Edition de Paris Pariser Ausgabe Linzige unabhängige deutsche Tageszeitung ANNAHME für Frankreich(ausschließlich Elsaß-Lothringen): Publicite Megl, Pari»(3e) 51. rue de Turhign(Ecke rue Reatimur Metro: Arts et Metiers) Telephon: Archive» 84-95. 84-96. 84-97 Nr. 191— 2. Jahrgang| Saarbrücken-Paris, Sonntag Montag, 18.19. Aug 1934[Chefredakteur: M. Braun „hiedenskanalet" und Klaffen cuhm Seite 2 VaiksalstimntunQ 1851 Seite 3 „Deutsche!hont" in Kot Seite 3 Jcankceich und diec/... Die deufsdie Majestät tut beleidigt Auf groben Klotz ein grober Keil, aus einen Schelmen anderthalben. Goethe. Die Regierungskommission an der Saar hat ein ebenso grobes wie merkwürdiges Schriftstück erhalten: eine Ber- balnote der deutschen Reichsrcgierung. Im Besehlstone wird die Rcgierungskommission gerüsselt» weil sie angeblich zugc- lassen hat, daß einige im Saargebiet erscheinende Zeitungen „Deutschland und seine führenden Männer in der denkbar niedrigsten Weise beschimpfen und verleumden". Wir wissen nicht, ob die Rcgiernngskommission sich die Mühe machen wird, der deutschen Reichsregicrung eine Sammlung der Verunglimpfungen zu überreichen, die in zahllosen deutschen Zeitungen gegen die Regicrungskom- Mission, also gegen die führenden Männer des Saargcbtetcs täglich gerichtet werden. Jedermann weiß» daß bei der Totalität der staatlichen Pressebeeinslussung im„dritten Reich" diele Pöbeleicn gegen die saarländische Regierung»- kommission nur mit Wissen und unter Billigung der Reichs- regierung dauernd wiederholt werden dürfen. Ob die deutsche Protestnote, die nur ein Angstrus gegen die freie Prcssekritik im Saargebict ist, auch gegen uns sich richtet, bleibt ungewiß. Der deutsche diplomatische Schritt gibt uns aber willkommene Gelegenheit, klar und deutlich einige Feststellungen zu treffen. In der„Deutschen Freiheit" hat nie ein Wort gegen Deutschland gestanden und wird nie ein Wort gegen die deutsche Nation ge- schrieben werden. Wenn freie Zeitungen an der Saar sogenannte Führer des„dritten Reiches" angreifen, so können sie auch bei der schärfsten Sprache unmöglich den Schimps überboten haben» den der deutsche Reichskanzler selbst seines Reiches„führen- den Männern in der denkbar niedrigsten Weise" in die Gräber nachgcbrllllt hat. Er hat in amtlichen Kundgebungen am 38. Juni seine ältesten Kameraden, seine bis dahin aller- nächsten Freunde, hochgcfeierte Führer des„dritten Reichs" beschimpft als: Sittlichkeitsverbrecher, Knabenschänder» Päderastcn, Säufer, Meineidige, Spitzbuben, Dcsravdanten, Volksbetrüger, Fresser und Schlemmer, krankhaste Lügner, Verschworene Eliqnen, Postensäger, Feiglinge, Lügner, Pathologische Ehrgeizlinge. Landesverräter, Erpresser, Ter- roristen, Mörder. Wir sind nicht verpflichtet,„die führenden Männer" deS „dritte» Reichs" günstiger zu beurteilen, als es der deutsche Staatschef selbst getan hat. Ebenso wenig sind wir gehalten, anzunehmen, daß das Blutsest des 38. Juni schon alle Halun- ken der NSDAP., der SS. und der SA. in Asche verwandelt hat. Wir glauben vielmehr, daß die größten Verbrecher noch leben. Mit Genugtuung nehmen wir zur Kenntnis, daß die Reichsrcgierung unter Berufung aus den Vertrag von Ver- saillcs betont: daö Saargebiet ist deutsches Land und seine Bewohner sind Deutsche. Das ist so und bleibt so. Weil dem so ist, können die aus den Kerkern des„dritten Reichs" in das Saargebict entronnenen Deutschen unmög- lich„Emigranten" sein, wie der deutsche Reichskanzler und leider nicht nur er oft genug durchaus««deutsch erklärt hat. Wer sich als Deutscher im Saargebict anshält, ist in deutscher Gemeinschaft aus deutschem Boden. Er hat nur den Vorzug, unerreichbar zu sein für diejenigen, die aus dem deutschen Rechtsstaat ein in der ganzen Welt mißachtetes Barbarentum gemacht haben. Die Reichsrcgierung verlangt von den fremden Treu, händern deS Saargebietcs Schutz für sich. Wir halten das sllr würdelos. Ein andres deutsches Wort liegt näher, aber wir müssen es vermeiden. Wie aber benimmt sich die ReichSregierung, wie redet ihr Ehef, der internationale diplomatische Immunität für sich beansprucht? Wie redet er von seinen Gegnern? Nur eine kleine Blütenlcse aus dem Sprachschatz des deutschen Reichskanzlers: Marxistische Untermenschen, Narren, Wahn- sinnige, gekaufte Subjekte, seile Emigranten, kriminelle Ber- brecher, rotes Pack, bei Nacht und Nebel geflohene Schur- ken, landcsvcrräterischc Schufte... W i r werde« nicht um Schutz Vetteln. Weder bei fremden» noch bei deutschen Behörden. Wir erwarten von diesem Hitler keine Schonung und geben ihm keinen Pardon. Er oder wir. Kamps bis zur Bct- nichtung. Das ist und bleibt die Losung. Unsere reiche und schöne Muttersprache wirb nnS immer die geistigen Massen geben, die den Gegner an seinen ver- wundbarsten Stellen treffen werden, auch wenn Zensur und Gerichte die Klingen stumpf zu machen versuchen. Vergebens wallen sich der deutsche Reichskanzler und seine Minister hinter den Schutz der internationalen Diplo» matie verkriechen. Wir werden die für ein Meer von Blut und Tränen, für Raub und Diebstahl an deutschem Volks- vermögen, für tiefste Schmach und Deutschlands Unglück Verantwortlichen immer wieder hervorzuholen wissen» um sie der ganze» Knlturwclt so zn zeige», wie sie find. Freibcill Dosenberg Ober den 30. Innl Er attackiert England , Berlin, 17. August. Arthur Nosenberg hielt in Bremen eine Wahlrede, die durch ihre augenpolitischen Attacken, ins- bewndere durch ihre Angriffe aus England, auffiel. Ein- gangs meinte Rotenberg, keine Revolution sei„würdiger und friedlicher" verlaufen als die nationalsozialistische in Deutschland. Trotzdem habe die Welt einen Verleumöungs- feldzug gegen Deutschland geführt, der beispiellos sei. Man sage, dag Deutschland seit dem 30. Juni nicht mehr zu den europäischen Kulturstaatcn gehöre und frage immer wieder nach den Namen der Opfer des 30. Juni. An die französische Presse könne man demgegenüber nur die Frage richten, warum sie de,,,, nicht die Na,neu der«check- empfängex des Schiebers Stavistn veröffentlicht hat. Ueber das Problem Oesterreich führte Rosenberg aus. dag nicht Deutschland die Freiheit dieies Landes bedrohe. Tic an- deren, die heute die Freiheit dieses Landes verteidigen wollen, haben Oesterreich durch den Bertrag von T r i a n o n und durch finanzielle Manipulationen unfrei gemacht. Ernster als der Pressefeldzng gegen Teutschland aber seien die Worte eines verantwortliche» ausländischen Staats- Mannes, der vom Nationalsozialismus als e'nem Geiste gesprochen hat, der in Europa alles zerschlage, weshalb die Grenzen Englands von Dover bis zum Rhein verlegt wenden mühten. Was würde man in London sagen, wenn ei» deutscher Minister erklärte, Teutschland sei bedroht und Deutschlands Grenze sei nicht mehr Helgoland, sondern die The m s e. Wir können den Engländern nur erwidern, dag erst nach dem Ziege des nationalsozialistischen Geistes das Lebe» wieder lebensivcrt für uns geworden ist und unser Meist ist mindestens ebenso gut wie derjenige, der sagt: Geschäft ist Geschäft. Rosenbcrg hat aus die Engländer einen besonderen Zorn. Er kann ihnen nicht vergessen, wie schlecht sie ihn einige Monate nach der Machtergreifung behandelten und aus ihrem Lande hinauskomplimentierten. Immerhin gehört er zu den Wenigen, die die Frage des Auslandes nach den T o t e n d e s 30. I u n i zu beantworten suchen,«eine Retourkutsche ist freilich von lächerlicher Dürftigkeit und wird zur Mehrung des Ansehens des „Leiters des augenpolitischcn Amtes" der herrschenden deutschen Partei erheblich beitragen. Die Ermordeten, die, wenn sie nicht aus„Mißverständnis" oder„Versehen" er» schössen, zertrampelt und verbrannt wurden, ihrer Ge- sinnung zum Opfer fielen, mit den Zchcckschwindlern um Tlaviskn zu vergleichen, zeugt von feinstem Geschmack. Es wird gerade in Paris besonderen Eindruck machen. ver Reichstagsbrand Zuchthaus für das„Braunbuch" Das Berliner Kammergericht hat einen Angeklagten namens Sachse wegen Weitergabe des..Braunbuches" über den Reichstagsbrand zv einem Jahr und drei Monaten Zuchthaus verurteilt. Sachse hatte die Schrift an einen gemissen Tander zum Lesen weitergegeben. Sander, der versicherte, er habe von dem Inhalt des Buches keine Kenntnis genommen, wurde freigesprochen. „VolKsgerldifsurtcN" für SA.-Zerseiziiitg Berlin, 17. Aug. Ter„Volksgerichtshof" verhandelte heute zum erstenmal einen Fall von„SA.-Zersetzung". Die An- klage richtete sich gegen den 34jährigen Kommunisten Walter Jäger aus Leipzig, der versucht hatte, einen Leipziger TA.- Plann iür die Ziele der KPD. zu gewinnen. Ter Mann im Braunhemd, der pslichtgemäft sofort Anzeige bei seinem .Standartenführer erstattete, ging scheinbar auf das Ber- langen des Kommunisten ein, um ihn und seine Hinter- männer entlarven zu können. Es gelang der Leipziger TA., d u an der Zersetzung tätigen Kommunisten, wie es in der amtlichen Notiz heißt, das Handwerk zu legen und ihn seiner gerechten Strafe zuzuführen. Das Urteil des Volks- gerichtShoscs lautete, dem Antrage des Rcichsanwaltcs ent- sprechend, ivcgen Vorder-' nr* Hochverrat n» f zwei Jahre Gefängnis. Jastil! Mannheim, 1R Aug sJup..st! Das bübische Toudcrgericht verurteilte den Angeklagten Friedrich Michaeli wegen Ver- m'ttlnna illeogler Knriervosr zu einem Jahr und zehn Mona- ten Gefängnis, feine Ehefrau zu zehn Monaten Gefängnis. Mannheim, 18. Aug. t.lnvreß» Tic NazGrcsse meldet:„Die Frau des erschossenen Ministerpräsidenten Kurt Eisner unterhielt nach ihrem Wegzug von PcterszcN im Tchivarz- ivald nach der Tchiveiz regen Briefwechsel mit dem».'jährigen Johann Bnrrn aus 2t. Georgen. Da der Angeklagte zwei dieser staatsielndlichen Briefe zum Lesen weitergab, wurde er zu einer Gesängnisstrase von acht Monaten verurteilt." Keine Amnestie für Dac! au M ii n ch e», 19. Aug. Auf Grund der„Amnestle" sind in Nürnberg 167 Personen aus der Hast entlassen worden. Aus anderen Städten werden gleichfalls Entlassungen gemeldet. Aber ans keinen der Gefangenen im Konzentrationslager Dachau ist die„Amnestie" angewandt worden. Ge:s'essciiwache in Zel uiycn Stuttgart. 18. Aug Das„Stuttgarter Neue Tageblatt" veröffentlicht allen Ernstes den folgende» Bericht:„Ein seltsamer Zu'all ist an der Oindenburg-Lindc des Kriegerdenk- mal» in Randersacker in Franken wahrzunehmen. Gleich- zeitig mit der Erkrankung des verstorbenen Rcichspräsi- denken begann die ihm zu Ehren gepslanzte Linde, ein sonst 'gesunder Baum, welk zu werden. Ter tote Baum trägt seit einigen Tagen einen Trauerflor." Pfadfinder staatsgefährlich Karlsruhe, 18. Aug. Der bübische Innenminister hat die „Reichsschast deutscher Pfadsinder" sür das Land Baden ver- boten. In der Berbotsbegründung wird gesagt,„daß in der Organisation der Pfadfinder mehr und mehr Personen Aus- nähme gesucht und gefunden haben, die dem nattonalsoziali- stlsche» Staat und der nationalsozialtstilchen Bewegung ab- lehnend gegenüberstehen, so daß die Reichssch.At deutscher Pfadfinder zu einer Zufluchtsstätte dem neuen«taat seind- licher junger Menschen geworden ist, die eine Gesähr- d u n g der ö litnl Ii jfi e n Ä MI d_O_r.d^un g bildete"."^ Nein! Unser Ja für ein sozialistisches Deutschland! Fortsetzung von Seite 1. kannt. Nichts spricht dagegen, daß der phrasenhafte Donnerer von Hamburg anders enden wird, als er es verdient. Die„herrlichen Zeiten", die er uns wie Wilhelm II. ent- gegenführen will, kommen nicht erst in tausend Jahren. T i e sind schon d a. Er und einige andere merken es nur noch nicht, weil sie in den Triumphpforten hoch über den Reali- täten schweben. In Wolken der Begeisterung, aus denen Hitler genau wie sein größenwahnsinniger Vorgänger nur noch redet von JEH, ICH, ICH will und ICH werde... Einmal gab es in dieser Rede eines finsteren Geistes einen ganz lichten Augenblick, als er die Arbeiter und die Bauern die gewaltigen Träger des deutschen Gescllichasts- gcbäudes nannte und alle anderen Schichten, auch den Mittel- stand, weit hinter ihnen rangieren ließ. In der Tat: Arbeiter und Bauern vereint werden in gemeinsamen unerhörten Lei- stungcn das neue Reich gestalten, wenn es überhaupt eine Zukunft haben soll. Keiner ist in Zukunft tauglich zu deutschem Ausbauwert, - der nicht Acker und Fabrik, Boden«nd Arbeit, bäuerliche Kraft und industrielle Intelligenz zusammenführt. Das können aber nur Männer und Ideen, die zu einer plan- vollen Umgestaltung der deutschen Wirtschaft und der deutschen Gesellschaft entschlossen und sähig sind. Es genügt nicht die visionäre Schau. Die Wirklichkeit muß gemeistert werden. Hitler hat nicht die Gabe, diese Wirklichkeit zu sehen, und Ivo er sie dunkel ahnt, schreckt er vor den revolutionären Maßnahmen zurück, die dem neuen Deutschland Bahn brechen müssen. Immer wieder proklamiert er, auch in Hamburg, die Re- volution sei zu Ende. Noch ehe sie begonnen hat. Revolution nennt er die nationalsozialistische Parteiapparatur, ihre Be- soldung aus öffentlichen Mitteln und das Niederschlagen aller neuen Wirtschafts- und Gesellschaftsformen zustreben- den Kräfte. „Die Revolution ist zu Ende." Und was ist das Ergebnis? Hitler sagt es: die nationalsozialistische Partei ist die einzige Trägerin des politischen Willens und die Wehrmacht ist die einzige Wafienträgerin im Staate. Ganz deutlich: die, wie der 30. Juni gezeigt hat, allen materiellen und moralischen Korruptionen zugängliche nationalsozialistische Parteibonzolratie will gemeinsam mit den Reichswehr« ossizieren, die feudal«nd kapitalistisch versippt sind, für alle Zeiten das Reich regieren, So glaubt dieser Phantast, der nichts weist von den wirklich geschichtsbildcnben Kräften, dauernd die vielen Millionen Volksgenossen einer der gebildetsten Nationen des ErbballO unterjochen zu können. Nicht eines der großen Wirtschaft- lichen uwd kulturellen Probleme wird er durch seine mechanische, geistlose Gleichschaltungsmaschinerie löse« können. Weder seine unfähige und käufliche Parteibüro- kratie, noch die in den Grenzen ihres eigenen Berufes her- vorragenden Reichswehroffiziere werden den politischen und wirtschaftlichen Neubau zu errichten vermögen, den Deutsch- lands Rettung erfordert. Außenpolitische Partien fehlten in der Hamburger Rede. In einem Tatze wurde die deutsche Gleichberechtigung ge- fordert, der niemand mehr geschadet hat als Adolf Hitler. In einem anderen Tatze wurde versucht, die Welt zu über- zeugen, daß die Volksabstimmung am lO. August ein Beweis für die Legalität und die Stabilität des Regimes sein werde. Tie Welt verdiente diesen Adolf Hitler, wenn sie ihm auch nur ein Wort glaubte. Die Welt weiß, daß am 10. August Millionen und Aber- Millionen nicht frei, sondern unter Zwang und unter Furcht vor dem Verlust von Freiheit und Existenz an die Wahlurne marschieren. Die Welt iveiß, daß jede Neinstimme in diesem Staat des Terrors und des Mordes einen revolutionären Entschluß, die Auflehnung einer vollen politischen Persön- lichkeit bedeutet. Die Welt weiß auch, daß' in einem Staate, der keinerlei Kontrolle seiner Maßnahmen durch die Oesient- lichkeit duldet, scde Fälschung des Wahlergebnisses möglich ist. Tic Welt weiß deshalb: es ist bedeutungslos, welche Stimmcnzahlen am 19. August veröffentlicht werden, denn dieses Plebiszit ist ein einziger infamer Bolksbctrng. Wäre das deutsche Volk frei, io würde heute schon die Ant- wort lauten auf die Frage des 10. August: Für Hitler? Nein! Für Deutschland? Immer und immer ja: Nichts täuscht uns und nichts imponiert uns in diesem„dritten Reich". Am wenigsten das rhetorische Getöse seines„Führers". Kommen wird es, wie es kommen muß: Hitler wird sterben, und leben wird Deutsch« land! Das Deutschland sozialistischer Ordnung und geistiger Freiheit! Der„FriedenskaDiier" wanenrahm und Kriegsfrage Mit l,ei»-m Wort erwähnte Hitler in Hamburg die Beziehungen zu Oesterreich, zu Italien, zu Frankreich, zu Rußland usw. Dafür aber hat wieder einmal ein deutscher Kanzler es fertiggebracht, von„den bösen Feinden in der Welt" zu sprechen und wieder einmal, wenn auch ver- klausuliert, die„Weisen von Ziem" aufs Tapet zu bringen. „Wir können tun. was wir wollen," sagte Hitler,„so wird eine bestimmte internationale Verschworung nichts unter- lassen, es zum Bösen auszulegen." Es erübrigt sich wirk- lich, auf diese außenpolitischen„Grundsätze" des heutigen Leiters der Geschicke Deutschlands einzugehen. Es wäre geradezu grotesk, wenn es nicht so tragisch wäre, daß die Iudenhetze zur Grundlage der deutschen Außenpolitik geworden ist. Wenn Adolf Hitler auch über die Beziehungen zu den andern Staaten nichts gesagt hat, so hielt er es doch für notwendig, feine Friedensliebe zu betonen. Der Pazifis- mus eines Mannes, der die pazifistische Bewegung im eigenen Lande ausgerottet hat, ist an sich schon verdächtig. Noch eigenartiger ist aber die Begründung der Friedens- liebe des deutschen Kanzlers. „Die deutsche Armee." sagte Hitler,„braucht ihren Waffenruhm vor niemanden zu rehabilitieren. Die deutsche Regierung hat es nicht nötig, kriegerische Erfolge anzustreben, denn ihr Regiment Ist unerschütterlich be- gründet und getragen vom gesamten Volk." Den gleichen Gedanken hat bereits Hitler in seiner Rede bei der Beerdigung Hindenburgs ausgesprochen. Auch da erklärte er. daß die deutsche Armee während des Weltkrieges solch hervorragende Heldeniaten vollbracht hatte, daß ihr Ruhm auf mindestens 100 Fahre hinaus begründet sei, und deshalb habe Deutschland kein Interesse am Kriege. Es bleibt Adolf Hitler als ersten europäischen Staats- mgun vorbehalten, eine solch kindisch-soldatische Be- gründunp zum Beweis dafür anzugeben, daß ein Staat vom ehrlichen Friedenswillen getragen wird. Seit wann soll von dem Ruhm einer Armee die Frage des Krieges und Friedens abhängen? Der deutsche Reichskanzler, der feit 18 Monaten durch seinen Beauftragten, dem Mün- chener Habicht, in Oesterreich mit dem Kriegsfeuer spielt, dieser deutsche Reichskanzler erklärt vollen Ernstes, daß von einem Krieg nicht die Rede sein könne, weil„die deutsche Armee ihren Waffenruhm• vor niemanden z« rehabilitieren braucht". Er weiß nichis vom polnischen Korridor und den Gegensätzen, die dadurch natur- notwendig zwischen Deutschland und Polen entstanden sind. Er weiß nichts von der Saorfrage. Er. der den großdeutschen Gedanken in geradezu wahnwitziger Weise überspitzt hatte, weiß nichts von der elsaß-lothringischcN Frage und von den tausend anderen Problemen, die in sich den Keim eines Krieges tragen, gerade deswegen, weil unter seinem Regime der Nationalismus in Deutsch' land. zu einem Wahnsinn, zu einer Krankheit geworden ist. Und er weiß auch nichts davon, daß er selbst schwarz auf weiß in seinem Buche„Mein Kampf" unter dem Einfluß des russischen Emigranten. Alfred Rosenberg, für das deutsche Volk„die Scholle im Osten" verlangt hat. Er hat es gewagt, dem deutschen Volk in seiner Hamburger Rede zu sagen, daß gerade diese seine Politik zur völligen Isolierung Deutschlands, zur Verschärfung der Gegensätze in Europa, zur Schwenkung der sowjetrussischen Außen- Politik in der Richtung eines Bündnisses mit Frankreich geführt hat Und seine irregeführten leichtgläubigen Pgs-. die von all' diesen Dingen entweder nichts wissen oder nichis verstehen, klatschen Beifall dem Mann, der Deutsch- land in diele Isolierung hineinmanövriert hat, der durch seine ganze Politik Deutschland in einen Krieg treibt. Der Nationalsozialismus muß von der politischen Unreife des deutschen Volkes überzeugt sein, wenn sein Führer es wagt, in einer programmatischen Rede zu erklären, Deutschland sei für den Frieden,„weil die deutsche Armee ihren Waffenruhm vor niemanden zu rehabilitieren brauche". Der belgische Stratosphärenballon gestartet TN« Brüssel, 18.«ugust. Ter belgische Gelehrte Max Cosyvs. der als Mitarbeiter von Prof. Piccard bekannt geworden ist, ist am Samstag früh um 6.19 Uhr in Hour-Havenne in der Nähe von Tinant mit seinem Stratosphärenballon zum dritten belgischen Stratosphären- fing aufgestiegen. Tie Füllung des Ballons nxir gegen 3 Uhr nachtS beendet. Um 433 Uhr ivurde die Gondel unter dem Ballon angebracht. Sodann würbe der Platz von der...__ Gendarmerie geräumt und abgesperrt. Ter Ballon führt JMslWCrCr als Ballast Sandsäcke im Gewicht von insgesamt 1000 Kilo grnmm sowie 230 Kilogramm Wasser in untergeteilten Blei behältern, die insgesamt 300 Kilogramm wiegen, mit sich. Diese Geheimverfügung ist außerordentlich aufschlußreich- Sie beweist, daß eine besondere PrüsungSstelle in Hitler- deutschland für solche Nat'onalsozialtsten hat eingerichtet werden müssen, die das Taargebiet als„Flüchtlinge verlassen. ES handelt sich also nicht um Einzelfälle, und nur solche Nazis können eine Flucht aus dein Taargebiet als zweckmäßig ansehen, die sich einer strafbaren Handlung schuldig gemacht haben. Saar TlUdiüinge" Sie werden besonders scharf kontrolliert Berlin. 18. August. Der Berliner Magistrat hat ein« Ge- hetmversügung erlassen, nach der all« Flüchtlinge, die aus dem Taargebiet kommen und nicht im Belitz einwand- freier Ausweispapiere sind, einer in Dresden ein- gerichteten PrüsungSstelle gemeldet werden müssen. Tort wird festgestellt, ob eS sich tatsächlich um politische Flücht- finge handelt, s Verhetirsunlall In Soarbrildten Saarbrücken, 18. August 198J- Hier ereignete sich heute srüh am Beethovenplatz ei« schwerer Verkehrsunfall. Zwei Lieserwagen, die kurz nach 6 Uhr auf der Fahrt zum Großmarkt waren, stießen an der Kreuzung der Friebrich-Ebert- und Becthovenstraße lammen. Dabei wurde der Wagen des Obsthändlers Will' Arnold aus dem benachbarten Dudweiler umgeworfen. Tel Chauffeur Arnolds erlitt lebensgesährlichc Verletzungen. Ei trug mehrere Knochenbrüche und eine Tchlagaderverletzuns davon. Die städtische Feuerwehr mußte alarmiert werde«- um den umgestürzten Kraftwagen zu beben und den t ytt* letzten Chauffe ur M bergen ES* fronr ,n m Von Bcumclburil bis WeinmuHer or» tfr Nicht mebr aroetfelfiätt: fci<»..hMttfrh« st™*** im <£« ist nicht mehr zweifelhaft: die„deutsche Front' im Saargebiet ist durch eigene Schuld in schwere Not und Be- drangnis geraten. Mit unzulänglichen Menschen als »Führer' in allen Lebensfragen des Volkes hat sie versucht, der Gestaltung des Schicksals an der Saar ein Geficht«u gebe«, das dem Grundsatz der Ausschließlichkeit, der die NsDAP. im Reich beherrscht und ihr zu ihrer dortigen Stellung verholfcn hat, absolut Rechnung tragen sollte. An der Wiege der„deutschen Front' stand die Gewalt, Gewalt gegen Organisationen und gegen Individuen. Durch„Gleich- schaltung' wurde jeder andere Wille an der Saar erstickt. Parteien wurden zerschlagen, Meinungen gedrosselt, unbot- mäßige Menschen in die Ecke gestellt, ihrer sozialen Stellung beraubt, geächtet und verworfen. Nach dem Gesetz, nach dem sie angetreten, muß die„deutsche Front" an der Saar ihres Daseins Kreise vollenden! Sic hat in ständigen Konflikten mit der Regierungs- kommission, die der Völkerbundsrat zur Verwaltung des der- zeitigen Völkerbundslandes an der Saar eingesetzt hat, eine Kampsstellung bezogen, aus der sie sich nicht mehr lösen kann. Sie hat sich von der deutschen Reichsregierung, besonders von deren Propagandnchef Dr. Goebbels, mißbrauchen lassen und zur Ermöglichung dieses Dienstes selbst gutgläubige Menschen mißbraucht! Das ist die Tragik dieser Tätigkeit der„deutschen Front": um im Sinne ihrer Berliner Auftrag- geber wirken zu können, mußte die„deutsche Front" die saar- ländische Beamtenschaft im höchsten Grade politisch kor- rumpieren. Im gläubigen Vertrauen aus die in Wahrheit nur scheinbare Macht der„deutschen Front" haben sich in allen Behörden Dienstwillige in reicher Zahl gesunden, die der „deutschen Front" hörig und ihrem Diensteid untreu wurden. Noch hat die Regierungskommission die beschlagnahmten Akten nicht veröffentlicht, noch wissen wir nicht, welches ge- 'wichtige Material die Maßnahmen der Negierungskommis- sion weiter rechtfertigen wird und schon steht die„deutsche Front" schuldbeladen vor dem Richtcrstuhl des saarländischen Gewissens. Eine Haussuchung jagt die andere, eine Verhaf- tung löst die nächste aus, in zahlreichen Bcamtcnsamilien ist seit der Beschlagnahme der Akten der„deutschen Front" die bange Sorge vor Entdeckung irgendwelcher Verschlungen, begangen zugunsten der„deutschen Front", eingekehrt. Tie Eidbrüche und sonstigen Durchstechereien erstrecken sich scheinbar in alle Kreise der Beamtenschaft. Ein Ober- landjäger sitzt in Hast? ihm ist ein Polizeikommissar der blauen Polizei gefolgt: gegen mehrere Kriminalbeamte schweben Ermittlungsverfahren, nachdem bei ihnen gchaus- "sucht worden war und auch in ihren Diensträumen Durch- suchungen stattfanden. Mitte dieser Woche wurde ein Ver- waltungsbeamter des Landratamts Homburg in Haft ein- geliefert. Von den Untersuchungsergebnissen hinsichtlich der lehr peinlichen Indiskretionen aus Polizeiakten zugunsten des„Abendblattes" des Herrn Theo Schlemmer hat man noch nichts vernommen. Ein Handelsstudienrat muß sein Vertrauen zur Allmacht der„deutschen Front" mit schwerer Anklage und Verhaftung büßen, und noch weiß niemand, wer das nächste Opfer der„deutschen Front" sein wird. Opier der„deutschen Front"! Nicht die Staatsgewalt, nicht die Regierungskommission, nicht„Separatisten" und ■ Emigranten tragen Schuld an dem Elend, das durch die unverantwortlichen Handlunge» der„deutschen Front" über zahlreiche Familien hereinbrechen kann. Mit Marschstieseln des„dritten Reichs" zertritt die„deutsche Front" an der Saar, die keine deutsche, sondern eine nationalsozialistische Front ist, Glück und Existenzen. Wohl dem Beamten, der sich und sein Gewissen frei hielt von den Lockungen und Bindungen parteigcmordener Unduldsamkeit. Die„deutsche Front" ist in Not, sie hat sich übernommen. Was jetzt sich vor aller Augen vollzieht, sind die Verdau- ungsbcschwerden einer Organisation, die nicht genug schlucken konnte. Alles an der Taar soll der„deutschen Front" Untertan sein. Keine private Vereinigung, keine religiöse Gemeinschaft, keine Behörde, keine Partei durste gegen den„unfehlbaren Ftthrerwillcn" sehr unzureichender „Führer" verstoßen. Die„deutsche Front" hat sich in alles eingemischt: sie wurde bewußt zum Staat im Staate. Wer den Bcamtcnapparot Deutschlands Gelslesgarde wählt Hitler" ti Die Schande deutscher Dichter, deutscher Musiker und deutscher Maler, die sich zum braunen Blutregiment herzhast und freiwillig bekennen, wird angesichts des 19. August wieder brennend aktuell. Denn in der nationalsozialistischen und in der gleichgcschal- teten Presse erscheint soeben folgender Aufruf: Berlin. Tie unterzeichneten Persönlichkeiten richten sol- genden Aufruf an die Ocffentlichkeit: Freunde, Volksgenossen! Wir haben einen der Größten deutscher Geschichte zu Grabe geleitet. An seinem Sarge sprach der junge Führer des Reiches für uns alle und legte Bekenntnis ab für sich und den Zukunftswillen der Nation. Wort und Leben setzte er zum Pfand für die Wiedcraufrichtung unseres Volkes, das ut Einheit und Ehre lebe und Bürge des Friedens sein wrll, der die Völker verbindet. Wir glauben an diesen Führer, der unseren heißen Wunsch nach Eintracht erfüllt hat. Wir vertrauen seinem Werk, das Hingabe fordert jenseits aller krittelnden Vernünftelei, ivir setzen unsere Hoffnung auf den Mann, der über Mensch und Ding hinaus i n® ottes Vorsehung gläubig i st. Weil der Dichter und Künstler nur in gleicher Treue zum Volk zu schaffen vermag, und weil er von der gleichen und tiefsten Ueberzeugung kündet, daß das heiligste Recht der Völker in der eigenen Schicksalsbestimmung besteht, gc- hören wix zu des Führers Gefolgschaft. Wir fordern nichts anderes für uns, als was wir anderen Völkern ohne Vorbehalt zugestehen, ivir müssen es für dieses Volk, das deutsche Volk, fordern, weil seine Einheit, Freiheit und Ehre unser aller Not und Wille ist. Der Führer hat uns wiederum aufgefordert, in Vertrauen und Treue zu ihm zu sieben. Niemand von uns wird fehlen, wenn es gilt, das zu bekunden. Werner Benmelburg, Ernst B a r l a ch, Rudolf G. B i n d i n g, Hanns Friedrich B l u n ck, Verleger Alfred B r u ck m a n n, Richard E n r i n g e r, Professor Emil Fahrenka m p, Erich Fenerabend, Gustav F r e n s s e n, Wilhelm Furtwänglcr, Professor Dr. Eberhard H a n s st a e n g l, Gustav Häver- mann, Erich Hertel, Professor Engen.Honig, Heinz Ihlert, Hanns Jobst, Georg Kolbe, Erwin K o l b e n h c y e r, Werner K r a u ß, Franz Lenk, Heinrich Lersch, Professor Karl Lörcher, Architekt W a l t e r M a r ch, Agnes M i e g e l, Börries, Freiherr von Münchhausen, Emil N d l b e, Paul Pfund, Hanns Pfitzncr, Professor Dr. Wil- Helm Pin der, Mies van der Rohe, Professor Dr. h. c. Paul S ch n l tz e- N a u m b u r g, Hermann S t c h r, Richard Strauß, Josef T h o r a k, General- Intendant Heinz T i e t j e n, Oberbürgermeister Dr. W e i d e m a n», Arnold Weinmüller. Es ist gut, die TA.-Gcistesgarde des„Führers" noch einmal vor Augen zu haben- lieber Blunck, Strauß, Furtwängler, Heinrich Lersch, Binding und leider auch über Hermann Stehr ist kein Wort zu verlieren. Für sie war Adolf Hitler schon sehr früh„in Gottes Vorsehung gläubig". Nach der „Säuberungsaktion" des 80. Juni sind sie vermutlich in ihrer Gefolgschaftstreue noch gestärkt worden und haben neuen Zuzug erhalten. In dieser Reihe aber liest man die Namen einiger Männer, die bisher ihr für Hitler schlagendes Herz der Oesfentlichkeit entzogen hatten. Das gilt im besonderen für den Dichtcr-Bildhauer Ernst Barlach, für die Maler Emil Rolde und Erich Hertel. Rosenberg und seine Dichtung haben Barlach und Notde heftig bekämpft und ihnen wiederholt die Ausstellungsräume verschlossen, weil ihre Kunst mit der nationalsozialistischen Idee nicht in Einklang stände. Jetzt wird es wohl anders werden. Auch diese Männer, die dem Deutschland der bösen vierzehn Jahre alles zu verdanken haben, begeben sich in das braune Getümmel der geistigen Unfreiheit und reglementierten künstlichen Schaffens. Gcrhart Hauptmann fehlt, was aber freilich nur auf den ersten Blick erstaunlich ist. Dieser gekrönte Standartenführer ist selbst für eine braune Liste keine werbende Zierde mehr. Wir haben für die Schweigenden Verständnis. Aber für diejenigen, die den Namen Hitlers öffentlich mit ihrem Begriff von Einheit, Freiheit und Ehre des deutschen Volkes verbinden, kann die Antwort nur lauten: verachtet sie und vergesst sie! in der Waterloostraße in Saarbrücken kennt, wer die Büros und Geschäftsaufgaben kritisch würdigt, wer um die Ver- ästclnngen in alle Organisationen des öffentlichen Lebens weiß, wird nicht erstaunt sein über die Gefahren, die sich naturnotwendig im Augenblicke des Zusammenstoßes der „deutschen Front" aus ihrer Betätigung mit der legalen Staatsgewalt ergeben mußten. Der Legalität der Re- gierungskommissiön steht die Illegalität der Tätigkeit der „deutschen Front" gegenüber. Sie hat die Beamtenschaft korrumpiert, um den Staat zu beherrschen, sie hat die Auto- rität und Regierungsgewalt der verfassungsmäßigen Re- gierung zu unterminieren versucht mit dem Erfolg, daß die Regierungskommission erneut fremdländische Polizei an- fordern mußte, ihre Spitzeltätigkeit, ihre Kontrolle des öffentlichen Lebens, die Anmaßung gegenüber allen nicht- nationalsozialistischen Lebensänßerungen haben die„deutsche Front" und ihre„Führer" in den irrigen Glauben versetzt, es gäbe keine Grenzen. Die Grenzen sind sichtbar geworden! Die„deutsche Front" ist nicht die Regierung des Saargcbiets, der Ordnungsdienst ist nicht die saarländische Polizei, das Ehrengericht nicht das Gericht, das alle Saarländer wegen privatester Lebens- äußerungen zu scheuen haben. Die Wirksamkeit der „deutschen Front" erschüttert die Uubecinilußtheit der Abstimmung. Kleine Führer wagten einen großen Kampf. Sie haben ihn verloren. Zurück bleiben Trümmer und Opfer. Gewissenlose Menschen kleinen Formats mißverstanden ihre Sendung, mißbrauchten ihre Kraft. Jetzt hat die Regicrungskommissiou, hat der Völkerbund das Wort. Tie„deutsche Front" ist angeklagt, sie wird sich schlecht verteidigen. u „niflergegner sind Kühn an der Saar Berlin, is. Aug. Die„Deutschen Führcrbrief e", an deren Kopf sich folgender Vermerk befindet:„Die „Deutschen Führerbriefe" erscheinen nicht in der Oefsentlich- feit, sie gehen ausschließlich führenden Persönlichkeiten in Politik, Wirtschaft und Kultur zu... Der Bezug verpflichtet jeden Leser zur vertraulichen Behandlung des Inhalts..." veröffentlichen einen Artikel unter der Ueberschrift:„2 a a r- sorgen und katholische Fragen". In diesem Artikel wird gesagt:„Man ist sehr kiihn geworden auf der Seite der Dcutschlandgcgner au der Taar, in diabolischer Ausnutzung einer Situation, in der aus der Ferne schwer zu beurteilende innerdeutsche Vorgänge selbstverständlich auch in der deutschen Saarbeuölkernng besorgte Fragen an- geregt haben, die, wie die Erfahrung zeigt, nicht einmal auf dem normalen Wege beantwortet werden können, weil man dazu erst ins Nachbargcbict nach Kaiserslautern fahren muß." Das Blatt gibt also zu, daß die„innerdeutschen Vor- gänge" weder im Reich noch im Taargebiet öifentiich be- handelt werden können und dürfen. Es stellt weiter besorgt fest, daß die Fragen, die in erster Linie katholische Fragen sind,„eine besondere Dringlichkeit annehmen", weil die gegnerische Propaganda betone:„Zu diesem Deutsch lan d darfst du nicht zurück!" Es verlautet sogar, „daß die Berliner Verhandlungen zur Bereinigung der Koukordatsfragen abgebrochen worden seien, weil durch andere Vorgänge idie Ermordung Klaujeners und Probst? T. R.) das Verhältnis zum Vatikan sich aufs Aeußcrste gespannt habe". Volksabstimmung 1831 Unmittelbar narh feinem Staatsstreich am 2. Dezember 1851. inmitten einer Atmosphäre des Terrors und des Grauens, inszenierte Louis Bonaparte jene Plebiszitkomödie vom 20. Dezember 1851, bei der er sieh von 7 500 000 abgegebenen Stimmen 7 000 000 zuschreiben ließ. Auf Hitler, Goebbels u. Co. hat dieser grandiose Volksbetrug so starken Eindruck gemacht, daß sie ihn jetzt schon zum zweitenmal kopieren. Der große Dichter Victor Hugo porträtierte in seinem„Napoleon le Petit" das Plebiszit von 1851 für alle Zeiten. Wir veröffentlichen einige Stücke daraus, die uns sehr zeitgemäß erscheinen: Ein Bandit überfällt eine Postkutsche mitte» int Wald. Er ist der Anführer einer zu allem entschlossenen Bande. Zwar sind die Reisenden zahlreicher, aber jeder ist für sich, eingepfercht in seinem Abteil. Mitten in der Nacht, schon im Halbschlaf, ohne Waffen, sehn sie sich plötzlich über- rumpelt. Der Bandit befiehlt ihnen, auszusteigen, keinen Laut, kein Wort zu wagen, sich mit dem Gesicht zur Erde hinzulegen. Einige leisten Widerstand. Ihne» wird der Schädel zer- schmettert. Die andern fügen sich und werfen sich nieder, stumm, un- beweglich, von Schrecken gelähmt, in bunter Reihe mit den Toten und den Toten gleich. Während ihnen die Komplicen den Fuß auf den Nacken setzen und die Pistole an die Schläfe, durchwühlt der Bandit ihre Taschen, erbricht ihre Koffer und raubt ihnen alles Wertvolle. Die Taschen sind geleert, die Koffer geplündert, der Staatsstreich vollendet Da sagt er: „Und nun. damit ich mit dem Gesetz nicht in Konflikt komme, lege ich euch ein Schriftstück vor, wonach ihr au- erkennt, daß alles, waS ich euch abgenommen, mir gehörte, und daß il.r es mir aus freien Stücken überlassen habt. Wohl verstanden, das ist eure eigne Meinung. Man wird jedem von euch eine Feder in die Hand drucken und. ohne ein Wort zu sagen, ohne eine Miene zu machen, ohne euch von der Stelle zu rühren..."— den Bauch zur Erde, das Gesicht im Kot„habt ihr den rechten Arm zu heben und habt alle dies Papier zu unterschreiben. Rührt sich einer von euch Von Victor Hugo oder sagt er nur ein Wort— hier ist meine Pistole. Ucbrigens seid ihr frei." Die Reitenden heben ihren Arm und unterschreiben. Danach erhebt der Bandit sein Haupt: „Ich habe 7 500 000 Stimmen!" # So hat sich Herr Louis Bonapartc zum Präsidenten gemacht. Erinnern wir uns einiger Grundsätze. Damit eine politische Wahl gültig sei, sind drei Be- dingungcn unerläßlich: Erstens: Sie muß frei sei. Zweitens: Tic muß bewußt sein. Drittens: Das Wahlrciultat muß echt sein. Fehlt eine dieser drei Bedingungen, so ist die Wahl nichtig. Wie nnn, wenn keine der drei Bedingungen gegeben ist?... Man müßte ein ganzes Buch schreiben, um die unzähligen Tatsachen dieses ungeheuerlichen Untcrschristcnraubs zu be- richten und klarzulegen... Der Äl. Dezember hat die Ehre, die Initiative, die Intelligenz, die Moral der Nation niedergestampft. Frankreich ging zu dieser Abstimmung ivic die Herde zum Schlacht- Hans... Alle Tricks haben bei dieser Wahl mitgespielt. Ein Torf- schulze, ein bäuerlicher Jesuit, zum Beispiel, sagte zu den Wählern:„Wenn ihr mit Ja stimmt, dann stimmt ihr für die Republik, wenn ihr mit Nein stimmt, dann stimmt ihr gegen die Republik." Daraufhin habe» die Bauern mit Ja gestimmt. In der Tat jedoch.— schon nach kurzer Zeit, in einem Jahr, in einem Monat, vielleicht schon in einer Woche, wenn das, was wir in diesem Moment sehn, zerstoben sein wird, wird man sich schämen, auch nur eine Minute diesen infamen Wahlbetrug, den man die Abstimmung der 7 500 000 nennt, die Ehre einer Diskussion gegeben zu haben. Dennoch ist das die einzige Basis, der einzige Stützpunkt, der einzige Wall kür die ungeheuerliche Macht des Herrn Bvnaparte. Diese Abstimmung dient den Feiglingen als Entschul- diguug, sie ist der Schild der feilen Gewissen. Generäle, Obrigkeiten, Bischöse, alle Pflichtvergessenheit, alle Untreue, alle Mitschuld versteckt ihre Schande hinter dieser Abstim Utting. Frankreich bat oeiorochen. iaaeu sie. Box populi bei, das allgemeine Wahlrecht hat gestimmt, olles ist durch die Abstimmung ausgeglichen! Das— eine Wahl? Das— eine Abstimmung? Man spuckt darauf und geht weiter... Man massakrierte aus den Boulevards und überall. Man erschoß, niemand weiß, wen und wo? man beging unzählige Morde, von denen man bescheidenerweise nur 191 eingesteht. Die Wasserlöchcr um die Bäume der Boulevards ver wandelten sich in Blutpfützen: man vergoß das Blut des Kindes mit dem der Mutter und mischte den Champagner für die Gendarmen hinein. Man tat alles, man gab sich alle Mühe, und aus die Frage an die Nation:„Bist du nun be friedigt?" erhält man nur 7 500 000 Stimmen. Wahrlich, es hat sich nicht bezahlt gemacht. Ihr Staatsstrcichlcr, niemand glaubt euch eure 7 500 000 Stimmen! Bitte! Ein wenig Offenheit, gesteht es: Ihr seid ja alle Gauner, ihr mogelt,— in eurer Bilanz vom 20. Dezember zählt ihr zuviel Stimmen und zu wenig Leichen. 7 500 000. Was ist das für eine Zahl? Woher kommt sie? Wo ist sie entstanden? Was sollen wir mit dieser Zahl an- fangen? Sieben Millionen. Acht Millionen. Zehn Millionen. Was machts? Wir gestehen euch alles zu und machen euch alles streitig. Die sieben Millionen, die habt ihr, und auch die 500 000, die Summe und den Zuschuß. Du sagst es, Bonaparte, du versicherst es, du beschwörst es,— aber wer beweist es? Wer hat die Stimmen gezählt? Barsche.*! Wer hat sie ge prüft? Rouher.*! Wer hat kontrolliert? Pictri.*) Wer hat zusammengezählt? Maupas» Wer hat nachgeprüft? Trop long. Wer hat verkündet? Du! Mit andern Worten: Die Niedertracht hat gezählt, die Kriecherei hat geprüft, die Gaunerei hat kontrolliert, die Fälschung hat addiert, die Feigheit hat nachgeprüft, die Lüge hat verkündet. Würde man nach der Wahl einem beliebigen Bürger die Frage stellen:„Sie haben Louis Bonapartc zum Präsidenten ernannt?"—„Ja" wäre die Antwort. „Würden Tic ihn als Kafsenbotc» einstellen?" „Ans keinen Fall!" Aus„N e i'i c Fron t", Paris, Organ der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands. *) Kumpane Bonaparte«. Wachsende Koniliklsslimiiinng im Fernen Osten DNB. Tokio, 17. August. Die sowjetrussische Beschwerde wegen der Verhaftung von sowjetrussischen Beamten an der chinesischen Ostbahn wurde vom japanischen auswärtigen Amt scharf zurückgewiesen mit der Erklärung, daß die japanische Negierung sich nicht in die Angelegenheiten der Justizorgane des mandschurischen Kaiserreiches einmische, die nach der Verfassung völlig unabhängig vom japanischen Kaiserreich seien. Oeslerretdi behalt 39000 Soldaten Frankreich offiziell einverstanden Paris, 18. Aug. Die französische Regierung hat nun auch offiziell dem Wunsch der österreichischen Negierung statt- gegeben, die im vergangenen Jahre zugestandene Erhöhung der Effcktivbcstanbteile des Bundeshcercs auf ein weiteres Jahr zu verlängern. Die Regierung hat jedoch den Vor- behalt gemacht, daß die zusätzlichen Truppen nicht für andere Zwecke als für die Aufrechterhaltung der Ruhe und Ord- nung im Innern des Landes verwendet werden dürfen und daß der erhöhte Effektivbestand nach Beilegung der äugen- blicklichcn Schwierigkeiten sofort abgeschafft werden müsse. Dieser Vorbehalt, so erklärt„Echo de Paris", fei gemacht worden, um der südslawischen Regierung entgegenzukommen, die der österreichischen Regierung den Borwurf mache, sie habe ihre Truppen nur verstärkt, um die Sozialdemokratie zu erdrücken. Außerdem befürchte man in Sttdslawien an- gestchts des engen österrcichisch-italienischen Verhältnisses einen Machtzuwachs Italiens. 8« sieht es der Ausländer Deutschland nach sechs Monaten... London, Ig. Aug. sJnpreß.) In der„Times" veröffentlicht William Tecling seine Eindrücke, die er nach sechsmonatiger Abwesenheit in Deutschland gewonnen hat. Er vermerkt Aendernngen, die sich seit Januar vollzogen haben: das An- wachsen des Elends und die rapide Entwicklung der Opposition.„Die offene Kritik an dem heutigen Regime ist weit umfangreicher geworden, die Jugend wird täglich unrnhiger. Die Katholiken, die im Januar erst begannen, sich zu be- klagen, bereiten sich jetzt vor, für ihre Unabhängigkeit zu kämpfen." Gegenüber dieser Haltung des Volkes verschärfe die Regierung den Terror.„Die Juden, die im Januar bc- ruhigt schienen, werden erneut unruhig." Was Tecling am meisten überraschte, ist die Verschärfung der Not. Die Zahl der Bettler in den Straßen habe sich beträchtlich erhöht. Indifferenz herrsche gegenüber den„herrlichen nationalen Anstrengungen", und eine immer größere Unruhe wegen der Unmöglichkeit, Exportmärkte zu finden und aus diese Weise die Krise wenigstens teilweise zu lösen. Gespradie mit Deuftdien Ein deutscher Fremdenführer schreibt uns aus PartS: Ich begleitete acht Personen auf einem Rundgang in Paris. Ich fragte zwei Damen, was sie von der Lage in Deutschland hielten. Prompt erhielt ich die Antwort:'„Ja, das verstehe ich nicht,' Sie müssen das doch besser wissen als wir. Wir bekommen doch nicht eine Zeitung zu lesen, die nicht lügt." Ich sagte darauf:„Ja, aber Ihr habt doch bei der letzten Wahl für ihn gestimmt und seid zufrieden mit ihm/" Entrüstete Antwort:„Wir, wir haben ihn nie gewählt und werden ihn auch nie wählen. Einer, der seine eigenen Freunde erschießen läßt, ist unmenschlich. Sehen Sie mal, wir sind aus einem kleinen Dörfchen mit knapp 1000 Einwohnern. Wir wissen, daß mehr wie 50 bestimmt gegen Hitler gestimmt haben, aber amtlich sind sie nicht gezählt worden. Wir dürfen ja nur den Mund halten oder man wird ins Konzertlager gesteckt. Man kann auch ohne Grund was ab- bekommen, so wie ein Vetter von uns. Den hat ein SA.- Mann aus dem Haus geholt. Nach drei Tagen kam er wie- der. Die Augen waren kaum noch zu sehen. Der Anzug war zerfetzt und seine Nerven waren ruiniert. Vierzehn Tage hat er im Bett liegen müssen und leidet heute noch. Der SA.- Mann, der das verübt hat, ist einige Wocben später in be- soffenem Zustand mit dem Motorrad sDienstradl tödlich ver- unglückt. Nicht bloß Juden, auch wir Katholiken werden schikaniert. Mein Sohn ist zehn Jahre. Er war in der DJK. und mußte auf Befehl in die HJ. Was«vollen ivir machen? Mein Mann ist Beamter. Wir haben immer in einer Metzgerei, dessen Besitzer Jude ist, unser Fleisch gekauft. Wir sind aufgefordert worden, nicht mehr dort zu kaufen. Wenn wir ans der Kirche kommen, werden wir von einer Horde junger Burschen ausgeschimpft und schikaniert. Der Haupt- rädelssührer ist der SA.-Mann I. R. Ein arbeitsscheues, faules Subjekt, Ja, Freund, so sind die Zustände bei uns in einem kleinen Torf." Kurze Zeit darauf konnte ich mich mit einem Pfarrer unterhalten. Auch ihn fragte ich:„Was halten Sie von der Lage in Deutschland?" Darauf antwortete mir der Geistliche:„Keine Antwort ist auch eine Antwort, Sie werden mich wohl verstehen." Er wich meinen Fragen ans. Erst nachdem ich mich als Emigrant ausgewiesen hatte, wurde er etwas gesprächiger und sagte mir etwa folgendes:„Wir leben ja schlimmer als in einem Zuchthaus. Ich freue mich wirklich, mal andere Luft atmen zu dürfen. Es ist ja furchtbar. Klauscner und Probst erschossen. Aber wieviele Morde werden nicht bekannt? Ein fchlcstscher Landwirt, für dessen Wahrheitsliebe ich mich ver- bürge, erzählte mir folgendes:„Ich fuhr nach dem 30. Juni mit einem Wagen, um Vieh fortzubringen, durch eine» Wald, als ich von SS. aufaefordert wurde, einen anderen Weg zu fahren, da die Ehaussec gesperrt sei. In demselben Moment kam ein Leiterwagen lHcuwagcn) in gestrecktem Galopp an mir vorbei. Ich konnte feststellen, daß er bis oben voll von Leichen gepackt war. Jetzt wußte ich, warum man den Wald abgesperrt hatte. Man wollte die Leichen der Mordnacht ver- brennen oder verscharren." „Sehen Sie, junger Mann, das ist Deutschland. Mord, Mord und nochmals Mord." Ich sagte hierauf:„Ja. warum protestiert die Kirche nicht hiergegen?" Darauf wurde mir zur Antwort:„In den nächsten Tagen oder Wochen werden Sie die Stimme des Hl. Vaters schon hören." Leider mußte ich mich wegen der vorgerückten Zeit— der Zug fuhr— verabschieden. Ich rief ihm zu, am Tonntag gegen Hitler für ein freies Deutschland zu stimmen. Ter Pfarrer bat mich, weiter für den Frieden zu kämpfen. Lang- sam entschwand der Zug. Er rollte der Grenze zu, innerlich freie Menschen wieder der Sklaverei entgcgentragend. Paris Ml sidi nickt köusckcn Französische Zeitungen zum Wahllbeater A. Ph. Paris, 18. August. Von unserem Korrespondenten In, Augenblick steht hier die Frage des..pleinscite alle- mand". der sogenannten„Reichsführerwahl", am nächsten Sonntag im Vordergrund des Interesses. Wenn auch nie- mand sich einem Zweifel über den„gewaltigen Sieg" hingibt, den Hitler erringen wird, so berichten die Zeitungen doch mit breiter Ausführlichkeit über die einzelnen Etappen dieses Wahlkampfes, der gegen einen aar nicht vorhandenen Gegen- kandidalcn geführt wird. Meinungsverschiedenheiten be- stehen in der französischen Presse eigentlich nur darüber, ob Hitler 0» oder SS Prozent oder gar, wie cS der„I n t r a n- s i g e a n t" für möglich hält, 97 Prozent aller abgegebenen Stimmen erhalten wird. Gallus meint in diesem Blatt, Goebbels und seine Jreunde wollten durch das Abstimmungsergebnis dem Aus- lande beweisen, daß die Nation geschlossen hinter dem Führer stehe. Aber das Ausland wisse ganz gcna», daß Stimmen, die unter einer gewalttätigen Diktatur abgegeben würden, nur als Ausdruck der Riescnaugst der Wähler zu würdigen seien. Man sei nicht so schlecht über Deutschlands wirkliche Lage unterrichtet, um nicht die ganze Schwäche des Naziregimcs zu kennen. Wer sich gegen den Diktator wende, dem gehe es wie Röhm und seinen Freunden. Hitler habe diese am 30. Juni erschießen lassen, weil es für ihn nur zwei Möglich- leiten gegeben habe:„Sie oder ich!" Jetzt fühle er sich in Sicherheit, sei Sieger. Aber gebe es nicht noch immer eine stumme Revolte, nicht einen großen Rachedurst? Werde Deutschland, ohne ganz besonders zu leiden, den Winter überstehen? Das Wahlthcatcr am Sonntag habe keine große Bedeutung. Es sei eine Abstimmung, eine jämmerliche Ab- srimmung von gefesselten Händen... Von einem„Volksentscheid ohne irgendwelche Bedeutung für die Welt" spricht auch Leon Bailby im„I o u r". Er meint, die Abstimmung solle die Erinnerung an die ohne Richterspruch vollzogenen Hinrichtungen des 30. Juni und an den Dolliußmord auslöschen. Man müsse schon selbst ein Braunhemd sein, um nicht zu begreifen, welchen Schauder diese nutzlosen Verbrechen erregt hätten. Aber Hitler solle nicht glanben, daß nach dieser Scheinwahl die Kulturvölker ihre Ansicht über ihn ändern würden. Nein, für solche Verbrechen sei eine sehr lange Sühne nötig. Im„F i g a r o" heißt es ähnlich wie im„Jour", neben dem Bekenntnis zu Hitler werde am Sonntag von dem deutschen Wähler eine Antwort auf die Frage gefordert: „Habe ich am 30. Juni richtig gehandelt?" Dann sagt das angesehene französische Blatt weiter, Goebbels sei ein schlechter Chefredakteur. Wenn man ihm glaube, dann solle der 19. August den ausländischen Journalisten beweisen, daß sie Esel seien. Aber am 20. oder 21. August werde man wahr- scheinlich erfahren, daß der Propagandaminister nicht mehr die große Rolle spiele, die er seit dem Machtantritt der Nationalsozialiften gespielt habe. Zwischen Göring und Blomberg werde Hitler dann seinen Weg weitergehen. Aber Goebbels und seine Presse würden ganz im Hintergrund verschwinden. „I o u r n a l" wiederholt das, was am Vortage schon die meisten französischen Zeitungen ausgesprochen haben, Hin- deuburgs Testament sei Hitlers bester Trumpf im Wahl- kämpf geworden. Dabei bemerkt der Berliner Korrespondent dieses Blattes, Georges Blun, obschon man keine zu- verlässige Aufklärung erhalten habe, habe man doch den Eindruck, daß das Testament von Staatssekretär Meißner geschrieben sein könne. Er setzt dann nicht ohne Ironie hinzu, selbstverständlich ent- sprechend Hindenburgs Willen und ohne daß dadurch die Echtheit des Testaments irgendwie abgeschwächt werde. „O c u v r e" spricht von den Bedenken, die gegen die Echt- fielt des Hindenburg-Testaments laut würden. Man könne sich nicht vorstellen, daß im Hause eines deutschen Offiziers die Unordnung so groß sei,, daß man ein solches Dokument nicht habe sofort finden können. Warum habe es OSkar von Hindenburg nicht Hitler selbst bei der Traucrfeier überreicht, wo Hitler so galant Oskars Frau die Hand ge- küßt habe? Warum habe es Papcn dem Kanzler übergeben und nicht, wie es in dem letzten Willen heiße, der Sohn des Verstorbenen selbst? Man könne doch leicht alle» Redereien entgegentreten, wenn mau das Testament in Faksimile veröffentlichen würde. Nach dem 30. Juni habe sich doch Hitler auch mit Hindenburg auf der Schwelle des Hauses in Neudeck fotografieren lassen, um damit allen Gerüchten, die von«Gegensätzen zwischen den beiden hätten wissen wollen, die Spitze abzubrechen. Habe Hindenburg mit eigener Hand das Testament ge- schrieben oder sei es Schrekbmaschinenarbeit? Und warum habe der Feddmarschall sein Testament erst am 11. Mai 1933 ergänzt, nachdem er es bereits im Jahre 1919 niedergeschrieben habe, wo ihm doch seine schwere Er- krankung im Jahre 1932 hätte Anlaß genug sein können zur Abfassung seines letzen Willens? Wir fürchten, daß der Reichspropagandaminister Dr. Goebbels kaum Hitler veranlassen wirb, auf alle diese neu- gierigen Fragen zu antworten. SA.-Mann Kruse hat in der „Deutschen Freiheit" die Wahrheit über den Reichstags- brand gesagt? wir müssen wohl warten, bis ein anderer SA.-Mann Kruse uns auch die Vorgeschichte des Hinden- burg-Testaments berichtet. Die Wahlrede im Pariser lieh? „Plan wird vergebens nadi einem neuen Gedanken stuften (Bon unserm Korrespondenten) A. Ph. Paris, 18. August.„Tant de bruit pour une omelette— viel Lärm um nichts", das ist das Urteil der französischen Presse über die neue Rede des Herrn Reichs- sührers Adolf Hitler, soivcit die französischen Morgeublätter bereits zu dieser Rede Stellung nehmen konnten. Kein Blatt zweifelt die Wirkung dieser Rode auf eine mit allen Mitteln der Propaganda aufgepeitschte Bevölkerung an, die immer noch zu einem großen Teil in Adolf Hitler den Heiland sieht, der sie ebenso wenig als Reichsführer in 18 Jahren aus dem Elend erlösen wird, wie er dies in den 18 Monaten seines Kanzlertums getan hat. Sehr geschickt, meint fast die ganze hiesige Presse, habe Hitler Hamburg als„Standort" für seine„Wahlrede" gewählt. Dort seien die Widerstände gegen ihn noch be- sonders groß. Aus der einen Seite habe Hamburg heute noch zahlreiche Sozialdemokraten und K o m- m u n i st e n in seinen Mauern- Auf der andern Seite steht das liberalistisclx Bürgertum und das alteingesessene Patrizicrtum, das sich noch immer nicht mit dem Rational- soz'alismus abgefunden habe, der von einem Abenteurer, dem Rcichsstatihalter K a u f m a n n. in der alten Hansa- stadt verkörpert wird. Indem Hitler hier als Triumphator eingezogen sei, hierher den Höhepunkt des Wahlkampfes ver- legt habe, habe er der Welt zeigen wollen, daß er ganz Deutschland erobert habe, ivie„Petit Parisien" es aus- drückt. Vergebens, meint das vielgelcscne Morgenblatt, würde man in dieser Rede neue Gedanken suchen. Reichsführer Hitler habe nur das von neuem hier ausgesprochen, was der Agitator in zahllosen Varianten seit 13 Jahren wiederholt habe. Wie gewöhnlich habe er zuerst das Regime seiner Vorgänger heruntergerissen. Gegen das demokratische System von Weimar habe er seine Blitze gc- schleudert, um das vom Nationalsozialismus erfüllte Werk in den Himmel zu heben. Er habe sich allerdings mit gutem t! Grund über die greisbaren Erfolge dieses Werkes ausge^ schwiegen. Nichts sei in dieser Rede, worauf man nicht gefaßt ge- wcscn sei, sagt„Excelsior", das alte Lied mit dem allen Text. Ein Schauer überläuft einen bei Adols Hitlers Per- sicherung:„Wir haben kein Blut vergießen wollen!" nud man erwarte vergebens eine Rechtfertigung des Blutbades vom 39. Juni. Hitler habe sich aber darüber ausgcschwiegen. Nur am Ende seiner Rede habe er neue Drohungen aus- gesprochen gegen seine Gegner, die er erbarmungslos niederwerfen wolle. Wen» er wieder einmal in der Außenpolitik die Gleich- bcrechtigung für Deutschland gefordert habe, dann wisse man ja, was er darunter verstehe: Deutschlands Ueberlcgenhcit in numerischer Stärke und in der Technik. Hitler habe wieder seinen platonischen Friedenswillen ausgedrückt, dessen unausgesprochene Bedingungen zweifellos dieselben geblieben seien, so sagt das Blatt am Schluß recht bissig, wie Hitler sie in seinem Buch„M e i n Kampf" niedergelegt hat.... Jagd aal AnslandszeKengen Konfisziert und zensuriert Berlin.18. August. In den letzten Tagen hat die Polizei bei der Konfiskation ausländischer Zeitungen eine sieber- haste, vorher nie erlebte Tätigkeit entwickelt. Dauernd kou.- mcn Schupobcamte an die Kioske und halten Nachfrage. Am Donnerstag wurden wieder mehr als ein Dutzend Zeitungen konfisziert:„Zürcher Post",„St. Galler Tagbiatt",„Thür- gancx Zeitung",„Neue Bcrner Zeitung",„Williöaner Ar- zeiget",„BaSler Nachrichten". Weiter„Echo de Paris", „Figaro",„Manchester Guardian",„Morning Post" usv'. Manchmal werden die konfiszierten Blätter wieder frei- gegeben, wenn sie die Zensur erfolgreich passiert haben. Dabei hat man besonders Ach« ans alle Aufsätze, die mit dem Trug des 19. August beschäftigen. Mysteriöser Fford am ßheinufer Straßburg.17. August. Die angesehene katholische Zeitung„Der E l s ä s s e r Bote" verössenlicht heute einen Bericht, der allergrößte Beachtung verdient. Es handelt sich um nichts mehr und nichts weniger, als um die Schilderung eines Mordes, der sich gestern in aller Oesfcntlichkcit am badischcn Rheinufer, gegenüber von Robertson bei Straßburg, abspielte. Eines politischen Mordes, wohlgemerkt! Die Mörder waren uniformierte Hitlerleute, das Opfer wahrscheinlich ein poli- tischer Gegner oder auch ein rebellierender SA.-Mann, der aus diese nicht mehr ungewöhnliche Art stumm gemacht wurde. Halten wir uns streng an die Schilderung, die der„Elsässer Bote" von dem Vorgang veröffentlicht. Der unfreiwillige Zeuge dieser Btordtat, ein Fischer, der unweit von Wantzenau in Höhe des Kilometersteins 135,400 auf der französischen Seite des Rheins seinem Handwerk nachging, beobachtete folgendes: Der Fischer sah am gegenüberliegenden badischen Rhein- «sex sieben Männer austauchen, von denen drei die Uniform der Nazis trugen. Die drei Uniformierten, einer davon in Hemdärmeln, schlugen aus einen jungen Mann mit schweren Knüppeln ein. Der Unglückliche schrie mehrmals„Mama, Mama!" und rollte dann bewußtlos die Böschung hinab. Da er noch nicht tot zu sein schien, setzte ihm ein Uniformierter nach und schlug noch ein paarmal ans ihn ein. Dann versetzte er dem jungen Menschen einen Tritt. Der Mann fiel in den Rhein und wurde von d» Strömung abgetrieben. Der Fischer rief mehrmals über das Rhein hiiu'ibcA „M örder, Mörder! Laßt doch dem»men Mensche? am Leben!" Das störte aber die VandiktM Vicht. Sic vctz richteten mit unglaublicher Roheit ihr grausames Handwerh wobei sie mit einem Fernrohr auch das französische User beobachteten. Die Mörder beseitigten nach vollbrachter Tat in aller Seelenruhe die Blutspuren und entfernten sich. Stach ungefähr einer Stunde kehrte einer der Uniformierten noch- mals zurück, wahrscheinlich, um sich davon zu überzeugen, ob keine Spuren der grausigen Tat mehr zu sehen sind. Die Tat spielte sich am hellichten Tag ab. Der Fischer, der diesen schrecklichen Vorgang in allen Einzelheiten beobachtete, meldete sein Erlebnis sofort bei der zuständigen Stelle. Er war besonders empört darüber, daß die Männer in Zivil nicht die geringsten Anstalten machten, die Tat zu verhindern. ES erhebt sich nun die Frage, wer der Ermordete war, in wessen Austrag die Mörder handelten und wie diese Schreckenstat von hier aus verfolgt werden kann. Denn daß von deutschen Behörden, wenn es sich um einen der üb- lichen Nazimorde bandelt, keine Verfolgung der Täter zu er- warten ist, dürste bei den Methoden des„dritten Reiches" kaum zweifelhaft sein. Da der„Bote" in seinem Bericht an- deutet, daß es sich bei dem Ermordeten vielleicht um einen Elsässer handeln könne, dürste für die hiesigen Behörden damit ein Fingerzeig gegeben sein, in welcher Richtung sie vorzugehen haben..~~ «•Deutsche Freiheit", Nr. 191 ARBEIT UND WIRTSCHAFT Saarbrücken, 19. 29. August 1934. Dealsdilands Außenhandel im l. Halbjahr 1934 Wie sich der deutsche Außenhandel mit den einzelnen Bezugs- und Absatzgebieten im ersten Halbjahr 1934 im Vergleich zum entsprechenden vorjährigen Zeitraum gestaltet hat, darüber gibt die nachstehende Zusammenstellung Aufschluß. (in Mill. RM) Insgesamt.«»»»»»»»,«,»« Europa i t, Saargebiet,.## Bflgien^Luxemburg Bulgatien•••»••••••.«« Dänemark Danzie Polen Estland Finnland P»»«»».....». rankreich t%«•%* vinechenlan^••%•«#•#•### Oioßhntannlm...» Irischer Freistaat,,. Ital en m. A.»B. Jugoslawien.. P fr ©est »iederUnde Borwegen. Österreich Portugal Rumänien ^chfReden • opanie» m. A.-B.,, Ischechoslowakei,« ^"««»rn r Jd>SR(Rußland).. Afrika Ägypten «tsÖsch.Ostafrika..., | ritisch#Südafrika.. ßritisch-Westafrika B«lgisch»Kongo üaien.... ritisch#Indien, China..., ........... Niederländisch.Indien.••, ttirkci.•.•. Amerika.... Ver. Staaten......... Argentinien......... Brasilien Chile. t juatemala.......•. Mexiko((, Uruguay Australien und Polynesien...... Australischer Bund Eismeer und nicht ermittelte Linder» Ein fuhr 1. Halbjahr 1934 19^3 2302.5 1183,4 75.2 90.4 12.0 39.3 8.9 30.6 2.7 11.4 90.5 28.7 124,7 1.4 82,2 13,7 7.2 8.9 127.9 29 1 30.1 8.4 21.1 55.1 51.2 56,4 71,7 21,0 80.4 1113.6 153 7 30 8 3.8 44 0 34.3 13,0 282,7 77.7 64.5 11,3 62.3 19,3 553 6 244,9 42.0 95.3 32.8 23,7 10.5 12.3 21.4 123,6 90.6 5.5 2086.9 1090,4 51,6 70,6 11.6 52.7 10.1 24.1 2.9 12.1 85.3 23 6 118.2 0,4 76.0 15.6 7.1 9.2 112.0 45.3 27.3 5,9 24.2 52.6 40.4 55.1 56.9 14.1 83.1 990.1 126.4 26.5 3.8 28.4 32.2 9,0 281,9 77.6 94,6 . 8.4 52.6 16.1 513 8 253,4 32,9 806 34.2 9.5 13.8 10 3 14.7 68.0 48.0 6.4 Ausfuhr 1. Halbjanr 1934 1933 2086 2 1608,3 39 0 122 6 9.1 686 6.9 17.1 3.2 18.4 155,5 12.0 188.2 8.5 119,0 152? 9.0 7.7 255.3 41.8 53.7 14.2 20.3 92.5 152 4 43.1 76.9 17.6 36.0 476.3 53.2 13.2 1.3 23.8 1.9 0.9 197 3 45 9 37.9 41.2 14.6 25.6 218.8 84.8 9.7 44.3 33.3 4.3 0.8 H.7 58 12.0 w.l 1.6 2377,8 1860,1 39.5 140 0 8.6 63.6 18.9 28.3 3.3 17.8 20»>.6 7.8 182.6 6.8 107.3 15.9 8.6 10.2 278,2 41.0 62.5 12.2 28.3 88.6 169.5 42.3 80.9 19.5 173.5 515.6 52.8 14 7 1.0 19.9 3.0 1.0 181.2 39.3 39.8 42.1 17.7 18.3 268.6 112.7 12.1 47 6 39.5 3,3 1.2 14.3 7.3 13,0 9.4 2.1 Die Handelsbilanz schließt im ersten Halbjahr 1934 mit einem Einfuhrüberschuß von 216 Mill. RM. gegenüber einem Ausfuhrüberschuß von 291 Mill. RM. im Vorjahr ab. An dieser Verschlechterung der Handelsbilanz um insgesamt 507 Millionen RM. ist der Warenaustausch mit Rußland allein mit 134 Millionen RM. beteiligt. Absturz! Ein Beispiel in Zahlen Wie hundeschlecht es der deutschen Ausfuhr geht, mag an dem Reispiel eines Spezialartikels— Glühstrümpfe— gezeigt werden. Im Jahre 1925 wurden wie aus folgender Tabelle ersichtlich ist, nahezu 38 Millionen Stück ausgeglühte und nicht ausgeglühte Glühstrümpfe exportiert, 1926 nur die Hälfte und 1933 nur noch acht Millionen Stüde. (in Mill. Stück) Ausgeglüht Nicht ausgegl. zusammen 1925■■■, 1926■■■■ 1927■■■! 1928..., 1929■, t■ 1930,,,, 1931,,,, 1932.... 1933.... 1. Halbjahr 1933 1. Halbjahr 1934 30,69 11,21 9,73 7,64 6.90 4.75 4,48 2.76 2,48 1,07 0,92 7,02 7.38 9.20 10,12 10,56 0,35 6.39 6.06 5.64 2.41 2.21 37,71 18,59 18,93 17,76 17,46 15,10 10.87 8.82 8,14 3,48 3,13 D.teite in Solingen Der katastrophale Rückgang des Außenhandels der Solinger Industrie ist gleichbedeutend mit dem Ruin der gesamten deutschen Schneidwarenindustrie, da Solingen 80 Prozent derselben umfaßt. Was tut nun das„Dritte Reich", um diese Entwicklung einzudämmen? Es veranstaltet— eine braune Stahlwareu- ausstellung in Verbindung mit einem Kongreß unter dem Motto:„Hundert Jahre Solinger Slahlwaren'\ Dazu wurde ein„Werberat der Solinger Industrie" gegründet. Wir zweifeln, daß diese Maßnahmen helfen werden. Mit der Propaganda allein ist nichts mehr zu machen. Dazu wurde diese Einrichtung von Hitler und seinen Paladinen zu sehr mißbraucht. .Xhrcngeriffif gegen ose WirfscfiaHsftrise Berlin, 15. August(Inpreß). Der Reichsverhand des Deutschen Groß- und Ueberseeliandels hat ein Rundschreiben an die ihm angeschlossenen Bezirksgruppen und Fachverbände gesandt, das der Korrespondenz„Inpreß" im Wortlaut vorliegt. In diesem Rundschreiben, das vom 11. Juli 1934 datiert ist, wird gesagt: „Betr.: Hinweise auf die Devisenlage(Seelemann, Aufraub» kratzen). Es mußte festgestellt werden, daß eine Anzahl von Firmen die gegenwärtigen Einfuhrschwierigkeiten zu Werbezwecken benutzen. So hat eine Firma die nachstehende Offerte heraus- gesandt: „Wir gestatten uns, Ihnen folgendes mitzuteilen: Auch in unserer Branche dürfte sieh in absehbarer Zeit ein Mangel an guten Rohstoffen bemerkbar machen, infolgedessen empfehlen wir Ihnen, wie es schon manche Einkaufsstelle getan hat, einen Abschluß in Aufrauhkratzen mit uns zu machen, um sich die heutige Ia. Qualität noch zu sichern. Mit ausführlichen Angeboten stehen wir jederzeit zur Verfügung." Von dem Führer der Wirtschaft wird zu dieser Geschäftshandhabung wie folgt Stellung genommen: „Anliegende Abschrift eines Schreibens, in welchem eine Firma unter Hinweis auf die Rohstofflage geschäftliche Vorteile zu erreichen versucht, wird zur Kenntnis gegeben. Es wird gebeten, mit aller Entschiedenheit durch die Fachgruppen zu verhindern, daß durch derartige Briefe eine unnötige Beunruhigung um eigenen Vorteils willen verursacht wird. Es besteht kein Zweifel, daß sich die Schreiher solcher Briefe später ehrengerichtlich zu verantworten haben, und daß schon jetzt mit der Autorität der beteiligten Führer und der von ihnen zu verlangenden Disziplin durchzusetzen ist, daß derartiges unterbleibt, und daß solche Schädlinge sich schon heute darüber klar werden, daß sie von uns ausgemerzt werden." Wir bitten daher dringend im Kreise der Ihnen angeschlossenen Firmen dafür Sorge tragen zu wollen, daß solche Vorkommnisse unterbleiben." V«5 Räinsfern h. b. Die ehemals blühende Solinger Stahlwarenindustrie steht vor ihrer völligen Pleite. Während der Jahresabsatz an Solinger Stahlwaren vor der Machtergreifung Hitlers noch fund 120 Millionen Mark pro Jahr betrug, ist er jetzt auf etwas über 50 Millionen Mark gesunken. Die Arbeitslosigkeit, die— wenn man den amtlichen deutschen Statistiken Glauben schenken will— im Reichsmaßstab 43,1 auf 1000 Ein- Zehner beträgt, ist in Solingen im Zeichen der Arbeitsschlacht suf 104,2 pro 1000 gestiegen. Diese Entwicklung hält ununterbrochen an. Besonders in den letzten Monaten wurde >hr Tempo beträchtlich gesteigert. Wurden im März dieses Jahre 3544 dz Stahlwaren ausgeführt, so sank diese Ziffer für die Solinger Industrie im April auf 2915 Doppelzentner. Der Wert der ausgeführten Gegenstände sank in der gleichen Zeit von 2,2 Millionen auf 1,9 Millionen Mark. Die Abwärtsentwicklung nahm in den einzelnen Abnahmeländern folgenden Verlauf: Es wurden geliefert nach: im März im April Großbritannien 379 dz 289 dz Niederlande 367 dz 178 dz Oesterreich 168 dz 55 dz Frankreich 167 dz 85 dz Britisch Indien 297 dz 329 dz Niederländisch Indien 49 dz 52 dz USA. 57 dz 88 dz Belgien III dz 89 dz Schweden 102 dz 74 dz Dänemark 93 dz 67 dz Argentinien 94 dz 168 dz Brasilien. 22 dz 44 dz Vergnügungssteuer-Einnahmen der Gemeinden mit mehr als 5 000 Einwohnern, Rechnungsjahr 1933 34, in Klammer Verminderung gegen das Vorjahr, in Millionen Reichsmark: April—Juni 7,6 Juli-September 6,6 Oktober—Dezember 7,7 Januar—März 8.6 (- 9.37) (— 4,68) (—21,48) (—15,54) zusammen 30,4(— 13,61) Diese Zahlen sind geeignet, die ganze Situation der Wirtschaft im„dritten Reich" zu beleuchten. Darüber helfen djo schönsten Fanfaren des Goebbels nicht hinweg.,- Aus dem Etal Berlins „Ucberstürzte Vorratskäufe— Gefahren für Konjunktur und Arbeitslage". Unter dieser Ueberschrift schreibt„Der Betrieb", die von der obersten Leitung der politischen Organisationen der NSDAP, herausgegebene Wochenschrift u. a. (1. August 1934):„Während der letzten Wochen und Monate neigt man in vielen Wirtschaftszweigen dazu, Rohmaterial und auch Fertigwaren auf Vorrat zu kaufen und in größerem Umfange zu lagern. Es handelt sich dabei nicht nur um solche Waren, die Deutschland aus dem Auslande einführt. Ganz allgemein hat die Furcht, es könnte irgendwie eine Verknappung eintreten, zu einem übermäßigen Anbau der Lager geführt. In der Konfektion z. B. riß man zeitweise den Fabrikanten die kaum fertige Ware aus den Händen. Daß diese spekulative Bewegung hier und da in regelrechte Hamsterei ausgeartet ist, versteht sich von selbst... Für die Arbeitsbeschaffung, für den Beschäftigungsgrad und für die gesamte Arbeitslage entstehen ans überstürzten Warenkäufen ganz bestimmte Gefahren. Die Hamsterei ist ein Rückfall in die Anarchie liberalistischer Wirtschaft. Die aktive Konjunkturpolitik im nationalsozialistischen Staate ist schon mit Rücksicht auf die ständige Weiterentwicklung der Wirtschaft nach oben vor allem auch durch die Rücksicht auf die Arbeitsbeschaffung, verpflichtet, diese Zustände mit Stumpf und Stiel auszujäten. Gründe, die die Warenhamsterei rechtfertigen, sind nicht ersichtlich. Trotz unserer Devisenknappheit reicht die Bevorratung." Verstände Arbeitslosigkeit in S\M Die„Frankfurter Zeitung" stellt eine Untersuchung üher die Gründe des beträchtlichen Rückschlags auf dem Baumarkt an und kommt zu dem bemerkenswerten Ergebnis, daß mit der Erschöpfung der öffentlichen Gelder für die Arbeitsbeschaffung die künstlich erzcugtelnlandskonjunkturin ein Gegenteil umschlagen mußte, und daß mit einem neuen Anwachsen der Arbeitslosigkeit in den kommenden Monaten gerechnet werden muß. Diese Feststellungen haben um so größere Bedeutung, als, wie das Blatt hervorhebt, der Baumarkt als maßgehender Konjunktur- barometer für die Inlandkonjunktur überhaupt gewertet werden muß. Ver Rain der flemclndellnanzen Die Lage der Gemeinden über 5 000 Einwohner wird von Tag zu Tag schlimmer. Keine von ihnen ist mehr in der Lage ordnungsgemäß Wirtschaft zu führen. Arn deutlichsten zeigt der Niedergang der Finanzen eine Aufstellung über die Einnahmen aus der Vergnügungssteuer. Wir sehen in Klammern zu jeder Zahl aus de m Ja h r 1933 31 di e Verminder ung gegen da« Ypriahrj Im Juni 1934 nahm die Reichshauptstadt Berlin als Lust- barkeitssteuer 408 156 RM. ein, im Juni 1933 481 870 RM. Im Juli 1934 371 217 RM., im gleichen Monat des Vorjahrs 431 309 RM. Es mindern sich natürlich immer von Juni auf Juli aus Saisongründen die Lustbarkeitssteuer- Einnahmen; wir haben daher die Erträgnisse beider Monate aus beiden Jahren nebeneinander gestellt. Daraus ergibt sich, daß der starke Rückgang im Juli 1934 weit über den Saisonrückgang hinausgeht. Zahlungseinstellungen Ueber die Handschuhfabrik Schneefuß in Stuttgart wurde der Konkurs, über die Likörfabrik Richard Adam in Halle das Vergleichsverfahren eröffnet. Die 1863 gegründete Mechanische Band- und Litzenfabrik Neuhoff& Hardegen, eines der bekanntesten Häuser in Barmen, hat die Zahlungen eingestellt. Die Bad-Pyrmont-AG. hat fast das gesamte Aktienkapital verloren. Ueber die Radioapparatefabrik Johannes Lange in Planen wurde der Konkurs eröffnet. England liefert keine Garne mehr In einer stark besuchten Versammlung der Spinner in Manchester wurde am 10. August das Abkommen über den künftigen Zahlungsverkehr im Handel mit Deutschland erörtert. Es wurde einmütig beschlossen, auch weiterhin von irgendwelchen Garnlieferungen nach Deutschland Abstand zu nehmen, bis die schwebenden Schulden bezahlt worden sind. Es wurde ferner eine Entschließung angenommen, die dem Board of Trade zugeleitet wurde und in der der Abschluß irgendwelcher Vereinbarungen mit Deutschland, durch die nicht die Begleichung der außenstehenden Schulden herbeigeführt würde, abgelehnt wird. Schwierigkeiten der Textilindustrie A. P. Wegen der Schwierigkeiten, feine englische Garne zu importieren, hat sich die Lage der Handschuhindustrie sehr verschlechtert. Auch die Beschaffung von Kunstseide stößt auf Hindernisse. Die Trikotageindustrie hat Aufträge, da die Kundschaft die Knappheit im Winter fürchtet. Die Strickwarenindustrie kann bereits zahlreiche Aufträge nicht mehr ausführen. Aelinlich steht es mit der Buntweberei.— Die Vertagung der Vereidigung der Fachgruppenführer der Wirtschaft durch Schacht vom 10. August auf einen unbestimmten Termin hat großes Aufsehen erregt. 80 V. n. 6»Mä€df(IBg In Frankreich Der Goldbestand des französischen Noteninstituts erfuhr in der letzten Berichtswoche eine neue starke Zunahme um 327 Millionen Fr. gegen nur 234 Millionen Fr. in der Vorwoche. Diese Verstärkung der Goldzuflüsse stellt eine unmittelbare Auswirkung der jüngsten Bewegungen auf den Devisenmärkten dar, namentlich des neuerdings angewachsenen Pfundangebots, was den englischen Ausgleichsfonds gezwungen hat, im Zuge seiner Verteidigung der bestehenden Pfund- und Franken-Parität wachsende Goldabgaben vorzunehmen. Die letzten Goldverschiffungen aus den Vereinigten Staaten sind noch nicht in Paris eingetroffen, also nicht in dem vorliegenden Ausweis in Erscheinung getreten. Zu verzeichnen ist ferner, daß das Deckungsverhältnis zum ersten Male 80 Prozent erreicht, wobei es sich um die Deckung des gesamten Geldumlaufs, also auch der Giroguthaben durch Gold handelt. Der Notenumlauf allein ist fast 100 Prozent durch Gold gedeckt, da den 81 Milliarden Frauken Noten 80,8 Milliarden Goldbestand gegenübersteht. 130prozentiger Wertanstieg der Sowj'etaufträge Englands Moskau, 13. August. Die im veränderten sowjeteng» lischen Abkommen vereinbarte 30prozentige Ermäßigung der Kreditkosten bei Rußlandlieferungen, hat bereits in den ersten fünf Monaten 1. J. eine beträchtliche Verstärkung der sowjetischen Auftragstätigkeit in England zur Folge gehabt. Die Sowjetaufträge erreichen laut einer Estrop-lnformalion in diesem Zeitraum die Höhe von 3,45 Mill. Pfund, gegen nur 1,44 Millionen Pfund in der gleichen Vorjahrsspanne. An Eisen, Stahl und Nichteisenmetallen haben sich die englischen Lieferungen an USSR. mengenmäßig verdreifacht, wogegen allerdings die Maschinenkäufe im Vergleich zur analogen Vorjahrsspanne von 3,37 Millionen jäh auf 259 000 Pfund gesunken sind, was auf den raschen Ausbau der sowjetischen Maschinenindustrie zurückzuführen ist. Hand in Hand mit der Verstärkung der sowjetischen Kanftätigkeit hat England die eigenen Käufe an Agrarprodukten und industriellen Rohstoffen der USSR. 31prozentig vergrößert. MD! m Dil„WM MW"! .Deutsche Freiheit" Nr. 191 Das bunte Vlstt Sonntag Montag, 19. 20. August 1984 Der Aeeräubertrust von Hongkong Piraten des 20. Fahrhunderts '- Hongkong, im August. «ceränbcr?! Freibeuter, welche die Meere befahren, Handelsschiffe kapern, die Mannschaft gefangen sehen und die Passagiere auSplüirdcrn?! Man sollte glauben, daß solche Gestalten nur»och in Abenteurer-Romanen für die un- reifere Jugend aufzutauchen pflegen. Man sollte annehmen dürfen, dag heutzutage die Sicherheit der internationalen Schiffahrtswege rings um die Welt gewährleistet ist. Spricht u'.an doch bereits ausdrücklich von„Seeräuber"-Gefchichteu, nenn man die Unglaubhaftigkeit einer Erzählung charaktc- risieren ivill. Leider ist dieser Brauch als etwas verfrüht zu betrachten. Wie in den gute« alten Zeiten der Schatzinsel werden auch heute»och gewisse Gewässer durch regelrechte Piratcnbauden unsicher gemacht. Diese unterscheiden sich von ihren älteren Borbildern lediglich dadurch, da« sie nach rein geschäftlichen Gesichtspunkten organisiert sind. Sie lassen sich an Macht und Einfluß nur mit den Gangster.Bande» Nord- amcrikas vergleichen. Was diese zu Lande, stellen sie zu Wasser dar. Im Chinesischen Meer hat sich die Seeräuberei zu einer richtiggehenden Industrie entwickelt. Sie wird von Banditen- chefs geleitet, die sich niemals in ein Abenteuer stürzen, ohne ihre Uebcrsälle bis in alle Einzelheiten vorbereitet zu haben. Ihre Mannschaften haben sich ring« an der Küste an- gesiedelt. Das Hauptquartier der Piraten liegt in BiaS- Bau. Sie bilden dort zwei scharf getrennte Gruppen: die einen haben nur die grossen Passagierdampser im Auge, die anderen nehmen die Waren-Dichunken aufs Korn, die in den gelben Gewässern den Handelsverkehr vermitteln. Die erste Gruppe hat ihre Nachrichten-Zcntralcn in Hong- kong, Schanghai und Maeao. Bon dort empfängt sie ständig ausführliche Berichte über die einlaufenden Schiffe, ihre Ladungen und Passagiere. Taufende von Dollar werden ausgegeben, um die Naubzüge risikofrei zu gestalten. Müssen doch dazu gewisse Mitglieder der Schiffsbesatzung bestochen und alle Auskünfte mit Geld ausgewogen werden, die aus den Angestellten der Bauken, Handelshäuser und Schifsahrts- gesellfchafteu herauszuholen sind. Je nach der Fracht und den Paffagierliste» werden dann von Bias-Ban vierzig- bis fünfzigköpfigc Banden in Bewegung gesetzt. Die Beute wird gewöhnlich von dem Tecräuberhauptmann unter seine Leute verteilt. Ausschlaggebend sind die Gefahren, die der einzelne gelausen ist. Am besten werden diejenigen belohnt, welche die Kommando Brücke, die Maschinenräume und die Rabis- Station in Besitz nehmen. Sobald die Piraten Herren an Bord sind, plündern sie die Passagiere aus. An der Mann- schaft vergreisen sie sich so gut wie nie. Die zweite Gruppe von Freibeutern ist kapitalschwächer und daher weniger unternehmungslustig. Das anerkannte Oberhaupt dieser Bande ist Dai Kin, ehemaliger Spiel- hollenbesiyer in Maeao. Die Dschunken, die nicht von seinen Leuten angegriffen werden wollen, zahlen ihm regelrechte Abgaben. Sie dürfe» sich dafür durch gewisse Geheim» zeichen kenntlich machen. Wenn sie i» bestimmter Form einen Wimpcl hissen, die Segel richten oder Kleider am Bug bc- festigen, wissen die Piraten Bescheid und verschonen sie mit ihren freundlichen Besuchen. Es ist soweit gekommen, daß die meisten Fahrzeuge an der Küste und den westlichen Flüssen lieber stillschweigend ihre Tribute zahlen, als sich de» Angriffen der Prisenjäger aussetzen. Während der vergangenen Jahre haben die Piraten der ersten Gruppe zahlreiche grosse und bekannte Dampfer über- lallen. Die Kapitäne des französische» Postdampfcrs„S S. Hanoi", des Dampfers„Sunning" der Butterfly-Gcsell- ichast und des Schiffes„Hop-Sang" der Madison-Gesell- schaft können von der Kühnheit dieser Banditen ein Liedchen singen. Einer der dramatischsten Uebcrfälle wurde aber zweifellos aus das englische Postschisf„Hai Hing" der Douglas Stcamship Eic. verübt. Als es am st. Dezember 1032 den Hasen von Sivatore verlassen hatte, wurde das Mstst-Tonnenfahrzeug von Seeräubern gekapert und in Brand gesteckt. An Bord entspann sich ein Kampf zwischen den Offizieren und ihre» Gegnern, bei dem HO Passagiere ums Leben kamen. Am Ende gelang es der Besatzung, die Verbrecher zu überwältigen. Wie inszenieren diese modernen Freibeuter ihre Anschläge? Wie kommt es, dass sie fast regelmässig erfolgreich sind? Sie gehen stets aus dieselbe Weise vor. Sie schiffen sich aus den ausersehenen Dampfern als gewöhnliche Passagiere erster, zweiter und dritter Klasse ei». Meist kommen sie in zweit- rangigen Häsen, wie Sivatore, Huang-Tschcn, Hoi-Hao, an Bord. Zuweilen steigen sie anch erst in Hongkong oder Kau- ton zu. Während der Mahlzeiten der Mannschaft am Morgen oder bei Einbruch der Dunkelheit, niemals aber mitten in der Nacht, werden auf ein verabredetes Zeichen hin die Kommandobrücke, der Maschinenraum und die Rund- snnkstation angegrisen. Zwar schreiben die Behörden von Hongkong Sicherheitsgitter vor, die jene Ocrtlichkeiten vor solchen Ueberraschungs-Eoups schützen sollen. Diese pflegen ober aus Nachlässigkeit oder aus dienstlichen Gründen offen zu stehen, d. h. in Wahrheit sorgt dafür irgendein bestochener Matrose. So ist es in der Regel ein Leichtes, den Kapitän, den Mechaniker, die Offiziere und Funker zu entwaffnen, che sie überhaupt wissen, wie ihnen geschieht. Jeder Wider- stand wäre zwecklos. Sobald das Schiff eingenommen ist, übernimmt der Tai- cong, der Anführer der Bande, das Kommando. Er läßt sich zunächst alle Waffen und Munitionsvorräte ausliefern. Be- vor er mit der Plünderung beginnt, läßt er sämtliche Orte von seinen Leuten besetzen, deren Sicherung ihm erforder- lich scheint. Daraufhin wird mit vorgehaltenem Revolver zur Beraubung der Passagiere geschritten. Hauptsächlich hat man eS auf Silber, Edelsteine und Wertpapiere abgesehen. Nichts wird vergessen, jeder Koffer wird geöffnet. Die europäischen Passagiere werden äußerst zuvorkommend behandelt. Die Damen werden immer respektiert. Nach der Plünderung werden die Fahrgäste in ihre Ka- biiien eingeschlossen. Im Maschinenraum müssen die Heizer unter ständiger Todesdrohung so stark wie möglich ein- heizen. Der Kapitän seinerseits hat das Schiff aus kürzestem Wege nach Bias-Bau zu führen. Dort machen sich die Piraten a» einer vereinbarten Stelle durch bestimmte Zeichen bemerkbar. Alsbald legen sie zahlreiche kleine Bar- lassen an der Längsseite des Dampfers an, nehmen die Beute auf und manchmal sogar ein paar wohlhabende Passa- giere, von denen sie sich reichliches Lösegeld versprechen. Auch Frauen betätigen sich mit grossem Erfolg als See- räuberinnen. Sic ziehen sich zu diesem Zwecke keine Männer- kleidcr an, sondern werden von gewissen Banden als Lock- fang benutzt. Sie sind mit nichts weiter bewaffnet als mit ihren Reizen. Wenn der Kapitän unklug genug ist, sich mit irgendeinem hübschen„Sing-song girl" an Bord auf eine etwas zu intime Unterhaltung einzulassen, kann es ihm sehr leicht geschehen, daß er nach dem ersten Champagnerglas leblos zurücksinkt. Keine Angst, es handelt sich hier nur um Schlafmittel! Am Abend des 20, September 1030 verließ der japanische Dampfer„Delhi-Maru" den Hasen von Huang-Tscheu. Er hatte viele Passagiere an Bord genommen, darunter auch eine reizende Chinesin von etwa 20 Jahren. Am frühen Morgen, während die Mehrzahl der Fahrgäste die Poesie des Sonnenaufgangs genoß, warf die junge Dame die Zigarette weg und erhob sich von ihrer Chaiselongue. Sie stieg mit dem bezauberndsten Lächeln der Welt auf die Kommando- brücke und begann eine Unterhaltung mit dem ivachhabcn- den Dcckoffizicr. Mitten im heiterste» Gespräch zog sie plötz- lich zwei Pistolen hervor und setzte sie dem überraschten Leutnant vor die Nase. Darauf gab sie das Zeiche» zum Angriff. Alles verlief wie gewöhnlich. Der Funker und seine beiden Gehilfe», die ein TOS.-Zcichcn geben wollten, mußten leider ins Meer geworfen werden. Der Kapitän wurde zwischen zwei Piraten gesetzt und gezwungen, sein Schiff»ach der Bai von Hong-Hoi zn steuern. Hier verließen die Räuber das Schiff unter Mitführung von 18 000 Dollar. Wie sich später herausstellte, hatte die junge Banditin eine hervorragende Erziehung i» einer der besten Pensionen von Hongkong genossen. Durch den Tod ihres Baters war sie vor die Notwendigkeit gestellt worden, ihren Lebens- unterhalt selbst zu verdienen. Immerhin ein etwas aus gefallener Beruf für ein junges Mädchen aus guter Familie! Die englische» Behörden von Hongkong haben alles ver- sucht,»m die mittelalterlichen Zustände im Chinesischen Meer zu unterbinden. Sic allein können aber nicht zum Ziel kommen. Sic bedürfen der Unterstützung der chinesischen Re- gierung, zu deren Ausgabe die Sicherung der Wasserwege gehört. Leider sind die Verhältnisse im Innern Chinas selbst so verworren, dass die starke Hand, die hier durchgreisen müßte, bisher gefehlt bat. Hoffentlich findet sich bald ein General, der wie einst Pompejus das Mittelmeer, die Ge- wässer seiner Heimat von den Seeräubern reinigt. Er würde sich dadurch nicht nur wie dieser um sein Vaterland verdient inachen, sondern ebenso, um zahlreiche Reedereien und Ver- sicherungsgesellschasten. Roger K e r ste n. /rage an die Sehnsucht Sehnsucht! Du lockst uns von Land zu Land. Wir suchen dein Erben und finden es nie. Wir suchen die ewige Melodie, Die schon die Sterne des Anfangs verband. Werden wir einst an den Grenzen der Welt Wirklich am Ziel nnsrer. Pilgerfahrt sein? Werden wir dort, wo das Sterbliche fällt, Umlcuchtct vom Glück der Vollkommenheit fein? H o r a t i s Vom Tennis- Star;ur Filmdiva Suzanne Lenglens neue Karriere Wer die ehemalige TenniS-Weltmeisterin. Suzanne Len- glcu noch auf dem Turnierplatz gesehen Hab, rvird über die Grazie und Beschwingtheit entzückt geivcsen sein, mit der die große Französin die Bälle ihrer Gegnerinnen zurück- gab. Er wird kaum geahnt haben, was sür ein Zusammen- spiel der verschiedensten Faktoren erforderlich war. um d,e- sen Eindruck und die siegreichen Ergebnisse zu erzielen. N»r durch ein ununterbrochenes Training, durch Ucberwindung von hundert Fehlschlagen im wörtlichsten Sinne des Wortes war es der Meisterin möglich, mit scheinbar schwebender Leichtigkeit Triumphe zu erringen. Z» der minutiösen Erehiruarbeit gesellte sich eine kaum glaubliche Sorgfalt in allen Materialfragen. Jeder Ball und jeder Schläger wurde» auf das Genaueste von ihr jivtersucht. Ihre Schuhe. Strünlpfe und Kurzröcke wurden ertra nach ihren Angabe» angefertigt. Nach ihrer Abdankung hat sich Suzanne als Journalist'» betätigt. Auch hier schrieb sie sehe Zeile, wirklich selber und überbot an Pünktlichkeit. und..Gewissenhaftigkeit die ältesten Reporter. Dieselben Eigenschaften verschafften ihr einen hohen Ruf in der Schneiderkuust und im Rundfunk- dienst-''.. Nunmehr wird sie ihre erste. Filmrolle spiZxn. Tie hat nicht die Absicht, mit'der Dietrich und der Hepburn in Well- bemcrb zn treten, sondern wird sn pinxm Lüstspiel namens „Schoal-dav" eine Tennis Weltmeisterin darstellen. Ma» kann damit rechnen, daß sie ihre Rolle bis auf das letzte Tüpfelchen durchgearbeitet haben wird. Schon jetzt weiss sie über Regie und Aufnahmetechnik fv gick Bescheid, als ob sie ihr ganzes Leben lang nichts anderes betrieben hätte... Der verhexte Degen In de..i Stierkampf von Corogne hat sich dieser Tage ein Unglücksfall zugetragen, wie er glücklicherweise selten vor- kommt. Der bekannte Matador Belmonte hatte einem Stier seinen Dcßen in den Nacken gepflanzt und ivnrdc schon als Sieger mit Beifall überschüttet, als das Tier plötzlich mit einer heftige» Bewegung den Degen von sich wegfchlcnderte. Er flog in hohem Bogen dnrch die Luft und drang gerade- ivegS in die Brust eines Zuschauers, der in ler ersten Reiht des Amphitheaters saß. Der Unglückliche wurde tödlich ver- ivundet, hatte aber noch die Kraft, die Waffe herauszuziehen und wegzuwerfen. Diese schien sedoch vollkommen toll gewor den zu sein, denn sie traf nun noch einen Journalisten n»® zwei andere Personen, die schwer an den Beinen verleb' wurden. Lediglich der Stier ging ohne ernstliche Verum»- dung aus dem dramatischen Zwischenfall hervor. Die Städte O und O und B. das sind nicht nur Buchstaben des Alphabets, das sind, was gewiß nicht jeder wußte, auch Städte in Frank- reich. O liegt im Orne-Tepartement. N im Somme-Depar- tcmeut und sie dürfen bestimmt Anspruch darauf erhebe«, die Städte mit den kürzesten Namen der Welt zu sein. Die Leser von Flanberts„Madame Bvvarn" haben sicher a»^ genommen, daß die in diesem Roman vorkommende Stadt Ry in der Normandie wohl an Kürze nichi zu überbiete» fei, aber sie werden nun ihre Ansicht korrigieren müsse»- O und?) dürften diese» Wettstreit endgültig zn ihren Gnu- sten entschieden haben. Wenn einer eine Keife tut... ... dann kann er etwas erzählen. Wenn die Autowobi- listen in Irland Cork erreichen wollen, so finden sie nickst sehr weit von der Stadt entfernt, eine große Tafel, die fol- gcnde Inschrift i» riesigen Buchstabe» trägt: *„Cork. 2 Meilen!" „Diejenigen, die nicht lesen können, mögen sich etwas iveiter im„Eisernen Marfchal" erkundigen!" Lerne Schreiben ohne zu lesen! Fyörder wird zum medizinischen Doktor ernannt Ganz Spanien spricht gegcckwärtig über den seltsamen Fall eines junge» Gefängnisinsassen, dem die medizinische Faknl- tat der Universität Valencia vor einigen Tagen den Doktor- grad zuerkannt bat. Elen Garces begleitete einmal seinen alten Vater ans einem Spaziergang, als dieser von einem Nachbarn gestellt und tätlich angegriffen wurde. Der Sohn besann sich nicht lange und schlug auf den Angreifer mit einem Stock ein. Unglücklicherweife verletzte er ihn so stark, daß der Nachbar seineu Berwundnngen erlag. Das Gericht verurteilte den Verteidiger feines Baters unverständlicher- weise zu der Höchststrafe von fünf Jahren Gefängnis, lfm die Zeit feiner Ttrafverbüßung nutzbringend zu verwenden, ent- schloß sich der junge Manu, seine lange Hast medizinischen Studie» zn widmen. Der Direktor des Gcfängisses von San Miguel gab ihm nicht nur die Erlaubnis, in seiner Zelle zu arbeiten, sondern gestattete ihm auch, das Gefängnis jedes- mal zu verlassen, wenn er an der Universität Valencia ein Examen abzulegen hatte. Letzthin nun hat er vor der Jury der medizinischen Fakultät seine Doktorprüfung mit Ans- zeichnuug bestände». Tie Prvfessvren beglückwünschten ihn z» seiner Dissertation, die als eine bedeutsame Wissenschaft- lichc Arbeit betrachtet wird. Gegenüber einem Interviewer erklärte der zukünftige Arzt:„Ich möchte einmal ähnliche Wunden pflegen und heilen können, wie ich sie selbst ver- nrsacht habe. Auf diese Weise will ich meine unbedachte Tat sühnen." Scheidungs-Paradies Mexiko geschlossen Der niexikanische Staat hatte sich seit einiger Zeit da- durch bedeutende Summen verschafft, daß er ans brieflichem Wege Ehescheidungen besorgte. Wer sich von seinem Galten trennen wollte, brauchte nur ei» Gesuch an die zuständige mexikanische Behörde zn richten, und schon nach einigen Tagen bekam er g"wissermaßcn postwendend eine prachtvolle Tcheidungöurkllnde zugestellt. Es läßt sich denken, daß viele amerikanische Ehepaare diesen zwar nicht ganz billigen, aber überaus bequeme» Weg einschlugen, um auseinander zn kvm- inen. Leider waren die amtlichen Stellen der Bereinigten Staaten von der neuen Vereinfachung nicht sehr begeistert. Schon das-mexikanische Scheidnngsparadies Rene an der kalifornischen Grenze hatte ihren ernten Unwillen erregt. Aber dort mußte man wenigsten? noch persönlich erscheine«- Das rein postalische Verfahren ging hingegen etwas zu weih Es entspannten sich lebhafte Meinungsverschiedenheiten 9«*!* schcn den beiderseitigen Verwaltungsbehörden, die jetzt da»'" geendet haben, daß alle auf brieflichem Wege erfolgten Sche>' dnngcn amerikanischer Staatsbürger von den heimatliche» Stellen für ungültig erklärt worden sind. Von dieser Mass nähme werden taufende von geschiedenen Männern u>>® Frauen betroffen. Da die meisten von ihnen sich bereits wieder verheiratet haben, befinden sie sich damit in dc>» unerfreulichen Zustand der Bigamie. Grenzen des Ruhmes In einem Pariser Lichtspieltheater auf den Boulevards, das mit Vorliebe alte Erfolgsfilme wieder aufnimmt, sie»' gegenwärtig der Film„Tie Lichter der Großstadt" auf de>" Sommersptelplan. Dies ist bekanntlich eines der Meistct' iverke Charlie Chaplins. Neulich abends befand sich unter de» Zuschauern eine Dame, die ihrer Belustigung über die droo ligen Szenen sehr geräuschvollen Ausdruck gab. Plötz!'« wandte sie sich zu dem Geniahl an ihrer Seite:„Ter>p>en gut, dieser Kerl dg! Wer ist das eigentlich?!" fesdridtfe des N J. H. Die erste zusammenhängende Darstellung der Acut- Revolte in Oesterreich, von einem unvoreingenommenen Beobachter, der viele bisher unbekannte Einzelheiten beizubringen vermag, findet sich im ,.Manchester Guardian". Der Wiener Korrespondent dieses großen englischen Blattes, das durch die unerschrockene Erforschung der Wahrheit seinen Weltruf begründet und immer wieder bewährt hat, veröffentlicht eine Reihe von Artikeln, die im folgenden wiedergegeben sind: Vorboten in Steiermark Man denkt kaum mehr daran, daß im September 1933 JU Steiermark eine Verschwörung zum Sturz des Dollfuß- Regimes und zur Ermordung des Bundeskanzlers be- stand. Ein junger ehemaliger Angehöriger der Wehrmacht, Rudolf Dertil, der zur selben SS.-Formation gehörte wie zehn Monate später der tatsächliche Mörder von Dollfuß, wurde dazu bestimmt, den Mord auszuführen. Der Sitz oer Verschwörung war Schladming in Nordwest-Steier- mark, ein deutscher Adliger, der nachher nach Deutschland entkam, der Führer der Sturmtruppen. Es war geplant, den jungen Dertil nach Wien zu schicken, wo er den Kanzler am 30. September ermorden sollte. Der Mord sollte das Signal zum Aufstand bedeuten. Dement- sprechend ging Dertil am 30. September nach Wien, aber der Bundeskanzler war mit seiner Familie über das Wochenende nach Wolfpassing in Niederösterreich ge- fahren. Die Verschwörer in Steiermark warteten— ihrer Sache sicher— auf die Nachricht von dem Mord. Als diese nicht eintraf, fabrizierten sie einen Bericht, Dollsuß sei ermordet, in Kärnten sei ein Aufstand ausgebrochen, und die Nazi-Sturmtrupps kämpften bereits in Iudenburg in Steiermark. Der Aufstand brach zusammen. Aber drei Tage darauf(am 3. Oktober) gelang es Dertil. zu Dollfuß vorzudringen und im Parlamentsgebäude zwei Schüsse abzufeuern, die den Kanzler leicht verletzten. Dertil wurde zu fünf Iahren Zuchthaus oerurteilt, aber der Gerichtsvorsitzende forschte nicht nach dem Zusammen- hang zwischen Dertil und den Verschwörern in Steier- mark. Das war ein schwerer Fehler, da die Identität der Rebellen vom Juli 1934 mit den Verschwörern vom Sep- tember 1933 jetzt festgestellt ist. Der Fall Rintelen Einige Monate nach jenem Attentat wurde der mächtige »nd einflußreiche Landeshauptmann von Steiermark, Tr. Anton Rintelen. als österreichischer Gesandter nach Rom geschickt. Mussolini soll im August 1933 in Riccione zu Dollfuß gesagt haben:„Schicken Sie ihn zu mir. Ich werde auf ihn acht geben." Rintelen war über zwei Jahre die groß« Hoffnung der Nazis. Sie hielten ihn für die Rolle geeignet, die Papen 1933 in Deutschland gespielt hatte. Skrupellos, energisch und geschickt, scheint Rintelen die Kanzlerschaft erstrebt zu haben. Einst hatte er gehofft, dieses Ziel mittels einer Koalition von Christlichsozialen und Sozialdemokraten zu erreichen. Aber die Sozial- demokraten mißtrauten diesem geriebenen Intriganten. Als er sah, daß er die Sozialdemokraten nicht feinem Ehr- geiz dienstbar machen konnte, vollführte er eine Rechts- schwenkung und verbündete sich mit den National- sazialisten Die Familie Rintelen stammt aus Westfalen. Rintelens Vater übernahm eine Professur an der Universi- tät Graz. Anton Rintelen wurde 1876 in Graz geboren, besuchte dort die Schulen, wurde Rechtsanwalt und 1911 Professor für bürgerliches Recht in Graz. 1918 wurde er in den steierischen Landtag gewählt, und 1919 wurde er Landeshauptmann. In dieser Eigenschaft erwarb er großen Einfluß auf allen Gebieten des öffentlichen Ledens Steiermarks. Zuerst hielt er enge Verbindung mit dem Bankier Camilla Castiglioni, und die Alpine Montan- gesellschaft geriet unter italienische Kontrolle. Mit Hilfe Castiglionis und italienischen Kapitals ging man an die Durchführung eines großen Elektrifizierungsplanes in Steiermark. Aber als die Castiglioni-Banken infolge un- glücklicher Franken-Spekulationen im Jahre 1924 in Straßburger Wodiensdiau Saarländer und abstimmungsberechtigte Personen sind eingeladen Das Groupement de Strasbourg der Union Franco- Sarroise veranstaltet am Sonntag, 19. August, nachmittags 5 Uhr, im Hotel du Romain am Alten Kornmarkt eine Versammlung, zu der alle Saarländer und alle abstimmungsberechtigten Personen eingeladen sind. Ein gründlicher Kenner des Saarproblems wird über das Thema„Die Saarländer und die Abstimmungsfrage" sprechen. Dem Vortrag folgt eine freie Diskussion. Einheitsfront in Straßburger Beleuchtung Die zwischen Sozialisten und Kommunisten geschlossene Einheitsfront, die sich vorerst in einem Kampfbündnis gegen Faschismus und Krieg ausdrückt, hat über ihre französische Gesamtwirkung hinaus in Strasburg noch besondere Folgen gezeitigt. Wie bekannt, gibt es hier eine nur für den Einheimischen zu begreifende Koalition auf dem Ratbaus, die von oppositionellen Kommunisten, unter der Führung des Maire H u e b e r und Depute M o u r e r, und autonomi- stischen und klerikalen Gruppen gebildet wird. Daß eine bestimmte Richtung der Autonomisten in deutschem Solde steht und reinste Hitlerpolitik betreibt, ist hier ein offenes Geheimnis. Ausgerechnet mit diesen Leuten aber bildet die KPO. eine Koalition. Solange die beiden anderen Arbeiterparteien im Kampfe miteinander lagen, stellte die KPO. tatsächlich für viele Arbeiter das Sammelbecken dar. in das sie sich in ihrem Gefühl, der Einheit des elsässischen Proletariats zu dienen, flüchteten. Durch die Einheitsfront sind aber diese Gefühle nun plötzlich in eine ganz andere Richtung getrieben worden. Mit Recht verlangen dir beiden Einheitsfrontparteien, daß die KPO. erst ihr Bündnis mit den Autonomisten aufgibt, um bündnisfähig zu werden. Das nun will der KPO. keine Freude machen. Man wird gespannt sein dürfen, wie bei kommenden Vi ahlen die KPO., der durch Schwierigkeiten gerieten, brach die ganze Unternehmung zusammen. 1926 wurde Rintelen Unterrichtsminister, einfach weil keine österreichische Regierung über den Landeshaupt- mann einer wirtschaftlich so bedeutenden Provinz hinweg- sehen konnte. Als Seipel das Kabinett umbildet«, trat Rintelen zurück, und 1928 wurde er wieder zum Landes- Hauptmann von Steiermark gewählt. Bei der Bekämpfung des Nationalsozialismus stieß Dr. Dollfuß in Steiermark auf fast unüberwindliche Schmie- rigkeiten. Die Erlasse und Instruktionen der Regierung blieben unbeachtet. Steiermark war die einzige Provinz, wo nationalsozialistische Beamte nicht behelligt wurden, und wo die Gendarmerie— ihrem Chef nacheifernd— unter Nazieinfluß stand. Mussolini, der die Gefahr er- kannte, war es, der Dr. Dollfuß riet, Rintelen als Ge- sandten nach Rom zu schicken. Dann kam die Zusammenkunst Mussolinis und Hitlers in Stra bei Venedig Sowohl Rintelen und die öfter- reichischen Nazis als ihre Lehrmeister in München bekamen Angst. Sie wußten, Hitler mußte Mussolini versprechen, den Nazi-Terror in Oesterreich oder doch die finanzielle und materielle Hilfe aus Deutschland einzustellen. Hitler versprach es. und die Aussichten Rintelens und Habichts begannen zu schwinden. Hitler hielt jedoch seine Unter- sichrer nicht in Schach und der Terror wurde fortgesetzt. Berlin«.' Manöver Schon Ende Juni ging das Gerücht. Rintelen werde Bundeskanzler werden. Die italienischen Zeitungen äußerten sich nicht, da sie sich an die Abmachung Musso- Itrtis und Hitlers hielten, über die Vereinbarung von Stra Stillschweigen zu bewahren. Aber der„Völkische Beobachter" erklärte, Rintelen werde Bundeskanzler werden. Das Gerücht wurde in Deutschland in einer Form lanciert, daß es aussah, als ob Mussolini mit dem Wechsel im Bundeskanzleramt einverstanden sei. Es wurde klar, daß die Münchener Zentrale der öfter- reichischen Nazis zum letzten entscheidenden Schlag rüstete. Der Waffenschmuggel nach Steiermark nahm zu und nach Tirol und Salzburg wurden Sprengstoffe geschickt. Am 7. Juli hielt der Führer der österreichischen Nazi-Emi- granten Alfred Eduard Frauenfeld, im Münchener Rundfunk eine Rede, die eine offene Aufforderung zur Revolution war. Das Wochenblatt der Tiroler Emi- granten,„Der rote Adler", erklärte, daß mit der bisherigen Taktik(Terror durch Bomben) eine tyrannische Regie- rung wie das Kabinett Dollfuß nicht zur Unterwerfung gezwungen werden könne.„Mit schwächlichen Methoden die Einheitsfront der Sozialisten und linientreuen Kommunisten ein wichtiges Propagandainstrument genommen wurde, sich zu behaupten vermag. Wie wenig an der Nazifreundlich- keit der Autonomisten zu zweifeln ist, erleuchtet schon aus der Tatsache, daß der Generalrat Heil, der aus der Autonomistischen Landespartei ausgeschlossen wurde, diesen seinen Ausschluß in einem offenen Brief an verschiedene Zeitungen auf den Umstand zurückführt, daß er eine eindeutige antifaschistische und prodemokratische Haltung eingenommen habe. „Mesti" in Sckiltigheim Die Schiltigheimer„Mesti", eine der schönsten volksfestlichen Veranstaltungen, die in der näheren Umgebung Straß- burgs alljährlich abgehalten werden, begann am vergangenen Sonntag mit einem prächtigen Festzug, bei dessen Ausgestaltung die einheimische Gärtnerkunst in hervorragender Weise beteiligt war. Der Festzug trug das Motto: Die Wappen der elsässischen und lothringischen Städte. Es war eine Freude zu sehen, mit wieviel künstlerischer Hingabe dieser Gedanke versinnbildlicht war. Die„Mesti" lockte bei gutem Wetter große Menschenmengen nach Schiltigheim. Sie wird am Sonntag und Montag fortgesetzt. Musikwoche Mit einem Wagnerkonzert wurden die Konzerte«les städtischen Orchesters unter Stabführung von Kapellmeister M u e n ch am Mittwoch in der Orangerie beschlossen.— Samstag, 25., und Sonntag, 26. August, gastieren die Donkosaken Platoff auf der Terrasse des großen Orangerie-Restaurants. Brandkatastrophe im Kalibergwerk Ensisheim Im oherelsässischen Kalibergbaurevier ereignete sich am Montag eine folgenschwere Katastrophe. Bei Ausführung von Reparaturarbeiten in einer Tiefe von über achthundert Metern entstand plötzlich eine heftige E x p I o s i o n, bei der sieben Arbeiter sofort getötet wurden, während drei andere mit schweren Brandwunden unter unsäglichen Schwierigkönnen wir nichts erreichen", hieß es in dem Artikel, de" das Tiroler Volk zum Aufstand aufforderte. Dieses Blat. wurde in München gedruckt und in Zehntausenden von Exemplaren nach Tirol geschmuggelt. Um den 20. Juli wurden die Nazis sehr aktiv und Dr. Rintelen kam zuerst nach Graz und dann nach Wien. In jenem Zeitpunkt wußte man in Berlin, daß in Oester- reich ein entscheidender Schlag bevorstand. Am 24. Juli verbreitete das Deutsche Nachrichten-Büro eine Meldung, die einen„kommunistischen" Ausstand in Wien an- kündigte. Man wollte die Schuld den Kommunisten zu- schieben, falls der Handstreich fehlschlage. Am 25. Juli, morgens 10.45 Uhr gab das Deutsche Nachrichten-Büro in Berlin an die deutsche Presse die Instruktion aus, daß alle Nachrichten„über die heutigen Ereignisse in Oesterreich" in der Fassung des DNB. veröffentlicht werden müßten. Eine halbe Stunde nach der Ankunft der Putschisten im Wiener Bundeskanzlerpalais verbreitete das DNB. eine aus Wien datierte Meldung, die den Sieg der Revolution in überschwenglichen Tönen verkündete und den Tod des Bundeskanzlers mitteilte. Der Futsch ging von der Turnhalle des Deutschen Turnerbundes 1919 — einer verkappten Nazi-Organijation— aus. Dorthin brachten die Putschisten ihre Deutschmeister-Unisormen. Um 11 Uhr morgens herrschte auf jenem Platz fieberhafte Bewegung. Vier Lastautos fuhren vor der Turnhalle auf. Der Kriminalbeamte Marek beobachtete dieses Treiben und warnte Fey,„daß etwas im Tun fei". Aber als er zum zweitenmal die Telefonkabine betreten wollte, um nochmals zu warnen, nahmen ihn die Putschisten fest. Der diensttuende Polizeibeamte wurde ebenfalls entwaffnet. Das Publikum ahnte von nichts, da sechs uniformierte Poitzeibeamie das Treiben der Rebellen deckten. Tie Zuverlässigkeit der Wiener Polizei war seit langem untergraben. Unter der Leitung Dr. Schobers war sie als die„beste Polizei der Welt" bekannt gewesen. Aber in seiner Opposition gegen Dr. Seipel wurde Dr. Schober in das alldeutsche Lager gedrängt, und die Polizei folgte dem politischen Vorbild ihres populären Chefs. Was 1929 all- deutsch war, das war 1934 nationalsozialistisch geworden. Das Kanzlerpalais, der herrliche Barockbau am Ball- hausplatz, war unzulänglich bewacht. Dr. Tollfuß ver- zichtete auf eine Leibwache, wie sie Mussolini oder Hitler haben. Vor dem Palais stand ein militärischer Doppel- Posten, und im Innern befand sich eine Reserve von zwölf Mann. Aber sie waren nicht mit scharfer Munition ver- sehen, da sie lediglich als Ehrenwache dienten. Unter diesen Umständen war es für die Verschwörer ein Leichtes, in das Kanzlerpalais einzudringen und die Wache zu ent- waffnen. Nur ein Korporal weigerte sich, sein Gewehr auszuliefern, und wurde von den Putschisten schwer miß- l>andelt.(Ein zweiter Aufsatz folgt.) keiten den Schacht auf einem Seitenausgang verlassen konnten. Der Obersteiger Weber, einer der Schwerverletzten starb nach seiner Einlieferung ins Krankenbaus, so daß die Katastrophe insgesamt acht Todesopfer forderte. Sie stammen alle aus der Ensisheiiner Gegend, waren verheiratet und Väter mehrerer Kinder. Die Explosion entstand bei Schweißarbeiten, die an einem brüchigen Kabel vorgenommen wurden. Da die Rettungsmannschaften an den Brandherd nicht herankommen konnten, wurde der Schacht, nachdem noch drei Leichen geborgen waren, zugemauert, um so den Brand ersticken zu können. Die Beerdigung der geborgenen Opfer fand in Ensisheim am Mittwoch unter großer Anteilnahme der Bevölkerung und der Behörden statt. Sowjetrussen geben ihre Visitkarte ab Auf überraschende Weise kamen die Straßburger am Dienstag zu dem gewiß nicht ungewöhnlichen Ereignis, die zu einem offiziellen Besuch nach Frankreich gekommenen sowjetrussischen Flieger aus nächster Nähe kennen zu lernen. Die Russen starteten von Lyon aus am Dienstag zur Heimreise. Sie kamen aber über Straßburg in ein so schweres Unwetter, daß sie gezwungen waren, eine Notlandung auf dem Flugplatz Polygon vorzunehmen. Die dreißig Flieger, an ihrer Spitze General U n s ch I i ch t, erregten in der Stadt selbstverständlich das größte Aufsehen. Ueberall wurden ihnen von einer rasch herbeigeströmten Menschenmenge herzliche Ovationen zuteil, die— soweit sie von der Seite kommunistisch gesinnter Arbeiter kamen— natürlich nicht nur den Fliegern, sondern auch Sowjetrußland galten. Die Flieger in Begleitung höherer französischer Militärs, übernachteten im„Maison Rouge" und setzten aM Mittwoch ihre Fahrt in die Heimat fort. Zum Abschied hatte sich auf dem Polygon schon in der Frühe des Mittwoch eine so große Menschenmenge eingefunden, daß die Polizei alle Mühe hatte, die Neugierigen zurückzuhalten. Dir drei mäci tigen Flugzeuge starteten glatt und flogen zum Ahschie 1 noch eine Ehrenrunde über der„Wunderschönen", wobei sie oft in den niedrig hängenden Regenwolken verschwanden. Die Flieger hinterließen in Straßburg einen denkbar guten Eindruck. --1 Die interessanteste Schrift des Tages: casf Von KLAUS BREDOW Fragen Sie in den Kiosken und Buchhandlungen nach, oder bestellen Sie direkt beim Verlag der„Volksstimme" G. m. b. H., Saarbrücken, Postschließfach 776 Pariser Berühre Paris üoiüjweoä „Die lustige Witwe" Das berühmte Cafe„Maxim" in Paris, der„French Cancan, der gewagteste Tanz seiner Zeit, interessante fotografische Effekte, die schwarze Kleider weiß erscheinen lassen, die Herstellung eines ganzen Dorfes und eines Schlosses... das sind einige Details, deren Fülle alle Welt gespannt auf die Fertigkeit der„Lustigen Witwe" warten läßt, an deren Produktion Ernst Luhitsdi gerade in den Ateliers der Metro-Goldwyn-Mayer arbeitet. Die Dekorationen und Toiletten dieser neuen Produktion von Irving Thalberg sind von einem derartigen Luxus, daß der Film alle Aussicht hat, einer der bedeutendsten und künstlerischsten des Jahres zu werden. Die Ateliers bieten einen Anblick der Achtziger-Jahre. Man hat eine genaue Kopie von„Chez Maxims" geschaffen, wie dieses berühmte Cafe im Jahre 1885 aussah, der Zeit, in welcher die Handlung des Films spielt. Ferner hat man ein ganzes Dorf auf einem Bergabhang bauen müssen und das Schloß der Sonic in dem imaginären Königreich, wo die lustige Witwe und der Graf Danilo— im Film von Jeanette Macdonald und Maurice Chevalier verkörpert— so viel Verwirrungen anrichteten. An der berühmten Operettenmusik von Franz Lehar ist nichts geändert worden. Bunte Bauernkapellen, die sich der primitivsten Instrumente bedienen, werden Jeanette Macdonald begleiten, wenn sie„Vilia" singen wird. Ein Wiener Orchester wird den berühmten Walzer spielen und gleichzeitig dem Ballett der Albertina Rasch als Begleitung dienen. Der berühmte„French Cancan" wird nach den Tönen eines Orchesters tanzen, das demjenigen nachgebildet ist, das seiner Zeit diese Klänge bei„Maxims" spielte. Eins der schwierigsten Probleme, die während der Verfilmung der„Lustigen Witwe" gelöst werden mußte, war es, eine Lokomotive zu finden, die derjenigen ähnelte, die damals den Zug nach Paris führte, in dem sich Danilo als Abgesandter seines Königs befand. Es war unmöglich, ei-e derartige Maschine aufzutreiben und so sah man sich gezwungen, extra zu diesem Zwecke eine solche hauen zu lassen, wozu es natürlich nötig war, auch die Zubehörteile speziell anzufertigen. Diese Lokomotive wird in wenigen Tagen fahrtbereit sein und man erwartet fieberhaft ihr Eintreffen auf dem Bahnhof der Hollywooder Ateliers. Der Sessel von Corneille ist frei Wer wird Lyauteys Nachfolger in der Akademie? Der Marschall Lyautey, der große Soldat und Schriftsteller, für den sich jetzt ganz Frankreich zu einer Trauerkundgebung sondergleichen verbunden hat, hinterläßt auch eine Lücke in der Akademie Franchise, der er als„Unsterblicher" seit vielen Jahren angehörte. Er besetzte in der Akademie den vierzehnten„Sessel", der, unter den vierzig der Akademie, eine besonders ruhmreiche Vergangenheit hat, denn auf diesem Sessel saßen einst Corneille, Frankreichs klassischer Dichter, und dann Victor Hugo. Und die Frage, wem künftig die Ehre zuteil wird, auf diesem ruhmreichen Sessel Platz zu nehmen, wird in Frankreich bereits lebhaft erörtert. Man spricht davon, daß der Platz dem französischen Ministerpräsidenten Gaston Doumergue angeboten werden soll, andere meinen, daß wieder ein hoher Militär sich auf diesem Sessel niederlassen, und noch andere glauben, daß die. Akademie keinen neuen Militär in den Himmel der Unsterblichkeit wählen wird. Man nennt auch wieder die Namen von Paul Claudel und Georges Duhamel, die für den„Vierzehnten" kandidieren sollen, aber dieser Vermutung wurde rasch dadurch widersprochen, daß man erklärte, Claudel und Duhamel wollten sich in ihrer Bewerbung keine Konkurrenz machen und sich nicht um den gleichen Sessel bewerben. Aber es sind ja noch zwei andere Sessel in der Akademie Fran^aise frei, die auf ihre Besetzung warten. Ueber all diese Dinge wird erst in einigen Wochen entschieden werden, nachdem auch die Vakanz des Sessels von Lyautey offiziell erklärt sein wird. Noch befinden sich alle Kandidaturen im Stadium des Vorgefechts, das Spiel in den „Kulissen" ist im Gange, und jeder Kandidat versucht zunächst einmal, möglichst viel für seine Wahl Stimmung zu machen. Denn auch die„Unsterblichen" sind in Ferien und greifen in dieses Spiel erst ein, wenn sie erholt auf ihre„Sessel" zurückgekehrt sein werden... Tödlidic Liebe Seit jenen Tagen, da Othello, der eifersüchtigte Mohr von Venedig, Desdemona umbrachte, haben sich unendlich ähnliche. Liebesdramen in aller Herren Länder und aller Völker Städte abgespielt. Besonders Frankreich ist das sozusagen klassische Land der Liebesdramen. In keinem Lande der Welt beweisen die Gerichte so viel Verständnis für jene, die aus enttäuschter Liebe zu Mördern werden, wie gerade in Frankreich. Am Donnerstag spielten sich in Paris zwei solcher Tragödien ab, über die wir unseren Lesern berichten wollen. Die Eheleute Le Cam lebten seit etwa zehn Tagen getrennt. Die junge 22jährige Frau hatte mit ihrem 3jährigen Söhn- C.en ihren Mann, der sie mit seiner Eifersucht verfolgte, verlassen und sich in einem kleinen Hotel in der Rue de Trevise in Paris eingemietet. Die Eifersucht aber verwandelte bei dem Manne die„Milch der frommen Denkungs- art in gährend Drachengift". Als er am Donnerstagabend auf dem Vorortbahnhof des großen Bahnhofs St. Lazare in Paris sich seiner Frau plötzlich gegenüber sah, zog er einen Revolver und schoß sie nieder. Dann jagte er sich selbst eine Kugel ins Herz. Die beiden Schwerverletzten wurden ins Krankenhaus geschafft, sie sind beide noch nicht vernehmungsfähig. Die andere Tragödie spielte sich in der Stille eines Hotelzimmers am Boulevard Rochechouart in Paris ab. Dort fand Freitag früh der Hausdiener des Hotels den Soldaten Jean Renaud aus Beifort mit einer Schuß Verletzung tot im Bett auf. Neben ihm lag schwer verletzt eine Frau namens Madeleine Goulon. Sie ist etwa 25 Jahre alt. Man nimmt an, daß Renaud zuerst die Frau, die wohl seine Freundin war, zu töten versuchte und dann sich seihst den tödlichen Schuß beibrachte, Mysferlöser Toflessdsaa Am Boulevard Pasteur spielte sich in der Nacht zum Freitag ein merkwürdiges Ereignis ab. Der Student Rene Debargne hatte seinen Freund, den Makler Jean Fourme- strot am späten Abend noch besucht und war nach Aussage 1 ormestrots, da es sehr spät war, bei ihm über Nacht geblieben. In der Nacht habe nun Debargne an einem nicht enden wollenden Schlucken gelitten. Plötzlich habe er seinen freund gebeten, ihm doch den Revolver zu leihen, er wolle im freien einmal einen Schuß abgeben, möglich daß durch die Erschütterung des Körpers das Schlucken aufhören werde, fourraestrot habe der Bitte des Studenten willfahrt. Im Augenblick aber, als er seinem Freunde den Revolver habe geben wollen, habe dieser sich von selbst entladen. Ein Schuß sei dem Studenten von rückwärts in den Nacken gedrungen und dieser sei sofort tot gewesen. Auf der Polizei steht man den Aussagen des Maklers etwas skeptisch gegenüber: selbst wenn sie zutreffen, wird sich Fourraestrot wegen fahrlässiger Tötung zu verantworten haben. Knabe oder Haddien? Wie Leute ihr Geld verlieren A or der 16. Strafkammer des Pariser Gerichts hatten sich Henri Joseph Rossee und zwei seiner Helfershelfer, die Häuer Charles Itam und Emanuel Recordon, wegen Betruges und Kautionsschwindels am Freitag zu verantworten. Der Anklage liegt ein origineller Gedanken zugrunde. Henri Joseph Rossee, ein bereits mehrfach vorbestrafter Betrüger, gründete die Gesellschaft France-Essor und ernannte sich zu ihrem Direktor. Die Gesellschaft sollte nach dem Statut, das der Angeklagte ausgearbeitet hatte, nationalen und allgemein nützlichen Zwecken dienen. Sie sollte sich mit dem„Bevölkerungszuwachs unter gesunden Bedingungen" befassen. Vor allem aber besaß diese Gesellschaft nach der Behauptung ihres Direktors Rossee ein Mittel, um das Geschlecht des zu erwartenden Kindes nach den Wünschen der Litern vorausbestimmen zu können. Wer sich einen Knaben wünschte, dem wollte die France-Essor vermöge der Kunst ihres Direktors dazu verhelfen. Und die werdende Mutter, die von einem kleinen Mädchen träumte, sollte diesen Traum ebenso verwirklicht sehen. In ganz Frankreich sollten Kliniken errichtet werden, in denen diese Wunder vor sich gehen sollten. Dazu aber brauchte man Geld. Und so suchte denn Rossee Direktoren für diese Kliniken mit einer Kaution von ungefähr 30 000 Franken. Es gab allerhand Leute, die gern Direktor einer solchen Klinik werden wollten. Rossee konnte verschiedene Male 30 000 Franken in seine Tasche stecken, und damit war seine Tätigkeit beendet. Das aber war den Herren Klinikdirektoren, die gewiß schon von großen Erfolgen auf dem Gebiete der Geschlcchtsbestimmung künftiger Volksgenossen träumten, wiederum nicht recht. Und so sieht der Wunderdirektor wie seine zwei Spießgesellen jetzt seiner gerichtlichen Verurteilung entgegen.• Lest die„Deulsdie kreide!! Ausländsdeutsche! Vermögenswerte, in Deutschland blockiert. (Immobilien Hypotheken, Speirmark usw.) werden zu sehr günst. Beding, übernommen. Offert, unt. Nr. 5ü 152 an Agence Havas, Metz,(Mos.). ditfccicrt in der „Deutschen KreiHeZt" BSS1EPKASTEEI C, H., Strafj&urg. So treffende Worte wie Gangsterknecht. gangsterhörig, Kameradenschlächler und andere können sich sranzö- fische Zeitungen erlauben, nicht wir. Damit müssen Sie sich ab- finden. Wir glauben aber nicht, daß die Deutlichkeit unserer Sprache leidet, wenn wir solche Worte einstweilen ausmerzen. Mueius. Wir danken Ihnen sehr. Wie Sie gesehen haben, legten wir dieser tragischen Angelegenheit die gleiche Bedeutung bei wie Sie. E. B., Paris. Besten Tank? wird gedruckt. Pfälzer. Sie schicken uns den folgenden Ausschnitt aus Ihre? pfälzischen„9IS3-", wobei es um die zunehmenden Äartofseldieb- stähle geht:„Es gehl hier nicht um die paar Kartoffeln! Es geht darum, Begriffe zu zerstören, die im letzten Jahrzehnt bewußt von marxistischer Seite in leicht erkennbarer Absicht in das Boll getra- gen wurden. Heute hungert niemand mehr in Deutschland, der ar< betten will. Es ist auch nicht die Not, die zu Felddiebstählen, zu 'scorstsrevel, zu Wilddieberei führt. Immer wieder bewahrheitet sich die Erfahrung, daß in all diesen Aällen stets derselbe Diebes- klüngel in Jrage kommt. Gestalten, die dreimal im Laufschritt um den Aequator sausen würden, um der Arbeit auszureißen. Biel ist an ihnen nicht mehr zu gewinnen für die Volksgemeinschaft. Aber um den letzten Rest des Guten in ihnen zu retten, sollte doch der Versuch gemacht werden, mit strengsten Erziehungsmaßnahmen sie aus einen besseren Weg zu führen."— Also: erstens hungert niemand mehr in Teutschland: zweitens ist derjenige, der noch zu hungern wagt, ein Marxist,' drittens kann er vom Hunger kuriert werden durch Erziehungsmaßnahmen. Die wirksamste hat sich am 80. Juni herausgestellt. Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann P t tz In Dud- weiter: für Inserate: Cito Kuhn In Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag! Verlag der Volkssttmme GmbH, Saarbrücken S, Schützenstraße S.— Schließfach 776 Saarbrücken. SPERRMARK Hypotheken, Immobilien, Pfandbriefe, Grund- schuldb/ iefe werden in jeder Höhe sofort bar ausbezahlt. Anfragen unter C. M. an die „Deutsche Freiheit" Saarbrücken EILT! EILT! Schwelzertschea eno•U&MttcQM Woretwarengeechftft (■•tienOlekcrvi. ftoadhorwt. Weine m4 LlkAr* Jxaduits Jtfimid 78, Boulevard de Strasbourg, 8, rue St. Laoresi faÜS, bei«in». NE* Telefon 4 Linien vereinigt unter BOTZIRTS fl-lf GOTTESDIENST] AN DEN HOHEN JUEDISCHEN FEIERTAGEN veransfa'let von der Association des Emigr£s Israil d'Al'emagne en France. RVUSCH H\SCHONOH» Sonntag, den 9. September, abends. 10. und 11. September JAUM KlPMJRi Monta.g den 18 September, abends und Dienstag, den 19. September, Wagram#SaaI 19, A-enne de VTagram(Mi'ro* Etoile und Ternes) Deutscher Ritus mit Orgel, unter Mitwirkung von Mitgliedern des O.atorienchors„Philharmonla* 4 Dirigent Kapellmeister L nde. Deutsche Predigt an allen Festtagen Finlasskarten von 10 bis 50 Frs.(zuzüglich Steuer*. 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