Linzige unabhängige Tageszeitung Seuijchtands Nr. 196— 2. Jahrgang Saarbrücken, Samstag, 25. August 1934 Chefredakteur: M. B r a u n „Geheime" Volksabstimmung. Seite 3 Geschichte des ästecceichischen Tlaziputsches Seite 4 Wandlung dec JCommunisten Seite 4 tcziehung zum Unmenschen Seite 7 JCcaft ducch Jxeude Seite 7 Mariisflsdier„Revolutionsplan aafgcfledtf Die Nationalsozialisten gegen in Aufstellung befindliche„rote Armeen" Wie der neue„Reichstagsbrand' vorbereitet wird Die Zersetzung wächst Aus dem Reiche erhalten wir die erste« Alarm- Meldungen unserer Freunde über Razzien der Geheimen Staatspolizei aus Organisatoren und Agitatoren der „Neinsager". Die Verhaftungen und Untersuchungen er- strecken sich keineswegs nur aus Marxisten, sondern er- fassen auch bürgerliche Oppositionelle. Im Gegensätze zu früheren Aktionen gehen die neuen Razzien ganz still vor sich. Die Presse erhält keinerlei Mitteilungen, und so erfahren zunächst nur die nächsten Angehörigen und Freunde von den Haussuchungen und Verhaftungen Wie versucht wird, die nationalsozialistischen Funk- tionäre aufzuputschen und verstärkten Terror gegen die Marxisten zu rechtfertigen, dafür liegt uns heute eine bezeichnende Niederschrift aus führenden nationalsozia- listischen Kreisen vor. Man redet den SS.-Leuten ein, es stehe ein bewaffneter marxistischer Ausstand unmittelbar bevor, und erreicht damit, daß die SS.-Leute, die zum grasten Teil die Rache für bestialische Schandtaten zu fürchten haben, für jede„Notwchr"-Aktion zu haben sind. Das Schriftstück lautet: Die oberste SS.-Führung verfolgt seit geraumer Zeit ein« weitauüholende marxistische Offensive in Deutschland und sieht in dem Wahlergebnis vom Ig. 8. 1034. das all diese Beobachtungen durch die Wirklichkeit weit übertrosfen wor- den sind. Durch unermüdliche Kleinarbeit ist es der SS.-Leiiung in Verbindung mit der Geheimen Staatspolizei gelungen, den ganzen marxistischen Aufmarschplan in Teutschland in Besitz zu bekommen. Nach diesem Plan arbeiten sich zur Zeit zwei graste marxistische Armeen, deren Tätigkeit an den Wahlergebnissen genau nachgewiesen werden kann, entgegen und zwar schiebt sich die erste kommunistisch-sozialöemokratisch von Prag her geleitete Armee über das ehemalige rote Sach- sen bis tief nach Mitteldeutschland hinein vor und gleichzeitig kämpfen sich im Westen Deutschlands die roten Agitatoren, von ihren ehemaligen roten Genossen tatkräftigst unterstützt und verstärkt, unaufhaltsam Mann um Mann erkämpfend bis nach Erfurt—Halle vor. Das Ziel ist klar. Alle Jndustriereviere sRuhrgebiet, Rraunschweiger Braun- kohlengebiet, Mansfeldcr Revier und Sachsens sollen er- obcrt werden und damit quer durch Deutschland ein roter Keil getrieben werden, um den schwarzen Süden von dem protestantischen Norden z« trennen. Die Marxisten rechnen damit, daß in den Industriegebieten ihre früheren Anhänger restlos zu ihnen übergehen und dast sie sich nur in den Besitz der deutschen Waffenschmiede lKrupp in Essen, der Gewehrfabrik in Suhl und der Leunawerke bei Halle mit ihrer Giftgassabrikation) zu setzen brauchen, um mit der gesamten Streitmacht nach Berlin vorzustoßen. Sie rechnen besonders damit, daß der schwarze Süden nur sehr watt das Hitlerregime verteidigen wird und mit wenigen roten Kräften in Schach gehalten werden kann. Ter rote Generalstab rechnet weiter damit, dast in Berlin die ehemals roten Genossen durch Masienansammlungen aus den Ströhen große nationalsozialistische Kräfte in Berlin festhalten werden und dast von den ehemaligen roten Hochbur»en Ham- bürg, Kiel und Bremen kräftige Entlastungsstöße unternom- wen werden. Die so zerteilten nationalsozialistischen Streit- kräste sollen konzentrisch gefaßt, aufgerieben und Hitler restlos vernichtet werden. Weiter soll eine Tpezialformation durch Verstot ung und Abriegelung des polnischen Korridors den etwaigen Zustrom nationalsozialistischer Kräfte aus Ost- Preußen zu Hitler verhindern. Schlagartig sollen die deutschen Sender des Westens, Ham- burgs und Sachsens von den Roten besetzt und in Betrieb genommen werden und die Arbeiter und Bauern Deutsch- lands zur Solidarität aufgerufen werden. Das topische Merkmal der; marxistischen Umsturzpläne ist. die behutsame Vorbereitung, die sorgfältige militärisch plan- volle Zersetzungsarbeit der deutschen Bevölkerung. Die eigentlichen Agitatoren sind nur in den allerseltesten Fällen Su fassen, weil sie bis in die höchsten nationalsozialistischen Dienststellen ihre Leute haben, die nicht nur rechtzeitig war- uen, sondern auch mehr oder minder offen diese Staatsfeinde unterstützen. Die Lage der NSDAP, ist keineswegs so unerschütterlich wie allgemein angenommen wird, denn die marxistische Gefahr ist deshalb zu unheildrohend, weil das Tempo und die Verseuchung der Bevölkerung nicht genau sestzu- stellen ist. Wahrscheinlich warten die Gegner den Eintritt der kalten Jahreszeit und den Eintritt von Ernährungsschwierigkeiten ob, ehe sie das von innen heraus unterhölte natinolsozia- listische Regime offen angreifen. Es darf nicht vergessen wer- den, daß dieses zersetzende Verhalten der Marxisten, einen Bismarck zur Strecke gebracht hat und daß der Kaiser Wil- Helm, der als oberster deutscher Kriegsherr über ganz Deutschland gebot, von diesem Kleinkrieg gestürzt worden ist. Der Führer hat angesichts all dieser einwandfrei scstge- stellten Tatsachen, ganz besonders nach der Bestätigung dieser Feststellungen durch den Wahlausgang, aus diesem Grunde den von Göring vorgeschlagene schlagartig einsetzende radi- kale Vernichtungsfcldzug noch in der Nacht zum 20. 8. 1934 gutgeheißen und ist dann bis ins Innerste getroffen auf Anraten der Acrzte nach Berchtesgaden abgereist, da sein Magenkrebslcidcn(?) sich infolge der neuerlichen Auf- regungen wieder besorgniserregend bemerkbar macht. * Es wird schließlich angekündigt, daß genauere An- Weisungen der Reichsleitung in den nächsten Tagen er- gehen. Höchste Alarmbereitschaft sei geboten. Bedingung?- lose Disziplin und der härteste Einsatz seien notwendig, um alle groß angelegten marxistischen Versuche, das Regime zu stürzen, unmöglich zu machen. Daß die Marxisten alle Kräfte anspannen, um Hitler und sein barbarisches System zu vernichten, ist bekannt. Für jeden vernünftigen Menschen erweisen sich aber die vorstehend skizzierten„Pläne" als. nationalsozialistische Erfindungen, als provokatorische Fantasien. Wie die Geschichte des Reichstagsbrandes aber zeigt, sind leider nur allzu wenige Deutsche kritisch genug, um verbrecherische politische Provokationen der National- sozialisten als von diesen verübt zu erkennen. Noch jetzt gibt es harmlose Dummköpfe in Massen, die ernsthaft glauben, der Reichstag sei von den Kommunisten als Fanal für einen kommunistischen Aufstand angezündet worden und Hitler und Göring hätten sich durch das Niederschlagen dieses„Aufstandes", der niemals ferner war als im Februar 1933, um das Vaterland wohl ver- dient gemacht. Bei den riesenhaft wachsenden Schwierigkeiten im Reiche ist bald ein neuer„Reichstagsbrand" fällig. Das vor- stehend veröffentlichte Schriftstück scheint Anhaltspunkte für die Methoden zu geben, nach denen diesmal gearbeitet werden soll. Nur deshalb sind solche Fantasien ernst zu nehmen Es gibt keine verbrecherische Verrücktheit, die dem nationalsozialistischen Banditentum nicht zuzutrauen wäre, wenn es darum geht, seine Macht zu erhalten und zu festigen und sei es auch nur noch für kurze Fristen« Steigende Besorgnis der Inden Feststellung der„Times" London, 23. August. Der Berliner Korrespondent der „Times" berichtet seinem Blatte über die Ergebnisse seiner Untersuchung der neuesten Entwicklungen in Deutschland. Er teilt u. a. mit, daß die mastgebenden jüdischen Kreise in Deutschland, die noch vor etwa sieben Monaten mit Bezug auf die jüdische Situation im„dritten Reich" etwas Zuvcr- ficht zu fassen begannen, jetzt reservierter geworden und zweifellos von tiefer Besorgnis erfaßt sind. Der Korrcspon- dent berichtet weiter, daß sich nunmehr die Kritik an dem Regime unter den Deutschen an die Oeffentlichkeit wagt. Ter Hitlergrust wird immer weniger angewandt. Die armen Leute führen den Niedergang der Wirtschast und besonders des Exports auf den Boykott Deutschlands seitens der gaien im Ausland zurück, während die Vertreter der be- «Miellen Gesellschaftskreise die Stellung Deutschlands in der Welt für diese Erirbeinunaen verantwortlich machen; alle au ei jiu| verzagt und unglücklich. Dr. Robert Ley, Präsident der Deutschen Arbeitsfront und Führer der politischen Organisation der NSDAP., gesteht öffentlich zu, daß nationalsozialistische A iitswalter mit revolutionären Marxisten sich verbündeten München, 24. August. Der Stabsleiter der Obersten Leitung der PO. erläßt sol, gcnde Anordnung: Ich habe festgestellt, dast mit dem Fort- schreiten des Aufbaues der Deutschen Arbeitssront einige wenige Kräfte versuchen, die Arbeit zu sabotieren. Es sinb dies Kräste. der alten Gewerkschaften und der alten Arbeit- geberverbände, die in letzter Minute versuchen, den Ausbau z« verhindern, da sie wissen, dast hiermit ein für allemal ihre zersetzende Arbeit in den schassenden Kreisen lahmgelegt ist. Einige Amtswalter der Deutschen Arbeits- front haben sich diesen Kräften dien st bar ge, macht. Ich sehe mich deshalb genötigt, die Parteigenossen Brucker, Krüger und Frauenstein ihrer Aemter in NSBO. und der Deutschen Arbeitssront zu entheben, weil sie meine Anordnungen nicht befolgten. Die Untersuchungen find noch nicht abgeschlossen. Ich bin gewillt, rücksichtslos gegen jeden innerhalb und austcrhalb der Partei vorzugehen, der es versucht, den mir vom Führer gegebenen Austrag zu sabo, tieren. Wer sich zum Ruttel unserer Gegner macht, hat anch die Folgen zn tragen. Ich bitte, die Anordnung allen Dienst- stellen der NSDAP, und der Deutschen Arbeitsfront bekannt, zugeben. gez. Dr. Robert Ley. 5clne auswärtige Politik Von Dr. Max Beer Wir entnehmen diesen Abschnitt dem soeben int Polygraphischen Verlag A. G. in Zürich erschienenen Buche„Die auswärtige Politik des dritten Reichs". Eine ausführliche Würdigung der, ausgezeichneten Arbeit werden wir folgen lassen. Wir können keine Rätsel lösen, und wir können nicht prophezeien, aber wir dürfen die Lehren zusammenfassen, die uns die auswärtige Politik des„dritten Reiches" in die Zukunft mitgibt. Es ist nicht unsere Schuld, wenn ge- waltigste Umwälzungen und Visionen nur außerordent- lich einfache Wahrheiten zurücklassen. Eine deutsche auswärtige Politik, die. anstatt den not- wendigen Kampf gegen Versailles zielbewußt und fach- lich zu führen, in Verkennung der europäischen Wirklich- keit und der diplomatischen Möglichkeiten, alle die Fehler wiederholt und steigert, die zu Versailles geführt haben, arbeitet, selbst wenn sie Deutschlands Bestes will, für die Gegner Deutschlands. Eine deutsche auswärtige Politik, die den Völkerbunds- gedanken verneint und seine Verwirklichung nicht mit allen Kräften anstrebt, ist auf Grund aller geschichtlichen Erfahrung, auf Grund der moralischen Entwicklung Deutschlands und der Menschheit, zum Mißerfolg ver- urteilt. Eine deutsche auswärtige Politik, die einer allgemeinen internationalen Verständigung das im Weltkrieg und so oft in der Vergangenheit gescheiterte System der Kriegs- bündnisfe vorzieht, ist nicht erfolgversprechender als ein anderes Hasardspiel. Eine deutsche auswärtige Politik, die den Krieg als das entscheidende Mittel zur Reglung internationaler Streit- fälle betrachtet, müßte nicht nur im Gegensatz zu den inter- nationalen Vereinbarungen stehen, die mit Deutschlands Zustimmung abgeschlossen wurden, sondern auch die Ent- wicklunq dieser bi«her vorwiegend diplomatischen In- strumte zu einem internationalen Moralgesetz, das gerade Deutschland für seine Stellung in der Welt braucht, völlig Unmöglich machen. Jeder unbedachte Appell an das deut- sche SchnjKtfft ein Appell an das feindliche Schwert, dos gegen Deutschland gezückt wird. Eine deutsche auswärtige Politik, die nicht alles daran fetzt, um die deutfchbewutzten Menschen in der Welt dem Deutschtum zu erhalten und auf Grund ihres Selbst- bestimmungsrechtes ihre Heimkehr in das Reich zu ermög- lichen, dafiiVciber Bodenerwerb in fremden nichtdeutschen Landern als unentbehrliches Ziel des Deutschtums hin- pellt, das ohne Rücksicht auf Moral, Verträge und fremde Rechte angestrebt werden darf, muß das deutsche Volk seiner nationalen Ausgabe entfremden und gleichzeitig aus der internationalen Gemeinschaft ausstoßen. Eine deutsche auswärtig Politik, die von dem Zerfall des russischen. Nachbarn ihren eigenen Nutzen erwartet und solchep Zerfall beschleunigen will, schafft sich nicht nur todbringende Feindschaft, sondern versündigt sich an dem nationalen Geist: Die Zukunft des deutschen Geistes hängt nicht von der körperlichen Vertreibung slawischer Men- sehen aus ihrem ererbten Besitze ab, sondern von der An- ziehungskroft, die die deutsche Seele auf die slawische Seele ausübt und von ihrer gegenseitigen Befruchtung. Eine deutsche auswärtige Politik, die nach jahrhundert- langen wechjßlvollen Kriegen weiter grundsätzlich das Heil des Reiches in der Niederwerfung Frankreichs sieht, setzt sich nicht nur der Gefahr aus, alle geschichtlichen Gelüste, die sich gegen die deutsche Einheit richten, neu zu beleben, sondern widerspricht auch dem Wesen eines deutschen Kulturstaates. Nur eine Politik, die auf dem Boden voller Gleichberechtigung eine ehrliche Versöhnung mit dem großen benachbarten Kulturvolke anstrebt, das der Welt ebenso unvergängliche Güter geschenkt hat wie das deutsche Volk, kann Deutschland und Europa Ruhe und Frieden sichern. Einer deutschen auswärtigen Politik, hinter der ein moralisch isoliertes Volk steht, das sich im Gegensatz zu den geistigen, politischen, sozialen und kulturellen Strö- mungen der westlichen Kulturvölker befindet, fehlen die unentbehrlichen Brücken von Land zu Land. Sie muß einen übergroßen Teil ihrer Anstrengungen der Ueberwin- dung von Mißverständnissen und Gegensätzen, von Ab- neigung und Haß widmen, bevor sie an ihre eigentliche Ausgabe herantreten kann. Sie schließt sich von der Welt ab, muß die Welt bekämpfen oder von ihr bekämpft wer- den. Keine deutsche auswärtige Politik ist möglich, wenn Deutschland nicht in Europa liegt. Eine deutsche auswärtige Politik, die ohne entscheidende Mitwirkung der Sachkenner, ohne Hilfe der Intelligenz des Landes, ohne Kontrolle durch eine Volksvertretung und durch die Presse das Schicksal des Landes bestimmen will, ist nicht nur der Willkür und den unkorrigierbaren Irrtümern einzelner fehlbarer Menschen rettungslos aus- geliefert. Es fehlt ihr auch dem Ausland gegenüber die dauernde Autorität, ohne die auch der größte Staatsmann keine Entschlüsse international vertreten und durchsetzen kann. Es fehlt ihr der kraft- und richtunggebende nationale Strom, der nur aus einer geistig regsamen und innerlich freien Volksseele herausslutet. Wenn deutsche Patrioten während des Weltkrieges un- aufhörlich in Rede und Schrift, aus der tiefen lieber- zeugung von der Schuldlosigkeit ihres Vaterlandes her- aus sich immer wieder dagegen erhoben haben, daß man der Regierung und dem Volke außenpolitische Grundsätze unterstelle, die ihrem Ansehen schaden und die Welt gegen bas Land aufwiegeln sollten,--- so können sie solche Grundsätze nicht plötzlich deshalb für national nützlich halten, weil sie zwanzig Jahre später nicht mehr in der feindlichen Fantasie, sondern in Deutschland selbst ihren Nährboden finden. Tie Stunde wird zweifellos kommen, in der es wieder eine deutsche auswärtige Politik gibt. Wie weit dann diese Politik wieder von vorne anfangen muß, wie beharrlich, wie mühsam und jammervoll die tägliche Kleinarbeit sein wird, die Sreinchen auf Steinchen häuft und jedes Stein- chen prüfen, sichern, verteidigen muß, kann heute niemand voraussagen. Das kann man nur trauervoll ahnen. Aber wir wissen, daß auch ihre bescheidensten Anfänge von heiligstem natioalen Eifer beseelt sein müssen. Und wir hoffen, daß dann dieser Eifer nicht fehlen wird. Denn di« allergrößte Gefahr, die am Ende der auswär- tigen Bolitik des„dritten Reichs" droht, ist daran zu er- blicken, datz wieder einmal, wie so oft nach leiten ange- spanntester, aber nutzloser Anrufung und Ansammlung der nationalen Kräfte— und diesmal in größerem Matze denn je—'. alles was national ist, das Wort und die Sache, der großen Müdigkeit anheimfällt, dem unüberwindlichen Mißtrauen und der hoffnungslosen Gleichgültigkeit. Möge dieses Unheil dem Lande erspart bleiben. Denn wenn heitre nationale Leidenschaft außenpolitische Arbeit und außenpolitische Einsicht zu ersetzen vermag, so kann es auch Niemals eine auswärtige Politik geben— welche Nummer das Reich auch trägt, dem sie dient ohne die Liebe zu.der Nation. Neue Pogrornsiimniung in Algier? Paris, 24., Aug. Tie blutigen Unruhen in Constantinc bro- hen sich nqch, einer,Meldung des„Matin" in Bone zu wieder- holen. Aidnchen den eingeborenen Arabern und den Juden herrsch e ch st h r e r K r i e g s z u st a» d. Als Ursache da- für seien Aß'grifse der Juden zu betrachten. Zunächst habe ein jüdischer Möbelhändler, dessen Schaufenster versehentlich von einem Eingeborenen zertrümmert wurde, zahlreiche Re- volverschljsse auf die Araber abgegeben, glücklicherweise ohne jemand zst tt'öfwn. Später sei ans einem israelitischen Hanse ein mit Mich'Müllter Eimer in den Hos einer Moschee ge- worie» w»«?den. Schließlich sei aus einem jüdischen Hotel einem Araber ein Tisch aus den Kops geworfen worden, wo- durch der Eingeborene schwer verletzt wurde. Zahlreiche Ära- ber hätten versucht, das Hotel zu stürmen und in Brand zu stecken Sit! wurden daran jedoch durch die schleunigst ge- rufcne Polizei verhindert. In der vergangenen Nacht hätten Polizei- und Gendarmeriepatrouillen die Straßen der Stadt durchzogen. Unter der eingeborenen Bevölkerung herrsche eine unglaubliche Erregung: die Behörden hätten darum alle Borkehrungen getroffen, um die Ruhe aulrecht M erhalten.. Ein Einwohner der Ortschaft Montier bei Nancy wollte seinen si-bcniähriaen Sohn wegen irgendeiner Kleinigkeit dadurch bestrasen, daß er ihn in einen Koller sperrte, in dem er die ganze Rocht verbringen mußte. Als der Bater am anderen Morgen den Koffer öffnete, fand er seinen Sohn erstickt vor. Der Unmensch wurde verhastet. Kriegssignale! Ein russisch-Japanischer Krieg rückt in bedrohliche Nähe i Die Entwicklung im Fernen Osten rast unaufhaltsam der kriegerischen Auseinandersetzung entgegen. Das gestern berichtete Einlenken Japans hat sich als Zweckmel- dung erwiesen. Heute liegen eine Reihe von neuen Tatsachen vor, die beweisen, daß Japan den Konflikt will. Die bekann- ten Signale werden sichtbar: Panikstimmung in chinesischen und russischen Kreisen, Vorbereitungen zur Massenflucht. Die Westeuropäer in Charbin find ans alles vorbereitet und rüsten zur Abreise. Die neueste Verschärfung der Lage ist durch die provozie- • rende Verhaftung von weiteren 18 Sowjet- russen durch die politische Polizei Mandichukuos hervor- gerufen worden. Sie sind durchweg Angestellte des Zentral- büros der Ostchinesischen Eisenbahn. Ebenso wie die bisher verhasteten 60 Bahn'eamten wird ihnen vorgeworfen, sie hätten Sabotageakte gegen die Bahn organisiert und seien an einem Komplott zur Ermordung führender Mandschukuo- Beamter und ihrer japanischen Berater beteiligt. Etwa 100 Kilometer südöstlich von Charbin ivurdc ein japanischer Truppentransport zur Entgleisung gebracht. Die Lokomotive und vier Personenwagen stürzten um: die Zahl der Opicr ist noch nicht bekannt, soll jedoch sehr groß sein. Das heftig japanfreundliche Deutsche Nachrichtenbüro läßt durchblicken, daß es sich um einen sowjetrussischen Anschlag gehandelt habe. Ein Beweis dafür wird in keinem Punkte geliefert. Die wachsenden Herausforderungen Japans und seines Trabanten Mandschukuo haben Sowjetrnhland in eine pein- liche Lage gebracht. Es will keinen Krieg. Aber es sieht kaum noch einen Weg, wie er vermieden werden kann. Tie russischen Bewohner der Mandschurei halten bereits ihr?e- ben für bedroht, weil sie keine ausreichende Hilfe erlangen können. Sowjetruhland sieht keine Möglichkeit mehr, seine Beamten zu schützen. Ueber die Behandlung der Gefangenen wird schwere Klage geführt. Helle Empörung hat in Mos- kau die Meldung hervorgerufen, daß man zu ihrer Be- wachung ehemalige russische Weihgardisten herangezogen habe. Die am Pazifischen Ozean interessierten Mächte treffen bereits alle kriegerisch-maritimen Vorberei- t u n g e n. Das amerikanische Marineministerium teilt mit, dah die amerikanische Flotte solange im Pazifischen Ozean bleiben werde, bis sich die„gegenwärtige Lage geklärt habe". In der Union fanden bereits japan-feindliche Kundgebungen statt. Ein Konflikt zwischen amerikanischen und japanischen Landarbeitern im Staate Arizona nahm solch bedrohliche Formen an, dah die Behörden ernstlich um das Leben der Japaner fürchten. Ter Gouverneur muhte weitgehende Vor- beugungsmahregeln treffen. Fieberhast werden neue Kriegs- schisse in Bau genommen: Vorbereitungen für die bedroh- lich nahegcrücktc Auseinandersetzung mit Japan. Kommt es zum russisch-japanischen Kriege, dann bleibt auch Europa kein unbeteiligter Zuschauer. Er würde den Gegnern der Sowjetunion Mut machen, sich in Ermangelung anderer außenpolitischer Erfolge mit Waffengewalt„einzuschalten". Schon herrscht Hochstimmung unter den maßgebenden Män- nern der europäischen Rüstungsindustrie, die von einem Krieg Erlösung von der langen wirtschaftlichen Flaute er- warten. Die gewaltsame Aufrollung der Ostprobleme bedroht die friedliebenden Länder Europas. Sie sollten sofort inter- venieren, den Brand im letzten Augenblick zu löschen, vor- ausgesetzt, dah sie noch den Willen, die Krast und den Ein- sluh zu einem solchen Schritte besitzen. „Geistesleben" des„dritten Reiches" Professor Doviiat pensioniert! Eine politische Maßreglung Aus Berlin wird berichtet, dah Professor Emil Dovisat, der Leiter des Berliner Zeitungswisscnschast- KDjr. Ii C$01 lichen Instituts, auf Grund des 8 6 des Bcamtcngesctzcs in den Ruhestand versetzt worden ist. Straf versetzt wurde Kreispfarrer Chemnitz i« Wcstcrnstede, Vorsitzender des Oldenburgischen Generatpre- digervereins und führendes Mitglied der Bekenntnisgemein- schatt der cvangclisch-lutherischen Kirche in Oldenburg. Dovisat ist ein alter Journalist, wenn er auch an Jahren noch keineswegs zu den Alten gehört. Er war lange Jahre Chefredakteur des„Deutschen", hat sich aber dann einen bc- sonderen Namen durch viel beachtete Forschungsarbeiten über Wesen und Geschichte des Zeitungswesens gemacht. 1028 wurde er mit einem Lehrstuhl für Zeitungswissenschaft an der Berliner Universität betraut. Gleichzeitig übernahm er die Leitung des deutschen Instituts für Zeitungstunde. Hier er- warb er sich ein besonderes Verdienst durch systematische Her- anbildung jüngerer Publizisten. Auch in der Oganisation seines Berufsstanöes, dem Reichsverband der deutsche» Presse, ivar er an führender Stelle tätig. Dovisat ist Katholik. Zentrumsmann ist er freilich nie gewesen. Seine Maßreglung erfolgt jetzt wegen nicht aus- reichender nationaler Zuverlässigkeit. In der Tat ist von ihm nicht bekannt, daß er die Götzendienerei vor dem Ratio- nalsozialismus in dem gleichen Tempo mitgemacht hat, wie unzählige seiner beruflichen und wissenschaftlichen Kollegen. Heute genügt schon Zurückhaltung auf diesem Gebiet, um sich unbeliebt, verdächtig und gefährlich zu machen. Gemaßregelte Theologen Der Professor der Theologie in Münster Dr. Otto Schmitts ivurdc auf Grund des 8 6 des Beamtcngesetzes in den Ruhestand versetzt. Seines Amtes enthoben wurde der Studiendirektor und zugleich Pfarrer der evangelischen Gemeinde Raum- bürg am Oucih, Gloeges, ein Vorkämpfer der schlesischcn Bekenutnisbewcgung. Neun Zehntel aller Gemeindcmitglie- der fordern energisch Gloeges Verbleiben im Amt. Boykott gegen liifler Berichte auf dem Genfer jüdischen Weltkongreß Gens, den 28. August 1984. Aus der Genfer dritten jüdischen Weltkonserenz wurden Berichte gegeben, die die Aktionskomitees der Länder über die D u r ch f ü h r u n g und die A» s w i r k n n g e n des Boykotts deutscher Waren vorgelegt haben. In ihrer Gesamtheit beiveisen sie zweierlei: einmal, daß sich die Bewegung keineswegs allein auf jüdische K r e i s c beschränkt und daß sie daher im weiteren stellen- weise bereits eine recht bedeutende Auswirkung erlaugt hat. Ueber die Verhältnisse in Großbritannien, so legte der Bc- richterstattcr HenriqueS dar, daß die jüdische Bonkottaktion gegen das„dritte Reich" nicht nur von der Labour Party und dem Allgemeinen Gewerkschaitsbund, sondern auch von her- vorragenden Mitgliedern der konservativen Partei öffentlich unterstützt werde. Um die Bewegung noch zu verstärken, unterbreitete Henriqucs der Konferenz konkrete Vorschläge, die in der Hauptsache folgendes bezwecken: die Bildung eines internationalen Zentrums zur Leitung der gan- zen Aktion, ferner die Schaffung einer zentralen Propaganda- stelle zur weiteren Förderung des Boykotts und zur Be- kämpsung der nationalsozialistischen Propaganda. In den Vereinigten Staaten von Nord- amcrika beteiligten sich nach dem Bericht des Vertreters des„American Jewish Congreß". Margoshas, etwa vier Millionen Juden am Boykott, ferner, unter Einrechnung der Familienangehörigen mehr als 20 Millionen Anhänger des dortigen Allgemeinen Gewerkschastsbundcs sowie Mil- lionen der prote st antischen und katholischen Kirche. Der Referent glaubt daher, daß man ohne Ueber- treibung von einer Beteiligung der Mehrheit des amerika- Nischen Volkes sprechen könne, da dort der deutsche National- sozialismus nicht nur als eine Gefahr für die Juden, son- dern auch als eineBedrohung der christlichen Zivilisation betrachtet werde. Der Bericht legt dar, daß unter diesen Umständen ini Lause der letzten zwölf Monate ber Wert der Einfuhr deutscher Waren in den Ver- einigten Staaten um 42 Prozent zurückgegangen ist. Nach den Ausführungen des Vertreters des sranzösi- s ch c n Komitees der verfolgten Juden, Max Klang, ist in Frankreich für das Jahr 1933 eine Vermindernno den Der frühere Intendant der Berliner Funkstunde aus der Haft entlassen Berlin. 24. Aug. Nach einer Mitteilung dcr^Justizpresse- stelle Berlin-ist durch Beschluß der 6. GroHcn«traikammer des Landgerichts Berlin der frühere Intendant der«ud- westdeutschen Rundsunkdienst-A.-G. und spätere Intendant der Funkstunde A.-G. Berlin. Dr. Flesch. auf e,ne Bc- schwcrde hin aus der Untersuchungshaft^entlasten worden. Seine Haftentlassung erfolgte gegen eine Sicherheitsleistung von 20 000 Reichsmark und gegen die Verpilichtuug, sich drei- mal wöchentlich bei dem zuständigen Polizeirevier zu melden. Die Strafkammer vertritt in diesem Beschluß den Stand- punkt, daß Dr. Flesch der ihm im sogenannten Rund,unk- prozeh zur Last gelegten Straftaten nach wie vor»dmngeno verdächtig" sei, daß jedoch angesichts der Tatsache, dah Flesch sich bereits seit dem 17. September v. I. in Untersuchungs- Haft befindet, ein Fluchtverdacht nicht mehr für wahrschein- lich anzusehen sei. Hauptsache: Nationalsozialisten Berlin. 23. Aug. Das„Evangelium im„dritten Reich"" veröffentlicht das folgende Inserat:„In Gelsenkirchen sind zwei P f a r r st e l l e n zu vergeben. Bewerber, die Deutsche Christen und Nationalsozialisten sind, werden gebeten. Mel- düngen an Superintenden Lehbrink, Gelsenkirchen, Bis- marckstraße 180, einzureichen." Ausland— für Nazis gefährlich Stettin, 23. Aug. Die Nürnberger Zweigstelle der Orga- nisation„Kraft durch Freude" schickte kürzlich ausgewählte Mitglieder der Deutschen Arbeitsfront zur Erholung nach Saßnitz. Es handelte sich um Nazis, die als durchaus zuver- lässig galten. Von Tahnitz aus unternahmen sie Ausflüge nach Dänemark, die auf den Geist der Gruppe so„ver- Heerend" wirkten, daß der Transportftthrer Bauschinger durch öffentlichen Anschlag jede weitere Auslandsfahrt ver- bot. deutschen Einsuhr um 569,3 Millionen französische Franken zu verzeichnen. Da in diesem Lande das Hitler-Regime viel- fach als eine Gefahr für den Frieden betrachtet werde, be- schränke sich auch die Bewegung, welche die wirtschaftliche Schwächung jenes Regimes zum Zwecke habe, keines- wegs aus die jüdische Bevölkerung. Das fran- zösische Komitee für den jüdischen Weltkongreß schlägt daher die Bildung einer internationalen Sektion vor, deren Ausgabe darin bestünde, die Auskünste über den Boy- .tvlt zu zentralisieren, den einzelnen Aktionskomitees Nicht- linien zu geben, Fälle von Umgehungen auszudecken usw. In Belgien vollzieht sich nach dem Berichterstatter K u- b o w i tz i die Durchführung des Boykotts bereits durch Ber- mittlung von nach Branchen getrennten Sektionen, die, unterstützt durch einen Pressedienst, dafür tätig sind, den Er- satz deutscher Erzeugnisse durch solche anderer Provenienz zu fördern» Unter dem Einfluß dieser Bewegung hat sich die deutsche Einsuhr in Belgien im Jahre 1033 um 280 Millio- nen belgische Franken, in den vier ersten Monaten 1034 um 128 Millionen verringert. Ein beträchtlicher Rückgang wird auch nach dem Bericht- erstatter W o l k o w i e s in Polen verzei^net, wo die Ein- fuhr deutscher Waren von 62,2 Millionen Zloty in den ersten sechs Monaten 1038 in der ersten Hälfte des Jahres 1034 auf 38 Millionen, also um 40 Prozent, gesunken ist. Wie alle diese Berichterstatter, sprachen sich auch die wei- teren Referenten aus anderen Ländern für die e n e r g i s ch e Fortsetzung des Boykotts bis zur Wiedereinsetzung der deutschen Juden in ihre Rechte aus. Dieser W>^e kommt in entsprechenden Resolutionsanträgen zum Ausdruck. Autounglück: 9 Tote Paris, 24. Aug. Ein schweres Autounglück ereignete sich bei St. Eugene in Algerien. Der zwischen Stauli und Algier verkehrende Personenautobus stieß bei St. Eugene mit einem Privatwagen zusammen, dessen beide Insassen schwer verletzt wurden. Der Autobus kam bei dem Zusammenstoß ins Schleudern, durchbrach eine Brustwehr und stürzte aus 15 Meter Höhe ins Meer. Nach sechsstündigen Bergungs- arbeiten stellte es sich heraus, dah neun Fahrgäste ums Le- de« gekommen und zwei verletzt worden waren. iuHlh tft'fs i! f I. i'i J Sofort verhaftet! Cln unmöglicher Rechtsberater, der das verdiente Schicksal erlitt Eltville, 21. August. 3« Eltville a. Rh. soll der Möbelhändler Horaschck einen eingeschriebenen Brief an Hitler geschickt haben, in dem er aus drei Wahllokalen Eltvilles Wahlfälschungen meldete. Er behauptete in diesem Schreiben, daß der Wahlvorsteher Sieg- frirt aus der Friedrichstraße ein Päckchen mit ungefähr 2NN Ja-Stimmen, die er selber angefertigt habe, in die Wahl- urue geworfen und dafür 200 Rein-Stimmen„beschlagnahmt" habe» um fie angeblich der Geheimen Staatspolizei abzu- tiefer«. Der Standartenführer W.tzcl-Wiesbaden verfügte, durch de» SA.-Poststurm unterrichtet, die sofortige Verhaftung Horafchcks und seine Ueberführung nach Kiedrich jIrren- austaltj, um fhn auf seine« Geisteszustand untersuchen z« lasse«. Horaschek soll erklärt haben, nur im„Sinne" des Führers gehandelt zu habe« und berief sich auf seine lang- jährige Mitgliedschaft iu der NSDAP,(seit 1929). „Diejenigen vier Neinsager..." Die freie Volksabstimmung in der Pfalz Neustadt a. d. H.» Zg. August. In dem kleinen Ort Glanmünchweiler, der von Gauleiter Bürckel betraut wird, wagten am vergangenen Sonntag vier Einwohner ihre Stimme gegen Hitler abzugeben und das Kreuz in den Nein-KreiS zu setzen. Beim Auszählen der Stimmen wurde dieses Verbrechen entdeckt. Noch am gleichen Abend gingen Ausrufer durch das Dorf, die folgendes ver- kündeten: Diejenigen vier Nein-Tager, die bekannt find, sollten sich schleunigst aus dem Staube machen. Wenn diese Separa- listen bis zum Abend nicht verschwunden wären, würde ihre letzte Stunde geschlagen haben. Die Pfalz hat im Sinne Hitlers vorzüglich abgeschnitten. Bürckel versteht es, den Terror in jeder Form zur An- wendung zu bringen. Da dieset skrupellose Gauleiter zum Reichsbeauftragten für Saarangelegcnheiten ernannt worden ist, kann uns diese verbrecherische Seite des Mannes nicht gleichgültig sein. Bürckel wird nichts unversucht lassen, ähnliche Methoden auch bei der Taarabstimmung Platz greifen zu lassen So war die„Volhsabsllmmunfi' Kaufmann Kohlborn in Kaiserslautern: ein Beispiel Am Wahltage, den« 19. August, stand vor dem Geschäfts- gebäude der„Psälzischcn Presse" in Kaiserslautern eine Menschenmenge, die der Bekanntgabe des Wahlergebnisses folgte. Plötzlich wurde aus der Menge heraus gegen den Kaufmann Kohlborn die Beschuldigung erhoben, er habe mit „Nein" gestimmt. Dieieield Ein Beispiel In Bielefeld wurden am Sonntag 22,7 Prozent Nein- Stimmen abgegeben. Daraus wurde von einigen Stellen geschlossen, daß protestantische Kreise— man nannte in die- fem Zusammenhang Bethel— damit ihrer Opposition gegen das heutige Kirchcnregimcnt Ausdruck verleiten wollten. Das ist jedoch nicht zutreffend. Die Wahlbezirke von Bethel, dem Ort der Bodelschwinghschen Anstalten, stehen mit bloß 8,5 Prozent Neinstimmen weit unter dem Durchschnitt des Gesamtergebnisses(11 Prozent Neinstimmen). Es waren also vor allem die noch immer nicht ganz ausgerotteten Biele- leidet Sozialdemokraten, die durch ihr„Nein" ihren Protest gegen das«dritte Reich" trotz allen Terrors zu bekunden wagten. Für den weiteren Verlauf der Angelegenheit lassen wir die einzelnen Urkunden aus der„Pfälzischen Presse" hier folgen. In dem Inseratenteil dieses Blattes erschien am 22. August folgende Erklärung: Erklärung! Wie au» der Erklärung der Kreisleitung der NSDAP, im redaktionellen Teil der heutigen Nummer hervorgeht, sind alle Gerüchte, die über meine Person ausgestreut wurden, unwahr. Ich bin dadurch vollständig gerechtfertigt und bitte meine werte Kundschaft, das mir bisher in so großem Maße entgegengebrachte Vertrauen auch weiterhin zu bewahren. Karl Kohlborn Stoffe und Wäsche Kaiserslautern Steinstraße 1 Im redaktionellen Teile des Blattes war folgendes zu lesen: Erklärung der Kreisleitung Von der Kreisleitung der NSDAP, geht uns folgende Mitteilung zu: „Tie gegen den Kaufmann Karl Kohlborn, Kaisers- lautern, Steinstraße, erhobenen Anschuldigungen und um- laufenden Gerüchte entbehren, wie die Untersuchung ergeben hat, jeder Begründung. Die für die bedauerlichen Vorkomm- nisse Verantwortlichen werden nach abgeschlossener Ermitt- lung unnachsichtlich dem Gericht zur Verurteilung zugeführt. Tie Kreisleitung." * Es ist dazu zu sagen, daß sich das Vorkommnis am Tonn- tagabend während der Bekanntgabe der Wahlergebnisse vor dem Vcrlagsgebäude der„Pfälz. Presse" ereignete, wo plötz- lich einer aus der Menge mit lauter Stimme die Anschul- digungen gegen Herrn Kohlborn erhob. Die hier und da aus- getauchten Gerüchte, der Sprecher habe sich am Fenster im Vcrlagsgebäude der„Pfälz. Presse" befunden, sind natürlich durchaus unsinnig und beruhen entweder auf einem Miß- Verständnis oder auf böswilliger Erfindung. In der redaktionellen Erklärung der Zeitung lesen wir aber zu unserem großen Erstaunen, daß über den Wahl- Vorgang„Untersuchungen" haben angestellt werden können, obschon der Wahlvorgang doch völlig geheim und unter Aus- schluß der Oeffentlichkeit vor sich gegangen ist. Wie gestalteten sich die Untersuchungen? Wurden die SA.-Leute vernommen, die während der Einzcichnung des Kreuzes neben den Wäh- lern gestanden und ihnen in die Karten geguckt haben? Oder konnte man aus andere Weise feststellen, welchen Stimmschcin gerade der Herr Kohlborn abgegeben hat? Darüber besagt leider die redaktionelle Bemerkung nichts. Spanier- die relnde der NSDAP. München, 22. August. Der Reichssportkommissar von Tschammer-Osten schreibt in den von Alfred Rosenberg herausgegebenen„Nationalsozialistischen Monatsheften" über die Stimmung unier den Sportlern, die zwangsweise gleich- geschaltet wurden:..... Leider haben soundsovicle von begeisterten Sportlern dies nicht rechtzeitig— ja vielleicht heute noch nicht einmal— erkannt. Sie sahen in mir den Feind. Es muß offen ausgesprochen werden, daß diese Sport- lcr den Nationalsozialismus zu den Leibesübungen salso den Kriegszwcck des Sports, D. R.) nicht im mindeste« verstau- den haben. Die Person des Reichssportsührers spielt ja dabei keine Rolle. Denn wie ich, so märe auch jeder andere SA.- Führer abgelehnt worden, eben weil er in erster Linie Nationalsozialist war." Heldenhafter Sozialdemokrat Die Form ist zerbrochen— Der Geist lebt (P.®.) Der Sozialdemokrat Richard Lobmann aus Leipzig ist vom Sondcrgcricht des Landes Sachsen, wie schon kurz berichtet, zu zwölf Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust verurteilt worden. Er ivurde beschuldigt, Hun- dcrte von Exemplaren der„Sozialistischen Aktion" in Lcip- zig vertrieben zu haben. Der Staatsanwalt bezeichnete Lohmann als einen gesähr- lichen Menschen, gegen den eine strenge Strafzumessung nicht nur als Sühne, sondern als Abschreckung zu erfolgen habe. Er habe deshalb reiflich erwogen, ob er nicht den Antrag auf T o d e s st r a f e gegen Lolimann stellen solle! Schließlich beantragte er 12 Jähre Zuchthaus auf Grund des Reichsssesetzes vom 13. Oktober 1933. Das Gericht ur- teilte entsprechend dem Strasantrag. In der Urtcilsbegrün- dung heißt eS: „Bei der Ausweisung dieses Strafmaßes fiel erschwerend ins Gewicht, daß Lohmann trotz der Schutzhait, die über ihn einst verhängt war, und der von ihm bei der Ent- lassung abgegebenen eidesstattlichen Erklärung weiter gegen die staatliche Sicherheit gewühlt hatte. Straiverschärsend war die Raffiniertheit des eingeklagten, der Umfang und Zeitpunkt der Verbreitung dieser Hetzschrift." Dies Urteil ist ein aufreizendes Tcrrorurteil! Der Vor- sitzende des Gerichts war der berüchtigte Landgerichtsdirek- tor Dr. F r i e s i ck e, der sich schon im Prozeß geaxn. die Dresdner Sozialdemokraten als einer der schlimmsten Hand- langer des braunen Terrors ausgezeichnet hat. Der Name dieses Blutrichters wird nicht vergessen werden. Richard Lohmann, ein stiller wortkarger Mann von 5(1 Jahren, war einer der treuen unbekannten Kämpfer für Freiheit und Sozialismus. Er hat vor Gericht ebenso treu und mutig zu unserer Sache ge- standen wie in seiner Arbeit. Bon ihm hat die braune Terrorpolizei nichts erfahren. Er hat keinen Menschen verraten, sondern hat die oberste Pflicht aller illegalen Arbeit erfüllt: zu schweigen. Einer der wahrhaften, ausrechten Kämpfer für den Sozialismus geht ins Zuchthaus des braunen Terrors, ein Zeuge dafür, daß Mut. Gesinnung Kampfwille der sozialdemokratischen Arbeiterschaft ungebrochen sind. Der Zorn der nationalsozialistischen Justizkreaturen über die aufrechte Haltung dieses Mannes erklärt die Höhe des Strafmaßes— zugleich aber die Niedrigkeit und Gehässig- keit dieser sogenannten Richter! Prolokolle So wird gefälscht >» tt Während die gleichgeschaltete Presse des„dritten Reiches" unter dem immer stärker werdenden Druck gegen den saschi- stischen Staatsterror in Deutschland bewußte Falschmel- düngen über die Verhaftung bestimmter Funktionäre der Gestapo aus dem Columbiahaus, die Gefangene mißhandelt haben, veröffentlicht, erhält die„Rote Hilfe" Berlin von einem aus der Folterhöhle der SS. Entlassenen einen er- schüttelnden Bericht, der die grausamen Folterungen a» wehrlosen Gefangenen erneut bestätigt. Der Geivährsman» der„Roten Hilfe" berichtet folgendes: „In den ersten beiden Tagen wurde ich von den ent- menschten SS.-Leulen, dieser grausigen Wiedergeburt der Folterknechte des Mittelalters, in einer sogenannten„Steh- zcllc" in„Frieden" gelassen. Ich konnte mich aber in dem kleinen Raum, der nicht größer als ein halber Kleiderschrank war. weder setzen noch geschweige legen. Am dritten Tag kam ich in eine größere Zelle, wurde aber ohne jede Begründung zu einer„Hausstrasc" von hundert Stahl rutenschlägen an jedem dritten Tag verurteilt. Am zehnten Tag wurde ich zu einem Verhör gerufen. Der Kommissar erklärte mir sofort, daß das Protokoll bereits vorbereitet sei, weil er wegen der zahlreichen Gefangenen für jedes Ver- hör nur wenig Zeit habe. Mir wurde ein Stück Papier vor- gelegt, dessen oberer Teil mit einem Löschblatt zugedeckt war Als ich mich weigerte zu unterschreiben, stürzten sich sofort vier ST.-Leute mit Gummiknüppeln aus mich, die mich solange schlugen, bis ich d a s P r o t o k o l l mit meiner Unterschrift versah. Dann wurde ich mit Fußtritten und weiteren Schlägen in meine Zelle zurück- aeiührt. Von andere« Gefangenen hörte ich. daß diese ge fälschten Protokolle im allgemeinen nach zwei Schemen ver- saßt sind. Juden müssen unterschreiben, daß sie arische Mäd eben mit einer Geschlechtskrankheit angesteckt haben und den Antifaschisten wird in der Regel ein Protokoll vorgelegt, aus dem hervorgeht, daß sie au einer Schießerei teilgenommen haben, bei der ein Nationalsozialist verwundet wurde. Und es gibt Richter, die auf Grund dieser erpreßten Aussagen die Opfer der SS. zu hohen Kerkcrstrasen verurteilen." Jeder Kommentar ist hier überflüssig. Walpurgisnadif Die gibt es zwar jetzt in Deutschland zu jeder Tages-, Nacht- und Jahreszeit, es ist aber doch lesenswert, was uns Ilse Arnheiter im„ Nordland" über die altgermanische Walpurgisnacht erzählt: „Selten teird uns die Tragödie eines Volkes, das seinem artgemäßen Glauben abschwören mußte, tiefer lebendig als in der Walpurgisnacht, der Hochzeitsnacht Allvaters mit Holda, dem holden Frühling, die den Namen Bcrchta, Perchta, Purga, Freia, Erda, Ertha oder Erdmutter trägt. Auf dem sturmumpeitschten Brocken wurde sie gefeiert, die Hochzeitsnacht der Mutter Erde mit der göttlichen Allkraft, und keiner, der die Gotteskraft, die Schöpferkraft des Frühlings in seinem Blute spürte, scheute die Mühe und die Gefahren des Aufstiegs. Es waren Tage des reichsten Lebens, der aufbrechenden Kraft, wie in der Natur, so auch im Leben des Menschen- In diesen zwölf Nächten wurden die„Mailager" gehalten, das„Maifeld" einberufen und die heiratsfähigen Jünglinge wurden in die Reihe der wehrhaften Männer eingegliedert." Schön müssen sie gewesen sein, die zwölf Nächte auf den Mailagern. Doch lassen wir die Ilse weiter erzählen: „Aber das Christentum kam ins Land, nein es schlich daher oder brach ein wie der Wolf in die Herde. Auf den heiligen Feldern des Hohen Maien wurden Klöster, Kirchen und Kapellen gebaut, und in den neugegründeten Schulen kämpften die Kuttenträger mit Geißel und Fasten gegen das nordische Erbgut ihrer Schüler. Späher des Kaisers ritten durch das Land, splitternd barst das Bild der heiligen Irminsul auf dem Firste des Strohdaches, wurden die Runenbalken aus den Wänden gebrochen, stürzten die Pferdeköpfe, der Schuß des Daches, ins Flammenmeer des brennenden Hauses. Das Grauen von Verden raunte durchs Land und Tausende von Sachsen, von Frau und Kind getrennt, traten den Marterweg nach Süden, nadt Franken an, wo sie angesiedelt wurden, Frauen fremden Stammes heiraten mußten, ungeachtet ihrer heiligen Anschauung von der Unlösbarkeit der Ehe." Schrecklich, schrecklich, doch es kommt noch schlimmer. ..Das Mißtrauen nistete sich ein in den freien, einsamen Höfen, in den Sippensiedlungen. Das Verhältnis von Knecht und Herr, der eine fremdstämmig, unterworfen, unfrei, der andere frei— dies Verhältnis, das oft ein Vertrauensverhältnis war, es war dennoch die einzige Bindung, bei der der Priester seine Unterhohlungsversuche beginnen konnte. Wie leicht war auf seilen des Untergebenen eine Mißstimmung gegen den Herrn zu schaffen und auszunutzen." So brachten die Christen den Klassenkampf in die heilige unantastbare germanische Erdnung der Edelinge und niedrigen Fremdstämmigen. „War der Magd zu trauen, die da eben über den Hof zum Brunnen ging und im Vorbeigehen die Worte der Ahne hörte, die den blonden Enkeln von der Wölpersnacht erzählt?" Sicher war sie schwarz, die Magd. „Ging sie nicht vielleicht morgen zum Priester und berichtete ihm davon?" Aber trotz aller Verfolgungen gab es echte aufrechte Germaninnen. „Es war tröstend, die Kräuter zu sammeln, die Freia. die Holde, liebte! Und mit dem Saft dieser Kräuter Verzweifelnde fröhlich. Kranke wieder gesund zu machen, die heimlich des Nachts den Weg in den tiefen Haag zu der „Haagschen", der„Hägschen", der Hexe fanden. Wir wollen es nicht vergessen, die„Hägschen" waren die Stillen, die Treuen, die Besten ihres Volkes! Und sie waren es auch, die weiter heimlich in der Walpurgisnacht den mühsamen Aufstieg wagten, so alt sie waren und so Grauenvolles sie auch schon erlebt hatten. Und manch einen, der hilfesuchend in dunljler Nacht heimlich zu ihnen kam. mögen sie leis raunend bewogen haben: Kommt mit, hob den Mut, vergiß den Glauben der Ahnen nicht! Und sie kamen vermummt, oft im Gesicht unkenntlich gemacht durch Ruß oder Wurzelsaft, sie waren scheu und still auf ihrem Anstieg zum hohen Berg, sie umgingen in weitem Bogen das Kloster auf der Höhe, das Kreuzbildnis am Kreuzwege! Dieser Kreuzweg, der ihnen seit undenklichen Zeiten geheiligt war, nun verleidet, weil dort das verhaßte Heilandsbild stand! Auch lauerte, dort Gefahr! Konnte nicht ein Priester zufällig vor dem Bilde beten und sie entdecken?" Und dann, als die Heiden von ihrer Walpurgisnachtfeier wiederkamen. ..Wie mancher von ihnen mag mit schwerem Herzen heimgekehrt sein! Ob wohl sein Junge, sein Mädchen wach geworden waren vom Heulen des Sturmes? Oh- sie wohl gemerkt hatten, daß Vaters und Mutters Bell leer war in dieser..Hexennacht". Oh sie wohl morgen fragen würden, warum? Ob— ob sie wohl dem Priester in kindlicher Wahrheitsliebe erzählen würden von dieser ihrer Entdeckung?— Aber sie taten es nicht! Sie saßen vor dem Mann in der Kutte, der ihnen erzählte von der Teufelstiacht, von den Hexen, deren Bett in dieser Nacht leer steh/., lind sie saßen mit ihren hellen Gesichtern, den schmalen Lippen und sie schwiegen. Wer hieß sie schweigen? Wer hieß sie klug sein? Es war ihr Blut, das durch alle ihre Adern den Befehl klopfte, es war das Grauen, das ihre Väter geschüttelt hatte, das in ihnen aufstand und sie mahnte—. Sie schwiegen. Und beugten die blonden Köpfe." Nein, wie unheimlich genau diese Ilse Arnheiter Bescheid weiß! Sollte sie zufällig eine von den übrig gebliebenen altgermanischen„Hägschen" sein? Und nun feiert nach tausend Jahren eine neue Jugend heidnische Auferstehung, aber sie schweigt nicht mehr: „Sie kündet aufrecht mit troßigem Mund von der Wal- purgisnacht. weil ihr Blut in all ihren Adern den Befehl klopft: Rede!.'* Gcsddditc des Nazi-Pofsdies in 2fs am Nachmittag des 25. Juli die schweren eichenen Hoftore des Bukdeskanzleramtes sich hinter den drei ^.astautos mit den 144 Putschisten geschlossen hatten, de- setzten die uniformierten Verschwörer widerstandslos das Gebäude. Die Besetzung war in wenigen Minuten voll- endet, dank den ausgezeichneten Situationsplänen, die die Putschisten besahen, und infolge der Beteiligung von vier Polizeibeamten, die das Gebäude mit seinem Irr- garten von Korridoren und Räumen gut kannten. Der Ueberfall auf Dollfuß Einige Nebellen, darunter Planetta, rannten die Treppe zum ersten Stock hinauf. Dort wandten sie sich nach links. Die Türe am Ende des Ganges war verschlossen. Mit einiger Mühe wurde sie ausgebrochen. Diese Türe führte in den so- genannten gelben Salon. Dollsuß, von seinem treuen Diener Helvicck gewarnt, hatte versucht, einen Gcheimkorridor und eine Wendeltreppe zu erreichen, die— wie Hedvicek sagte— zu dem Gebäude mit den Archiven führte, wo er wahrscheinlich sicher wäre, bis Hilfe eintreffen würde. Der Bundeskanzler war noch im Kabinettsratszimmer, als die Rebellen im Bundeskanzler- amt»»kamen. Aus dem Ratszimmer gelangte er durch zwei Räume zu seinem Arbeitszimmer und von da in den gelben Salon. An dessen anderm Ende befand sich die Türe zum Kongreß-Saallb hin: trsnsivi et non erat. Dann kam ich an den Platz, a» dem sich der Park der Pompadour befand.„O, wieviel Glanz heute schon erloschen ist," rief ich.„To wird auch aller andere Glanz entschwinden." Ich ging dann weiter bis Ehaillot: dort fiel mir ein wundervoller Ausflug ei», den ich mit drei Schauspielerinnen und meinem Freunde Boudard hierher gemacht hatte. Ich erinnerte mich eines noch entzückenderen Diners mit meinem Freunde Renoud und der schönen Deschamps, der Heldin der vorletzte» Novelle aus dem zweiundzwanzigsten Bande der„eonten" poraiues". Ich dachte an Zefire, dies Wunder an Empfind samkeit und Virginie. Aber da merkte ich, daß ich m> Park entlang, weil dieier Weg am einsamsten war. Als i
  • c& ihren Blicken. „Dies« grauenvolle Revolution." sagte der Mann,„wa»» wird sie ein Ende nehmen? Ausivandern heißt, den Platz den Feinden überlassen. Aber wenn ich nicht auswandere, bin ich entehrt. Ich habe bisher gesagt, ich sei hier nötig, doch nun wollte ich morgen weggehen. Aber gerade jctzi kommt der König zurück. Wer weiß, was geschehen wird' Und wie soll man übrigens wegkommen?" „Auswandern ist das einzige," antwortete die Dam<^ „über Pflicht läßt sich nicht streiten. Was tun Sie hie* bei einem schwachen König, der in höherem Grade Ihr Fei»? ist, als die Demokraten es sind? Ich hoffe wirklich, da» er jetzt, da man seiner wieder habhaft geworden ist, ob geurteilt wird. Sehen Sie nicht ein, was für ein Borteil es für uns nnd für alle ehrenhaften Menschen sein würde, nenn das Haupt des schwachen Ludwig fiele? Bedenke» Sie, daß ganz Europa sich erheben, daß alle Könige stw verbünden würden! Sogar die Söldnertruppen würden fftd in den Dienst unserer Rache stellen, wie Hunde, die W» gegen Hunde hetzt. Uns kann kein anderes Heil kommen als aus dem Tode Ludwigs XVI. Bleibt er am Leben, wahrt er sich einen Schein von Macht, von Freiheit, von Würde- so sind wir verloren, und die fremden Großmächte werde» sich abwartend verhalten." „Wie schlecht Sie die fremden Mächte kennen, gnädige Frau! Ich kenne diese Großmächte besser, von denen 5>e Hilfe erwarten, um wieder in Ihre Rechte eintreten'» können! Sic weiden sich insgeheim an der traurigen. Lage dieses mächtigen Reiches, das sie eifersüchtig beneidete»' sie warten aus den günstigen Augenblick, um sich auf u»s zu stürzen und uns zu Boden zu werfen. Adelige wie B»*' gerliche. Lassen Sie von Ihrem Irrtum ab, gnädige Fr««- Unsere Lage ist furchtbar. Und wenn ich mehr der Stimme des Haffes folgte als der Vernunft, würde ich mich n«tv heute den Revolutionären anschlieHeu." jFortjetzung fofW Erziehung zu Unmenschen Oer Fall Laemmermann .% Kraft durch Freude Ja, wer kommt denn da mit Tschingdara und Trarara? Eine SA.-Kapelle führt den Zug und spielt dröhnend, lauter gehts nimmer, das„Volk ans Gewehr". Das Volk, militärisch geordnet im Parademarsch,-folgt ihr auf dem Fuße. Das sind„Kraft-durch-Freude"-Urlauber. Sie marschieren, auch die älteren und umfangreichen Damen und wohlbeleibten Herren, deren Zahl auffallend groß ist, soldatisch und wacker dem mit Hakenkreuzfahnen überreich geschmückten Bahnhof zu, der alsbald unter den schneidigen und schnarrenden Kommandotönen der NSDAP.-Amtswalter an einen Kasernenhof erinnert. Allerdings verwandelt sich die militärische Ordnung, als die Mannschaft in die für sie bereitgestellten Waggons gepfercht werden soll, in ein wildes Tohuwabohu. Der Platz reicht nicht, es gibt zu viele Dicke unter den Urlaubern. Dagegen haben die Amtswalter und die mit Hakenkreuzarmbinden geschmückten Begleitpersonen, wie es sich bei Offizieren ziemt, jeder ein Abteil für sich. Sie genießen selbstverständlich auch in den Hotels und auf den Schiffen bevorzugte Behandlung. Aus weichen Betriehen kommen die Urlaubsreisenden? Ich erkundige mich bei einer älteren Dame, die aufgeregt ihre Gepäckstücke betreut, und die man allerdings schwer für eine Arbeiterin oder Angestellte halten könnte. 0, das weiß sie nicht, sie arbeitet nirgends, aber sie ist die Mutter eines alten Kämpfers, eines Angestellten, der am 3. 1. 1933 in die NSDAP, eingetreten ist. Man stelle sich vor, er hätte sich zu diesem Schritt einen Monat später entschlossen, nie hätte die Mama so billig in die Sommerfrische fahren können. „Unser Staat beweist seinen Anhängern Dankbarkeit," plappert die Heldenmutter. Wirklich ein zuvorkommender, freigebiger, liebenswürdiger Staat. Es gibt ganze Ortsgruppen NS.-Frauenschaften, die mit Hilfe von„Kraft durch Freude" billige Sommerreisen machen. Geld spielt keine Rolle, wie sollte es auch. Es gehört ja den Arbeitern. Ich unterhielt mich mit einem Amtswalter über diese schöne Einrichtung und wollte von ihm erfahren, wie hoch der Prozentsatz der Arbeiter unter den Urlaubern sei. Er sah mich verwundert an. Lebte ich auf dem Monde? Wußte ich wirklich nicht, daß es in Deutschland keine Arbeiter mehr gibt, sondern nur noch Gefolgschaftsmitglieder. Na schön, also wie viele Hand- oder Kopf-Gefolgschaftsmitglieder reisten denn? Sein Lächeln wurde mitleidig. Das sei doch eben der Sinn der Volksgemeinschaft, daß man zwischen Arbeitern und Angestelten gar keinen Unterschied mache. Als er meine Begeisterung für die Sitten und Gebräuche des Dritten Reiches sah. wurde er offenherziger. Er gab zu, daß in der Praxis ein Gefolgschaftsmitglied, das in seiner Lohntüte die Woche 20—25 oder höchstens 30 Mark vorfände, und das zu Hause Frau und Kinder zu ernähren hätte, kaum in der Lage sei, eine zehntägige Erholungsreise nach Swinemünde, ins bayerische Gebirge oder gar nach Norwegen zu machen, auch wenn die Kosten nur 38 Mark betragen. Dafür aber können sich Angestellte, und wären sie Prokuristen mit hohem Gehalt, wenn sie nur Mitglieder der NSDAP, sind, preiswert erholen. Natürlich gibt es auch Arbeiter auf den Erholungsreisen, nur müssen sie Parteimitglieder und„Alte Kämpfer" sein. In solchen Fällen ist„Kraft durch Freude" in der Lage, noch größeren Zuschuß zu zahlen. Daß dies aber selten vorkommt, beweist nur, daß von den Proleten wenige den richtigen Kurs erkannten, das ist eben ihr eigenes Pech. Anderseits gibt es für die Volksgenossen, die nicht mitmachen können, einen Trost. Es kann jemand so arm sein. daß er nicht weiß, wie er Kartoffeln für die nächste Mahlzeit seiner Familie herbeischaffen soll, hinwiederum ist er reich genug, um sein Scherflein zur Kraft igcMS^d*»»-Bevorzugten, und zwar durch Freude, beizutragen. Sollte ihm das nicht genügen? Die Organisation hat 8 Millionen Mitglieder, von denen kaum eines freiwillig, yAiy tfficitritt erklärt hat. Die Führer der ArbeUsfronlibefcjJÜgsi a»nd die Gefolgschaft muß berappen. Die entsprechenden Beiträge werden einfach von der Lohnsumme'abgezogen.*' An der Kulturfront sieht es nicht weniger sjhön aus. Man erinnert sich, daß eine der ersten Taten der' Kell.-Organisation der Aufkauf des Luna-Parks zu einebj{mvfcrhältnis- mäßig hohen Preis war. Die Berliner ArbeiterssäpJ^t sollte eine noch nie dagewesene Erholungsstätte erb/M?"' der Moskauer Kulturpark würde in den Schatten gestellu.werden. Seitdem ist etliche Zeit vergangen, aber von dein"Berliner Leber-Kulturpark hat man nie wieder etwas vernommen. Ja, Herr Ley braucht Geld. Da man ihnen nichts anderes bietet, überschwemmt man die Arbeiter mit Fragebogen, in denen sie Rechenschaft ablegen sollen über die Gestaltung ihrer Freizeit. Bei Siemens in Berlin haben eine Reihe Arbeiter gleichmäßig geschrieben» „Ich lese keine Zeitung, kein Buch, ich gehe in kein Kino oder Theater, weil ich auf den Dreck verzichte,' weil mein Lohn zum Sattessen nicht reicht." Schriftproben konnten die Schreiber nicht ausfindig machen, da ja die Fragebogen mit nach Hause genommen werden durften. Seitdem müssen sie im Betrieb ausgefüllt, mit Namen unterschrieben und persönlich abgegeben werden. Aber auch so ist es klar zu erkennen, wie die Kulturbedürfnisse der Arbeiterschaft im Dritten Reich gestillt werden. Sie verzichtet lieber auf das Lesen, als daß sie die Goebbelsschen Pres«eerzeucnis s e schluckt. Man hat ihr ihre junge aufstrebende Literatur genommen, ihre Versuche, die zu neuen Wegen im Film, in uer Musik, im Theater, in der Kunst führen sollten, verboten. Nun wundert sich Herr Dr. Ley, daß die Arbeiter so gar nicht kulturbedürftig sind. Das muß anders werden. Der Kabarettbesuch wird zum Zwang. Da gibt es eine nationalsozialistische„Kleinkunstbühne", treffend der„Braune Schalk" genannt, die die Provinz bereist. Da niemand für die braunen Schalkereien, die aus witz- und saftlosen antisemitischen Flegeleien bestehen, Geld ausgeben will, werden die Mitglieder der KdF.-Organisation in den Betrieben zu den Vorstellungen befohlen, natürlich gegen Eintrittsgeld in bar bezahlt oder vom Lohn abgezogen. Eipe merkwürdige„Vergünstigung" erhielten auch die Krupp-Arbeiter, die der KdF.-Organisation angehören. In Essen wurde ein„Theater des Volkes" eröffnet im Zirkus Krone. Die Wallenstein-Trilogie wurde, zum Teil sinnlos zusammengestrichen, an einem Abend gespielt. In größter Bescheidenheit blieb die Regie, die Krähwinkel zur Zierde gereicht hätte, anonym. Schillers Drama wurde als„das größte Soldatenstück" angezeigt. Als sogar diese militärische Ankündigung seine Anziehungskraft verfehlte, wurde die Krupp-Belegschaft herangezogen. Ein großer Teil von ihnen mußte eine Mark für den Besuch der Vorstellung bezahlten. Gewöhnliche Sterbliche dagegen, die nicht Mitglieder der KdF.-Organisation sind und also nicht noch einen monatlichen Mindestbeitrag von 20 Pfg. bezahlen müssen, erhielten an der Kasse Einheitskarten für 30 Pfg. in Hülle und Fülle. Die KdF.-Organisation hat bis jetzt ebensowenig wie die Arbeitsfroant ihren Mitglierdern Rechnung gelegt. Wenn man da einmal richtig aufräumen wird, das gibt dann Kraft durch Freude. Der Weg der modernen Bildung geht Von Humanität, Durch Nationalität, Zur Bestialität. Grilloarser. Ein alter deutscher Erzieher schreibt uns: Die Tragödie Deutschland im Dritten Reich— oder sollen *ir sagen: die grausige Travestie einer Tragödie?— läßt die dramatische Spannung nicht abreißen. Kaum hat man gedacht: das war der Höhepunkt, nun kanns nicht mehr schlimmer kommen, da wird man schon belehrt, wie sehr man die Leistungsfähigkeit des erwachten Deutschtums unterschätzt hatte. Ich will also nicht prophezeien, nicht sagen, daß dies das Aeußerste gewesen sei— das muß man eben abwarten; die Wirklichkeit des Nationalsozialismus ist erfinderischer als die Phantasie von uns armen unheroischen Nichtsadisten— ich kann nur sagen, daß mich bisher noch kaum etwas so erschüttert hat, wie die Geschichte des Primaners Lämmermann in Plauen. Nicht, als ob dabei das Mitleid mit der Person mich überwältigt hätte: das Opfer lebte in genau denselben Gedankengängen, wie seine Peiniger; nur, daß er in Geldsachen gewissenhafter war. Wenn zufällig ein anderer das Opfer gewesen wäre, hätte er vielleicht auch zu den Henkern gehört. So konnte er sich wohl über sein persönliches Unglück beklagen, nicht aber das System, aus dem es hervorwuchs, anklagen. Denn es war das, zu dem er selbst sich bekannte. Das Furchtbare, an dieser Sache ist, daß sie in ihrer Art typisch ist, daß si>- einen Ausschnitt aus dem Seelenleben des bürgerlichen Nachwuchses im heutigen Deutschland gibt. Nicht etwa eines ausnahmsweise verkommenen, eher eines in mancher Hinsicht besseren, noch gewissen idealistischen Regungen zugänglichen Teils dieser Gesellschaftsklasse. Zu den besser Strebenden des Bürgertums zähle ich sie. Nicht aus Eigennutz, der diese Kreise sonst durchseucht, handelten sie. Wohl auch nicht aus bloßer Freude an Menschenquälerei. Sie taten es allerdings in jugendlichem Uebereifer, verleitet durch einen Schurken von der Art der Golo und Jago, ohne zu wägen und nachzuprüfen. Aber ihr Wollen war im Grunde rein— wie sie es verstehen. Nach vollzogener Exekution hatten sie sicher das Bewußtsein, eine vaterländische Pflicht erfüllt zu haben, das sie unschwer durch kernige Zitate aus Hitler und Goebbels, ja aus Schiller, Fichte und Arndt hätten bekräftigen können. Das ist ja gerade das Grauenvollste an dieser Sache: die sittliche Verzerrung von Natur aus gesunder Charaktere. Treffend hat Martin Lampl einen Roman aus dem Kreise der Schwarzen Reichswehr und der Fememörder betitelt: «Verratene Jungen". Hier wurde ein furchtbares Verbrechen verübt: nicht von Berufsverbrechern, Zuhältern und sonst Vertierten aus der Hefe des Volkes, den Opfern der Wohnhöhlen und der Verzweiflung der Entwurzelten— nicht an einem besonders gehaßten Feinde: einem Marxisten, Juden oder Pazifisten, auf die man diese Armen jahrelang wie Bluthunde dressiert hat. Nein, von„wohlerzogenen", in mancher Hinsicht wohl ganz famosen Jungen aus„gebildeten" Kreisen, Jungen, die sich nicht nur in ihren Kreisen tadellos zu benehmen wissen und empfindsame Lieder mit echtem Gefühl singen, von denen so mancher unbedenklich sein Leben aufs Spiel setzen wird, um einen Ertrinkenden zu retten, und die fast alle bereit sind, ihr Leben unbedenklich dem „Vaterland" zu opfern, also sicher nicht von dem schlechteren Durchschnitt des deutschen Bürgertums. Und an wem? An einem aus den eigenen Reihen, einem, den sie bis zum selben Tag mit Recht als einen ihrer Besten angesehen, als einen Führer verehrt hatten, an einem Jungen, der wirklich auch, von ihrem Standpunkt aus gesehen, einer der Besten gewesen ist. Und warum? Weil man ihn bei ihnen verdächtigt hatte als Anhänger eines anderen, des Stabschefs Böhm, der bis dahin auch zu ihren Idealbildern gezählt hatte, nun aber beschuldigt war, ein Gegner Adolf Hitlers zu sein. Das genügte, um sie alle Wertschätzung und persönliche Treue vergessen, um sie einen scheußlichen Mord in besonders grausiger Weise begehen zu lassen. Würden sie glauben, die Treue zum Führer verlange die Abschlachtung der eigenen Eltern und Geschwister, die Mordbrennerei an ihrer Heimatstadt— ohne mit der Wimper zu zucken, würden sie ihre ganze Sippe, würden sie Tausende unschuldiger Menschen opfern. Und sie würden sich dabei als Helden strenger vaterländischer Pflichterfüllung erscheinen. Daß sie dabei in der Ausführung unsäglich roh und gemein verfahren sind, auch das hebt diese Untat ins Zeitgeschichtliche Der Faschismus begnügt sich nicht, zu morden. Er quält zu Tode. Wobei es sachlich keinen Unterschied macht, ob bei der„Abreibung", die da unternommen wurde, schon von vorn herein der tödliche Ausgang vorgesehen war. Audi der„versöhnende" Schluß, das glänzende Leichengepränge, sogar mit dem Kranz des Führers, ändert am Wesen der Sache nichts. Gewiß, es hat sich ausnahmsweise einmal die gemein-persönliche Grundlage eines dieser «politischen" Morde enthüllt und. dank der Energie und der guten Beziehungen der Mutter, zur Rehabilitierung des„Gerichteten" geführt. Die Mutter durfte ihrem Stolz auf den Sohn Ausdruck geben, der..gern sein Leben für das Vaterland und die Bewegung gab", d. h. sich von seinesgleichen grundlos totmartern ließ,„seinem Führer getreu bis zum Tode": dem Manne, der diese Krankheit der bürgerlichen Jugend zur Siedehitze gesteigert, der den Kult und die Praxis des Tötens zur Sache des Vaterlandes gemacht hat. Aber man denke nur einen Augenblick weiter. Denke, der Erschlagene hätte wirklich— auch aus den reinsten Motiven ■— auf der Seite Böhms gegen den Führer gestanden: dann wäre die Mordtat, gleichviel, aus welchen Gründen herbeigeführt,„rechtens" gewesen. Keine Vereine mit Fahnen, keine Jugendkameraden hätten dem Toten gehuldigt. Selbst die eigene Mutter würde ihn, getreu dem Führer bis zumTode, Preisgegeben haben. Wie die Kinder Gregor Strassers, die trotz allem zum Führer, dem Mörder ihre« Vater«, schwören. Jedes natürlich menschliche Empfinden ist doch ausgelöscht. Was tief unten die soziale Zerrüttung tut, das vollbringt hier eine zielbewußte„nationale Erziehung". Das ist es, was diesen Einzelfall in« Typische erhebt, was ihn kennzeichnend macht für den Geisteszustand dieser ganzen Jugend und der Bildung, deren Opfer sie ist. Sie sind zu bezeichnen als politischer Fanatismus ohne Grenzen und, soweit er in Frage kommt, völlige Gleichgültigkeit gegen sittliche Gebote und menschliches Gefühl. So sehr das Hitlertum mit seiner Führerclique von Abenteurern, Gaunern und Sadisten diese gefährlichen Instinkte noch in« Gemeinste ver- zerrt und auf die Spitze getrieben hat, so wenig kann man in ihm doch die Quelle dieser ganzen Geistesrichtung sehen, deren äußerster und unsauberster Ausdruck e« ist. Diese Quelle liegt viel weiter zurück. Es ist die, vornehmlich im Offizierskorps und im höheren Lehrerstand verkörperte und seit 1871 in ein„geistiges" System gebrachte Erziehung zum preußischen Militarismus, für den der Krieg der Normalzustand ist. Dazu kamen seit Wilhelm II. die alldeutsch- geopolitischen Welteroberungsziele, die ihre wirtschaftlichen Grundlagen im Herrschaftsstreben der Schwerindustrie und der Großbanken haben. Das ist, vermengt mit Rassenromantik und mißdeuteten Darwinschen und Nietzscheschen Welt- anschauungsbrocken, schließlich mit den entsittlichenden Wirkungen des Weltkrieges und der Freikoi ps-Verlotterung der erzichung und Massensuggestion höchst wirksam gemachte innere Kern eines Geisteszustandes, der heute die Welt in Schrecken setzt, sie mit Angst, wenn auch nicht vor einem deutschen Siege, wohl aber vor einem von diesem Deutsch- geistig überaus dürftige, aber durch planmäßige Jugendland ausgehenden neuen Weltkrieg erfüllt. Das ist das Kennzeichnende für den Geist dieses heute vorherrschenden Teils des deutschen Volkes, daß, im Gegensatz zu anderen, gesitteten Menschenkreisen, der Gedanke an den Krieg für ihn nicht mit Schrecken, sondern mit Reiz verbunden ist, daß kein anderes Bedenken als da«, ob auch zureichende Aussicht auf Sieg vorhanden ist, ihn vom Kriege zurückhält. Und wenn immer wieder die Ungerechtigkeit des Ver- sailler Frieden« dafür als Vorwand dienen muß, so sei daran erinnert, mit welcher Unbekümmertheit schon in der letzten Zeit des Weltkriege«, als man wohl noch an einen Sieg, aber doch nicht mehr an die Erreichung aller ausschweifenden alldeutschen Kriegsziele glaubte, vom„nächsten Weltkrieg" gesprochen und geschrieben wurde. Wie der Gedanke an den „Scheidemaeinsehen Schmachfrieden", einen Frieden ohne Verluste und ohne Eroberungen, mit wilder Empörung zurückgewiesen wurde. Man vergleiche den chauvinistischen deutschen Lehrstand mit dem pazifistisch wirkenden Frankreichs! Ich entsinne mich noch gut, welche Rolle in den siebziger und achtziger Jahren, also nach einem sieg- und erfolgreichen Kriege, in den Schulen die unter ganz anderen Umständen zur Zeit Napoleons I. entstandene Kriegspoesie gespielt hat, wie Jahrzehnte lang der Sedantag durch Feiern und Höhenfeuern begangen wurde. Ein ganz unpolitisches, viel früher entstandenes Jugendfest meiner Heimatstadt wurde auf den 2. September verlegt und damit kriegspatriotisch abgestempelt. Die„Nationaldenkmäler" auf dem Niederwald(1883) und bei Leipzig(1913) waren Schlachtenerinnerungen. Alle entsetzlichen Greuel der Kriege haben nicht abschreckend gewirkt. Die Jugend wird in einem Geiste erzogen, der sie vorbereitet, unbedenklich zu sterben, vorher aber und viel lieber noch unbedenklich zu töten. Ich weiß natürlich wohl, daß auch in anderen Völkern der grundsätzliche Pazifismus nur von Minderheiten vertreten wird. Aber nirgends ist der Glaube an den Krieg als ein wertolles Stück Weltordnung so ins System gebracht, nirgends auch sind die Zazifisten so verachtet und verfemt wie in diesem nationalsozialistischen Deutschland. Diese Denkart, die vornehmlich in den höheren Schulen und Hochschulen ihren Sitz hat, die einen Rest des altgermanischen Berserker« mit modern geschäftsmäßigen Weltwirt- schaftsbeherrschungsplänen und der haßvollen Erinnerung an den verlorenen Weltkrieg und seine Folgen verquirlt, wird wesentlich durch zwei Gedankengänge gekennzeichnet. Einmal die militärisch blinde Unterordnung nnteV die Hierarchie der Vorgesetzten, die in Hitlers„Autorität nach unten— Verantwortung nach oben" ihre präzise Formel gefunden hat und das Volk der Denker immer mehr in eine Horde von Lakaien und Schwachköpfen umwandielt. Dann der völlige Mangel an sittlichen Maßstäben In der Politik. Der Zweck, d.>. das, was man dort unter„Vaterland" versteht, heiligt die Mittel. Recht ist. was„Deutschland" nutzt. Verschlimmert wurde diese sittliche Zersetzung tlttrch den zügellosen Haß der Bourgeosie und ihrer Anhängsel gegen die sozialistische Arbeiterschaft, deren zahmste Aufbauarbeit früher schon gehässig sabotiert, nach dem„Erwachen" aber radikal ausgerottet wurde und schließlich besonders durch die verheerenden Einflüsse des Lumpengesindels von oben bis unten, das im Nationalsozialismus aus den Kloaken an die Höhe der Gesellschaft geschwemmt wurde, ohne die Kloake zu vergessen. All das hat einen Geisteszustand der bevorzugten Schichten geschaffen, der für Deutschland ein furchtbare« Unglück, für die ganze Welt eine ungeburtf" Gefahr ist. So entschieden in früheren Jahren Sozialismus, Demokratie und Pazifismus für die Gleichberechtigung jdes deutschen Volke» auf allen Gebieten eingetreten i äind<^- beute muß sagen, daß einem so geführten Voike Gleicftbttrtuhtigung der Bewaffnung so wenig zugeständen werden-därf, wie die Freiheit dem Wolfe oder die Waffe dem Gangster,-oder Irrsinnigen. Auch hier wird die unausweichliche Notwendigkeit des Selbstschutzes der anderen dem deutschen Volk* eine internationale Stellung aufzwingen, tief unter der„entehrten" der Schandrepublik.>c Für die Sozialisten aber, die sich vorbereiten, das Dritte Reich zu stürzen, und ein besseres aufzubauen, ergibt sich die zwingende Folgerung. D iese bürgerliche. Jugend muß von jedem Einfluß auf Staat und Gesellschaft ausgeschlossen werden. Lieber einige Jahre, bis besserer Nachwuchs da ist, alle Verlegenheit ertragen! Die Führung des Volkes muß aus den Händen der sittlich Verwahrlosten, der Feinde und Bedrücker de* Volkes genommen werden. Radikal und für immed Pariser Berichte ßrlands Freundin gestorben Dieser Tage ist in einem kleinen Dorf der Normandie Jeanne Nauteau, die Lebensgefährtin Briands, gestorben, Sie hatte nach dem Tode des großen Staatsmannes einsam lind verlassen gelebt, in stetem Kampfe mit den Erben Briands, die sieh weigerten, die ihr von Briand zugesicherte Rente auszuzahlen. Die Lebensgeschichte dieser Frau ist eng verwachsen mit der Laufbahn des berühmten Politikers Briand. Sie, die Tochter eines Großindustriellen und Gattin eines Ingenieurs, hatte im Alter von 20 Jahren in St. Nazairc, ihrer Vaterstadt, den Studenten der Rechte, Aristide Briand, kennen gelernt. Das enge Freundschaftsverhältnis der beiden wuchs in den Augen der Bürger der kleinen Stadt bald zum öffentlichen Aerger aus und man verfolgte Briand auch mit den Gerichten. Aber Jeanne verließ ihren Gatten, das behagliche Leben des Wohlstandes, und folgte dem armen Studenten nach Paris. In seinen schweren Jahren, wo er um den Erfolg rang, war sie ihm stets die unerläßliche Hilfe. Als Briand 1906 zum erstenmal Minister wurde, blieb Jeanne weiter an seiner Seite. Neben den großen Ereignissen, an denen Briand aktiv beteiligt war, lebte seine Liebe zu Jeanne Nauteau wie ein zartes Idyll. Eine Haarlocke der Geliebten, die Briand stets auf seinem Herzen trug, wurde auf seinen Wunsch mit seiner sterblichen Hülle eingeäschert. Amq Mollison Die erste Frau, die als Pilotin eines Verkehrsflugzeuges angestellt ist und auf der Linie London—Paris Dienst tut, ist Amy Mollison. Sie ist mit einem Flugzeug der Luftverkehrsgesellschaft„Hillman" Donnerstag morgen im Flughafen Le Bourget bei Paris mit acht Passagieren gelandet. Amy Mollison ist eine bekannte Fliegerin, sie hat den Atlantischen Ozean im Flugzeug überquert; sie hat den Weltrekord auf der Fahrt England—Australien geschlagen und sie hat ihre Stellung bei der Flugverkehrsgesellschaft angenommen, weil sie den dauernden Pilotendienst als bestes Trainingsmittel ansieht. Denn sie will demnächst wieder von London nach Melbourne fliegen. „Ilallencourl"- enthüll! Es gibt kein Rätsel Hallencourt mehr. Denn Donnerstag, gegen Morgen, hat der Stallknecht Hecht, der die Pferde des Herrn Ramella bei ihrer Ankunft in Maiaon-Lafittv in Empfang nahm und pflegte, den Behörden den Schwindel, der gemacht worden war, aufgedeckt. Und Herr Andre Mary, der ja als Besitzer von Hallencourt auf der Rennliste figurierte und selbst als Jockey geritten sein sollte, gestand, was geschehen war. Die ganze Geschichte wurde im sonnigen Süden ausgeheckt. Herr Mary, ein hübscher, junger, eleganter Mensch, ist so reich, daß er ganz seinen Neigungen leben kann. Und diese Neigungen galten in erster Linie jeder Art von Sport. Er bewegte sich mit Vorliebe in Sportkreisen und verkehrte gern mit solchen, die den Sport zum Beruf erwählt hatten. So war er entzückt, als ihm eines Tages der Fußballspieler Villaplane vorschlug, doch ein Pferd zu kaufen und es im Rennen laufen zu lassen. Das war doch etwas Exklusives! Nun gibt es gewisse Kreise, die, wie andere von Ruhm träumen, sich an Kombinationen berauschen. Zu diesen Kreisen gehörte auch Mary, dem es das Natürlichste von der Welt schien, als seine„Freunde'" ihm den Kauf von Hallencourt vorschlugen, der unbedingt gewinnen müsse. Er bedachte nicht, daß der Schwindel, den seine Freunde inszenierten, ihn ins Gefängnis bringen mußte. Diese Freunde machten ihm klar, daß es das Natürlichste von der Welt wäre, wenn ein junger, etwas snobistischer Mann selbst den Jockey spiele. Und dieser Jockey könnte ja dann ein x-beliebiges Pferd unter dem Namen Hallencourt reiten. Mary ging auf den Vorschlag ein. Die Schwindler aber hatten im letzten Augenblick Angst, daß Mary, der ja noch niemals Jockey gewesen war, die Sache vielleicht verpatzen könnte. Und so tauschten sie nicht nur das Pferd, sondern auch den Jockey aus. Ramella, der Hauptbeteiligte an dem Schwindel, ein gewandter Jockey, wurde in die gleichen Farben wie Mary gekleidet und er verbarg sich im Pferdestall; als nun die Nummer für Hallencourt gezogen wurde, ging zwar der Jockey Mary in den Stall hinein, um sein Pferd zu holen, aber mit dem Pferd auf der Bahn erschien der Jockey Ramella. Er gewann und brachte sein Pferd in den Stall zurück. Mary aber hatte einen Dauerlauf um die Ställe gemacht und er erschien nun atemlos, wie ein Jockey, der tatsächlich geritten war, vor den Renn- Behörden. Nur dadurch, daß Mary sportbegeistert, unerfahren und snobistisch war, konnten die Betrüger ihren Coup mit solcher Sicherheit starten und viele Hunderttausende einheimsen. Jetzt aber werden sie ihre verdiente Strafe bekommen. Krebs heilbar Eine sensationelle Entdeckung Die furchtbarste Geißel der Menschheit ist der Krebs. In Frankreich allein sterben alljährlich 40 000 Menschen an dieser entsetzlichen Krankheit, um deren Bekämpfung sich die größten medizinischen und naturwissenschaftlichen Gelehrten bisher vergeblich bemühten. Jetzt kommt aus Brasilien die Kunde, daß es dein Physiologieprofessor Azorio de Alme i d a, der auch in Frankreich kein Unbekannter ist und auch schon an der Sorbonne gelesen hat, gelungen ist, nach jahrelangen Forschungen und Versuchen ein Mittel zu entdecken, das den Krebs heilt und das allen bisherigen Heilmethoden entgegengesetzt ist. Krebsgewebe, das nämlich, dies ist die Entdeckung von Almeida, Sauerstoff unter Druck ausgesetzt wird, wird vollkommen zerstört. Krebszellen der kleinsten Lebewesen werden bei Anwendung dieser Methode gleichfalls völlig vernichtet. Auf dieser Grundlage beruht die Heilmethode Professor Almeidas. Paul Bert hatte früher bewiesen, daß kein Lebewesen in einer unter Druck gesetzten Sauerstoffatmosphäre leben könne. Almeida gebührt das Verdienst, entdeckt zu haben, daß unter gewissen veränderten Lebensbedingungen Mensch BRIEFKASTEN Das Neue Tage-Buch Herausgeber: Leopold Schwarzschild Nr. 33 toaban artchianan PREIS 3 FRANCS SRERRMARK Hypotheken, Immobilien, Pfandbriefe, Grundschuldbriefe werden in jeder Höhe sofort bar ausbezahlt. Anfragen unter C. M. an die „Deutsche Freiheit" Saarbrücken EILTI EILT I und Tier sehr wohl in solcher Atmosphäre leben können. Und das Wunder dabei ist, daß der unter Druck gesetzte Sauerstoff dann die Krebsgewebe gänzlich zerstört, ohne die anderen Zellen des Organismus auch nur im geringsten anzugreifen. Seit zwei Jahren beschäftigt sich Almeida mit den Versuchen in dieser Richtung und sie sind immer geglückt. Jetzt ist er dazu übergegangen, seine Methode auch bei Menschen anzuwenden. Der Erfolg war in jedem Falle die Zerstörung des Krebsgewebes; es blieb nur eine blutende Höhlung übrig. Man braucht wohl nicht erst die ungeheure Wichtigkeit dieser Entdeckung zu unterstreichen angesichts der Tatsache, welches Unglück diese schreckliche Krankheit schon über die Welt gebracht hat, die jetzt hoffentlich dank des Professors Almeida ihre Schrecken verlieren dürfte. „t>räl|Iid) Pfalz.- Ihnen verdanken wir einen Aufsatz au? der „Pirmasenser Zeitung" vom 18. August, der so schön ist, daß man ihn wörtlich geniegen muß:„Seitdem Reichskanzler Adolf Hitler die Geschicke des Reiches lenkt, ist Sicherheit und ruhige Entwicklung■ an die Stelle von Arbeitslosigkeit und wirtschaftliche« Niedergang getreten. Nur allzu schnell vergißt unser« raschlebige Zeit, wie eS vordem war. Wer z. B. nur etivaS über zehn Jahre in Zeilungs- bänden zurückschlägt, kann sich vom Aufstieg unserer Tage eindruckS» voll überzeugen. SS waren die Tage der Inflation, die damals daS deutsche Votk bedruckten. Im Monat Oktober deS Jahres 1923 machten z. B. die greie Bauernschaft und der Pfälzer Bauernbund bekannt, daß ein Liter Vollmilch ad Stall 410 Millionen Mark kostete. In der Grenzstadt Zweibrücken kosteten damals ein Paar Wecke 6 Millionen Mark, drei Psund Kreibrot 70 Millionen, zwei Psund Markenbrol 18 Millionen, ein Psund«rotmehl 9 Millionen. Tie Papiermark sank aber immer mehr. Bereits am 22. Oktober betrug der Preis für drei Pfund Brot 8 TjO Millionen Mark, für ein Pfund Brotmehl 110 Millionen. Das städtische VersicherungSamt Zweibrücken hatte am 1. Oktober 1923 den Ortslohn sür Männer über 21 Jahre auf 141 Millionen täglich festgesetzt. Tie Aominkehr- löhne betrugen bei einem einstöckigen Gebäude 800 Millionen, für jedes weitere Stockwerk 409 Millionen mehr. In der Abtesezeit vom 9. bis 19. Oktober war für eine Kilowattstunde Lichtstrom der Betrag von<9 Millionen Mark an die städtische Elektrizitäts» Versorgung zu entrichten. Am 11. Oktober kostete ein Liter Bier 91 Millionen, vrportbier sogar 89 Millionen Mark. Später ging es noch in die Milliarden und Billionen, ein möbliertes Zimmer 1. Klage war im Oktober mit 80 Milliarden zu bezahlen. Wer sich diese Zustände ins Gedächtnis zurückruft, erkennt erst die Groß- tat des Kührers, der mit starker Hand das Reich vom Abgrund zurückgerigen hat und mit allen Kräften verhindert, daß solche Zeiten jemals wiederkehren." Tie Beendigung der Inflation ist also die einzige„Großtat", die man dem„Kührer" andichten kann. Jeder Idiot könnte wißen. daß die Stabilisierung der Mark neun Jahre vor der Machtergreifung Hitlers ersolgt ist. Er hat damals durch seinen verrückten Bürger- bräukeller-Putsch alles getan, um die deutsche Wirtschaft und die deutsche ReichSeinheit vollkommen zu vernichten, und jetzt steuert er mit Volldampf in eine neue Inflation hinein. „Saarländische Leserin." Sie übersenden uns, leider sehr ver- spätet, eine Seite des NaziblatteS von Kaiserslautern mit einem Vortrage eines Pg. Dietrich. Ter Mann ließ sich also vernehmen: „Dabei ist f e st zu st eilen, daß wir Ziationalsozia- listen das deutsche Volk erst zu Kritik erzogen haben. Aber diese Kritik soll nicht in solch unsachlicher und unzweckmäßiger Weise geübt werden, wie dies heute geschieht. Jede Kritik, die nicht an der richtigen Stelle angebracht wird, ist Verrat am Nationalsozialismus. Jeder K o n j u n k t u r p o l i t i k e r und jeder, der glaubt, innerhalb der NsD.lV Opposition treiben zu können, möge sich das Schicksal eines Ernst Röhm vor Augen halten.' — Demnach: Kritik ist notwendig. Wer aber kritisiert, wird er- schössen. Westsale. Tie teilen uns mit, daß die Bezirkspolizei von ArnZ- berg eine Sonderverordnung herausgegeben hat, in der allen jüdischen Jugendorganisationen verboten wird, zu„jagen, zu mar- schieren und zu kampieren". Auch das Tragen von Uniformen und das Mitführen von Kähnen und Wimpeln wurde den jüdischen Jugendorganisationen unter Androhung von Strafen verboten. Gestattet wurde ihnen lediglich sportliche Betätigung in ge- schlössen«» Räumen. Von dieser Verfügung wurden etwa 1090 jüdische Jugendliche betroffen. AUS DEM INHALTi Dia Wodia Ein kathollsdior Appoll Dar Gott, dar Immar noch Elian wachsen ISsst Dia Pöpalalan das Harm lasarslaln V Dia Rebellion dar Stlmman- zlhlar LEOPOLD SCHWARZSCHILD: Dia Urkundan-FAIschung Das Tastamant Adolf Hltlars WILLSON WOODSIDE: Elna Wal« gegen uns ERICH ANDERMANN: Japan zwl- schan Mikado und Marx Walther Roda Literatur Miniaturen Inseriert IN der „Deutschen Krecheit" Englischer Prolest gegen den Nazi-Terror ■PHP Ein Drlel an die„Times" J. H. Die Leser der„DK." kennen den jüngsten Appell der „Times", die am 11. August schrieb:„Nichts wäre geeigneter, der Reichsregierung die Schätzung des Auslandes, die sie ver- wirkt hat, zurückzugewinnen, als die Preisgabe oder Milde- rung der scheußlichen Methoden, die sie zur Unterdrückung politischer Diskussion und zur Bestrafung politischer Gegner anwendet." Dieser«atz veranlaßt? die Gattin des rumä- Nischen Diplomaten Fürst Anton Bibeseo zu einem Briet an die„Times", der am 16. August veröffentlicht wurde. Elizabeth Bibeseo ist eine Tochter von Lord Orford und Asquith, des ehemaligen britischen Premierministers Asquith und Führers der Liberalen Partei, selbst eine bekannte Schriftstellerin und eine der angesehensten Damen der eng- lischen Gesellschaft. Wenn die„Times" die Unterdrückung politischer Diskussion und die Bestrafung politischer Gegner erwähnt, so müßten— schreibt Elizabeth Bibeseo— dem Wort„politisch" noch die Worte„religiös" und„g e i st i g" hinzugefügt werden: „Tie Weltmeinung— und nur die Weltmeinung— kann den nötigen Druck ausüben. Ter Mobilisierung öffentlicher Em- pörung stehen zwei Hindernisse entgegen: die moralische Faulheit derjenigen, die nimt ausgerüttelt werden wollen, und die ganz natürliche Unfähigkeit jedes normalen an- ständigen Menschen, an die Auferstehung mittelalterlicher Barbarei zu glauben. Das Naziregime profitiert von der Tatsache, daß seine Grau- samkeiten die Grenzen der Glaubhaftigkeit überschreiten. Wenn ich einzelne Fälle— Beispiele, nicht Ausnahmen— erwähne, so geschieht es> weil allgemein gehaltene Er- klärnngen das Vorstellungsvermögen einlullen. Herr Torgler bildet in der Regel sür die politischen Führer eine Ausnahme, denn er ist vor Gericht gestellt und— nebenbei^ freigesprochen worden. Herrn Neubauer und Herrn-ihm- mann wurde dieses zweifelhafte Vorrecht nicht zuteil. Herr von O>nictzky. der für den Friedenö-Nobelpreis vorgeschlagen ist, wird in einem Konzentrationslager langsam zu Tode gemartert. Die Nachrichten über Herrn Ludwig Renn jvon Golßenau» sind erschreckend. Aber diese hervorragenden Männer brauchen dem englischen Publikum nicht vorgestellt zu werden. Der übliche Fall eines weniger bekannten Mannes wird Ihre Leser interessieren." Elizabeth Bibeseo berichtet dann ausführlich über Rechts- anwalt Litten, der fvgl. den Leitartikel„Gefangene als An- Häger" in der„TF." vom 16. August) entsetzlich mißhandelt, von Staatsanwalt Mittelbach in das„rettende" Gefängnis Moabit überführt, nach Bestrafung Mittelbachs ins Konzen- trationslagcr zurückgeschafft wurde und seither verschwunden ist Unter Anspielung auf die deutsche militäramtliche Aus- drucksweise während deS Unterseebootkriegs schließt Eliza- beth Bibeseo mit dem Tatze:„Im Frieden hat Deutschland der Wendung„spurlos versenkt" eine neue Bedeutung ge- geben." Fllr den Gesomtinhalt verantwortlich: Johann P t tz tn Dud« weiter: sür Inserate: Otto Kuhn tn Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Volksstimme GmbH„ S-arblllcken A Schützenstraße 6.— Schließsach 770 Saarbrücken. Die interessanteste Schrift des Tages: c TCüfocmsF Von KLAUS BREDOW Fragen Sie in den Kiosken und Buchhandlungen nach. Falls die Broschüre am Ort nicht zu haben ist, liefert die Buchhandlung der„Volksstimme", Saarbrücken, Bahnho f straße 32, gegen Voreinsendung von 3,90 französischen Franken auf das Postscheckkonto Saarbrücken Nr. 619 Verlag der„Volksstimme", Saarbrücken c