenabtheilung Mariannen- User 1».— Arbeite-Turnverein(Adlershof) von Sü-io'j Uhr abends in Köpenick, Rudowerstr. bei Schier.— FreieTurnerichafl, Rixdors Britz. I. Lehrlings-Abtb. von Sic—>0X Uhr Rixdors,»»-sebeckstr. bei Wiersing. — Männer-Tnrnverei» Eich«, Köpenick. UebungSsiunden abend« S— 10 Uhr in Klein'« Hotel, WilhelmSplatz. Arbritrr-Stenogrnph-nverei»„»toll«", Lindenstr. lo« im Restaurant Fritz gnbeil. Uebungsstunde 8— 11 Uhr abend«. Unisrrichizstunde jederzeit Gäste erwünscht. Freie z>erei»igu»g der Händler und Häudierinuen. Heut« Abend » Uhr: Generalversammlung bei Tcheer, Blumensir. 33. Herltuer Arbeitervertreter- perein tagt jeden Dienstag nach dem ersten Im Monat bei B u S k e,«renabierstr. 88, abend« sjj Uhr. Unenlgeltlicher Rath wirb«rtheitt�d»� Unfall-, Invalidität»- und Alter«- Berstche- rung, abend« von?-« Uhr: W. Buchholz, Hussilenstrahe 3», v. 3 Tr. A Daehue, Temminerstr.««, v. 3 Tr. K. Guthett, Wieseustr. 99», von 3-9 Uhr abend«. F. Pieschel, Wartenstr. 66, v. 9 Tr.«. Si»>anow»rt, Barlenstr. 78, Portal 9, 9 Tr. M. Stuhl mann, Oderbergerstr. 37, i Tr„ von 6-9 vbr abends. R. Tamm, Hulsttenftrahe 6, von 3-9 Uhr abends. A. Voigt, Wiesensirahe«l—«9.«. Warnst,»olbera-rstra»- 7, von«-7 Uhr abend».— Nur für Jnvaiidttäl«- und AUersverstcherun»: F. Blume, StreUtzerstr. 6S. P. m e t m a n n, Bellermannstr. 33. F. Trapp,«chulstr. 66, vo» 7—3 Uhr abend«, Zu, Nord- tstste»: Nur für Invalidität«- und AlterZverstcherung W. Moh«, Schönhauser Allee«». Zm vsten: Nur sür Invalidität»- und«ltertverstcherung-«.Bader Gr. Franlsmterstr. 3«, v.« Tr. Zm Küd- Msteu: Für Unfall., Invalidität«- und AlterSverstcherung: s ch a l t h 0 s f. Michaelkirchstr. 18. ?»> Küde»: Für Unsall-, Invalidität»- und Altir»verstcherung: F. Stügel e r, GUirnnstrabe 39.— Nur für Invalidität«- und AlterSverstcherung P. Keller, Samphaufenstr, s. Zm Süd-N'rften: Nur sür Unsallvtrstcherung: G. Sänel, Solmsstr.««. Zm Nord-Uteste»: Nur sür unsallverstcherung: Z.Kraul«, WUSnacker- strahe'». N. Stephan, Lesstngstr. 3t. Zm Zentrum: Nur sür Unsallversicheruna: S. Lössler, Klofterstr.»l, Bei säumilltchen vorgenannten Personen, bei denen hier letne Sprechzett an: gegeben, ist dteselbe Wochentag« von 7—» Uhr. Eingelaufene Druckschriften. Bon der„Neuen Zeit"(Stuttgart, I. H. W. D t e tz'«erlag)«st soeben da« so. Hest d>» 16. Jahrgang» erschienen. Au« dem Inhalt heben wir hervor: In politischen Feiien.— Probleme de« Sozialismus. Bon Eduard Bernstein. 6. Die sozialpolitische Bedeu-ung von Raum und Zahl.— Acht Tage in Holland. Bon W. Lieoluecht. III.— Explosionen in Steinrohlengruben. Ein« Frage der Grubenventilatio». Bon H.Möller.(Schlub.)— Roltzen: Di« Haltlosigkeit des Erfurter Programms.— Feuilleton: Die Brillanten des Kardinals. Er- iählung von Minna«au'iky. ,»,ia»» Hraet«. Zemraidlatt für Sozialpolitik".(Berlin, Carl Heymann'S geclag)-nthält in ihrer neüesten Nr. 99 solaenden leitenden Aussatz: Zur Verabschiedung de« neuen deulschen Haudsi«- Gesetzbuches. Bo» Dr. zur. M. Quarcl.— Unternehmergeivinn und Arbeitslohn an Betspielen aus der Praxi». Bon R. E. May.— Geheime Arbeiterstatistil in deutschen Staats- betrieben.— Arbeilsvethalinifse auf latserlich deutsche» Schistswerflen. Per- Handlungen de« Reichstages— Arbeit«- und StcherheltSverhäuntsse der Berg- leute in Westeuropa.— Lohnperhältnisse städtischer und staatlicher Arbeiter in den Bereinigten Staaten.— Paternitäls- Feststellung in Frankreich.— Städtische vorrsbibliotb-r unb Lesehalle nach modernen Grundsätzen in sthar loUenburg.— Städtische Elellrizitätswerke in Deutschland.— Untersuchung ösfentlicher Gebäude aus Feueraefährlichkelt tn Dresden.— Grundstüclsumsatz- und»rundsteuer tn Berlin.— Normalplan für städtische«erwaltungsderichlc. — Zulassung der Frauen als Zeugen bet NotariatSalten w. in Frankreich.— Stanfttl verlassener Arbeilersrauin tn Brüssel.—«angreß der sranzöstschen Eisen bahn-Bedienstete».— Gewerlschaften und Bereinsgesetz tn Preuben.— Abschassung der Nachtarbeit im holländischen Bäcleraewerbe.— Handelsgehilfen- Schutz für Oesterreich.— Unsallverstcherung für Belgien.— U-bernahme de« Heilversahrens durch die BerusSgenofsenschaslen.— Die würtlcmbergische Steuerreform. Bon Dr. El. Heih.— Forlbtldungs-Debatte im preußischen Abgeordnetenhause.— Britische Gesellschasl gegen grausame Behandlung von Kindern. Zur N-kor« de» N»il>tnr-Straspr«>el7«s. Ein Wort zur Austlärnng de» deutschen Bolle« über die aus dem Gebiete des gegenwärtigen Militär- Strasäerichls-Bersahren» herrschenden Mißstände. Aus gruno eigener Er- lebnisse von einem Sachverständigen, dem Pfarrer Eamillo Gräfe in Arn«seld im Erzgebirge, ehemaligem Divisionspsarrer tn Dresden.— Bsrlag von E. E. Kästner, Annaberg im Erzgebirge. 60 Seiten. 60 Ps, Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet Montags, Dienstags Freitags irnd Sonnabends, abends von 7—8 Uhr statt. Oranienburg. Wir haben Ihre Zuschrift dem Genossen Mahle, Prinzenstraße 8, überwiesen. F. T. 74. Sie können Ihre Meldung vorläufig ohne Geburtszeugnih machen und an die Militärbehörde tun Rückgabe sowie an die lirchlichen Behörden um Ausstellung des Zeugnisses den Antrag richten. Weigert sich die kirchliche Behörde abermals, Ihnen ein vollständiges Zeugniß zu er- thetlen, so können Sie Beschwerde einlegen.— H. 118. Solche Berechtigung besteht.— Sch. Beleidigungsklage ist zulässig. Die Höhe einer Strafe läßt sich nicht voraussagen.— Ivo I. P. Das können Sie machen, wie Sic wollen. Schülcr-Ronneburg. Schriftliche Antwort zu ertheilm müssen wir ablehnen. 1. Der Hohe»ach sind die Alimente nicht gesetzlich sixirt. 12,50 bis IS M. bis zum vollendeten sechsten, 15—18 M. von da ab gelten als angemessen. 2. Am 1. Januar 1900. 3. Ja.— R. W. 10. 1—3. Nein. — 91. Z. Br. Ein Urthcil behält seine ZwnngsvollftreckungSkraft 30 Jahre lang. Gegen die Erben ist das Urthcil vollstreckbar, nachdem aerichtsseitig die Bollstreckungöklausel auf die Erden umgeschrieben ist.— Adalbertstr. 8. Sie müssen sich auf der Polizei, falls Sie vermiethet haben, ein Anzeige- formular über Aufnahme von Schlaflenteii geben lassen(kostet nichts) und dasselbe ausgefüllt innerhalb einer Woche nach Ausnahme des Schlafgastes der Polizei zurückgeben, dann prüft die Polizeibehörde die Schlasräume(sie müssen mindestens je 3 Quadratmeter Bodenflächc und 10 Kubikmeter Lustrnum auf den Kopf haben mid nitt Abtritten in keiner offenen Verbindung stehen) und ertheilt Ihnen eine Bescheinigung, die Sie aufbewahren müsse».— P. R. Charlottcnburg. Ist uns nicht bekannt. — I. G. Grabow. 1. Nein. Die Klage hätte räum Aussicht auf Ersolg. 2. Der Anstrengung einer Prtvatllage wegen Beleidigung muß ein Sühne- termin vorangehen, ivenn Beleidiger und Beleidigter an demselben Wohnort wohnen. Der Beleidtacr ist vor den Schiedsmann des Bezirks zu laden, in dem er wohnt. Fällt der Siihnetermin fruchtlos ans, so ist die Be- lcidtgungsklnge beim Amtsgericht zu erheben. Diese Beleidtanngsklage muß spätestens innerhalb drei Monaten noch Kemitntßnahme von der Beleidigung eingerelcht sein. 3. Die einfache wörtliche Beleidigung ist mit Geldstrafe bis zu 000 M oder mit Haft oder mit Gefäuguiß zivischen einem Tage und einem Jahre, die einfache thätliche, sowie die öffentliche Beleidigung ist niit Geldstrafe bis 1500 M. oder mit Gefängniß von einem Tage bis zu zwei Jahren bedroht. Strafhöhc läßt sich also nicht voraussagen.— Sozialisti- scher Student. Der Austritt aus der Landeskirche erfolgt durch Erklärung des Austritts vor dem Amtsrichter des Wohnorts des Austretenden. Der Austrittslustige hat zunächst einen Antrag, seine AustrittSerklänmg aufzu- nehmen, an das Gericht zu senden. Sodann erfolgt die AustrittSerllärung selbst zu gerichtlichem Protokoll innerhalb vier biS spätestens sechs Wochen nach Eingang des Anttags aus Aufnahme der Austrittserklärmig- Svittcrniistsiibersicht l>o», LS. April 1807. Sveilkt-Prostuose für Freitag, de» L3. April 1807. Vielfach heiler, am Tage etwas ivärmer bei schwachen westlichen Winden; leine erheblichen Niederschläge. Berliner W e t t« r b u r« a n. Heute Morgen 8 Uhr starb nach langem, schweren Leiden unser lieber Gatte, Bater und Schivtegervater, der Buchdrucker Otto Wcndt im 43. Lebensjahre. Die Beerdigung findet Sonntag Nachmittag 5 Uhr von der Leichenhalle des Jakobi-Ktrch- Hofes aus statt. 1ö58b Berlin, den 22. April 1897. Die trauernden Hinterbliebenen. Allen Freunden, Bekannten und Verwandten die traurige Nachricht, daß unser lieber guter Mann und Vater, der Tischler.&«»«:»> ittTäciijre noch langen schweren Leiden am Mut- woch, den 21. April, im städtischen Krankenhaus im Fricdrichshain sanft entschlafen ist. Um stilles Beileid bittet Frau Hartha Zeus»- nebst Kindern, Mutter und Geschwistern. Die Beerdigung findet am Sonntag Nachmittag um 4 Uhr vom Kronken- ha? uimFriedrichShain aus statt. s155gb A.chtuiix;! Achtung t Infolge der bei mir eingetretenen Preiserhöhung des Rasirens und Haar- schncidenS ist der Lohn deS bei mir beschäftigten Gehilseu sofort vorläufig um 20 pCt. erhöht worden. Friedrich Bach, l1S47b» amtl gcpr. Heilgch., Am Ostbahnhof 3. ■Will» er«dort. Erkläre hiermit das mir fälschlich Gesagte, die Wilmersdorfer n. Schöne- bergcr Maifeier-Kommisston erhielten von dem Lokalbesitzer des Seeschlößchcn für den Tag des 1. Mai freie Station, welches von denselben in Abrede ge- stellt wird, für unwahr. 1054b »Uiugeuherx. Saal fttm 1. Mai an Bereine zu vergeben. Yerelna- zimmer für Gesangvereine und zu Sitzungen stets zu haben. ___ Aunenstraße 16. Reines Roggenbrot sowie Frühstück 5 St. 10 Pf.(auch frei ins Haus) empf.®. Pfeiffer s Bäckerei, Soldinerstr. 12. 1053b Eine gut etnger. Tischlcrwerkstclle »itt 4 Hobelbänken, guter Kundschaft ist billig u. Preiswerth sofort zu verk. Schöneberg, Hohenfriedbergstr. 20. kadrrad fvottbtllia. I spottbillig. 1 Tr., an mttsämmtl. 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Heirath auf Probe. Friedrich- Wilhelmstadtisches. Trilby. Residenz. Ein angenehmer Gast. — Associss. Zllexanderplatz. Im Kampf ums Dasein. Belle-Alliance. Der Kaufmann von Venedig. Ostend. Aus der Millionenstadt. Bolls. Geschlossen. Apollo. Spezialitäten. Parodie. Lumpe-Gastfpiel: Emma von Falkenstein. Passage-Panoptikum. 32 Mädchen aus Samoa. Sckillev-Theslkev Freitag, abends 8 Uhr: Der letzte Tag. Banernchre. Der ein- gebildete Kranke.- Sonnabend, abends 8 Uhr: Der letzte Tag. Baucrnehre. Der eingebildete Kranke. Volks-Theater Z-l. Rcichcnberger- Strafte 34. Pferdebahnstation: Kottbuser Thor. DM- Bis zum M. Mai:-»ß Gefitzlossen. Sonnabend, den IS. Mai 18S7: Eröffnung der Sommer- Saison. 1. Neu-Anfftihrung der Gesangsposse: Auf eigenen Inßen von E. Pohl und H. Willen. Bor der Borstellung: Gr. Garten- Konzert._ Ostend-Theater. Gr. Frankfurterstr. 132. Dir. E. Weift. Heute und folgende Tage: Ans der Millionenstadt. Volksstück mit Ge- fang in 5 Akten von Fritz Schäfer. Musik von G. Steffens. Anfang 8 Uhr. Sonntag, nachmittags 3 Uhr, zu halben Kasienpreisen: Preeiosa Thalia-Theater. (vormals Adolph Ernst-Theater). Heirath auf Probe. Posse niit Gesang in 3 Akten nach T. Gerö von B. Buchbinder und Fr. Reimer. Bearbeitet von Jean Kren und Gust. Görst. Musik von Leopold Kuhn. Morgen u. folgende Tage: Heirath auf Probe. Sonntag, nachmittags 3 Uhr, bei er- mäßigten Preisen: Frau Lieutenant. Apollo-Ikester. Friedrichstr. 218. Dir. I. Glück. SlaxWalrten. Fratelll Casncll. Anna Kralik les Darto. Dibb u. Bobb. Fantaaka Linda. Trio Decock. 5 Sisters Lorrlson. Mondain Quartett. Dell' Oro. Jnli« Karsa. Lea Tourbillons. mit den Achahmn ij.Ceiiteiiarstltt Kaffener�fnung tUA Uhr Jlnf. 71'. Uhr. der Sommer-Saison. Welt-Restaurant Tarl�t6- und Hpexlulltüten- Theater. Dresdenerstraftr 97. Nord nnd Süd! Liederspiel von lStekard Vkiel«. Hauptrollen: rati»« Rionde.— Walter Kröning. Rudolf Sefaanss.— Kaz Röwer. Otto Wandt. Im vorderen Saal täglich: kirn»««« �vnstler rrei-Noniert. Anfang: I Entree: Wochent. 8 Uhr. I Wochentags 20 Pf Sonntags 8 Uhr.| Sonntags 30 Pf. Concordia Variete-Theater Hrnnnenstr. 154. Cirosse Theater- und Spezlalltttten-Vorstellnnji;. Groftartiges April- Programm! Renk«rand Attraktion. Gebr. Forr6, Jnstrumentalist. Neu! Hertha L-orenzi, brillante Kostümsoubrette. Knospe und Stengel. Posse in 1 Akt. Anfang Wochentags 71/, Uhr. Sonntags 8 Uhr. Umtausch- Billets haben Äiltigkeit. Hl>Snis Tanben- Strasse 01«111», Ufo. 48-49. Naturkundliche Ausstellung täglich geöffnet von 10 Uhr vorm. ab. Eintritt S« Pf. Wifsenfchaftl. Theater abends 8 Uhr. T�I»l'NwKFtü�'"'��ei«str. 57/62 sb 1 i- L N«b N 1 1 k Lehrter Stadtbahn- hos. Täglich von 7r/z Uhr abends ab SO Pf. Jul Theater- Saale täglich 8 Uhr abends Vorträge, mit Experi- mente» u. gr Lichtbildern ausgesiatlet. Näheres die Tagcsanschläge. Passage- Panopticum. Nur noch kurze Zeit! 22 Mädchen aas Samoa. Castan's■■ Panopticum. ix. Pygmäen die kleinsten Menschen der Welt! Damen-Wettschivimme». Lumpe-Gastspiel Farodietheater, Oranicnstr. 52: Emma von Falkenstein oder: Tie eingemauerte Nonne. Sonnabend, den 24. d. M., zum I.Male: Trilby. Anfang 8 Uhr. 162<)b Feen-Palast,„Ä Direktion Winkler A Fritbel. Wiederholung der so erfolgreichen Dster-Test-Vorstellung des neu engagirten Htinstier-Fersonali� ÜM- Riese»- Programm.-WC Die urkomische Operette Km schivarzes Wiegenkiiltl unter Mitwirkung v. W i l h. F r ö b e l. 4,ebende Fhotoirraphien von der Centenar- Feier. Endlich allein! Anfang 71/2 Uhr. Entree 30 Pf. sind nur iwch bis inkl. 30. April Miliar Varletä- n. SpeziailtiUen- Theater I. Ranges. Dresdenerstr. 52/53(City-Passage) Annenstr. 42/43. Vornehmster Familienaufenthalt. Direktion: Richard Winklcr. O. bleib bei mir! Liederspiel in 1 Akt. Familie Barsikow. (4 Personen.) Phänomenale Parterre- Akrobaten. Neu! Bie kleine Bombe. Neu! Schwank in 1 Akt. Durchweg neues Spesialitäten- Programm. sollte Niemand versäumen bei Bedarf Brunnenstr. 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Neanderstr. 16, Helm. 8 ophastoffe auch in Rips. Damast, Crepe, Phantasie, Gobelin und Plüsch spottbillig! ' Proben franko!"WM "SifnWt TÄIS" Berlin S., Oranienftr. Nr. 158. Emil lettre, Freie Volksbilhne. Sonntag, den 25a April, nachm. 3 Uhr, 3. Vorstellung im Belle- Alllance-Theater, Belle-Alliancestr. 7/8, für die lila Abtheilung(graue Karten). Der Kanimann von Venedig _ von W. Shakespeare. Beginn der Yerloosung der Plätze um 2 Uhr."WM I*- Die Monatshefte von Dr. C. Schmidt, welche den Theaterzettel mit enthalten, sind nur in den Zahlstellen ä IO Pf. zu haben.' PF" va während der Sommermonate eine 1Y. Abtheilung nicht eingerichtet wird, werden alle Beflektanten ersucht, sich bis spiitestens zum 24. April in einer Zahlstelle fÜr dlC III. Ab' theilung eintragen zu lassen. Diejenigen Mitglieder, welche die Vorstellung der I. oder II. Abtheilung versäumten, können die Vorstellung am 25. besuchen. Desgleichen die Mitglieder, welche die Vorstellung noch einmal zu sehen wünschen, falls sie in ihrer Zahlstelle eine Marke ä 60 Pf. lösen. Am 9., 10. und 23. Mai gelangt für alle 3 Ab- theilungen voraussichtlich zur Aufführung Die Mütter � G. Hirschfeld. Der Vorstund. I. A.: G. W i n k 1 e r, Kassirer, Eixdorf- Berlin, Kirchhofstr. 46, II. 231/1 Neue freie Volksbühne. Sonntag, den 25. April, nachmittags 2V2 Uhr, im Friedrich- Wilhelmstädt. Theater, Ehauffeestr. 25: koSMSR'SkvIM. Schauspiel in 4 Allen von Henrik Ibsen. Di« Berloosung der Plätze beginnt um IV2 Uhr und werden die Mit- glieder ersucht, recht pünktlich z» sein. 150/14 Im Mai kommt voraussichtlich zur Ausführung: „Ueber unsere Kraft."-ch-mpiel von I. Bjorns-n. rsuerei Stralau 13488*] Dr. W. Frentael. Wir empfehlen unsere IM" vorzüglich eingebrauten Biere:"VB Lagerbier(goldfarben) Versandbier M Mchnn Art) Saazerbräu(nach Pilsener Art) in««biadcii and Flaschen(letztere ohne Pfand). Ausschau!! der Dmerei Stralau. Allen Vereinen, Gewerkschaften, sowie allen alten Freunden und Kunden unseres idyllisch schön am Rummelsburger See gelegenen neu renovirten SommcrlokalS mit groftem Garten(Raum für ca. 5000 Personen), 2 neue» Kegelbahnen, gröfterem Tanzsaal, Kaffeeküche:e., Sport und Ruberböten._ m- zur gefälligen Nachricht,'MU daß wir die Ockonomie übernoniuien haben und schon jetzt Be- stcllungen auf sommersestc und ähnliche Veranstaltungen entgegen- nehmen. Achtungsvoll Birkholz& Mittag. Deutscher Holzarbeiter-Verband (Zahlstelle Berlin). Heute, Freitag, abends 8V2 Uhr. bei Cohn, Beuthstrafte 29/21: Sitzung der Ortsverwaltung. m7 Branche der Einsetzer. Sonntag, den 25. April, vorm. 11 Uhr, bei«rosae, Annenstr. 16; WM" Versammlung."3�1 Tagesordnung: Der Streik bei Bittag-Cottbus. Die Einsetzer der Firma werden ersucht, in dieser Versammlung zu erscheinen. Montag, den 2«. April, abends 8V. Uhr. bei Keller, Koppenstraße 29; |J0P" General-Versammlung. Tages-Ordnung: Kassenbericht vom 1. Quartal. Bericht des Vorstandes, der Bezirks- leiter und der Werfftatt-Konlrollkommission. Bericht des Arbeitsvermittlers Bericht über die Brandenburger Konferenz. Wahl einer Agitations- kommissivn für die Provinz Brandenburg. Berbandsangelegenhciten. USF" Nur bei Vorzeigung des Mitgliedsbuches Eintritt.-9ß _ Die Ortsverwaltung. Mdikung» Zimmerer! Verein der Zimmerer Berlins und Umg. SteiUSral-V ersammlimg IM- am Sonntag, den 25. April 1897, vormittags 19 Uhr,"ME in Cohn'» Festsälen, Beuthstrafte 20/21. Tages-Ordnung: 1. Abrechnung vom 1. Quartal 1897. 2. Vortrag deS Schriftstellers Schulz üller: Die Prügelpädagogen. 3. Wahl der Revisoren. 4. Vereins. anaelegenheiten.— Um pünktliches Erscheinen bittet dringend 257/15 Der Vorstand. I. A.: E. O b st. Berein der graphischen Arbeiter u. Arbeiterinnen Deutschlands (Filiale«erlin I). Sonnabend, den 24. April 1897, abends 8V2 Uhr, int Englischen Garten, Alexanderstraste Nr. 27 c: General-yersammlung. Tagesordnung: 1. Geschäftliches und Kassenbericht. 2. Jahresbericht der Verwaltung. 3. Neuwahl der Verwaltung und der Revisoren. 4. Verschiedenes. RB. Mitgliedsbuch legitimirt. In aubetracht, daß diese Versammlung eine»ehr wichtige ist, ist es Pflicht alle» Mitglieder zu erscheinen. 97/9«_ Die Verwaitung. Zentral-Kranken- u. Sterhekasse der Zimmerer (E. H. Nr. 2 Hamburg) Oertliche Bertvaltung Berlin. Dienntag, den 27. April, abend« 8V, Uhr, bei Cohn, Beuthstraße 21: W�Mitglieder-Bersammluna.�M Tages-Ordnung: 1. Abrechnung vom 1. Quartal 1897. 2. Innere Kaffenangelegeicheiten. Mitgliedsbuch legitimirt. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. 259/9 Der Vorstand. _ I. A.: A. Gruse, Barnimftr. 41a. lenlrslserhsnd der Töpfer u. Ziegler DeutscbK Filiale Berlin. Tonntag. den 25. April 1897, vormittags IO Uhr, im Lokale deS Herrn ROUlg, Rosenthalerstrafte 11/12: Genera l- Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Wahl des Vorstandes. 3. Verschiedenes. Um reges und pünktliches Erscheinen ersucht 195/13 Der Vor«, fand. Achtung! Verband der Sattler und Tapezirer. Sonnabend, den 24. April 1897, abendS 9 Uhr: Kmbmrte Msliebersersamillluilg der WM 1,£,3iU im Englischen Garten, Alexanderftr. 27 e. Tages-Ordnung: 1. Bericht über die Generalversammlung. 2. Neuwahl des Zentral- Vorstandes und des.Ausschuffes. 3. Regelung der Arbeits- Vermittelimg. 4. Verschiedenes. 156/9 Nur mit Mitgliedsbuch versehene Mitglieder haben Zutritt. Die Ortsverwaltung. ZMtdWche, Verein deutscher Zchuhmscher� ziliale V. Versammlung 185/19 Sonnabend, den 24. d. M.. abends SV,«Hr. Nosenthalerftr. 57. Vortrag des Genossen Wagner über: Volksbildung und»lassenbewusttsein. Dinihlniwkrlier-KrMMUe für Berlin und Umgegend. Eingeschriebene Hilfstasse Nr. 118. Sonntag, den 25. April er., vormittags 19 Uhr, bei Hoffmann, Alexanderftrafte 27 c: Mitglieder« Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Abrechnung des Kassirers vom 1. Quartal 1897, sowie Revifions- bericht. 2. Stellungnahme zum Aerztevettrag. 3. Wahl eines HilfSkasstrers für Moabit. 4. Innere Kassenangelegenheiten. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet.— Mitgliedsbuch legitimirt. Der Borftand. F.«.: Heinrich Metzle, SberSwalderftr. 19._ 261/8 Rnmmelsbnrg. Stralau. Sonntag, den 25. April 1897, nachmittags 2 Uhr:'VQ Oener al- V er Sammlung* des sozialdemokratischen Vereins bei»trohme�er, Markgrafendamm. Tages-Ordnung: 1. Abrechnung vom 1. Quartal 1897. 2. Bericht des Bibtiothekars. 3. In welchem Verhältnisse stehen die Steuerleistungen der Grundbesitzer zu denen der Miether? 4. Kommunale Angelegenheiten von Stralau und RummelSburg.— Mitgliedsbuch legitimirt.— Neue Mitglieder werden aus- Bollzähliges Erscheinen der Mttglieder erwartet genommen 8/6 Der Borftand. Stmbtiid: Reßn-Lttws! Brenner& Cie., -• Alte Jakobstrasse No. 57—59.«- Berliner Ressource, 57. Kommandanten« Sonntag, 2. Maiy u. Sonnabandp Strasse 57. 1616b 8. niai9 noch zu vergeben Telephon ■Amt IV, 9675. Berantwortlich-r Redakteur: Robert Schmidt in Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th.«locke in Bert™. Druck imb Beriaa von Mar«ndrn» ch.Berlm.