Nr. 95. Kbomltments-Kedtngungen: Abonnements- Preis pränumerando: Bierleljährl- SL0 MI., monatl. l,10Mk., wöchentlich 28 Pfg. frei ins HauS. Einzelne Nummer 5 Pfg. TonntagS- Nummer mit illustrtrter Sonntag»- Beilage.Die Neue Welt" w Pfg. Poft- Abonnement: SL0 Marl pro Quartal. Eingelragen in der Poft- Zettung«- Preisliste für 1897 unter Nr. 7437. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland S Marl pro Monat. 14. Jahrg. Dir Knstrtlons- Gebühr deträgt für die sechSgespaltene Kolonel- zetle oder deren Raum 40 Pfg., für verein»- und BersammlungS-Anzeigen, sowie Arbeitsmarlt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen biS 4 Uhr nachmittag» in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bi« 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bi» S Uhr vormittags geöffnet. Erscheint täglich nutzer Montag». Vevlinev Volksvlatk. Fernsprecher: Amt I, Nr. ISOS. Delegramm-Adresse: „»ozialdemokral Verlw". Dentralorgcrn der sozialdemokratischen V�vtei Deutschtands. Wedaktion: 8V. 19. Wenty-Straße 2. Sonnabend, den 24. April 1897'. ß«pedltion: 8V. 19, Menty-Straße 3� Vev griechicch-kürkicche Wlvkegs- cchÄUplstz. Wir veröffentliche» heute zur besseren Orientirung unserer Leser eine gute Karteuskizze des griechisch- türkischen Grenz- gebietes. Tieselbe ermöglicht vorläufig eine Orientirung über die Stellung der feindlichen Armeen. Wir haben Vorsorge getroffen, daß eine genauere und ein größeres Gebiet um- fassende Karte unseren Lesern zur Verfügung gestellt ivird. Wir werden dieselbe unserer Nummer vom 1. Mai beilegen. Von größter Wichtigkeit bei Beurtheilung jedes Kriegs- schauplatzes ist die Bodengestaltnng, dies um so mehr in diesem Kriege, da Griechenland eine Art natürliche Festung ist. Jedes Vordringen ist erschwert, die Bewegung großer Truppen- massen kann leicht gestört werden, die Rückzugslinien abzuschneiden, die Nach- schübe wie Proviantzüge aufzuhalten, ist leicht mög- lich. Wie das nördliche Spanien ist Griechenland der natürliche Boden für einen Guerillakrieg. Jr- reguläre Truppen haben auf einem solchen Gebiete eine weit größere Beden- tung als die Franktireurs im deutsch- französischen Kriege. Griechenland ist durch- aus Gebirgsland, mir ein kleiner Theil des Landes ist Hochebene, diese wie die Umgebung der Flnßmün- düngen ist meist sumpfig und in ihrem größten Theile von den angrenzenden Bergen mit den modernen Feuerwaffen zu beherrschen. Der auf Griechenland ent- fallende Theil unserer Karte stellt Nord- Griechenland dar, das in einen westlichen Theil E p i r u s und in einen östlichen Thessalien zerfällt, das Piudosgebirge bildet die Grenze zwi- schen beiden Landschaften, Epirus*) ist ganz gebirgig und fast unwegsam. Thessa- lien ist eine zum theil sehr sumpfige Ebene, durch die der Fluß Peneos läuft, das durch die Gebirge Olymp(2985 Meter), Ossa und Pelion vom Aegäischen Meere getrennt wird. Das griechische Heerwesen beruht auf einer dem französischen Wehrgesetze nachgeahmten Organisation. Jeder grie- chische Unterthan ist vom 21. bis 51. Jahre wehr« pflichtig. Eine Befreiung vom Dienste kann endgiltig sein. Die Dienstzcil beträgt für alle gattungen zwei Jahre im stehenden Heere, in der Glied mit Lanzen, das zweite Glied mit Graskarabinern be- waffnet. Die griechische Kriegsstotte besteht aus den drei Thurm- Panzerschiffen„Hydra",„Psara",„Spetsai", die aus den gahren 1889—1890 stammen, der Panzerkorvette„Basilissa lga"(1869), dem Panzcrkauonenboot„Basileos Georgias" (1867), einem Kreuzer(1830), 3 Korvetten(1853— 1885), 9 Kanonenbooten(1858— 1885) und 51 Torpedobooten. Zusammen 69 Fahrzeugen mit einem Gehalt von 27 493 Tonnen, 35 834 Pferdekräften und 104 Geschützen. Das Personal be- steht ans 169 Offizieren, 247 Beaniten, 587 Unteroffizieren, 1643 Matrosen, 143 Heizern und 360 Beamten— im ganzen 3165 Mann ohne 14 Offiziere der Reserve ic. Die Schiffe sollen in gutem Zustande, das Personal gut geschult sein. Ueber das türkische M i l i t ä r w e s e n mögen die folgenden Angaben orientiren. Ueber die Widerstands- niemals Waffen- Reserve je nach dem Truppenkörper 8—10 Jahre, ebenso lange in der Landwehr und in der Reserve der Nationalgarde 10 Jahre. Die vom Dienste im Frieden befreiten dienen 12 Jahre in der Reserve. Die Soll-Friedens stärke der Armee betrug im Jahre 1896 188 Offiziere und Beamte, 23 453 Unteroffiziere und Riannschaften und 3294 Pferde und Maulthiere. Im Kriege soll das griechische Heer folgende Stärke erreichen: ferde und Mann SS Jnfanterie-Bataillone.... 61«20 18 Eskadronen....... 2 880 29 Balterien jn je 6 Geschützen..«942 16 lcchnische Kompagnien.... 4683 Train u. s. w......... 2 000 Gendarmerie........ 4 000 anlthiere I 555 2 802 5 289 2195 2 200 400 Summa 82 125 14 441 Jahrgänge der Territorialarmee "ann. Hiervon rechnen aber Hierzu kommen noch 8 d«a zu je 12 000 Mann: 96 000 M Kenner 20pCt. als nicht dienstbrauchbar ab, so daß die Stärke der griechischen Armee auf ca. 159 000 zu beziffern wäre. Die Bewaffnung der Infanterie ist eine ungleich- mäßige, ein schwerer Mangel für den Kriegsfall, der aber dadurch ausgeglichen wird, daß bei den Türken dieselben Uebelstände herrschen. Die Artillerie besitzt Krupp'sche Gc- schütze. Die Reiterei ist mit Pallasch und Pistole, das erste Türke» ') Der nordwestliche Theil von Epirns gehört noch den fähigkeit der türkischen Armee und über die aus- gezeichnete Tüchtigkeit der gemeinen türkischen Soldaten herrscht seit dem rnssisch-türkischen Kriege von 1877/78 kein Zweifel. Deutsche Jnstruktions-Offiziere waren seit 1882 in der Türkei thätig. Die Reformirung des Dienstes, der Bewaffnung sc. wurde freilich gehemmt durch den ununter- brockenen Geldmangel sowie die Unstätigkeit und mangelnde Selbständigkeit in den höchsten Stellen der Regierung. Der Militärdienst ist obligatorisch. Die Dienstpflicht beginnt mit dem 20. Jahre, sie dauert drei Jahre bei der Infanterie, 4 Jahre bei den anderen Waffen, ferner in der Reserve 2 Jahre, in der Landwehr(Rebif) 8 Jahre und im Land- stürm(Mnstahfiz) 6 Jahre. Genaue Zahlenangaben für die einzelnen Waffengattungen fehlen. Anfangs 1896 betrug die„Vcrpflegungsstärke": Gewöhnliche Friedensstärke.. Einberufene Reservemannschaften Nekrutenjahrgang........ 50 000„ 116 Nedi s-Balaillone....... 75 000„ Zusammen. 360 000 Mann. Für den Krieg wird die Höchststärke auf 800 000 Mann geschätzt. Von der K r i e g s s 1 o t t e ist es erwiesen, daß sie sich in ganz elendem Zustande befindet, sie gilt für den Kriegsfall als nicht verwendbar. Im türkischen Flottenverzeichnisse werden angeführt: 42 Panzerschiffe, darunter 2 Flußpanzer- Kanonen- boote, 2 Torpedojägcr und 22 Torpedoboote mit ins- gesammt 66 947 Tonnengehalt, 51411 Pferdekräften und 153 Geschützen, ferner 24 ungcpanzerten Fahrzeugen mit 23 226 Tonnen Ladefähigkeit, 8570 Pferdekräften 220 000 M«un 15 000„ und 100 Geschützen. Die Schiffe stammen zum theil noch aus den 60 er Jahren. Das Personal der Marine betrug im verflossenen Jahre 977 Offiziere, 742 Beamte, zirka 3000 Unteroffiziere und Matrosen und 9650 Marinesoldate». Die wichtigste, jedenfalls die charakteristischste Nachricht vom Kriegsschauplätze ist die, daß ein Wechsel im türkischen Ober- kommando stattgefunden habe. Eine Depesche aus Konstantinopel meldet: Edhem-Pascha ist abberufe» und Ghazi Osman-Pascha an seiner Stelle zum Höchslkonunandirenden der Truppen von Elaffona er- nannt. Saab Eddin- Pascha wurde an Stelle Hifzi- Paschas zum Kommandanten der Armee von Janina ernannt. Die neue» Befehle- haber reisen heute Abend nach der Grenze ab. Diese Nachricht beweist, daß das Jntriguenspiel in Konstantinopel ganz wie 1877/78 die Leistungen der Armee, die Sicherheit der Führer, das Vertrauen der Soldaten in ihre Vorgesetzten zu stören beflissen ist. Aus Konstantinopel wird der„FranksnrterZtg." berichtet: Das Ergebniß des letzten gestrige» Kriegsrathes ist, daß der Sultan telegraphisch die Mobilisirung von 92 neuen Redisbataillonen aus dem asiatischen Armeekorps anbc- fohlen hat. Sämmtliche Dampfer, welche die Trans- porldampfer- Gesellschaft Mnhsulse zur Verfügung ge- stellt hat, haben Ordre, sich an den verschiedenen asiati- schen Küstenplätzen zur Ein- schiffung des neuen Aufgebots bereit zu hallen, welches un- gesäumt nach Makedonien geworfen wird. Die Türken scheinen in der Richtung nach Larissa keinerlei Fortschritte ge- macht zu habe». Wohl auf Befehle von Konstantinopel ans ist ein völliger Still- stand der Operationen der türkischen Armee eingc- treten, welcher von den Griechen zur Ordnung ihrer Truppen, zum Nachschub von Mannschaften, zum theilweisen Vorrücken und Wiederbesetzen verloren ge- gebener Positionen benutzt wird. Der König jhat sich ins Hauptquartier begeben. Auf dem ivestlichen Kriegsschauplätze, auf dem die Griechen von Anfang an im Vortheile waren, hat sich die Situation nicht zu ihren Ungunsten geändert. Ihre Flotte greift überall mit Energie ein und sselbst von türkischer Seite werden nicht bloS die Erfolge der griechischen Flotte zugestanden, sondern auch schwere Befürchtungen über die künftigen Aktionen der griechischen Flotte nicht zurückgehalten. Man befürchtet eine Beschießung Salonichi's, wohin die Großmächte Kriegs- schiffe zum Schutze ihrer Staatsangehörigen entsandt haben, ja selbst eilten Ansturm gegen die Dardanellen. Von den übrigen telcgraphischen Nachrichten, die mit dem Kriege in Beziehung stehen, thcilcn wir die folgenden mit: K o n st a n t i» o p e l, 23, April. Das französische Konsulat hat begonnen, provisorische Schntzscheine an die katholische» Christen aus- znliesern.— Die Kommission für die Ausweisung griechischer Unter» tbane» hielt heut« im Polizeimiiiisterium ihre erste Sitzung ab. Es verlautet, daß die festgesetzte Frist von 15 Tagen nur für Kaufleute Geltung hat, daß jedoch alle anderen Grieche», die keine per- manenie Beschästigung haben, schon binnen 3 Tage» abreisen müssen. Einige griechische Firmen haben bereits die Geschäfte eingestellt. Viele erivarten aber, daß eine Verlängerung des Termins eintreten werde. Ein griechisches Cabotage- Schiff(Küstenfahrer) wurde mit Beschlag belegt. Larissa, 23. April. 400 griechische Freiwillige trafen hier ein, darunter 26 Engländer. Genua. 23. April. General Cnnzio, der Schwiegersohn Garibaldi's, begiebt sich mit seinen beide» Söhnen nach Grieche»- land. und zwar behufs Theilnnhme an dein Kriege gegen die Türken. Auch De Felke hat sich als Freiwilliger für Unterstützung der Griechen auf de» Kriegsschauplatz begebe». Die„Tinies" melde» ans Odessa von gestern, eine besondere Abordnung der griechischen Regierung sei auf dem Wege nach Petersburg dort durchpassirt.< K o» st a» t i n o p e l, 23. April. Der hiesige bulgarische Ver- treter erklärte, wenn der Sultan heute fünf Berals(hier Investitur- Urkunden) für bulgarische Bischöfe»icht bewilligt, würde die bulgarische Regierung mobil mache» und Bulgarien sich eventuell zum unabhängigen Köniatbum vroklamiren. poltkifchr ItcJievJfrijJ. Berlin, 23. April. Der Strafvollzug gegen politische Gefangene zeitigt stets neue Skandalosa. Die Behörden kehren sich nicht an die Mißbilligung, welche die bisher beliebte Methode allseitig gefunden hat. Die„Leipziger Volkszeitung" theilt mit, daß der Redakteur der„Neuen Welt", Genosse Steiger, welcher »vegeu Vergehen gegen die Religion einige Monate Gefängniß verbüßen soll, mit einem anderen Gefangenen zu- sammen geschlossen undgefesselt durch die Straßen der Stadt transportirt ivorden ist. Zwar wird der Straf- Vollzug gegen Preßsünder in Sachsen genau so„rücksichtsvoll" ausgeübt wie in Preußen, ist es doch beispielsweise vorgekommen, daß sogar ein Reichstags-Abgeordncter in der Strafanstalt Zwickau mit niederer Handarbeit beschäftigt wurde, doch der Trausport in Fesseln ivar bisher preußische Eigenart und in Sachsen unbekannt. Also, anstatt endlich Wandlung zum Besseren und Anständigeren zu schaffen, scheut nian sich nicht, zu neuen Schroffheiten fortzuschreiten. Wie lange noch sollen diese unwürdigen Zustände fortdauern? Glaubt man diesozialdcmokra» tischen Redakteure mit solchenMaßnahmen„kirre zu kriegen"? Das wäre doch zu abgeschmackt. Oder will man der fernerstehenden Menge Abscheu vor diesen„gefährlichen Verbrechern" bei- bringen? Thatsächlich wurde man bei allen anständigen Leuten das Gegentheil einer derartigen Absicht erzeugen. Niemand wird verstehen, was es für einen vernünftigen Zweck haben soll, politische Persönlichkeiten, die bei der Vertretung ihrer Ucbcrzengnngen einmal ein zu scharfes Wort gebraucht haben, gleich Dieben und Mördern zu behandeln. Doch vergessen wir tücht: Wir befinden uns im„Kulturstaat" Preußen-Deutsch- land, von dem Sachsen einer der„kultivirtcsten" Theile ist!— Staatssekretär Dr. Riebcrding. Die Nachricht von der Amtsmüdigkeit Dr. Nieberding's wird nun ausdrücklich dementirt.— I» dem Prozcft gegen Slner«. Gen. wegen Vergehens gegen das Vereinsgesetz hat die Staatsanwaltschaft die gegen das freisprechende Erkenntniß eingelegte Berufung zurück- gezogen. Das mit so viel Eklat eingeleitete Verfahren hat also mit einem„eklatanten Erfolg" der Angeklagten, d. h. der sozialdemokratischen Partei geendet.— Das Attentat gegen König Humbert kann vorläfig noch nicht politisch fruktifizirt werden. Wenn auch eine blöde Menge in Rom einen sozialistischen Deputirten thätlich angriff und der Redaktion des„Avauti" die Fenster einwarf, so giebt eS doch kein vernünftiges und anständiges Blatt in Italien sowie in Deutschland, welches das Attentat ans Konto einer politischen Richtung zu setzen fertig brächte. Zu den vernünftigen und anständigen Blättern zählt natürlich das Bündlerorgan, die �Deutsche Tageszeitung" nicht. Was selbst die reaktionärsten Blätter in Italien nicht fertig be- kommen, bringt dieses edle Blatt zu stände; nach ihm fällt „die verbrecherische That den Umstnrzlehren zur Last." That- sächlich giebt es nicht den g e r i n g st e n Anhalt dafür, daß der Schmied Pietro Acciariti, der den Dolch gegen Hnmbert zückte, jemals irgendwelche Be- rührungen zn politischen Kreisen gehabt hat. Er hat seine That verübt ans V e r- z w e i f l u n g, aus Elend, aus Hunger. Als er vom Polizeirichter befragt wurde, was sein Handwerk sei, er- widerte er lakonisch:„Das Verhungern". Auf die Frage: „Wo wohnen Sie?" antwortete er:„Wo soll ein armer Teufel, wie ich, wohnen? Ich hatte eine kleine Werkstätte in der Via Macchiavelli, mußte sie aber schließen; seit zwei Tagen bin ich ohne Arbeit". Und nach dem Motive seiner That gefragt, sagte er:„Als ich so viele schöne Wagen, so viele reiche und glückliche Menschen sah, als ich hörte, daß auf ein Pferd ein Preis von fünfundzwanzigtausend Franks aus- gesetzt sei, während ich nicht einen Heller verlieren konnte, d a verlor ich die Besinnung." Also die That eines armen, herabgekommenen, besinnungslosen Kleinhandwerkers, nicht etwa ein wohlvorbereiteter, planvoller, politischer Anschlag! Und wäre es ein politischer Anschlag gewesen, wem zu Nutzen? Die sofortigen Folgen zeigen wieder einmal, wozu solcherlei Thaten— mögen ihre Motive sein, welche es wolle», mögen sie gelingen oder mißlingen— dienen. Eine wahre OrgiedesMonarchismus ist ausgebrochen. Der wacklige Thron des italienischen Herrschers ist fester gestellt worden. Humbert, der bald nach dem Attentat gesagt haben soll: „Solche Vorfälle gehören zum Handwerk", wird dem armen Teufel von„Attentäter" dankbar sein. Mit Recht sagt das auptorgan unserer italienischen Parteigenossen in Rom: ein Monarch! st hätte den Interessen der Monarchie besser dienen können als der Urheber des Attentats. Wir lassen die wichtigsten telegraphischen Nachrichten folgen: Rom. 22. April. Heute Abend nenn Uhr begann auf dem Colonua- Platze eine große Kundgebung, an deren Spitze die monarchischen Vereinigungen standen, welche zwölf Fahnen mit sich führten. Die Theilnehmer an dem Huldigungszug bewegten sich unter fortdauerndem Enthusiasmus nach dem Quirinal, wo sie begeisterte Hochrnse auf de» König ausbrachten, Aus dem Jnlaude wie aus dem Auslande treffen zahlreiche Glück- wunschdepeschen an den König ein. Weitere Depeschen aus der Provinz melde», daß überall, namentlich in den Theater», Huldigungen für den König stattfanden; auch in den hiesigen Theatern fanden Ergebenheitskundgcbungen statt. Als die Theilnehmer an dem Huldigungszuge aus dem Quirinal zurückkehrte», veranstaltete» sie eine Kundgebung gegen das sozialistische Journal„Avant»". Rom. 22. April. J»n Augenblicke der Festnahme wurde Acciariti von den anivesenden Personen zu Boden geivorfeu und mit Faustschlägcn behandelt. Nach den Journalen erklärte Acciariti, er sei durch Hunger zn dem Verbrechen gedrängt ivorden. Der Verbrecher geberdete sich exaltirt; er scheint den Anschlag seit gestern geplant zu habe», denn er äußerte. er»verde heute ei»« hohe Persönlichkeit tödteu. Seit gestern suchte ihn die Polizei, uin ihn zu überivache». Es scheint, daß Acciariti den Dolch selbst angefertigt hat; die Klinge deffelbe» ist zwei» schneidig und 30 Zentimeter lang. Der Verbrecher hatte bei der Ausführung des Stoßes die Hand mit einen» Taschentuch um- »vickell. Man bestätigt, daß Acciariti aus eigenen» Antriebe und in überspannter Geistesverfassung handelte. Rom, 23. April. Heute Vormittag»vnrde hier ein Arbeits- genoffe Acciariti's, Pietro Collabona aus Belletri und die Geliebte Acciariti's, das Dienstmädchen Pasqua Benaraba aus Poggio Catino verhaftet. Acciariti bleibt bei seiner Erklärung, daß er keine Mit- schuldige habe. Bis jetzt ist jeder Verdacht, daß es sich um einen gemeinschaftlich geplanten Aiischlag handle, ausgeschlossen.— Ueber den Tnunllt vor de» Räumen des„Avanti" wird folgendes bekannt. Derselbe begann damit, daß dreuneude Fackeln durch die Fenster geworfen wurden. Das Redaktionspersonal»vehrte sich gegen die vordringende Menge, indem es allerlei Gegen- stände, Tintenfässer u. s.»v., herabivarf. Der Abgeordnete Morgan!, der Administrator des Blattes, ging auf die Straße, um Schutz der Behörde zu verlangen. Er wurde von der Menge umringt und mißhandelt, bis ihn schließlich die Karabinieri in Schutz nahmen.— Chronik der MajestätSbeleidigungS- Prozesse. Die Un- Vorsichtigkeit bei Wirthshausgesprächeu hat schon manche Ver- urtheilung wegen Majestätsbeleidigung gezeitigt. Vor dein Hamburger Landgerichte hatte sich heute der Seesteuerman» Theodor G u t s ch zu verantivorteit.»veil er im Sylvester» ransch sich am Biertisch despektirlich über den deutschen Kaiser geäußert haben soll. Am Nebentisch faß ein Kriininal- beawter, der bei der Aeußerung des Gutsch sofort aufsprang und denselben verhaftete. Der Angeklagte erklärte vor Gericht, daß ihn» sein politischer Standpunkt durchaus keine Veranlassung gäbe, sich über den Kaiser verächtlich zn äußern. Er habe bei der Marine gedient und habe vor der Wahl zun» Reserve-Offizier der Marine gestanden. Er müsse i» der Sylvesteruacht, wo die Geschichte passirte. total betrunken gcivesen sein, denn er erinnert sich an nichts mehr von dem Vorgange. Von dem Wirth, einen» Gast und dem Kriminalbeamte» »vird denn auch bekundet, daß G. angetrunken geivesen ist. Nach der Meinung des Wirths hat der schon angetrunkene G. noch fünf halbe Liter Bier bei ihm getrunken. G. ist im Jahre 13S3 schon einmal»vegen Mnjestälsbeleidigung angeklagt geivesen, aber »vegen sinnloser Trunkenheit damals sreigesproche». DieSrnal beantragte der Staatsanivalt fünf Monate Gefängniß. Das Gericht glaubte dem Augeklagten auch die sinnlose Trunkenheit nicht und erkannte auf drei Monate Gefängniß. *« Deutsches Reich. — Wozu der Krieg gut ist. AIS beim Ausbruch des lürkisch-griechischen Krieges auf die Ueberlegeuheit der Griechen zur See hiugen'iese» winde, da veranlaßt« dies unsere deutschen Marine- Enthusiasten, ihre Herzensivüusche aus der Tiefe ihres patriotischen Busens»vieder hervorzuheben und die Wichtigkeit und Nothivendigkeit der deutschen Flotlenvermehrung daraus abzuleiten. Dasselbe»vird sich ohne Ziveifel jetzt niit der Artillerie »viederhole». In den letzten Gefechten sollen sich die griechischen Kanonen Canet'schen Systems den türkischen Kruppkanone» überlegen gezeigt haben. Also muß Deutschland mit beschlennigter Schnellig- keit a» die Neugestalt»,»g seiner Artillerie gehe». Der Krieg „dort hinten" kann den deutschen Steuerzahlern noch recht theuer komme».— — Wie der„Kampf" gegen das Duell in Wirklich- keit aussieht, davo» gebe» folgende interessante drei Daten aus dem Lebe» eines Duellanten, die die klerikale„Märkische Volkszeitung" zusanimcnstellt, eine Probe: 6, März ISL6: durch das Schwurgericht zu Duisburg wird der Referendar Ernst Rotberg aus Berleburg »vegen TödUmg des Kansmanns Lehukeriug in» Duell zu 2 Jahren Festung verurlhcilt. Oktober 1893: Rotberg»vird nach sechsmonat- licher Haft begnadigt. März 1837: Rotberg tritt»vieder in de», Justizdienst ein, aus dem er damals»vegen der„Affäre" ausgetreten ivar.— Er ist also ein vollendeter„Ehreinnann", trotzdem an seinen Händen Blut klebt.— — Gegen das Ei»wa uderungsgesetz»vird i» kauf- mänuische» Kreisen maunigfacher Protest erhoben. I» einer Haupt- Versammlung der Abtheilnug Hamburg der deutsche» Kolonialgesell- schaff»vnrde scharfe Kritik an den» Entivnrf,»vie er sich nach den Beschlüssen der Reichstags-Konimissio» gestaltet hat, geübt. Man be- tonte besonders, daß jedes geivallsame Eingreifen in die für das ganze Lebe» entscheidende Frage der Ansivauderung nur das Gegen- theil des gewünschte» Ziveckes erzielen»verde. Unser ganzes Enipfindei» sträube sich gegen ein zivangsiveises Hineinschieben in nicht geivollle Bahnen. — Zur Nachwahl in Königsberg». Pr. theilt die „Königsberger Hartung'sche Zeitung" mit, daß die Nationalliberale» de» Kaudidate» der Freisiuiilgen Vereinigung, Laiidtagsabgeorduele» Brömel, unterstützen»verde»»,»vähreud die Konservativen mit den Antisemiten zufammeugeheu»volle». Wen»»»an erwägt, daß die Natioualliberalen bei der letzten Wahl die höchste Stimmenzahl nach den Sozialdemokraten erlangt habe», so»vird man das Eingeständniß ihrer Schiväche, das in dem Aufgebe» eines eigenen Kandidaten zum Ausdruck kommt, doppelt bezeichnend finden.— — Wie niai» die Polen vaterlandsliebend »» acht. Die„Vosfische Zeitung' theilt mit, daß kürzlich zahlreiche polnische Beamte aus der Provinz Posen in„deutsche Gegenden" versetzt worden seien. Die„Krenz-Zeitnug" bemerkt dazu:„Dieses Verfahre» verdient die lebhafteste Zustimmung; haben doch gerade die polnischen Be- amten durch ihren Einfluß auf die Unterbeamten und Arbeiter nicht»venig zur Förderung der national- polnischen Agitation bei- getragen." Man sollte es kaum für möglich halten, daß jemand sich ein- bilde» kann, auf solche Weise die polnischen Reichsangehörigen für das Reich zu geivinne». Psychologie ist offenbar nicht die starke Seite der„Kre»lz-Z«itm»gs"-Herre».— — Erst diePolen. dann dieElsässer. Der„Franks. Ztg."»vird aus Elsaß-Lothringcn unterm 21. April geschrieben: Eine vorgestern in St. Avold abgehaltene klerikale Ver- s a m m l» n g, in der u. a. die Reichstags-Abgeordneten Spieß und Colbns anflratei». wurde aufgelöst. Die Auflösung erfolgte dem„Lorrain" zufolge, weil ein Redner namens Mario» f r a»- zösisch sprechen»vollte und der überwachende Polizei- kommissar der französischen Sprache nicht mächtig war. Dies Versammlungsverbot bietet eine»,»nie» Beitrag zn den» Kapitel der reichsländischen Versammlnngsfreiheit und Z»vangsger»ia>»isario>». Man sollte doch annehmen, die Regierung»verde in einem zivei- sprachigen Grenzbezirk daraus halten, daß die Organe der Polizei beider Sprache» mächtig sein müsse».— Am l. Mai»verde» an stelle der zivei auf grund des Diltaturparagraphs» aufgehobene» oberelsässischen klerikalen Zeitungen zivei neue Blätter erscheinen und zivar i» Mülhausen die„Oberelsässische Landeszeitung", in Colmar der„Elsäjsische Kurier". Die Opposition ist eben nicht todt zu machen. — Amtsentsetzung. Der dänisch gesinnte Pastor Paulsen- Hellewalt, der, wie seinerzeit gemeldet, anläßlich der Zentenarfeier einen Festgottesdienst halten mußte und in der Predigt erklärte, er handle nur aus Zivang, auch außerdem noch«inige absprechende Bemerkungen über den Kaiser Wilhelm I einflocht, ist jetzt der „Nordostsee-Ztg.' zufolge seines?lmtes«IS Lokalschulinspellor entsetzt ivorden. Wegen seiner Predigt schivebt gegen ihn ein Disziplinar- verfahre».— Gera, 22. April.(Eig. Ber.) In der„Gesetzsammlung für das Fürstenthum Reuß j. L."»vird heute von der Regierung die Aufhebung der Vorschrift rn Z IIa des Vereins- gesetzes publizirt.§ IIa lautete: Politische Vereine dürfen nicht mit Vereinen gleicher Art z» geuielnsamcn Zivecken in Verbindung treten, insbesondere nicht durch Komitees, Ausschüsse, Zentralorgan« oder ähnliche Ein- richtungen oder durch gegenseitigen Schristenwcchsel.— — Die sozialdemokratische Fraktion deS hessischen Landtages hat folgenden Antrag eingebracht: „Die Kammer»volle beschließe», großh. Regierung zu ersuchen, den Ständen alsbald eine Vorlage über die Errichtung einer Landesanstalt zur Heilung der Tuberkulose und sonstiger chronischer Krankheiten zugehen zu lassen." Daß dieser'Antrag sebr zeitgemäß ist, wird selbst von den Gegnern der Sozialdemokraten nicht bestritten werden.— — Dem Stuttgarter Hofprediger Dr. Braun ist in Leipzig veriveigert ivorden, in der Thomaskioche zu predigen. Der Herr Konsisiorialrath Dr. Brau» sollte die Festpredigt halten in dem Gottesdienst, der dem in der Pfingstwoche in Leipzig tagenden evangelisch- sozialen Kongreß vorausgehen soll.' Nun gehl es" ihm wie den Sozialdemokraten, denen gleichfalls die Lokale ab- gelrieben werden. Das hat er»vahrlich nicht verdient, denn Dr. Braun steht streng auf positivem Standpunkt.— Schweiz. Basel, 23. April.(„Franks. Ztg.") Der große Rath hat daS Volksbegehren für Einjührnng des Proporzes mit V2 gegen 49 Stimmen abgelehnt. Dadurch werde eine VolkSenischeidung nöihig.-- Frankrelch. Pari», 22. April. In der Panama-Angelegenheit verhörte Untersuchungsrichter Le Poittevin gestern wieder Arto» und empfing den Advokaten des früheren Deputirten Planteau. Ans den auf diese» bezüglichen, beschlagnahmten Papi-ren soll hervorgegangen fei», daß Planteau zur Zeit des Panama-EkandalS eine Einnahine von 19—25 000 Frayls jährlich hatte, während seine Frau als Schneiderin 3—7000 Franks verdiente. Daraus folgert der Advokat, daß Planteau nicht nölhig hatte, von Arto» Geld zu nehmen. Demnächst»vird ein aiiderer ehemaliger Deputirter Namens L a i s a n t(Boulangist) verhört, der auf Arton'S Proskriptionsliste mit 30 000 Fr. verzeichnet steht und in eine im November 1895 von der„Libre Parole"«nternoinniene Preßfehde gegen einen geivissen Souligoux verivickelt ivar, die damals viel Staub aufwirbelte. Wie es heißt, soll auch die Sonligoux-Affäre wieder aufgenommen werde», womit jedoch ein anderer Untersnchungsrichter betraut werden dürste.— Belgien. — Der König der Belgier muß warten, bis er für die ihm angeblich von deutschen Redakteuren zugefügte,» Beleidigungen Genugthnung erhällt. Gegen die Redakteure des„Hamb. Echo" und des„Proletarier aus dein Elllengebirge" kommt es vorläufig zn keiner Verhandlung, da die Prozesse auf unbesliminte Zeit vertagt sind.— Schweden. Stockholm» 23. April. Beide Hänser des Reichstags haben in gemein- samerAbsiiinmulig mit 180 gegen 177 Stimmen die Zollfreiheit für rohe ungefärbte Seide und die Herabsetzung des Zolles für gefärbte oder gebleichte Seide aus 1 Krone per Kilogramm a»- g e n o m m e n. Rußland. — Untersuchung gegen Professor EhmielowZki. Wie aus Warschau gemeldet wird, winde dort gegen den verhaftete» Professor Peter Chmielowski, der Mitglied der Krakauer Akademie der Wissenschafte» ist, die Untersuchung wegen Geheimbündelei ein- geleitet. Der bekannte Gelehrte hat sich keines andere» Verbrechens schuldig gemacht, als einer Einladung zu einer Gesellschaft gefolgt zu sein, in der über Errichtung eines Denkmals für de» größten polnische» Dichter Miczlieivicz gesprochen werden sollte. Und da wird von einer Politik der Versöhnung mit Polen und Rußland gesprochen.— — Neues Eisenbahn- Projekt. Die Petersburger „Handels- und Jndustrie-Zeitung' meldet: Der Kaiser genehmigte, daß die Wladikawkas-Eisenbahtt-Gesellschaft eine Zivtiglinie von Derbent bis zur Transkaukasischen Eisenbahn baue und daß die Gesellschaft das Obligationskapital um einem Betrug bis zu 12 274 139 Rubel erhöhe. Derbent liegt am westlichen Ufer des Kaspischen Meeres, ungefähr in der Milte zwischen PetrowSk und Baku, den Endstationen der beiden großen Kankasus-Bahnliuien. Die iieue Bahn würde mithin einen sehr großen Theil des Kaspischen WestnferS für den Handel erschließen, der bisher nur umständlich durch die Seeverbindung mit Baku und Astrachan betrieben werden konnte. Asien. — Die Chinesen ans Formosa. Bor dem S. Mai werden die 2>/» Millionen Chinesen auf der Insel Formosa optiren müssen, das heißt, es bleibt ihnen die Wahl,„Japaner" zu werde» oder auszuwandern. Die große Mehrheit der Chinesen wird wahrscheinlich auf der Insel bleibe». Die japanische Regierung arbeilet schon jetzt neue Reglements für diese neuen Unterthanen aus, ma» ist jedoch der Meiiin>»a, daß die in Japan geltenden Gesetze den Ehinese» nur mäßig gefallen werden.— Afrika. — Die russisch-abessynische Freundschaft macht bemerkensiverthe Forlschritte. Einige höhere abessynische Offiziere »verden in kurzer Zeit i» Petersburg eintreffen,»m dort das Militär- ivese» zn studire». Andererseits sollen mehrere russische Offiziere anfgefoidert»verde»,, sich als Jnslrukwren der abessynischen Armee nach Abcssynien zu begeben. Die Engländer»verden sich beeilen »insse»,»veii» ihnen der russische Einfluß in Ostafrika nicht bald sehr unangenchn» fühlbar, Verden soll.— — DaSEinlaufeneinesenglischenGeschwaderS in die Delagoa-Bay sucht man in England als harmlos oder aber als«ine Maßregel zum Schutze der portugiesischen Kolonien hinzu- stelle». Dem„Renter'schen Bureau" wurde auf eine Anfrage bei der Admiralität i» London die Anskunst ertheilt, daß die unter dem Kommando des Admirals Rawson stehenden Schiffe lediglich den gewöhnlichen Dienst der Station ausführen. Die nächste Be- stimmung des Geschwaders sei dem Ernieffen des Admirals Rawson überlassen, der Admiralität sei daher nichts darüber bekannt. Einer Meldung der„Times" aus Lissabon zufolge wurde die Ankunft des britischen Geschwaders in der Delagoa-Bay sowohl von der monarchistische» wie von der republikanischeii Presse günstig auf- genommen. Die Blätter bezeichnen dieselbe als eine Demonstration gegen einen etwaigen Handstreich der südafrikanischen Republik oder Deutschlands gegen Lorenyo Marquez, der Hauptstadt der gleich- nainigen portugiesischen Kolonie. Aus Kapstadt meldet daS Wolffffche Depeschenbureau vom 22. April: Während der Besprechung des Beschlußantrages Dutoit über die Bermeidiing von Kriegen zwischen den europäischcn Böller» in Südafrika erklärte im Kapparlament« der Premierminister Sprigg. der geeignete Weg, die bestehende Erregung zu beseitige», sei für die Siidasrikanische Republik, den Beschwerden der Mehrheit des Volkes gerecht zu werde». Er glaube nicht an den Ausbruch eines Krieges in Südafrika, aber die Errichtung von Forts und die Einjuhr von Munition sei nicht der Weg, den Frieden zu sichern. Wen» eS zum Kriege kommen sollte, sei dies die Scknld der Süd- afrikanischen Republik. Die Reichsrcgiernng sei entschlossen, die Londoner Konvention und Englands Stellung als Vormacht in Südafrika ausrecht zn hallen. Die Unabhängigkeit Transvaals habe ohne britischen Schutz nur ganz geringen oder gar keinen Werlh. Saner und Schreiner widersprachen den Aenßernngen Sprigg's. Man darf annehmen, daß die Situation in Sndost-Airika sich weiter bedenklich verschärfen»vird. Narlsmenkarifches. Arbeitspensum des Reichstages. Einer offiziösen Verlautbarung znsolge ist es als ziveifelloS anzusehen, daß der Reichstag sich nach den Osterferien auch mit Vorlagen zn be- schästige» haben wird,»velche ihm bisher»och nicht zu- gegangen sind. Es»vird sich demnach das gesetzgeberische Material, das schon vorhanden ist, noch vermehren. Bei dieser Sachlage»verde die Frage aufgeivorfen»verden müssen, wie die geschäftlichen Dispositionen im Reichstage am beiteu getroffen werden dürsten. Bei den übrigen und auch de» noch zu erwartenden Vorlagen kann man wenigstens mit einiger Sicherdeit annehme», daß sie sich bei gutem Willen noch werden im Frühjahre erledigen lassen. Bei dem Jnvalidenversichernngs- Gesetzentivurfe wäre dieS natürlch auch kein« Unmöglichkeit, jedoch nachdem er vor Ostern nicht einmal zur ersten Lesung gc- kommen ist, würde seine Verabschiedung nur dann in sichere Aussicht genommen werden können, wenn von vornherein bei den auf die Geschäftsführung des Reichstages Ein- fluß habenden Faktoren der feste Wille vorhanden wäre, den Ent- wurf bald dnrchznberathen. Daß die Revision des Jnvaliditäts- und Altersversicherungs-Gesetzes dringlich ist, braucht nicht wieder- holt zu werde». Auf Seiten der Regierung legt ma» den größten Werth darauf, daß auch dieser Ziveig der Arbeiterversicherung, der verhältnißinäßig am meisten Mißstände aufzuweisen hat. recht bald reformirt»vird. Wäre jedoch der feste Wille nicht vorhanden, in einer nicht zu langen Dauer hier zu einer Entscheidung zu kommen, so dürfte es sich wohl im Interesse der gesammten parlainen- tarischen Arbeit empfehlen, die ganz« Aufmerksamkeit aus die übrigen Vorlagen zu konzentriren und die Erledigung des Invaliden- verucherungs-GesetzeS einer anderen Tagung vorzubehalten. Es wäre dies in hohem Maße mit Rücksicht aus die Interessen, die hier in Frage kommen, bedauerlich, aber es wäre für die Gesammlheit der parlamentarischen Arbeiten gut, wenn man nach der Beendigung der Osterferie» möglichst bald zur Klarheit über die Bewältigung des Arbeitsstoffs gelangle.— Qfci; NeirhskommiMv Dr. Dckcvs f vor der Disziplinctrknttnttrv. W„ Berlin, 23. April 1897. Bor der neugebildeten kaiserlichen Disziplinarkammer für die Beaurlen der deulichen Schutzgebiete findet morgen(Sonnabend) der mehrfach angekündigte Prozeß gegen den Reichskommissar für Deutsch-Ostafrika. Dr. phil. Karl Peters, statt. Letzterer wurde be« kanntlich im Jahre 189u zum deutschen Reichskommissar für Deutsch- Oslafrika ernannt. Etwa im Juni 1891 begab er sich nach Ostasrika und begründete dort im Kilima Ndscharo-Bezirk die Station Marangu. In einer Septembernacht 1891 fand im Ge- bäude der denlschen Station ein Einbruch statt. Der Einbrecher wurde gestört, und obwohl er sofort verfolgt wurde, gelang es ihm zu entkommen. Da schon vorher mehrere Diebstähle aus der Station vorgekommen waren und es schiver war. den Dieb zu ermitteln, so ließ Dr. Pelers bekannt rnnche»: wenn der Dieb sich freiwillig melde, habe er eine milde Strafe zu gewärtigen, würde er dagegen erst durch Ermittelungen «nideckr rverden. dann werde er mit dem Tode bestraft. Kurze Zeit darauf wurde ein schwarzer Tiener des Dr. Peters, namens Mabrnk bei einem Zigarrendiebstahl ertappt. Auf eindringliche Vorhalinngen gestand Mabruk, daß er auch der gesuchte Einbrecher ser. Es soll nun auch vermuthet worden sein, daß Mabruk nicht blas zu stehlen beabsichtigte, sonder» auch willens war. eine der Konkubinen des Dr. Peters zu entführen. Mabruk wurde deshalb zum Tode verurtheilt und. obwohl er sußsällig um Gnade hat, durch den Unteroffizier Wiest hingerichtet.— Als Dr. Peters i» Kilimandscharo eintraf. wurde» ihm von einem benachbarte» Häuptling drei„Neger-Prinzessinnen" nebst einer Dienerin zum Geschenk gemacht. Etiles Tages waren diese drei Weiber ver- schivunde». Dr. Pelers vermuthete die Ausreißerinnen bei einem benachbarten Häuptling, zumal die Dienerin zu dem Stamme des letzteren gehört«. Er sandte deshalb eine Abordnung Soldaten zu diesem Häuptling mit der Ausforderung, die drei Weiber herauszugeben. Der Häuptling versicherte, daß die Weiber nicht bei ihm seien. Da außerdem etwa 200 bewaffnete Unterthanen des Häuptlings gegen die Soldaten de? Dr. Pclers eine drohende Haltung einnahmen, so zogen sich letztere, zumal sie bei weitem in der Minderheit waren, zurück. Am folgenden Tage zog Dr. Peters mit seiner gesammten Truppenmacht in das Dorf des Häuptlings, um die Herausgab« der drei Weiber event. mit Waffen- gemalt zu fordern. Der Häuptling muß wohl von dem Einmarsch des Dr. Peters Kenntniß erlangt haben, denn als letzterer ins Dorf kam, war der Häuptling mit seinen Soldaten verschwunden. Um nun seine Autonläl zu wahre», ließ Dr. Peters das Dorf sofort niederbrennen. Da der Häuptling weitere Repressalien fürchtete, so sandte er die drei Weiber, die er thatsächlich bei sich hatte. am solgenden Tage dem Dr. Peters zurück Dr. Peters befahl, die drei Weiber auszupeitschen. An den beiden Prinzessinnen wurde die Prügelstrafe vollzogen; sie sollen nach der einen Version 2S. nach der anderen 200 Hiebe erhalten haben. Jedenfalls berichten Augenzeuge»: die„Priiizeffimien" hätten furchtbar geschrien und geblutet, die Prozedur sei eine entsetzlich grausame gewesen. Der bereits erwähnten Dienerin gelang es jedoch, noch vor ihrer Auspeitschung, von neuem zu entfliehen; sie wurde aber wieder eingefangen, vor ein sogenanntes Kriegsgericht gestellt und— zum Tode verurtheilt. Dies Kriegsgericht, das auch über den Diener Mabruk das Todesurtheil sprach, bestand aus Dr. PeterS, dem bayerische» Premierlieutenant Freiherrn v. Pech- mann und einem Verwallungsbeamten, namens Jaucke. Da sich Lieutenant Bronsart von Schellendorf, ebenso wie bei Mabruk. iveigerte, die Hinrichtung an dem Negermädchen zu vollziehe», so wurde auch in diesem Falle Unterosfizier Wiest mit der Hinrichtung betraut. AIS sich nun Dr. Peters auf dem Rück- niarsch befand, hat er an das Auswärtige Amt Bericht erstattet. Hierbei soll er unwahre Angaben gemacht haben. Ferner wird Dr. Peters beschuldigt, nach seiner Rückkehr aus Ostasrika bei Gelegenheit eines im Hotel Bristol zu Berlin stattgehabten Soupers, bezüglich seines Verkehrs mit den schwarzen Frauen in Ostafrika, eine Aeußerung gethan zu haben, deren Wiedergabe der Anstand verbietet.— Bekanntlich hatte das erwähnte Nieder- brennen des Dorfes große Mißstimmung unter den Eingeborenen hervorgerufen. Etwa drei Monate nach dem Weggange des Dr. PeterS, im April 1892 wurde Lieutenant Freiherr v. Bülow mit seiner gesammten Expedition ermordet. Dr. Peters, der angeklagt ist, durch die erwähnten Handlungen seine Amts- gewalt mißbraucht, seine Amtspflichten verletzt und damit des seinem Amte zukommenden Ansehens sich unwürdig gezeigt zu haben, hat sich daher morgen vor Eingangs bezeichnetem Gerichts. hose zu verantworten.— Dr. Karl Peters ist am 27. September 1856 zu NeuhauS an der Elbe als Sohn eines evangelischen Geist. lichen geboren. Er studirte von 1876 ab in Göttingen, Tübingen tmd Berlin. 1879 promovirte er in Berlin zum Doktor der Philosophie und habilitirte sich im Jahre 1880 an der Berliner Universität. Sehr bald darauf begab er sich nach London, unternahm alsdann Reisen durch Europa und als er nach Deutschland zurückkehrte, gründete er in Berlin die„Gesellschaft für deutsche Kolonisation". In deren Auftrage be- gab er sich ini Oktober 1834, in Begleitung von Jühlke und Graf Pfeil, ausgerüstet mit unumschränkter Vollmacht, nach Ostasrika, um dort Ländereien anzukaufen. Er begab sich über Trieft»ach San. sibar und von dort aus das ostafrikanische Festland. Am I.Februar 1885 traf Peters mit 12 rechtsgiltigen Verträgen in Europa wieder ein. Diese Verträge sicherten der Gesellsckast sür deutsche Kolonisation weite Landschaste» in Ostafrika. Später trat PeterS an die Spitze der„Deutsch- Ostafrikanischen Gesellschaft". In deren Auftrag be- gab er sich im März 1887 mit einem großen Stab von Beamten wiederum»ach Ostasrika. Ansang? des Jahres 1888 kehrte er nach Berlin zurück. 1889 leitete er die deutsche Emin-Pascha- Expedition und wurde, wie erwähnt, im Jahre 1890 zum Reichs- koinmissar für Deutsch-Ostafrika ernannt.— Sicherem Vernehmen nach wird Dr. Pelers persönlich zu der morgigen Verhandlung, die im Saal 6 des in der Lindenstraße belegenen Kammergerichis- Gebäudes stattfindet, erscheinen. Den Gerichtshof werden bilde»! Kammergerichls- Senats- Präsident Groschuff(Präsident). Land- gerichtsrath ThininS, Landgerichtsrath Fromm, Geh. RegierungS- rath Gruner vom ReichSamt des Innern und Wirkt. Legations- rnlh von Schelling. Als Staatsanwalt wird Geh. Legationsrath Hellwig vom Auswärtigen Amt fungiren. Die Verlheidigur führen die Rechtsanwälte Gundlach und Dr. Koffka. Die Verch lung ist öffentlich._ Dritte Generalversammlung des Deutschen Metallarbeiter-Kerbande». N a ch m i t t a g s- S i tz u» g vom 21. April. Nachdem dem Hauptkassirer Werner und dem Kassirer des Aus- schusseZ Decharge erlheilt, erhält S e g i tz daS Wort zum 3. Punkt und iührt da etwa folgendes aus: Solange für die Metallarbeiter Deutschlands moderne Gewcrk. schafls-Organisationen bestehen, dürste wohl kaum eine Frage die Mitglieder so interessirt haben, als die Anträge, die zu dieser Generalversammlung in beziig auf das Unterstützungswesen gestellt sind. Zwei scharf getrennte Anschauung-» ringe» um die Anerkennung der Organisation. Der Antrag, das Unlerstützungswesen aufzuheben, gestellt von Frankfurt. Bockenheim und Magdeburg, bedeutet in seinen Konsequenzen nichts anderes, als die Beseitignng der bisherigen Grundlage des Verbandes. Der Vorstandsantrag: Gewährung von Arbeits- loseii-Unlerslütznng auch an Ortsansässige, will auf der bisherigen idiguna erhAßv- Basis der gewerkschaftlichen Organisation werterbauen. ES werde nun zu unrecht der Ruf hinausposaunt:„Kampf- oder Unter- stützt», gs-Organisation." Eingehendes Studium aller einschlägigen Verhältnisse, insbesondere die günstigen Erfahrungen, welche jene deutschen Verbände, die das Unlerstützungswesen ausgebaut haben, im Gegensatz zu jenen Verbänden, die als reine Kampsorganisationen dahin vcgetiren, habe in de», Redner die Ueberzeugung wach- gerufen, daß die Metallarbeiter zu denselben Hilfsmitteln greifen müssen, wenn ihre Organisation jemals Bedeutung er- lange» will. Hand i» Hand mit den Anträgen, welche die Unter- stützmigs-Frage betreffen, gehen Anträge aus Erhöhung der Beiträge. Dr. B. von Schweitzer gründete ausschließlich Streikvereine, niedrige Beiträge sollten die Arbeiter anlocken, die Maffe, die Zahl, der eherne Tritt der Arbeiterbalaillone sollte die Unternehmer zu befferen Arbeitsbedingungen zwingen. Der allgemeine Arbeiterbund zählte im Jahre 1869 rund 55 000 Mitglieder, 1870 noch 4257. Die aus- schließlich aus Streikvereine gegründete Selbsthilfe machte Fiasko. Jene Organisationen gedeihen, welche durch zweckmäßige Vereinigung aller Hilssmittel die Arbeiter zu interessiren suchen. Hierfür liefert der Redner den zahlenmäßigen Nachweis. Nicht daS ideal« Klaffen» inlereffe, sondern die materielle» Interessen sollten den Arbeiter an die Gewerkschaft fesseln. Die Gewerkschaft soll sür den Arbeiter ein Stück seiner Existenz sein, überall hinter dem Arbeiter stehe». Wie sich die Gewerkschaften in bezua auf das Unterstützungs- wesen entwickelt haben, dafür führt der Redner folgende Zusammen- stellung a»: Leistung der Gewerkschaften 1877 1894 von 80 Verbänden zahlten von SO Verbänden zahlten 15 Unterstützung bei Streiks 47 3 Arbeitslosigkeit 14 17 Reife- Unterstützung 37 3 Geniaßregelteu.Unterstützung 25 8 Rechtsschutz 35 13 Sterbefälle 4 6 Invalidität 2 — Umzug 23 — Besondere Unfälle allgem. Durch die Vermehrung des UnterstütztingSwesens haben die Arbeiter auch im Klassenbeivußtsei» keinen Schaden erlitten. ES ist daher thöricht, wenn man de» Anhängern deS Unterftützungswesens immer und immer wieder Hirsch-Dnnckerei vorwirft. Das Gegentheil trifft zu. Durch de» Ausbau des UnterstützungSwesens sind Buch- drucker, Handschuhmacher. Porzellanarbeiter. Glasarbeiter. Berg- arbeiter von Dr Max Hirsch abgesalle» und die Klassenkämpfe haben sich vermehrt! und verschärft.�die Kluft zwischen den zwei Welten hat sich vertieft. Das Unlerstützungswesen soll nicht Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck sein. Nicht ein einziger Zweig des UnterstützungSwesens kann ohne Schaden sür den Kampf entbehrl iverden. Eingehend bespricht Segitz die aus der Gegnerschaft der Arbeitslosen-Untcrstütznng sich ergebende Konsequenz: die Abschaffung der Reise-Unterstützung. Eine moderne Gewerkschaft muß versuche». de» Arbeitern die Erreichung günstiger Arbeitsgelegenheiten zu er- leichtern. De» Arbeiten, de» Wechsel des Ortes zu erschweren, liegt nur in, Interesse des Unternehmers. Die Stellung der Konservativen zur Sachsengängerei beweist dies. Eine Unterstützung lediglich als Gemaßregelten- Unterstützung einzuführen, sei um deswillen nicht rathsain, weil der Begriff der„Maßregelung" oft schwer definirbar ist. Wenn gesagt ivird, daS Unterstütznngswese» verzögere den Klassenkampf, so müffe er de», entgegenhallen die Begriffsbestimmung Jakobi's sür Klaffcnkampf. Jrrthümlich sei die Anschauung, die als Klassenkämpfe nur noch Streits betrachtet wissen will. Zum Wesen des Klassenkampfes gehört seiner Ansicht nach jede Thätigkeit, welche bezweckt, de» Arbeiter zur Erkenntniß zu bringen, daß er eine eigene Klaffe bilde, mit eigenen Interessen, die den Interessen der besitzenden Klaffen entgegenstehen. Bezüglich des Punktes staatliche Einführung der Arbeitslosem Unterstützung müsse er sagen, daß er ihr keinen Geschmack ab- gewinnen könne, er habe an dem Vorgeschmack der bestehenden Alters-, Jnvaliditäts- und Krankenversicherung genug. Redner weist nun im weitere» nach, daß früher schon unsere Vorkämpfer als Marx, Engels, Liebknecht n. f. w. das Anpassen an die englische Bewegung empfohlen. Wenn eingewendet wird, daß die englischen Gewerkvereine in bezng ans den Kainpf weniger leistete» als die deutschen, so halte er dem entgegen, daß die englischen Gewerk- vereine für Lohnkämpfe mehr ausgebe», als wir überhaupt«in- nehme». Die englischen Gewerkvereine nähern sich nur um des- willen der konlinentalen Bewegung, weil diese ihr entgegenkommt. Die deutsche» Gewerkschaften. die Arbeitslosen- Unterstützung gewähre», haben die günstigsten Erfahrungen gemacht. Bei ihnen ist die Mitgliederzahl eine höhere, als bei den anderen. DertWechsel der Mitglieder ist geringer. Der deutsche Metallarbeiter- Verband nahm im Jabre 1895 20 605 Personen auf, ansgeschiede» sind 21 882. Daran sei auch die Erhöhung der Beiträge nicht schuld. Wenn man nun einwendet, daß die Metallarbeiter die erhöhten Beiträge nicht bezahlen könnten, so halte er dem entgegen, daß die Metallarbeiter noch lange nicht die geringsten Löhne bezöge». Man sollte sich nur ein Beispiel an den Buchbindern nehmen, die bei ihrem geringen Lohn»nd den viele» Hilfsarbeitern bei höherer Beitragsleistung die Arbeitslosen- Unterstütziing eingeführt haben. Nicht stichhaltig sind die Einwände, daß in den Gegenden mit schlechtere» Löhnen die Beitragserhöhung schädigend wirkte. Denn es stehe fest, daß sich gerade in jenen Gegenden viel Befürworter sanden. Der Redner schließt seine»»ehrstündig«» Aus> führungen mit dem Wunsche, daß die Entscheidung über die Frage für den Verband von Heil sein möge. P e t e r h a n s als Korreferent führt zunächst auS, daß er in Segitz seinen! Schulmeister entgegentrete» müsse. Zum Ausbau der Organisation empfiehlt er Werkstättenagitatio», wie sie in Dresden, Neiße und Berlin gelriebe» würde. Gegen die Frage der Ein- führung der Arbeitslosen-Unterstützung sprechen eine Menge Gründe. Es sei Thatsache, daß sich die Kollegen der meisten Orte dagegen erklärt habe» und dies sei ein Stimmungsbild für die Meiniing der Kollege». Der Redner geht auf eine Menge Stimmen aus der Metallarbeiter- Zeitung ein und führt nach einer Zusainmenstcllung der Stimmen aus, daß 20 für die Unterstützung sich erklärten»»d 10 dagegen. Interessant sind nun die verschiedenartigen Begründungen der Ab- lehnung. Der Redner geht aus den Umfang der englischen Arbeitslosen ein, ebenso bespricht er die Berliner Verhältmffe. Man solle ja nicht glauben, daß mit 25 Pf. Beitrag die Arbeitslosen- Unter- stützung eingeführt werden könne und daß dann die geringe Unterstützung, die etwa geleistet werden könnte, die Mitglieder vor dem Elend reiten könnte. Wen» gesagt würde, die Konsequenz von der Zlblehnung der Arbeitslosen-Unterstützung sei die Abschaffung der Reise-Unterstützung, so unterschreibe er dies, empfehle sogar die Be- seitigung der Unterstützung. Er Halle diesem Beispiele aber eutgegen, daß bei Einführung der Arbeitslosen-Unterstützung nolhwendig Krankenversicherung, Sterbekasse und alles mögliche eingeführt werden müsse. Schließlich wendet er sich gegen Schern,, der srüher in der „Metallarbeiter-Zeitung" einen anderen Standpunkt vertreten habe, wie jetzt. Er verweist da auf eine» de», Leipziger„Wähler" entnommenen, mit redaktionellen Bemerkungen versehenen Artikel. Zum Beweis dafür, daß thatsächlich in den Orten mit niedrigen Löhne» die Gegnerschaft größer sei als ander- wärts, führt er die Stimmung in Alt- und Neu-Gersdors i» Sachsen a». Viel eher würde er zum Ausbau der Organisation Verkürzung der Arbeitszeit empfehlen. Es haben sich 62 Redner eingezeichnet. Die Redezeit zu diesem Punkt wird aus 10 Minuten festgesetzt. Gärtner- Magdeburg spricht gegen die Unterstützung, weil sie die Arbeiter verwürfen. Vor Schluß der Sitzung macht Schlicke darauf aufmerksam, daß im Referat über den Geschäftsbericht richtig zu stelle» sei, daß der Vorstand nicht die Bildung von Fachseklionen beklage. Ebenso ist im Fall Reichard zu ergänzen, daß durch alsbaldigen Antritt einer ihm in anderer Sache zuerkannten einmonatlichen Gesängniß- strafe die Kaution frei wird. Sechste«eneralverfa««!«ng desDerdandes der i« Holzbearbeitungsfabriken «nb anf Holzplätzen beschäftigte« Arbeiter. B e r l i n. 13. und 19. April. Anwesend sind außer drei Vorstandsmitgliedern und einem Ver- treter des Ausschusses das Mitglied der Generalkommission R ö s k e. Delegirte sind acht anwesend. Dem Berichte des Borstandes ent» nehmen wir folgendes: Auf der fünften Generalversammlung stand gleichfalls wie aus der gegenwärtigen der Antrag: Anschluß an den Holzarbeiter-Verband. Ein Antrag auf der Generalversammlung, eine Urabstimmung über den eventuellen Anschluß vorzunehmen, er- gab, daß 214 Mitglieder sich dafür, 120 sich gegen den Anschluß erklärten. Es blieb also bei dem bisherigen Wezterbestand des Verbandes. Der Mitgliederftand betrug zu Anfang deS Jahres 1895 507, ging bis zum Schluß desselben auf 459 zurück und stieg dann bls zum Schlüsse des JahreS 1896 wieder auf 896. An Gemaßregelten- Unterstützung wurden im Jahre 1395 191 M., vornehmlich an Berliner Mitglieder, verausgabt. Für Streiks anderer Berufe 60 M. Im Jahre 1896 wurden für Streiks verausgabt zur Unterstützung der Berliner Mitglieder 1500 M.. sür die Hasenarbeiter Hamburgs 250 M.. für die Textilarbeiter Mülhausens 10 M., für die Flößer im Netzedistrikt 50 M. Im Jahre 1897 wurden den Hasenarbeitern Hamburgs nochmals 150 M. überwiesen. Dem Kassenberichte ent- nehmen wir folgende Ziffern: Für die Jahre 1395 und 1896 hatte der Verband«ine Gesammteinnahme von 3236,95 M. zu ver- zelchnen, der eine Ausgabe von 2483 M. gegenübersteht, darunter für Agitation 42,95 M., für Unterstützung an Gemaßregelte 191 M., sür Streiks an Berufskollegen 1500 M., für Streiks anderer Gewerkschaften 435 M., für Rechtsschutz 10 M., an die Generalkommission 245 M., für das Abonnement auf die„Holz- arbeiler-Zeitung" 71,40 M.; die Verwallungskosten betrugen ins- gesamml 403,49 M. Es wird»och erwähnt, daß eS wohl besser sei. die Gelder des Gemaßregelten- und AgitalionsfondS zu heben und dieselben der Hauplkaffe zu überweisen; im übrigen sei es wünschens- werth, daß die Mittel sür Agitation, wenn sie nicht allzu groß sind. von de» einzelnen Zahlstellen getragen und nicht aus der Haupt- lasse bestritten würden. Eine rege Diskussion entspinnt sich über Zweck und Nutzen der Jnduftri-verbände. Nach einem kurzen ein- leitenden Referate des Vorsitzenden, daS eine ganze Reihe Punkte aufweist, die den Anschluß an den Holzarbeiter- verband sür zweckmäßig erscheinen laffen, ging die Mei- »»»g, vornehmlich der Berliner Delegirten, dahin, daß der Anschluß nicht zu empfehlen sei. Der zunächst liegende Grund sei doch nicht allein der der Zweckmäßigkeit, sondern der. ob eine Or- ganisation lebensfähig sei. auch ohne daß sie sich einem größeren Verbände anschließe; das letztere sei der Fall. Die Organisation habe seit kurzem um 400 Mitglieder zugenommen, so daß sie jetzt 900 zähle. Der auf Wunsch des Vorstandes anwesende Vertreter der Geberalkommission versuchte hierauf in längere» Ausführungen alle die erhobenen Bedenken zu zerstreuen. Er wies darauf hin, daß den Arbeitern des in Frage stehenden Berufes ohne weiteres aus ihren Antrag daS Recht, eine Sektion zu bilden, eingeräumt werden müsse, die Zahlstelle könne ihnen dasselbe nicht verweigern, lieber die Frage des Arbeitsnachweises ließe sich eine Verständigung herbei- führen. Im übrige» warne er davor, die Beschlüsse immer anf Berliner Verhältnisse zuzuschneiden. Berlin sei nicht die Welt. Das überaus traurige Schauspiel, das der Streit über die Organisations- form, speziell in Berlin, biete, bedauere wohl niemand mehr als die Generalkommission. Um die Zersplitterung der Kräfte der Organi- sationen zu vermeiden, müffe sie, dem Beschlüsse deS letzten Gewerkschaftskongresses entsprechend, dahin wirken, daß nicht nur die Zentralisation als die den heutigen Verhältnisse» am besten ent- sprechende Organifationsform angestrebt, sondern auch die kleinen Zentralverbände sich ihren größeren Berussverbänden anzu- schließe» hätte». Während die Berliner Delegirten sich gegen den Anschluß ausspräche», vertraten der Vorstand, der Bremer, tastedter und Hambnrger Delegirte den gegentheiligen Standpunkt. ie namentliche Abstimmung ergab 6 Stimmen gegen und 4 für den Anschluß. Eine Urabstimmung vorzunehmen, ob der Anschluß statt- finde» solle, wurde ahgelehnt, weil zum nächste» Verbandstag der- selbe ohnehin vor sich gehen würde. Das Verhältniß zur General- lominission wird einstimmig beibehalte».— Der Punkt:„Ortskassen und freie Hilfskassen", ist nur deshalb auf die Tagesordnung gesetzt, weil in Verbindung mit der Ausbreitung und Stärkung der Organisation es«mpfehlenswerth sei, den Mitgliedern i» Krantheits« sälle» eine Beihilfe zu gewähre» oder mit anderen Worten eine Krankengeld-Zuschußkasse zu gründe». In Bremen habe eine derartige Einrichtung recht sehr zur Stärkung der Organisation und zur Fesselung der Mitglieder a» dieselbe beigetragen. Es soll den Zahlstelle» über- lassen bleibe», ob sie in gleicher Weise Einrichtungen schaffen wollen.— Der Sitz des Vorstandes bleibt in Bremen; der bisherige Vor- sitzende wird einstimmig wiedergewählt. Der Sitz des Ausschusses hleibt in Berlin. Ein Antrag von Berlin, die Beiträge von 40 Pf. pro Monat auf 15 Ps. pro Woche zu erhöhen, wird einstimmig angenommen. Zur Abänderung des Streikreglements wird be- schloffen: Sämiutliche Zahlstellen sollen ihre Vorschläge dem Zentral- vorstände einreichen, der dann denselben möglichst Rechnung tragen wird. Einem Wunsche, alles Material in bezug ans die vorge- konimenen Unfälle im Gewerbe zu sammeln und agitatorisch zu verwenden, soll entsprochen werde». Beschloffen wird noch, das Protokoll in Broschürenform herauszugeben. Nach einem kurzen ermahnenden Schlußwort an die Delegirten, nunmehr auch mit alle» Kräfte» sür die gefaßten Beschlüsse einzustehen und unentwegt für den Verband zu wirke», schloß der Vorsitzende die General- Versammlung. Zwölfte Generalversammlung des Verbandes der Zimmerlente. D r i t t e r T a g.(Vormittag.) Halberstadt. 22. April 1397. Nachzutragen ist zur gestrigen Debatte über den Dresdener Be- schwerdefall»och, daß die Versammlung des Hauptvorstandes Verhalten billige. Außerdem wurde eine Kommission zur Ausarbeitung eines neuen Slreikreglements eingesetzt.— Die Diskussion über den Punkt „Lohnbewegung" wird heute fortgesetzt. Verschiedene Redner klagen darüber, daß die Gewerkschaftskarlelle zu hohe Anforderungen an die Kasse der Lokalverbände stellen. Da das Streikreglement noch nicht gedruckt vorliegt, wird zunächst die Verhandlung über Lohnbewegung bis zum Eintreffen der Drucksache vertagt und der sechste Punkt der Tagesordnung vorgenommen. S t e h r- Berlin berichtet über den letzten Gewerk« schafts-Kongreß, zn dem die letzte Generalversaminlnug vier Delegirte entsandt hatte. Er bezweifelt den allgemeinen Nutzen der Einrichtungen, wie sie gegenwärtig bestehen. Die General- kommissio» sei, ohne daß ihr der gute Wille fehle, nicht in der Lage, die internationale Bewegung genügend zu pflegen. Die oft gehörte» Klage» über nngenngende Agitation durch die General- kommissio» träfen nicht zu. Redner schildert und kritisirt alsdann die neue Einrichtung deS vielköpfigen Gewerkschafts-Ausschusses. die die Thätigkeit der Generalkommission hemme. B r i n g», a n»- Hanidurg als Vertreter der Generalkommission theilt mit, daß mit Hilfe der Einsicht der Vertreter des Gewerkschafts- Ausschusses der neuen Einrichtung der Fehler der Schiverfälligkeit benommen morden sei. Die Generalkommission sei sich selbst darüber klar, daß dieAgitation verhältnißmäßig zu viel koste. Eine Hauptaufgabe der Generalkommission sei die Klärung gewerkschaftlicher Fragen. Bon Jahr zu Jahr würden die Aufgaben der Kommissio» größer und mit ihren Aufgaben seien bis jetzt und würden auch inZnkuust ihre Kräst« wachse». Eine der kommende» Aufgaben sei dio Stellungnahme zu den Kartellen, die anfingen, de» Zentralverbänden gefährlich zu werden.(?'() Die Generalkoinmissio» werde denmächst die Erörterung dieser Frage dem Ausschüsse vorlegen. Von Wichtigkeit sei auch eine erneu,« Stellungnahme zu den lokalorganisirlen Gewerkschaften. Schräder- Homburg wünscht Erledigung der ausstehenden Reste und giebt nach eigener Erfahrung als Ausschußmitglied zu, daß der Ausschuß zu schwerfällig sei. Er wünsche eine Abschaffung des Ausschuffes und Herstellung einer Generalkommission von 7, 9 oder 11 Mitgliedern. Eine Stellungnahme zu den Lokal- organisationen jetzt, wo diese einen Kongreß abhalten wollen, sei verfrüht. Die weitere Debatte bewegt sich im Sinne der Ausführungen des einen oder anderen dieser Redner. Schließlich werden folgende zwei Resolutionen angenommen: 1. Rcsolulion Schräder: Die 12. Generalversammlung des Verbandes der Zimmerleute Deutsch- lands erklärt sich mit den Beschlüssen des 2. Gewerkschafts-Kongresses bis zum nächsten Kongreß insoweit einverstanden, indem der Verband die Verpflichtungen übernimmt, die aus den Beschlüssen entstanden sind. Die heutige Generalversammlung beschließt aber gleichzeitig. falls der nächste Kongreß nicht Bestimmungen herbeiführt, welche die vielen Beitragsreste an die Generalkommisston unmöglich machen, serner der heute bestehende sogenannte erweiterte Ausschuß nicht beseitigt wird, der Verband sein bisheriges Ver- hältniß zur Generalkommisston zu lösen hat.— 2. Resolution B r i n g m a n n. Die 12. Generalversammlung des Verbandes der Zimmerleute s Deutschlands erklärt sich mit de» Beschlüssen des 2. Gewerkschafts- Kongresses einverstanden und beschließt, daß der Verband die Berpflichtungen übernimmt, die ans den Beschlüssen sich ergeben.— Für de» nächsten Gewerkschafts-Kougreß werden Schräder, Stehr, Bring mann, Mädger, Knüpfer, Hoyer, Failenschmidt und H ö s ch zu Delegirtcn gewählt, von denen der Reihenfolge nach die erforderliche Zahl entsendet werden soll. Da nunmehr das neue Streikreglcment als gedruckte Vorlage vertheilt ist, wird wieder auf den Punkt Lohnbewegung zurück- gegriffen. Das Reglement umfaßt 13 Paragraphen. Aus dem Inhalt desselben ist hervorzuheben, daß die Einleitung einer Lohn- bewegung von der Zustimmung des rechtzeitig orienlirten Vorstandes abhängig ist. Angriffsstreiks berechtigen die Zahlstelle nur nach einjähriger Zugehörigkeit zum Verbände zum Bezug von Unter- stützungen. Aussperrungen können auch früher unterstützt werden. Die Höhe der Sreikuntersttttznng wird vom Stand der Kasse ab- hängig gemacht, darf jedoch in der Regel bei 15 Pf. Beitrag 1.40 M.. bei 20 Pf. Beitrag 1,60 M.. bei 25 Pf. Beilrag 1.80 M. und bei 80 Pf. Beitrag 2 M. pro Mitglied und Arbeitstag nicht übersteige». Der Vorstand muß eingehend auf dem Laufenden erhalten werden. Die Nichtstreikenden am Ort zahlen alle Woche einen bestimmten Prozentsatz ihres Gehalts an die Streik- kommission. Alle von Zahlstellen zur Unterstützung von Streikenden aufgebrachte» Gelder sind an den Hauptvorstand zu senden. Zahl- stellen, die einen Streik haben, dürfen keine Sammellisten an andere Zahlstellen senden. Alles Streikmaterial, Streikkarten, Kontroll- ttsten ec. liefert die Hauplkasse. Failenschmidt begründet für die Kommission den Entwurf. Als Korreferent spricht Bring mann, der darauf hinweist, daß eine Zahlstelle im ersten Jahre zwar fein Recht auf Unter- stützung habe, wohl aber nach Ermessen de? Vorstandes solche erhalten könne, ebenso solle in den ersten acht Tagen keine Unterstützung gezahlt werden, wohl aber sei es zulässig, daß nachher für diese Zeit gezahlt wird. In der weiteren sehr aus- gedehnten Debatte iverden einige Abänderungsanträge gestellt und eine ganze Reihe von Berichten über die Lohnbewegung in einzelnen Orten gegeben. � In der folgenden Spezialberathnng wird das Streikreglement mit unwesentlichen Aenderungen angenommen, jedoch mit dem Zusatz, daß die Unterstützung der Kinder dem Hauptvorstand überlassen bleibt._ NÄrkei-Martzvirfzten» Die diesjährige Parteikonferenz für den pommerschen Wahlkreis Köslin- Kolberg, die zu Ostern in K ö s l i n tagte. setzte zur einheitlicheren Gestaltung der Agitation einen Kreis-Ver- trauensmann ein. Die Wahl fiel auf den Genossen Emil Henning in Köslin, Mauerstr. 14. Die Konferenz war von Ge- »offen aus Kolberg und Umgegend, Köslin, Rogzow, Dörsenlhi» und Karli», im ganzen von 25 Tbeilnehmern besucht, darunter dem ReichStags-Abgeordneten Fritz Herbert aus Steltin. Polizeiliches, Gerichtliches ee. — Wegen Beleidigung des Maschinisten F. Weydling in Bremen wurde der verantwortliche Redakteur der.�Bremer Bürgerzeit nn g", Genosse Rhein, vom Schöffengericht zu 200 Mark Geldstrafe oder zwanzig Tagen Haft ver- urtheilt. Weydling halte auf einen Artikel des genannten Plattes eine Berichtigung eiugesandt, auf welcher die Unterschriften mehrerer Personen standen, die die Züge einer und derselben Hand trugen. Die Aufnahme dieser Berichtigung wurde deshalb vorläufig be- anstandet; im Maschinisten- und Heizerverein, in dessen Interesse die Berichtigung geschrieben war, wurde nun die irrige Behauptung aufgestellt, daß der Berichtigung des betreffenden ZIrtikels der „Bremer Bürgerzeitung" die Aufnahme verweigert worden sei. Zu seiner Vcrtheidigung brachte darauf unser Bruderorga» eine Er- widernng, worin behauptet war, Weydling habe de» Mitunter- zeichnern der Berichtigung dieselbe vorher nicht vorgelegt. Hierin wurde die Beleidigung gesunden. Die„Bremer Bürgerzeitung" konnte natürlich nicht wissen, daß sie nur eine Kopie, nicht das Original der Berichtigung erhalte» hatte. — Heute, am Sonnabend tritt Redakteur Keßler von der Mannheimer„ V o l k s st i m m e" im Landesgefängniß in Mülhausen i. E. die dreimonatige Freiheitsstrafe an, die ihm wegen Nachtwächterbeleidigung auferlegt ist. Am gleichen Tage hat sich Redakteur Dietz ebenfalls in Mülhausen wegen Osfiziersbeleidigung zu verantworten._ Gvivevkschnftlirhes. Berli» und Umgebung. Tapezirer! Der Ausstand der Polsterer bei der Firma Her,». Gerson ist in einer für beide Theil« zufriedenstellenden Weise beigelegt worden. Hiermit ist die Sperre aufgehoben. Die Werkstatt-Kontrollkommisston. Der Ttreik der Köprnicker Maurer ist am Mittwoch durch folgenden Vergleich beigelegt: Die Meister bewillige» einen Minimallohn von 47Vs Pf., für bessere Kräfte werden 50 und 52�/- Pf. gezahlt. Für Uederstnnden werden 25 pCt., für Sonntag- und Wafferarbeit 50 pCt. Aufschlag bezahlt. Die Arbeitszeit bc- trägt 10 Stunden. Eine Versaiiimlnng der Streikenden erklärte sich mit den Abmachungen«inverstanden und beschloß, falls Maß- regelungen eintreten, die betreffenden Kollegen zu unterstützen. Achtung! Handlungsgchilfinuen, Vcrkäuferiuuen, Buch- halterinnen! Am Dienstag den 27. April, abends 9 Uhr, spricht Frau Klara Z e t k i n- Stuttgart in Cohn's großem Saale, Beuthstr. 20, über die Thematas: Ist der kauf- mäunische Hilfsverein für weibliche Angestellte geeignet, die Lage der V e r k ä u f e r i n n e n zu verbesser»? Welche» Charakter muß die Organisation tragen, die die Interesse» der Handlungs- gehilfiunen wirksam vertritt? Alle Handlungsgehilfinnen sollte» es für ihre Pflicht erachte», in dieser Versammlung zu erscheinen. Die E i ir b e r u f e r i n. Tie Fabrik- und gewerblichen Hilfsarbeiter und Arbeite- rinne» werde» darauf aufmerksam gemacht, daß hier eine Zahlstelle des deutschen Verbandes besteht. Anmeldungen zu diesem nimmt entgegen der Bevollmächtigte Em il S ch u m a n n, Kolberger- straße 23, vorn 1 Tr. Die Milgliederversairnnlniigen finden jeden zweite» Donnerstag im Monat stall bei Neumann, Pasewalker- straße 3. Das nene Brreinsstatut, welches der bevorstehende» außer- ordentlichen Generalversammlung des Vereins;B e r l i» e r Droschkenkutscher zur Beschlußfassung vorgelegt iverden wird. bedeutet einen erfreulichen Fortschritt dieser Organisation im Geist« der modernen Arbeiterbewegung. Nach dem neuen Statuten- entwürfe soll der Verein fortan den Namen führen:„Verein der Droschkenkutscher und verwandter BerufSgenoffen Berlins und der Umgegend." Der Verein gedenkt somit seine„Spezialität" ans- zugeben und dürfte sich zu einem Sammelpunkt aller in öffentlichen Fuhrwerksbetrieben beschäftigten Personen auswachsen. Es ist dies um so erfreulicher, als die verschiedenen Versuche, Branchenorganisationen auf diesem Gebiete herbeizuführen, bisher von Miß- erfolg begleitet waren. Deutsches Reich. Der zweite internationale Schuhmacher-Kongrest ist auf den 6. Juni d. I. nach Brüssel einberufen. Der Kongreß wird dort im Bolkshause tagen. Ter Aufruf unscres Genoffen Möller an die Bergleute Frankreichs, Belgiens und Englands, worin diese ersucht werden, im Falle eines deutschen Bergarbeiterstreiks keine Ueberschichten zu machen, war vom Organ unserer französische» Partcigen offen, der„Petite Republique", selbstverständlich anstands- los veröffentlicht worden. Aus der„Petite Republique" druckte nun der radikale Abgeordnete Francis Laur den Aufruf in seinem Blatte„L'Echo des mines et de la mstallurgie" ab und sügte hinzu:„Wir hoffen zuversichtlich, daß diese deutsche Aufforderung von keinem französischen Bcrgmanne beachtet werden wird. Wir fordern unsere Patrioten auf, bevor sie Herrn Möller Gehorsam leisten, ihm zuvor die folgende Frage vor- zulegen, welche den Vorrang vor jeder andere» hat:„Sind Sie damit einverstanden, daß nian uns Elsaß-Lothringen zurllckgiebt? Wenn ja, dann schlagen Sie ein! Wenn nein, dann scheeren Sie sich!" Die„Tägliche Rundschau" bezeichnet diese ihre Mittheilung als „eine benierkenswerthe Beleuchtung des auf dem Bcrgmannstage ge- faßten Beschlusses über internationale Verabredungen zu gunsten der Solidarität der Arbeiterinteressen" und meint weiter, ihre Mit- theilung mache„zugleich den traurigen Unterschied zwischen der deutschen und anslnndischen Sozialdemokratie aufs neue klar". Traurig ist hier lediglich die Gedankenlosigkeit, womit die „Tägliche Rundschau" öffentliche Meinung fabrizirt. Der Abg. Francis Laur, den das Blatt selber als einen Radikalen und dauiit als einen Bürgerlichen bezeichnet, hat mit der Sozialdemokratie genau so wenig zu thun als die„Tägliche Rundschau" mit der Kenntniß der Arbeiterbewegung. fn Kottbus dauert der Ausstand in der B a u t i s ch l e r e i . Mittag unverändert fort. Der in Berlin wohnende Chef lehnt alle Verhandlungen(welche auch von Berli» ans angebahnt worden sind) rundweg ab. Da er seinen Betrieb bis zum 4. Mai stehen lassen will, und nachdem er die Arbeitszeit von 57>/s Stunden ans 63 Stunden pro Woche verlängern will, so ersuchen wir alle dabei In teressirten, in ihren Kreisen darauf hinzuwirke», daß der Zuzug nach Möglichkeit ferngehalten wird. Insbesondere ersuchen wir die Berliner Kollegen, uns beizustehen. Die Kommission. I. A.: Heinrich Lehmann i» Kottbns, Wintergartenstr. 7. Eine Konferenz der Tischler Pommerns, die zu Ostern in Stettin tagte, beschloß die Einsetzung einer Agitationskommission mit dem Sitze in Stettin. Die Zimmerer Kiels ersuchen die auswärtigen Fachgenossen, Arbeitsangebote des Bangeschäfts von I. A. L a u e r s nicht an- zunehmen, da dort wegen Maßregelung von Zimmerern ein Streik ausgebrochen ist. Jm Tischlrrstreik ist eine Aenderung der Situation nicht eingetreten. Die Klempner beschloffen, am 8. Mai die Arbeit einzustellen, falls es über den von ihnen festgesetzten Tarif bis dahin zu keiner Einigung mit den Unternehmern kommen sollte. Gefordert wird u. a. der Zehnstundentag, 40 Pf. Minimallohn und 45 Pf. Lohn für die Geselle», die jetzt schon 40 Pf. bekommen und mit de» Kieler Arbeiten vertraut sind- weiter schreibt der Tarif vor, daß eine ständige Lohnkonnuissio» errichtet wird, die bei Differenzen mit den Meistern verhandeln soll. Aus Hamburg wird unS geschrieben: Die hiesige Staats- anwaltschaft hat sich, wie wir neulich schon vcrmutheten, richtig gegen die freisprechenden Erkenntnisse der verschiedenen Straf- kanimer» des Landgerichts in Streiksachen. wo die Schöffengerichte ans vcrhältnißmäßig hohe Strafen erkannt hatte», an das hanseatische Oberlandesgericht gewandt. Buchstäblich täglich werde» von den Strafkammer» Urtheile der Schöffengerichte, die durch eine kaum glaubliche Interpretation des§ 153 der Gewerbe-Ordnung zu stand« gekouimen sind, aufgehoben und die Angeklagten unter Belastung der Staatskasse mit den sämmtlicken Koste» freigesprochen. Gegen alle diese Erkenntnisse hat der Oberstaatsanwalt Revision beim Oberlandesgericht eingelegt und angeordnet, daß auch gegen noch kommende freisprechende Erkenntnisse Revision eingelegt werden soll. Werden diese Revisionen, wie das»ach den Erfahrungen, iBe man bisher mit dem hanseatischen Oberlandesgericht gemacht hat, fest zu hoffen ist, zurückgewiesen, so bleiben den am Streik betheiligt ge- ivesene» Arbeitern immerhin mindestens zwei Jährchen Gefängniß und bedeutende Gerichlslosten erspart, die ihnen in erster Instanz aufgehalst waren. Die organifirten Manrer Hamburgs beschloffen in sehr zahlreich besuchter Versammlung die Grüiwung eines Streik- fonds, aus dem sowohl Hamburger wie auswärtige Lohnkämps« unterstützt werden sollen. Auch sollen gemaßregelte Kollegen Anspruch auf Unterstützung aus dem Fonds in Höhe bis zu 100 M. haben. Die Zimmerer Hannover? stehen seit 22. April im Streik. Sie verlangen die Anerkennung des von ihnen ausgestellte» Tarifs, wobei es sich vor allem um die Forderung ans 45 Pf. Minimal- Stundenlohn und um Regelung der Arbeitszeit von 7—10 Stunden (je nach der Jahreszeit) handelt. Von 64 Meistern habe» 15 be- willigt. Es sind die Jnnungsmeister, die nicht nachgeben ivollen. Von 500 beschästigten Zimmerer» erklärten sich über 400 in der Versammlung am 21. April für den Streik. Zuzug ist streng fern- zuhalten. Die Tischler beschlossen in einer von 1000 Personen be- suchten Versammlung, in den Ausstand einzutreten. Ter Sieg der streikenden Stuckateure KöluS ist, wie die .Rhein. Ztg." initlheilt, nunmehr gesichert, nachdem eines der größten Geschäfte, die Firma M e h r i n g u. G r u n e w a l d, den Tarif unterzeichnet hat. Stur 48 Stuckateure stehen noch im Streik. Von den übrigen zwei Drittel» arbeitet eines zu de» bewilligten Forde- rungen, das andere auswärts. Ter Streik der Stuckateure Bochums hat mit der Be- williguug der Arbeiterforderungen geendet. Ueber den Breslauer Töpferstreik theilt uns der Borstand des Zentralverbandes der Töpfer und Ziegler mit, daß bereits 75 Mann zu den geforderten Bedingungen arbeiten. Abgereist sind, um de» Kampf zu erleichtern, 30 der Ausständigen. Streikbrecher sind 10, 5 aus Breslau, 5 von außerhalb, in Arbeit getreten. In einem Geschäft arbeiten von Slnfang an 15 Mann weiter; sie hatten es abgelehnt, sich an der Bewegung zu betheiligen. Um einen allgemeine» Erfolg herbeizuführen, macht sich noch weiter Unterstützung der Ausständigen nölhig und namentlich ist Zuzug von Töpfern nach Breslau fernzuhalten. Das Unter- nehmerthum ist bereits an der Arbeit, in gegnerische» Zeitungen durch Annoncen Streikbrecher anzuwerben. Darum Töpfer, ob Ofensetzer oder Werkftubenarbeiter, nehmt nicht eher Arbeil in Breslau an, bevor der Ausstand beendet ist! Was dort Eure kämpfenden Kollegen erringen, kommt auch Euch zu gute, ist auch für Euch von Vortheil! Ju Kolmar in der Provinz Posen find in der neuerbaut«» und seit März i» Betrieb gesetzten Porzella nfabrik von Her- in a n n Heim sämmtliche Dreher entlassen worden, weil sie sich weigerten, das von ihnen verfertigte Geschirr selbst nach dem Ablieferungsraume(Brennhaus) zu transporliren. In den meisten Porzellanfabriken sind hierzu besondere Geschirrträger angestellt. Der Vorstand hat die Weigerung als berechtigt anerkannt und bittet alle P o r z e l l a n a r b e i l e r und Stein gutarbeiter Deutsch- lands und Oesterreichs um Fernhaltung des Zuzugs, da Verhandlungen mit dem Vertreter«er Firma in Berlin zu keinem zufriedenstellenden Resultat geführt haben und da die Firma in den Fabrikantenblättern Ersatzkräfte verlangt, die nicht dem Ver« bände angehören. In Odenkirchen in der Rheinprovinz ist ein Ziegel- arbeiterstreik ausgebrochen. Tie Arbeiter verlangten eine Lohnerhöhung, die, wie unter Ziegcleibesitzern fast selbstverständlich ist, nicht bewilligt wurde. Ans Halle a. S. wird gemeldet, daß dort der Vorsitzende deS kürzlich gegründeten Vereins der Eifenbahn-Arbeiter. Jacob, von der Eisenbahn-Behörde seine Stelle gekündigt be- kommen hat. In Magdeburg haben die Arbeiter der Maschinenfabrik von Koch, Bautet mann und Pasch die Arbeit wieder auf- genommen. Die T i s ch l e r, die den Neunstundentag, 21 Mark Minimal- lohn und Freigabe des 1. Mai fordern, werden wahrscheinlich die Arbeit niederlegen müssen, um ihre Forderungen durchzusetzen. Zuzug ist daher vorläufig zu meiden. Ausland. A«S Petersburg wird der„Köln. Ztg." telegraphirt: Unter den Arbeitern der hiesigen Fabriken gehen Aufrufe um, die zu einem allgemeinen Arbeiteransstande vom 28. April ab auf- fordern. Unter den ausständigen Arbeitern der neuen Baumwoll- spinnerei sollen sich auch ziemlich viel Finnen befinden. Mnkernrhtnrr-'VerbÄndV. Auf dem deutsche« Eisenmarkt scheint der gute Geschäftsgang etwas nachgelassen zu haben, denn die vereinigten Stabeisen- Walzwerke haben in der Sitzung ihrer Vertreter am 7. April de» Vorschlag einer Preiserhöhung abgelehnt. Allerdings gehören diesem Kartell eine ganze Anzahl von Werken nicht an, und diese unter- dielen die Ve>chandswerke, wo sie können. Da aber auf dem eng- tische» und schottischen Eisenmarkt die Preise bereits sinkende Tendenz zeigen, so ist vielleicht der Höhepunkt der Konjunktur schon überschritten, woztt noch die Konkurrenz des amerikanischen Eisens kommt, die mehr und mehr in Europa bemerklich wird. Der ameri- kanischen Carnegie- Gesellschaft soll es bereits gelungen sein, den Schiene»- Auftrag für die dänischen Staatsbahnen zu bekommen und dadurch den Engländern wieder einen fetten Happen weg- zufischen. Der Basalt-Verrin hat sich aufgelöst. Er wirkte hauptsächlich auf die Verhältnisse des Absatzes von Wegebau-Materialien ein, wurde aber als Hinderuiß der Produktion empfunden. Soziales. Der Gefammtverband der evangelischen Arbeitervereine Teutschlands beschloß auf seiner Delegirten-Versammlung in E,l b e r s e l d die Einrichtung einer Zentralstelle, wo alle für die Arbeitersache wichtigen literarischen Erscheinungen gesammelt werden sollen, ferner beschloß man die Einforderung einer Berufs- und Arbeitslosen-Statistik von den einzelnen Vereinen und erklärte eS als nothwendig, daß durch Gesetz Arbeitsämter eingeführt werden, die zugleich als Einigungsämler und Schiedsgerichte dienen sollen. Bezüglich der Sonntagsruhe der Post- und Telegraphenbeamten wurde beschlossen, den Ausschuß mit der Aufgabe zu betrauen, bei der Postverwallung ans eine bessere Sonntagsruhe zu dringen. Weiter erklärte sich die Versammlung für die Zentralisation deS Arbeitsnachweises innerhalb größerer Bezirke und für die Einführung sozialer Kommissionen. Der Landesverband der evangelischen Arbeitervereine Württembergs, der 28 Vereine mit 2713 Mitgliedern umfaßt. hielt am Ostermontag in K i r ch h e i m u. T. feine Hauptversamm- lang ab, die u. a. als Richtschnur für die Vereine folgende Punkte aufstellte:„Als evangelische Arbeitervereine gehören wir keiner der bestehenden politischen Parteien an. In Zeiten politischer Wahlen werden aber die evangelischen Arbeitervereine ihren Mitgliedern nahe lege», für denjenigen Kandidaten zu stimmen, der auf Befragen die meiste Gewähr bietet, für die Arbeilerintereffen einzutreten und der uusern Bestrebungen verhällnißmäßig am nächsten steht." Das württembergische Ministerium des Innern soll ersucht werden, die Ortspolizeibehörden anzuweisen,„über ihre Thätigkeit auf dem Gebiete der F a b r i k r e v i s i o n in ähnlicher Weis« wie die Fabrikinspektoren in tabellarischer Form und statistisch verwerth- barer Weise alljährlich besonderen Bericht zu erstatten" und die Oberämter sollen angewiesen werden,„diese Berichte nach Ober- amtsbezirke» zusammen zu stellen, in tabellarischer Forin im Amts- blatt zu veröffentlichen, worauf von feiten der Zentralstelle für Ge- werbe und Handel durch die Gewerbe- Inspektoren eine Haupt- zufammenstellnng zu fertigen wäre, die dem gedruckten Jahresbericht der Gewerbe-Jnspektoren anzuschließen ist." Dampffaß-Explofionen in Preußen. Zu den im Jahrfünft 1390—94 in Preußen vorgekommenen 16 Dampffaß-Erplosionen kamen 1895 und 1896 weitere 6, so daß in den sieben Jahren 1890 bis 1396 im ganzen 21, durchschnittlich jährlich also 3 Dampffässer. zerstört wurden. Es handelte sich dabei um 5 Kartoffeldämpfer, 2 Holzkocher, je 1 Farbholz-, Garn-. Sulfitcellulose-, Stärke-, Stroh- und Lnmpenkocher, je 1 Gefäß zum Erwärmen von Preßplatten, zur Lösung von Robweinsteinsänre, zum Abscheiden von Ammoniak, zum Ausziehen von Ceresinrückstände» und von Gerbstoffen, zum Reinigen von Filtermasse und zum Bleichen von Geweben, endlich um 1 Ammoniak- gefäß einer Eismaschine. Die größte Zahl der Exlosionen wie der verunglückten Personen kommt auf das Jahr 1893. Von sämmtlicheu verunglückten Personen erlitten 36,36 v. H. den Tod sofort oder verstarben 48 Stunden nach der Verletzung, eine hohe Verhältnißzahl, welche allein schon die seit 1389 in Preußen eingeführte strenge aml- liche Prüfung und Ueberwachung der Dampssäffer zur genüge recht- fertigt._ Oepefrtzen und letzke M«chvirhken. Barmen- 23. April.(W. T. B.) Der Bauunternehmer Fritz Evringhans ist in New-Iork auf Betreiben des deutschen General- konsuls wegen Wechselfälschungen verhaftet worden und wird nach Deutschland zurückgebracht. Die Fälschnnge» belaufe» sich auf nahe, zu 500 000 M. Prag, 23. April.(W. T. B.) In der Spinnerei von Haas« in Niederaltstadt bei Trantenau haben 1000 und in der Fabrik von Etterich in Oberallstadt 800 Arbeiter die Arbeit niedergelegt. Die- selben verlangen eine Lohnerhöhung. Eine gestern stattgehabte An« famnilung der Ausständigen wurde durch Gendarmerie zerstreut. Abrrdecu. 23. April.(„Reuter'fches Bureau".) In der letzten Zeit halten englische Kästenwachlschiffe das Fischen seitens fremder Fahrzeuge im Firth of Moray verhindert. Gestern Nachmitlag lies die deutsche Fischerbark„Alfter" von Allona-Aberdeen mit einem starken Fang an, der nach dem Zngeständniß des Kapitäns im Firth os Moray gemacht worden war und den er in Aberdeen zu ver- äußern beabsichtigte. Dies wurde von de» Behörden verboten und das Kanonenboot„Jackal" bewachte die„Alster" die ganze Nacht hindurch. Die„Alfter" versuchte am Morgen dreimal die Fische zu landen, wurde jedoch von der„Jacke!" daran verhindert. Es herrscht hier große Ausregung. Die Eigenlhümer der„Alster" solle» be- absichtigen, Schadenersatz zu beanspruchen. Aberdccu, 23. April.(W- T. B.) Zu der Angelegenheit der deutschen Fischerbark„Alster" meldet das„Renter'sche Bureau" weiter, daß die„Alster" schließlich im Beisein des deiitschen Konsuls und des Rechtsbeistandes der Schiffseigenthnmer noch einen vierten Versuch machte, ihren Fang zu landen, aber auch diesmal von der Mannschaft des KanonenbooleS ohne Anwendung von Gewalt daran verhindert wurde. Die„Alster,, wartet jetzt noch auf In- struklionen ans Hamburg und wird voraussichtlich heule Abend nach Hnll in See gehen. Verantwortlicher Redakteur! Robert Schmidt in Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berti». Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu 8 Beilagen. St. 95, 14. mmm. Keilllge hes„Nmarts" Kerliner WlksdlÄ. Mommunsles. Ter Ausschuß der Gewerbe- Ausstellung hntte beim Magistrat beantragt. auf Kosten der Ansstellungsunternehmcr den Treptower Park durch städtische Organe in seine» früheren Znstand wieder herzustellen. Das Magistrats-Kolleginm hat auf Antrag der städtischen Park-Depntatio» beschlossen, das Gesuch des Ausschusses gegen Zahlung einer bestimmten Pauschalsumme zu genehmigen. Die Höhe dieser Summe wird nicht genannt. Der vorgestern von uns gebrachte Lokalartikel giebt Ausklärung über den gegenwärtigen Stand der Dinge. Der Magistrat hat den Beschluß der Stadtverordneten- Versammlung bezüglich der der Großen Berliner Pferde-Eisenbahn- Gesellschaft gestellten Bedingung zur Errichtung einer Pensionskasse für ihre Angestellten im Prinzip g e n e h m i g t. vorbehaltlich der Borlage und Genehmigung eines besonderen Statuts.— Um die Leipzigerstraße in einem Theile von dem über- mäßige» Fuhrwerksverkehr zu entlasten, ist städtischerseits die Durch- legung der Mohrenstraße durch die Gartenanlagen des Wilhelms- Platzes nach der Voßstraße in Aussicht genonimen. Diese Ver- bindungsstraße würde vorausnchtlich von denjenigen Fuhrwerken, welche von der Mohreustraße und deren Parallelstraßen, sowie ins- besondere vom oberen Theile der Fricdrichstraße nach der König- grätzerstraße oder dem Potsdamer Platz gelange» wollen— und umgekehrt— vorzugsweise benutzt werden und eine erhebliche Ab- leitung des Verkehrs in der Leipzigerstraße herbeiführen. Ter städtische» Parkdeputation liegt zur Zeit das Projekt zur Begut- ach tun g vor. Herr Ttadtverordneter Dr. Virchow hat seinen Austritt aus der Deputation für die städtische Jrrenpflege dem Magistrat angezeigt, weil seine �eit so besetzt sei, daß er seine Geschäfte noth weudigerweise einschränken müsse. Zu der Wiederwahl der Rathsmeister Meyer und NranS und die Neuwahl des Zimmermeisters Schalhor» zum Rathsmeister wird der Magistrat die Genehmigung der Stadtverordnelen-Versammlung nachsuchen. Die Höhe der Steuern für das Jahr I8S7/S8 wird jetzt vom Magistrat öffentlich bekannt gemacht; danach beträgt die Gemeinde-Einkommensteuer 100 pCt., die Gemeinde-Grundsteuer S,3 pCt., die Gewerbesteuer ISO pCt., die Kanalisationsgebuhr l'/z pEt. Nach der jetzt beendeten Veranlagung zur Staats-Ein kommensteuer für Berlin sind für das Steuerjahr 1897/98 339 597 Personen zu einer Gesammtsteuer von 24 074 7S4 M. eingeschätzt worden, und zwar mit Einkommen zwischen 900 und 3000 M. 295 911 Personen zu 4 153 295 M. Steuer, mit Einkommen von mehr als 3000 M. 43 411 Personen zu 17 209 532 M. Steuer, endlich 275 nicht physische Personen(Aktiengesellschaften u. dergl.) zu 2 711 877 M. Steuer. 1896/97 betrug die Zahl der Veranlagten 327 595 Personen, das Steuersoll 22 553 297 M.. 1895/96 327 454 Personen und 22 088 695 M., 1894/95 306 928 Personen und 21697 605 M.. 1893/94 307 094 Personen und 22 245 385 M. 1892/93 299 016 Personen und 22 758 493 M. Eine Steigerung des Steuersolls, wie die vom Vorjahre zu diesem Jahre, ist also seit 1892 nicht vorgekommen. Erst in diesem Jahre ist wieder das Steuersoll des Jahres 1892/93 erreicht und allerdings auch über troffen worden; es stellt sich dies als Folge der eingetretene» Bevölkerungszunahme um rund 100 000 Seelen dar und keinesfalls als eine Steigerung des Wohlstandes. Wegen des Beginnes der Allgemeinen Gartenbau- AuS- ftellung soll»ach Beschluß der Parkdeputation der Wassersturz des Biktoriaparkes statt am 1. Mai er. schon vom 23. April er. in der Tageszeit von vormittags 11 Uhr bis nachmittags 7 Uhr in Thätigkeit gesetzt werden. Die nengegriindete Stelle einer„Jnspizientin" des Hand- arbeits-Unterrichis in den städtischen Lehranstalten soll demnächst im „Gemeindeblatl" zur Ansschrettnug gelangen. Die Anstellung erfolgt lebenslänglich mit einem Jahresgehalt von 3000 Mark. Be- »verberinnen, welche die Prüfungen als wissenschaftliche und tech nische Lehrerin bestanden haben, werden aufgefordert. Lebenslauf und Zeugnisse bis zum 1. Juni dieses Jahres dem Magistrat eiw zureichen. Als Bezirksvorsteher find auf sechs Jahre gewählt: für den 179. Bezirk der Rentier Bayer, Frankfurter Allee 103, und für den 263. Bezirk der Kaufmann Ludwig, Juvalidenstr. 21. Uoräsles. Achtung, Parteigenossen nnd Genossinnen! In der Ver- sammlung, welche am Sonntag, de» 25. April, abends 6>/z Uhr, beim Genossen Zubeil, Lindenstraße 106, stallfindet, wird Herr Dr. Friedeberg über Tuberkulose spreche». Zahlreicher Besuch er- wünscht. Im vierten Wahlkreise findet am Sonntag Morgen 8 Uhr eine Flugblatt-Vertheilung statt. Die Parteigenosse» werde» dringend ersucht, sich zu dieser Zeit an einer der folgenden Stelle» einznstnden: T o l k s d o r f, Görlitzerstr. 58; T r> t t e l m i tz, Falckensteinstr. 7; Bieber st ein, Lausitzer-Platz 12a; S e i d l e r, Raliborstr. 16; Streit, Naunyustr. 86; Brödeuseld, Man- teuffelstraße 69; Schumacher, Pücklerstr. 49; R e d a n z, Wrangelstr. 84. Achtung, VI. Wahlkreis! Parteigenossen, welche gewillt siiid, sich a» der am Sonntag, de» 25. April, stattfindenden Fing- blattvertheilung zu betheiligen, werden ersucht, sich an diesem Tage früh 71/, Uhr in nachstehenden Lokalen einzufinden: 91 n g» st i n, Kastanien-Allee 11; Bachgänger, Swiueniünder- straße 120: Herr mann, Pntbuserstraße 45; Brinkmann, Prinzen-Allee 21; Anders, Buttmaunftr. 16; Hoppe, Acker- straße 145; Diele, Ackerstr. 128• G l e in e r l, Müllerstr. 7a; Pfarr, Putlitzstr. 10. Recht rege Betheilignng der Parteigenossen erwarten die Vertrauenspersone». De» Parteigenossen der Schönhauser Borstadt zur Nach- richt, daß die seitens der Partei arraugirte Maifeier nur in folgenden Lokalen stattfindet: Puhlmaun's Vaudcville-Thealer, Schönhauser Allee 148, und Berliner Prater, Kastanien-Älllee 7/8, und nicht— wie man aus den den unsrigen täuschend ähnlich hergestellten Plakate» entnehmen könnte, im Lokale des Herr» Mierke, Schön- hauser Allee 102. Im letzteren Falle handelt es sich lediglich um ein Privalunternehmen. Der Vertrauensmann. >/ Lockspitzelei. In dem Prozeß Koschemann war bekanntlich auch sie Rede von einem geiviffen Richard Henkmann, der Uhrmacher var und Erfinder eines mechanischen Zünders, für de» er aus Gründen, die der Aufklärung noch sehr bedürfen, auch hiesige an- archistische Kreise, in die er sich in ausfälliger Weise hineindrängte, zu interessiren suchte. Dieser Henkmann weilt nicht mehr»nler den Lebenden, er hat sich kurz vor dem Attentatsprozeß mit seiner Frau verbrannt. Es hat sich nun, wie der„Sozialist" mittheilt, der Tischler Paul Krause beim Untersuchungsrichter gemeldet, der den Uhrmacher Henkmann gesehen hat, wo man es eigentlich nicht erwartet hätte. Krause erklärt, Heukmann sei mehrere Male im Winter 1894/95 im Späth'schen Diskutirklub, also in der angeblichen Spitzelfalle, in der Koschemann nnd seine Genossen eingefaugen wurde», anwesend gewesen. Er habe ihm und andern gegenüber im Privatgespräch höchst verfängliche Redensarten gebraucht, habe auf die Lahmheit der Anarchisten geschimpft und unter anderen» angeregt, Berlin an allen Enden in Brand zu stecken. Die moderne Technik versüge über Mittel, dies zu beiverkstelligen. Wer denkt dabei nicht an Henkmann's Anpreisung des angeblich von ihm erfundenen mechanischen Zünders, in der es». a. heißt:„Wenn z. B. 10 Minen gelegt sind, welche alle zu gleicher Zeit entzündet »verde» sollen, und es sind mechanische Zünder von gleicher Berech- »u»g verwendet,»velche gleichzeitig ausgelöst werden, so»vird auch die Entzündung gleichzeitig erfolgen"? Soweit das genannte Blatt. Ob die Polizei es der Mühe werth hält, auch ihrerseits zur Ausklärung des räthselhaften Falles Hcnkmann beizutragen? Er hat keinen Degen. Das„Berl. Tagebl." veröffentlicht folgende Zuschrift: Es erregt in militärische» Kreisen geradezu Sensation und»vird als eine„militärische Ungeheuerlichkeit" be- zeichnet, daß Kaiser Wilbeln» 1. auf dem Denkmal ohne Degen dargestellt ist. Der Kaiser trägt offenen Jnterimsrock, Helm ohne Federbusch und hält den Marschallstab in der Hand. Hierzu»vird von militärisch-fachmännischer Seite bemerkt, daß Kaiser Wilhelm I. niemals einen Marschallstab getragen habe, daß der letztere nur zur höchsten Gala-Uuiform geführt werde, und daß dazu der auf- geschlagene Jnterimsrock. in»velchem sich der Kaiser nie öffentlich gezeigt hätte, in schärfstem Widerspruch stehe. Aber das seien Nebensächlichkeiten im Vergleich zu der Hauptsache, dem Fehle» des Degens. Niemals habe jemand den alten Kaiser, außer den seltenen Fällen, in denen er Zivil oder Jagdgeivand trug, in der Oeffentlichkeit ohne Degen gesehen, und zivar trug der Kaiser stets den Einsteckdegen, den sogenannten Spicker." Das„Tageblatt" erinnert bei dieser Gelegenheit daran, daß der alte Blücher auf seinem Denkmal kein Portepee am Säbel trage, und frischt dabei die Legende auf, dem alten Haudegen sei, als er einmal im Kriege seinen Soldaten gestattete, zu plündern, von» Könige der Degen abgenommen»vorden, de» er später zivar zurück- erhielt, aber ohne das Recht, das Portepee an demselben zu tragen. Daß der alte Wilhelm aus ähnlichem Grunde keine» Degen erhalten hat, ist ja ausgeschlossen. So»vird ihm denn wohl oder übel nachträglich der Sabul umgehängt werde» müssen: es frägt sich nur, ob Begas dies Instrument gratis nachz»lliefern hat. Zivilistisches aus dem Militärstaatc. Unter den Leitern der Militärkapellen ist zur Zeit eine Agitation in» Gange,»velche sich gegen die Gepflogenheit mancher Soinmerlokal-Besitzer richtet, die in ihren Gärte» veranstallelen Musikaufführungen als„große Militärkonzerte" anzuzeigen, während die Kapelle thatsächlich aus Zivilmnsikern, zum größten Theil aus Lehrlingen, besteht. Es wird behauplet, daß hierin ein Verstoß gegen das Gesetz, betreffend den unlauteren Wettbeiverb zu finden sei, da das Publikum und zumal die Fremden durch die Anzeige„großes Mililärkonzert" in de» Glaube» versetzt würden, daß die Slusführende» Militärmusiker seien Ein Verbot deS Zusetzens von Farbstoffen zur Wurst hat die Brandenburgische Landwirlhschastskainmer i» einer Eingabe an den Landivirthsschasts- Minister besürivortet. In der eingehende» Begründung der Petition wird. der„Deutschen Tageszeitung" zu- folge, ausgeführt, daß gute Dauerivurft der künstlichen Färbung durchaus nicht bedürfe, um ihre Farbe zu behalten, daß der Farbe- znsatz vielmehr nur bezivecke die Verdeckung von unreinlicher Arbeit oder unziveckmäßiger Behandlung oder von der Verivendung von schlechten, oder ungesundein Material bei der Wurstbereitung. Sehr energisch spricht sich die Kammer auch gegen«ine etivaige Färbe- Erlaubniß mit Deklarationspflicht aus, die nur eine Erlanbniß zu unsauberer Fabrikation und unziveckmäßiger Behandlung der Wurst darstellen»vürde. Eine Petition wegen Erhaltung des Botanischen GartenS, der vom Finanzininister Miqnel zum Bauspekulatiousobjekt erkoren »vorden ist, hat jetzt der von der am 13. d. M. abgehaltenen Ver- sammlung beauftragte Ausschuß an das Abgeordnetenhaus ab- gesandt. Miqnel hat den Kauf, verth des Gartens bekanntlich ans 15 Millionen Mark veranschlagt. Ein der Petition beigefügter Kostenanschlag schätzt den Werth jedoch unr auf 6>/zMillione» Mark. Der Garten umfaßt iuSgesammt 117 332 Quadratmeter Bodenfläche. Für die anzulegenden Straßen»vürde» davon 28 710 Quadratmeter erforderlich sein, so daß nach»veiterem Abzilg der Baumaske an der Pallasstraße an Bau- und Vorgartenland 86 436 Quadratmeter übrig blieben,»velche, zu 150 M. pro Quadratmeter veranschlagt, eine» Werth von 12 965 100 M. repräsentiren. Hiervon aber sind dann noch abzurechne»: für Eriverbilng der Baumaske an der Pallasstraße 139 500, für Straßenregulirnng 50 540, für Abfindung der Ver- k a u f s b e r e ch t i g t e» 300 000 M., für die Straßen anlagen 473 130, für einen E n t»v ä s s e r u u g s k a n a l 378 000 und für ei» Kanalisationsrohr i» der EIßbolzstraße 23 000 M., für vier- jährige Straßenunterhaltung 12 530, Pflasterkosten 73230, Ge s ch ä f t s s p e s e n der parzellirende» Gesellschaft auf 5 Jahre 300 000 M., für Stempel und Gerichtskosten 147 000, 1 pCt. Bau- p l a tz st e u e r auf 5 Jahre 425 000, Zinsen für das An- l a g e k a p i t a l und Baugeld auf 5 Jahre 3 182 225 nnd a ch t bis neun Prozent Reingewinn für die parzellirende Gesellschaft mit 1 017 020 M.,»nilhin zusammen 6 524 225 M., so daß der Garten dem Fiskus nur eine Suniine von 6 440 875 M. einbringen»vürde. Wo die Christen im eifrigen, wenn auch wenig wirksamen Berfromniungsstrebeu machen, können die Juden nicht zurück- bleibe». Jetzt sollen drei neue Synagogen in Berlin gebaut werden, und zivar je eine im Stadttbeil Moabit, im Norden zivischen der Chauffeestraße und der Schönhauser Allee und in» Süden und Süd oslen in der Gegend des Moritzplatzes. Der Anarchist Dempwolf ist dieser Tage verhaftet worden. Die Gründe dieser Maßregel sind nicht bekannt. Vom Fahrrad. Die Mitnahme von Fahrrädern, gleichviel ob zerlegt oder nicht, i» die Wagen IV. Klasse, soivie in die für Trag- lasten eingerichteten Wage» der Züge des hiesigen Vorortverkehrs ist durch Erlaß des Ministers von, 9. d. M. niit Rücksicht auf Z 28 der Verkehrsordnung verboten worden, da durch die Mitnahme die Mitreisende» belästigt und die Sitzplätze zum theil verlperrt»verde»». — Der Vorstand des Schutzverbandes Berliner Radfahrer erläßt in bczug auf die Bekanntmachung des Landralhs Stubenrauch eine Er- Mahnung, ja die bestehenden Verordnungen zu respektiren. Auch unter den Liliputanern ist jetzt ei» Krieg entbrannt. Die eine Parte» führt Herr Roienfeld, an der Spitze der andere» steht Herr Ritter. Es ist ei» Kauipf auf Leben und Tod, den sie gegen einander führen, ein Kampf ums Dasein, dessen Berechtiguno der einen Partei von der ander» bestritten wird. Die Rosenfeld'schen Liliputaner sind eine Theatertrrlppe, die mehraktige Stücke anfführe», die Ritler'schen eine kleine Akrobatentruppe. Rosenseld behauptet nun, seine Truppe sei die ältere und allein berechtigt, den Name» „Liliputaner" zu führen, und»veil Ritter auf diese Darstellung nicht hört, so verklagte er ihn mit den» Antrage, ihn für jede» Fall, daß er»och einmal die Liliputauer-Bezeichnuug auf seinen Plakaten führe, zu einer fiskalischen Strafe von 300 M. zu ver- urtheilen. Die Sachverständigen, die vorgestern gehört wurden, die Direktoren Baron und Glück, kennen eigentlich nur die Rosenfeld'sche Truppe. Bei Baron i»»» Wintergarten»vollten vor einigen Jahren einnial Liliputaner spiele»,»vährend die Rosenfeld'schen in Amerika waren, es»vurde aber nichts daraus. Die Ritter'sche Truppe ist vor Weihnächte» in den Reichehnllen aufgetrv.en. Das Gericht konnte noch nicht zu einem Urlheil kommen. Es soll noch fest- gestellt»verde»,»vi« viele Liliputaner es eigentlich giebt und»vas der Name bedeutet: ob er eine Bezeichnung sür körperlich zurück- gebliebene Menschen überhaupt oder nur für eine besondere Art von Artisten ist. Ein schwerer Ungliicksfall ist gestern Abend bei den neuen Schlachthossanlagen an der Landsberger Allee durch eine»»vild geivordenen Ochsen herbeigeführt worden. Das Thier halte sich in dem Stall des neuen Viehhofs losgerissen und rannte auf die Rampe bei den Bahngleise». Dort stellte sich ihm ein Arbeiter entgegen. Der Ochse stutzte zwar einen Augenblick, beugte dann aber den Kopf und rannte den Mann mit seinen Hörnern nieder. Der Schiververivundete wurde nach den» Krankenhause am Friedrichshain gebracht. Der wild gewordene Ochse konnte erst nach langen Be- mühungen»vieder eiugefangen werden. Zur Warnung. Den Berliner Extrablatt-Schwindlern kommt der griechisch-türkische Krieg sehr gelegen. Gestern Nachinittag wurde ein Extrablatt ausgeschrien, das lediglich die in den Morgenblättern veröffentlichten Depeschen vom Kriegsschauplatz enthielt. Das Potizcipräsidnlm theill mit: Am 21. d. Mts. wurden zwei Männer zur Hast gebracht, welche versuchten, vier Paar neue Herren-Zugstiefel, darunter ein Paar mit Knöpfen, zu verkaufen. Weiter hatten dieselben eine neue, grau und schivarz gestreifte»volleue Decke im Besitze. Diese Sachen sind nnziveifelhaft gestohlen und liegen dieselben vormittags zivischen 9 bis 1 Uhr im Zimmer 36 der Kriminalpolizei zur Besichtigung aus, woselbst sich etivaige Rekognoszenten einfinden wollen. Ten vom kgl. Polizeipräsidium beabsichtigten Erlasse einer Polizeiverordnung in bezug auf Beschaffenheit der Räumlichkeiten, Ausbewahrung der Maaren»c. in den Droguen Handlungen hat das Magistratskollegium seine Zustimmung ertheilt. Der Stcuererhcber Schieferdecker,»velcher bekanntlich An« fang voriger Woche, nachdem ihm gelegentlich Ablieferung der ein- kassirten Stenerbeträge ca. 4000 Mark fehlten, verschwilnden war und am Freitag»vieder»ach seiner Wohnung zurückkehrte,»vird nunmehr nach einer Nervenheilanstalt gebracht»verde». Bei einer vorgenommenen Revision der Bücher des Sch. durch die Hauptsteuer- lasse hat sich die überraschende Thatsache herausgestellt, daß der Steuer- erHeber nicht zu wenig, sondern zu viel Geld abgeliefert habe. Sch. hat jährlich ca. 3 Millionen Mark Steuern emzuziehen und die vierteljährlich stattfindende Abrechnung verursacht dem Steuererheber natürlich eine kolossale Arbeit. Bei de»» fortivährenden Rechnen »vurde Sch. hochgradig nervös»lud hierdurch ist es»vohl passirt, daß er Steuererträge als eingegangen bezeichnete, die er thatsächlich noch garnicht einkassirt hatte und von denen die Quittungen sich noch in seinem Besitz befanden. Von Unterschleife», die Sch. begangen haben soll, kann demzufolge natürlich keine Rede sein. Von einem merkwürdigen Unfall wurde gestern ein Rad- fahrer betroffen. Auf den Bötzoiv'schen Feldern an der Greif?- walderstraße befinden sich viele Hasen. Gestern Nachmittag wurde ein Hase von einem Spitz verfolgt, nnd der geängstigte Meister Lampe floh die Greifsivalderstraße entlang gegen Weißensee. Hier kreuzte das Thier den Fahrdamm, dicht an einem Rad- fahrer vorbei, hinter ihin der Hund, der in das Stahlroß hinein- jagte. Der Fahrer, ein Maschinist Wende aus Berlin, fiel so unglücklich auf den Fahrdamn», daß er einen Bruch des rechten Unterarms erlitt. In der»nehrerwähntcn Untersuchungssache gegen Schwarz nnd Genossen»vegen Diebstahls und Hehlerei sind bis jetzt sieben Personen festgenommen worden. Die Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen und sie dürste noch für eine Anzahl hiesiger Geschäfts- leute verhängnißvoll»verde». Dieser Tage»vurde auch als Hehler, der Schneider Sch. verhaftet; er hatte gestohlene Tuche in Posten aufgekauft und sür ein Geschäft verarbeitet. Vo»» einen» Radfahrer der Privatpost ist am Donmrstag Abend die zehnjährige Tochter des Klavierarbeiters Koch, Gräfe- straße 14, vor der Thür ihrer Wohnung Übersahren worden. Der Arzt, der das Kind in Behandlung nahm, konstatirte eine Gehirn- erschütterung. Nach Angabe von Augenzeugen trifft den Radfahrer die Schuld, weil er ohne Licht war und nicht geläutet hat. Ein seltsamer Fang wurde auf dem Dache eines Neubaues auf dem Grundstück Enckeplatz 4 gemacht. Dort»vird für den Verein„Schlarasfia" ein Festsaal erbaut, dessen flaches Dach ain Dienstag mit Theer bestrichen»vurde. Am Mittivoch saud man nun auf dem Dache eine große Menge pechschivarzer Schivim»»- käfer. Die Käfer, die in der Nacht von einen» stehenden Gewässer zum ander» schiväriuen, scheine» die glänzende Theerfläche für«inen Wasserspiegel angesehen und sich aus deinselden niedergelassen zu haben, ein Jrrthum, de» sie mit dem Leben büßen mußten. Der Naturforscher darf daraus schließe», daß die Geruchsnerven der Käfer sür de» penetranten Theergeruch nicht empfindlich sind. Die Einbrecher, die a»»s dem Gold- und Silberwaarengeschäft von Hugo Wilcke in der Neuen Grünstr. I für 15 000 Mark Maaren gestohlen haben, sind noch nicht ermittelt. Gestern erschien bei Wilcke ein etwa 20 bis 23 Jahre alter Mensch und fragte ihn, ob er ihm eine Belohnung gebe, wenn er ihm die Verbrecher nachweise. Er verkehre in Verbrecherkneipe» und thue auch Vigilantendienste. Wilcke sagte eine Belohnung zu und der Man» versprach, Nachricht geben zu»vollen, sobald er eine genaue Beschreibung der Einbrecher liefern könne. Der Bestohlene, der auf die Ermittelung der Ein- brecher und Herbeischaffung deS gestohlenen Gutes eine Belohnung vo» 200 M. aussetzt, hat den Vorfall der Kriminalpolizei mitgetheill. Der große, bartlose Mann sah et, vas reduzirt aus; cr trug einen braunen Sommerüberzieher, hellgraue Hosen und eine dunkle Kravatte. Tnrch Gift haben in diese» Tagen zwei Männer geendet. Der 50 jährige frühere Blumenhändler Max Hampf aus der Tilsiter- straße 13, der sich zuletzt durch einen Handel init Trauerschleifen ernährte, ging an» Mittwoch vor acht Tagen morgens»vieder ans seine» Handel aus. Bald darauf brachte»nan seiner Frau die Nachricht, daß man ihn in» Friedrichshain vergiftet ausgefunde» habe. Weil sein Geschäft gar zu schlecht ging, hatte er Schivescl- säure genoinmc». Im Krankenhaus am Friedrichshain ist er jetzt gestorben. Er hinterläßt ein-. Frau»uit vier Kindern. — Der ebenfalls 50 Jahre alte frühere Korbmacher Adolf Hell aus der Fennstraße 21 hatte sich in der letzten Zeit durch Jmpräguiren von Schivellen den Lebensunterhalt er- »vorbei». Als sein neuer Hausivirth um Neujahr erfuhr, daß er gelernter Korbn, acher»var, veranlaßt« er ihn, diese Arbeit wieder aufzunehme» und stellte ihm für etwa zivei Jahre Beschäftigung durch Anserliguug von Flechtereien für SyphonS in Aussicht. Diese Arbeit, die Hell ohnehin nicht gefallen hatte, hörte aber plötzlich»vieder auf, und Hell gab nun seiner Neigung zum Trünke vollständig nach, so daß er fast de» gai»zen Tag betrunken»var. Am Mittivoch ging er aus. Schon in» Laufe des Morgens kehrte er jedoa, in seine Wohnung zurück. Frau Hell, die sich vor der Geivalithäligkeit ihres Mannes fürchtete, begab sich zu einer Bekannten im Hanse. Nach einer Weile brachte ihr eine andere Frau aus dem Hause die Mittheilung, daß ihr Mann nach einem Arzte verlange. Sie ging nun in die Wohnung und fand den Mann unter allen Zeichen der Vergisluiig auf dem Bette liege». Ein Arzt, den sie benachrichtigte, brachte»hm»ach ändert- halb Stunden, nach Beendigung seiner Sprechstunde, die erste Hilfe, konnte ihn aber nicht mehr retten. Neber eine seltsame Blutvergiftniig mit tödtlichem Ausgange wird berichlet: Au» 16. d. M. hatte der 22jährige Kaufmann Winter das Unglück, in der Dunkelheit mit dem Kopfe au die Kante einer Thüre zu stoßen; er zog sich dabei eine leichte Verletzung an dec Nase zu. Dieser Wunde schenkte W. keine Beachtung; als jedoch nach ca. 24 Stunden die Schmerzen im», er größer wurden und nicht nur die Nase sondern auch das Gesicht zu schivellen begann, mußte der Kausinann ärztliche Hilfe in Anspruch nehme». Leider»var ei zu spät; der Arzt konstatirte hochgradige Blutvergiftung und ver- anlaßt« die sofortige Unterbringung des jungen Mannes nach dnn jüdischen Krankenhanse, woselbst W. gestern trotz vorgenonuneuci- operativen Eingriffs verstarb. Selbstmorde. Am Dienstag Nachmittag starb der 27jährige Kausniann Heinrich B. in seiner Wohnung an Arsenikvergistuug. Nach der dem Ärzte gegebenen SrNSrung hat er sich selbst getSdtet; ehelicher Unfriede scheint die Veranlassung znr That gewesen zu sein.— I» der Nacht zum Donnerstag wurde die 44 Jahr« alle, verehelichte Wagenmeister Lnise F. in ihrer Wohnung. Hagelsberger- ftraße, erhängt vorgefunden. Gram über den Tod eines KindeS hat sie zum Selbstmorde veranlaßt.— Am Donnerstag Vormittag wnrde in der Spree, am Mühlendamm, die Leiche eines ungefähr Schährigen Mannes und Mittags im Spreekanal gegenüber dem Hause Friedrich?» aracht 27/28 die bereits stark verweste Leiche eines etwa ebenso alten Mannes angeschwemmt. Beide wurden nach dem Schauhanse gel bracht.— An der Ecke der Invaliden, und Gartenstrnfie fiel Nach mittags der 42 Jahre alte Harmonikaspieler Rudolf Kochman» in der Trunkenheit hin und brach den rechten Oberschenkel. Ans deu Nachbarorte». In Etralan-RnnttnelSburg findet die diesjährige Maifeier in der Brauerei zu Stralau statt. Die Parteigenossen werden zu zahlreicher Beiheiligung aufgefordert. Alles nähere wird durch Inserat am 22. April, sowie durch Säulenanschlag bekannt gegeben. I» Rixdorf findet die Verbreitung des Flugblattes am Sonntag statt. Treffpunkt bei Thomas, Bergstr. 182, früh 7 Uhr. Der Vertrauensmann. I. V.: Wilhelm Sy. RnS Rixdorf geht uns die Mittheilung zu, daß die an der dortigen Pumpstation angestellten Hofarbeiier B.. P. und T. durch die Zentenarfeier einen sehr fühlbaren Schaden erlitten haben. Während allen anderen Angestellten die unfreiwillig versäumte Arbeitszeit entschädigt wurde, hat man aus irgend einem nicht er- sichtliche» Grunde vergessen, den genannten drei Arbeitern den schuldigen Loh» zu zahlen. Wir nehmen nicht an. daß dies aus un- lautere» Motiven geschehen ist, sondern sind der Meinung, daß nur ein Versehen vorliegt, daS nunmehr gewiß wieder ausgeglichen wird. Eine Entschädigung ist um so eher am Platze, als die genannten drei Arbeiter nur einen Lohn von 2.80 M. täglich bekommen. Steglitz«nd Friedenau. Die Versammlung tees Arbeiter- Bildungsvereins findet am Dienstag, den 27. d. M., abjnds 8Vj Uhr. in Steglitz, Ahornstr. Iba, statt. Zur Vorlesung' gelaugt die Broschüre„Sozialismus und soziale Bewegung im lg. Jahr- hundert." Am l. Mai findet abends?>/, Uhr eine Volks- v e r s a m in I u n g in Steglitz, Albrechtsir. 125 bei Thieke statt. Ge- uoffe Massatsch»Berlin wird über die Bedeutung des 1. Mai sprechen. Nach der Berfammmlung ist gemüthliches Beisammensein Um zahlreiches Erscheinen wird gebeten. / Vom modernen Kampf für Ordnung, Religion und Sitte. . /Der Anitsvorsteher v. Oppen in Adlershof ist de- ' kauntlich zu einer gewissen„Berühmtheit" gelangt, weil er in seinem Amtsbezirk mit ganz besonderer Schneidigkeit die„geistigen Waffen" gegen die Sozialdemokratie z» schwingen versteht. Wie unsere Leser wissen, gelang es dem Herrn Amtsvorsteher, einen großen Theil der Lokalinhaber seines Bezirks derart gegen die Sozialdemokraten ein- zunehmen, daß sie unklugerweise der Rotte ihre Säle nicht zur Ver- füguug stellten. Da Herr v. Oppen innerhalb seines polizeilichen Machtbereiches auch sonst in seiner Weise sich unterfangen hatte, nach besten Kräften die Ausbreitung des sozialdemokratischen Giftes zu„hindern", so hielt er vor kurzem sein patriotisches Werk schon soweit vollendet, daß er höhere» Orts etwa berichten konnle, in seinem Amtsbezirk sei die Sozialdemokratie bereits ausgerottet bis auf den letzten Stumpf. Da geschah es nun kürzlich, zum Leidwesen des Herr» v. Oppen, daß der Pächter der Borussia-B rauerei in Nieder-Schöneweide seinen Saal für eine Arbeiterversammlung hergab. Solch frevelhaftes Unterfangen mußte natürlich für die Zukunst unmöglich gemacht werden. Der Herr Amtsvorsteher sprach also mit dem Besitzer der Borussia-Brauerei und verlangte von ihm, daß er e'in für allemal die Sozialdemokraten aus feinem Lokal verbanne. Der Brauereibesitzer bedeutete dem Herrn Amtsvorsteher, daß er dem Pächter seines Lokals doch unmöglich vorschreiben könne, was für ein Publikum der Mann be- wirlhen oder abweisen solle. Das sei umsoweniger angängig, als das Bier der Borussia- Brauerei nicht von den Klaffen- genossen des Herrn v. Oppen, sondern größtentheils von Arbeitern konsumirt werde. Diesem Widerstande trat der Herr Amlsvorsteher mit der Erklärung entgegen, daß es für den Pächter eine Frage der geschäftlichen Existenz werden könne, wenn er dabei bleibe, den Sozialdemokraten den Saal zu geben. Wenn die Arbeiter am I.Mai de» Borussia-Saal bekämen, dann werde er zu Pfingsten Gendarme vor den Eingang stellen und keinen Menschen in das Lokal lasse». Er frage nichts danach, wenn man sich über feine Maß- regeln bei seinen vorgesetzten Behörden beschwere; dann b e- komme er ja höchsten seinen Ver weis, und daraus mache e r s i ch nichts. Wir erwähnen diese in jeder Beziehung beweisbaren und authentischen Aussprüche des Herrn Oppen nur znr Charakteristik de? modernen Kampfes für Ordnung, Religion und Sitte, wie ihn dieser Herr aufsaßt. Daß die Sozialdemokratie auch derartigen Kraftäußerungen mit eisig ktihler Gelassenheit gegenübersteht, brau' wohl kaum besonder? gesagt zu werden. j Verhinderter Kampf für Ordnung, Religion und SjMc Die„Berliner Abendpost" schreibt: Zwischen zwei Offizieren des Leib-Garde-Husare»regimenls sollte dieser Tage ein Duell stattfinden, wurde aber in letzter Stunde noch verhindert. In Potsdam erzählt man sich über die Affäre folgende Einzelheiten: Vor einigen Wochen wurde auf dem Bornstedler Felde beim Reite» der Husar Brast von der Leib-Eskadron dadurch getödtet, daß er beim Springen über einen Wassergraben direkt mit dem Kops in die Lanze eines auf der anderen Seite des Grabens haltenden Hufaren hineinsprang. Ueber diesen Borfall soll nun der Premierlieutenant v. Schwind Ansichten geäußert haben, durch welche sich der Rittmeister v. Wrochem- Gell- Horn beleidigt fühlte. Es kam deshalb zu einer Herausforderung zum Zweikampf. Die beiden Gegner ivareu zu dem Zweck bereits abgereist, doch wurde das Duell von der Polizei, die davon Wind erhalten hatte, verhindert. Ob die Nachricht, daß der Zweikampf dennoch stattfinden soll, richtig ist, entzieht sich unserer Kontrolle. Mit einer Kugel im Rücken wurde gestern der 15 jährige Bauerusohn Karl Müller aus Triglitz hierher in ei» Krankenhaus gebracht. Der Knabe ist das Opser einer beispiellos frivole» Revolver« schießerei geworden. Am dritten Osterseiertage spielte er mit mehreren Altersgenosse» auf der Chaussee von Putilitz»ach Pritzwalk. Hier be- gegnete» den Spielkameraden mehrere Bauernkiiechle, die zur Tanzmusik gingen. Diese banden mit den Knaben an und der Knecht Ränk zagte dem Müller, der davonlief, ohne weiteres ans einem Revolver eine Kugel nach. Das Geschoß drang dem Knaben tief in den Rücke» ei». Der Vater mußte deu Verletzten»ach Berlin bringe», um hier in einem Krankeuhause die Kugel herausnehmen zu lassen. Munpk und MMenflhAft. — Die Reue freie Volksbühne bringt nächsten Sonntag, den 25. April, nachmittags 2� Uhr, im Friedrich- Wilhelmstädtischen Theater Henrik Ibsen's„Rosniersholni", Schauspiel in 4 Akte», zur Aufführung. Die Regie hat Herr Franz Haid; die Hauptrollen find befetzt durch Frl. Sobjeska(Theater des Westens), die Herren Fr. Haid, M. Eißfeldt und Bauer.— — DaS Deutsche VolkStheater in Wien erzielte im Borjahre einen Reingewinn von 27 693 Gulden. Der Pachtvertrag stellte sich auf 46 570 Gulden.— Ir. Auf dem XII. deutschen Geographentag, der am 20. April in Jena eröffnet wurde, äußerte sich Professor Dr. Neu- itiiayer über die deutsche Südpolar« Expedition. Die Kosten für dieselbe sind aus 950 000 M veranschlagt. Als Ausgangspunkt der Expedition ist die Kergnele»- Insel, westlich von Biktoria-Land ausersehen. Dieser Ausgangspunkt wurde gewählt. weil die Erforschung der Südpolarregion von dieser Seite noch nienials versucht wurde und reiche geographisch« Aus- beute verspricht, und weil von anderer, belgischer und englischer Seite, Ausgangspunkte südlich von Kap Horn und Neuseeland bereits in Aussicht genommen find. An einem Punkte südlich von Kerguelen und den Macdonald- Insel» soll die Station zur Ueber, vinterung errichtet werden. Zwischen der Kapkolonie und der Kolonie Victoria gelegen, hätte die Station Ausficht, tüchtige wissenschastlich« Unterstützung durch die dort befindlichen Obser- vatorien zu erhalten, ihre Lage wäre daher eine besonders günstige. — Die Daner der Expedition ist ans drei Jahre mit zwei Ueber- Winterungen festgesetzt. Zwei Schiffe mit je 400 Tonnen Tragsähig- keit und 30 Mann Besatzung(einschließlich 4 Offiziere und 4 ge- lehrte Theilnehmer) sollen dazu ausgerüstet werden.— — Die Bedeutung der Röntgen-Strahlen für die Chirurgie Ueber dieses Thema sprach am Mittwoch aus dem Chirurgen- Kongreß in Berlin Prof. Kümmel-Hamburg. Von dem Nachweis der in Haud und Fuß eingedrungenen Fremdkörper ist man weiter geschritle» zum Nachweis von Projektilen in allen Gegenden des Körpers. Auch Fremdkörper im Schädel konnten nachgewiesen und dann operativ entfernt werden. Bei den Fremdkörpern im Thorax (Brustkasten) sind gewöhnlich znr genauen Bestimmung der Lage Auf- nahmen von zwei Seilen uölhig. Auch zu Heilzwecken eingeführte Körper, so der zur Bereinigung der Darmenden benutzte Mnrphy'fche Knopf. konnten mittels Durchleuchtung auf ihrer Wanderung durch de» Körper verfolgt werden. Gallensteine waren nicht nachzuweisen, dagegen sind Blasensteine mit großer Deutlichkeit erkennbar; das ist von besonderer Wichtigkeit, da der Nachweis im Gegensatze zu den sonstigen diagnostischen Mitteln ohne jede Belästigung des Patienten ge- schiebt. Auch Nierenkonkremente können nachgewiese» werden. Den Haupterfolg jedoch sah Redner beim Nachweis von Knochenbrüchen in einer großen Zahl von Fällen. Der Werth der Röntgen-Strahlen für die Therapie(Behandlung) dieser Fälle ist unschätzbar, da man ohne Narkose oder schmerzhaste Untersuchung genau die der Frakturende» bestimmen kann. Man kann auch durch de» Gipsverband hindurch de» Verlauf der Heilung verfolgen. In niauchen Falle», wo alle anderen diagnostischen Hilssmitlel im Stiche lassen, ist die Durchleuchtung geradezu unersetzbar, so bei gewissen seltenen Frakturen der kleinen Hand- und Fußknochen, bei Absprengungen am Rande der Hüft- gelenkSpfanne. Einen große» Fortschritt bedeutet die neue Ent» deckung für die UnfallheilSkunde, und mancher Unfallverletzte kann mit ihrer Hilfe zu seinem Recht gelange». Schon bei einer Erpositionsdauer von füns Minuten sind die für die Praxis so wichtigen Hüftgelenk-Erkranknngen zu erkennen, die Coxitis und die angeborene HüftgelenkSluxation, bei der genau zu be- stimmen ist, welche Therapie einzuschlagen und ob nachher die Einrenkung gelungen ist. Auch alle anderen Er- krankuugen an de» Knochen und Gelenke» sind deutlich erkenn- bar, so die tuberkulösen Erkrankungen, die Geschwülst«, des- gleichen Wirbelsäulen-Erkrankungen. Sehr gut gelangen auch Auf nahmen von verkalkten Blutgefäßen. Von den Bauchorganen fleht man vortrefflich die Leber, Schatten der Nieren und der Milz, wo- gegen— wenigstens beim Erwachsenen— Magen und Darm nicht zur Anschauung gelangen. Alle diese Aussührungen bezogen sich aus Photogramme, während mit dem Fluorescenzschirm bisher wenig Fortschritte gemacht sind. Auch therapeutisch sind die Röntgen- strahlen gebraucht tvorden; so üben sie beim Lupus des Gesichts ent- schieden günstige Wirkung aus. Technisch ist eine gute Röhre Haupt- bedinguug zum Gelingen der Versuche.— ce. Die Borgia- Säle deS Vatikans» die vor einigen Wochen vom Papste seierlich eingeweiht wurde», sind am Oster- montag allen Besuchern des Vatikans zugänglich gemacht ivorden. Diese Gemächer, die von Pinturicchio mit herrlichen Fresken geschmückt und im Jahre 1527 von den Soldaten des Connetable von Bourbon verwüstet wurden, waren säst vier Jahrhunderte lang geschlossen. Die Restaurirung der Mosaiken und die Aussrischuug der Gemälde kostete 1 Million Franks.— Soziale Mvchtspftelgv. Können Musikerlehrlinge zum Besuch der FortbildnngS- schule angehalten werden'# Dies« Frage hatte der Strafsenat des K a m m e r g e r i ch t s in einem Strasversahren zu prüfe», das gegen eine Anzahl Musikerlehrlinge eingeleitet worden war. Deu jungen Leute» wurde vorgeworfen, sich gegen ein auf grund de? § 120 der Gewerbe. Ordnung erlassenes Ortsstatut ver- gangen zu haben, wonach Arbeiter, Gehilfen und Lehrlinge im Alter von noch nicht 17 Jahren zum Besuch einer Fort- bildungsschule verpflichtet sind. Die Angeschuldigten verlangten richterliche Eutscheidung und erzielten auch beim Schöffen- gericht ihre Freisprechung. Das Gericht ging davon auS, daß die musikalische Ausdilduug zum Unterrichtsivesen gehöre und daß somit nach Z 6 der Gewerbe-Ordnung dieses Gesetz nicht darauf Anwendung finde, also auch nicht dessen§ 120 mit seine» Bestimmungen, betreffend deu Fortbildungsunterricht. Auf die Be- rufung des Staatsanwalts stellte die Strafkammer zunächst fest, daß die jungen Männer deu, Kapellmeister Saling, bei dem sie lernte», kein Lehrling zahlen brauchten, daß sie aber bei Konzerte», Tanzmusiken ic. niitznwirken hatte». Mit anderen Worten: Saling hielt eine der„vielbeliebten" Lehrlingskapellen. Das Landgericht hob dann die Vorentscheidung auf nnd verurtheilte jeden der angeschuldigten Schulschivänzer zu 1 Mark. Es nahm an, Saling sei als Gewerbetreibender im Sinne der Gewerbe- Ordnung anzusehen und die jungen Leute seien mit den Lehrlinge» eines Handwerkers zu vergleiche», wenn Saling sie auch seine Schüler»eune. Die Gewerbe- Ordnung finde Auwendung und das Ortsstatut sei darum auch für die Musikerlehrlinge maßgebend. Das Kammergericht schloß sich dem an. indem es»och hervor- hob, daß ja die jungen Leute ihrem Direktor geholfen hätten, sich den Lebensunterhalt zu erwerbe». Indessen wies der Slrassenat die Sache doch in die Vorinstanz zurück, damit diese nachprüfe, ob die Verurtheilie» auch das rechte Unterscheidungsvermögen besäße», das Voraussetzung der Strasbarkeit sei. Gevichks-Äettung. Jahrelang fortgesetzte Bntterfälsch, ingen von erheblichem Umfange sind dem Buuer-Engros- und Detailhändler Fritz Schulz im Hause Hauptstr. 2 in Schöneberg»achgewiesen worden, weehalb derselbe gestern vor der 3. Strafkammer am Landgericht II stand. Demselben ist aus seinen Büchern nachgewiesen worden, daß er jährlich für zirka 4000 Mark Margarine von den Ge- brüderu Gause bezogen und wieder umgesetzt hat, obwohl er angeblich niemals Margarine führte. Im Monat August v. I., als die Fälschungen an das Licht käme», halte er bereits sieden Faß Kunstbulter von Gause bezogen. Znr Anklage ist nur ein einzelner Fall gekomme», in diesem hat das Schöffengericht am Amlsgerictit II. wegen Betruges bezw. wegen UnlerschUgung nur auf eine Geld- strafe von 300 M. erkannt. Die Staatsanwaltschasl legte gegen dieses Urtheil Berufung ei», weil nicht auch wegen Verfälschung von N» hrungs- Mitteln Bcstrasnng eingetreten war. Andererseits hatte der An- geschuldigte Berufung eingelegt, um seine Freisprechung zu erwirke». Die Beweisaufnahme ergab, daß Schulz Margarine, die er mit 47 bis 61 Pf. bezahlt, als reine Naturbutter für 80 bis 85 Pf. wieder verkauft hatte. Der Gerichlshos verwarf die Berufung des An- geklagte», änderte aber aus die Berufung der StaatSanivaltschaft das erste Urtheil dahin ab, daß der Angeklagte mit Rücksicht a»� ein gemeingefährliches Verhalte» wegen Betruges u wegen Vergehens gegen dasNahrungsmittelges. zu einem Nt o n a t G e f ä» g» i ß nnd 300 M. Geldstr»tfe , u verurtheiken sei. Auch sei der Urtheilsteuor nach beschrilteuer Rechtskrast einmal in einer hiesigen Zeitung öffentlich bekannt zu machen. Ein merkwürdiger Fall von hysterischer Sinnestäuschung be- schäftigte gestern die V. Slrafkaiumer des Landgcrichls I in der Berufungsinstanz. Die unverehelichte Händlerin A u g u st e Sommerfeld hatte am 24. Juni vorige» Jahres i» das Be- chwerdebuch der Station Alexanderplatz eine Beschwerde eiugetragen. in welcher sie behauptete, daß der Schmierer A m d o S am 1V. Juni, als sie allein in einem Wagenabtheil gesessen, sich gegen ihre weibliche Ehr- vergangen und alS sie ih» am 24. Juni wieder getroffen und zur Red« gest«U. sie vor die Brust gestoßen und beleidigt habe. Der erste Vorfall sollte angeblich auf der Fahrt von Straußberg nach Berlin ge- schehen sein. Der Schmierer Ambos stellte eidlich in Abrede, einen derartigen Exzeß begangen zu haben, es stellte sich auch heraus, daß er a» dem fraglichen Tage gar keinen Zugdienst Halle. Dagegen hatte er zugegeben, daß, als er am 24. Juni von Straußberg nach Berlin suhr, die Sommerfeld ihm ganz imveiständliche Borwune gemacht, die er sehr nachdrücklich zurückgewiesen habe. Milreiseiwe hatten bemerkt, daß sich das Fräulein am 24. Juni im Zug- höchst auffallend benahm, so daß sie den Eindruck machte, als ob>>e etwas verrückt sei. Die angestellten Ermittelungen haben gegen Ambos absolut nichts Belastendes ergeben und so wurde denn die Beschwerdesührerin wegen verleumderischer Beleidigung unter Anklage gestellt und vom Schöffengericht zu sechs W o ck e n G e f ä n g n i ß verurtheilt. Schon in der schöffeugerichtlichen Ver- Handlung hatte R.-A. Dr. Coßmann darauf aufmerksam gemacht, daß die Augeklagie offeubar eine sebr erregte hysterische Person sei. Für die Verhaudlinig in der Berufuugsinstauz hatte er zur Bekundung dieser Thatsache verschiedene Personen laden lasse», unter ihnen auch als Sachverständigen den praklischen Arzt Dr. Munter. Dieser be- kündete, daß die Angeklagte im höchsten Grade an Hysterie leide und ihre Phantasie insolge dieser Krankheit im höchsten Maße erregbar sei. Eine harmlose Berührung oder ein unbeabsichtigter leichter Stoß könne in ihr leicht den Glauben an einen Angriff auf ihre weibliche Ehre erweckt und, wie es bei hysterischen Personen sehr bäufig vorkommt, könne sich dann bei ihr sehr leicht die volle Neberzeugimg festgesetzt haben, daß da?, was nur in ihrer Phantasie existirte, sich wirklich ereignet habe. Audeie Zeugen betuudete», daß die Angeklagte gerade um die fragliche Zeit häufig an Bewußtlosigkeit. Ohumachtsaufällen und dergleichen gelitte» und manchmal recht wirre Reden geführt habe. Aus gnmd dieser That- sachen vertrat Rcchlsanivalt Dr. C o ß m a n u die Ansicht, daß der Augeklagten jedensalls die Absicht gefehlt habe, de» p. Ambos zu beleidigen uud zu verleumde». Er beantragte die Freisprechung der Angeklagten auf grund des ß 51 St.-G.-B.. weil eS dargethan sei, daß die Augeklagie sich in einem Zustande krankhafter Störung der Geisteslhätigkeit befunden habe, der ihre freie Willensbestinunuug ausschloß. Der Gerichtshof schloß sich dieser Ansicht an und er- kannte auf Freisprechung, wobei er aber ausdrücklich hervor- hob, daß auf dem Schmierer Ainbos keinerlei Verdacht fitzen ge- blieben sei. Einen„Konknrrenzkniff", den die galizischen Geflügelhäudler Isidor L e s s e r und Samuel Braun zur Auwendung gebracht haben sollten, führte sie gestern unter der Anklage der versuchten Bestechung vor die dritte Strafknmnier des Landgerichts I. Der aus dem Echlesischen Güterbahnhofe angestellte Rangiermeister Runk« hatte solgende Anzeige erstattet: Am Vormittage des 22. Januar dieses Jahres seien drei Wagen voll Geflügel, auS Galizien kom- luend, eingetroffen. Ihm habe die Aufgab« obgelegen, diese Wagen nach der AttsladesteUe zu führe». Da feie» die Angeklagten zu ihm gekomme», hätte» gesagt, daß sie die Eigenthümer der Fracht zweier Wagen seien uud ihm eine Belohnung von 3 M. in Aussicht gestellt, wenn er den dritten Wagen, der für ihren Konkurrenten, den Kaufwann Löwenthal bestimint war,«inst- weilen auf ei» todtes Geleise schieben wolle. Er habe diese Zu- muthung als eine versuchte Bestechung augesehen. Im Termine bestritten die Angellagte», daß sie es gewesen seien, die dem Beamten das Auerbieten gemacht hätten. Sie machten de» Zeugen Runte auch dadurch stutzig, denn er räumte«in, daß vier Personen zugegen waren. Er könne nicht mit Bestimmtheit behaupte», daß gerade die Angeklagten das Wort geführt und die betreffende Zumuthnug an ihn gestellt hätten. Unter diesen Umständen mußte der Staatsanwalt die Frei« sprechung der Augeklagten beantragen»nd der Gerichtshof in diesem Sinne erkennen. DaS Strafverfahren wegen Mordes und versuchter Tödtuug gegen den früheren Gastwirth Ernst Baumbach ist jetzt eingestellt ivorden. Am 17. Juni v. I. setzte Baumbach in dem Hause Prinzeustr. 94, dessen Besitzer er war und woselbst er lange Jahre ei» Ball- Eiabliffement innehatte, jene furchtbare Familieu-Tragödie in Szene, indem er sich, seine 40jährige Ehefrau, sei»« Schwägerin Fräulein Steigerwald »nd seine drei Kinder durch Vergiftung mit Leuchtgas zu tödten versuchle. Die 30 jährige Sieigerwald erlag der Einwirkung des Gases nnd starb noch an demselben Tage, während die Familie durch die Kunst der Aerzte gerettet wurde. Nach völliger Wieder- Herstellung im städtische» Krankenhause„Am Urban" nahm die Staatsanivaltschasl Baumbach wegen Mordes in Untersuchungshaft. Gleichzeitig schwebten mehrere andere Slrafverfahre» gegen Baum- bach, besonders eine Anklage wegen Koukursvergeheus, das er durch den finanziellen Rückgang seiner Verhältnisse verschuldet hatte. Im Laufe der Uulersuchung stellte eö sich heraus, daß Baumbach mit seinen Lieferanten in beständiger Fehde lebte uud ihn eine wahre Profitivulh schon seit Jahren ergriffen hatte. Jedermann, glaubte er, bedrücke»nd verfolge ih», und hie Folge war, daß er zahlreiche Deniluzialionen einreichte. Wenige Tage vor der Kata- strophe wurde seiii Grundstück subhastirt und gleichzeitig veranlaßten die Hypothekeugläubiger und verschiedene Weinlieferaitteii eine Untersuchung über den Verbleib des Geldes um ver- schiedeuer Vermögensobjekte. Der älteste, 25jährige Sohn war nitt in die Sache hineingezogen ivorden und erschoß sich deshalb am 3. Juni in einem Hotel in der Jnvalidenstraßc. Die Voruntersuchung ergab, daß Baumvach infolge der langjährigen zerrütteten Vermögeusverhältniffe aller Wahischeinlichtett»ach zur Zeit des Verbreche»? schon geisteskrauk war. Zum Zweck der Fest- stellung seines Geisteszustandes wnrde Bauiubach Ende November v. I. nach der Neuen Charitee übergeführt. Nach dem Gutachten der Charitee-Aerzte wurde er als„gemeingesährlich" bezeichnet n»e durch Beschluß der Slraftainmer das Verjähren gegen ih» eingestellt. Baumbach wurde aus der U»tersuchu>igshafl entlasse» und ist nun in aubetracht der Gemeingefahrlichkeit bedufs Ueberbriugung in eine Irrenanstalt dein königliche» Polizeipräsidium zugeführt woroen. Vor der sechste» VerufungS-Ttrafkaminer deS Landgerichts I spielte sich gestern folgender Vorfall ab: Ein wegen Hehlerei Au- geklagter hatte bereils mehrere Termine zur Vertagung gebracht. Auch gestern stellte er wiederum neue Beweisaiuräge. die eine Ver- taguug„oihweudig machte». Diesmal beschloß der Gerichtshof aber, den Angeklagten wegen Verdnukelungsgefahr in Haft z» uehmen. Als dieser Beschluß verkündet worden war, leerte der Angeklagte seine Taschen und legte dju Inhalt, eine erhebliche Geldsumme. vor seinem Verlheidiger auf den Tisch. Als dieser sich anschickte, das Geld einzustecken, wurde er vom Präsideutcu daran gehindert. Derselbe machte den Vertheidiger darauf aufmerksam, daß fein Be- ginnen unzulässig sei uud er sich strafbar mache Nachdem ei» Hast- befehl verkündet worden sei, gehöre der betreffende mit allem, was er bei sich führe, der Gesänguiß-Verwaltung. Der Vertheidiger muhte dem Angeklagten daS Geld wieder aus- händigen. Zwei Bestien. Schwere Mißhandlungen ihres eigenen füns« hrige» Kindes iührte» gestern deu Tischler Friedrich Estel und essen Ehefrau Luise Estel vor die 131. Abtheilung des Schöffen- gerichts. Zeuge» bekundeten, daß das Kind aufs uiimeuschlichfte bald vom Vater, bald von der Mutter geschlagen worden sei, biL die Polizei sich ins Mittel legte und den Elter» das Kind sorluahm. Es ist später im Waisenhause verstorben, zum Glück für die Angeklagten bat sich aber nicht uachweisen lassen, daß der Tod eine Folg« ver Mißhaudluuge» gewesen ist. Der»lediziuifche Sachverstäudige, welcher das Kind untersucht hat, begutachiele, daß es mit bluluuter- lanfeuen Stellen»nd verharschten Wunde» bedeckt war. Der Gerichtshof war der Ansicht, daß den Angeklagten, welche sich in ja grober Weise gegen ihr Fleisch uud Blut vergangen hatten, uiilderuve Umstände nicht zuzubilligen sei«» Das Urtheil lautete aus je sechs Monate Gejängnih. _ AlS die Maurer, welche im vorigen Jahre auf dem Bau de- fchäftigt waren, den die Garnisonverwaltung in der Lehrter- straße aufführen ließ, am Morgen des 15. Dezember die Arbeits- stelle betraten, fanden sie. daß die Baubude erbrochen worden war. Einer der Maurer vermißte seinen Arbeitsanzug, aber an dessen Stelle lag die vollständige Kleidung eines Zuchthäuslers. Die Annahme, daß ein Insasse des Zuchthauses in All-Moabit aus- gebrochen sei»nd die Baubude geöffnet habe, um sich in den Besitz anderer Kleidung zu setzen, wurde bald bestätigt. Ter Ausgebrocheue war der Maler Wilhelm Reubert, ei» schwerer Ver- brecher, der eine 13 jährige Zuchthausstrafe zu verbüßen hatte. Es war ihm gelungen, das Dach des Zuchthauses zu erklimme», er hatte von hier aus die T�legraphendrähte er- reicht und mit Hilfe derselbe» de» Erdboden gewonnen. Er halte sich aber dabei so schwere Verletzungen zugezogen, daß er in seinem Fortkommen behindert und nach wenige» Stunden wieder ergriffen wurde. Gestern wurde er unter besonderen Vorsichts- maßregeln der siebenten Slraskauimer des Landgerichts I vorgeführt, um sich wegen des Diebstahls zu verantworten. Er erhielt eine Zusatz- strafe von einem Jahre Zuchthaus, so daß er nunmehr iiiSgesammt 14 Jahre Zuchthaus zu verbüßen hat. Auf daö Gebahre» gewisser schneidiger Jünglinge wirst eiue Verhandlung ein Licht, die sich am 22. April vor dem Reichs- geeichte in Leipzig abspielte. Wegen Mißhandlung war der Konditor Josef Anton Kniest am ö. Februar 1897 voin Landgericht Saar- drücken zu SV M. Geldstrafe verurtheilt worden. Der Einjährig Freiwillige Apotheker Reiners war im Jahre 1898 außerordentliches Mitglied eines Gesaugvereins in S a a r l o u i s. kam aber sehr unregelmäßig zum Singen. Er wurde deshalb aufgefordert, unter Zahlung eines Beitrages von 9 M. inaktives Mitglied zu werden, kam aber nunmehr gar nicht mehr. Als nun der Gesangverein eines Tages in einem Lokal eine Festlichkeit beging, kam Reiners auch dahin, und zwar in vorgerückter Stunde. Er saß mit einige» Freunden im Nebenzimmer, während im Hauptzimmer die Mir glieder des Gesangvereins saßen. Reiners betrat nun dieses Zimmer und ging nach dem Büffet, wo er eine Zigarette forderte, warf aber bei dieser Gelegenheit auf dem Büffet eine Flasche um. EineS der anwesenden Gesangvereinsmitglicder. ein Bauchredner rief nun mit verstellter Stimme:„B r ü s e w i tz holen!" Reiners beantwortete die Provokation damit, daß er die Anwesenden Plebs titulirte»nd ihr Vorgehen als faule Fische dezeichnete. Er ging darauf in daS Nebenzimmer zurück und äußerte zu seine» Begleitern, er wolle doch lieber feinenDegen zu sich stelle». Auf die Bemerkung eines Bekannten, der nütze auch nichts der sei zu dünn, zog Reiners sei» Schwert und ließ es von der Schaar der Bekannten im Nebenzimmer bewundern. Mehrere Sangesbrüder hatten jedoch die Szene belauscht und singen schließlich dcsivegen Lärm au, in besten Verlauf ein gewisser Flohr «nd Reiners geohrfeigt wurden. Die Revision des Angeklagten wurde vom Reichsgericht verworfen. Die Macht eineS KreiS- Tchulinspcktors. Der Lehrer Kuhnert in Posen wurde vom Landgericht zu einer Geldstrafe ver- urlheilt, weil er seine beiden Kinder, die er selber unterrichten wollte, nicht in die Volksschule geschickt hatte. Die Verurlheilung erfolgte auf grund einer Rcgierungs-Polizeiverordnung, die bestimmt, daß Kinder die Volksschule zu besuche» hätte», wenn sie nicht ander weitig oder zu Hause einen geeigneten Unterricht erhielten. Die Strafkammer hielt dem Einwände Kuhnert's, er als Lehrer sei doch sicher zur Erziehung seiner Kinder geeignet, ent gegen, daß ihm der KreiS-Echulinspektor untersagt habe, die Kinder im eigenen Heim zu unterrichten. Dies sei entsct eidend. Mit seiner Revision beim Kammergericht hatte Kuhnert keine» Erfolg. Der Strafsenat konnte in der Entscheidung des Landgerichts emeu RechlSirrlhum nicht finden. Obwohl der Angeklagte selbst Lehrer sei. habe ihm doch der Kreis-Schulinspektor es versagt, sein« Kinder zu Hause zu unterrichten. Weshalb dies geschehen sei. habe der Strafrichter nicht nachzuprüfen; auf jeden Fall hätte Kuhnert unter den einmal obwaltenden Umständen die Kinder»» die Schule senden müffen. Gegen jenes Verbot des Schniinspektors habe er nur das Recht der Beschwerde an die vorgesetzte Schulbehörde. Abermals ei» prügelnder Polizist. Kürzlich verhandelte die Strafkamnier zu Oppeln, den..Oppeln. Nachr." zufolge gegen den früheren Polizeisergeauten, jetzt Buchsührer der Sekundärbahn, Gruner von Krappitz wegen Ueberschrcitung der Amtsgewalt. Der An- geklagte war beschuldigt und wurde überführt, gelegentlich der Feier der Eröffnung der Sekundärbahn de» gräst. Kammerdiener Herde Hierselbst körperlich mißhandelt zu haben, und zwar durch Schläge mit der scharfen Klinge aus den Kops, welche That sich als schwere Körper- Verletzung qualifizirte. Ferner hat er den Arbeiter Suchan, der von Nachtwächtern ins Polizeigcfängniß gebracht worden war, bei seiner Uebernahme geohrfeigt, daß daS Nasenblut an die Wand spritzte. Außerdem wurde er deschuldigt, den Arbeiter Jürga bei der Ber- Haftung mißhandelt zu haben. Der Staatsanwalt beantragte drei Monate Gefängnis); der Gerichtshos erkannte auf«ine Geldstrafe von 250 M. Zur Naturgeschichte deS prensiischen FisknS. Ein« außer- gewöhnliche Angelegenheit beschäftigte gestern das Ober-Verwaltungs- gericht. Gelegentlich eines Rechtsstreits Marggraf gegen Schwarz libermittelle der Vertreter der Frau E. Marggraf der vereinigten Konsistorial-, Militär- und Bankasse drei Sparkassenbücher über 550 M. und ersuchte die Kaste um Hinterlegung der Bücher. In dem Gesuch bemerkte er, daß nach Beendigung des Prozesses Marg- graf gegen Schwarz die Bücher der Frau Marggraf ein- zuhäudigen seien. Bevor die für die eigentliche Hinter- legung vorgeschriebenen Formalien erfüllt werden konnten, gingen dem Konsulenten Meißner infolge eines Versehens eine Empfangsbescheinigung und sei» eigenes Gesuch zu. Dieser benutzle darauf die günstige Gelegenheil, beschaffte sich die Bücher und hob das Geld eigenmächtig ab. Er wurde später des- wegen bestrast, Frau Marggras erdielt aber dadurch ihr Geld nicht wieder. Sie verklagte jetzt den Fiskus auf Schadensersatz, wurde jedoch in allen Instanzen abgewiesen. Nunmehr versuchte die be- trogen« Frau, mehrere Beamte des fiskalischen Kassen- iustiintS. die das Gesuch in Händen gehabt hatten, für den Verlust hastbar zu machen. Sie begründete den Anspruch damit, daß diese Beamten höchstwahrscheinlich an dem verhängnißvollen Versehe» die Schuld trügen. Die Konsistorial-, Militär- und Bau- kommission erhob hierauf den Konflikt, dem sich auch der Handels- minister anschloß. Das Ob«r-BcrwaIt»»gSgericht erklärte den Konflikt für begründet, weil gerade die beklagten Beamten an dem Verfahren unschuldig seien. Das Verfahren gegen die Beamte» ist also einzustellen.— Für denFiSkuZ wäre«S doch wohl«in leichte? ge- ivefen, der bedauernswerthen Frau, die sogar das Armenrecht in Anspruch nehmen mußte, um überhaupt klagen zu können, die frag- liche Summe zu erstatten. Für dies« Forderung einfachster Billig- keil ist es vollständig gleichgiltig, ob schon alle Formalien des Hinter- legungsgeschästs erfüllt waren oder nicht, als irgend ein unbekannter Kassenangestellter den Schwupper mit der Zurücksendung des Gesuchs an Meißner machte. Vevsmmnlungvn. Ter sozialdemokratische Wahlverei« für den 5. Berliner Reichstags- Wahlkreis hielt am Donnerstag bei Röllig. Rosen- thalerstraße, feine Generalversammlung ab. Nach dem Kassenbericht betrugen die Einnahme» 254,25 M., die Ausgaben 143,85 M., der Bestand 110,60 M. Der Verein zählt gegenwärtig 336 Mitglieder. Nachdem die Kassenführung seitens der Revisoren als ordnungs- mäßig bestätigt war. wurde dem Kassirer Decharge crtheilt. Hierauf gab der Vorsitzende Sasse»dach einen kurzen Geschäfts- bericht für das letzte Halbjahr, aus dem zu entnehmen war, daß der Verein an Mitgliedern stetig zugenommen hat. daß aber der Erfolg den gehegten Erwartungen nicht im vollen Maße ent- sprach, indem die Theilnahme der Genoffen an den Verein nach der Neukoustituirung keine so lebhafte war, als vordem angenommen werden konnte. Die sodann vorgenommene Neuwahl des Vorstände? ergab folgendes Resultat: S a s s e n b a ch. 1. Vorsitzender; Dr. Weyl, 2. Vorsitzender; Zeise. I. Kassirer; Butziger, 2. Kassirer; P i e t s ch, I. Schriftführer; Richter, 2. Schriftführer; als Hilfsmänner wurden gewählt die Genosse»: G r a a ck, Schneider. Klein. Ziezewitz und Drescher. Zir Re< visoren wurden die Genossen Klösenkamp. Fröbel und Glukowski bestimmt. Eine recht lebhaste Diskussion eutfpan» sich über die zukünftige Agitation zwecks Slärkung des WahlvereiuS. Die von den verschiedenen Rednern genwchten Vorschläge gingen dahin, mit den sozialdemokratischen Wählern, soweit dieselben durch die Stadlverordnelenwahl zu ermilteln sind, sowie mit den Abonnenten deS„Vorwärts" Fühlung zu nehmen, um sie für den Verein zu gewinnen. Ferner wurde eine geeignete Agitation unter den tleincn Gewerbetreibenden für zweckmäßig erachtet und außerdem soll in den Gewerkschaften eine rege Propaganda für die politische Orga- »isation entfaltet werden. Von dem Vorsitzenden wurde zur größt- möglichsten Betheilignng aller Mitglieder an diesen Arbeiten auf- gefordert und gleichzeitig ersucht, dem Kassirer den event. Wohnung?- ivechsel anzuzeigen, da besonders in letzter Zeit vielfach Einladungen:e. nicht bestellt werden konnte». Nachdem noch auf die Maiseier hin- gewiesen, erfolgte der Schluß der Versammlung. Die Maurer beschlossen am Donnerstag in einer öffentlichen Versammlung, den 1. Mar durch vollständige Arbeilsruhe zu feiern und die wegen ver Maiseier gemaßregelten Kollegen in derselben Weise zu unterstützen, wie andere Gemaßregelte. Ueber den gegen- ivärtige» Stand des Kontrollkarteuwesens berichtete das Lohn- kommissions- Mitglied Fritsche: Es seien bis jetzt 7924 Karte» ansgcgeben; ei» Resultat, mit dem man wohl zusrieden sein könne. Bei einem Unternehmer, der als einer der hartnäckigsten immer noch an der zehnstündigen Arbeitszeit fest- hielt, sei jetzt auch der Neunstundentag durchgesetzt worden. Als ein ungünstiges Zeichen sei die verhältnißmäßig große Arbeitslosigkeit zu betrachten. Im Laufe der letzten sechs Wochen hätten sich bei der Kommission 1787 Nollegen als arbeitslos gemeldet, die natürlich zum theil wieder Arbeit gefunden hätten. Immerhin lasse sich die durchschnittliche Zahl der Arbeitslosen, wen» man die hinzurechne, welche sich nicht zur Kontrolle melden, auf wöchentlich 600 annehme». Arbeit sei zwar für alle in Berlin ansässige» Maurer genug vorhanden, aber die Unternehmer zeigte» sich nicht geneigt, Arbeiter einzustellen. Wenn man alle ein schlägigen Verhältnisse erwäge, könne man wohl sagen, die Maurer hätten die beste Aussicht, ihre neuerdingS aufgestellten Forderungen durchzusetzen. Eine Diskussion über diesen Bericht entstand nicht. Zum Schluß wurde ein Antrag: den streikenden Töpfern in Breslau 500 M. zu bewilligen, nach kurzer Debatte angenommen. Zz,t>»It»»B>I»,>»>a»fchul». von Eonntag, den ee. AprU, ab, Ist dt« B i b I t o> h e I In der N o> d s ch u l e, B r u n n e n st r. i», für die Mitglieder an folge, den Tagen gcöstliel■ Sonntags, vormittags von lo-i», Dienstags und Freitags, abends%»—iO Uhr. Mitgltedsbeiirüg« werden an diesen Tagen in der Nordschule entgegengenommen, ebenso in folgenden Zahlstellen: Soitfr. Schnlz. Adwiralftr. eoa; Schöning. Köpnitkcrsir.«s; Reul, Barnimsir.«»; Babiel, Rosen ihalersir.»7! Sleinert, Müllersir. 7»; Burghause, Puibuserstr. 8»; Blankinseid. Eiephansir.»9; Werner. Bülowftr. 89; fflrube, Mariendorserslr. s; ltaßler, Junterftr. 1; 6 König«, Dtefsenbachstr. so. All« Zuschriften sind an den So, sitzenden Paul Müeketo, SO. Man- teustelstr. no, Geldsendungen an den Kassirer H. König», S. Dieffenbachstr. so, »u senden. Zirt>»i»«r SSngerbn«» Kerl,»» ,„>d Zl»igeg«»d. Vorsitzender Ad. Reu- niann, Paiewalterstr. s. Alle Aenderunge» im Beretnslalender sind zu richten an Friedrich Korlum, Manleufselftr.«9, v.»Tr. Konnabend, abend» 9-11 Uhr: UedungSstunde»nd Ausnahm« neuer Mitglieder.— Brüne Sich«, Mixdors, H ermannst».>97 bei«abenschneider.— Lyra n ta, LandsbergerAlleeissbeiBoebel. —® anges-Scho, Slaunvnftr. 88 bei Streit.— Juimergrün, Tegel, Span- dauerflr.« bet S. Rentner.— Stüii zu, Badstr.>9 bei Mttz.— Hand tn Hand II, Franlsurter Alle«>9 bei Günther.—«orwürt« 7, Rummels- bürg, Elte Gölhe-»nd Kanlstraße bei BreweS.— Frisch auf I, Fried, tchsderg, Wartenbergstr.«7 bei Lange.— Treptow tn Treptow, Baumschulenftr. 32 bei Lange.— Weiße Rose II, Weißensee, Straßburgerstraß« 88 bei Torrer.— Eintracht s, Teltow. Zehlendorferstraße 6 bei Der«— Sängerlust, Luikenwalde, BeeUüerstraße 3« bei Otto Schulze.— Echo III, Langendamm, Alt Ma>karafenp>e»te bei Grasnick.— Frohsinn I, Rummelsburo, Goethe- und Kants, roßen-Ecke det Brewe«.— Gtetchhett 2, Kremmen. Bertlnerstraße, «aftdos zur.Stadt Berlin.— E i n i g l e> t 2, LandSbergerstr. s bei Radeinann. «,»>b der grsrNige» Arbeitervereine Kerl,»«»»d zl»i, irgend. Vorsitzender P. B e n». Dresdenersir.>07/9. All- Aenderunge» im Vereinslalender find zu richten an: H. B e n d t r, Alexandrtnenstr. loo.— Sonntag, 26. April, vormlttogs 10 Mir, Annenstr.>8, bei Grosse; Versammlung. Vortrag. Ausnahme neuer Vereine. Bibliothel-AuSgade. Arbeiter- Koncherbunb Kerlin« und Ilmsesend. Aenderunge» im Vereinslalender find zu richten an Hermann Braun schweig, Dresdener- straße so, 2. Hof. Sonnabend:„Unverzagt". Paltsadenstr. 9 bei Vogel.— Angler I, Ztmmerstraße 88 bei Ruppert.— H a v a n a II., Rowawes-Neuen- borf, Ltndenstr. 81.— Glück Auf, Rüdersdorf-Kallberge, Hetniosir. 27 bet Greve. Arbeiter-«nrnerbixid. Konnadeud: Turnverein Ftchle, Beritn. abcnd» von s bis lo Uhr:>. Maiiner-Adiheilung YrtedenNr. 87.— 8. Männer- Rblbl. Boeckhftr. 2>.— 2. Lehrlings-Abth. Slalitzersir. 88—88.—«. Lehrling»- Ablhl. Etephaiiftroß« 8.— Freie Turnerschaft Rtxd ors- Br t y, E. Wierstiig's Restaur., Knesebeckstr. ,18.— Turnverein Deutsche Eiche, Johannisthal. MSnner-Ablhl. abends von 9—10 Uhr tn Schaller's Ballsalon. ««sang-,«nrn-„nd gefeUip» hierei»«. Konnabend. Theaterveretn B oh e m ta, veteranenftraße>s bet Schulz.— Buhnenverband R o r m a n i a, jeden letzten Sonnabend im Monat Gr. Franlsurterstraße Ii» bet Höhne.— Bergnügungsveretn Helgoland II., jeden Sonnabend nach dem>. im Monat Lübbenerstr. 9 bei Lehmann.— Slatllub Fortuna, Huttenstr.> bet»ratzat.— Rauchllub Dornröschen, Burgsdorsstr. l« bet Herbner.— Theaterveretn Nordstern, Dunckerstr. 90 bet Stdulz.— Privat-Theatergesellschoft Alpen- r o( e, Badstr. 85—36, Restaurant Marienbad.— Bereinigung der Turn- freunde, von stj bis lojj Uhr abends, Demmtnerstr. 88—87— Turnverein Olle», Turnhalle Blumenstr. 88», von 8jj— louhr abends.— Zitherllub Erika. Hessische- und Hannoveischeftraße-Ecke im Restaurant Müller.— Theaterveretn Othello l, M-nteuffelstr.« detNowack.— SlaiNiib i Hurra h, Lübbenerstr.»8 bei Schneider. KiI»n««ober»i»..Weh» Sieht",«tbltothekstunde von o bis 10 Uhr abend«. Wollenftr.>2 bei Gärtner. 0->nsIl?orooti>g Kr«j,, dar bläckeasten stver Lirdtg Kl. 9, Kommoa- dantonstrasse 72(Neues Klubhaus). Böhmisch-slawischer BildungSvereln Ha w lisch el, Bcuthftr. St, Restaurant „Zur neue» Post", heute Abend 9 Uhr Mitgliederversammlung. German American Club UncleSam, 9 o'clock, Wallstr. S7. Guests are welcome. Deutscher sotialdematlroti scher GesotUub tn pari». Rue St. Honore SU, Ease du Lton de Belfert. Jeden Sonnabend öffentliche Versammlung: reiche Bibltolhel, Zeitungen, französischer Unterricht. tondon. Ter einzige hiesige sozialdemokratische Berein London», der alte, von Karl Marx und Friedrich Engels>848 mitbegründele Kommunistische Ar bet t er- Vi ldungsv eret n befindet stch nach ivie vor«9 Tottenhai» Street, Toltenham Eourl Rd.. W. London. Fretreiigiiisr Gemeinde. Sonntag, den-8. April, vormittags 9 Uhr. im großen Feslsoal der Berliner Restouioe, Kommandantenftr. 87: Versammlung. reireltgiose Borlesung.— Um>> Uhr, ebendaselbst: Vortrog des Herrn Waldeck 'anasse: Die Jagd»ach dem Glück. Zentral-Kronlern-«»b Sterbebafsel der deutsche» Wageubaner.(Be- zirt 8.) Sonnabend, den 24. April, abend» 8% Uhr, Milgliederverfammlung bei Neumann. Pasewalterftr. 8. Abrechnung vom>. Quartal. Frildrichohaar». Die nächste Bersammlnna des Arbetter-Btldungsvereuis findet am Sonnabend, den 24. April, abends 9 Uhr, im Lokal dos Herrn Maz Lerche(Rundlhetl), Frtedrichstraß«, jstatt. Herr Bruno Mille hält einen Vortrog über: Gedankcnsrethetl. k VermiMkes vom Toge. — Gegen den Fabriknuteu R o ck s ch in Breslau, der an dem Tode der Modistin Rodewald die Schuld tragen sollte, ist die An- Nag« wegen Mordes fallen gelassen worden. Die Modistin starb bekanntlich zu Ansaug des Jahres a» Gift.—„. — Pauk Lindau, der Meiuinger Intendant, soll amtsniäde sein. Es giebt wehr Arbeit, als er dachte, und er will noch mehr Werke für die Ewigkeit schreibe». Mit seinen bisherigen Arbeiten ist ihm daS geglückt: die Gegenwart hat sie vergessen.— — In W e i s e n a u bei Mainz sind bei der Bohrung emes Brunnens drei Arbeiter infolge Platzens eineS Rohres erstickt.— — M W i e n ist der Kunsthistoriker Professor Karl v o n L ü tz o nMzestorben. Er war der Gründer der„Zeitschrist für bildende»"st"»nd hat stch redlich Müh- gegeben, etwas Kunst- verständn» unter das Biirgerihum zu bringen.— �" _ Lebendig begraben wurde vor kurzem in der Nahe von C a h o r s(Frankreich) der 60 jährige Gärtner Auzier. Derselbe starb augeblich au einem Schlaganfall. Nach dem Begräbnisse hörte der Todteugräber im Sarge ei» Geräusch und veranlaßte die uochmaktge Oeffnung: Es ging hierbei aus der Lage �er Leiche hervor, daß Auzier wieder erwacht und erst nach verzweifelten Versuchen, den Sargdeckel abzusprengen, verstorben war.— — Und ob er ein Christ ist! In einem Lausanner Blatte prangte dieser Tage in schwarzer Uwrahmung folgende Anzeige:„Gehorsan, der Stimine Jesu Christi, meines göttlichen, heißgeliebten Retlers, zeige ich meiner Kundschaft an, daß meine Apotheke von nun an des Sonntags geschlossen sein wird.— es. In B o l o g n a hat ein l7jähriger Bursche eine 2Sj»hrig- englische Erzieherin, die seine Lieb- verschmähte, niedergeschoffeu und dann sich selbst entleibt.— — Der Rechenkünstler F ran kl, von dem cS unlängst hieß, er habe sich in Neapel erschossen, soll stch in einer Budapester Irren- anstalt befinden, dort aber den Aerzten die schwierigsten Rechen- kunststücke vormache».— Scheint Reklame zu sei». Vielleicht haben wir in kurzer Zeit Herrn Frankl hier in Berlin.— ce. Erdrutsch. Infolge einer Erdrutschung wurde» in der Gemeinde A v r a m e st i bei Tutova in Rumänien eine Dampf- »nchte. eine Spiritnöbrennerei, die Kirche und Schule und 19 Wohn- Häuser in Trümmer gelegt.— — Ein merkwürdiges Hotel giebt e? in White PlainS im Staate New- York. Es wird ausschließlich von Zwergen ver- waltet. Der Besitzer war früher als„Admiral Dot" in der Artisten- ivelt wohlbekannt und ist 2-/, Fuß hoch. Sei» Oberkellner mißt 29�/2 Zoll.— — Die Weinproduktion Australiens betrug 1892 165 000 Hektoliter. Seitdem hat sich die Zahl der Weinberge be- deutend vermehrt. ES wird schon Wein nach England aus- geführt.—_ Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet Montags, Dienstags, Freitags und Sonnabends, abends von 7-8 Uhr statt. L. N. Der Vertrauensmann des 6. Wahlkreises, R. Klose, wohnt Lychenerstr. 33. C. B., Herzfelde. I. Scherin in Nürnberg, Weizenstr. 12. A. Z. 10. ES kann der Antrag gestellt werden, den Eid dem Kranken in seiner Wohnung abzunehmen, auch mit Rücksicht auf die Vermögens- Verhältnisse der Mutter ein Antrag aus Erlaß einer einstweiligen Verfügung gestellt werden.- 18 pp. Nein.- K. W. Erst vom 1. Januar 190« ab(Inkrafttreten des Bürgerlichen Gesetzbuchs) ist es möglich, daß ein von der Ehefrau vor ber Ehe außerehelich geborenes Kind, dessen Vater der Ehemann nicht ist, auf Antrag des Ehemanns, unter Zustimmung von Mutter und Kind, den Namen des EheulannS erhält. WitternngSliberstcht vom TS. April 18V7. Wetter Proguose für Tomiabcud, de»« 24. April 18V?. Ziemlich kühl, zeitweise heiter, vielfach wolkig mit geringen Niederschlägen und mäßigen nördlichen Winde». Berliner Wetterb urest». TS�XSt i gelangt heute, Sonnabend, zur Ausgabe JLOtJ# vrets pro Exemplar 1v Pf. Duchhaitdlnng Vorwärts, BeMr. Z. Parteiprefse. Von der„Mecklenburgischen Volks- Zeitung" in Rostock wird jemand alS Buchhalter u. kxuedient gesucht, der auch befähigt sein muß, redaktionelle Arbeiten u. evenwell die Vertretung der Redattwn zu über- nehmen. Bewerber wollen sich bis zum t. Mai beim Borsitzenden der Preßkommisston J. Schmidt, Rostock, Strandstraste 81, I. melden. AchtuBg! Achtnng I Künstliche Zähne von 3 M. an, Theilz. ivöcheutl. 1 M, wird abgeholt. Zahnziehen, Zahnreilligen, Nervtödte» bei Bcstellinig iiuisoiift. Hliplf ol Lausitzerplatz 2, Elsasser- UUtaCl, ftr. 12, Steglitzcrstr. 71 L Grosse allgemeine Gartenbau-Ausstellung im Treptower Park vom 23. April bis 9. Mai snm 75 jhhrlgen Jublliinm des Vereins aar Bcfttrdcrnng des Gartenbaues In den preusslschen Staaten. 8 Uhr bis lO Uhr, am Urttffnungstage erst von 10 Uhr ab. Eintrittspreis am 88. April 3 nk., am 89. S Mk., die folgenden Tage 1 Hk. Dauerkarten 6 Mk. SchweizeivGarten Am Kttnlgsthor. Am Friedrichshain. Wm* Jeden Snnnkng: Extra-Vorstellung u. Garten-Konzert. mmm Im Saale: VttH.■■■ Anfang i1!, Nhr. Gntree 30 Pf. An Wochentagen im Mai ist Garten und Saal zu Privatfesten zu ver- geben. IbSöL* Wassersüclit, Magenleiden, Ao-fbria tat beUbsr. Ralb inmii r.-l.-nld durch r. TJardosköKor, ß-tdmüKle, Wesifoic» sslrits qel Heiionsi.i Ei» schönes Vereinszimmer zu�ver- geben. E. Krüger, L-ufttzer Platz 13. Ein Barbiergesch. ist z. verk. Zu erfr. b. Paul Reckow, Früchts». 22, i. L. Möblirte Schlafstelle Retchenverger- straße 63 a ö. 8. Mansch.[1677b Besser- Schläfst, sof. event. t Mai verm. Ww. Steindach, Kurfürstenstr. 14. /Kmpfehle mein Weift- u. Bairisch. � Bier-Lokal. Saal für 250 Pcrs. zu Bersammluugcn und Festlich- ketten, Zimmer für«ereine und Borstände. 8 Kegelbahnen und Billards stehen zur Bersügimg. Jeden Sonnabend und Sonntag: Tanskrftnschen, wozu ficund- lichst einladet[155911 Fr. Zubell, Ulndenstr. 196. Möbl. Ziut. f. 2 H. od. D. z. Venn. b. Thtemrcke, Skalitzerstr. 143, v. II. Naunynstr. 52, v. 1 Tr. sind 2 frdl. Schlofft, z. verm. b. Vangennain. Frdl. Balk.-Zimm., 1 Herrn, 12 M. Müller, Holzmarktstr. 19, v. 4 Tr. Frdl. Schläfst. Simeonstt. 1, Barbier- geschäst. 1SZ7b Hför den Inhalt der Inserate übernimmt die Redattio» de», Publik«« gegenüber keinerlei Berantivortung. TlzvÄkev. Sonnabend, den 23. April: Opernhaus. Haschisch.— Der Maurer. Äichauspielhans. Biel Lärmen um Nichts. Deutsches. Moriwri. Berliner. Renaissance. Lessing. Waldmeister. Schiller. Der letzte Tag. Bauern- ehre. Der eingebildete Kranke. Reues. Trilby. Westen. Zwei glückliche Tage. Linde». Der Cognac-Köntg. Thalia. Heirath aus Probe. Friedrich- Wilhelmstädtisches. Trilbtz. Residenz. Ein angenehmer Gast. - Llssocies. Alcxanderplah. Endlich allein.— Eine tolle Prinzessin. Belle-Alliance. Der Kaufmann von Venedig. Ostend. Aus der Millionenstadt. Bolks. Geschlossen. Apollo. Spezialitäten. Parodie. Lumpc-Gastspiel: Trilby. Passage-Panoptikum. 32 Mädchen aus Samoa. Schillert lzratrv fwanner-'Ihhvfitei-). Sonnabend, abends 8 Uhr: Der letzte Dag. Baueruehre. Der eingebildete Kranke. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Wil> Helm Dell. Abends 8 Uhr: Das Stiftungsfest. Volks-Theater 34. Retchenberger- Strafte 34. Pferdebahnstation: Kottbuser Thor. - Bis zum 14. Mai:" Gefchlolsen. Sonnabend, den 13. Mai 1897: Eröffnung der Sommer- Saison. l. Neu-Aufführung der Gesangsposse: Auf eigenen Inßen von E. Pohl und H. Willen. Vor der Vorstellung: Gr. Garten- Konzert. Ostend-Theater. Gr. Frankfurterstr.132. Dir. E. Weift. Heute und folgende Tage: Aus der Millionenstadt. Volksstück mit Ge- sang in 5 Akten von Fritz Schäfer. Musik von G. Steffens. Anfang8Uhr. Sonntag, nachmittags 3 Uhr, zu halben Kassenpreisen: Thalia-Theater. (vormals Adolph Ernst-Theater). Heirath auf Probe. Posse mit Gesang in 3 Akten nach C. Gerö von B. Buchbinder und Fr. Reimer. Bearbeitet von Jean Kren und Gust. Görtz. Musik von Leopold Kuhn. Morgen», folgende Tage: Heirath auf Probe. Sonntag, nachmittags 3 Uhr, bei er- mäßigten Preisen: Frau Lieutenant. Ceittral-Theater. Alt« Jakobstr. 30. Dir. Nich. Schultz. Morgen, Sonntag: Zwcites Ensemble-Gastspiel des Ber- ltner Theaters. Einmalige Auf- führung: Kinder der Kühne. Lustspiel in 5 Aufzügen von Edgar Hoyer. Deutsch von Emil Jonas. Vorverkauf im Central-Theater. Lumpe-Gastspiel ll-»i>»aietlie»tei-, Oranienstr. 52: IVllHzs Sensations-Schauspiel in 4 Akten nach Mauriet'ä, Roman von Johann Lumpe. Svengali: Johanu Lumpe Kasseneröffnung 7, Sonntags 6 Uhr. Anfang 8 Uhr. Aloazar Varldtä- n. SpezlalllHten- Tlieater 1. Kangeu. Dresdeners,,. 53/53(City-Passage) Annenstr. 43/43. vornehmster Familienansenthalt. Direktion: Richard Winkler. O, bleib bei mir! Liederfpiel in X Alt. Familie BarNlkow. (4 Personen.) Phänomenale Parterre- Akrobaten. Neu! Die kleine Bombe. Neu! Schwank in 1 Akt. Dm'chweg nenes E»peBlaUtaten- Programm. Apollo-Theater. Friedrickstr. 218. Dir. I. Glück. iiUa Oalclara. Ulax Waiden. Fratclll Camiell. Anna Kralik Les Oarto. Bibb u. Bobb. Fantaska Linda. Trio Decock. 5 Sisters Lorrison. Mondain Quartett. Dell' Oro. Jolle Karen. Les Tonrbillons. mit den Kasseneröffnung S�XIHr. Ans.?'/- Uhr. Am 1. Mai 1897: Begm der 8onuner-8alson. ITpaniQ Tanben-Strasse Ulallla, Wo. 48-49. Raturkundliche Ansitelliing täglich geöffnet von lv Uhr vorm. ab. Eintritt 50 Pf. Wiffenschaftl. Theater abends8 Uhr. rtd Jnvalidenstr. 57/62 sDlt lUlUUltt Lehrter Stadtbahn- hos. Täglich von 7>/z Uhr abends ab 50 Pf. Im Theater- Saale täglich 8 Uhr abends Vortrage, mit Erpen- menten u. gr. Lichtbildern ausgestattet. Näheres die Tagesanschläge. Psissge- Panopticum. Nur noch kurze Zeit! 22 Mädchen ans Samoa. ■■ Castan's Panopticum. ä Ppmäen die kleinsten Menschen der Welt! Damen-Wettschwiminen. Doncurdla Variete-Theater Brnnnenstr. 154. (»roKNe Theater- und SpezlalitAten-Vorstellnng Groftartiges April- Programm! Reu! Örand Attraktion. Oebr. Forrß, Jnftrumentalist. Reu! Hertha I 01 ensl, brillante Koftiimsonbrette. Knospe und Stengel. Posse in 1 Alt. Anfang Wochentags 7>/, Uhr. Sonntags 6 Uhr. Umtausch- Billcts haben Giltigkeit. welt-liectsni'nnt Farldtck- nnd Speslalltüten- Theater. Dresdenerstrafte 97. Nord und Süd! Liederspiel von Richard Thiele. Hauptrollen: Kätbe Rionde.— Walter Kröning. Rudolf Schanss.— Max Röwer. Otto Wandt. Im vorderen Saal täglich: Clrosses Künstler-Frei-Konzert. Anfang: I Entree: Wochent. 8 Uhr. Wochentags 20 Pf Sonntags 6 Uhr.| Sonntags 30 Pf. Feen-Palast, f<»Ä. Direktion Winkler A FrUbel. Nur noch bis inkl. 30. April: das so ersolgreicheRlesen-Frojxramm. Sehen! William, Staunen! das größte Wunder der Welt. Urkomisch!.�ochdrastifch! Ein schwarzes Wiegenkinb Operette unter Mitwirkung v. Wilh. Fröbel. L-ebendc Photographien Das verwunschene Schlaft. Centenarfeier. Endlich allein. Anfang 7:/z Uhr. Sonntag 7 Uhr. Entree 30 Pf. bis 1 M. 50 Pf. Ehren- und Freikarten sind nur noch bis 30. April giltig. Baterland'a Restaurant, Ober-Schtfncwelde, empfiehlt seinen Saal, Garten, Äegel- bahn, Kaffccküche. Solide Preise.* Oranienburg. Waldhaus Sandhausen, nahe dem Lehnitz- u. Grabowsee. 15 Minuten vom Bahnhof rechts. Empfehle den Genossen mein Lokal zu Ausflügen. Dasselbe ist am Walde gelegen, mit grobem schattigen Vor- u. f intergarten, gr. Pariser Tanzsaal, onzertbühne, für Gesangvereine vorzüglich geeignet. Kl. Saal für Ge- sellschaften:c. zur gefl. Benutzung. » J. Woyde, Gastwirth. Einziges Verkehrslokal der Genossen von Oranienburg und Umgegend. „Pferbebilcht", Köpellilk. schönster Laubwald u. größte Spiel- Plätze d. Umgegend, gr. Saal u. helle Kasfeckiiche. Kegelbahn. Schieft- stand. W. Hagdebnrg:. Freunden und Genossen halte mein in Pankow. Florastr.40, neu eröffnetes Weift- u. Bairisch- Bier-Lokal bestens empfohlen. 1675ds doh. Hirschmeier. Gartenlokal, Tanzsaal,«egelbahn, verschiedene Vereine, im Vorort zu verk. Erfragen A. Zech. Boeckhstr. 50. l66gb Preis 4500 M. Miethe 1200 M. Empfehle allen Freunden und Be- rannten mein 1672b Weiss- u. Bayerlschbler- Lokal Friedrichsbrrgerstrafte 37. Vereinszimmer zu vergeben. 31. Aenmaler. Empfehle mein Weiss- und Bayrischbier- l okal allen meinen Freunden und Bekannten. Auxust Bieberstein 1393C*] Lausitzerplatz 13a, Eck« Eisenbahnstr., fr. Lausitzer Platz 2. Achtung! Former. AAnng! Arn Sonntax, den 35. April 1896, mittags 13 Uhr, im Kolberger Salon, Koibergerstr, 33; Große öffentliche Versammlung der Former und aller in Gießereien beschäftigten Arbeiter. Tages-Ordnung: 1. Stellung der Former und Berussgenossen zum 1. Mai. Referent wird in der Versammlung bekannt gemacht. 2. Arbeits- und Lohnverhältnisse in den hiesigen Gießereien. 3. Verschiedenes. Die Kollegen werden ersucht, zahlreich zu erscheinen. 61/13 Her Einberufer. Friedrichsselde. Oeöentliche Volks-Versammlung am Sonntag, den 35. April, mittags 13 Uhr. im Lokale des Herrn Bube, Prinzen- Allee 30. Tages-Ordnung: 223/2 l. Vortrag des Genoffen Hetzner. 2. Diskussion. 3. Wie seiern wir den 1. Mai? 4. Wie stellen wir uns den Wirthen gegenüber, welche uns ihren Saal verweigern.— Entree 10 Pf. Der Einberuser. Verband der Möbelpolircr. Honta«, 36. April, abends 8>/, Ehr, Admiralstr. 18c: Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Eu-ald über:„Die verschiedenen Wahl- systeme". 2. Diskussion. 3. Wahl. 4. Verschiedenes. Die Kollegen Julius Jensen, Eisenbahnstraße 29, und Emil Groß, sind hiennit eingeladen. Ber Worstand. Arbeiter-Radsahrerverein Berlin. Sonntag, den 25. April: Tour nach Hremmen Über Reinickendorf, Birkenmerder, Oranienburg, zurück über Heiligensee und Tegel. Treff- Punkt vormittags 8 Uhr Koppenplatz, für Nachzügler mittags 1 Uhr Wedding(Dankeskirche). Zusammentreffen mit den anderen Genossen nach- mittags 3 Uhr in Eichstedt. 1670b Uusiuu Arnold& Eggert, ist es, viel Geld für Hüte auszugeben, man erhält auch zu billigen Preisen gute und elegante Sachen, z. B.: von M. an Knaben-Filzhüte 1,— Herren-Filzhüte 1,50 Cylinderhüte 4,— Haarfilzhüte 4,80 Chapeaux claques, Reise-, Loden- u. Jagdhüte enorm billig im Einzelverkauf bei Hut- Engroslager, Waldemarstr. 44, part. rechts im Komptoir. Kein Laden. Nur moderne Waaren in grosser Auswahl. Buu grfÄlligrtt Vre�zkung! Hierniit die ergebene Anzeige, daß das lUzlmnl Sanssouci, Schmargendorf in genau derselben Weise weiter geht, wie bisher, und stehen Saal und Bereinszimmer jederzeit zur Verfügung. Das Lokal mit schattigem Garten, angrenzendem Wald und großem Spielplatz, eignet sich für Ausflüge vorzüglich, deshalb bittet um recht regen Besuch Altred Halitz. I. V.: Emil Ffthsc. Reslauranl„Sanssouci", JUtirnbrnnrrn Whtn-Schönhauskn MhenMimhansen bei Derlin«0. Telephon i Amt Friedrichsberg, Wo. 88. Den Herren Gastwirthen empfehlen wir unsere aus den besten Materialien hergestellten, wohlschmeckenden und gutbekömmlichen Biere und zwar: Kagerbier(goldgelb), Vilsener Kier(hell, nach Pilsener Art), Erportbier(dunkel, nach Münchener Art) in amtlich geaichten Gebinden zum Nettopreise von 15 Pf. per Liter frei HauS resp. frei Bahnhof Berlin. Auf die vielfachen, von Privaten an uns ergangenen Anfragen erwidern ergevenst, daß wir unsere Biere, auf Flaschen gezogen, nicht abgeben. Die Direktion: Wilh. Stnrck. Slcbert. Schleuniger Räumungs-Ausverkauf. Die noch vorhandenen Waaren au» der» i Pinbis& Konkiirsusse Wilsnackerstraße 48 bestehend in fertiger Herren- und Knaben-Garderobe, Skonfir- wanden- und schwarzen Herren-Anzügeu, modernen Stoffen und Stoffresten zu Anzügen, Paletots und Hose» sollen schleunigst geräumt werden. Bestellungen nach Maaft werden unter Garantie des Gutsttzeus von besonders angestellten guten Arbeitskräften angefertigt. Sämmtliche Waaren werden bis zum Schluß des Ausverkaufs zu Taxpreisen abgegeben. Auch Sonntags von 8—16 und 13—3 Uhr geöffnet. FWscIiSn Maitrank ausgezeichnet im Geschmack und Aroma, st Fl. M. 0,70 inkl., 10 Fl. M. 6,50. Johannisbeerwein, weist und roth. Stachelbeer- und Heidelbeerwein, anerkannt vorzüglich, st Fl. Mk. 0,85 inkl., 50 Fl. M. 35,—. Amt 4. 9676 tup Neumann& Co. 8W. 68. Komptoir und Gesammtlager-Kellereien Lindenstr. 16, 3. Hof. Detailverkaufs-Läden: Belle-Allianee-Platz 6a, Amt 4. 3679. Neue Friedrichstr. 81. Grüner Weg 56 Oranienstr. 190. Genthinerstr. 29. Kommaudantenstr. 67. Eharlottenburg: Kaiser Friedrichstraße 48. Potsdam: Bäckersttaße 7. Art krfrt il""t sämmtl. Neuerungen, J, UlJ II U U allemZubehör, Garantie, spottbillig. Ebel, Fürftenstr. 8, 1 Tr., an der Ritterstraße._* Möbel unter Garantie guter Arbeit. Theil- Zahlung gestattet. 1619b H. 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Verband der in Buchbindereien, der Papier- und Leder-Galanteriewaaren-Jndustrie beschäft. Arbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands. Zahlstelle Berlin. Die ordentliche Generalversammlung findet am Mittwoch, den 38. April, abends 8V2 Uhr, in Feuerstein' s oberem Saal, Me Jalobstraße 75, statt. Tagesordnung siehe Inserat in der Dienstag-Nnmmer. 26/8_ Der Vorstand. NB. Alle gewerkschaftlich organisirten Mitglieder der Orts-Kranken- kaffe der Buchbinder werden zu einer wichttgen Besprechung heute, Tonnabend, abends 8l/z Uhr, bei Grosse, Annenstt. 16, eingeladen. Nur organisirte Verbandsmitglieder haben Zutritt. Allgem. Kranken- u. Sterhekasse der Drechsler nnd Bernfsgenossen. E. H. 86 Hamburg. Mitgliedei'- V ersamiulungeii finden statt: Für Bezirk A. am Montag, den 26. April, abendS 8>/, Uhr, bei Nowak, Manteuffelstraße 9. „„ B. ant Sonntag, den 25. April, vormittags 10>/z Uhr, bei Pritsch, Skalitzerstraße 30/31. ,. C. am Sonntag, den 25. April, vormittags 10 Uhr, bei Grube, Mariendorserstraße 5. „, D. am Sonntag, den 25. April, vormittags 10»/, Uhr, bei B a b i e l, Rosenthalerstraße 57. Tages-Ordnung: I. Geschäftliches. 2. Vierteljähriger Kassenbericht pro 1. Quattal 1897. 3. Bericht der Delegirten von der letzten Generalversammlung. 4. Ver- schiedenes. 1668b Die Zahlstellen, in welchen an jedem Sonnabend Abend von 8— 10 Uhr neue Mitglieder(bis 45 Jahren) ausgenommen werden, befinden sich: Kleine Andreasstr. 15 bei N e u m a n n; Naunynstr. 78 bei Heinrichs Reichen- bergersir. 24 bei K i e b u r g; Skalitzerstt. 65 bei Krause: Mariendorfer- straße 5 bei Grube; Alte Jakobstr. 69 bei Lenz; Slsasserstt. 11 bei R a d d a tz; Georgenkirchsir. 25 bei H a a r. Die Ortsverwaltungen. Orts- Krankenkasse der IJhrmacher. Dienstag, den 27. April, abends 8V2 Uhr, bei Brochnow, Sebastian- straße 39: 1663b Ordentl. General-Bersammlnng. Tages-Ordnung: 1. Kassenbericht. 2. Entlastung des Rendanten. 3. Verschiedenes. Hierzu ladet ein Der Borftand. G. L ä t s ch, Vorsitzender. Kranken- Fntcrsttttznngs- nnd Begrdbniss- Verein der Bau- n. gewerblichen Hilfsarbeiter Berlins. Sonntag, den 25. April, vorm. lOVj Uhr, im Lokal Langestr. 65: General- V ersammlnng. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 1. Quattal 1897. 2. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. 30/8 Die Mitglieder werden ersucht, im Interesse ihrer eigenen Sache zahl- reich zu erscheinen. NB. Die Wohnung des Rendanten Herrn N 0 e d i n g befindet sich jetzt Skalitzerstr. 105, v. 4 Tr. Der Borstand Br. Alfred Blaschko Johanna Blaschko geb. Litthaner Vermählte. Berlin, Friedrichstrasse 134. Achtung! Putzer! Den Mitgliedern des Zentralverbandes deutscher Maurer (Zentralstelle I), sowie den Mit- gliedern des Gesangvereins Ge- müthlichkeit zur Nachncht, daß unser Mitglied Franz Lemke am Mittwoch, den 21. April, verstorben ist. 134/16 Die Beerdigung findet am Sonntag, den 25. April, nach- mittags 3 Uhr, vom Trauer- Hause iRüdersdorferstr. 14 nach dem Katholischen Kirchhof zu Wilhelmsberg statt. Um rege Betheiligung bittet Die örtliche Berwaltnng. DeuWer Dolzarbetter- Verband. Den Mitgliedern zur Nachncht, daß der Kollege tiuqusi Zeuge, Tischler. am 21. April verstorben ist. Die Beerdigung findet Sonntag Nachmittag 4 Uhr vom Krankenhause im Friedrichshain nach- Wilhelms- berg statt. 88/18 Um zahlreiche Betheiligung ersucht Die Ortsverwaltnng. Ventral-Kranken- und Sterbekasse derdentschen Wagenbauer. Am 22. d. M. verstarb unser Mit- glied, der Arbeiter Kar! Vallevthm im Alter von 43 Jahren. f253/7 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 25. d. M., nachm. 4 Uhr, von: Paul Gerhardt-Stift aus nach dem Nazareth-Friedhos,DalldorferChauffee, statt. Die Ortsverwaltung Berlin. Bezirk Hl. Todes Anzeige. Allen Freunden und Bekannten die ttaurige Nachricht, daß unser Bater, Schwiegervater, Großvater u. Onkel, der Schlssoer J. Klinkowskl am 21. April im 79. Lebensjahr plötzlich verstorben ist. 1662b Die Beerdigung findet am Sonn- tag, den 25. Apttl, nachm. 4 Uhr, von der Gartenstr. 13 aus nach dem Hedwigs-Kirchbof, Liesenstraße, statt. Die trauernde» Hinterbliebenen. Modvs- Anzvigo. Am Mittwoch, den 21. Apttl, ver- schied nach 41 wöchentlichem Kranken- lager unser braver Patteigenosse, der Tischler s215/19 August Zeuge. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 25. Apttl, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des Krankenhauses am Fttedttchshain auS nach dem Fried- Hofe in Wilhelmsberg statt. Die Bertranensperson deS I.Berliner Reichötags-Wahl- kreises(Osten) Destillation (am Wedding), passend für Pattei- genoffen, größ. Unteenebmung halber zu verk. Näheres Schuhgesch. Müller- straße 165a. 1651b Arbeitsutlirkt. Achtung! Achtung! Dolzarbttter. Bei der Firma Schulzn»l»istisd)en Pro- nuuciamentos vom Jahre 1848. Neues ist nach Engels' glänzenden Erläuterungen hierüber nicht viel zu sagen. Der Sozialismus, der nur als ein vernünftiger und allgemein erstrcbensivcrther Gesellschastszustand von den Utopisten gefordert worden war, wurde im Kommunistischen Manifeste zum erste» Mal mit vollein Bewußtsein als noihwendiges Resultat der bisherige», durch Entfaltung der produktiven Kräfte und Klassenkämpse un- aufhaktsom fortgetriebene» gesellschaftlichen Bcwegm g selbst pro- klamirt. Diese Proklamation war das Epochemachende: Sie sprengte die ulopistische Hülle, die dem' sozialistische» Gedanke» von der bürgerlichen Ansklärungsphilosophie her noch anhaftete, nnd vcr- tansendsachte seine Werbekraft, indem sie ihn als nolhwendige, in den ökonomische» Verhältnissen selbst begründete Forderung des moderne» Proletariats sornuilirle; sie wies aus den ökonomischen und politischen Klassenkampf als die allein mögliche Taktik des dem sozialistischen Endziel zustrebenden Proletariats hin, und sie schuf dieser neuen Auffassung des sozialistischen Gedankens zugleich den entsprechend großartigen, allgemeinen theoretischen Hintergrund, indem sie den Angelpunkt aller geschichtlichen Be- wegung in den ökonomischen Bau der Gesellschaften und in die durch ihn bedingten Strebungen, Interessengegensätze und Klassenkämpse legte. Tie neue realistische, von Marx und Engels herausgearbeitete Form des Sozialismus stellte sich so zugleich als Konsequenz einer neuen, alle ideologische» Verbrämungen abstreifenden, aus die ökono- mischen Grundbedingungen zurückgehenden Geschichtsauffassung dar. Die zweite Abhandlung des Labriola'schcn Bud>es!„Der historische Materialismus" überschrieben, ist der eingehenderen Dar- legung und Veriheidigung dieser neuen Geschichtsauffassung ge- widmet. Die Ausführungen des Verfassers entsprechen hier im wesentlichen dem kritisch-vorsichtigen Standpunkt, den Kautsly in der von uns ausführlicher wiedergegebenen Diskussion über die materialistische Geschichtsauffassung, dem Bax'schen Angriffe ent- gegnend, so vorzüglich klargelegt hat. Das treibende Moment der Geschichte ist auch nach Labriola schließlich der Mensch, dessen mannigfaltige Strebungen sich natürlich aus dem bloßen Kalkül der materiellen Interessen nicht herleilen lassen.„Diese Doktrin war niemals und will nicht sein die Rebellion des materiell gegen den ideell interessirten Menschen." Sie ist nur die Methode,„um die Prinzipien und wirkliche» Tricbkräste aller mensch- liche» Entwickelung(was wir das Ideale nenne», mit einbegriffen), aus den faltisch gegebenen bestimmte» Bedingungen heraus... zu begreisen". Von der isolirenden Betrachtung, welche die einzelnen Seilen des gesellschastlickien Lebens als be> sondere, quasi unabhängige„Faktoren" in ihrer Entivickelung studirt, muß man zu der einheitlichen Erfassung dieses in so mannigfachen Formen sich äußernden Lebens fortschreiten; und der einheitliche Gesichispunkt, ohne welchen eine solche Erfassung unmöglich ist, den bietet eben die Marxistische Geschichtsauffassung, indem sie auf die allen Eutwickelungsstufc» zu gründe liegende ökonomische Organisation zurückgreift und die Lebens« äußerungen der Gesellschaft in ihrer Beziehung zu der realen Ge- stalluug des Wirthschastslebens zu erfassen suckzt. Diese Beziehungen, das hebt ebenfalls Labriola hervor, sind nicht gleichförmiger Art: direkt und in erster Reihe wird das praktische Verhalten, also vor allem Politik und Gesetzgebung, durch den Druck der ökonomischen Verhältnisse bestimmt. In zweiter Reihe bestimmt die Oekonomie die Tendenz und, großentheils indirekt, auch den Gegen- stand der Phantasie- und Denkthätigkeit auf künstlerischem, religiösem und wissenschaftlichem Gebiete. Aber auch in der Sphäre des praktischen Lebens, das sich ja in Wahrheit von dem ideellen garnicht trennen läßt, stellt Labriola sich die Abhängig- keit des Handelns von der Oekonomie in keiner Weise fchematisch vor. Ueberall kehren in diesem Buche die Warnungen vor voreiligen Geschichtskonstruktioneil wieder. Soviel zur all- gemeinen Eharakleastik. Eigentlich neue Gesichtspunkte bietet auch dieser zweite Aussatz nicht. Zum Schlüsse nur noch einige ergänzende Worte über daS Fortschrittsproblem, mit dem sich der Verfasser gelegentlich beschäftigt. Der Fortschritt ist— das versteht sich vom Standpunkte der materialisUscheu Geschichtsauffassung von selbst— kein meta- physisch die Beioegung der Menschheit leitendes Fatum. Wo er erscheint, erscheint er immer nur als ein durch und durch historisch bedingtes Resultat dieser aus den sozialen Bedingungen genügend verständlichen Bewegung selbst. Aber es fragt sich, ob, wenn auch innerhalb beschränkter Grenzen, sich nicht ein allgemeines Gesetz wenigstens deß ökonomischen Fortschrittes, mit dem die materialistische Geschichlsaussassung als der normalen Form geschichtlicher Bewegung rechnet, ausstelle» läßt? In der That, die Marx'sche Theorie, derzusolge die normalc. Veränderung gewisser Prodnktivnsformen dadurch vor sich geht, daß innerhalb dieser Formen die produktiven Kräfte sich entwickeln, durch ihre Entivickelung dann mit diesen Formen in Widerspruch gerathen und so den Anstoß zu einer Umwälzung geben, in welcher die gesellschaftliche Organisation den durch die fort- geschrittene Technik diktirten Bedürfnissen angepaßt wird,— diese Theorie schließt, näher zugesehen, ein Gesetz des ökonomische» Fortschrittes wirklich in sich. Die ganze Theorie basirt ja darauf, daß die Vertreter der technisd) höher entwickelten Betriebe �ugleicki im ökonomische» Lebe» wie im politische» Klassenkampfe die Stärkeren sind, und also schließlich auch die Macht erlangen, den ganzen Gesellschaftsbau ihren Interessen durch Um» wälzung anzupassen. Würde die entwickeltere Technik nicht im Zw' sammenhange des ökonomisch-politischen Lebens ihren Vertretern mit einer gewissen Nothwendigkeit diese erhöhte Macht verleihen, so wäre es nicht abzusehen, warum Klassenkampf und Konkurrenz, statt zu einer höhere» Entfaltung der produktiven Kräfte, nickit vielmehr zu ihrem Stillstände und Rückgange hätten führen sollen? Dieses, wie schon manche Perioden wirthschastlichen Verfalls zeigen, in seiner Wirkung allerdings vielfach bedingte und durchkreuzte Gesetz, daß das technisch Bessere zugleich das ökonomisch und politisch Mäch- tigere ist und als solches der geschichtliäien Bervegrkng die ihm ge- nehmen, ver weiteren Entivickelung der produktiven Kräfte ange- paßten Bahnen vorschreibt, belhäligt sich vornehmlich, jeder» Aug» sichtbar, in der Entivickelung der bürgerl chen Gesellichast nnd ebne« einer schliebliche» Sozialisirung des Produktionsprozesses durch das ökouomisch-eigeiithumslose aber darum ökonomisch nicht machtlose Proletariat die Wege. Erst durch diese Sozialisirung, die jenes auf Klassenkampf und Konkurrenz gegründete Gesetz des technischen Fortschrittes durch andere sehr viel einsachere und wirksamere Eiitwickelungsmethoderi ablöst, wird der technisch« Fortschritt, dessen Weg bisher nur über Leichen fortging, zum Träger eines allseitig menschlichen Fortschrittes. DaS Darwinistische Gesetz vom Ueberleben des Passendsten, das die organische Entwickelung als das Resultat der realen Machtverhäli- niffe im natürlichen Kampf»ms Dasein erscheinen läßt, findet in jenem Marx'schen Gesetz von dcin ökonowisdi-politischen Siege der technisch am besten ausgerüsteten Gruppen eine überraschendc Analogie. Buch das Entwickelnngsgesetz der Menschheit stellt sich insoweit als Resultat blind wirkender Machtverhältnisse nicht im natürlichen, wohl aber im gesellschaftlichen Kampfe»ms Dasein dar. G. S. Scliuiz' Festsäle, vorni.Paster Xeuc KUnie-httrafuse 7. Jeden Donnerstag: 8922* D a in e n- K r ii n z c Ii e n. Jeden Sonntag: = Großer Ball.= BereiiiSziinmer. Saal für Bersamm- lungen frei. Ed. Schutz, Gastwirth. Eiupsehle allen Freunden und Be- kannten inemW«!«»- N.ltali-tacli. »loi-Io�al.sowieBereinszimmer und Kegelbahn. 1ö23L- JHlei-iiiarizi Bolze, ___ 35, Tilsitcrstr. 35._ Wwe. 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