"iW/9 i Sinzige unabhängige Tageszeitung ventlchlands Nr. 198— 2. Jahrgang Saarbrücken, Dienstag, 28. August 1934 Chefredakteur: M. B r a u n Qe wattige HceiPieUskundge&uttg. an dec Saatf Seite 3 Adolf der Fromme Unsere Antwort auf die Rede von Ehrenbreitstein lind immer wir! Bekanntlich sind wir paar Emigranten im Saargediet stanz einflußlose Leute, die lächerlichen Zielen nachjagen. Es ist deshalb kaum zu begreifen, daß kein national- sozialistischer Würdenträger zu einer Rede den Mund offnen kann, ohne sich in Wut und Haß gegen uns zu äußern. Am Sonntag haben wieder fünf Prominente der Prominentesten des„dritten Reichs" gegen uns gedonnert, soweit uns bekannt geworden ist. Vermutlich wird auch Noch in allen anderen nationalsozialistischen Massen- Meetings, über die wir keine Berichte gelesen haben, das »landfremde Gesindel an der Saar" hergenommen worden sein. Und das alles wegen ein paar„marxistischen Deser- teuren" und„jüdischen Volkszersetzern"! In Köln hat in Gegenwart des großen„Führers" «er Reichspropagandaminister„mit Entrüstung" geschimpft auf„die nichtswürdige Kumpanei" von„land- und volks- fremden Emigranten an der Saar", auf uns„asoziale und Wurzellose Existenzen", die sich der deutschen Sprache be- dienen. um dem Abbruch zu tun. was Herr Goebbels im ^eg-nsatz zu uns unter„deutscher Ehre" versteht. Der saarländischen Regierungskommission sprach er seine aller- höchste Unzufriedenheit aus, weil sie zu schlapp ist, um so etwas wie einen saarländischen 30. Juni zu veranstalten oder i K wenigstens zuzulassen. In Breslau hat der Dr. Ley, dem wir. wie allen Alkoholikern, allerdings stets mildernde Umstände zu- billigen, uns wieder einmal„Lumpen und Schufte" ge- Nannt. Wir sind ihm stets dankbar, daß er sich so unzwei- deutig von uns zu distanzieren pflegt. Auf der Saarkundgebung in Ehrenbreit- i n. wo alle Welt zuhörte, drückte man sich gebildeter aus, ?rer auch da konnte keiner das Wort nehmen, ohne daß er über die Rheinhöhen hinweg auf seine Art zu uns nach «aarbrücken herüber schrie. Der Führer selbst gelobte nur, uoß er„trotz unserer Emigranten" siegen werde. Da ist weiter nichts übel zu nehmen. Peinlich fühlen wir uns Nur berührt, wenn ein Landfremder, der auf böhmischer Erde aus tschechischem Blut erwachsen ist, so ohne weiteres uns Deutsche, deren Vorfahren schon vor einem halben Jahrtausend als freie Bauern deutsche Erde bebaut haben, °j 5»unser" anzusprechen sich erlaubt. Wir finden das "was zu vertraulich... Tie anderen Redner in Ehrenbreitstein gingen natürlich anders los. Der Staatsrat Simon sieht„in jenen Enn- Krauten und Separatisten" vor allen Dingen„Verräter an °°N Gefallenen des Weltkrieges". Der neue Saar- "Ommissar Staatsrat und Gauleiter Bürckel nennt uns ..vaterlandslose Spekulanten". Uebersehen und übergehen '"NN uns keiner. ...Mit Erstaunen wird die Welt einen vermißt haben, der für die Saarkundgebung am Rhein als Redr^r g hunbigt war- der Vizekanzler a. D. von Papen.^ÄÄner und bevollmächtigter Minister in Oesterreich- Er ist leider plötzlich so schwer erkrankt, daß er die kleine^iibbe- ?ueme Fahrt von seinem Gute Wallerfangen bei Saar- Ducken nach Koblenz nicht machen konnte. Bis zum «onntag selbst war von dieser anscheinend lebensgefahr- bchen Erkrankung— denn sonst hätte sich der Saarlander »an Popen gewiß die Beteiligung am großen Treueschwur "'El* nehmen lassen— nichts bekannt. Erst am Montag ^fohrt man den gesundheitlichen Zusammenbruch des ^errn von Baven. Vielleicht wird lick sein Zustand wieder ....V«.. uc|uuwi /iiU4m;vii v)—!~*T/*~"L 7■ vi v ^errn von Papen. Vielleicht wird sich sein Zustand wieder ih' wenn erst die Zähne ersetzt werden konnten, die N am 30. Juni von Parteigenoss "Uhrers ausgeschlagen worden sind. m on-v"...—• Die"*»""^uelmillgen worocn|wiu. duschte ,5 H'slers in Ehrenbreitstein war banal und ent- ^rwarte»^ ö' e außenpolitisch irgendwelche Erklärungen wiede^^-® lr nehmen uns die Rede nur vor, um auch^r'Nmal die Oberflächlichkeit und die Haltlosigkeit, Sauvtei» demagogische Unehrlichkeit aufzuzeigen, die Deutscht Nschaften des sogenannten Führers aller s£hic worfe- Seine Werbe ^ 0 arb5»'ft r um die in ihrer großen Mehrheit katholische el'rtii»t.'""K wirbt, hat er es diesmal sehr mit der te l'Öicic 9t> Er mahlte eine Formulierung, die jeder Mensch, glxjch zvclcher Konsession. entschieden ablehnen wird:„Wir haben bloß eine reinliche Trennung durch- gesiihrt zwischen oer Politik, die sich mit irdischen Dingen beschäftigt, und der R e l i g i o n, die sich mit über- irdischen Dingen beschästigen muß." Jede Religion er- hebt den Anspruch, alle Beziehungen des mensch- lichen Lebens zu durchdringen, was nicht zu hindern braucht, daß gerade tiesreligiöse Menschen eine saubere gesetzliche Trennung von Kirche und Staat wünschen. Gerade diese Trennung aber hat Hitler nicht durchgeführt. Ter Reichsbischos der evangelischen Kirche fühlt sich als Be- auttragter des sehr irdischen totalitären Staates der Ratio- nalsozialisten. Hitler, der mit einer landläufigen platten Phrase der Religion nnr„überirdische Dinge" zuweist, reserviert den Kirchen aber dennoch so irdische Dinge wie Kirchensteuern mit dem Gerichtsvollzieher nnd staatliche Subventionen von vielen Millionen Reichsmark für Pfarrcrgehälter und Psarrerpeustonen. Die volle Unterwerfung der„überirdischen" Religion unter den faschistischen Staat ist überhaupt erst die Voraussetzung dafür, daß die Kirchen toleriert werden. Das scheinen uns sehr irdische Geschäfte zu sein. Da der Reichskanzler durchaus als positiver Ehrist beivertet sein will, fordert er als Katho- lik einige Fragen heraus. Wann hat der angeblich so treue Sohn der katholischen Kirche zum letzten Male seine kirch- lichen Pflichten erfüllt? Wann etwa zum letzten Male kom- muniziert? Wann und wo hat er über den blutigen, mörderischen Sil. Juni gebeichtet und ist ihm das tröstliche ob,«Ivo te ans priesterlichem Munde gesprochen worden? Auch für die Ermordung der Katholikenführer Klausener und Probst, seiner als Märtyrer durch Beauftragte des katho- lischen Reichskanzlers„gerichtete" Glaubensgenossen? Wurde der Katholik Hitler auch absolviert für die wider strenge katholische Gebote durch seine Mietlinge erfolgte Einäsche- rung der Ermordeten? Ober gelten für den sogenannten Führer aller Deutschen besondere kirchliche Gesetze? Es wäre eine Beleidigung des Heiligen Vaters, das anzu- nehmen. Der Katholik Hitler untersteht also den Gesetzen seiner Kirche. Wenn er mit frommem Augenausschlag uns religiöse Predigten halten will, fragen wir ihn: Wie steht es mit der Erfüllung Deiner religiösen Pflichten? Wir sehen so eifrigen positiven Christen wie Hitler und Goebbels, der nach den Geboten der katholischen Kirche in Todsünde lebt, nicht nur aus den Mnnd, sondern aus die Hände, und die zeigen nicht erst seit dem 30. Juni Spuren, die mit keinerlei reltgiöscn Anschauungen zu vereinbaren sind. Aspirationen aus die Heiligsprechung scheinen uns weder Hitler noch Goebbels noch andere„Katholiken" der national- sozialistischen Führer erheben zu können. Uns scheint viel- mehr, daß ihnen die ewige Verdammnis sicher ist. Hat nicht der Katholik Hitler den erklärten Todfeind des Katholizis- mus Rosenberg zum obersten Lehrer der nationalsozialisti- scheu„Weltanschauung" gemacht. Diesen Rosenberg, der in seinem überall in deutschen Schulen als Erziehungsgrundlage benutzten Buche„Ter Mythos des 20. Jahrhunderts" die katholischen Lehren aus eine Stufe setzt mit dem Wunderglauben von Kannibalen und den Papst nicht höher einschätzt als die„Medizinmänner" der Primitiven. Der Herr katholische Reichskanzler unterschätzt die wirk- lichen Katholiken in ihrer Urteilskrast doch sehr bedenklich, wenn er sie mit einigen rednerischen Formeln beruhigen will, die nichts anderes sind als längst überholte liberale Seicht- beutcleien. Ner„Führer aller Deutschen" gab sich dann etliche Mühe, den Gratis-Rheinreisenden auch einiges von den herrlichen Zeiten zu erzählen, in die e» das deutsche Volk teils schon tief hineingeführt hat und noch immer tiefer hineinzuführen bestrebt ist. Mit so„irdischen" Tingen wie Handels-, Zah- lungs- und Devisenbilanz beschäftigte er sich dabei nicht. Er wir viel zu rücksichtsvoll, den guten Leuten die fröhliche Rheinlaune zu verderben. Dennoch war er so unvorsichtig, an zwei Stellen seiner Rede aus seinem überirdischen Himmelslug in der irdischen Wirklichkeit vorübergehend zu landen. Zunächst bei der Kriminalstatistik. Er berichtete, daß weniger Kriminelle gezählt werden als früher. DaS ist die lautere Wahrheit. Die Kriminalistik ist gründlich gesäubert, weil sie die i» der SS. und in der SA. tätigen Kriminellen nicht erfassen kann. Seit dem 30. Januar 1933 sind in Deutschland Hundert» taufende Spitzbuben, Desraudanten, Sittlichkcitsverbrecher, Verleumder, Einbrecher. Totschläger und Mörder straffrei geblieben, weil sie der Partei des deutschen Reichskanzlers angehörten, weil ihre Untaten nachträglich für„rechtens" erklärt oder im Uebercifer für den nationalistische« Staat geschehen amnestiert wurden. Wir sind bereit, für diese Behauptung vor jedem gleichge- schaltete» Nicht» im Sagrgehiet de».Beweis der Wahrheit Warum Papen iiitiif spradi Auf einen Wink Frankreichs Paris, 28. August. Wie wir aus diplomatischen Kreisen hören, hat die Tat« fache, daß Herr von Papen als Redner in Ehrenbreitstein genannt wurde, hier außerordentliche Verwunderung erregt. Wenn man auch Herrn von Popen das Recht zubilligt, an dieser Veranstaltung teilzunehmen, so kann man doch nicht begreifen, wie er es mit seiner Stellung als deutscher Gesandter in Wien, also einer rein diplomatischen Mission, vereinbaren könnte, bei einer rein politischen Knndgcbung, die noch dazu in erheblichem Maße gegen Frankreich gerichtet sei, sich rednerisch zu betätigen. Wladimir d'Ormesson sprach im„Figaro" in diesem Zusammenhang von einer„diploma- tischen Unart". Wenn ein Diplomat, so sagt er, bei einer Propagandakundgebnng als Redner austrete, so sei das ein Abweichen von den diplomatischen Bräuch-m das man«n- möglich dulden könne. Papens Austreten als Redner in Ehrenbreitstein sei nicht als Sondersall zn betrachten. Es handele sich um ein Prinzip. Die französische Regierung sollte keine Zeit verlieren, um in Berlin und in den andern ausländische« Hauptstädten wissen zu lassen, daß sie in der offiziellen Teilnahme des deutschen Gesandten in Oesterreich an der Propagandakund, gebung in Koblenz ein Abweichen von den grund- sätzlich st en diplomatischen Sitten sehe, und daß dieses Vorgehen sehr schnell internationale Auseinander- setzungen nach sich ziehen würde. Ein solcher Schritt ist» wie wir hören, durch Vermittlung des deutschen Botschafters in Paris erfolgt. Herr von Papen wurde, im Einverständnis mit dem Führer, zum Verzicht aus seine Rede veranlaßt. Das war seine„Er- krankung". anzutreten. Die Frist bis zum Abstimmungstermin am 13. Januar würde nicht ausreichen, auch nur ein Zehntel deS Heeres von Zeugen zu vernehmen, die dem deutschen Reichs- kanzler die Kriminalität in seinem Reiche aufzeigen würden. Niemals sind in unserem Deutschland in Jahr e n soviel gemeine und viehische Morde begangen worden wie in dem Deutschland Adolf Hitlers an einem Tage, am 30. Juni, und über alle diese Mörder hat der oberste Ge- richtshcrr schützend seine Hand gehalten. Wirtschaftlich hat der Reichskanzler den Saarländern leider gar nichts Verlockendes zu bieten. Rur das angebliche Sinken der ErwcrbSlosenzisfer in Deutschland. Aber auch da hütete sich der Reichskanzler Vergleiche zwischen der Erwerbslosigkeit, der Kurzarbeit, den Feierschichten und den Löhnen im Reich und dem Saargebiet zu ziehen. Trotz aller Retouchiernngskünste hätte er nämlich sonst zu dem Ergebnis kommen müssen, daß noch immer das saar- ländische Arbcitovolk trotz seiner nicht geringen Wirtschaft, lichen Bedrängnis weit über den Arbeits- und Ein» kommensverhältnissen in Hitlerdeutschland steht. Ilebrigens vergaß der Reichskanzler selbstverständlich, oav unter der letzten marxistisch beeinflußten Reichsregierung Hermann Müller die Erwerbslosigkeit geringer war, als sie selbst nach den gefälschten amtlichen Statistiken jetzt noch in Deutschland ist. Und wie hat der Reichskanzler seine Ver- Minderung der Erwerbslosigkeit erreicht? Durch Lohn- senkungen für die Arbeiter und Staatssubventionen an die Unternehmer, durch Arbeitsstreckung und Zwangsarbeit zu Sklavcnlöhncn, durch eine aus staatlichen Mitteln mit faulen ArbeitsbeschassugnSwechselu an die Rcichsbank finanzierte Rüstungs- und Binnenkonjunktur, die jetzt aus Mangel an Rohstoffen zusammenbricht, durch eine Verschleuderung der Gold- und Devisenbestände bis zum Nullpunkt und durch einen autarkischcn Wirtschaftswahn, der uns zwei Drittel des deutschen Exports gekostet hat. Darin hat der Reichskanzler allerdings recht, daß keine Regierung vor ihm diesen Weg zum Ruin der deutschen Wirtschast gegangen ist. Vor ihm war kein deutscher Reichs- kanzler so unwissend und so gewissenlos, um der Partei- dcmagogie solche Triumphe und dem deutsche« Arbeits, volk solche verheerenden wirtschaftlichen Niederlagen zu bereite«. Und dieser Führer zum deutschen Reichsbankrott nimmt sich heraus, auch in dieser Rede anzukündigen, daß Deutschland sich von der Weltwirtschaft loslösen werde, wenn die anderen sich nicht zu den hohen Einsichten des Herrn Adolf Hitler aus Braunau am Inn bekennen sollten.„Da kennen sie uns schlecht." brüllte er. daß die Lautsprecher zitterten. Wx vermuten, ex kennt die anderen schlecht. Um so weniger »erden sie seine Kraftsprüche ernst nehmen, als er misten- politisch eine Kapitulation nach der andern vollzieht. Kapi- tuliert hat er vor Polen und den Korridor preisgegeben. Kapituliert hat er vor Mussolini und den Anschluß geopfert. Kapituliert hat er vor Schujchnigg, indem er Habicht und Frauenfeld entlieh. Kapituliert hat er vor Frankreich und sich demütig entschuldigt wegen der Lüge, der int Auftrage des„Obersten Gerichtshcrrn" ermordete Schleicher habe mit Frankreich konspiriert. Dieser schwache Führer wird immer dann sofort und bc- dingungslos die weihe Fahne hissen, wenn ihm Kraft segenübertritt. Nur dort, wo er die sichere Ucbcrlegcnheit auf seiner Seite weih, greift er an. So hat er ja auch seine„Revolution" erst gemacht, als er durch seine Rcichskanzlerschast und Görings Ministerpräsidentschast den gesamten Staatsapparat sich gc- sichert hatte. Solange er sich unterlegen fühlt, ist er friedlich und auch völkerrechtlich legal. To gab er sich auch diesmal wieder gegenüber Frankreich: „Die Saarfrage ist die einzige Tcrr'torialsrage, die uns he'ttc noch von Frankreich trennt. Aach ihrer Lösung bc- steht kein sichtbar vernünftiger Grund, dah zwei grohe Nationen sich ewig nnd in alle Zukunft weiter befehden." Das ist eine grobe Lüge. Das sagen nicht mir, sondern der Parteiführer und Schriftsteller Adolf Hitler, der sich in seinem Buche„Mein Kampf" an viele» Stellen mit leidenschaftlichem Hah gegen die Verständigungsideen wendet, als deren An- Hänger sich jetzt der Reichskanzler Adolf Hitler vollkommen unglaubwürdig auszugeben versucht. Wir halten den Schrift- steller Hitler für ehrlicher als den Reichskanzler Hitler. Dies um so wehr, als der Reichskanzler Adolf Hitler trotz seiner »nermehlichen Machtsülle bisher nicht gewagt hat, den Schriftsteller Adolf Hitler für dessen Revanchebuch gegen Frankreich zur Ordnung zu rufen oder gar das Buch einzu- ziehen, weil es den erhabenen Friedensideale» des „Führers aller Deutschen" so häßlich widerspricht und inso- fern der Schriftsteller Adolf Hitler geradezu ein Schädling an dem pazifistischen nationalsozialistischen Staat ist. Dieser Schriftsteller Adolf Hitler hielt und hält die Saar- frage für eine lächerliche Bagatelle, die ihm ebenso unwichtig ist wie das deutsche Südtirol. Der Schriftsteller Adolf Hitler kennt nur c i n großes außen- politisches Ziel: die Vernichtung des bastardisiertcn, ver- »egerten, vcrjudcten, versreimanertcn Frankreich. Man ver- gleiche mit dem oben zitierten Satz des Reichskanzlers Adolf Hitler nur eine von hundert Stellen des Schriftstellers Adolf Hitler: Solange der ewige Konflikt zwischen Deutschland und Frankreich nur in der Form einer deutschen Abwehr gegenüber französischem Angriff ausgetragen wird, wird er niemals entschieden werden... Erst wenn dies in Deutschland vollständig begriffen sein wird, so dah man den Lebenswillen der deutschen Nation nicht mehr in bloh passiver Abwehr verkümmern läht, sondern zu einer endgültigen aktiven Auseinandersetzung mit Frankreich zusammenrafft und in einem letzten EnlscheidungSkampf mit deutscherseits gröhten Schluhzielen h i n e i n w i r f t: erst dann wird man im Stande sein das ewige und an sich so unfruchtbare Ringen zwischen ans ans Frankreich zam Abschluß zu bringen, aller- dings unter der Voraussetzung, dah DeutschlandinderVernichtungFrank- reich wirklich nur ein Mittel sieht, um danach unserem Volke endlich an anderer Stelle die m ö g l i ch e A u S d e h> nung geben zu können.(Mein Kampf, Seite 767.) Da ist nichts abzustreiten: die Ziele des Schriftstellers Adolf Hitler sind: erst die kriegerische Vernichtung Frankreichs im Westen und dann die kriegerische Eroberung neuer Gebiete im Osten. Krieg ist sein Losungswort... Und wenn der Schriftsteller Adolf Hitler den Reichskanzler und„Führer" Adolf Hitler nicht nach seinen pazifistischen Worten, sondern nach seinen wchrpolitischen Taten beurteilt, so wird er jagen: der Mann ist aus dem rechten Wege: Aus- roltnng aller pazifistischen und ethischen Pazifisten in Deutsch- land. Verbot jeder öffentlichen Kritik und Ausschaltung jeder Kontrolle durch Organe des Volkes, Gleichschaltung aller ivirtschaitlichen. militärischen und seelischen Kräfte mit dem Ziele, sie nach außen geschlossen zusammenzuraffen, Wehr- haitmachung des ganzen großen Volkes, insbesondere seiner Fugend beiderlei Geschlechts. Unterordnung aller anderen Wirtschaftsgebiete unter die Rttstungskonjunktur, Aufrüstung mit allen technischen und finanziellen Mitteln. Und das alles, ivcnn doch, wie der Reichskanzler Adolf Hitler in Ehrenbreitstein schwärmerisch ausrief, am 18. Januar die territoriale Frage durch eine Abstimmung von 09 v H. für Deutschland gelöst wird? Rein, der Schriftsteller Adolf Hitler ist und bleibt im Recht, wenn er behauptet, der Reichskanzler wolle nnd bereite vor den blutigen Kamps auf Leben und Tod gegen Frankreich. „Herr, segne unseren Kampf!" ES mag sein, daß der Schriftsteller Adolf Hitler den Reichs« kanzler Adolf Hitler infam verleumdet. Es ist möglich, daß der Schriftsteller Adolf Hitler landesvcrräterisch handelt, indem er ständig seine kriegerischen Absichten i„ seinem Buche„Mein Kampf" mit den herrliche» Friedensworten des„Führers" Adolf Hitler konfrontiert. Da gibt es nur eine Lösung: Der Führer des deutschen Volkes muß diese» Schriftsteller Adolf Hitler austilgen aus der Voltsgemcin- schast und sein böses Buch zu den anderen deutschseindlichca Schriften ans die Scheiterhaufen werfen. Solange dieses Buch aber nicht nur in allen deutschen Läden verkauft werden darf, sondern auch auf Befehl des Reichs- kanzlers und seiner Mitregierenden in Millionen Exem- plarcn den Volksgenossen ausgezwungen wird, muß der Schriftsteller Adolf Hitler immer ivicder den Reichskanzler Adolf Hitler in die Verlegenheit peinlicher Mißverständnisse bringen. Die Reden aus Ehrenbreitstein sind verhallt. Die Zehn- tausende, die für ein paar Groschen eine lustige Rheinreise gemacht haben sund wir gönnen sie ihnen herzlich», kehren müde nach Saarbrücken zurück und stimmen am 13. Januar so, wie es ihre Einsicht und ihre Interessen gebieten. Viele Tauscndc iverdc» anders stimmen, als der Reichskanzler ihnen empfohlen hat. In Koblenz waren die Vergnügungsreiienden. Im Walde bei Sulzbach in der gewaltigen sozialistisch-kommu- nistisch-katholischen Kundgebung waren die Kämpier. Von denen wird am IS. Januar keiner anders stimmen als er am Sonntag geschworen hat. Da» Kampfziel an der Saar bleibt: für Deutschlands Rettung, für Deutschlands Freiheit, für Europas Frieden durch Hitlers Sturz. Der Widerhall in Paris Vergleiche iwlschen Ehrenbreitstein und Sulsbach A. PH. Von unserem Sonderkorrespondenten Paris, den 27. August. Sulzbach und Ehrenbreitstein stehen heute im Vorder- gründe aller Betrachtungen der französischen Presse. Dabei muß man feststellen, daß die Zeitungen der Kundgebung der Freiheitsfront bei weitem mefir.'»«»»->*»»«•«"" Zentrale des Abstimmungskampfes gegen Hitler, bringt- Viele zeigen ihren Lesern auch im Bild diegewaltige Menge in Tulzbach, die sich zur Freiheitsfront an der Saar bekannte. wrttem mehr Bedeutung beimessen als der„Petit Parisien" bringt an der Spitze oie Worte:„80(XX» Saarcanoer schwören» niemals soll die braune Pest daS Land vernichten." vviHit||vll Uitf UUi Hitlcrkundgcbung. Alle verfehle» nicht daraus hinzuweise», daß die'mutigen, aber zum großen Teil mittellosen Teil- nchmcr der Sulzbacher Kundgebung keine Freifahrkarte, keine Gratisverpflegung erhielten. Alle betonen, daß aus der anderen Seite für die Hitlcrveranstaltung Mittel des Reiches in erheblichem Maße zur Versügnng gestellt morden sind. Zum erstenmal seit dem Bestehen des Völterbundsmandatcs für das Taargebiet wurde eine Veranstaltung der Status quo-Anhängcr so breit in der französischen Presse geschildert, wie das mit der von Sulzbach der Fall ist, zu der alle großen Zeitungen eigene Berichterstatter entsandt haben. Kaum eine Zeitung, die nicht e'n Bild von Max Braun und eine Abbildung des Hauses der Arbeiter-Wohlsahrt, der »Jos®!, f» g eht ber g abl« „Echo de 0 ari3" macht, wie alle anderen Blätter, ganz besonders aus die Tatjache ausmerkiqm, daß ein katholischer Priester in Sulz- dach als Redner aufgetreten i'ei. Es schildert den Eindruck, den die geivaltige Bienge auf den Beschauer gemacht habe und der mustergültigen Ordnung, in der sich An- und Abmarsch der freiheitlich gesinnten Blassen vollzogen habe. Am Schluß sagt„Echo de Paris":„In Sulzbach hat es sich gezeigt, daß d'c Saarländer, die für die Rückgliederung nach Hitler- deutschland eintreten, bei»vettern nicht 95 Prozent der Saar- bevölkerung ausmachen,»vie das die„deutsche Front" be- hauptet." Auch die Kundgebuilg in Ehrenbreitstein»vird ei»" gehend geschildert, aber nicht vergessen, daraus hinzuweisen, welche Kosten sich das Reich nnd Hitler gemacht haben, um damit Eindruck zu erzielen Der Berichterstatter schweift dann nach Sulzbach ab,»vohin die Teilnehmer auf eigene Kosten geeilt seien, sich dort au, eigene Kosten verpflegt hät- ten, Ivo sie auf eigene Gefahr laut ihren Willen bekundet hätten, nicht H'tlcrdeutsche»verde» zu»vollen.„Man sieht/ so sagt er,„unter»veich ungleichen Bedingungen sich der Kampf um die nächste Volksabstimmung abspielt." In ähnlicher Weise drückt sich auch der„Matin" aus. „Figaro" nimmt sein Urteil von Ehrenbreitstein vorweg.„Die Koblen- zer Kundgebung lehrt uns nichts", meint das Blatt. Man hat gewußt, daß Hitler Meister»ei in der Kunst, Massen aus die Beine zu bringen. Das Reich hat auch dafür keine Koste» gescheut Hitler habe die Saarländer für das Plebiszit gewin- nen»volle». An ihre Treue habe er appell'ert und ihnen die Treue des Reiches in Aussicht gestellt. Man sage bei der Vorbereitung der Abstimmung eben nicht alles,»vas ma» denke. „Jour" erklärt, die Kundgebung der Freiheitsfront habe alle Erwak» tungen übertroffen. Das Blatt betont, vor einigen Jahren hätte sich eine große Mehrheit an der Saar für Rügliederung an Deutschland ausgesprochen. Aber seit Hitlers Regierung»- antritt sei das anders geivorden, nnd darum habe man so große Anstrengungen in Ehrenbreitstein geinacht, um eine» äußeren Erfolg zu erz-elen. Der Berichterstatter des „Journal" erklärt, man habe ihm in Ehrenbreitstein gesagt, 209 900 Saarländer seien dort versammelt. Er habe aber den Ein- druck gehabt, als er die Gruppen der Bergleute besichtigte, als ob es sich höchstens um 70 000 gehandelt habe. Auch dieses Blatt weist aus den geivaltige« Eindruck der Freiheitsfront hin. „Excelsior" stellt zunächst die beiden Veranstaltungen im Bilde einande? gegenüber Wir sehe» die Ankunft des uniformierten Hit- l e r in Ehrenbreitstein und Uniforme» vorn auf dem Bilde- Darunter: einfach und schlicht im Sporthemd M a x B r a u n, neben ihm Pfarrer Dörr nnd ei» Bild von der geivaltige» Menge der Freiheitsfront, die in Sulzbach versammelt»var, wie das im begleitenden Text gesagt>vird:,.trotz des Ter» rors der„deutschen Front", trotz der Drohung mit V«* geltungSmaßnahmen". „Oeuvre" verschweigt nicht, daß 190 000 in Koblenz versammelt fonr«»- Aber das Blatt fragt:„Wieviel Saarländer?" Ter übergroße Teil der uniformierten Teilnehmer seiauSdemJnner» Deutschlands gekommen In diesem Uniforme/' meer seien die saarländischen Abordnungen untergegangcV Goebbels habe ihre Zahl mit 200 000 angegeben. D'ese Zam sei»veit, sehr»veit übertrieben. Das Blatk schildert dann d'* gewaltigen Eindruck, den die Leistung des Schwnrs auf die hitlerfreie Saar aus den Beobachter in Sulzbach gemacht habe. Auch „Populaire" steht ganz unter dem Eindruck d'eser Freih.iiskuidgebung- Ebenso wie die anderen Zeitungen gibt er seinen Leier» von dem provokatorischen Austreten der Nationalsozialiste« Kenntnis, die mit Tränengasbomben die Zulzbacher Kund« £Cv.;ng stören wollten. Der Sulsbacher Freiheitstag öle Parole des Status auo— den Nassen— Eine Kundgebung, wie sie in solcher Macht und Gr6De das Saargebiet noch nie erlebt hat Sulzbach im Saargebiet Es ist eine Ortschaft von etwa 20 000 Einwohnern, gebettet in hügeliges Gelände, umgeben von Zechen und Fördertürmen. Viele Bergarbeiter wohnen hier, die^in den nahen Gruben arbeiten. Seit diesem Tonn- tag ist«ulzbach zum Symbol geworden. Auf einen Hügel dicht bei dem Ort zogen viele Zehntausende von Menschen, erfüllt von einem Gedanken, einem Willen, einem Glauben: Kamps gegen^ Hitler, der die Saar in sein„drittes Reich" mit ollem Terror und aller Mcnschenerniedrigung ein beziehen will. Stundenlang kamen die Menschen in unend- lichen Schlange» hinauf zur Höhe. Niemals hat das Saar- gebiet eine Massenkundgebung von solcher Größe erlebt. -I- Freiheitsruf! 3m Augenblick des Beginns, nach 8 Uhr. zogen noch immer die Menschen hinauf zum Platze. Sie sprengten das um- zogene Gebiet, drängten von allen Seiten heran und besetzten die Hügel. Arbeiter, Landleute, Angestellte, Handwerker, Gewerbetreibende— Menschen aller Berufe, der ver- schiedcnsten politischen Haltung, aber geeint in der Hiebe zur Freiheit, die sie ihrer Heimat erhalten«vollen. Eine Gemein- schalt der Menschenrechte gegen Hitler, jedem Teilnehmer ein unvergeßliches Erlebnis. So wichtig die Zahl im AbstimmungSkampie ist: noch wich- tiger war das Gefühl, das diese Menschen zu einer Gemein- schalt zusammenriß. Manchmal schien es, als seien sie an diesem Sonntag erlöst worden, erlöst aus der Vereinsamung und Vereinzelung in ihrer engeren Umgebung, befreit von Druck und Feme der Hakentrcuznachbaru, bestätigt durch den Glauben in ihrem Bekenntnis gegen die braune Diktatur. Neben der politischen Wirkung der Kundgebung, die keiner verkleinern kann jauch nicht Herr Tinmon, der in Koblenz von 7000 Männlein und Weiblcin zu reden wagte) ist diese psychologische Wirkung nicht hoch genug zu werten. Diese Menschen von Sulzbach haben wieder Mut gefaßt. Sie wissen jetzt, wieviele mit ihnen gehen, wenn es hart auf hart kommt. Die Redner Die Kundgebung verlief in bewundernswürdiger Disziplin. Es war eine Freiheitsfront im höchsten Sinne: Freiheit und Ordnung. Wer wird sie je vergessen, die Beifallsrufe der Zehntauscnden, die zu dem«nächtigen Blättcrdachc über ihnen emporrauschtcn! Die Tonnenstrahlen, die durch die Baum- krönen drangen und helle Flecken auf die Rundgeber«varien! Zuerst sprach der Leiter der örtlichen Organisation, K i r n- Tulzbach. dessen Gcdächtnisivorte für die eingekerkerten Antifaschisten von der Masse stehend und mit entblößten Häuptern entgegengenommen wurden. Telegramme an Dr. Mierendorff, Thälmann, soivie an die Rcichsrcgierung ge- langen unter stürmischem Beifall zur Verlesung. Nach Kirn sprach der Kommunist Fritz Pfordt:„Hitler muß und wird an der Saar geschlagen werden. Die blutige Hand des Mordfaschismus, die nach dem Saargebict aus- gestreckt ist, wird am 13. Januar zurückgeschlagen werden." Pfordts Bekenntnis zum Status quo fand stürmischen Widerhall. Unter lauten Kundgebungen bestätigte die Menge «ätze wie diese:„Status quo. das ist der schwerste Schlag gegen Hitler. daS ist die beste Hilfe für das unterdrückte, werktätige deutsche Volk. Damit schaffen wir die Bor- bedjngunge« zum Anschluß an ein freies Deutschland." Nach Pfordt sprach ein katholischer Geistlicher. Man sah ihn in der Ferne im feierlichen schwarzen Priester- rock. Er wurde mit einem gewaltigen Beifallssturm begrüßt und immer wieder wurden seine mutigen Worte von Zu- stimmungsrusen unterbrochen. Dabei machte dieser Geist- liche keine Konzession an seine Hörer Er sprach als ein Mann, der mitten in der Kirche steht, getrieben von seinem Gewissen, unter dem Anruf des Glanbens, der Gerechtigkeit und der Menschlichkeit. Er sei, so sagte er, allerdings nur ein Lückenbüßer. An seiner Stelle müßten heute die führenden Kräfte seines Standes stehen. Er hoffe, daß seine Tat die un- heilvollen Bande brechen werde. Er dankte den Kommunisten und Sozialdemokraten dafür, daß sie sich der verfolgten katho- tischen Geistlichen im Reiche angenommen hätten,«vährend sie von den Anhängern des„dritten Reiches" in ihrer Rot verlassen worden seien. Dieser Priester sieht unter der braunen Diktatur das Glaubensgut, für das er kämpft, gefährdet. Er will die Freiheit der Saar, uin es vor seinen Feinden zu schützeir. Man kann sich vorstellen, daß die Rede des katholischen Geistlichen in ungeheurer Beivegung ausgenommen«vurde. „Gottlose" applaudierten dem Redner, als wäre ihre cnt- täuschte Liebe zu ewig-göttlichcn Dingen von diesem Priester geadelt worden. Obivohl der Geistliche lange sprach: man hätte ihn wohl gern iroch länger gehört. Nach ihm sprach M a? Braun, stürmisch umjubelt und begrüßt. Aber in dem Augenblick, an dem er beginnen wollte, kam es zu einem Zwischenfall. Ein verhetzter und ver- mutlich von Burschen der„deutschen Front" gekaufter junger Mann warf eine Tränengasbombe. Wir berichten, über den Vorfall, der einige Augenblicke den geordneten Ver- lauf der Kundgebung aufhielt, an anderer Stelle. Braun und der Wall seiner Zuhörer fanden ihre Fassung sofort«vicdcr. Schon die einleitenden Worte Brauns führten zu heiteren Bei- fallSstürmen:„Ihr habt aus der Kundgebung, die als eine solche der öOOOO gedacht war. die Kundgebung der kW 000 gemacht— ohne Goebbelsgcldcr, ohne Freibillette, ohne Frei- quartier und ohne Sintposgericht. Ihr kamt, weil Ihr eines Opfers sähig seid, weil Ihr Bekennermut habt: Ihr kamt, weil Ihr von jener deutschen Art seid, die eine Sache wirk- lich um ihrer selbst willen tun kani«. Max Braun verkündete dann die Forderungen für den zu- künftigen freien Saarstaat, die unsere Leser gleichfalls an anderer Stelle finden. Sie sollen nach Brauns Darlegungen, ein Stück Miltdestprogramm sein, die Voraussetzung schassen für den Kamps um die Freiheit der 2aax, zur Niederwerfung des Nationalsozialismus und zur Erringung eines freien Teutschlands im freien Europa. Brauns Parole vom Zusammenschluß aller Antihitlerianer»er^aar zur E«u- heitsfront und zur Siegesschlacht vom 13. Januar fand be- geisterte Zustimmung.„Freiheit, Freiheit, Freiheit!" Dann ertönte, vom Ansager Theo Marek vorgesprochen, der Schwur von der freien Saar „Wir schwören!" Wir Saarländer aus allen Gauen und Orten der Saar, ohne Unterschied der Parteien und Konscssionen, einig im Kampf gegen den Todfeind des Volkes» schwören: Nie wird die Saar an Hitler fallen! N i e wird die braune Pest unsere Heimat verwüsten! Nie sollen Hunger, Knechtschaft, Mord und Krieg, Nie Brand und Barbarei das Saarvolk geißeln! Wir wollen frei sein! Frei! Frei! Frei! Darum ein Wille, ein Kampf, ein Ziel: Am l 3. Januar stimmt die Mehrheit des Saarvolkes gegen Hitler! Gegen den Anschluß ans„dritte Reich"! Für das kommende befreite Deutschland! Die heldenhaften Millionen des IS. August rufen uns! Wir werden uns ihrer würdig zeigen! Unser Sieg ist ein Sieg des deutschen Volkes! Unsere Freiheit wird seine Freiheit werden! Unser Triumph wird der Ansang vom Ende des „dritten Reiches" sein! Darum ans, Freiheitskämpfer der Saar, aus in die Schlacht! Mit uns das Volk, mit uns der Sieg! Wir gedenken noch der Arbcitersänger und ihrer ans» gezeichneten Ehorvorträgc, des Ansagers Theo Marek und des Arbeiterdichters Erich W e i n c r t, der zwei ungemein packende Gedichte sprach„An die katholischen Kaiueraden" und„Einheitsfront, wachse". Dann erbrausten Arbeiterlieder und immer wieder die Rufe des vereinten Kainpses. Wir sahen als Teilnehmer der Kundgebung hohe Beamte der RegiernngSkoinmission und Mitglieder der Abstim- mungskoinmission. Sie hat ihnen ein Bild gegeben von der Größe und von der Macht derer, die an der Saar„nie zu Hitler"«vollen, um ihrer Freiheit willen. Es«vor ein S t u r m a n g r f s, der bedrückte Seelen erleichterte und den Kämpsenden um die Freiheit an der Sar Fahne u«ld Waffen in die Hand gegeben hat. Drauns Forderungen für den Slafus quo Wie der erstrebte freie Saarstaat werden soll In seiner Ansprache auf der großen Kundgebung in Sulzbach stellte Mar Bronn die Forderungen für den erstrebten freien Saarstaat aus, der notwendig ist, solange Hitler Deutschland vergeivaltigt. Er erklärte unter begeisterter Zustiinmung der Hunderttausend: Wir fordern: 1. Weitgehende Selbstbestimmung und Mitwirkung des Saarvolkes im Rahmen der vom kerbund garantierten Verfassung. Der Status quo ist also nicht die Verlängerung der Regierung des ausgcklärten Absolutismus durch eine ausländische Regierungstommission im Austrage des Völkerbundes. 2. Die Möglichkeit einer neuen Entscheidung über das Saargcbiet bei veränderten allgemeinen und besonderen Intcres- sei«. Festlegung dieser Möglichkeit in der endgültigen Verwaltungsordnung des Saargebietcs, die nach 8 3l Absaß a des Saarstatuts gemäß den allgemeinen und besonderen Interessen des Saargebietcs sestgelegt werden soll. 3. Angemessene Beteiligung des Saarstaates am Besitz der staatlichen Kohlengruben, Ablehnung aller Privatisierungs- tendcnzen, aber Mitwirkung der Arbcitnehmcrschaft an der Verwaltung sämtlicher Betriebe des Saargebietcs. Neu- ordnung einer organische» Gesamtkohlcnwirtschast der Saar unter Ausschaltung wucherischer Monopolgewinne bei der Strombclicscrung und Aushebung volksschädigcnder Verträge der Gemeinden mit Privatkapitalistcn. Stellung der großen Eisen- und Hüttenwerke unter staatliche Kontrolle. 4. Planwirtschaftlichc Regelung„nd Sorge für eine gesunde wirtschaftliche Weiterentwicklung des Saargebietcs; Sicher- stcllung eines vergrößerten Absatzes der Saarproduttion, namentlich von Kohle und Eisen, durch handelspolitische Abmachungen; staatlickw Absatzförderung. \ Planmäßige Hebung der Kaufkraft der arbeitenden Masse durch Sicherung auskömmlicher Mindestlöhue; Siegelung von Arbeits- und Freizeit; bezahlten Urlaub für alle Arbeiter und Angestellten. Volle staatliche Garantie für Renten und Pensionen unter restloser Ausrcchterhal» tu ng aller Ansprüche a n die bisherigen Versicherungsträger; Schutz gegen Infla- tionsverluste durch einen Mark stürz; Verteidigung aller saarländischen Rechte aus Reichsmarksorderungen. fi. Garantie vollkommener Koalitionsfreiheit sür alle Arbeiter und Angestellten; Anerkennung ihres Rechts aus Ver- teidjgung ihrer Interessen mit allen gewerkschaftlichen Mitteln; Schutz der Gewerkschaften gegen jeden von außen kommenden Druck. Nichtanerkennung der gelben Gewerkschaften; auch der politisch getarnten. Modernes Tarif- und Schlichtnngsrecht, Ausbau des gesamten sozialen Arbeitsrechts. 7. Ausnahme einer vom Völkerbund g a r a n t i e r t c u A n l e i h e. Produktive Maßnahmen zur Arbeits- beschafsniig. Bereitstellung billiger Hypotheken und billigen Kredits für die kleinen und mittleren Betriebe in Landwirtschaft, Handel und Gewerbe. Förderung der landwirtschaftlichen Produktion unter schär st er Ableh- nung des Erbhofgesetzes. 8. Gewährleistung unparteiischer Rechtsprechung ohne Benachteiligung der Rechtsuchendcn aus politischen, gesclllchaft- lichen oder weltanschaulichen Gründen. Gewährung einer umfassenden Amnestie. Schassung von Arbeitsgerichten. Säuberung der Behörden, namentlich auch des Polizei- und Landjägcrtorps, von Beamten, die das Vertrauen der werktätigen Bevölkerung nicht gercchtsertigt haben. Schutz des Voltes vor ungerechten Richtern und Beamten. Großzügige Vcrwaltungsresorm. 3. Modernisierung und Ausbau des saarländischen Bildungswcsens einschließlich der wissenschaftlichen und künstleri- schcn Fortbildung; Förderung der Entwicklung des Saargebietcs zu einem Hort und Mittelpunkt wahrer deutschen Geistcökultnr; Schaffung einer Saarakademie. IN. Freiheit der politischen Gesinnung und Betätigung im Rahmen der Gesetzt, Verbot jeder Einwirkung von Arbeit- gebcrn aus die politische, religiöse und weltanschauliche Betätigung ihrer Arbeiter und Angestellten. Schutz der reli« giöscn und weltanschaulichen Bekenntnisse vor politischer Vergewaltigung. Schutz der Gesinnungssreiheit. D e Reden In Su'zbach Fritz Pfordt Wir wollen nicht, daß das Saargebiet in ein Konzentra- tionslager verwandelt wird. Wir wollen nicht, daß man unsere Gewerkschaften zer- schlägt und die Gelder raubt. Wir wollen nicht, daß unsere Jugend in Arbeitsdienst- lagcr getrieben, brutal ausgebeutet, zu Tode gequält und zu Kanonenfutter erzogen wird. Wir müssen Hitler den Weg zur Saar versperren. Wir wollen frei werden und keine Knechte bleiben. Freie Men- schen und keine Sklaven. Wir wolle» uns nicht von Tyrannen«nd Verbrecher» regiere» lassen, wir wollen uns selbst regieren in einem freien Deutschland. Der lS. Januar muß zu einer schwere,, Niederlage Hit- lers durch die Stimmabgabe für den Status quo an der Saar werden. Das ist die beste Unterstützung des Helden- kampses unserer deutschen Brüder» die am l!1. August Hitler ein millionenfaches Nein entgegenschleuderten. Denkt a» die von de» braunen Henkern erschlagenen und erschossenen besten Arbeitersöhne des deutschen Volkes. Denkt an die Zchntausende in den Zuchthäusern und Kon- zentrationslagern. Denkt an.unseren Führer, den proleta- rischen Freiheitshclde» Ernst Thälmann. Denkt daran, daß die Millionen selbst von den braunen Betrügern zugegebenen Neinstimmen das Ergebnis einer bolschewistischen illegalen Helde««arbeit der kvmmunijtischcu und sozialdemokratischen Arbeit in brüderlicher Einheitsfront ist und erhebt eure Arbeiterfäuste z»«n Schivur: Nicht zu ruhen und zu rasten, bis eine gewaltige Mehr- heit gegen den Anschloß an das„dritte Reich", sür den Status quo an der Saar steht. Jeder Werktätige an der Saar muß begreifen» auch die Katholiken werden es, daß wir riescnstart sind, wenn wir uns alle vereinigen gegen unsere« gemeinsamen faschistischen Todfeind. ver hathollsdie Priester Lorbeeren gibt es für«nich nicht zu erringen, daS zeigten «nir bereits die paar Wochen, seitdem ich in Eurer Front stehe, sonder» nur fanatischer Haß, Verleumdung, Verfolgung Mir genügt jedoch das Beivußtsein. einer guten edlen Tal; der äußere Lohn wird— so Gott will— auch noch kommen. Als Gegengabe für meinen guten Willen erwarte ich von Euch Nachsicht in der Beurteilung meiner Worte. Da ich zu Euch spreche als Me««sch, als Landsinann, als Freund und Kamerad, so liegt es«nir auch durchaus ferne, einem von Euch, der nicht in demselben Lager steht wie ich, irgendivie nahezutreten. So sehr ich auch den Jrrtuin Irrtum heißen muß, ebenso liebe ich aber den Irrenden. Schließlich betone ich, daß ich al^ treuer Sohn der katholischen Kirche selbstverständlich gegen keine Lehre meines Glaubens an- gehen will- Das kann ja auch nicht in Frage kommen. Als Motto stelle ich an Sie Spitze meiner Ausführungen das Gottes- und Apostelwort: Ten« quod Hades- Der Glaube ist das Fundament aller anderen Güter, kul- turellen, wirtschaftlichen, sozialen. Schwindet der Glaube, dann schwindet mit ihm Freiheit, Wahrheit und Recht eines BolkeS. Und darum sage ich: Glaube tut not. Das sagte uns ganz frei und offen der letzte Hir» tenbries der Bischöfe Dcntschlands, das sagten»ns die Mahnrufe der orthodoxen Führer der evangelischen Kirche, das lehren uns all die schrecklichen Ereignisse seit dem Rc- gime des Nationalsozialismus, vor allem der 80. Juni dieses Jahres. Auch hier an der Saar machen sich die Anzeichen eines krassen Unglaubens immer mehr bemerkbar. ^ Liebe Freund«! Umfaßt wieder das Christuskreuz wie ehe- am. Nur in ihm ist Heil und Leben. Mit dem Hakenkreuz #. es wirklich so, wie dieser Tage jemand meinem Schwager )igte, um ihn einzuschüchtern: Nimm dich in acht vor dem Hakenkreuz: das ist deshalb so zackig und kreisförmig, weil es jeden Mrmalmt«nd vernichtet, der sich ihm entgegenstellt. Darum zieht das alte Zeichen des Lebens und der Auf- rnktehung vor dem des Todes und der Vernichtung. Nur dann kommen für das deutsche Reich wieder andere bessere Zeiten, wenn das Hakenkreuz dem Christuskreuz weichen muß. Tas Apostelwort— unser Losungswort— enthält aber noch einen besonderen Sinn, und damit betrete ich öaS Ge- biet der Politik. Im Reich drüben sind zwar die Geistlichen aus der Politik ausgeschaltet. Und hier im Saargebiet spannt man sie vor den politischen Karren. Nur den Antifaschisten soll das nicht gestattet sein. In unseren Tagen berühren sich infolge des Nationalsozialismus so sehr die beiden Gebiete des Glaubens und der Politik, daß zur Politik zu schweigen für mein Gewissen gleich- bedeutend wäre mit schwerer Sünde. Darum sage ich Euch: so sehr die nationalistische Häresie— anders kann ich sie nicht bezeichnen— bereits Deutschland überschritten und in die Grenzlande Not und Elend, Tod und Verderbe» gebracht hat— ich erinnere nur an den 25. Juli— auch hier an der Saar wird sein unheilvolles Trei- ben schon ruchbar— so trennt uns Gottlob noch ein starker Schutzwall von seiner brutalen Herrschaft. Tank dem Friedensvertrag von Versailles bleiben wir bis zum 13. Januar 1935 verschont von den»Segnungen" des Nationalsozialismus. Und dann habt ihr es in der Hand, wofür ihr euch entscheiden wollt. Die Gegner suchen zwar künstlich eine sittliche Verpflichtung zu konstruieren für eine Rückkehr nach dem Reich: bis heute find sie aber den Beweis schnldig geblieben, und er kann ihnen auch auf dem rechten Weg nie gelingen. Ich aber sage Euch, daß Ihr die sittlich» Pflicht habt, für de» Status quo zu stimmen. Der Beweis ist sehr einfach: Wie ich Such eiilgangs jagte, ist der Glaube das Höchste Gut. Dieser ist durch die Rückkehr zum Reich äußerst gefährdet. Darum die Verpflichtung im Gewissen, dafür zu sorgen, daß Ihr nicht Euch dieser Gefahr aussetzt. Daran ändern die auch nichts, die von einer bedingungslosen Rückkehr zum Reich faseln, und zwar aus dem Grunde, um den bedrängten GlaubenSbrttdern zu helfen. Die betreffenden sehen aber gar nicht so aus, als ob sie sich nach dem Märtyrium sehnten. Mit Betonung der sittlichen Pflicht wäre es für Herrn Pfarrer Wilhelm, da er doch nun einmal als politi- scher Redner Im Saargcbiet umherziehen darf, eine lohnende Arbeit, das katholische Volk über Gewissensfragen aufzu- klären, so z. B.,— daß es nach seiner Heimkehr zur»Mutter", zu seiner cnt» setzlichen Enttäuschung nnr eine megärenhafte„Stiesmut- ter" findet, die alles Deutschtum wild zerschlägt, daß die Regierung in diesem Lande ihr ganzes System aus Lüge und Bolkobetrng aufbaut. Dabei könnte ex ohne sittliche Pflicht auch einfügen, daß auch in Dentschland das deutsche Sprichwort Geltung behalten wird: Lügen haben immer knrze Beine. Er könnte auch z. B. im politischen Teile seiner Reden darauf hinweisen, daß wir im Taargeblet zwar unter Fremd- Herrschast stehen, uns es aber unter dieser Herrschast bisher ganz gut gegangen hat. während unsere deutschen Brüder im Mutterhaus einer wirklichen Fremdherrschaft stehen, die sie auch sühlen. Nennt man doch nicht ohne Humor die der- zeitige deutsche Regierung mit Rücksicht auf de» Standort der Wiegen ihrer prominenten Vertreter geradezu den Völkerbund. Das alles zu sagen, ist ja keine sittliche Pflicht, aber es wäre doch zu raten, weil er der Wahrheit als Priester die Ehre geben soll, s Und wenn die Gegner immer wieder das Vaterland be- tonen, dann aber das Land, wo Vater und Mutter lebten, und auch ich sage: Ans Heimatland, ans teure schließ dich an, das halte fest mit deinem ganzen Herzen. Drum„Tene quod Hobes", Halte fest, was du hast. Nicht nur, indem du im Januar deine Stimme dem Status quo gibst, nein schon heute, morgen, übermorgen, Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat, heißt es arbeiten, Freunde, Anhänger für den Status quo zu gewinnen. Be- denket wohl. eS geht umZ Ganze. Entweder der Gegner— oder du. Der Gegner fällt nur moralisch: das weiß er wohl. Denn wir sind nicht so, daß wir jemand den Hals abschneiden oder aufhängen, obwohl der Gegner uns seine eigenen Methoden immer andichten will. Aber wenn du fällst, so sällst du bestimmt, und zwar nach den Methoden deS„dritten Reiches*. Darum noch einmal: Tene quod habes; denn es handelt sich um deine höchsten Güter, um deinen Glauben, um deine Heimat, um dein alles. Halt fest, was du hast! Nie zu Hitler! Max Braun Dann ergriff, von stürmischem, jubelndem Beifall begrüßt, der Führer der Freiheitsfront das Wort: Zur gleichen Stunde, wo Ihr euch hier versammelt, ist ein Teil unserer saarländischen Volksgenossen aus der Festung Ehrenbreitstein versammelt. Ein Teil von ihnen deshalb, weil er glaubt, daß er muß angesichts der Drohung des Boykott», des Terrors: ein anderer Teil, weil er maßlos perhetzt und in inserntzlischer Weise irregeführt ist. Sie gingen zu einer Kundgebung, auf die sie wie eine Hammel- Herde gebracht wurden: Man hielt sie sorgsam mit allen Zwangsmitteln beieinander, damit sie nicht mit irgend- welchen„Miesmachern" und„Kritikastern", irgendwelchen „Meckerern" in Berührung kämen. Ich weiß, ich spreche in cuerm Sinne, wenn ich sage, daß wir mit diesen Volks- genossen tiefstes Bedauern haben. Noch nie ward der deutsche Name so geschändet, noch nie hat soviel Schmach und Schande unser Deutschland bedeckt, als seit dem Tage, da sich diese andere Sorte Deutschtum gleichgeschaltet hat. Soeben gibt mir ein Teilnehmer unserer Kundgebung fol- gende Bekanntmachung der Freiwilligen Feuerwehr Fechingen in die Hand: „Freiw. Feuerwehr— Fechingen. Während der drei Tagen der Kundgebung in Koblenz am LS.,»8. und t7. 8. 1934 steht die Wehr iu erhöhter Alarmbereitschaft. Der Brandmeister." Darf ich den Herrn Brandmeister fragen, ob er in Kob- lenz Herrn Göring vermutet? Glaubt er, daß der Nero unserer Tage ganz Koblenz anstecken werde? Und daß es da zum Löschen der Wehr von Fechingen bedürfe? lSlür- mische Heiterkeit.) Aber die Stunde ist ernst: Wir müssen heute deutlich, klar und unausweichlich sagen, was werden soll! Ich will es versuchen: 1. Um unserer Saarheimat, unseres Saarvolkes willen müssen wir am 13. Januar durch unsere Abstimmung da- für sorgen, daß weder hitlerischer Terror noch hitlerische Katastrophenpolitik über unsere Saar kommt. L. Ilm unseres deutschen Vaterlandes willen müssen wir Hitler eine innen- und außenpolitische Niederlage be» reiten und dadurch unser Vaterland nm so eher von der unwürdigen Nazidespotie befreien Helsen. 3. Um Europa willen darf dieses„Sprungbrett»ach Elsaß-Lothringen", wie es Herr Staatsrat Simon, der Nazipräsident der gleichgeschalteten Saar, > Vereinigungen, in diesem Monat vor einem Jahr« prä» zisierte, nicht in die Hand der neuen Kriegs, und Brand» stister Europas gelangen. Ans diese» Gründen stimmen wir am 1». Januar gegen Hitler, gegen den Anschluß an das„dritte Reich", für eine freie deutsch« Saar!(Stürmische Zustimmung y WaS verstehen wkr unker 5er sreten deutschen Saar kiz«. unter dem sogenannten Status quo? Ich will versuchen»# sagen, wie wir ihn uns denken. Hierauf proklamierte Max Braun die Forderungen ftir den zukünftigen freien Saarstaat. Diese Forderungen, die nur ein Stück Mindestprogramm darstellen, sollen die Voraussetzung schassen für den Kamps um die Freihaltung der Saar, zur Niederwerfung de» Nationalsozialismus und zur Erringung eines freien Deutschland im freien Europa. Kameraden, Genossen, Freiheitskämpfer! Am vergangenen Sonntag haben euch die Helden des illegalen innerdeutschen Kampfes, insbesondere an der Saargrenze, gezeigt, daß sie bis zu 48 Prozent Stimmabgabe gegen Hitler riskieren. Ihr werdet euch ihrer am.13. Januar würdig erweisen. Bei uns müssen es mindestens S9 Prozent fei»! Die Telegramme an Thälmann, Berlin-Moabit, Mierendorf. Konzentrationslager, Lichtenderg. Zchntaufende werktätige Saarländer, versammelt auf der Einheitsfronlkundgebung der Antifaschist!- schon Front inS Sulzbach, entbieten Dir ihre heißen KampfeSgrüße. Unser Kampf gegen Hitler wird mit- helfen, die Kerkertore für Dich und alle eingekerker- ten Antifaschisten zu sprengen und Dich der Freiheit zurückzugewinnen. n AeichSregierung, Berlin Zehntausende Saarländer(versammelt auf der antifaschistischen Kundgebung in Sulzbach) ohne Unterschied der Partei und Konfesston fordern sofortige Freilassung Ernst Thälmanns, Mierendorfs und oller eingekerkerter Antifaschisten sowie Schließung der Konzentrationslager. Im Kampf gegen den Anschluß an das Terrorregime deS.drillen Reiches", werden wir gemeinsam mit allen Werktätigen der Welt nichts unversucht lassen, um die Freiheit der eingekerkerten Antifaschisten wie die von Dimitroff, Popoff und Taneff zu erkämpfen. Boykott und TränenüasDombcn Die„deutsche Fron!" hetzt Provokateure Die Einheitsfront hatte zum Füllen ihrer Luftballons bei einer saarländischen Firma den dazu notwendigen Wasser- stofs bestellt. Die Firma hatte den Kaufvertrag abgeschlossen und sich zür' Lieferung verpflichtet. Im letzten Augenblick er- klärte sie, daß sie ihrer Lieftrungspflicht nicht nachkommen könne, weil sie sonst von den Mitgliedern der braunen Front boykottiert würde. In vertragswidriger Weise ent- zog sie sich mit dieser Begründung ihrer Lieferpflicht. Die Meinung des Geschäftsinhabers, daß die braune Front bei Durchführung der Lieferung seine Existenz gänzlich vcr- Nichten und ihn brotlos machen würbe, beruht auf genauer Kenntnis des Verhaltens der braunen Front. Der Ge- schäftsinhaber selbst ist deren Mitglied. Mitten im Verlaufe der Kundgebung wurde plötzlich an einer Stelle am Rande der Massen Unruhe erzeugt. Man sah dort leichten Rauch aussteigen und es ertönten die Rufe, daß Tränengas durch Bomben verbreitet würde. In der Tat zeigte sich dann auch an jener Stelle die Wirkung dieses Gases. Dem Zuspruche des gerade redenden Max Braun ge- lang es, jegliche Störung hintanzuhalten. Sosort stürzten sich die Freiheitskämpfer und die Polizei auf die beiden Täter, die sich schleunigst durch die Flucht der Verantwortung feige entziehen wollten. Sie wurden ergrissen und da sie sich wehrten, recht unsanft angefaßt. In der Tasche deö cine^ fand man noch eine Tränengasbombe, während die Hüll« der bereits benutzten Bombe auf dem Platze aufgefunden wurde. Tie Täter sind beide Nationalsozialisten. Sie gehören der braunen Front an. Sie heißen: 1. Peter Heidemann, Dudweilerz 2. Heinrich Altmeyer, Bous. Beide Täter sind geständig. Einer von ihnen erklärte, den Auftrag von der braunen Front erhalten zu haben, und zwar durch einen von ihm bezeichneten Herrn von Saar- brücken. Er solle damit Verwirrung und eine Störung der Kundgebung bewirken. Leider hat das gemeine und hinterhältige Attentat eine unangenehme Folge gehabt. Ein junges saardeutsches Mäd« chen, da» von dem Gas eine erhebliche Menge geschluckt hatte, ist erkrankt und mußte dem Krankenhaus zugeführt werden. Außer diesen beiden Nationalsozialisten wurde noch«in weiteres Mitglied der braunen Front von der Polizei ver- haftet. Dieser Bursche hatte während der Red« des tatboli- scheu Geistlichen unerhört beleidigende Redensarten»"» fa* gegeben. Deutscher Sonntag Frei nach Hitler <33 o n unserem Korrespondenten) Paris, 27. August. Die Kundgebung von Ehrenbreitstein begleitet Gallus im„Jntransigeanl" mit einem Artikel über„Deutsche Sonntage". Er sagt:„Wenn das, was mau im Faust singt, richtig ist, dann setzte sich früher der deutsche Bürger an den Tonn- und Festtagen auf die Hügel in der Nähe der Flüsse nnd ließ die Schiffe vorüberfahrcn, in dem er fröhlich dabei sein Glas leerte. Aber da? hat sich sehr geändert. Es hat sich wirklich geändert. Jetzt gibt es keinen Sonntag, wo er nicht in militärischem Schritt durch die Straßen der Stadt zieht, um sich in irgend einem Saal oder auf irgend einen Platz zu begeben, wo seine Führer ihn mit kriegerischen Reden betrunken machen. Das ist sein Lebenskult. Er brüllt, er klatscht, er kommt in Hitze, er hat zu tu». Vergeben» werden Sie in der ganzen Welt ein anderes Land finden, wo die Bürger alle acht Tage für oder gegen irgend etwas Kundgebungen veranstalten, wo man niemals eine Woche der Ruhe und Muße kennt, wo man dauernd un- zufrieden und wütend ist. Das ist eS, was Preußen von Vis- marck biS Hitler aus einem Deutschland gemacht hat, das einmal stolz aus seine Gemütlichkeit war. Innerlich befindet sich Deutschland immer im Krieg«. Tat- sächlich würde eS ihn bald führen, wenn eS dazu imstande wäre und wenn die ganze Welt es nicht scharf beobachtete, be- reit seinen Brutalitäten entgegenzutreten. Heute schreit es sich in Koblenz wegen der Saar heiser. Am nächsten Sonn- tag wird es irgendwo anders a»S demselben Grunde brüllen. Und gesetzt, daß die Saarftagd eines Tages zu Deutschlands Genugtuung gelöst sein wirb, dann wird es aus einem anderen Grunde schreien, den es ohne große Mühe entdecken wird. Teutschland muß eben schreien. Seine Beherrscher er- Wuftgen es do^oM»MgAlMs würden sie et dazu zw>n« gen. Weil es nämlich, während eS schreit, nicht nachdenken kann. DaS deutsche Bolt darf nicht nachdenke«. Sonst würde es merken, daß man ihm nicht? von dem ge- geben hat, was man ihm versprochen batte und eS würde stü? voll Widerwillen von seinen betrügerischen und ungeschickten Herren abwenden, denen eS nicht gelungen sei, ihm die Mittel zum Leben zu geben. Aber wie lange werde man e» in der falschen Begeisterung halten können, die es augenblicklich beseele? Werde nicht ein Tag kommen, wo es die Wirklichkeit sehen werde, da» heißt die traurige Lage, in die eS durch seine fortgesetzten Provokationen und durch seinen Wahnsinn geraten sei, der die ganze Welt in Un- ruhe versetzt und seine Freunde entmutigt habe?" Oes vateriavSes Sank... Die Ermordung des Dr. Lindemann in Glogau Prag, 19. Aug. Tie Ermordung deS südischen ArzteS Dr. Lindcmann in Glogau lDeutsch-Schlesien) am 1. Juli hat. wie»nS mitgeteilt wird, in Schlesien großes Aussehen erregt. Lindemann war 38 Jahre alt, Inhaber deS Eisernen KreuzeS 1. und 2. Klasse und Vorsitzender der Ortsgruppe des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten. Er wurde von SA.-Leuten aus seiner Wohnung entführt und unterwegs erschlagen. Seine Leiche wurde den Angehörigen bis heute noch nicht anSgcliefert. Ein Staataverbrecher In Zweibrücken Malz) wurde vor«inigen Tagen ein gewisser Ernst Klein verhaftet, weil er während der Hitler» rede den Straßburgex Sende; singe^altet hatte, Deutstfke Stimmen•(Beilage zur„(Deutstfken<3reifkeif• Ereignisse und Qestfkitfkten Pl«n»taa, dtn 28. August 1934 (Die Stimme des Qemacdetea Ron Erich Mühsam März 1919 Gruß aus dem Grab euch, meinen Mördern! Ich zürne euch nicht ob eurer Tat. Ein jeder sucht das Recht zu fördern, das er für recht befunden hat. Ihr glaubt an eurer Ahnen Lehre: Ich bin der Herr und du der Knecht! Herr sein erachtet ihr als Ehre und Ehre als ein Sonderrecht. Ich aber hielt es mit den Niedern. Ich sprach dem Volke mahnend zu, dem Ahnenenkel zu erwidern: Ich bin kein Knecht, kein Herr bist du! So kränkt idi euch an eurem Stolze Und nahm dem Volk den Kinderwahn, als wärt ihr von besonderm Holze, als wär die Welt euch Untertan. Ich kränkte euch. Ihr nahmt die Rache, und alle sind wir überzeugt,_ zu dienen der gerechten Sache, der sich der Mensch in Demut beugt. Mag denn mein Opferblut entscheiden, ob euer Recht, ob meines siegt, und ob des Volks, ob euer Leiden im Weltenratschluß schwerer wiegt. Fiel mit dem Ballast meines Lebens des Volks Befreiung über Bord, dann war mein Werk von je vergebens,— und sehr gerecht war euer Mord. Entquillt jedoch aus meinem Blute die nicht von euch gewollte Saat, dann preis ich jubelnd die Minute die euch die Kraft verlieh zur Tat. Dann ward der Freiheit zum Erwedcer der Arm der tötenden Gewalt, dann machtet ihr mich zum Vollstrecke: des Willens, dem mein Leben galt. Dann wird mein Sterben euer Ende und euer Tod mein Anfang sein, dann springt zum Fett der Weltenwende mein Geist für meinen Körper ein. Dann wird es endlich sich erweiten, wer sich und wer die Welt befreit: Gemeinschaft oder Macht und Eisen! Hie Zukunft, hie Vergangenheit!— Der Tod, den ich erlitten habe, stählt meine Mannen zum Gefecht. Gruß euch, ihr Mörder, aus dem Grabe! Zum Kampf! und wer gewinnt, hat recht! (Die Acauae££&e Sei(Dcesdea >,Mätzvei£cheit" xun JAeatu Aus Dresden wird dem„Neuen Vorwärts" geschrieben: Daß Richard Strauß die Uraufführung seiner neuen Oper zurückzog, weil sein Textdichter Stefan Zweig ein Jude ist, hat sogar in Deutschland beträchtliches Aufsehen erregt. Das Elend der Kunst im Hitlerreich wurde wieder einmal schlagartig bloßgelegt. Wie wird sich Strauß nun mit seiner Schwiegertochter abfinden? Sie ist Jüdin— und Schwiegervater Strauß ist Vorsitzender der Reichsmusikkammer. Vor nicht alzu langer Zeit statteten ihm anschließend an eine Straußfeier im Dresdner Opernhaus die großen Pg's Mutschwann, Ministerpräsident Killinger(von dem man heute nicht genau weiß, wo er steckt) und der Oberbürgermeister Zör- "er vor versammeltem Auditorium den Dank der Stadt ah. Im Foyer der Oper wurde eine Büste von ihm aufgestellt. Und nun muß der nationalsozialistische„Freiheitskampf" die politisch-rassische Unzuverlässigkeit des pp. Strauß feststellen, dem„jener feine Zug abgeht, der den nationalsozialistischen Menschen auszeichnet.. Sehr bitter für alle Beteiligten. Schlamperei überall. Also muß ein Opfer her, das ist Intendant Geheimrat Adolph, ein„Märzveilchen" und alter Bürokrat, der mit der Kunst kokettierte. Aber immerhin, selbst er war dem Obertheater- wart Goebbels noch zu selbstständig, drum muß er gehen— zumal er eine jüdische Frau hat. Richard Strauß ist der Gerhart Hauptmann der Musik ge- |. worden. In jüngeren Jahren vertonte er Gedichte von \ Mackay, dem Anarchisten, schuf die Musik zu Dehmels„Arbeitsmann" und zu Karl Henkells klassenkämpferischem Steinklopferlied. Noch vor reichlich zehn Jahren richtete er den„Arbeitsmann" zu einer revolutionären Feier für großes Orchester ein. Es lohnt sich nicht, sich bei diesem Jugendverrat aufzuhalten. Das alles ist für gewisse bürgerliche Künstler symptomatisch. Die Gerhart Hauptmann, Strauß usw. sind an recht bourgeoises Dasein gewöhnt, sind außerdem alt geworden und fühlen Jüngere im Rücken, die mit neuen Tönen und revolutionärem Wollen kamen. Da konnten sie nicht mehr mit und neigten schon deshalb zur Konservierung ihrer altgewordenen Muse. Die hakenkreuz- leriscfae Bilderstürmerei gegen die„Asphaltkunst"— das war für diese Altgewordenen der Kampf gegen das Neue. Schon darum wurde ihnen der politische Umfall leicht. Verwundbar sind sie nur an ihren Tantiemen. Penn alle diese Kunstspitzen wissen auch im„dritten Reiche" recht gut Geld zu machen. Um bei der Musik zu bleiben: als die Nazis noch nicht «n der Macht, sondern noch in der schönen Aera der großen Versprechungen waren, da konnten sie gegen die musikalischen Großverdiener nicht genug wettern. Was haben sie gegen Fritz Busch, den Dirigenten der Dredner Oper getobt, weil er außer seiner hohen Gage noch die gewaltigen Honorare zahlreicher Gastspiele einsteckte!„Solche Zustände müssen aufhören," zürnte die Nazipresse,„andere Künstler leiden Not und diese Festbesoldeten nehmen den Hungernden mit Gastspielen das Brot weg!" Und jetzt? Niehls hat sich geändert, da und dort einiges höchstens insofern, als die Doppel- und Dreifachverdiener heute geeichte Nazis sind Als Beispiel für viele diene Herr Fritz Sehneider, ehemals Musikmeister an der Dresdner Oper, heute Fachatntsleiter der Dresdner Musikerschaft und Obernazi. Anstatt sich auf sein Amt zurückzuziehen, benützt er es, um für sein Quartett gute Engagements herauszuschinden; er geht damit auch gern in die geschmähten Ausländer— bis zum Erbfeind. Den Leipziger Rundfunk belegt er mit seiner Truppe unter getarnten Namen:„Solistenensemble",„Kleines Rundfunkorchester" usw. Indessen hungert ein Teil der von diesem braunen Korruptionisten gegängelten Musikerschaft. Und so ist es in Leipzig, Berlin, Hamburg und anderen Städten. Wie sagte Hitler vor der Machtübernahme?„Wenn die Künstler wüßten, was ich für ein warmes Herz für sie habe, würden sie mir alle ihre Stimme geben..." Jetzt geht die Kunst betteln wie noch nie, aber die Nullen und Dilettanten sitzen wie Maden im Speck. Um wiederum nur bei der Musik zu bleiben, sehe man sich einigen Spitzenbesetzungen an. Die Indentantenposten von München und Dresden sind momentan verwaist; Goebbels duldet nur Kreaturen, die seine Spielpläne und seiner Freunde Mist unbesehen schlucken. In Kessel wurde ein abgetakelter Operetten tenor und natürlich SA-Offizier zum Indentanten gemacht. Als sich herausstellte, daß er sich das E. K. I. unrechtmäßig an die Heldenbrust gelogen hatte, wurde er nicht etwa geschaßt, sondern Regisseur an der Oper in Frankfurt a. M. In Stuttgart durfte ein unbegabter Herr Karl Kraus Generalintendant werden. An der Berliner Stadtoper war dieser Regisseur vor Ausbruch des„dritten Reiches" wegen Unfähigkeit gekündigt worden. Jetzt sitzt er ganz oben. Selbstverständlich langjähriger SA-Mann! Und bekannt ist, daß in Wiesbaden der Vater Baidur v. Schirachs— ein alter pensionierter Rentengreis— zum Theaterherrn gemacht wurde. Wecnec, du(Deu&et Neudeutsche Theaterwissenschaft In der Zeitschrift„Völkische Kultur", welches Blatt für die Intellektuellen unter den Nazis herausgegeben wird, beschreibt ein Werner Deubel, von dem betont wird, daß er auf dem Boden der„biozentrischen Weltauffassung von Ludwig Klages, steht, die alte Iphigenie-Inszenierung von Reinhardt so:„Da inszenierte Reinhardt die Goethesche „Iphigenie", und alle reaktionären Spatzen jubilierten gedankenlos von den Dächern der Feuilletons... Die Suggestion des Namens der Helene Thimig als Titelheldin tat ein Uebriges, die Begeisterung vollkommen zu machen. Ich habe keine Stimme gehört, die gegen diese Aufführung Protest erhoben hätte. Man triumphierte— ahnungslos. Die„modernen" Literaten aber lobten ebenfalls stürmisch — und wußten warum. Links wachte die Schlauheit des bösen Willens, aber rechts hatte die Dummheit des guten Willens die unmittelbare Erlebnisfähigkeit eingeschläfert und ausgelöscht... Ein schmales Madönnchen stand sie da, von allen modernen Leiden zerfressen, ein zuckendes Nervenbündel, dem stromweis„richtige" Tränen aus den Augen rannen... Das Parzenlied wurde dann der Gipfel der Katastrophe. Kein Schauer mehr von Sage und Vorwelt— eine bolschewistische Agitationsrede, ein deklamierter Haßgang. Ein unköniglicher Theas. Der Arkas ein verkleideter Leutnant, Ein zappeliger Pylades, halb aus dem Salon, halb aus der Indianergeschichte. Ein Orest, schwammig, östlich, marklos..." Der Deubel mag wissen, was an diesem Geschwätz dieses Deubels biozentrisch ist; immerhin, es steht in der nobelsten Zeitschrift des Nazisumpfs, die sozusagen die Intellektual- ausgäbe des Streicherschen„Stürmer" ist, an der mitzuarbeiten sich nicht schämen: Rudolf Benz, natürlich der Literatur-Nadler, der Danziger Kindermann aus Wien, die früher auch anders konnten. Interessant ist, daß die Recken dieser Kultur im März noch einen Bericht über Wehrwissenschaft hatten, der seit Mai eingestellt ist. Ueberflüssig zu sagen, daß Banse persönlich die Berichte machte. Nun scheint er nur noch Pseudonym zu schreiben, da sein Name so odiös geworden ist. Juden im(film Vaterländische Front schließt antisemitischen Filmverband aus Der„Oesterreichische Film- und Bühnenkurier", offizielles Organ des Reichsverbandes des technischen Personals der Bühnen-, Film- und Kino Industrie Oesterreichs, veröffentlichte in seiner letzten Ausgabe die folgende Auslassung: „In Deutschland wird jedem Film die Spielerlaubnis versagt, an dem Juden, sei es in welcher Form immer, mitwirken. Mit dieser Tatsache muß man nicht nur rechnen, sie ist ja auch ein Akt ausgleichender Gerechtigkeit gegenüber jüdischer Ueberheblichkeit und Diktaturstreben gerade in der Filmbranche. Die Filmindustrie ist fast vollständig ver> judet und von dem alles zersetzenden jüdischen Geist der Unmoral erfüllt." Nunmehr veröffentlicht die Pressestelle der Vaterländischen Front die folgende Mitteilung:„Die Berufsorganisation der Vaterländischen Front hat sich veranlaßt gesehen, den Reichsverband des technischen Personals der Bühnen-, Film- und Kino-Industrie Oesterreichs aus ihrer Organisation auszuschließen und Johann Leopold£ock aller Funktionen zu entheben," Sie Aal begonnen Neue Zeitrechnung Die„Schleswig-Holsteinische Tageszeitung" gibt eine Beilage„Deutscher Geist— Deutsche Kultur" heraus. In dieser Beilage vom 4. Juli wird dem geplagten deutschen Leser von Rainer Schlösser,(Man denke: Rainer! Fast wie Rainer Maria Rilke!) der lyrische Wert Baidur von Schiradis auseinander verposamentiert. Es heißt da: „Es ist die einmalige und einzigartige Tat Baidur von Schirachs, daß er in dem lebensnotwendigen Augenblick die dichterische Verklärung des Nationalsozialismus geschaffen hat. Darüber muß sich seine gesamte heutige Gefolgschaft in Dankbarkeit klar sein, um so mehr, als es noch viele gibt, die zwar von dem Reichsjugendführer Schirach wissen, aber den Dichter Schirach nicht kennen. Manche sind sogar geneigt zu glauben, es handele sich bei Schirachs Versen mehr oder weniger um ein paar nationale Strophen. Demgegenüber wollen wir alle, die um die schöpferische Kraft des Nationalsozialismus wissen, bekennerisch den Glaubenssatz verteidigen, daß mit den Schirachschen Gedichtbänden das Jahr Eins der nationalsozialistischen Dichtung begonnen hat.". Sa eiiaas gibt es „Zusätzliche Allgemeinbildung" Was man heute deutsche Volksbildungsarbeit heißt und welchen Jargon man aus der deutschen Sprache macht, zeigt folgende Anordnung:„Der Reichsschulungsleiter der NSDAP, und DAF. sowie Amtsleiter des Amtes für Ausbildung der NS.-Gemeinschaft„Kraft durch Freude", Otto G o h d e s, gibt jetzt neue Durchführungsbestimmungen des Amtes für Ausbildung der NS.-Gemeinschaft„Kraft durch Freude" bekannt. Das Amt für Ausbildung will dem deutschen Menschen außerhalb seines Berufes, am Feierabend, die Möglichkeit schaffen, sich eine gediegene zusätzliche Allgemeinbildung zu erarbeiten. Hierbei erscheint es notwendig, dem Bildungsbegriff einen neuen Inhalt und neue Richtung zu geben. Drei Bildungsgebiete sollen erfaßt werden: die weltanschauliche, charakterliche und künstlerische Bildung und Erziehung. Wie Otto Gohdes ausdrücklich ankündigt, wird der Gesamtunterricht in engster Zusammenarbeit u. a. mit der NS.-Kulturgemeinde und dem Amt für Heimat und Volkstum durchgeführt werden." JCucz gesagt Die Philosophie der Totalität Ein Naziphilosoph Frans Täschner schrieb unter dem Titel„Der Totalitätsanspruch des Nationalsozialismus und die katholische Kirche"(Minden i. W. 1934) ein politisch philosophisches Werk gegen den Katholizismus, in dem der tragende Grundsatz so lautet:„Unter dem Nationalsozialistischen Totalitätsanspruch ist kurz gesagt zu verstehen: einmal die totale Unterordnung aller natürlichen Lebensbetätigungen der Nation unter einen einzigen Gesichtspunkt, und zwar den des Wohles der Nation; zum anderen die für diesen einen Gesichtspunkt beanspruchte total»: Geltung in der Gesamtnation. Auf eine derart kurze und einfache Formel gebracht, sollte man meinen, leuchtet der nationalsozialistische Totalitätsanspruch einem jeden, der ein Empfinden für das nationale Gemeinwohl hat, ohne weiteres ein, so daß sich jede weitere Erörterung erübrigen würde. Indessen..."— So viele Worte braucht ein Nazi um daa Wort„Rechtlosigkeit" und„Sklaverei" auszudrük- ken. Zeit=7lolir die, als j^e sie niedermetzelten, alle Gesetze der Menschlichkeit über den Haufen warfen, sind durch nichts zu entschuldigen. Die Mörder trieben in der Eonciergerie, in der Force ihr Wesen) sie mordeten in diesen beiden Gefängnissen wie auch im Ehatelet die ganze Nacht hindurch. In der Eoneier- gerie kam Moutmorin de Fontainebleau und auch ivohl der Minister Moutmorin»ins Leben fGraf Armand Maree de Montmorin ivurde nin?. September in der Abtei nieder- gemetzelt). In dieser furchtbaren Nacht spielte das Volk die Rolle der Großen der alten Zeit, die im Schweigen und unter dem Schleier der Nacht so viele unschuldige wie schuldige Opfer hinschlachteten. In dieser Nacht herrschte das Volk, das durch den furchtbaren Frevel dieser Agitatoren zum Despoten und Tyrannen geworden war. Ruhen wir uns einen Augenblick aus. Andere Szenen erwarten uns am Morgen des». in der Force... Ich erhob mich in einem krankhaften Entsetzen. Die Nacht hatte mich nicht erfrischt) sie hatte mein Blut nur noch mehr in Wallung gebracht. Ich gehe von Hause fort... Ich höre überall zu, ich folge den Gruppen, die sich das„Elend" an- sehen wollen, wie sie sagen. Als wir an der Eonciergerie vorbeikommen, sehe ich einen von den Mördern,— man sagt mir, daß es ein Marseiller Matrose ist— dem die Hand von der Ueberanstrengung geschwollen ist. Ich ging weiter. Am Ehatelet ivaren Leichenhausen ausgetürmt. Ich märe am liebsten geflohen... Und doch ging ich nicht ans dem Ge- dränge fort. Ich komme in die R-ue Saint-Antoine, au der Mündung der Rue des Ballets, in dem Augenblick, als einer von den Unglücklichen, der mitangesehen, wie man seinen Vorgänger getötet hatte, statt überrascht stillzustehen, davon lies und, so schnell die Beine ihn triigen, durch die kleine Pforte hinausstürzte. Ein Mann, der nicht z» der Mörder- bände gehörte, aber eine von diesen gedankenlosen Maschs- neu war, deren es so viele gibt, hielt ihn mit der Pike an. Ter Unselige wurde von seinen Verfolgern ergriffen und massakriert. Der Mann mit der Pike sagte kaltblütig „Ich wußte ja nicht, daß sie ihn töte» wollten." Dies Vorspiel veranlagte mich, mich zurückzuziehen, als eine andere Szene mich mit neuem Entsetze» erfüllte. Ich sah zivei Frauen aus einem Hanse treten. Die eine von ihnen ivar mir bekannt: es war die interessante Saint-Briee, die Kammerfrau des Exprinzen, neben ihr ging ein junges, sechzehnjähriges Mädchen, ein Fräulein von Tonrzel. Man brachte sie in die Kirche Saint-Antoine. Ich folgte ihnen und sah sie mir so genau an, wie ihre Schleier mir erlaubten. Das junge Mädchen weinte. Frau Saint-Briee trüstete sie. In der Kirche wurden sie in Arrest genommen. Ich ging einen Augenblick hinaus und konnte dann nicht wieder hin- ein. Da kehrte ich nach der Rue des Ballets zurück und sah nun zivei andere Frauen in einen Wagen steigen, während dem Kutscher leise zugerufen wurde:„Nach Sainte-Pelagie." Ich weiß nicht, ob ich mich täusche, aber ich glaube, es war der Stadtverordnete Tall>en, der diesen Befehl gab. Momentan ivar dem Morden Einhalt getan. Irgend etwas ging im Inner» des Gebäudes vor... Ich gab mich der Hoffnung hin. daß alles vorüber sei. Da sah ich eine Frau, bleich wie eist Tuch, herauskommen, auf einen Gefängnis Wärter gestützt. Man schrie sie mit rauher Stimme an: „Rufe: ES lebe die Nation!" „Nein, nein," sagte sie. Man ließ sie auf ein Stück von einem Leichnam steigen. Einer von den Mördern packte den Gefängniswärter und riß ihn weg. „Halt," rief die arme Frau,„tut ihm nichts zu leide!" Man befahl ihr nochmals:„Es lebe die Nation" zu rufen! Aber sie weigerte sich verachiungsvoll. Da packte sie einer von den Unmenschen, riß ihr die Kleider ab und schnitt ihr den Leib ans. Sie fiel zu Boden und wurde nun von den andern umgebracht... Solche Greuel hätte ich mir nie ausmalen können. Ich wollte fliehen, meine Beine versag- le». Ich wurde ohnmächtig. Als ich wieder zn mir kam, sah ich de» blutenden Kopf... Man sagte mir, man werde ihn waschen, irisieren, auf eine Stange stecken und nach dem Temple tragen. Un nötige Grausamkeit! Tie spürte sie nickt mehr... Diese Unglückliche ivar Fräulein von Lamballe... Ich hatte, als ich nach Hause ging, die Freude, zu sehen, daß man Frau von Saint-Briee und Fräulein von Tourzel zu ihren Eltern zurückbrachte. Sie zitterten.. Das Schicksal Angremonts, LaporteS und Durozons hatte alles, was zum Hof in Beziehung stand, in den größten Schrecken versetzt. Man setzte die Massaker fort. Ich hörte auf dem Heimweg von einem reckt anständig aussehenden, unbekannte» Manne, daß alle Spitzbuben von Paris sich unter die Terroristen ge- mischt hätten, um ihre gefangenen Genossen zu befreien. Sie besetzten die Gefängnisse, so daß sie Herren über Leben und Tod waren. Bisweilen, iveun die Spitzbuben sehr zahlreich waren und die Mörder sich langweilten, weil sie nichts zn tun hatten, richteten diese Schufte ohne Wissen der Richter einen Unschuldigen hin: auf diese Weise ist mancher gute Patriot ums Leben gekommen. Ich kehrte nach Hause zurück, überwältigt von Grauen und Müdigkeit) das kam wohl daher, daß ich schon lange keine wirkliche Ruhe mehr gesün- den hatte. Habe ich irgend etwas aus dieser verhängnisvollen Nacht und dem darauffolgenden Tage vergehen? Ich weiß es nicht. ES ist mir zn qualvoll, in meinem Gedächtnis all diese grauenvollen Einzelheiten wieder aufleben zu lasten, die ja doch von einem Menschen angeordnet morde» waren) kalt- blutig angeordnet, ohne Wissen deS Bürgermeister Petion, des Ministers Roland! Wer also hatte den Befehl gegeben? O, die Feiglinge haben sich verkrochen, sie wagten nicht sich sehen zu lassen... Aber man sieht sie hinter dem Schleier, de»&... Zwei Gedichte aus dem Vormärz Nacht Nun ist der Tag gesunken. Vom Berge steigt die Hacht. Und hell mit tausend Funken Tie Sternlein sind erwacht. Nun über Thal und Hügel Herab vom Sternenzelt, Nu» schwebt mit leisem Flügel Die Freiheit durch die Welt. Tie tritt an alle Hütten. Sie pocht an jedes Tor. Tie flüstert leise Bitten Den Schlummernden ins Ohr. Sie weiht mit heißem Küste Den Jüngling und den Manu Und haucht mit leisem Gruße Auch den Gefangnen an., Sie prüft am Schwert die Schneide. Sie tritt»um Pulversaß, Sie zählt mit stummem Neide Den Sand im Stundenglas: Daß alle Seelen träumen. Daß alle Herzen glühn, Bon Rosien, die sich bäume». Von Taten, stolz und kühu' Daß hinter Eisengittern Selbst der Gefangene lacht! Daß im Palast mit Zittern. Ein bleicher Mann erwach». Robert Prutz. Weh' den Eidbrüchigen Weh' den Eidbrüchigen! Schamlos ertödten sie Alles was beilig heißt. Und nicht erröten sie Bor der Geschichte Geist. Weh' den Eidbrüchige«! Weh' den Eroberern? Denn wie ein Nessuskleid Drückt des Beraubten Pracht, Bringt sie zurück das Leid, Das sie ihm selbst gebracht. Weh' den Eroberern! Wehe den Mördern! Segen ausstreuten sie Für die ttzeschlachteten, Flüche erneuten sie Sich, den Verachtete». Wehe de» Mördern! Heil den Gefesielten! Denn bei der Kette Klang Schlafen sie süßre Nacht, Als in dem Blute bang. Die ihnen Leid gebracht. Heil den Gefesielten! Heil den ltzcfallenen! Ruh' den Gestorbenen, Tie auf dem Felde ruh n, Di« der erworbenen Freiheit sich freuen nun. Heil den Gefallenen! Moritz Hartmann. Welches ist das wahre Motiv dieser Metzelei? Manche Leute meinen, sie sei tatsächlich in Szene gesetzt worden, da- mit die Freiwilligen, wenn sie an die Grenzen ausrückten, ihre Frauen und Kinder nicht der Gnade der Straßenräuber zu überlassen brauchten: die Befürchtung, daß die Tribunale freisprechen, daß RegierungSfcinde entweichen könnten ut'n>. habe mitgesprochen. Ich wollte die Wahrheit wisien und habe sie endlich gefunden, Man wollte nur eins: sich von den eidbrüchigen Priestern beireien. Einig« wollten sogar sämtliche Priester umbringen. Nun fühlte man aber, daß eS noch Fanatismus gab und daß ein solcher Akt, wenn er sich nur gegen die Priester richtete, ausdrücklich nur gegen sie, dos Volk sicher zur Empörung treiben werde. Die Verbannung würde die Priester, ohne im geringsten ihren Zweck zu er- füllen, nur zu Emigrauten machen, die im Auslande gefähr- lichcr wären als im Inland«. Was sollte man mit ihnen an- sangen?— Tie unschädlich machen. Wenn man das aus andere Weise gekonnt hätte, als indem man sie tötete, würde man sie nicht getötet haben. Man tötete sie aber, und ui» diese ungesetzliche Maßnahme zu verschleiern, arrangierte man die Komödie mit den Gefängnissen... Was soll man zu diesen entsetzlichen Geschchnisien sagen?... Daß sie entsetzlich sind. Aber was uns vor Entsetzen schaudern macht- heute am 11. Mai 179», das ist die Erkenntnis, daß dies Gemetzel— grauenvoller Gedanke— nötig, und daß es noch nicht umfassend, noch nicht vollständig genug war. Ein Kom- misiar von der Exekutive bat gestern gesagt:„Ich sah i« Nantes, wie die Frauen den des Landes verwiesenen Prie- stern Geld für Assignaten oder auch ohne jeden Gegenwert gaben. Ich sah, wie sie vor ihnen aus die Knie sielen und ihren Segen empfingen. Und ich sagte zu den National- gardisten:„Warum dulden Tie das?" „Oho! Was wollen Sie! Wir haben genug vom Gesetz!" „Ihr werdet darunter zu leiden haben." Und sie leiden bereits darunter.„Man müßte, fuhr ick> fort,„sie auf ein Schiff wie das der Agripptna setzen und sie dem freien Meer überlassen." Die? Wort hätte mir um ein Haar das Leben gekostet. Ohne meine Sicherheit und meine Gewandtheit wäre ich verloren gewesen." Das Benehmen dieser Leute ist heute so, daß in den Her- zen der Patrioten nichts als Wut und das Bedauern, nickt noch barbarischer gegen sie vorgegangen zu.«ein, zurück- gebliebl» ig. Die Schutte' f®g r«SJ Holland wclsl 300 deutsdie Flüchtlinge ans Amsterdam, 27. August. 8no Ausländer, in der Mehrzahl deutsche jüdische Flucht« unge, haben sich seit Januar 1932 ohne behördliche Erlaubnis in Amsterdam niedergelassen. Tie haben jetzt durch die Po- lizeibehördcu den Befehl erhalten, binnen kurzem Holland zu verlassen. Simon wird„informiert" In der„Saarbriicker Zeitung" vom Montag lesen wir die -ttede des Herrn Staatsrats Simon aus Koblenz. Er begann: »Als Landsmann der hier versammelten saardeutschen Volksgenossen heiße ich Euch in der Stadt am Deutschen Eck willkommen. Zur selben Zeit, Ivo wir hier in Koblenz zu Hunderttausende» versammelt sind, sind im Saargebict auch einige versammelt.«Heiterkeit.) Es wurde soeben telefonisch mitgeteilt, daß in Sulzbach 7090 Personen versammelt sind bei insgesamt 89 Fahnen. Dem Bernehmen nach sollen unter diesen 7999 auch einige Saarländer sein. Die Mehrzahl von muen gehört zu denjenigen, die daö deutsche Bolk verlassen haben. Unter ihnen ist niemand, der ein Recht hat, sich auf das deutsche Volk zu berufen." »Einige Saarländer" waren leider verhindert in unmittcl- barer Nähe des Herrn Staatsrats Simon während seiner «chimpfrcde zu weilen. Sonst hätte es ihm die Stimme ver- Ichlagen. Düsterberg Ein„lebendiger Leichnam" Der frühere zweite Stahlhelm-Führer, Oberstleutnant Küstelberg, ist vor kurzem a«S dem Konzcntrations- lager, in dem er sich seit dem 39. Juni befand, entlasten worden. Jetzt hat der Vertreter der„Tribüne de Geneve" eine Unterredung mit Düsterberg gehabt, worüber er schreibt: »Seit zwei Jahre» habe ich mich von der Politik zurück- gezogen. Ich bin nicht erschossen worden, aber ich bin ein lebendiger Leichnam." „Aber Sie waren verhaftet? Weswegen eigentlich?" »Ich weiß es nicht. Wenn Sie es ivissen, wäre ich Ihnen dankbar, wenn Tie es mir sagen würden." «Sie sind also im Gefängnis gewesen!?" »Sogar in einer Militärarrestanstalt. Seit siebe» Jahren verbringe ich jedes Jahr meine Ferien in Dorskreuz in Bayern. Dieses kleine Bad liegt unglücklicherweise wenige Kilometer von Wiessee entfernt. In der Nacht vom 39. Juni zum 1. Juli ivurde ich geweckt und durch ST. abgeführt, ohne mein Verbrechen zu kennen. Einige Tage lang ivurde ich im Konzentrationslager Dachau festgehalten und dann in das das Columbiahaus in Berlin überführt. Dieser internatio- nalc Name erinnert an eine Bar oder an ein Hotel. Glauben Tie mir, die Militärarrestanstalt in Tempelhos, wo ich ein- gesperrt wurde, entspricht in nichts diesem Bilde. Ich bin am 2. August freigelassen worden, nachdem ich 32 Tage im Gefängnis zugebracht hatte. Am Tage meiner Freilassung hat man mir gewisse Fragen, vor allem die, ob ich Röhm gekannt hätte, gestellt. Mit gutem Gewissen konnte ich das verneinen. Ich habe niemals mit Röhm gesprochen, ich bin ihm niemals vorgestellt worden, und weit» davon die Rede war. de» Stahlhelm unter seinen Oberbefehl zu stellen, so habe ich mich dem mit allen meinen Kräften widersetzt." „Sind Sie wenigstens gut behandelt worden?" «Das ist Ansichtssache. Sic werden mir gestatten, daraus nicht zu antworten." „Womit beschäftigen' Sie sich eigentlich?" „Ich studiere die Geschichte und stelle scst, daß sie eine ewige Wiederholung darstellt. Es gibt nichts Neues unter der Sonne." vie„unerwünschte" Tran Lewis Sie staunte über Adolf Hitler Eine der bekanntesten amerikanischen Schriftstellerinnen ist •i ö rvt h« Thompson-Lewis, die Gattin des Nobel- Preisträgers Sinclair Lewis, erhielt von der Geheimen Staatspolizei folgendes Schreiben:„Wie die Behörden misten, halten Sie sich seit kurzem wieder in Deutschland auf. Mit Rücksicht auf Ihre zahlreichen deutsch-feindltchcn Veröffentlichungen in der amerikanischen Presse, ist es aus Gründen der nationalen Selbstachtung unmöglich, Ihnen in Deutschland weiterhin das Gastrecht zu gewähren. Zur Ver- Meldung einer formellen Ausweisung werden Sie daher ge- beten, Ihren Aufenthalt in Deutschland so schnell als mög- lich abzubrechen und das Reichsgebiet unverzüglich zu ver- lassen." Der amerikanische Konsul in Berlin, Geist, erreichte eine Verlängerung der Auswetsungssrist um vierund- zwanzig Stunden, wurde aber darauf aufmerksam gemacht, daß falls Mrs. Thompson-Lewis tn der vorgeschriebenen Frist nicht abgereist sei, sie unter Bewachung von zwei Poli- zisten über die Grenze gebracht würbe. Mrs. Thompson- Lewis hat daraufhin Berlin heute verlassen, um nach Paris zu fahren. Wie der amerikanische Konsul von der Geheimen Staatspolizei erfuhr, steht die Ausweisung der amerika- Nischen Schriftstellerin in Zusammenhang mit einem Interview, das ihr Adolf Hitler im Jahre 1931 gewährte und das sie alsdann ausführlich beschrieben hatte. In dieser Beschreibung hat Mrs. Thompson-Lewis ihren persönliche» Eindruck von Adols Hitler wiedergegeben und kam zum Schluß, daß nach ihrem Urteil Hitler niemals Diktator Deutschlands werden würde. Illilerdeiilscliland droht Sidney, 27. August. Die australisch-deutsche Handelskammer hat soeben die offizielle Nachricht erhalten, daß Deutschland sich in dieser Saison weigern werde,, australische Wolle zu kaufen, wenn die Handelsbilanz mit Australien weiter so ungünstig bleibe, wie im verflossenen Jahre. Karl Barth in Bayern verboten München, 25. Aug. lUnited Preß.j Jetzt erst wird bekannt, daß unmittelbar nach dem Erlaß des Reichsinnenministers, der eine gewisse Erleichterung des Verbotes kirchenpolitischer Erörterungen vorsteht, fast alle der tn der Schriftenreihe „Theologische Existenz von heute" erschienenen Schriften des Bonner Theologieprosessors Karl Barth in Bayer» verboten worden sind. Auch eine große Anzahl anderer theologischer Schriften verfiel einem Verbot durch die bayerische Regierung, darunter auch eine, die von einem Mitglied der NSDAP, geschrieben wurde. Hitler■ evangelischer Papst? Nazi-Spitzel im Talar Kopenhagen, 27. August. „Tagens Nyheder" teilt mit, daß der Allgemeine Kongreß der christlichen Kirchen, der zur Zeit in Franse tagt, sich tn der Hauptsache mit der Haltung beschäs- tigen soll, die der Allgemeine Kongreß gegenüber den Bor- gängen in der pr testantischen Kirche in Deutschland einzu- nehmen hat. Der Kongreß möchte gern einen Bruch mit der deutschen Kirche vermeiden in einer Zeit, wo Einigkeit und Brüderlichkeit wichtiger seien denn je. Andererseits aber machte ein deutscher Pastor, der im Gegensatz zur offiziellen deutschen Kirche steht, den Kongreß auf die Bestimmungen aufmerksam gemacht, die die offizielle deutsche Kirche heraus- bringen werde. Der Vertreter dieser offiziellen deutschen Kirche, Dr. Hecke! ist soeben in Begleitung von vier Pastoren in Franoe angekommen, zwei davon sind Kirchen- rechtler. Gleichzeitig mit diesem Kongreß tagt die christliche Verhake! Das Kommando des Reichsbischofs Kopenhagen, 25. Aug. Auf der dänischen Insel Fan» ist eine Konserenz von Vertretern der„Internationalen Freundschaft durch die Kirchen" und„Leben und Arbeit" er- öffnet worden. Die Konferenz wird sich mit der Frage be- schäftigen, was geschehen soll, wenn sich die kirchcnpolitischen Auseinandersetzungen in Deutschland bis zu einem offene» tonflikt zivischen der Kirche und dem Staat verschärfen. Die Freie Kirchensnnodc Deutschlands mar zu dieser Konferenz eingeladen worden. Der Reichsbischos Müller hat. gestützt auf seine Verbindung mit den staatlichen Be- Hörden, die T e i l n a h in c von Vertretern dieser Opposition untersagt. Das Telegramm der Synode, das die Absage enthielt, wurde von den Mitgliedern der Konferenz mit Enttäuschung und Entrüstung ausgenommen. Recht so! Eine Anordnung des LaudeSkirchcnrates in Thüringen bestimmt, daß jeder Pfarrer die Pflicht habe, in der Woche mindestens zehn Hausbesuche zu machen. Ucber die Besuche ist gewissenhast Buch zu führen. Das Be- suchsbuch soll am 1. September 1934 beginnen. .Nicht zugelassen" Hindenburg durfte nur noch nach Walhall Das Organ Otto Ttraßers„Die deutsche Revolution" schildert in ihrer letzten Nummer auf Grund angeblich zu- verlässiger Mitteilungen, wie der verstorbene Reichspräsident über die Vorgänge vom 39. Juni im unklaren ge- lassen worden sei. Zuerst habe von Pape» versucht, Hindenburg von der Ermordung seiner Mitarbeiter Bose und Dr. Jung in Kenntnis zu setzen. Doch sei von P a p e n s K u r i e r n> ch t z u g e l a s s e n worden. Eben- so sei ein zweiter Versuch durch Hindenburgs Nachbarn und Freund von Oldcnburg-Januschau mißlungen, und schließ- lich habe noch Gcneralseldmarschall Mackensen umsonst versucht zu Hindenbulj' zu gelangen. Aber auch er sei nicht zugelassen worden. Oesterreich Bundeskanzler Dr. Schuschnigg über seine Besprechungen mit Mussolini DNB. Wien, 27. August. Bundeskanzler Dr. Schuschnigg traf an> Sountagabend am Wiener Westbahnhos ein. Zu seinem Empsang hatte sich auch der italienische Gesandte Prinz Preeiost eingefunden. Dr. Schuschnigg gab nach seiner Ankunft einem Vertreter der politischen Korrespondenz Er- klärungen ab, in denen er u. a. sagte: Das Ergebnis der Konferenz von Florenz ist in der amtlichen Mitteilung vom 21. August in klarer Weise niedergelegt, und ich kann heute nur wiederholen, daß die mehr als dreistündige Aussprache, die ich mit dem italienischen Ministerpräsideuten Mussolini hatte, und in der alle die beide» Staaten berührenden Fra- gen auf politischem, wirtschaftlichem, kulturellem Gebiet einer eingehenden Prüfung unterzogen worden, vollste Uebcrein- stimmuna ergeben hat. Diese Uebcrcinstimmuna scheint mir um so bedeutungsvoller, als neuerlich die Richtlinien und Wege zur Ausrechterhaltung der Unabhängigkeit und Frei- heit Oesterreichs besprochen wurden. Dieser Begriff schließt auch die absolute innere Autonomie in sich. Der Bundeskanzler erklärte weiter, er habe.mit großer Genugtuung wahrgenommen, daß die Unterredungen von Florenz in der europäischen Oeffentlichkcit die richtige Wer- tung insofern gefunden hätten, als die neuerliche Betonung und Unterstreichuna politischer und wirtschaftlicher Zusam- menarbeit mit dem Königreich Italien nicht im Sinne eines andere Mächte ausschließenden Vertrages aufgefaßt worden sei. Die maßgebende europäische Meinung sei mit wenigen Ausnahmen dahin zusammengefaßt, daß der Beginn einer Neuordnung der wirtschaftlichen Lage im Donaubeckcn hoffentlich auch noch andere Kräfte ausrufen werde, sich in positiver Weise dem Beginn einer politischen und wirtschaftlichen Neuordnung anzuschließen. Bundeskanzler Dr. Schuschnigg hat von Wien aus eine Depesche an M ini st erpräsident Mussolini ge- richtet, in der er für die herzliche Aufnahme in Italien seinen Dank ausdrückt. Nene wiener Sensation Gekaufte Landbundstimmen Wien, 28. August. Tie„ReichSpost" meldet, daß im Zu- sammenhang mit der Ausdeckung der mit der Verhaftung des ehemaligen Landbundführers Bachinger bestehenden Zu- sammenhänge jetzt Dinge zum Vorschein kommen, die die Umrisse eines in Oesterreich noch nie dagewesenen politischen Panamas aufzeigen. Mehrere Landbund- führer haben die Stellung ihrer Partei zur Verfaffungs- reform bzw. die Stimmen des Landbundklubs um bares Geld verkauft. Stimmkäufer war die natio- nalsozialistische Zentrale in München. Einzelne Lanbbunbsührer hatten in der letzten Sitzung des National- rates am 39. April 1934 entgegen ihrer kurz zuvor abge- gebenen Erklärung sich bei der Abstimmung über das Er- mächtigungsgesetz zur Durchführung der Bcrsassungsresorm ihrer Stimme enthalten. Nur zwei Abgeordnete stimmten pro. Wie aus dem bisher gefundenen Material hervorgeht, Jugend, die feststellen mußte, daß sich In ihre Tagungen eindeutscherSpiyel eingeschlichen hatte. Da die jungen deutschen Theologen sich bei dieser Tagung mit großem Freimut ausgesprochen hatten, sind sie natürlich sehr besorgt über die Folgen, die jetzt für sie eintreten könnten. Gleichzeitig mit Dr. Heckel ist tn Franoe der Bischof Belle von Ehichester angekommen, der ein erklärter Gegner der offiziellen deutschen Kirche ist. Der Kongreß wünscht, daß die gegnerischen deutschen Pastoren zumindest mit menschlicher Gercchtig- keit behandelt würden.„Dagcns Nyheder" will auch noch wissen, daß die Vertreter der offiziellen deutschen Kirche be- reits erklärt haben, nach der Saarabstimmung solle eine einige deutsche Kirche aus Katholiken und Protestanten ge- schaffen werden, die Adols Hitler in der gleichen Weise unter- stellt werden solle, wie die römisch-katholische Kirche dem Papst unterstellt sei. sind W i n k l e r, B a ch i n g e r und D e w a t n a u f S schwerste belastet. Dewat» wurde in der Wohnung des ehemaligen Vizekanzlers Winkler. der sich feit einiger Zeit in der Tschechoslowakei aushält, verhaftet. Die Kailssumme macht, ivie verlautet, eine sechsstellige Ziffer in Schillingen aus. s y Die Habsburger Ein Familienrat dnb. Paris, 27. August. Der„Ercelsior" bringt Einzelheiten über den Familienrat der Habsburger in Mariazell, der unter dem Vorsitz des Erzherzogs Eugen stattfand. ES sei dabei beraten worden über die Verheiratung des Erzherzogs Otto lvorzugsweise mit einer italienischen Prinzessin), tne Wiedererlangung des Familienvermögens der.Habsburger in Oesterreich und die Möglichkeit einer Wiederbesteigung des Thrones. Erzherzog Otto habe in de» ungarischen Legiti- mistenkreisen Anhänger verloren, da er neuerdings die Thronanwartschast allzu„österreichisch" ausziehe. In Budapest denke man daher jetzt an eine Anwartschast deS Sohnes des Erzherzogs Joseph, der während des Weltkrieges die^ungarischen Truppen Hcfchligte. Eine solche Anwartschaft würde angeblich von der Kleinen Entente zugelassen werden. I» Wien stiegen die Aussichten des Erzherzogs Otto von Tag zu Tag. Bundespräsident Miklas soll seinen Posten gern zu- gunsten deS Erzherzogs Eugen als Rcichsvcriveser räumen wollen. Das ivürde eine Art UebergangSstadium zugunsten der Thronbesteigung der Habsburger sein. Die Habsburger genössen übrigens die sehr tätige Unterstützung des früheren Königs Alfons von Spanien, der in allen Kreisen für die Wiedereinsetzung der Habsburger werbe. Nord Und Tragödie eines Gendarmen dnb. Wien» 27. Aug. Ter Wctnhändler Gottiried Amplatz aus Klagenfurt fuhr am Samstagabend mit dem Wert- meister Karl Lorenz auf eine Geschäftsreise. I» der Nähe von Krumpcndors am Wörther See, wurde er, offenbar von seineni Begleiter, der seither verschwunden ist, diuch zivei Pistolenschüsse in die Wange und in den Hinterkopf getötet. Ein des Weges kommender Kaufmann fand den herrenlosen Kraftwagen mit der Leiche. Der Täter hat vermutlich 3900 Schilling geraubt. Es ist auch nicht ausgeschlossen, daß ein politischer Mord vorliegt. Der Mord hatte noch ein trauriges Nachspiel. Die Er- Hebungen in diesem Kriminalsall führte der Gendarmeric- pcstenkommandant von Krumpcndors, Schlatt» Als er, mit seiner Arbeit beschäftigt, spät nachts noch nicht heimgekehrt mar, ging seine kranke Frau in einem Anfall von Eifer- suchtswahn in den Keller des Hauies, übergoß sich mit Ben- zin und Petroleum und zündete sich an. Der Gendarmerie- beamtc fand sie bei seiner Heimkehr als verkohlte Leiche vor. Pas Neuest« Eine Flugveranstaltuiig in Kronstadt(Siebenbürgens ivurde durch einen tragischen Zwischenfall unterbrochen. Ein Flugzeug, das von Kapitän Hubert, dem Bobsleigh-Wclt, meister von der Winterolqmpiade 1988 in Lake Placid, ge- steuert wurde, stürzte aus einer Höhe von 39 Meter ab. Hubert war sofort tot. In den Städten des Peloponnes in Griechenland ist es wegen der amtlich festzusetzenden Korinthcnpreisc zu Kund- gedungen der Korinthenbaner» gekommen. In Aegion ver- juchten Bauern, den Korinthenspeichcr in Strand zu stecken. Dabei kam es zu einem Zusammenstoß mit der Polizei, eine Person wurde getötet und zahlreiche Personen verletzt, davon drei schwer. Der Streikausschuß des amerikanischen Tertilarbeiter- Verbandes sandte geheime, Anweisungen an die Führer der einzelnen Verbände sü r den allgemeinen Au», stand in d c r T c r t t l i n d u st r i c. Wie Associated Preß erfährt, soll zunächst eine halbe Million Vaumwnllarbeitcr am 4. September in den Ausstand treten. Möglicherweise werden sich etwa 800 000 Seiden-, Kunstseiden- und Woll, arbeitet anschließen. Nach dem„Populaire" haben die italienische sozialistische Partei und die italienische kommunistische Partei am 17. August ein Abkommen unterzeichnet, durch das sie unter Vorbehalt ihrer getrennten Werbetätigkeit eine gemeinsame Aktion in gewissen Fragen durchführen wollen. In Tampa(Floridas beging ein arbeitsloser Zigarren- arbeitet aus ungewöhnliche Art S e l b st m o r d. Er ent- kleidete ssch und sprang in ein großes H o r n i s s e n n e st, in dem er zehn Minuten sitzen blieb. Seine Mutter, die von weitem zusah, flehte ihn vergeblich an, zu fliehen. Die Feuer- wehr, die herbeigerufen worden war, vertrieb schließlich Tau» sende von Hornissen durch Ranch. Der Selbstmörder, der über und über mit Stichen bedeckt war, und dessen Körper stark angeschwollen war, brachte sie in ein Krankenhaus, wo er kurz nach seiner Sinlieferung unter furchtbaren Schmer- zen starb. Am Karer-See in den Dolomiten wurde eine dort zum. Sommerausenthalt weilende Fra« aus Messtna erschossen, als sie mit ihrem Gatten eine» Spaziergang durch be» Wald machte. Plötzlich tauchte ei« Mann aus, der zwei Schüsse aus die Fra« abgab. Sie wurde schwer verletzt in eine nahe« gelegen« Villa gebracht, wo sie kurz daraus starb. Die Hinter, gründe der Tat sind noch völlig ungeklärt. Hitlcrdeulsdiland hellt auf dem Balkan Die neue Außenpollllh- gegen Hallen Paris, 27. August. Von unserem Korrespondenten ^Tcr mitteleuropäische Tonderberichterstatter'des„Paris» Soir". der in seinem Blatte schon wiederholt Informationen geben konnte, die in die geheimen Hintergründe der natio- »alsozialistischen Politik Einblick gewährten, will aus angeb- lich einwandfreier Quelle wissen, daß Deutschland jetzt mit alle« Mitteln aus dem Balkan Verwicklungen herbeiführen will, um es so Italien unmöglich zu machen, sich in die öfter- reichische Politik einzumischen. Der den Lesern der„Deutschen Freiheit" schon bekannte Journali Charles Stcart kommt zunächst auf die Borgeschichte des Wiener Putsches zu sprechen. Am IS. Juli habe man in der Wilhelmstrane von dem deutschen Gesandten in Wien, Dr. Rieth ein Telegramm des Inhalts erhalten, daß Dollfuß im Begriffe stehe, mit Mussolini ein Abkommen zu schließen, auf Grund dessen sich Italien verpflichte, Oester- reichs Unabhängigkeit zu schützen. Herr von Neurath habe sofort Hitler hiervon in Kenntnis gesetzt, der unmittelbar einen außerordentliche» Kabinettsrat einberufe» habe. Dieser habe einmütig solgcndc Beschlüsse gefaßt: es sollten ergänzende Auskünfte von dem deutschen Gesandten in Rom angefordert und anch um den Preis eines Putsches, durch den Dollfuß gestürzt werde» sollte, verhindert wer- den, daß dieser seine Pläne weiter verfolge. Während der deutsche Gesandte in Rom seiner Regierung ausweichend geantwortet habe, habe der österreichische Ge- sandte beim Quiriual Rintelen seinen Berliner Freunden Mitteilungen gemacht, die geeignet gewesen seien, die Be- dcutung des von dem deutschen Gesandten in Wien crstat- tcten Berichtes noch zu erhöhen. Durch Rintelen sei die Oberleitung der nationalsozialistischen Partei von der Lage unterrichtet worden, und Habicht und Fraucnfeld hätten angesichts der ernsten Situation gefordert, daß man sofort den Putsch unternehme, der erst für den Herbst geplant wor- den sei. Tie Parteileitung habe ihre Forderung unterstützt, und ihre Entscheidung, die durchaus den Ansichten der Rc- gierung entsprochen habe, habe Hitler plötzlich vor die blu- tigen Ereignisse des ZZ. Juli gestell t. Uebrige»s habe der Führer den Putschplan genau gekannt, nur daß feine Urheber sich für de» Erfolg verbürgt hätten. Das übrige kenne man ja. Mit Recht oder Unrecht— das lasse sich schwer abschätzen— meine die^Naziregierung, daß die Begegnung des Bundes- kanzlers Schuschnigg mit Mussolini in Florenz Deutschland vor eine Situation stelle, die der entspreche, die zu dem Putsch am 25. Juli Anlaß gegeben habe. Die deutsche Diplomatie, gegenivärtig unter dem Bann der italienischen Gefahr stehend, halte diese Begegnung für ungeheuer bedeutungs- voll in militärischer und politischer Beziehung. Aber die£r» ganisierung eines»reuen Putsches sei, ohne von den Gefahren zu sprechen, ein Werk, das langer Vorbereitung bedürfe. Darum werde Teutschlands Tätigkeit vorläufig vor allem diplomatisch sein. Tie»verde darin bestehen— und der Kor- rcspondcnt erklärt, daß er das aus bester Quelle wisse— Italien von Oesterreich infolge von Verwicklungen aus dem Balkan abzulenken zu versuchen. Man beabsichtige nach Bel- grad einen außerordentlichen Gesandten zu schicken, und man nenne hierfür den Rainen des Herrn von Ribbentropp. Unruhe zwischen Italien uild Serbien zu stiften, mit allen möglichen Mitteln die Bildung der Einigkeit ans dem Bal- kan zu verhindern, das seien die unmittelbaren Ziele der deutschen Diplomatie in Osteuropa. Hitler-Deutschland Die jüdische Weltkonferenz Am Donnerstag ist in Genf in später Abendstunde die dritte jüdische Wcltkonferenz zu Ende ge- gangen. Trotz der Wichtigkeit anderer Fragen, hat die Frage des Boykottes im Mittelpunkt der Beratungen ge- standen. Dr. Goldmann begründete in seiner Schlußrede die- ses Voriviegen vor allem damit, daß. wenn auch vielleicht die rein wirtschaftliche Lage der Juden in Polen oder in Rußland noch schlimmer sei als die in Deutschland, hier zum erstenmal ein Angriff auf die jüdische Ehre vor- liege, wodurch der Nationalsozialismus zum ausgesprochenen Erbfeind»verde, dessen»virtschastlichc Schwächung das Juden- tum seiner Selbstachtung schuldig sei. Im ziveiten Teil der gefaßten Resolution, der das Bedauern darüber ausspricht, daß trotz dem Boykott sich in» vergangenen Jahr die Ein- fuhr deutscher Waren nach Palästina vermehrt hat und daher die neue Exekutive mit einer Jntcr- vention bei den zuständigen zionistischen und palästinensischen Instanzen beauftragt, koinint eine Meinungsdiffercnz zivi- schen de» Tiasporajudcn und den Palästinajuden zum Aus- druck. Diese letzteren vertreten die Auffassung, daß das zivi- schen der Deutschen Reichsbank und der Regierung von Palä- stina getroffene Transfcr-Abkolnincn bei der Auawanderung und die luden nach diesem Land zu dessen Ausbau nützliche Dienste leiste, selbst wenn es sich in der Einfuhr deutscher Waren äußert. Dafür haben die in der Diaspora lebenden Juden aber weni- ger Verständnis. Tie endgültige Fassung der Resolution be- deutet einen Sieg dieser letzteren Richtung, da nun versucht werden soll, für die jüdische Auswanderung aus Deutschland nach Palästina eine Lösung zu finden, die m i t der all- gemeinen Boykottbeivegung in» Einklang st e h t. In der Schlußsitzung sprachen nochmals zahlreiche Tele- gierte, darunter der Neuyorkcr Rabb.ucr Wise und der ita- licnische Rabbiner Tacerdoti über den Weltkongreß. Wise feierte die erreichte Einberufung des Kongresses, ivährend Sacerdoti darauf hinivics, daß nach den während der Kon- ferenz gehörten Reden die Zustimmung zur Einberufung des Kongresses selbstverständliche Pflicht der Teilnehmer ge- »vesen sei. Ter Vorsitzende des jüdischen Komitees in Paris, Gold»na nn, der auch zum Leiter der Vorbereitungs- arbeiten des Kongresses ernannt»vurde, schloß die Konferenz in der Hoffnung, daß auch die zahlreichen abseits stehenden jüdischen Organisationen aus dem Kongreß im nächsten Jahre vertreten sein werden. Pariser Berichte „Fes! der Hallen' in 51 Germaln Ein altes Fest, das„Fest der Hütten", begann am Sonntag in dem lieblichen Ort Saint Germain dicht bei Paris. Das Fest ist viele hunderte von Jahren alt. Ehemals standen in Saint Germain kleine Holzhütten, die einem königlichen Schloß und einer Kapelle bei Antritt der Herrschaft der Kapetinger weichen mußten. 1346 zerstörten die Engländer Schloß und Kapelle. Die Kirche war Saint Fiacre geweiht. Unter Louis XIII. erbat ein Edelmann die Erlaubnis, da, wo die Kirche gestanden hatte, ein Holzhütte zu errichten und dort als Eremit zu leben. Diese Erlaubnis wurde gegeben. Der Edelmann gelangte bald in den Ruf große, Heiligkeit, und es setzte eine wahre Völkerwanderung nach seiner Holzhütte in Saint Germain ein. Ein religiöser Orden wollte das für sich ausnutzen, und der„Heilige" trat an ihn seine Behausung ab. Nun kam für den Orden ein glückliches Konjunkturereignis dazu: Anna von Oesterreich, die Gattin Ludwig XIII. genas eines Knaben, und zum Dank stiftete sie dem Orden statt der Hütte ein Kloster und eine Kirche. Und einige Jahre später, 1652, fand zum ersten Male das „Fest der Hütten", die Messe von Saint Fiacre, statt. Dieses alte ländliche Fest ist nun ein Jahrmarkt. Die gleichen Jahrmarktsbuden die in Neuilly oder an anderen Marktplätzen zu sehen sind, sind nun in Saint Germain aufgebaut. D.„ Hintergrund des lustigen Markttreibens bildet der prachtvolle Wald>»n Saint Germain. Das Fest selbst aber hat seinen alte, Charakter bewahrt, unJ wie ehemals im siebzehnten Jahrhundert, so essen auch die Franzosen des 20. Jahrhunderts das am Spieße gebratene traditionelle Huhn mit feinen Kräutern. Eine deutsche Granate tötete ihn Am 2. Sentember dieses Jahres wird in Taintrux in den Vaensen ein Denkmal zu Ehren des Großrabbiners Abranam Bloch eingehest werden, der am 29. August 1914 unter erschütternden Umständen im Kriege fiel. Die französieren Behörden hatten in aller Eile eine Scheune als Kriegslazarett eingerichtet. Die F:utsrhen rückten vor und gaben au-h auf diese Scheune Feuer. Die Verwundeten sollten daher, so rasch es ging, aus der Scheune abtransportiert werden. Einer von ihnen war in besonders bedenklichen Zustande. Er bat den Großrabbiner von Lyon, Abraham Bloch, den er für einen katholischen Geistlichen hielt, ihm doch ein Kruzifix zu reichen, damit er es noch eiujaa.1 kü}s«> könnte fijjyji dk BBIBPKaSTIM Früher Ludwigshasen. Ihnen haben zuverlässige Freunde u. t geschrieben:„In Ludivigshasen, Pirmasens und Kaiserslauieri wurde ein starker Druck ausgeübt zivecks Einreihung der Arbeit» losen in die Landhilse. Denjenigen, die geeigstet erschienen, wurde einfach die Unterstützung entzogen. Tie Arbeitsämter habe»"neu ständigen Kampf mit den zahlreichen Leuten, die die Landhilse nicht aushalten und ausreißen. In Pirmasens ivurden Frauen und Mädchen auf ein Auto geladen und draußen ans dem Land angeboten wie früher die Sklaven. Soweit Einstellungen erfolgten, sind eben- falls, die meisten»vieder in die Stadt zurückgekehrt. Tie städtischen Arbeiter können sich nicht in die in den meisten Fällen vorliegenden primitiven Verhältnige aus dem Land fügen und die geringe Eni- schädigung bietet keinen Anreiz."— Aus anderen Landesteilen kommen ähnliche Berichte. Berliner Range. Einem Freundesbriese an Sie entnehmen wir: „Im allgeineinen ist der Einfluß der NSBO. sehr gering, und die ernannten Bertrauensräte genießen keinerlei Vertrauen. Soweit überhaupt Gewerkschaftler mit ihnen in Verbindung treten, geschieht es, um sie zur Abstellung von Mißständen oder zu Forderungen an den Unternehiner aufzufordern. Es ist unter den Arbeitern eine immer wiederkehrende Redensart, die früheren Betriebsräte waren doch andere Kerle. Betriebsversammlungen oder andere Veranstal- tungen weisen nur dann einen guten Besuch aus,»venu ein Jivang ausgeübt wird."— Von überall her hören wir, daß das Ansehen der als freie Gewerkschaftler und Sozialdemokraten bekannten Arbeiter sehr gestiegen ist. Alter Afrikaner. Mit Interesse haben»vir gelesen, daß Sie auf Ihrer jüngste» Reise an Häuptlingsivahlen bei Eingeborenen am oberen Kongo teilgenommen haben. Nach den Grundsätzen der ver- edelten Demokratie, war auch dort nur ein einziger Kandidat aus- gestellt. Die Opposition war so westeuropäisch rückständig, dag sie sich dadurch benachteiligt glaubte. Ihrer Wut der Eiviggeitrigeu gab sie dadurch Ausdruck, daß sie aus die als Stimmzettel benutzten Patinen- blätter auf Kongonegerisch Bemerkungen kritzelte, wie„Schneidet ihm die Gurgel ab!— Hängt ihn aus!— Dein Kops wird rollen!— Schiebung und Erbschleicherei!— Heraus mit den geraubten Mil- lionen!— Ter Galgen wartet!— Die Ermordeten ziehen Dich nach! — Gib uns Brot, sonst wirst Tu tot!"— Tie Krieger des Stammes haben die so beschmierten Palmenblätter vernichtet, damit daS Auge des erhabenen Häuptlings, des Lieblings der Götter, nicht beleidigt und seine Seele nicht bekümmert werde durch den Mangel an Liebe so vieler univürdiger Staminesgenossen. eilte sich, den Wunsch des Sterbenden zu erfüllen. In dem Augenblick aber, wo sich die Lippen des Dahingehe,.»- ci.Ion dem Kruzifix näherten, explodierte eine deutsche Gran„te neben dem Großrabbiner und tötete diesen. Nun soll das Denkmal, bei dessen Einweihung die Vertreter iller Konfessionen zugegen sein werden, künftigen Generationen Kunde geben, von dieser vornehmen Handlung des O oß- rabbiners. Association des Emigres Israelites d'Allemagne en France Mittwoch, 29. August, 21 Uhr, geselliges Beisammensein im Vereinslokal„Chez Cohn", 17 Rue Beranger(Metro Republique), in Paris. Eintritt frei. Gäste willkommen.— Wir machen darauf aufmerksam, daß die Ausgabe der Teilnebmerkarten für den Gottesdienst an den hohen Feiertagen bei dieser Gelegenheit stattfindet. Freitag, den 31. August, 19 Uhr im Betsaal„Chez Cohn", 17 Rue Beranger(Metro Republique) in Paris Sabbath- gottesdienst mit deutscher Predigt. Jedermann willkommen. „^Deutsche foeiheit" Aßonnementspceise; Amerika Argentinien Belgien Dänemark England Frankreich Holland Italien Luxemburg Neubelgien (Eupen-Malmedy) Oesterreich Palästina Polen Rumänien Rußland Saargebiet Schweden Schweiz Spanien T schechoslowakei Dollar Peso belg. Fr. Kr. sh fr. Fr. 11. Lire belg. Fr. belg. Fr. (verboten) sh (verboten) Lei Rubel fr. Fr. Kr. schw. Fr. Peseta Kr. 0.50 1.- 5,30 2,30 1,10 3,75 0,40 5- 5,30 5,30 1,10 30.- 7,50 1,70 0,80 %- 5,50 Bei Zusendung unter Kreuzband durch die Post sind die Portogebühren vom Besteller mit dem Abonnementsbetrag zu entrichten im Monat 1- 3- 15,- 3,70 4,- 12,- 1,50 10,- 15,- 12- 4,- 90,- 1.- 12,- 2,60 2,40 6,- 30,- Zustell. gebühr Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann P i g In Tud» weiter: sür Inserate: Cito Kuhn in Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der VolkSsttmme GmbH„ Saarbrücken 8, Echützenftraße 5.— Schließfach 770 Saarbrücken. ■■■» Die interessanteste Schrift des Tages: Qiidetcast' Von KLAUS BREDOW Fragen Sie in den Kiosken und Buchhandlungen nach. Falls die Broschüre am Ort nicht zu haben ist, liefert die Buchhandlung der„Volksstimme", Saarbrücken, Bahnho^straße 32, gegen Voreinsendung von 3,90 französischen Franken auf das Postscheckkonto Saarbrücken Nr. 619 Verlag der„Volksstimme", Saarbrücken