I Sinzigs unabhängige Tageszeitung Deuischkands Nr. 189— 2. Jahrgang Saarbrücken, Freitag, 17. August 1934 Chefredakteur: M.Braun Qäcing. wurde operiert Keichs&ankcetteuc Schacht Ein zensierter Aufruf iüie diitlers Opfer sterben JMegate Jluqzettel Seite' 2 Seite 2 Seite 3 Seite 4 Seite 8 Im Zuge der„SfinberongsoKilon" Zu lefle deprOdelt und ttrftrannt Das Schicksal des Oberprimaners und MflertugendfUhrers laemmermann Nadiher der Kranz des„obersten Ceriditstierrn" Mehr als 500 (?3 vergeht kein Tag, an dem nicht ein neuer Name die Totenliste der„Säuberungsaktion" des P; Juni verlängert. Gerade in jüngster Zeit wurden der »Deutschen Freiheit" wieder Personen genannt, die längst verbrannt und verscharrt worden seien, ohne da« die Oesfent- lichkeit etivas davon erfuhr. Wir zählen sie noch einmal auf: Schrammüllcr. Engels, Breslau und Engel, Stettin? «r« t r.?® iou er®2.«Sflljrer 28 c i e t f ch; der österreichische SSl.-Führcr Geister? die S?l.-Führer Fiedler, Schwarz. Markus? dar Stahlhelmsührer Pasinski und ein Mitarbeiter Böses, Uepplcr. Weiter werden als ermordet gemeldet: Oberst von Marlow, ein Freund des Generals von Bredow? Friedrich Weber, der Führer des Bundes Oberland? Ob würz er, der als Verbindungsmann zwischen Gregor Strastcr und Schleicher genannt wurde und im»olumbiahaua das Büro einer wirtschastöpolitischen Abteil»»« der NSTAP. leitete? Hauptmann Fischer von der Berliner Gestapo, der zum»reise des erschossenen von Kessel gehörte,»laus Heim, der holsteinische Baucrnsührcr? Dr. H e i m s o t h, der Empsänger der Briese Böhms aus Bolivien, die von Dr.»lost veröffentlicht wurden. Verschwunden seit dem 8». Juni ist der frühere Staatssekretär von Rohr, der Mitarbeiter Hugcnbergs im Wirtschaftsministerium. Bisher haben wir weder eine hitlcramtliche Bestätigung oder ein Dementi erhalten. Slus naheliegenden Gründen. Jede Bestätigung bedeutet eine Vermehrung der amtlich zuge- gebenen Zahl von 77 Opfern. Jedes Dementi fordert die Frage heraus, wer denn eigentlich noch lebe und wer zu den Toten gehöre. Vor solchen Fragen haben die„Führer" ehrliche?lngst. Immer glaubhafter wird die private Schätzung, daß die Zahl der Ermordeten mehr als 5 0 0 betrage. Aber es scheint, daß auch diese Summe mit der Wirklich- keit nicht übereinstimmt. Sonst wäre es nicht möglich, daß wir aus entfernter liegenden, der Weltöffentlichkeit schwieriger zugänglichen Gegenden nahezu täglich Beweise mit ollen erforderlichen Unterlagen über die Opfer grauenhafter Morde erhalten. Statt besonderer Anzeige Ich erfülle die traurige Pflicht, den Tod meines einzigen Sohnes Karl Laemmermann, Unterbannführer in der Hitlerjugend, im Stabe der Obergebietsführung Mitte, bekanntzugeben. Er starb schuldlos und aufrecht. Gern gab er sein Leben für das Vaterland und die Bewegung, seinem Führer getreu bis zum Tode. P 1 a u e n i. V., den 4. August 1934. z. Zt. Bahnhofstr. 12. Gerda verw. Laemmermann zugleich im Namen der sonstigen Hinterbliebenen. Die Beisetzung findet Mittwoch, 8. August, nachmittags 3 Uhr, Hauptfriedhof Reusa, statt. Zugedachte Blumenspenden werden nach dem Hauptfriedhof erbeten.— Von Beileidsbesuchen bitte ich abzusehen. Korl Laemmermann Am Mittwoch erreichte uns folgender Brief: „Am 80. Juni 1984 wurde im Zuge der„notwendig ge- wordenen Säuberungsaktion" der 19jährige Ober- Primaner am Realgymnasium in Plauen i. V., Karl Laemmermann, das einzige Kind einer Witwe, erschossen. Laemmermann war Unterbannsllhrer in der Hitlerjugend im Stabe der Obergebietsführung Mitte. Er ivar beschuldigt, zugunsten von Röhm oder Anhänger von Röhm Kurierdienste geleistet zu haben. Nach dem Kabinettsgesetz vom 3. Juli 1934 sind die„zur Niederschlagung hoch- und landesverräterischer Angriffe am 39. Juni, 1. und 2. Juli 1934 vollzogenen Maßnahmen als Staatsnotwchr„rechtens" erklärt worden. Es war somit auch der Mord an Laemmermann für rechtens er- klärt worden. Tie Mutter hat sich aber nicht beruhigt. Es ist ihr auch gelungen, den Nachweis zu erbringen, daß ihr Sohn, der„aus Staatsnotwehr rechtens" Erschossene, in Wirklichkeit„unschuldig" gewesen ist. Darum hat sie in der Nr. 189 des„V o g t l ä n d i s ch e n Anzeigers und Tageblattes", dem Amtsblatt der Polizeidircktion Plauen und des Stadt- ratcs zu Plauen, vom 5. August 1934, auf Seite 13 obige Anzeige einrücken lassen. „Abreibung" mit Todeserfolg Woher nahm die Mutter Lämmermanns aber den Mut, durch eine solche Todesanzeige die braunen Autoritäten Sachsens herauszufordern? Was war geschehen? Unter welchen Umständen war ihr Sohn er- mordet worden? Dem an uns gerichteten Briefe waren nähere Darstellungen beigegeben worden, die folgendes Bild ergeben: Der junge Untcrbannführer in der Hitler-Jugend war seit langem mit der Kassenfüchrung in seiner Abtei- lung höchst unzufrieden. Einige Tage vor dem 89. Juni wagte er es, den für die Kassensührung verantwortlichen Hitler-Jugendführcr um Auskunft zu bitten. Von diesem Tage an sann der Führer auf Rache. Da kam der 39. Juni? eS begannen die Tage des großen Mordens, der Bespitzelung und der Denunziationen. Jetzt war die Stunde für den bewußten Führer gekommen. Er verbreitete das Gerücht, daß Laemmermann Beziehungen zur Röhm-Gruppe unterhalte und auf dem Wege über die nahe Tschechoslowakei in enger Verbindung zu ihrer Mün- chcncr Zentrale stehe. Der Kassenführer alarmierte eine Anzahl seiner Getreuen, daß sie Laemmermann eine„kr äs- t i g e?l b r e i b u n g" besorgen sollten. Das verstanden sie so, wie es in jenen Tagen, in denen die braune Mordbestie raste, von allzuvielen verstanden wurde: sie prügelten ihren Kameraden vnd Unterbannsührer Lämmermann zu Tode. Seine Angehörigen durften seine Leiche nicht sehen, so entsetzlich war sie zugerichtet. Daraufhin kam die Parole von höherer Stelle, die sich schon bei vielen Gelegenheiten bewährt hatte, daß der Gemordete heimlich verbrannt werden müßte. Und cö geschah... I und hohe gern fromme Diener* Wäre es ein einfacher Proletarierjunge gewesen: die Sache wäre schnell vergessen worden. Karl Lämmermann aber war der Sohn eines F l i e g e r o f f i z i e r s, der im Kriege gefallen war. Dadurch gelang es der Mutter, einfluß- reiche Kreise aufzubieten. So wurde ihr Junge„rehabili- tiert".* Es gab eine Betsetzung sder Urne des Ermorde- fett), wie sie Plauen noch nie erlebt hat. Die Lehrer und die Schüler dcS Realgymnasiums durften öffentlich dem ermordeten Primaner einen feierlichen Nach- ruf widmen. Die Beisetzung selbst wird im„Vogtländischcn Anzeiger und Tageblatt"(Nr. 184, 19. August 1934) fol- gendermaßeü geschildert: „Am Mittwochnachmittag fand im Krematorium die Beisctzungsfeierlichkeit für den Untcrbannführer in der Hitlerjugend im Stabe der Obergebietsführung Mitte, Karl Laemmermann, unter außerordentlich starker Beteili- auna ftcttf. Die ,»abl der Leidtragenden war so groß daß der zur Verfügung stehende Raum nur einen kleinen Teil der Erschienenen aufnehmen konnte. Die sterblichen Ueberreste von Karl Laemmermann waren umgeben von Fahnentuch des neuen Reiches und kostbaren Blumen- und Kranzspenden. Links und rechts hatten Abordnungen der Hitlerjugend und des BdM. aus Plauen und dem Gebiete des Oberbannes Südwestsachsen mit ihrep Fahnen und Wimpeln Aufkellung genommen. Weiter bemerkte man die umflorte Fahne di-S Realgymnasiums, dessen Schüler der Heimgegangene war. Weihevolles Harmoniumspiel leitete über zu dem Liebe: „Sei getreu bis in den Tod", gesungen von Chorsänger Rein- hard Wunderlich. Pfarrer Klemm legte seiner herzandrin- genden Rede das Wort auS der Heiligen Schrift, Ostet^ barung 2, Vers 19:„Sei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des ewigen Lebens geben" zugrunde. Nachdem der Geistliche seinem Empfinden über den tiefen Schmerz der Mutter Ausdruck verliehen hatte, gebachte er in eindring- ließen Worten der Tätigkeit des Verstorbenen bei der HJ. wie dessen aufrichtiger Treue und Gestn- nungz urBewegung, und spendete den Hinterbliebenen den Trost der Kirche. Die Trauerrede endigte mit dem Lied- verö:„Ach bleib' mit deiner Gnade bei uns, HerrJesuChrist". Nach dem Gebet deS Geistlichen legte KreiSleiter Hitzler auftragsgemäß einen großen Lorbeerkranz dcS Führers mitSchleife nieder.die das Haken- kreuz und den Namen Adolf Hitler trug. Wer- tere Kränze wurden unter ehrenden Ansprachen niedergelegt vom Konrektor des Realgymnasiums, S e g n i tz, von dem Primus omnium Eberhard Groß, von Herbert Hau ei S im Auftrage der AktivitaS des Musikvcrbandes des Real- gymnasiums, von Günther Blum als dem kommissarischen Führer der Hitlerjugend in Sachsen und Vertreter der Reichsjugendsührung im Namen des ReichssugendführerS Baldur v. Schirach und von B a n n f tt h r e r S ch w u ch o w, dem Führer des OberbanneS 4/19, im Austrage deS Obcr- bannes Sübwestsachsen. Schließlich legten noch verschiedene Abordnungen der Hitlerjugend Kränze mit Schleifen nieder. Fortsetzung siehe 2. Seite. Stimme aas Walhall Dar fragwürdige Hindenburg-Testament Vor einer Woche hat der Führer des Reichs und des Volkes seinem Vorgänger Hindenburg befohlen, einzu- treten in Walhall. Er hat ihm nur wenige Tage Ruhe gelassen. Schon muß Hindenburg in der großen Propagandaaktion für die Volksabstimmung am 19. August aufmarschieren. Selbstverständlich stimmt er mit „Ja". Er tut es, indem er mit etlicher Verspätung sein Testament in die treuen Hände des Reichskanzlers legt. Dieses Testament hat es an sich. Es war bekannt, daß der alte Herr einen letzten Willen hinterlassen hat. Das Dokument sollte unmittelbar nach seinem Tode dem deutschen Volke bekannt gemacht werden. Das geschah aber nicht. Statt dessen schwirrten Gerüchte durchs Land, daß Hindenburgs Testament nicht zu finden sei. Glück- licherweise ist es inzwischen irgendwo entdeckt worden. Und nun sollen wir glauben, daß uns Hindenburgs echtes und unverändertes Testament vorgelegt wird. Es wäre zweckmäßig gewesen, böswilligen Zweiflern gleich dadurch zu begegnen, daß man die Urkunde im Faksimile veröffentlicht hätte. Aber vielleicht würde das nicht überzeugend wirken, wenn etwa das Testament nur in Schreibmaschinenschrift vorhanden ist und nur Hinden- burgs Unterschrift drunter steht, die man natürlich unter jedes beliebige Schriftstück gesetzt haben könnte. Wie soll man Respekt gegenüber diesem angeblichen letzten Willen Hindenburgs haben, wenn man weiß, daß nicht einmal sein und seiner Familie Wunsch erfüllt worden ist, den Leichnam des Alten im Park seines Gutsbesitzes zu be- graben. Sogar Wilhelm II., der wirklich nicht mit einem Uebermaß von Pietät gesegnet war, hat seines Todfeindes Bismarck letzten Wunsch geachtet und ihm das friedliche Grab im Sachsenwalde gegönnt. Für Adolf Hitler ist der Hindenburg in Walhall, ist der Leichnam des toten Feldmarschalls nur ein Propaganda- stück der nationalsozialistischen Agitation. Nichts anderes war der Akt am Tannenbergdenkmal und nichts anderes ist Hindenburgs angebliches Testament. Wie könnte man sonst auf den Gedanken kommen, dieses Schriftstück drei Tage vor einer Parteiabstimmung zu reinen Partei, zwecken auszubeuten! Immerhin: die kritische Betrachtung des sogenannten Testaments läßt selbst in der verössentlichten Fassung wancherle, Schlüsse zu. Das Testament soll„dem Herrn Reichskanzler" übergeben werden. Der sterbende Reichs- Präsident wußte also nichts davon, daß schon vor seinem .Tobe Adolf Hitler in sich die Aemter des Reichspräsidenten und des Reichskanzlers vereinen würde, Nicht'die Spur einer Andeutung ist in Hindenburgs letzten Willen, daß er eine solche Selbsterhöhung Hitlers wünschte. Auch ist nirgendwo zu lesen, daß Hindenburg Adolf Hitler zum Staatsoberhaupt vorschlüge. Das hat man also nicht hineinzuschreiben geivagl. Der größte Teil des Testaments stammt aus dem Jahre 1919, als Hindenburg von Hitler und seinen National- sozialisten keine Ahnung haben konnte. Es ist das Vermächtnis eines alten konservativen Monarchisten, dessen Treue dem hohenzollernschen Kaisertum gilt. Darüber hinaus ist seine Sehnsucht die Volksgemeinschaft, gilt seine Sorge vor allem der Reichswehr. Nichts steht in dem Testament von Hitlers Banden, der SA. und der SS. Insofern kündigt Hindenburgs letzter Wille, ohne daß er an Hitler dachte, dessen weitere politische Entwicklung an: los von den unzuverlässigen Milizen und hin zu den Geschützen und den Maschinengewehren der Reichswehr. Erst in den allerletzten Sätzen des Testaments taucht „Mein Kanzler Hitler" auf. Es ist mit voller Deutlichkeit zu sehen, daß hier ein Nachtrag vorliegt, selbst wenn man wohlwollend annehmen will, daß Hindenburg noch selbst auch diesen Passus unterzeichnet hat. Aber selbst die Skrupellosikeit der heute in Deutschland Regierenden hat nicht gewagt, Hindenburg ein Bekenntnis zum Nationalsozialismus anzudichten. Man legt ihm die alten oft von ihm gehörten Worte von Ueberwindung aller Standes- und Klassenunterschiede und von der Ver- söhnung, die das ganze deutsche Vaterland umfassen soll, in den Mund. Das ist alles und widerspricht dem, was Hitler gebracht hat: die Zerklüftung der deutschen Nation in Gruppen, die sich innerhalb und außerhalb seiner Be- wegung mit wildem Haß buchstäblich bis aufs Messer be- kämpfen. Daß dem so ist, hat der„Führer" selbst durch seine blutige Aktion am 39. Juni bewiesen. Erst wenn man nun sieht, wie ein angebliches Testament Hinden- burgs als Propagandastück verarbeitet wird, kann man beurteilen, was von dem Zustandekommen des Tele- gramms zu halten ist, das der sterbende Reichspräsident nach der mörderischen Säuberungsaktion an den Reichs- Kanzler gesandt haben soll. Der Agitationstrick mit einem letzten Willen Hinden- burgs ist wichtig nur zur Betrachtung der Methoden, mit denen zur Zeit in Deutschland regiert wird. Für die Massen des deutschen Volkes und für die künf- tige Entwicklung des Kampfes um Deutschland ist die Stimme aus Walhall Schall und Rauch. Dos Ausland ungläubig Paris, 10. Aug. Die Pariser Zeitungen bezweifeln die Echt- bett des Hindenburg-Testaments. Blau unterstreicht den Um- stand, daß es erst dreizehn Tage nach dem Tode des Reichs- Präsidenten und kurz vor der Volksabstimmung veröffentlicht wirb. „Echo de Paris" meint, daß der erste im Jahre 1010 geschriebene Teil bestimmt authentisch sei. Im ganzen ge- nommen stelle es eine prächtige Propaganda für den Führer dar. „Journal" erklärt, nian wisse nicht, ob der zweite Teil ebenfalls von der Hand Hindenburgs geschrieben sei. „P e t.i t I o u r n a l" erklärt, es sei noch nicht möglich, eine Aussprache über die Echtheit des Testaments zu eröffne». London, 16. Aug. Tie englische Presse läßt bei der Ver- öffentlich»«« des Testaments von Hindenburg deutlich starke Zweifel an der Echtheit durchblieken.„D a i l n Expreß" Mächt sich darüber lustig, daß das lange vermißte Dokument endlich gefunden worden sei. An seiner Echtheit dürfe man nimt zweifeln, denn es sehe sich daittr ein— Herr von Pape». Das Blatt bciv"'-tet das Dokument lediglich als Erzeugnis übler Provaaa- /, des„dritten Reichs". Achnlich äußern sich andere Zeitungen.„D a i l n H c r a l d" iveist darauf hin, daß das Testament vom ll. Mai datiert sei, alio vor deui blutigen 30 Juni. Reichspräsident von Hindenburg enttäusche die Leute, die gehofft hätten, er werde einen Nachfolger ernennen. «aller Bode In Lugano ist plötzlich Walter Rode gestorben. Ein Kämpfer mit der schärfsten Waffe, der des Geistes, erlag allzu früh, niit 57 Iahren. den aufreibenden und erregenden Aufgaben dieser Zeit. Rode stammte ans Wien. Als Rechts- anwalt ein frischer Ankläger der Justiz, deren Vertretern er ohne Schonung die Wahrheit sagte, als Schriftsteller von höchstem Ethos und leidenfchastlicher Stilkrast: so bleibt er in Erinnerung. Das gilt vor allein für seine letzte Publika- tion„Deutschland ist Ealiban". Ein„Lesebuch für Ange- klagte" nannte er feine Sammlung von Essais„Knöpfe und Vögel", in dem er mit scharsein Witz die Unvolllommenheiten der Rechtsprechung geißelte. Sein Wille, dem Recht und dem Frieden zu dienen, führte ihn, wie er selbst schrieb, dazu,„die Wahrheit herauszuschreien". Aber der Kamvs gegen den glühend gehaßten Faschismus erzwang seine Sprache. Wir werden dieses Mannes nicht vergessen dürfe». vomrelse Schuschniggs Staatsbesuch bei Mussolini Wien, 10. August. Man weift daraus hin, daß die Be- sprechungcn des Vizekanzlers ledigl ch informatorischen Charakter haben. Wie an maßgebender Stelle weiter ver- lautet, wird sich Bundeskanzler Dr. Schuschnigg Ansang nächster Woche, wahrscheinlich bereits Montag, ebenfalls nach Rom begeben. Diese Reise wird, da sie den ersten Besuch Dr. Schuschniggs in der italienischen Hauptstadt darstellt, besonders formellen Charakter tragen. Bundeskanzler Dr. Schuschnigg wird wahrscheinlich, bevor er mit dem italienischen Ministerpräsidenten zusammentritt, vom Papst in Audienz empfangen werden.. Das Österreichische Bundesheer Es bleibt bei 30 000 Mann DNB. London, 10. August Reuter meldet aus Paris: Wie verlautet sind die französische und die britische Reg'erung übereingekommen, daß die österreichische Armee für ein weiteres Jahr eine Stärke von 80 000 Mann behalten darf. Noten mit entsprechendem Inhalt werde» binnen kurzem Zu Tode geprügelt und verbrannt Karl Laemmermann Fortsetzung von Seite 1 Während der Beisetzung der Urne senkten sich die Fahnen, und die Kapelle spielte das Lied„Ich h a t t' einen Kameraden". Kurz darauf folgte noch das Fahnenlied der HJ. Am Grabe wurde vom Geistlichen das Bibelwort, das im Psalm 101, Vers 0, aufgezeichnet steht, verlesen:„Meine Augen sehen nach den Treuen im Lande, daß sie bei mir ivohnen, und habe gerne f r o m m e D i e n e r": weiter der erste Vers der Lieder„Ein' feste Burg ist unser Gott" und„Ich Hab' mich ergeben, mit Herz und mit Hand, dir treues Hermannsland". Nach dem Vaterunser und dem Segen wurden von den Leidtragenden Blumen auf die Urne gelegt. Der Brieischreiber fügt lakonisch hinzu:„Der Mord- anstifter sühnte seine Tat durch Niederlegen eines großen Lorbeerkranzes mit Schleife und seiner Namcnsunterschrift an der Urne seines Opfers". unverioschhche Verantwortung Sic standen am Grabe des viehisch ermordeten jungen Menschen, legten Kränze nieder und warfen Blnmcn. Die „frommen Diener" aus Paulus 101, Bers 0, sagte« die chrlst« Uchen Abschiedsgrüße. Von der Untat und ihren Urhebern wurde nicht weiter geredet. Es war nicht einer der Morde aus„Mißverständnis" oder „Versehen", denen Dr. Klansener und Dr. Willi Schmid, der arme Musikkritiker der„Münchener Neuesten Nachrichten", zum Opser gefallen waren. Der Kranz der„Führers", ver- sehen mit allen Hoheitszeichen, lag neben den anderen. Die Blumen und die Schleife leuchteten so, daß man an den wahre« Verantwortlichen nicht vorbeidenken tonnte. Er hat die Untaten jener Tage für„rechtens" erklären tasten und damit die voll oder nur halb befohlenen Morde sdie manchmal „Abreibungen" heißen) vor der ganzen Welt gedeckt. Es heißt, man habe die jungen Leute, die die Exekutiv- organe dieser Hinrichtung waren, in Hast genommen. Sie werden niemals ihren Richter finden. Denn zu der Deklara- tion, daß die Morde„rechtens" gewesen seien, ist die Amnestie getreten, die alle Verfahren niederschlägt, wo„Uebereiscr" im Dienste an der nationalsozialistische» Sache Beweggrund der Tat gewesen ist. So kommt es, daß man nur durch Zufall von den Mord- aktionen nm den 30. Juni etwas erfahren wird. Ihnen gegen- über sind alle Worte der dcutschen Sprache zu schwach, um den „Führer" vor dem Gewisten der Welt zu kennzeichnen. Selbst wenn wir aus dem reichen deutschen Sprachschatz diejenigen Worte wählten, die uns in die drohende Nähe eines Verbots bringen könnten! Döring wurde operiert Der geheimnisvoSle Autounfall Berlin, 16. August. Der Autounfall des preußischen Ministerpräsidenten Göring ist doch schwerer als das Deutsche Nachrichtenbüro zugegeben hat. Es ist richtig, daß die Aerzte erklären, ein Anlaß zu„Befürchtungen" liege nicht vor. Nichtig ist aber auch, daß Göring sich noch in der Nacht zum Mittwoch einer Operation unterziehen mußte und 2 Stunden in der Narkose lag. Tie Ouetschungen sind nahe an der Stelle, Ivo Göring im Kriege schwer verwundet worden ist. In der Begleitung des preußische» Minister« Präsidenten befanden sich drei Beamte der Gesteinten Siaats- polizei, die sich zu seinem Schutze stets um ihn befinden- Ihre Verwundungen sollen nur leicht sein. In der Bevölkerung wird der Unfall m't allerlei Ge- rüchtcn umgeben. Mau erinnert daran, daß sich seit einigen Monaten schon mehrere sonderbare Zufälle ereignet habe». Da war zunächst der geheimnisvolle Handgranatenwurf Unter den Linden. Zwar wurde ein armer Teufel verurteilt, aber niemand glaubt, daß er der Attentäter gewesen ist. Man erinnert sich, daß dieser Anschlag dem Berliner Gruppen- führer Ernst gegolten haben soll. Einige Zeit später ist Ernst durch eine Aktion Görings in die himmlische SA. versetzt worden. Vor einigen Monaten ivurde auf eines der Führerautos geschossen, die aus der Tchorfheide von der Beisetzung der Gattin Hermann Görings zurückkehrten. In dem ange- schossencn Auto saß der Chef der SS.. Himmler. Man bc- hauptcte damals, das Attentat habe H tlcr gegolten. Aus- geklärt ivurde der Borsall nie. Nun wird ein Autounsall Göring gemeldet. Es ist ver- dächtig. daß der deutsche Nachrichtendienst eine Darstellung über die Folgen des Unfalls gibt, die mit den Tatfachen nicht übereinstimmen. Rehhsbankroltear Dr. Sdiadit Was seine Stimme wcrl ist Der Ncichsbankpräsidcnt und derzeitige Leiter des Wirt- schastsminifteriums Dr. Schacht erläßt einen Ausruf für „unseren Führer Adolf Hitler". Schacht, der sich vor zehn Jahren bei den Marxisten Friedrich Ebcrt, Ruidolf Hilter- ding«. a. als„Demokrat" angeschmust hat, um Reichsbank- Präsident zu werden, zetert gegen das„marxistische" System, das eine verheerende Pumpwirtschaft betrieben und die deutsche Wirtschaft ruiniert habe. Alle Welt weiß, daß dieser Schacht die kurzfristige Aus- landsverschuldung der deutschen Privatwirtschaft als Rcichsbankpräsident begünstigt und nur die Gemeinden von den AnSlandskrediten zurückgedrängt hat. Nicht etwa auS Ab- ncigung gegen Auslandskredite, sondern l e d i g l i ch, u ni die Gemeinden zum Verkauf ihrer Betriebe zu zwingen und s o die Privat Wirtschaft auf K o st e n der ö f f e n t l i ch c n W i r t s ch a f t zu st ä r k c n. Das Geschwätz des Dr. Schacht über die marxistische Miß- Wirtschaft erledigt sich durch einige Zahlen: Als im Frühjahr IM die letzten marxistischen Reichs- minister ihr Amt verließen, hatte die Reichsbank einen Gold- und Devise nbesrand von rd. SMilliar- den Mar k. Seitdem hat der Rcichsbankpräsident zusammen mit kapitalistischen und nationalsozialistischen Minister« diesen Bestand praktisch auf den Nullpunkt hcrnntcrgeivirtschaslet. Während der letzten Beteiligung von Marxisten an einer deutschen Rctchsregicrung von 1928 bis 1930 hatte das Deutsche Reich eincnAußenhandel bis zu 14 Mit« liarden Mark. Seitdem ist er unter der segensreichen Tätigkeit von Schacht und einer marxistenreinen Reichsregie- rung auf einen Tiefstand gesunken, der im laufenden Jahre vermutlich n u r e t>v a 4 M il l i a r h e n M a r k sei» wird. Die Handelsbilanz war, solange Marxisten Einfluß hatten, st a r k aktiv, jetzt zeigt sie jeden Monat starke Passivität. Zusammen mit dem Wasskauirui des Dr. Schacht ver- breitet das Deutsche Nachrichtenbüro folgenden Bericht Über den Außenhandel im Juli 1934: Berlin, 15. August. Nach der soeben veröffentlichten Außcnhandelsstatistik für Juli waren die Außenhandelsumsätze im Berichtsmonat in Ein- und Ausfuhr nach W en gesandt werden. Dem Vernehmen nach dürfte auch die italienische Regierung den gleichen Schritt tun. Von einem österreichischen Ersuchen um eine weitere Vermehrung des österreichischen Heeres über 30 000 Mann hinaus ist in Paris nichts bekannt. Die Österreichische Legion Was ist Wahrheit? Berlin, 16. August. Tie Debatten über das Schicksal der„Oesterreichtschen Legion" sind immer noch nicht abgeebbt. Man weiß nicht, was Wahrheit und was Taktik des Reichspropagandaministeriums ist. Während am Ende der vorigen Woche entschieden erklärt wurde, daß die Legion ausgelöst worden sei, erteilt das Propagandaministe- rium jetzt die Auskunst, daß die Nachrichten falsch seien. Bon einer Auflösung könne keine Rede sein. Der Legion sei es nur verboten, ihren Standort zu verlassen, und sie werbe deshalb von SS.-Mannfchaften bewacht. Nicht weniger ent- rückgängig. Tie Einfuhr war mit 303 Millionen Reichsmark wert- und mengenmäßig um etwas mehr als 3 Prozent geringer als im Vormonat. Abgenommen hat im Juli vor allem die Einfuhr von Rohstoffen, und zwar um mehr als ein Zehntel, in geringem Umfange serner die Einsuhr von Fertigwaren(minus 3 Prozent). Weitaus den stärksten Rückgang zeigt die Einsuhr von Wolle (minus 12,0 Millionen Reichsmark). Weitere erhebliche Einfuhrrückgänge sind bei fast allen Metallen sowie Häuten und Fellen eingetreten. Dem Rückgang der Roh- stoff- und Fertigwareneinsuhr steht eine verhältnismäßig starke Zunahme der? c b c n s m i t t e l e i n f u h r (plus 17 Prozent) gegenüber. Sie ist zum Teil durch eine Steigerung der Weizcncinsuhr sowie durch die jahreszeit- liche Erhöhung des Bezuges von Obst zu erklären. An dem Einiuhrrückgang vom Juni zum Juli sind vor allem die überseeischen Rohstoffländer beteiligt, während die Einfuhr aus Europa ein unterschiedliches Bild zeigt. D i e Ausfuhr iv o r n i t 321 Millionen Reichs- mark um etivas mehr als fünf Prozent ge- r i n g e r als im Vormonat. Wertmäßig war d i t Ausfuhr u m fast 17 Prozent geringer als i ni gleichen Monat des Vorjahres. Die Han- delsbilnnz schließt mit einem Einfuhrüberschuß von 24 Million"» Reichsmark, d. h. einer etwas höheren Passivität als im Vormonat ab. Im Juli des vergangenen Jahres ivar sie noch mit rund 25 Millionen Reichsmark aktiv. Mit so für die deutsche Volkswirtschaft verheerenden Er- gebnisse» stellt sich dieser Schacht auf den Markt, um die „Mißwirtschaft" anderer anzuklagen. Er tut es vermutlich in dem schönen Bewußtsein, sich im Auslande hinreichend materiell gesichert zu haben, wenn seine Tätigkeit, die in der ganzen Welt als betrügerischer Bankrott beurteilt wird, eines Tages plötzlich ein Ende findet. Schacht ist einer der größten Schädlinge der deutschen Wirtschaft. Für den Raub und den Diebstahl am deutschen Bolksvermögen trägt er neben einem anderen die Haupt- Verantwortung. Wir haben den Wunsch und die Hoffnung, daß Schacht und seine Mitschuldigen ihrem tausendfach ver- dienten Schicksal nicht entgehen: dem legalen Volksgericht mit legalem Strick und legalem Galgen, schieden werden von der gleichen Stelle die Nachrichten von der Verhaftung Habichts und Frauenfelds dementiert- Beide befänden sich in Berlin und beide besäßen das Per- trauen des Führers. Bei der vollkommenen Nachrichtensperre ist nicht zu er- Mitteln, was von diesen Meldungen eigentlich zutrifft. Wir erinnern daran, daß angeblich Herr von Pape» die Annahme des Wiener Auftrags davon abhängig gemacht haben soll, daß die österreichische Legion ausgelöst werde. Deutsch holländisches Iwangsclearing Nach Mitteilung deS amtlichen holländischen Pressedienstes ist jetzt das deutsch-holländische ZwangScleartng beschlossene Sache. Die Importeure deutscher Waren müssen mit der Niederländischen Bank, dem niederländische» Clearing- Institut, abrechnen. Bezahlung der eingeführten Ware» erfolgt von»nn an nur noch durch öiese Stelle. ■'•iaW .;■.uuiL .'ä:'•.:• .'••...,..... kl» Aufruf Zur„Wahl" in Deutschland Die Sozialdemokratische Partei verbreitet in Deutschland einen Aufruf, den wir nur mit einigen Auslassungen veröffentlichen, um der Maßreglung durch die Regierungen einiger Länder zu entgehen. Hitler ist uns ein Verbot nicht wert. Man wird leicht in die punktierten Stellen die gut deutschen Worte einsehen können, die den sogenannten„Führer" wahrheitsgetreu charakterisieren. Deutsches Volk! Hitler will eure Stimme». Ihr sollt e«ch mitschuldig machen. Ihr sollt ihm Rechtfertigung für seine vergangenen und künftige« geben. Ihr würdet damit das Noll als eine einzige große ande erscheinen lassen. Er hat sich zum lebenslänglichen Diktator gc- macht. Ihr sollt ihm bescheinigen, daß er unabsetzbar, unver- antwortlich, absoluter Herr über euer Geschick, über Leben und Tod, Krieg und Frieden ist. Er hat de« menschlichen mahn und Machtrausch aus die Spitze getrieben. Heute heißt er noch Führer, morgen wird er sich Kaiser nennen. Sein Plebiszit ist eine Lüge, ein Schein der Boltsabstim- mung, ein Betrug. Wer ihm zustimmt, bescheinigt sich selbst seine eigene erbärmliche Kncchtsgefinnung, seine völlige gej- stige Versklavung, der unterschreibt sein eigenes Todesurteil. Hitler führt euch in einen Kricgswinter voll Hunger und Entbehrungen, neuer Arbeitslosigkeit und Not. Er will die Verantwortung dafür auf die Opfer abwälzen. Das.... seiner Kameraden und nngczähltcr Opfer aus den freihcitliebenden Massen an seinen Händen. Seine haben alle Bolksrechte geraubt. Sie haben dem Leben alle Würde genommen, Deutschlands An- sehen zerschlagen. Sie werden euch in einen neuen Welt- krieg hincinhctzen. Wenn die Not ihnen über dem Kopfe zusammenschlägt, wenn der völlige wirtschaftliche Zusammen- brach da ist, die Empörung der Betrogenen und Enttäusch- ten sich gegen sie erheben wird, dann werden sie den Krieg hervorrusen. Der Diktator auf Lebenszeit will die Rolle BonaparteS spielen. Abschen und Verachtung schlägt der herrschenden de aus der ganzen Welt entgegen. Die ganze Welt sieht in ihr den t und, der den Frieden und die Menschheit bedroht. Sie aber belügen und betrügen das Volk, sie vergeude» und oerprassen das Geld des Bol- kcs, sie zerstören die Wirtschaft, verderben die Jugend. Alle Schuld sammelt sich aus dem Haupte des Diktators. Er hat den.... gerufen, er ist der Kriegshetzer, der Jugendverdcrber, der Kameraden! Ein Mensch, der sich eine so unverantwortliche allmäch- tige Stellung selbst zuschreibt, ist eine Gefahr für sein Volk, eine Bedrohung deS Friedens und der ganzen Menschheit. Er muß wie ein gefährlicher Feind der Mensch- heit behandelt werden. 3, Dieser Mann will die Billigung und Bestätigung seiner f, L, von euch. Darauf gibt es nur eine Antwort: Rein, nein niemals! Fort mit dem! Freiheit! Verhaftung eines saarländischen Beamten Saarbrücken, den 15. August 1934. Bekanntlich hat die Regierungskommission am 25. Juli Hausdurchsuchungen in den Gebäuden der„Deutschen Front" vorgenommen und umfangreiche Akten beschlagnahmt. Im Zusammenhang damit wurden seiner Zeit der Handels- üudicnrat Dr. Reiset, ein Chauffeur der„Saarbrücker Zei- iung" und ein Obcrlandjäger aus Saarbrücken verhastet. Wie man setzt hört, mußte im Zuge der durch die Haussuchung ausgelösten Aktion gegen gewisse Beamte eine weitere Festnahme vorgenommen werden. Es handelt sich, soweit bisher verlautet, um einen höheren Beamten beim Landratsamt in Homburg-Saar. Ter Name des Beamten, ebenso wie die näheren Begleitumstände der Ver- Haftung sind nicht zu erfahren. Es ist jedoch anzunehmen, daß auch diesem Beamten vorgeworfen wird, gegen die bekannte Notverordnung der Regierung verstoßen zu haben. Dafür spricht, daß der Verhastete, wie aus Saarlouis berichtet wird, noch Mittwoch dem Untersuchungsrichter des Obersten Gerichtshofes in Taarlouis vorgeführt wurde. Es kann sich also nur um eine der schwerer Strafe unterliegenden Ver- stöße von Beamten handeln, für die die Zuständigkeit des Obergerichtcs begründet worden ist! Haftbefehl gegen einen Kommissar Saarbrücken, den 15. Auaust 1934. Wie wir hören, ist gegen den Leiter des 5. Polizeireviers kBurbachi vom zuständigen Richter Haftbefehl erlassen worden. Gräber wird bekanntlich vorgeworfen, in seiner früheren Stellung auf der Polizeidirektion Schmiergelder in Sachen von Wirtschastskonzessionen angenommen zu hoben. Das Bemerkenswerteste bei der Angelegenheit ist, daß Gräber allem Anschein nach in seiner damaligen Position aar nichts mit derartigen Dingen zu tun hatte. Kommissar Gräber ist ein hervorstechendes Mitglied der so- genannten„deutschen Front". Wie bekannt, hat die Regie- rungskommission gegen eine Reihe von Polizeibeamten strenge Maßreglungen ergreifen müssen, weil diese Beamten unzulässige Kritik an der Regierungskommission wegen deren Personalpolitik übten. Einer der damals gemaßregeltcn Kom. missare ist dieser Kommissar Gräber. Msgr. Giovanni Panico Neuer päpstlicher Beauftragter Nach einer Meldung der„Katholischen Korrespondenz" wurde an Stelle von Msgr. Testa der Prager päpstliche Geschäftsträger Msgr. Giovanni Panico zum p ä p st- l i ch e n Beauftragten für das Taargebiet ernannt. Msgr. Panico begibt sich zum Empfang nötiger Instruk tionen am ltf. August über München nach Rom. von wo er baldigst nach Saarbrücken abreisen wird. Msgr. Panico war bisher Uditore der apostolischen Nuntiatur München und MeiStt^leichieitio nonitlirfier WeirhöOäfraftf* in Rraa. Schwerwiegende Anklagen Der wirkliche Inhalt der Denkschrift des Präsidenten Knex Aus Grund eines Auszugs, den das hitleramtliche Deutsche Nachrichtenbüro verbreitete, haben wir gestern den Inhalt der Denkschrift des Präsidenten der Saar-RegierungSkommission, Knor, veröffentlicht, in der er auf Grund schwerwiegenden Materials vom Völkerbund 2 9 99 Polizeibeamte auS neutralen Ländern für das Saargebiet an- fordert. Eine nähere Prüfung ergibt, daß dieser AnSzug den wirk- l'chen Inhalt vielseitig verfälscht. Wir tragen daher aus dem wirklichen Inhalt noch einige wesentliche Teile nach. Pflichtvergessene Polizei Nach mehreren Pflichtverletzungen Einzelner innerhalb der Polizei, auf welche seinerzeit die Aufmerksamkeit des Rates gelenkt morden war, nach der gemeinschaftlichen Kundgebung vom 19. April 1934 der Vereinigung der staat- lichen Polizeibeamten lsiehc Bericht der Regierungs- kommission vom 30. April 1934) haben sich neue, noch schwerwiegendere Tatsachen innerhalb des Landjägcrkorps ereignet. In der Tat hatte die Regierungskommission vor einigen Wochen davon.Kenntnis erhallen, daß saarländische Land- jäger mit der deutschen Geheimen Staats- Polizei in Trier in Verbindung getreten ivarcn und ständige Beziehungen unter- hielten. Tie dieserhalb geführte Untersuchung hat zur Verhaftung eines Deutschen, der im Besitze eines ihm von der Polizeidirektion Darmstadt auf einen falschen Namen ausgestellten Paffes war, und eines saarländischen Landjägers, sowie zur Amtsenthebung eines anderen ge- führt,' die Angelegenheit ist der Gencralstaatsanwaltschast beim Obersten Gerichtshofe des Taargebietes übergeben worden und wird zur gegebenen Zeit vor diesem Gerichts- Hose zur Verhandlung kommen. Audi der Generalstaatsanwalt wurde besdiimpft Als die nähere Untersuchung Grund zur Annahme ge- geben hatte, daß gewisse zur„deutschen Front" gehörende Personen und Stellen— insbesondere deren Organisation des freiwilligen Arbeitsdienstes iFAD.)— in diese Ange- legenheil sich»erwickelt fanden, wurde eine Durch- suchung am Sitze dieser letztgenannten, in den Räumlich- keiten der„deutschen Front" untergebrachten Organisation angeordnet- Diese Durchsuchung führte zur Beschlagnahme einer großen Anzahl Schriftstücke, die noch der Prüfung unterliegen, aber deren erste Ueberprüfung genügt, um jetzt schon die merkwürdige Rolle herauszu st eilen, die von der die Bezeichnung„Freiwilliger Arbeits- dienst"(FAD.) tragenden Abteilung der„decktschen Front" gespielt wurde. Aus diesen Schriftstücken ergibt sich zum Bei- spiel, daß diese Abteilung in ständiger Verbindung mit der Deutschen Geheimpolizei in Trier durchTonderkurier steht, sowie nicht zu rechtfertigende Beziehungen mit Beamten der saarländischen Polizei und anderen Beamten der Regierungskommission unterhält. Sie ergaben auch den Nachweis, daß diese Abteilung eine regelrechte Bespitzelung der Regierungs- kommission, ihrer Dienststellen, der Flüchtlinge und der politischen Parteien durchführte. Die Resultate der llaussudiung Sowohl gelegentlich der am 19. Juli in der Büroräumen der„Freiwilligen Arbeitsdienstes", Watcrloostraße, Saar- brücken, vorgenommenen Haussuchung, als auch im Ver- laus der Durchsuchung, die am folgenden Tag in einer Sache, betresfend Verletzung des Postgeheimnisses, in den Redaktionensräumen der Wochenschrift„Der deutsche Kumpel" in Brebach stattfanden, hat eine in aller Eile durch Boten unter Benutzung von Fahrrädern, Motorrädern und Automobilen versammelte Menge versucht, den Orb- nungsdienst zu stören. Tie gleichen Begebenheiten sind also in Saarbrücken am 19. Juli und in Brebach am 29. Juli vorgefallen: sofortige Ansammlung einer Menge, feindselige Rufe dieser Menge gegen gewisse Polizcibcamte, die als„S e p a r a t i st e n h ä u p t l i n g e, Landes- vcräter, Juden Huben... usw." geschmäht wurden. Singen, Beflaggen der Häuser, Herumtragen von Transparenten usw..... Bei der letzten Demonstration sind die in genügend starker Anzahl an Ort und Stelle entsandten Landsäger mit einer derartigen Täumigkeit eingeschritten, daß der Gcneralstaats- anwaltsvertretcr und die Beamten der öffentlichen Gewalt das Gebäude nur unter den Schmährufen der Menge ver- lassen konnten. Diese systematische Hetze gegen gewisse ausführende Beamte der Regierungskommission äußert sich im übrigen seit Monaten in der Form heftiger Angriffe in der gesamten Presse der„deutschen Front", sowie durch Reden, die von den deutschen Rundfunksendern verbreitet werden. Sie hat bereits am'24. Juli 1934 ein Attentat(das glücklicherweise mißsangt gegen die Person des Polizeikommissars M a ch t s ver- schuldet- süber welchen die Regierungskommission dem Rate in einem Schreiben vom 19. Mai 1934 Auskünfte gegeben Haft, und kann z u den aller schwersten Folgen führen. Es sind die gleichen Kreise der Bevölkerung, die— im vorigen Jahre den Versuchen der Regierungskommission, einige neutrale Kriminalbeamte einzustellen, sich wider- setzend— auch heute wieder die Autorität der Regierungskommission dadurch unter- graben möchten, daß sie versuchen, die Entlassung ge- misser Polizeikräste zu provozieren, die mau einem gewissen Druck nicht unterworfen ansieht. Fremde Polizei für die Saar Die Pariser Presse sehr zurückhaltend A. Ph. Paris, 19. August 1934. Von unserem Korrespondenten Mit großer Aufmerksamkeit verfolgt man hier zur Zeit alle Vorgänge im Taargebiet und kein Tag ver- geht, an dem nicht in diesem oder jenem maßgebenden französischen Blatt über irgendein Ereignis an der Saar berichtet wird. Jetzt vor der Septcmbertagung des Völker- bundsratcs, aus deren Tagesordnung die Saarangelegcn- hcitcn an letzter Stelle stehen, in Wirklichkeit aber wohl der wichtigste Beratungsgegenstand der Herbstversammlung des Völkerbundes sein werden, wird das Interesse an allen diesen Dingen besonders deutlich. Fast die gesamte französische Presse gibt ihren Lesern augenblicklich Kenntnis von dem Brief, den der Präsi- dcnt der Regierungskommission Knox soeben an den Generalsekretär des Völkerbundes gerichtet und in dem er die Lage im Saargebiet geschildert hat. Im allgemeinen nimmt aber die Presse zu dem Brie! des Vorsitzenden der Taarrcgierung keine Stellung. Es ig das anscheinend darauf zurückzuführen, daß man hier unter allen Umständen den Anschein vermeiden will, als wolle Frankreich sich in die inneren Angelegen- hcitcn d c r S a a r einmischen. Gerade die französffche Regierung legt den allergrößten Wert daraus, ihrerseits alles zu tun. um eine völlig freie und unabhängige Ab- ftimmung am 13. Januar 1935 zu ermöglichen. Man möchte nur wünschen, daß diese Zurückhaltung auch jenseits der Saargrenzen geübt würde. Tie Zurückhaltung, die man in Paris beobachte» kann, treibt der radikale„Oeuvre" noch ganz besonders weit. Das Blatt meldet, daß gelegentlich der Saarkundgebung in Ehrenbreitstein am'29. August in Köln eine Taarausstcl- lung vom Reichspropagandaminister Dr. Goebbels eröffnet werden soll. Auf dieser Ausstellung, so heißt es im„Oeuvre", werde man auch einen Ueberblick über die„französischen Gewalttätigkeiten" Saarkommissar Borchel unter den Gottlosen Affront f ür die Katholiken an der Saar Nach Berichten ans Rom soll der neue Saarkommissar B ü r ck c l, der Nachfolger Popens, aus der„Gottlosen- l i st e" des Vatikans stehen. Die„Neue Saar-Post" sagt, daß man in Rom berechtigterweise die Ernennung des Herrn Bürckcl als eine indirekte, aber durchaus wahrnehmbare und folgenschwere Rampfansage des„dritten Reiches" an den Vatikan hinsichtlich der Kirchenpolitik und des vatikanischen Schutzes der gläubigen Christen an der Saar vor Terror und Verbrechen werte. Die Berliner Regierung beweise mit dieser Ernennung, daß sie eben nicht die Absicht habe, im Geiste des ReichskonkordatS mit dem Vatikan im Saar- gebiet zusammenzuarbeiten, was freilich niemandem über- raschend kommt So ist die Ernennung Bürstels nach hiesiger Auffassung ein Affront für alle Katholiken an der Saar, der seine klaren politischen Konsequenzen haben dürste." im Saargebiet bekommen. So werde man eine bildlich» Darstellung von der ans einem Platz in Saarbrücken voll- zogenen Hinrichtung saarländischer Bauern durch französische Revolutionäre im Jahre 1793 sehen können. Ein anderes Gemälde werde die nach dem Kriege erfolgte Verurteilung eines gewissen Johannes durch ein französisches Kriegsgericht zeigen. „Oeuvre" enthält sich jeder durchaus berechtigten Kritik an dieser Haß- und Hetzausstellung, die wohl der greifbare Ausdruck von Hitlers neuer Friedenspolitik sein soll. „Petit Parisien" berichtet über die Tagung des? a n d e Z rats. Der Verlaus der Sitzung habe den deutlichen Beweis dafür erbracht, wie groß der Wirrwarr innerhalb der „deutschen Front" sei. Man habe einfach den Eindruck gehabt, daß die Herren mit ihrem Latein zu Ende seien. Wenige Minuten nach Beginn der Tagung habe sich d,e „deutsche Front" auf den Aventin zurückgezogen. Als die Herren mit verächtlichen Blicken für die Sozialdemokraten und. Komi ,rannten den Saal verlassen hätten, die unter dem Vorsitz eines Mitgliedes der„deutschen Front" weiter an den Beratungen teilgenommen hätten, sei das ein Schauspiel für die Götter gewesen. „Petit Parisien" meint, der Grund ritt das Verschwinden der Deuftchsrontler in, Landesrat sei einfach der: in der Sitzung sollten die von der Regierungskommission beschlösse neu Gesetze gutgeheißen werden, wonach die Arbeiter uni Angestellten im Saargebiet ihre Rechte. Freiheiten und Gehälter behalten, die ihren BcrusSgenoffen im„dritten Reich" gestohlen seien. Die meisten Mitglieder der„deutschen Front" im Landesrat seien Industrielle und Intellektuelle Hätten sie nun gegen die Verordnung d e i Regierungskommission gestimmt, dann hät- ten sie sich vor der Arbeite rschastde maskier' Darum hätten sie sich einfach von der Abstimmung gedrückt Man kann nur Holsen, daß die Saarbcvölkerung di< Herren von der„deutschen Front" ebenso gut durchschall! wie der Saarbrücker Korrespondent des„Petit Parisien" Die Not Wachsende Kriminalität Um ein ungefähres Bild der Lebensnot des Volkes zu er- laugen, braucht man nur eine Nummer einer deutschen Zei- tung zur Hand zu nehmen. To berichtet das„Hamburger Frcmdcnblatt" in seiner Nummer vom Dienstag dieser Woche, daß in„der letzten Nacht nicht weniger als 14 Einbrüche verübt worden sind". In Hamburg, wohlverstanden! Daneben berichtet die Zeitung, daß„zivei Schulknabcn einen Ladeneinbruch verübt haben", daß„ein junger Mann einem Mädchen die Handtaiche mit der Wohlsahrtsunterstützung gestohlen hat", daß an dem gleichen Tage„drei Raubttber- fälle verübt worden sind" und wegen Bettel nicht weniger als 21 Personen in Hast genommen werden mußten. In nicht ganz 24 Stunden! Und da behaupte noch jemand, da ß das deutsche Volk nicht in herrlichen Zuständen lebt! " Mvl flir Die„Wim WWl"! „Ihr Sdinife? Ihr Geiidiier!" Die Vorbereitung der Volksabstimmung Die„fränkische Tageszeitung" veröffentlicht folgendes Gedicht„An die Nörgler": „Nehmt euch in Acht— Ihr Otternzeug— Mit kurz und langen Haaren.— Es wird ein Donnerivetter euch— An euren Schädel fahren.— Mit Schlangengift und Hinterlist — Begeifert Ihr das Beste.— Boll Wut werft Ihr mit eurem Mist— In unsere Kinderfeste.— Bei jedem Worte mühte man— Euch auf das Schandmaul schlagen— Und jeder sollte statt„Grüß Gott"—„Pfui Teufel" zu euch sagen.— Ihr seid nicht wert, daß man spuckt— In eure Schandgesichter— Die Faust hineinI Wenn sie uns juckt,— Ihr Schufte! Ihr Gelichterl" Bekenntnis Im Kriegszustand In Barmen, wo vor Monaten die vom Pfarrernot' bund begründete Bckenntnissynode zusammentrat, hat eine neue Kundgebung dieler Organisation stattgefunden, die sich scharf gegen die Beschlüsse der Berliner Nationalsynvde der Evangelischen Kirche wendet. 1800 Vertreter von 400 Kirchengemeindcn erklärten in einer Entschließung die Tätigkeit der Nationalsynode in Berlin als ungesetz- l i ch. Angeblich soll der Vorsitzende Dr. Koch in einer Unter- redung mit dem Reichsjnnenminister Frick die Zusicherung erhalten haben, daß man nicht daran denke, mit Repressrlicn gegen die Bckenntnissynode vorzugehen. Prolestanlisdie Kirdienpresse Zusammengefaßt, zensuriert, vergewaltigt Das geistliche Ministerium in Berlin hat in diesen Tagen auch ein Gesetz über die U m g e st a l t u n g des kirchlichen Pressewesens beschlossen. Künstig wird ein in einem kirchlichen Dienstverhältnis stehender Beamter oder Pfarrer nur dann als Herausgeber oder Schriftleiter eines Kirchcnblattes tätig sein dürfen, wenn er vorher die Genehmigung der Kirchenbehörde einge- holt hat. Darüber hinaus ist eine strafsere Zusammen- fassung der kirchlichen Presse geplant- Die vom Geistlichen Ministerium verfügte straffere Zusammenfassung der kirch- lichen Presse hat in T a ch s e n bereits begonnen. Alle bisher bestehenden etwa 170 Gemcindcblätter und Tonntagsblätter sollen in einem einzigen Blatt vereinigt werden, das in allen Kirchgemeinden gehalten werden muß. „Ehre" des Arbeiters Bericht aus Schlesien AP. Breslau, 15. Aug. Im Waldenburger Berg- baurevier werden Massenentlassungen vorgcnommc/., die mit der wirtschaftlichen Lage und der Erportminderung be- gründet werden. Da sich in der Belegschaft eine sehr erregte Stimmung bemerkbar machte, nahm die Direktion einen Teil der Kündigungen zurück und kündigte dafür anderen. Da die Erregung nicht nachließ, ist jetzt einfach verfügt worden, die Leute von 18—28 Jahren herauszuziehen und den Arbeitslagern zuzuteilen. Am 20. August soll in Breslau ein«liest der Deutschen Arbeitsfront stattfinden, zu dessen Besuch man die Arbeiter der ganzen Provinz zwingen will. Da die Arbeiter sich iveigerten, iverden ihnen jetzt schon ratenweise die Fahrtkosten vom Lohn abgezogen, nn- bekümmert darum, ob sse fahren iverden oder nicht. Im Waldenburger Jndustriercvier herrscht darüber erneut große Aufregung. Die Tertilarbeiter von Wüstegiersborf müssen drei Ueberstunben ohne Bezahlung leisten, um die Fahrt- Unkosten auszubringen. Bin ganz Echter Essen, 16. Aug. Die Essener„National-Zeitung" schildert, offenbar unter dem Druck empörter Bolkskreije, die Hal- tung eines Nationalsozialiste», der als Buchmacher eine Konzession des„dritten Reiches" besitzt:„Hier hielt es ein staatlich konzessionierter bekannter Essener Buchmacher für nötig, in unerhörter Form, aus seinen prallen Geldsack pochend, werktätige deutsche Volksgenossen... in schamloser Weise zu beschimpfen. Als sich die mit Recht auf ihren Be- ruf stolzen Arbeiter die Beleidigungen verbaten, brachte dieser unbegreifliche Geldprotz es fertig, das schassende Volk Essens zu verhöhnen, daß es ihm jegliche Ausschweifung er- mögliche. Den Gipfel der Unverschämtheit erreichte aber dieser gemeingefährliche Schwätzer mit der wohl zur Ein- schüchterung vorgebrachten Feststellung, er sei National- s o z i a l i st." DasJMeueste Die amerikanischen Forscher Dr. William Beebe und Otis Barton, die bereits vor einigen Tagen mit ihrer togel- förmigen Taucherglocke„Aathysphere" eine Tiefe von 705 Meter unter der Meeresoberfläche erreicht hatten, haben ictzt an den Bermuda-Insel» mit rund»10 Meter eine» Tiesenrekord ausgestellt. Der Erste Senat des Volksgerichtshofes verurteilte heute die früheren kommunistischen Reichotagsabgcordnetcn Georg Schumann und Karl E l g a s sowie die frühere kommunistische Landtagsabgcordncte Frau Frieda Franz aus Breslau wegen gemeinschaftlicher Vorbereitung zum Hochverrat zu je drei Jahren Zuchthans unter Anrechnung von einem Jahr Untersuchnngshait. Die An- geklagten hatten noch nach der Machtergreifung Adolf Hitlers bis Juli 1938 den Versuch gemacht, die kommunistische Or- ganisation in Schlesien neu auszubauen. Am 7. Juli 1983 wurden sie bei einer Zusammenkunst in einem Breslauer Kaffeehaus verhaftet. Am Mittwochnachmittag stieß ein Kraftwagen ans Essen in der Nähe von Obersiemau bei Coburg mit einem Kraftwagen aus Ochsenhanscn bei Rieberach znsammcn. Dabei geriet der Essener Wagen in Brand. Der Führer dieses Wagens, der BersichernngSdircktor der„Nordstern", Josef Leuchter, war sofort tot. Seine Gattin, sein Schwiegcr- söhn und dessen Gattin erlitten schwere Knochenbrüche. Der Wagen verbrannte vollständig. Der zweite Wagen wurde ebenfalls beschädigt, dabei erlitten der BezirkStierarzt Weinrich anS Ochsenhausen mehrere Beinbrüche, ebenso seine Frau, die am schwersten verletzt ist. Wie aus W j a t k a in Rußland gemeldet wird, find seckS Beamte eine« Lebensmittcltrustes wegen M a s s e» d i e d- stahl von Lebensmitteln und staatsfeindlicher Umtriebe zum Tode durch Erschießen vernrteilt worden. In einem Ueberblick über die Folgen der Dürre erklärt daS LandwirtlckaftSminIsterium der USA., der angerichtete Schaden sei viel schwerer, als eS jemals seit absehbarer Zeit der Fall gewesen sei. Das Ministerium spricht die Erwar- tun« aus, daß die meisten G-treidepreise bis zum späten Frühling oder bis Ansang Sommer 1985 hoch bleiben werden. Wie seine Opfer starben Schleicher- Röhm- von Kahr Paris. 16. August. ^Der Berliner Sonderberichterstatter des„Paris- S o i r" J.-J. Tharaud gibt seinem Blatte eine Darstellung über den Tod'von Schleicher, Röhm und Ernst, die in manchen Teilen von dem abweicht, was darüber bisher in der Oesfentlichkeit bekannt geworden ist. Er erzählt, vor der Villa des Generals von S ch l e i ch e r in Wannsee sei ein Auto vorgesahren, dessen Motor man nicht abgestellt habe- Dann seien drei junge Leute herausgcsprungen. Sie hätten an der Tür geläutet und seien, ohne daß man ihnen den Eintritt gestattet hätte, in das Hans eingedrungen. Plötzlich hätteiz sie dem Ehepaar Schleicher gegenübergestanden. Ohne ein Wort zu sagen, hätten sie auf Schleicher geschossen. Da habe die Gattin des Generals gerufen:„Ich werde vor der Geschichte Zeug« sein." Das habe nun den Mördern durchaus nicht gepaßt. Tic hätten daher auch Frau Schleicher erschossen und dann die Flucht ergriffen. Das Hausperjonal habe sofort die Polizei alarmiert. Die Polizeibeamten hätten wie üblich den Tat- bestand aufgenommen, aber kurz darauf erklärt, eine Unter- suchung sei nicht am Platze, denn es handele sich um„keinen Mord, sondern um eine Urteilsvollstreckung"! Schleichers Freunde hätten dann gefordert, daß man ihnen die Leichen des Ehepaars zur Bestattung übergebe. Man habe ihnen aber geantwortet, dazu sei es zu spät, da beide bereits ein- geäschert seien. Das sei nun einmal so, bemerkt der Korre- spondent des„Paris-Toir", die Methode der Nazis, sie ver- brennen ihre Opfer. Das vereinfache alles. Alle Behauptungen, Schleicher hätte mit irgend einer aus- ländischcn Macht gegen die Hitlerregierong konspiriert, habe man bisher nicht beweisen und auch nicht ausrecht erhalten können. Nach den Gerüchten, die jetzt in Berlin umlaufen, habe man sich einfach Schleichers entledigt, weil er ein energischer, ehr- geiziger und bei der Reichswehr sehr einflußreicher Mann gewesen sei, der vor niemanden ein Geheimnis daraus ge- macht habe, daß ihm das Naziregime nicht passe, dem er viel- leicht einmal hätte gefährlich werden können. Auch über den Tod des Hauptmanns Rohm weiß Tharaud neue Einzelheiten zu berichten. Danach wurde Röhm nicht in seiner Villa in der Nähe von München, sondern in einem Hotel in Wieds«, wo er sich von seinem Rheumatismus er- holen wollte, verhaftet. Hitler sei auch garnicht selbst dort- hin gekommen und habe ihm daher auch persönlich keine Vorstellungen machen können. Hitler sei im Flugzeug von Bonn nach München gekommen und im Braunen Haus ab- gestiegen. Tort habe er der ST. Befehl gegeben, Rühm und Heines zu verhaften. Das sei auch geschehen und beide seien dann in eine Kaserne in München gebracht worden. Man habe in Röhms Zimmer einen Revolver gelassen in der Hoffnung, er würde sich selbst erschießen- Natürlich hätte man darin ein Schuldbekenntnis gesehen. Da er es nicht getan habe, wurde er zur Erschießung vorgeführt- Borher schon sei er so geschlagen worden, daß ein Arm gebrochen wurde. Unmittelbar vor seiner Erschießung soll Röhm seinen Rock geöffnet und den SS.-Leuten zugerufen haben:„Ich hi» unschuldig und jetzt schießt, Ihr Dreckschweine!" Auch der Fall des Obergruppenführers Ernst liege ähn- lich. Er sei in Bremen geradezu wie ein Paket in einem Flugzeug nach Berlin gebracht worden. Im Gefängnis in Lichterfelde soll er wiederholt gerufen haben:„Ich bin un- schuldig, Heil Hitler!" Frau Ernst, die sich seit einigen Monaten in andere» Umständen befunden habe, habe ihren Gatten nicht überleben wollen. Deshalb habe sie sich das Leben genommen. Ten 72jährigen Herrn von Kahr hätten SS.-Leute in seinem Haufe überfallen und die Treppe hinuntergestürzt. Rech keine Totenliste— aber vereinzelte Todesanzeigen Der Oberste Gerichtsherr des 39. Juni sehr vergnügt Paris, 16. August. Von unserem Korrespondenten Der Berliner Sonderberichterstatter des„Oeuvre" ver- mittelt seinem Blatte ein Stimmungsbild aus Berlin, das wir den Lesern der„Deutschen Freiheit" nicht vorenthalten wollen. In einigeii Tagen, so sagt er, wird Hitlers Weg zur Ver- göttcrung vollendet sein. Es heißt hier, Hitler sei bei aus- gezeichneter Laune. Er wolle keine traurigen Gesichter um sich sehen. Vielleicht hat er deshalb auch die Absicht, mit seiner Amnestie die wegen der Borgänge am 30. Juni in Trauer versetzten Familien zu erfreuen. Denn infolge einer beson- deren Gnade des Führers dürfen jetzt endlich die Todes- anzeigen erscheinen, die das„plötzliche Ableben teuerer Menschen" ankündigen. Man rechnet damit, baß jetzt auch end- lich die Todesanzeige für Gregor Strasscr erscheinen wird. Aber bei vielen anderen, von denen man annahm, daß sie nur etwas frühzeitig ihre Ferienreise angetreten hätten, merkt man jetzt, daß ihre neue Adresse jede Hoffnung auf Rückkehr illusorisch macht. So konnte ja Hitler selbst am 12. August die Todesanzeige des ehemalige» bayerischen Ministerpräsidenten v o n K a l> r lesen, eines 72 Jahre alten Greises, der seit einem Jahrzehnt dem politischen Leben fernstand. Aber Hitler, so flüstert man sich in Berlin zu, hat es Kahr nicht verzeihen können, daß dieser ihn um die Früchte seines Bürgerbräuputsches im November 1023 brachte. Kohrs Ermordung, meint man in Erinnerung an die Matteottis und des Herzogs von Enghien, ist eine noch bei weitem mehr verbrecherische Tat, weil sie einzig und allein aus Hitlers persönlichem Rachegefühl heraus begangen ivurdc. Wenn auch die Toten vom 30. Juni nicht mehr sprechen, der Tote von Neudeck ist beredter, als er es je in seinem Leben war. Durch den Mund seines Sohnes Oskar wird er feier- lich über alle deutschen Sender zum deutschen Volke reden. Politisches Testament? Ja, Oskar, der die letzten Worte seines Vaters vernahm, ist in der Lage zu erklären, daß der mit dem Tode Ringende, als er den letzten Seufzer tat, ver- zweifelt„Hitler! Hitler!" rief. Man hat einen Zeugen dafür, den berühmten Chirurgen Professor Ferdinand Saucrbruch. Ten Tod hat er von dem Kranken nicht fern- halten können, aber er hat sich schließlich noch über ihn neigen können, um ihn mit letzter Kraft die Worte„Hitler! Hitler!" aussprechen zu hören. Offenbar habe das heißen sollen, Hindcnburg sterbe ruhig, da er wisse, daß Hitler sich der ver- ivaisten Nation annehme. Weiter wird der Hohenzollernsohn Prinz A» g u st W i l- Helm Gelegenheit haben, alte Sünden wieder gutzumachen — er war der Adjutant des Obergruppenführers Karl Ernst, der am 30. Juni erschossen wurde—, in dem er im Rundfunk, wieder über alle deutschen Sender, erzählt, warum das deutsche Volk Adolf I. seinem Vater Wilhelm II. vorziehen müsse. Die Behörden haben wieder einmal Anweisung erhalten, dafür zu sorgen, baß Wahlfreiheit und Wahlgeheimnis am nächsten Sonntag gesichert iverden. Aber kann man von Freiheit in einem Lande sprechen, in dem die elementarsten Rechte der Verfassung, persönliche Sicherheit, Unverletzlich- keit des Hauses und Postgeheimnis außer Kraft gesetzt sind? Der ganze Wahlkampf ist nur ein riesiges Einschüchterung!- manöver. „Wer abseits bleibt, stellt sich außerhalb der Volks- gcmeinfchaft." „Wer nicht für Adolf Hitler stimmt, verrät die Sache seines Volkes." In den Berliner Straßen trägt ein Transparent folgende Inschrift: „Wer den Führer verläßt, verläßt Deutschland. Wer den Führer verrät, begeht Verrat an Deutschlaud. Wir sind nichts, Deutschland ist alles." Das heißt ganz deutlich, diejenigen, die den Führer ver- lassen, wissen recht gut, daß sie damit das Leben verlassen. Darum wird das Abstimmungsergebnis am 19. August genau so fragwürdig wie das vom 12. November sein. Aber keiner glaubt recht daran, daß wieder wie im Vorjahre 92 Prozent der Stimmen aui Hitlers Namen lauten werden. Zu viel Wasser ist inzwischen die Spree und die Isar hinuntergeflossen— zu viel blutiges Wasser. An ein so günstiges Wahlergebnis glaubt man so wenig, daß jeder sich sragt, was Hitler machen werde, wenn er nur 80 Prozent der Stimmen bekomme. Wird er Goebbels beaustragen, dem Abstimmungsglück etwas nachzuhelfen? Kann man überhaupt die Abstimmungsergebnisse lälschcn, die vom Präsidenten des Statistischen Reichsamtes Reichard überwacht werden? Die Urnen mit den Stimmzetteln werden ln jedem Bezirk vom Wahlvorsteher geleert, dem dabei 7 Beisitzer behilflich sind, sämtlich Mitglieder der NSDAP. Die Teilergebnisse, die in den Rathäusern zusammengefaßt werben, gelangen aus ganz Deutschland an das Büro des Herrn Reichard. Reichard ist ein ehemaliger Beamter des Innenministeriums, ebenfalls Mitglied der National- sozialistischen Partei und hat vor kurzem die Nachfolge von Professor Wagemann angetreten, einem alten Zentrums- mann. Die Möglichkeit eines Wahlschwlnöcls wird lang und breit in Berliner Kreisen erörtert. „wie ist r...„wieviel r... Organisierte Spitzel in den Beiriehen Organisierte Spitzelei in den Betrieben Köln, 9. August. Außerordentlich aufschlußreich für die Methoden, die von den Nazis in den Betrieben angewandt werden, ist ei» Rundschreiben der Deutschen Arbeits- front, das der Korrespondenz.Hnpreß" vorliegt. Dieses Rundschreiben ist allen Betriebszellenobleuten, die natür- lich Nationalsozialisten sein müssen, zur Beantwortung zu- gestellt worden und hat folgenden Wortlaut: „Deutsche Arbeitsfront, Bezirk Rheinland Nationalsozialistische Betriebszellenorganisation, Gau Köln-Aachen. S t t m m u n g s b 11 j ch t f ü r de» Monat.... 1. Wie groß ist die Zahl der in Ihrem Betriebe beschäf- tigten Arbeiter? 2. Wieviele davon sind Mitglieder der Deutschen Ar- beitssront? 3. Wieviele davon sind von unserer Weltanschauung überzeugt? 4. Welche politische Richtung war früher in Ihrem Be- trieb vorherrschend? 5. Wie ist das Verhallen der ehemaligen Gegner? 6. Wieviel Arbeiter Ihres Betriebes verstehen die Maß- nahmen des Staates? 7. Wieviel Arbeiter Ihres Betriebes billigen diese Maß- nahmen?. 8. Was find die Haupteinwände gegen diese Maßnahmen? 9. Wer kritisiert? Marxisten? Zentrumsleute? Sonstige: 10. Wie ist das Verhältnis zwischen den Arbeitern der Stirn und der Faust?„ ,,„ 11. Mas paßt der Arbeiterschaft Ihres Betriebes nicht. 12. Welches Thema soll i» den Betriebsversammlungen besonders behandelt werden? 13. Wann fand die letzte Betriebsversammlung statt? 14. Welcher Redner sprach? 15. Sind Erfolge der politischen und erzieherischen Tchu- lung zu verzeichnen? 16. Wie ist Ihr Bctriebssührer eingestellt? a> nationalsozialistisch? b> reaktionär? c> zentrümlich? d> liberalistisch? dj I u d e?. 17. Wie ist die soziale Einstellung Ihres Betriebssührerö? 18. Ist der Bctriebssührer Mitglied der TAF? 19. Wie ist das Verhältnis zwischen BeiriebSsührer und Gefolgschaft? 20. Können in Ihrem Betriebe noch Arbeitskräfte ein- gestellt werden? Durch welche Maßnahmen? Heil Hitler! gez. ititt &eutsc&e Bimmen« Gteila£e zur„Deutschen Pweifkeit"• Ereignisse und Sesrfkiditers Er? '.» er. A sä.. ^BCiche auf dm htcumm Rust macht«ich wichtig Das Zentralblatt für die gesamte Unterriehtsverwaltung in Preußen verlautbart:„Da es erforderlich ist, daß die Filmaufnahmen staatspolitischer und parteilicher Veranstaltungen durch Privatfirmen einheitlich kontrolliert werden, ersuche >ch die Ortspolizeibehörden, die Prüfung derartiger Bildstreifen abzulehnen; solche Filme sind bei Vorlage unmittelbar der Filmprüfstelle in Berlin NW. 40, Königsplatz 6, einzusenden, die das weitere veranlassen wird." Nazifilm in Japan In der„Berliner Montagspost" stellt ein Wilhelm Schulze fest:„Besonders der deutsche Film wirkt auf die Lebensauffassung der japanischen Jugend im umformenden Sinne." Boykott Die Prager Filmfirmen: Europa-Film, Grandfilm, Lyrafilm, Melodyfilm, Merkurfilm, PDC. Prag-Paris und Primusfilm, die bisher auch deutsche Filme in die Tschechoslowakei einführten, werden bis auf weiteres die Einführung deutscher Filme einstellen. Von den 260 Filmen, die im kommenden Spieljahr, nach der Berechnung der Einfuhrkommission, aufgeführt werden sollen, werden maximal 100 deutsch sein. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird aber die Zahl viel geringer sein, da mit einer höheren Einfuhr amerikanischer Filme als bisher gerechnet werden muß.— Gegen die gleichgeschalteten I ilme macht sich beim Publikum ein starker politischer Widerstand geltend. So wurde die verfilmte„Dreigroschen- oper" mit demonstrativem Beifall in jeder Vorstellung bedacht. Goebbels gegen Rust Wie die„D. F." bereits mitteilte, wurde das sogenannte Kultur- und Lehrfilmwesen als Monopol der NSDAP, überantwortet. Die oberste Aufsichtsstelle ist das Propagandaministerium. Bisher unterstanden alle diese Fragen dem Rust. Rust gab sich Mühe, den fetten Bissen zu behalten, eber Goebbels blieb der Stärkere und läßt durch seine Pressestelle folgende Siegesmeldung verlautbaren:„Im Zuge der feuen Aufgabenabgrenzung zwischen dem preußischen Kultusministerium und dem Reichspropagandaministerium bat das Kultusministerium, das die Betreuung der allgemeinen Kulturfilmfragen federführend dem Propagandaministerium überläßt, seine Beziehungen zur ,Degeto' (Deutsche Gesellschaft für Ton und Bild), Sitz Berlin, gelöst." Immer mehr Verbote Verboten wurden folgende Filme:„Roman Scandals" (United Artists, Neuyork),„The Tamale vendor"(U. Edu- rational Film, Neuyork).„Frühlingsstimmen"(Ernst Wolff, Wien),„Just imagine"(Fox-Film AG., Berlin). Besten für braune Bonzen Aus Bayreuth wird gemeldet, daß dort die im Rahmen der Neuorganisation des staatlichen(das heißt Nazimonopols) Filmwesens vorgesehene Bildstelle Nordbayern bereits in den nächsten Tagen feierlich eröffnet werden soll. Sie wird in einem Anbau der dortigen Hans-Sehemm(!)-Schule untergebracht und verfügt angeblich über einen Projektions- und einen Ausbildungssaal, sowie über sonstige durchaus hinreichende Räume. Es soll möglich sein, hier etwa 20 Personen für den Film- und Lichtbilddienst an den Schulen und in den politischen Organisationen auszubilden.— Auf alle mögliche Weise sind die Nazi, wie man sieht, dabei, sich systematisch aller Propagandamöglichkeiten zu bemächtigen. Reichsstelle für Unterrichtsfilm— ein Geschäft! Die„D. F." berichtete kürzlich, daß Rust den Obernazi Kapitänleutnant von Werner mit der Errichtung einer Reichsstelle für Unterrichtsfilm beauftragt habe. Nun wird bekanntgegeben, daß die„Reichsstelle" in Form einer Ge> Seilschaft rn itbes eh ränkter Haftung betrieben werden soll, der genannte Kapitänleutnant von Werner wird der Geschäftsführer sein. Der Reichsstelle sollen 23 Landesbildstellen angeschlossen werden. Hinter dieser ganzen Gründung steckt ein dunkles und merkwürdiges Geschäft. Die„D. F." wies bereits darauf hin, daß der gesamte Lehr- und Unterrichtsfilm den Nazi-Gaufilmstellen ausgeliefert wurde. Hiermit läuft die neue GmbH, parallel. In Bayern z. B. wurde die neue Zweigstelle der GmbH, bereits in Zusammenhang mit der Bayrischen Landesfilmbühne errichtet. Was sich materiell alles an Partei- und Privatgeschäften hinter dieser ganzen Sache versteckt, wird erst genau gesagt werden können, wenn die ganze braune Korruption aufgeflogen ist. Film verbot Der Leiter der Filmprüfstelle, Regierungsrat Zimmermann, gibt unter dem Datum des 3. August amtlich bekannt, daß die öffentliche Vorführung des Metro-Goldwyn-Mayer-Films „Manhattan Melodrama" verboten worden ist. Der Film hat 9 Akte, 2602 Meter. Auch geistige Autarkie Am internationalen Filmkongreß, der läßlich des Film-Biennales in Venedig tagt, nahm Deutschland nicht teil. Nur einige deutsche Journalisten waren als „Beobachter" zugegen. Die Vertreter Italiens, Gherardo Gasini, Attilio Fontana und Carlo Bassoli, haben mit dem Oberregierungsrat Arnold Racther verhandelt, um durch ihn Deutschland zum Eintritt zu bewegen. Raether ist der Leiter der Abteilung Film der Reichspropandaabteilung und ein militanter Vorkämpfer für die Filmautarkie. Er ist als Zensor bisher immer auf das schärfste gegen den ausländischen, namentlich den französischen Film aufgetreten. Er ist also besonders geeignet, Deutschland international zu vertreten. Bemerkenswert ist, daß die italienischen Vertreter bemüht waren, ihren faschistischen Kollegen in Braun zur Teilnahme an dem internationalen Kongreß zu bewegen, und das, obwohl die Vertreter der nichtfaschistischen Länder über ihre Bemühungen nicht sehr erfreut waren. £e schtäqi ihm d ein Kriminalfilm und deutsche Wirklichkeit ^ or kurzem schrieb ein deutscher Filmkritiker in der DAZ. unter dem Pseudonym ,,-ma" folgende heute besonders interessante Bemerkung über den Kriminalfilm: Haben nicht einmal überlegt, daß in allen diesen Mord- Beschichten— gleich ob Film oder Roman— der Beherrscher 9»ler Rätsel nicht die Staatsmacht, sondern immer ein Privatdetektiv ist? Das bedeutet: die Uebernahme der Strafgewalt ('urch den Staat ist im Grunde für unser Ur-Rache- Befühl nur ein konstruktiver Notbehelf: Die da aufgebaute Maschinerie der Gerechtigkeit arbeitet zielsicher ohne Jede Gefühlsbeteiligung. Statt Rache wird Gerechtigkeit geübt: „Was unser Herz aber wirklich will, ist gerechte Rache. Bis zum Hais voll Wut, Tag und Nacht ruhelos unterwegs, soll der V erletzte selbst oder sein Bruder mit rücksichtslosem Zuhauen den Missetäter an Auge und Zahn persönlich züchtigen: Blutrache. Das gibt es nicht und kann es im Staat der Millionen nicht mehr geben. Aber unser Sinn bleibt hungrig nach dieser verlorenen Staatsgewalt des freien Mannes und seiner Sippe gegen den Uebeltäter. Ja, sogar ein Rest von Kritik lehnt die unbeteiligten Gerechtigkeitsbeamten schon wegen ihrer persönlichen Fremdheit zur Tat als Rachewerkzeug ab. Darum zeichnen alle Kriminalgeschichten die Polizisten und die staatlichen Spürhunde liebend gern als unfähige, fantasielos unbegabte Staatstrottel... So stellt jedes Kinoparkett vor einem Kriminalfilm... gleichsam eine einige Sippe wie in der Vorzeit dar, die auf privatem Kriegspfad zur Vollstreckung— nicht zu anonymer Staatsgerechtigkeit ist, sondern unterwegs zur Vollbringung privater Rache. Blutrache natürlich— darum immer gleich Mord. Und wehe dem Täter, der am Schluß nicht umgebracht wird! Der Staat mag Zuchthaus verhängen— der freie Mann schlägt, wenn er straft, dem Bösen abschließend den Schädel ein. So ist das merkwürdige und oft beklagte Interesse allen Publikums für die Kriminalgeschichte durchaus nicht krankhaft, sondern im Grunde eine höchst gesunde, wenn auch atavistische Erinnerung an jene Epoche, da der Mann noch frei war vom Staate und selber Herr racheübender Gerechtigkeit. Und gerade weil diese königliche Selbsthilfe nicht mehr geht, ist sie ewiges Sehnsuchts thema aller Mordio-Kriminal- geschichten." Wenige Tage, nach dem-m» In der DAZ. so mordphilosophisch geschrieben hatte, wurde die racheübende Gerechtigkeit aus einem Sehnsuchtsbild des Films zur Tatsache der deutschen Wirklichkeit. Mord als„königliche Selbsthilfe" mags in anderen Ländern nur noch im Film geben; in Deutschland ist man weiter, da gibts bereits die Blutrache, die es bis vor dem Krieg nur in Albanien gegeben hat. Nun regiert sie das Deutsche Reich. £ia Qefangenec reicht dem Oud diechah Ein Gutsbesitzer aus Beranville, der auf seinem Grund- stück eine eisenhaltige Ouelle zu finden hoffte, ließ dieser Tage 5 Rutengänger zu sich kommen. Diese fanden zwar keine Spur von Wasser, wohl aber zeigten ihre Wünschelruten an, dast sich in 16 Meter Tiefe mehrere Sarkophage befinde», sowie ein Schatz, der in einem Brunnenloch verborgen sei. Daraufhin zog der Gutsherr eiiren Archäologen zu Rate: der ihn darüber ausklärte, dast sein Besitztum sich genau an der Stelle befände, wo einst eine alte Ritterburg gestanden hatte, die noch im 17. Jahrhundert von einem Schloßherrn bewohnt worden sei. Auf diese Erklärung hin entschloß sich der Eigen- tümer des Grundstückes, Ausgrabungen vornehmen zu lassen. Diese sind bereits bis zu 8 Meter Tiefe vorgedrungen. Die Neugier der umwohnenden Landbevölkerung wächst mit je- dem Meter. Wird der geheimnisvolle Schatz gesunden wer- de»? Die Gegend, in der das Grundstück liegt, entbehrt jedenfalls nicht gewisser Romantik. Neben Spuren antiker Gräben und Festungswälle hat man dort kürzlich ein irdenes Pentagramm aufgefunden. Es fehlt nur doch der Pudel, der um das Grundstück weite Kreise zieht. Das Geheimnis der Kummer„534'' Zwischen Frankreich und England ist ein freundschaftlicher Wettkampf in vollstem Gange. In Liverpool ist der Bau des Ricsendampsers der Eunard-Linie fast beendet, mährend man in Frankreich auch bald seinen Riesendampfer„Normandie" im Wasser sehen wird- Die Taufe des englischen Koloß soll am 26. September stattfinden. Die Königin Mary wird selbst die Ehampagnerflasche an dem Schiff zerschlagen. Der Name ist noch allen unbekannt. Für diejenigen, die damit zu tun haben, spricht man von der Nummer„634". Der eigentliche Name wird erst von der Königin in Gegenwart deS Königs und von 46 600 Zuschauern der Oefsentlichkeit preisgegeben werden. Das englische Schiff wird eine Tonnage von 73 00(1 Tonnen und eine Länge von 1618 Fuß haben. Jetzt ersahreu die Engländer, dast die„Normandie" 76 666 Tonnen und eine Länge von 10-25 Fuß haben soll. Die Engländer fragen sich ernsthast, ob sie nicht noch einmal von vorne ansangen sollen. Der Mann aus Eisen Der Marschall Lyauiey, der große Soldat und Kvionimlor. dessen Tod ganz Frankreich in Trauer versetzt hat, war schon bei Lebzeiten ein Mann, um den sich zahllose Legenden gebil- det hatten. So erzählt man gerade jetzt ivicdcr eine Ge- schichte aus seiner Jugend, die bezeugen soll, dast er schon früh beginnen mußte, sich an Disziplin zu gewöhnen. Eines Tages, so erzählt man sich, zog durch Nancy, die Heimatstadt des Marschalls, ein Kürassierregiment. Der kleine Lnautcy sah mit seinem Kinderfräulein aus dem Fenster, um sich das Schauspiel zn betrachten. Aber er entglitt den Händen des Mädchens und fiel in das Zwischengeschoß hinunter- Bon nun an mußte der Knabe ein eisernes Korsett tragen, so wuchs er heran, so spielte er mit älteren Kameraden,— und dieser Panzer, so folgert die legendäre Erzählung, habe ihn bereits gut vorbereitet für die großen Aufgaben, die er als Mann zu erfüllen hatte... ysro Ägha erhält ein Denkmal Zara Agha, der kürzlich verstorbene„älteste Mann" soll nun nach seinem Tode in der türkischen Hauptstadt auch ein Denkmal erhalten. So jedenfalls haben es seine Landsleuie beschlossen, nachdem sie nochmals alle möglichen Nachsor- schungen angestellt haben und zu der Feststellung gelangt sind, daß Zaro Agha wirklich im Jahre 1777 geboren worden ist, also tatsächlich im Alter von 157 Jahren gestorben ist- Auf dem Sockel des Denkmals werden die Zahlen 1777— 1634 zu lese« sein, und die Menschen, die einmal vor dem Denkmal stehen werden, werden gewiß zuerst etwas ab- schrecken, wenn sie sich überlegen, daß ein Wesen ihresgleichen drei Jahrhunderte gesehen haben soll! Vifien s>ie schon.. ...was Sternschnuppen sind und warum sie leuchten?— Es sind kleine Stücke kosmischer Materie: sie werden beim Durchgueren der Atmosphäre durch Reibung glühend. ...wieviel Grad Fahrenzeit es bei Null Grad Celsius ist? — Plus 32 Grad. ...was zur Glanzzeit Habsburgs die Buchstaben AEJOU- bedeuteten?„Alles Erdreich ist Oesterreich Untertan" und Austria erit in Orbe ultima" sOesterreich wird ewig stehcnj. ...wie sein« Gegner Wagners Musik nannten?— Zu- kunstsmusik. ...welche Säugetiere Eiere legen?— Die Kloakentiere: zu ihnen gehören das Schnabeltier, der Ameisenigel usw. ... was„Krethi und Pleti" waren?— Die Leibwache des Königs David. wie die Grundfarben heißen?— Rot, Blau und Gelb. ....wie die neun Musen heißen?— Elio, Mepomene, Perpstchore, Thalia, Eutcrpe, Erato, Urania, Poli- hymnia, Kalliope. ...wer der erste Kaiser war, der in Wien regierte?—- Kaiser Marc Aurel jregierte 161—186 n. Ehr-) ...was die Hebriden sind?— Eine Inselgruppe nördlich von Schottland. ...was der siderische Monat ist? Tie Umlaufszeit des Mondes um die Erde. ...wie die beiden Wendekreise heißen?— Krebs und Steinbock. Amerikas Arkeiiersckaft am Scheideweg Von Hermann Muter Tie Umstände, unter denen der große General- streik in San Franziska zum Abschluß gelangt ist, haben es mit sich gebracht, daß diese Vorgänge bereits wieder in Vergessenheit geraten sind, ehe über die Per- spektiven dieser die ganze Welt alarmierenden Ereignisse Klarheil geschaffen worden ist. Würde es sich allein um das sichtbar gewordene Streikergebnis handeln, dann wäre die allgemein gezogene Schlußfolgerung berechtigt, daß der San Franziskoer Arbeitskamps kein rühmliches Vlatt für die Geschichte der amerikanischen Arbeiterschaft ist. Entscheidend für die Beurteilung der ganzen Vorgänge >st aber nicht der Ausgang des Streiks, sondern die Tat- fache, daß ein solcher Kampf überhaupt geführt worden ist. Für den politisch und gewerkschaftlich ge- schulten europäischen Arbeiter ist es klar, daß ein General- streik nicht aus Sympathie für die Lohnforderungen einer einzelnen Arbeitnehmerkategorie entfacht werden kann, weil die schärfste Waffe, über die die Arbeiterschaft verfügt, dafür nicht das geeignete Mittel ist. Aber für die Ver- einigten Staaten sind derart logische arbeitspolitische Er- wägungen einfach noch nicht möglich, da dort die struktu- rellen und psychologischen Voraussetzungen völlig anders gelagert sind. Es ist bezeichnend für die amerikanische Arbeiterbewe- gung, daß die ersten gewerkschaftlichen Zusammenschlüsse gegen Ende des 18. Jahrhunderts von qualifizierten Hand- werkern in Form von Berufsvereinigungen erfolgten und zum Beispiel nicht von den Fabrikarbeitern der damals emporblühenden Textilindustrie ausgingen. Die ameri- konischen Gewerkschaften sind immer reine Berufsorgani- sationen geblieben, ja, sie wurden fast immer zu Zucht- stätten eines geradezu ari st akratischen Berufs- stolzes. Trotz der wiederholten Versuche ist es z. B. nicht gelungen, die Gewerkschaften zu Industrieverbänden zu- sammenzuschließen. Dadurch wurde die Arbeiterbewegung naturgemäß eine exklusive Einrichtung der qualifizierteren Arbeiter und eine Organisierung der Ungelernten oder Angelernten stand außerhalb des Möglichen. Damit mußte nicht nur der zahlenmäßige, sondern auch der moralische Aktionsradius der Gewerkschaften sehr begrenzt bleiben. Arbeitskämpfe größeren Stils waren— abgesehen von den psychologischen Grenzen— einfach nicht möglich, weil Facharbeiter und Ungelernte niemals zu einer gemein- famen Aktion zusammengefaßt werden konnten. Diese Isolierung der qualifizierteren Kräfte brachte naturgemäß eine ideologische Begrenzung der Arbeiterbewe- gung mit sich. Die Zahl von Streikbrechern und Tabo- teuren wurde dadurch bei irgendwelchen Gewerkschafts- kämpfen noch größer als sie bei der liberalistischen Men- talität der breiten Arbeiterschichten ohnehin schon war. Bor allem gelang es den Unternehmern jedoch, durch die Berufsfeparierung der Gewerkschaften auf die Masse der Arbeitnehmerschaft mit Hilfe gelber Organisationen Einfluß zu gewinnen. So wurden die Vereinigten Staaten geradezu ein Musterland für die Werksgemeinschaften, für Betriebsvereine und sogenannte Betriebsverbände. Unter dem Mantel einer gewerkschaftlichen Organisation wurden die Arbeiter eines Betriebes unter der indirekten Auf- ficht des Unternehmers zusammengefaßt und damit selbst- verständlich von jeder unerwünschten politischen„Ver- seuchung" ferngehalten. In geschickter Form wurden die liberalen Gedankengänge der Arbeiterschaft auch hier wachgehalten. Alan knüpfte bei der Sehnsucht des Ar- beiters nach einer geborgenen Zukunft an und füllte die Existenz dieser betrieblichen Arbeiterorganisationen mit allerhand Wohlfahrtsaufgaben an. Es wurden Konsum- genossenschaften, Betriebskrankenkassen, Altersversiche- rungen und ähnliche Dinge eingeführt. Ja. zum Teil ging man so weit, den Arbeitern Kleinaktien einzuräumen und ihnen damit das Gefühl einzuflößen, sie seien Mitinhaber der Unternehmen und folgedessen auch stärker an seinem Wohlergehen interessiert, als das schlechthin der Fall ist. In welcher Weise sich dieses Be- teiligtsein auswirkte, braucht nicht näher erläutert zu werden, jedenfalls waren die Erfolge für die Unternehmer glänzend, ohne daß sich für den Arbeiter-„Mitinhaber" irgend etwas in seinen Rechten zu seinem Vorteil geändert hätte. Das alles, verbunden mit der allgemeinen amerikuni- fchen Mentalität, brachte es mit sich, oaß auch die eigenr- liehen Gewerkschaften zu wirklichen Kampforganisationen niemals geworden sind. In vielen Fällen machten die Ge- werkfchasten aus Gründen der Konkurrenz nichts anderes als die Berriebsorganifationen, das heißt Wohlfahrts- pflege, Altersversorgung. Einrichtung von Sparbanken und ähnliche Dinge mehr. All ihre Tätigkeit lief jedenfalls darauf hinaus, den angeschlossenen Mitgliedern einen gur bürgerlichen Lebenslauf zu erleichtern, ohne daß dabei die Methoden des modernen Klassenkampfes zur Anwendunz gelangen. Innerhalb der Gewerkschaften fehlte n o cy bis vor kurzem jedes Gefühl für kollekti- v i st i f ch e s D e n k e n. Es kam diesen Organisationen und ihren Mitgliedern nicht darauf an, daß der Gesamt- heit eine feste und straff umrissene Basis errungen wird, sondern darauf, daß der einzelne seine Existenz gesichert erhielt. Die Erkenntnis von der kausalen Bedingtheit beider Interessen konnte in die amerikanischen Gewerk- schaftsn einfach nicht eindringen, selbst die eingefleisch- testen Gewerkschaftler waren unerschütterliche Indivi- dualisten. Während sich also die Gewerkschaften noch immer in ihren liberalen Gedankenbahnen bewegten, vollzog sich innerhalb der breiten Massen in den letzten Iahren eine ungeheure Wandlung. Wenn früher Krisenperioden den Wirtschaftskörper schüttelten, vermochten die vorüber- gehend aus dem Produktionsprozeß ausgeschalteten Arbeiter diese Eriverbslosigkeit relativ leicht zu ertragen, da sie ihre Wohlfahrtskassen in den Gewerkschaften oder in ven Betriebsvereinen in Anspruch nehmen konnten oder aber auch in fast allen Fällen über hin- reichende Ersparnisse verfügten. Nach dem Kriege wurde das alles bereits viel schwieriger und während der letzten großen Krise 1930-32 erlebten die amerikanischen Ar- beitermassen eine Katastrophe von ungekanntem Aus- maße. 14 Millionen Erwerbslose wurden gezählt, das be- deutet, daß die wirkliche Zahl der Arbeitslosigkeit um mindestens SV Prozent noch höher war, da das Fehlen einer öffentlichen Erwerbslosenfürsorge eine einwand- freie Zählung unmöglich machte. Die Bereinigten Staaten wurden von der Weltkrise besonders heftig erschüttert, weil sie während der Kriegs- jähre ihre Warenausfuhr in geradezu phantastischem Um- fange steigern konnten, ohne daß es nach dem Kriege möglich war, diese konjunkturmäßig bedingten Märkte auch nur bruchweise zu erhalten. Dieser Verlust der Kriegsmärkte war aber auch gleichzeitig von einem enormen Kapitalverlust begleitet, da aus diesen Ge- schäften noch immer ein Rückstand von 15 Milliarden Dollar unbezahlter Rechnungen zu verzeichnen ist. Trotz aller krampfhaften Versuche des amerikanischen Kapitals gelang es in den Zwischenkonjunkturen der vergangenen 16 Jahre nicht, den Absatz-Verlust wettzumachen, viel- mehr wurde jeder kleinere Aufschwung zu einer Periode neuer Rationalisierungen, die neuere und größere Pro- duktionsmöglichkeiten schaffte. Gleichzeitig aber führte jeder Fortschritt in der Rationalisierung zur Freisetzung weiterer Arbeitskräfte. Millionen Arbeiter, die auf die Treue ihrer Arbeitgeber Berge gebaut hatten, in gut- bürgerlichen Existenzen lebten und vielleicht manche kleinere Krise spielend überwunden hatten, wurden jetzi auf Jahre hinaus von jeder Arbeitsmöglichkeit ausge- schaltet. Die Wohlfahrtskassen der Gewerkschaften waren erschöpft, die der Werkvereine nicht minder—— und kein Unternehmer dachte daran, den Arbeiter-Aktionär seines Betriebes irgendwie zu unterstützen. Die Erspar- nisse und kleinen Vermögen verschwanden in den Koch- töpfen der Arbeitslosen und schließlich blieb von der bürgerlichen Scheinexistenz, die den Arbeitern der Libe- ralismus vorgetäuscht hatte, nichts mehr übrig. Innerhalb der Arbeiterschaft begann ein ideologischer Umschichtungsprozeß von fundamentaler Bedeutung. Er- Kenntnisse, die die europäische Arbeiterschaft bereits vor einem halben Jahrhundert zu sammeln begonnen hatte, beginnen in den Köpfen der breiten Massen zu dämmern. Schritt für Schritt wächst bei ihnen aus dem liberalen Individualismus, der sich mit der Versorgung des eigenen Ichs begnügte, das Bewußtsein von der Kraft der Massenverbundenheit und von der Notwendigkeit des gegenseitigen Beistandes. Das kam in einer Reihe kleinerer Aktionen mehr und mehr zum Ausdruck und von den besitzenden Schichten wurde bereits bei der letzten Präsidentenwahl befürchtet, daß die Sozialistische Partei, die bisher überhaupt nicht gezählt wurde, zu einem gefährlichen Gegner werden könnte. Inzwischen hat sich dieser tiefgehende psychologische Prozeß fort- gesetzt. Als vor einem halben Jahre dann die USA. mit Hilfe der Devaluation in der Lage waren, eine Kon- junkturwelle anzukurbeln, glaubte man allgemein, daß der Aktivierungsprozeß der Arbeiterklasse damit ab- geschlossen und eine neue Periode liberaler Arbeiter-Be- einflussungsmöglichkeit gekommen sei. Nun hat aber der Generalstreik von San Franziska in der schlagendsten Form den Beweis gebracht, daß die neue Konjunktur nicht im mindesten in der Lage gewesen ist, die Emanzi- pierung der amerikanischen Arbeiterschaft aufzuhalten. Zum erstenmal ist es in den Vereinigten Staaten vor- gekommen, daß qualifizierte Facharbeiterschichten und Ungelernte in einer straff geschlossenen Front einen Kampf von so riesigem' ismaße durchführten. Vor allem aber handelte es sich dabei noch nicht einmal um einen Kampf für eigene wirtschaftliche Ziele, sondern um eine Sympathiebewegung zur Unterstützung einer anderen Arbeiterkategorie. Und das Bedeutsame liegt dann wieder vor allem in der Tatsache, daß dieser Sympathiestreik für Ungelernte, nämlich für Hafenarbeiter(!) durchgeführt wurde. Diese Hafenarbeiter— und hier ist die zweite große Ueberraschung— setzen sich zu einem erheblichen Prozentsatz aus Negern und Farbigen zusammen, die in den Vereinigten Staaten geradezu als Menschen zweiter Klasse und als unerwünschte Eindringlinge verachtet werden! Wenn nun von unserem europäischen Standpunkte aus betrachtet der San Franziskoer Generalstreik eine stra- tegisch falsche Kampfhandlung war, da es nicht um un- mittelbare Ziele aller Beteiligten ging, sondern nur um einen Sympathiekampf, dann ist er als psychologischer Gradmesser um so bedeutsamer gewesen. An diesem her- vorstechenden Beispiel hat sich nun zum erstenmal ge- zeigt, daß die amerikanische Arbeiterschaft entschlossen ist, als selbständig auftretender Faktor aufzutreten, der gewillt ist, die ganze Kraft einer Kampfgemeinschaft ein- zusetzen, wenn einzelne Teile derselben bedroht sind. Es wäre falsch, an diesem Vorgange zu weitgehende Erwar- tungen und Illusionen zu knüpfen und zu glauben, daß die Vereinigten Staaten nun bereits sturmreif für die Sozialisierung sind. Aber daran braucht es nun wohl keinen Zweifel mehr zu geben, daß unter dem Druck der ökonomischen Erschütterungen innerhalb der Arbeiter- schaft der USA. die psychologischen Fundamente für den Aufbau einer starken und modernen Arbeiterbewegung entstanden sind. Und in diesem Sinne ist zweifellos der Generalstreik von San Franziska nicht nur ein Bild herrlichster Solidarität, sondern das Fanal einer neuen Epoche der amerikanischen Arbeiterklasse gewesen. Die fernöstliche Spannung Verhaftung von sowjetrussischen Beamten DNB. Tokio, 15- August. Wie aus Eharbin gemeldet wird, sind in den letzten Tagen inSgesaml 20 soivjetrussische Beamte der chinesischen Ostbahn verhaftet worden, darunter drei Stationsvorstände. Es wird ihnen Beteiligung an den zahl- reichen Anschlägen auf Züge der Bahn zum Vorwurf ge- macht. Bei allen Verhafteten wurden Haussuchungen vor- genommen. Wie die mandschurischen Behörden erklären, soll dabei Material gefunden morden fein, das beweist, daß die Festgenommenen eine rege javanfeindlichc und antimand- schurische Umsturztätigkcit entfaltet haben. U. a. soll von ihnen dreimal ein Anschlag auf eine japanische Militär- misston versucht worden sein. Bei einem Verhafteten wurde eine große Menge Dnnamit entdeckt, die im Hof vergraben war. ven Jröntlcrn" Sehls schlecht »Nur im Dienste des Großkapitals" AP. Bern, 16- August. Mit den Fronten geht es rapid ab- wärts. In den Reihen der Konservativen ivird bereits scharf abgerechnet, die mit den faschistischen Frontisten lieb>° äugeln. Der Konservative v. Ernst wendet sich gegen die Jung-Konscrvattven. die die Totalrevision der Verfassung anstrebten und zusammen mit den Frontisten gegen die Sozialisten zu Feld? ziehen wollte». Ernst, der sich vorher nicht genug tun konnte, im„Vaterland" das Sterbe- glöcklein des Liberalismus zu läuten, erklärt, die Jung- Konservativen könnten vielleicht mit der Eidgenössischen Front und der„Aufgebot-Bewegung" zusammengehen, nicht aber mit den Frontisten. die den totalen Staat und das Verschwinden der Parteien wollten. Tie Jung-Konserva- tivcn ignorierten die furchtbaren Lehren der deutschen und italienischen Entwicklung und die Gefahren für den Katholi- ziSmus Von den Frontisten trenne sie der tiefe Graben der katholischen Moral. Man habe aus der Metzelei vom Juni gesehen, wohin der Weg führe. Da seien keine Konzessionen möglich. Henne gebärde sich wie ein Diktator, schließe Leute wie Biedermann aus und wolle Hitler nachahmen. Auch die christlich-sozialen Arbeiter und Angestellten um die„Hoch- wacht" grenzen sich scharf von den Frontisten ab. Die„Neue Zürcher Zeitung" fordert statt dessen den Zusammenschluß auf eidgenössisch-vaterländischcm Boden. All das iu:r£t natürlich auch auf die Frontisten zurück. Die Gewerbetreibenden flüchten aus der Partei und er- klären, daß die Henne und Toblcr nur im Dienste des Groß- kapitals ständen. In Teutschland habe man ja gesehen, wie uncrnst die Versprechungen gemeint seien. Bei den Bauern sind die Frontisten ans unüberwindlichen Widerstand ge- stoßen. Die Fahrten ins„dritte Reich", nach Konstanz. Stutt- gart und München haben auch ausgehört. Die Ereignisse in Oesterreich haben gleichfalls ihre Wirkung nickt verfehlt- Die Biedcrmann-Gruppe, die durch die Schaffung des Kamerad- schaitstmndes abermals eine neue Organisation errichten w'll, leistet auch noch Minicrarbeit, so daß sich alles in Aus- lüsung befindet. hie Angst vor der Wahrheit Stiller Boykott der Auslandspresse Berlin, 12. Aug. Vor einigen Wochen wurde ans einer Tagung der Zeitungshändlcr gefordert, daß an den Kiosken nur solche Auslandszeitungen verkauft werden dürsten, die keine Kritik an den Zuständen Hitler-Deutschlands übten. Diese Ausforderung hat bereits gewirkt. Ter Verlag Georg Stille, der Monopolverträge mit ausländischen Zeitungshäusern für den Vertrieb ihrer Druckschristen in Deutschland besitzt, hat durch Rundschreiben vom 3. August seine Depositäre angewiesen, Auslandszeitungen nicht offen auszulegen, sondern verdeckt zu halten. Weiter sollen sie Auslandszeitungen in keinem Fall anbieten und nur auf ausdrückliches Verlangen eines Kunden herausgeben. hie llunderf-Nlllionen Erbschaft Daniel Petras rettet das„dritte Reich" h. b Was der Stehkragcnarier Dr. Hjalmar Schacht, der mit marxistisch- liberalistisch- demokratisch- nationalsozialistischer Ueberzeugungstreue im Solde des„dritten Reiches" steht, nicht fertig gebracht hat. soll der seit zehn Jahren verstorbene Jude Daniel Petras in Ordnung bringen. Er soll das»dritte Reich" vor dem völligen Bankrott bewahren. Und das hat folgende Bewandtnis. Vor zehn Jahren starb in Amerika der Multimillionär Daniel Petras. Er hinterließ ein Testament, das erst zehn Jahre nach seinem Ableben geöffnet werden durste. In diesem Testament wurde eine in Berlin wohnende Dame und ihr in Essen wohnender Nesse mit einer Erbschaft von rund 1U0 Millionen Goldmark bedacht. Die beiden Erbe» haben, wie es die Deviscngesetzc ver- langen, der Reichsbank Mitteilung von ihrer Erbschaft ge- macht. Die deutsche Reichsbank, deren Golbdeckc in der letzten Zeit bedenklich ansgefranzt ist. bemüht sich nun mit Feuer- cifer, die Erbschaft hereinzuholen, um in Besitz der Devisen zu kommen. Zollten diese Bemühungen Erfolg haben, so erhöht sich der Devisenvorrat der Reichsbank um mehr als das Dop- pclte und steigt von 2,1 aus 5 Prozent. Wie verlautet, soll Herr Dr. Schacht schon Tag und Nacht an den Fingern rechnen, wie er die Erbschaft des reichen Onkels aus Amcrika am schnellsten verpulvern kann. Weiter hören wir, daß das Rasscnamt bis jetzt keinen Auf- trag hat, die arische Abstammung des Erbgutes zu prüfen. Auch den beiden Erben will man wegen der besonderen Lagerung des Falles vorläufig wegen ihrer nichtarischen Verwandtschaft keine Schwierigkeiten machen. >1» vrlef und Siegel Schwedischer Konsul bestätigt Folterbericht Stockholm, Ifl. Aug. Das große schwedische Blatt„Göte- borgs Handelsstibning" veröffentlicht einen niederdrückenden Bericht über die Zustände in den Hitlergesängnissen. D"r Bericht stammt von dem schwebischen Arbeiter Erik Jsaki» son, der mit seinem Bruder während eines Aufenthalts in Deutschland verhaftet und in das Konzentrationslager Glückstadt bei Hamburg überführt wurde. JsakSson schreibt über die Torturen und Demütigungen, denen er ausgesetzt war. Der schwedische Konsul in Hamburg hat die Nichtigkeit der Tatsachen, die der Verfasser in seinem Bericht enthüllt, b e- ftätiat Am 19. August: Nein! Illegale Flugzettel aus«lern Reich Herr ReichszirWdent: £)fjr Borgänger hat mir kurz vor seinem Tode die Ver- kiindung Christi in Teutschland ans Herz gelegt. Was haben S^e als Kanzler des Reichs bisher getan? Sie haben geduldet, da» Menschen gequält, gemartert, ge- mordet wurden. Sie haben gemuht, Saß sich unter Ihrer Führerschaft Menschen belauben, die andern- gegenüber iviöerchristlich ihre Macht mißbrauchten. Sie haben nicht protestiert, als die Ueberlieserung Christi veripottet und verhöhnt wurde von Männern, die sich in Ihrer Umgebung befanden und von Ihnen in besonderer Weiie ausgezeichnet wurden. Sie predigen unaufhörlich den Geist des wilden Hasse? unter den Menschen, und rufen zur Vernichtung derjenigen auf, die nicht Ihrer politischen Meinung sind. >-ie haben. Christi Geist zuwider, Menschen anderen Glau- bens und anderer Rasse ausgestoßen aus der Gemeinschaft, erniedrigt, ihrer Existenz beraubt, aus dem Lande getrieben. ^Ich, als Wahrer der Tentschen Evangelischen Kirche, klage «>e an! Ich setze Ihren Worten und Ihren Taten das mir übertragene Vermächtnis des großen Toten entgegen. Sein Andenken gebietet mir, Sie zu bekämpfen und die Gläubigen hinter meinem Flammenschwert zu sammeln, damit ich vor dem Toten, vor der Kirche und vor Gott meines Amtes wür- dig mich erweise. „., gez. Müller, Reichsbischof der Deutschen Evangelischen Kirche. \A/o isf die Bauernhoffnung nun geblieben? Das Feld, das Vieb, der Hof isf nicbf mebr dein. Was Hifier dir versprach, isf in den Wind geschrieben Der Beffelsfab wird deine Zukunft sein! Rechnet ab mit der Untreue! Dem Wortbrüchigen am 19. August ein Nein! 5^4/ Tiutk an den 30. Juni! X)enk an die gemordeten JCameraden! cKiilee ist nicht mehr unser Jähret. £r hat die Treue gebrachen. Jim 19. JSu&ust: JldW11 14 Ein System, das auf solchen Methoden aufgebaut ist, erweckt überall Abscheu und Ekel. („Times") Hitler ist ohne Zweifel der Einzige, der vom Reichstagsbrand, von den Sitten Röhms nichts gewußt hat. Sicher wird der Kanzler Hitler auch noch die Entdeckung machen, daß sein Minister Göring mehrere Jahre im Irrenhaus verbracht hat.(„Popolo di Roma") Deshalb am 19. August: Nein! Freiheit! Ss hamstern die Neichen, Sie willen warum, vi« kleinen Leuie aber? Bleiben sie dumm? vie zweite Srbeitsschlacht ist pleite. Der Hunger plagt die kleine« ZLente. - det und wird immer leiden, weil es seinem großen Glauben treu geblieben ist. Wir wollen uns ein Beispiel an den Juden nehmen. Wir wollen sie ehren und schätzen, denn sie haben der Welt das herrlichste und k o st b a r st e Geschenk, d i c B i b c l, gegeben. Klärt Eure Brüder aus, daß der Rassenhaß ein wildes giftiges Gewächs in unserem Leben ist. Rottet aus das schreckliche unmenschliche Vorurteil gegen das ewig leidende Volk!!"— S?it begreifen mit Ihnen, warum die Münchencr SS.-Bravi nach ihren vielseitigen Morden am Morgen des 1. Juli zähneknirschend gerufen haben:„Und Faulhaber?" T. F. Sie schreiben uns:„Tie billigen japanischen Fahrräder steht man setzt wirklich überall, Neuerdings machen die japanischen Fabrikanten die Marke der Ädlerwcrke in Franksurt a. M. nack, verwenden dasselbe Bild und stellen lediglich im Worte Adler die Buchstaben um, so daß gerade in überseeischen Ländern die Marke leicht verwechselt werden kann."— Wir können nicht ganz einsehen, waS die Japaner damit bezwecken. Wir stellen die Qualität der Adlersabrikate nicht in Abrede, aber mit ihrer Schutzmarke ist bei der weitreichenden Ablehnung deutscher Waren nicht viel Staat zu machen. Schon darum, weil es mit dem Hoheitszeichen der Nazis leicht und gern verwechselt wird. Theaterfreund, Zürich. Sie bitten um Ausnahme dieser Zeilen. „Sie haben jüngst etwas lakonisch berichtet, daß einer der tüchtig- stcn und erfolgreichsten Theatervraktiker Teutschlands, Eri» Ziegel in Hamburg, nach achtzehnjähriger Tätigkeit in Hamburg ein sür ibn sehr günstiges Engagement in Wien angenommen hat. Wilsen Sie, warum er ging? Ziegel ist seit säst dreißig Jahren mit der Jüdin Mirjan Horwitz verheiratet— einer Frau, die seine Kameradin im Leben wie aus der Bühne ist, und der er auch al-- Regisseur vielseitige Anregungen verdankt. Achnlich wie im Falle Bassermann stellte man ihn vor die Entscheidung: er müsse stch von seiner Fra» trennen, wenn er Wert darauf lege, im„dritten Reiche" noch beschäftigt zn werden. Nach gleicher, eigentlich selbst- verständlicher Anständigkeit wie Bajsermann, kehrte Ziegel der braunen Nobelgarde den Rücken. Wien hat den Vorteil davon. In Hitlerien wird die geistige Ceie immer beklemmender." P. R, Amsterdam. Sie schreiben uns:„Wiederholt haben Sie sich darüber beklagt, daß manche holländische Behörden sür die wirt- schastliche und seelische Lage deutscher Emigranten kein ausreichen- des Verständnis zeigen. Tas verpflichtet Sic aber auch, Ihre Leser von einem Fall zn unterrichten, der die„andere Seite", nämlich die holländischen deutschen Nazis, recht hart getroffen bat.„Aus Befehl des holländischen Justizministcrs wurde der deutsche antisemitische Führer und Nazispivn Schncekloth, der in Amsterdam lebt, aus Holland ausgewiesen. Herr Schncekloth, der der Heraus- gcbcr der holländischen antisemitischen Zeitung„Te Störmer", einer holländischen Uebcrsetzung von Julius Streichers Wochen- blatt„Ter Stürmer" war, kehrte jedoch nach Amsterdam zurück: nunmehr wurde er v e r h a s t e t." Literatur Europäische Hefte Nr. 18 erschienen. AuS dem Inhalt: Umschau. Willi Schlamm: Adolf Strescmann: Marcel Teat: Präventive Re- volution: Karl Schwerdt: Ein ganz kleiner starker Mann: Ein Kriminalist: Ter Prozeß gegen Fcy: Peter Rodin: Tie Ohnmacht vor der Niederlage: Justin Stcinfeld: Siam, ein unglückliches Land; Ludwig Marcus«: Vater Marr. Notizen. Usfsndirlll Verlag der„Deutschen Freiheit'' Saarbrücken 3» Schützenstraf}* 5» Postschließfach 776 Deutscher Klub Heute, Samstag, um 21 Uhr, ist im Deutschen Klub (Adresse: Le Peri tyle, 31 bis, Rue Vivienne— Metro: Bourse) geselliges Beisammensein mit Tanz.— Schachspiele.— Zeitungslektüre.— Gäste sind heute abend sehr gerne will- kommen. Eintritt für Mitglieder frei. Gastbeitrag 5 Fr., Stellungslose 3 Fr, Das Neue Tage-Buch Herausgeber: Leopold Schwarzschild AUS DEM INHALT: Von Hindenburg zu Hitler Nr. 32 soeben erschienen PREIS 3 FRANCS Die Woche Meisterleistung des Abstrakt-Pazl- (Ismus Die Arbeitsbeschaffung Dollar-Schwankungen MILEt: Hindenburg JOACHIM HANIEL: Wlrtichaftsdlk- teior Schacht „Berlin, 11. Juli 1934" V Pakt-Henne und BOsturgs-EI GEORGE SOLGVEYTCHIK: E'n E-ig'irjck'jr Ober Fiankreldi Miniaturen Für den Gcsamtlnhalt verantwortlich: Johann Pitz In Tub- weiter: für Inserate: Otto Kuhn in Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Volksstimme GmbH, Saarbrückei» 5 Echüvenstraße B. r- Schließfach 776 Soarbrücke».