Japan und, Rußland Seite 2 Sinzige unabhängige Tageszeitung Ventlchlands Nr. 195— 2. Jahrgang Saarbrücken, Freitag, 24. August 1934 Chefredakteur: M. B r a u n Äie Saaccegiecung gegen den JUHntpfminUiec Qoe&hels Seite 3 Racis lacht übec find doch tatsächlich nur 123 Ja-Stimmen, dagegen 52 Nein- und 11 ungültige Stimmen(mithin 63 Nein-Stimmenj ge- zählt worden, das sind also über 56 Prozent, die sich als Feinde Adolf Hitlers bekennen." Dieser Mitteilung, die un- verhüllt den Zweck der öffentlichen Denunziation hat, folgt ritt Eingeständnis über die Borbereitungen der„Wahl": ... Man geht wohl nicht fehl in der Annahme, daß hier erst nach einer kräftigen Bearbeitung der Gemüter zur Wahl- Urne geschritten worden ist". Dieser„kräftigen Bearbeitung" wird jetzt, nach Bekanntwerden des Resultats, ganz ohne Zweifel eine noch kräftigere folgen. HaKenhreninngzeug über der Sdiweiz „Alles stimmt mit Ja" Bon der Schweizer Grenze wird berichtet, daß am Sonntag über dem an der deutschen Grenze liegenden schweizerischen Dorf ThahNgen ein deutsches Propagandaflugzeug eine ganze Menge kleiner gelber Flugzcttel abwarf, auf denen rot ausgedruckt war:„Alles stimmt mit Ja!" Das Flugzeug trug die deutschen Hoheitszeichen. Bon de» Flugzetteln hat die Schuljugend einige Hundert gesammelt und der Grenz- stelle abgeliefert. „Angriff" Uber Göring Berlin, 23. Aug. sJnpreßs: In dem Artikel des„Angriff", der sich mit der Frage beschäftigt, welche Gründe die Nein- Sager bestimmt habe» können, Hitler abzulehnen, befindet sich dir folgende Anspielung auf Göring:.. Ein anderer sieht, wie ein Amtsleiter der NSDAP, versagt, einen über den Durst trinkt ober lametta-eitel einher- st o l z i e r t." „Die Zeit der Katholiken vorbei" Trier, 28. Aug. sJnpreßs: Das„Nationalblatt" in Trktt richtet an die Katholiken folgende Warnung und Drohung:„Man muß wissen, daß diese politisie- rendc Geistlichkeit, die in der Nachkriegszeit das Beten ver- lernt hatte und deren Tätigkeit und Lebensaufgabe nur noch Im widerlichsten Kampf gegen die Bewegung des Führers bestanden hatte, das Werk des Führers feit Jahr und Tag sabotiert hat, daß sie sich sogar nicht gescheut hat, offen gegen die Wahl de« Führers Stellung zu nehmen, man muß das vcriverflichc Treiben dieser Clique miterlebt haben, um da? Ergebnis der Westmark am gestrigen Tage verhältnismäßig richtig bewerten zu können. Einmal mutz es offen ausgc- sprochcn werden:„Das Treiben gewisser Kreise, die Zeit des Zentrums nicht vergessen kön- nen noch wollen, muß einmal ein Ende haben." „Notstand" Berlin, 22. Aug. sJnpreßs: Zu den 43 deutschen Städten, in denen der Nolstand erklärt worden ist, sind weitere drei Großstädte hinzugekommen: Bochum, Gelscnkirchen und Dortmund. Allgemeine Schwörerei „Adolf Hitler treu und gehorsam" Berlin, 23. Aug. In Versolg des Gesetzes über das StaatS- cberhaüpt des Deutschen Reiches und der Volksabstimmung vom 19. August hat die Reichoregicrung das folgende Gesetz „Ucbcr die Vereidigung der Beamte» und der Soldaten der Wehrmacht" beschlossen, das in Nr. 98 des Reichsgesetzblat- tcs Teil 1 veröffentlicht ist. Der Diensteid der öffentlichen Beamten lau- tet:„Ich schivöre: Ich werde dem Führer des Deutschen Ret- ches und Volkes, Adolf Hitler, treu und gehorsam sein, die Gesetze beachten und meine Amtspflichten gewissenhaft er- füllen, sowahr mir Gott helfe." Der Diensteid der E o l d a te n der Wehrmacht lau- tet:„Ich schivöre bei Gott diesen heiligen Eid, baß ich dem Führer des Deutschen Reiches und Volkes, Adolf Hitler, dem Oberbefehlshaber der Wehrmacht, unbedingten Gehorsam leisten uud als tapferer Soldat bereit sein will, jederzeit für diesen Eid mein Leben einzusetzen." Die im Dienst befindlichen Beamten sind unverzüa- lich zu vereidigen. ftiidi! vor der Beschwerde Heß mahnt Berlin, 28. Aug. Der Stellvertreter des Führers, Rudolf Heß, hat eine Verfügung erlassen, wonach alle mündlichen oder schriftlichen Besch»Verden in bezya aus innere PartkinNgelegenftcite» in Zukunft nur an die Dienststellen der Nationalsozialistische» Partei und ihre Leiter öder an Adolf Hitler und Rudolf Heß persönlich gerichtet werden dürfen, nicht aber an staatliche oder andere Stellen bzw. Partei- und Nichtpa teigenoffen. Zuwiderhandelnde sollen rücksichtslos aus der Partei ausgestoßen werden. Flucht vor der Wahrheit Lnzern, 23. Aug. Das„Luzerner Tagblatt" ist in Teutschland auf unbefristete Zeit verboten worden. Wie die Redaktion mitteilt, ist ihr die Ankündigung hiervon von der außenpolitischen Abteilung des eldaenösstichen Politischen Departements zugekommen, die sie ihrerseits auf dlploma- tischem Wege aus Berlin erhalten hat. Baldur von Sdilradi Wir veröffentlichten gestern Berliner Gerllchte, wonach Bald u r von Schirach. der Reichssugendsührer. S e lb st m o r d'vcrtibt haben sollte. Die gleiche Meldung von diesen Gerüchten brachten auch die großen Schweizer Blätter. Jetzt bezeichnet das Deutsch« Nachrichtenbüro die Meldung vom Tode des Reichssugendsührers Baldur von Schirach als„frei erfunden". Wir nehmen davon Notiz. WaS es mit Baldur von Schirach. der Gegenstand unzähliger Gespräche im„dritten Reich" ist, eigentlich für eine Bewandtnis hat. wird man in Kürze genauer erfahren. In der Oeffentlichkeit hört und sieht man seit Woche» nichts mehr von ihm. „Poiiieibcfugimse" Was die Hitlerjugend sich herausnimmt Weimar. Tie Gebietsprrssestellc der HI, Thüringens gibt jetzt eine Anordnung des Landesbeauftragtcn des Reichs- jugeudführers Günther Blum bekannt, in der es u. ä. heißt: Trotz mehrfacher mündlicher»nd schriftlicher Hinweise werde immer wieder gemeldet, baß einzelne Dienststellen der Hitlerjugend und des Jungvolks sich P v l i z e i b e s U g- Nisse anmaßten und selbständige Handlungen begingen, die Sache der Behörden oder Poltzeiorgäne seien. In ein- zelnen Fällen seien PolizeikrMen, die sich berechtigterweise hiergegen wandten und solche Handlungen z» verhindern uchten, Antworten gegebe» worden, die daraus schließen ieße». daß die Haltung, öle gegenilber dem Staate und seinen Organen einzunehmen sei, noch nicht allen Führern klargeworden sei. Dies veranlasse den Landrsbeanstragten mit aller Schärfe, folgendes festzustellen: Wie die gesamte national- sozialistliche Bewegung, so stehe die HJ. aus dem Stand- punkt des Führerprinzips. Wer in der Partei oder im«taate irgendeine veraniwörtliche Stellung einnehme, stehe an die- fer Stelle gleichsam als Beauftragter des Führer selbst. Wer ihm nicht die Achtung nüd den Gehorsam zolle, die er krnst seiner Stellung zu beanspruchen habe, verweigere beide» damit auch gleichsam denk Führer. Führer, die trotz dieses Hinweises in ZUkttust wieder gegen diese Grundsätze verstießen, hätten zu gewärtigen, daß sie wegen Disziplinlosigkeit ihres Amtes enthoben oder, in schwere» Fällen, aus der HJ. a ü s g e s ch l ö s s e>t würben. Wenn Fälle einträten, wo der Führer glaube, irgendetwas bean- standen*i, müssen. fö solle er es an sein« vörasietzte Dienst- st-lle melden, die dann Ö«p Beschwerde an die zuständige ?telle weiterlelte» werde Ttaatsjngend sein, heiß« in erster inte die Gesetze und Forcken des Staates ächten und anerkennen Leg Mir 30 Piennlge Und Lohnkürzungen Man schreibt uns aus Hannöver: Dr. Leu ist vor wenigen Wochen I» den Contiwerken gewesen. Zur Etin» nerUng an diese» Besuch haben die Werke ei» Dreisarben- bild herstellen lallen, das Dr. Leu darstellt, wie er einem Arbeiter die Hand drückt. SS ivar Pflicht jedes Arbeiters, «in solches Bild zum Preise von 36 Psennig abzunehmen. In den Contiwerken, wo 0600 Arbeiter beschäftigt sind, stnd in den letzten Wochen starke Kürzungen der Akkordsätze er- solgt. Wie von ganz zuverlässigen Bcurtetlern der Verhält- nisse uns berichtet wurde, sind Akkordkttrzungen für ein- zelne Arveiterkategorien in Höhe von 10—17 Mark wöchentlich erfolgt. Als einzelne Arbeiter mit einer Klage drohten, wurde der zu unrecht einbehaltene Lohn nachgezahlt. Die Direktion sagte diesen Arbeitern, sie möchte» hiervon den anderen nichts lagen, damit diese die Rachzahlung der ein- behaltenen Akkordsätze nicht forderten. Man driidif sidi Trotz großem Bonzenapparat Man schreibt uns aus Köln: Uns lag eine Bersammlungseinladung von einer Orts- gruppe der Kölner NSDAP, vor, die darauf hinwies, daß der BersaMMliingSbesuch tu den Ortsgruppen außerordent- lich schlecht ist. Noch nicht 30 Prozent der eingeschriebenen Mitglieder besuchen die Pslichtverfammlnngen. Jedes Mit- gl'«» hat mindestens eine Pslichtversammliing im Mottat. Die Einladung zu dieser Piiichtveriammliing enthält einen kleinen abreißbaren Anhang, auf den das Mitglied leinen Namen schreiben muß und den es erst nach Schluß der Ber- sammlung am Ausgang des Bersammkuugslokales abzu- -üben bat. Nazi-Bürgermeister verprügelt Karlsruhe, 22.. Aug. Der nationalsozialistische Bürgermeister von Lörrach, Boß, hat, wie sein Parteigenosse Lea, ein« erhebliche Schwäche für Alkohol. Er mußte Verschieden»- I'ch in betrunkenem Zustand aus Lokalen der Stadt nach Hanse befördert iverbe». In den letzten Tagen Ist es zu einem Znsammetistöß zwischen Boß und einer SA.-Patroulll« gekommen. Tie SA.-Streife forderte den Bürgermeister nach 1 Uhr nachts zum Verlosten eines Lokals auf. Boß leistet« der Aufforderung keine Folge. Augenzeugen berichten, daß er die SA.-Leute beschimpfte und schließlich nach lebhaften Auseinandersetzungen tätlich gegen sie vorging. Daraufhin wurde der Herr Bürgermeister von der SA. unter Pufft» und Schlägen aus dem Lokal entfernt. Kleiner Irrtum Prag, 22. Aug. Die„Prager Presse" schreibt:„Unter dt» ersten Opiern des„Strafgerichts", das Adolf Hitler am 30. Juni hielt, befand sich der Ehci der sächsischen Polizei ussd SA.-Führer v o n D e t t e N. Es wurde behauptet, daß Dellen zu den Mitverschworenen des Stabschefs Röbm gehörte und baß er ausersehen gewesen fei, in ber neuen Regierung, die Röhm angeblich nach dem Sturz des jetzigen Kabinetts bil- den wollte, der Außenminister zu werden. Das hat ihm das Leben gekostet. Er wurde in Bcrlin-Lichterielde, ohne ver- nommen zu sein, erschossen. Inzwischen hat s i ch s e i n 0 Unschuld h e r a ii S.ü e st e l l t. Seine Witwe, die aus der bekannten sächsischen AdetSfaMilie von Nidda stammt, erhielt die Verständigung, sich an einem bestimmten Tag zu anae- gebener Stunde am Grabe ihres Mannes einzufinden. Sie »olgte der Aufforderung und traf an dem Grabe de« Stell- Vertreter des Führers, Relchsminister Rudolf Heß, der eine kürze Ansprache hielt ünd dem„toten Kameraden" durch den Hitlergrüß die Ehre erwies. D ä s w ä r d l e„R e h a- Visitation" des Töten. Frau von Dttten bekam Nöch die Mitteilung, daß ihr Mann infolge.salscherAngebe» rei" hingerichtet Wörden sei. Sie erhält eiste Pettsto». DU Fall von Detten ist nicht der einzige solcher Art.- Biliös um die Saar In einer Meinen Bürgermeisterei an der Grenze 48 Prozent HUlergegner Hermeskeil, 22. Aug. Das amtliche Wahlergebnis der Bürgermeisterei Hermeskeil bringt ein geradezu über- Laichendes Ergebnis. Die Nein-Stimmen und die ungültigen stimmen haben eine ungeheure Vermehrung erfahren. 0» mehreren Dörfern der Bürgermeisterei erreichten die Geg- «er Hitlers eine Stimmenzahl, die den Reichsdurchschnitt um das Drei- und Vierfache übersteigt. In dem Orte Ras ch e i d wurden nach der Mitteilung der Nazi-„Hoch- waldzeitung" insgesamt 317 Stimmen abgegeben. Davon entfielen auf Ia-Stimmen 165, Nein-Stimmen 98, ungültig •►4. Die Hitlergegner brachten es somit auf 132 Stimmen, -xas sind sage und schreibe 48 Prozent. In Gusenberg wurden abgegeben: Ja-Stimmen 258, Nein-Ttimmen 191, ungültig 19. Die Gegner Hitlers erreichten somit 31,6 Pro- »ent. Im Orte Grimburg wurden abgegeben: Ja-Stim- wen 134, Nein-Stimmen 62, ungültig 22. Die Hitlergegncr machten mithin 49 Prozent der Stimmen aus. Eine gute Antwort Die Regierungskommission an Hitler Saarbrücken, 22. August 1934. Die Regierungskommission des Saargcbiets hat am »1. August 1934 folgende Verbalnote an das Auswärtige Amt in^Berlin gerichtet: Die Regicrungskommission des Saargebietes beehrt sich, dem Auswärtigen Amt den Empfang der Verbalnote Ii S. G. vom 14. August 1934 zu bestätigen, welche sich mit der mißbräuchlichen AusdruckSweise befaßt, die sich einige im Saargebiet erscheinende Zeitungen beim Ableben des Herrn Reichspräsidenten Gcneralfeldmarschall von Hindenburg zu- schulden kommen ließen. Die Regierungskommission, welche in gleichem Maße wie die deutsche Regierung diese Exzesse mißbilligt, hatte nicht verfehlt, sich mit denselben bereits vor Erhalt der Verbalnote zu beschäftigen. Bei Erörterung der zu ergreifenden Maß- regeln stellte sie mit Bedauern fest, daß keine Gesetzes- bestimmung zur Unterdrückung schimpflicher Angriffe gegen verstorbene Staatsmänner vorhanden ist: diese Fälle unter- liegen allein dem Urteil des AnstandeS und der öffentlichen Meinung. Somit vermochte die Regierungskommission nur die AusdruckSweise, die anläßlich dieses traurigen Ereignisses von einigen Zeitungen des Gebietes geführt wurde, ebenso- sehr zu beklagen, wie diejenige anderer Zeitungen bei der Ermordung des österreichischen Bundeskanzlers. Was die gegen Seine Exzellenz den Führer und Reichs- kanzler gerichteten Schmähungen anbelangt, hatte die Rc- gierungskommission bereits vor dem 14. August gegen zwei Zeitungen Sanktionen ergriffen, welche nach dem derzeitigen Stand ihrer Gesetzgebung zulässig erschienen, eine Tatsache, die der Aufmerksamkeit der Deutschen Rc- gicrung entgangen sein dürste. Sie hatte ferner vor diesem Zeitpunkt den Entwurf einer Verordnung vorbereitet, durch welche sie instandgesetzt werden soll, gegen Druckschriften, welche sich Ausfälle gegen Staats- oberhäupter zuschulden kommen lassen, einzuschreiten. Der Entwurf liegt zur Zeit den gewählten Vertretern der Bc- völkerung zur Abgabe eines Gutachtens vor. Die Regierungskommission hat damit im voraus die Bc- rechtigung der in obengenannter Note vorgebrachten Be- fchwerden gegen die Exzesse einer unabhängigen Presse an- erkannt, sie kann indessen«cht umhin, ihrem Erstaunen darüber Ausdruck zu geben, daß die Deutsche Regierung seit vielen Monaten und trotz der unbeantwortet gebliebenen Proteste der Regierungskommission in einer gesetzlich der Kontrolle des Staates unterstellten Presse einen heftigen Feldzug gegen die Regierungskommission, ihre Mitglieder und ihre Beamten duldet. Mehr noch, Angriffe, oft schimpflicher Art — um dies festzustellen genügt ein Hinweis auf eine vor mehreren Monaten von einem verantwortlichen Reichs- minister an der Grenze des Saargebictes gehaltenen Rede wurden fast täglich durch die amtlichen deutschen Rund- funksendcr vcrlreitet. Da die Note der Deutschen Regierung der Presse mitgeteilt worden war, wird die Regicrungskommission dieses Antwortschreiben veröffentlichen, sobald>.s in den Besitz der Deutschen Regierung gelangt sein wird. „Frankreich lordere nichts.. Eine Stimme zur Saarfrage (SB on unserem Korrespondenten! Unter der Ueberschrikt„Die Saarfrag e", nimmt im „I n t r a n s i g e a n t" Gallus das Wort. Gestern, so sagt er, habe in einer Straße in Saarbrücken sich eine Nazibande heldenmütig auf einen Passanten gestürzt und ihn ver- prügelt. Warum? Weil er Franzose sei, nur weil er Franzose sei. Die Berichte stimmten darin übercin, daß er in keiner Weise sich herausfordernd benommen habe. Aber „deutsch ist die Saar" stehe ans zahlreichen Transparenten, Fahnen und Plakate», deutsch i st d i e S a a r. Folglich bedeute die Ä n iv e s c n h e i t eines Franzosen au und für sich schon eine Herausforderung, die man mit der eisernen Faust zurückweisen müsse, mit der General Göring die Feinde des Führers bedrohe. Ueberall in Deutschland seien jetzt die Maueranschläge, die die Bürger aufgefordert hätten, mit Ja zu stimmen, bereits durch andere ersetzt, die da lauteten:„Deutscher! Gedenke, daß die Saar deutsch ist. Die Saar muß deutsch bleiben." Der Mitarbeiter des„Iutransigeant" de Gobart habe sogar in Wiesbaden diese Inschriften gesehen, wo die Kurgäste sich nur herzlich wenig um die Politik kümmerten. Aber ein heftiger Kamps beginne jetzt. Es handele sich darum, die Taarirage in den Vordergrund zu stellen, und zwar aus zwei Gründen. Zunächst sei jede Agitation gut, die das deutsche Volk davon abbringe, an seine drückendsten Sorgen zu denken und sich über die trau- rigen Ergebnisse der Hitlerpolitik klar zu werden. Dann aber bestehe durchaus zu recht die Furcht, daß die Saar gar nicht z u m M u t t e r l a n d e zurückwolle und für den Status quo st i m m e, der ihren Interessen völlig entspreche. In einem Lande, wo die Arbeiterschaft sehr zahlreich und Ivo infolgedessen der Sozialismus sehr einflußreich sei: in einem Lande, das zu einem große» Teil katholisch, also entsetzt über Hitlers germanische Tendenzen sei, könne Deutschland mit gutem Grunde fürchten, daß ihm das Plebiszit nicht die Mehrheit verschaffe. Darum werde Deutschland in den kommenden Wochen R i e- s e n a n st r e n g u n g e n machen, um die Lauen unter Ter- ror zu setzen. Man müsse sich aus zahlreiche Zwischenfälle ge- faßt machen. Frankreich aber müsse kaltes Blut bewahren. Es fordere nichts, weder die Saar noch etwas anderes. Das Saargebiet unterstehe dem Mandat des Völkerbundes. Ihm obliege die Pflicht, dafür zu sorgen, daß die Abstim- niung sich in voller Freiheit vollziehe. W erde er es können? Das sei eine andere Sache. Die Röchling-Spione verurteilt Hohe Gefängnisstrafen in Metz Vor dem Metz er Gericht hatten sich die vier Spione zu verantworten, die im Austrage des Industrie-Magnaten Röchling arbeiteten. Es handelt sich um den 24jährigen Adolphe Litze u be rgcr« aus Deutschland gebürtig, der aber die französische Nationalität erworben hat, den Polizei- chef der Hüttenwerke von Völklingen Johannes Rathke, aus Pommern, dessen Sekretär Alois Frischmann, Saar- länder, 45 Jahre alt, dessen Komvlice Otto B a l t h e s, 31 Jahre alt, ehemals in Rietz angestellt, und Rupp I. aus Deutschland. Das Gericht erachtete die Schuld von Litzen- berger als ungenügend erwiesen und sprach ihn frei. Die verhängten Strafen lauten wie folgt: Alois Frischmann, 2 Jahre Gefängnis, 50 Fr. Geldstrafe und(0 Jahre Aufent Haltsverbot: Balthes Otto und Johannes Rathke, je l8 Monate Gefängnis, 500 Fr.(Geldstrafe und 19 Jahre Ausent- haltsvcrbot. Im Abwesenheitsversahren erhält Rupp 5 Fahre Gefängnis, 1999 Fr. Geldstrafe und 29 Jahre Aufenthalts- verbot. * Die Verhandlung war nicht öffentlich. Es wird behauptet, daß die vier Augeklagten im Gegensatz zu ihrem Herrn und Meister es vorzogen, ein reumütiges Geständnis abzulegen: eine Vermutung, für die auch die Anklageerhebung gegen den abwesende» Rupp spricht. Das Gericht wäre gewiß nicht gegen Rupp so außerordentlich scharf vorgegangen, wenn nicht gcwib'tigc Gründe dafür gesprochen hätten, daß einer der maßgebende» Männer des deutschen Spionagedienstes in ihm sich der Justiz in Frankreich entzogen hätte. Hillers»genialer Plan Saarkommissar Bürckel und sein Trabant schildern die kommende Säuberungsaktion: „radikale Vernichtung"! Neustadt a. d. H., 21. August 1934. Am 29. d. M. hat in der Gauführerschule der NSDAP, für den Gau Pfalz eine Besprechung stattgefunden, an der etwa 25 Kreispropagandawarte und deren engsten Mit- arbeiter teilgenommen haben. In dieser Besprechung, die streng vertraulich war und etwa bis 1 Uhr nachts dauerte, setzte der Gaupropagandaleiter Trampler tmit dem Gau- leiter Bürckel genannt„Tramplcr" nicht zu verwechseln! die neuen Richtlinien der von Hitler angekündigten Erfassung des Restes des deutschen Volkes auseinander. Wir lassen eine genaue Wiedergabe des Inhaltes dieser Ausführungen folgen: Die Reichsregicrung, besonders der Führer Adolf Hitler, habe durch das Wahlergebnis festgestellt, daß der Feldzug gegen die Miesmacher die schleichende Vertrauenskrise in Deutschland nicht aufzuhalten vermocht hat und daß das Ergebnis der Wahl wohl zahlenmäßig gut, doch in bezug aus den wirklichen Stand der Vertrauensbasis keine zuver- lässigen Rückschlüsse zulasse. Die Reichsregierung habe das größte Interesse festzustellen, wie es wirklich im Volke aus- sähe und ob die Gefahr besteht, daß es in dem Krisenwinter 1934 zu Unruhen käme. Das Wahlergebnis habe die schon lange gehegten Befürchtungen außerordentlich verstärkt. Vordringlichste Aufgabe sei, die 19 Prozent, d. h. den Sauer- teig der kommenden Unruhen, radikal zu vernichten, um einer weiteren Infizierung des deutschen Volkes vorzubeugen. Die neue Methode Der Gaupropagandaleiter Trampler hat den Standpunkt vertreten, daß die„pädagogische" Erziehungsmethode(d. h. Beeinflussung durch Worte und frisierte «Ergebnisse") nicht mehr am Platze sei und daß die Reichsleitung der NSDAP, einen genialen Plan entworfen habe, der den letzten Rest von Marxismus usf., d. h. die..Essigmutter" im deutschen Volke, total ver- nichten wird. An Stelle der bisherigen«verzeihenden, vergebungsbereilen Geste deS Führers" soll nunmehr die ganze nationalsozialistische Schärfe treten. Die bisherigen„humanen" Methoden durch Konzentrationslagererziehung usf. seien Halbheiten gewesen und in Zukunft würde die Exekutive lautloser und gründlicher arbeiten. Ganz besonders sollen die Zeitungen angewiesen werden, keinerlei Nachrichten mehr über politische Urteile und Strafmaßnahmen zu veröffentlichen, weil dadurch in vielen Fällen die illegalen Hitlerfeinde durch diese Nachrichten rechtzeitig gewarnt worden sind. Bor allen Dingen müste di» bisherige arobkörniae Propaganda verfeinert und so umgestaltet werden, daß sie in die letzten Ritzen eindringen kann. An Stelle der lauten Kampftaktik müsse die lautlose, stumme ständige Bedrohung aller StaalSfeinde treten, denn die Feinde der nationalsozialistischen Wellanschauung sollen wisten, daß sie keinerlei Anspruch auf eine irgendwie geartete Rücksicht haben. Sie sollen wissen, daß sie ihr Totenhemd anhaben, wenn sie in irgendeiner Form den Bestand des Regimes gefährden. Ter nationalsozialistische Staatsbegrisf verlangt nicht nur die totale Herrschaft über alle deutschen Muskeln, fondern auch über alle deutschen Gehirne. Ausrottung der schwarzen und roten Widerstandsnester! Die neue überprüfte Propaganda ist daher wie folgt zu verstehen: Dämpfung der bisherigen Werbetrommel, die zum Teil durch Nebertrcibung der Resultate mehr geschadet wie ge- nützt hat. Verschärfung und Steigerung der Exekutive und vor allen Dingen lautloseres Funktionieren derselben. Diplomatischere Behandlung der illegalen Brunnen- vergifter, d. h. anstatt wie bisher jeden Illegalen sofort zu verhaften, soll derselbe unter strengste Beobachtung gestellt werden, damit möglichst die intellektuellen Urheber, d. h. die eigentlichen Brutstätten der Neinstimmen, mit der Wurzel auszurotten, d. h. die marxistischen und schwarzen Widerstandsnester rücksichtslos für immer zu rer- nichten. Jede Rücksicht sei Schwäche. Zusammengefaßt bestehe die Lehre vom 19. August 1934 darin, daß die nationalsozialistische Propaganda nicht»ehr die Gegner einzuschüchtern, sondern radikal zu vernichten habe. .Schwer zu begrellen" Die sieben Millionen Nein-Sager machen Sorge Stuttgart, 22. August(Inpreßj. Zu dem von den Nazis bekanntgegebenen Resultat der„Volksabstimmung" schreibt das„Stuttgarter Neue Tagblatt": Es hätte der begeisterten Stimmung und einmütigen Geschlossenheit des deutschen Volkes, die in der Vorbereitungszcit zur Wahl sichtbar wurde, entsprochen, wenn das Abstimmungsergebnis eine noch größere Mehrheit für den Führer ergeben hätte, als die Volksabstimmung am 12. November 1988. Diese Erwartung hat sich nicht voll erfüllt, und die Zahl der Ia-Stimmen wird prozentual hinter dem Resultat vom 12. November 1933 um einiges zurückbleiben. Für den deutsch empfindenden und politisch denkenden Menschen ist das schwer zu begreifen. Tic Wichtigkeit einer einmütigen Abstimmung für die zukünftige Gestaltung der Geschicke Teutschlands war der Volksgcfamt- heit mit solcher Eindringlichkeit klar gemacht worden, daß sich dieser Beweisführung niemand cirtziehen konnte. Die Kundgebungen, die dem Führer in der Oeffentlichkeit dar- gebracht wurden, waren in ganz ungewöhnlichem Maße von ehrlicher Begeisterung getragen" Eine Begeisterung also. - die nach den Ausführungen des Blattes kommandiert war. Man rniiDle Ihm die Zunge herausreißen... Mau schreibt uns aus der Pfalz: Vor dem Schöffengericht Landau erscheint ein einfacher Arbeiter aus einem Dorfe der näheren Umgebung. Bor wenigen Wochen äußerte er— vermutlich doch stark in Verkcnnung des wahren Tatbestandes— es gäbe doch in Teutschland so viel intelligente Leute und ausgerechnet Hitler habe man zum Reichskanzler gemacht. Der Vorsitzende will dem Angeklagten- eine Brücke bauen und meint, er stehe doch sicher nicht mehr zu seiner damaligen Aussage, die er in einer Wirtschaft nach reichlichem Alkohol- gcuuß gemacht habe. Der einfache Mann aus dem Volk aber erklärt ohne viel Federlesens und im Bewußtsein der„Schwere" seines„Ver- brechens". aber auch der Richtigkeit seiner Meinung, daß er auch heute noch zu dieser Meinung stehe und nicht ge- sonnen sei, sie zu revidieren. „D i c s e in M a n n e m ü ß t c man die Zunge herausreißen," schnellt der Erste Staatsanwalt, ein gewisser Dr. Zwink, in die Höhe. Ohne mit der Wimper zu zucken, beantragt der Staatsanwalt, der seine Karriere einem Mitgliedsbuch mit niedriger Nummer zu verdanken hat, zwei Jahre Gefängnis- Das Gericht ist„gnädiger" und verurteilt den aufrechten Mann aus dem Volk zu einem Jahr Gefängnis. Wie wohl muß es einem Reichskanzler sein, der sein „begeistertes Volk" wegen solcher Lappalien ins Gefängnis sperren läßt. * Und hier das G c g e n st ü ck. In der gleichen Sitzung des gleichen Gerichts erscheint ein SA. Mann, alter Kämpfer, in voller Kriegsbemalung, stolz mit dem Eisernen Kreuz geziert. Er ist wegen raube- r i s ch e r Erpressung angeklagt. Vor längerer Zeit pumpte er bei bei einem Juden Geld. Als dieser das geliehene Geld zurückverlangte, rückte ihm der SA.-Führer aus die Bude und zwang ihn mit vorge- haltenem Revolver zu unterschreiben, daß der SA.-Führer dem Juden nichts mehr schulde. Immer noch vertrauend auf sein gutes Recht, lief der Jude zum Kadi Der Richter mußte den SA.-Führer verurteilen. Zehn Mark Geldstrafe hielt das hohe Gericht für angemessen. Der jüdische Kläger aber wurde mit dem Vorwurf cnt- lassen, daß er sich schwer gegen das Prinzip des Führers vergangen habe:„Gemeinnutz geht vor Eigennutz." In Zu- kunft möge er deutsche Gerichte mit solchen Angelegenheiten nicht mehr belästigen. Ob der Jude inzwischen ins Konzentrationslager einge- liefert wurde, entzieht sich unserer Kenntnis. Dem für die..Midie Aeldeii"' „Deutlet» Freiheit 11, Nr. 195 A3BEIT USD WIRTSCHAFT Saarbrücken, 24. Äugnst 1954 Der großzügige Schacht Aber niemand glaubt ihm mehr Dr. Schacht, der heute im Auftrage Hitlers die Wirt- Schaftsdiktatur ausübt, hat in diesen Tagen wieder von sich hören lassen. Er hat zwar bisher keine Maßnahmen aufzuweisen, die von einer Besserung der wirtschaftlichen Lage Deutschlands Zeugnis ablegen wird. Im Gegenteil. Die wirtschaftliche Situ, tion wird im Zusammenhang mit den Devisenrepartierungen und dem Büchgang der Ausf br immer bedenklicher. Aber das beunruhigt nicht weiter. Denn Dr. Schacht, da er glaubt, dem deutschen Volke neue Leiden aufbürden zu können. So erklärte er in einem Interview mit dem Vertreter des tschechischen Blattes„Cemske Slovo" u. a. folgendes:„Es ist nicht ausgeschlossen, daß die Baumwolle auf dem deutschen Markt genau soverschwindenwird,wieehemalsderRohr- z u e k e r." Was geht auch den Reichsbankpräsidenten an, wenn der deutsche Arbeiter sich bald keine baumwollene Wäsche kaufen kann. Immerhin ist es für die weitere Entwicklung der Dinge im„dritten Reich" bezeichnend, daß Dr. Schacht es wagt, offen zuzugeben, daß durch die Devisenlage, die durch seine gewissenlose Reichsbankpolitik entstanden ist, in Zukunft mit einer noch wesentlichen Verschlechterung der Rohstoffeinfuhr zu rechnen ist. Es sind jedenfalls schöne Die Sowjefelscnbahncn Zahl der beför- 1913 1928 1929 1930 1931 1932 derten Tonnen (in Millionen) 132,2 156,2 187,6 238,2 254 267,9 Güterverkehr in Milliarden Tonnen 65,7 93,4 113 133,9 151,9 169,3 Beladene Waggons (pro Tag) 31 32,4 38,7 46,3 49,4 50,8 Zahl der Fahrgäste (in Millionen) 244 258 365 557 721 967 Zahl der Personen- km(in Milliard.) 25,2 24,5 32 51,8 61,8 84,1 Angesichts dieser ungeheuren beständigen Verkehrszunahme ist leicht verständlich, daß das Eisenbahnpersonal Sowjetrußlands nicht immer imstande ist, die von ihm geforderten Leistungen zu vollbringen. Die Krise, welche die Eisenbahnen der USSR. zur Zeit durchmachen, ist eine Wachstumskrise und ist eher auf die erhöhten Anforderungen, als auf Unfähigkeit des Personals zurückzuführen, wie es manche bürgerliche Blätter glauben machen wollen. Ein Vergleich des Verkehrs der Reichsbahn mit dem der Sowjeteisenhahnen zeigt die Leistungsfähigkeit des in Deutschland und Rußland verwendeten Materials. Reichsbahn USSR.-Bahnen 1929, das Jahr mit der höchsten Verkehrsleistung 1932 Gesamtlänge des Bahnneges 53 824 83 000 Lokomotiven 24 086 19 475 Güterwagen 660 748 507 900 Personenwagen 63 641 29 000 Tonnen km(Milliarden) 76,2 169,3 Wagen-km(Milliarden) 115 333 Personen km(Milliarden) 47 84,1 Millionen Pers.-km(pro Wagen) 738 2900 Hieraus ersieht man, daß die Leistungsbeanspruchung des russischen Materials zwei- bis viermal größer ist als die des deutschen. Die Krise im russischen Eisenbahnverkehr ist daher ausschließlich-auf das zu stark beanspruchte und unzureichende Material zurückzuführen. warliurg Ober ßoosevell Der amerikanische Bankier verurteilt die W irtschaf tsexper imen te (MTP.) Mister James P. Warburg, der bekannte amerikanische Bankier und Finanzdelegierte der Vereinigten Staaten auf der Weltwirtschaftskonferenz, veröffentlicht im Amsterdamer„Telegraf" einen aufsehenerregenden Artikel, in dem er die von dem Präsidenten Roosevelt befolgte Wirtschaftspolitik einer heftigen Kritik unterzieht. Diese Ausführungen sind um so interessanter, als James P. Warburg früher Finanzberater Roosevelts war. „Wenn wir uns auf zwei gefährlichen Wegen befinden," so sagt er,„so kommt das weniger daher, weil die Regierung ihre Aufgabe schlecht erfüllt, sondern weil das amerikanische Volk vom Staat ein ,Kalb mit fünf Füßen' erwartet hat. Wir haben vom Staat eine Erhöhung seiner Fürsorge und seiner Ausgaben verlangt, ohne daß die Steuern erhöht oder die Schuldenlast erleichtert wurde. Wir waren unersättlich, borniert und egoistisch und wir rechnen nun auf die Regierung, um uns tugendhaft, altruistisch und verständig machen zu lassen. Wenn man Wunder verlangt, darf man nicht erstaunt sein, wenn einem die Heilmittel eines Scharlatans angeboten werden. Gewiß, jedes Individuum muß für irgendeine Form der Regierung stimmen; aber es ist die Frage, ob eine Regierung ihre Kraft aus den demokratischen Grundlagen eines freien Volkes zieht oejer aus der Schwäche, die sich in der Ueber- tragung der Rechte des Volkes an eine improvisierte Staatstyrannei manifestiert." Mister Warburg gibt seiner Ueberzeugting Ausdruck, daß zwischen einer Demokratie und einer Wirtschaftsdiktatur keine Kombinationsmöglichkeiten bestehen und daß die Inflation die Vereinigten Staaten nicht retten wird. WeU-Gefreltichonfcrenz Die Gesamtheit der Getreidevorräte in der Welt belief sich nach dem Bericht des Generalsekretärs am 1. August 1934 Aussichten, die in naher Zukunft dem deutschen Volke im „dritten Reich" blühen. Um irgendwie eine Besserung der Wirtschaftslage herbeiführen zu können, will Schacht wieder Kredite vom Ausland bekommen. Um dem Ausland die Kreditgewährung schmackhaft zu machen, gibt Schadet die Versicherung ab, daß man dem„dritten Reich*' in bezog auf Rückzahlung unbedingtes Vertrauen schenken könne.„Wer mit Deutschland Geschäfte macht," so erklärte Schacht,„muß wissen, daß er seine Waren auch bezahlt bekommen wird." Diese Worte stammen aus dem Mund eines Reichsbankpräsidenten, der noch vor kurzem selbst die Zinsen aus den Privatkrediten nicht zahlen wollte und nicht bezahlt hat. Eine solche Erklärung wagt Schacht in einer Zeit abzugeben, wo beispielsweise die englischen Baumwollgarn- und Kohlenexporteure bei der englischen Regierung stürmisch Maßnahmen verlangen, damit das„dritte Reich" endlich die Schulden aus den Warenlieferungen bezahlt. Dr. Schacht kann noch so viel um die Gunst des Auslandes werben. Zu diesem Reichsbankpräsidenten, der das Ausland wiederholt betrogen hat, besteht kein Vertrauen. Deshalb werden alle Bemühungen des Dr. Schacht vergeblich bleiben. auf etwa 1140 Millionen Scheffel, gegen 1120 Millionen am 1. August 1933. Für die Periode 1922—28 hatten die durchschnittlichen Vorräte zu diesem Zeitpunkt nur etwa 625 Millionen Scheffel betragen.— Die Trockenheit in den Vereinigten Staaten, die voraussichtlich sehr schwache Ernte in Kanada und Australien, sowie das geringe Ausmaß der europäischen Ernte werden wohl einen Rückgang der Weltvorräte herbeiführen,— trotzdem werden die Vorräte im August 1935 noch beträchtlich über der Normalgrenze liegen. Die Delegierten sprachen sich allgemein dahin aus, daß trotz der schwachen Ernte von 1934 das Aufgeben jeder internationalen Vereinbarung unvermeidlich ein Anwachsen der Weltvorräte nach sich ziehen würde.— Das schwierige Problem ist die Festlegung der Kontingente für die einzelnen Länder; es wird unbedingt eine größere Elastizität des Verteilungssystems gefunden werden müssen. Argentinien zum Beispiel hat eine Erhöhung seines Kontingents nachgesucht. Man ist der Meinung, daß die Verringerung-der Ernte durch die Trockenheit eine Kontingentserhöhung ermöglichen und eine internationale Verständigung erleichtern wird.— Die Einzelheiten der Frage sollen im Laufe der Konferenz beraten werden. Kurzarbeiter in der Textilindustrie Nach der neuen Faserst off-Verordnung wird der Treuhänder der Arbeit die Genehmigung zu Entlassungen in den betroffenen Betrieben der Textilindustrie davon abhängig machen, daß im regelmäßigen Wechsel ein Teil der Belegschaft vorübergehend entlassen wird oder vorübergehend die Arbeit verrichtet. In diesem Fall darf, wie der Reichsarbeitsminister in einem Rundschreiben hervorhebt, der Vorsitzende des Landesarbeitsamts die Durchführung der Krümper-Unterstützung genehmigen, ohne daß der Führer des Betriebes hierzu etwas Weiteres zu veranlassen braucht. Auch der Vertrauensrat des Betriebes braucht nicht gehört zu werden. Weiter bestimmt die Faserst off-Verordnung, daß für die Vorschriften über Kurzarbeiter-Unterstützungen für die bei Inkrafttreten der Verordnung übliche Stundenzahl auch die „in der Arbeitsstätte übliche Zahl von Arbeitsstunden" gilt. Betrug die übliche Arbeit in einem Betriebe vor Inkrafttreten der Faser-Verordnung 48 Stunden in der Woche und wird jetzt auf Grund dieser Verordnung die höchste Arbeitszeit auf 36 Stunden herabgesetzt, so kann gleichwohl, wenn tatsächlich nur an drei Tagen in der Woche gearbeitet wird, der Gefolgschaft Kurzarbeiter-Unterstützung gewährt werden. Die enltäusdile„Planoiront" Die Klavierfabrikanten hatten ein großzügiges Programm aufgestellt, um den Schwierigkeiten dieser hart um ihr Bestehen ringenden Branche zu begegnen. Von den 187 Wirtschaftszweigen ist die Lage der Klavierindustrie auch heute noch außerordentlich trübe. Aus den allgemein bekannten Gründen sind die Ausfuhr und der Inlandsabsatz ganz erheblich zurückgegangen, so daß schon viele Firmen zusammengebrochen sind. Während im letzten Vorkriegsjahr die deutsche Klavierindustrie 127 000 Instrumente herstellte, wovon 76 000 Stück nach dem Ausland verkauft wurden, betrug die Erzeugung 1927 nur 18 000 und 1933 nur noch etwa 1300 Stück. Um einem weiteren Verfall ein Ende zu bereiten und den beschäftigungslosen Arbeitern der Klavierindustrie wieder Arbeit zu geben, sollte mit Regierungshilfe ein Sofortprogramm von 20 000 Instrumenten durchgeführt werden. Diese 20 000 Klaviere und Harmoniums waren für Schulen bestimmt, von denen nur wenige bereits ein Instrument besitzen. Die Finanzierung war in der Weise gedacht, daß dio Reichsregierung von den 16 Millionen Reichsmark die Hälfte zur Verfügung stellt, davon 4 Millionen Reichsmark bei der Bestellung und 4 Millionen Reichsmark bei der Ablieferung, während für die restlichen 8 Millionen Reichsmark Wechsel mit einer Laufzeit von 24 Monaten auszugeben wären. Die zuständigen Ministerien haben jetzt jede Hilfe abgelehnt. tiS Die Teuerung im„drillen Heidt" (Sopobe.) lieber ben Umfang unb bie Wirkung ber Lebensmittelteuerung Haben bie Hanbels- unb Industrie- Kammern von Rheinland-Westfalen Mitte Mai 1934 eine streng vertrauliche Eingabe an bie Reichs- regierung gerichtet. Der Eingabe ist eine Tabelle über bie Preisbewegung ber wichtigsten Lebensmittel beigefügt, die bie Großhandelspreise vom 1. Januar 1934 mit benen vom 1. Januar 1033 vergleicht. Daraus ergibt sich eine Steigerung bei: Butter um 36 Prozent Schmalz um 58„ billigste Margarine um 182„ Kokosfett um 121„ JDele um 138„ Speck um 26„ Eier um 39„ Gemüsekonserven um 18—29„ Limburger Käse um 38„ Plockwurst um 33„ Kabeljau und Schellfisch um 50» Diesem vom„Neuen Vorwärts" veröffentlichten interessanten Dokument entnehmen wir folgende Vemer- Hungen: „Es ist ein Widersinn, daß in Teutschland trotz großer Kausschiväche und trotz Uebersluß an landwirtschaftlichen Erzeugnissen eine Lebensmittelteuerung und auf dem Ge- biete der Fettversorgung sogar eine Notlage herrscht... Die prozentualen Steigerungen sind so stark, daß sie den Charakter einer Teuerung annehmen. Dieser Zustand ist je länger desto mehr unhaltbar...In keinemLande, mit dessen Jndustriewirtschaft die deutsche zu konkurrieren hat, herrschen so hohe Lebensmittelpreise wie in Deutschland... Da die wirtschaftlichen Verhältnisse durchweg Lohnerhöhungen nicht gestatten, bedeutet die eingetretene Lebensmittel- Verteuerung eine einseitige Belastung der kaufschioachen Schichten der Bevölkerung. Wenn zum Beispiel der Ruftrbergbauarbeiter bei 2—3 Feierschichten und nach Abzug der sozialen und steuerlichen Gefälle sowie der WohnungSmiete einen Betrag von 70 bis 80 RM. für den Lebensunterhalt seiner Familie mit nach Hause bringt, so muß sich demgegenüber die Ber- teueruug der Lebensmittel, tnsondernheit ber Fettver- svrgung, ans das härteste auswirken, zumal wenn zu der Verteuerung aus dem Fettmarkt noch die Unterversorgnng hinzutritt, die im rheinisch-westfälischen Jndustriebezirk seit Monaten anhält. 80—90 Prozent der Bevölkerung dieses Gebietes erreichen an Einkommen kaum mehr als das Existenzminimum.." Besonders großen Umfang nimmt bie Schilderung über die Margarineversorgung ein. Die Hanbelskam- mern stellen fest, baß durch die Haushaltmargarine zum Preise von 38 Pfg. nur etwa bie Hälfte ber Bevölkerung mit zwei Drittel ihres Fenbedarss versorgt wirb, Für ben Rest der Bevölkerung unb ben Rest des Bedarfs wirb die Konsum-Margarine zu 66 Pfg. zu Kausen ver ucht. Bon dieser Sorte wirb aber nur bie halbe Menge a.s von der billigen Haushalt-Margarine erzeugt. Die Wirkung dieser künstlichen Verknappung wirb von ben Handelskammern folgendermaßen geschildert: „Dadurch entsteht geradezu eine wilde Fagd nach dem bißchen Konsum-Margarine, die— sobald sie dir Läden erreicht hat— auch schon vergriffen ist. Frauen und Kinder lausen von Laden zu Laden, um irgendwo ein halbes Pfund ber raren Margarine zu er- haschen. Die Folgen sind Erscheinungen, die an die Fn- slationszeit erinnern, indem die Hausfrauen Margarine hamstern und damit das Elend der anderen vermehren, oder gar nach bekannten Rezepten aus Kokosfett, L>el, Rinderfett, Milch und einem Et selbst Margarine kochen. Die Regierung darf sich nicht länger im unklaren darüber, sein, welche Kritik gegen die nationalsozialistische«taatS- führung diese für die ärmeren Volksschichten unerträglichen Zustände hervorbringen und wie stark die Unzufriedenheit, ja Erbitterung steigt, wenn die Hausfrauen ohne Margarine heimkehren, während die wohlhabenden Schichten ihren Fettbedarf ausreichend In teurer Molkereibutter decken können. Das Kapitel Fettnot ist ein gefundenes Fressen für dieMiesmacher und politischen Hetz-Apostel, denen man die billige Möglichkeit, Unruhe zu stiften und ihr dunkles Handwerk zu betreiben, nicht lassen sollte. Die Erregung ist um so größer, weil niemand ver- steht, weshalb im Dritten Reiche diese unsoziale Unter- Versorgung mit Margarine stattfindet. Die Verständnis- losigkeit ist um so berechtigter, als die Margarine-Roh- flösse nie billiger waren als gegenwärtig, eine Tatsache, die an sich eine ausreichende und preiswerte Margarine- Versorgung der Bevölkerung sehr erleichtern würde. Bei den gegenwärtigen Margarinerohstoffpreisen von 10—12 Pfg. pro Pfund würde in freier Wirtschast die Margarine für 25 Pfg. und darunter im Laben zu haben sein. Wenn dieser Preis auch aus Gründen des notwendigen Schutzes der deutschen Landwirtschaft nicht hergestellt werden darf, so bedeuten die enorm hohen Preise, wie sie ver- ordnet sind, doch eine derartige Ueberspannung des sozialen Leistungsvermögens, daß sie nicht aufrechterhalten werden können, um so weniger, als die Landwirtschast an diesen überspannten Preisen gar kein Interesse hat.. lieber bie Wirkung bieser Zustände sagt die Eingäbet „Die Negierung muß sich darüber im klare» sein, welch ein«ngehenerliches Maß von Unzufriedenheit nnd poli- tischer Verbitterung dieser unhaltbare Znstand in der Be> völkeruug, und gerade in den Arbeiterkreisen, die früher der marxistischen Partei anhingen, hervorrust. E» gibt keinen— wie auch immer gearteten Grund, der die Bei« beHaltung dieser sortgesetzt beunruhigenden Zustände aus dem Lebensm ittel s und Fettmarkt rechtfertigen könnte.,V Qeutsdke fttmznen•(Beilage zur„(Deutstfken Freiheit"• Ereignisse und Qestftidkien •''''"■ ü" jfjl; uii»in i im(JJ|j[]j|JJijj|jj|||i!l|| Freitag, d>n 24. August 1S34 M» , £iele„(Deutsche Qtiel eines iwtqett Menschen, dem.es aCüchte (Die^Beichte \on Conrad Ferdinand Meyer Hier schreit ich Uber meinem Grabe nun Hei Hutten, willst Du Deine Beichte tun? Wir erhalten oft Briefe von Freunden im Auslande, ton Emigranten in der Fremde. Aber wir gestchen, daß in jüngster Zeit uns keiner so ergriffen hut wie der folgende. Hier ist es einem jungen Menschen gelungen, nicht nur wieder einen Lebensraum zu gewinnen. Er hat bereits Gleichaltrige um sich geschart, mit ihnen in der gleichen Gesinnung verbunden. Wir drucken den mit unbeholfener Hand in einem Ort in Frankreich geschriebenen Brief wörtlich ab. Zur Aufrichtung für viele, die manchmal ohne Hoffnung sind. Redaktion der„Deutschen Freiheit". V 20. August 1931. Liebe„Deutsche Freiheit"! ^ Tage des Wahlschwindels in Deutschland, habe '» einem Seufzer der Dankbarkeit aus: „Die Revolution ist aus." „Diese Revolution!" „Trübsal gibt Geduld: Geduld gibt Erfahrung: Erfahrung gibt Hoffnung: Hoffnung latzt nickst MKouhUi ttteti#»!" Das hoffanda England Hitler soll von Verständigung sprechen... London, den 23. August 1034. Ein Leitartikel der„Times" zeigt, ivie mit dem Austeigen des Terrors und dem immer näher heranrückenden Ab- stimmungstermin diese Stimmung in den maßgebenden englischen Kreisen zunimmt. Die„Times" befürchtet, daß der neue Feldzug zur Eroberung der letzten zehn Prozent Oppo- fitton die Gelegenheit bieten wird, um einen verstärkten Druck auf die Bewohner des Saargcbietcs auszuüben. Man werde sich nicht mit schönen Worten und Reden begnügen, sondern zu anderen Mitteln greifen, um diejenigen Saarländer zu bekehren, die sich infolge der Brutalität des HttlerregtmeS von ihm abgeivandt haben. Das englische Blatt legt dann nochmals dar, daß vor der Machtergreifung Hitlers über die Rückkehr des Saargebictes zu Deutschland kein Zweifel bestand. Später hat sich das Bild geändert. Außerhalb der Reichsgrenzen lebend, konn- leu die Saarländer über das, was wirklich in Hitlerdeutsch- land vorging, ein klareres Bild gewinnen als ihre Lands- leute im Reich, die nicht mehr Zeitungen, sondern nur streng kontrollierte Propagandablätter zu lesen bekommen. Neben den Sozialisten seien es vor allem die Katholiken— und sie bilden über 70 Prozent der gesamten Bevölkerung—, d i e für dieSicherheit ihrer religiösen Freiheit sehr besorgt sind, nachdem ihnen bewußt geworden ist, unter welchem Druck die Kirche in Hitlerbeutschlaud steht. Desha'b sei ein Abstimmungsergebnis zugunsten Hitler- deutschlands durchaus noch nicht sicher, sondern es sei sehr wohl möglich, daß sich die Mehrheit der Bevölkerung für die Aufrcchterhaltung des Status quo erklären werde. Obivohl man noch siinf Monate von dem Abstimmungsdatum entfernt ist, haben die nationalsozialistischen Propagandamethodcn im Saar- gebiet eine gefährliche Spannung hervorgerufen. Tie Ein- schüchterungsmethoden, deren sich die nationalsozialistische Propaganda bedient, sind geradezu schamlos. Nur eine strenge Ermahnung durch Hitler kann den Eifer dieser Kreise mäßigen. Der Präsident der Regierungökom- Mission des Saargebictes befindet sich im Besitz von Dokumenten, die die Verbindung zwischen deutschen offiziellen Stellen und nationalsozialistischen Organisationen sowie das Bestehen eines großen Spitzelsystems beweisen. Unter derartigen Verhältnissen könne man nicht behaupten, baß eine freie Volksabstimmung durchführbar ist. Täglich vermehren sich die Schwierigkeiten, mit denen Präsident Knox und die übrigen Mitglieder der Regierungskommission zu kämpfen haben. Ein zur Zurückhaltung mahnendes Wort des Reichsführers Hitler dürfte auf die Bewohner des Saargebictes sicherlich große» Eindruck machen. Am Sonntag wird sich in E h r e n b r e i t st e i n für eine der- artige Mahnung Hitlers eine gute Gelegenheit bieten. vom und Berlin Auch eine außenpolitische Hitlerbilanz Paris, den 22. August. iJnpreß.) Die Zeitung der italienischen Sozialdemokratie„G> u- stizia eLiberta" veröffentlicht eine interessante Ge- genüberstellung von Pressestimmen, der wir entnehmen' Paris lacht über Hitler Und erwartet eine neue„Friedensräte" in Ehrenbreitstein A, Ph. Paris, den 28. August. (Von unserem Korrcspondcntcns Die französische Presse hat es gewiß nicht daran fehlen lassen, mit dem nötigen Ernst und ruhiger Sachlichkeit das Abstimmungsergebnis des 10. August zu prüfen und zu be- handeln. Man hat tagelang über die Frage diskutiert, was Hitler wohl jetzt tun werde, und man ist zu dem Ergebnis gekommen: nichts anderes als er bisher getan hat. Er wird schöne Reden halten, die im schärfsten Gegensatz zu seinen . Regierungshandlungen stehen werden, lieber diel? Re sie- rungShanblungen aber hat man sich hier schon genug aufge- regt, als daß man sich letzt die Fertensttmmung verderben will. Und so läßt man sich nicht aus der Ruhe bringen, auch nicht durch die Nachricht, daß Hitler persönlich am nächsten Sonntag in Ehrenbreitstein gelegentlich einer„Befrciungs- kundgcbung für die Taar" sprechen.wirb, ja selbst nicht durch öle Kunde, daß ein französischer Arbeiter in Saarbritcken von Nazis mißhandelt wurde, ohne baß die Polizei es für nötig hielt, gegen die braunen Rowdus einzuschreiten. Man kom- mentiert diese Meldung gar nicht— Zurückhaltung in allen Saarangelegenheiten bleibt hier nach wie vor die Losung—, nur„Le Journal" bringt die recht deutliche Ucberschrist „Die Saarpolizet lehnt den Schütz eines Franzosen ab". Wie gesagt: eß sind Ferien, ntan Ist froher Laune und diese äußert sich in mancherlei Karikaturen, dem befreienden Lachen der französischen Journalisten Dieses Lachen geht auf Kosten des Herrn Rcichssührers Adolf Hitler. Da bringt „Mattn" eine Zeichnung aus dem„Kladderadatsch",„Hindcnburgs Ein- zug in Walhall" sdorthtn hatte ihn ja Hitler in seiner Tannenbergrcde versetzt). Bekleidet mit einem WoltSfcll, auf dem das Wort„Dannenberg" zu lesen ist, zieht der Feld- Marschall, von Walküren geleitet, in Walhall ein. Im Vorder- frund sieht man den alten Fritz, Bismarck, Blücher und koltke. Den Becher mit Biet in der Hand, grüßt das er- tauchte Quartett Hindenburg mit den Worten:„Nun können wir ja gleich mit dir den Sieg von Tanncnbcrg feiern." „Mattn" setzt hinzu:„Man fragt sich mit Recht, wie wird sich«Ines Tages der Einzug des Gefreiten Hitler in das Walhall seiner Träume vollziehen?" „Petit Parisicn" sucht im Bilde dem„Geheimnis von Tanncnbcrg" auf den Grund zu kommen. Hindenburgs Geist erscheint aus der Grabkammcr. Hitler steht vor ihm. in der einen Hand das „Testament", in der anderen die Pistole. Nur ein Wort spricht er:..Sinuc— unterzeichne!" „Journal" bringt ein Wahlplakat mit Hitlers Bild und der lieber- schrist:„Der König... der Propaganda". Ein Junker und ein Arbeiter betrachten das Plakat, unter dem die Worte stehen:„Er hat zu laut gebrüllt, damit hat er— zwei Mtl- lionen Stimmen weggepustct!" Man erzählt sich, daß Göring alle Witze, die über ihn selbst in Umlauf sind, sammle: vielleicht sucht ihm nun sein Gegen- spieler Dr. Goebbels den Rang abzulausen, indem er alle Karikaturen über Hitler sammelt, um sie dem Führer ge- lcgeNtlich zu überreichen. Mahatma Propagandi wird sicher- tich nicht verfehlen, seinem Herrn klar zu machen, daß diese Karikaturen nur Beweise der Wertschätzung sind, die er in Frankreich.genießt. Vielleicht ivird Hitler dadurch beeinflußt, am 20. August in Ehrenbreitstein ivirklich die Friedensrede zu halten, die der Berliner Korrespondent des„Journal" Georges Bluu an- kündigt. Er will aus ernste» politischen Kreisen erfahren haben, daß die Herren de»„dritten Reiches" das Wahlergeb- nis sehr besorgt würdigten und der Ansicht seien, daß die ungünstigen Abstimmungszahlen z. B. In Hamburg, Lübeck, Bremen ein alarmierender Ausdruck der schlechten Wirt- schastlichen Lage seien und daß mau an diesen Wetterzeicheu nicht vorübergehen dürfe. Um ans seinen wirtschaftlichen Schwierigkeiten herauszukommen, wolle Hitler jetzt z» einer Entspannung in der Außenpolitik das Seine beitragen: und er werde das in seiner Rede am nächsten Sonntag zum Aus- druck bringen. Er werde keine Kamps-, sondern eine Friedensrcdc halten. Sein Streben sei es jetzt, sich wirklich das Vertrauen des Auslandes zu erwerben. Wie sagt mau doch hierzulande?..H»i vivr» verra^'—- das heißt gut deutsch:„Abwarten und dann Tee trinken!" Vom Januar 1033.>. „Das ist unsere Stunde. Es ist die große Stunde Roms. Wir sehen heute die erste internationale Entwicklung unserer Revolution."<„Po- polo d'Jtalia", öl. Januar, nach Hitlers Machtantritts.. „Die Jugend Italiens und Deutschlands ist die Kraft, der Glaube und die Hoff- nung dieser zwei Länder. Heute drücken sich diese Jun- gen die Hand. Morgen wer- den sie zusammen marschic- reu. Das ist das Antlitz des neuen Europa. s„Dcr An- griff" an die Avanguardtsten. August 1933). „Ich sage euch Italienern und allen jenseits der Gren- zen, daß Hitler sbie Menge ruft„Hoch Hitler" und ap- plaudiert begeistert dem Füh- rerj und ich zusammengekom- men sind, um zu versuchen, die Wolken zu zerstreuen, die den Horizont der europäischen Politik verdunkeln/ iNede Mussolinis in Venedig anläßlich seiner Begegnung mit Hitlers. „Die Lagunenstadt, die eine starke Brücke zwischen den beiden Völkern geworden ist..., hinterläßt die tiefe Ueberzeugung, daß bort die Grundlage zu einer neuen Epoche des Zusammenlebens zwischen den Völkern gelegt wurde." l„Völkisch. Beobachter" bei derselben Gelegen- hcit). „Da? Bedenkende ist. daß Deutschland durch die Kraft seines Glanbens und durch den Wert seiner Führer die Prüfung überstanden hat. die ihm bestimmt war." l.,Te- vcre", 27. Juli). ... zum Juli 1034. „Ntan muß sich das dem Gedächtnis gut einprägen: daß Europa nicht Frieden haben wird, sondern unter dem fortdauernden Alpdruck desKrieges leben und schließ- lich in den Abgrund des Krieges stürzen wird, wenn das Geschwür des mörde- rischen Nazismus nicht völ- lig beseitigt wird... Ein Sturmwind führt das unglückliche Land in einen Abgrund von Infamie, zur Hungersnot, zu einem epj- leptischen Delirium.... Die Henker grinsen über die geschändeten Leichen, sie erfinden Selbstmorde, senden den Eltern die Asche als Pöst- pakct, verleumden die Na- men und das Andenken der Toten... Der Kainsfluch hat die „auscrwählte Rasse" getros- fcn. O, welche„Auswahl"! Die der Schwelgeret, des Lasters, des Blutes und dcS Todes!... Niemand täuscht sich. Ohne ein radikales Vorgehen, das für immer die Urlawe be- seitigt, werden die Auswir- kunäen des verbrecherischen Wahnsinns, der den Kontinent vergiftet und den Frie- den bedroht, kein Ende nch- men." l„Eorr!ere Padano," 27. Juli 1034). „Die Herren Faschisten sind kleine, schlecht erzogene Bu- ben, die mit den Füßeü strampeln, weil die Sachen anders verlausen sind, als sie es wollten." l„Völktscher Beobachter", 28. Juli». „Wir sind Buben, gut. die Herren Faschisten sind Bu- ben. Aber Ivos sind die Her- ren Nazi? Mörder und Pä- dcrasten und sonst nichts!" („Popolo d'Jtalia", 20.Jult). Nadi fünf Jahren Aus Eis und Schnee befreit Kowno, 23. Aug. sDNB.) Wie aus Moskau gen.-.det wird, ist es dem sowjetrusstschen Eisbrecher„K rafft n" gelungen, an der Wrangel-Jnscl von Anker zu gehen und die seit iüuj Jahren dort weilende Jnselbesatzu»g an Bord zu nehmen. Die Besatzung, die zum größten Teil nüs sowjctrusstschtn Forscher» und wissenschaftlichen Hilfsarbeitern besteht, war seineizö't für die Dauer von zwei Jahren auf die Insel ge- gangen. Da cS jedoch der HilfScrpcditivn nicht gelang, über das Sls bi' zur Insel vorzudringen, mußten die Forscher notgSdrnüsei fünf Jahre aus der Insel zubringen. Durch die Erschöpf»»., der Batterien für die Radioempfänger waren sie von der Außenwelt völlig abgeschnitten. Infolge des Lebens- Mitteln,angcls habe» die Forscher große Qualen durchmachen müssen.— De" Eisbrecher„Kraisin" wird heute, DonnerS- tag. mit den Geretteten in See gehen. Briet ans Brasilien Stimmungsumschwung gegen das„dritte Reich" Rio de Janeiro, im August. Die jüngsten Ereignisse in Deutschland und Oesterreich haben in Südamerika, vor allem in Brasilien und Argen- tinien, sehr große Erregung hervorgerufen. Teils olieu. teils Im geheimen war die deutsche Propaganda gerade hier besonders rege am Werke, wie bieg ja auch aus den in der„Deutschen Freiheit" veröffentlichten Anweisungen des PropagandamintsteriumS für die deutsche Propaganda im Auslande hervorgeht. Man verstand es sehr geschickt, die sentimentale Veranlagung der Südamerlkaner bei jeder Gelegenheit auszunützen, um eine Sympathieströmung sür Deutschland zu schassen. Handelspropaganda, Zcppclinbe- luche, Bemühungen um das Flugwesen verfehlten ihren Einfluß aus die große Qessentlichkeit und die Geschäftswelt nicht. Die Erfolge machten sich in erster Reihe in den wissenschaftlichen Kreisen bemerkbar, wo sich Deutschland einen ersten Platz dadurch sicherte, daß es die spanische lieber^ sehung der deutschen Stubienwerke förderte, Wissenschaftler zu Vorträgen entsandte, das dentich-brasilianische Institut gründete, das Künste und Wissenschaften in hohem Maße pflegt, und Kurse z»r Vervollkommnung in der Ehemie und Medizin einrichtete. Nur auf dem Gebiete der Literatur war Deutschland Im Rückstand. . Die Verfolgungen geistiger Persönlichkeiten wegen ihrer jüdischen Abkunft machteil auf die Südamerikancr einen mehr als peinlichen Eindruck. Gewisse nationalsozialistische Kundgebungen in Brasilien erweckten Unruhe und führten zu Protesten der Presse. Umstände, die die deutsche Propa- ganda zwang, von ihren geräuschvollen Methode» zu lassen. Aber alles das war nichts der Aufregung und Empörung, ja geradezu dem Sturm gegenüber, der hier Infolge der am 30. Juni vorgenommenen Erschießungen und der blu- ligen Tage von Wien hereinbrach. Man erlebt jetzt eine vollkommene Wandlung gegenüber dem deutschen Nationalsozialismus. Die Brasilianer sind sehr empfindlich, und die deutschfrenndllchsieu Menschen sind jetzt geradczit niedergeschmettert. Die Zeitungen verurtei- len diese Ereignib'e mit den schärfsten Worten. Mehrer» bemühen sich ausdrücklich, ihren Meinungswechiel üver Teutschland zu analysteren. In Sao Paulo würde die Auf- jührung eines natipnaljozialisttschen Uropaga nda liltzis,Heldenjugend" vom Publikum unterbrochen und von der Poli- zei verboten. Nachdem brasilianische Abgeordnete bereits gefordert hatten, daß die Nationalversammlung den poli- tischen Parteien daß Tragen von Uniformen verbiete, verlangt nun der argeutiniiche Kampsbund seinerseits ein Vcr- bot sür Hakenkreuzsahnen und nationalsozialistische Abzci- che» in Argentinien mit der Begründung,„es seien sonst Unruhen zu befürchten". Diese Beispiele könnten beliebig vervielfacht werden. Die Naziabenteuer am 30. Juni und 20. Juli haben die Oeisentlichkeii nicht weniger erregt als seinerzeit die Ver- scnkung der„Lusitania", die die amerikanische Stimmung sür Deutschland damals in ihr völliges Gegenteil verkehrte. wie sie Oesterreich regieren... Nach Methoden des„dritten Reichs" (P G.) Einer langen Liste von Gewalttaten, die die in Brünn erscheinende„Arbeiter- Zeitung" veröffentlicht, entnehme» wir: Am 20. Juli ist in Innsbruck unter anderem auch der zivanzigiährige Sohn des Zugbegleiters Josef Warivitz, Ru- doli W a r w i tz, uuter dem Verdacht, ein Nazi zu sein, vcr- hattet worden. Am 5. August wurde der Vater des jungen Warivitz von der Polizei verständigt, er könne seinen Sonn, der sich in der Haft erhängt habe, abholen. Nach übcreiu- stjmnteNdcn Mitteilungen war Rudolf Wärwitz ei» lebcus- lustiger und tüchtiger Mensch, der niemals Nationalsozialist, sondern bekannter Sozialdemokrat war. Dem ganz gebrochenen Vater wurde von der Jnnsbrucker Polizeidirek- tton ein Befund über den Tod seines Sohnes vorgelegt, in dem es heißt, daß die ärztliche Untersuchung keinerlei Ge- ivaltanwendung feststellen konnte und Selbstmord vorliege. Das Ist schon deshalb ünglaubivürdig, weil der junge War- ivltz ein gesunder, lebensfroher Mensch war, niemals illegale Arbeit geleistet bat und keinerlei Bestrafung zu gewärtigen gehabt hätte. Der untröstliche Vater sagte der Polizei auf den Kopf zu, daß sein Sohn keinen Selbstmord begangen haben könne, er vielmehr zu Tobe geprügelt worden sein Muß. Darauf drohte Ihm die Polizei, ihn sofort In Halt zu nehmen! Das Begräbnis des konfessionslosen Warwitz hatte eine Manenbetelllgung. Jugendfreunde trügen den Sarg, Polizei rtstd Kriminalbeamte begleiteten den Massenzug. Nach dem Leichenbegängnis wurde der Bater des Gemor- wegen.BMiiiMssg uswsörer Gerüchts" serhgjtet. Damit glaubt das christliche Oesterreich, die AnSbrucker Tragödie abgeschlossen zü habe». Der Fall Waiwttz ist aber Nicht vereinzelt. Am 8. August wurden vier Leichen im Jnnsbrucker städtische» Westsriedhvs eingescharrt. Pollen bewachen die Gräber und lassen niemanden zu>h>>en. Niemand weiß, wer begraben worden ist. aber jeder weiß, daß es stm um Opfer von Polizei- oder Heimivchrbruialltätcn handelt. Was gibt es für Giftgase? Angenehme Aussichten Die Wissenschaft hat es jetzt glücklich auf 28 Giftstoff», die sich für den chemischen Krieg eignen, und 1» Verbindungen, die aus ihnen hergestellt ivurden, gebracht. Wir geben»ach- stehend eine kurze Uebersicht. Nach den Wirkungen, die^ne Giftgase verursachen, teilt man sie in sechs Klassen- ein. Da gibt es 1. die Ersticklinasgase lEhlor, Phosgen). Tic greifen die AtMlingSwegc und AtmuNgsorganc a», reize» zu krampf- artigem Husten, zerfressen die Lungen und führe» manchmal den Erstickungstod herbe,. 2. Nlesgasc iArsrnc». Sie durch- dringen in Form eines unmerklichen Ttaubes die Gas- masken, wirken auf die Nasenschleimhäute und verursachen schwere Krämpfe, die das Opser nötigen, die Gasmaske ab- zureißen. 3. Giftgase lBtausäure- und Zvaii-Verbindungcn). Tie dringen durch die Poren des menschlichen und tierischen Organismus und greisen vorwiegend die rote» Blutkörper- chen und das Nervensystem a». 4. Tränengase lEhlorplkrin). Sic reizen die Augenschleimhänte zu einem so heiligen und schmerzhasten Tränenfluß, daß für mehr oder weniger lange Zeit vollständige Erblindung eintritt. 3. Blasenziehende oder ätzende Gase sLevesit, Hyperit). Sie wirken auf die Haut und die Gewebe ein, führe» zur Bildung von äußerst schmerz- hasten und schwer heilenden Wunden, falls nicht der Tvd eintritt. Zu verkaufen interessantes gutgehendes INSERIEREN SRI NÖT«EWINN .in größerem Industrieort de* übei»Elsaß. Besieh Geschäft dm P.atz.«. Der Verkäufer ist Besitzer von zwei Geschäften. Offerten ttftter Chlffrt D. K5W an Muihouaa Pariser BeridMe Rldifer, die ein Herz hoben Arlette Stavisky darf ihre Kinder sehen Dienstag abend wurde Frau Arlette Stavisky mit Genehmigung des französischen Justizministerg aus dem Untersuchungsgefängnis in eine Privatklinik in einem Vorort von Paris überführt, uro ihr dort Gelegenheit zu geben, ihre Kinder wiederzusehen, die von dem wahren Sachverhalt keine Ahnung haben. Die beiden Kleinen, Claude und Madeleine, glauben ihre Mutter schwer krank, und die Justizbehörde ist menschlich genug, diese Täuschung aufrecht zu erhalten, um die Seelen der Kinder nicht zu vergiften. So bekam denn Arlette Stavisky in einem Zimmer der Klinik eine Beinbandage und blieb gegen ihr Ehrenwort, nicht zu fliehen, ohne Bewachung. Die Kinder kamen, und ihre erste Frage war, wann der Vater wiederkehren würde. Dann baten sie die Mutter inständig, doch nach Hause zurückzukehren, sie würde dort sicher schneller gesund.werden. Die Kinder bleiben mehr als eine Stunde bei der Mutter. Nachdem sie gegangen waren, hatte Frau Stavisky einen Weinkrampf; so hatte sie das Wiedersehen erregt. Hungerstreik des Rechtsanwalts In die Staviskyaffäre ist neben vielen anderen Persönlichkeiten auch der Rechtsanwalt Guiboud-Rihaud verwickelt. Er sitzt nun schon geraume Zeit im Gefängnis und wurde zuerst durch den Rechtsanwalt Alexander Zevaes und jetzt durch die Herren Gautrat und Houedet vertreten. Da alle seine Eingaben gegen seine Verhaftung und den langsamen Fortgang der Untersuchung keinen Erfolg hatten, ist Guiboud-Ribaud vor sechs Tagen in den Hungerstreik getreten. Binnen ganz kurzer Zeit wird man versuchen müssen, ihn zwangsweise zu ernähren. Die Eifersucht Ein Eifersuchtsdrama, würdig der Feder eines Balzac, spielte sich Dienstag abend in der Hotelküche des Herrn Ravaud in der Rue de Parme in Paris ab. Der aus Martinique stammende Kellner Auguste Boudville hatte sich in die im gleichen Restaurant bedienstete Köchin Frau Adele Richard verliebt, die seine Gefühle erwiderte. Der Kellner aber glaubte, daß der Inhaber des Restaurants, Herr Ravaud, gleichfalls ein Auge auf die Köchin geworfen habe. Es kam daher zwischen den beiden Männern mehrfach zu Streitigkeiten, und im Verlauf eines solchen Streites warf der Wirt den Kellner heraus. Dieser, sinnlos vor Eifersucht, kehrte gegen 8 Uhr abends in das Restaurant zurück und forderte Frau Richard auf, Knall und Fall ihren Posten zu verlassen. Als die Frau sich weigerte, zog er ein Messer und verletzte Frau Richard an der Kehle. Sie wurde mit nicht sehr erheblichen Verletzungen in das Krankenhaus Bretonneau eingeliefert, während der eifersüchtige Liebhaber seiner Bestrafung entgegensieht. Ein Schwindler von Forma! Der Mann mit der„geheimen Mission" Ein internationaler Schwindler ist endlich von der Schweizer Polizei verhaftet worden. Er hat eine bewegte Laufbahn hinter sich, und sein„Ruf" hatte sich bereits in allen europäischen Ländern verbreitet. In Oslo war er in einem ersten Hotel abgestiegen und hatte seiner Eingebung unter dem Siegel der Verschwiegenheit mitgeteilt, daß der Name, den er in das Fremdenbuch eingetragen habe, nur ein Pseudonym sei. In Wirklichkeit sei er der berühmte französische Flieger Assolant. Es war klar, daß die mit dem Vertrauen des Schwindlers Beehrten nicht reinen Mund hielten. Und so wurde„Assolant" nicht nur der Gegenstand lebhaftester Ovationen, die er dankend annahm, sondern seine Bewunderer beeilten sich auch, ihm große Summen zur Verfügung zu stellen. Leider aber wurden die schönen Tage von Oslo jäh durch die Nachricht unterbrochen, daß der wirkliche Assolant in Madagaskar gelandet sei. Der Schwindler aber konnte noch rechtzeitig das Weite suchen, wobei er vergaß, seine Hotelrechnung zu bezahlen. Er verlegte nun im Juli dieses Jahres das Feld seiner so erfolgreichen Tätigkeit in eines der ersten Stockholmer Hotels. Dort stieg er unter dem Namen eines Grafen von Ravin und Herzogs von Renzy ab. Die bekannte schwedische Zeitung„Daghens Nyether" beeilte sich, solch eine wichtige Persönlichkeit interviewen zu lassen. Sic brachte dies Interview, illustriert durch Fotografien der zahlreichen Schlösser und Besitzungen sowie der Sportpreise, die der„berühmte Sportsmann" gewonnen hatte, Fotografien, die der Schwindler nicht übersehen hatte, dem Journalisten als Beweis seiner Erzählungen vorzulegen. Aber das schwedische Blatt erkundigte sich bei der französisdien Gesandtschaft über den Grafen. Da kam der Schwindel ans Tageslicht, und der „Graf" verschwand und hinterließ den trauernden„Gläubigen" nur zahlreiche ungedeckte Schecks. Nun gab der Schwindler ein Gastspiel in Kopenhagen. Dort gab er an, mit einer wichtigen geheimen Mission der französischen Regierung für den. Reichskanzler Hitler beauftragt zu sein. Die Dänen aber waren vorsichtiger und klüger als die Norweger und Schweden. Hier konnte der Betrüger keine Lorbeeren ernten. Deshalb verlegte er das Feld seiner Tätigkeit zunächst nach Belgien, wo er zahlreiche Schwindeleien beging, und zuletzt nach Lausanne, wo ihn endlich sein Schicksal ereilte. Madame Debussy Frau Claude Debussy ist Montagabend gestorben. Sie war die Nichte des großen Philosophen Osiris und in zweiter Ehe mit Claude Debussy verheiratet, den die Deutschen auch während des Krieges als größten lebenden Musiker aner- Die interessanteste Schrift des Tages: diitieccasfr Von KLAUS BREDOW Fragen Sie in den Kiosken und Buchhandlungen nach. Falls die Broschüre am Ort nicht zu haben ist, liefert die Buchhandlung der„Volksstimme", Saarbrücken, Bahnhofstraße 32, gegen Voreinsendung von 3,90 französischen Franken auf das Postscheckkonto Saarbrücken Nr. 619 Verlag der„Volksstimme", Saarbrücken :Deutsche foeiheit" A&waemeittspceise: Amerika Argentinien Belgien Dänemark England Frankreich Holland Italien Luxemburg Neubelgien (Eupen.Malmedy) Oesterreich Palästina Polen Rumänien Rußland Saargebiet Schweden Schweiz Spanien Dollar Peso belg. Fr. Kr. sh fr. Fr. fl. Lire belg. Fr. . belg. Fr. (verboten) sh (verboten) Lei Rubel fr. Fr. Kr. schw. Fr. Peseta T schechoslo wakei Kr. im Monat 1- 3.- 15.- 3,70 4,- 12.- 1,50 10- 15.- 12- 4,- 90,- 1,- 12,- 2,60 2.40 6,- 30,- ZustelL gebühr 0.50 1,- 5,30 2,30 1,10 3,75 0,40 5- 5,30 5,30 1,10 30,- 7,50 1,70 0,80 2.- 5,50 Bei Zusendung unter Kreuzband durch die Post sind die Portogebühren vom Besteller mit dem Abonnementsbetrag zu entrichten FI1R EMIGRANTEN Großherzogtum Luxemburg. Zu verhauen in Stadt Luxemburg FABRIK AN WESEN« neu erbaut, sich eignend Hir jede Fabrikation mit 2 Wohnhäusern, Garage und Wasserkraft, bebaute Flächen 440 qm, große Höfe usw. Offerten unter Chiffre 1013 an die„DEUTSCHE FREIHEIT", Saarbrücken SPERRMARK Hypotheken, Immobilien, Pfandbriefe, Grund- sdiuldbrtefe werden in jeder Höhe tofort bar ausbezahlt. Anfragen unter C. M. an die „Deutsche Freiheit" Saarbrücken EILT! EILT I kannten. Frau Debussy war die getreue Mitarbeiterin ihres Galten. Sie hat nach seinem Tode sich ganz der Pflege seiner musikalischen Hinterlassenschaft gewidmet. Ihre Beisetzung fand Mittwoch auf dem Friedhof in Passy statt. Deutscher Klub Am Samstag, dem 25. August, um 21 Uhr: Geselliges Beisammensein mit Tanz. Gäste sehr gerne willkommen. Gastbeitrag: 5 Fr. Der Deutsche Klub ist der Treffpunkt aller Nichtgleichgeschalteten.— Am Dienstag, dem 28. August, um 21 Uhr, spricht Herr Asjoma über Astrologie und über das Horoskop berühmter deutscher Staatsmänner der Gegenwart. Gastbeitrag: 2 Er. Pas Neueste Der französische Botschafter in Berlin Franc vis- Poncet ist in Paris eingetroffen. Wie gemeldet wird, ist der frühere französische Minister, Präsident Daladier in Wien eingetroffen. Er unternimmt eine Rundreise durch Oesterreich. Die streikenden Drucker und Setzer von Dublin haben das von den Verlegern gemachte Angebot einer Lohnerhöhung von 4 Shilling K Pence in der Woche abgelehnt. Dublin bleibt also bis auf weiteres ohne Zeitungen. Die amerikanischen Marinebehörden haben wiederum 28 Kriegsschisse in Austrag gegeben und die Pläne für die Kiel- lcgung von lS Kriegsschiffen vorbereitet. 600 amerikanische Farmer aus dem Dal des Salt River haben in einem Ultimatum die dortigen japanischen Ansiedler ausgesordcrt, bis Samstag das Tal zu per- lassen. Ans Trier wird gemeldet: Beim Zubruchgehen einer Strecke in den Sch'efergrnben bei Thomm wurden zwei Grubenarbeiter getötet. BBIEFKASTEN C. M, Basel. Wir drucken Ihren sonderbaren Bericht ab:»Aus der Heimfahrt mit einem Autobus in die badische Nachbarschaft wurden wir von einer Truppe Leute angehalten. Am Boden saß ein alles Mütierlcin, welches nicht mehr gut lausen konnte und müde war. Die Leute baten uns, die Alte bis an einen bestimmten Ort mitzunehmen. Wir waren bald einig und das Mütterlein, welches sich inzwischen bereits auf das Trittbrett gesetzt hatte, durste mit- fahren. Bald war eine rege Unterhaltung im Gang«, deren Mittel» Punkt die alte Fra» war. Sie verstand sich darauf, den Fahrgästen in zuverlägiger Weise die Vergangenheit zu schildern und größere Ereignisse vorauszusagen. Einige politisch neugierige Herren frag- ten das Mütterlein, was denn mit Hitler geschehe? Ja, sie verstehe nichts von Politik, aber so sicher wie wir in diesem Auto einen Toten mitführen würden bis zur Grenze, so sicher werde Hitler erschossen. Ucbrigcns sei sie letzt an Ort und Stelle. Sie bat anzu- halten und stieg aus. Zurück ließ sie eine bedrückte Gesellschaft. Tie Skeptiker lachten über diesen Aberglauben, die andern fragten sich: Wer ist der Tote von uns, bist du es oder ich? Wir fuhren in dieser Stimmung der Grenze immer näher, die Frage wurde immer lauter. Plötzlich wurden wir von einem deutschen Polizisten angehalten. Sin Schweizer Motorradfahrer war mit einem Auto zusammengestoßen. Ter Verletzte, welcher schwer verwundet war, bat uns, ihn in ein Schweizer Spital mitzunehmen: aus jeden Fall wolle er in der Schweiz sterben. Kurz vor der Grenze verschied dann der Verunglückte und mußte in Deutschland zurückgelassen werden. Jeder kann von diesem Begebnis halten waS er will, und doch ist es für die heutige politisch« Stimmung ei» interessanter Beitrag." Petersen-Schüler, Gens. Sie sind entsetzt über ba» neue Buch Ihres Lehrers:»Tie Sehnsucht nach dem Tritten Reich in Soge und Dichtung". In einer langen Reihe von Gestalten aus deutscher Dich- tung und Politik werden die folgenden al» Pioniere des National- sozialismus ausgezählt:»Luther, Herder, Älopstock, Schiller, Goethe, Hölderlin, Kleist, Grillparzer, Hebbel, die Romantiker, Nietzsche, Raab«, Fontane, Stephan George". Jeder dieser Männer würde keine ruhig« Stund« im kühlen Grabe haben, vernähme er die Worte diese« Petersen. Denn seder wäre in seiner Weise' ein Kronzeuge gegen die braune Barbarei. Da haben Sie nun drei Jahre zu Füßen dieses Literaturhistorikers gesessen und haben seinem pathetischen Idealismus geglaubt. AIS Hitler erschien, kratzte man den Petersen und es kam der Tartar zum Vorsibein. Wir sind nicht so enttäuscht wie sie, weil wir uns von diesen klingenden Schellen, die jeweils im aktuellen Winde baumelten, nie täuschen ließen. Jftambul. Aus Ihrer neuen Heimat teile» Sie un» mit, daß die türkische Regierung die vor einigen Monaten begründete onti- semitische Zeitung»Milli Jnkilap", die eine bi» dahin in der Türkei unbekannte judenfeindliche Hetze entfaltet hat, verboten hat. Gegen Herausgeber und Redaktionsmitglieder wurde ein gerichtliches Ber- fahren wegen Verhetzung der Bevölkerung eingeleitet. Freund?. I-, wir haben gelesen, daß die kommunistische Zeitung in Saarbrücken noch immer Aufsätze bringt wie»SPD.-Führer al« Zutreiber der braunen Mörderfront" und„Hitler verhandelt mit SPT.-Führern".— Sir hallen e» für zwecklos, dagegen zu pole- misteren. Daß jemand solches Zeug glaubt, können wir un» nicht denken. S. B. Sie teilen uns mit:»Tie Tladi Torsten i. W. hat den Frei- korp» Lichtschlag und Löwcnfcld, zum Tank dafür, daß sie sie aus den Händen der„Spartakisten" befreite, ein Denkmal errichtet: das Denkmal erhebt sich am Brückenkops des Lippe-Kanals, von dem aus die Freikorps ihren Angriff gegen Torsten begannen. Ter Sntwurs de« Tenkmals stammt von dem Düsseldorfer Gartenarchitekten Josef B ü r b a u m."— Tos kommende Teutschland wird viel Kitsch wegzuräumen haben. .Holland". Tie Srörterung Ihrer»zehn Punkte" in unserem Blatte ist unmöglich. Auch eine noch so ernste Untersuchung würde un» ein Verbot eintragen. Wir sind aber mit Ihnen der Meinung, daß hier ein ernstcS scxualpolhologische« und kriminalpsychologische» Problem vorliegt. R. S., Metz. Ihnen verdanken wir den Hinweis aus die Nummer der»Fränkischen Tageszeitung" vom 2s. Juli, die unter großer Ueberschrift eine Reportage bringt:„Briefmarken— wertbeständig!" Demnach scheint auch Streicher schon unter die Miesmacher ge- gangen zu sein. Anscheinend will er die Millionen, die er durch pornograsisch« Schriften erworben hat, gegen di« drohende Jnfla- tion sichern. Saladi«. Ihre ebenso reichhaltige wie bedeutende Zitatensommlung hat unS auch diesmal große Freude gemacht. Ter Bielbelesene uns viel Lesende stößt bei seiner Lektüre immer wieder aus erstaunliche Aktualitäten, und wir sind Ihnen und andern dankbar, wenn sie uns eines Reichtums teilhastig werden lassen, den selbst zu entdecken oder zu suchen leider die Zeit fehlt. Besonder» gut gesiel uns dieser Satz au» Sckermanns»Gesprächen mit Goethe", S. Teil, Mai 1927:„Wir Teutschen sind von gestern. Wir haben»war seit einem Jahrhundert ganz tüchtig kultiviert: allein eS können noch ein paar Jahrhunderte hingehen, ehr bei unser» Landsleuten so viel Geist und höhere Kultur eindringe und allgemein werde, daß sie gleich den Griechen der Schönheit huldigen, daß sie sich für ein hübsches Lied begeistern, und daß man von ihnen wird sagen können, es sei lange her, daß sie Barbaren gewesen." A. O. K. Tie vielen Scheine mit der Ausschrist„Witwe R..»" sind mit vollem Recht für ungültig erklärt worden. An mehrere. Ob durch die sogenannte Amnestie Hitler» auch Juden befreit worden sind, wissen wir nicht. SS wird ihnen wohl nicht viel besser ergchen als den Marxisten. IJl.li 1—»TMWWM— Für den Sesamtlnhalt verantwortlich: Johann P1 tz in Tut» weiter: für Inserate: Otto Sohn in Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Volksstlmme GmbH, Saarbrücken X SHÜtzenjirahz h, m SHllchjaH 770 Saa rbrücke n.