r~~— 5C00C öslecceichisdkc£eaionäce? Seite 2 Einzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands „Vat&sstimme" vec&oten Seite 3 Juwtec neue TJlecde im 3tUtecceich Seite 7 Wie 9CMand ucteiCt Seite 8 Nr. 187— 2. Jahrgang. Saarbrücken, Mittwoch, 15. August 1934 Chefredakteur: M. B r a u n Drei Minister- Drei Lügner Goebbels, Göring, Frfdt Im Wellhricdien vor dem„rubrer" und im Wettiügen vor der Welt Deutsche Freiheifssänger >,Es liebt der Knecht ein Freiheitslied../ JTic nationalsozialistische Reichssührung habe eine Wahl oder einen Volksentscheid nicht zu fürchten, denn sie sei in den anderthalb Jahren seit der Machtergreifung beim Volle geblieben, habe sich nicht vom Volt entfernt und gebe ihm auch jetzt die Möglichkeit, offen und srci in geh ei» m e r Abstimmung seine Meinung zu sagen, in der Ueberzcugnng, daß jede Autorität vom Volke getragen sein Reichsminister Dr. Goebbels in Verlin. Der Ministerpräsident Göring beschäftigte sich dann mit der Frage, die da und dort gestellt wird:„Ja, warum denn überhaupt eine Volksbefragung?" Noch behauptet» so er- klärte Göring, die ganze Welt, dast hier ein deutsches Volk lebt, unterdrückt durch Zwangsmaßnahmen, gedemütigt durch Tyrannen und ausgesaugt bis zum letzten! Nun wollen wir der Welt zeigen, dast dieses deutsche Volk das Ireieste der Welt geworden ist. Ministerpräsident Göring in München. ... dast der Führer von vornherein entschlossen war, den Schritt der Reichsregierung in freier und geheimer Ab- stimmung durch das Volk sanktionieren zu lassen, wie er das in seinem aus dem Stimmzettel abgedruckten Erlaß vom Z. August an mich als den Reichsinnenminister vcr- langte Das ist echte und wahre Demokratie, an der andere Staaten, die ein Gewaltrcgiment führen und einer Volks- abstimmung ängstlich aus dem Wege gehen, sich ein Muster nehmen können. ReichSminister Dr. Frick in Köln. Drei Paladine des deutschen„Führers" haben die Be- wegung für das Plebiszit am 19. August eröffnet. Drei Minister, die jeden Tag durch ihre Taten tausendfach die Worte widerlegen, die sie der Welt vorzutragen sich erdreisten. Da ist zunächst der Reichspropagandaminister Dr. Goebbels. Er wagt die Behauptung, das Volk könne offen und frei die Meinung sagen. Derselbe Reichs- minister, der jede deutsche Zeitung verbieten läßt, die auch nur die schwächste Kritik in ihren Spalten zu bringen sich erkühnt. Derselbe Reichsminister, der die angesehen- sten Zeitungen des Auslandes nicht über die Grenzen läßt, weil die Deutschen das nicht erfahren dürfen, was Zur politischen Urteilsbildung Voraussetzung ist. Der- selbe Reichsminister, der beispielsweise bis zur Stunde noch nicht erlaubt hat, daß irgendeine Zeitung in Deutsch- land die Auflösung der österreichischen Legion mitteilen darf. Dieser Lügenpropagandist behauptet, das deutsche Volk sei frei und offen in seiner Meinungsäußerung. Eine frechere Verhöhnung der gefesselten deutschen Presse, eine schamlosere Herausforderung der Weltöffentlichkeit, die die wahren Zustände kennt, ist nicht denkbar. Der Ministerpräsident Hermann Göring versucht seinen gehaßten Konkurrenten noch zu überbieten. Er will der Welt zeigen, daß das deutsche Volk das freieste der Welt geworden ist. Dieser Ministerpräsident, der jeden ins Gefängnis oder ins Konzentrationslager werfen läßt, der die bescheidenste Kritik an dem korrupten Regierungssyftem zu üben wagt. Dieser Ministerpräsident, der im Einklang mit dem Obersten Gerichtsherrn reihen- weise selbst konservative und katholische Kritiker der Regierung ohne Untersuchung und ohne Gerichts- verfahren hinmorden ließ. Dieser Ministerpräsident, der die preußische Polizei, die gesamte preußische Verwaltung und die preußische Justiz zu parteiischen Willkürorganen gemacht hat. Dieser Ministerpräsident, der jedes objektive Recht verspottet und verlästert, wagt zu sagen, daß das blutig terrorisierte deutsche Volk das freieste der Welt geworden sei. Der Reichsinnenminister Dr. Frick gar stellt die Volksabstimmung der Welt als ein Muster wahrer Demokratie vor. Dieser Reichsinnenminister, der als Wächter über die Reichsverfassung die Beseitigung aller demokratischen Volksrechte mit seinem Namen gedeckt Jst atin asatiBMiwafe s» tp M Möglichkeit nehmen läßt, sich in der Presse oder in Ver- sammlungen oder durch Flugblätter zu dem bevorstehen- den Plebiszit zu äußern. Dieser Reichsinnenminister, der zuläßt, daß die Abstimmung unter dem Drucke unifor- mierter Parteitruppen stattfindet. Dieser Reichsinnen- minister, der zugibt, daß alle Wahlvorstände von Partei- fanatikern besetzt werden, die zu jeder Fälschung fähig und gewillt sind. Dieser Reichsinnenminister, der weiß, daß jeder Opponent Freiheit und Leben und Vermögen riskiert. Dieser Reichsinnenminister, der billigt, daß jeder Gegner der Diktatur als Volksfeind geächtet und ausgerottet wird, preist das deutsche Staatssystem als ein Vorbild der Demokratie. Diese drei Redner und diese drei Reden sind eine politische Schande für das deutsche Volk. Welch eine Ver- achtung müssen die in freier Selbstbestimmung sich regie- renken Völker der Erde mehr und mehr vor einer Nation empfinden, die von Leuten wie Goebbels und Göring und Frick sich beherrschen läßt. Wie es in Wahrheit um die freie Abstimmung bestellt ist, dafür einige unzweideutige Zeugnisse aus dem Lager der Regierungsparte: selbst. Die„Essener National- zeitung", die dem Ministerpräsident Göring nahesteht, er- läutert seine schwungvolle Rede auf das freieste Volk der Welt wie folgt: „Wer am IS. August zu bequem oder zu gleichgültig ist, seine gültige Stimme abzugeben, der stellt sich damit selbst außerhalb der deutschen Volksgemeinschaft." Was das bedeutet, darüber Kann man die hunderttausende Gefangenen, Gefolterten oder ihrer Existenz Beraubten fragen. Der badische Reichsstatthalter Wagner sagte in einer Rede in Wiesloch: „Wer zu Hause bleibt oder mit Nein stimmt, der handelt gegen Teutschland,... der ist ein Feind unseres Volkes. Wer Sabotage an der Nation begeht, darf sich auch nicht beklagen, wenn er nicht mehr als Bruder und Freund des deutschen Volkes, sondern als dessen Feind behandelt wird." Im„M o n t a g" schreibt Friedrich Hussong: „Nie wäre der Nichtwählcr infamer, als er es diesmal wäre, nicht nur ein Drückeberger wäre er, nicht nur ein armseliger Tchlcmihl, der keine politischen Schatten wirst» wer hier fern bleibe, wäre ein Verräter an seiner Pflicht an Teutschland, an seinem Volk. Ter Mann, der in diesen Tagen des Bekenntnisses nicht bekennte, die Fra«, die an diesem Tage des Vertrauens nicht Treue hielte: sie schlössen sich aus der Ge, meinschaft ihres Volkes ans." Im Mannheimer„Hakenkreuzbanner" wird auf de? Titelseite, über vier Spalten hinweg, in großen Lettern die folgende Parole der Wahlfreiheit veröffentlicht: „Wer es versäumt, abzustimmen,... ist ein Verräter an der deutschen Gemeinschaft." Tie fast wortgetreue Einmütigkeit, mit der solche Drohungen in den deutschen Zeitungen ausgesprochen werden, läßt darauf schließen, daß die heiligen drei Nazi- Könige, Goebbels, Göring und Frick selbst der deutschen Presse befohlen haben, alle einzuschüchtern, die am 19. August durch Fernbleiben gegen die Verlogenheit und die Heuchelei dieser Volksabstimmung protestieren wollen. An demselben Tage, an dem der Reichsinnenministec Dr. Frick für die„echte und wahre Demokratie" in seiner Rede zu Köln schwärmte, hat er den ganzen Staats- apparat für die parteiische Abstimmung mobil gemacht. Allen staatlichen und kommunalen Behörden wird in einem amtlichen Erlaß befohlen, die Abstimmung mit allen Mitteln zu unterstützen und zu fördern. D i e Beamten, Ange st eilten und Arbeiter des öffentlichen Dien st es werden um„aktive Mithilfe" ersucht und können Dien st- befreiung oder Urlaub bis zum 2 9. August unter Fortzahlung des Gehaltes er-, langen. So wird die ganze große Armee der Staats- und Gemeindebediensteten, dieser von den Regierenden abhängigsten Bevölkerungsschicht zur Einschüchterung Hux KLN.kM, Aufwärts! Anwachsen der schwebenden Schuld des Reiches Berlin, 14. August.. Am 8l'. Juli betrug die schwebende Schuld des Reiches 2360 Millionen gegen 2281 Millionen am 30. Juni. Die Zahlungsverpflichtungen aus unverzins- lichcn Schatzan Weisungen mit Gegenwert haben sich auf 1421(1400) Millionen erhöht. Schavanweisungen, die ohne Gegenwert begeben wurden, betrugen unverändert öö, 9 Millionen. Der Umlauf an Reichs wechseln stieg auf 400(360) Millionen, die kurzfristigen Darlehen auf 44,7(26,0) und die Beanspruchung des Betriebskredits bei der Reichs- bank auf 68,1(23,0) Millionen. Zum Zweck von Sicherheit«- leistungen waren 870,4(865,9) Millionen Schatzanweisungen begeben. Die dem Tilgungsfonds zugeführtcn Schatzan- Weisungen betrugen unverändert 236,3 Millionen. Ter Umlauf an Steuergutscheinen betrug 1184(1177) Millionen. Außerdem wapcn der Reichsbank als Sicherheit für die öffentliche Arbeitsbeschaffung S78(600) Millionen Steuergutscheine überlassen- Damit noch nicht genug: Staatsrat Görlitz er er- kfärte auf dem Tempelhofer Feld, die SA. werde am Sonntag dafür sorgen, daß kein ein- ziger Wähler zuhause bleibt. Aber auch die SS., die Hitlerjugend und alle Amtswalter der NSDAP, sind mobilisiert. So kommt denn landauf landab auf bei- nahe jedes Haus ein Aufpasser. In voller„Freiheit" geht die deutsche„Demokratie" zur Wahl. So verstehen die Goebbels, Göring und Frick das, was sie Freiheil nennen. Aber freilich, sie selber sind ja jämmerliche Knechte. Einer suchte den andern an wider- lichem Byzantinismus vor dem„Führer" zu überbieten, um noch eine Weile in dessen Gnadensonne Amt und Gehalt sich zu sichern. Der gerissenste von den Dreien ist und bleibt Goebbels. Er hat verstanden, seinen neuesten Kniefall vor Hitler mit einem Stoß gegen seinen ver- haßten Konkurrenten zu verbinden, indem er von Hitler sagte: „Er habe sich nicht geändert, er sei geblieben, wer er war, er umgebe sich nicht mit Pomp nnd Prunk, mit blitzenden Ordcnssterncn und Uniformen." Das ist die einzige Stelle, an der der von ihm selbst redigierte Bericht verzeichnet:„Lang anhaltender Beifall". Goebbels will, daß dieser Hohn auf Göring, den silbernen Schwan, überall verstanden wird, und er ist begriffen worden. Einig waren die drei Minister in ihrem Lob auf die große Volksgemeinschaft, die unter Hitlers ruhmreicher Führung erreicht worden sei. Das aber ist die größte Lüge. Nie war Deutschland wirtschaftlich und kulturell so zerrissen wie jetzt. Stadt und Land, Bauern und Arbeiter, Autarksten und Exporteure, Fertigindustrie und Schwer- Industrie, Banken und Gewerbe, Inflationisten und Deflationisten stehen gegeneinander. Die Reichswehr miß- traut der SS. und diese wieder haßt die SA. Neid und Intrigen bis zum hundertfachen Mord an den Konkur- renten herrschen in den regierenden Cliquen. Der Staat steht im Kulturkampf gegen die katholische Kirche wie nie in der neueren Geschichte. Die evangelische Kirche wird von schwersten Krisen erschüttert, ist vom Zerfall bedroht. Nirgendwo ist freie Gemeinschaft. Ueberall ist bis zum Terror gesteigerter Zwang, und nur die Verlogenheit, die das ganze Volk van oben bis unten erfaßt hat, gibt sich vergebliche Mühe, über dieses deutsche Unglück hinweg- zutäuschen. Die Hauptaufgabe der Minister ist, die Stichworte für die Lügen zu geben, und daß die Welt ihnen nicht glauben will, ist ihr Schmerz. „Frisch, fromm, fröhlich, frei" Abstimmungszwang für Turner-» Berlin, 13. Aug. Zum bevorstehenden 19. August hat de« erMeni.AulWüjz ler Volksabstimmung müssen auch sämtliche Turner und Sportler ihrer Wahlpflicht genügen. Deshalb muß der Zeit- punkt aller Veranstaltungen so gelegt werden, daß die Teil- nehmer ausreichende Gelegenheit zur Abstimmung haben. Erforderlichenfalls haben sie sich rechtzeitig vorher mit Stimmschetncn zu versehen. Für die Befolgung dieser An- vrdnung mache ich die Vereins- und Mannschastsführer ver- antwortlich." Machcnsen ist ehrlich „Da« Ergebnis steht schon fest" Marschall von Mackensen sagte zu einem Mitarbeiter der„Deutschen Allgemeinen Zettung":„Es handelt sich um keinen Wahlkampf. Es gibt keine Gegner. Das Ergebnis der Volksabstimmung mit einer ganz überwältigenden Mehrheit der Jastimmen steht beute schon sc st." Sie„frankfurter Zeitung" J Ein Blatt der Schmach Das einstige Demokratenblatt läßt sich über den 19. August also vernehmen: Denn es ist der natürliche Weg. den Adolf Hitler be- schreitet, wenn er in einem Augenblick, da die Nation von der Figur des Feldmarschalls Abschied genommen hat und der Gedanke aller sich nach vorwäils richten muß, wenn in diesem Augenblick der Zuruf des gesamten Volkes spürbar wird Der Weg von den Stufen des Sterbehauseö konnte nur zum Vvlke führen. Für einen Mann, der vom Ansang seines politischen Wirkens an von dem Vemußtiein gelragen war. nichts anderes als den inneren Willen des Volkes zu voll- ziehen. Der Akt der Freiwilligkeit, auf Grund dessen Adolf Hitler die Machtübernahme hat vornehmen können, wird immer der innerste Kern des»eueren deutschen Ge- schchens bleiben lniid niemand jenieits der deutschen Grenzen kann Teutschland verstehen, wenn er ihn verkennt ober mißdeutet). Am 19. August wird die Fortdauer dieser Freiwilligkeit als des eigentlichen Antriebs der neueren deutschen Entwicklung unter Beweis gestellt. Insofern ist der kommende Tonntag absolut mißverstanden, wenn man ihn als einen Tag der Partei, als ein rein na- tionalsozialistisches Geschehen aussahen will. Es haudelt stch vielmehr darum daß jeder einzelne Deutsche hier gefragt ist. ob er sich bereit fühlt, für seinen Teil mitzuhelfen an der entsckteideuden Bürgschaft für die deutsche Zukunft. Daß näm- lich dem Mann, dem das ungeheuerste Maß von Berant- Wortlichkeil ans die Schultern gelegt worden ist. das Lebens- element für sein Amt erhalten bleibe: die Bestätigung durch das Volk. Das begeisterte Volk Kritiker werden eingesperrt Berlin. 1-1. August. sZnpreß.) Der„Deutsche", das Blatt Leys, veröffentlicht folgende Notiz zur Vorbereitung der „Wahl":„Ueber den Ttabsleiter der PO. und Führer der deutschen Arbeitsfront Dr. Leu sind seit einiger Zeit die unsinnigsten Gerüchte im Umlauf, die zum Teil aus aus- ländischen Lttgenblättcrn, zum Teil von deutschfeindlichen Sendern stammen... Während der letzte» Trauertage haben diese Gerlichte an einzelnen Stellen des Reiches ein Aus- maß angenommen, baß schon in Anbetracht der Volksbc- fragung vom 19. August nötig wurde, eine io weitgehende Irreführung der öffentlichen Meinung zu unterbinde». ES mußten eine Weihe von Personen, die böswillig oder leicht- fertig solche Gerüchte weiterverbreitet haben, festgenommen werden." In diesem Zusammenhang ist es nützlich, daran zu erinnern, daß in den Tagen vor der„Wahl" vom 19. November 15(KM» Personen vcrhafiet wurden, die. wie uns genau bekannt ist. zum Teil heute noch in Haft sind. Amnesie Büß Kasizcirrafeiss'ägcr Ein Appell der„Times" Einen Versuch die innere Unruhe in Deutschland zu «dämpfen, nennt die„Times" den neuesten Amnestieerlnß. Er beziehe sich besonders auf politiuhe und halbpotnische Ver- gehen, aber der Wortlaut der Proklamation erweck« Zwci-el, ob den Häftlingen, die wegen talmckckicher oder angeblicher Opposition gegen das Naz-Regime in Konzentrationslagern gefangen gehalten und mißhandelt iviirden. irgendwelche Erleichterung zukommen«verde:„Nichts wäre geeigneter, der Reichsregierung die Schätzung des Auslands die sie vor- wirkt hat. zurückzugewinnen, als die Preisgabe oder Milde- rung der scheußlichen Methoden die sie zur Unterdrückung politischer Diskussion und zur Bestrafung politischer Gegner anwendet." I. H. Gesäuberte SA. „Glaubet fester als je..." Zum ersten Male seit dem 30. Juni marschierten am Sonntag wieder Berliner SA.-Formationen durch die Straßen der Reichshauptstadt. An ihrer Spitze ritt der neue Führer der Gruppe Berlin-Brandenburg, Obergruppen- sührer v. I a g o w. Vorher hatte auf dem Tempclhofer Feld ein Aufmarsch der SA.-Formationen stattgefunden, ivobei nach einer Meldung des„Montag" Obergruppenführer v. Jagow in einer Ansprache u. a. erklärte:„Ich habe den Befehl, das Führerkorps der Gruppe zu reinigen Ich führe diesen Befehl aus. Ich habe im Namen des Führers eine große Anzahl von Beurlaubungen» aussprechen müssen. Diese Beurlaubungen bedeuten an sich noch gar nichts. Tie greifen nicht an die Ehre des SA.- Führers oder des SA.-Mannes, der davon betroffen wurde. Erst ein Ehrengericht, das ans bewährten alten SA. Führern und alten Parteigenossen des Gaues Berlin zusammengesetzt ist, wird entscheiden, ob die Ehre eines TA.- Führers oder eines SA.-Mannes einen Sprung bekommen hat und wer nicht mehr tauglich zum Führer ist. Ich rufe zur t"""?' Ie au': Schließet die Reihen fester denn je! Glaubet fester denn je an den Führer, dessen wir auch in diesem Augenblick gedenken."... ftu» fr itsch gehen? Man nennt Blomberg als Hitlers Stellvertreter Der militärische Reichswehrchef General von F r i t i ck soll sich„ach Berliner Meldungen mit RücktrittSgedankc» tragen. Als seinen Nachfolger nennt man Generalmajor von Reichenau, gegenwärtig Chef des Ministeramts und ein alter Anhänger Hitlers. In der gleichen Linie liegt die Meldung, daß der Reichswehrminister von Blomberg als stellvertretender Reichskanzler in Betracht komme. Es werde sogar ein Gesetz vorbereitet, wonach jeder Reichswehr- minister von nnn an definitiv zugleich auch das Amt des stellvertretenden Reichskanzlers übernehmen werde. II Die„österreichische Legion Eine ärmee von SOOOO Emigranten Soweit von dem desorganisierten Stab des ehemaligen österreichischen Nazi-Hanptquartiers in München zu erfahren ist, wird die österreichische Legion ans unbestimmte Zeit .beurlaubt", d. h. vermutlich so lange, bis die Bedingungen für die Rückkebr der Legionäre»ach Oesterreich ausgehan- dclt sind. Eine ungenannte Zahl von Legionären wurde am !). August im Zug nach Berlin befördert und es heißt, daß ein Teil von ihnen nach Ostpreußen.Arbeitsdienstlager) verschickt werden soll. Die meisten, berichtet der Münchner Korrespondent der „Times", tragen noch ihre Uniform, aber seit dem Wochen- Holländisches Inaugs-aearing? Stockung in den Verhandlungen Amsterdam, 14. August. Die deutsch-niederländischen Ver- Handlungen über den Zahlungsverkehr zwischen beiden Ländern sind am Tamsiag wegen zunächst unüberw üblichen Schwierigkeiten abgebrochen worden. Tie deutsche Regierung hat sich geweigert, das von Holland vorgeschlagene Elearing- System gutzuheißen, weil sie es als ein System von Zwangsmaßnahmen betrachtet. Der Leiter der niederländische» Tele- gation, Dr. Hirschfeld, ist daraufh'n nach Holland gefahren, um sich neue Instruktionen zu holen. Es besteht die Absicht, zu einem autonomen Zwangsclearing zu schreiten, wenn nicht bald eine Einigung mit Deutschland erzielt wird. Ncrvostl&l Angst bekommen h. b. Kürzlich hat der Oberbürgermeister von A»iona, Brix, im Kaiserhos zu Altona vor den politischen Leitern eine interessante Rede gehalten, die sich mit den Vor- gongen seit dem Tage des braunen Meuchelmordes, dem 30. Juni beschäftigte. Er beklagte sich darüber, daß die Nörgeleien und Gerüchte trotz aller Miesmacherschlachten nicht verstummen wollen. So sage man ihm, dem Herrn Oberbürgermeister nach, datz seine Amtskassen nicht in Ordnung seien. „Ich kann es mir nicht leisten", schrie er,„mir die Ner- vcn schinden zu lassen, denn wenn ich nicht mehr arbeiten kann, so kann ich dem Vertrauen, das der Führer in mich setzt, nicht mehr gerecht iverden. Lieber aber versacke ich und verschwinde im Düftern, als daß ich den Kampf aufgebe und den Führer verlasse! Tie letzten Ereignisse haben gezeigt, daß in manchen Gegenden unseres Vaterlandes nicht alles so ivar, ivie cS sein sollte. Bei uns in Tchles- ivig-Holstcin ist nicht geludert worden, es wurde kein Lotterleben geführt. Das hindert natürlich nicht, daß dar- über geschwätzt wird, so unier anderem über die selbst- verständliche und einfache Bewirtung der Marine bei ihrem kürzlichen Besuch in Altona. Jetzt aber sage ich: Es wird kein Besuch mehr bewirtet, obwohl es Pflicht der Gast- freundschaft wäre. lNa, lieber Brix, wenn nun Hitler kommt oder Baldur v. Tchirach? Dann geht es doch nicht ganz ohne! Die Red.) Wir können uns auch dieses Selbst- verständliche nicht mehr leisten. Die natürliche Folge ist, Wörtlich sia iesas «iLie^a cSts freien Voilrei"... Um das„dritte Reich" ganz zu verstehen, seine inneren Zustände, seine Menschen und seine Presse, ist es wichtig, auch die P r o v i n z b l ä r t e r zu lesen. Sie sind viel ans.chluß- reicher als die großen farblosen Blätter, die dauernd unter zentraler Kontrolle stehen. Genießen wir also wortlos diesen Auszug ans einem Leitartikel der„Pirmasenser Zeitung" vom 1- August über den Führer: „Ein neuer Beweis seines wahrhaften Fiihrertums ist uns heilte gegeben. Sein eigenes Wort:„daß Führer sein kann nur der, der das Volk kennt" hat er selbst gesteigert. Die nach dem Tode Hindenbnrgs ergangenen Gesetze und Erlasse zeigen: er kennt das Bolk besser, als es sich selbst kennt. Sein Schreiben an den Reichsinnenministcr bittet darum, dafür Sorge zu tragen, daß er auch nach Uebernahme der Gc- schäfte des Reichspräsidenten und Staatsoberhauptes wie bisher nur als„Führer und Reichskanzler" an- gesprochen werde. Der Titel„Reichspräsident" habe durch die Größe des Dahingeich'edcnen eine einmalige Bedeutung bekommen und solle für immer mit dem Namen des großen Toten verbunden bleiben. Gibt es wohl eine« größere» Be- weis innerer Bescheidung als dic'en? Immer wieder stellt der Führer in seiner eigenen Person das Beispiel wirk- l'chen Führertums heraus, daß in seiner Einfachheit und seiner tiefen Kenntnis de? Volksemp'indens käst beschämend sein kann Das Gesetz über die Vereinigung des Amtes des Reichspräsidenten mit dem des Reichkanzlers in der Person Adolf Hitlers soll dem Volke zur Billigung vorgelegt wer- den. da alle Macht, wie der Kanzler in seinem Verlangen an den Reichsinnenminister zum Ausdruck bringt, vom Volke selbst ausgehen muß. Keine Zeilbestimmung begrenzt dieses Gcietz,° eS enthält nur die Bindung an mk BEMME BMI die Pr.son Hiteers. Damit ist gesagt daß der Reichskanzler Adolf Hitler für alle Zeiten Reichspräsident und damit Staatsoberhaupt des deutsche» Volkes geworden ist. Es wird also für Lebens- zeit des Führers nicht mehr notwendig sein, einen Reichspräsidenten durch eine Wahl des Volkes zu bestim- wen. Dieses dem deutschen Volke zur Zustimmung vorgelegte Gesetz ist von so weittragender Bedeutung, wie es wohl feiten einem Bolke vorgelegt ivurde Es verlangt das restlose Vertrauen des Volkes zu seiner Führung und zu dem im Führer verkörperten Staatsoberhaupt aus Lebenszeit. Die Frage, die der Führer dem Bolk vorgelegt hat. zeugt von dem grenzenlosen Vertrauen, das er ihm entgegenbringt. Die Deutschland feindlich gesinnte Auslandspresse liebt es, das deutsche Volk als eine Gemeinschaft von Sklaven hinzustellen, die jeglicher Willensfreiheit beraubt sei. Eine solche Anichau- ungsweise zeit, wie wenig man im Anstand uns doch eigent- lich kennt. Gibt es eigentlich eine eindringlichere Lektion als die. die jetzt der Führer in diesem Schreiben erteilt hat? Aus freiem Entschluß«nd ureigenster Initiative verlangt er e'ne freie Volksabstimmung über den Beschluß des Reichs- kabinetts. Gibt es einen besseren Beweis als dieses Ver- trauen des Führers zum deutschen Volke? Wie wird das Votum des Bültes am Ist August lauten? Es ist wahrlich nicht schwer, diesmal Prophet zu sein. Der Führer hat sich bis zum heutige,, Tage die Liebe»nd das Vertraue« des Volkes erworben, daß das 10 Millionen-Ergebnis vom II November nickt nur erreicht, sondern noch weit übcrtrofse« werde» wird. Diesmal wird es sich erweise», wad mir. die wir unseren Führer kennen, schon längst wissen, was aber auch das Ausland noch einmal gründlich erfahren soll: Das ganze deutsche Bolk steht hinter seinem Führer Adolf Hitler!"_..._,. ende nach der Ermordung von Dollfuß wurden in Bayern keine beioassncten Legionäre mehr gesehen. Nach dem miß* lungenen Versuch, zu den Nebellen in Oesterreich zu stoßen, wurden die Legionäre in den Lagern streng bewacht. Diele Lager werden jetzt ausgelöst, und das Dachauer Lager, das lälist Plann faßte und dem Konzentrationslager angeschlossen war, ist bereits geräumt. ES ist schwer, die Gesamtstärke der Legionäre festzustellen: der„Times"-Korrespondent hält nach vorsichtiger Schätzung die Zahl von fünfzigtausenb für nicht unwahrscheinlich. I. H. daß wir e? ablehnen, Gass zu sein. Wir empfangen keine Ehrenkarte mehr, wir nehmen keine Einladung mehr an, keiner von uns wird eine Ehren- oder Freikarte benutzen. Wir wollen die zwölf Punkte des Führers mit peinlichster Genauigkeit innehalten im Großen ivie im Kleinen." Armer Herr Brix! Wie mutz Ihnen der Schreck unter das braune Hemd gefahren sein. Aber trösten Sie sich- Zeit heilt Wunden und lätzt Schrecken verblassen. Wir werden Sie also bald wieder irgendwo als Ehrengast be- grüßen dürfen. Denn was ein richtiger Nazi ist, der kann ohne diese Sorte Ehre nicht auskommen. Brak tischer Nationalsozialismus Hamburg, 18. August. Durch eine Revision bei der Lüne- burger Eiervermittlnngsstelle wurde festgestellt, daß aus dem Lager etwa II 000 Eier verschwunden find. Zwei nationalsozialistische Angestellte wurden verhaftet. Duisburg, 18. August Der Vertrauensmann der Deutschen Arbeitsfront, Betriebsgemeinschast Bergbau Hamborn, Gustav Albert, hat einen Betrag von 1900 Mark unterschlagen, der ihm zur Auszahlung von Urlaubsvergtttungen an Bergarbeiter übergeben worden war. Er hat die ganze Summe auf einer Rheinfahrt verjubelt. Aus Grund der Empörung, die in der Arbeiterschaft herrschte, griff der Staatsanwalt ein und erhob Anklage. Das Gericht ver- urteilte Albert zu zwei Jahren Gefängnis. Die Terrorjustiz Berlin, 18. August. TaS..Volksgericht" verhandelte unter Ausschluß der Oessentlichkeit gegen den holländischen Ge- iverkichastssekretär T pausier, der dadurch Landesverrat begange» haben soll, daß er in Holland das deutsche Emigran- tenblatt„Freie Presse" verbreitet hatte. Das Urte-l lautete auf zwei Jahre Gefängnis. Spausier war bereits vor Jahres- frist bei einem Besuch in Westdeutschland verhastet worden- ßSKZi Die Hinrichtung der vier zum Tode verurteilten SmÜ' lente in Wien wurde bereits im Laufe der Nacht voll» zogen. Dir Polizei in Sevre verhaftete am Montag eine« «8jährigen Mann, der gestanden hat, sich an seiner 14jährigen Tochter vergangen zu haben, die im Mai d. I. einem Mädchen das Leben schenkte. Die Geburt des Kindes wurde heimlich mit dem Beistand der eigenen Frau des Verhafteten vollzogen, die dann das unschuldige Wesen wenige Stunden später im nahen Wald aussetzte. Glücklicherweise wurde es dort von einem Fußgänger gesunden und einem staatliche» Säuglingsheim zugeführt. ?'m Montag brach mit Donnergetöse im Niagara- fall ein Feldstück von etwa 200 Meter Breite und 17 Meter Diese ab. Der mächtige Felsblock schleuderte eine Wasser- faule von 80 Meter in die Höhe. Die südslawische Regierung unterzeichnete eine Berord- nnng, durch die alle Kartelle verboten werden. Durch eine zweite Verordnung begrenzte die Regierung den Zinsfuß. Geldinstitute und Banken dürfen demzufolge höchstens i'lt Prozent über den Diskontsatz der Nationalbank und die übrigen Verleiher höchstens 8 Prozent jährliÄ fordern. Der Vorsitzende des Marineausschusses des amerikanische» Repräsentantenhauses, Viuson, der gemeinsam mit dem Marineamt das Flugzeugbauprogramm sür'die Flotte aus« gearbeitet hat, gab bekannt, daß der Van von 2100 neue» Marineflugzeugen beabsichtigt sei. Bon den ungefähr 10(1" Flugzeugen, die die Marine gegenwärtig besitze, seien»»* etwa 400 für den Kriegsdienst tanglich. Zwei Neger£e'inn dem sie behauptet, es habe sich einfach um einen Druckfehler gehandelt. Die Zeitungen hätten die Matern— entgegen der Behauptung des katholischen„Elsässer"— dort am 25. Juli erhalten. Wir unterstellen einen solchen Fehler. Warum aber, so fragen wir, hat der Propagandadienst des Herrn Goebbels erst mit seiner Entrüstung eingesetzt, als die gesamte aus- ländische Presse und die österreichische Regierung diesen Fall eines seltsamen„Versehens" behandelte? Er st am Montagabend hat man durch den deutschen Rundfunk in einer Polemik gegen den österreichischen Rund- funksprcchcr Adam die These vom Druckfehler amtlich er- fahren. Seltsam, welche Anlässe sich die angeblich katholische „Taarbrückcr Laudeszeitung" aussucht, um ihre Moral z» mobilisieren! Als sich in Hitlcr-Tcutschland die Leichen türmten, als Klausener, Probst und viele andere Katholiken erschlagen, verbrannt und verscharrt wurden, als Priester in grosser Zahl verhaftet wurden: mit gesitteten Worten und zahmer Geste wurde gefragt, ob solche Ereignisse nicht eine Kritik verdienten. Jetzt wird das Taarbrücker Blatt ans ein- mal zornig. Nicht gegen die Mörder, sondern gegen die „Volksstimme". Patriot und Kriegslieferant Röchling wird weltberühmt Die in Prag erscheinende führende Wochenzeitschrift„Ein" l„Tie Tat">, die den politischen Kreisen Masarnks nahe steht, bringt in ihrer letzten Nummer vom 2. August einen ausführlichen Aufsatz von Mila Kvlar über die europäische Bc- deutung der Saarfragc. Der Verfasser verweist darin vor allem aus die Agitation Hermann Röchlings und teilt zur Eharakteristik des bis jetzt in Prag nicht näher bekannten Industriellen mit, dass Röchling vom Gericht zu Amiens schwer verurteilt wurde: gleichzeitig aber sei Röchling ein wichtiger Lieferant der Firmen Citroen und Renault und daher einer der Mit- begriinder der Motorisierung der sranzö- sisckcn Armee.— Bei den engen Beziehungen, die zwischen den sranzösischen und tschechischen Kreisen der Politik bestehen, kann es keinem Zweifel unterliegen, dass der Verfasser des zitierten Artikels, Mila Kolar, sich der Tragweite seiner Acusserungen wohl bewusst ist. Was sagt Hermann Röchling zu diesem Vorwurf, der ihn der direkten Mitarbeit an der Ausrüstung der französischen Armee beschuldigt? Die Hationalsynode Wie die„Times" Derichtete Die ürierfluf ««< Tie Tagung der Deutschen Evangelischen Nationalsynode, abgehalten im alten Preußischen Herrenhaus, das jetzt „Prcuhenhaus" genannt wird, stand tm Zeichen sehr grosser Spannung. Die Synode setzte sich aus 44 Deutschen Christen und 13 Mitgliedern der Opposition zu- sammen. Gegen Schluß der Synode verlas ein Konferenzteilnehmer im Auftrage der bayrischen und württem- bergischen Kirche eine Erklärung, in welcher er gegen die Zusammensetzung der Synode protestierte und auf die Abwesenheit von prominenten Mitgliedern der Kirche hinwies. Er nannte in dieser Verbindung den Namen von Dr. F e z e r, der selber anlässlich der ersten nationalen Synode Dr. Müller als Reichsbischof vorgeschlagen hatte. Es schade dem guten Namen und dem Sinn der natio- nalen Synode, wenn ihre Zusammensetzung vor jeder Tagung abgeändert werde. Trotzdem die Tagesordnung der nationalen Synode, so sagte der Protestierende weiter, so ausserordentlich wichtige und heiß umstrittene Dinge enthalte, sei sie noch 24 Stunden vor der Tagung den Delegierten nicht bekannt gewesen. Die Delegierten habe man vor die vollendete Tatsache gestellt. Di« Delegierten müßten aber auch gegen die Festsetzung der Tagung vor Ablauf der T r a u e r p e r i o d e für den treuen Freund der Kirche, den Reichspräsidenten Hindenburg, protestieren. Die Annahme von Vorschlägen ohne vorherige Besprechung durch die Synode könne nur dann in Frage kommen, wenn man zur Führung der Evangelischen Kirche rückhaltloses Vertrauen besitze. Ter Gewissenskonflikt sei für die Delegierten, für die er spreche, deshalb so gross, weil sie auch im Interesse des Vaterlandes die geeinigte Evangelische Kirche erstrebten. Aber diese Kirche müsse auf der Kraft des Evangeliums, im Geiste der Gerechtigkeit und Bruderliebe aufgebaut werden und müsse ausgehen von der lebendigen Ge- meinde. Sie alle seien bereit, diese Kirche mit zu schassen, aber sie müßten es ablehnen, Gesetze anzuerkennen, die ihnen den Glauben ihrer Väter rauben und das Vertraue» zerstören, auf das sie einen berechtigten Anspruch hätten. Oer neue Eid Der neue Eid, den die Synode annahm, wurde von jedem Mitglieds der Opposition aufs schärfste abgelehnt. Aus begreiflichen Gründen hat der ausgegebene offizielle Bericht noch nichts über den Eid enthalten. Der Text soll wie folgt lauten: Ich schwöre vor Gott, als ein Prediger des Evangeliums in meinem jetzigen und jedem anderen geistlichen Amte, dass ich dem Führer des deutschen Volkes nnd Staates, Adolf Hitler, treu und gehorsam sein will, wie es einem Diener der Evangelischen Kirche gebührt, und der deutschen Nation Opfer zu bringen und für sie alle Kraft einzusetzen. Weiter will ich die Pflichten des mir anvertrauten heiligen Amtes gewissenhaft erfüllen im Sinne der Verordnung der Deutschcn Evangelischen Kirche sowie gewissenhast die in ihnen enthaltene» Befehle ausführen. Zum Schluß will ich als Prediger und Scelenhirt alle meine Kraft dem Dienst an der sVolks?j-Gcmcinschast widmen. * Nach der Meinung der Opposition ist der Eid vollkommen unannehmbar, weil in dieser Form der Eid weltliche und geistliche Dinge durcheinander bringt. Tie verlangte energisch die Trennung der geistlichen und politischen Fragen. Es wurde offen gesagt, dass hinter dem Namen Adolf Hitler der des Reichsbischofs sich verstecke, des Reichsbischofs, dessen Diktaturrcgime nnd Organisation von etwa 7000 Pastoren abgelehnt werde. Es wird ausgesprochen, dass als Hauptergebnis dieser Synode sein wird die Verweigerung der Leistung dieses Eides durch die Opposition, nicht weil sie gegen den Staat sind, sondern weil sie die Methoden des Reichsbischofs ablehnen. Es wird erkannt und auch von manchem echten Nationalsozialisten als Unrecht empsun- den, dass vom Kirchenregiment hier die Gelegenheit benutzt werden kann, um aus einer Ablehnung geistlicher Dinge eine solche politischer zu machen. Evangelischer Kirchenkampf als je Die Dekenninissijnode läutet die Sturmglocke gegen die Nationalsunode liüiier Offene KriegserKlörung „Die Nationalsynode hat Unrecht für Recht erklärt"— sagt die Bekenntnissynode Die Beschlüsse der Nationalsunode der Deutschen Evange- tischen Kirche l>aben zur weiteren Verschärfung des pro- tcstantischen Kirchenstreites in Deutschland geführt. Am Sonntag haben zahlreiche evangelische Geistliche, Mitglieder des oppositionellen Pfarrernotbundes, in allen Bc- zirken Deutschlands eine Kundgebung verlesen, durch die sich der Bruderrat der deutschen Bekenntnissnnode gegen die letzten Beschlüsse der Nationalsynode wendet. Diese Kund- gebung enthält eine regelrechte Kriegserklärung der Oppo- fitton. Die Kundgebung hat folgenden Wortlaut: „Am 9. August hat unter dem Namen einer National- synode eine unter Bruch der Kirchenvcrsassung gebildete Versammlung Beschlüsse gefasst, Gesetze beschlossen, bis- lang geübtes Unrecht für Siecht erklärt. Diese sogenannte Nationalsynode, ihre Verhandlungen und Beschlüsse sind nach kirchlichem und nach weltlichem Recht un- gültig. Wer sie befolgt, bricht selbst Verfassung und Recht der Kirche. Wir weigern uns dessen und ruien die Gemeinden und Kirchen aui, sich auch ihrerseits nicht des Veriassungs- und Rrchtsbruches mitschuldig zu machen. Verantwortlich dafür, dass es in unserer Deutschen Evangelischen Kirche hierhin hat kommen können, ist durch ihr fortgesetztes unkirchlicheS Verhalten die R c i ch s k i r ch c n r c g i e r u n g, besonders der zum Schutze der Verfassung berufene Reichsbischof. Die Reichskirchcnregierung verachtet die einfachsten Grund- sätze von Recht und Gerechtigkeit. Sic unterstellt die Vcrkün- digung des Evangeliums dem Machtwillen fehlsamer Menschen. Sie ist bar der von der Heiligen Schrist geforderten Bruderliebe. Tic enthält damit die Grundlage der auf dem Evangelium erbauten resormatorischen Kirche. Wer Recht und Verfassung, die er schützen soll, immer wieder selber bricht, hat den Anspruch verwirkt, Gehorsam zu fordern. Wer. zur Leitung der Kirche berufen, immer wieder die Grundlagen christlicher Lehre und christlichen Handelns verstößt, stellt sich ausserhalb der Kirche. Darum erklären wir den Kirchen, den Gemeinden und ihren Gliedern in der Verantwortung vor Gott: Gehorsam gegen dieses Kirchenregiment ist Ungehorsam gegen Gott! Der Bruderrat der Deutschcn Bekenntnissynodc." 20 Celstlhhe verhaltet London, 13. August. Nach einer Meldung der„News and Chronicle" aus Berlin sind eine grosse Anzahl evangelischer Geistlicher, die der freien Bekenntnissynodc angehören, aus Veranlassung des Reichsbischoss Müller verhastet worden. Der Grund für die Verhaftungen ist in der oben wieder- gegebenen Erklärung zu suchen, in der gegen die Beschlüsse der sogenannten Nationalsynode Stellung genommen wird uud in der diese Beschlüsse als ungesetzlich und unchristlich bezeichnet werden. Um diesen Widerstand zu brechen, hat der Reichsbischos kein anderes Mittel gesunden, als die Mobili- sierung der Polizei. OemoOreScller Theoloölcprofessor Professor Dr. thcol. Hans v. Soden an der Marburger Universität wurde auf Grund von 8 0 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Beriissbcamteiitums in den Ruhestand versetzt. Tic.Gründe für diese Amtsentsetzung liegen in der kirchlich-oppositionellen Haltung v. Sodens. Er hat das Marburger Gutachten zur A r i c r s r a g e und die be- kannte Erklärung von 33 Theologicprosessorcn zur Frage von Bekenntnis und Kirche abgefaßt und sich für eine vom Reichsbischof unabhängige Bekcnntniskirchc eingesetzt. v- Soden ist einer der führenden deutschcn evangelischen Theologen. Er las über Neues Tests- ment, christliche Archäologie, Kirchengeschickte und Kirchen- recht und war auch im Ausland sehr geschätzt. Der Gelehrte steht im Alter von 33 Jahren. Prag, 31. Juli. sZ.T.A.j Wie die Standesämter durch Aus- wtigung von Urkunden für den Nachweis der arUchen Ab- ammung beansprucht werden, geht aus einer Mitteilung des Westdeutschen Beobachters" hervor. Danach wurden in Köln n letzten Vierteljahr rund 40 000 Abschriften aus Standes- mtsurkunden ausgefertigt, rund 19 000 Abschriften aus Ge- nrtsrcgistern. 10 000 aus Tterberegistern und ebenso viele us Heiratsregistern. Standes- und Pfarrämter in den Deutschland benachbarten ändern, ivie Dänemark Schweden. Holland, Tscheckwilowa- ei. klagen in Zuschriften an die Presse, daß sie mit Gesuchen m Stammesurkunden seitens reichsdeutscher Einwohner, cren Vorsahren aus den erwähnten Ländern stammen, ge- adezu überflutet werden. ..Ehrenamt" Ley für Puritanismus— der andern Das Sozialamt der DAF. hat eine Anordnung erlassen, derzusolge der„Führer der DAF." ausdrücklich daraus hin- weist, dass das Amt des Vertrauensmannes eines Betriebes ein Ehrenamt ist, für dessen Wahrnehmung ein Entgelt nicht gewährt werden darf. Auch jede versteckte Entschädigung sei unstatthaft. Wer als Vertrauensmann sich Vorteile gewähren läßt, sei es in geldlicher Art oder durch Versetzung auf einen andern, besser bezahlten Arbeitsplatz, durch längere Ur- laubsgewährung oder Gewährung von Lohn- und Gehalts- zutage außer der Reihe oder dergleichen, verstößt gegen dieses Verbot. Das gleiche gilt für Unternehmer oder Bc- trtebsführer, die Vertrauensmännern solche Vorteile ver- schassen, in der Absicht, sie in ihrer Amtstätigkeit zu be- einslnssen. Ley hat angeordnet, dass Mitglieder der DAF., die gegen die obigen Bestimmungen verstoßen, dadurch ihre Mitgliedschaft zur DAF. verwirken nnd damit ohne weiteres ihr Amt als Vertrauensmann verlieren. Unberührt hiervon bleibt die etwaige Verantwortung vor dem sozialen Ehren- '^Das vom Hitlerismus beseitigte Betriebsrätcgesetz hat alle Probleme des Vertrauensmännerwesens klipp und klar ge- regelt. Es bedurfte da keiner„Anordnungen" von söge- nannten„Führern". Wie aber muß es heule unter jenem Teil der sogenannten Vertrauensmänner aussehen, die durch Leys Gnaden zu Vertretern der Arbeiter gemach, wurden. So sieht die nazische Sozialpolitik aus. Dreckig wie alles in diesem Reich Nummer drei. „volksgeridil" Verurteilungen, Verhaftungen Berlin, 13. August. lJnprcssj: Ter zweite Senat des „Volksgerichts" verurteilte die Angeklagten Krause und Sackmann, die im Besitz der illegalen Zeitschrist„Der Jung- prolet" betroffen wurden, zu einem Jahr und vier Monaten bzw. zu einem Jahr Gefängnis. Zwölf Angeklagte, die der Wiedcrausrichtnng der kommu- nistischen Partei beschuldigt waren, erhielten vom dritten Strafsenat des„Volksgerichts" Zuchthaus- und Gefängnis- strafen von acht Monaten bis zu zwei Jahren und drei Monaten. Vom fünften Strafsenat des„Volksgerichts" wurden drei Kommunisten zu Zuchthausstrafen von einem Jahr und sechs Monaten bis zu zwei Jahren und drei Monaten wegen Verbreitung illegaler Zeitungen verurteilt. Eine Frau er hielt aus dem gleichen Anlaß sechs Monate Gefängnis, ein weiterer Kommunist wegen„hochverräterischen Unterneh- mens" zwei Jahre Zuchthaus. Ter Ferienstrafsenat des Oberlandgerichts Karlsruhe verurteilte den ehemaligen Leiter der Ortsgruppe Rastatt der KPD., Emil Hochreiter, wegen„Vorbereitung zum Hoch- verrat" zu einem Jahr und acht Monaten Gefängnis. Stund um Oesterreich Sin Gewirr von Plänen und Konflikten A.Ph. Paris. 14. August. Von unserem Korrespondenten Den Problemen„Italien und die kleine En- tente in ihrer Stellung zu Oe st erreich" widmet Wladimir d' O r m e s s o n im„Figaro" eine ganze Spalte. Er geht davon aus, baß nach der Aufteilung Oesterreich-Ungarns der vorherrschende Einfluß, den die Doppelmonarchie in Mitteleuropa und ans dem Balkan besaß, auf Italien überging. Von allen Staaten, so sagt er. die sich in den österreichischen Leichnam geteilt hätten, sei es der be- deutendste. Die Regierung in Rom betrachte sich als Diri- gentin im mitteleuropäischen Orchester. Dadurch aber ent- ständen Reibungen mit den anderen Nachfolgestaaten, vor alle mit der Tschechoslowakei und Jugoslawien. Der Gegensatz zwischen Rom und Prag sei mehr persön- licher Art. Mussolini und Bencsch seien beides Politiker ersten Ranges. Während Mussolini italienische Politik be- treibe, habe Benesch aus Neigung und Zwang vor allem die internationale Politik und Genf im Auge gehabt. Zwischen Rom und Belgrad gebe es andere Spannungen. Hier gehe es um die nationale Eigenart und die geographische Lage der beiden Volker. Italien habe seinen Machtbereich auch auf die jenseitige Küste des Adriatischen Meeres aus- dehnen wollen. Aus dem österreichisch-serbischen Gegensatz sei am Tage nach dem Waffenstillstand die italicnisch-jugo- slawische Rivalität geworden. Mussolinis Kampsscld für diesen Gegensatz sei Ungarn geworden, das von jeher behaupte, von den Siegcrmächten zu streng behandelt worden sein. Mussolini habe die Rolle des Schutzherrn für Ungarn sich zugelegt. Damit habe er den Staaten der kleinen Entente und besonders Rumänien einen Streich gespielt. Diese seien aber keineswegs italicnfeinblich eingestellt gewesen. Mussolini wisse wohl, baß der Revisionismus Ungarns nur etwas Abstraktes, nur ein politisches Spiel sei, da die Länder der kleinen Entente sich niemals freiwillig verstümmeln würden, nur um Ungarn eine Freude zu machen. Man er- kenne also recht gut die üble Lage, die die Ermunterung des ungarischen Revisionismus in Mitteleuropa geschaffen habe. Je mehr man sich mit dieser ganzen Frage befasse, um so mehr komme man zu der Ueberzcugung, daß dieser Revi- sionismus der Stein des Anstoßes für eine konstruktive Politik in diesem Wetterwinkel Europas sei. Wolle man den Frieden retten, dann müsse Italien gegenüber der kleinen Entente und Ungarn eine Haltung einnehmen, die durch die Tatsachen geboten sei. In Budapest müsse man sich ebenso daüber klar werden, daß für die Verwirklichung der ungarischen Ansprüche keinerlei Aussichten vorhanden seien. Rom, Wien, Budapest und die Hauptstädte der Länder der kleinen Entente sollten auf realen Grundlagen zusammen- arbeiten und jedes das Seine daran setzen, zur Schassung eines Friedenspaktes für Mitteleuropa. Der Gegensatz zwischen Belgrad und Rom kommt in einer Polemik der jugoslawischen gegen die italienische Presse zum Ausdruck, von der der Belgrader Korrespondent des„P e t i t P a r i s i e n" berichtet, die Belgrader Presse wende sich in scharfen Ausdrücken gegen die römischen Zeitungen, die der Regierung vorwerfen, sie habe ein Abenteuer in Kärnten gewünscht und während des Naziputschcs die Nationalsozia- listen in Oesterreich mit Waffen und Munition unterstützt und die Organisation der Verschwörung auf jugoslawischem Boden geduldet. Demgegenüber weise Belgrad darauf hin, welche außer- ordentlich korrekte Haltung es während der blutigen Ereig- nisse selbst in dem Äugenblick, als Italien auf dem Brenner gewaltige Truppenmassen mobilisierte, eingenommen habe. Der österreichische Gesandte in Belgrad habe auch ausdrücklich- dem jugoslawischen Außenminister gegenüber diese Haltung dankbar anerkannt und die österreichische Regierung habe dasselbe dem jugoslawischen Gesandten in Wien gegenüber getan. Tie Belgrader„Politik«" meine, die Februar- und Juli- wirren in Oesterreich hätten nur eine so große Ausdehnung annehmen können, weil die Rebellen über beträchtliche Waffen- und Munitionsvorräte verfügt hätten, die einzig und allein während der bekannten Hirtenbcrg-Wafscnschicbung hätten heimlich eingeführt werden können. Wenn man meine, daß die Ausrechterhaltung von Oester- reichs Unabhängigkeit eine der wichtigsten Vorbedingungen der europäischen Politik sei, dann sei es klar, daß der vom faschistischen Italien verfolgte Weg sich als gefährlich und ungangbar erweisen werde. „Petit Parisien" setzt hinzu, in Belgrader politischen Kreisen erkläre man mit aller Deutlichkeit, daß man gerade jetzt, wo man die Stimmung für eine Wiedereinsetzung der Habsburger sondiere, Wert darauf lege, zu betonen, daß sich Jugoslawiens Standpunkt niemals geändert habe. Es halte fest am gegenwärtigcnStatus quo in Mittel- e u ropa und werde sich mit allen Mitteln den Absichten widersetzen, die darauf hinausliefen, den Frieden in diesem Teile Europas zu gefährden. Man weiß, daß Fürst Starhemberg in einem Interview erklärte, die Wiedereinsetzung der Habsburger in Oesterreich stehe im Augenblick nicht zur Diskussion, sei auch eine Frage, die nicht von Oesterreich allein gelöst werden könne. Der römische Korrespondent des„Figaro" hatte Gelegenheit mit der Exkaiserin Zita, die sich in dem italienischen Badeorte Viareggio aufhält, zu sprechen. Er berichte. Zita dementierte sehr energisch alle Gerüchte, die von einer unmittelbar bevor- stehenden Thronbesteigung ihres Sohnes Otto wissen wollten. Otto befände sich als einfacher Tourist in Dänemark. Wenn sie auch nichts sehnlicher wünsche, als die Krönung ihres Sohnes, so kenne sie doch zur Genüge die intcrnatio- nalen Schwierigkeiten, die ihrer Hoffnung entgegenständen. Sie wisse, daß dazu lange Vorbereitungen nötig seien und man Geduld habe,, müsse. In diesem Zusammenhang sind auch die Meldungen inter- cssant, die der Londoner Korrespondent des„Paris- M i d i" seinem Blatte drahtet. In London, so sagt er, halte man Starhembergs Besuch bei Mussolini für außerordentlich bedeutungsvoll. Hauptgegenstaud der Unterhaltung sei wohl die Reorganisation der Heimwehr gewesen, die allein imstande sei, den Nationalsozialisten ein Paroli zu bieten. Deshalb habe wohl auch, so meint„Daily Telegraph", Ttarhem- berg von Mussolini Geld für die Heim wehren ge- fordert, die sonst nicht genügend auf den nächsten Vorstob der Nazis vorbereitet werden könnten. Vielleicht habe Starhem- berg auch Mussolinis Zustimmung zu einer Art von un- abhängigem österreichischen Thron haben wollen. Starhemberg wolle selbst mit dem Titel eines Regenten und der gleichen Macht, wie sie in Ungarn Admiral Horthq habe, diesen Thron besteigen. Auch„Daily H e r a l d" glaube ähnliches zu wissen. DaS Blatt füge hinzu, der Heimwehrführer sei als österreichischer „gekrönter Präsident" kür Italien die Lesse GaranNe dafür, daß Hitlers Anschlußpläne zum Scheitern verurteilt seien.^ Weiter meldet der Korrespondent des„Paris-Midi" noch, Starhemberg und Mussolini hätten sich dahin geeinigt, daß die italienische Gesandtschast in Wien zu einer B o t- schaft erhoben werden solle. Auf diese Weise wolle man gewissermaßen Papen als deutschen Gesandten in Wien tonterkarieren. Italiens erster Botschafter in Wien solle der Unterstaalssekretär im Außenministerium Suvich oder Grandi werben, der zur Zeit italienischer Botschafter in London sei. Schließlich bringt die englische Presse noch die Nachricht, daß. falls die vorgenannten Pläne sich nicht verwirklichten, Starhemberg in absehbarer Zeit an Stelle von Miklas öfter- reichischer Bundespräsident werden solle. Braune Pastoren in Oesterreltii Wien, 18. August Die Ermittlungen haben ergeben, daß von protestantischer Seite in Oesterreich den Nationalsozialisten verhältnismäßig besonders viel Unter- stützung zuteil geworden ist. Vom Turm der evangelischen Kirche in Leoben hat ein evangelischer Vikar, Sohn eines evangelischen Pastors, österreichische Truppen mit dem Maschinengewehr beschossen, ohne daß die oberste Behörde der evangelischen Landeskirche Oesterreichs ihrer Entrüstung darüber Ausdruck gegeben hätte. In Innsbruck hielt ein Pfarrer Mahnert, ohne vom Kirchenrat zur Verantwortung gezogen zu werden, eine Predigt, in der er Hitler als den Retter des Abendlandes bezeichnete, der auch Oesterreich ge- rettet habe, da es ohne ihn eine Beute des Kommunismus geworden wäre. In Ncu-Kennten in Oberösterreich ver- sandte der Pfarrer Rundschreiben, in denen es heißt, daß alle Nachrichten über kirchenfeindliche Handlungen Hitlers nur eine Erfindung der jüdischen Journalisten seien. Das evangelische Pfarramt in Hallein propagierte eine Ferien- reise von Salzbnrger Kindern in das ostpreußische Lager der Hitlerjugend. Die Wiener Blätter berichten noch von zahl- reichen evangelischen Pfarrern, die Propagandisten des „dritten Reichs" sind. Hand in Hand damit geht von zahl reichen evangelischen Gemeinden eine hcstige anti- semitische und a n t i k a t h o li s ch e Agitation aus, wie man sie speziell bei den norddeutschen Natwna.- sozialisten kennt. So werden in manchen Gemeinden des Burgenlandcs die evangelischen Schulkinder gehindert, mit katholischen zu spielen, die evangelischen Bauernmädcls dürfen nicht mit katholischen Burschen tanzen usw. Meistens handelt es sich übrigens um reichsdeutsche Pastoren, denn der größte Teil der österreichischen Protestanten hat Reichs- deutsche Geistliche. Tic Stunde schreibt, vieles märe ver- mieden, wenn man das Volk vor ausländischen Seelen- Hirten dieser Art behüten würde. „Doldisloß" Hat Max Barr wirklich gesiegt? Deutsche braune Blätter, die es nicht ruhen ließ, daß der Jude Max Baer Weltmeister im Boxen geworden ist, brach- ten auf, daß der Italiener Earnera zu Unrecht aus dem Kampf mit Baer als Besiegter habe abtreten müssen. Aus der deutschen Presse ging dieser Zweifel auch in die italie- nische über. Als Antwort darauf wird nun in amerikanischen und italienischen Kinos der gefilmte Kampf Earnera—Baer gezeigt, aus dem der einwandfreie Tieg Baers klar hervor- geht. Auch diese Kleinigkeit trägt nicht dazu bei, den Ruf der braune» Presse zu erhöhen. Oesterreichische Reportage Land an Galssen und Geiahren reidi Von Peter Bitter Begrüßung in Lustenau an der Grenze: Eine durch natio- nalsozialtstischcn Sprcngstosfanschlag zertrümmerte Bahn- Hofswartehalle. Trotz Todesstrafe auf den bloßen Besitz von Sprengmitteln, gehen die Attentate der braunen Maze- donier weiter. T>e Reisenden eilen zum Fenster, alle Meinungen sind sich in der Verurteilung dieser Schandtat einig— wenigstens dem Aeußeren nach. Jeder hat hier die vaterländische Maske ausgesetzt, geschwind noch in der letzten Schweizer Station grünblich seinen Koffer revidiert, ob nicht doch irgendeine hier verbotene Zeitung drin ist. Denn hier herrscht nur eine Bewegung: die vaterländische Front, in dct alle bürgerlichen Parteien verendet sind, mit Ausnahme der Großdcutschen, die immer noch nicht sterben wollen. Alle anderen Parteien, Sozialdemokraten, Kommunisten und Nazis, leben aber unterirdisch weiter. Heute ist das Be- gräbnis von Dollfuß. Ganz Bregenz ist in schwarzen Trauer- Nor gehüllt, die Geschäfte vormittags, die Behörden den ganzen Tag geschlossen. Es überrascht, daß auch im Arbeiter- viertel so viele schwarze Fahnen gehißt werden. Ich frage einen Eingeborenen:„Hat sich die Arbeiterschaft mit dem neuen System abgesunden?" Ter Eingeborene:„Es wurde den Arbeitern bedeutet, daß man es oben gerne sehen würde, wenn anläßlich des Todes Dollfuß' geflaggt würde. Und die Arbeiter sagten:„Aber gewiß, mit Freuden..." Heiß brennt die<^onne auf See, Stadt und Landstraften. Ich trotte den staubigen Weg von Dornbirn ins Gebirge. Ein kleiner, erwa zwölfjähriger Junge schließt sich mir an. Er trägt einen Rucksack, scheint aber nichts drin zu haben. .Vitt' schön, geb'n S' mir zehn Groschen!" „Ich Hab' kein Geld," sage ich,„wozu willst Du zehn Groschen?" „Bitt' schön auf eine Semmel— geb'n S' mir sieben Groschen." Ich betrachte sein ausgehungertes Gesicht, die brennend bittenden Augen. Er handelt bis auf fünf Groschen und bleibt an meiner Seite, erzählt mir treuherzig, daß er von Mcllau, also von Dornbirn etwa zwei Stunden Weges um Fleisch aina „Wo hast Du das Fleisch?" „Im Rucksack!" „Aber da ist doch nichts drinnen..." »Ja— dreißig Deka."(300 Gramm.) |„Ist denn in Mellau kein Fleischer?" „Doch— aber kein Pferdeschlächtcr..." Also wegen 800 Gramm Pferdefleisch vier Stunden Wegs gemacht! Und dann erzählt der Kleine. Der Vater ist arbeits- los. die Mutter arbeitet in einer Spinnerei und verdient in 14 Tagen, bei zwölfstünbiger Arbeitszeit täglich, kaum 40 Schilling... Einen Bruder hat er noch, die sechsjährige Schwester starb vor drei Wochen.— Ter Fleischer hat ihm ein verschimmeltes Stückchen Wurst geschenkt. Wie ein Heiligtum hält er es in der Hand und betrachtet es immer wie- der... Als ich ihm etwas Geld gebe, macht er einen Freudensprung und läuft zurück in einen Krämerladen... Steil und steinig geht der Weg auf den Freschen, der eine herrliche Aussicht über die drei Staaten: Schweiz, Deutsch- land und Oesterreich, sowie den Bodcnsee gestattet. Auf den Heuhüttcn und Scheunen bis über 2000 Meter Höhe immer wieder Embleme der verbotenen Parteien: Drei rote Pfeile und Sichel und Hammer im Sowjetstern. Aus den weißen Hakenkreuzen sind vergitterte Fenster gemalt worden.— In der Schutzhütte am Freschen sitzt eine holländische Familie, zahlreich, dick und gefräßig. Eine Sennerei ist dabei und da ein Gewitter aufzieht, bleibe ich über Nacht hier. Die grob- klotzigen Sennen fragen neugierig nach den Nachrichten aus der Welt da unten. „Was sagen S' zum Dollfuß?" Tie ewige Frage— wohin man kommt.„Er mar ein großer Mann," sagen sie, da ich schweige.(Für die Agrarier hat er ja genug gemacht, denke ich, und die Sennerei hat über fünfzig Stück Bich, da wirkt sich die Zollgesetzgebung für den Geldsack gut aus.) «Und der Februar?" „Vielmehr hätte man von den Roten hängen sollen," sagt der eine Senn gehässig. Gegen Hitler sind sie auch, sie sind nur für Dollfuß, den die dummen Nazi zum Nationalheros gemacht haben— wenigstens für die dreißig Prozent der regierungstreuen Bevölkerung. Aber der Fremdenverkehr leidet doch unter dem braunen Terror. Die hollän Nche Familie ist die einzige, die hier sitzt, klagt der Hüttenpächter. Und erst die Tausendmarkspcrre der Hitlerrcgicrung, kein Deutscher kommt her. Mir ist das höchst gleichgültig, aber ich heuchle größtes Entgegenkommen, un- bewußt habe auch ich die vaterländische Maske angelegt... DaS Land durchziehen taufende Wanderer. Wanderer je- dcch ohne Valuta und Gepäck mit mondänen Hotelnamen. Einer drückt dem andern die Türklinke in die Hand— die Bevölkerung ist verzweifelt ob dieser Plage. Die Regierung zwingt zwar alle Arbeitslosen unter 25 Jahren in den„frei- willigen" Arbeitsdienst, zum Gebirgsstraßenbau oder Boden- Urbarmachung. Aber die Leute laufen einfach ob der mise- rablen Kost und schweren Arbeit davon, bevölkern die Land- straßen. Während früher, als die vielen hunderte roten Ge- meinden und die rote Stadtverwaltung in Wien bestand, die reisenden Arbeitsuchenden ziemlich gut unterstützt wurden, gibt eS auf den jetzigen Wohlfahrtsämtern einfach nichts. „Gch'n S' zum Arbeitsdienst," heißt eS. Die Stadt Inns- brück, früher rot verwaltet, gibt jetzt einen Schilling an Durchreisende*b, und den nach langwierigem Kampf... Ich sitze im Gasthaus. ES ist gegen Abend. Die Radiomusik wird plötzlich unterbrochen.„Wir bringen eine Mitteilung der amtlichen Nachrichtenstelle. Die beiden am Kanzlermord beteiligten Nationalsozialisten Planetta und Holzweber wurden soeben hingerichtet..." „Das hört man jetzt oft," sagt der Wirt.„Genau vor einer Woche wars ein Schuybündler, jetzt die Nazi. Das Land kommt nicht zur Gegen den Arlberg zu wandere ich mit zwei Heimwehr- Polizisten, Bauernsöhne, denen die Uniform, das Gewehr und die Löhnung gut gefallen. Ter eine hat einen ganzen Klempnerladen Orden an seine Brust geheftet, er ist aber kaum achtundzwanzig. Sie gehen Hausdurchsuchung machen, erst vorgestern fand man bei einem Nazi etliche Kilo Dynamit... „Die Roten," frage ich,„geben die jetzt Ruhe?" „Die arbeiten nicht mit Dynamit," sagt der mit den Orden —„dafür mit Flugblättern und Zeitungen. Erst vorige Woche hat man an der Schweizer Grenze etliche Zentner beschlag- nahmt..." Weiter geht es— nach Osten. Es gibt nur eine Straße hier— gleich bist du entweder an der bayerischen oder italienischen Grenze. Es regnet. Es regnet schon drei Tage. Ich komme nicht vom Fleck. Durchfroren stehe ich in Landcck unter einem Balkon. Autos spritzen vorbei, durchnäßte Menschen laufen in ihre Behausungen— nur die ewige Hcimwchrpatrouille stopft dienstbeflissen durch das Dreckmeer. Es ist mittags. Mein Geld ist alle und wütend sehe ich einigen Buben zu. die Heimwehr und Marxisten spielen. Zu diesem Zweck haben sie Holzstitckc auf den Rücken und an die Seite ge- Kunden, Gewehr und Säbel darstellend. Irgendwo heult eine Sirene, Arbeiter eilen vorbei. Einer bleibt neben mir stehen und betrachtet ein an die Wand geklebtes Kinoplakat. Plötzlich wendet er sich an mich:„Bist auf der Walz? Komin mit." Ohne Umschweife zieht er mich in ein nahes Gasthaus. „Hast Hunger— bestell. Ich kenne das, war selbst auf der Tour..." „Hast jetzt Arbeit?"„Nein— heute habe ich meine letzte Unterstützung geholt— wird schon was werben..." Wio stoßen mit den Gläsern an.„Freundschaft!" sagt er„Freund- schaft!" Und nach einer Weile:„Das war hier unser Ar- bciterheim— der Wirt ist jetzt Faschist— aber immer wieder zieht es einem her. Ein halbes Leben lang hier Sitzungen abgehalten— soviel erlebt... Achthundert Mann Organi- sierte waren wir im Städtchen."—„Und am 12. Februar?" „Waffen hatten wir genug— aber ein Schuft hat alles verraten, mit Mühe konnten wir einen Teil retten. Durch den Verrat besetzte die Heimwehr die Stadt. Aber verhaftet wurde niemand. Sehr viele arbeiten schon wieder mit. Aus den Fehlern haben wir gelernt— das nächste Mal wird? gründlicher gemacht. Tann wird russisch geredet... Früher haben sie zu uns Rote gesagt— jetzt nennen sie uns Bol- schewiken." Wir reden lange. Erstaunt bewundere Ich den Instinkt deS Arbeiters, einen Gleichgesinnten angesprochen zu haben. Er lächelt.„DaS lernt man alles in der Illegalität— ein Blick — ein Abtasten und man weiß mit wem man'S zu tun hat..." Ich berichte ihm über die Einheitsfront an der Saar, in Frankreich. „So muß eS überall werden," sagt er. Beim Abschied sagt er:„Freundschaft!" DaS bringen sie aus uns nicht heraus!" „Freundschaft!" Wie das klingt— ganz anders, als da- mals, da man es unbehindert. ungestraft hinauSrufe» durfte.,, &€utscfte'Stimmen•(Seila^e zur ,.£)eutsdken Freiheit"• frei&nisse und Gesrfkicfkten : Z""' Mittwoch, den 15. August 193^?...-' tW' ' I»i ,,.„.j.I.-.i,i.I:l!!iIi::iIi Ii 1 1!ilü]l!luilUuUluiuiUnlt] iMlIIIlilli iü;.,i. II!l!mIIIIII«mIIIu! lillillllllll! lUiltllililulUilüUffi llflul Jungz, dec fragt Annemarie£ob: Der kleine Junge geht neben dem Vater die Straße entlang. Es ist ein gewöhnlicher Junge, mit kurzen Stachelnaaren und einem runden Gesicht. Er trägt das braune faemd. Seine Beine sind noch kurz, aber die Schritte knallen •chon über den Asphalt. Der Vater geht übrigens im Wintermantel. Es ist wahr, die Tage sind etwas kühl, der Sommer läßt auf sich warten. Sie biegen in die Voßstraße ein. Der Junge sagte gerade: eich brauche unbedingt die Jungenschaftsjacke. Sonst darf 'di nicht mit zum Aufmarsch und werde ausgeschlossen." Der Vater bleibt still. „Auch die Schafter muß ich haben." Der Vater hat den Kneifer vorgeholt, er stiert auf die *ndere Seite. „Mit einem Hemd kommt man auch nicht lange hin." Der Vater sagt eifrig:„Siehst du, mein Sohn, da drüben Ist das Braune Haus. Stämmige Burschen da, was, die Posten. So einer mußt du auch mal werden." Sie gehen wieder stumm nebeneinander her. Der Junge hat es aufgegeben, von seinen Wünschen zu sprechen. Er blickt, wie der Vater, nach der anderen Straßenseite hin. Strenge Gebäude wachsen da eins neben dem anderen, schmal, hoch und grau. Der Junge siebt hin, auf die Reihen ^erschlossener Fenster, er ist ein gewöhnlicher Junge, ohne besonderen Verstand. „Was stehen die vielen Autos da, Vater?" „Die sind für die Regierung, mein Sohn. Da drüben, was du d a siehst, ist die Vizekanzlei. Das Auto gehört wohl Herrn von Papen." „Sechssitzer, Mercedes, fein, was?" „Na ja, mein Junge." d f „Und der, Vater?" Der Junge ist über den Damm geschlendert, er hat den Vater angefaßt und schlendert die Wagenreihe entlang. Alle Autos sind beflaggt. Jetzt in der Windstille hängt das Haken- kreuz lasch und zerstückelt nach unten. Manchmal sind Tafeln mit einer Inschrift angebracht. „Das sind die Dienstautos, mein Sohn. Hier: Reichs- Jugendführung, Kreis III. Soweit kommst du auch »och mal, daß du solch Auto hast. Bloß stramm stehen, toein Junge!" „Und der, Vater?"- „Der ist für die Landespropagandaleitung, Bezirk Pommern..." „Und der, Vater?" „Siehst ja, der steigt gerade ein. Das ist ein Sturm» kührer, er trägt das Abzeichen der Reichsführerschule." „Und der..." „R eichskulturkamme r." „Und der..." „Reichssportführun g." „Und der.,." Sie kommen jetzt an den Eeipziger Platz. Der Vater geht um das Palast-Cafe herum. Wieder steht hier, parallel mit dem Rasenrondell, Wagen an Wagen. Sie sind schräg in den Damm gestellt und liegen in der ganzen Straße, bis zu Wertheim hin. „Diese Schweinhunde von Direktoren fahren immer noch in ihren Sechssitzern herum. Aber das wird jetzt anders. Die Warenhäuser haben bald aufgehört zu existieren, mein Junge, was ich dir sage." „Die gehören aber nicht zu Wertheimer. Die stehen ja alle hier vor der Deutschen Arbeitsfront, sieh mal, zwanzig, dreißig, fünfunddreißig Wagen." „Na ja, komm mal jetzt weiter." „Haben denn so viele Arbeiter Autos, Vater?" „Komm jetzt. Vielleicht können wir den Führer sehen." Der Junge bleibt noch hin und wieder stehen. Er interessiert sich so für Autos. Er will vielleicht mal welche bauen, jawohl, er hat Lust dazu. Aber jetzt fällt ihm wieder das andere ein.„Kann ich die Großfahrt mitmachen, Vater? Kostet aber 30 Mark. Ich habe mir ja schon überlegt. Wo doch jetzt alle im Jungvolk sein müssen und jeder Junge eine Mark bezahlt, könnten die ruhig ein paar Bedürftige mal umsonst mitnehmen. Die kriegen bei der Reichsjugendführung Millionen ein." „Das verstehst du nicht, mein Junge. Das Geld wird für andere Zwecke gebraucht." Sie sind jetzt am Wilhelmplatz. Der Vater rückt den Kneifer gerade. Er bleibt stehen und sagt feierlich:„Das ist die Reichskanzlei, mein Sohn. In zweiten Stock das zweite Fenster von rechts, das ist Adolf Hitlers Arbeitsraum. Gerade steht ein Fenster offen. Der Führer arbeitet wohl. Und nun dreh dich um, mein Sohn. Da drüben liegt der Kaiserhof. Ein weiter Weg, mein Sohn, vom Kaiserhof zur Reichskanzlei. Adolf Hitler hat ihn zurückgelegt. Eine heroische Zeit, mein Sohn." „Warum stehen da so viele Leute, Vater?" „Sie warten auf den Führer, mein Sohn. Jeden Nachmittag nimmt Adolf Hitler im Kaiserhof den Tee. Frank und frei sitzt er da in der Halle, für jeden sichtbar, für jeden zu sprechen. Ein echter Volkskanzler." „Jeder kann ihn sehen, V»ter?" „Jeder kann ihn sehen." y „Ich auch, Vater?" „Du auch, mein Sohn." „Dann wollen wir hingehen, Vater." Aber der Junge spürt die Hand des Vaters an seiner Schulter und wird rasch beiseite gezogen. Der Vater rückt an seinem Kragen, als wäre der zu eng. Vielleicht ist auch nur der Wintermantel schon zu heiß. So gehen sie wieder nebeneinander, und der Vater sagt nach einer ganzen Weile: „Laß man sein, mein Junge. Ein Gedeck hostet ja im Kaiserhof zwei Mark fünfundachtzig., ,"^ (Keimölen und die(Keimöl Ich bin durch Abstammung Bayer, durch Geburt Württemberger, durch Papiere Deutscher. Ich habe meinen Bürgeret, eine Stadt in der Rheinpfalz, niemals gesehen. Meine Heimat ist vielfach wie die Umstände, die sie bedingen. * Zentimeter, während der Umfang seines Leibes schon 2 Mc- ter 89 Zentimeter erreicht hat- Seine Schenkel haben eine» Umfang von 99 Zentimeter nnd seine Waden von 84 Zenti- meter. Da im Moment nichts Gegenteiliges bekannt ist, müssen wir annehmen, daß niemand diese Maße übertrifft- Soweit die Chroniken berichten, haben die dicksten Leute, die man bisher auf Ausstellungen und Panoptiken gezeigt hat, nicht mehr gewogen als 450 Pfund. Aber vielleicht wird siß jetzt wie immer ein Amerikaner bemühen, diesen Rekord zu brechen. Auf jeden Fall müßte man diesen Rekordmann nur bedauern, denn, wie Herr Remond erzählt, muß er für einen einfachen Anzug viermal soviel ausgeben, wie ei» anderer Sterblicher, den man ohne Schwierigkeiten mit de»> Stoff ankleiden könnte, den der Schneider des Herr Remond für ein Hosenbein deS Koloß benötigt. Unsere Töchter, die iSapnen Roma» vonHermyniaZurMühleu. 49 „Seit wann liest der Vater die Bibel?" fragte ich den Sohn. Der zuckte die Achseln. „Eine schöne Bibel," brummte er. Und als ich dem alten Matthias über die Schulter blickte, sah ich, daß in der Bibel ein Flugblatt lag, das mir gut bekannt war. „Lach nicht," sagte der Alte böse.„TaS ist sehr gescheit, was da steht, wirklich gescheit. Ich hätte nie gedacht, daß die Städter so viel Verstand haben. Ich möchte dem Mann, der das geschrieben hat, ein paar Eier schicken und ein Stück Butter. Umsonst, verstehst du, Kati?" Er blickte mich forschend an. „Ich gcb sie dir auf alle Fälle mit. Vielleicht kennst du den Mann." Und der Alte, der im ganzen Dorf als Geizhals ver- schrien ist, gab mir wirklich sechs Eier und ein Pfund Butter mit. Freilich tat es ihm nachher leid. „Hoffentlich weiß der Mann das zu schätzen," sagte er. „Das ist ein schönes Geschenk. Ich laß ihm sagen, er soll bald wieder so was schreiben. Etwas, das auch die blöden Weibs- leutc verstehen können. Und etwas größer muß das gedruckt sein, damit man sich nicht die Augen anstrengen braucht." Toni lachte, als ich ihr den Wunsch des Großonkels mit- teilte. „O weh," meinte sie.„Größer gedruckt. Das wird schwer fallen. Aber er soll bald wieder etwas Neues haben." Ich habe lange Zeit nicht gewußt. Ivo die Druckerei ist, in der die Flugblätter hergestellt werden. Gestern aber habe ich es erfahren, auf eine traurige Art. Tie Druckerei wurde aus- gespürt, und eS wurde mit den drei jungen Menschen, die dort arbeiteten, kurzer Prozeß gemacht, sie haben sie einfach über den Hausen geschossen. Wenn ich bedenke, daß auch meine Toni, die die Flugblätter immer holt, dabei hätte sein können... Aber über solche Tinge darf mau jetzt nicht nachdenken. Man darf den Kindern nicht durch die eigene Angst alles erschweren. Wenn es auch nicht leicht ist, vor ihnen immer ein heiteres Gesicht zu machen. Wie oft, wenn Toni nachts fortgeht, habe ich das Gefühl, ich muß sie zurückhalten, ich kann sie nicht fortlassen. Aber sie gehört ja nicht nur mir, meine Toni, sie gehört etwas Größerem, und ich habe kein Recht, sie an ihrer Arbeit zu hindern. So lächele ich und sage: „Aus Wiedersehen, Toni." Und auch sie sagt:„Auf Wiedersehen. Mutter." Und wir wissen beide, wie leicht es kommen kann, daß ich sie nicht mehr lebend sehe. ES gibt ja so viele Tote in unseren Reihen. So viele. Und noch mehr, die verschwunden sind. Aber die Jungen, die heute»och leben nnd morgen schon tot sein können, haben keine Angst mehr. Angst haben nur wir Alten, um unsere Kinder. Und wir können nichts tun, als diese Angst v„r ihnen zu verbergen und für sie zu sorgen, wenn sie daheim sind. Ich bin so stolz auf mein Kind, aber einmal möchte ich doch ein paar ruhige Stunden mit meiner Toni haben. Mit ihr zusammensein, ohne fürchten zn müssen, baß an der Türe geklopft ivird und die Feinde sie holen kommen. Es müßte ganz still sein um uns, keine Schritte auf der Straße, kein Lärm, der näher kommt. Friede. Viel- leicht werde ich es noch erleben. Toni lacht mich aus und sagt:„Bestimmt." Und Seppcl, der heute und morgen dort und immer in Gefahr ist, erklärt: „Du wirst»och so viele Ruhe erleben, daß du dich lang- weilst." Aber mir graut vor dem, ivas diesem Frieden vorangehen muß. Und nicht nur mir. Wir Alten, die wir nichts schassen können nnd müßig in den Stuben sitzen, wir denken viel an die kommende Zeit, an das Blut, das fließen muß, che unser Land wieder frei sein wirb. Wir haben ja schon zwei Kriege erlebt, einen mit den andern Völkern und einen mit dem eigenen Volk. Die Jungen kennen nur das Ziel, wir aber kennen-auch den Weg, der zum Ziel führt. Und ich bin nicht wie die Gräfin Agnes. Tie hat mir bittere Vorwürfe ge- macht, weil wir, Toni und ich, den jungen SA.-Mann ge- rettet haben. Sie kann oder will nicht glauben, daß in der brauneil Uniform ein Mensch stecken kann, der seine Ver» irrung bereut. Sie, die immer so sehr für den Frieden war, ist nun von einer Härte, einer Unbarmhcrzigkeit den Feinden gegenüber, die ich nicht für möglich gehalten hätte. 3^ glaube, die alte Frau könnte ruhig, kalten Blutes mit eigener Hand töten. Aber nicht deshalb, weil sie ihr die Tochter gemordet haben. Für sie ist die Claudia nur eine von de» vielen, die als Opfer gefallen sind. Wenn die alte Frau„sie sagt, läuft es mir kalt über den Rücken. Ihr Haß hat etwa- Slarres, Unbewegliches, als ob eine Tote haßte. Ich bi» nur froh, daß sie nicht aus dem Hause geht: es würde ihr bestimmt etwas zustoßen. Nun ist eS Hochsommer geworden. Tie Hitze liegt drücken^ über unserem Städtchen und zittert funkelnd über dem See- Ich denke zurück nnd frage mich verständnislos: sind es wirk- lich erst einige Monate her, seitdem der Schrecken bei u»5 eingezogen ist? Es müssen doch schon Jahre sein. Hat es wirk- lich eine Zeit gegeben, da wir frei und laut unsere Meinung sagen durften? Ta wir nicht im Geheimen zusammen kommen mußten? Ta wir am Morgen nicht mit dem bange» Gefühl erwachten: was wird Heute wieder geschehen? 11»& wenn es in unserer kleinen Stadt so ist, wie mag es in de» Großstädten sein? Vielleicht ist dieses Nichtwissen oder Falsch- wissen das Schrecklichste von allem. Als ob wir in eine:» Keller eingeschlossen wären und nichts von der übrige» Welt erfahren könnten. ^ Ich habe es ja noch gut: meine Toni lebt, ich darf, wen» sie daheim ist, für sie sorgen. Aber die andern? Ter Tepp^ hat getobt ivic ein Wahnsinniger, als er vor zwei Tage» ersuhr, seine Mutter sei in Schutzhaft genommen morde«- Er wollte sich stellen, um die alte Frau zu befreien. Aber es ging uicht: er mußte wieder ins Bayerische hinüber. Wik können keinen einzigen von den Unser» vermissen. Es kommen auch junge Menschen aus dem Bayerischen i» uns. Wenn ich noch wirklich lachen könnte, ich müßte übet sie lachen, über diese seltsamen Bundesgenossen. Ta ist einer, der Alois, der geht jedesmal, bevor er einen gefährliche» Weg antritt, in die Kirche und betet. Und neulich hat er wirb gezwungen, eine kleine Mnttergottesmedaillc von ihm a»' zunehmen. lLchlnß folgt). Immer neue Morße werden Benannt Warum der Deutschnationale Camphausen sterben mußte .? 0 r n e f, Ion' 3 m Anschluß an die Erschießungen «es 80. Inn» war der Tod eines angeblich deutschnatio- n 0^egierungsbaumeistcrs Camphausen owe Waldenburg berichtet worden. Wir erfahren jetzt oic wahren Hintergründe dieser Sonderaktion, die wiederum * CI? e*' welche Rechnungen man in diesen Tagen gleichzeitig noch beglichen hat. Camphansen war übrigens nicht deutsch- national, sondern ehemals Mitglied der Zentrumspartei. Er war von den Nationalsozialisten gezwungen worden, die .?stenanschläge für den Schlachthof und für den Umbau der seit längerer Zeit stillgelegten Karlshütte in eine Helmut- « um 80 Prozent höher anzusetzen, da das Reich Zuschüsse leistete. Die lokalen Znstanzen der NSDAP, steckten diesen Gewinn in die Tasche. Das war der Grund, weghalb Camphauscn als Mitwisser beseitigt wurde. DaS «letche Schicksal sollte zwei weitere Mitwisser, den Schlacht- Hosdirektor Großer und den Rechnungsführer Schmitt, treffen, die jedoch rechtzeitig Wind bekamen und flüchten konnten.— Am gleichen Tage waren in Landeshut in Schlesien zwei Kommunisten getötet worden, was auch von deutscher Seite dementiert wurde. Wir ssnd jetzt in der Lage, die Namen anzugeben. Es handelt sich um einen Ewald Köppel aus Rothenbach, der nach Mißhandlungen im Ge- fangnis erschossen wurde, und einen gewissen Reh, der in einen Steinbruch geschleppt und dort in bestialischer Weise ermordet wurde. * B erlin, 9. Aug. Der Fall des Musikkritikers Willy Schmidt, des Juristen Dr. Roß lder Gregor Strossers Dokumente nicht Herausgeben wollte), des Adjutanten von Heines, Schmidt-Breslau u. a., haben schon gezeigt, welchen unpolitischen Nebenaktionen die Toten des 30. Juni znm Opfer gefallen sind. Jetzt erhält man anch Kenntnis darüber, warum der Führer des nationalsozialistischen Aerztebundes, Dr. B i l l a i n, fein Leben lassen mußte. V'llain lag in einem Prozeß mit dem nationalsozialistischen Aerztesührer Dr. Conti, der wegen zahlreicher Affären ser hatte z. R. seinen Bruder mit dem echt deutschen Namen Camilla Conti zum Landrat gemacht) Billains Enthüllungen fürchtete. Conti er- wirkte von seinem Gönner Görino daß man Villain beiseite schaffte. Die Ferien vom Sammeln Zum Nutzen der Parleikasse Die Reichsregierung hat ein Gesetz erlassen, durch das alle Sammlungen von Geld- oder Sachspenden auf Straßen und Plätzen, von Haus zu Haus, in Gast- oder Vergniigungs- stalten oder an anderen öffentlichen Orten bis zum 31. Ok- tober 1934 verboten werden In einem Aufruf bemerkt der„Führer" dazu:„Bis zu diesem Tage sollen gleichfalls Tammelferien fein. Sie sollen de» Sammlern selbst und allen Volksgenossen zugute kom- men. die in der letzten Zeit oft über ihre Kräfte hinaus Opfer gebracht haben. Nur in ganz besonderen Aus- uahmefällen, die lediglich der Stellvertreter des Füh- rers im Einvernehmen mit dem Reichsminister der Finan- zen bestimmen kann, werden in der Zeit bis zum 31. Ok- tobcr Tammlungen genehmigt werden. In Aussicht genom- men sind solche Maßnahmen durch Gestattung eines Sammel- tages für das Hilfswerk„M u t t e r u n d K i n d", sowie für einige Haussammlungen karititiven Charakters." II Edle Wohltäter der Menschheit, die Mutter und Kind und karitative Zwecke nicht durch die Sammelferien schädigen wollen! Nur ewige Nörgler können auf den Gedanken kom- men, daß das Verbot der allgemeinen Tammlungen einen anderen Hintergrund hat. Aber da wird, kaum, daß das Gesetz und der Aufruf im Land bekannt geworden ist, ein Appell für eine neue Tamm- lung hinausgcschrien. Der Staatsrat Wagner-Westfalen ver- öffentl'cht einen Appell an die Partei- und Volksgenossen seines Gaues zur Durchführung einer Samm- lung, d->: bedürftigen Parteigenossen die Teilnahme am diesjährigen Reichsparteitag in Nürnberg ermöglichen soll. Es ist eine Schande, daß eine Partei, die alle sestbczahlten Posten in Staat, Wirtschaft und den öfsent- licheu Körperschaften mit ihren Leuten besetzt hat, einen der- artigen Bettelausruf für bedürftige Pg.s erlassen muß. Sämtliche Gaue der NSDAP, werden bis zum 19. August Umlagen für den Parteitag erheben und Allgemeine Sammlungen veranstalten! Der Appell läßt keinen Zweifel, daß jeder tief in die Tasche zu greisen hat, um den nationalsozialistischen Reichs- Parteitag zu einer großen Parade zu machen.„Es ist Pflicht," heißt es in dem Appell,„dafür zu sorgen, daß die Mittel da- für aufgebracht werden." In den andern Gauen gab es einen ähnlichen Ausruf. ,,_J III Wer aber trotz dieser„sausten Mahnung" während der Sammelserien nichts für die Parteikasse spendet? Nun, gegen den wird die nationalsozialistische Volksseele im geeigneten Augenblick znm Kochen gebracht. Aus dem Nürnberger Nazi- blatt kann man ersehen, wie das geschieht. Es werden fort- laufend Namen und v o l l st ä n d i g e Adressen von Personen veröffentlicht, die es satt haben, sich von den Samm- lern der Hitlcrpartei für unkontrollierbare Zwecke dauernd das Geld aus der Tasche ziehen zu lassen. Es soll ihnen mit „Verachtung gezeigt" werden, daß sie sich selbst aus der Volksgemeinschaft ausgeschlossen ha- b e n- Wie das„mit Verachtung zeigen" gemeint ist, ersieht man an den vielen Fällen, in denen solche Personen ins Konzen- trationslager gebracht oder mißhandelt wurden. Es ist auch geschehen, daß sie von nationalsozialistischen Strolchen tot- ge chlagen worden sind. Sa werden es viele vorziehen, trotz der gesetzlichen Tam- melferien den Tammlern für den Reichsparteitag zu geben. Um diese Sammlung nicht zu durchkreuzen, darum sind d i e anöerenverbotenl ver llirsdiberger Dlrtsonn.'ag Ein Augenzeuge berichtet Prag, 10. Aug. Die„Selbstwehr" veröffentlicht den Bericht eines Augenzeugen über die blutigen Borgänge vom l. Juli in Hirschberg in Schlesien. An diesem Tage , wurden, wie seiner Zeit mitgeteilt wurde, alle Inden in r.«Ars^berg verhastet. Einer von ihnen, dem es gelang, in i\* die Tschechoslowakei zu flüchten, berichtet: ''„Die SS. brachte uns in die Reithalle der Kaserne der fünften Jäger. Wir uiußten uns mit dem Gesicht zur Wand in einer Reihe aufstellen, hinter uns hatten SS.-Lcute mit geladenem Gewehr Aufstellung genommen. Tebr nahe neben mir stand Rechtsanwalt Förster, etwa 38 Jahre alt, Dr. med. Zweig, etwa 60 Jahre alt, seine Frau, etwa 86 Jahre alt und der Kaufmann E h a r i g, etwa 49 Jahre alt. Dr. Förster, der der einzige Jurist unter uns allen war, verlangte den Hastbefehl zu sehen. Die Antwort auf seine berechtigte Forderung waren übelste Beschimpfungen. Der Weingroßhändler O. G., ein korpulenter Herr, Mitte der Fünfziger, konnte nicht mehr stehen und bat um eine» Sessel. Man schlug sogleich unter großen Beschimpfungen auf ihn ein, so daß er vor Schmerz schrie und wimmerte und von ihm abzulassen bat, da er doch gar nichts getan hätte. Die Antwort auf des alten Herrn Jammern waren kräftigere Schläge mit Fäusten und Revolverkolben, so daß er zusammenbrach und heute noch krank liegt. Nachts gegen halb 2 Ilhr wurden das Ehepaar Zweig. Rechtsanwalt Förster und der Kauf- mann Charta ans einen offenen Lastwagen verladen, der mit Planen zugedeckt wurde. Wir anderen hatten zuvor ein zweites Lastauto bestiegen. Man sagte uns, daß ivir nach Görlitz zur Vernehmung gebracht würden. Nachdem wir ungefähr vier Kilometer gefahren waren, hielt das Auto und es bieß. der Wg^en habe eine Panne. Wir bekamen den Befehl, den Wagen zu verlassen und uns an dem Straßenrand aus- zustellen. Ungefähr 80 Meter hinter uns kielt der andere Wagen. VlöNlicb körten wir vier Schüsse hintereinander. Auf- schrei und Stöhn"». Einige von uns sprangen aus und riefen: „Da muß doch etwas passiert sein!" Sie wurden sofort von unserer Bewachungsmannschaft in robester Art mit den Gewehrkolben niedergeschlagen, so daß T. H. heute noch mit einem wunden Kopf darniedcrliegt. Wir mußten nach dem Zwi^eniall wieder auf das Auto und wurden nach Hirsch- Verg zurückaebracht. Die Leichen der„auf der Flucht Erschossenen" blieben bis Montag mittag im Straßengraben, von einigen SS.-Leuten bewacht, liegen. Sämtliche vier Erschossenen hatten die gleiche Schubverletzung: Revolverschuß an der Halsschlagader." „Der Name Ullstein muß ausgelöscht werden" Berlin, 10. Aug.(Z. T. A.)„Deutsche Zukunft" schreibt: Es genügt nicht, daß die Ullstcin-Juden aus dem Ullstein-Vcrlag entkernt ivurde», und daß er unter rein arische Kontrolle ge- bracht wurde, auch der Name Ullstein muß entfernt iverden. Dieser Name ist mit der alten liberal-jttdischen Ordnung verbunden, mit der Nazibeutschland nichts gemein hat, und der Name muß um«Deutschlands Zukunft" willen geändert werden. „Idi bin viel zu raffiniert..." Das läßt tief blicken h. b. Vor dem Amtsgericht in Braunschiveig hatte sich in diesen Tagen ein TA.-Mann wegen einer eigenartigen Straftat zu verantworten. Er befand sich im Mai dieses Jahres in einer fröhlichen Stammtischrunde in fortgeschrittenem Zu- stände einige kritische Bemerkungen über das„dritte Reich". Zwar tat er es in wohlgeietzten abgemessenen Bemerkungen, so daß ein anwesender Polizeiwachtmeister keine Handhabe bekam, dienstlich einzuschreiten. Er ermahnte den SA.-Mann — Alfred Schissel ist sein Name— wohlwollend, doch das Thema zu wechseln, damit er keine Ungelegenhcit bekäme. Darauf antivortete Tchiffel lachend:„Seien Sie ohne Sorge! Ich bin viel zu raffiniert, um mich in das Konzentrations- lager bringen zu lassen!" Wegen dieser Acußcrnng hatte er sich jetzt vor Gericht zu verantworten. Der Vorsitzende des Gerichts ivarf ihm Groß- mäuligkeit und Niedertracht vor, während sich der Ange- klagte mit Trunkenheit entschuldigte. Der Staatsanwalt wies aus die Schwere des Vergehens hin und beantragte auf Grund des Paragraphen 3 der Verordnung zur Abwehr heimtückischer Angriffe gegen Volk und Staat fünf Monate Gefängnis. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu vier Monaten Gefängnis. In der Verhandlung ivurde besonders hervorgehoben, daß Tchiffel seine Niedertracht schon dadurch unter Beweis gestellt habe, daß er erst am ö. November 1933 in die SA. eintrat, also ein Spätling sei- Künstliche Warst Was es alles gibt h- 1>. Die„SchleSwig-Holsteinischc Tageszeitung" enthält in ihrer Nr. 179 folgende Meldung: Auf Veranlassung des Vorsitzenden des Deutschen Fleischer- Verbandes hat im Reichsnährstand eine Besprechung statt- gefunden, in der die Verwendungsmöglichkeiten von Kunst- därmen besprochen wurden. Den Anlaß bildete die Tatsache, daß Deutschland etwa 60 Prozent der gebrauchten Natur- därme aus dem Auslände einführt und infolge der De- visenlage in den beteiligten Kreisen eine gewisse Beunruhigung eingetreten war. Zu dieser Beunruhigung besteht, wie die Flcischerverbands-Zeitung betont, keine Beran- lassung. Eine Verknappung auf dem Markt der Natur- därme ist nicht eingetreten. Immerhin ivurde bei der Be- sprechung Einverständnis darüber erzielt, daß für den Fall wirklicher Einfuhrbeschränkung der größte Teil der Natur- därme durch Kunstdärme ersetzt werden kann. Selbst bei der Brühivürstchcnherstellung sind Versuche mit Kunstdärmen mit gutem Erfolge gemacht worden. Mit der künstlichen Wursthülle beginnt es. Mit dem fünft- lichen Wurstinhalt wird es enden. Deutscher Arbeite! Anfang August. Durch die Bluttat vom 29. und 30. Juni sind große Teile des deutjcheu Volkes aus einem hypnotischen Traum er- wacht. Der„erwählte", als unfehlbar gepriesene Führer, hat sich selbst bezeugt, daß er im höchsten Grade unfähig ist, und außerdem sehr fragliche Charaktereigenschaften besitzt. Vielen bisher unentwegten Hitleranhängern kann man von den Auge» ablesen, wie schwer der Alpdruck auf ihnen lastet. Nur s?) die Amtswalter und solche Personen, deren Eristenz von dem Bestand des„dritten Reichs" abhängt, versuchen, Hitler und seine Taten zu verteidigen. Aber selbst Partei- Mitglieder und Angehörige der SA. und ST., die bis zum 29. Juni nicht duldeten, daß der Führer in die Kritik ge- Sogen wird, benutzen jede Gelegenheit, um darzutun, daß nach diesen Vorgängen ihr Vertrauen sehr stark erschüttert ist. Die Anhänger des„dritten Reichs" hatten bisher alle Mit- tcilungen über die Erwählten um Hitler mit religiösem Glauben für bösartige und unwahre Ausstreuungen der Emigranten- und Auslandspresse gehalten. Nun mußten sie aus dem Munde des verantwortlichen Führers hören, daß alles dos, was gemunkelt wurde, nicht nur wahr ist. sondern daß Hitler von allem wußte und trotzdem solche„Männer" — mit seinen eigenen Worten:„Lächerliche Alfen"— die Dienstgelder verpraßten und die kostbare Limousinen und Kabrioletts benutzten, um ihren krankhasten Anlagen fröhnen zu können, mit hohen Führerstellen bedacht hatte. Durch die„12 Punkte" hat sich Hitler einen schlechten Dienst erwiesen. In den ersten Tagen konnte man von seinen An- hängern noch hören:„Es ist gut, daß er durchgegriffen hat." Nach einigem Nachdenken fragten sie sich iedoch, wie konnte sich der Führer mit solchen Leuten umgeben: hatte er sie nicht selbst mit Amt und Würden betraut? Sie fanden keine plausible Antwort, und große Besorgnis tritt ein, wenn sie sich weitere Fragen vorlegen. Z. B.: Wie steht es mit den noch lebenden Freunden des Führers? Werden dieses bessere Menschen sein? Kann sich hier der Führer nicht auch gewaltig geirrt haben? Kann nicht auch wahr sein, was mau über Ley und seine jungen Männer in Deutschland erzählt? Gerade dieser Gedanke lähmt heute viele Pg. Es ist ein vifenes Geheimnis. In der Deutschen Arbeitsfront sieht es nicht besser aus als in der SA. Nur die Namen sind andere. Die Allhrer haben die gleiche Eigenschaft, wie die ermordeten TA.-Führer. Von Ley weiß man seit Jahren, daß er Ge- wohnheitstrinker ist. Auch er hat sich ivie Röhm mit vielen eitlen jungen Männern umgeben, die mit kostbaren Limou- sinen und Kabrioletts auf Dienstreisen fahren, nach dem Fübrerprinzip ohne Kontrolle die Arbcitergroschcn verprassen und noch viel schlimmer leben, als sie es den früheren Ge- iverkschafts- und Parteibonzen zu Unrecht nachgesagt haben. Sie führen das gleiche Gcwaltregimcnt ivie die TA.-Führer. Wer sich beschwert, wird versolgt und geschädigt. Die be- treffenden Leute sind aber untereinander so eifersüchtig und ränkesüchtig wie die„Erledigten". Sie intrigieren mit allen diulnaren Mitteln gegeneinander.— Nur um ein Beispiel anzuführen: Der von Herrn Leu eingesetzte Leiter der Be- triebsgemeinschait Verkehr und öffentliche Betriebe ldas ist der Teil der Deutschen Arbeitsfront, der im wesentlichen mit dem früheren Transportarbeiterverband identisch ist! ist ein Mann von 26 Jahren, der in seinem Leben praktisch noch nie gearbeitet bat. Hervorragend an diesem Herrn K ö r n c r ist lediglich, daß er stets pomadisiert ist, mit auf Taille gearbeiteten Anzügen herumstolzicrt und wichtig tut. Diesem jungen Mann genügt es nicht, daß er ganz unverdient— da er Nccht-Eisenbahncr ist und vom Eisenbahn- betrieb nicht viel mehr als vom Mond weiß— in den Ver- waltungsrat der Deutschen Reichsbahngesellschait gekommen ist, er intrigiert auch, um ReichSvcrkehrsminister zu werden, gegen seinen Parteigenossen, den stellvertretenden General- birektor K l e i m a n n, in der gemeinsten Weise. Auch dieser junge Mann fährt heute zwei Limousinen. Wie ge- sagt, das ist nur ein Beispiel: ähnliche Dinge ließen sich von Jäzoich. dem Leiter des Metallarbeiterverbandes und Herrn Karwohne. Leiter des Fabrikarbeiter-Verbandes, und anderen berichten. Wie werben diese Dinge einmal enden? Dieser Frage be- gegnet man bei allen Gesprächen, sobald man auf das Politische stößt. Man sieht der Zukunft mit der größten Sorge entgegen. Hinzu kommt noch die bange Sorge um die Fehlschlüge, die"> deutsche Regierung in der Außenpolitik zu verzeichnen hat. Auch der biedere deutsche Mann, der sich bisher wenig um Politik gekümmert hat, empfindet, daß unsere Politik außenpolitisch„schwimmt", um einen Sportsausdruck zu ge- brauchen. Die politisch geschulten deutschen Arbeiter stehen all diesen Dingen mi' einer gewissen inneren Genugtuung gegenüber. Sie sahei. die Tinge von vornherein kommen, waren da- gegen jedoch machtlos. Resigniert nieincn sie: Die Spieß- bürger Deutschlands haben es ja nicht anders gewollt: sie ernten, was sie gesät haben: mögen sich diese Leute unter- einander auffressen! Die Lage Hitlers und seiner»och lebenden Freunde wirb von Tag zu Tag schwieriger. Es gehört keine prophetische Gabe dazu, wenn man heute schon voraussagt, daß sich dieses Gemetzel vom 29. Juni in absehbarer Zeit wiederholen wird. In Teutschland wird zurzeit geflüstert, daß Meie Aktion nur durchgeführt worden sei, um für eine solche, die gLgen die Arbeiterschaft eingeleitet werden soll, ein Alibi zu schassen, und zwar insoweit als dargeta» werden soll, daß das„dritte Reich" nicht nur gegen die Arbeiterschaft vorgehe, sondern auch die Reaktion nicht anders behandele. Es wird sich dann nicht nur um einige hunderte Ermordete handeln, sondern viele Tausende iverden unschuldig niedergemacht werden. Die Unzufriedenheit in der breiten Masse der gewerbc- treibenden Geschäftsleute und der Arbeiterschaft ist heute riesengroß. Ihre Organisationen sind nicht in der Lage, die vielen versprochenen Dinge zu erfüllen, sondern in fast allen Fällen ist von dem Versprochenen nur das Gegenteil ein- getreten. Alle Organisationen sind auf Ausbeutung ihrer Mitglieder eingestellt, und man muß ihnen zugestehen, sie verstehen das gut. So ein kleiner Händlerverband für ambu- lante Gewerbetreibende zieht heute neben den Mitglieds- beitrügen sogenannte Platzgeldcr ein, die nicht gering sind. Was mit diesen Gelbern wird, weiß kein Mensch. Es dar> auch niemand fragen. Schon eine Frage genügt, um das Mitglied in das Konzentrationslager zu bringen. Auch hier sind Gesinnungsverbündete von den oberen SA.-Führern am Werk. Auch hier wird ausgebeutet bis zum letzten und — wie sich Hitler ausdrückt— gepraßt mit den Groschen der Aermsten. Nur unternommen wird dagegen nichts- Es läßt sich heute noch nicht übersehen, wie dieses Regime enden wird. Das eine steht jedoch heute schon fest: daß es niemals anders sein kann. Mögen die Leute, die Hitler und seinen Mannen in den Sattel geholfen haben, und damit die Verantwortung für alle Folgen tragen, sehen, wie sie das deutsche Volk vor dem Allerschlimmsten bewahren, allen an- deren der Welt möge man wünschen, daß sie vor einem sol- chen Schicksal, wie das deutsche Volk eö zurzeit zu tragen hat, bewahrt bleiben. Wie Holland urteilt Blick ins deutsche Kinowesen Wir lesen u. a. in„H e t V o l k"; Interesse des Filmpublikums flaut meßr und mehr ^l?suchcrzahl von 600 Menschen in einem Kino mit .000 Plätzen in schon sehr viel. Aber der Gehalt der Bor- fuhrungen hat es auch danach aemacht. Laut Vorschrift des Propaganbaministeriums sind alle deutschen Lichtspiel- thcater verpflichtet, mindestens zwei deutsche Wochenschauen in ihr Programm auszunehmen Während früher die Film- reportage ein pikantes Hors d'Ocuvre war, das das Publikum nicht gern entbehrte, komint man jetzt wenn es einigermaßen möglich ist, erst nach der Wochenschau. Denn öleic beschränkt sich ausschließlich auf inländische Reuigkeiten, und dabei handelt es sich bis zur Bcwußtlosig- reit um immer wieder dasselbe: eine Hitler-Parade, Foto- grafien von^ Göring in seiner geliebten weißseidenen Unnorm, verschiedene unwichtige Ereignisse der Woche mit nationalsozialistischer Tendenz und dann die sogenannten deutichcn„Heimatbilder", vorzugsivcise aus Bayern und der Otheingegenö, in denen— vom Standpunkt des Filmes aus gesprochen— aus die schwächlichste Weise für Kunst und '^^üs^tverbe aus eigenem Boden Propaganda gemacht wird: Webereien, Töpfereien usw. Man atmet bei den Film- miauten, die dann folgen, wahrhaftig auf.... Trotz aller krampfhaften Bemühungen ist es nicht geglückt, die Film- Produktion quantitativ auf eine ausreichende Höhe zu bringen. Tas kommt u. a. durch den Mangel an technisch genügend geschultem Personal. Fremde Filme kommen aber nicht ins Land, so daß durch die qualitativen und quantita- Nvcn Mängel der eigenen Filme gezwungen, immer mehr -rheater, auch in den Hauptstädten, dazu übergehen, wieder alte Filme auss Programm zu setzen. Tie Lage der Licht- spicltheater ist zum Verzweifeln. Wöchentlich erklären Upternehmer sich bankrott. Es ist bereits so weit gekommen, daß Lichtspieltheaterbesitzer ans den verschiedensten Städten sich mit dem Gesuch an die Reichssilmkammer gewandt haben, einen Peil der Kinos zu schließen, damit die Konkurrenz nicht mehr groß sei." S vcrgleute tot Brand in einer Kaligrube im Elsaß XN9J. Paris, 14. Aug. In einem Schacht der Grube Ensisheim ereigneten sich am Montagnachmittag zwei Ex- plosionen, die einen Grubenbrand auslösten. Von den elf im Schacht arbeitenden Bergleuten konnten vier mit schweren Brandwunden geborgen werden. Ueber das Schicksal der übrigen ist man noch im ungewissen. Borläufig bat man keine Anhaltspunkte für die Ursache der Katastrophe. * TaS schwere Grubenunglück in der Kaligrubc von Ensis- heim sElsaßj hat nach den letzten Nachrichten neun Tote gefordert. Trci schwerverletzte Grubenarbeiter liegen noch im Krankenhans von Mülhausen, ihre Brandwunden sind aber so schwerer Natur, daß man an dem Aufkommen der Arbeiter zweifelt. Tas Unglück im Schacht St. Therese der Kaligrube er- eignete sich gegen 13 Uhr in einer Tiefe von 860 Meter. In dem Stollen arbeiteten gewöhnlich ISO Arbeiter an drei Tagen in der Woche. Am Montag waren aber nur 11 Mann in den Schacht gestiegen, um ein Kabel des Förderkorbes auszubessern. Vermutlich infolge Kurzschlusses ereignete sich eine furchtbare Explosion, die außerhalb des Schachtes in einem Umkreis von mehreren Kilometern gehört wurde. Ter Stollen stand im Nu in hellen Flammen. Nur vier Arbeitern gelang es, sich einen Weg durch das Flammen- meer zu bahnen. Sie wurden wenig später von einer Rettungskolonne mit lebensgefährlichen Brandwunden ins Krankenhaus gebracht,' dort ist der Obersteiger Weber be- rcits gestorben. Trotz aufopfernder Mühe und größten Zu verkaufen Vollständige Einrichtung einer FABRIQUE DE BONNETERIE (Strumpffabrik! mit Bureaus.— Sehr mäßige Miete mit hübscher Wohnung. Schriftlich zu wenden an die„De.f.che Freiheit" Saarbrücken unter Nr. 1110 auu tonfitrrv-theate ■ B- suaröiucken, hohem ohernstraße 4o Von Sams ag bis einsthVeß ch Donnerstag PHYLLIS HÄVER in Die Blonde von Singapore Ein leidenschaftliches Ltebesdrama aal oen Was ern des Stillen Ozean. Zwei rauhe Seemänner in einem erbitterten Kampf um eine Er au! PATHfi. JOURNAL wie immer aktuell und interessant mit den besonderen Aktualitäten für die Frau, bringt diesmal als Sonderausgabe: Das große D*fi e ausländischer Militär«^ kapeilen anläßlich der t es Wochen in Paris. Musik der Kömgli hen Garae von London, der belsischen Grenadiere der italienischen Cara- bmters, der schweizerischen Landvehr, der luxemburgischen Garde, der marokkanischen Spahls, die Flotte von Toulon, der Republikanischen Garde von Paris. Täglich(auch Sonntag) nur 20,30 Uhr Volkstümliche Preise ab 1,50 Fr. Reisender sucht Mi. Zimmer (Zentrum) möglichst Itparnt Preisangabe erbeten imier iir 1 2/7 an die Expedit, d. Zeitung Zunger ilntliWllt :011 allst und SSB-- ■Dtann, grase, kräftige Gestalt, Vater von 2 Kindern in groger Not iuchi Arbeit, nie ch weicher Art Zuichrisieu unter W an die Exp der„Deutschen Frei- heil" erbeten- Snlenercn bringt Gewinn! Anstrengungen gelang es der Hilfskolonne nicht, bis zu den übrigen eingeschlossenen Kameraden vorzudringen, die sämtlich in den Flammen umgekommen sind. Nur drei von ihnen konnten in den späten Abendstunden als Leichen geborgen werden. Merkwürdiges Spiel um die Präsidentschaft Wir entnehmen aus der„Post Scripta" der„Haag- s ch e n Po st": „Nach Hindcnvurgs Tod sind in Deutschland merkwürdige Dinge passiert. Man weiß, daß Hitler sich sofort als Macht- nachiolger, wenn nicht sogar als Erbsolger des Titels, hat einsetzen lassen. Man wußte, daß Hindenburg eine Volks- abstimmung für die Präsidentenschaft als Verpflichtung an- sah, die man nach dem Grundgesetz, auf das er den Eid der Treue abgelegt hatte, absolut nicht umgehen konnte. Hat Hitler eine freie Abstimmung nun als zu gefährliches Spiel angesehen'? Man hat mit der Bekanntmachung des Entschlusses gewartet, bis Hindenburgs Todesstunde gekom- wen war. Gleich danach, nachdem er noch keine stunde diS Augen geschlossen hatte, legte die Reichswehr auf Besetz des Kriegsministers schon den Eid auf Hitler persönlich ab — nicht, so wie sonst üblich, auch auf Volk und Vaterland. Alles war bereit und von vornherein abgesprochen. Man brauchte nicht mehr zu zaudern, als der alte Herr seinen letzten Seufzer ausgestoßen hatte. Nachträglich hat man noch ein Plebiszit ausgeschrieben, nachdem schon alle Be- stimmungen getrosien waren und alles durch den Eid ocr Reichswehr besiegelt war. Ein Plebiszit ist unschuldig, wenn es keine Veränderung wehr in den Zustand bringen kann. Matt kann es also ohne Risiko arrangieren. Man erinnere sich bloß, daß die Regierung im November den höchsten Prozentsatz Ja-Stimmen für ihr Plebiszit in einem der be- rüchtigsten Konzentrationslager bekam. Wir haben darauf seinerzeit hingewiesen. Tas Merkwürdigste an den jüngsten Ereignissen ist jedoch der Eifer, mit dem die Reichswehr, die bis jetzt stets auf ihre Selbständigkeit pochte, an dem Hindenburg gegenüber etwas merkwürdigen Spiel mittat. Es ist begreiflich, daß man vor allem in der französischen Presse der Auffassung begegnet, daß Hitler mit den Generälen der Reichswehr ein Abkommen getroffen hat, nach dem sie die tatsächliche Oberherrschaft in Teutschland be- kommen sollen. So wird es sicher nicht zugegangen sein. Aber daß merkwürdige Tinge passiert sind, darf man wohl sicher annehmen." pariser Berichte Die Mörder der Wilwe Laurent Alle festgenommen Das fieberhafte Suchen nach dem Mörder der Witwe Laurent in Montrouge ist von Erfolg gekrönt gewesen. Die Polizei konnte in einem Hotel in Vaise bei Lyon nicht nur die „Frau mit der in Falten gelegten Schürze", die wohl die Anstifterin der Tat sein dürfte, sondern auch ihre beiden Helfershelfer, den Kraft Wagenführer Marsaud und den Kaufmann Suurs festnehmen. Die Polizei hatte mit Hilfe dos Friedhofswärters von Bagneux festgestellt, daß das Grab neben dem Grabe des verstorbenen Herrn Laurent von Frau Victorine Delfour betreut wurde. Sie war die„Frau mit der in Falten gelegten Schürze", mit der die alte Frau Laurent nach Aussage des Friedhofswärters häufig plauderte. Sie wohnte seit Jahren in Paris im Stadtviertel Goutted- Or und hatte seit etwa acht Tagen den Kaufmann Suurs, mit dem sie, wie sie der Verwaltungsfrau sagte, geschäftlich zu tun habe, bei sich aufgenommen. Auch Marsaud besuchte die beiden öfters, und er war es auch, der dem geheimnisvollen Zeugen seine Papiere gestohlen hatte. Kurze Zeit, nachdem Suurs zu Frau Delfour gezogen war, verschwanden alle drei, die im übrigen als ruhige Mieter hingestellt werden, bis es jetzt der Polizei gelang, sie bei Lyon zu verhaften. Man nimmt an, daß das Trio auch den Mord an dem greisen Rentier in Bagneux auf dem Gewissen hat. nadame Saulnier Der Möbelhändler Alexander Saulnier, ein beweglicher Fünfziger, ist ein großer Fischer vor dem Herrn. Vergnügt kam er am Samstag von einem erfolgreichen Fischzug heim und war sehr erstaunt, die Tür seines Ladens weit offen zu finden. Sein Erstaunen verwandelte sich in Entsetzen, als er im Hintergrunde seines Lagers seine Frau mit einer kleinen Pistole in der Hand in ihrem Blute schwimmend tot auffand. Bei der gerichtlichen Leichenschau stellte sich zum Erstaunen des trauernden Witwers heraus, daß seine Frau guter Hoffnung gewesen und daß vor ganz kurzer Zeit erst ein verbotener Eingriff zur Beseitigung dieser Schwangerschaft vorgenommen worden war. Die Durchsuchung des Schlafzimmers der Ermordeten brachte eine neue Ueberraschung. Denn dort wurden zwei Ringe gefunden, die als Insfchrift den Namen einer Hebamme in Laval trugen. Auf Befragen erklärte diese, daß sie auf Verlangen des Liebhabers der Frau Saulnier den verbotenen Eingriff vorgenommen habe. Dieser Liebhaber, Herr Chast- rouse wurde verhaftet, und auch seine Frau, die ein außerordentlich auffälliges Gebaren an den Tag legte, wurde ins Gefängnis gebracht. Dort gestand Frau Chastrouse, die ihr verhaßte Geliebte ihres Mannes durch zwei Revolverschüsse getötet zu haben. Sie bestreitet jede Mithilfe ihres Mannes, der nicht nur Anklage wegen Beihilfe zum Mord, sondern auch wegen Anstiftung zur Abtreibung zu gewärtigen hat. Auch die Hebamme ist des Verbrechens der Abtreibung angeklagt und gleichfalls verhaftet. Sdiflsse in der Modi! Im Walde von Fontainebleau am Fuße des Felsens von Bouligny liegt das Pulvermagazin der Artillerieschule von Fontainebleau. Dort hat sich in der Nacht zu Montag ein tragischer Zwischenfall abgespielt. Der Hauptmann Jean Gasselin wollte nachts die Schildwache inspizieren. Er nahm aber nicht, wie es die Vorschrift ist, eine Laterne zu seinem nächtlichen Rundgang mit, und auch seine Kleidung war nicht vorschriftsmäßig. Der Wachtposten Martial Pailler erkannte in der Dunkelheit den Hauptmann nicht. Als er Schritte hörte, fragte er vorschriftsmäßig, wer da komme. Als keine Antwort kam, schoß er und verletzte den Hauptmann Gasselin tödlich. Eine Untersuchung über diese Angelegenheit ist eingeleitet. 3 ZU». U. Mi eittcterfcbtetec Bad und Garten in fdiäner Laqe Giidnq.» Schandau,, iWaibenauftraße 9, fot- tu verminen. IunaeS. k'nderloseS Ehepaar sucht mööl.eröiofalmmcr mit Mäche eoll Küchenbenutzunq. i'lnneboie unter N r 1278 an die Expedition dteter Zeitung Die interessanteste Schrift des Tages: 3iitiecaxst Von KLAUS BREDOW Fragen Sie in den Kiosken und Buchhandlungen nach BBlEFftKSIBM Altdorf(Schweiz). Wir danken Ihnen für Ihren kritischen Brief, wenn er auch nicht gerade höflich ist und sogar ganz un- begründete persönliche Verdächtigungen enthält. Ihre Vermutung wird hinreichend dadurch widerlegt, daß die„Deutsche Freiheit" schon mehrere Monate vor der Ermordung Dollsuß in Oesterreich ver- boten worden ist. Offenbar haben Sie ganze Serien von Aus- sahen und Berichten gegen die Politik von Tollfnß in unserem Blatte überhaupt nicht gelesen, klebrigen» sind wir auch in Italien verboten. Schließlich verhehlen wir nicht, daß unser Kamps vor allem und zunächst dem deutschen Faschismus gilt. Tas ist unsere Aufgabe, und es ist ebenso selbstverständlich, daß die österreichische antifaschistischen Organe die österreichischen Vor- gänge in den Vordergrund bringen. M., Nenyork. Sie schreiben unS:„Tiesem Brief werden einige Karikaturen beigefügt. Wenn dieselben in Eure Hände gelangen, sind sie leider schon veraltet, von der Zeit überholt. Trotzdem denke ich. daß Euch interessiert, im Bild zu sehen, wie die amerikanische Presse über Hitler und Genossen urteist. Wo bleibt„Argiiö" mit seiner Spalte„Gestern und Heute"? Vermige ihn sehr, ein aus- gezeichneter Plauderer und Satiriker mit scharfer Beobachtiings- gäbe. Hat er nur zeitweilig Play machen müssen? Hoffentlich nimmt er bald seine Tätigkeit wieder aus."— Argus, der übrigens kein Individuum, sondern e>v Kollettivum ist. bittet um etwas H., Saarbrücken. Sie berichten unS:„Auf meinem Wege zur Arbeit hatte ich heute früh ein kleines Erlebnis, das ich Ihnen berichten muß. An den Plakatsäulen hängt hier gegenwärtig eine Filmreilame: ein sichtbar arischer Mann beugt sich tiesernst a«! eine deutsche Maid herab. Tarunter steht der Titel des Films, der gegenwärtig in einem hiesigen Kino aufgeführt wird:„Ein Aiann will nach Teutschland." Unter diesem schönen Titel entdeckte i«> nun heute früh einen Zettel, von unbekannter Hand mit diesem Kernsatz beschrieben:„Alle andern wollen flatus quo!" Braunes Band. In der gleichgeschalteten Presse finden wir diele Notiz:„Tas am Sonntag in München-Riem gelaufene Rennen um das„Braune Band von Teutschland" soll in den nächsten Iahren so ausgebaut werden, daß eS den Mittelpunkt im deutschen Rennbetrieb darstellt. Nachdem in diesem Jahr für das erstmalig ansgetragene Rennen 26 000 Mark zur Verfügung standen, soll im nächsten Jahr die Gewinnsumme ans 50 000 Mk. und 1936 auf 100 000 Mk. erhöht werden. Tas„Braune Band" wäre dann daS wertvollste deutsche Rennen, denn bekanntlich werden für das Deutsche Derby zur Zeit nur noch 70 000 Mk. ausgeworfen. Das braune Band von Deutschland gewann in München die italie» nische Stute Tofanella unter dem Negerjockei I. Tegomero vor dem von E. Grabsch gerittenen Agalieri und Ebro!"— Das ist, grade für den Anfang, etwas peinlich. Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann P I tz ln Dud« weiler: für Inserate: Otto Kuhn ln Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Volksftimme GmbH., Saarbrücken ß> Schützenstraße 5,<-> SHIießjaH 778 Saarbrücken,