Sinzigs unabhängige Tageszeitung Deutschlands Nr. 185— 2. Jahrgang Saarbrücken, Sonntag Montag, 12.13. August Chefredakteur: M. B r a u n Jlaper um. Jzack in Wien Seite 2 Wie Tc. QecCich ecmotaet xouxue Seite 3 Oladek ütee eJCiiCecdeutschtand Seite 8 Der Oberste Gerichteherr und seine Opfer Die Schande einer Amnestie Berlin, 10. August. Man mag darüber streiten, ob eS in der Weltgeschichte schon Revolutionen oder Gegenrevolutionen gegeben hat, die noch brutaler arbeiteten, die mehr und noch scheußlichere verbrechen häuften als die Bewegung, die sich national- sozialistische Revolution nennt. Soviel aber ist sicher, daß "it Gemeinheiten der Gesinnung die deutschen Nationalsozialisten und ihre parteifanatische Führung nicht übertroffen werden können. AuS dieser Minderwertigkeit , des Charakters entspringt immer wieder der Wille, den ' Gegner nicht nur zu quälen, sondern ihn auch moralisch zu korrumpieren, wenn man nicht vorzieht, ihn zu töten. Sehen wir uns daraufhin die Amnestie an, die ans dem Anlaß der Vereinigung der Aemter des Reichspräsidenten wit dem des Reichskanzlers soeben verkündet worden ist. Eie täuscht politischen Charakter vor, einen Versöhnungs- akt mit politischen Gegnern, die um ihrer Gesinnung willen verfolgt und bestraft worden sind. CS ist diese Amnestie aber leider nur eine Täuschung, denn sie schließt unerbittlich gerade diejenigen aus, die auch im Kerker und in Todes- gesahr die Festigkeit ihrer antifaschistische« Gesinnung be- wahrt haben. Vorbehaltlos werden nur kriminelle Vergehen und Verbrechen amnestiert, soweit die Strafe nicht weh- a' sechs Monate oder 10(10 Mark beträgt und es sich nicht um einen schwer vorbestraften Menschen handelt. » ©et politischen Straftaten werden zunächst alle die- lcnigen nicht berücksichtigt— so unglaublich daS klingt— wirklich politischen Beweggründen entsprungen sind: unter anderem Hochverrat, Landesverrat und über- Haupt alle Taten, die aus„volks- oder staatsfeindlicher Gc- sinnung" kommen. Das bedeutet nach der im„dritten Reich" üblichen Methode, daß keiner der Amnestie teilhaftig wird, ber Gegner des nationalsozialistischen Diktatursyftems>st. Nach dem Wortlaut der Amnestie kommen nur solche Be- strafte für den Straferlaß in Betracht, die aus Schwatzhaftig- keil rder im Rausch oder aus irgendwelcher leichtfertiger Unüberlegtheit gehandelt haben. Mit einer wichtigen Aus- vahme: Parteigenossen des„Führers", die„sich durch Uebereifer im Kampfe für den nationalsozialistischen Gedanken haben hinreißen lassen", also Rohlinge bis zum Totschläger, werden in Freiheit gesetzt, wenn sie zuverlässige Parteigenossen sind. Mit diesem Teil der Amnestie kann buchbstäblich jeder Verbrecher, auch schwerster krimineller Nat«r, begnadigt werden, wenn die nationalsozialistische Partei es will,' denn was nicht alles kann man in die Rubrik Anreihen„Uebereifer im Kampfe für den Nationalsozialist!- ichcn Gedanken". Die Ermordung von Marxisten und anderer lästiger Elemente, Juden zum Beispiel, fällt ganz ahne Zweifel unter diesen Teil der Amnestie. * Ganz anders steht es mit den Gegnern des DiktaturstaateS. Zu Tausenden sitzen sie noch immer in Schutzhast. In vielen Bällen seit Jahr und Tag. Ohne Untersuchung und Gerichts- verfahren, ja ohne baß ihnen auch nur gesagt wird, wessen wan sie beschuldigt. Das einzige„Verbrechen", das gegen h'esc Tchutzhästlinge vorliegt, ist, daß sie eine antifaschistische Gesinnung hatten und durch den Sadismus in den Gefäng- üissen und in den Konzentrationslagern nicht zu Anhängern des Hitlersystems geworden sind. Und was bietet diesen Opfern Hitlers seine Amnestie?„Sämtliche Fälle von Schutz- hast sollen einer beschleunigten Nachprüfung unter- iogcn werden und die Entlassung aus der Schutzhaft soll er- Glgen, wenn der Anlaß für die Verhaftung geringfügig war, oder wenn nach der Dauer der Hast und der Wesensart Her Häftlings erwartet werden kann, daß dieser sich dem untioualen Staat und seinen Organen gegenüber künftig ü>cht mehr feindselig verhalte» wird. Welch eine ungeheure Gemeinheit: erst muß der Häftling durch die lange Dauer der Schutzhast und seinen moralischen Zusammenbruch, durch seine„Wesensart" so erledigt sein, daß der„nationale Staat" keinerlei Gegnerschaft mehr von zu erwarten hat, ehe der Gefangene amnestiert wirb, fo verkündet der„Oberste Gerichtsherr". Möge die Welt siber taö System und den Mann urteilen, der sich mit einer Mechtsj lle ausgerüstet hat wie selten ein Mensch und so er- darmlich keine Rache an Mitmenschen nimmt, die seit vielen Monaten eingekerkert und gequält sind. Fürchtet er diese wenigen maHt- und waffenlose gesangen^ü Volksgenossen? Nein, aber er zittert inmitten seiner Söldnerscharen, seiner gedungenen Mietlinge vor dem unsterblichen Geist der Frei- hcit und der innerlich ungebundenen Persönlichkeit, die in seinen gefesselten Gegnern lebt. # Was sind das für Gegner in den Gefängnissen und in den Lagern? Deutschlands Oberster Gerichtsherr spricht von dem„nationalen Staat". Nun, ein sehr großer Teil der Ge- sangenen haben ihre Gesundheit im Felde für die Selbstbe- hauptung Teutschlands geopfert. Wir nennen keine Namen, um die unbekannten Häftlinge nicht geringer einzuschätzen als die Führer. Vor unserem Auge steht aber eine lange Reihe von Marxisten, von ehemaligen Feldsoldaten, die für immer die Folgen schwerer Verwundungen an sich tragen. Nichts davon steht in der Amnestie, daß wenigstens diese Häftlinge befreit werden sollen. Wir stehen nicht an zu erklären, daß wir jedem Gefangenen raten würden, gegenüber einem solchen System von Gemein- Heit jede gewünschte Erklärung zu unterzeichnen. In der Republik von Weimar hatten es sich die Gegner des Staates zur Gewohnheit gemacht, erst mit allen Mitteln diesen Staat zu bekämpfen und dann um Amnestie zu betteln und zu imnseln. Mehr als ein Dutzend mal haben sie so Amnestien buchstäblich erbettelt. Die Sozialdemokratie ist im„dritten Reich" ihrer großen Tradition aus dem Kaiser- reich treu geblieben: sie kniet nicht vor dem Gegner. Weder die Partei«och einzelne Gefangene haben das„dritte Reich, um eine Amnestie gebeten. Nun aber kommt diese Amnestie, und sie sieht genau so aus, wie wir sie erwartet haben. Die Amnestie zeigt getreu die niedrigen Charakterzüge des „dritten Reichs", das in allen seinen Aeußerungen Deutsch- lands Schande ist. * Der„Führer" selbst nimmt mit dieser Amnestie daS Er- gebnis der scheinlegalen Volksabstimmung voraus. Wenn er die Entscheidung ernst nähme, die er zum 10. August aus- geschrieben hat, müßte er sich aller Akte enthalten, die mit dem Provisorischen seines neuen Amtes unvereinbar sind. Et will doch angeblich das Volk erst entscheiden lassen, ob er Reichskanzler und Reichspräsident sein soll. Seine Amnestie zeigt, daß er selbst die Volksabstimmung sür eine Farce hält Er nimmt jetzt schon die Vereinigung der beiden höchsten Aemter als gegeben an. Nebenher verfolgt wohl die Bekanntgabe der Amnestie wenige Tage vor dem 10. August den Zweck, den Terror der Abstimmung durch die für unpolitische Gemüter bestimmte Vortäuschung einer politischen Amnestie zu ergänzen. Alle Register werden gezogen, um das deutsche Volk und die Welt irrezuführen. Dennoch werben am 10. August Mil- lionen aufrechte deutsche Männer und Frauen sich tapfer gegen das System erklären. Die Frage ist nur, wieviel Nein-Stimmen durch die Reichsregierung zugegeben werden. Nach dem grob-unwahrhaftigcn Charakter dieser„Amnestie" wäre es Dummheit zu glauben, daß am 10. August anders gearbeitet wird, als mit Täuschung und Fälschung. Freiheit, die sie meinen... Das Volk verhöhnt, die Welt belogen Berlin, 10. August. Ter Reichsminister de? Innern hat angeordnet, daß bei der Abstimmung am 10. August sür den Schutz der Stimmlokale und der Abstimmenden unbe- dingt zu sorgen ist. Die zuständigen Stellen sind serner angewiesen worden, jede mögliche Vorsorge zu treffen, daß die Stimmberechtigten entsprechend der ausdrücklichen An- ordnung des Führers und Reichskanzlers ihren Willen in kreier und geheimer Abstimmung bekunden können. Niemand darf in der Ausübung seines Stimmrechts gehindert werden, fei» Minderung von Stimmberechtigten, namentlich auch vor den Stimmlokalen, soll mit alle» Mitteln ver- hindert werden... ..Nein Fahrer" Ein Befehl an die Wehrmacht Berlin, 10. Aug. In einem-Heeresbefehl teilt Reichswehr- minister v. Blomberg mit, daß der Führer und Reichskanzler befohlen habe, die Anrede aller Soldaten der Wehrmacht an ihn solle lauten Met« Führer. f» nene Namen auf der Mordllste Wann kommt die amtliche Aufstellung? Die Aeroprcß-Korrespondenz meldet aus Berlin: Wir erfahren soeben, daß sich unter den Toten des SO. Jnni noch folgende Persönlichkeiten befinden: 1. Oberst von M a r» low, ein Freund des Generals von Bredow, t. Friedrich Weber, der Führer des Bund Oberland, S. Obwurzer, der als Verbindungsmann zwischen Gregor Strasscr und Schleicher genannt wurde und im Kolumbia-Haus das Büro einer wirtschastspolitischen Abteilung der NSDAP, leitete, 4. ein Hauptmann Fischer von der Berliner Gestapo, der zum Kreise des erschossenen von Kessel gehörte, serner gc- rttchtweise 5. Klaus Heim, der bekannte holsteinische Banernführer, der seinerzeit die Ziethen der NSDAP, ver- ließ, wegen Sprengstossvcrgchens eine größere Haststrafe ver- büßte, danach seine alte Tätigkeit wieder ausnahm und auch unter dem Hitler-Regime fortsetzte, unter den holsteinischen Bauern einen großen Anhang besaß und dem Regime fraglos unangenehm war(trotzdem nennen wir seinen Namen mit allem Vorbehalts, 0. Dr. Heim tot 5, der Empfänger der Briese Nöhms aus Bolivia, die von Dr. Klotz veröffentlicht wurden und Röhms Veranlagung auszeigten, ein alter Ober- länder, ehemals Adjutant des Hauptmann Reppo Römer, der in Oberschlcsien den Annaberg erstürmte und Verfasser eines Buches„Freikorps greift an". Ministerpräsident a. D. v. Kahl „Vom Tode plötzlich dahingerafft" Aus Berlin wird der Wiener„ReichSpost" berichtet: „Aehnlich wie der Tod deS Führers der Katholischen Aktion in Berlin, Ministerialdirektor Dr. K l a n s e n e r, dem reichsdeutschen Publikum nur durch eine Parte in der„Germania" bekanntgegeben wurde, erfährt Mün» che« er st heute durch eine in den dortigen Blättern veröffentlichte Todesanzeige offiziell vom Able- ben des ehemaligen bayrischen Minister» Präsidenten v. Kahr, der, wie die Anzeige der Fa- milie es formuliert» am 30. Juni„vom Tode plötzlich dahingerafft" wurde. Daß Kahr ein Opfer der Maßnahmen geaen die Röhm-Rcvolte war, darf natürlich nicht erwähnt werden." * Jetzt sind schon bald zwei Monate in? Land gegangen seit Hitlers großem Morden. Er hat uns die Liste der Er- mordeten in der ersten Woche nach dem blutigen Schlachtfest versprochen. Bis heute hat er sein Versprechen ebensowenig eingelöst, wie alle anderen Versprechen, die er im Lause der Zeit gegeben hat. Wir warten und werden nicht auf- hören zu erinnern. ..Ver hat alte rahnenlildier?" Neue deutsche Parole Weimar, 10. Aug. Wie die„Frankfurter Zeitung" meldet, hat der thüringische Ministerpräsident folgende Ber- ordnung erlassen: „Bei der Vernichtung der schwarz-rot-gelven Fahnen sind die abgetrennten gelben Streifen, soweit sie noch gut er, halten sind und nicht für irgendwelchen Hausbedarf alsbald ausgebraucht werden können, infolge des herrschen- denRohstofsmangels baldmöglichst aus schwarz oder rot umzufärben und so zur Herstellung oder Ans, bessern«« schwarz-weiß-roter oder weiß-roter Fahnen wei» ter z» verwenden. Unbrauchbare gelbe Streifen sind da- gegen bei den Stellen, die sür das Einsammeln von Textil- abfüllen örtlich zuständig sind, abzuliefern, damit diese Stoffe gerissen und wieder zu Kunstwolle verarbeitet wer- den können. Die Vorstände der Behörden usw. haben über die Durchführung dieser Anordnung den vorgesetzten Mini- sterien ebenfalls zu berichten oder Fehlanzeigen zu er» statten." Das haben wir schon einmal gehört. Es war gegen Schluß des Krieges, als Deutschland ihn bereits verloren hatte. Der Zusammenbruch stand vor der Tür. Er wurde mit alten Fahnentüchern und zerschundenem Kupfer noch auf-« zuhalten versucht. Vergeblich! Heute ist Teutschland wieder soweit. Keil Hitlers L Papen im Frack So empfängt man den„Deutschen Gesandten" in Wienl Wien, 11. August. Nun hat Herr von Papen endlich sein Agreement. Aber man kann sagen, daß noch niemals ein Gesandter einer Großmacht unter ebenso seltsamen wie für ihn beschämenden Umständen empfangen wurde. Gestern abend hat der Bnndeskommissar für den Heimatbienst, Oberst Adam, im Wiener Rundfunk über die Ernennung Popens zum Gesandten in Wien eine Rede gehalten, die Herrn von Papen veranlassen müßte, seinen„Führer" um Entbindung von seiner österreichischen Mission zu bitten, wenn er noch Rückgrat besäße. Oberst Adam sagte ganz offen, daß fast die gesamte euro- päische Presse, mit Ausnahme natürlich der reichsdeutschen, der Ueberzeugung sei, daß Papen die Politik-des National- sozialtsmns in Oesterreich fortsetzen werbe,„wenn auch mit anderen Methoden und in kultivierten Formen". Oberst Adam wagte eS, den neuen deutschen Gesandten offen zu ver- höhnen. Er sagte, jetzt werde an die Stelle des Braunhemdes der Frack treten, aber an der Sache werde sich nichts ändern. Sehr scharf äußerte sich der Redner über die Forderungen Oesterreichs an Hitlepdeutschland. Eine rein formale Schlich- ti-ng der Gegensätze zwischen Wien und Berlin sei wertlos. Es komme vor allem darauf an, daß jede moralische, mate- rielle, mittelbare und unmittelbare Unterstützung regierungs- feindlicher»reise der Bevölkerung unterbleibe. Diese Forde- rung sei weder durch die Politik im Braunhemd noch durch eine Politik im Frack zu erschüttern. Es klang wie eine Eni- schuldigung vor der Weltöffentlichkeit, daß man Herrn von Papen überhaupt nach Wien kommen lasse. Oberst Adam wandte sich heftig gegen die reichsdeutsche Presse, die in ihrer Haltung gegenüber Oesterreich nach wie vor feindselig sei. Man habe die Mörder Planetta und Holz- weder als Vorkämpfer deutscher Freiheit verherrlicht. Dabei sei dem sterbenden oder schon toten Bundeskanzler Dollsuß die B r i e s t a s ch e aus dem Rock gestohlen worden. Adam kam zum Schluß, baß die Verständigungsversuche des Deutschen Reiches mit Oesterreich noch aus einem sehr schwachen Fuße ständen. Die Methoden, Geschichtslügen zu verbreite», gestatten nicht, den Rückschluß auf eine Wandlung in der Mentalität, man könne sich nicht voreiligen Hofs» nungen aus die Berufung Papen« hingeben. In diesen Tagen berichtete eine große ausländische Zeitung, Herr von Papen habe sich am Todestage Hinden- burgs hilfeslchend an den amerikanischen Botschafter in Bcr- lin gewandt, weil er Furcht vor Ermordung gehabt hätte. Man hat den Eindruck, daß Herr von Papen jetzt nahezu als E m i g r a nt nach Wien eilt. Man kann nicht sagen, daß er sehr gastfreundlich aufgenommen wird. in MOndien- alles aufgelöst Die„Bedingungen" München, 11. Angust. Die h'.ileramtliche Presse hatte ge- lengnet, daß an das Agreement für Papen irgendwelche Bc- dingungen geknüpft worden seien. Jetzt wird bekannt, daß die österreichische Legion ans Anordnung der Reichs- regicrnng aufgelöst worden ist. Das gleiche Schicksal ist der Leitung der österreichischen nationalsozia- l i st i s ch e n Partei, die ihren Sitz in München hat. be- reitet worden. Man hat die Mitglieder der Parteileitung auf Urlaub, geschickt. Die Auslösung der Parteileitung erfolgte unmittelbar nach der Erteilung deS Agreements für Papen. Tie österreichische Legion befindet sich praktisch im Arrest. Man hat ihr das Verlassen der Baracken verboten. Die Legionäre rechnen mit einer Amnestie der österreichischen Rc- gicrnng, die ihnen die Rückkehr nach Oesterreich ermög- lichen soll. Kurz vor dem 30. Juni 1084 hatte die Legion eine Stärke von über 18000 Mann, die tadellos bewaffnet nnd verpflegt war. Sie erhielt von Reichsstellen eine wöchentliche Löhnung von 8 Mark. Sie sollte bei einem bewaffneten Aus- stände in Oesterreich sofort eingefetzt werden. Innerhalb der sogenannten„Führer" gab es aber schon seit langem große Meinungsverschiedenheiten. Der„Inspekteur", Theo Habicht, der jetzt in die Wüste geschickt wurde, befand sich seit langem im offenem Gegensatz zn dem Wiener Gauleiter F r a u c n s c l d, der ihn der Unfähigkeit bezichtigte. Eine Zuschrift an die„Neue Zürcher Zeitung" teilt mit, daß ein Großteil aller von SS-Kommandos ausgesührten Terror- akte>n Oesterreich nicht einmal im Austrage der öfter- reichischen Landesleitung, sondern auf direkten Be- fehl der„Reichssührung S I.°" in der Gabelsberger- straße in München vollzogen worden sei Wo Ist das Testament? Die ganze Welt fragt und bringt Einzelnere i lVon unserem Korrespondenten) A. Ph. Paris, 11. August. Immer wieder taucht in der französischen Presse die Frage nach Hindenburgs Testament auf. Man kann es hier nicht begreifen, daß ein Mann wie der verstorbene Reichs- Präsident, der im Greisenaltcr zur Staatöführung berufen wurde nnd nur widerwillig dem politischen Parvenü Adolf Hitler die Würde des Reichskanzlers anvertraute, daß ein solcher M* n kein politische? Testament hinterlassen haben soll. Auch i» Deutschland ist die Diskussion um Hindenburgs letzten Willen noch nicht verstummt. Michel Gorel meint im„Excclsior", drei Fragen beschäf- tigtcn vor allem die Geister: Ist ein politisches Testament Hindenburgs vorhanden? Was enthält es? Was hat man damit gemacht? Gorel wollte sich Gewißheit verschaffen. Er wandte sich telefonisch an eine amtliche deutsche Persönlichkeit und erhielt die Auskunft, mit der er gerechnet hatte: ein förmliches Dementi.„Dieses Testament," erklärte der Diplo- mat,„existiert nur in der Fantasie der Feinde Deutschlands. Der Feldmarschall hat nichts, gar nichts hinterlassen, ver- sichere ich Jhneit, vielleicht einige Anweisungen für seine Beerdigung. Aber die haben keine Bedeutung!" Jetzt wurde der Journalist neugierig:„Warum wurden denn," so fragte er, «diese Anweisungen für die Beerdigung" nicht veröffentlicht?" Dir Antivort lautete kurz:„Ich weiß es nickt!" llnd mit einigen Höflichkeitsworten beendete der deutsche Diplomat das Telefongespräch. Und nun erzählt Gorel, was er weiter erfuhr. Ein richtige« politisches Testament Hindenburgs soll tatsächlich vorhan- den sein. Es soll in Gestalt eines„Aufrufs an das deutsche Volk" im letzten Winter i» mehreren Exemplaren abge- saßt worden sein. Doch folge» wir weiter den Aussiihrnngen des französische» Journalisten. Das Testament entsprach einem Abkommen, das zwischen Hindenburg und dem Vertreter des Oohenzollernhauses gelegentlich der ersten Präsidentenwahl im April 1925 abgeschlossen worden war. lWir wollen noch deutlicher sein: ab- geschlossen in der früheren Wohnußg von Hindenburgs Bru- der in der Wittelsbachcrstraße in Berlin-Wilmersdorf in Anwesenheit der Führer der Teutschnationalen Volkspartei und ratifiziert durch einen Brief des Kaisers an den Marschall-Präsidenten.) Das Testament empfahl dem deutschen Volke, nach Hinden- lurgs Tode das Herrscherhans zurückzurufen, das„das Vaterland groß gemacht" habe. Andere genaue Anweisungen enthielt das Testament nicht, bezeichnete auch de» künftigen Kaiser nicht mit Namen. Am letzte» 15. Juni wurde das Testament gelegentlich einer unter dem Vorsitz de? Chefs bcr Heeresleitung von F r t t s ch in Bad Nauheim veranstalteten Zusammenkunft der höch- sten Führer der Reichswehr verlesen. Diese Konferenz hatte die Aufgabe, die Beziehungen der Reichswehr zum national- sozialistischen Regime festzulegen, das damals noch eine starke Gegnerschaft in den Militärkreisen hatte. General von Reichenau, der schon lange Hitler nahestand, erklärte, der Führer habe Kenntnis von Hindenburgs Testament und sei im großen und ganzen damit einverstanden. Infolgedessen beruhigten sich die Reichswehrführer und das um so mehr, als Hitler sich verpflichtet hatte, gegen die SA. radikal und streng vorzugehen. Diese» Versprechen wurde auch in der Weise gehalten, daß. wie man weiß, am 30. Juni Rohm, Ernst, Strasser usw. er- mordet wurden. Nach diesem„Beweis von Energie" ver- bargen die Generäle ihre Freude nicht und zweifelten auch nicht mehr an Hitlers Wort, sogar in dem, wa« die Ersüllung von„Hindenburgs letzten Willen" anbetraf. Nun, so sagt Gorel, ist der Feldmarschall gestorben und sein Testament... verschwunden. So weit, fügt er hinzu, reichen meine Informationen, fetzt müssen wir unß auf das Gebiet der Wahrscheinlich- ketten, der Hypothese begeben. Drei Fragen müsse» geklärt werden: 1. Wie hat man Hindenburgs Testament„unterdrücken" können? Antwort: Zweifellos dank der Mithilfe von Dr. Meißner, dem Staatssekretär des Reichspräsidenten, der, wie„Excelsior" es schon früher behauptet hatte, von der Gestapo nicht aus den Augen gelassen ivird. 2. Warum kein Protest der Familie H o h e n z o l l e r n, die, wie es scheint, im Besitz eines TcstamcntexemplareS ist, das von der Prinzessin Hermine, der Gattin Wil- Helm II. oder von Oldcnburg-Januschau nach Toorn gc- bracht wurde? Tie Erklärung ist recht plausibel: Weil die Hohcnzollern für ihren ungeheueren Besitz fürchten, den das Hitler-Regime unter Umständen einziehen könnte, fer- ncr weil es sich auch der Hohcnzollernprinzen, die- in Deutschland leben, bemächtigen könnte. 8. Wie hätte Hitler es wagen können, gegen die Gefühle der Reichswehr etwas zu unternehmen? Antwort: Nach dem, was man in der letzten Zeit gehört hat, ist die Reichswehr gegenwärtig gar nicht Herr!» der Lage in Deutschland. Sie wird von den braunen Legionen geradezu über- schwemmt. Sie ist durch die Ermordung des Generals von Schleicher geängstigt. Kluge Generäle wie von Reichenau und von Blomberg haben das begriffen und deshalb schon lange vor Hitler kapituliert. Neulich erst hat der Chef der Heeresleitung, General von Feilsch, dieselbe Erfahrung machen müssen. ... Es gibt, fr schließt Gorel, einen geschichtlichen Prä- zcdenzsall zum Verschwinden von Hindenburgs letzten Wil- len: das Testament Lenins, das nach seinem Tode 1924 seinen treucstcn Schülern„verloren" ging. ..prager Episode" Dies schrieb der Freund des Reichspräsidenten Au« der Tschechoslowakei wird uns geschrieben: „Sie, wie auch alle Zettungen der CSR- bringen die Mit- tetlung, daß Streichers„Stürmer" wegen Beleidigung eines fremden Staatsoberhauptes(Präsident Masarytj auf 14 Tage verboten wurde. Sie und alle Zeitungen der CSR. berichten, daß diese Beleidigung in der Nummer 31 des „Stürmer" gestanden habe. Diese Nummer 31 kenne ich nicht. Ich bin aber zufällig im Besitze der Nummer 27 des„Stür- mer" vom Juli 1034 und dort steht auf der dritten Seite, dritte Spalt« in halbfetter Petit-Tchrift folgendes: Prager Episode In diesen Tagen wurde Thomas Garigue M a s a r n k zum viertenmal zum Präsidenten der tschechoslowakischen Republik gewählt. An den Wahlakt schloß sich eine Fahrt durch die Stadt Prag. Interessant war dabei folgendes: „Ans dem Weg zum Rathaus," so schreibt«ine deutsch- geschriebene Judengazette,„hielt der Wagen des Herrn >'ra»denten vor der ehrwürdigen Altneusynagoge ldcr älteste Tempelbau Prags. Anmerkung der Schriftleitung-) und der Herr Präsident verweilte mit abgenommenem Hute in andachtsvollem Schweigen minutenlang vor dem Gotteshaus, dessen steinerne O.uadcrn so viel von der 'Verfolgung und Marter eines Volkes erzählen, das Gott sich zu feinem Führeroolke auserwählte."— Wir könne» es nachträglich nicht feststellen, ob der Bericht auf Wahr- heit beruht, ob sich alles tatsächlich so abspielte, ivie das Blatt es schilderte. Wir wissen nur, daß Masa- ryks Frau Jüdin war. daß e r seinerzeit selbst, noch Wiener Hochfchnlprofessor, s i ch l e i d e n f ch a f t l i ck für den Juden Hilsner einsetzte, der wegen eines grauenerregende» R i t n a l m o r d e s sogar von den liberalistiichen altösterreichischen Gerichten zum Tode ver- urteilt, dann aber zu lebenslänglichem Kerker begnadigt wurde. Nach der Ausrufung des neuen Staates verschaffte Masaryk diesem Verbrecher die Stelle eines jüdi- scheu R e l i g i o n s l e h r e r s in einer böhmisch«» Kletiistabt, er empfing ihn mehrmal« tu privater Audienz und ließ ihm vom tschechische» Staat annähernd eine Mil- lion Tichechenkronc für die—„unschuldig" verbüßte Hast auszahlen. Stimme des Blutes? Sollte es wahr fein, daß Masaryk der uneheliche Sohn eines polnischen Ju- den ist? Es würde manches erkläre». Abor. Die von mir unterstrichenen Worte sind gesperrt gedruckt. Daß der als Staatsmann, als Mensch, als Wissenschaftler so hervorragende— um nicht zu sagen alles überragende Masaryk von einem solchen Schmierfink nicht, beleidigt w«r- den kann, braucht nicht erst ausgesprochen zu werden. Ma» sieht hier nur die Denkungsart eines kranken Gehirns. Eine» normalen Menschen wird es wenig kümmern, von wem der bbjährige Mafarnk abstammt, er wird fein Leben nach feine» Werten beurteilen und er wird den„Wiener Hochickulpro- fcssor", der gegen da» finstere Mittelalter kämpfte lRitual- Prozeß gegen Hilsnerj, einem Innres und Zola als ihnen würdig an die Seite stellen, die gegen die Justizschmach in der Dreufußaffäre gekämpft haben. Daß dieser große Mala- ryk nicht das uneheliche Kind eines polnischen Juden ist, daß der„Stürmer" wegen„unwahren Behauptungen" auf 14 Tage verboten wurde, ist in dieser Angelegenheit eigent- lich das Nebensächlichste. Das Wesentliche ist, daß in Deutsch- land«ine Denkungsart maßgebend ist, die zu Zeiten deS „lib-eralistisch-altösterreichischen Staates" nur bei den Anal- phabcten in Karpathorußland anzutreffen war, dort heute aber auch, dank Masaryk. im Aussterben ist- Nun vernimmt man die Stimme des Mittelalters aus des „deutschen Reiches Schatzkästlcin" aus der„Meistersänger- stadt" Nürnberg. Dieser Streicher, der den„Stürmer" her- ausgibt ist, oder war Volfsschullehrer und ist der„liebe Duzfreund" des deutschen Reichspräsidenten. Geistliche wieder Irei Nach der„Saarbrücker Laudeszeitung" sind die Pfarrer O. Friesenhahn von Koblenz-Neuendors und Coroli von Kell aus der über sie verhängten Schutzhaft wieder in ihre Pfarreien entlassen worden. Demnach sind die übrigen verhafteten Geistlichen ihrer Freiheit nach wie vor beraubt. Ungarn? Emigrant zum Tode verurteilt Paris, 10. Aug. Tic Liga für Menschenrechte teilt mit, daß der ungarische sozialistische Schriftsteller Bela Gador, der alS Emigrant in Ocücrrcich lebte und im Februar von der Dollfuß-Polizei verhaftet und an Ungarn ausgeliefert wurde, wegen einer angeblich von ihm befohlenen Sreku- tion von sechs Konterrevolutionären im Jahre 1019 zum Tode verurieAt worden ist. * Der niationale Verband der französischen Lehrerberuf«« Vereinigungen protestiert gegen die aus dem Nizzaer Lehrer« kongrcß zutage getretenen revolutionären Tendenzen. Die grundsätzlich in Nizza beschlossene Verschmelzung zwischen dem sozialistischen nnd kommunistischen Lehrerverband Hai- wie übrigens der„Petit Paristen" mitteilt, noch keine weiteren Fortschritte gemacht, weil der kommunistische Ber« band sich z« gewissen Borbehalten noch nicht geäußert hat. Die Angst vor der Wahrheit Ausländische Zeitungen sollen nldit ausgelegt werden Die wenigen ausländischen Blätter, die in Deutschland noch verkaust werden dürfen, werden den Zeitungshändlern geradezu aus den Händen gerissen. Noch in diesen Tagen haben wir einen Bericht aus dem„Stürmer" gebracht, in welchem recht anschaulich mitgeteilt wird, wie die Münchener Studenten, einst die Stütze des deutschen Hurra-Patriotts- muö. sich heute wie ausgehungerte Wölfe auf die geistige Nahrung in Gestalt der ausländischen Zeitungen werfen. Diesem Durst nach Wahrheit wird jetzt ein neuer Riegel durch nachfolgenden Erlaß der Reichsbahnhauptverwaltung vorgeschoben. In diesem Erlaß heißt es: „Wir werden darauf hingewiesen, baß Bahnbois-Buch- Handlungen den Reisenden ausländische Zeitungen, auch wenn nicht»ach solchen geragt war, in erster Linie an- geboten haben. Eine derartige Förderung der Verbreitung ausländischer Zeitungen kann nicht gebilligt werden, da es erste Pflicht der BahnhofS-Buchhänbler fein muß, deutsche» Gedankengut zu verbreiten. Wir ersuchen, die Pächter der Bahnhofs-Buchhandlungen anzuweisen, alle» zu unterlasse«, wodurch die Berbreltnng ausländischer Zeitungen nnd Zeit« schristcn gefördert werden kann, insbesondere die Ausloge an in die Augen fallenden Stellen und das ausdrückliche An« bieten. Bahnhofs-Buchhändler, die gegen diese Anordnung verstoßen, beweisen, daß sie den Bahnhoss-Bnchhandel nickt im Sinne nationalen Pflichtbewußtsein« betreiben. DaS Pachtverhältnis ist ihnen daher bei grobem Verstoß gegen obige Anordnung fristlos z« kündigen." Der Deutsche darf also nur die Lügen lesen, die ihm von der gleichgeschaltete» Presse auf Anweisung Goebbels'|er« viert werden. Die Nazi« fürchten die Wahrheit! ES muß schon schlecht bestellt sein um eine Macht, die so Angst not der Berichterstattung der ausländjjcheu Kresse hat. Die Kampfe Das Verbot einer Zelfnng Das anstößige Hitler-Bild Saarbrücken, 11. August 1934. Durch Verfügung vom 9. 8. 1934 hat die Regierungskom- Mission die Wochenzeitung„Deutsche Volks- zeitung" bis ans weiteres verboten. Das Ber- bot enthält keinerlei Begründung. Wie man hört, soll das Verbot wegen eines auf der Titelseite dieses Blattes wieder- gegebenen Bildes erfolgt sein. Dort wird Hitler auf Boso- netten der Reichswehr sitzend dargestellt, während griff- bereite SA.-Hände zu ihm herauflangen. Daneben steht als Text: Holen sie mich schon, oder„heilen" sie noch? Wir weigern uns zu glauben, dah das Verbot wegen dieses Bildes erfolgt ist. Weder der Inhalt noch die Ausführung gehen über das übliche Maß dessen, was man dem Reichs- führer und Reichskanzler Hitler zumuten darf, hintus. Man wird al'o abwarten müssen, welche Begründung die Regie- rungskommission geben wird. Der Fall ist aber geeignet, über ihn ein grundsätzliches Wort zu sagen. Wir weigern uns, den verantwortlichen Kanzler Hitler zu behandeln wie andere Staatsoberhäupter, iveil Hitler nach eigenem Willen nicht der in der deutschen Verfassung vorgesehene Reichspräsident ist, sondern aus vcr- schiedenen anderen Gründen, die auch die Regierungskom- Mission wird anerkennen müssen. Der besondere Schutz, de» die Staatsoberhäupter nach internationalen Gepflogenheiten genießen, hat zur Voraussetzung, daß der Träger dieses Amtes sich dem aktuellen politischen Kampfe fernhält. Hitler aber ist Reichskanzler. Er bestimmt die Nicht- linicn der Regierungspolitik. Ihn, als den Verantwortliche» für alle Staatsgeschäste des„dritten Reiches", müssen wir mit voller Schärfe treffen können. So wie die Nationalsozialisten den Reichskanzler Dollfuß haben kritisieren und bekämpfen dürfen, so wollen und müssen wir gegen den Blutkanzler des„dritten Reiches" vorgehen. Hitler ist nach wie vor der Führer der National'ozialisti- ichen Partei. Er ist oberster SA.- und oberster SS.-Ftthrer. Er wird auch von der braunen Front als ihr oberster Führer anerkannt. Er hat es aus mangelndem Takt und mangeln- dem Anstandsgefühl nicht für nötig gehalten, diese Posten in andere Hände zu legen, als er sich zum„Führer" des„dritten Reiches" selbst erkor. Den Parteiführer Hitler aber be- kämpfen mir bis aufs Messer, wir hassen und verfolgen ihn mit allem, was in uns an Empörung und Wut vorhanden ist. Er hat unsere Gesinnungsfreunde morden und in die Konzentrationslager werfen lassen, er hat Tauiende und aber Taufende braver Arbeiterexistenzen vernichtet. Unfern Kamps gegen diesen Mann ändern wir nicht. Und noch ein letztes! Hitler ivar der erste, der uns bereits im Frühling 1933 als„Landesverräter" beschimpft hat. Er hat diese niederträchtige Beleidigung häusig wiederholt. Das ist eine Verleumdung, und solange er nicht in aller Form diese unerhörte Ehrabschneidung und Verleumdung zurück- nimmt, können wir diesem Führer einer Partei der nieder- trächtigsten Demagogie nicht den Anspruch aus Achtung zu- erkennen, die ivir jedem Staatsoberhaupt zu gewähren ohne weiteres bereit sind. Saar-Sängerfesf verboten Saarbrücken, den 11. August 1934. Das für 7. November angesetzte Saar-Sängerfest des Saar- Mosel-Nahc-GaueS ist verboten worden. Wie das Programm dieses Festes erkennen ließ, handelt es sich um eine einseitig politische Veranstaltung, die in aller Oeffcntlichkeit vor sich gehen soll. Schon immer haben wir darauf hingewiesen, daß die braune Front unter solchen Tarnungen ihre politischen SN der Saar Geschäfte macht. Das Sängerfcst war als besonders großer Schlag aus saarländischem Boden gedacht. Das bewiesen schon die Leitsprüchc prominenter brauner Männer, die durch die Fcstleitung veröffentlicht wurden. Angesichts dieser Tatsache war das Verbot eine Selbstverständlichkeit. Es geht nicht an, nur den Gegnern der braunen Front öffentliche Kund- gedungen zu versagen, sie der verkappten und getarnten braunen Front zu gestatten. Besonders ausführlich aber nimmt die„Saarbrükker Zei- tung" zu dem Verbot Stellung. Sie greift die Abstimmungs- kommission wie folgt an: Wir können uns, wenn das Verbot des Tängersestes wirk- lich auf die Verweigerung der Zustimmung der Abstim- mungskommission zurückzuführen sein sollte, der Empfin- dung nicht erwehren, als führe ihre ungenügende Vertraut- heit mit dem, was die Saarbevölkerung bewegt, mit dem Volksleben an der Saar, sie in eine gewisse Einseitigkeit hinein. Fremdheit ist immer Einseitigkeit. Bevor die„Saarbriicker Zeitung" sich zu diesem Angriff auf die Absrimmungskommi'sion entschließt, führt sie in etwa 50 Druckzeilen einen reinen Eiertanz aus, um der Abstim- »naskommission ihre devote Ergebenheit zu ftiiß?»»w legen. Borchel für Rapen Der neue Saarbevollmächtigte DNB. Neustadt a. d. H., 10. August. Der Führer und Reichskanzler hat den pfälzischen Gauleiter I. Bürckel an Stelle des zum deutschen Gesandten in Wien ernannten Herrn von Pape« zum Saarbevollmächtigtcn der Reichs- regierung ernannt. -i° Der Gauleiter Bürckel gilt als besonderer Vertrauens- mann des jchiverindustriellen Saar-Königs Röchling. Nazi-Angst um die Saar Dortmund, 11. August. Die Angst vor einer Niederlage im Saargebiet läßt die Fantasie der nationalsozialistischen Füh- rung nicht zur Ruhe kommen. In einem Artikel„Dimitroff ante portas?" schreibt die„Westfälische Landeszeitung": „Die marxistischen„Terror-Trupps" an der Saar, die sich unter dem wohlklingenden Namen„Freiheitsfront" zusam- mengcfunden haben, beabsichtigen, am 20. August in Sulz- dach eine Massenkundgebung gegen den Faschismus abzu- halten. Wie hierzu aus gut unterrichteter Oulle verlautet, wird beabsichtigt, den kommunistischen Brandhelden Dimi- troff(der übrigens, was selbst den Redakteuren den„drit- tcn Reiches" nicht unbekannt geblieben sein dürste, vom höchsten Nazi-Gcricht freigesprochen wurde. D. R.s nach Sulzbach beordern und ihn dort vor den sehnlichst erhofften „Massen"... sprechen zu lassen. Tie Einreisegenehmigung für Dimitroff soll bei der Saarregierung bereits beantraot sein" Verhaftung! Wieder ein Werksangehöriger der Röchlingwerke von der französischen Polizei festgenommen DNB. Paris, 11. August. Nachdem die französische Polizei in den letzten Wochen in Hargarten drei Personen unter dem Verdacht der Spionage verhaftet hatte, nämlich zwei Werksangehörige der Werkspolizei ber Röchlingwerkc und eine andere Person in Metz, hat sie neuerdings einen 24jäh- rigen Angehörigen der Röchlingsche» Werkspolizci namens Adolf Litzenberger verhaftet, der anerkannt haben soll, in das Büro der Laargruben eingedrungen zu sein und dort wichtige Schriftstücke entwendet zu haben. Weitere Berhaf- tungen sollen bevorstehen. »er Gipfel Wer ließ auf Polizeikommissar Machts schießen? So haben sie es bisher immer gemacht, die ehrenwerten Nationalsozialisten. Sie haben sich vckr keinem Verbrechen gescheut, haben aber nie den Mut gehabt, sich zu den Ver- brechen zu bekennen. Wenn dann die Wahrkeit doch nicht mehr zu leugnen war, dann drehten sie den Spieß um und schoben das Verbrechen ihren politischen Gegnern in die Schuhe. So machen sie es jetzt mit dem Attentat gegen den Polizei- kommissar Machts. Nachdem der Täter, verhetzt durch die täglichen Verleumdungen der gleichgeschalteten Saarpresse, die Kugeln gegen Machts abgefeuert hat, und nachdem der Attentäter feststeht, versucht es die gleichgeschaltete Presse, den'Attentäter von sich abzuschütteln. Nunmehr will man systematisch das At'cntat auf Machts den Gegnern des Hitler- regimes zur Last legen. Tie„Deutsche Front" bringt in ihrer Samstag-Ausgabe einen Leitartikel, der von einem angeblichen Engländer ge- schrieben sein soll, der sich zum Studium der politischen Ver- Hältnisse an der Saar aufgehalten hat. Dieser angebliche Engländer, der seinen Namen schamhast verschweigt, vor- aussichtlich weil er im Dienste des Berliner Propaganda- Ministeriums steht, schreibt u. a. folgendes: „Daß Baumgärtncr mit Platzpatronen schoß, also gar keine Tötungsabsichten hatte, ist für mich vollständig klar. Und ich muß schon meiner Verivunderung Ausdruck geben, daß man über diese eminent wichtige Frage bis jetzt noch keine Klarheit geschassen hat. Mir ist nicht bekannt, ob die Waffe Baumgartners von einem vereidigten Sckießsach- verständigen untersucht wurde? ivenn eS aber geschah, bin ich überzeugt, daß der Sachverständige einwandfrei fest- gestellt haben mußte, daß es sich nur um völlig ungefähr- ticke Platzpatronen gehandelt haben kann. Banmgärtner, der meines Wissen ei» mehr als anrüchiges Subjekt ist,— er war doch früher französischer Spitzel, Soldatenrat und ähnliches— hat entschieden Pech gehabt. Er ist, wovon ich nicht abzubringen bin, die bezahlte Kreatur irgendwelcher unlauterer Auftraggeber, die alles Interesse daran haben, daß an der Saar Unfriede und Unordnung herrsche." Wer soll nun das Attentat gegen Machts bestellt haben? Der angebliche Engländer schreibt:„Es wäre» die Gegner der Rückgliederung, das ist doch klar." „Ich weiß," so schreibt er weiter,„Herr Machts hat Freunde, mit denen er öfters zusammenzukommen pflegt, die, wenn es ehrliche»Freunde mären, ihm ohne weiteres sagen könnten:„Hier sind die Drahtzieher zu suchen. Dir sollte nichts geschehen: wir brauchte« ein wenig Theater- donner, um eine unsaubere Komödie auszuführen. Verzeih. wenn Du über den Knall crschrackst, aber es mußte so sein!" Wir vermerken diese niederträchtigen Verleumdungen der „Deutschen Front". Baumgärtner hat sich vermutlich nur des „Theaterbonners" wegen von Machts niederschießen und sich ein Bein amputieren lassen. Schon wird im Saargebiet er- zählt— denn hier ist alles möglich— daß Machts seinem be- stellten Attentäter eine Kur an der Riviera versprochen habe und ihn sogar im Auto hinbringen wolle! hinter Zuchthausmauer» verschwinden lassen. Wenn Sic— Sie sind Ausländer und haben vielleicht doch die Chance— herauskommen, veregcsscn Sie nicht, was ich Ihnen in der Löwengrube gesagt habe. Hitler wird mich ermorden. Wenn die Nachricht von meinem Selbstmord kommt, dann Wissen Sie. was sie bedeutet." Ich habe das Versprechen des Ermordeten erfüllt, und wahrheitsgemäß, aus Ehre und Gewisse», zu Papier gebracht, was mir Dr. Gerlich berichtet hat. Dr. Gerlich ist am 39. Juni ermorde« worden. Ich weiß, daß das in der Zelle 37 geschehen ist. Hitler hat. als er über die Morde vom 30. Juni sprach, keinen Namen genannt, er hat auch mit keinem Wort der furchtbaren Mordtat an Dr- Gerlich Erwähnung getan." Rrilgelndcr$A. Trnpplttbrer Wegen Mißhandlung verurteilt Bonn. 11. August. Vor dem Bonner Schöffengericht wurde, so berichtet die^Frankfurter Zeitung", ein SA.-Truppführer wegen Freiheitsberaubung und gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Er hatte einen geistig beschränkten Mann, der sich einer Zechprellerei schuldig gemacht haben soll, festgenommen^ »nd gcohrfcigt und dem am Boden Liegenden Fußtritte vcr- setzt. Ein Polizeibeamter mnßte einschreiten, um den Mig- handelten vor weiteren Tätlichkeiten zu schützen. Der An geklagte gab seine Verfehlungen im wesentlichen zu, bestritt jedoch, den am Boden Liegenden getreten zu haben. Er wurde über den Antrag des Vertreters der Anklage hinaus zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. In der Urteilsbegründung wurde unter anderem gesagt, der An- geklagte gehöre nickt zu den Leuten, die die Bewegung vor^ ivärts treiben, sondern zu denen, die ihr ein Hemmschun sind und sich Rechte anmaßen, die ihnen nicht zustehen- E r habe das braune Ehrenkleid geschändet. Wer die Gesetze nicht achtet, der müsse aus der Volksgemeinlchaft ausgeschlossen werden. * Vergessen hat der verkündende Richter nur eins: daß der SA.-Truppführer seine Strafe nieabzubüßen b r a u ch t. Wenn er nicht ohnehin unter die Hitler-Amnestie fällt, die allen die Strafe erläßt, die sich„im Uebcreifcr" im D'enste des Nationalsozialismus„hinreißen" ließen... Alle... Die politischen Gefangenen werden gequält Prag, 10. Aug.(Inpreßi: Die»Frau des ermordeten Erich Mühsam, Kreszentia Mühsam, veröffentlicht im Prager „Ausruf" einen Artikel unter der Uebcrschrist:„Erich Müh sains Vermächtnis: Rettet die Opfer des»Faschismus!" Sic teilt eine Aeußerung Mühsams mit, die er in der qualvoll- sten Zeit des Brandenburger Konzentrationslagers bei einem Besuche ihr zuflüsterte:„Du mußt versuchen, daS Ausland aufzurütteln: nicht nur ich, sondern alle werden gequält. Helfen kann nur eine gewaltige, unablässige Protest- aktiv» aller jener, die noch menschliches Empfinden besitzen, helfen kann nur eine praktische und opferwillige Solidarität. Alle, die wir als Führer und Verführer abgestempelt wur- den, sind Geiseln in den Händen der Hitlerbanditen. Im Falle eines Krieges oder bei anderen Krise» des faschistischen Regimes werden ivir alle an die Wand gestellt, um jene ab- zuschrecken, diz sich gegen Krieg und Faschismus erh eben." wie sie Dr. rritz verum töteten Ein Hann der viel unkte und darum lllr ewig verstummen muOte Unter Sc« Müiichcne» Opfern des 39. Inui befand sich Dr.'Fritz Ger lich. der sei« der„Machtergreifung" im März 1933 sich in Hast befand. Auf Grund des Berichtes eines frühere« Mitgefangene,, veröffentlich« jetzt das „Neue Wiener Journal" nähere Einzelheiten über das Martyrium, de« dieser Borkämpfer de» Katholizismus in Bayern feit eineinhalb Jahre» ausgesetzt war. „In der Nacht vom 30. Juni 19:14 ist in München der Schriftsteller Dr. Fritz Ger lich ermordet worden. Dr. »Fritz Gerlich war das erste Opfer des Umsturzes vom 9. März 1933 in München. Er wurde am Abend des 9. März 1933 verhaftet und in das Polizeigesängnie in der Löivcugrube gebracht. Ich wurde wenige Stunden später festgenommen und in die Zelle Nr. 30 im dritten Stock geworfen. Tort traf ich Dr. Gerlich an. Er war mit Striemen und Blutergüssen übersät und konnte sich vor Schmerzen aus dem ganzen Körper kaum aufrechterhalten. Ich verbrachte mit ihm einige Tage in ge- meinsamer Haft, dann wurde er von mir getrennt und in die Einzelzelle von Nr. 35 nebenan gesteckt. In dieser dunklen kleinen Zelle blieb er bis zum 28. Juni 1933, kam auf einige Tage in schreckliche Hast nach Ttadelheim und wurde dann wieder in seine alte Zelle Nr. 35 in die Löwengrube in Mün- chcn übergeführt. In der Morbnacht des 30. Juni 1934 wurde er mit anderen Opfern des Terrors in die Zelle Nr. 37, einen Stock höher, geführt und dort mi« einem Gewehrkolben erschlagen. Als er sterbend am Boden lag, gab ein SS.-Mann meh- rere Schüsse auf ihn ab... Dr. Gerlichs Gefangen- schaft war ein grausames Martyrium. In der Nacht zum 18. Mai 1933 wurde er aus der Zelle geholt, angeblich zum „Verhör". Es war der erste M o r d v e r s u ch, der gegen ihn unternommen wurde- Er wurde unmenschlich geschlagen und trug schwere Verletzungen davon. Dr. Gerlich war viele Jahre lang, bis 1928, Chefredak- teur der„Münchcner Neuesten Nachrichten", bann Herausgeber der katholischen Wochenschrift„Der gerade Weg". In dieser Zeitschrift bekämpfte er H tlcr und seine Bewe gung sehr scharf und warnte unaushörlich davor, Hilter Glaube» zu schenken: denn er kannte ihn, die Entstehung seiner Belegung und seiyx intiyrc Anhängerschasi ganz genau. Gerlich war außerdem in den Besitz von Dokumen- ten gelangt, die Hitler, Göring«nd Röhm schwer be- lasteten, und hatte diese Dokumente zum Teil im„Geraden Weg" veröffentlicht. Ich verbrachte, ivie bereits erwähnt, die ersten Tage im Gefängnis gemeinsam mit Dr. Gerlich, vom 10. bis zum 17. März 1933. Ich hatte Gelegenheit, ihn nach der Schrei- kensnacht des 10. Mai zu sehe» und zu sprechen. Ich sah und sprach ihn zum letztenmal während eines Spazierganges im Zuchthaus in Stadelheim am 0. August 1933. Ich kannte Dr. Gerlich von früher her, und er brachte mir ein freund- schaftliches Vertrauen entgegen, das aus dein gemeinsamen politischen Kampf und den Erlebnissen im Gefängnis be- gründet war. Am 12. März 1933 sagte er mir, getreu meinen täglichen Eintragungen: „Ich weiß, ma« wird mich ermorden. Ich weiß, daß Hitler erklärt hat— Information durch Dr. Georg Bell(6er damals noch Hitlers Vertrauen hatte, am 5. April 1933 aber auf Hitlers Befehl in Turchholzen bei Kufstcin, auf österreichischem Boden, von einem SA.-Kom- mando erschossen wurde- Anmerkung des Autors.!,— ich würde zu denjenigen zählen, die, wenn er zur Macht kommt, aufgehängt werden. Gebe,, Sie mir das feierliche Versprechen, falls ich hier den Tod finde und falls Sie lebend aus dieser Hölle kommen, di« Oeffcntlichkeit über folgendes aufzuklären: „Ich weiß durch Dr. Georg Bell. Nachricht vom.5. März 1933. daß Goebbels den Reichstagsbrand inszeniert ha« und daß Göring die Idee» verwirklicht hat." Dr. Gerlich sagte weiter: „lieben Sic mir Ihr Ehrenwort, in der Oessentlichkej« zu erklären, daß ich, wie immer die Nachricht von meinem Tode laute« möge, als überzeugter Katholik de« Selbstmord verabscheue«nd niemals Selbst- mord begehe« werde" Am 0. August 1933 als ich Tr Gerlich zum letztenmal sah es wai bei einem Spaziergang auf dem Gefängnishos zu Stadelheim—, konnte er mir folgendes zuflüstern: „Wir komme« nicht mehr lebend ans diesen Mauern. Man will uns einen Hvchv:rralsprozcß machen und uns ,Deutsche Freiheit'', Nr. 185 Saarbrücken, Jen 11. August Eine verrückte Gesellschaft Das„gemelnschäclliclte Unwesen des Milchiiberflusses" In den»Europäischen Heften", die nicht nur über Europa gut unterrichtet sind, erzählt Justin S t e i n f e 1 d eine seltsame Geschichte von amerikanischer Milchpolitik, die für den Entwicklungsgrad der bürgerlichen Gesellschaft höchst lehrreich ist. Wie lange ist es her, daß man die staunenerregenden Fortschritte der Technik in den höchsten Tönen als sichere Vorbedingungen für das Glück der Menschheit feierte, daß die Verbesserungen der landwirtschaftlichen Produktion neue Beweise für die Zweckmäßigkeit des herrschenden Wirtschaftssystems lieferten! Namentlich die Ergiebigkeit der Milchkühe war ein beliebtes Stück des Wettbewerbs um die Krone der Wirtschaftlichkeit, die in den preisgekrönten Tieren der Landwirtschaftsausstellungen neben Riesenschweinen und unver- sieglichen Legehennen Triumphe feierte. Wie anders heute. Es wird nicht mehr lange dauern, bis man die Züchter solcher Wundertiere als Berufsschänder aus den Fachverbänden ausschließt oder gar wegen wirtschaftlichen Landesverrats ins Zuchthaus schickt. Heute ist die Parole: Einschränkung der Produktion, Vernichtung ihrer lebendigen Quellen! Man erinnert sich noch der Berichte aus Dänemark, wie man erst, um dem Lieberfluß an Rindfleisch zu steuern, eine Masse Ochsen abschlachtete und das Fleisch als Schweinefutter verwendete, wie dann die Schweinemengen vernichtet wurden usw. Und nun hören wir aus den Vereinigten Staaten, daß Wallace, landwirtschaftlicher Berater im„Gehirntrust" des Präsidenten Roosevelt, den radikalen Plan gefaßt habe, nachdem die frühere Abschlachtung von Millionen Kühen nicht zum Ziel geführt hat, nun auf einen Schlag drei Millionen dieser Tiere beiseite zu schaffen, um mit dem gemeinscheidlichen Unwesen des Milchüberflusses endlich einmal Schluß zu machen. Denn es ist klar, daß eine Ueberproduktion an Milch die Preise drückt und damit die Milchviehbesitjer schädigt. Nun hätte ja die Möglichkeit bestanden, die überflüssige Milch oder ihre Erzeugnisse anderweit nützlich zu verwenden, z. B. die Milch an die Schweine zu verfüttern oder Kühe nach den Südstaaten abzugeben, deren Kleinbauern damit nur mangelhaft versorgt sind. Aber die Schweinemast hätte wieder den Preis des Schweinefleisches erniedrigt, eine bessere Ausstattung der südstaatlichen Farmer aber diese womöglich auch noch in die Reihe der Milchkonkurrenten gestellt, also die Milchüberproduktion wieder hergestellt. So bleibt schließlich nur die restlose Vernichtung: Abschlachten der Zuvielkühe und Verscharren der Leichname. So ließe sich die Not der Milchbauern fürs erste eindämmen. Allerdings, erzählt Steinfeld, sind auch noch andere Vorschläge gemacht worden. Sozialstatistiker wiesen darauf hin, daß der Milchverbrauch im Lande nur halb so hoch sei, als er nach den Forderungen der Ernährungswissenschaft sein sollte, daß insbesondere die Kinder in den verschiedenen Die Generallinie Ein Ultimatum der Industriellen Die Industrie hat sich vom Schreck des 30. Juni rasch erholt, sie riskiert, der Diktatur in aller Brutalität ein Ultimatum zu stellen: Hände weg von der Industrie, sonst erschüttern wir durch Massenentlassung das Fundament des „dritten Reiches". Wir zitieren wörtlich aus der Zeitschrift des deutschen Herrenklubs„D er R i n g": Es hat sich in den letzten Wochen aus unserer Devisenlage und aus den Rohstoffversorgungsproblemen, die wiederum durch die Devisenknappheit aufgeworfen worden sind, die Notwendigkeit gewisser zahlreicher und weitreichender behördlicher Eingriffe in das wirtschaftliche Leben ergeben, Eingriffe, deren Grenze eigentlich kaum abzusehen ist... Den Anfang machten Rohstoffeinkaufsverbote, abgelöst durch die Statuierung vielfacher Genehmigungspflichten; es folgten Eingriffe in die Fabrikationsmethoden, Verbrauchsreglungen und schließlich " direkte Beschränkungen der Produktion. Alle diese behörd- Notizen des Orlenlreporters Das Rätsel um den Arlosoross-Mörder— Menschenjagd am Mittelmeer— Abu JUda schießt Gazellen— Die TpHinx hört Radio— Heiße Wissenschaft— Amazonen der Wliste Von Erich Gottgetreu Jerusalem, Anfang August. Der junge Jude Abraham Stavsky aus Polen ist vom Jerusalemer Gericht ivegen Ermordung des Arbeiter- führers Ehaim Arlosoroff zum Tode verurteilt worden— allerdings nicht einstimmig, und von den vier Richtern lzivei Engländern, einem Araber und einem Juden! hat der jüdische Freispruch verlangt. Obwohl die Oesfentlich- teit die Gründe, die den Schulbspruch rechtfertigen sollen, im einzelnen nicht erfährt, gestattet das palästinensische Recht dem Richter, der für Freispruch stimmte, die Darlegung der seinen. Der Richter De Valero hat von diesem Recht Ge- brauch gemacht. Seine Ausführungen klingen beachtlich und sie verleihen der Kampagne, die Stavsky als Opfer eines Justizirrtums erklärt, großen Austrieb. Diese Kampagne wird nicht nur von den Revisionisten, zu deren nativnalsozia- listischen Jdeenkreis sich Ttavsku bekannte, geführt, sondern auch von politisch gemäßigteren Persönlichkeiten des blirger- lichen Lagers. So sehen sich z. B der Oberrabbiner Kook. hinter dem die orthodoxe Vevölkerung steht, und Melr Dizengofs. der Bürgermeister von Tei-Aviv, für die Un- schuld des Verurteilten ein. Hingegen iß man in den Kreise» der Arbeiterpartei, die sich durch den Mord ihres Führers beraubt sieht, von der Richtigkeit des Urteils überzeugt. Ihre Ueberzeugung gründet sich nicht nur auf bestimmte Ergeb- nisse der Beweisaufnahme, sondern auch aus den Umstand, daß von revisionistischer Seite in unverantwortlicher, zum Teil sogar terroristischer Weise gegen Arlosoroff agitiert worden war. Die Erbitterung der Arbeiterpartei wird nun noch dadurch gesteigert, daß ihr von ihrem grimmigen Gegner „die Blutschuld an der Tragödie", die sie selbst erst provoziert haben soll, zugeschoben wird. Die Beschuldigung ist unsinnig. Aber im übrigen ist es fraglich, ob jemals Licht in das Ge- bairnnis des Mordsalls Arlosoroff gebracht werden wird. Gebieten zwischen 17 und 55 Prozent zu wenig bekommen. Sie meinten, wenn man Staatsgelder für die Milchwirtschaft opfern wolle, solle man es doch zum Zweck der Förderung, nicht zur Einschränkung des Verbrauchs tun. Vergebens. Es bleibt bei der Vernichtung. Und die Mittel dazu werden aufgebracht durch eine Buttersteuer, die wieder den Butterpreis erhöht und damit den Butter-, d. h. den Milch verbrauch herabsetzt. Ein Kreislauf im Fehlerhaften, von dem kein Ende abzusehen ist. Bekanntlich ist, da von kaum einer Ware mehr erzeugt wird, als die Verbraucher, wenn sie das Geld hätten, abgenommen werden kann, die sogenannte Ueberproduktion nur eine Unterkonsumtion: ein Zuwenigverbrauch, verursacht entweder durch mangelnde Kaufkraft überhaupt oder durch künstliche Steigerung der Preise, die die Waren für viele unerschwinglich macht, schließlich auch durch Andersverwendung der Mittel, wenn z. B. Väter am Milchgeld für die Kinder sparen, um es für Alkohol, Tabak, Spiel und Wetten zu verwenden. Die Abhilfe müßte also statt durch unwirtschaftliche Vernichtung von Werten, durch Steigerung der Kaufkraft, d. h. des Einkommens der heute nicht kaufkräftigen Schichten und Förderung seiner vernünftigen Verwendung herbeigeführt werden. Da man aber diese Grundlagen der kapitalistischen Wirtschaft nicht antasten will, so bleiben eben nur jene Auswege der Vernichtung, die den Sinn der Wirtschaft, d. h. der möglichst vollkommenen Versorgung der Menschheit, in Unsinn verkehrt. So zerbrechen sich die Führer der Landwirte den Kopf, wie man die erzeugten Mengen niedrig und dadurch die Preise und die Bodenrente hochhalten könne, während in Indien und China fast alljährlich Millionen Menschen verhungern. Getreide- und Apfelsinenladungen werden ins Meer, Milch in die Flüsse geschüttet(wodurch wieder die Fische vernichtet werden), Kaffee und Baumwolle verbrannt usw., während in denselben Ländern zahllose Kinder unterernährt aufwachsen und ungezählte Millionen an Lebensmitteln und Genüssen darben müssen. Das ist wohl das Gegenteil einer vernünftigen Weltordnung. Aber da sich an diese Ordnung der kleine Bruchteil der sozial und politisch maßgebenden Kreise und ein größerer von Schmarotzerelementen jeder Art anklammert, um ihre Herrschaft und ihr unnützes Dasein zu behaupten, so muß es wohl so bleiben. Und die Mittel, die man für die bessere Ernährung und Behausung der Massen nicht aufwenden will, verschleudert man in großzügiger Weise für die Fütterung der Pinkerton-Banden, der Mussolini, Hitler- Göring und sonstiger Gangster-Führer mit ihrem Anhang müßiger Raufbolde, deren Aufgabe es ist, diese„Ordnung" gegen ihre Kritiker und gemeingefährlichen Umstürzler zu schützen. Eine verrückte Gesellschaft! lichen Zwangsmaßnahmen, die vielfach auch gleich noch mit Zwangskartellierungen und Investitionsverboten verknüpft wurden, haben der ganzen Wirtschaft und dem ganzen Volke nun mit einer Eindringlichkeit, wie sie nicht Worte, sondern eben nur Geschehnisse zu erzeugen vermögen, gezeigt, daß wir nicht allein auf der Welt sind(daß also Hitlers Gerede von der Autarkie grober Unfug ist. Red.). Nichts kann die ungeheure Bedeutung des Devisen- und Rohstoffproblems für die Beschäftigung der deutschen Industrie, also schlechthin dafür, ob wir arbeiten können oder nicht— nichts kann diese ungeheure Bedeutung sinnfälliger und zugleich warnender dartun als die Tatsache, daß ein an sich noch gut beschäftigter Wirtschaftszweig wie die Textilindustrie durch gesetzlichen Eingriff zur Kurzarbeit gezwungen werden muß, weil wir sparsam mit den Rohstoffen umgehen müssen." Es entwickle sich eine Art von Zwangswirtschaft wie im Kriege.„Die Einwirkungen gehen immer tiefer, werden immer breiter, und am Ende einer solchen Entwicklung kann nur zu leicht ein Zustand stehen, in dem die Dispositionsfreiheit der privaten Wirtschaft aufgehoben, vcrschwun- Der lebende Führer bemühte sich um die Kraft der Einigkeit,, sein Tod zerreißt das Volk in zivei einander Hossende Hälften. Dies ist der Tragödie zweiter Teil. * In der Nähe von Jaffa haben Beduinen ein Boot, das, beladen mit einwanderungslustigen Juden ohne Einwan- derungspapiere, aus Alexandria kam, beim Landungsversuch abgefangen und an die Polizei verrate». Tie illegalen Rei- senden müssen mit ihrer Deportation, ihre Schmuggler mit einer größeren Freiheitsstrafe rechnen, uud die neue Heimat bleibt ein Traum. Zu Lust. Wasser und Land werden die Grenze» scharf kontrolliert. Einwanderer finden nur„auf Zertifikat" Einlaß oder gegen den Nachweis, daß sie Tourt- sten sind, die das Land nach bestimmter Zeit wieder verlassen werden. Bereits auf den englischen Konsulaten der Ausreiseländer wird dieser Nachweis verlangt. Er ist garnicht leicht zu führen. Unter anderem fetzt er einen größeren Kapitalbesitz voraus. * und überhaupt wäre sein Mandant nie gefaßt wor- de», wen» die Zeitungen nicht immer lein Bild verössent- licht hättenI", rief Abu Jilbas Verteidiger wü'tend. Ruhig er- widerte der Vorsitzende:„Aber er hat sich stets sehr gern fotografieren lassen und sich nie als ein Feind der Publizität gezeigt. Ter Herr Verteidiger möge seine Klienten in Zu- fünft warnen" Ter Raubmörder, aus dem Volkslied und Legende im Laufe der Zeit einen arabischen National- Helden gemacht hatten, ist gemeinsam mit seinem mttange- klagten Komplicen Ahmad Mustafa alias AI Armeet zum Tode verurteilt worden- Die Richter der Stadt Nablus ließe» von mehr als einem Dutzend Morden, die dem Uebel- täter zur Last gelegt werden, nur den letzten, dem ein Polizist zum Opfer siel, zur Verhandlung kommen. Tic Angeklagten erklärten, daß sie zur Zeit des Verbrechens gar nicht in Palästina, sondern„auf Reisen", nämlich in Transjordauien gewesen seien Vorsitzender:„Und die Feuerwaffen. die man bei dir fand?" Abu Jilda:„... benutze ich zum Rebhühner-. und Gazellenschicßcn." Vorsitzender:„Und das Geld um die Waffen zu kaufen?" Abu Jtlba:„Daö hat mir meine Frau gegeben." El Armeet:«Und mir meine Mutter.^* den ist, abgelöst von den Direktiven der Behörden. Dieser Gefahr offen ins Auge zu sehen, ist um so notwendiger, well das, was am Ende dieser Entwicklung stehen könnte, keinesfalls dem Grundgedanken des neuen Staates entsprechen würde. Die große Entscheidung ist damit gekennzeichnet. Es ist einfach die Frage: Wie kommt die deutsche Wirtschaft durch den Engpaß hindurch, durch die Unfreiheit wieder zur Freiheit. Die Unfreiheit würde im Falle ihrer Verewigung der nationalen und wirtschaftspolitischen Generalidee zuwiderlaufen. Nur am Rande sei dabei noch vermerkt, daß auch das Instrument der Errichtungskontrolle, des Investitionsverbots, in weiterem Umfange als bisher angewandt, der Generallinie widersprechen könnte." Die Generallinie des Bündnisses zwischen Großbesitz und Nationalsozialismus ist unbedingter Schutz des Großbesitzes. Die Generallinie der Wirtschaftspolitik bestimmt der Großbesitz. Die Kontrolle des Staates„darf auf nichts anderes bedacht sein als auf die Erzielung des höchstmöglichen Arbeitseffekts, der, richtig verstanden, identisch zu sein hat mit dem größstmöglichen Wirtschaftlichkeitseffekt"(d. h. Profit. Red.).„Dieser aber kann nicht erreicht werden in der Unfreiheit." Am Tage der Auslieferung der Zeitschrift wurde die Ernennung Dr. Schachts zum Wirtschaftsminister verkündet..« „Nidil zu vereinbaren" Hetze gegen jüdische Warenhäuser geht weiter Der Gauwirtschaftsberater der NSDAP, des Gaues Köln- Aachen teilt im„Westdeutschen Beobachter" mit:„Es besteht Veranlassung darauf hinzuweisen, daß die grundsätzliche Einstellung der NSDAP, zur Warenhausfrage nach wie vor die gleiche ist, die auch im Programm der Bewegung eindeutig festgelegt ist. Es ist deshalb der Einkauf im Warenhaus mit wahrer nationalsozialistischer Gesinnung nicht zu vereinbaren. Diese Einstellung des Nationalsozialismus zur Warenhausfrage gilt für das Warenhaus schlechthin. Damit, daß gewisse jüdische Warenhäuser eine sogenannte Gleichschaltung vorgenommen haben, deren Wert zudem zumeist zweifelhaft ist. kann an der grundsätzlichen Einstellung selbstverständlich nichts geändert werden." Diese Erklärung des Gau Wirtschaftsberaters dürfte im Zusammenhang mit einer Klage stehen, die die Westdeutsche Kaufhof AG.(ehemals Leonhard Tietz AG.) gegen den„Westdeutschen Beobachter" wegen zweier Aufsätze, die in diesem Blatt anläßlich des Saisonschlußverkaufes erschienen sind, erhoben hat. Zu dieser Klage, durch die eine einstweilige Verfügung beim Landgericht Köln beantragt wurde, nimmt der„Westdeutsche Beobachter" in seiner letzten Nummer in längeren Ausführungen Stellung. Er weist darauf hin, daß in dem betreffenden Aufsatz die in letzter Zeit von Nichtariern als Geschäftsinhabern oft ausgenutzten Möglichkeiten, ihren Namen zu verbergen, angeführt waren, sowie die gesetzlich erlaubte Möglichkeit, bei Aktiengesellschaften die Hinterleute dem Publikum zu verbergen. Die Zeitung hält der Behauptung des Anwalts des Kaufhofs, dieses Unternehmen sei arisch, entgegen, daß dem Vorstand, der aus sechs Mitgliedern besteht, noch immer die Nichtarier Franz Levy und Julius Schloß angehören. Daß diese ihre Aemtcr grundsätzlich zur Verfügung gestellt haben, sei unwesentlich. Im Aufsichtsrat seien von acht Mitgliedern drei Nichtarier, nämlich Dr. Eliel, Fr. Frank und Dr. Tietz (Amsterdam). Aus dem Artikel erfährt man weiter, daß vom Personal am 1. Juli 1934 nur 3,85 Prozent Nichtarier waren. Hierzu bemerkt der„Westdeutsche Beobachter", daß dieser Prozentsatz die leitenden Stellen umfaßt. Auch 47 jüdische Lehrlinge seien noch im Betrieb vorhanden. Daß Dr. Tietz im Vorjahre einstimmig in den Aufsichtsrat gewählt wurde, sei zwar kein rechtsgültiger Beweis für die Annahme, daß er stärker als mit den angegebenen 7,5 Prozent an dem Gesamtkapital seines alten Unternehmens beteiligt ist, lasse aber den Schluß zu, daß die Besißer der Aktien Juden oder Judenfreunde sind.„J u d' oder Judenfreund ist für uns d a s s e 1 b e", schreibt der„W estdeutsche Beobachte r". Die Sphinx hört Radio—; jetzt wissen wir endlich den Grund ihres«Ich weiß nicht, was so» e« bedeuten"- Lächelns. Um das Radtoprogramm des offiziellen ägyptt- scheu Tenders, der erst vor wenigen Wochen eröffnet wurde, ist ein heftiger Streit ausgebrochen. Den Europäern sind die Darbietungen zu arabisch, den Arabern zu europäisch, außer- dem paßt es ihnen nicht, daß so oft Korau und alle arabisch: Poesie vorgelesen wird, der kleine Mann zieht Grammoson- musik vor. Zustimmende Briefe bekam der Direktor des cairinischen Senders bisher nur aus Jerusalem und Da- maskus. wo man sein tönendes Geschenk steuerfrei genießt. Was für ein Tohuwabohu grollender Unzufriedenheit wirds aber erst geben, wenn Ende des Jahres das zweiundstinfzig- sprachige Jerusalem seinen eignen Unterhaltungsrundsunk bekommt? * Der kleine Eairlner meckert, weil er ein Pfund Nunc» funkgebühren im Jahre zahlen soll. Der große, weil er für das Auto, das er fährt eine noch weit erheblichere Steuer zu entrichten aufgefordert worden ist. Von diesem unwill- kommen?» Kind des Finanzministeriums wird nun schon seit 1931 gesprochen. Aber erst jetzt konnte es geboren werden, da nach der ägyptischen Verfassung Gesetze, die ausländische Staatsangehörige berühren der Zustimmung der in Aegyp- ten vertretenen fremden Regierungen bedürfe»: und das sind nicht weniger als elf.... * Am unangenehmsten sind die Hitze tage de? vorderen Orients, wenn sie zu allem Ueberflnß auch noch vom „Ehamstn" überweht wird. Ter Ehamstn kommt au? den Wllstenregiouen. ist vollkommen trocken, bringt Unmengen von Staub mit sich, macht die Atmosphäre undurchsichtig und liegt in den Gliedern wie Blei. Nach Messungen, die die hebräische Universität In Jerusalem mit Hilfe eines Aktino- meters angestellt hat, sind die Sonnenstrahlen an Ehamsin- tagen um so schwächer, je stärker der Ehamsin selber ist. Dieses eigenartige Phänomen wird damit erklärt, daß in be- stimmten Höhenlagen Ehamsinströmungen die Sonnenenergien als infrarote Strahlen absorbieren, in ihrer Inten- sität also schwächen. Die Forschungen auf diesem Gebiet werden fortgesetzt.~- &euts€fke Stimmen» zur„^eutfscfien&veifieit'*• Ereignisse und Sesefiiifi/cn lonnUg-Montag, d«n Ii. und II. August 1934 See Spuk im kca Waide titte MuecschäpfCiche£ese Shhaudqe JSattade Venn der Geschichtsschreiber, etwa im Jahre 2000, an den Puk gerät, den Hitler über das deutsche Volk gebracht hat, * lr d er ihn unter ein Kapitel: Verlogenes Pathos, pfiffige emagogie, verblödete Brutalität, anmaßender Dilettantismus, mythische Vernebelung— registrieren. Und wenn er Wohlwollend ist, wird der Historiker solcher pathologischen •pisode im Leben eines großen Volkes dadurch gerecht zu werden versuchen, daß er die Psychologie der Wunschträume ^schwört und den deutschen Wahn von der Erlesenheit der "utonischen Rasse mit einem mitleidigen Lächeln und mit £">em Hinweis auf die Heimtücke von Minderwertigkeitskomplexen entschuldigt. » Der deutsche Wahn wütet; es geschieht nichts, was er nicht ^fbiegt, und tausenderlei veranlaßt er, was des gesunden *® n"henverstande«, der bitter notwendigen Oekonomie und l'hlechthin des primitiven Anstandes, der selbstverständlichen Voraussetzung aller Kultur, spottet. Jeder beliebige V verschnitt durch diese Exaltationen ist hierfür schraerz- after Beweis. Für diesmal, nur als ein Tropfen solches selbstmörderischen Fegefeuers, eine zufällige Liste: Mehr als fünfzig Thingplätze, amphitheatralische Freilichtbühnen zur Aufführung von Weihespielen, sollen gebaut * erden. Eine dieser neudeutschen Kultstätten ist soeben in "'iedersachsen fertiggestellt und mit dem nationalen Fest- e.'icl„Aufbricht Deutschland" eingeweiht worden. Neben ^iebzig Berufsschauspielern haben tausend Laien mitgewirkt. * r Thingplatz von Heidelberg wurde mit einem Massenspiel •^Deutsche Passion 1933" Ende Juli eröffnet. ♦ In Passan wurde der Grundstein zu einer Nibelungenhalle Stiegt. Scheffels Roman„Ekkehard" wird dramatisiert und *"f dem Hohentwiel aufgeführt. Die Kultspiele auf der * Ussenburg bei Kulmbach beginnen demnächst; wöchentlich W'ingen Sonderzüge 2000 Zuschauer aus Berlin. Beim Preisgericht der„deutschen Arbeitsfront" sind 500 Texte für ein Massenschauspiel„Kraft durch Freude" eingegangen. Berufsmäßige Dramatiker haben sich nicht beteiligt. Der Wettbewerb für ein nationalsozialistisches Chorwerk mobilisierte *00 Komponisten. Auf dem Hintergrund solches dilettantischen Unfugs freuen sich die Unentwegten, Reinhardt als kine überwundene Gefahr zu kennzeichnen, als den,„der tias Theater der Gegenwart an den Rand des Unterganges ebracht habe". Ein dritter Wettbewerb ist für ein Schlageterforum ausgeschrieben worden; es gilt, einen Hain mit Aufmarschgelände für 300 000 Personen, eine Ehrenhalle für 1000 Personen, ein Amphitheater für 100 000 Personen und eine Sportarena für 50 000 Personen architektonisch zu gestalten. Zum Wesen des deutschen Theaters äußerte sich der Propagandaminister: I.„der Künstler hat das Recht, eigene Wege zn gehen, denn auf diesem Wege sollen die Völker später nachmarschieren"; IL„das Theater darf keine Experimentierstätte mehr sein. Das ewige Schreien der Modernen wird auf die Dauer lästig"; III.„das Theater muß von zeitnahen Menschen geführt Verden. Der Staat hat das Recht und die Pflicht, darüber au wachen, daß sie in Taktglcichheit mit dem Rhythmus der Zeit marschieren. Auch der Künstler muß in der richtigen Winkelstellung stehen", * Um da praktisch nachzuhelfen, ist beim Propagandamini- Zerium ein Referent bestellt worden, der„Die sechs Bücher 'es Monats", die jeder Deutsche lesen sollte, bestimmen wird. *ür Schlesien hat Alfred Rosenberg auf der„Schlesischen F.ulturwoche" das Notwendige gesagt. Inzwischen hat die I.'.ppisdhe Landesregierung(das gibt es also noch) die Extern» kleine(kleine Felsblöcke mit eingemeißelten Figuren der Frühzeit) zum Nationalheiligtum erklärt. In Lübeck tagte lAnfang Juni die Nordische Gesellschaft zur Vertiefung des gordischen Gedankens, während in Travemünde das Deutsch- Gordische Schriftstellerhaus für solche, die im nordisch-ger- Xuanischen Sinne arbeiten, eingeweiht worden ist. In Stuttgart wird eine Festwoche für den deutschen Kulturkreis außerhalb des Reiches vorbereitet. Die Preußische Akademie der Wissenschaften bestimmte 100 000 Mark für die Herstellung eines hundert Millionen Deutschen umfassenden „Atlas des deutschen Lebensraums". Die Sudetendeutschen (die Pest überflutet bereits die Grenzen) haben für die Melodie des„Niederländischen Dankgebetes" einen neuen Text erfunden; er schildert die einzelnen Stufen der„sudetendeutschen Kultur- und Heimatschöpfung", * Die im Ausland tätigen Museumsbeamten und Wissenschafter sind zurückberufen worden. Davon betroffen wird auch die erst kürzlich in die Südsee abgereiste Expedition des Völkerkundemuseums. Auf der Tagung des Deutschen Museumsbundes wurde beschlossen, daß künftighin die Volkskunde ersten Rang habe. Professor Jakobi betonte, daß es nicht anginge, für den Aufbau asiatischer Paläste, wie etwa das Milet-Tor in Berlin, Geld auszugeben. Die Museumsfachleute stimmten ihm zu. Der Berliner Museumsdirektor Professor Unverzagt unternimmt Mustergrabungen nach germanischen Altertümern in Zantocfa. Das Berliner vorgeschichtliche Seminar wird während eines ganzen Semesters dorthin verlegt. Die in jahrzehntelanger Arbeit geschaffene Staatliche Kunstbibliothek muß, ohne daß sie neue Unterkunftsräume hat, ausziehen, weil die Staatspolizei das Gebäude beansprucht. In Göttingen findet eine Ausstellung statt„Das Deutsche Recht in Vergangenheit und Gegenwart", es soll die weltgeschichtliche Bedeutung des germanischen Rechts, des einzigen, noch organisch lebendigen Kulturrechts in Europa, gezeigt werden. Der Literaturhistoriker Professor Dr. Julius Petersen schreibt ein Werk„Die Sehnsucht nach dem dritten Reich in deutscher Sage und Dichtung". In der Nähe von Heidelberg wurde im Juni ein Schulungslager des„Dichter- kreises" eingerichtet; auch Komponisten und Regisseure sind zugelassen; Hauptthema: Kultische Festgestaltung. * Die Bücherei des Volksbildungsverbandes Pfalz-Saar ist von allen fremden Bestandteilen gereinigt worden. Die Stadtverwaltung in Chemnitz hat die wertvollen modernen Bilder aus der sogenannten„Schandausstellung", von denen die städtische Kunstsammlung„befreit" worden ist, für ein Spottgeld verkauft. Der Direktor des westfälischen Provin- zialmuseums in Münster, Dr. Hermann Reichling, wurde wegen Widerstandes gegen den deutschen Gedanken in Schutzhaft genommen. In Stuttgart, im„Haus des Deutschtums", findet eine Ausstellung des Gesamtwerkes des Dichters Joseph Ponten statt; das Hauptstück ist der mit größter Sorgfalt auf Tafeln ausgeführte Stammbaum Pontens, der dessen reinarische Abstammung zeigt. In Berlin gab es, unter dem Protektorat des Ministerpräsidenten Göring, eine Ausstellung deutscharischer Jagdmaler— und Bildhauer„zum Segen des weidgerechten deutschen Jagdwesens". Wer künftighin einen Jagdschein haben will, muß eine entsprechende Prüfung machen, um zu beweisen, daß er die Jagd als Kulturfaktor und als wesentlichen Bestandteil der deutschen Geschichte erkannt hat. Die Goethegesellschaft, deren 49. Hauptversammlung in Weimar tagte, befaßte sich mit einer Veröffentlichung der Dokumente über Tod und Bestattung Schillers; es handelt sich um die auf nationalsozialistischen Schulungstagungen vorgetragene Behauptung, daß Goethe aus Neid und weil er Freimaurer war, Schiller hätte ermorden lassen. Die Standesbeamten sind angewiesen worden, auf die rechte Auswahl des Vornamens zu achten, denn„diese sei von grundlegender Bedeutung für den späteren Werdegang eines jeden jungen Deutschen... für jede deutsche Mutter ist es eine hohe Aufgabe vorgeburtlicher Erziehung, schon frühzeitig den rechten Vornamen für den erwarteten Erdenbürger auszuwählen und ihm damit ein kostbares Erbgut ins Leben mitzugeben... ein sträflicher Unfug sei es, gute deutsche Vornamen durch Kosenamen oder gar durch orientalische Namen au verstümmeln.„Und dann werden deutsche Namen empfohlen und deren Deutung gegeben: Rudolf= Ruhmeswolf, Benno— kleiner Bär, Arno— kleiner Adler, Siegfried— Friedcnsbringer, Lothar— Ruhmheer, Leopold — der Volkskühne. * So komisch solch eine Liste der Zerfallserscheinungen deutscher Kultur und allgemeiner menschlicher Vernunft auch anmuten mag, so ist sie doch zugleich eine Gefahrsanzeige: denn Barbaren haben stets die Neigung, in die blühende und besonnte Landschaft der Nachbarn einzufallen. ^Bauioischeiuismus »Sehnsucht nach dem pflanzenhaft Tierhaften" , Die„Nationalsozialistischen Monatshefte" beantworten diese Frage; dort schreibt der Architekt Alexander von Senger wörtlich:„Der Bolschewismus, diese moderne Bezeichnung eines Geisteszustandes, der so alt ist wie die Welt, 'st das politische System des folgerichtigen Materialismus. Dieses System erhält seine erste Formulierung durch den Engländer David Hume und die Enzyklopädisten; Karl Marx Und Lenin haben es bis in seine letzten Folgerungen durchgeführt. Der Bolschewismus ist ebensowenig neu wie der Materialismus früherer Zeiten. Neu ist an ihm die Tat, daß diese Philosophie hier die Grundlage einer politischen Systematik wurde, die nach Verwirklichung strebt. Da der Materialismus philosophisch und wissenschaftlich unhaltbar ist, könnte man ihn die Weltanschauung der Unwirklichkeit nennen. Die Bolschewisten sind somit, abgesehen von zahlreichen Entarteten Begabten und Verbrechern, letzten Endes, sofern sie wirklich gutgläubig sind, Illusionisten, Phantasten und Schwarmgeister. Die treibende Kraft, die den Bolschewismus erfüllt, ist die Sehnsucht nach dem pflanzenhaft Tierhaften. Es handelt sich um einen Rückbildungsvorgang rein reaktionärer Art. Der Marxist Otto Bauer sprach u. a. auf einem früheren österreichischen Parteitag folgende Worte aus:„Nur Von Internationale zu Internationale, nur zwischen Zürich und Moskau kann die Einheitsfront des Proletariats gegründet werden". Hier wird eine Tatsache bestätigt, die bereits von vielen gefühlt wird. Zürich und Moskau sind die scharfen Greifer der Zange, die Mitteleuropa zermalmen soll. Die Schweiz ist somit das ideale Untersuchungsfeld für die Beziehungen zwischen Architektur und Revolution. Der politisch organisierte Bolschewismus wurde auf Schweizer Boden im Sommer 1915 in Zimmerwald gegründet. Im Jahre 1916 entstanden die ersten Unruhen in La Chaux de fonds, der Heimat von Le Corbusier." Wem danach noch nicht alles klar ist, der wird wohl von dem Senger nähere Aufklärungen noch fordern müssen. Der Film in Rußland Der Ruf, den Hollywood als Filmstadt in der ganzen Welt genießt, läßt die russischen Volkskommissare nicht ruhig schlafen. So haben sie beschlossen, selbst die größte Filmstadt der Welt in der Nähe von Baku zu schaffen. Alles wird dort auf das Hervorragendste eingerichtet und mit dem erstklassigsten Material an Menschen und Geräten versehen sein. Man sieht die Möglichkeit voraus, mehr als dreißig große Filme zu gleicher Zeit drehen zu können. 36 neue große Filmzeitschriften sollen dort verlegt werden. Der allgemeine Plan liegt bereits fertig vor. Auf jeden Fall hat das Land der Sowjets einen Plan mehr. Jeder ist dort zufrieden, wenn einer der vorgefaßten Pläne auch wirklich zur gegebenen Zeit ausgeführt wird. Die geleistete Arbeit genügt, Alle Adelsgeschlechter mit jüdischem Bluteinschlag sind in der Neuauflage des Gothaer Almanachs nicht mehr aufgeführt. „Was ist dein Blut denn nicht mehr blau, Edward, Edward? Was ist dein Blut denn nicht mehr blau, Und im Gothaer steht nicht dein Nam'— oh?" „Sie prüfen den Stammbaum jetzt ganz gern" Mutter, Mutter! Sie prüfen den Stammbaum jetzt genau. Und meiner, der war nicht rein— oh!" „Deiner Ahnen Blut ist adlig und blau, Edward, Edward! Deiner Ahnen Blut ist adlig und blau, Waren Ritter und vornehme Herrn— oh!" „Im Stammbaum ist eine jüdische Frau, Mutter, Mutter! Im Stammbaum ist eine jüdische Frau, Die hat mir alles versaut— oh!" „Deine Ahnfraun waren so blond von Haar, Edward, Edward! Deine Ahnfrau'n waren so blond von Haar, Die können nicht Ursache sein— oh!" „Der Urahn, der führte sie zum Altar, Mutter, Mutter! Der Urahn, der führte sie zum Altar, Die Jüdin,— er brauchte ihr Geld— oh!" „Doch was wird aus mir, der Mutter dein, Edward, Edward! Doch was wird aus mir, der Mutter dein, Steh'n wir nicht im Gothaer mehr— oh?" „Mein grimmigster Fluch soll beschieden dir sein, Mutter, Mutter! Mein grimmigster Fluch soll beschieden dir sein, Denn Deine Großmutter ist's— oh!" ,- Mucki JuMäum einec Dichterin Ricarda Huch, die in diesen Tagen siebzig Jahre alt wurde, hat an der Schwelle des biblischen Alters ein anderes Schicksal verdient, als ihren Lebensabend in Hitlerdeutschland zu verbringen. Sie ist eine große Dichterin und alles, was sie schafft, Lyrik, Epik und historische Monografien, trägt den Stempel des Echten, des Ehrlichen und des wirklich Geformten. Sie, die um acht Tage älter ist als ihr Landsmann Frank Wedekind, wurzelt mit ihrer ganzen reichen Dichtkunst in vergangenen Zeiten. Ihre Literaturgeschichte der Romantik, ihre Geschichte des Dreißigjährigen Krieges, ihre mittelalterliche Chronik von Jakob Ursleu dem Jüngeren, ja sogar ihr Bekenntniswerk über Michael Bakunin und die Anarchie stehen im Zeichen einer Weltanschauung, die ebenso fern vom sozialistischen und rassischen wie vom gesellschaftskritischen, etwa eines Wedekind, ist. Ricarda Hoch ist eine Dichterin der Klassik. Sie ist aus dem Stamme Goethes, aus einem Herrscherhause, das in Deutschland längst erloschen ist. Ein Land, das die Frau in die Küche und ins Wochenbett verbannt, hat für die Dichterin noch weniger übrig als für einen Dichter(falls einer hinter den braunen Grenzpfählen überhaupt existieren könnte). Nur mit einer übermenschlichen Selbstdisziplin ausgerüstet, vermag ein so ursprünglicher und schöpferischer Mensch wie die Huch in Hitlerindien zu vegitieren. Denn daß sie nichts dort schaffen kann, beweist ihr zweijähriges Schweigen. Wir können nur mit der gesamten Kulturwelt hoffen, daß die verehrte Jubilarin ihre Sprache und ihr Werk in einem für Dichter günstigeren Klima bald wieder findet, F. G. Zeit=7lotizen Galsworthy und die Armen Als die Forsyte-Saga, das Hauptwerk John Galsworthys, in ungarischer Sprache herausgegeben wurde, erklärte der englische Dichter, daß er auf alle seine Einnahmen aus der ungarischen Ausgabe seines Werkes zugunsten der Armen und Bedürftigen verzichte. Jetzt wird aus Budapest mitgeteilt, daß bisher 23 142 Menschen aus dieser Stiftung eine Unterstützung erhalten konnten. Es ist ein wahrhaft schönes Denkmal, das sich da der nun schon tote Dichter selbst gesetzt hat. Ein Hunde-Buch von Kipling Rudyard Kipling, der große englische Dichter, kündigt für den kommenden Herbst ein neues Buch an, das bei Mao Millan in London erscheinen wird. Dieses ganze Buch wird seinen vierbeinigen Freunden, den Hunden, gewidmet sein. Einige der darin enthaltenen Erzählungen, wie„Dinali im Himmel" und„Dein Diener ein Hund" sind bereits in englischen Magazinen erschienen, aber eine dieser Erzählungen „Der Meerhund" ist bisher unveröffentlicht. Autarkie auch in der Schönheitspflege Damit die Deutschen auf die Anwendung der meist fremden Toilettenmittel, Seifen, Cremen und dergleichen verzichten, stellt ein gleichgeschaltetes Blatt unter dem Titel„Küchenreste für den Toilettentisch" eine Liste von Lebensmitteln zusammen, die als Toilettenmittel-Ersatz verwendet werden können; z. B. Tomatenschalen, Gurken- und Kartoffel- Scheiben, Milchreste, Petersilie, hartes Brot usw. Benützt auch Frau Goebbels diese Schönheitsmittel, die die Propaganda ihres Gatten den deutschen Frauen empfiehlt? Ein Braunbuch für den tausendsten Besucher Die Ausstellung„Deutschland nach dem 30. Juni" in den Räumen der Deutschen Freiheitsbibliothek Paris, 65, Boulevard Arago, zählte bis Freitag abend 887 Besucher. Der tausendste Besucher erhält ein Braunbuch II„Dimitroff Aoutra Göring" in deutsch oder französisch zum Geschenk, „deutsche Freiheit", Nr. 185 Das bunte Blatt Lonntag-Montag, 12. II.?lug«ft Die Felder der Ehre . Reims, im August. Lhemin cfes Dames Wir uerlnft'cat Soissons am frühen Morgen. Soissons ist eine tote Stadt mit neue» Häujer» längs des Flusses. Ei» Ort ohne Seele. Höchstens die Ruinen von Saint-Jean-des- Vigncö erwecken die Neugier der Reisenden. Das Atsnc-Tal bildet eine einzige liebliche Landschaft. Lauter junge heitere Dörfer. Wasserfälle, die in der Morgen- sonne sunkeln. Gedenksteine, die nicht häßlicher sind als anderSwo. Tan» plötzlich der erste Friedhof: Condc für Aifne- Parade von sähstaufent tKräbern. Alle sind mit weißem Kreuz und Rosenbusch versehen. Tie Grabhügel so minzig, daß mau kaum einen Kindersarg dort unterbringen könnte. Im Dorfe Soupir, das auf deutsch Seufzen hieße, gibt es eine scharfe Wegbiegung. Ausgerechnet hier, mitten im Staub und Sonnenschein, pslegt siel, allmorgendlich ein alter Hund niederzulegen. Das Tier ist blind und taub. Jeder in der liegend kennt es. Die Wagen, die nach Reims sahrcn, uiüsicn in der Kurve stets ein gefährliches Manöver voll- führen,»in es nicht zn überfahre». Sie werde» dessen nicht müde. Merkwürdig: dieselbe Gattung, die an dieser Stelle Hunderttausende von jungen Liruten niedergemetzelt und eingescharrt hat, ist auch imstande, einem alten Hund scho- nungslos auszuweichen. Am Wegrande hinter Seufzen steht ein blaues Schild: Craonne, 0 Kilometer. Eraonne! Wieviel Todeskämpfe hat diese Wegstrecke mit angesehen?! Vor unserem Auge mar- schieren lange.'füge von Männern mit Tornistern und Hand- granatcn die Hügelstrafte hinauf. Craonne! Es gibt ein Lied ohne Verfasser, ein Lied, denen Vater- schast niemals jemand nachgegangen ist. Von diesem Boden hier stieß es einst gen Himmel, als die Kameraden in den Gräben lagen. Es murde nicht ans voller Kehle geschmettert, sondern gestöhnt, geweint, gemurmelt: Bei Craonne, bei Craonne, Kommt man nicht so rasch davon! Allesamt, allesamt Sind zum Sterben wir verdammt. Ans den Hängen von Craonne.. Das sang man mit halblauter Stimme, denn es war verboten. Es erklang bei Lorette, bei Epargcs, in den Argonnen nach einer klagenden aufrührenden Melodie. Roch jetzt steigen allen die Tränen in die Augen, die sie gesungen haben, ebenso wie bei: Adieu daS Leben, Adieu die Liebe, Adieu ihr Mädchen der ganz»:» Welt. Ein Abcndlied war das, das man in de» Gräben brummte, den Kopf zivifcheu den Schultern, die Hände steif vor Kälte, mit hochgeschlagenem Mantelkragen. Noch heute gibt es Gräben in den Wäldern. Wir wandern durch diese Wälder der Front, wo der älteste Baum nicht stärker ist als der Arm eines jungen Mädchens. Dort liegt ein sast verschütteter Unterstand, hier ein Blockhaus, dessen mooSbedecktcs Zement noch ein wenig ans dem Bode» ragt. Wir steigen, oder besser: fallen hinein: im Innern herrscht feuchter Kellergeruch. Verrostete Wasfcnnägcl liegen umher, zerfressene Holzplanken sehen aus ivic Sargbrctter. Draußen spielt ein frischer Wind in den Bäumen. Am weiten Himmel hinter den Zweigen jagen Tchönwetter- Wolken vorbei. Keine Spur zeugt mehr vom Wahnsinn der Menschen Kein Zeichen blieb vom Grausen der vier Jahre. Auf nach Reims.• Le Cornillet, der Berg der Verzweiflung Mittagslicht über der Champagne. Im Wald von Berru liegt ein deutscher Friedhof. Zehn- tausend Gräber. Je ein Kreuz für zwei Gefallene. Besser Kriegsschauplätze nach 20 Fahren ging es leider nicht. Wir ziehen über die bleichen Felder- Tie Stellen, wo Granaten geplatzt sind, sind heule noch ficht- bar. Die zerschütteten Gräben ziehen am Boden lange Zick- zacklinien. Am Horizont erhebet) sich die beiden Türme von Reims. Mitten auf dem Felde ein blaues Schild des Touring- Clubs. Kein menschlicher Wohnsitz ist zu erblicken. Nichts als die unendliche Trostlosigkeit der leblosen Ebene. Dennoch steht auf dem Schild zu lesen: Nauroy. Hier lag Nauroy. ein reizendes Dorf. Nicht ein Stein von ihm ist auf dem anderen geblieben. Seine Bewohner sind weggezogen, hatte» keine Lust, es wieder aufzubauen. Nur ein Paar war hartnäckig. Es errichtete am Wege ein Häus- chen und begann den Acker zu bebauen. Die erste Ernte war ganz ordentlich. Eines Morgens aber fand man die beiden ermordet in ihrem Bett. Einer jener Plünderer, die sich im Frühjahr IUI» auf den Schlachtfeldern umhertrieben, hatte sie überfallen. Dieser Erdwinkel war offensichtlich verwünscht. Man hatte ihn bis heute allein gelassen. Was ist daS für ein Hügel von leichenhaster Blässe, wo farbloses Gras in kurzen Stoppeln wächst? Ist das nicht? Ja, das ist le Cornillet, der Berg der Verzweiflung. Hier hat der Tod gehaust wie nirgendwo. Eine Straße, aus der dauernd die Aussichtswagen von Cooks Schlachtfelddienst heranpilgern, führt aus diesen Höllenhang. Wir heben eine Hand voll Erde auf. Mehr Eise» als Stein, mehr Metall als Mineral. Schrapnells rollen unter unseren Fußsohlen. Ucberall große Tümpel und Granatlöcher. Das Fort Pompelle bietet seine tiefgclcgcncn Kasematten dem Tageslicht dar. Es macht den Eindruck eines sehr alten römischen Castclls. In wenigen Stunden hat der Mensch dieser Festung das Aussehen gegeben, das die Natur dem .Kolosseum und der chinesischen Mauer nur in zweitausend Jahren aufzwinge» konnte... Douaumont Verdnn ist die Hauptstadt des dekorativen Heldentums. Hier hat der offiziell beglaubigte Ruhm seine schönsten Mo- numente. Eine Märtyrerstadt, die sich mit dem Schlachtselder- gcschäft, der Pflege der Toten und der Ausbeutung der Fremden tröstet. Verdnn lebt zwanzig Jahre nach dem Krieg von nichts anderm als vom Kriege. Auto-Cars, Festungsrundfahrt, Douaumont, Vaux, La Tranchec des Bajonettes, Touville die Zitadelle, der Vorort Pavee. Verdun und seine 400 000 französischen Gefallenen. Die Profanierung dieser Plätze der Trauer ist so üblich ge- worden, daß niemand sich mehr darüber aufregt. Man findet es ganz in der Ordnung, auf dem Totenacker zn globetrotten. In den dunklen Galerien von Baux kneifen die jungen Leute fröhlich die Arme ihrer Mädchen. Und ans dem Massenfriedhof von Douaumont, wo in riesigen Gräbern die sterblichen Ueberreste von SO 000 un- bekannten Soldaten schlafen, streitet man sich um den Play, von dem aus man die Gebeine bester sehen kann.„Komm hierher! Hier siehst Du sie genau! Nein dort! Sieh mal den Schädel da!" Nachdem die lebensfrohen Besucher den berühmten Schützengraben besichtigt haben, aus besten aufgeworfener Erde noch heute die Bajonettspitzen verschütteter Kämpfer hcrausragen, kaufen sie eine Abbildung der Brieftaube von Fort Vaur, dem einzigen Vogel, der jemals in einem mili- tärischen Tagesbefehl zitiert worden ist. Das heldenhafte Tier wurde mit einem Ehrenband ausgezeichnet, weil es seine Sendung pünktlich erledigt und seine Botschaft nach Verdun gebracht hatte. „Na ja," sagt an unserer Seite einer, der dabeigewesen ivar,„die Taube hat es einfach gehabt. Ihre Ausgabe be- stand darin, so schnell wie möglich zu sich nach Hause zurück- zukehren. Wie hätten wir ihr nachgeeifert, wenn unsere Ausgabe dieselbe gewesen wäre!" Gert Helm. Man will die„tusitania" heben London, im August 1034. Vor einem Jahre etwa wurde hier eine Gesellschaft ge- gründet, die vor allem die Schätze, die mit der„Lufitania seinerzeit im Meere versunken waren, heben will. Jetzt sind nun die Vorbereitungsarbeiten für dieses schwierige Unter- nehmen beendet, und in einigen Tagen schon wird das Schiff„Starnin", das für Unterwasteruntersuchungen be- sonders ausgerüstet ist, seine Arbeit auf dem Meere be- ginnen. Man erinnert sich, daß die„Lusitania", eines der schönsten englischen Handelsschiffe, während des Krieges von einem deutschen Unterseeboot torpediert worden war. Mit Mann und Maus war es damals untergegangen. Zahl- reiche Frauen und Kinder hatten sich aus dem Schisse be- sundcn, und die Folge war, daß die Vereinigten Staaten in den Krieg eintraten. Ungeheure Schätze hatten sich auf der„Lusitania" befunden, zunächst einmal 2 00 Millionen Dollar in Gold, med- r e r c K o f f e r mit B r i l l a n t e n, die für große Firmen in Antwerpen bestimmt waren, 2 Stahlkisten, in denen sich wertvolle Steine und Perlen aus dem Besitz eines indischen Maharadscha befanden, schließliche das persönliche Ver- mögen der Fahrgäste, unter denen sich mehrere Multi- Millionäre befanden. Das wertvollste Schmuckstück war der Brillant„Kalif", der der Frau des amerikanischen Stahlkönigs gehörte. Er wiegt nur die Kleinigkeit von 80 Karat. Es gibt also immerhin noch Brillanten, die ihn an Größe übertreffen, aber er überstrahlt sie alle durch seinen Glanz und seine außerordentliche Reinheit. Die Aufgabe, die die Taucher sich gestellt haben, wird nicht leicht sein. Die„Lufitania" liegt zwar auf Sandgrund, aber sie ist mit einer dichten Muschelschicht bedeckt, die hart wie Stein ist. Diese Schicht wird man mit Dynamit sprengen muffen, um den Tauchern einen Weg in das Innere des Schiffes freizumachen. Nach dem geltenden Recht gehören die Schätzt, die aus dem Meer gefördert wer- den, denen, die sie ans Tageslicht bringen. Um nun aber Weiterungen zu oermeiden, hat die Gesellschaft, die die Erpedition des„Starnin" in die Wege geleitet bat, einen Vertrag mit den Besitzern der„Lufitania" geschlossen, a u f Grund dessen sie 75 Prozent der gefundene» Reichtümer erhalten werden, während dem Be- sitzer die restlichen 25 Prozent ausgehändigt werden sollen. Natürlich erst dann, wenn man sie hat. Ein Drama in der Luft Der plötzlich ausgetretene Wahnsinn eines Passagiers war die Ursache eines Dramas, das sich an Bord des Sowie!- Flugzeuges der Linie Kicw-Charkow abspielte und den Sturz der Maschine, die in Flammen aufging, auf die Erdc zur Folge hatte. Zehn Personen und der Pilot verloren bei dieser Katastrophe das Leben. Nur dem Funker gelang es, sich durch einen kühnen Fallschirm-Absprnng in Sicherheit zn bringen. Dieser einzig« lebende Zeuge erzählte nun sc» Hergang des Dramas. Der Apparat flog in einer Höhe von 2000 Meter, als einer der Pastagiere, plötzlich vom Wahn- sin» ergriffen, dem Piloten an den Hals sprang. Nach hes- tlgem Kampf wurde der Irre zur Strecke gebracht, aber einige Minuten später, einen unbeobachtenden Augenblick abwartend, zog er seinen Revolver aus der Tasche und schoß kalt den Piloten und drei Passagiere nieder. DaS Flugzeug, das nun nicht mehr gelenkt wurde, verlor das Gleichgewicht und stürzte sofort ab. Es kam in hellen Flainmen auf deui Erdboden an. Der Funker, der dies« Erzählung wiedergab, hat, nachdem er selbst die Maschine noch hat verlassen könne», alles von außen mit ansehen müssen. Tie abgestürzte Ma- schine mar aber noch lange vor ihm aus dem Erdboden au- gekommen. In einer solchen l^eschwindigkeit hat sich diese» Drama abgespielt, dem so viele Menschenleben zum Opfer fielen. Unsere Töchter, die ikapmn Roman von HermyniaZur Mühlen. 47 ..Ich bin ein Prolet," sagte er.„Ich bin in Köpenick auf- gewachsen, ivir waren acht Kinder und sechs davon arbeits- tos. Da sind sie gekommen mit ihren Versprechungen, und ich habe ihnen geglaubt. Die Marxisten und die Juden sind an allem schuld, haben sie gesagt, und ich habe ihnen geglaubt. Adolf Hitler wird die Arbeiter befreien, lvird ihnen Arbeit und Brot geben, haben sie gesagt, und ich habe ihnen ge- glaubt. Die Kommunisten haben den Reichstag angezündet, haben sie gejagt, und ich lmbe ihnen geglaubt. Schlagt die Feinde des deutsche» Arbeiters tot, haben sie gesagt, und ich... ich habe es getan. Sie haben meinen Bruder, der Kommunist war, aus der Flucht erschossen. Er war ein braver Mensch, ich hatte ihn lieb, aber ich habe ihnen noch immer geglaubt. Ich Narr! Wir Narren!" Und mit einemmal begann er zu schluchzen. „Wissen Sic, was das heißt, wenn einem alles zusammenstürzt? Wenn man begreift, was geschehen ist? Wenn man sieht, wofür man Verbrechen begangen hat? Er war unsere letzte Hoffnung..." Er lachte böse, verbittert: „So sieht sie aus, unsere letzte Hoffnung." Ich schwieg noch immer. Ich nahm ein Tuch und wusch ihm die Wunde. Er lachte wieder. „Ja, die haben mir die Pgs. geschlagen. Unsere Pgs. Weil ich gefordert habe, daß die Versprechen eingelöst wer- den, die sie uns an die tausendmal gemacht haben. Und»venu sie mich erwischen, komme ich zuerst ins Braune Haus und wenn nachher noch etwas von mir übrigbleibt, so kommt dieses Etwas mit zerschlagenen Knochen, vielleicht einäugig, vielleicht halbtot, ins Konzentrationslager. Ich weiß es, ich habe es ja selbst gesehen, bin dabeigestanden, wenn Menschen zu Krüppel geschlagen worden find, Und habe mir gesagt: das muß so sein. Die Späne müssen fliegen, wie der gute Pg. Göring gesagt hat. Der brave, der sozialistische Pg., der in einer schöne» Villa wohnt und ein Landgut kaufen will. Der Wahnsinnige, dem wir nachgelaufen sind. Der uns alle mit seinem Wahnsinn angesteckt hat. Mein Gott..." Er ballte die Faust,„wenn ich sie nur hier hätte, die Führer, alle, die großen und die kleinen. Ich möchte sie bei lcbcndi- gcm Leib zerreißen. Ich möchte..." „Nicht so laut," sagte ich, denn nun schrie er bereits, und ich fürchtete. Seppe! könnte aufwachen und hereinkommen. Ich trat an die Wasserleitung und brachte ihm ein Glas Wasser. Er trank gierig. Dann blickte er mich fragend an. „Glauben Sie mir? Oder haben Sie noch immer Angst vor mir?" „Ich habe überhaupt keine Angst", erwiderte ich ärgerlich. Er schien zu staunen- „Sie haben keine Angst? Wissen Sie denn nicht..." Und nun schien ihm plötzlich ein anderer(Gedanke zu kommen. „Ich geh", sagte er.„Und ich danke auch schön für alles." Ich hätte froh sein müssen, aber ich wollte ihn nicht gehen lasten. Nun glaubte ich ihm bereits, und ivcnn er das HauS verläßt, so geht er vielleicht in den Tod. „Warum wollen Sie auf einmal gehen?" Sein blasses mageres Gesicht rötete sich. „ES ist ja doch eine Schweinerei", meinte er.„Sie sind eine alle Frau und ich bringe Sie in Gefahr. Ich habe schon genug aus dem Gewissen." Und in diesem Augenblick öffnete sich leise die Tür, und Toni trat ein. Sie sah den jungen Mann, aber es war schon zu spät. Er hatte sie ebenfalls erblickt. „Wer ist das?" rief er aufgeregt. Und meine Toni fragte ganz ruhig zurück: „Wer sind Sic? Was suchen Sie hier?" Er nahm ohne Wort das schmutzige Flugblatt vom Tisch und reichte e» j£oni, olg würde dadurch allex erklär^ Sie las es langsam, einmal, zweimal. Dann fragte sie' „Sind Sie der Franz Krüger aus Berlin?" Der junge Mann schrak zusammen. „Sie kennen mich? Werden Tie mich verraten?" „Ich weiß, was heute nacht geschehen ist", entgegnete Ton«. „Ich werde Sie nicht verraten." „Und Sie glauben mir?" „Ja." Toni blickte mich an. „Ob man ihn über die Grenze bringen kann?", meinte sie zweifelnd.„Wenn wir doch noch das Motorboot hätten" „Ich will nicht über die Grenze", rief der junge Mann „Ich bleibe in Deutschland. Ich will Helsen, den Kameraden die Augen öffnen." Er lächelte befangen und wandte sich zu mir: „Sie glauben bestimmt, daß ich ein Feigling bin. Ich Hab« mich auch gefürchtet- Aber jetzt ist alles wieder in Ordnung" „Sie müssen nach Berlin zurück", sagte Toni.„Dort wird man Sie nicht so leicht finden. Hier, in unserer kleinen Stadt, können Sie nicht bleiben." Er nickte. „Aber mit der Uniform dürfen Sie nicht auf die Straße- Mutter, du hast noch zwei Anzüge vom Vater. Gib einen Er wird ihm zur Not passen. Kommen Sie inS Schlafzimmer, dort könne» Sie sich umkleiden", sagte sie dem jungen Man«- „Nein", rief ich,„er soll sich hier umkleiden. Ich bringe de« Anzug." Toni sah mich erstaunt an. Dann ging sie selbst ins Schlaf- zimmer und kam nach einer kleinen Weile mit dem Anzug zurück. Der junge Mann kleidete sich um. Er sah ganz anders aus, als er im Anzug meines Anton vor mir stand. „Wir gehen zur nächsten Station", erklärte Toui„I» einer Stunde fährt ein Zug nach dem Norden." „Sie wollen mitkommen", stammelte der junge Mann. Toni lacht«. Fortsetzung solgt-1 Was bleibt dann? Die Meinung eines klugen Franzosen „Volhsgerkhl" lV o n unserem Korrespondenten.) PariS. 10. August 1034. „Ueber Teutschlands Zukunft" macht Wladimir d' Or- e s s o n im„Figaro" recht bemerkenswerte Ausführungen. Er meint, man frage sich überall, sogar in Deutschland, in welchen Formen sich Deutschland weiter entwickeln werde. Denn die Hitlerdiktatur könne noch lange dauern. Hitler sei noch jung und könne jahrelang am Ruder bleiben. Aber einmal werde er, früher oder später, aus natürlichem oder anderem Wege von der Bildflächc verschwinden. Was werde bann aus Deutschland werden? Zweierlei sei sicher: erstens, tag das Hitlerregime gar kein Regime sei, sondern ein ein- maliges Abenteuer, zweitens gäbe es keine verfassungs- mäßigen Einrichtungen mehr in Teutschland. Ein solches Land niiisse not iv endiger weise ohne festen Halt umhcrtrciben. Mussolini habe klugerweise nicht an der italienischen Monarchie gerüttet. Dadurch sei dem Staat ein Rückhalt und eine gewisse Be- ständigkeit gegeben. In Deutschland fehle dieser Rückhalt ganz. Es gäbe keine Verfassung, kein Parlament, keine Par- tcien mehr— keine Dynastie. Die nationalsozialistische Dik- totur sei eine Einöde. Eine Stunde müsse kommen, wo sich daraus tragische Umstände ergeben würden. Was dann? Eine neue Diktatur mit einen» neuen Rann? Eine mögliche Lösung. Sie»vürde nur von stundenlanger Tauer sein. In jedem Falle»vürde sie nur die Schwierigkeiten bestehen lassen. Sie wäre keine Lösung. Rückkehr zum demokratisch-parlamentarischen System? Eine Möglichkeit, die d'Ormesson ausgeschlossen erscheint. Deutschland»verde seine lebhafte Borliebe für Tozialisic- rung beibehalten,»verde vielleicht sozialistisch sein. Es sei und werde das Gegenteil einer Demokratie sein. Die Wci- warer Republik habe im Volke keine Wurzeln geschlagen. Außerdem habe sie zu viel Gegner gehabt: den verlorenen Krieg, die aufreizenden Auseinandersetzungen mit dem Ausland, die Hypothek des Vcrsaillcr Vertrages, die finanziellen und»virtschaftlichen Schwierigkeiten usw. Der Kommunismus? Kluge Leute seien überzeugt, daß Deutschland sicherlich in den Kommunismus hinein- gleiten»verde, und daß Hitler der Quartiermacher für diese Form der Revolution sei. „Ich persönlich," sagt der berühmte französische Journalist, „glaube es nicht." Ich glaube an eine bis aufs äußer st e durchgeführte planmäßige Sozia- liste rung sPlanivirtschaft! die Redaktion). Aber ich glaube nicht an die Möglichkeit eines kom- m u n i st i s ch e n Regimes. Der Deutsche liebt Barri- laden nicht und hat keinen Sinn dafür. Er ist von Natur kirchlich gesinnt. Was bleibt dann? Die Monarchie? Mir erscheint es völlig klar, völlig sicher, daß Deutschland eines Tages »vieder kirchlich sein»vird. Aber»vann? Keiner»veiß es. Augenblicklich ist die Lage zu fieberhaft aufgeregt. Die Massen halten noch zu hartnäckig an ihren Hitler-Illusionen fest, als daß eine Wiederherstellung der Monarchie»nögltch ist. Aber die Zeit arbeitet für sie. Je nachdem, wie die Enttäuschungen sich vcrinehrcn»verdcn,»vird die monarchi- striche Karte an Wert geivinnen und als die letzte Rettung für Teutschland erscheinen." Die einfache Rückkehr der Hohenzollern an der Spitze eines E i n h e i t s r e i ch e« wäre eine u n e r»v ü n j ch t e Lösung, meint d'Ormesson »vcitcr. Sic»vürde auch scheitern an allerlei örtlichen Wider- ständen. Wenn Teutschland»vieder Monarchie»vürde,»viir- de» nämlich auch die ehemaligen Fürsteniamilien ihren Thron»vieder besteigen. Diese Lösung sei vom europäischen Standpunkt aus als das kleinere Ucbcl anzusehen. Eines, so schließt der Verfasser, ist sicher. Die d e m o- k r a t i s ch e Karte, die Europa um seiner Ruhe»villen lange Zeit in Deutschland gespielt habe, ist verloren. Die schlimmste dieser Karten liege jetzt auf dem Tisch: die Tema- goaic! Aber andere Karten könnten noch gespielt werden. Rühren»vir nicht daran. Aber»venu die Deutschen sie selbst spielen»vollen, dann werden»vir »v o h l im gegebenen Augenblick sehen,»v e l ch- Haltung in an einnehmen uiuß... Görings neueste Polizei Jeder läßt Jeden an Gern iioerwacfcen Die„Deutsche Revolution" von Dr. Otto Strafser schreibt: Nicht» zeigt stärker die innere Unsicherheit des Hitler- Systems al» die gegenseitige Ueberivachung der verschiede- neu Aemter, ja sogar der verschiedenen Mini- st e r i e n unter sich. War die Geheime Staatspolizei zn- erst das Werkzeug Görings, das ih»n völlig zur Verfügung stand und letzten Endes nur unter seinem Kommando ar- bettete— so erfuhr dieser Zustand eine»vcsentlichc Aendc- rung, als Himmler die Führung übernahm. Die G c- st a p o entglitt zivar nicht völlig den Händen Görings. Distanzierte sich jedoch vom preußischen Minister- Präsidenten und bereitete sich auf die Veriveich- I» chung vor. Dieses Ausgehen in ein Rcichöpolizei- »n i n j st e r i u m ist zivar noch aufgeschoben»vorden— trotz- dem aber sind die Kräfte i n der Gestapo, die von der einseitigen Bindung an Preußen »vcg tzrebcn, sehr stark— und»verde« bcson- d e r s durch Himmler u n t c r st ii tz t. G ö r i n g hat die Lage schon seit langem erkannt und sich deshalb einen neuen Ueberivachungsapparat, der über das ganze Reich ausgedehnt ist, geschaffen. Diese„private Gestapo" de» Ministerpräsidenten ist völlig getarnt und arbeitet als besondere Abteilung im For, schungsamt des ReichSluftfahrtministerS. Da dieses Forschungsamt überall im Reiche seine Zweig- stellen hat, ist Göring völlig über die Lage im Reich unterrichtet. Wie weit die Arbeit dieser«privaten Gestapo" Görina geht. — die übrigens unter dem Kommando des Kapitäns Schimpf steht— beweist die Tatsache, daß Göring durch diesen Geheimapparat die G c st a p o und Herrn H i m»n l e r selbst überioachcn läßt. Bei der Betrachtung der Zusammensetzung des neuen Volksgerichtshofes fällt es aus, daß eine große An- zahl vo» a k t i v e n Fl i e g e r o f f iz i e r e n in diesem Ge- richtshos sitzen. Es gehören u. a. die Fltegerkoinmanbeure E h r i st i a n s e n, F e l n i g, W e n n i n g e r, Stumpfs, W i m in e r soivie der Flugleiter Hart mann in Dessau dazu. Diese offiziellen Vertreter des Reichslust- sahrtministcriums sind nichts anderes alS Beauftragte der neuen Göringschen Geheimpolizei. Schon haben sich Reibungen zwischen Gestapo und Görin gschcr Geheimpolizei ergeben— da jedoch Göring mit brutaler Geivalt seinen Standpunkt vertritt und seine Leute deckt— weicht Himmler jeder ernst- haften Entscheidung aus! Ein Tag pitliHdKT SMKkrgerkJtt Diese Menschen sollen am 19. August„frei entscheiden" Frankenthal, in. Aug. Unter dem Vorsitz von Landgerichts- direktor Dr. Krehbiel»var am Mittivoch das Sonder- gericht für die Pfalz zu einer Sitzung zusaminengetrcten. Zur Verhandlung standen sieben Fälle von Verbreitung unwahrer Behauptungen tatsächlicher Art. Unter dem Einfluß des Alkohols Im ersten Falle hatte sich der Mjührige Georg H a m- Wersdorf aus L u d»v t g s h a s e n zu verantworten, der am 8. Juli in einer Wirtschaft in Mundenheim„beleidigende Aeußerungen über den Reichskanzler" gebraucht hatte. In der Verhandlung erklärte er, er sei derart betrunken gewesen, daß er sich an nichts mehr erinnern könne. Durch die Zeugenaussagen wurde er jedoch überführt und cnt- sprechend dem Antrag des Staatsanwalts zu 5 Monaten Gefängnis verurteilt. Vier Wochen Untersuchungshalt wurden in Abzug gebracht. Die Regierung schwer beleidigt Der zweite Fall betras die Anklage gegen den 47jährigen Wilhelm Eberlc auS Bad Dürkheim, der am 0. Juli in einer Wirtschast in Bad Dürkheim„s ch»v c r e be- leidtgende Aeußerungen über die Reichs- r e a i e r u» g" gemacht hatte. Auch dieser Angeklagte ivill vollständig betrunken gewesen sein und nicht mehr wissen, was er gesagt hatte. Der Staatsanwalt beantragte 6 Mo. nate Gefängnis, auk die auch da» Gericht erkannte. Ein Monat Untersuchungshaft»vird angerechnet. Unwahre Behauptung Über die Währung Der lllltährige Adoll R e i n a ch aus Deidesheim war angeklagt. Ansang Juni t» Köniasbach einem Winzer g-aenühl'r geäußert zn haben, die Mark sei nur noch lünt Pfennig wert. Der Angeklagte bestritt, dies ge» sagt zu haben wurde aber durch die Zeugenaussagen über- führt und an Stelle einer verivirkten. Gefängnisstrafe von 1 Monat zu 300 Mark Geldstrafe verurteilt. Reichskanzler und SA. beleidigt In einer Wirtschaft in Speyer soll der Söjährige Michael Bögler aus l u d Iv i g s h a s e n geäußert haben, die SA. habe alles gebraucht. Zuchthäusler. Separatisten und Verbrecher, sonst wäre Hitler nicht bort, wo er heute ist. Der Angeklagte leugnete, diese Aeußerung getan zu haben, wurde aber überführt und zu 2 Monaten Gefängnis verurteilt: der Staatsanwalt hatte 10 Woche» Gefängnis beantragt. 3 Wochen der erlittenen Untersuchungs- Haft»verde»» angerechnet. Beleidigend, Aeußerungen über die Regierung gebraucht Der 4Sjährtae Karl Simon aus Odernheim hatte in einer Wirtschaft in Odernheim die Behauptung aufgestellt, die jetzige Regierung mache es genau so»v i c die früheren. Sie mache sich die Tasche» voll und dann gehe sie ab. Der Ange- klagte ivill sich wegen setner damalige» Trunkenheit an nicht» mehr erinnern können. Er»vurde jedoch überführt und ent- sprechend den» Antrag des Staatsanwalts zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt. Heimweh In einem Brief, den er aus dem Arbeitsdienstlager Lahr in Baden seiner Mutter schrieb, behauptete der 30jährige G e o r g R a h m aus Kaiserslautern, in» Arbeits- d i e n st l a g c r»vürde man»vir Sklaven b e h a n- d e l t,° auch stellte er noch andere ungeheuerliche Behaup- tungen über das Arbeitsdienstlager auf. In der VerHand- l»»g gab der Angeklagte an, er habe den Brief nur gefchrie- den. damit seine Eltern alle» aufbieten»vürden. um ihn»vie- der nach Kaiserslautern zu bolen. An den Behauptungen sei kein»valirea Wort. Das Urteil lautete, wie beantragt, auf t 0 Wochen Gefängnis abzüglich 2 Wochen Untersuchungshaft. Der gestörte Heimaturlaub In seinem Heimatort Erfenbach,»vo er seinen Urlaub verbringen wollte, hatte der 4lljährigc in Mitnchcn ivvHn- haste Dr. Jakob Menge» am 15. Juli tn einer Wirtschaft behauptet, die Darstellungen des Führers und des Reichsmlnisters Dr. Goebbels über die Vorgänge vom 30. Juni seien nicht richtig. Hitler habe die SA. fallen lassen und schinuse nunmehr der Reichswehr und den Junkern. Der Angeklagte stellte in der Ver- Handlung an», er habe an jenem Tag in der Wirtschaft den stf>we» Pfälzer Wes» getrunken und ai'fchcinend in der Weinstimmung»nanches gesagt, was nicht feiner Gesinnung entspreche und an das er sich nicht mehr genau erinnern könne. Der Staatsanivalt beantragt« 2 Monate Gefängnis. Das Urteil lautete auf S Wochen Gefängnis, abzüg- lich 3 Wochen Untersuchungshast. Die Sitzung beS Sonder- gerichts war damit beendet. Die Menschenrechte in den Staut» getreten Tie nachstehend genannten Komitees und Bereinigungen übergeben der Oefsentlichkeit eine Erklärung zu der Ein- setzung des„Volksgerichtshofes": Eomite de Bigilanee des Intelleetuels antisaseistes: Pierre Gerome, Generalsekreiär. Langen»», Professor an der Universität Paris, Rivet, Dtrektvr des Staatlichen Mu- senilis. Juristische Komm Won für den Thälmannprozeß: C. Eam- plnchi. Präsident. Delephinx, Rogneres, Alexandre Zevaes, Willard. Internationales BesreiungSkomitee: Tie Präsidenten: Andre Gide, Andre Malraux: das Sekretariat: Germain Gautier, Andre Seigneur. Internationale Juristische Vereinigung: Vienny, Rechts- anivalt. Tie Erklärung lautet: „Die Einsetzuna des„Volksgerichtshofes" hat große Empörung in der gesamten kulturellen Welt hervor- gerufen. Aus Aniveiiung des Propagandaministerinnis ver- öftentlichte der Theoretiker der faschistischen Rechtsivissen- schuft, Prof. Dr. Grimm, am'.'3. Juni 1934 eine» großen Be- ruhigungsartikel tn der Berliner„Börsen-Zeitung". Grimm versucht, de» Ausnahmegertchtshvs als reguläres, harmloses Gericht erster Instanz darzustellen. Gleichzeitig beleidigt er in gröbster Weise tausende sranzüsische Intellektuelle, Juristen und gerecht denkende Menschen, die sich für die»vehrlosen Opfer des faschistischen Terrors einsetzen. Tie Unterzeich- neten stellen dazu fest: 1. Der Volksgerichtshof ist ei», faschistisches Bürgerkriegs, gericht. Unter Ausschaltung der bestehenden Gerichtsbarkeit können Offiziere des Reichsheereo. der SB. und SA. ohne Voruntersuchung, ohne Haftprüsung, unter Aus» schaltung jeglicher Verteidignna d»e grausamste,, Urteile gegen alle Nichtsaschisten fällen. E« gibt keine Rechtsmittel« Möglichkeiten lvergl. Art. 3 gg 1. 2, 8, 5; Art. 4 gg 3, 4; Art. 5 des Gesetzes!. Im Name,, aller rechtlich denkenden Menschen fordern wir die Beseitigung dieses Sonder- gericht«! 2. Der frühere Ncichspräsidentschastskandidat Ernst Thal- mann ist seit 18 Monaten eingekerkert, ohne Verteidiger, ohne Anklageschrist, ohne juristische Hilfsmittel, ohne Intor- mation über de erfolgte» Geietzcsänderunge». Entgegen den Forderungen der ganzen zivilisierten Welt hat die Regie- rung bisher die freie Wahl freier Verteidiger, die Zulassung nainhafter ausländischer Juristen abgelehnt, die Zusicherung voller Oefsentlichkeit der Verhandlung verweigert, Sicherung von Freiheit. Leben und Eigentum ctivaigcr Entlastungs- zeugen nicht garantiert. Da die deutsche Regierung»ach 18 Monaten nicht imstande»var. eine vor der Welt motivierte Anklage gegen Thälmann zu erheben, fordern wir seine sofortige Freilassung. Die Weltöffentlichkeit läßt sich durch irreführende Zei- tungsartikel nicht beruhigen. Tie Morde an Scheer, Tcheringcr, Mühsam und viele» anderen Ant- saschistcn, die Ereignisse des 30. Juni mit den Feststellungen des Reichspräsidenten Hitler über die Päderastcn und Geld- verprasser. dle Festhaltung von Geiseln»vie Frau Belm- Ter, Frau Steinfurth und anderen unschuldigen Frauen— da» alle» ruft uns zu größler Wach,amke:t. zur entschlossensten Verteidigung der in den Staub getretenen Menschenrechte." Tic Unterzeichner dieser Erklärung gehören zn den her, vorragendste» Vertreter» der französische» Wissenschast, Lite» ratnr und Justiz. „Deulsckie luden" Gerichtsentscheidung Der Kulturbund deutscher Inden hatte seine Eintragung zum Vereinsregister angemeldet. Das Register- gericht Eharlottenburg hatte die Eintragung abgelehnt. Auf die Beschwerde de» Kulturbundes hat die 3. Zivilkammer des Landgerichts Berlin,»vie die ,.E. V, Zeitung" mitteilt, dle Entscheidung des Amtsgerichts aufgehoben und da» Amtsgericht angeiviesen. von seinen Bedenke» gegen die Eintragung abzulebc» In der Begründung heißt es». a.: „Durch die angefochtene Verfügung ist vom Registcrgericht der angemeldete Name des Vereins beanstandet, da der Namensbestandteil„Deutsche Juden" irreführend und daher nicht etntraglingssähig sei, und zivar mit der»vetteren Begründung, es gäbe n»r Juden schlechthin, aber »veder deutsche Juden, noch französische Juden, noch polnische Inden. Die Beschiverde ist zulässig, sie ist auch begründet. Tie Ausnahme des Wortes„Deutsch" darf zu Bean- »tandungcn keine» Anlaß geben. Zu»velchem Zwecke hier das Wort„Deutsch" in den VerctnSnamcn„Kulturbund Deutscher Juden" aufgenommen ist, kann vorläufig dahlnge- stellt bleibe», da jedenfalls die Wortznsammenstellung allein „Deutsche Juden"»veder Irreführend noch sonstivte»»zu- lässig erscheint. Dle Rasse,»Zugehörigkeit der Bercinsmit- glieder»vird durch diesen Namen ossen zugestanden. Es ist nicht einzusehen, aus»velchem Grunde sich nicht Juden deutscher Staatsangehörigkeit oder deutscher Sprache z» einer Bereinigung„Deutscher Juden" zusammenschließen können, zumal»venn die Zivecke und Ziele des Vereins keinessal.Z politisch erscheinen. Der Ansicht des RegistcrgerichtS, daß es keine deutschen genau so»vcnig wie es polnische oder französische Juden gebe, kann nicht beigetreten»verde». De» auch jetzt noch nach der Ttaatsumwälzung übliche Sprach» gebrauch besagt vielmehr das Gegenteil. Es ist nicht anzn» nehmen, daß der Verkehr a» dem geivählten Namen An- stoß nehmen, geschweige denn in der Namensznsammcn- stellung„Deutsche Juden" eine Irreführung erblicken»vird. zumal auch vo» der Polizeibehörde der frühere Einspruch fallen gelassen ist." Die klier Nach einer Mitteilung des Pressedezernente» bei»» Land» gericht Lüneburg hat eine Revision bei der Lüneburger Eier- Vermittlungsstelle ergeben, daß«tipa 11000 Eier aus dem Lager der Vermittlungsstelle v e r s ch iv u n d e n sind. Der Verbacht der Untreue richtet sich gegen einige Angestellt» und Arbeiter der Vermittlungsstelle. Bomben als Kinderspielzeug Frankfurt, in. August jJnpreß). Im„Frankfurter Volks- blatt", Nr. 308, finden»vir folgende Anzeige:„Wer findet Blindgänger? Frankfurter Jungcns und Mädel», die den» Reichölustschutz helfen wollen, Blindgänger, d. h. nicht er- plodierte Bomben, zu suchen, kommen am Mittwoch, dem l. August, nachmittags 8.80 Uhr. auf den Börsenplatz. Dort hören Jungens und Mädel» alle»,»vas sie»Visse» müssen, um einen schönen Preis zu geivinnen." Nazi-Flüchtlinge in Jugoslawien Belgrad, 10. August Oesterrelchtsche Flüchtlinge treffen noch dauernd in Südslawien«in. Gestery^tzaben 33 Natio nal- jozialistcn die Grenze überschritten. Das„drille Heidi"— von Moskau gesellen In der Moskauer„Iswestja" schreibt Karl Radelt über die Lage nach Hindenburgs Tod: „Der deutsche Arbeiter wird sich auf die Dauer mit seiner Lage, die der eines chinesischen Kulis gleicht, nicht zufriedengeben. Hier liegt auch der tiefere Grund für die inneren Erschütterungen in Deutschland. Es ist unsinnig anzunehmen, daß man das deutsche Proletariat aller Rechte berauben kann, die es sich in jahrzehntelangem Kampf mühsam erobert hat. Man kann eine solche Situation für eine kurze Zeit mit Hilfe schlimmster\ erfolgungen wohl erreichen. Aber damit wird nicht Ruhe und Ordnung, sondern eine I riedhofsruhe geschaffen, durch fortwährende Explosionen der Gegensätze und Spannungen gestört. Sie entstehen in den Reihen derjenigen, die diese Ordnung eigentlich sichern sollten. Eine solche Situation im Zentrum Europas muß begreiflicherweise tiefste Unruhe in den übrigen bürgerlichen Staaten hervorrufen. In dem großen Geheimnis der deutschen Politik erblicken sie eine Drohung, die sie gegen sich selbst gerichtet fühlen. Wenn ein Staat ständig von politischen Verschwörungen beunruhigt wird, wenn das politische Spigeltum für die herrschende Gruppe die einzige Informationsquelle zur Beurteilung der politischen Lage ist, warum kann man dann nicht auch annehmen, daß in diesem Staate Gruppen bestehen, die eine Verschwörung gegen den Völkerfrieden vorbereiten... Derartige Befürchtungen haben auch zur Isolierung des heutigen Deutschland geführt. Wer hätte es noch vor einigen Wochen, unmittelbar nach dem feierlichen Empfang des Reichskanzlers Hitleri in Venedig für möglich gehalten, daß kurz darauf die italienische Presse über das deutsche Regime in einer Sprache herzieht, die die„Kölnische Zeitung als„die Sprache des Krieges" bezeichnet? Wer hätte voraussehen können, daß der ruhige Führer der englischen Konservativen im englischen Parlament erklärt, daß die englische Grenze am Rhein liegt und daß zum Schutze dieser Grenze England eine starke Luftflotte benötigt? Die beiden Großmächte, auf deren Unterstützung der Mit diesen Worten kennzeichnet der Führer des italienischen Faschismus, Benito Mussolini, die Expansionspolitik Deutschlands nach dem Osten, Fürwahr, es waren schwere Gedanken, die den Feldmarschall Hindenburg belasteten, als er die Bilanz seiner letzten Regierungsjahre zog." deutsche Faschismus gerechnet hat— Italien und England — haben ihm den Rücken gekehrt. Wir wissen nicht, ob diese Entwicklung endgültig ist oder nicht. Aber eines ist jedenfalls klar: sie hat eine für Deutschland äußerst schwierige Lage hervorgerufen. Warum wandte sich der deutsche Faschismus an den italienischen Faschismus und den englischen Imperialismus? Er wollte mit ihrer Hilfe aufrüsten, um in erster Linie im Osten eine Expansionspolitik treiben zu können. Was ist nun das Ergebnis dieser fieberhaften Rüstungen? Nachdem Deutschland sechs bis sieben Milliarden verpulvert und seine finanzielle Grundlage zerstört hat, ohne das Rüstungsprogramm zu Ende zu führen, steht es vor einer Rohstoffknappheit, die es mit einer wirtschaftlichen Katastrophe bedroht. Was ist mit dem Expansionsprogramm nach Osten geworden?„Der Expansionsplan nach dem Osten, den einige Preise in Deutschland vertreten haben, gehört mit jedem Tag mehr der Vergangenheit an. Deutschland muß praktisch auf das bekannte Londoner Memorandum Hugen- bergs verzichten, da Rußland mit jedem Tage stärker wird." Pariser Berichte Frauen für Frauen 500 000 amerikanische Frauen treten für die Befreiung Frau Beimlers und Frau Steinfurths ein Auf Anregung des Welthilfskomitees für die Opfer des Hitlerfaschismus hat sich im Anschluß an den Frauen-Weltkongreß gegen Krieg und Faschismus, der zwischen dem 4. und 7. August in P a r i s stattfand, eine amerikanische Delegation gebildet, die auf der deutschen Botschaft in Paris vorsprach und die Befreiung der in Hitlerdeutschland eingekerkerten Geiseln verlangte. Ueber den Verlauf dieser Protestaktion hat die amerikanische Frauendelegation folgendes Kommunique herausgegeben: Eine Kommission, aus 17 Frauen zusammengesetzt, die als Mitglieder der amerikanischen Delegation kürzlich den Weltkongreß der Frauen gegen Krieg und Faschismus besuchten, hat sich zur deutschen Botschaft in Paris begeben, um gegen die Gefangenhaltung von S e n t a B e i m 1 e r, der Frau des früheren Landtagsabgeordneten Hans Beimler, von Else Steinfurth, der Frau des ermordeten früheren Landtagsabgeordneten Erich Steinfurth, von Fanny Planck und Annemarie Jakobs sowie gegen die Ermordung von drei Kindern durch SA.- Männer zu protestieren. Sie forderte die unmittelbare Freilassung dieser als Geiseln festgehaltenen Frauen und aller anderen in deutschen Konzentrationslagern untergebrachten Geiseln. Die Mitglieder dieser Kommission haben den klaren Eindruck erhalten, daß der Pförtner der deutschen Botschaft, der sich weigerte, alle Mitglieder der Delegation einzulassen, auf strikte Anweisungen der Beamten der Botschaft handelte und daß selbst die französischen Polizisten aufgefordert wurden, die Frauen von der Tür zu vertreiben und sie in einige Entfernung von der Botschaft abzudrängen. Trotz ihrer wiederholten Forderungen, auch eingelassen zu werden oder wenigstens die Erlaubnis zu erhalten, vor der Tür auf die Rückkehr ihrer Wortführerin zu warten, trieb man sie immer wieder und wieder auseinander. „Wir finden," teilte Frau Ella Reeve Bloor, die Präsidentin dieser Kommission, mit,„daß wir weder in unserer Eigenschaft als Frauen noch als Mitglieder eines offiziellen Protestkomitees, das im Interesse anderer Frauen handelt, mit der entsprechenden Höflichkeit und dem gebührenden Respekt von den deutschen Beamten bebandelt wurden. Wir werden uns hierdurch aber nicht entmutigen lassen und unseren Versuch nicht aufgeben. Wir werden im Gegenteil mit all unserer Kraft eine energische Aktion in den Kreisen der amerikanischen Frauen organisieren, um die Befreiung der unschuldigen Geiseln und aller Opfer des Hitlerfaschismus zu erkämpfen." Mrs. Bloor gibt bekannt, daß diese amerikanische Delegation die einstimmige Meinung von über 500 000 amerikanischen Frauen vertritt. Straßlrorger Wotitcnsdiau Straßburg, 10. August. Die französischen Bucharbeiter in Straßburg Vor einigen Tagen versammelten sich in Straßburg die Delegierten der französischen Bucharbeiter, die in großer Zahl aus dem ganzen Lande erschienen waren, um in mehrtägigen Beratungen sich mit Berufs- und allgemeinen Fragen zu beschäftigen. Die Tagung, mit der eine außerordentlich sehenswerte, umfangreiche Ausstellung- guter typografischer Arbeiten und moderner Erzeugnisse des Gewerbes verbunden war, beschäftigte sich auch mit einigen aktuellen Fragen, deren Entscheidung über den Rahmen des Verbandes hinaus von allgemeinem Interesse ist. So nahmen die Delegierten u. a. auch zur Frage der Bekämpfung des Faschismus Stellung und stellten fest, daß nur eine geschlossene Front der Arbeiterklasse dem Faschismus eleu nötigen Widerstand entgegensetzen könne. Der Faschismus bedeute die Unterdrückung der Arbeiterklasse, die mit äußerster Kampfbereit- achaft den Gefahren begegnen müsse, die sie bedrohen. Die Arbeiterschaft müsse die Inschrift an der Kehler Brücke ver- wir klich en«U i e r b es iu n t d a g jan jder F r eiHe t Russische Flieger über der Stadt Am Dienstagvormittag lenkte ein aus drei mehrmotorigen Großflugzeugen bestehendes Geschwader das Interesse des Publikums auf sich. Die drei mächtigen Flugzeuge zogen in nicht allzu großer Höhe in gleichmäßigen Abständen ihre Bahn. Wie später festgestellt wurde, handelte es sich um das Geschwader, das am Tag zuvor in Moskau abgeflogen war und mehrere russische Fliegeroffiziere sowie den General Unschlicht nach Paris brachte, wo die Russen den Besuch des französischen Geschwaders erwiderten, das im vergangenen Jahr in Rußland weilte. Das Ende dreier Autodiebe •Einen entsetzlichen Ausgang nahm eine Schwarzfahrt, die drei berüchtigte Gesellen in der Nacht zum Mittwoch mit einer in Straßburg gestohlenen Limousine ausführten. In voller Fahrt rannten sie an einer Straßenkreuzung in der Nähe von Stephansfeld gegen einen Baum. Das Auto wurde zertrümmert, zwei der Insassen waren sofort tot, der dritte wurde ins Krankenhaus eingeliefert, wo er sich soweit erholte, daß die Polizei sich seiner annehmen und ihn in die Fadengasse überführen konnte. Taschendieb im Münster Ein Professor aus Toulouse, der während einer Ferienreise auch die astronomische Uhr im Münster besichtigte, wurde dabei buchstäblich von einem Taschendieb ausgeplündert. Versunken in tiefes Nachdenken über die Geheimnisse der Wunderuhr, bemerkte er nicht, wie sich ein Unbekannter an ihn heranmachte und auf geschickte Weise seine Brieftasche raubte. Die Tasche enthielt 80 0 0 Franken. Der unbekannte Dieb, gegen den Anzeige erstattet ist, konnte von der Polizei trotz sofort aufgenommener Nachforschungen noch nicht ermittelt werden. Tüchtige Musiker gesucht Radio Straßburg veranstaltet am 24. September einen engeren Wettbewerb, da im Orchester einige Stellen zu besetzen sind. Es sind Plätze frei für zwei Violinspieler, je einen Alto-, Klarinette- und Waldhornspieler. Tüchtige Musiker an die Front! Ein neuer Kurg&rten Die Vereinigung„La Familie" hat nun ihren Kurgarten in der Nähe des Polygon dem öffentlichen Betrieb übergeben. Es handelt sich um eine herrliche Parkanlage, die schöne Bäder und weite Rasenplätze aufweist. Dem Straßburger Publikum ist so eine billige Gelegenheit geboten, das Wochenende in der Nähe der Stadt zu verbringen. Für später ist ein Medizinalgarten vorgesehen, außerdem eignet sich das Gelände auch zur Anlage von Wochenendhäuschen. Präsidentenbesuch im Bas-Rhin Der Präsident der Republik Albert L e b r u n, der zur Zeit seine Ferien in Mercy-le-Haut verbringt, weilte vor einigen Tagen in Reichshoffen, wo er Gast des Senators Comte de Leusse auf dessen Schloß war. Der Besuch trug keinen offiziellen Charakter. Wichtig für Abstimmungsberechtigte! Die Prefecture macht darauf aufmerksam, daß im Elsaß wohnhafte Abstimmungsberechtigte, die am 13. Januar 193.1 im Saargebiet ihre Stimme abgeben wollen, sich nicht bei den Gemeindeverbänden im Saargebiet, in denen sie 1919 wohnten, zu melden haben, sondern bei der Prefecture des Bas- Rhin in Straßburg(4me Division). Die Anträge müssen spätestens bis zum 23. August 1934 eingereicht sein. Kleine Chronik Am Ferkelmarkt wurde zu nächtlicher Stunde ein Schiffsknecht schwer verletzt aufgefunden. Im Verlauf eines Streites wurde er von einem Mann, mit dem er zuvor in der Altspitalgasse gezecht hatte, niedergestochen. Die Polizei konnte den Täter noch nicht ermitteln.— Ein Schaufensterwettbewerb, der der Propagierung des französischen Obstes dienen soll, wird im September von Hoteliers, Obsthändlern und Epiciers durchgeführt. Es werden Geldpreise von 1000, 500 und 300 Franken zur Verteilung gelangen. BlllEPflKSTEW Pilse». Besten Tank, erhalten, wird verwandt. Blankenberghe. Zie machen sich das Vergnügen, uns aus einer Reihe von deutschen illustrierten Blättern Ausschnitte zu senden. Aus ihnen ist Hindenburg sichtbar, wie er im.Jahre ll>Sö nach erfolgter Wahl zum Reichspräsidenten den Treueid vor versammeltem Reichstag leistet. Aus keinem dieser Bilder wird erwähnt, in wessen Hand er sein republikanisch-schwarzrotgoldenes Gelöbnis ablegte: in diejenige des damaligen Reichstagspräsidenten Paul Löbe, der aus allen diesen Bildern neben Hindenburg sichtbar ist. Ss ist denkbar, daß eine bescheidene Anwandlung von Scham diese Blätter daran gehindert hat, Paul Löbe zu erwähnen. Terselbe Mann, dem da- mols Hindenburg in die Hand schwur, war im Jahre 1933 unter Hindenburgs Präsidentschaft erst im Konzentrationslager und dann im Gefängnis, ohne daß es das Staatsoberhaupt erreichen konnte, ihn zu befreien. Paul Höbe, der nie eine Uniform trug, sein Re- präseniantengeld für Notleidende seiner Gesinnung verausgabte und ohne einen Pfennig Privatvermögen aus seinem Amte schied, lebt heute von Arbeitslosenunterstützung. Kurz, man begreift, warum die deutlchen illustrierten Blätter zwar notgedrungen Paul Löbe neben Hindenburg im Bilde zeigen, ihn aber sonst nicht weiter erwähnen. Tr. Iran, Marian^. Auch dieser Name beland sich ans der Liste der Opfer des 30. Juni, freilich nur in einer inoffiziellen Aufstellung. Jetzt erfährt man, daß er sich nach längerem Aufenthalt im Gefängnis der Geheimen Staatspolizei in Berlin ans freiem Jutz befinde und ins Ausland entkommen fei. Mariaur war lange Zeit Redakteur der.Kölnischen Zeitung". Im Jahre 193» wurde er ent- lagen, weil er als Genfer Korrespondent seines Blattes intensiv gegen Stresemann intrigiert hätte Tann rutschte er immer weiter nach rechts, bekam unter Pape» eine einflußreiche Stelle am Ber- liner Rundfunk und schien in jeder Hinsicht zum prominenten Nationalsozialisten bestimmt zu sein. Man schien jedoch zn dem ewigen unruhigen und unzuverlässigen Mann wenig Vertrauen zu haben. Später wurde er Korrespondent der Illlstein-Bläiter in Paris. Als er am 38. Juni in Berlin war, Pape« und dessen Jreund und Anreger Tr. Edgar Jung besuchte, wurde er ver- hastet. Nun ist er wie durch ein Wunder der großen„Säuberungs- aktion" entgangen. Sr hat gewiß nicht geahnt, daß er sich eineS Tages unter den von ihm so heftig verlästerten Emigranten be- finden würde. Vielleicht geht er in Kürze sogar unter die Greuel- sabrikanten. Kein Zweifel, daß er allerhand zu erzählen hat. Luxemburger. Sie schicken uns einen Ausschnitt aus Ihrem auS- gezeichneten„Sicher Tageblatt" mit folgender Hindeubiirg-Anekdote: „Ter verstorbene Reichspräsident hatte außerhalb deS Militärischen wenig oder keine Interessen. Sr pflegte sich daher in Gesellschaft, auch im Zivil des Präsidentenanites vorzugsweise über militärische Themen, insbesondere darüber zu unterhalten, wo der mit ihm im Gespräch Befindliche gedient hatte. Vor Zeiten, als Teutschland noch eine Republik war, wollte es der Zufall, daß bei einer offiziellen Veranstaltung mit anschließendem Bankett die sehr elegante und hübsche Reichstagsabgeordnete Toni Sender neben den Präsidenten gesetzt wurde. Hindenburg war in Verlegenheit. Was redet man mit einer Frau? Schließlich besann er sich darauf, Frau Sender z» fragen, wo sie her sei.«Aus Frankfurt, Herr Präsident."„Aus Frankfurt, so..." Pause. Hindenburg bemüht sich, das Gespräch fortzusetzen.„Ja, es wäre interegant, festzustellen, wo Sie gedient hätten, wenn Sie ein Mann wären ," sagte er schließlich nachdenklich."— Tas„Sscher Tageblatt" ist leidlich gut informiert. Ungefähr so ist das Gespräch zwischen dem hünenhaften Hindenburg und der kleinen und schmalen Frau Toni Tender verlausen. Aber nur: ungefähr! Tenn die Tchliißpointe fehlt. Frau Sender fragte darauf ihren Nachbarn:„Na, Herr Reichspräsident, wo hätte ist» wohl dienen sollen?" Ter alte Herr antwortete, die schmale Fran Abgeordnete bitterernst musternd, nach einigem Zögern:„Als Leichtmatrose wärs gegangen." Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann P l tz In Tud- weiler: für Inserate: Ctto Kuhn in Saarbrücken Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Volksslimme GmbH. Saarbrücken 8- Schützenstraße 5.— Schließfach 776 Saarbrücken. Setiwtizartaehm«uo ttslMitcii«* Vorctvar«nge«chit1 l««fitHlloktraL loaditorai. WaiM und Ufctri Jxaduits yWunid 71, Inlmrt s» ItrnkMr,. I, rut«L lurtM JUlCiS, Ml«an<• rt* Talafat 4 Linitn ver« Hilft unter B9TZARTS tl-lf mmm Chirurg.«Mediz. Klinik Pr-Etting er 168ter. Avenue de Neuilly, N E U! L L Y»sur-Seine. Tel: Maillot 95- 50.— Ständige Betten. Dauernder ärztlicher Tag» und Nachtdienst. Konsultation erster Professoren— Stationskranke pro Tag ab 40 Fr. Entbindungen. Gewissenhafte Behandlung. Jeglicher Komb Kabinett für X» und ultra» violette Strahlen. Lichtbäder. Teilweise und ganze Entfettungskur.— Hochfrequenz. Diathermie. »um■■■■ i- Persönliche oder schriftliche Auskünfte auf Wunsch^^—•-—■ .M ßerüefcsicfitiqf die3nserenfen 6er..Veutseken Areikeit In Gründung sich befindende französische Aktiengesellschaft im Bas-Rhin, pharmazeutische Spezialitäten, sucht 1 CHEMIKER 1 APOTHEKER 1PROPAAAN DACHEF Interesseneinlage erwünscht, jedoch nicht Bedingung. Ausführliche Angebote mit Lebenslauf und Licht* bild sind unter Chiffre 1114 an die Expedition der ,.Deutschen Freiheit", Saarbrücken, zu richten. Zu verkaufen Vollständige Einrichtung einer F&BRiQUE DE BONNETERIE (Strumpffabrik* mit Bureaus.— Sehr mäßige Miete mit hübscher Wohnung. Schriftlich zu wenden an die„Deutsche Freiheit" Saarbrücken unter Nr. lt 10 Piär Emigranten j In der Nähe von Mülhausen(Elsaß) ein Fabrikunternehmen mit wenig Kapital zu erwerben. Jetziger Inhaber wüide s«ch evtl. selbst mitbeteihgen. Aufcnthaltsbewi.ligung und Wohnung gaiantiert. Offerten unter Chiffre IIP and...DEUTSCHE FREIHEIT" Saarbrücken //) j))%) j i l«kl lll llüiiUClu Ii 11 i I.UulUUmtU tU U l L/. c*lÄvLUll u Uu'A*-»t tl-G niAli i 11 i lt Ii*•<<| Ii, M,L, V.n«..'/JjJj.'.