Wien, 15. August 1994. Ter neue deutsche Gesandte von Pape» ist nach einer Zwischenlandung in Berchtesgaden, wo er mit Hitler noch einmal über seine österreichische Aufgabe konferiert hat, hier eingetroffen. Die Bundesregierung hat außergewöhnliche Maßnahmen zum Schutze des deutschen Gesandten getroffen. Man erinnert sich nicht, daß jemals einem ausländischen Diplomaten so viel polizeiliche Aufmerksamkeit geschenkt worden wäre, wie dem des stammverwandten Deutschen Reiches. Man glaubt nicht, daß dem Herrn von Papen Gefahren «ins den Reihen seiner österreichische» politischen Gegner drohen, fürchtet aber, daß deutsche Nationalsozialisten oder ihre Beauftragten dem Vizekanzler a. D. das Schicksal be- reiten könnten, dem am 89. Juni seine nächsten Mitarbeiter versallen sind, und dem er selbst nur mit knapper Not cnt- Nehen konnte. Insbesondere die SS. und ihr Führer Himm- ler stehen in haßerfüllter Gegnerschaft zu Papen, und die österreichische Bundesregierung glaubt Beweise dafür zu haben, daß die SS. ihre Tätigkeit auch aus ausländische Staaten ausdehnt. Man rechnet mit de» Möglichkeit, daß eines Tages nationalsozialistische Mörder in den Uniformen von Heim- wehrleuten den deutschen Gesandten von Pape» ermorden und entkommen könnten. Die deutschen Nationalsozialisten hätten mit dieser Tat, die ihnen nach dem 99. Juni und dem 25. Juli wohl jeder zutrauen wird, zweierlei erreicht: sie können den Mord aus die der östereichischen Regierung nahestehenden Kreise abwälzen und so der deutschen ReichSregie- r«ng Gelegenhei. geben, bestimmte Forderungen wegen des Gcsandtenmordes an Oesterreich zu richten, und sie hoffen dadurch einen Umschwung der Stimmung in Europa herbei- Zuführen. Darin würden sich die Nationalsozialisten täuschen, ober das braucht die Erfüllung ihrer blutigen Absichten nicht zu hindern, denn es ist bekannt, wie wenig die Rational- sozialisten die Wirkung ihrer Taten aus die öffentliche Mci- nung Europas abzuschätzen wisse».. Wie verbrecherisch die Tätigkeit der deutschen National- sozialisten im Auslände fortgesetzt wird, beweisen die Ber- hastungen in Komotau und Brüx in der Tscheche- slowakei, wo kei dem ehemaligen Hakenkreuzler Krabetz Romben und Material für die Herstellung von Bomben sowie Chemikalien gesunden worden sind. Es handelt sich um dasselbe Material, das bei den terroristischen Aktionen in Oesterreich verwendet worden ist. Bei den neun Ber- hafteten fand man Material, das auf ihre Verbindung mit Nationalsozialiften in Dresden hinweist. Auch der Bezirks- leiter der sudetendeutschen Heimatsront Minarz, der ver- haftet worden ist, soll mit einer nationalsozialistischen Zcn- trale in Deutschland Verbindung gehabt haben. Den in dem jugoslawischen Lager in Warasdin unter- gebrachten 1289 österreichischen Nationalsozia- listen, die nach dem mißglückten Ausstand in Jugoslawien übergetreten sind,hat einSpezialknrier anSBerlin 199 999 Mark zur Bestreitung der Unterhaltskostcn über- mittelt. Auch das spricht für die Ausrechterhaltung der engen Beziehungen zwischen Oesterreich und den deutschen National- sozialisten. Daß die Reichsregierung nicht wagt, der deutschen Oesfent- lichkeit die Auslösung des nationalsozialistische» Aktions- büroS für Oesterreich in München, die Auslösung der österreichischen Legion und die Kaltstellung von Frauenseld und Habicht mitzuteilen, erhöht hier das allgemeine Miß- trauen und läßt die Frage offen, ob die Reichsregiernng überhaupt in der Lage ist, ihre Politik der Kapitulation gegenüber Oesterreich durchzuführen. Die deutsche Presse und der deutsche Rundfunk setzen jedenfalls ihre heftige Sprache gegen Oesterreich fort. So schreibt beispielsweise die „Essener Nationalzeitnng", die österreichische Verfassung sei ein Bastardwerk, entstanden aus der Paarung von jüdischer Rabulistik mit jesuitischer Scheinheiligkeit. Nach alledem befürchtet man hier neue schwere Zwischen- sälle und will vor allem verhindern, daß die Atmosphäre durch einen Gesandtenmord heillos vergiftet wird Auteunfall Odringt Nur leichte Verletzungen DNB. Obersalzberg, 15. Aug. Ter preußische Minister- Präsident Hermann Göring erlitt am Dienstagabend um 19 Uhr auf der Fahrt von München nach Berchtesgaden, in der Gegend von Bad Aibling, einen Autounfall. Beim Ueberfahren einer Bergkuppe kam aus der ent- gegengesetzten Richtung ein Lastwagen und gleichzeitig ein Zweiter Kraftwagen, der in diesem Augenblick in unvor- schriftsmäßiger Weise den Lastkraftwagen zu überholen ver- suchte. Tie Fahrbahn wurde dadurch blockiert und ein AuS- weichen unmöglich. Ministerpräsident Göring, der scharf rechts fuhr, versuchte an den beiden Kraftwagen vorbei- Zusteuern, waS ihm aber infolge der Enge der Fahrbahn nickt gelang, so daß sein Wagen mit voller Wucht gegen das Lastauto prallte. Die linke Seite des Wagen des Minister- Präsidenten wurde vollkommen zertrümmert, die Insassen wurden leicht verletzt. Ministerpräsident Göring erlitt eine harte Quetschung an ber rechten Rllckenseite sowie leichte Schnittwunden im Gesicht und an den Knien. Die Verletzten wurden durch das Begleitkommando dem Krankenhaus Bosenheim zugeführt, wo sofort Röntgenaufnahmen gemacht und Notverbände angelegt wurden. Die Aerzte konnten fest- stellen, daß zu besonderer Besorgnis kein Anlaß besteht. Nach mehrstündigem Aufenthalt im Krankenhaus konnte die Fahrt nach dem Landhause Görings in Obersalzberg fort- gesetzt werden, wo der Ministerpräsident kurz nach Mitter- nacht eintraf. Das Befinden des Ministerpräsidenten ist den Umständen entsprechend gut. Um 1 Uhr nachts stattete der Führer, der zur Zeit in seinem Seim auf dem Obersalzverg weilt, dem Ministerpräsidenten einen Besuch ab, um sich nach seinem Befinden zu erkundigen. Adalbert Probst Wenn nicht Polizeigewalt das verhinderte •« An einem der vergangenen Tonntage fand in Saarbrücken ein großer Bekenntnistag der katholischen J'ugen d an der Saar statt. 50 000 Jungmänner und Jung- Mädchen marschierten durch die Straßen, lebendige Zeugen ihrer Gesinnung. Viele von ihnen wurden freilich durch die ihnen gebotenen Ansprachen bis zum Ingrimm enttäuscht. Sie hatten von autoritärer Stelle ein paar deutliche Worte über die Er- mordung Dr. K l a u s e n e r s, vor allem aber über die- jenige ihres Führers Adalbert Probst erwartet. Ii an über ging ab%i L xon Lnige^ belanglos fgjeii abgesehen. diese Peinlichkeit. Bischof Bornewasser von Trier be- gnllgte sich mit einem Angriff aus die anti-hilterische katho- lische„Neue Saar-Post". Aber das Versäumnis wird jetzt nachgeholt. Vor uns liegt die im Saargebiet erscheinende„Neue Jugend". Hier lesen wir: Kein Zweifel: Die Teilnahme am saarländischen Jugend- tag wäre nicht so überwältigend gewesen, wenn die katholischen Jugevtverbände in Deutsch- torMung liehe?, Zettl Sozialisten! Der Faschismus hat zur Wahl ausgerufen. DaS terrori- sierte deutsche Volk wird von seinen Vergewaltigern gefragt» ob es mit der famosen Sclbsternennung Hitlers^um Reichs» Präsidenten einverstanden ist. Seht eS wohl: daS deutsche Volk hat im„dritten Reich" kein Recht mehr, sich die Männer seines Vertrauens selbst zu bestimmen und zu wählen. Es darf zu einer bereits voll- zogcncn Wahl nur noch Ja und Amen sagen. Hitler stellt sich mit dieser Wahl zum ersten Mal seit seiner Machtergreifung selbst dem Volk. Zwar nicht ganz. Er>st vorsichtig. Er trägt vor sich her das Bild des toten Hinden- bürg. Er beschwört das Volk im Namen Hindenburgs. Er will mit ihm die enttäuschten Massen des Bürgertums wieder einfangen. So sehr ist im Grunde seine Position schon erschüttert. Für uns Sozialisten ist die Entscheidung klar. Nie war die TrcnnungSlinie zwischen Kapitalismus und Sozialismus deutlicher. Die 29 Monate Faschismus haben gezeigt, wer Hitler ist und was er uns z« bringen hatte. Wohin hat uns diese Volksgeißel geführt? Das Volk ist unterdrückt, Tausende sind ermordet, gemartert und ge- schändet, Zehntausende schmachten in den Gefängnissen und Konzentrationslagern. Eine Teuerungswelle überzieht Deutschland und die Löhne sind bis an die Hnngergrenze und über sie hinaus gesunken. Hitlers„Sozialismus" be- reichert die Kapitalisten und treibt die werktätigen Massen an die Schwelle des Untergangs. Der Kapitalist Hitler ist zudem noch ein unbegabter Kapitalist. Er wollte die Großverdiener retten, und er w,rd diesen Winter die ganze deutsche Wirtschaft an den Abgrund treiben. Er hat sich als Retter gepriesen- er ist der Unter, gang. Der Untergang der Freiheit, der Untergang der Wirtschast nnd der Untergang des Volkes. Er sprach von Freiheit und er führte das Volk in eine furchtbare Despotie. Er sprach von Frieden und führt uns an den Rand des Krieges. Er sprach von Sozialismus und er führte uns in den finstersten Kapitalismus, den es seit Generationen gab. Es gab keine Idee, die er nicht für sich in Anspruch nahm und eS gab keine Idee, die er nicht schamlos verriet. Wir Sozialisten wählen selbstverständlich mit Nein— wo immer die Umstände es erlauben. Wer Hitler wählt, wählt seinen eigenen Untergang! Wer Hitler wählt, wählt seine eigene Knechtschaft! Wer Hitler wählt, wählt für den Kapitalismus und gegtt» Sozialismus! Wer Hitler wählt, wählt den Krieg! (Ein im Reich illegal verbreiteter Aufruf) Japan und sowlet-Riiftland Verschärfung Im fernen Osten Das unter japanischer Protektion geschaffene Kaiser- reich Mandschukuo ist seit seiner Gründung der Mittelpunkt der Machtkämpfe im Fernen Osten. Hier stoßen die japanisch-russischen Gegensätze aufs schärfste aufeinander, wobei es vor allem um die Kontrolle der o st ch i n e s.i s ch e n B a h n geht...Daily Expreß" meldet: In Ch'arbin hat der japanische Geheimdienst ein Komplott gegen sämtliche Mitglieder des mandschurischen Kabinetts und ihre japanischen Berater, darunter den Ehef der japanischen Militärmission und den Oberkomma,idie» renden der japanischen Gendarmerie, ausgedeckt. Ueber 8 9 Sowjetrussen sind verhastet worden. Nach einen, offiziellen Kommunique planten die Verschwörer die Ermordung der genannten Personen. Einer von ihnen» der bei der Verwaltung der Ostchinesischen Eisenbahn in Suisenho angestellt war und gedroht haben soll, den Japanern das Komplott zu»erraten, wurde von feinen Komplicen erschossen. Die von der Geheimpolizei angestellten Ermittlungen führte» aus die Spur der Ver, schwörung und zur Ausdeckung. Das Komplott hat großes Aussehen erregt und bildet ein weiteres Glied in der cnd» losen Kette der russisch-japanischen Zwischenfälle. Ein anderes Glied ist eine von den japanischen Militär, hLh ördes abge gebene big russische« Sinzigs unabhängige Tageszeitung Veuikchlauds ^8^—[__ Saarbrücken, Donnerstag, 16. August 1934| Chefredakteur: M. B r a u n SensaiiaiteCCe ZusnUzung- xxn dec Saat: Präsident Jinox fordert 2000 TJlann internationale Polizei Seite 3 Ocslcrrcidi iürdilct Papens Ermordung AoOergewöhnlidie polizcilidic SthnfzmaOnahmen Lommandostelle» in Ehabarowsk die in der Nähe von Imienpo operierenden Bandenadteilunacn beauftragten, sämtliche Züge der Ost chinesischen Efsen» bahn zum Entgleisen zu bringen. Die Erklärung fügt hinzu, dos, die japanischen Militärbehörden dokumcn- tarische Beweise siir diese Behauptungen hätten. Man muh solche Nachrichten mit Borsicht entgegen^ nehmen. Aber die Berschärfung der Lage ist unzweifel- Haft. Die sowjetrussische Regierung soll den Borschlag des japanischen-Außenministers über den Verkauf der sowjet- russischen Interessen an der Ostchinesischen Bahn abge- lehnt haben. Welche Gefahrenzone sie bildet, zeigt auch die Tatsache, dah dauernde Uebersqlle von Banditen die Reisen mit dieser Bahn zur Lebensgefahr machen. Vom 1. Januar dieses Jahres bis zum 6. August wurden bei Uebcrfällen von Banditen auf die Ostchinesischc Eisenbahn 46 Personen, darunter 9 Eisenbahnbeamte, getötet und 102 Menschen verletzt; ferner wurden 16 Eisenbahnunsälle verursacht, 9 Brücken beschädigt und an 18 Orten die Telefon- und Telegrafenleitungen zerstört; des weiteren waren 42 Raubüberfälle auf Eisenbahnbeamte sowie 31 bewaffnete Uebersälle auf Stationsgebäude und andere der Ostchinesischen Eisenbahn gehörende Gebäulichkeiten zu verzeichnen; es wurden 22 Brandstiftungen verübt; 116 sowjetrussische Staatsbürger wurden von Banditen ge- sangen genommen. Aber es geht wohl nicht allein um Besitz der Bahn oder um die Kontrolle über sie. Nach englischen Nieldungen bereitet Japan die Schafs ung eines asia- tischen Kaiserreiches vor, das die Mandschurei, die Niongolei, das innere China und Russisch-TurKeston umfassen soll— eii« riesige japanische Einfluhsphäre, die den Expanfionswünschen des übervölkerten Mutterlandes hinreichend Raum geben soll. Jedenfalls scheint, trotz aller japanischen Behauptungen, nicht Sowjet-Ruhland der Störenfried zu sein. Es richtet augenblicklich seine gröhte Aufmerksamkeit auf seine Ost- Armee für den„Fall eines Falles". Sie besteht jetzt seit fünf Iahren und war soeben Gegenstand demonstrativer Ehrungen. Ihr Oberbefehlshaber ist General Blücher, der aber zu der Familie des altpreuhischen Haudegens keine Beziehungen hat. Er kam auch nicht aus der zaristischen Armee, sondern der jetzt Bierzigjährige war ein russischer Arbeiter, der in den Iahren vor dem Krieg in einer Waggonbaufabrik beschäftigt war, 1310 wegen Leitung eines Streiks ins Gefängnis kam. 1314 als Soldat zur Armee einrückte und von 1315 an in der Kriegs- industrie beschäftigt war. Man wird die Ereignisse im Fernen Osten künftig mit größter Aufmerksamkeit verfolgen müssen. Es ist durch- aus möglich, dah sich hier in Kürze ein Feuerbrand mit noch unübersehbaren weltpolitischen Folgen entwickelt. Prävcnlibrfeg' Die Aufpeitschung der Japaner „Newa Ehronicle" schreibt: Ein cinsluhreichcr Teil der öffentlichen Mcinnna Japans tritt siir einen Präventiv- krieg in der Mandschurei ein. Damit stimmt die japanische Behauptung iiberein, dah Ruhland seinen Eintritt in den Völkerbund und seine Nichtanarissopakte mit seinen euro- päischen Nachbarstaaten nnr zum Zwecke betreibe, um im Fernen Osten ireie£>a»d zu haben Ätzahr ist aber, dah Somietrusick'id durch seine Anwesenheit in Gens eine inter- nationale Möglichkeit erhält, die Java« aus eigener Schuld verloren hat. Japan mag eS sich wohl überlegen, bevor es die Welt meinung zum zweitenmal herausfordert." Der russische rücgerbesudt Freundliche Worte Herriots Lyon, 11. Aug. sHavas) Die Lyoner Btadibehdrde» vor- anstalteten z» Ehren der sowjetruliischen Flieger, die am Morgen in Lyon eingr rotien innre» ei» Bankett a» dein u. a. TtaatsmiNister Herriot nnd der>oiviefr»nsihe Ge- sckäsisträgcr i» Baris. Nstienberg, leiinghmen v> erriet hielt eine Ansprache. Er beionte die Bedeutung de» Bc sucheS der Vertreter einer Nation, die sich dgssir einsetze, das, jedermann in Ruhe und Sicherheit«einer Arbeit nachgehen könne. Er drückte den Wun'ch ans dah sich die Beziehungen zivtschen der Soivjetregierung»nd der lranzösifchen Republik inr.Interesse des Friedens de.» Fortschritts und der Zivili- sarivn immer enger gestalte» möchten. Rotenberg dankte siir die Ansprache und bezeichnete die Frrnnd'chaft zwischen den beiden Ländern als feststehende Tatsache. Ihre gegenseitige Annäherung gründe sich ans den beiderseitigen FrirdenoiviNeii. Wie Fronsreich, io vertrete onch Sowjet» rnhland den Gedankt des a»s die Sicherheit gestützten Friedens. „Jatfenlaflen" Ein Streit zwischen dem„Westdeutschen Kaufhof AG." und dem„Westdeutschen Beobachter" Die Westdeutsche Kaushos AG. in Köln blatte deu Antrag aus Erlab einer einstweilige» Beringung gestellt, dem „W e st d e u t s ch e n B e v h a ch t e r" i» l!öl» z» unterlagen, dah er das Unternehmen als einen„getarnten Iudenlade»" bezeichne. Bei der Verhandlung uor der 0. Ziuillainnier unter Vorst» des Landgerichtsrat Menser sührte der Ver- treter der Anlraastellerju n. a. aus, da» es sich bei dem An- trag nicht darum handele, die Warenhausfrage als solche zu erörtern. Es käme vielmehr darqni an, sich gegen einen Artikel des„Westdeutsche» Beobachters" zu wende», den dsefer am 20. Juli oeröfsentlicht habe nnd der seinem ganzen Inhalt nach eine Warnung an die Bevölkerung darstelle, bei der Westdeutsche» Kaufhos AG, zu kaufen, da die Gesell- schalt immer noch ein„getarnter Indenladen" sei. Bei juristischen Personen lasse sich der Begriff„arisch" oder„nicht- arisch" nicht einwandfrei definieren. Die Westdeutsche Kauf- Hof AG. habe 1988 eine grundsätzliche Umstellung vor- genommen. Von de» sechs Vorstandsmitgliedern seien vier Arier und die zivei nichtarischen Mitglieder hätten ihre Aemier zur Verfügung gestellt. Sie seien jedoch vom Auksichtsrat gebeten worden, bis zur Generalversammlung im Herbst kommissarisch die Vermaltnngolnnktione» siir be- stimmte Spezialgebiete ansznüben. Eine plötzliche Umstellung in diesem weitverzweigten Unternehme» sei vv» heute nui morgen»ich« möglich. Der A u i(i rf) t s r a t, der für den Charakter des Ilniernebmens mahgebend sei, sei von acht Persönlichkeiten besetzt, vv» denen drei als Pichlarier in Frage kommen. Die nichtarischen Aussichtsratsmitglkeder ballen gleichfalls ihre Aemter zur Verfügung gestellt, Die Adalbert Probst „Wenn nidit Poiizeiocwaii das verhinderte" Fortsetzung von Seite 1 land nicht in so brutaler und ividerrecht- licher Weise bekämpft und unterdrückt würde». Das muh hier offen gesagt werde». Die Jugend des Saargebiets hat allein schon durch das Zu- sammcnströme» solcher Massen einen Protest gegen das Ziel und die Formen dieses Kampfes erhoben, wie er eindrucksvoller nicht gedacht werden kann. Bor aller Welt wurde dadurch bekundet: So würde» in Deutsch- land b i c katholischen Iunginä n» e r und Jungmädchen ausmarschiere»— wenn nicht Polizeigeivalt das verhinderte. Die Brüder und Schwestern aus dem Reiche, die als Gäste an der Feier teilnahmen und mit stiller Wehmut Vergleiche zwischen drüben und hüben zogen, haben das wohl vcr- standen. Und wir honen, dah auch die ma»gebenden Stellen in: Reiche da v e r st a n d e n haben iv c r d c n Wir alle wissen ja. unter welchen Umstände» der Reicks- sührer der TJK. seinen Tod fand. Oder richtiger; Wir alle wissen, dah beule noch niemand im katholischen Jugend- reich Deutschlands etwas Genaueres darüber weih. Grade das ist es ja, was die katholische Taar-Jugend so tief er- schlittert und so mahlos erbittert hat: dieses Dunkel um sein Ende, das nicht gelichtet wird, obwohl es jedem Gefühl für Reck» und Gerechtigkeit Hohn Glicht- Ohne Anklage und ohne G c r i ch i s« p r u ch hat man einen unserer Führer heimlich g e- tötet, und man weigert sich auch nachträglich noch zu sagen, warum man ihn getötet hat. Es liegt ecke tiefe Tragik darin, dah gerade er, der am meisten sich für eine Verständigung und ei» fruckt- barcs Zusammenarbeiten mit der Reichsjugendleitung ein- gesetzt bat. mörderische» Kugeln»um Opjer fiel. Tie katholische Jugend des Taargebiet? aber fragt eh?' lauiee„W a t u«?" Sie weck, dah keine Schuld aus diesen» Manne lastete, dah sein Schild rein ist, dah kein Gedankt an eine itaaisieindhche Handlung ihm nahekam. Warum i also wurde er ins Dunkel geschleppt und getötet? Da keine Antwort auf diese Frage gegeben wird, sucht die Jugend sich selbst eine Antwort. War es vielleicht ein Racheakt dafür, dah die ungeheure Propaganda der letzten Monat: für die HI. lrotz aller angewandten Mittel die Phalanx der katholischen Jugendverbände nicht hat erschüttern: können? Oder hat man, nachdem alle anderen Druckmittel versagt haben, auch d eies letzte Mittet versuchen wollen: die Bluttat an dem Führer? Das ist grwih: Die Kugel. die Adalbert Probst ge- trosjen. bat auch in den Herzen der saarländischen Jugend tiefe Wunden gerissen. Und gerade weil diese Ju- geud ihr deutsches Baterland leidenschaftlich liebt und für die He?mkehr des Taarlandes in das Baterland kämpft und arbeitet— gerade deshalb nimmt sie das Recht für sich in Anspruch, an der Leiche dieies Mannes auszustehen und laut Klage zu erheben wider diejenigen, d> e Schuld an seinem Blute sind. Die katholische Jugend des Saargebietes klagt auf Mord! * Das find deutliche und scharfe Worte. Sie erheben Mord- anklage gegen dcnienigen. der die Täte» des 30. Juni für „rechtens" erklären lieh. Sie lassen erkennen, von welcher Erbitterung die kathvlsiche Saar-Jugend erfüllt ist. Wo aber stehen die Zeilen? Die„Neue Jugend" ist eine Beilage der gleichgeschalteten„Landes- Zeitung". Da», was dieses Blatt selbst hätte schreiben müssen, überlaut sie der Beitage, in der Hosjnung, dah es hier nicht so„gesährl'ch" sei... Gegen die Interessen und Wün.che der katholischen Jugend an der Saar arbeitet sie für den Sieg Hitlers über die Saar und will sie dem Terror und der Unterdrückung des„dritten Reiches" ausliefern. Das regiert Deutschland Aus dem braunen Korruptionssumpf „Der Deutsche" teilt mit, dah der Landesleitcr der Arbeitsfront, Bezirk Westfalen, Nagel, seines Postens mit sofortiger Wirkung enthöbe» wurde. Nagel, der ein e i g« iic» Flugzeug uud einen eigene» Piloten bejqh, Halle einen Fehlbetrag in Höhe v v» 11(lim M a r k in der Kpsse. Der Betriebsrat Deppc des Stadl. Betriebsamtes in Bielefeld wurde wegen Unterschlagung von Gel- der» der Stzahenbahnerkapell« und Unterstützung Mitteln fristlos entlasse» und verhaftet. Der Betriebsrat Merlin« der Anker Werke in Bielefeld ivurde gleichfalls ivcgen Unterschlagung von Geldern der Betriebs- kapelle fristlos entlassen. Pg. Uhle. im Stabe des Führer» der Arbeitsfront, Bezirk Westfalen lsiehe Nagels, wurde ivcgen Unter- s ch l a g u n n von 24 000 Mark R SB O>-Geldern in Münster lWestf'alens verhaftet. Der Standarten- sührer Niebuhr in Herford wurde ans dem gleichen Grunde verhaftet. In seiner ttajje fehlten 300») Mark. Ein westfälischer SA.-Mann, dessen Scharführer im Jahre neunmal wechselte, erklärte: Jedesmal, wenn die Kasse voll ist bekommen wir eine» neuen Scharführer! Der B r j g a d e i ü h r e r Deitmer wurde vvfi Det- mold nach Bielefeld versetzt wegen seiner Beziehungen zu der Frau eines Detmolder Arztes. Dettmar ivar verbei- ratet, seine Frau, die mjt 80 000 Mark von ihm versickert worden war, kani bei einem Brand ihres väterlichen Haukes in der Silvesternacht 1031/83»ms Leben, während alle übrigen Hausbewohner gerettet worden sind. Es hciht, dah D. an dem Tode seiner Frau nickt unschuldia war D>e Akten eines früheren Mc neidversabrens, da» wegen der Angelegenheit schwebte, sind nach dem 30. Januar spurlos vcrschivunden. Der B r i g a d e i ü h r e r Vogel in Bielefeld, der an Deitmers Stelle nach Detmold versetzt wurde, hatte eine luxuriöse Wohnung in der Villa Osthoif bezogen, die mit neuen» Parkett belegt ivurde und ein marmornes Bade- »immer enthielt. Vogel besah einen eigenen Reitst»», war häufig betrunken und fuhr einen Mercedes, der ihm von dem Fabrikanten Delhis zum Geschenk gemacht wurde. Delins, der einen Mercedes und zwei Reitpferde hir die SA.-Führung stiftete, erhielt dafür, obwohl er nach dem 30. Januar eingetreten, den Etirendolch der SA. 5 t a a t s m i n l st c v Riefe in Detmold hat feine Bezüge ab 1. April 1034 um AI Prozent erhöht, ist., der mit den ZA..rührern grohe Saufereien veranstaltete, wurde oni Margen nach Hitlers Geburtstag betrunken in einer Allee in Detmold aufgefunden. Die A u t o k o st e n des Staates Lippe-Dekinold haben sich nach dem 30. Januar vervierfacht. Die NS.-Bolkawohl-. fahrt unterhält in Lippe, einem kleinen'Lande von 164 000 Einwohnern, 7 Autos. Hauptmann a. D. S t e i n e ck e, ehemals Politischer Leiter in Lippe, der wegen Verschiisdung find Weiber- geschichten in Detmold lStadt mit IfltyfO Einwohnern» unmöglich geworden war, wurde als Gauinspektor nach Münster versetzt. Seine rückständigen Steuern wurden vom Ministerium niedergeschlagen. Als diese Mahnahme bekannt wurde und allgemeine Unzusrie- denheit erregte, erlieh die Regierung eine Verordnung, wonach rückständige Steuern, wenn Verdienste um die nationale Bewegung vorliegen, erlassen werden können! e'fstimmige Wahl des Generaldirektors Dr. Tietz zum Vor- sitzende» des Anfsichtorates in der letzten Generalversamm- lung sei mit den Stimmen der Deutschen Bank, der Eom- werzbavk nnd der Dresdner Bank, alio von Bankinstiuilcn, d.e mahgeblich unter Reichseinfluh ständen, erfolgt. ES handele sich keineswegs um irgendwelche V e richtet e- r u ng e n. Heute fei ein„einwandfreier arischer Kurs der Westdeutschen Kaufhof AG. garantiert". Am 1. April 1983 hätte die Gesellschaft noch 7.92 Prozent nichtariicher Angestellter be'chä'tigt. Am 1. April 1934 habe der Prozentsatz nur nach 3.31 betragen. Früher seien von 91 G e- schält» s ü h r c x ii 09«tchtarilch gewesen, heute seien es 29. davon 10 Frontkämpfer»nd 0 feit dem 1. Aiumtt 1914 Beschäftigte. Unter den 128 südlichen Angestellten die heute noch beschäftigt seien, befänden sich 1?1 Frontkämpfer und ein weiterer Prozentsatz sei berBM feit dem' Aiianst 1014 bei dem Unternehmen 0"'ch ist!'t.0X000 Tote. Endlich fielen im Welt- kriege auf beiden Seiten 2300QU0 Soldaten aus dem Felde der Ehre. So haben in zwei Jahrhunderten mehr als acht Millionen Menschen den Tod auf dem Schlack,tselde^gesunden. Die trockene Statistik spricht oft eine deutlichere Sprache, als lebhaste pazifistische Abhandlungen, er nicht behaupten, o nein. Mal schauen. Im Augenblick ha» Herr Fesser noch nichts entschieden. Er zieht seine Uhr. Für den jungen Mann hat er noch zehn Minuten Zeit. Bon den zehn Minute« hängt alles ab. Er stellt Fragen, und seine Augen ruhen dauernd auf den ihm gegenüber Sitzenden. Diesem wirds ein wenig unbehaglich unter den prüfenden Blicken der Majestät. Da— denkt er an seinen Kragen. Ja. Ja! Sicher, das ist es, worauf die Majestät sieht. Der junge Mann errötet leicht, gibt sich einen kleinen Ruck, hebt den Kopf. Befriedigt fühlt er am Hals den rauhen Anzugstoff. DaS Acrgernis ist also wieder verdeckt. Und jetzt vergißt er sich keine Sekunde mehr. Den Kopf erhoben, sitzt er da, steif, beantwortet die weiteren Fragen des Herrn Direktor, korrekt und freundlich, vielleicht um eine Nuance verlegener jetzt als eben. Er bemüht sich, ivcniger zu nicken. Das Aergernis käme sonst wieder zum Porschein. Möglich, daß der Dicke doch nichts davon gemerkt hat, tröstet sich der junge Mann. Aha, dieser Bursche scheint sich nun zu entpuppen! stellt der Mensckzenkcnncr Fester fest. Guck mal an, wie steif er da vor mir sitzt! Wie hochmütig sich dies aufgeblasene Jün- gelchen in seinem, Fessers Büro, zu benehmen wagt, wie der Flegel ans mich heruntersieht, hochmütig und dumm! Als ob er mir einen Gefallen tut, wenn ich ihm die Stelle gebe. Die Majestät kann ein Lächeln nicht unterdrücken. Der junge Man» ist geneigt, es als ein Zeichen des Wohlwollens aufzufassen und lächelt zurück. Der Gipfel der Frechheit! konstatiert der Direktor. Und nun spürt Herr Fester— seine psychologische Kenntnis ist nicht zu übertreffen— aus jedem Wort des stellungs- suchenden Burschen dessen überhebliche Art. Arrogant und dumm!— das ist das letzte Ergebnis Fesscrscher Analyse. Die Majestät freut sich aufrichtig, den jungen Mann durchschaut zu haben. Ausgerechnet solche Angestellte hat die Firma nötig Gelacht! Den Kopf nach hinten geworfen, daS blaue Kragenärgernis unterdrückend, verläßt der junge Mann das direktoriale Büro. Jetzt heißt es, auf den konkreten Bescheid des Herrn Fesser zu warten, den ihm dieser für einen der nächsten Tage in Aussicht gestellt hat. Ter junge Mann macht sich keine Torgen. Noch seichter ist sein Gang, noch öfter lieb- äugelt er mit Dingen, die hinter Scheiben warten, bald aber ihm gehöre» werden. Bor allem beschließt er, demnächst einige Hemden zu kaufen. Der Menschenkenner hat zuletzt nicht ohne Spott fest- gestellt: Ter Bursche glaubt, daß er in nnserm Haus an- kommt, wahrhaftige» Gottes! Arrogant und dumm! Heinz W i c le k Aber was hätte man nicht alles mit den Milliarden ma- chcn können, die so in die Luft gepulvert wurden- Allein mit den Geldern, die der Weltkrieg gekostet hat. hätte man nach genauester Berechnung eine möblierte Villa mit Warten im Werte von 100 000 französische» Francs allen Familien der folgenden Ländern stiften können: Amerika, Kanada, Eng- land, Frankreich, Belgien, Deutschland und Rußland. In allen Städten mit mehr als 200 000 Einwohnern hätte man ein Hospital im Werte von 425 Millionen Francs, eine Bi- bliothek im gleichen Werte und eine Universität für 250 Millionen Francs bauen können, und darin 125 000 Lehr- träfie, 125 000 Aerzte und 125 000 Krankenschwestern beschäftigen können. Nach allen diese» Stiftungen wäre noch ein Fonds übriggeblieben dessen Wert dcmienigen des Vor- kriegs-Grundeigentnws in Frankreich und Belgien gleichgekommen wäre. Aber anstatt aufzubauen hat man zrstören müssen! Entzauberung To oft wir vom Leuchten der Ferne gesprochen Im Heimatland, Ist die Blüte der Sehnsucht ausgebrochen, In unserer Hand. Da strahlte der Himmel klarer und blauer Durch unseren Traum, Da rauschten der Schönheit heilige Schauer Bon Baum zu Baum: Da wiegten sich Meere mit hellerem Glänze In Sonne und Sturm, Da zogen sich grünere Wälder im Kranze Um Stadt und Turm: Da glaubten wir, daß in den anderen Ländern Nur Freude ist, Daß dort eine Menschlichkeit in FestiagSgewändern Das Leid vergißt.— Heute, nachdem wir durch Höhe und Weiten nieder fort wollen, aber heute gehört sie mir, nnd ich bin glücklich. Es ist ein schöner Sommertag. Ich habe alles in Ordnung gebracht und sitze nun neben meinem Kind. Der Morgen ist sehr still. Wir sehen in der Ferne den See leuchten, der uns mit anderen Ländern verbindet. Und gerade vor uns wird ein Haus gebaut. Toni lächelt, während sie die Bauarbeiter beobachtet. „Wenn man so zusieht. Mutter," meint sie,„würde ma« glauben, daß aus den losen Ziegeln und Steinen nie ei« Haus werden kann. Aber in einem Monat wird es fertig sein. Siehst du, so ist es auch um uns bestellt. Wir tragen anS den Ruinen einen Stein nach dem andern herbei. Wir schichten sie auf, wir sortieren sie sorgsam. Und aus de« Steinen wird das Haus eines neuen freien Deutschlands entstehen. Wir bauen auf, Mutter, wir bauen schon heute aus." Ich schluckte die Tränen hinunter, die mir in die Auge» gestiegen waren und küßte mein Kind. Tonis Worte hatten so überzeugend geklungen, daß alle Bcrzagtycii und aller Zweifel von mir gefallen waren. „Ja, Toni," sagte ich leise,„du hast recht. Wir bauen wieder auf. Wir haue« wieder aus»" jEnde.), H flau drandit die Adstlmmnnd ffir das Ausland Die Iraniüslstfie Presse ouer die„Demokratie DeutsMlands A PH. Paris, 13. August. lVon unserem Korrespondenten,) «Man merkt die Absicht, und man wird verstimmt." To ungefähr lautet hier das Urteil nicht nur über die Rede, sie nocbbels am Tonntag im Neuköllner Stadion hielt, sondern Uber den ganzen sogenannte»„Wahl"rummcl. der sich jetzt ™ Teutschland abspielt. Man hat de» Eindruck, als ob der vie'chspropagandaminister zum erstenmal in seinem Leben dieser Rede die Wahrheit gesagt hat, wenn er deutlich vcr- uehen gab. sür das Inland brauche man die Abstimmung am * 9- August nicht, aber sie sei notwendig, um dem Aus- s u n d zu zeigen, das, Deutschland einig sei. Offener als Goebbels dies am Tonntag getan hat, so heißt ts in„Paris-Midi", könne man den Sinn der Abstimmung »IN 10. August nicht ausdrücken. Da» deutsche Polt solle Hitler den nötige» Rückhalt geben, um es aus seiner Isolierung herausznsührcn und das Ausland daran zu gewöhnen, daß jenseits des Rheines die gegenwärtigen politischen Machtverhältnisse endgültig seien. Vom„Demokraten Hitler" spricht Gallus im„Jiilrau- 'igeant". Mg» müsse gespannt sein, was jetzt die mächtigen Juukex und Jndnftriemagnaten dächten, die Infolge der wirtschaftlichen Maßnahmen des ReichswirtschajtSministerS Schacht in ziemliche Angst vcr- setzt seien. Man müsse abwarten, ob die Angriffe aus Hitler tu Zukunft von rechts oder links kommen würden. Im «Jntransigegnt" wird weiter davon gesprochen, daß es ein «drittes Reich" nicht mehr gäbe, nach Hindenburgs Tode habe tatsächlich das V i e r t e Reich begonnen, das gewissermaßen seine Weihe durch die Abstimmung am 10. August erhalten solle. Goebbels habe in seiner Rede kein Wort von Teutschlands s ch iv i e r i g e r wirtschaftlicher age gesprochen Tie Arbeitslosigkeit werde jetzt durch die Auslösung der österreichischen Legion vermehrt; dabei habe H'tler niemals etwas sür ihre wirkliche Berminderung ge- tan. die zum Teil auf das Konto der Saisonarbeit komme, zum Teil damit zusammenhänge, daß man die Arbeitslosen in Arbeitsdienstlager geichasft habe- Gelinge es. die wirt- schastlichen Schwierigkeiten zu meistern, dann werde Schacht und nicht Hitler das Reich gerettet haben. «Journal" bemerkt. H'tler und der Nationalsozialismus wollten durch das Abstimmungsergebnis am kommenden Sonntag den Beweis erbringen, daß sie fester als je zuvor daständen und das, das Ausland irre, wenn es vielleicht mit einem Sturz des Regimes rechne. ' Philippe Barrcs, der Berliner Sonderberichterstatter des „Matln". führt in einem Kommentar zur Gocbbclsrede aus. es handele sich am 10. August in Deutschland nicht darum, einen Reichspräsidenten zu wählen, es handle sich auch nicht darum, einem Gesetzentwurf Gesetzeskraft zu geben. Das deutsche Bolk solle, wie das die deutsche Presse offen sage, einfach die Tatsache, daß Hitler durch Kabinetts- beschluß am 2. August oberster Führer des Reiches ge- il,. worden sei,„mit Beifalls- und Heilrufen begrüßen". ..Jeder muß" So sieht es das Ausland Essen, 14. Aug. Worauf es bei der Terrorwahl anloui-nt, wird von der Essener„National-Zeitung" ausgesprochen: «Es kommt darauf an, dem Ausland zu zeigen, daß das Oauze deutsche Boll geschlossen und vertrauensvoll hinter dem Führer und der nationalsozialistischen Freihcits- bewcgung steht..i" London, 14. August. Der Berliner Korrespondent der «Sunday Time»" berichtet seinem Blatt, e» fei eine Tatsache, daß das deutsche Publikum gänzlich apathisch sei. Tie Ber- kündung der Amnestie habe keinen Enthusiasmus erzeugt. Keiner glaube daran, daß das Plebiszit eine praktische Bc- deutung habe. Es verfolge nur den Zweck, das Prestige des N a z i r e g i m e s zu heben und den Eindruck zu erzeugen, daß das Land Hinter der R e- 0 i e ru» g stehe. Mehr und mehr höre man die Bemerkung:„Die wirkliche Probe wird der 13. Januar sein." ^ amjt sei gemeint, daß eine wirklich freie Meinungsbildung der Taarbevölkerung möglich sein werde.— Der «Daily Erpreß" veröffentlicht den folgenden Bericht seine» Berliner Korrespondenten:„Als ich gestern durch Berlin tühr, stellte ich fest, daß die Straßen mit Jahne» überspannt waren, die Parolen trugen wie:„Kritisiert nicht. Marschiert wit uns!"... Werber gehen von Haus zu Haus, von Laden zu Laden, von Werk zu Werk und sagen den Leuten, daß leder Deutsche, der nicht als Vaterlandsverräter betrachtet werden will, für Hitler stimmen muß." Der Zweck der„Amnestie" London, 11. Aug. Die englische Presse bemerkt zu der von Eitler verkündeten Amnestie, daß sie den Zweck habe, die -Mitglieder der SA. freizulassen, die im Zu- sammenhang mit den Ereignissen des 00. Juni verhaftet worden sind. Nach einer Information des Berliner Korre- fprndente» des„Daily Telegraph" sollen insgesamt etwa t-0 0 0 b i s 0 0 00 Personen amnestiert«verde». Das Blatt bemerkt weiter:„Bleiben noch Tau sende von politischen Gefangenen in de» deutschen Konzentrationslagern, die von der Amnestie nicht betroffen werden..." Hilters geheime Sehnsudi! »Kaiser des Heiligen römischen Reiches deutscher Nation" Parts, 15. August. fBon unserem Korrespondenten) Henry Berangcr, der Präsident ber Auswärtigen Kommission des Senats, offenbart im„Exelsior" da» Ge- beimnis des Rcichsiührers. Hitler, so meint er, sei der Deutsch» Oesterreichs, der die Habsburger und die Juden verwünsche. Denn sie hätten Bismarck geholfen. Oesterreich von Deutschland zu trennen. Sein tiefgehender Haß habe einen Gedanken erzeugt: ein üsterreichisch-deutsches Kaiserreich wiederherzustellen und die alte historische Stadt Wien zur heiligen, gereinigten Hauptstadt eines solchen Reiches zu erheben Wenn Hitler auf die Frage eines englischen Journalisten, ob er die Wiederherstellung des alten„Heiligen römischen Reiches deutscher Nation" beabsichtige, aeschwiegen habe, so bedeute dieses Stillschweigen nickt etwa eine Verneinung. Im weaenteil. die Wieber- aufrtchtuna dieses„Heiligen römischen Reiches deutscher Nation", d. h. also die Bereinigung aller Deutschen, von der Donau bis zum Rhein und zur Oder, sei da» Endziel der hochfliegendc» Pläne Hitlers. Und der Reichsführcr hoffe, jetzt im reifen Alter diesen seinen Jugendtraum zu ver- wirklichen. Hitlers„Hindenburgilfile'' Parts. Ii August. W. Morton Fullerton stellt gegenüber den friedlichen und versöhnlichen Worten, die Hitler in seiner Tannenbergrede bei der TrauerfZer für Hindenvurg gebraucht hat, eknlge unangenehme Fragen. Hat nicht, so sagt er, ein gewisser Hitler unter dem Titel„M e t n Kamps" ein Buch ge- schrieben, in dem der Mann, der jetzt Deutschlands Herrscher geworden ist, zynisch erklärt, Frankreichs Vernichtung sei notwendig? Hat er den Vertrieb dieses Buches durch die deutschen Buchhanölungen untersagt, gegen dessen Ueber- setzung ins Französische er sich mehrt, das er vorsichtigerweise in englischer Sprache nur herausbringen ließ, indem er alle Stellen strich, die aus die englische Oefsentlichkeit einen schlechten Eindruck hätten machen können? Hitler hat sich jetzt gewisser- maßen aus die Hindenburglinie zurückgezogen, wo er 'den hundertjährigen Frieden verkündet. Aber, solange er sein Buch nicht an den Pranger stellt, wird er überall nur gesundem Mißtrauen begegnen. Hoftancf Ausgangspunkt für den OrganifationSausbau der deutschen Nazis in den Niederlanden sind die vielen deutsche» Ber- eine, die im„Verband Deutscher Vereine in den Nieder- landen" zusammengeschlossen sind. Die bisherige Verbands- leiiung, die eine Arbeit allein im Sinne üblicher Vereins- meierei leistete und keine Veranlassung gegeben hätte, über sie und die ihr angeschlossenen Bereine auch nur ein Wort zu verlieren, ist hinausgeschmissen worden. Der Leiter, Oberstleutnant von Tschudi, ist»ach Deutschland zurück- gerufen worden. Dafür hat Hitlers Stellvertreter, Rudolf Heft, den Major A. R. Witte, einen zuverlässigen Ratio- nalsozialisten, ernannt. Witte hat, mit diktatorischen Boll- machten ausgestattet, die Neuerncnnuugen vorgenommen. „Führer" des Verbandes wurde„Pg. Alfred F l e s ch t", dieser hat folgenden Stab„ernannt": „Stellvertreter des Führer»: Pg. von L i n s i n g e n, Heerengracht 250, Amsterdam, Adjutant: Pg. Pfeifer. Nieuwe Doelcnstraat 12—14, Amsterdam-?, Schul- und kulturelle Angelegenheiten: Pg. Bernau, Sax. Weimarlaan 1. Sport: Pg. Franke, Jan Lunkenstraat 23, Amsterdam-Z. Ausklärung: Pg. Edzard und Pg. Pfeifer, Nieuwe Doelcnstraat 12—14, Kassenwart: Pg. Flöz er. Euterpestraat 110, Amsterdam-Z. Anzeigenteil des NachrichtenblattcS: Pg. G c r i s ch, Kalver- straat 111. Alle Anschriften sind zu richten an Pg. Alfred Flesche, Kaizersgracht 117 oder Pvstbus Ol, Amsterdam E." Die Vereine sind jetzt durchwegs bezirksweise in„Deutsche Kolonien" zusammengefaßt und unterstehen der Parteisüh- rung der NSDAP. Denn selbstverständlich ist das ganze Land von einem Netz Parteiorganisationen überzogen, deren Aufbau dem Parteiaufbau innerhalb Deutschlands ent- spricht. So ist der Kreiöleiter kür„Tüdholland" ein Pg. Dr. Krause, Ortügruppcnleiter in Den Haag ist Pg. Studien- rat Kersting, kommissarischer Führer der Deutschen Kolonie in Den Haag ist Pg. Dr. Höchst. Als Redner bei den verschiedenen Veranstaltungen anläßlich der Neuorgani- sterung tat sich Pg. Dr. von Hahn, Generalkonsul tn Amsterdam, und als Gast aus dem Reich Pg. En gell, Ministerpräsident beider Mecklenburg hervor. Leiter der Partei in Rotterdam ist Pg. Dr. T y k e r h o s f, gleichzeitig Führer skommissarisch) ber Deutschen Kolonie. Der Kreis- leiter der Parker für Rotterdam, mit dem Titel eines«Or- ganisationsteiters" ist Pg. Hofsmeister. In Titburg ist Kreisleiter der Partei Pg. Eiscnkolb, Ortsaruopenleiter^ ist Pg. Dan. Bei der Gründung der Deutscheu Kolonie in Dil- bürg ist von dem„Führer" Flesche folgender Zweck betont worden: Vorposten des Vaterlandes mit ganz besonderen Aufgaben und Pflichten zu sein und damit eine Sonderstel- lung einzunehmen. Das Vereinsleben dürfe nicht die größte Rolle spielen, sondern die Erziehung und Werbung sür das Deutschtum. Der„Führer" bestimmte Pg. Klöber zum Führer der Kolonie. Die Veranstaltung endete mit„Sieg Heil". Der Vertreter der Kreisleitung, Pg. Eiscnkolb, gab seiner Freude Ausdruck, daß jetzt ein langersehnter Wunsch der„Politischen Leitung" erfüllt sei und die Kolonie in der ParteiortSgrnppe einen starken Rückhalt linden werde. In Helmond wurde Pg. Becker, Julraualaan 33, kommissarischer Führer der Kolonie. Nach einem zuver- lässigen Bericht schloß er die Rede anläßlich seiner AmtS- Übernahme mit dem Lnkherwort:„Und wenn die Welt voll Teufel war..." Pg. Borlinghaus und Pg. Gen ich erhielten Sonderaufträge. Die Veranstaltung endete mit dem Horst-Wessel-Lied. In Venlo sprachen die Pgs. Bottenberg und Härtung vor den Bereinen und der Partei- Ortsgruppe. Einer der Redner begrüßte den starken Au- schluft an die Ortsgruppe der NSDAP.„Unter Mitwirkung der Behörden des Deutschen Reiches" ist Pg. Franke, Amsterdam-Z. Jan Luykenftraat 23, zum„Führer" der deutschen Handelskammer ernannt worden. Das bisherige Nachrichtenblatt der Vereine verschwindet. Dafür kommt eine zentrale Parteizeitung. Darüber sagt eine Mitteilung an die Bereine:„Ein eingehender Reorganisa- tionsplon ist zu diesem Zweck in gemeinsamen Beratungen zwischen der derzeitigen Leitung des lNacbrichten-) Blattes und maßgebenden deutschen Instanzen ausgestellt worden". Dieser Plan sieht in seinem ersten Punkt so aus, daß der bisherige Leiter des Nachrichlenblattes, ein die niedertän- dischen Gesetze respektierender und darum sich von politischen Einflüssen fernhaltender Mann, auS der Leitung hinaus- geschmissen wurde. Das sind vorläufig einige der wichtigsten Einzelheiten. An der zentralen Leitung eines politischen OrganisatianS- nctzes über ganze Holland ist nicht zu zweifeln. Damit be- ginnt das planmäßige Spiel. Wie es endet, das weiß vor- erst nur die deutsche Zentrale. vis Ehefrau, die arbeiten muß m m 9 Die Ne'nung eiross englischem Arbeiterführer* In einem großen Artikel im„Daily Herald" behandelt C. R- Attlee, stellvertretender Führer der Parlaments- fraktion der britischen Arbeiterpartei, das sozial jetzt so um- strittcne Thema des Rechtes der verheirateten Frau aus Ar- beit: Es fällt mir als ein seltsames Kurtosum auf, daß zu einer Zeit, in der die Fraue» das Wahlrecht erworben haben, in der ihre Vertreterinnen in den Parlamenten sitzen und sich den Zutritt zu den exklusivsten Berufe» zu erkämpfen ver- standen, die Frage ob sie auch nach ihrer Verchelichung ivei- ter ihren Lebensunterhalt verdienen dürfen, so schwer umstritten ist. DaS zeigt nur wieder einmal, wie schwer alte Borurteile entwurzelt werden können. Falsche Argumente Aus de» ersten Blick erscheint es als die unmittelbare Folge der M a i, e u a r b e i t s l v s i g kr i t, die Millionen Männer aufs Pflaster wirst, daß so viele sonst fortschrittliche Männer plötzlich antifeministisch argumentieren. Dabei wird nun allgemein vorausgesetzt, daß der Familienvater auch ein Familieneiilkomme» verdient. Daß er also Frau und Kinder aus dem Ertrag seiner Arbeit selbststäudig erhallen kann. Diese Annahme entipricht immer seltener den tatsächlichen wirtichastlicheu Verhältnissen. Weiter aber beliebt die frauen- feindlich eingestellte Oefsentlichkeit zu vergessen, daß gerade die Massenarbeitslosigkeit die Frauen zwingt, vom Herd weg an die Maschine zu gehen. Wo des Vaters Hände feiern, muß eben die Mutter versuchen, den Hunger der Kinder zu stillen. Die Satten und Gedankenlosen sagen fer- ner, es sei unverantwortlich, wenn Männer heiraten, bevor sie ein sicheres und ausreichendes Familieneinkommen ver- dienen. Ja ist denn in den heutigen Kriscnzeiten ein sicheres und ausreichendes Familieneinkommen überhaupt zu erreichen? Einseitigkeit Ost hört man auch, fährt der tapfere Kämpfer für die wirt- schaftliche Gleichberechtiguna der verheirateten Frau fort, Ehefrauen treiben unlauteren Wettbewerb, weil sie zu niedrigeren Lohiibedingstngen arbeiten, was ihnen, da sie ia oft nicht ausschließlich auf ihren eigenen Erwerb angcwie- sen sind, möglich wird Gilt dieses Argument nickt auch von unverheirateten Frauen, den Töchtern des besser gestellten Mittelstandes, die einen Pollen annehmen, um sich ei» besseres„Toilettegeld" zu verdienen? Und weiteres hört mau. daß es nusatr sei, wenn verheiratete Frauen den Weit- bewerb um Arbeitsplätze antreten, wo es doch ihrer nicht genug für Männer gebe. Wiederum übersieht man geslissent- [ich, daß ig der kapitalistischen Wirtschaftsordnung b'e freien Arbeitsplätze auch ohne die Konkurrenz der Frauen nicht nach den Grundsätzen der sozialen Bedürftigkeit, son- der« nach unkontrollierbaren Wünsche» der Betriebssührung besetzt werden. Ei» fehlerhafter Kreis Vielfach wird folgendes ganz außer acht gelassen: Frauen versuchen vergebens Arbeit zu bekommen. Da sie verheiratet sind, werden sie überall abgewiesen. Nun bewerben sie sich um die Arbeitslojenunterstützung. Am Schalter hören sie nun zu ihrem Erstaunen folgenden Bescheid:„Behaue«, wir können Ihnen keine Uiilerstützung gewähre», denn Sie ha- bei, ja aus Ihrem letzten Dienitplatz gekündigt."„Ja. ich wurde dazu genötigt, weil ich mich verheiratet habe."„Ter Grund geht uns nichts an- Wenn ein Arbeitnehmer kündigt, verliert er das Anrecht auf die Unterstützung." Man sage uns, wo hier der Mangel an Logik aushört und der krasse soziale Betrug anfängt. Sentimentale Grausamkeit To weit hat Genosse C. R. Attlee die rein wirllchgstkichen Argumente des Konturreuzkanipse« um den Arbeitsplatz zerpflückt. Nu» wendet er sich ebenso scharf geaen eine sen- timentale Anfsasinng der Frauenpslichten. die, ohne»ach den Wünschen der einzelnen Frau zu fragen, ihr von vornherein als Lebeiisaufgabc Mutterschaft und Hanswirtschast zuweist, sodaß ihr keine Wahl gelassen ivird. Mit dem goldenen Reif habe sie aus dein Leben in das Heim zu treten, mögen ihre Neigungeil. Talente und Erfahrungen»och io sehr dagegen sprechen. Merkwürdigerweise schlagen vor allem jene Kreise die Trommel für die hansiviriichaftlichen Pflichten der vcr- heirateten Frau, die in ihren eigenen Heimen de Wirt- schuft fremden bezahlte» Leuten überlassen. Diese Damen können jedes Sieckenpserd reiten, sie können die höchsten Stellen einnehmen und ihr Haus vernachlässige», wenn sie nur mit ihrer außerhäuSlichen Beschäftigung ke'n Geld ver- dienen. Wir haben es hier also mit eine»! klassenmäßige» Standpunkt zu tun, von de», aus der mittellosen Frau vcr- boten wird, was der besitzenden erlaubt ist. Der Ausweg? Und nun kommt der freie Engländer zu Wort.„In Eng» land jedenfalls wird es auf die Dauer»'cht möglich sein» der größeren Hälfte der Bevölkerung wirtschaftliche Schran- ke» aufzuerlegen. So etwas läßt sich vielleicht in Nazi Deutschland durchführen und ausrcchterlmlten, wo Hitler et klären kann, die Frau sei der Schild, auf dem sich der en mitdete Arieger ausruhen kauu, aber in zivilisierte» Natto> nen ist eine solche Auffassung des weibliche» Geschlechtes heute nicht ausrechtzuerhalten. Würde mau diesen Gedanke» zu Ende denken, dann müßten die begabten, die energischen, die arbeitsfroben Frauen eniiveder zum llölibat oder zur fre'e» Lebensgemeinschaft Zuflucht nehmen." Der Ausweg? Bald werden die Frauen begreisen, daß der Ausweg aus jeglicher Ungerechtigkeit,«Ufo auch dieser» einzig und allein der Sozialismus ifc Volksgerichtshof und Thälmannprozeß Eine Stellungnahme des Internationalen Defreiungshomlfees 3"ie„Berliner Börsen-Zeitung" veröffcni- Nchte am 38. Juni 1034 einen Artikel von Prosegor Tr. e" tn:"Iusti,-Propaganda. Rund um den Thalmann-Prozeß. Die Hetzkampagne des Auslandes." -ras Internationale BcsreiungSkomitee für Thälmann und alle eingekerkerten Antifaschisten hat das nachstehende Schreiben der Redaktion der„Berliner Börsen.Zeitung" sowie den zuständigen deutschen Behörden übersandt. ,^ie„Berliner Börscnzeitung" veröffentlichte am 28. Juni 1934 einen Artikel von Prof. Dr. Grimm-Essen. Dieser Artikel enthalt eine Reihe von Behauptungen, die in offenem Wider- spruch.stehen zu den Tatsachen, die über die Justiz in Deutsch- land über die Errichtung des„Bolksgerichts" und über die ^bereitung des Thälmann-Prozesscs selbst bekannt gewor- den und.^pir beziehen uns dabei nur auf Dokumente und Aeußerungen deutscher Behörden und Zeitungen. Wir lehnen es> ab, uns auf das die innere Schwäche kennzeichnende Niveau der«chimptworte, bcweislosen Verdächtigungen und bemühten Verächtlichmachungen zu begeben. Ter Wahrheit entsprechend stellen wir fest: ^ Der sog.„Volksgerichtshof" ist ein Sondergericht Das ergibt sich aus dem Wortlaut des Gesetzes, der inter- national einheitlich feststehenden Ncchtsdefinition des Sonder- gerichts und allen Kommentaren der deutschen Presse. 1. Er schaltet die bisher bestehende Gerichtsbarkeit aus. die Rechtsprechung des Reichsgerichts ist für ihn nicht bindend. Gr«st nur„zur Aburteilung von Hochverrats- und Landcsverratsfachen" gebildet sArt. in 8 1j. 2- Eharaktcr des Ausnahmegerichts wird einwandfrei "w/W durch folgende Bestimmungen: Adolf Hitler persönlich ernennt die Mitglieder sArt. in ML®*", Rcgicruilgskommcntar im„Völkischen Beobachter" stellte ausdrücklich fest: Es müssen im Kampf gegen den Marxismus erprobte Kämpfer sein. Damit ist von.vornherein jede Objektivität beseitigt und ein reines faschistisches Partcigericht beabsichtigt. 8. Dem Obcrreichsanwalt wird volle Freiheit gegeben, die Voruntersuchung auszuschalten sArt. IV 8 4). Die Auswahl des Verteidigers ist völlig in das Ermessen des Vorsitzenden gestellt. Der Verteidiger kann mitten in der Verhandlung oder im Plädoyer vom Borfitzenden abberufen werden sArt. IV 8 8). Die Borschriften der Strafprozeßordnung über die Durchführung rcgel- mäßiger Hastprüsungstcrmine sind ausgehoben sArt. Vf. Dies alles beweist, daß es sich hier um ein Sondergericht schlimmster Art handelt, das den Angeklagten schutzlos Sonderrichtern ausliefert, die sich in der Vergangenheit als „Kämpfer" bewährt haben gegen die Angeklagten bzw. die ideellen Auffassungen der Angeklagten. Aber wir fügen noch einen Beweis hinzu:«Gegen die Entscheidungen des Volksgerichts ist kein Rechtsmittel zu- lässig" sArt. III 8 ö>-„Der Volksgerichtshof ist zuständig für Untersuchung und Entscheidung in erster und letzter In- stanz..." usw. sArt. III 8 8). Prof. Grimm versucht den „Volksgerichtshof" als völlig„normal" hinzustellen. Er sei angeblich in Hoch- und Landesvcrratssachen„einfach an die Stelle des Reichsgerichts... als Gericht erster Instanz ge- treten". Und er sagt weiter: „Hiergegen sind auch früher schon von berufener Seite sachliche Bedenken erhoben worden, die jetzt zu der Neu- rcglung geführt haben. Daß der Oberste Gerichtshof eines Landes, der als Revisions- oder KassationShof fungiert, zugleich als Gericht erster Instanz zur Aburteilung der Hoch- und Landesverratssachen berufen ist, war eine Anoms'-e, die sich in anderen Kulturstaaten auch nicht findet. Wenn von jetzt ab die Hoch- und Landesverrats- fachen in erster Instanz von einem Gericht abgeurteilt werden sollen, bei dem das richterliche und das Laien- element gemischt sind, so ist das durchaus normal." Prof. Grimm mag damit vielleicht bei jenen Glück haben, die als Laien den verklausulierten Gesetzcstext nicht kennen oder aus Angst vor der Gestapo nicht wagen, diesen Versuch der Irreführung der Öffentlichkeit festzustellen. Das gesamte Ausland, dem Herrn Grimm sagt:„Das Verfahren ist im übrigen unverändert geblieben", kann zu diesem Satz eines Juristen nur sagen: Objektiv unwahr! Das Wesentliche, was Prof. Grimm verschweigt, ist gerade die Aendcrung des Ver- fahrcns: Ohne Voruntersuchung, ohne Hastprüfung, der freien Berteidigcrwahl beraubt, ohne Rechtsmittelmöglich- keit, erste und letzte Instanz zugleich, besetzt von„Richtern", die von einem faschistischen Diktator nach politischen Zweck- Mäßigkeitsgründen ausgewählt sind— solche Gericht sind nicht nur Sondcrgerichte, sondern gleichen einem militä- rischen Standgericht wie ein Ei dem anderen. Von den*20 Laienrichtern gehören nicht weniger als 10 der Reichswehr, der Kriegsmarine und der Lustflotte an. Die übrigen 10 Laienrichter bekleiden sämtlich Offiziersrang in den nationalsozialistischen Sturmabteilungen. Deshalb läuft die zivilisierte Welt gegen ein solches Sondergericht Sturm. Deshalb werden alle rechtlichen Menschen mit Leidenschaft dagegen kämpfen, daß auch nur ein einziger Mensch das Unglück hat, als Angeklagter vor den Schranken dieses Sondergerichts austreten zu müssen. Die sog.„Thälmannhctze" Prof. Grimm hält es„für verfrüht", schon heute vom Standpunkt des Juristen zum Thälmannprozeß Stellung zu nehmen. Wer hat denn seit der Verhaftung Thälmanns nicht nur eine politische, persönliche, moralische Hetze schlecht- hin, sondern direkt Mordinstinkte gegen Thälmann ent- fesselt? Wir sparen uns die Zitate. Wir stellen fest: Nicht einmal, Hundertc von Malen hat die offizielle Regie- rungspresie in ein schwebendes Verfahren eingegriffen. Wir sind bereit, aus den Zeitungen des Reichskanzlers, des PropagandaministcrS, des preußischen Innenministers, des Leiters der Arbeitsfront Beispiele in beliebiger Zahl zu geben. Das Propagandaministcrium gibt masscnveisc Literatur gegen Ernst Thälmann heraus. Die letzte Broschüre„Volks- gericht über Thälmann" sei nur als ein Beweis erwähnt. Die„Deutsche Wochenschau", die eine unerhörte Hetze gegen einen eingekerkerten Gegner führt, die in der ganzen Welt Aufsehren erregte, setzt diese Handlung am 1. Juli fort unter der Ueberschrikt„Thälmann": „Im Gegensatz zu der Ansicht, daß der berüchtigte kommu- nistische Mordstrolch die Todesstrafe zu erwarten habe" usw. Drei Saararbeiter, die Thälmann gesprochen haben, ver- sichern eidesstattlich, aus Thälmanns eigenem Munde die Bestätigung kür seine Mißhandlungen erhalten zu haben. Seit 18 Monaten ist Thälmann eingekerkert. Er hat keinen Verteidiger, keine Hilfsmittel. Er wurde mißhandelt. Er hat noch keine Anklageschrift, kein Hastprttsungstermin fand statt. Der wichtigste Zeuge und Mitarbeiter Thälmanns, der Reichstagsabgeordnete John Schcer, wurde mit drei anderen „auf der Flucht erschossen". Reichsminister Heß stellt in seiner Königsbergcr Rede fest, daß Adolf Hitler persönlich die Befehle zur Erschießung Röhms und der anderen erteilt hat. Tage danach wird ein Gesetz erlassen, in dem die Erschießungen vom 80. Juni bis 1. Juli für„rechtens" erklärt werden— nachträglich!! Die ganze Welt weiß, daß in Deutschland Familien- angehörige, Frauen politischer Gegner als Geiseln fest- gehalten wurden und werden: Frau Seeacr. Frau Bcimler, Frau Steinfurth und viele andere. Anläßlich des sog. „Iudenbonkotts" proklamierte der Propagandaminister öffentlich das„Geiselprinzip". Hunderte von Menschen sitzen in Konzentrationslagern oder wurden„rechtens" verurteilt wegen„Greuelhetze", „Verleumdung der Regierung",„Verächtlichmachung des Staates"— aber sie haben nicht halb so deutlich aus- gesprochen, was Adolf Hitler, Hermann Göring, Josef Pariser Berichte Oollesdiensl an den hohen jüdlsdien Feiertagen Die„Deutsche Freiheit" hat bereits kurz mitgeteilt, daß für die in Frankreich lebenden deutschen Juden auch in diesem Jahre Rausch Haschonoh und Jaumkippur ein Festgottesdienst nach deutschem Ritus mit Orgel stattfindet. Dieser Gottesdienst wird von der Association des Emigres Israelites d'Allemagne en France im Wagramsaal, 39, Avenue de Wagram in Paris(Metro Etoile und Ternes), veranstaltet. Es wirken dabei Mitglieder des Oratorienchors„Phil- harmonia" unter ihrem Dirigenten Lande mit. Die Vorbeterfunktionen werden durch einen seit kurzem in Paris wohnenden früheren Oberkantor der großen jüdischen Gemeinde in Berlin ausgeübt. Die Predigt wird bei allen Festgottesdiensten in deutscher Sprache gehalten. Da jeder geschäftliche Nutzen ausgeschaltet ist, sind die Preise für die Eintrittskarten erheblich herabgesetzt. Sie betragen 10 bis 50 Franken zuzüglich der geringen Billetsteuer. Vorbestellungen nehmen entgegen die Mitglieder des Ausschusses: Martin Dosmar, 78, Rue Biomet, Paris 16e und Dr. Theodor Tichauer, 3, Rue Georges Courteline, Ciichy sur Seine. Association des Emigres Israelites d'Allemagne en France Wie an jedem Freitag abend, so findet auch Freitag, den 17. August, abends 7 Uhr, Gottesdienst nach deutschem Ritus mit deutscher Predigt im Betsaal Chez Cohn, 17, Rue Beranger, Paris(Metro Republique) statt. Jedermann willkommen. Deutscher Klub Samstag, den 18. August, um 21 Uhr: Geselliges Beisammensein mit Tanz. Gäste sehr gerne willkommen. Gastbeitrag: 5 Franken. Das nesser In der Unterwelt Eine Messerstecherei mit tödlichem Ausgang fand in der Nacht zum Dienstag statt. Gegen Mitternacht erhielt die Kriminalpolizei von dem Besitzer des Cafes du Pilotage die Mitteilung, daß ein unbekannter Mann beim Betreten des Cafes aus vielen Wunden blutend, ohnmächtig zusammengebrochen sei. Der Schwerverletzte wurde sofort ins Krankenhaus sebracht, starb aber bereits bei der Einlieferuog. El handelt sich um einen gewissen Georges Hery, der, wie die sofort vorgenommenen Recherchen ergaben, am späten Abend in Gesellschaft zweier zweifelhafter Individuen nahe der Quais von Saint Nazaire gesehen wurde. Es scheint sich bei dieser Angelegenheit um eine Abrechnung in den Kreisen der Unterwelt zu handeln. Goebbels jetzt zugeben mußten: In der Regierung, an der Spitze der NSDAP., in der Leitung der SA. sitzen Pa- derasten, Morphinisten, korrupte Geldverprasser. lächerliche Fatzken.,, Nicht wir erfinden„Greuel". Sondern die Tatsachen tn Teutschland klagen den Faschismus an. Tie deutsche Regierung hat den„Volksgerichtshof" ein- gesetzt. Sie ließ verkünden: Ter erste Prozeß wird der Thälmannprozeß sein. Alle Zeitungen der Regierung treiben eine Hetze gegen Thälmann. Die Regierung duldet und begünstigt die Mordhetze gegen einen wehrlosen politischen Gegner. Auf Anordnung der Regierung hat der Oberreichsanwalt bisher zahlreichen ausländischen Rechtsanwälten die 8»* lassung zur Verteidigung Thälmanns ohne stichhaltigen Grund abgelehnt. Bei allen größeren politischen Prozessen der letzten Zeit wurde die ausländische Presse nicht mehr zugelassen. Im Interview des Oberreichsanwalts ist fiir^jeden, der lesen kann, die Drohung ausgesprochen, daß im Thälmann- prozeß die Öffentlichkeit überhaupt zum größten Teil aus- geschlossen werden soll.^. Leutnant Scheringer wurde nach dem 30. Juni ermordet aufgefunden, obgleich er während der Machtergreifung Hitlers eingekerkert war, seine Strafe restlos und mit Ver- längerung verbüßt hatte, weder mit Schleicher, noch mit Röhm oder irgendeinem anderen der sog.„Verschwörer irgendeine Beziehung hatte. Auch dieser glatte Mord wurde für„rechtens" erklärt. In den Gefängnissen und Konzentrationslagern sind „Selbstmorde" nahezu eine wöchentliche Selbstverständlich- keit. So erfuhr die Weltöffentlichkeit mit tiefer Empörung den„Selbstmord" des Schriftstellers Erich Mühsam. Wir wissen aus den Berichten der Geflüchteten— wir nennen nur Hans Bcimler aus Dachau—, wie führende Antifaschisten in Deutschland auch ohne„rechtmäßiges Todes- urteil" zum Tode befördert werden. Die deutsche Regierung irrt...! Sie glaubt, mit„Interviews" und Zeitungsartikeln die Welt beruhigen zu können. Im Gegenteil: Die Welt wird auf den klaffenden Widerspruch zwischen den„Interviews für das Ausland und den Tatsachen in Deutschland hin- gestoben. Man hat versucht. Lord Listowel über Frau Seeger anzulügen. Man hat behauptet, Ernst Torgler wolle Mit' glied der NSDAP, werden. Alan will die Welt beruhigen über das Schicksal Ernst Thälmanns. Wir glauben den Worten nicht, wir wollen Beweise. Des- halb verlangen wir: L Die sofortige Freilassung Thälmanns. Prof. Grimm stellt fest,„daß es vom Standpunkte des Juristen ver- jrüht sei, Stellung zn nehmen, da weder.die Borunter- suchung beendet, noch die Anklage formuliert sei". Das heißt, daß es nach 18monatiger Untersuchungshaft der deutschen Justiz nicht gelungen ist, Anklagcgrttndc gegen Thälmann zu sammeln. Ü. Zulassung einer Delegation von Aerzten und Juristen zn Thälmann, ohne daß man im Propagandaministcrium die Fragen vorschreibt. 8. Sofortige Zulassung ausländischer Verteidiger für Ernst Thälmann, zur Sicherung seiner primitivsten Rechte. 4. Für den Fall des Prozesses: Verhandlung in voller Öffentlichkeit, mit Sicherheit für Leben und Eigentum oller Zeugen, mit Zulassung der Weltpresse ohne Unter- schied der religiösen und politischen Ucberzeugung, mit Zulassung von Delegationen der Juristen, Aerzte, Gc- lehrten, Arbeiter und Bauern ans anderen Ländern. 5. Freilassung von Frau Bcimler, Frau Steinfurth und anderen Geiseln. Freilassung aller Eingekerkerten, die man deswegen ihrer Freiheit beraubte, weil sie die gleichen Tatsachen feststellten, die Hitler selbst als„Recht- fertigung" für sein Borgchen gegen Röhm und Heines angegeben hat. Worte sind billig, aber wir haben unsere Erfahrungen. Deshalb fordern wir Tatsachen. Wie kämpfen für Wahrheit, kür Recht, für Freiheit. Deshalb werden wir bei der Vor- bereitung und Durchführung des Thälmannprozesscs sehr wachsam sein. Gezeichnet: C. C a IN p i n ch i, Delepin e, Rechtsanwalt bei den Pariser Rechtsanwalt bei den Pariser Gerichten. Gerichten. Nogueres, AlexandreZevaes, Rechtsanwalt bei den Pariser Rechtsanwalt bei den Pariser Gerichten. Gerichten. Pierre I e r o m e, Generalsekretär des Comite de Vieilance des intellectuels antif Bicistes. BRIEFAKSTJ5N Schweiz." Wir haben Ihren Brief erhalten. Man Hai un? schon viel über Hintergründe um Hitler geschrieben, aber Ihre Zeilen bringen eine neue Variante; daß Hitler gar nicht„Hitler" sei, und der wirkliche Hitler sei längst gestorben. Bitte, wenden Sie sich für Lösung solcher Rätsel an einen Okkultisten. Wie versagen hier. Scheveninge«. Besten Tank. Wir freuen uns mehr darüber als Sie, daß die„D. F." an den dortigen Kiosken so oft ausverkaust ist, und daß eine kleine deutsche Nazi-Minderheii swarum ist sie nicht in Borkum?) es knurrend vermerkt. Als ein bekannter Schauspieler von nicht gan, gelungener Reinrassrgkeit mit Ihnen, so schreiben Sie uns, die Zeitung am Kiosk kaufen wollte, Sie aber das letzte Exemplar erhielten, haben Sie es ihm mit der hübschen Bemerkung überlassen:„Tie haben mir so oft Freude bereitet. Nun kann ich Ihnen auch eine machen." TaS war sehr lieb. Aber wir müssen für bessere Absatzorganisation in Schcvcningcn Sorge tragen. Auslandsdeutscher. Wie Sic sehen, haben wir Ihre An- regungcn verwertet. Wir sind für Anregungen immer dankbar. Arthur. Tie irren sich, in unserm Blatte hat nie eine Zeile gegen Deutschland gestanden, und wir werden nie etwa? gegen Deutsch- land bringen. Wie so viele Ausländer, machen auch Tie den Fehler, „Hitler" und Teutschland gleichzusetzen. Wenn Sie glauben, daß das jetzige Regime irgendetwas Positives geleistet hat, so sagen Di« uns ruhig, was nach Ihrer Meinung Fortschrittliches ge- schaffen worden ist. Wir können nichts entdecken. Tic Leistungen der Republik von Weimar und insbesondere der deutschen Sozial- dcmokratic sind turmhoch über allem erhaben, waS seit dem 80. Fanuar 1038 in Teutschland sich abspielt. Freundliche Grütze. Schwabe. Sie schreiben uns:„Am 10. Juli wurden im Stutt» garter Borort Heslach auf der Stratze illegale Flugblätter verteilt. Ein Trupp SS. versuchte, die Berteilcr zu sahen. Das gelang aber nicht, da sich nichtunisormicrte SA.-Lcute und Arbeiter in Massen zwischen SS. und Flugblattverteiler drängten. ES wurde niemand erwischt. In der folgenden Nacht wurden frühere marxistische Funktionäre zur Strafe ans ihren Betten heraus verhaftet." „Unsere Toteuliste". Ihrem Briefe entnehmen wir:„Sie bringen unter der Rubrik„in den Tod gehetzt" Nr. 10. Worms:„Frank, Reichsbanncrkamerad, begebt Selbstmord am 38. März 1933." Diese Mitteilung ist unrichtig. Am 38. 8. 1038 morgens S Uhr wurde Frank in der Wohnung seiner Eltern in Worms von einem SA.» Mordtrupp abgeholt mit der Mitteilung, er könne sich von seinen Angehörigen verabschieden, denn er werde nicht mehr zurückkommen. Kr wirrste ift eine» bcrcti^cndcp Amo unter den MeckUMeu Mißhandlungen nach TolcheSheim verbracht: daS war der frühere Wohnort der Familie Frank. In TolcheSheim wurde er im Feuer- wehrspritzenhaus weiter mißhandelt und zuletzt von der TA.-Hordc darin aufgehängt. Um Selbstmord vorzutäuschen, verständigte man am Mittag den Bürgermeister, daß sich im Spritzenhaus jemand aufgehängt habe. An einen Selbstmord ist nie zu denken. Hatte man doch Frank in beide Hände mit einem Messer je ein Haken- kreuz eingeschnitten, ebenso auf dem Rücken. Ob dies beim Leben des Frank geschah oder er» an der Leiche vorgenommen wurde, ent- zieht sich meiner Kenntnis." Meuscheujagdgefest. Sie haben meine Bemerkungen zum Teil mißverstanden. Ich antworte direkt brieflich. Bindex. Für den wesamttnhalt verantwortlich: Johann Pitz in Dud- weiter: für Fnserate: Ctto Kuhn tn Saarbrücken Rotationsdruck und Berlag: Verlag der Botksstimmc GmbH„ Saarbrücken 8. Schützensiraße 5.— Schließfach 778 Saarbrücken. Zu verkaufen Vollständige Einrichtung einer FABRIQUE DG ßOHNETERIE (Strumpffabrik! mit Bureaus.— Sehr mäßige Miete mit hübscher Wohnung. Schriftlich zu wenden an die„Deutsche Freiheit" Saarbrücken unter Nr. 1110 Wer zu kaufen versteht, ins Speziafgescfiöfl geht! Kaffee,?ee. Scf ofiolade und Kaftco prima Qualitäten, billige Pc eise, S°/o Rabatt Kaffeerösterei JComosQ Kaffeespezialgeschäft:: Saarbrücken 2 Breite Straße 38:: Telefon 2 35 20 zunger WWW -oztaltst und SSB-- Mann, große, kräftige Gestalt, Bater von Kindern en großer Rot sucht Arbeit gle ch Ivel- cher Art Zutchrlften unter W an die Ex?- der„Deutschen Frei- heil" erbeten. 2 Zimmer u. Küchg (Große Monsa' den} per /• Sep. zu verminen. P't'Z IrbFr. BAUM. 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