« Q Aß*a taiihk r Einzige unabhängige Tageszeitung Veuiichlands ^r. 181 2. Jahrgang Saarbrücken, Mittwoch, den 8. August 1934 Chefredakteur: M. B r a u n TZeue IntscheiduiiQ des Vöt= kecbundes ü&ec die Saac!- Van Max!Bcaui t Seite 3 Die QceueCntäcchen des De. Jahann mn£eees Seite 7 KMM icüale" S(a«KsslrctcH Die Lüge des 1. August und die Welt Berlin, 7. August, den widerlichsten Mitteln des nationalsozialistischen ^'olksbetruges hat es von jeher gehört, verlogene Behauptungen solange zu wiederholen, bis sie als Wahrheiten hingenvM- wen werden. Mit das schlimmste, was aus diesem Gebiete Geleistet worden ist, ist der niederträchtige Mißbrauch des Zegrisfs„Legalität". Hitler ist„legal" zur Macht gelangt, verfassungswidrigen und rechtbeugenden Gesetze sind -'legal" erlassen worden, die Morde vom 3i>. Juni und 1. Juli u»d„legal". Und nun ist, NM allem die Krone auszusetzen, auch der Staatsstreich vom l. August„legal"; so legal, daß das samose Nachträgliche Plebiszit nicht etiva angeordnet ist, um ihn nachträglich zu legalisieren, sondern nur, um wieder einmal festzustellen, daß„die Nation geschlossener als je hinter dem Führer steht" lwvbei sicherlich schon heute die Vorbereitung Uetrofscn ist, wieviel Neinstimmen höchstens gezählt werden dürfen, damit die Feststellung in überwältigendem Maße Gelingt). Dag die nationalsozialistischen und gleichgeschalteten Zeitungen des„dritten Reiches" die„Legalität" eines Kabinettsbeschlusses, der einen Grundpfeiler der Deutschen Republik, de» ans Zeit vom Volke gewählten Reichsprü- f'denten, einfach beseitigt und den jetzigen Reichskanzler zum lebenslänglichen Reichspräsidenten ernennt, mit eiserner Stirn vertreten, ist nicht überraschend. Daß aber sogar die ernsthafte Presse des Auslandes dazu neigt, die„Legalität" dieses brutalsten Staatsstreichs der Weltgeschichte im Hin- blick auf das Ermächtigungsgesetz vom März 1933 anzucrken- Uen, zeigt, wie nötig es ist dem Legalitätsschwindel de? »dritten Reiches" immer wieder die Maske fortzureißen, selbst auf die Gefahr hin. Selbstverständliches zu sagen. Der Schwindel beginnt mit der Behauptung, daß Hitler legal zur Macht gelaugt sei. Tatsächlich ist durch bösartigste Znlrigen und Lüge». die wahrscheinlich noch durch sehr wirk- fame erpresserische Drohungen gegen seinen Sohn verstärkt worden sind, der in seiner Willenskraft bereits außerordent- lich geschwächte Reichspräsident von Hindenburg im Januar lllgg dazu bestimmt worden, Hitler die Kabinettsbildung zu übertragen. Von diesem Augenblick an ist nichts, aber auch aar nichts legal geschehen. Nicht nur, daß die Reichstags- wählen, die das ncugcbildete Kabinett ausschrieb, durch rechswidrige Versammlungs-, Rede- und Zeitungsverbote 'n der ungeheuerlichsten Weile beeinflußt worden sind: der damals gewählte Reichstag ist überhaupt nicht zusammen- getreten, da ein Teil der gewählte» Abgeordneten, ins- besondere sämtliche Mitglieder der kommunistische» Partei, zu seine,, Sitzungen nicht eingeladen worden ist- Was sich in der Krollopcr versammelt hat, war kein Reichs- tag, sondern ein Rumpfparlament, das ebensowenig gültige Beschlüsse fassen konnte, wie etwa ein statt vor- schriftsmäßig mit fünf nur mit vier Richtern besetztes Ge- richt Recht sprechen kann. Schon deshalb ist das Ermäch- tignngsgesctz unzweifelhaft nichtig, und alle aus Grund seiner ergangenen Gesetze sind Machtaktc ohne Legalität. Es kommt hinzu, daß das Kabinett Hitler-von Pape»-Hugenbcrg, dem der sogenannte Reichstag die Ermächtigungen erteilt hat, längst nicht mehr existiert, nachdem Pape» und Hugcn- berg ausgeschieden sind und durch de» Massenzug national- sozialistischer Großkrippcnjäger— Goebbels, Darre, Heß, Röhm, Ruft— im Laufe der Zeit die ursprüngliche politische Zusammensetzung völlig geändert worden ist. Diese Deduktion ist so zwingend, daß es erübrigt, ans Einzelheiten einzugehen. Nur eine Frage: gibt es wirklich einen vernünftigen Menschen, der glaubt, daß selbst die . Mehrheit des Rumpfparlaments, das im März 1333 dem Ermäch.igungsgesetze zugestimmt hat, und bei der sich neben den Nationalsozialisten doch immerhin noch Mitglieder aller bürgerlichen Parteien befanden, Herrn Hitler einen Freibrief ausstellen wollte, Deutschland bedingungslos dem Nationalsozialismus auszuliefern, seine politischen Gegner der Freiheit und des Vermögens zu berauben, das Par- lament abzuschaffen— der jetzige„Reichstag" ist Hur noch ein nationalsozialistischer Parteiausschuß, dessen Mitglieder aus Volkskosten Diäten und Freikarten erhalten—. die Rechtspflege in ihr Gegenteil umzukehren, seine und seiner Spießgesellen Rachegelüste durch Morde en gros und cn detail zu befriedige» und schließlich durch das„Gesetz" vom 1. August sich Befugnisse anzueignen, um die ihn die ruf- fischen Zaren des siebzehnten Jahrhunderts hätten beneiden können? Das allcS wird die Trabanten des„dritten Reiches" nicht hindern an ihrem Lcgalitätsschwinbel festzuhalten. Aber die übrige Welt sollte ein für alle Mal diesem Schwindel das Ohr verschließen und sich klar machen, daß Hitler und Lcga- lität zueinander passen wie Pape» und Gesinnung oder wie Schacht und Eharaktex oder wie Professor Earl Schmitt und Rechtsgewissen oder,«m es unpersönlich auszudrücken, wie Massenmörder und christliche Nächstenliebe. Keidiswchrgencral über Rölims Ermordung Der, geborene Verschwörer Sdileidier" wollte Verständigung mit Frankreich and wurde ermordet, wie er Beziehungen zu iranzösisdien Politikern anknüpfte... Es ist bekannt, daß zu den Allergetrcucstcn Hitler? in der Reichswehr der General v o n R e i ch e n a u gehört, Ehef des Minisleramts im ReichSwehrministerium. Jetzt ver- öfsentlicht im„Petit Journal" Stanislaus de la Roche- foucauld eine Unterredung mit ihm. General von Reichen«» enthüllte, ohne daß es ihm ver, mutlich bewußt war. das Geheimnis des 33. Juni. Er er- klärte, der Reichskanzler habe sein Wort gehalten, als er !>cn Versuch Röhms, die TA. in die Reichswehr einzu- «lieber», im Keime erstickt habe. Darum also ist Röhm ermordet worden! f^tan vergleiche die Bemerkung dieses Generals mit den ^eußerungen Hitlers im'Reichstage vom 13. Juli, und man blickt wieder einmal in den Abgrund von Lug und Trug, der b'c Welt nicht mehr überrascht. Reichenau sagte wörtlich: »Wir lieben Hitler, weil er nch als wahrer Soldat gezeigt bat. Die Wehrmacht bewundert ihn wegen seines persön- wichen Mutes. Unsere Treue zur Regierung ist unbegrenzt. Wir stehen geschlossen hinter dem Führer und schätzen an feiner Seite besonders den General G ö r i n g, der mit feiner unerschütterlichen Treue zum Führer die Fähigkeit eines Staatsmannes verbindet." Man sieht, daß hier ein getreuer Fridolin spricht. Der Tod seines früheren Kameraden Schleicher hat ihm zwar -THmerz bereitet", aber, so jagte General von ReiHenau weiter, Schleicher sei ein geborener Verschwörer gewesen. Bei einem ehemaligen Reichswehrminister sei der Gedanke unverständlich, mit Hilse der SA. wieder an die Macht kommen zu wollen. Schleicher habe Verbindungen zu Röhm unterhalten. Aber nicht nur das: er habe ernstlich aus Frankreich gehofft, das ihm seine Regierungsaus gäbe erleichtern sollte. Reichenau sagte dazu:„Ich bezichtige keineswegs Ihr Land, ich sage lediglich, daß Schleicher auf Frankreich rech- nete. Der Gedanke ist traurig, daß Offiziere so leicht die Eigenschaften ihres Berufes in der Politik verlieren können. Im Falle Schleicher war das Unglück, daß er vergaß, Gc- horsam sei und bleibe erstes militärisches Gebot." Viel klarer ist damit nicht geworden, was man Schleicher vorwirft und jetzt die Begründung zu seiner Ermordung mit seiner Frau abgeben muß. Er hatte diplomatische Be- zichungen zu französischen parlamentarischen»reisen an- geknüpft, bestimmt nicht,«m sich die Hilse Frankreichs beim Sturz Hitlers zu sichern, sonder» nm die Möglichkeit einer späteren außenpolitischen Verständigung mit Frank- reich zu prüfen. Das also war der„Hochverrat". General von Reichenau ist„gehorsam", wenn er auch genau das gleiche tut, was er Schleicher vorwirft, nämlich Politik betreibt. Er hält cö durchaus in der Ordnung, daß seine Fortsetzung siehe Z, Zeile Die östcrrcidrsdie Sphinx Vor Ueberreichung einer Note in Berlin Von unserem Wiener Korrespondenten Die Wiener Regierung hüllt sich in Schweigen. Dieses Schweigen ist geradezu unheimlich und es erinnert an die Haltung der'allen österreichischen Regierung in den Tagen nach dem Mord von Serajewo. Damals, wie heute, hatten die offiziellen österreichischen Stellen Material ge- sammelt, um die Schuld der Drahtzieher des Attentats festzustellen. Die Schuld Hitler-Deutschlands an den blutigen Ereig-# nissen in Oesterreich steht außer jedem Zweifel. Hitler selbst hat dies indirekt durch die Abberufung des deutschen Gesandten in Wien, Rieth, und insbesondere durch die Absetzung des sogenannten Landesinspek- tors Habicht zugegeben. Wenn München wirklich nicht das eigentliche Ver- schwörernest gewesen wäre, von wo aus der Putsch vor- bereitet wurde, so wäre doch wirklich kein Anlaß gewesen, diesen Habicht Knall und Fall in die Wüste zu schicken. Aber unabhängig von diesen Handlungen der Hitler- Regierung sind die Feststellungen, die bisher von der Wiener Regierung in bezug auf die Vorbereitungen des Putsches gemacht wurden, so belastend für das„dritte Reich", daß sich der neue„Oberste Kriegsherr" und seine Regierung der Verantwortung nicht entziehen werden, mag Lügen-Goebbels noch so sehr versuchen, sich aus der Affäre herauszudrehen. Zunächst sei nochmals daran erinnert, daß einige Tage vor der Ermordung des Bundeskanzlers Dollfuß die Schweizer Behörden zwei aus Deutschland kommende österreichische Legionäre verhaftet hatten, bei denen im Kahn größere Mengen von aus Deutschland st am wenden Spreng st offen gefunden wurden. Die Schweizer Bundesregierung hat sogar wegen dieses Sprengstoffschmuggels bei der Berliner Regierung scharfen Protest erhoben. Ferner haben die österreichischen Behörden, wie es scheint, einen guten Fang in Kollerschlag, dicht an der deutschen Grenze, gemacht, wo sie einen Beauftragten der Münchener Verschwörer- zentrale, der bei sich chiffrierte Anweisungen trug, sestge- nommen hatten. Die Wiener Behörden haben dann die größte Aufmerk- samkeit auf die Alpine Montangesellschaft, die ihren Sitz in Steiermark hat, gerichtet. Gerade vor- gestern hat die Bundesregierung einen Kommissar für sämtliche Unternehmungen dieses Konzerns ernannt. Die Alpine Montangesellschaft, deren Generaldirektor App- hold schwer belastet und verhaftet ist, ist ein deutsches Unternehmen. Wie wir bereits kürzlich berichtet haben, ist Generaldirektor Vögeler von den Vereinigten Stahl- werken AG. der Mann, von dem dieses österreichische Unternehmen im Grunde genommen abhängig ist. Eine Reihe von leitenden Angestellten und Ingenieuren der Alpinen Montangesellschaft waren an der Aufstandsbe- wegung in Steiermark an führender Stelle beteiligt. Einiger dieser Angestellten sind teilweise deutsche Staats- angehörige und sind erst vor kurzem aus Deutschland zur Alpinen Montangesellschaft versetzt worden, so daß zu- mindest der Verdacht besteht, daß bei diesen Versetzungen nicht kaufmännisch-technische, sondern rein politische Momente eine Rolle spielen. Gestern ereignete sich ein Vorgang, der neuerdings die deutschen Behörden schwer belastet. In Alb im Salz- burgischen wurden bei Haussuchungen 120 Stielhandgranaten reichsdeutscher Herkunft gefunden und im Zu- sammenhang damit neun Nationalsozialisten verhaftet. (Wie im übrigen das deutsche Publikum über die öfter- reichischen Ereignisse informiert wird, geht beispielsweise aus der Tatsache hervor, daß die„Frankfurter Zeitung" die Meldung bringt, ohne jedoch zu erwähnen, daß die Stielhandgranaten reichsdeutscher Herkunft sind und daß es sich bei den verhafteten Personen um National- sozialisten handelt.) Alle diese und nach viele andere Umstände, insbesondere aber die offene und systematische Verhetzung der öfter- reichischen Bevölkerung durch den deutschen Rundfunk werden die Wiener Regierung veranlassen, Schritte zu unternehmen, um in Zukunft'dem Nazi-Spuk ein Ende zu machen Wie man in den offiziellen Wiener Kreisen über das Verhältnis zu Deutschland denkt, geht aus einer sehr beachtenswerten Erklärung, die soeben der öfter- reichische Propagandaminister, Oberst Adam, abge- geben hat, hervor. Er sagre unter anderem: „Eines ist klar: nach all den beklagenswerten Gcscheh- »issen seit dem März 1983 wäre die rein formale Schlich- tun» der Gegensätze zwischen Oesterreich und Deutschland ungenügend. Es kommt nicht nur aus die theoretische An- erksnnung dxr Unabhängigkeit»nh hxs staa tlich^ Eigen- i IckenS Oesterreichs an» sondern vor allem darauf» daß jede «orailsche und materielle» mittelbare oder unmittelbare untctbufht^rgiernngsseindlicher BevölterungSkreise Sei der Nachricht über die Ermordnung des Bundes- Kanzlers Dollfuß ist das Wort„Serajewo" nicht zufällig gefallen. Die Erklärung des Obersten Adam offenbart mit einer furchtbaren Deutlichkeit, daß heute, wie vor zwanzig Iahren, über Europa das Gespenst von Serajewo kreist. Damals, wie heute, wurden von österreichischer Seite ähnliche Erklärungen abgegeben, in denen ebenfalls auf die moralische und materielle Unterstützung der Verschwörer außerhalb der österreichi- scheu Grenzen hingewiesen worden war. Was wird uns geschehen? Langsam wird das Geheim- nis um Wien gelüftet. In diplomatischen Kreisen wird erklärt, daß die neue österreichische Regierung Schusch- nigg-Starhemberg an die Hitler-Regierung ganz bestimmte Forderungen stellen wird, und zwar bevor s i e sür Papen das Agrement erteilt. Die stets wohlunterrichtete„Times" behauptet, daß vor allem drei Forderungen an die Hitler-Regierung gestellt werden, nämlich die Auflösung der österreichischen Legion in Deutschland, die Einstellung jeder Art Propaganda gegen das fetzige österreichische Regime und die Abschaffung der 1l)0l>-Mark-Steuer für deutsche Besucher in Oesterreich, die als eine der Wiener Regierung feindliche Maßnahme bezeichnet wird. Voraussichtlich wird die österreichische Regierung eine entsprechende Rote in Berlin überreichen lassen. Ob diese Note, wie einst das berüchtigte öfter- reichische Utimatum in Belgrad, einen ultimativen Charakter tragen wird, darüber läßt sich heute noch nichts sagen. Jedenfalls wird aber dem kommenden österreichischen Schritt in Berlin durch das Zusammenziehen der italienischen Trup- penamBrennerdererforderlicheNachdruck verliehen. Europa steht vor schwerwiegenden, in ihren Auswir- Kungen unübersehbaren Ereignissen. Es ist aber nach Lage der Dinge und bei den bestehenden Kräfteverhält- nissen, trotzdem heute in Deutschland der Wahnsinn regiert, demit zu rechnen, daß Hitler, wie so oft in außenpolitischen Fragen, auch diesmal nachgeben und so seine österreichischen Freunde verraten wird. „Faschismus bedeutet Krieg"— diese Parole der internationalen sozialistischen und kommunistischen Bewegung ist heute kein Schlagwort mehr, sondern eine grausame, furchtbare Wirklichkeit Der deutsche, öfter- reichische und der italienische Faschismus, sie alle drei bedrohen heute den Frieden Europas. Die Rädelsführer verschwunden Wien, 7. August. Zu de» unmittelbar vor den, Abschluß stehenden Untersuchungen über die Hintergründe des Putsche« vom 23. Juli melden die Blätter: Es steht fest, daß zwischen den Urhebern des Ueberialles und den Ausfüh- renden eine lange Kette von Mittelspersonen eingeschaltet war. Die unmittelbaren Leiter waren keineswegs Holz- weder, Planetta und Hudel, die nur mit bestimmten In- struktionen vorgeschickt wurden. Als wahrer Letter kommt ein Wiener Rechtsanwalt in Betracht, der wieberholt als Verteidiger von Nationalsozialisten ausgetreten ist und in der Nacht auf den 2li. Juli flüchte» konnte. Als zweiter kommt ein früherer leitender Funktionär der National- sozialistischen Partei in Wien in Frage, ein Oesterreicher, der, um sein Inkognito zu decken, sich verschiedentlich der Decknamen Klaus und Kunze bediente, bei der Aus- rüstung der Aufrührer in der Turnhalle anwesend mar und das Besteigen der Lastautos überwachte. Er ist seitdem aus Wien verschwunden. Nach amtlichen Feststellungen betragen die Verluste der Aufständischen etwas über 100 Tote. Gefangen genommen wurden 0100 Personen. Nach Tüdslawien geflüchtet sind aus Kärnten etwa 700. Tannenberger lag Die Beisetzung Hindenburgs— Hitlers Reichstagsrede Heber Hitler-Teutschland rollt eine Trauerwoge. Heute wurde mit allem militärischen und zivilen Pomp Hinden- bürg in Tannenberg zur letzten Ruhe geleitet. Die deutsche Presse und die amtlichen Nachrichtenbüros berichten feiten- lang über den demonstrativen Prunk, der in seltsamem Gegensatz zu den Nöten und Sorgen des deutschen Volkes steht. Wir sind wert davon entfernt, die Repräsentation abzulehnen, mit der ein großes Volk historische Persönlich- ketten umrankt. Aber man hat de» Eindruck, daß dieser Pomp den Nebenzweck verfolgte, von den gehäuften Schmie- rtgkeiten des Hitler-Tustems abzulenken und unter Massen- ausmärschen, Fahnengewoge, Trommelivirbeln und Laut- sprecherschall die Raben zu verscheuchen, die die Hakenkreuz- standarteu umwehen... Die Tannenbergkundgebungen waren„großartig". Tele- gattonen in unendlicher Reihe, Vertreter aller Mächte, blitzende Uniformen. Das unbestreitbare Organisations- und Propagandatalent entfaltete vielseitige Möglichkeiten. Dabei fand die Beisetzung des alten Mannes in Tannen- berg gegen den Willen des Toten selber statt, der sich im Einvernehmen mit seiner Familie gewünscht hatte, auf dem kleinen Friedhof in Neudeck die letzte Ruhe zu finden. * Ter Beisetzungsseierlichkeit ging am Montag die Trauer- sitzung des„Reichstags" voraus. Hitlers Gedächtnisansprache mühte sich, in Anwesenheit des diplomatischen Korps um einen einigermaßen ivürbigen Ton. Manchmal aber brach sich das bekannte Schreien aus den Bezirken der Hysterie an den Wänden der ungezählten Lautsprecher. Serien von Phrasen flössen auö dem Munde des„Reichsführers", als ob er sein ganzes Leben lang den Toten geliebt und ihm ge- huldigt hätte. Vor zwei Jahren stand er mit Hindenbura im Wahlkampse UM die Reichspräsidentenschaft. Damals vräatc Hitler das denkwürdige Wort:„Hiudenburg ist über «0 Jahre alt. ich erst 43 Jahre. Ich habe also ZeU.- Heute tut Hitler so, als sei er von unsäglichem«chmerz erfüllt über den Tod des Mannes, den er damals in eine nahe poli- tische Rechnung eingesetzt hatte. In der Trauerknndgebung des Reichstages sah man übrigen« auch den Vizekanzler von Pape«. Bei allen Ein- geweihten erregte seine Anwesenheit viel größeres Inter- esse als die Rebe Hitlers, deren Text schon vorher der Presse vorlag. Fortsetzung von Seite 1 Führer und Oberbefehlshaber alle diejenigen sozusagen präventiv ermorden ließ, die vielleicht einmal als seine Nach- sotger in Betracht gekommen wären Die übrigen Aeußerungen des Generals von Reichenau sind von geringem Belang. Er wünscht die Anerkennung der deutschen Gleichberechtigung Hand in Hand mit der srau- zösisch-deutschen Annäherung und fügt hinzu:„Es ist be- dauerlich, daß Frankreich kein Verständnis dafür ha:, daß das einzige Land, das ihm seine Sicherheit in Europa voll gewährleisten kann, Deutschland ist." Diese seltsame Arabeske wird in Frankreich wieber neues Mißtrauen her- vorrufen. Denn jeder kennt aus Hitlers„Mein Kampf" das Ziel der deutschen Politik unter dem„Führer": die Niederzwingung Frankreichs. ..VieleAnzeldien sprechen dafür" Die deutsche Diktatur und der Krieg Die„Basler National-Zeitung" schreibt:„Hiudenburg hat seinerzeit im Zusammenbruch vor einer Abordnung deutscher Schüler erklärt:„Und Ihr, meine lieben Primaner, werdet siegreich, wie die Väter waren, i« Paris einziehen. Ich werde es nicht mehr erleben, ich werde dann bei Gott sein. Aber vom Himmel herab werde ich dann aui Euch niederblicken und werde mich an Eueren Talen freuen!" Dieses Ziel schien dem verstorbenen Reichspräsidenten durch den Ausstieg des Nazismus leichter erreichbar, deshalb ernannte er Hitler, zu dem er persönlich und gefühlsmäßig ohne Brücke war. und alle Rüstungen, der Ruin des deutschen Staatshaushaltes, die Isolierung Deutschlands ivären unverständlich, wenn man nicht an- nimmt, daß Hitler die gleichen Ziele verfolgt. ES mag sein, daß der Krieg verzögert wurde durch seine Diktatur: denn er muß nun die Gleichschaltung vorerst schaffen und für diese Epoche sich eine durch FriedenSreben gedeckte Ruhepause sichern. Es mag sogar sein, daß dadurch der Krieg überhaupt ausgeschaltet wird. weil es unmöglich sein wird, jene Gleichschaltung zu erreichen und innere 2tö- rungen eintreten, die Deutschland unfähig zum Angriff machen. Niemand kann die Runen der Zukunft entziffern? für Frieden wie für Krieg lassen sich gute Gründe an- führen. Rur dies scheint gewiß: Gelingt die deutsche Diktatur, dann ivird der K rieg aus die Dauer unvermeidbar. Aber viele Anzeichen sprechen dafür, daß sie nicht gelingen wird." nwer- der beste Demokrat! Sein Interview mit der„Dailu Mail" Das gesamte Ausland beschäftigt sich mit dem großen In- terview, das der„Retchsführer" dem Sonderberichterstatter der„Daily Mail", Ward Price, gegeben hat. Aber die Presse, 'die Hitler hat, ist für Hitlers Friedensbeteuerungen nicht günstig. Die Ereignisse des 3 0. Juni haben den letz- tcn Nest des Zutrauens zu Hitlerdeutschland vernichtet, weil seitdem allen offenbar geworden ist, daß man es mit Macht- habern zu tun hat, die außerhalb jedes Rechtsbegriffs stehen und beim Abschluß von Verträgen kein Vertrauen verdienen. Di: entscheidenden Aeußerungen Hitlers waren an die Adresse der englischen Regierung gerichtet. Der sähe Stimmungsumschwung im englischen Lager, die scharfen Rc- den im englischen Parlament sind nicht ohne Eindruck geblie- ben. Aber mit seiner Einladung an England ha, Hitler ivie- der jenen Mangel an Instinkt bcioiesen, der alle solche Versuche immer wieder zum Scheitern verurteilt. Hitler sagte:„Germanische Nationen, wie die»nsrigc, sollten Freunde sein, schon allein durch die Macht des Instinkts- Die nalwiialsozialistische Bewegung würde einen Krieg zwi- schcn Deutschland und England als ein R a s s e v e r- brechen betrachten." Nichts erregt, wie man weiß, in Eng- land mehr Ablehnung und Gelächter als die Verstiegenheilen der Rassentheorie. Ein Appell an sie bringt den Engländern immer wieder den Unterschied zwischen„Urwald und Eu- rova" zum Bewußtsein. Noch deutlicher zeigte das eine Wendung Hitlers über die Frage der in seinen Händen vereinigten Machtfülle, die der Korrespondent auswarf. Hitler antwortete: „In jedem Jahre unterbreite ich meine Machtbefugnisse bei irgendeiner Gelegen- h e i t dem deutschen Volke. Dieses hat die Möglich- keit, sie zn bestätigen oder zu verweigern. Wir w> l d e Deutsche sind bessere Demokraten als andere Nationen. Der Korrespondent fragte: Er- halten Sie das vereinigte Amt des Staatsoberhauptes und Kanzlers aus Lebenszeit? Hitler erwiderte: Es wird dauern, bis eine nationale Abstimmung der jetzigen Regie- rung ihre Grundlage entzieht." Das ist offener Hohn. Die ganze Welt weiß, wie in Deutschland Abstimmungen aussehen. Ohne Presse-, ohne Versammlungsfreiheit, bedroht von Feme und Existenzver- nichtung! unter diesen Zeiche» soll das deutsche Volk frei entscheiden! Hitler als guter Demokrat— ein Korrespondent schrieb das auf, ohne eine Miene zu ver- ziehen, n»d die Welt soll es ernst nehmen. Schon die Tat- sache, daß der„Reichsiührer" dieses Interview ausgerechnet der„Daily Mail" gab, beweift, daß es iveniger politischen als sensationellen Eharakter trägt.„Daily Mail" gehört zum Rothermere-Konzern, dessen Millionenblätter zur politischen Willensbildung des englischen Volkes nicht im ge- ringstcn bettragen. Die Pariser Presse zerpflückt die Einzelheiten der Unterredung sehr brastisw- „Paris Ptidi" meint, Teutschland, das ohne Gold, ohne Krc- dit, ohne Rohstoffe sei, habe nur zwei Wege: es müsse sich mit der übrigen Welt gutstehcn oder es völlig zum Bruch kommen lassen. Für diesen Bruch scheine ihm die Zeit noch nicht gekomme n. Die Wirtschastozeitung„I n f o r- m a t i o n" stellt die Frage, ob Hitler eine Garantie dafür gebe, daß man seinen scheinbar ausrichtigen Worten auch ver- trauen solle. Er habe diejenigen, die ihm zur Macht ge- Holsen haben, beseitigt, und stütze sich auf die Reichswehr. „Hitler wechselt oft seine Sprache, und das ist beunruhigend. Das„Journal des Debats" vergleicht die Rede Hitlers mit den Frtedcnsmanövern während des Krieges, die immer dann einsetzten, wenn eine Offensive gescheitert sei. Goebbels macht den„Wahlkampf" Die Durchführung des Wahlkampse» znr Bolksabstim« mung am lS. August*984 liegt in den Händen der Reichs« propagandalcitung der RSDÄP. ver verbotene„SJfirmer" Roosevelt ist das beleidigte Staatsoberhaupt Wir berichteten gestern, daß Streichers„Stürmer" be« schlagnahmt und ans vierzehn Tage verVoten wurde mit der Begründung, daß er ein fremdes Staateoberhaupt beleidigt habe- Das in Frage kommende Staatsoberhaupt ist der Prä- sident der Vereinigten Staaten, Roosevelt. Der„Stür- mer" verösfentUchte einen Artikel„Ter Boykott deutscher Waren durch die Juden in den Vereinigten Staaten", als dessen Verfasser ein gewisser Leopold Habel zeichnete. Habel erklärte, daß Präsident Roosevelt elf Juden in seinem Ka- binett habe s!i. Er behauptete auch, daß Major Fiorello H. La Guardia aus Neuyork ein Jude sei. „Präsiden, Roosevelt ist kein Jude," sagt Habel, doch fügt J er hinzu:„aber alles um ibn herum ist jüdisch". Besonders s genannt wurden noch der Kriegsminister Der» und Marineminister S w a n s o n, die beide Juden seien. vle irtec rinnt... Wie der.innrer den jrensorgenden v&erüdien freund" und alle seine Desudier bespitzeln lies Montag um die Mittagsstunde sprach Hitler im Reichstag die Trauerworte sür den verstorbenen Reichspräsidenten. Jeder Politiker kannte den starken Gegensatz zwischen Hitler und Htndenburg, herrührend aus der Feindschaft vor der Machtergreifung, besonders aus den Zeiten Brünings und Schleichers. Um so widerlicher wirkten des Heuchlers Hit- ler komödienhaft vorgetragenen Worte der Ergriffenheit über das Hinscheiden des„treusorgenden väterlichen Frcun- des". Wie es in Wirklichkeit mit dieser herzlichen Beziehung bestellt war, deutet ein Artikel an, den die Pariser Zeitung „Excelsior" veröffentlicht hat und der auf Grund genauen Materials schildert, ivie Hiudenburg von Hitler und der Gestapo Görings beivacht und gleichsam gefangen gehalten worden ist. * „Bis zum März 1033 weigerte sich Htndenburg, Hitler ohne den Vizekanzler von Papen zu empfangen. Er erteilte ihm so eine Lektion, die allerdings kaum zog. Stach den Wah- len vom 5. März, die ihm die Mehrheit gaben, bestand Hit- lei daraus, allein empfange" zu werden. Der Marschall mußte sich beugen. Was konnten die Unterhaltungen der beiden Männer bedeuten? Man versichert, daß Hitler sich höflich benahm, sich jedoch systematisch weigerte, den Prä- sidenten über die Staatsgeschäite lausend zu unterrichten. Der alte Mann litt darunter außerordentlich. Ich habe mit eigenen Augen vor einigen Wochen ein Rundschreiben des Retchspropagandaministers an die gleichgeschaltete Presse ge- lesen, das folgendermaßen lautete:„Seit einiger Zeit strei- chen gewisse Zeitungen Htndenburg zum Schaden des Füh- rers heraus. Dieser Skandal muß aufhören: es ist so we- ntg wie möglich über Htndenburg zn veröffentlichen." * Letzten März übermittelte die Geheime Staatspolizei dem Staatssekretär Meißner eine Liste von Personen, deren Be- suche in Reudeck sie sür unerwünscht hielt. Auf dieser Liste standen Hugenberg und der alte Herr von Oldenburg-Ianu- schau, der intime Freund des Präsidenten. Meißner, ein ehemaliger Sozialdemokrat und Mitarbeiter Eberls, bangte um seine Stellung. Er führte die Befehle der Polizei aus und forderte lediglich, man solle dem Marschall doch erlau- ben, von Zeit zu Zeit seinen Freund Oldenburg zu ewp- fangen. Man gestattete ihm das, jedoch immer, wenn sich Oldenburg nach Neudcck begab, wurde er von Polizetbeam- ten überwacht. » Als Ostern Prinz Eitel Friedrich, ein Sohn Wilhem lt., der gerade ans Doorn kam, den FeldmarschaU besuchen wollte, wurde er höflich gebeten, hiervon Abstand zu neb- men. Die Geheime Staatspolizei hat im übrigen in Doorn einen Spionageposten eingerichtet: Kriminalinspektoren. die sich abwechseln, wohnen im Hotel Pabst. nur zwei Schritt vrm Schloß entfernt und überwachen das Kommen und Gt- hen des Kaisers. * Als der Konflikt zwischen dem„dritten Reich" und der>ro- tcstantischen Kirche ausbrach, schrieb Hindenbnrg an Hitler einen langen Brief, indem er ibn bat, die Verfolgungen der Geistlichkeit einzustellen. Dieser Brief blieb ohne Antwort- In diesem Sommer wollte sich nach der Papen-Rebe in Marburg der ehemalige Kavalleriegeneral von Sch. nach Neudeck begebe», um den Präsidenten über die Stimmung der alten Offiziere zu unterrichten.-Er wurde verhastet und in das Gefängnis nach Königsberg gebracht, wo er noch heute sitzt. Teni Präsidenten, der diesen Besuch erwartete, wurde gesagt, Herr von Sch. sei krank geworden. Der Nuntius ivollte Hindenbnrg an seinem letzten Mc- burtstag seine persönlichen Glückwünsche überbringen und ihn gleichzeitig über die'-orgen der katholischen Kirche t» Teutschland informieren. Um das zu vermeiden, richtete man es so ein. daß die Empfänge unter dem Vorwand, der alte Herr sei krank, abgesagt wurden." /f „Excelsior" berichtet zum Schluß noch, daß die an den Reichspräsidenten gerichteten Briete von der Geheimen Staatspolizei gelesen und daß zahlreiche Schreiben ihren Empfänger niemals erreich! haben. Die Saarabsfimmuna und die 2. Internationale Von Max Braun Tie Büro-Sitzung der Sozialistischen Arbeiter-Jnter- nationale, die am 3. und 4. August in Brüssel stattfand, hat sich restlos und einstimmig in der Frage der Saar- abstimmung hinter die Auffassung der Sozialdemokra- tischen Landespartei des Saargebietes gestellt. Sie lehnt wie diese eine Unterwerfung unter die Tyrannei Hitlers ebenso ab wie eine Angliederung an Frankreich, und sie stellt sich in bezug auf die B e i b e h a l t u n g d e r h e u- tigen Rechtsordnung auf den Boden jener Wünsche, wie wir sie wiederholt in Genf und bei den einzelnen Mitgliedstaaten des Völkerbundsrates ver- treten haben. Die Sozialdemokratische Landespartei des Saar- gebietes hatte der 2. Internationale ihre Stellungnahme in einem Expose dargelegt, das auf Vorschlag von Emil Vandervelde, dem früheren belgischen Außen- minister und belgischen Ratsvertreter, zur Grundlage einer Entschließung der Internationale gemacht wurde. In diesem Expose hat die Sozialdemokratische Landes- Partei des Saargebietes ihrer Meinung dahingehend Ausdruck gegeben, daß gemäß§ 35 Absatz a des Saarstatuts für die Beibehaltung der heutigen Rechtsordnung eine Verfassung und Verwaltung durch den Völkerbunds- rat geschaffen werden müsse, die eine Mitregierung der Saarbevölkerung.vorsehe. Es bedarf keines besonderen Hinweis darauf,- daß- die- ganz spezielle politische, ökonomische und soziale Situation der Saar eine gut ausbalancie'rte, den Interessen der Be- völkerung und des Gebietes ebenso wie den allgemein europäischen Interessen dienende Verteilung der Ge- walten zwischen den Orgaiuen des Völkerbundes und den demokratischen Organen der Saarbevölkerung genau so erfordert, wie dabei allen Versuchen einer Sabotage seitens der Gangster-Methoden des„dritten Reiches" und ihrer saarländischen Helfershelfer nach jed»r Richtung hin von vorneherein die entsprechenden Riegel vorgescho- den werden müssen. Ter§ 35 des Saarstatuts hat das bereits richtig formuliert, indem er verlangt, daß die neueinzuführende„Verwaltungsordnung den dauernden Interessen des Gebietes und den allgemeinen Interessen" angepaßt sein müsse. Die dafür erforderliche Abstellung und Abstimmung dieser beiden Interessen aufeinander wird der Angelpunkt für das Gelingen und Gedeihen des sogenannten Status quo sein. Dabei haben wir niemals aufgehört zu betonen, daß der Status quo für uns keine Ewjgkeitslösung bedeutet. Wir haben bereits einmal an dieser Stelle sehr eingehend dargelegt, daß sowohl juristisch auf Grund des Artikels 19 des Friedensvertrages wie auf Grund des praktischen Präzedenzfalles der deutsch-franzöfifchen Saaroerhandlungen von 1939 die Möglichkeit einer Rem- sion des durch die Abstimmung geschaffenen Zustandes, falls derselbe die Beibehaltung hex heqtigen Rechts- ordnung bedeutet, durchaus gegeben ist.. Wir haben nie Richard scheringer Von Allred Konlorowlcz Als im März 1931 der ReichSwehrleutnant Richard Scheringer, der wegen nationalsozialistischer Propaganda in der Reichswehr von« Reichsgericht zu ändert- halb Iahren Festungshaft verurteilt ivordcn war, seinen llebertritt in die kommunistische Partei bekannt gab, erregte diese Demonstration Aussehen. Ehemalige Ossiziere und nationalistische Aktivisten solidarisierten sich mit Scheringer? sie gründeten die Zeitschrift„Aufbruch, Kampiblatt im Sinne des Leutnant a. T. Scheringer". Der ersten Nummer, die im Juli 1931 erschien, setzten sie ein Motto aus den Schriften Lenins voran:„Machen wir die Sache des Volkes zur Sache der Nation. Tann wird die Sache der Nation die Sache des Volkes sein." * Er wurde 19f)4 in Aachen als einziger Sohn eines aktiven Offizier» geboren. Sein Vater fiel im Jahre 1915. Im Herbst 1922 wurde Richard Scheringer zum erstenmal verurteilt: von einem amerikanischen Militärgericht im besetzten Gebiet, weil er angeblich eine Angehörige der„Interalliierten Kom- Mission" geschlagen habe. Er erhielt zwei Monate Gefängnis für eine Tat, die er nicht begangen hatte. Seit dieser Zeit beteiligte er sich aktiv an den Kämpfen gegen die Separa- tisten. Er wurde zum zweiten Male— im Abwesenheitsoer- iahren— von einem französischen Kriegsgericht verurteilt, diesmal zu zehn Iahren Zwangsarbeit. Unterdessen holte er in Berlin seine Reifeprüfung nach. Noch vor dem Abitur wurde er Mitglied der sogenannten„schwarzen Reichswehr". Dann kam er als Offiziersanwärter zum Artillerie-Regi- ment Nr. ö in Ulm. Im Februar 19^-8 wurde er zum Leut- nant befördert. Im September 1939 stand er zusammen mit seinen Kameraden Ludin und Wendt vor dem Reichsgericht, weil er die Reichswehr im Sinne des Nationalsozialismus zersetzen wollte. Die jungen Offiziere schwärmten. Sie reisten herum, nah- men„Fühlung" und empörten sich gegen den Kastengeist der Osfizierskasinos. Den Sozialismus des Gefühls, der ihnen vorschwebte, meinten sie in der NSDAP, z» finden. Ihr stürmischer Ueberschwang wurde schon bei der ersten per- sönlichen Verbindung mit dem Braunen Haus ein wenig gedämpft, aber wa? ihnen mistfiel, hielten sie für notwendige „Taktik". Tie glaubten die ganze Partei von dem Geiste des Draufgängertums und des Idealismus beseelt. Darüber sprachen sie mit Kameraden. Einer hielt nicht dicht. Im März 1939 wurden die drei Offiziere verhaftet. Am 15. September 1939, einen Tag nach der sensationellen Wahl, die hundertsteben Nationalsozialisten in den Reichs- tag brachte, begann in Leipzig die Verhandlung gegen die Hochverräter. In einer Artikelreihe schrieb Scheringer:„Der Prozestverlauf bietet kein getreues Spiegelbild unserer damaligen Einstellung. Sie war viel radikaler... Wo immer sozialistische Gedankengänge oder allgemeine Sympathie- erklärungen zum Niedern Volk durchbrachen, da wurde der entstehende Eindruck von der Verteidigung geschäftig vermischt. Ich verweise nur auf die Auslage des Zeugen Ober, leuuuuu Geist. Er erklärte, das dem SoUmte» der Geim&U. aufgehört vorzulegen, wie sehr das Saarproblem ein Teilproblem einer endgültigen, aufrich- tigen und umfassenden d e u t s ch- f r a n z ö f i- sehen Verständigung war, ist und erst recht sein wird. Gerade deshalb wäre es sehr wünschen?- wert, wenn zu den oben gegebenen Garantien eine aus- drückliche Erklärung hinzukäme, die nach einer noch festzulegenden Frist auf Antrag eines in absoluter Freiheit zustandegekominenen Mehrheitswunsches der Bevölkerung eine Neuentscheidung durch den Völkerbundsrat in Aussicht stellte. Selbstverständ- lich kann, darf und soll damit für die Anschlußmethoden Hitlers ä la Oesterreich unter keinen Umständen irgend- eine Plattform ermöglicht werden. Wenn sich der Völkerbundsrat zu dieser oder ähnlicher Stellungnahme bereitsinden wird, wird er einen dop- p e l t e n Sieg davongetragen haben: den seiner zwischen- und überstaatlichen Idee und den des überwältigenden Vertrauens einer national eindeutigen Bevölkerung zu ihm in der Stunde der Not, die in besseren Tagen einst tausendfache Frucht für die europäische Einigung auf der Grundlage der deutsch-französischen dauernden Aus- söhnung tragen wird. Kien« Verhaftungen „Deutsche Front" an der Saar Im Zusammenhang mit der gegen die„deutsche Front" auf Grund beschlagnahmten Materials geführten Unter- suchung ist eine weitere Verhaftung erfolgt. Die Landes- kriminalpolizei hat einen Komplicen des Studienratcs Dr. Otto Reifet, de» Chaunffeur Schweizer festgenommen. Schweizer war bei der Firma Gebr. Hofer(Druckerei und Verlag der„Saarbrücker Zeitung") beschädigt. Der Verhaftete ist dem Obersten Gerichtshof in Saarlouis zugeführt worden. Auch er soll sich zu Spitzlerdiensten zum Nachteil saarländischer Beamten hergegeben haben. Haussuchung Beim„Saarbrücker Abendblatt". Montagvormittag wurde in de» Räume» des Saarbrücker „Abendblattes" eine Haussuchung vorgenommen. In seiner Samstag-Ausgabc hat das„Saarbrücker Abend- blatt" sich mit einem Geistlichen beschäftigt und dabei Schriftstücke zum Abdruck gebracht, von denen jeder sehen konnte, daß sie sich nur im Besitz dvr Behörde befinden können! Die Verordnung der Regierungskommission steht für Fälle von Beamtenbeeinslusiung bekanntlich schwere Strafen vor. Inwieweit die Gerichtsbehörden Grund haben werden, einzuschreiten, wird die nächste Zukunft ergeben müsien. Das„Saarbrücker Abendblatt" schweigt sich erstaunlicher- weise in seiner Montagausgabe vollkommen über die Haus- suchung aus. Nazi-Spionage an der Saar Wien, 7. August. Die offizielle„Reichspost" meldet, dast tn Saarbrücken eine Spionagczentrale der Nationalsozialisten aufgedeckt worden ist- Ihre Ausgabe war, die Stärke der französischen Truppen an der Saargrenze zu ermitteln- Die „Reichspost" schlickt daraus, da» die Nazis das Ziel ver- folgen, an der Saar einen Putsch nach dem Muster des Wiener Putsche« zu inszenieren. etwa aus Volksgenossen schicken zu müssen, furchtbar und un- gcheucrlich sei. Sofort unterstellte die Verteidigung, mit „Volksgenossen" seien nur Rcchtsverbände gemeint. Ge.st mußte mit erhobener Stimme noch einmal sagen, er habe nicht von Rechtsvorbänden, sondern von Volksgenossen ge- sprachen. Trotz allem brach die Wahrheit wiederholt hervor. Der revolutionäre Grundton ivar nicht zu übertünchen... Und deshalb wurden wir ja auch verurteilt." Während dieser Verhandlung kam es zu dem Legalitätseid Hitlers, der der Hitlerbewegung im Büg'gcrtnm sehr nützte. Der Mann war ja legal bis in die Knochen! Die drei Leutnants wurden zu je anderthalb Jahren Festungshaft verurteilt. Wendt und Scheringer kamen auf die Festung Gollnoiv in Pommern, Ludin als Badenfer nach Rastatt. In Gollnoiv saßen in jener Zeit etwa dreißig Kommunisten. Man diskutierte.„Natürlich gab es zuweilen auch kleine Reibereien." so berichtete Scheringer.„aber wir fanden uns immer wieder zusammen. Denn eines ivar bestechend an diesen Leuten: der Fanatismus, mit dem sie zu ihrer Sache standen. So etwas hatten wir bisher kaum kennen gelernt. Sic gehörten wirklich mit Leib und Seele der Revolution... Der Typus war unbestechlich, stahlhart und besessen von der Idee... Diese Menschen werde» nicht aufhören, für die Befreiung der Arbeiterklasse zu kämpfen, und wenn man sie in Stücke schlägt. Allmählich kamen Scheringer und Wendt Zweifel an der Echtheit des revolutionären Willens ihrer Parteiführer. Scheringer schrieb Briese an Goebbels? die Antworten waren nichtssagend. Ludin schrieb aus Rastatt? auch er zweifelte. Scheringer reichte Urlaub ein. Er wollte nach München ins Braune Haus. In Berlin ging er zuerst zu Goebbels. Sie fuhren gemeinsam nach München. Während der Fahrt fragte Scheringer:„Wie will man den» die ZinSknechtschäit brechen?" Goebbels antivortete:„Was heißt Brechung der Zinsknechtschaft? Brechen muß dabei nur. iver dielen Fed-r- schen Unsinn lesen muß. Wenn ich die Partei gegründet hätte, würde ich überhaupt kein Programm ausgestellt haben. Glauben Tie vielleicht, die SA.- Leute sra- gen nach dem Programm?" Im Braunen Hans konnte Scheringer nur schwer zu Hitler vordringen. Man wimmelte ihn ab, versprach ihm Ministerposten, Haupt- mannssterne im„dritten Reich". Seine Frage» nach dem Sozialismus, nach der Revolution wurden überhört. Endlich gelang es ihm, Hitler zu sprechen. Der fuchtelt mit seiner Reitpeitsche und weicht aus in allgemeine Redensarten.„E r redet nicht, sondern predigt. D e r F i e b e r g e i st des sterbenden Kleinbürgertums deliriert in i h m." Nach einer Weile beruhigt er sich. Er schwärmt von der Pracht de? nach seinen Ideen eingerichteten Braunen Hauses.„Sehen Sie, da muß ein Vorgeschmack des„dritten Reiches" sein, dieses HauS... Tie Bonzen sollen in ihren muffigen Regierungsräumcn vor Neid erblassen vor diesem Haus." Von Politik ist nicht mehr die Rede. Mit ein paar Phrasen wird Scheringer verabschiedet. Am 28. Februar war er wieder in Gollnoiv.„Kurz vor Mitternacht marschierte ich auf das Zuchthaus zu", schrieb er. „Dunkel liegt der Bau da— nur im Festungsflügel glänzen noch einige beleuchtete Fenster. Da studieren sie noch- die Kowmuni^en. Ich pleisc. Sruru^zur Frecheü." So macht man Mehrheiten „Saarabstimmung" am 19. August Saarbrücken, 7. August. Tie deutschen Sender haben an- gekündigt, daß die Saarländer an der„Wahl" des Staats- streich-Präsidenten am 19. August teilnehmen können. Sie sollen ihre Stimmzettel, nachdem sie den Wahlvermcrk ge- macht haben, als Brief nach Teutschland schicken. Diese Maßnahme ist als neues großes Manöver der Hitler-Regierung zu werten. Eine objektive Prüfung der „Wahlzettel" wird es nicht geben. Tie Beauftragten der Hitler-Regierung werden bestimmen, wie groß die Zahl der Saarländer sein wird, die für Hitler stimmt. Am Morgen nach der„Wahl" kann in Berlin erklärt werden, daß Hitler im Saargcbiet eine„überwältigende Mehrheit" erhalten habe, und diese in jedem Falle gefälschte Zahl wird dann in der Nazi-Saarpropaganda eine Rolle spielen sollen. Der saarländische Schlageter Mannheim, 7. August. Tie Nationalsozialisten haben die Absicht, den Schlageter-Rummel mit einer Lokalfarbe in daS Taargebiet zu tragen. Unter der Ueberschrift„Ter Tchla- geter deS Saarlandes" schreibt das„Hakenkreuzbanner": „Am 29. Oktober sind es 15 Jahre, daß welsche Rachsucht im Saarland mit uns Deutschen unbegreiflicher Brutalität einen deutschen Arbeiter mordete.. Am 29. Oktober 1919 siel Jacob Johannes in Saarbrücken unter den Kugeln französischer Soldaten... Dieser ausrechte deutsche Arbei- ter... war vor seiner Hinrichtung auf das schimpflichste gemartert worden." Das Blatt ruft dazu aus, ein Denkmal für Johannes zu errichten. Vle haben Sorgen! Der Film vom judenfreien Markt Dein deutschen Bauer geht es augenblicklich schlecht. Der Getreidecrnteertrag ist wesentlich geringer als im vorigen Jahre, und deshalb werden auch die Einnahmen der Bauern trotz Erhöhung der Getrcideprci'e wesentlich ge- ringer sein als im Vorjahr. Die Futtermittclcrntc ist ganz besonders schlecht ausgefallen. Der.Kleinbauer, der be kanntlich in der Hauptsache Abnehmer von Futtermitteln ist, kann sie bei den gegenwärtig enorm gestiegenen Preisen nicht erschwingen. Die Folge i st, daß die Land- wirte zu Massenschlachtungen von Bich übergehen. -3rs tut nun die nationalsozialistische Regierung, was tut insbesondere der sogenannte Reichsbancrnsührcr Darre, um die Not der deutschen Landwirte zu lindern? Seine Haupt- bcschäftigung besteht darin, den deutschen Bauer„auszu- klären". Wie macht er das? Hier ein Beispiel: In der„Bauernzeitung", Frankfurt a. M.» vom 29. Juli dies s Jahres lesen wir: „Lang-Göns(ein Film vom judenfreien Markt). Von dem Böckelmarkt in Lang-Göns wurde von der Abteilung Werbung der Landesbanernschaft ein Film gedreht, der am Sonntag, dem 29. Heuert, in der hiesige» Turnhalle vorgeführt wird. Der Film, der einen tiefen Einblick in das oberhessische Marktleben gibt, wird im ganzen Reich gezeigt werden." Nun könneii die deutschen Bauern ruhig schlafen. Sie brauche: weder daran zu denken, wie sie das teuere Futter beschasicn.»och sich darüber den Kopf zerbrechen, daß sie ihr Vie'- schlachten müssen. Denn die Lösung der deutschen Agrarkrise wurde ihnen im buchstäblichen Sinne dieses Wortes vor Augen geführt. Die Vieh- und G e t r e i d e m ä r k t e müssen lediglich„j u d e n f r e i" sein, und dann geht es den, deutschen Bauern w i e d e r g u t. So wird im nationalsozialistischen Staat oas schwerwiegende deutsche Agrarproblcm gelöst. Eine ganze Strophe durch.— Von oben kommt die Antwort: „Rot Front". Da weiß ich, daß sie gewartet haben, die— Genossen." Im März kam der kommunistische Reichstagsabgeordnete Kippenberger nach Gallnow. Scheringer teilte ihm den Ent- schluß mit, in die KP. überzutreten. Kippenberger warnte: „Sie müssen es sich überlegen. Wir haben keine Posten zu vergeben. Alles, was Tie bei uns finden werden, ist Gefahr für Leib und Leben. Ihnen droht Gericht und Gefängnis. Sic müssen bei uns mitkämpfen ivie jeder andere auch." Scheringers Entschluß mar uncrschiitterlich. In einem Briet, den Kippenberger im Reichstag verlas, sagte Scheringer sich öffentlich vom Faschismus los. Die Nationalsozialisten waren sprachlos. Die bürgerliche Presse sprach von„fügend- lichem Radikalismus, momentaner Verwirrung". Viele ehemalige Kameraden, Vorgesetzte, Nationalsozia- listen schrieben an Scheringer. Auszüge ans dieser Korre- sponbcnz wurden bald nach dem Erscheinen verboten und gaben den Vorwand zn eine», zweiten Hochverratsvcrsahrcn gegen Scheringer. Noch vor Ablauf der Festungshast wurde Scheringer in das Untersuchungsgefängnis Moabit gebracht und dort wegen „Verdunklungsgesahr" festgehalten. Er kam in eine„schwere Zelle". Im April 1932 stand der kommunistische Leutnant wieder vor dem Reichsgericht. Zum zweiten Male ist Präsi- dent Bannigarten sein Richter. Diesmal herrscht ein anderer Ton. Als Scheringer die Motiv« seines Entschlusses erklärt, unterbricht ihn der Vorsitzende:„Also Ar», in Arm mit Herrn Stalin, dem roten Zaren, wollten Tic das deutsche Volk befreien?" Scheringer antwortet:„Stalin ist kein„roter Zar"." Der Vorsitzende Höhnt:„Da fragt man sich nun: was hat dieser junge Mann gelernt, daß er das deutsche Volk er- wachen lassen will?" Scheringer antwortet stolz:„Dieser junge Mann hat gelernt, daß es keinen Ausweg gibt aus der Krise des Kapitalismus als durch die Revolution der Arbeiterschaft. Diese Ueberzeugung habe ich, und für diese Ucbcrzcngung darf man mich einsperren." Das Urteil lautete aus zivei Jahre sechs Monate Festungs- hast mit verschärftem Strafvollzug. In der Begründung hieß es:„Was waren die Motive der vorliegenden strafbaren Handlung? Nicht, wie das Gericht beim ersten Prozeß im September annahm: Vaterländische Betätigung? sondern diesmal ist der Angeklagte überall dabei, wo cS um eine revolutionäre Tat geht." Damit war vom höchste» deutschen Gericht zweierlei Recht offen zugestanden. Scheringer ist nicht amnestiert worden. Sein Freund Wendt, der zur„Schwarzen Front" gegangen war, wurde im„dritten Reich" totgeschlagen. Ludi». der bei Hitler blieb, erhielt eine» fetten Posten. Scheringer saß bis zuletzt. In einem Brief, den ich im Januar 1933 von Scheringer erhielt, heißt eS:„In meiner Amnestiesache haben sich die Herren vom Reichsgericht ein böses Stück geleistet... Ich bin jedoch der Meinung, daß diese Methoden ihre Wirkung völlig ver- fehlen." Sie haben ihn nicht unterkriegen können. Zuletzt hörte man von ihm im Winter 1934. Er war in Nürnberg erneut verhastet worden, weil er in einem Kino das Horst- Wessel-Lied nicht singen wollte. Seine alten Freunde ans der TA. haben ihn anscheinend wieder freigckricgt. Jetzt hat man die Gelegenheit benutzt. Unter den„Reaktionären", die der„Sozialist" Hitler»u killen für nötig befand, ist anch SchcrulüU. „Deutsche Freiheit", Nr. 181 ARBEIT UMD WIRTSCHAFT Saarbrücken, Jen 8. August 1934 Flaterialsdiladit ohne rsafcriai Betriebsstockungen in der deutschen Industrie— Keine Rohstoffe mehr ohne Vorausbezahlung— Der Weltmarkt lehnt deutsche Ersatzwaren ab— Vor der Einführung der„Kleiderkarte" Von Jan Severin Angesichts des katastrophalen Ergebnisses der deutschen Handelsbilanz für das erste Halbjahr 1934, die mit einem Einfuhrüberschuß von 216 Millionen Reichsmark gegenüber einem Ausfuhrsaldo von 291 Millionen Reichsmark für das erste Halbjahr 1933 abschließt, also eine Verschlechterung um weit mehr als eine halbe Milliarde Reichsmark in einem einzigen Jahre hitlerdeutscher Wirtschaftspolitik zeigt, ist die Beschaffung neuer Rohstoffe für die deutsche Industrie nunmehr tatsächlich zum Stocken gekommen. Devisen zu neuen Rohstoffkäufen stehen bei der Reichsbank nicht mehr zur Verfügung. Fast noch schlimmer ist die Tatsache, daß die Industrie auch nicht mehr in der Lage ist, die Wechsel, die sie den ausländischen Rohstoffverkäufern früher bei den Bezügen von Baumwolle, Wolle, Kupfer, Kautschuck usw. gegeben hat, einzulösen. Die Reichsbank teilt auf diese Devisenanmeldungen, die aus den früheren Verpflichtungen stammen, nur noch 5 Prozent zu. Die auf Dollar, Pfunde und Franken lautenden Wechsel können also von den Beziehern der Rohstoffe nicht mehr rechtzeitig eingelöst werden und gelangen bereits in Millionenbeträgen zum Protest. Es ergibt sich hieraus jetzt etwa folgende Situation: Diejenigen Unternehmungen, die nicht in der Lage waren, sich durch ihre Beziehungen rechtzeitig mit Rohstoffen zu versorgen, müssen schon jetzt zu Arbeitsstreckungen und zur Entlassung von Arbeitern schreiten. In verschiedenen Fällen, so besonders in der Textil- und der Metallindustrie sind bereits Stillegungen von Werken erfolgt, die noch vor wenigen Monaten kaum in der Lage waren, alle Aufträge, die ihnen aus den Rüstungsbestellungen zuflössen, auszuführen. Der andere Teil der Industrieunternehmungen bat zwar noch rechtzeitig Rohstoffe auf Vorrat gekauft, aber er kann sie jetzt nicht bezahlen, weil die Reichsbank jeweils nur 5 Prozent der verlangten Devisen freigibt. Der Kredit dieser Unternehmungen in den Rohstoffländern sinkt naturgemäß außerordentlich stark Das Ausland weigert sich bereits, Rohstoffe an deutsche Firmen zu liefern, wenn nicht gleichzeitig der volle Rechnungsbetrag in Devisen erlegt wird. Hierzu aber sind die deutschen Industrieunternehmungen, wie unter den heutigen Verhältnissen kaum näher dargelegt werden muß, nicht in der Lage. Die gesamte Rohstoffversorgung stockt also. Die Stillegungen von wichtigen Betrieben dürften sich bald mehren. Die freiwerdenden Arbeitskräfte zieht man zwar aus den Städten heraus und bringt sie bei der Landwirtschaft unter. Die steigende Arbeitslosigkeit wird aber auch auf diese Weise nur noch auf kurze Zeit verschleiert werden können, denn die Lage der Bauern wird immer schlechter und besonders nach Abschluß der Erntearbeiten dürften sie weder in der Lage noch bereit sein, eine wachsende Zahl städtischer Erwerbsloser durchzufüttern. Die Frage der Rohstoffbeschaffung wird also immer unlösbarer und gradezu zum Kernproblem der wirtschaftlichen und politischen Situation Hitler-Deutschlands. Hitler hat zwar in seiner letzten Reichstagsrede in seiner etwas primitiven Logik erklärt:„Alle diese Probleme werden wir mit unbändiger Entschlossenheit lösen, immer aus der Sorge heraus, unserem Volke in seinem Daseinskampf zu helfen." Die Antwort auf die Frage, wie man mit„unbändiger Entschlossenheit" Rohstoffe aus dem Auslande beschafft, wenn man keine Devisen hat und nicht einmal in der Lage ist, die vor Monaten bereits gekauften Rohstoffe durch ordnungsmäßige Einlösung der Wechsel zu bezahlen, ist allerdings unbeantwortet geblieben. Daß eine Lösung dieses Problems durch„Ersatz" unmöglich ist, gibt man heute teilweise bereits selbst zu. Als Verlegenheitslösung propagiert man neuerdings eine hunderttägige Materialschlacht, deren Aufgabe es sein soll, dafür zu sorgen, daß keine Rohstoffe überflüssig verbraucht werden. Durch eine solche Propaganda des Sparens werden aber neue Rohstoffe natürlich niemals beschafft. Im günstigsten Falle kann es gelingen, die in einigen Fällen für drei bis vier Monate ausreichenden Rohstoffvorräte noch um einen halben oder einen ganzen Monat weiter zu strecken. Dies versucht man besonders dadurch, daß man die Bevölkerung zum Kauf von Waren anrät, die aus Ersatzrohstoffen hergestellt sind. Es ist den Verkäufern beispielsweise verboten, Waren, die noch aus ausländischen Rohstoffen hergestellt wurden, dem Käufer getrennt von solchen Waren zu zeigen, die schon minderwertiges Ersatzmaterial enthalten. Troffdem leeren sich die Läger der guten, aus natürlichem Rohmaterial hergestellten Autoreifen, Metallwaren, Kleider usw. aulierordentlich schnell infolge der Hamsterkäufe. Das, was zurückbleibt, ist teurer, aber wertloser Schund. Ihn versucht man nach Möglichkeit an das Ausland zu verkaufen. Der Erfolg ist eine neue schwere Erschütterung der letzten noch verbliebenen deutschen Exportaussichten. Nach den Angaben deutscher Exportfirmen wird heute bereits jede an das Ausland abgegebene Offerte mit der Frage beantwortet, ob es sich nicht um Waren handelt, die schon aus„Ersoff" hergestellt sind. Selbst wenn das Gegenteil beteuert wird, sehen die ausländischen Interessenten meistens von der Bestellung ab, weil ihnen das Risiko zu groß ist. Die ganze sinnlose Reklame mit den Ersatzstoffen und der„unbändigen Entschlossenheit", mit der man die Rohstoffrage lösen will, wirkt sich also bereits immer deutlicher in ihren Folgen als eine Verstärkung des internationalen Boykotts gegen deutsche Exportwaren aus. Der Weltmarkt, der schon vollwertige deutsche Waren immer mehr zurückgewiesen hat, verzichtet jetzt vollends, wenn es sich um Fabrikate handelt, die möglicherweise aus diesen Ersatzstoffen hergestellt sein können. Ob es auf die Dauer möglich sein wird, das Inland zu zwingen, zu Preisen, die um 50 bis 100 Prozent höher liegen, Ersatzwaren zu kaufen, ist eine mehr politische Frage des„Durchhaltens". Nach dem bisherigen Verhalten der Bevölkerung, die ständig ihre Sparguthaben abhebt, um sich noch die letzten Vorräte an vollwertigen Waren durch Hamsterkäufe zu sichern, ist kaum anzunehmen, daß man selbst im Inlande mit der Propaganda dieser„Materialschlacht" Erfolg haben wird. Alles deutet vielmehr darauf hin, daß in fast noch höherem Maße als der„Kampf gegen die Miesmacher" dieser Materialschlacht die innere Abneigung das Regime verstärken wird. Obwohl grade in der Textilindustrie besonders große Mengen an Rohmaterial zur Vorversorgung eingekauft worden sind, dürfte doch anzunehmen sein, daß grade hier die Rationierung der vorhandenen Waren zuerst erfolgen wird. Die Vorversorgung hat sich nämlich in der Hauptsache nur auf Baumwolle erstreckt, während Wolle, Leinen usw. bereits sehr knapp sind. Selbst nach offiziellen Angaben rechnet man für das Jahr 1934 mit einer Unterversorgung der Textilindustrie gegenüber dem Vorjahre von mindestens 25 Prozent. Ein Ausgleich durch die erhöhte Heranziehung von Kunstseide, deren Verarbeitung bereits kontingentiert ist, dürfte ausgeschlossen sein. Aus diesem Grunde beginnt eine immer größere Anzahl von Spinnereien zunächst Kurzarbeit einzuführen, um Arbeiterentlassungen wenigstens vorläufig noch hinauszuschieben Von den Spinnereien dürfte sich diese Produktionsverminderung sehr bald auf die Webereien, auf die Konfektion usw. ausdehnen, so daß die Einführung einer „Kleiderkarte" wahrscheinlich noch im Herbst erfolgen dürfte. Die hunderttägige Materialschlacht dürfte also höchstwahrscheinlich durch die Einführung einer ganzen Reihe von Bekleidungs- und Ernährungskarten ihren Abschluß finden. Nad> der Schlacht gegen die Miesmacher und nach der Export- Schlacht wird hier zum dritten Maitz eine solche Wirtschaftsschlacht mit einer Niederlage des Regimes enden. Steigende ecldproduhflon Rußland an dritter Stelle Die Goldproduktion der Welt stieg nach den Schätzungen der Transvaal Bergwerkskammer von 23,9 Mi». Feinunzen im Jahre 1932 auf 24.55 Mi». Feinunzen im abgelaufenen Jahre. Diese Produktionssteigerung— nach den bisherigen Schätzungen sollte 1933 ein Rückgang eintreten, in Wirklichkeit ist der„Vorjahrsrekord" überboten worden— ist in erster Linie auf die Zunahme der Goldgewinnung Rußlands(Zunahme gegenüber 1932 990 000 Feinunzen), Australien(+ 238 076), Süd- und Nordrhodesiens (+ 64 580), Mexikos(+ 63 000), Japans(+ 63 000), der Goldküste(+ 57 580), des belgischen Kongos(+ 45 000), und Indiens(+ 5150) zurückzuführen. Die Ausbeute der größten Goldlagerstätten der Welt zeigte dagegen im letzten Jahre gegenüber 1932 eine Abnahme; so sank die Produktion Transvaals in der Vergleichszeit um 536 069 Feinunzen, die der Vereinigten Staaten um 355 274 Feinunzen und die. Kanadas um 117 382 Feinunzen. Durch diese Entwicklung rückt Rußland, welches die Ausbeutung seiner Goldvorkommen im Rahmen des zweiten Fünfjahresplans besonders steigerte, an die dritte Stelle unter den goldproduzierenden Ländern der Welt, die bisher von den V ereinigten Staaten eingenommen war. An weitaus erster Stelle steht aber, wie die folgenden Zusammenstellungen zeigen werden, nach wie vor die Südafrikanische Union, deren Goldlagerstätten im Witwatersrandgebiet der wichtigste Lieferant von Gold für die Welt ist. Erst in weitem Abstand folgen Kanada, die UdSSR., die Vereinigten Staaten und Australien. Anteil der einzelnen Lagerstätten an der Weltproduktion an Gold: Produktion Anteil an der 1933 Weltproduktion in Feinunzen in"/• Transvaal....»,» 11 017 495 Süd- und Nordrhodesien,, 645 086 Goldküste■ 336 362 Australien, Neuseeland, Neu-Guinea».« i i 1 137 639 Kanada 293« 618 Indien..■» i i•■ 334 725 Vereinigte Staaten<■■ i 2 152 726 Mexiko ciiiiiis 647 000 UdSSR. 2 490 000 Japan•■iiiisi 463 000 Kolumbien». i 373 696 Belgisch Kongo(Kilo Moto), 320 000 andere Gebiete 1 673 000 44,9 2.6 1,4 4.7 12.0 1.4 8.8 2.6 10.1 1.9 1.5 1,3 6,8 Nach den vorläufigen Zahlen über die Goldausbeute Transvaals in dcyi ersten sechs Monaten dieses Jahres und dem großzügigen Produktionsprogramm der Randminen zu urteilen, dürfte der Anteil der Südafrikanischen Union, die noch im Jahre 1931 über die Hälfte der Weltproduktion Ii«- ferte, wieder ansteigen. Dieser Anteil gestaltete sich in den Jahren seit 1887, dem Jahre der Aufschließung der Gold- vorkommen im Witwatersrandgebiet, wie folgt(Wert einer Feinunze— 4,24773 Pfd. St.): Weltproduktion Anteil Transvaals in Pfd. St. 1887»iiii 21 735 1888,,,,. 22 644 1889 i i■■■ 25 375 1890, i■■■ 24 421 1895■■■■ i 40 843 1900■■■•• 52 312 1905,,.,, 77 756 1910■■■■■ 93 332 1915..,., 97 218 1920, s i i• 69 739 1925,,.., 80 817 1930.iiii 88507 1931 a a■■ i 96 927 1932,.,,■ 101500 1933•• i•• 104 300 in°/a 0,8 4.3 5,9 7.7 21,0 2.8*) 26.8 34.3 39.7 49,7 50.4 51,4 47,7 48,4 44.9 Bei der Errechnung der Wertzahlen über die Weltgflld- Produktion sind die Zahlen über die Ausbeute in Rußland nur grob geschätzt, für das Jahr 1931 auf 1.5 Mi». 1 einunzen. *) Burenkrieg. Neue Werke in der Chemie und Metallurgie in USSR. Im chemischen Kombinat Berezniki hat die Salpetersäurefabrik ihren Halbjahresplan erfüllt. Im Industrie- revier O r s k, im südlichen Ural, ist der Bau des Haupt- Stollens eines kupfer chemischen Kombinats in Angriff genommen worden, das im ersten Betriebsjahr laut der Estrop- Information 1,5 Millionen Tonnen Kies liefern soll. Im physikalisch-chemiechen Laboratorium des ukrainischen In- stituts für experimentelle Medizin wurde auf künstliche Wege T i r o x i n hergestellt, das zur Behandlung von Stoffwechse.- erkrankungen verwendet wird. Tiroxin wird aus tierischer Schilddrüse gewonnen und das Verfahren der Herstellung stammt von Professor A s s und dem Chemiker S a w i t z k i i. lodternng Der Bankrott des ständischen Aufbaus Berlin, 6. August(Jnpreß.) Tie„Deutschen Führerbriese* die einem engen Kreis führender Persönlichkeiten ausgehändigt werden und die Politik der Schwerindustrie vertreten, de- grüben die„Lockerung der bisherigen Befehlsmethode" in der Wirtschaft.„Das bedeutet,* heißt es,„für die Praxis und für die nächste Zukunft, daß der ständische Ausbau und die Fragen des wirtschaftlichen, insbesondere des industriellen Berbandswesens an ausschlaggebender Bedeutung zurück- treten werden* und daß„eine überraschende Initiative, mit- unter in der Form der Befehlsausgabe und der Anord- nungen, ein Ende nehmen wird"... Es dünkt uns deshalb, auch abwegig, wenn die in Essen erscheinende„National- Zeitung" kombiniert, es werde nun einem schärferen sozialistischen Kurse in der deutschen Wirtschaftspolitik die Tür geöffnet werden. Krupp macht auch filme Beim Umbau beS gesamten Lehrfilmwesens im Reich, Nummer drei, der so angelegt wurde, daß diese ganz große Sparte der Filmbranche zum Monopol der Nazipartet gemacht wurde, wurde auch die„Ktnematograstsche Abteilung der Firma Krupp" in den Verband der„Deutschen Kultur-, Lehr- und Werbefilm-Hersteller(Lehrsilmbund) e. V." aufgenommen. Seltsame Filme sind es. die Krupp herstellt: wehrwissenschast- liche Ausbildungssilme für SA., ST., Reichswehr und sonstige militärische Formationen. Heber diese Tätigkeit des „Deutschen Waffenschmieds" schreibt die nazische„Lichtbild- bühne":„Die Kinematograftsche Abteilung der Firma Krupp kann aus eine mehr als zwanzigjährige Filmpraxis zurück- blicken, während deren st: sich vorwiegend auf dem Gebiete des Kulturfilms und des technischen Lehrfilms betätigt Hai. In jüngster Zeit trat sie durch die Herstellung führender Filme auf dem Gebiete des Gas- und Luftschutzes hervor. Ihre Einstellung zur nationaleli Erhebung findet ihren Nie- Vorschlag in dent von ihr hergestellten Tonsilm„Arbeit bricht Not. Arbeit schafft Brot", der von der Filmprüsstelle als staatSpolitisch wertvoll und volksbildend anerkannt ivurde und dessen öffentliche Alleinaufführung die ReichSpropagan- daleitung, Abteilung Film, übernommen hat." Seltsam ist es, daß die„Lehrfilme" der Firma Krupp»ich' öffentlich aufgeführt werden. „Urnlagerung" In dem Jahresbericht des Handelsattaches bei der eng- lischen Botschaft in Berlin heißt es über die„Arbeitsbeschas- fung" und„Wirtschaftsankurbelung" der Hitler-Regierung: „Das, ivas seit dem Beginn der neuen Regierung in Deutschland unter Beschäftigung verstanden wird, ist sehr verschieben von dem, was 1082 und in früheren Jahren Beschäftigung genannt wurde. ES ist in Wirklichkeit eine Um- lagerung im Unterstüsungssystem, wobei für eine schwere Arbeit wenig mehr als die Unterstützung bezahlt wird.* Deafsdicr Arftelterlnlet I» den weitesten Kreisen der Arbeiter und A n g e st e l l t e n. herrscht wahre Berzweiflungsflimmung. Die Deutsche Arbeitsfront w:iß nicht mehr aus noch ein: das Gesetz zur Reglung der nationalen Arbeit hat sich als vollkommener Fehlschlag erwiesen: die Verordnung zum Er- lab von Betriebsordnungen ist nur zum Teil in den rein staatlichen Betrieben befolgt worden- In der Zeilschrift „Arbeitertum", amtliches Organ der Deutsche» Arbeitsfront, schreibt der Reichsbetriebsgemeinschaftsleiter Piontek z. B. folgendes:„Ich habe durch ein Sonderrundschreiben einige tausend Unternehmer meiner Reichsbetriebogruppe darum ersucht, mir eine» Entwurf der künftigen Betriebs- ordnung zu Ubersenden, um mich über die Auswirkungen öeS Gesetzes zu informieren. Mindestens drei Viertel dieser Unternehmer haben eS vorgezogen, überhaupt nicht zu ant- worten. Das ist eine ganz besondere Art von Mut, die sich da offenbart. Bon dem letzten Viertel bekam ich zwar Ant- Worten, wirklich verwertbare Entscheidungen waren aber darunter nur in so verschwindend kleiner Zahl vorhanden, daß man sich wirklich fragen muß: wo ist denn der so hoch gepriesene Unternehmungsgeist der deutschen Industriellen geblieben. Es gibt eben unter den deutschen Unternehmern, und selbst unter einsichtigen Nationalsozialisten, nur eine Meinung darüber, baß Tarifverträge. Betriebsrätegesetz usw. unver- gleichlich besser waren, und man sehnt die Zeit herbei, wo es wieder wie früher wäre. I foeutsdke Stimmen• fäeih rufe zur„Deutschen&reifieit"« Ereignisse und Gesdti&ten :Ii... Mittwoch, a.n 8. A U9 u,t 1935- ®as Ende des Etasmus TJlocitat i\cn Stefan Zweig Aus dem Buche:„Triumph und Tragik des Erasmus von Rotterdam", das soeben erschienen ist. Ein sechzigjähriger Mann, müde und verbraucht, sitzt Erasmus in Freihuxg wieder hinter seinen Büchern, geflüchtet und zum unzähligsten Male vor dem Andrang und der Unrithe der Welt. Immer mehr schmilzt der kleine, Magere Leib in sich zusammen, immer mehr ähnelt das aerfaltetc, zarte Gesicht mit seinen tausend Runzeln einem ®ait mystischen Zeichen und Runen beschriebenen Pergament, u"d der einst an eine Auferstehung der Welt durch den Geist, •n eine Erneuerung der Menschheit durch erhobene Menschlichkeit leidenschaftlich geglaubt, wird allmählich ein bitterer, spöttischer und ironischer Mann. Schrullig wie alle »Iten Hagestolze, klagt er viel über den Niedergang der " isscnschaften, über die Gehässigkeit seiner Feinde, über die Tcuernis und die betrügerischen Bankleute, über den schlechten und sauren Wein; immer mehr fühlt der grobe Enttäuschte sich fremd in einer Welt, die durchaus nicht Frieden halten will, und in der täglich die Vernunft von der Leidenschaft, die Gerechtigkeit von der Gewalt gemeuchelt *'ird. Das Herz ist ihm längst schläfrig geworden, nicht aber die Hand, nicht aber das wunderbar klare und helle Gehirn, das wie eine Lampe stetigen und makellosen Lichtkreis verbreitet über alles, was in das Blichfeld seines unbestechlichen Geistes gerät. Eine einzige Freundin, die älteste, die beste, htzt treu ihm zur Seite: die Arbeit. Tag für Tag schreibt Erasmus dreißig bis vierzig Briefe, er füllt ganze Pandekten ruit den Hebert ragungen der Kirchenväter, er ergänzt seine Kolloquien und fördert eine unabsehbare Reihe ästhetischer «nd moralischer Schriften. Er schreibt mit dem Pflichtbewußtsein des Mannes, der an das Redet und die Pflicht der Vernunft glaubt, ihr ewiges Wort selbst in eine undankbare ^clt zu sagen. Aber im Innersten weiß er längst: es hat Leinen Sinn, in einem solchen Augenblick des Weltwahns Renschen zur Menschlichkeit aufzurufen, er weiß, seine hohe und erhabene Idee des Humanismus ist besiegt, alles, was er gewollt, alles, was er erstrebt, ist gescheitert. Der erhobene Traum eines sittlich geeinigten, eines europäischen humanistischen Weltreiches, er ist zu Ende, und der ihn für die Menschheit geträumt, er seihst, Erasmus, ein alter, ein müder Mann, einsam und ungehört, die Welt geht an ihm vorüber: sie braucht ihn nicht mehr. Aber Verhängnis seines Lebens, noch einmal— man kann es gar nicht zählen, zum wievielten Male— muß dieser ewige Nomade auf die Wanderschaft: für den, der den Frieden will, gibt es keinen Frieden! Noch einmal, mit fast "0 Jahren, flüchtete er plötzlich aus Heim und Haus. Ein inerklärbares Verlangen hat ihn überfallen, Freiburg zu verlassen, nach Brabant zu ziehen, der Herzog hat ihn dortbin berufen, aber im Tiefsten ruft ihrt ein andrer: der Tod. Eine geheimnisvolle Unruhe kommt mit einem Male über ihn. Der sein ganzes Leben als Kosmopolit, als bewußt Heimatloser verbracht, empfindet ein ängstlich liebevolles Verlangen nach heimischer Erde. Er will zurück, von woher er gekommen, eine Ahnung in ihm weiß, die Fahrt geht zu Ende. Aber er kommt nicht mehr ans Ziel. In einer kleinen Reisekutsche, wie sie sonst für Frauen bestimmt ist, hat man ihn nach Basel gebracht, dort will der alte Mann noch einige Zeit lang ruhen und warten, bis das Eis bricht und er mit dem Frühling nach Brabant in die Heimat fahren kann. Basel hält ihn fest, denn hier ist noch immer etwas geistige Wärme, sind noch immer einige, die von ihm wissen, Frohens Sohn, Amerbach und andre. Sie bereiten ihm eine Wohnung, sie nehmen ihn zu sich, und auch die alte Druckerei steht noch da, er kann wieder beglückt die Verwandlung des gedachten und geschriebenen ins gedruckte Wort mitleben, den fetten Geruch der Presse atmen, die schönen, klar gedruckten Bücher in Händen halten und mit ihnen, den schweigsam Sprechenden, den herrlich Friedfertigen, belehrende Zwiesprache führen. Ganz still und abgeschlossen von der Welt, zu müde, zu kraftlos schon, um das Bett mehr als vier oder fünf Stunden des Tages zu verlassen, verbringt er seine letzte Lebenszeit in innerem Frost. Er hat das Gefühl, vergessen zu sein und verfemt, denn die Katholiken werben um ihn nicht mehr und die Protestanten verhöhnen ihn, niemand braucht ihn mehr, niemand fordert sein Urteil und seinen Spruch.„Meine Feinde mehren sich, meine Freunde schwinden," klagt verzweifelt der Einsame, für den humaner geistiger Umgang das Schönste und Beglückendste des Lebens gewesen! ♦** Aber siehe, noch einmal klopft wie eine verspätete Schwalbe an die schon winterlich überfrosteten Fenster ein Wort der Ehrfurcht und des Grußes in seine Verlassenheit. „Alles, was ich bin und tauge, habe ich einzig von dir, und wenn ich dies nicht laut einbekennte, wäre ich der undankbarste Mensch aller Zeiten. Gruß und noch einmal Gruß, geliebter Vater, Vater und Ehre des Vaterlandes, Schutzgeist der Künste, unbezwingbarer Kämpfer für die Wahrheit." Der Name des Mannes, der diese Worte schreibt, wird den seinen überleuchten; es ist Rabelais, der im Morgenrot seines jungen Ruhmes das Abendlicht des sterbenden Meisters grüßt. Und dann kommt noch ein andrer Brief, ein Brief aus Rom. Ungeduldig öffnet ihn Erasmus, der Siebzigjährige, bitter lächelnd legt er ihn aus der Hand. Spottet man seiner nicht? Der neue Papst bietet ihm einen Kardinalshut an mit den reichsten Pfründen, ihm, der alle Stellen dieser Welt um der Freiheit willen sein Leben lang verächtlich gemieden. Mit Ueberlegenheit lehnt er die fast kränkende Ehrung ab. „Soll ich, ein sterbender Mann, Bürden auf mich nehmen, die ich zeitlebens vermieden habe? Nein, frei sterben, wie man frei gelebt! Frei und im bürgerlichen Kleid, ohne Ah- zeichen und Würden, frei wie alle Einsamen, und einsam wie alle Freien." Die ewigste, die treueste Freundin aller Einsamkeit und ihre beste Trösterin, die Arbeit, aber bleibt bis zur letzten Stunde mit ihm. Mit von Schmerz gekrümmtem Leibe, im Bette liegend und mit zittrigen Händen schreibt und schreibt Erasmus Tag und Nacht an seinem Kommentar zum Origenes, an Broschüren und Briefen. Er schreibt nicht um des Ruhmes mehr, nicht um des Geldes willen, sondern um der geheimnisvollen Lust willen, durch Durchdringung des Lebens zu lernen und durch Lernen wieder stärker zu leben, Wissen einzuatmen und Wissen auszuatmen; nur diese ewige Diastole allen geistigen Lebens, nur dieser Kreislauf hält sein Blut noch in Gang. Tätig bis zum letzten Augenblick, entflöchtet er durch das heilige Labyrinth der Arbeit einer Welt, die er nicht mehr anerkennt und versteht, eiper Welt, die ihn nicht anerkennen und verstehen will. Endlich tritt der große Friedensbringer an sein Bett. Und nun er nahe ist, der Tod, den Erasmus ein Leben lang so über alle Maßen gefürchtet, nun blickt der müde Gewordene ihm still und fast dankbar entgegen. Noch bleibt sein Geist hell, bis zum Abschied, noch vergleicht er die Freunde, die sein Lager umstehen, Frohen und Amerbach, mit den Freunden Hiobs und unterhält sich mit ihnen im geschmeidigsten und geistreichsten Latein. Aber dann, in letzter Minute, wie ihm Atemnot schon die Kehle würgt, geschieht ein Sonderbares: er, der große humanistische Gelehrte, der sein ganzes Leben lang nur Latein geredet und gesprochen, vergißt plötzlich diese gewohnte und ihm selbstverständliche Sprache, und in der Urangst der Kreatur stammeln die erstarrenden Lippen plötzlich das kindgelernte heimatliche„lieve God". Und dann noch ein Atemzug, und er hat, was er für die ganze Menschheit zutiefst ersehnt: den Frieden. Etich Tllühsams Sentenzen Als Motto eines Buches: „Gerechtigkeit für Max Höh!" Wer die Revolution verbreiten will, muß selbst offen Revolutionär sein. Um die Menschen aufzurütteln, muß er den Teufel im Leibe haben, andernfalls hält man nur Reden, die fehlschlagen, man bringt nur ein unfruchtbares Geräusch hervor, keine Taten. Bakunin. Wer aus großen Absichten fehlgreift, handelt immer lohenswürdiger als wer dasjenige tut, was nur kleinen Absichten gemäß ist. Man kann auf dem rechten^ ege irren und auf dem falschen recht gehen- Goethe. Die satten Leute vertreiben sich damit die Zeit, die hungrigen Leute von ihren Neigungen zu kurieren. Ich war schon oft bei Verhandlungen, aber ich habe noch nie erlebt, daß die Hungrigen über die Satten zu Gericht gesessen hätten. Gorki. Die heutige Gesellschaft verteidigt sich nur aus platter Notwendigkeit ohne Glauben an ihr Recht, ja ohne Selbstachtung ganz wie jene ältere Gesellschaft, deren morsches Gebülke zusammenstürzte, als der Sohn des Zimmermanns kam. Heine. Immer wieder wird die Erfahrung gemacht, daß der rote Schrecken harmlos und gutartig ist gegen den weißen. Aber jenen zeichnen die Geschichtsbücher durch die Jahrhunderte auf, über diesen gleiten sie mit verlegenen Redensarten Einweg. Ricarda Huch. Um recht zu tun in der Welt, braucht man nur sehr wenig Tu wissen, allein, um mit Sicherheit Unrecht tun zu können, muß man die Rechte studiert haben. Lichtenberg. Die Zivilisation und Gerechtigkeit der Bourgeoisieordnung tritt hervor in ihrem wahren und gewitterschwangeren Licht, sobald die Sklaven in dieser Ordnung sich gegen ihre Herren empören. Dann stellt sich die Zivilisation und Gerechtigkeit dar als unverhüflte Wildheit und gesetzlose Rache: Marx. Gebt mir die richterliche Gewalt, dann hütet wohl Eure Gesetze und Verordnungen, diese ganze papierene Welt; ich mache mich anheischig, das euren Gesetzen widersprechende System zum Triumph zu bringen. Michelet. Die Herren machen das selber, daß ihnen der arme Mann feind wird. Die Ursache des Aufruhrs wollen sie nicht weg tun, wie kann es auf die Länge gut tun? So ich das sage, werde ich aufrührerisch sein, wohl hin! Münzer. JchiUzt niemand Utismacck? Das Korpsstudententum muß mühsam seine Existenz gegen die radikalen Nazi-Kommilitonen verteidigen. Es tut dies durch Schweifwedelei vor dem Gangster regime. So kann man in einem Artikel des Führers des Kösener SC.-Ver- bandes, Dr. Blunck, über folgende Wendung ausrutschen: „Ballt sich nicht jedem gesunden deutschen Menschen die Hand zur Faust, wenn er lesen und hören muß, daß Bismarck, Theodor Körner und Horst Wessel Helden des deutschen Volkes geworden seien, nicht weil, sondern trotzdem sie Korpsstudenten waren?" Da bekommt man sogar als Sozialdemokrat Lust, den alten verhaßten Gegner Bismarck in Schutz zu nehmen gegen diese Gesinnungslosigkeit, die den bedeutenden Politiker in einem Atemzug mit einer der dunkelsten der brauneu Gangster- gestalten, mit dem Zuhälter Horst Wessel, nennt. Aber Bismarck bat ja schon bei Lebzeiten erfahren, wie das„nationale Bürgertum" ihn im Stich ließ! Sinnige JiaAnng Der thüringische Justizminister hat angeordnet, daß auf allen Streitakten und Strafakten sogenannte„Mahnmarken" aufgeklebt werden, die Aeußerungen des Reichsjustizkommissars Dr. Frank enthalten. Für die Prozeßakten heißt es:„Entscheiden Sie rasch wie ein Führer, entscheiden Sie klar wie ein Führer und entscheiden Sie so, daß auch der unterliegende Teil das Gefühl hat, hier wird Recht gesprochen". Wie es die Opfer der Massenschlächterej vom 30. Juni bestimmt gehabt haben, Es war einmal ein schönes Land Am andern End' der Welt. Doch um das Volk in diesem Land War es sehr schlecht bestellt. Vom vielen Hungern ward er schwach. Es wurde fieberkrank. Die Pest zog durch das ganze Land, Daß es zum Himmel stank. Den Arzt erschlug man, und man sank Vor Räubern in die Knie. Den Räubern tat die Pestluft gut. So wohl war ihnen nie. Die Häupter dieser Kumpanei Versprachen allen Heil. Und heilig sprachen sie sich selbst In aller, aller Eil'. Die Kranken fürchteten den Tod, Und glaubten darum gern. In Räubern glaubten Götter sie. Die Rettung war nicht fern.,, Der Kranken wurden mehr und mehr. Die Räuber warn gesund. Der eine sah den andern an, Und alle schauten rund. Im Weg ein jeder jedem stand, Und jeden fraß der Neid. Daß er allein nicht oben stand Tat jedem, jedem leid. Die Häupter dieser Kumpanei, Sie schärften gut ihr Beil. Die einen wollten's später tun, Die andern hatten Eil'. Die einen lagen tief im Schlaf, Die andern schlichen an.... Es wurden viele Beile rot. So fing dies Morden an. Die Götter war'n zur Hälfte tot. Das Volk verstand es nicht. Die Mörder sprachen heil'gen Zorns! „Ein göttliches Gericht!" Die andern— Räuber waren sie— „Wie sind dagegen— Gott!" Sogar die Kranken hatten jetzt Nur Grauen und nur Spott. Das Volk nahm Axt und Beile her Und schärfte sie recht gut. Der Letzte von der Kumpanei Lag bald in seinem Blut. Es war einmal ein schönes Land Am andern End' der Welt. Auch um das Volk in diesem Land War es nun gut bestellt- Heinz Vielvk. ZeU:7loli Zeit und ihre» Ehrgeiz zügelnd, bereitet Max Eojnns mit Unterstützung von Nerce van de Eist einen neuen Stratosphärenflng vor und hat sich als Kuriosum eine Rakete konstruiert, die er zum Mond schicken will. Als Gruß von der Erde. Di« Rakete, die nur zwei Pfund wiegt, wird abgeschossen, sowie der Ballon die Stratosphäre erreicht hat und ihr Weiterfliegen ist gesichert durch aufeinanderfolgende Explosionen im Innern der kunstvoll eingerichtete» kleinen„Maschine". Die beiden Aero- nauten nehmen an, daß die Rakete in einer Höhe von 18 Gill Meter infolge des geringen Luftdrucks eine sehr große Ge- schwindigkeit erreiche» wird, die sich immer vergrößern wird, so daß sie den Mond in wenigen Stunden wird erreichen können. Allerdings theoretisch,' ivird ein Erfolg dieses Unter- nehmend überhaupt einmal feststellbar sein? Der Ballon an sich, mit einem Fassungsvermögen von 14 0011 Kubikmeter, ist auf das modernste ausgerüstet, und vor allem mit Appa- raten versehen, die es erlaube», den Ballon in jeden be- liebigen Höhe anzuhalten. Somit ist den beiden Forscher» die Möglichkeit gegeben, bequem die kosmischen Strahle» zu studieren, was das eigentliche wiflenschaftlich« Ziel des Fluges ist. es ist, auch in dem 30 Kilometer entfernten Biarritz stehen. Aber weil in Hosseger noch mehr als der Sport und die Ele- ganz die Natur gilt, darum ist dieses Seebad ein Lieblings- ort der Dichter, der Maler und der Künstler geblieben. Bon Victor Marguerite bis Marcel Prevost schwärmen die Romanciers für Hosteger. Durch die Landschaft des Landes ziehen sich, dicht hinter den Dünen der Küste beginnend, die riesigen Fichtenwal- dringen, die die starken Winde des Golfs von Gascogne aus- sangen. Tie Wälder spiegeln sich in großen Seen und Tci- chen, die wie die Perlen des Rosenkranzes folgen- Ter Auto- cor folgt der in diesem Sommer neugeschaffenen„Ronte der Seen" bis zu dem großen Seebade der Arcachon. In der Fülle der französischen Teebäder gibt es kein an- deres, das wie Arcachon geschützt in einem Haff liegt und da- durch die unvergleichlichen Vorteile einer Meereskur auch den Schwächsten und Empfindlichsten, selbst im Winter ermög- licht. Das Haft von 15000 Hektar Wasserfläche, nur durch eine schmale Landzunge, das Cap Ferrct, aus dem die wohl- habenden Bordelaiser ihre Sommervillen errichtet haben, vom Meer getrennt, nimmt ständig teil an Ebbe und Flut und wird geschützt durch die großen Wälder, die es um- rahmen- Arcachon ist ein Paradies der Wafferfreunde, der Ruderer, der Segler, der Mvtvrbootler, die sich auf dem Riesenhaff und den mit ihm verbundenen Seen sich nach Hcrzenlust tummeln können. Dem Ozean entgegen hat das große Arcachon zwei Bor- läufer vorausgeschickt: Die Badeorte Lc Moulleau und Pyla- snrmer. In Pula ragen die Wanderdünen bis fast 100 Meter Höhe, wohl die höchste Düne Europas,— hier stürmt der Ozean gegen ein Gebirge von ewigem Sand. Revolte im Ärrenhaus Bor einigen Togen haben sich im Irrenhaus von Czerno- «vi? unbeschreibliche Szenen abgespielt. Die Patienten der Anstalt waren offenbar von der unerträglichen Hitze derart angegriffen, daß sie plötzlich eine drohende Haltung ein- nahmen- Sic bewaffneten sich mit sämtlichen harten Gegen- ständen, die ihnen in die Hände fielen und stürzten sich aus die Wächter und Einzel-„Häftlinge". Dabei verletzten sie mehrere von ihnen. Das Irrenhaus liegt an einer der Hauptverkehrsstraßen von Czernowitz nnb die Bevölkerung, die an dieser Stelle um die Mittagszeit besonders heftig vor- beiflutet. mußte die Schlacht hinter den Anstaltsgittern mit ansehen, ohne eingreifen zn können. Erst der Polizei und der Fenerivehr gelang es, die Kranken durch ftnndenlangcS Bespritzen mit Wasser zn beruhigen. Kurzwellen steuern Msrcoms Jacht Marconi unternimmt jetzt auf seiner Dacht„Elektro" außerordentlich intereffante Experimente über die Lenkbar- keit deS Schiffes mit Hilfe von Kurzwellen. Bei Santa Marghertta im Ligurischen Meer soll die Dacht zwischen zwei eng beieinander liegenden Bojen hindurchfahren, ohne daß die Hindcrniste von Bord ans zu sehen sind. Ter Kapitän wird im Innern da» Fahrzeug vorivärtsbewegen, indem er lediglich den Aniveisungen Folge leistet, die ihm durch Kurzweien von den Sendestationen an der Küste übermittelt «verde». Diese Experimente finden in Anivescnheit einer großen Anzahl von Industriellen, Reedern, Technikern und Journalisten statt. Das echte Gefühl Bon KarlGrsß f Ei» junger Schauspieler, der noch nie einen„Liebhaber^ gespielt hatte, war in einem großen Theaterbetrieb ange« stellt, wo jedem Mitglied eine eigene Note zuerteilt wurde- die es aus Wunsch der Leitung bei angebrachter Gelegenhe« hervorzukehren hatte. In diesem Theater geschah es nun, da« dem jungen Schauspieler infolge ungeordneter Zustände eine Liebhaber-Rolle zugeiviesen wurde, die er nicht zurückzu« geben vermochte, und in der er sich, infolge der erwähnten ungeordneten Zustände auf den Proben ohne Partnerin, w» e«nem alten, ein geschrumpften Regisieur begnügen mußte Als nun abends im hellen Rampenlicht vor den tausend Köpien der Zuschauer ein ungemein zartes, schönes Mäd- chen in einem rosaseidenen Kleid auf ihn zutrat, nahm'bn der Zauber ihres jungen Wesens so gefangen, daß er, seine, künstlerischen Schnurrbart« vergessend, aufs tiefste inner!»« gerührt neben seiner Partnerin stand, ganz dem Hauche ihres zärtlichen und suchenden Lächelns und den fangende« Blicken ihrer schönen Augen hingegeben. Kaum sich der erlernten Sätze erinnernd und sie besang«» der emsigen Souffleuse nachsprechend, erblühte in dem»er- wirrten jungen Mann eine Zuneigung zu dem ihm unbe- kannten schönen Mädchen, als deren einzigen Ausdruck«r zu spät die unbeholfen gestammelten Liebesivorte des Dieters zurücksehnte. To ward es auch nicht bewußt, daß ihm, überraschend dur« den innigen Klang ihrer Stimme, von ihren leichtgeschwu»- gcnen Lippen Stichivorte dargeboten wurden, denen er»ich* die beglückte Befangenheit des jäh sich selbst ins tiefe He«* schauender Liebhaber entgegenbringen durfte, sondern die eine Antwort heischten, deren Ergriffenheit nicht zweien, sondern zweitausend Ohren den schnelleren Herzschlag des entflammten Liebhabers verkünden sollte. Rampe, Zuschaue« und Feuerwehr vergessend, gab er sich der keuschen Weib« des seltenen Augenblickes hin, zum ersten Mal Liebesworl« von geliebtem Munde zu pflücken, und verweilte dankbar bei jenen Sätzen, die er während des Lernens als unerträglich kitschig und unnatürlich verdammt hatte. Beklommen und mit verlorenem Lächeln sagte er leise:„Ich bin ja so glück- lich." Denn der kleine Roman seiner glücklichen und«vunschlose« Liebe glüht« ans, wie die schöne Rakete eines nächtliche« Sommerfelles nach beklemmendem Höhersteigen in sanft strahlende Sterne zerberstend sich lautlos auf das bewundernde Gemurmel der staunenden Menge senkt, und beu tiefen Himmel nach ihrem Verlöschen in sichtbarer herrlich«« Dunkelheit zurückläßt. Noch aus dem Heimiveg und später, als er schlaflos auf seinem Bett lag, genoß er ermattet den Aufschivung einer berauschenden Leidenschast, die nichts als reiches Erinnern gelebtesten Lebens zurückließ, und nie kam ihm die Zeitung zu Gesicht, die seine Leistung als Liebhaber„eine Kata- strophe" nannte. Der verlorene Orientierungssinn Ein geradezu unwahrscheinliches Abenteuer Ist 1* dieser Tage der mailändische Industriell« Earlo Ttoppa g«' habt, der seit einiger Zeit in Benaggio auf Sommerwohnung weilt. Ttoppa hatte sich in den See gestürzt, um sein tag- licheS Bad zu nehmen. Plötzlich kain ihm Wasser in di« Ohren und er verlor völlig seinen Orientierungssinn. Trotz schönsten Wetters, ruhigen Wassers und ausgezeichneter Tichtverhältnisse schwamm er zehn Stunden umher, ohne das Ufer wiederzufinden. Völlig erschöpft gelangte er in di« Höhe von Bervio und war im Begriff unterzugehen, als tt durch einen Fischer gerettet wurde. Erst 24 Stunden später fand Ttoppa seinen normalen Geisteszustand wieder. ft lilnfere Töchter, die Kazinen Roman von H e r m y n t« Z» r M ü h l« n. zz Genossin Gruber erzählt Wenn doch endlich der Herbst käme: diese Soininernächte sind so kurz, was kann man in den paar dunklen Stunden schon ausrichten? Und es gibt so viel zu tun. Es ist uur ein Glück, daß die SA. in den letzten Wochen etivas fauler geworden ist und später aufsteht. Zuerst kam sie um vier und fünf Uhr morgens Haussuchung machen. Jetzt erscheint sie fast nie vor sechs. Diese Haussuchungen! Ich«veiß gar nicht n«ehr,«vie oft sie bei mir waren. Wie oft sie das Unterste zu oberst gekehrt haben. Man müßte schon daran gewöhnt sein, aber jcdesinal überkommt mich doch eine leise Angst: mir ist, als könnten die leeren Laden»nd Fächer verraten, was noch vor wenigen Stunden in ihnen gelegen hat. Außer- dem weiß man ja nie, was heutzutage ein Verbrechen, was ein hochverräterisches Dokument ist. Sind doch selbst katho- lischc, weiß Gott wie sanfte Zeitungen beschlagnahint und verboten«vordcn. Eine Zeitlang konnten«vir getrost Druck ichristen und Flugblätter bei der Gräsin Agnes verstecken, aber seitdem ihr das Motorboot beschlagnahmt morden ist, «vagen«vir nicht inchr recht, die Villa als Versteck zu benutzen. Die alte Frau ist so harmlos, sie kann so leicht einem Spitzel hineinfallen. Es«väre Unrecht, sie dieser Gefahr aus- zusetzen, besonders jetzt, da sie seit Fritzens Verhaftung ganz allein mit dem Mädchen und Fritzens Frau«vohnt. Der arme Fritz,«vir wissen nicht,«vohin sie ihn gebracht haben, wir wissen nicht, ob er noch lebt. Wenn ich bedenke, daß man noch vor etwa fünf Iahren die Nazis in unserem Städtchen an den Fingern der beiden Hände zählen konnte. Wenn es so weiter geht, ivird«nan das bald bei den Unseren tu«« können. Es ist wie tin Krieg, nur daß jetzt keine Verlust- listen ausgegeben werden. Zumindest in Deutschland. Wenn nicht die Naziweiber wären, die häufig nicht den Mund halten können, wäre es noch ärger, aber die plaudern bis- weilen, aus Bosheit oder aus Dummheit, etivas ans. Und dann gibt es noch einige, die nicht zu uns gehören, die sich aber von dem Treiben der Nazis abgestoßen fühlen und des- halb anständig sind. Wie die alte Generalin Hainitz. Die hat mich vor ein paar Tagen kommen lasten, sie habe ei« Sesdep- kleid zum Waschen, ein sehr empfindliches feines Kleid: sie müsse niir ganz genau erklären, wie man es«vafchcn solle. Als ich dann in ihrcin Schlafzimmer war. gab sie mir ein altes Fähnchen, an dem wirklich nichts zu verderben war, und ich dachte mir:«vas diese reichen Leute doch ftir Ge- schichten machen. Die Generalin stand am Fenster und drehte mir halb den Rücken. „Kann ich das Kleid bald haben?" fragte sie. Und als ich bejahte, fuhr sie fort: „Ich«veiß ja, daß bei Ihnen alles so ordentlich ist, Freka Grubcr. Und nicht«vahr, Ordnung ist die Hauptsache im Leben? Man dars nie etivas herumliege» lasse«." Sie drehte sich zu mir um n»d blickte mir fest in die Augen: „Ja, Frau Gruber, nur nie etwas herumliegen lassen. Deshalb soll man auch nicht fremde Leute bei sich wohnen lassen. Die machen Schmutz, die räumen nickt auf, die lassen Sachen herumliegen. ES gibt so einige unordentliche Leute in dieser Stadt. Einen kenne ich, den Seppe! Schneider." Und dann sagte sie«vieder sehr laut:„Also, ich bekomme morgen das Kleid, nicht wahr?" Ich hatte sie verstanden und flüsterte: „Danke, Frau Generalin." Da veränderte sich plötzlich ihr Gesicht: es war, als stürze in ihr etivas zusammen. Sic trat ganz nahe zu mir und sagte fast unhörbar:„Meinen Enkel, der beim Stahlhelm ist, haben sie auch verhaftet. Jetzt kommen wir daran." Tann gab sie mir die Hand,«vas sie. ich wasche schon seit Iahren für ihre Tochter und sie, wenn sie zn Besuch ist, früher getan hat. Ihre Augen standen voller Tränen. „Ich bin nur froh," flüsterte sie,„daß mein Mann da» nicht mehr erlebt hat." Ich ging rasch nach Hanse und«nachte Ordnung. Als am nächsten Tag wieder einmal Haussuchung war, fanden sie nichts. Und ick konnte auch mit gutem Gewissen schwören, daß ich nicht wisse, wo der Seppel Schneider steckt. Auch meine Toni war nicht zu Hanse. Meine Toni, meine gute tapfere Tochter. Ich habe ja immer gewußt, daß sie zu uns zurückkommen wird. Und der erste Mai war trotz allem ein Festtag für mich, weil sie mir am Abend sagte: „lIch habe«ich geirrt, Mutter. Furchtbar geirrt. Aber jetzt»ei| daß die ganze Bewegung«eg Bei eng ist.«erst ich glaubt, schon in den nächsten Monaten«erden viele es erkennen." Sie lachte ein wenig. „Deutschland erwache," sagte sie.„Dieses Wort rniissen den Feinden nehmen. Diese Worte müssen wir verkünden- Deutschland erwache! Mach die Aicgen an» und sieh, waS dir geschehen ist!" Und dann blickte sie mich fast schüchtern an und fragte: „Willst dn nicht wieder Vaters Bild in mein ZimtN^S hängen, Mutter? Er wird mit mir zufrieden sein." Ja, mein Anton kann wirklich«nit seiner Tochter z»' frieden, er darf stolz auf sie sein, tteberall, wo es eine fl*" fährliche Arbeit gibt, ist meine Toni mit dabei. Tie hat nichts Angst, sie gönnte sich keine Ruhe, es ist, als hätte 0* kein eigenes Leben mehr, als führe sie nur da» Leben de* Unseren. Auch ich bin stolz aus sie, aber bisweilen, wenn f' 4 von daheim fortgeht und jagt: „Mach dir keine unnützen Torgen nm mich, Mutter: i<8 neiß nicht, wann ich wiederkomme," preßt sich mir denno« dos Herz zuiammcn. So eine Nacht, wenn man vergeblü» auf die vertrauten Schritte lauscht, wenn man vergeblich darauf wartet, daß eine liebe Hand die Türklinke nieder drückt und eine liebe Stimme jagt:„Da bin ich wieder- Mutter," so eine Nacht ist endlos. Und dabei weiß ich«ich* einmal, was ärger ist: wenn Toni zu Hause oder wen« f' e fort ist. Ich«veiß ja nie,«vas die Menschen, die im gleiche» Hause mit nns wohnen, tun werden. Die Nachbarin und ihr Man» tragen das Hakenkreuz. Als ich das zum erstenmal bemerkte,«vollte ich ohne Gruß an der Frau vorüber gehe«-' sie jedoch hielt mich an und zog mich in die Küche. „Ich«veiß,«vas d» glaubst," sagt« sie.„Aber waS solle» wir tun? Wir habe» vier Kinder, und mein Mann würde die Arbeit verliere»,«venu er nicht.. Ich schwieg. Ich wußte ja, daß die Leute scho» immer rn# der Not zu kämpfen gehabt hatten. „Wir find im Herze» noch die gleiche«,' erklärte sie, fast bittend. Was hätte ich ihr sagen sollen? Konnte ich von ihr vtt* langen, daß sie ihre Kinder hungern läßt? Sich selber kau» »an zu« Hungern verdamme», aber kleine Kinder? fyartjetznng sal^ Vit Greuelmärchen des Dr. Mann»on leers KSSS» was er Ober die Wiener Vorgänge zu erzählen weiß 5~cm Autor der berüchtigten Schmähschrift,, Juden seben Tich au", Tr. Johann von Leers, lassen die Lorbeeren ttnes echten Goebbels-Jonrnalistcn nicht ruhen. Ans eine ^iige mehr oder weniger kommt es diesem Repräsentanten des nendeutschen Journalismus nicht an. Er hat soeben in der gleichgeschalteten Presse einen Artikel über die aussenpolttischc Lage geschrieben. Für die dicken Honorare, die dieser„Sozialist" von den reichgüivordenen uattonalsozialistischen Verlegern bekommt, muh er auch saust- dicke Lügen liefern. Deshalb beschäftigt er sich mit den blu- tigen Vorgängen in Wien auf seine Art. Bisher hat eigentlich die ganze Welt, ausser Deutschland, angenommen, dass Dollfuss als Opfer einer nationalsozia- listischen Verschwörung gefallen sei. Das ist aber, wie uns Herr Leers belehren will, absolut unwahr. Die Sache habe sich ganz anders abgespielt. Aber lassen wir mal den Mann selbst sprechen. Er schreibt: „Am Morgen des 25. Juli war es nm ll Uhr im Minister- zu schweren Zusammenflössen zwischen Dollfuss und Fcy gekommen. Beide haben sich gegenseitig mit der Verhaftung bedroht. Auf 12 Uhr war die Mobilisierung der gesamten Heimwehr angeordnet.— Da geschieht etwa« Myste- riöses: Mann in Uniform des Bundesheeres und der Hcimwehr besessen das Bundeskanzleramt, tun dem im Volk wegen seiner viehischen Roheit verhassten Herrn Fen gar nichts, ebenso wenig dem Stcherhettsdirektor Karwinsky, son- der« schtessen lediglich Dollsuss nieder." Nachdem Herr von Leers also gesprochen und sein Bedauern ausgedrückt hat, dass leider Vizekanzler Key nicht ebenfalls »abgektllt" wurde, schildert er in dieser wahrheitsgetreuen Art die Ereignisse weiter und schreibt dann noch folgende wunderbare Sätze:„Man sperrt die Aufständischen ein und hat damit einmal erst Leute ausgeschaltet, die sonst einiges erzählen könnten. Mit grossem Geschick beschuldigen dann Herr Fey und der Minister Cchuschnigg noch am gleichen Abend durch den Rundfunk die Nationalsozialisten dieser Tat, als ob gerade diese Herrn Fcy leben gelassen hätten." Diese„Schilderung der Wiener Ereignisse am 25. Juli" aus der Feder des Herr» von Leers muss man zweimal gelesen haben. Hat er nicht die Dinge ganz ausgezeichnet gc- dreht? Dollfuss soll von Nationalsozialisten ermordet sein? Keine Spur! Ein Greuelmärchen! Die Dinge lagen, nachdem der nationalsozialistische Putftf). misslungcn war, natürlich ganz anders. Denn nicht Nationalsozialisten, sondern der Vizekanzler Fcy war es, der Dollfuss verhaften wollte, Und der dann„etwas Mysteriöses" geschehen Hess. Er Hess 140 Mann in Uniform in das Bundeskanzleramt eindringen und Dollsuss erschicssen. Nachdem das geschah, wurden die 140 Mann schnell eingesperrt, damit sie sa der Welt nicht ver- raten sollten, dass dieser ganze Mord und Putsch von der Hcimwehr und Vizekanzler Fey inszeniert ivurde. Und am Abend, so fantasiert Dr. von Leers weiter, geschah die grosse Gemeinheit: Fey und Schnschnigg versuchten, den blutigen Aufstand den Nationalsozialisten in die Schuhe zu schieben! Zwar hat Herr von Leers bei der Schilderung dieser Ereignisse einige„Kleinigkeiten" vergessen So beispielö- weile wird aus leiner Schilderung nicht ganz verständlich, warum den,, eigentlich die Nationalsozialisten einen Aus- stand in Steiermark und Kärnten angezettelt haben und warum die Mörder von Dollsuss vor der Hinrichtung statt ..Heil Starhcmberg" ausgerechnet„Heil Hitler" gerufen haben. Auch bleibt es nicht ganz verständlich, warum der neu- gebacken?„oberste Kriegsherr" Adolf Hitler den sogenannten Landesinspektor Habicht seines, Postens enthoben hat, wenn die Nationalsozialisten solche Unschuldsengel waren und an der ganze» Verschwörung gegen Dolliuss Vizekanzler Fey schuld sei. Aber wie gesagt, es kommt dem Leers aus eine Lüge mehr oder weniger nicht an. ES verlohnt sich wirklich nicht,.sich in eine Diskussion mit einem notorischen Lumpen und Lügner, wie es Dr. Johann von Leers ist, einzugehen. Er weiss ja selber ganz genau, dass seine Schilderung der blutigen Ereignisse in Wien eine faustdicke Lüge ist. Er ivciss selber ganz genau, dass Dollsuss natürlich nicht dunch die Heimwehr und seine Minister- kollegen, sondern aus Veranlassung der Drahtzieher in München und Berlin ermordet worden ist. Wenn wir trotzdem die widerlichen Verleumdungen dieses nationalsozialistischen Schmierfinks wiedergeben, so geschieht das zu dem ZiEecke, um zn zeigen, wie das Volt i« Deutschland betrogen»ird. Die zahlreichen Leser des Dr. Leers, die in der deirtschen Provinz diese Lügen lesen müssen, sind natürlich rtfecht in der Lage, sich über den Um- fang dieser Lügen und über die Drehs des Herrn von Leers Rechenschast zu geben. Viele werden an die«on Leers und der nationalsozialistischen Journaille verbreiteten Logende über die Blutschuld der ch'terreichischen Regierung an der Ermordung von Dussfuh glauben, und wenn vielleicht in einiger Zeit von österreichischer Seite der Hitler-Regierung die Rechnung für ihre Untaten in Oesterreich präsentiert wird, dann werden Tausende von deutschen Spiebern aufrichtig darüber empört sein, dach man wieder mal dem armen Deutschland so Unrecht tue. Vorläufig hat diese ganze Gesellschaft das Monopol zu schreiben und darf das deutsche Volk betören. Aber, wenn einmal der Tag kommen wird, wo das deutsche Volk die Wahrheit erfährt, dann wird daH Erwachen furchtbar sein. Die Leers und Genossen werde» dann am eigenen Leibe die Rache des Volkes erfahren, nvenn sie nicht gerade vor- her„im Zuge irgendeiner neuen Säubernngsaktion" von ihrem„obersten Gerichtsherrn" nach bemährten Vorbildern um die Ecke gebracht werden. vle Peilsdie Unter Verantwortlichkeit des*,Reichsf«hrers" „Der„Manchester Guardian" verödfeutlich, den Bericht eines soeben entlassenen deutsche« Schntzhäst. lings. i„ dem gesagt wird: „Es war nach Mitternacht, und die Beamten begannen m ich zu schlagen, ivenn sie mich sHagten. Mein Kopf schmerzte. Um 2 oder:l Uhr morgens las einer von ihnen ein Protokoll vor Und sagte, ich solle eS nuterschrciben. Ich wollte e« schon tun, als ich bemerkte, dass tüas Blatt geschickt gefaltet und die Kanten der Faltungen fast unsichtbar zusam- mengcklebl ivarcn— derart, dass sie einen, iveissen Raum verdeckten, der mit Worten ausgesüllt werde» konnte, ivelcttc ich nie unterzeichnet hätte, die aber doch mit meiner Unter- jchrift versehen geiveicn wären. Fünf Angcntpaare hefteten sich gespannt ans mich. Ich legte die Feder n>cg und sagte: „Es tut mir leid, aber ich kann ein Protokoll dieser Art nicht unterzeichnen." Dann ivurde ich in einte Zelle ein- geschlossen. Der Verfasser des Berichts erzählt nwtter, tiass ihm ge- sagt worden sei, andere Häftlinge hätte,, bereit» gestände«, dass er 500 Braunbücher besessen habe. Als er tws bestritt, „sagte," jährt der Bericht fort,„einer der Beamtem zn mir:- „So. Du iveisst also nichts?" und schlug mir»tit solcher Heftigkeit über den Kops, dass sich der Raum um mich z» dre- hcn schien: ich siel zu Boden, map trat mich, als. tcls aus der Erde lag.„Steh aus!" brüllte einer/Die gleiche Frage wurde erneut an mich gestellt, und ich ivurde wieder ans dem Kops geschlagen, bis ich von neuem zusammenbrach." Die Ver- letzunge» des Gefangenen ivare» so schiver, dass er inö La- zarctt geschafft werden mußte Auch dort Hess ihn., die Gestapo keine Ruh«.„S c denken. Sie ivären jetzt im.Krau- kenhaus sicher?", sagte» die Beamten-„Warten Sie nur, bis Sic entlasse» sind, dann werden Sie icdcn Tag fünfzig anit dem Ochsenziemer bekommen— das wird Sie schon z«m Sprechen bringen." Ter„Manchester Guardian" kündigt a», dass er die En4- hüllungen aus der Feder des entlassenen Häftlings fort«- setzen wird. Zero-Nero Professor Theodor Lessing über Hindenburg Professor Th. Lessing ist am 31. August 1938 als Emigrant tn Marienbad erschossen worden. Im Jahre 1925 hat er zur erste» Wahl Hindenburgs einen aufsehenerregenden Artikel im„Prager Tagblatt" über Hindenburg veröffentlicht, der Anlass gab zu einem wüsten Feldzug gegen einen der feinsten Denker des Nachkriegs-Deutschland. Dieser Artikel ist nicht nur als Charakteristik Hindenburgs ausgezeichnet und aufschlnssreich, er ist auch in seinem Schlnssgcdanken geradezu prophetisch. Wir veröffentlichen nur den ivesent- lichsten Teil des Lesstngscheu Artikels. ... Es war an einem Jahrestag der Schlacht von Tannen- berg. Ich war aushilfsweise an einem Gymnasium der Stadt als Lehrer tätig und sie Schulen sollten,„Deutschland über alles" singend, an Hindenburgs, von der Stadt geschenkten Hause vorüberziehen. Die vielen Hunderte von hellbegeistcr- ten Kinder gingen unter Führung der Lehrer froh jubelnd an dem alten Mann vorüber: der stand schiver und ernst auf der Vortreppe seines Hauses: wir hatten das Glück, gerade unmittelbar vor ihm zu stehen, als er die Hand hob und seine herzenswarme Ansprache an die Jitgend begann. Ich möchte diesen Augenblick wohl noch einmal erleben: diese Mischung der Gefühle, Komik und Ergriffenheit, vollkom- mene Vereinsamung und Einssein mit allen den Kindern: herzliches Lachen des Uebermutes und geheiligte Demut: vor allem aber mein Erstaunen, denn diesen Grad von Kindlich- keit hatte ich? doch nicht für möglich gehalten. Hindenburg swir standen Auge in Auges sagte voll tiefsten Ernstes: „Deutschland liegt tief danieder. Die herrlichen Zeiten des Kaisers und seiner Helden sind dahin. Aber die Kinder, die hier„Deutschland über alles" singen, diese Kinder wer- den das alte R-ich erneuern. Sie werben das Furchtbare, die Revolution, überwinden. Sie werden wiederkommen, sehen die herrliche Zeit der grossen, siegreichen Kriege. Und Sie, meine Herren Lehrer, Sie haben die schöne Ausgabe, in diesem Sinne die Jugend zu erziehen." iDie Beugels stupsten mit und feixten.»„Und Ihr, meine lieben Pri- maner, werbet siegreich wie die Väter waren, in Paris ein- ziehen. Ich werde es nicht mehr erleben. Ich werde dann bei Gott sein. Aber vom Himmel herab werde ich aus Euch niederbücken und werbe mich an Euren Taten freuen und Euch segnen." Dies alles in tiefstem, heiligstem Ernste! Man fühlte: dieser alte Mann glaubt Wort für Wort alles, was er da sagt: da ist kein unlauterer Klang. Das glaubt er allen Ernstes: nach dem Tode kommt er zu Gott: sitzt aus einer Wolke: betrachtet sich von bevorzugtem Sitze aus Dentschland und segnet feine siegreichen Jungen. Der keckste von ihnen zeichnete»ach diesem historischen Erlebnis" ein Bild: Hin- denburg als Engel auf der Wolke schwebend und unsere Prima segnend. Es wäre leicht gewesen, solchen Spott zu stärken: aber lunö dies ist merkwürdig) es war keiner unter uns, der ihn nicht beleidigt verwarf. Wir fühlten: es ist cht ritterlich, es ist gemein, bort mit Waffen des Geistes zu kämpfen, Ivo überhaupt gar keine Macht und Möglichkeit ge- geben ist, mit ähnlichen Waffen zu erwidern. Aber selbst im altprcussischcn Adel und in jenem Junkertum, dessen geistige Ansprüche vollauf gedeckt sind durch„wochentags die„Kreuz- zeitung" und Sonntags eine gute Predigt bei Herrn Pastor", selbst in jenem ganz von Tradition und Ausscnschliff lebenden Bcamtenklüngel, der aus dem feudalen Korps der Universitäten oder aus dem für stanbcsgemäss geltenden bevorzugten Regimentern seine geistigen Nachwuchs bezieht, dürfte die gleiche Geistesserne und Geistessremde doch wohl nicht häusig sein. Als Hindenburg als Kommandeur in Oldenburg stand, hielt der Freund seiner Jugend, Wilhelm Jordan, einer der besten und grössten Männer Deutschlands, dort in der„Literarischen Gesellschaft" einen Liedervortrag aus den Nibelungen. Hindenburg wurde gebeten, diesen Abend zu„protegieren". Er antwortete mit einem Brief, in welchem es heisst: Er habe als Militär leider keine Gelegen- hcit gehabt, sich mit Literatur zu beschäftigen und könne daher die Nützlichkeit und den Wert des Abends nicht beurteilen. Es gehört doch immerhin ein gut Stück Barbarei dazu, um als Deutscher die Bedeutung dcS Nibelungenliedes nicht zu kennen: aber es bezeugt eine seltene Klarheit und Ehrlichkeit, dass ein braver Soldat das eingesteht. Aber wenn man die Anzahl der Bücher, die er in seinem Leben gelesen hat. gewiss ' zählen kann, er hat eine Beziehung zu den bildenden Künsten, Goebbels'„Erfolge" In der Zeitschrift„Tie Wahrheit" werben interessante Mitteilungen über die von Tag zu Tag unhaltbarer wer- dende Lage in der Berliner Presse gemacht. Nach einer amt- lichen Statistik erschienen im Jahre 1932 im Deutschen Reich p/03 Tageszeitungen, 1934 nur noch 1128. Von den 1575 Zeitungen, die demnach zu erscheinen ansgehörl haben, wurden 1248 durch Verbote beseitigt. Wochenzeitschristen erschienen im Jahre 1933 348, in diesem Jahre nur 217, von de» 183 Monatszeitschriften bestehen noch 103. Die dnrchschnittitche Mvnatsgesamtauslage der deutschen Presse ist v o n einer Milliarde im Jahre 1933 aus 300 Millionen im Juli 1933 zurückgegangen. Das Redaktions- persvnal, das 1933 19 300 Kopie umfasste, betrügt heute etwa 5000, demnach würde es 14 300 stellungslose Zeiwügsange- ftetile geben. Das genannte Blatt hebt den kolossalen Ans- schwung der Auslandspresse in Deutschland hervor, und zwar Basler, Prager, Züricher und Budapester Blätter, die erstaunliche V e r k a u s s z i s s e r n ausweisen. * Massenflucht Eine Klage des katholischen, in Duisburg erscheinen«?» „Neuen Tag" gegen die Essener„Rationat-Zeilung" auf Unterlassung der Drohungen bei der Werbung von Abon- nenten ivurde kürzlich von dem Landgericht Duisburg niit der Aufsehen erregenden Begründung abgewiesen, dass„c s eine katholische Presse heute nicht mehr gebe". Gegen dieses Urteil hatte der„Neue Tag" Berufung eingelegt. Vor dem Landgericht Düsseldorf, das sich nun- mehr mit dem Prozess zu befassen hatte, erklärte der Vertreter der„Nationat-Zeitung", des Göringblattes:„Die Bc- triebsabteilung der„Nationat-Zeitung" stellte bei den tan- senden Ucberprüfungs- und Wcrbungsmassnahnicn fest, dass in bestimmten Gegenden, Stadtteilen und innerhalb.eng be- grcuzter Volksleite und Volksschichten die Abbestellungen der.Matioual-Zeitung" ausserordentliche Ausmäste annahmen." Man habe den Ursachen nachgeforscht: dabei habe sich die Tatsache ergeben, dass die Abonnenten zu dem katholischen „Neuen Tag" abgewandert waren. Die Klägerin legte dem Gericht eidesstattliche Erklärungen katholischer Priester vor, die bewiesen, dass die Behauptung der Beklagten, es sei auf die Bezieher der„Nativnal-Zcitung" ein kircheiipolitischer Druck ausgeübt worden, unwahr sind. Dagegen konnte der Prozessvertretcr des Göringblattes nicht widerlegen, dass N a z I- W e r b e r Abonnenten des„Neuen Tag" m i t s ch w e r st e» T c r r o r ni a ss n a h ni e n bedrohte n. Das Gericht versuchte, einen Vergleich herbeizuführen, aber der Vertreter der Beklagten erklärte,„dass dieser Streit als hochpolitische und staatspolitische Angelegenheit durchgcfoch- ten werden" müsse. Das Urteil soll am 8. August verkündet werden. ..Zn ßanh verpfikhfel" Ruiniertes Geschäft und obendrein noch Bestrafung Darmstadt, 6. August. Das hiesige Tvndcrgericht verurteilte E n o ch F r a nkfurte r zu sieben Monaten Ge- fängnis. weit er gesagt hatte, die Judenboytotipolitik der Regierung habe lein Geschäft ruiniert. Das Gericht erklärte, „die Jude« seien der Regierung zu Dank verpflichtet, dass sie überhaupt noch geduldet werden". Drei Ehrenmänner Nur Göring fehlte noch Fafl die gesamte deutsche Presse veröffentlicht, offenbar ans Beseht der Reichöpressekainmcr im Prvpagandamin'iierium, ein Photo aus Bayreuth, aus dem Hitler zwischen Goebbels und Pape» zu sehen ist. Das Bild ist kein Schnappschuß— d>c drei Häven sich, was ihre Haltung verrät, hingestellt, um der Welt zu zeigen, dass sie das vollster Vertraue» zueinander haben: Hitler, der die Freunde und Mitarbeiter PapcnS ermorden Hess: Goebbels, der vor dem 30. Juni gegen Pape» öffentlich hetzte und Papen— der sich nie geniert. .die merkwürdig ist: er sammelt Madonnenbildcr: es kommt »licht darauf an, von wem sie sind, es kommt nicht daraus au, iroher sie sind. Er sammelt sie wie andere Briefmarken sam- tmiln und keineswegs etwa aus religiösem Triebe: ein Znnmcr seiner Villa ist dazu bestimmt, nur Madounenbilder aufgunchmcn. Diese Erscheinung bietet dem Menschen- betretchter all die Freude, die das eng in seiner Grenze be- schloffene und seine Grenze naiv bejahende, unbekümmert sich selbst erfüllende Leben gibt. Klare, wahre, redliche und ver- läßliche Natur, ohne Problematik und Falschheit. So zeigt sich auch dtieser Mann im Spiegel seiner Lebenserinncrungen. Aber man soll sich dennoch sehr hüten zu urteilen: das ist ein ganzer«nd voller Mensch. Ich will nicht sprechen von der Unmenschlichkeit und dem warmherzigen Egoislentnm dieser naiven Selbstgerechtigkeit. Bon dem Augenblick, wo dieser unpolitischste aller Menschen zu einer politischen Rolle miss- braucht wird, wird ein anderes entscheidend: dieser Plann ist durch und durch Mann des Dienstes. Hier sind noch nicht einmal die A'nsätze zu einer selbst entscheidenden und grübeln- den und wägcenden Persönlichkeit. Hier wird immer die In- struktion, die Ueberlieiernng, der Eonsensus, das„Man muss doch",„Man dvrf doch nicht" das allein Wesentliche sein. Ell guter, treuer Bernhardiner ist der„getreue Ekart", der „brave Hort unH Schirm" doch nur gerade so lange, als ein kluger Mensch dca ist, der ihn in seine Dienste spannt un> apportiercn lehrt,: in Freiheit würde aus ihm ein führungs» loser Wols. Eine Natur wie Hindenburg wird bis zum Tod» fragen: Wo kann ich dienen? Es ist gewiss ergreisend und rührend, dass während des Weltkrieges eine der übelsten und bösesten Naturen der Weltgeschichte gerade diese einfältigste und trcugläubigste sicinem Ehrgeiz und seinem Machtwillen dienstbar machte, gedeckt von der Flagge der nationalen Ideale. Aber da zeigt sich auch die Gefahr! Nach Plaio sollen die Philosophen Führrer der Völker sein. Ein Philosoph würde mit Hindenburg nun eben nicht den Thronstuhl bc- steigen. Nur ein repräsentatives Symbol, ein Fragezeichen, ein Zero. Man kann sagen: besser ein Zero als ein Nero. Leider zeigt die Geschichte, dass hinter einem Zero immer ein künftiger Nero verborgen steht. * Th. Lessing konnte nicht ahnen, wie sehr er mit seiner Prophezeiung recht behalt/M würde. Auf Zero, die Null, folgte Hitler, der Nero. So denkt Spai Man verkündet Auflösung und schlimmes Ende F. W Madrid, 5. August. Die Betrachtungen der gesamten spanischen Presse über den Tod Hinbenburgs und die Nach- solge Hitlers sind— mit Ausnahme des monarchistischen „ABC", das bisher keinen Kommentar bringt— außerordentlich pessimistisch. Tie Tatsache des neuen Rcchtsbruches. der offenkundig vorliegt, wird nur nebenbei erwähnt, da man sich an die Manöver der Nazis hier bereits gewöhnt hat. El„H e r a l d 0" vom 2. August schreibt u. a. folgendes: Hitler und seine Partei fühlen die Notwendigkeit, nach dem moralischen Zusammenbruch, der durch die letzten Ereignisse verursacht wurde, ihre Lage zu festigen... Im Augenblick mag sich seine Lage und die seiner Regierung auch stärken, aber dies erfolgt nur zwangsläufig und vorüber- gehend. „EI S 0 l" vom 8. August(Regierungsblatt) bringt ein längeres Telefonat seines Berliner Vertreters:„Ganz gleich, ob Bolkskanzler, Führer, Konsul. Kanzler oder Präsi- dent," sagt der Berichterstatter,„es handelt sich darum, die Macht über das Schicksal voll und ganz zu besitzen. Der „Familienrat" hat darüber bereits befunden. Die Hauptiorge der Naziregierung bestand darin, die Formel zu finden, die dem Ehrgeiz der Regierungsgruppe und insbesondere dem persönlichen Ehrgeiz Hitlers bis ins Letzte Rechnung trage. Dies hat sich, scheiuts. geregelt.„Führer und Reichs- f a n z l e r." so überschreibt Deutschland das er st e Kapitel der Geschichte des germanischen Konsulats." „S 0 l" kommentiert dann weiter, daß Hitler alles ver- meiden möchte, um wirkliche Präsidentenwahlen, die gesetzlich nach dem Ablauf zweier Monate zu erfolgen hätten, zu proklamieren.„Während der zwei Monate Frist könnte sich zuviel verändern, darum ruft Hitler den Volksentscheid in gleicher Form wie die N 0 v e m b e r-„W a h l c n" von l 8 3 3 hervor,„Wahlen", die von den TA.- und SS.-Führern geleitet wurden und dafür sorgten, dah das Volk zugunsten der Auhenpolit'k Hitlers und der Einheitsliste der Reichs- taqskandidaten„stimmte". Hitler wünscht, dah das Volk die Beschlüsse des„Familienrats" sanktioniert und ihn zum „Führer und Reichskanzler" d. h. Oberherrn über das Tchick- sal der Nation macht. Deutschland beschreitet einen„neuen Weg", der so neu ist, dah man, um ihn zu beschreiten, das Vorbild alter feudaler Traditionen aufwärmen mutz... Heute, wie zu jenen Zeiten, da Teutschland in kleine Ttämme aufgeteilt war. gehorchtdasVolkseincm„Führer" ohne Widerspruch, mit dem einzigen Unter- schied, daß die Macht des Führers und die Zahl feiner Untertanen ins Ungeheure ge- wachsen sind. Die Festsetzung des Volksentscheids auf den lü. August legt offen dar. daß man keine Zeit damit zu verlieren hat. „El Liberal". Blatt der Linksbürgerlichen:„Armee und Plutokratie werden ohne Schwierigkeiten erreichen, dah Hitler ihren Interessen dient. Sie werden aber nicht ver- hindern können, dah Willkürakte und Greueltaten ihrer schizophrenen Handlanger den revolutionären Aufstand, d i e einzige Möglichkeit, die die Rettung Deutsch- lands noch verursachen könnte, beschleunigen müssen." „A hör a", Organ der konservativen Partei, kommentiert aus Vorsicht bisher so gut wie gar nichts. Auch sein Berliner Vertreter,.Tammar. telefoniert, besaht sich aber vor allem mit der Biograsie Hindenburgs. Ein Satz dieses Aufsatzes am Ankang lautet:„Hindenburg ist tot. Aus Hitler ruht im Augenblick die ganze Last der Gegenwart und Zu- kunft Deutschlands!— Grauenhafte Perspektive!" Dann beschlieht F'ammar seinen Aufsatz folgcndermahen: „Die Ernennung Hitlers zum Kanzler war der letzte freie Willensakt des Marschalls. Das Urteil, das die Geschichte über diesen Akt fällen wird, werden wir nur zu bald er- fahren, denn daSReichgehtseinerAuslösungvon Tag zu Tag schneller entgegen..." „El De bäte" sagt in einem RcdaktionSartikel, dah Hitler theoretisch all das wolle, was Hindenburg sein Leben lang erstrebt und verteidigt habe: Deutsches Volk, deutsche Raste, nationale Regierung, Vaterland. Hitler könne dies aber bei den Grundsätzen, aus die sich seine Regierung stütze, niemals er- reichen:„Vorläufig wird es für Hitler noch nicht schwierig sein, die Stimmen der Massen zu erringen. Nicht schwierig, das ist aber auch alles. Entusiasmns wird er nicht erleben. Für das Reich ist die Stunde des Nachdenkens ge- kommen. Gott verzeihe die Vergangenheit und segne die Stunde des Nachdenkens..." Bern, ude z Eanete, der Berliner Vertreter des „Debats", vor einiger Zeit von Goebbels wegen seiner allzu wahrheitsgetreuen Informationen mit Ausweitung spricht in einem Telefonat von„der Angst, die einen be- schleicht, wenn man an die neue Struktur sund Organisation der Führung Teutschlands denkt. Die Ernennung Hitlers sei unvermeidlich für den Nationalsozialismus ac- wesen und ist nicht gerade mit Trauer, aber auch ohne Freude aufgenommen worden. Nur einige hundert Personen, vor allem Frauen und Kinder und einige Provinzler, sammelten sich vor der Reichskanzlei, um Hitler zu huldigen." Ueber den Volksentscheid sagt Eanete: Die Gebildeten werden maliziös lächeln und sagen, dah dem Volk wenigstens das Recht erhalten geblieben ist, eine bereits unwiderrusliche Ernennung nachträglich zu be- ftätigen. Auch die Auslastung derer habe viel für sich, die nicht an freie und geheime Wahlen glauben möchten... pariser veNMle Das Paket „Wieder einmal ein unbestellbare» Paket. Nummer 92 am Boulevard du Voltaire wohnt kein Ehepaar Gabbier. Und dabei riecht das Ding gerade widerlich." Mit diesen Worten stellte der Paketträger der Paketabfertigung des Gare du Lyon, 44, rue de Bercy, in Paris ein in Wellpappe gewickeltes und verschnürtes Paket auf den Tisch der Abfertigungsstelle, auf dem sich schon ein Hustend als„unbestellbar, da Empfänger unbekannt" zurückgekommener Pakete befanden. Einer der Beamten beeilte sich den Bindfaden des Paketes aufzuschneiden, während ein zweiter die zu dem Paket gehörige Bestellkarte aus der Kartei heraussuchte. Inzwischen kam noch ein dritter Beamter hinzu und dieser, neugieriger als seine Kollegen, nahm den Deckel des Pakets ab, um einmal zu sehen,„was denn da so sehr schlecht rieche". Mit einem Schreckensschrei wich er zurück, während seine hinzugeeilten Kollegen entsetzt ausriefen: „Aber das ist ja eine Kindesleiche." Und so war es auch. Die Absenderin, ein Fräulein Malleterre in Montredon(Aude), deren Name wahrscheinlich auch fingiert sein dürfte, hatte an eine gleichfalls fingierte Adresse, wie die im Medizinischen Institut auf Veranlassung der Kriminalpolizei vor- BBiEFKASTEM Cchnr. Sie schreiben nnS.„Fuhr da ein deutscher über den Bodensee nach der Schweiz. Er kritisierte das„dritte Reich" in Ge- meinichast mit einem Schweizer. Ein Nazispion hörte es, drängle sich bei der Paßrevifion in der Schweiz an ihn heran, stellte seinen Namen fest, meldete in das„dritte Reich" und der De/linguent wurde„drüben" verhaftet und in ein Konzentrationslager geschafft. Daher Vorsicht!" flenner der Habsburger. Sie schreiben uns:„Fch glaube den Ver- sager zu kennen: um so verwunderter bin ich über seine Schlamperei und Unkenntnis. Die Angaben des Artikels gehen aus das Buda- pester„Pesti Naplo" zurück, wie der Versager selbst angibt, sie sind also schon deshalb mit Mißtrauen auszunehmen. Fch will die wich- tigsten Angaben berichtigen: Tie Habsburger haben die flron- j u w e 1 e n, einen unschätzbaren Wert, ins Ausland geschmuggelt, sie sind ihnen also nicht weggenommen worden. Tie Büchersamm- lungen, das ist Nationalbibliothek und Fideikomurißbibliothek sind unangetastet geblieben. ES ist davon nichts verkaust worden. Durch eine den HabSburgern günstige Auslegung des Habsburgergesetze» wurde dem ehemaligen Erzherzog Friedrich sener Teil der„Alber- tina", der berühmten Grasiksammlung, ausgefolgt, der nach einer sehr weitherzigen Betrachtung alS Privateigentum Friedrich» be- trachtet werden konnte. Er hat diesen Teil im Ausland verkauft. Au» den Beständen der„A l b e r t i tt a" wurden nur Dubletten verkauft, auch die in nicht nennenswerter Zahl. Die Gobelin» und sonstigen Kunstsammlungen sind unangetastet. Man wollte die Gobelin» während des HnngerwinterS 1919 verkaufen, hat da» aber dann unterlagen. Die Pferde der kaiserlichen Rennställe wurden schon deshalb nicht geschlachtet, weil es kaiserliche Rennställe nicht gegeben hat, die Pserdebestände der Hosreitschule wurden erhalten und können jederzeit besichtigt werden, es werden mehrmals wöchentlich In der spanischen Hosreitschule Vorführungen gemacht. An der ganzen Pferdeschlachtung ist richtig, daß während der Revolution einmal ein Pollziftenpserd von hungernden Demonstranten ge- schlachtet wurde. Fch kenne die österreichischen Alpen überaus gut, und habe dort niemals einen ehemaligen kaiserlichen Wagen usw. getroffen. Wenn e» richtig ist, daß die ll n i s 0 r m s a m m l u n g nach Hollo- wood verkaust wurde, dann wurde dieser Verkauf nicht von der österreichischen Republik, sondern von den Habsburger selbst durch. genommen« Lektion ergab, einen sechs Monate alten Fötus der Paketbeförderung anvertraut, wahrscheinlich um sich des peinlichen Beweisstückes eines Aborts zu entledigen. Irgendeine Spur von den Tätern fehlt zur Stunde noch. Wassersturz Im Tal von Chamonix ging am Samstag eine furchtbare Wasserhose nieder als Fortsetzung der sturzartigen Regen- maasen, die tagsüber gefallen waren. Das Dorf des Pissoures war ernstlich gefährdet. Glücklicherweise wurde die Wasserhose auf die Brüche de la Croix-Verte durch den Sturm abgetrieben. Da diese Brücke ein Hindernis bildete, so wurden die zu beiden Seiten liegenden Läudereien durch die reißend gewordenen Bergströme überschwemmt. Zöglinge der Bergsteigerschule versuchten den Ueberschwemmungen Einhalt zu tun, indem sie große Wälle gegen das Wasser errichteten. Aber zwischen 9 und 10 Uhr abends überfluteten neue Wa*»ermassen die Wiesen und Wälder. Erst gegen Sonntag morgen war die Gefahr behoben. Deutscher Klub Am Samstag, dem 11. August, um 21 Uhr, ist im Deutschen Klub ein geselliges Beisammensein mit Tanz. Gäste sind sehr gerne willkommen. Es wird um 5 Fr. zur Unkostendeckung gebeten. Stellungslose 3 Fr. Der Deutsche Klub ist der Treffpunkt aller Nicht gleichgeschalteten. geführt. Da» Hofmobilicndcpot in der Mariahilferstraße lda» ist wahrscheinlich der vom Verfasser gemeinte Möbelpalasti ist niemals geplündert worden: die wenigsten Menschen in Wien wußten von dem Gebäude und seinem Inhalt. Tie Republik hat in wenigen Fällen, wenn sie Möbel für ihre Aemter u. dergl. brauchte, sie auS diesem Depot genommen, u. a. wurden daraus die Repräsentation»- räume des Bundespräsidenten eingerichtet. Da»„Schloß von Eat- taro" kann der Duee schwer der Zita zur Verfügung stellen, Eat- taro, Urb. Kotor, gehört nämlich nach Jugoslawien. Im Schloß Schönbrunn gab es keine Ministerwohnungen, sondern nur in Nebengebäuden: da» Schloß selbst ist intakt, in Nebengebäuden sind Wohnungen, darunter auch ein sehr bürgerliches, aber kein unsitt- licheS flafseebauS, wa» aber bei der hohen Stellung, die die Ein- richtung de» Kaffeehauses in Oesterreich einnimmt, noch lange keine Entheiligung ist. In der Hofburg sind Wohnungen von Ministerial- beamten, vielleicht auch von StaatStheaterschaufpielern, lediglich in einem Torgang wurden?äden eingerichtet, den größten Laden hat der österreichische Bundesverlag dort. Die historischen Teile der Burg sind unangetastet und können besichtigt werden. In der Neuen Hosburg ist die Wiener Messe untergebracht. E» kann keinem Zweifel unterliegen, daß die Habs- burger, auch Karl und Zita, lehr wesentliche Be- standteile ihre» Vermögen» ins Ausland ge- rettet haben, darunter Bestände, die nicht als habsburgifch- lothringisches Privateigentum anzusehen sind. Schon in der Vor- kriegSzeit waren Vermögensbestände der Habsburger im Ausland, namentlich in der Bank von England angelegt. Der Artikel macht vor allem den sehr demagogischen Fehler, daß er die privaten Ver- mögenSbestände mit den Beständen des Hosärars zusammenwirst. 7c. hatS also niemand notwendig, mit den armen HabSburgern Mitleid zu haben, sie sind immer noch eine sehr wohlsttuierte Familie und haben durch den Krieg weit weniger Schaden gelitten als irgend eine österreichische Familie. Es wird wenig so zahl- und linder- reiche Familien in Oesterreich geben, die so wie die Habsburger nicht einen einzigen Toten aus einem Schlachtfeld des Weltkrieges zu beklagen haben. UebrigenS ist auch das Franz-Ferdinand-Hohen- bergsche Gut Konopischt in der Tschechoslowakei enteignet worden Wenn in der Vermögenslage der Habsburger der Republik ein Vorwurf gemacht werden kann, dann der, daß man die Konfiskation der Güter nicht zu einer allgemeinen Bodenreform ausgenützt hat und daß man die Güter der Hocharistokraten, z. V. der Starhem- berge, unangetastet gelassen bat." StraftDurger Wodicnsdiau Straßburg, 6. August 1934. Antikriegs- und Einheitsfrontkundgebung Zu einer machtvollen Einheitsfrontkundgebung gestaltete sich am vergangenen Freitag im Sängerhaus die Versammlung der sozialistisch-kommunistischen Massen des Straßburger Proletariats. Der große Saal war in ganz kurzer Zeit überfüllt. Die Redner beider Richtungen fanden eine begeisterte Stimmung, die von einer unvergleichlichen Kampfbereitschaft der schaffenden Bevölkerung Zeugnis ablegte. Mit einem Fahnenaufmarsch der Jugendabteilungen beider Parteien begann die von Arbeiterliedern und einem Sprech- chor umrahmte Kundgebung. Dann sprach als erster Redner der bekannte Führer der Straßburger Sozialisten M. E. N a e g e 1 e n. Sein leidenschaftlicher Appell gegen Krieg und Faschismus fand in der Versammlung ein lebhaftes Echo. Frau P e n n e r gab für die Frauen die Erklärung ab, daß sie mit dem Einsatz aller Kräfte bereit sind, die Frauen gegen den Krieg und Faschismus aufzurufen. Besonders beachtet wurde die Erklärung eines Mitgliedes der KPO„ die bekanntlich der Einheitsfront nicht angehört. Dieser nichtoffizielle, aber im Namen vieler KPO.-Mitglieder sprechende Vertreter wünschte, daß die KP.O. aus der Volksfront mit ganz- und halbfaschistischen Parteien aussehe n und sich der gemeinsamen Klassenfront aller Schaffenden anschließen möge. Für die KP. sprach der örtliche Führer Mohn, der vornehmlich die Kriegsvorbereitungen in den faschistischen Ländern geißelte. Der kommunistische Kammerabgeordnete Montjauvais- Paris beschäftigte sich vor allem mit Fragen der französischen Innenpolitik. Nachdem noch ein Vertreter der werktätigen Jugend, eine Erklärung abgegeben hatte, betonte der Führer der freien Gewerkschaften, Imbs, daß die Arbeiter keine Zersplitterung wollten und nur eine Lehre anerkennen würden, die von Karl Marx, August Bebel und Jean Jaures. Es gelte, die Zivilisation und die Menschheit zu retten; Frankreich sei das letzte Bollwerk gegen den Faschismus. Die Versammlung, die allen Rednern begeistert Beifall spendete, nahm einstimmig eine Resolution an, in der sie ihren starken Willen zum Kampf gegen den Faschismus bekundete. Mit der„Internationale" schloß die imposante Kundgebung. Drei verdorbene Burschen Vor dem Schwurgericht des Bas-Rhin hatten sich drei jugendliche Abenteurer zu verantworten, die vor mehreren Monaten einen Bankkassierer überfielen, ihn der mitgeführten Geldsumme beraubten und später noch einige Einbruchsdiebstähle begingen. Das Gericht sprach Gefängnisstrafen von sechs Monaten bis zu drei Jahren gegen sie aus. Vielleicht sind sie nach Verbüßung der Strafe noch einmal auf einen anderen Lebensweg zu bringen und der schäumende Most in ihren Adern sollte dann ausgegoren haben. Eifersuchtsdrama in der Waisengasse Ein schreckliches Drama, das seinen Ursprung in verschmähter Liebe hat, ereignete sich dieser Tage in der sonst so stillen Waisengasse. Dort ging ein etwa dreißig Jahre alter Italiener auf seine um zehn Jahre ältere Geliebte, mit der er ein möbliertes Zimmer bewohnte, mit dem Rasiermesset los, weil er sich einbildete, daß ihn seine Geliebte verschmähe. Er brachte der Frau, die blutüberströmt auf die Straße stürzte, wo sie besinnungslos zusammenbrach, schwere Schnitt Verletzungen am Halse bei. Nach vollbrachter Tat suchte er sich selbst die Halsschlagader zu zerschneiden. Beide wurden mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert, wo der Täter inzwischen gestorben ist. Die Frau ist noch am Leben. Wieder ein schweres Explosionsunglück Beim Tunnelbau Wesserling ereignete sich in einef Tiefe von 2500 Meter ein schweres Explosionsunglück. Ein Sprengschuß ging vorzeitig los. Durch niedergehendes Gestein wurden zwei Arbeiter getötet und drei schwer verletzt. Die Leichen der Getöteten waren schrecklich verstümmelt. Am Aufkommen eines der Sei,werverletzten wird gezweifelt. Die Straßburger sind Frühaufsteher Seit ein paar Tagen tobt ein lustiger Kleinkrieg gegen deB Straßburger Sender- In mehreren Zuschriften in den Zeitungen wird der Sendeleitung der Vorwurf gemacht, daß sie morgens mit ihrem Dienst zu spät beginne.\ iele Hörer möchten, ehe sie die Wohnung verlassen, die Frühmeldungen hören, wie sie auch von anderen französischen Sendern bekanntgegeben v/erden. Die Sendeleitung hat vorerst zu den Wünschen noch nicht Stellung genommen. Vielleicht kann sie sich entschließen, den Wünschen der Frühaufsteher zu entsprechen, schon mit Rücksicht darauf, daß sehr viele Hörer dann nicht mehr auf den Stuttgarter Sender angewiesen sind. Internationale Drucksachenausstellung In der Aubetle ist gegenwärtig aus Anlaß de» 14. Kongresses der französischen Buchdrucker eine interessante Drucksachenausstellung zu sehen, die sowohl den Fachmann und auch den Laien interessieren dürfte. Bezirks* Vertretung in Frankre ch Belgien oder Luxemburg Garant, konkurrenzlose Ma$sen»Konsum- artik. Außereewöhn» Ii« he Verdienstmog* lichk. Ernsthafte Be- werbungen möglichst in deutscher Sprache erbeten an• c aar«Va«and, Wiebelskir» eben(Saar). Pos f. Nr. 3 Örü r den OMamtinöalt verantwortlich Johann P t y tn Tud- weiter für Inserate: Ctto Kuhn tn Saarbrücken Rotationsdruck und Verlag: Verlas, der VolkSstimme GmbH^ Saarbrücken 8» SchUycnstratze 5. Schließfach 776 Saarbrücken, Molluwq gesagt für jungen Saarländer Gelernt in erster saarländischer Firma lür Sanitätsartikel Krankenpflege u. Chirurgie Offerten erb. unt. Nr. 1088 an die Expedition dieser Zeitung