LiuzZge unadhangsge Tageszeitung DeutichZands Nr. 201— 2. Jahrgang Saarbrücken, Freitag, 31. August 1934 Chefredakteur: M. B r a u n Die Finanzen des Qangsiecs Seite 2 ^Bewegte Sitzung, im SaacpacCament Seite 3 Cnde dec deutschen O&innens kan funktue O Jecien in dec dteimai Seite 4 Seite 7 Rüstungen für den Saar-Pntscn Hochspannung und DUrgcrkriegsafmosphdre— Die Nationalsozialisten bereiten einen neuen 25 lull vor— in Gelassenheit sieht die Weif zu Mussolinis Dolchstoß „t'ofar verrückt geworden-. Unter dieser Ucbcrschrift de- schästigt sich die Presse der sogenannten„deutschen Front" im Saargebiet mit„Pariser Putschdelirien". Der„Paris- Soir" gibt nämlich im Zusammenhang mit nationalsozia- listischcn Putschvorbereitungen im Memelland seiner Ueber- zeugung Ausdruck, daß man auch im Saargebiet vor einem nationalsozialistischen Handstreich stehe. Das soll also, wie die Presse dos Herrn Reichskanzlers es nennt, Verrücktheit und Delirium sein? Beantworten wir die Frage der Putschgefahr mit rein nationalsozialistischem Tatsachenmaterial. Wie wurde der Putsch vom 25. Juli vorbereitet? National- sozialistische Ocsterreicher wurden in Deutschland organisato- risch zusammengefaßt und militärisch ausgebildet. Zwischen ihnen und den Kampsorganisationen der Nationalsozialisten in Ocstcrcich war reger Austausch an Personen und Mate- rial. Waffen wurden nach Oesterreich geschmuggelt. Eine dauernde nationalsozialistische Rundsunkhetze bereitete den Putsch in Oesterreich geistig vor. Als er mißlungen war, wurden die Führer, die ihn in Deutschland orgkuisteict hasten, Fraucnfeld und Habicht, kaltgestellt. Wäre die„Bolls- erhebung", wie der deutsche Rundfunk sie gefeiert hat, sieg- reich gewesen, so wären Fraucnfeld und Habicht in die höchste Klasse der nationalsozialistischen Heroen ausgerückt. Für eine nationalsozialistische„Volkserhebung" im Saar- gebiet sprechen mindestens dieselben Indizien, die vor dem 25. Juli in Oesterreich vorhanden waren, ohne daß sie von der österreichischen Regierung und der europäischen Oeffentlich- keit ernst genug genommen worden sind: Im Saargcbiet ist eine Organisation„Deutsche Front", die unausgesetzt der vom Völkerbund beauftragten Regie- rungskommissiou jedes Recht zu ihrer Tätigkeit ad- spricht. Unter Legalitätsphrasen wird der Bevölkerung klar gemacht, daß diese„Landfremden" im Saargcbiet nichts mehr zu suchen haben und es ein verdienstliches Werk ist, die politischen Maßnahmen der Regierungskom- Mission möglichst zu sabotieren. Die führenden Zeitungen der„deutschen Front" sprechen von der Regierungskom- misston, insbesondere aber ihrem französischen Mitglied und vom Völkerbund nur mit Verachtung und mit Hohn. Planmäßig wird der Bevölkerung eingeredet, daß die Or, gane des Völkerbundes im Saargcbiet eigentlich nur noch geduldet seien. Daß die gesamte Polizeierekutive bis auf wenige Ausnahmen zur„deutschen Front" gehört, bestärkt diese Stimmung. Attentate wie das auf Max Braun und daS auf den Polizeikommissar Machts werden von der gesamten„deut- schen Front" nur scherzhaft behandelt. Wie sicher die jungen Leute der„deutschen Front" sich fühlen, beweist, daß einige von ihnen mit Träncngasbomben ausgerüstet sich in die Riesenkundgebung von Sulzbach mischten. Von den gleich- geschalteten Richtern erwarten ste Freisprach oder lächerlich geringe Bestrafung. Durch das von d:r RegierungSkommission veröffentlichte Material steht dokumentarisch fest: Die„deutsche Front" ist ein Organ des nationalsoziali- stischen deutschen Staatsapparats. Ihr« Korrespondenz wird durch die Geheime deutsche Staatspolizei vermittelt. Es gibt im Reiche— genau nach dem österreichischen Bor- bild— eine saarländische Legion. Die aus dem Saargebiet für den Arbeitsdienst gemusterten uud ausgehobenen jun- gen Leute werden im Reich im„Wehrsport" und politisch ausgebildet und sind ins Taargebiet zurückgekehrt die Die Sdiuld Berlins Oesterreichs Regierungsmaterial über den Putsch Wien, 30. August. Aus unbedingt gut unterrichteten Kreisen verlautet, daß bei der nächsten Vollversammlung des Völkerbundes der österreichische Bundeskanzler Schuschnigg den Außen- minister» Großbritanniens, Frankreichs und Italiens wich- tige Dokumente vorlegen würbe. Aus diesen Dokumenten g-sse die Schuld Deutschland am Wiener Putsch rlar hervor. te WÖ® ffiaäat bei fielen wMW* getarnten Formationen der TS. und der SA. Es ist streu- gcs Gebot, die Ausbildung und die sonstigen Vorgänge im Lager geheim zuhalten. Saarländische Statsbeamte, die stch dem Terror der „deutschen Front" nicht fügen, werden mit Entlassung be- droht— von der Landessührung der NSDAP. Saarländer, die nach ihrer Heimkehr über die„wehr- sportliche" Ausbildung und sonstige Erlebnisse etwas ver- lauten lassen, werden mit dem Konzentrationslager be- droht. Tatsächlich sind Saarländer ins Konzentrationslager gebracht worden, weil man befürchtete, sie würden im Saargebiet etwas ausplaudern. Mit diesen Geheimrüstungcn ist, genau wie bei dem öfter- reichischen Beispiel, eine dauernde Bearbeitung durch den Rundfunk verbunden. An dieser Propaganda beteiligten sich die höchsten nationalsozialistischen Würdenträger des Reichs mit de» niedrigsten Beschimpfungen. So hat erst am Sonntag der deutsche Reichskanzler von Ehrcubreit- stein aus durch den Rundfunk die gegen das Dritte Reich in Opposition stehenden Saarländer als Judasse bezeichnet. So mißachtet der sogenannte Führer des deutschen Volkes das zwischen Frankreich und Deutschland geschlossene Ab- kommen über die Freiheit der Abstimmung an der Saar. Daß andere deutsche Regiernngsmänncr die saarländische Opposition als Volksverräter, als Landesverräter, als Separatisten, als Lumpen und Halunken benennen, und damit für vogelsrci erklären, ist bekannt. Niemand wird uns sagen können, wo hier ein Unterschied zwischen den Putschvorbereitungen in Oesterreich und denen im Saargediet besteht. In den Auswirkungen gibt es aller- dings eine sehr wichtige Differenz. In Oesterreich stieß die nationalsozialistische Erhebung auf eine schwerbewaffnete und, wie sich gezeigt hat, zuverlässige Exekutive. Im Saar- gebiet hat die Regierungskommission einer spontanen Volks- bewegung, einer Volkserhebung oder wie sonst man das nennen wird, was aus irgendwelchem künstlich gc- schasscnen Anlaß entstehen soll, nichts entgegen zu setzen. Niemand im Saargebiet, er stehe in einem politischen Lager wie immer, glaubt daran, daß die Exekutive der Regierungs- kommission sich einer nationalsozialistischen Massenbewegung ernsthast widersetzen würbe. Da aber auch selbstverständlich ist. daß die Sozialdemokraten, Kommunisten und oppositio- «eilen Katholiken nicht die Absicht haben, sich wehrlos und widerstandslos abschlachten zu lassen, ist die Gefahr eines Ausbruchs von Bürgcrkriegögesechten im Saargebiet jeden Tag gegeben. Es mögen im Völkerbund und in den europäischen Kabi- netten trotz aller traurigen und blutigen Ersahrungen noch immer Männer sitzen, die vernunftgemäße Erwägungen bei der Beurteilung der nationalsozialistischen Politik anstellen. Das ist leichtfertig und unverantwortlich. Tie nationalsozia- listischen Führer und ihre Politik sind unberechenbar und nicht nach zivilisierten Regieruugsmethoden zu bewerten. Die Reichsregierung und ihre Massenbasis im Saargebiet, die„deutsche Front", schaffen die Atmosphäre gewalttätiger Auseinandersetzungen, und sie rüsten daraus. Sie tun es um so mehr, je unsicherer für das„dritte Reich" die Aus- sichten eines Erfolges am Abstimmungstage werden. Die Be- völkerung an der Saar hat das Recht, zu verlangen, daß an der Saar ein 30. Juni oder ein 25. Juli verhindert wird. Das ist nur möglich, wenn die Regierungskommission eine Exeku- tlve erhält, die für die Nationalsozialisten den geplante» „Volkssturm" unmöglich macht. nalsozialistischcn österreichischen Führern beschlagnahmt worden. Ein weiterer Beweis für die Schuld Deutschlands am Wiener Putsch dürfte durch den in kurzer Zeit stattfindenden Tensationsprozeß wegen Landesverrat gegen den Ex» minister B a ch i n g e r, den Führer der landwirtschaft- lichen Vereinigung und ehemaligen Mitarbeiter von Toll- fuß, und gegen den Helfershelfer Bachingers, einen gewissen Pampel erbracht werden. Bachinger sei angeklagt, seit Fcb- ruar 1934 aus München 300 000 Franken für die national- sozialistische Parteikasse bezogen zu haben? er ist weiter, an- geklagt die Stimmen der landwirtschaftlichen Parlaments- sraktion an München M 1 Million Franlen verlaust zu bab«». Nach dem Ende des faschistischen Staatenblocks Deutschland am Brenner würde auf Süd» tirol und Trieft, auf die Adria und das Mittelmeer drücken, es würde die Sicherheit, es würde die Freiheit Italiens bedrohen. Es wäre außerdem das Ende der politischen und Wirtschaft» lichen Durchdringung der Donauländer durch Jta- lien, die Geldopscr, die Italien für Oesterreich gc» bracht, wären vergeblich gewesen und die ungarische Freundschaft würde abgelenkt. „Gazeta del Popolo". A. Sch. Der haßerfüllte Feldzug, der von der italieni- schen Presse in den Tagen nach der Ermordung Dollfuß' gegen das Hitlerdeutschland geführt wurde, ist nicht ein- gestellt worden. Bereits am Ist. August berichtet bestürzt der„Völkische Beobachter":„Wiederaufleben der italieni- schen Pressehetze". Die deutschfeindliche Position ist in Italien bereits zur Gewohnheit, ja selbst zur politischen Methode geworden. Von der Entrüstung nach dem Mord vom 25. Juli geht die Presse und die Diplomatie Mussolinis zum System der aktiven antideutschen Politik über. Am 22. August schrieb der„Völkische Beobachter": Italien ist heute für gewaltsame Lösungen—« gegen Deutschland. Die Wiener Schüsse haben nicht allein Dollfuß. sie haben auch das deutsch-italienische Bündnis mitten ins Herz ge- troffen. Hitlers Bündnispolitik ist gesprengt worden. Die deutsch-italienische faschistische Koalition ist die ent- scheidende Variante der Außenpolitik der deutschen Rechten schlechthin, das Kernstück der Nationalsozialist!- schen Außenpolitik gewesen. Die Nord-Süd-Richtung Berlin—Rom sollte die West- Ost- Richtung Paris— Warschau—Moskau durchstoßen. Auf Italiens Hilfe und Unterstützung beruhte die ganze europäische Politik des „dritten Reiches". Berlin erwartete van Rom aktive Bündnispolitik, mindestens aber wohlwollende Neutrali- tat und sichere Deckung. Es hat sie genossen. Wenn Hitler in 18 Monaten seiner Diktatur trotz aller Katastrophen- Politik außenpolitisch noch nicht endgültig geschlagen wurde, so hat er dies Italien zu verdanken. Mussolini hat um das Hitlerdeutschland ein künstliches außenpolitisches Gleichgewicht geschaffen, das dem Nationalsozialismus Be- wegungs- und Manövrierfreiheit in der europäischen Politik gab. Italien hat ein volles Jahr England von der Teilnahme an der antideutschen Front zurückgehalten, und gleichzeitig hat es durch sein Gegengewicht die antideutsche Position Frankreichs neutralisiert. Im Angriff und in Verteidigung war das„dritte Reich" gleich auf die Unter- ftützung Mussolinis angewiesen. Nur durch diese Unter- stützung konnte Hitler aggressiv gegenüber dem Völker- bund und der Abrüstungskonferenz auftreten, Revision?- ansprüche aufrechterhalten, die Anerkennung der Auf- rüstung verlangen. Nur dank dieser Unterstützung konnte sich das„dritte Reich" auch in seiner RUckzugsstrategie ge- borgen fühlen. Der diplomatische Beistand Italiens war für die hitlersche Außenpolitik was die Hindenburg-Linie für das deutsche Heer im Weltkrieg gewesen ist: der ent- scheidende Betonwall, der gleichzeitig Stützpunkt für jede Offensive und Deckung für jedes Zurückweichen war. Nun ist diese entscheidende Frontlinie gesprengt worden. DerVerratdesBundesgenossenistnochge- fährlicher als die Aktivierung der Gegner. Mussolinis Dolchstoß bedroht das„dritte Reich" noch mehr als der Frontalangriff Barthous und Litwinows. Mit dem offenen und aggressiven Uebergang Mussolinis zur anti- deutschen Front bricht die ganze außenpolitische Strategie Hitlers in Angriff und in Verteidigung zusammen. So- lange Italien bewußt das Hitlerdeutschland decken wollte, war die Einheitsfront der Westmächte gegen das„dritte Reich" unmöglich. Mit Roms Kampfansage gegen Berlin ist die Möglichkeit der restlosen Einkreisung des deutschen Faschismus oom'W"st?n her gegeben. W-^end Balowin im Unterhaus den Satz prägt, daß Englands Grenze aux Rhein steht,^gibL. Mussolini, durch, die. Tiruppenkonz^s „Die Finanzen des Gangsters Die Auslandspresse gegen den Relchsbanhroffenr Schacht London-Parts, 80. August. To« Audland deschästtgt stch in den Mittwochmorgen-AuS- gaben der Press««ingehend mit der Schacht-Rede, die sowohl in England wie auch in Frankreich ablehnend aufgenommen wird. Tie englische Finanzpresse kritisiert di« Red«, die Schacht In Leipzig gehalten hat, mit außerordentlicher Strenge. so schreibt" „Financial News" unter der Ueberschrist„Tie Finanzen des Gangsters'', die Schacht-Rede sei ein Musterbeispiel für die national,ozia- liftifche Moral, die auf das Gebiet der Finanzen tibertragcn werde. Tie englischen Exporteure wüßten ja nun, woran sie sich zu halten hätten. Dr. Schacht habe e9 gefunden, daß die ausländischen Mächte diplomatische Schritte unter- nehmen, um die Bezahlung selbst kleiner Rückstände zu er- reichen. Es stehe den Terroristen die gegenwärtig in Deutsch- land an der Macht seien, frei, derartiges grotesk zu finden. Aber in England und in den anderen Ländern, wo die Leute noch ihren gesunden Perstand besäßen, inürdige man den Widerstand der Regirrung gegen die jüngsten deutschen Per- suche, die Abmachungen mit Füßen zu treten, auf denen bis- her die kaufmännische Moral begründet gewesen sei. Fn einem„Der schwere Irrtum des Dr. Schacht" über- schricbenen Artikel protestiert „Le Journal" energisch gegen die Wendung in der Schacht-Rede. daß die deutschen Schwierigkeiten ihren Ursprung in dem unglück- lichen System des Bersaisier Vertrages hätten Das Blatt meint, wenn einem Land durch Verträgt die Möglichkeit ge- lassen morden sei zu leben und zu gedeihe», so sei das gegen- über Deutschland geschehen. Dreimal habe es zur Bezahlung der Reparationen Anleihen erhalten, die größer gewesen wären als seine Zahlungen. Seit zwei Iahren seien die Reparationszahlungen eingestellt, aber die Wirtschaftslage Deutschland« habe sich dauernd verschlimmert. Die Ursachen hierfür, so fährt„Journal" kort, lägen auf anderen Gebieten und Dr. Schacht sei ein zu großer Sach- keuner. um da? nicht zu wissen. Sie seien einmal in der Verschwc ndung zu suchen, mit der die Sozialdemokraten bc- gönnen hätten, die dann von den Katholiken fortgesetzt worden sei und die jetzt von Hitler vervielfacht betrieben werde. Ursache für die schlechte Wirtschaftslage Deutschlands sei ferner die Aufrüstung denn seit zwei Iahren habe das uvercndustrialisierte Deutschland nur Waffen geschaffen und dies« Rüstungsindustrie habe all« vorhandenen Hilfsmittel veti" trugen. Aber die Ursachen liegen auch in der Hitler- Politik selbst, die die Weil beunruhige und ,n einer vollkommenen moralischen, politischen und wirtschaftlichen Isolierung Deutschland« geführt habe. Dr. Schacht wolle wohl helfen, aber da» Heilmittel besitze Hitler, denn die deutiche Witrichast leibe unter den Folgen einer bedauerlichen Politik. Noch schärfer schreibt Wladimir D'Ormesson im „Figaro". Er meint, sobald Deutschland einen Vertrag unterzeichnet habe, leugne es seine Unterschrift! schon am Dienstag erkenne c« die am Montag getroffenen Vereinbarungen nicht mehr an. Kein Mensch werde abstreiten, daß sich Deutschland in Schi ter'^-eiten be'indc, denn es sei ein Industrieland mit hauptsächlich städtischer Bevölkerung, dessen Lcbcnsrhythmus von der Wirtschaft abhänge. Aber gerade darum sollte Teutschland mehr als sonst jemand in der Welt daran inter- «stiert sein, Ruhe zu schassen. Vertrauen einzuflößen und den Kapitalmarkt, den es so bitter nötig bat. nicht scheu zu machen. Statt dessen mache die teusliche Veranlagung des Deutschen das Gegenteil. sDtesc allgemeinen Beschimpfung des Deutschen weisen wir entschieden zurück. Es gibt in Teutschland nicht lauter Hitlers und Schacht«. D. Rcd.i Der Hitlerismus mit seine? antisemitischen Raserei habe sich alle Juden der Welt zu Feinden gemacht und dadurch habe sich Teutschland bedeutende Kunden verscherzt. Das„dritte Reich" habe eS verstanden, eine Atmosphäre von Unruhe und Argwohn, eine solche Unsicherheit in Europa zu schassen, daß dadurch die Krise tausendfach verschärst worden sei. Und darunter leide keiner mehr als daS deutsche Volk selbst. Das Tragische dabei aber sei. daß dieses Volk sich nicht einen Augenblick Rechenschaft darüber gebe. ES stelle keine Ver- bindung her zwischen Ursachen und Wirkung. Es sehe nur die Wirkung und es ziehe daraus die umgekehrten Schlüsse, die jeder Vernünftige ziehe. „Ach." so seufze das deutsche Volk,„welch bösartige Welt! Sie bindert unS, in Frieden zu arbeiten, sie baut Mauern gegen uns und zwingt uns zur Autarkie, zum Ersatz, zum Ruin, zum Elend, zum Hunger..." Die Führer aber eines solchen Volkes, die sich bemühen sollten, der Masse die Augen z» öffnen und ihr zu zeigen, wo die Wahrheit und das Heil liege, machten jede nur mögliche Anstrengung, das Volk noch stärker mit Blindheit zu schlagen, und wenn es einen Ort aus der Erde gebe, wo„die Be- amten Verrat geiibt haben", so sei da« Deutschland. Und Herr Dr. Schacht, der große Finanzbcamte, sage sich da« in seinem Innern auch selbst. Pas Königreich Wofans fefe 9« Faschistische Grobheiten an< 80. August. Unter dem Titel„daS KWl'älclch Wotans" veröffentlicht das große römische Morgenblatt„II Messaggero" einen langen Artikel, in dem es stch außerordentlich scharf mit dem Nationalsozialismus auseinandersetzt. Das Anttabenlän- dische, Aiitimestlichc und Anttchristliche der nativnaljozia- listtjchen Theorie und Praxis wird in dem Artikel besonders in den Vordergrund gestellt und der Verfasser stützt sich dabei aus die Aussprüche deutscher nationalsozialistischer Intellektueller und Politiker. Heftig werde» die neudeutschen ReligtonSlehren, die im Gegensatz zum Ehristentum ständen, gegeißelt und wörtlich sagt„Messaggero":„Nicht ohne Grund betrachtet Kardinal Faulhaber die Stunde der Wachsamkeit für Golgatha für ge- kommen". DaS Blatt setzt nun seinen Lesern die deutsche Auffassung von Führer und Staat ausetnander und schreibt:„Daß darf uns nicht in Erstaunen versetzen. Vor wenig mehr als zehn Jahrhunderten sind die Deutschen in die abendländische Zivi- lisation ausgenommen, aber sie haben sich dabei i^,ner un- bebaglich gefühlt." Sehr ironisch weist„Messaggero" den Spott zurück, den einige deutsche Zeitungen über die italienischen Truppen ausgegossen haben:„Es ist gewiß nicht unsere Schuld", so heiß» es in diesem Absatz,„wenn durch die energisch« Hat- tung der italienischen Regierung die kriegerischen Absichten der deutschen und österreichischen Nationalsozialisten wider- ruicn wurden und es daher unseren Trupepn an Gelegenheit mangelte, einen„Schritt" zu tun, der nicht diplomatisch ge- wesen wäre". Mit Empörung aber wendet sich das Blatt an die deutschen Journalisten, die noch immer kein Gefühl für Zweckmäßig- keit hätten und sich nicht Rechenschaft gäben, in welcher poli- tischen und vor allem moralischen Isolierung sich Deutsch- land befände. Denn, so fragt„Messaggero",„mit welchem Recht erlauben sich diese Journalisten so leichtfertig über unsere Soldaten zu reden? Tun sie das im Namen der Sölbnertrnppen, die die Hitlerherrschaft schützen?" Anknüpfend daran schildert die Zeitung die historische Ent- Wicklung der SA., deren Mannschaften ivahre Nachfahren der alten Landsknechte seien. Und unter Betonung des Söldner- charakters der SA. schließt„Messaggero" seinen Artikel: „Wer mit dieser Idee lebt, hat nicht das Recht, Soldaten zu verspotten, die der Sache des Friedens einen so wichtigen Dienst geleistet haben". Erosion am Brenner Hitler zu verstehen, daß die italie- Nische Grenze am Kufstein und Salzburg liegt und er diese Grenzen gegen das„dritte Reich" mit Waffen zu ver- leidigen gewillt ist. Mussolini hat seine außenpolitische Hilfe für Deutschland noch vor dem 25. Juli gekündigt, in- dem er seine Zustimmung zu dem von Deutschland ge- tirchtetcn Ost-Locarno gab Aber diese Abwendung von Verlin erfolgte damals unter dem Druck Englands, ihre antideutsche Wirkung war eng beschränkt. Damals wurde nur die positive Hilfe für Berlin zurückgezogen, wenn auch in einem sehr wichtigen Punkt. Nach dem 25. Juli wird indessen von Italien gegen Deutschland eine feindliche Offensive auf der ganzen£ime begonnen, aus eigener Willensenischeidung geführt nicht unter dein anglo-fran- zvsischen Druck. Die italienische Offensive gegen das „dritte Reich", einmal begonnen, wird mit echt faschistischer Hemmungslosigkeit fortgesetzt, durch das Waffenrasseln unterstützt. Die italienische Presse erklärt, daß Rom nicht daran denkt,„schlappe Genfer Methoden" gegen Berlin anzuwenden, sondern es mit eigener Methode traktieren wird. Jetzt wird Hitler auf eigenem Leibe auskosten, was die faschistische Methode in der Außenpolitik bedeutet. E« ist eine berechnende und berechnete Feindesstellung, die sich nicht allein auf den Kampf um Oesterreich be- schränkt. Italien geht von der erzwungenen Tolerierung des Rord-Oft-Paktes zu seiner freiwilligen Unterstützung über. Es lehnt die Unterstützung der deutschen Gleich- berechtigung ab und macht Front gegen die deutsche Auf- rüstung. Nicht nur die faschistische Internationale ist zer- fallen, auch der faschistische Staatenblock ist zersprengt. .Plllltarlsdie Erziehung" Ein Handbuch Ter Berliner Korrespondent des„Daily Telegraph" hat von einem„Handbuch über militärische Erziehung", das jetzt in Berlin gebraucht wird, Kenntnis erhalten. Trotzdem der Verfasser anonym sei, sei das Buch außerordentlich inier- esiant, denn es enthalte den Beweis für die Kurse, die heim- lich unter Verletzung de« Artikels 177 des Versailler Ver träges in der Universität In Berlin stattfanden. Das Hundbuch enthalte folgende fünf Hauptabschnitt«: 1. Deutsches Heer. 2. Spezialisierung sInfanterie, Kavallerie, Ingenieure, Train, Ehemischr Bewaffnung, Lustbewaffnung, Spionage). 3. Motorisierung und Mechanisierung des Militärs. 4. Wichtigkeit der Eisenbahnen, der Landstraße und der Handelsmarine. 5. Landesverteidigung und Grenzschutz. In einem Vorwort zu dem Buche, so schreibt„Daily Tele- graph", erkläre der Verfasser,„daß er vom Führer beaustragt morde, sei, der deutschen Jugend vom deutschen Krieger zu sprech,>>" und das geschehe in den nun folgenden fünf Haupt- atnchi,tlen auch eingehend und vollständig. Ein keiner Junge Der H.tle Jude Naumann iZDA.) Das„8-Uhr-Abeudblatt" in Berlin macht unter der mit ausfallenden Lettern gebruckten Schlagzeile„Deutsche Juden protestieren gegen Kampsansage des Weltsiidentums" Mitteilung von folgendem Telegramm, das der„Verband nationaldeutscher Juden" an den Reichskanzler Hitler ge- richtet hat: „An den Führer und Reichskanzler. Obersalzberg. Der vor 14 Jahre» gegrünbete Verband nationaldeutschtr «»den legt schärfste Verwahrung gegen die deutschfeindliche und erpresserische Entschließung der sogenannten Jüdischen Wcltkonwrrnz ein.— Die wurzellosen Zionisten und All- luden, die sich in Genf zilsammengeiiinden haben, sind nicht berechtigt, für die in Deutschland alteingesessenen und»atio- nalbewährte» Juden zu sprechen.— Die deiltschfühlenden Juden lehnen jede ausländische Einmischung in deutsche An- gelegenheiten ab und hoffen aus eine baldige Lösung der Indenfrage unier den Gesichtspunkten der nationalen Be- Währung.— Dr. Naumann, Hauptmann der Landwehr a D Verbandsführer." Die Terrorlnslii Karlsruhr, 20. August lInpreß). Der Fertenstrassenat des Obcrlaiidesgerichts Karlsruhe verurteilte die Angeklagten Gustav Kühler und Karl Eheim aus Mannheim ivegen Bor- berettung zum Hochverrat zu 2 Iahren und 6 Monaten Zuchthaus bzw. 2 Iahren und« Monate» Gefängnis. Sie waren beschuldigt, ein geheimes Nachrichlcitübermsttlungs- netz für die KPD. in Baden eingerichtet und Kurierdienste geleitet zu haben. * Berlin, 20. August. Der fünfte Strafsenat be? Kammer- grrcchi« vcrbandclte gegen den 30 Jahre alten Martin schwante«, der beschuldigt war, als Instrukteur der KPD. in Magdeburg, als Verbindungsmann für Halle und Leiv- zig und beim Ausbau einer Illegalen Organisation in Staß- surt und Leopoldshall tätig genasen zu sein. Das Urteil lautete aus 2 1 /« Jahre Gefängnis. Ende der polnlsdien„Freundschaft" Hitler-Bücher werden verboten Thor«, 30. Aug.(DNB.) Das Dhoruer Burggtricht hat in einem Urteil vom 24. August aus Grund des Artikels 170 des Straikodex loiseutllche Verbreitung falscher Nachrichten, die öffentliche Beunruhigung hervorrufen können) eine Reihe von deutschen Büchern beschlagnahmen und verbieten lassen. An der Spitze dieser Liste steht das beste Buch über den Führer„Mit Hitler in die Macht" von Dr. Otto Dietrich, dem Reichspresscchef der NSDAP. In Polen sieben schon seit einiger Zeit Hitlers„Mein Kampf" und„Der Mythus des 20. Jahrhunderts" von Alfred Rojrnberg aus der Ver- botsliste. Das Urteil des Thornet Burggcrichts wirb in Zelten der deutsch-polntsche» Verständigung in Deutschland einige? Kops- schütteln hervorrufen. Wird der riolkenver'raä Cehünd'ö!? Japan soll es planen Tokio, 30. August Im Anschluß an die dreistündige Kon- jerenz zwischen Ministerpräsident Okada, Marineininister Osumt und Außenminister Htrota wurde offiziell bekannt ge- geben, baß Japan noch vor Ablauf des Jahres 1084 den Flottenvertrag von Washington kündigen wird. Gleichzeitig wurden auch die Instruktionen für die japanische Delegation zu den anfangs Oktober beginnenden englisch- japanischen Vorverhandlungen für die Flottenkonserenz von 1030 genehmigt. Wie verlaniet, wirb Japan in dies» Vorver- Handlungen eine allgemeine Herabsetzung der Seerüstungen vorschlagen. Rußland:n Deel Die Aussichten für den Eintritt Sowjetrußlands in den Völkerbund London, 80. Aufl. Der diplomatische Korrespondent des „Daily Herald" schreibt. Anfang dieser Woche habe besonders in Pik:? die bestimmt« Erwartung bestanden, daß der Ein- it 1!' Sowietnißlands in den Völkerbund glatt vonstatten gehen ivcrdr. Jetzt aber glaube man zu wissen, daß es eine Anzahl feindlicher Stimmen geben werde. Die Schweiz werde '"wwahrfcheinlich gegen die Aufnahme der Sowjetunion stimmen, Holland vermutlich auch. Andere Staaten wie Kanada. Belgien, Ungarn und eine Anzahl mittelamm- konischer Staaten zögerten noch. Zwar seien in der Völker- bundsversammlung 13 ablehnende Stimmen notwendig, um die erforderliche Zweidrittelmehrheit zu verhindern, aber die Zahl der gegenerischen Staaten erreiche diese Ziffer nicht. Es fei immerbin zweifelhaft, ob die Towjetregierung das Risiko einer Ablehnung eingehen wolle. Ferner wäre es denkbar, daß starker Widerstand in der Versammlung Ver- anlassung zu Intrigen im Völkcrbundsrat geben werde. Die britische und die sranzö'ische Regierung faßten die Lage sehr ernst ans, daß sie Schritte unternähmen, um die Haltung jede? noch unentschiedenen Staates genau festzustellen. Dm Z Cenks Mord im Obdachlosen-Asyl dnb Nendorf, 80. Aug. Ter 50 Jahre alle o««*' der Sekretär des berühmten Bowery, eines Obdachlosen-Asyls des christlichen Vereins junger Männer, das eine Zuflucht?- statte für Taufende von Obdachlosen N^nyorkern bildet, ist in tragischer Weise ums Leben gekommen. Sin Rcstaora- ttoüsangestellter namens John Saig, der für die Nacht Unter- kunst suchte, hatte an Mr. Soinner einen Dollar bezahlt. Er behauptete, er habe fünf Cents Wechselgeld zu wenig zu- rückerhaltcn. Es gab einen Wortwechsel, der in Tätlichkeiten überging, und plötzlich krachten zwei Revolverschüffe. Tomner brach tot zusammen. Tic Polizei erklärt, haß Eaig zugegeben hat, die Schüsse abgefeuert zu haben. Pas neueste Der„Völkische Beobachter" verössentlicht in Faksimile zwei Briese an den damaligen Generalleutnant und General« quartiermeister v. Stein, in denen der einstige General v. Hindenburg nm seine Verwendung im Weltkriege bittet.— Das„Testament" Hindenburg« wird dagegen nicht in Faksi- mite verössentlicht. Ter ständige BerwaltungSrat der französischen sozialbemo» kratischcn Partei hat beschlossen, bei den kommenden K a n- tonalwahlen den Parteikandidatcn nur dann zu er- lauben, zugunsten eines anderen aussichtsreicheren Links- kandidaten in der Stichwahl zu verzichten, wenn dieser die ausdrückliche Verpflichtung übernimmt, im Falle der Wahl gegen die Regierung der nationalen Einigung Stellung zu nehmen. Aus der am Mittwoch eröffneten Konserenz von Vertreter« der Außenministcrien Lettlands, Estlands und Litauens wurde ein Abkommen zwischen den drei bat- tischen Staaten paeasiert, daS als Vorstufe za einem dal- tischen Staatenbund angesehen wird. In dem großen österreichischen Militärgerichts» prozeß in Leoben 5?gen die Aufständischen von Weißen- bach-St. Gallen wurde am Mittwochabend der Haupt- angeklagte Franz Ebner zum Tode durch den Strang ver- urteilt. Zwei weitere Nngeklagte erhielten lebenslängliche Kerkerstrafen, zwei wurdcn zu zwanzig Iahren und nenn zu zehn Iahreu Kerker verurteilt. Das Wiener Militär- gericht verurteilte zwei Angeklagte, die im Bundeskanzler- omt dir Gefangennahme der Minister Fey und Karwinsiy lnrchsührtcn, z« je IS Jahre« schweren Kerker. Washington. Ter Streik einer halben Million Textil» arheiter erscheint unvermeidlich, nachdem die Arbeitgeber weitere BerhaMnngen abgelehnt haben. Das Saar-Parlament In bewegter Sitzung Der von der fremden Regierund beschützte Jührer"- Eine große Rede nai Brauns Saarbrücken, den 30. August. Der Landesrat des Saargcbiets ist kein Parlament im gewöhnlichen Sinne- Die Regierungskommission legt ihm ihre Gesetzentwürfe vor, aber von seinen Entscheidungen ist sie nicht abhängig. Stach einiger Frist treten sie dann auto- matisch in Kraft. Niemand wird das als einen erfreulichen Zustand ansehen können. Immerhin ist heute jede Tagung des Landesrates dag einzige Forum, vor dem die groben politischen Gegensätze in voller Schärfe und in aller Breite ausgetragen werden können, ohne daß es der Terror der .deutschen Front" zu hindern vermag. Die Sitzung des Landesrats vom Mittwoch beschäftigte sich zunächst mit der Verordnung über den Schutz fremder Staatsoberhäupter, von der wir unfern Lesern schon Kenntnis gegeben haben. Man erlebte das seit langem un- gewohnte Schauspiel, daß die„Outsche Front" einer Borlage der Regierungskommission feierlich zustimmte. Freilich war die Erklärung ihres Sprechers erschütternd kümmerlich. Er konnte die Verlegenheit darüber, daß die Hitlerfreunde ihren Führer durch«ine landfremde Regierung schützen lassen, nicht verbergen. Die Vertreter der Freihcitssront, Sozialdemokraten und Kommunisten bekannten sich als scharfe Gegner der Verord- nung. Sie erklärten offen, daß sie die Verbreitung der Wahr- hcit über Hitler i« Saargebiet verhindere. In der Tat be- einflußt sie den Abstimmungskampf zugunsten der braunen Front, iveil ihre Gegner von jetzt an die Taten des Reichs- kanzlers und Parteiführers, geschützt vom Mantel des „Staatsoberhaupts", nicht mit aller Deutlichkeit kennzeichnen können. Darüber sprach aus den Reihen der Freihcitssront . des Saargebiets vor allem der Abgeordnete Max Braun , sehr entschieden« und sehr klare Worte. Wir geben nächste- hend den wesentlichsten Teil seiner großen Rede wieder. Viel länger und bewegter, weil sie viel tiefer in die innersten politischen Zustände im Saargebiet hineinleuchtete, verlies die Debatte über den Arbeitsdienst. Das Ver- bot, fernerhin junge Saarländer in Hitlers„freiwilligen" Arbeitsdienst zu zwingen und sie für die S a a r l e g i o n kämpferisch auszubilden, hat die„deutsche Front" anscheinend . besonders hart getroffen. Das Material der Regierungskommission war durch- schlagend. Wie wurde es von der„deutschen Front" wider- legt? Die alte Taktik:„untergeordnete Stellen",„nicht mehr aktuell": das war die Verteidigung. Aber'sie konnte nicht ab- - streiten, daß die Antifaschisten im Landesrat, die Abge- ordneten Hey, Lieser und Braun, die Beweise für das Treiben mit dem„freiwilligen Arbeitspaß" erschütternd ver- mehrten. Es gab dabei erregte Szenen, Ordnungsrufe und • einen kleinen Sturm auf der Tribüne. Mai Braun: Eigentlich müßte ja die braune Front nichts so sehr be- dauern als die Tatsache, daß sie die sogenannte fremdländische Regierungskommission zu Hilfe rufen muß, um ihr deutsches Staatsoberhaupt. Hitler vor der Wahrheit zu -schützen! Das war allerdings in den verflossenen vierzehn fahren der Republik ganz anders: Da hatten weder mir deutschen Saarländer noch eine deutsche Rcichsregierung eS jemals notwendig, die Regierungskommission des Taar- gebietes um Inschutznahme vor der ehrlichen Bezeichnung derselb st geschaffenen Tatsachen zu bitten. Es blieb der glorreichen Despotie des„dritten Reiches" vorbehalten, direkt und durch ihre sogenannte „deutsche Front" an der Saar um ein Verbot der Wahrheit über das„dritte Reich" und sein Blindensührertum durch die sonst stets geschmähte Regierungskommission einzukommen! fSchr gut! links.) Aber was wir nicht sagen dürfen, das reden die Tatsachen! Es gilt immer noch das Wort:„Ter Spiegel des Mannes ist sein Werk!" Und dieses Werk, diese Taten, diese„Erfolge" von eineinhalb Jahren Regierungstätigkeit reden eine viel schärfere Sprache, als das stärkste Pamphlet enthalten könnte. Ja, wir werden den Tag erleben, an dem das furchtbare Erbe dieses Mannes ihn noch verfluchen wird, nachdem er selbst längst von der politischen Bühne schmachvoll abgetreten ist. Bis dahin werden die Morde, der grausame Terror, die Konzentrationsläger und nicht zuletzt die tägliche Greuel- Propaganda des hitleramtlichen Rundfunks reden, auch wenn wir schweigen müssen! fSehr richtig! links.) Im übrigen ist es nicht gerade leicht, zu wissen, was alles gegenüber dem Naziotentum und seinem Führer eine Be- leidigung ist. Die„Times", das regicrungsosfiziöse Blatt Englands, haben gestern geschrieben, daß„d i e N a t i o n a l- sozialisten bereits beleidigt sind, wenn man sie nicht bewundert"—(Heiterkeit), und zur Bcwun- derung hats doch bis heute in noch nicht einem einzigen Falle gelangt! Bielleicht vermag uns der Herr Staatskommissar zu sagen, inwieweit man die Urteile der großen englischen, amerikanischen, französischen und— italienischen Presse über- nehmen darf, ohne gegen die vorliegende Verordnung zu verstoßen?(Sachen links.) Das Gegenbeispiel Im übrigen darf ich vielleicht den Herrn Staatskommissar bitten, die Regierungskommission und die Abstimmungs- kommission erneut mit dem Nachdruck daraus aufmerksam zu machen, daß alle antinationalsozialistischen Zeitungen des Saargebietes im„dritten Reiche" durch den Herrn, den die vorliegende Verordnung der Regierungskommission schützen will, restlos verboten sind, während umgekehrt täglich einige tausend Exemplare hitleramtlicher Zeitungen ungehindert in die Taar Zutritt haben. Bei dieser Gelegenheit könnte der Herr Staatskommissar die Aufmerksamkeit der Regierungs- kommission und der Abstimmungskommission wieder einmal auf die täglichen maßlosen Beschimpfungen aller Hitlergegner an der Saar und der Regierungskommission, selbst durch Mitglieder der augenblicklichen deutschen Reichsregierung, durch den amtlichen Rundfunk des„dritten Reiches", durch die vom Reichspropaganbaministerium geleitete auchdeutsche Journalistik und ihre Presse hier wie drüben und die zahl- losen Verleumdungen und Ehrabschneidungen in den offi- ziellen Nazivcrsammlnngen aufmerksam machen. Für alle diese Dinge ist zuerst und nach feinen eigenen Worten wiederum der Herr verantwortlich, dem die liebenswürdige Fürsorge der heutigen Borlage unter Punkt 1 der Tagesordnung gewidmet ist. „Judasse" Ich darf da einen besonders eklatanten Fall aus den letzte« Tagen herausgreifen: Der Reichssührer oder Reichskanzler oder Parteiführer Adolf Hitler aus Braunau in Böhmen hat aus der Ehrenbreitsteiner Saarkundgebung alle Saarländer, die nicht seiner Meinung sind, als„Judasse" bezeichnet. Ich erlaube mir die Aufmerksamkeit des Hohen Bölkcrbunds- ratcs aus die Tatsache zu lenken» daß das Staatsoberhaupt des„dritten Reiches", zu desien Schutz die Regierungs- kommission des Völkerbundes eine besondere Verordnung erläßt, in Ehrenbreitstein sowohl gegen die Bestimmungen des Friedensvertrages, wie gegen das im Mai von Deutsch« land feierlichst gegebene und unterzeichnete Abkommen be- züglich der Nichteinmischung in die Saarabstimmung schwer- stens verstoßen hat. Bekanntlich sieht der Friedensvertrag über die Zukunft des Saargebietes drei Möglichkeiten vor, die sämtlich unter seinem Schutze stehen. Dieser Friedens- vertrag aber trägt nicht nur die Unterschrift früherer beut- scher Regierungen, sondern auch die ausdrückliche Bestätigung Adolf Hitlers durch die von ihm vollzogene Ratifikation des Viermächtepaktes. Ebenso trägt das Abkommen vom Mai dieses Jahres die Unterschrift des hitlerfchen Sonderbevoll- mächtigten von Lcrsner. Dieser Vorfall in Ehrenbreit- stein beweist wieder einmal, was von Hitlers feierlichen Ver- sprcchungcn, was von Hitlers Unterschristen und was von Hitlers Schwüren zu halten ist. Im übrigen darf ich wohl im Namen dieser„Judasie" des Saargebietcs als ihr gewählter Abgeordneter in ihrem Parlament feststellen, daß uns notorische Mörder, Brandstifter, verbrecherische Psychopathen, Lügner und Verleumder nicht beleidigen können! jBravo! links.) Wo sind die Priester? Bezüglich der Debatte über den„freiwilligen" Arbeitsdienst des„dritten Reiches" ist mir aufgefallen, daß kein einziger von den 14 durch Katholiken gewählten Zentrumsvertretern des Saargebietcs, auch der Abgeordnete im Priesterkleide innerhalb der ehemaligen Zentrumskraktion nicht, auch nur c i n Wort gegen die unglaubliche Verhöhnung des katholischen Glaubens und der katholischen Kirche in dem einen von der Regierungskommission veröffentlichten naziamtlichcn Doku- incnt über den Wunsch der katholischen Arbeitsdienstfreiwil- ligen nach religiöser Unterweisung und Erfüllung ihrer religiösen Pflichten zu sagen gewagt hat! Um so unglaublicher aber ist demgegenüber die soeben gefallene Zwischenbemerkung des Abgeordneten und katholischen Pfar- rcrs Wilhelm aus Wehrden, daß„der Pater Dörr nicht recht gescheit sei". Ich maße mir nicht an, der Verteidiger des Katholizismus zu sein, aber wenn ein Pater, der die Priester- weihe empfangen und der als Missionar in Ehina für seine Kirche und für seinen Glauben viel geleistet und viel gelitten bat, von. einem Konfrater im gleichen schwarzen Rock und gesalbt mit dem gleichen Sakrament, als„nicht recht gescheit" bezeichnet ivird, dann habe ich diese Ungeheuerlichkeit weder nach ihrer theologischen, noch nach ihrer geschmacklichen Seite hin zu untersuchen, sondern ich habe nur eins festzustellen: Dieser katholische Priester und Misiionar, der sich um der Wahrheit, um seines Gewisiens und seines göttlichen Lehr- aostrags willen durch nichts, auch nicht durch die Mord- drohung seiner Gegner, abhalten läßt, das Evangelium der Wahrheit zu verkünden, genießt in melnen Augen und denen der Hunderttausend von Sulzbach hunderttausendmal mehr Achtung, Wertschätzung und Anerkennung, als jene gleich- geschalteten Feiglinge, die um ihre» bißchen Lebens und Einkommens willen in schlotternder Angst vor den Barbaren hingingen, ihren Heiland und ihr Evangelium verrieten und sich, hundertfünfzigprozentig gleichschaltend, vor dem Hakenkreuze auf den Bauch warfen, während sie ihr EhriftuS- kreuz versteckten!(Stürmische Zustimmung links.) Dieser Gottesmann Hot für die Annäherung und Aussöhnung zwischen marxistischem Proletariat und der Kirche Christi Die Abstlmmungsgeridite Vorsitzender: ein Italieneer bnb. Gens, 29. Aug. Das Völkerbundssekretariat hat Mitt- ivoch abend die Namen der für die Abstimmungsgerichte er- nannten Richter bekanntgegeben mit dem Hinweis, daß die Richter ihre Tätigkeit schon am 1. September beginnen. Für das A b st i in m» n g» o b e r g e r i ch t sind ernannt worden: Als Präsident der Italiener Bindo Galli, Erster Präsident des Appellationsgerichts in Genna: als Bizcprä- sident der Jrländcr James Mcxedith, Richter am Ober- sten Gerichtshof Irlands: als Richter der Portugiese Mario Figurelcedo, Professor des Internationalen Rechts und früherer Jnstizminister: der Schweizer Louis Goudet, Präsident des Genfer Gerichtshofs: der Schweizer William MirItti, früherer Präsident eines Genfer Gerichtshofs und früherer diplomatischer Beamter der Schweiz: John M o r d e n f a l k, Mitglied des Appellationsgerichts in Stockholm: der Spanier Antonio O u i n t a n o R e p o l l c s, Stellv. Generalstaatsanwalt in Oviedo: der Norweger Her- mann Reimers, Rechtsanwalt am Obersten Gericht von Norwegen und früherer Direktor im Auswärtigen Amt: als Untersuchungsrichter der Luxemburger Jean West er, Ge- richtsrat an« Obersten Gericht ist Luxemburg: als General- staatsanwalt der Italiener Giufeppo Martina, früherer Bizcdircktor der Rechtsabteilung in Oberschlesien und Staatsrat: als stellvertretender Generalstaatsrat der Luxem- burger Leon Hammes, Stellv. Generalstaatsanwalt in Luxemburg: als Gerichtssekretär der Italiener Pietro B a r u c c i; als Beigeordneter Gcrichtssekrctär der Jta- liencr Umberto Cullotti, Rechtsanwalt am Appellations- gericht von Fiume. Zu Mitgliedern der Kreisgerichte wurden ernannt: Als Richter der Südslawe Milerad S t r a z n i ck o, früherer Professor des internationalen Rechts an der Universität von Zagreb und früherer Gesandter im Haag: der Lette Charles Duzma» s, Chef der juristischen Abteilung im Auswärtigen Amt von Lettland: der Holländer H. ReijerS, Kan- tonsrichter im Haag: der Holländer C. van der W i j k, Rich- ter beim Kreisgericht im Haag: der Norweger Carl Kruse in Oslo: der Schwede Hans Venn ich, Mitglied des Appellationsgerichts in Stockholm: der Däne Christian Junior, Richter am Städtischen Gerichtshof in Kopen- Hägen: der Luxemburger Josef Berg, Friedensrichter in Luxemburg: als Stellv. Staatsanwalt wird den Kreis- geeichten besonders zugeteilt der Italiener Mario Tori- b o l o, Stellv. Staatsanwalt beim Gericht in Treviso. Die Aufgaben der Gerichte sind bekanntlich: t. Be- Handlung der Einsprüche gegen die Eintragungen in die Wahllisten und die Gültigkeit der Wahlhandlungen, 2. Behandlung oou Vorstößen gegen das Wahlreglemeut, und «ehr getan, als Ihr»«würdiges Gewinsel und Gewebe «m die Gunst des Neuheidentums im„dritten Reiche" jemal« zustande bringe« wird!(Sehr gut! links). Die Laarlegion Im übrigen, Herr Pfarrer Wilhelm, wundert mich a» Ihren Auslassungen über den angeblich nicht„recht ge scheiten" Konfrater nur eine einzige Tatsache: Nämlich die daß die meisten katholischen Geistlichen des Saargebietes de» Auslassungen des Herrn Pater Dörr über Ihre politische» Seitensprünge restlos zustimmen!(Heiterkeit).(Pfarre: Wilhelm aus Wehrden ruft nervös und verlegen dazwischen „Das ist ja Quatsch!" Der Abgeordnete Braun erwidert „Das Kleid, das Sic tragen, hindert mich daran, Ihrer poli tischen und theologischen Ignoranz d i e Antivort zu gebe» die sie jetzt verdienten"!) Im übrigen erscheint die w'chttgst, Feststellung, die sich aus dem bei der„deutscheu Front" in bei Haussuchung beschlagnahmten Materials ergibt, die zu sein daß drüben jenseits der entmilitarisierten Zone de« Friedensvertrages ähnlich der Oefterreichischcn Legion»u> auch eine Saarlegion militärisch ausgebildet und zu« putschistischen Einsatz bereitgehalten wird. Wohin die„Er ziehung" dieses Hitlerschen Arbeitsdienstes führt, haben un« erneut die TrLnengasbomben, die uns die„deutsch, Front" als ihren Gruß in die Snlzbachcr Kundgebun, schickte, bew»esen und ich möchte diese Gelegenheit nicht vor: übergehen lasten, ohne de« Völkerbund nochmals mit allen Nachdruck aus den sich dauernd steigernder Terror seitens der Hitlerschen Organisa tion des Saargebietes hinzuweisen. Die unerhört« Beschimpfung des Paters Dörr durch das„Saarbrückei Abendblatt", die fortdauernden Lokal-und Saalabtreibungen die Drohungen mit Repressalien nach der Abstimmung, du hier vom Sprecher der„deutschen Front" selbst im Landesrai wiederholt werden, und eine Reihe weiterer Dinge, die wir in den verschiedensten Denkschriften dem Völkerbundsrat zu» Kenntnis gebracht haben, machen eine freie und unbecin- flußte Abstimmung unmöglich. Ganz besonders protestier« ich gegen die iminer noch andauernden Verhaftungen von Saarländern im„dritten Reiche". So ist vor wenigen Tagen der Borsitzende unserer Ortsgruppe in Außen, der geborener Saarländer und abstimmungsberechtigt ist, im „dritten Reiche" beim Besuche eines Verwandten verhaftet worden. Wir erwarten, daß die Regierungskommission und die Abstimmungskommission nichts unversucht lassen, um die sofortige Freilassung dieses Mannes zu erwirke» und beim .Völkerbund Schritte gegen die dauernden Verhaftungen von abstimmungsberechtigten Saarländern, die nicht mit Hitler einer Meinung sind, bezüglich ihrer Abstimmung vom 13. Januar, unternehmen. Ich weise darauf Hut, daß in bestimmten saarländischen Betrieben die Arbeiter gezwungen wurden, nach Ehrenbreitstein zu gehen, indem man ihnen die dafür erforderlichen 20 Franken einfach vom Lohne abge halten hat!(Hört! Hört!) Hitler droht die Niederlage Mit der zunehmenden Aussichtslosigkeit eines Sieges Hitlers an der Saar,>vie sie ganz besonders durch die Kund- gebung in Sulzbach demonstriert worden ist, verschärft sich an der Saar sowohl der individuelle wie der kollektive Terror, und die Putschgciahr, die Gefahr politischer Streiks (bezahlt von Goebbels-Geldern!) und ähnlicher Provoka- tionen nimmt im gleichen Umfange zu, wie die Furcht des „dritten Reiches", sich am 13. Januar eine entscheidende außen- und innenpolitische Niederlage und Blamage zuzu- ziehen, wächst. Wir verlangen, daß der Bölkerbundsrat Nunmehr endlich durchgreifende und ausreichende Maßnahmen trifft, um dem Friedensvertrag bezgl. der Abstimmung die notwendige G-l- tung mit Nachdruck zu verleihen!(Beisall links.) 3. Befassung mit. den Verstößen gegen Vorschriften des ge» möhnlichen Rechtes, soweit es sich auf den Gegenstand der Volksbefragung bezieht urrd vor. während oder nach der Ab- stimmung vorgekommen sind. Das Ahstimmungs-Obergericht soll eiu Jahr nach der Rückgliederung des Saargebiets noch in Tätigkeit bleiben,»vährend die.Kreisrichter ihre Tätigkeit bei der Herstellung des endgültigen Souveränttätszuftanbes einstellen. Tie Richter selbst dürften am 31. August, abends, in Saarbrücken eintreffen. Daldur- wieder da Der„Reichsjugendführer" Baldur v. Schi räch hat am Mow tag durch eine Rede per Radio der Welt bewiesen. daß er ent gegen Hen im„dritten Reich" üblichen Sitten noch lel't. Das .von manchen erivartete Ereignis, nämlich eine Absage an den „heidnischen" Kurs der Hitlerjugend und ein Entgegen koinmen gegen die Kirchen brachte die Rede nicht. Ihre wichtigsten Stellen lauteten: „Mehr als 90 Prozent der gesamten Jugend sind in unser» Reiben vereinigt. Organisationen und Verbände, die vielleicht in ihrer Zeit ebenso richtig waren, wie die HJ. in dieser Zeit richtig ist, sind zugunsten der alle uin- fassenden HJ.-Organisationen überwunden wordeir. Wo • früher junge Marxisten oder andere Jugcndgruppen aller möglichen Färbungen standen, steht heute die einige und einmütige Jugendbewegung Adolf Hitlers. Noch vor wenigen Tagen sonnte ich in einer langen Unterredung mit dem Führer und Reichskanzler feststellen, daß das Prinzip der Freiwilligkeit der Zugehörigkeit zur HJ. niemals preisgegeben wird. Wer zur HJ. kommt, soll aus freiem Antrieb, ohne jeden Zwang in unsere Geineinschait eintreten." Zum Schluß ereiferte sich Baldur nach berühmtem Muster noch gegen die ausländische„Journaille", weil sie die falsche Meldung von seinem Tode und die richtige von seiner üppigen Getdwirtschaft gebracht hatte. Im übrigen hat er mit seiner Erklärung nochmals das Monopol seiner„Hitler- Jugend" betont und den katholischen Jugendverbänden prak- tisch die Existenzberechtigung abgesprochen. Die faden- scheinige Deklamation über„Freiwilligkeit" ändert daran nichts. Schwarze Listen an der Grenze Zürich, 29 August. Die„Thurgauer Arbeitcr-Zeftung" berichtet:„Die deutschen Grcnzstellcn besitzen Listen(teilweise mit Fotografien) von Schweizern, die politisch mißliebig und beschuldigt sind, etwas gegen das braune Rcgiyie geschrieben oder gesagt zu haben. Deshalb ist die größte Vorsicht, bcson- dcrs für Antifaschisten, beim Grenzübertritt geboten." JVutsche Freiheit*, Nr. 201 ARBEIT UND WIRTSCHAF Saarbrücken, 31. August 1934 Wie anno 17 Der Sie» liegt im Mülleimer Die»Kölnische Zettung" berichtet: Wuppertal, Ende August. Droste Mengen verwertungsfähiger Absallstoffe gehen im Müll- und Abfuhrwesen jährlich verloren. Gerade jetzt, wo di« Zeit größte Sparsamkeit in der Material- und Rohstoff- Verwertung gebieterisch verlangt, fällt in diesem Zusammen- hang auch der Blick auf die Mullverbrennungseinrichtun- gen. Bei der Barmer Mtillverbrennung hat man z. B. schon seit längerer Zeit aufs sorgfältigste das vcrwcrt- bar« Material aussortiert. So wurden z. B. in der Zeit vom 1. April bt» zum IS. August dieses Jahres allein in dieser Einrichtung, in der der aus dem Stadtteil Barmen abfallende Müll verbrannt wird, 258 Tonnen Mate- rial in Form von Metallen der verschiedcnsten Art aussortiert und zur Weiterverwertung abgeliefert. Im vergangenen Jahr 1038 sind in der Barmcr Mullverbren- nung über 1800 Tonnen verwertungSfähigrr Abfallstoffr, meist Konservendosen, Emailletetle, Schrott, Mctalldrähtc aller Art. alte Mrtallgeräte ober Teile von solchen aus- gesucht und einer Wiederverwertung zugeführt worden. Auch in den übrigen Stadtgebieten, in denen die Mllll- und Ab- sallstoffe nicht einer Einrichtung wie der Mllllverbrennung zugeführt, sondern auf die Kippe gebracht werden, besteht eine besondere Organisation zur Auslese von verwertbaren Metallabfällen. Nach den hier gemachten Ersahrungen besin- den sich in den Mllll- und Abfallstoffen mindestens 10 v. Y. verwertungsfähtges Material, wenn man die Auslese auch über den Preis der Metalle hinaus auS- dehnt. Das gibt beachtliche Mengen; stnd doch in den ver- gangenen Jahren im Wuppertal im Jahresdurchschnitt etwa 127 000 Kubikmeter Mllll- und Absallstosse abgefahren wor- den- So gewinnt auch von diesem Gesichtspunkt aus der dem- nächst einsetzend« 100-Tage-Kampf gegen die Material- und Rohstoffvrrgeudnng besondere Bedeutung. Elf Mark wochenlohn Die Tabakarbeiter in Lippe(Nordeutschlanb) er- halten so niedrige Löhne, daß sie davon nicht existieren können. Die nationalsozialistisch«„Arbeiter".Partei denkt nicht daran, die Machtmittel der Diktatur zur Erhöhung die- ser Löhne einzusetzen, wie sie es wiederholt feierlich verspro- chcn hat, sondern läßt die Tabakarbeiter durch gelegentliche LebenSmittelpakete der NS.-Bolk6wohlfahrt unterstützen. Die Pakete sind klein; denn die NS.-VolkSwohkfohrt ge- braucht für das kleine Lippe mit knapp 170 000 Einwohnern nicht weniger als 7 Automobile. Ter Lohn der deutschen Tabakarbeiter beträgt selbst nach der frisierten Lohustatistik der Deutschen Arbeitsfront wö- chentlich nur 18,58 NM. brutto, die Lohntüte enthält einen Netto-Lohn von r-un» 11- R-M. Ein-WohlsahrtS- erwerbsloser erhält im Reichsdurchschnitt 10 RM. ivöment- lich, der Tabakarbetter für seine Arbeit nur 1 RM. mehr. DaS Eingreifen der Lippeschen Volkswohlfahrt bestätigt, daß die Arbeiter in Deutschland mit 11 NM. Wochenlohn hun- gern. Mit 10 RM. wöchentlich verhungern die Erwerbs- losen im braunen Paradies- Gepreßt Entweder— Odert lieber die Art und Weise, wie man die Arbeiter zur „Landhilfc" preßt, wird folgender Vorfall berichtet: In einem Arbeitsamt im Berliner Osten haben sich etwa 200 Leute geweigert, zur Landhtlse zu gehen. Sie erhielten Freikarten für da« Rose-Theater. Als sie dort waren, wurden die Tore geschlossen und ihnen von der Bühne her erklärt, daß vor der Tür Lastkraftwagen stünden und sie eingeladen würden, sie zu besteigen. Sie hätten e« selbst in der Hand, wohin diese Wagen fahren sollten. Es wären zwei Richtungen möglich: Konzentrationslager oder Landhtlse, sie hätten nur zu wählen. Ein holländischer Staatsbürger befindet sich unter diesen 200, es gelang ihm durch Vermittlung dcS Konsulates frei- zukommen. leipziger Messe verfällt Leipzig, 30. August. Die Leipziger Herbstmesse ist von 188 Ausländern gegenüber 273 Ausländern im Vorjahr beschickt worden; das bedeutet einen Rückgang um ein Drittel. Die Zahl der ausländischen Besucher betrug im Jahre 1932 etwa 15 000, sie beträgt diesmal nur 4000. Nach einem Bericht der„Frankfurter Zeitung" beschränkte sich das Geschäft in Porzellan meist auf Musterbestellungen; Abschlüsse in Fein-Keramik und Fein-Steingut wurden fast ausschließlich für das Inland getätigt; in Glaswaren wurden bisher nur wenige Aufträge erteilt; in Lederwaren entwickelte sich das Geschäft meist nur langsam. Das Geschäft in Christbaumschmuck liegt sehr darnieder; der Export fehlt fast ganz. Weiter sagt das Blatt, daß die deutsche Spielwarenindustrie besonders stark den japanischen Wettbewerb au spüren hat; das Exportgeschäft sei sehr vermindert. Abschlüsse in Spielwaren seien kaum au verzeichnen. Die Bijouteriewarenindustrie in Oberstein-Idar klage über starken Exportrückgang. Selbst im Inland mache die Gablonaer Industrie der einheimischen den Absatz; streitig. Der allgemeine Verfall der Leipziger Messe wird von dem Frankfurter Organ der I. G. Farbenindustrie wie folgt vorsichtig umschrieben:„Die dem Besucher sofort auffällige Veränderung des Messehildes auf dem technischen Gelände zeigt sich in einer strafferen räumlichen Zusammenfassung der Aussteller. Die Firmen sind außer auf ein umfangreiches Beigelände nur noch auf drei Hallen verteilt." nodifiani! Iinsdiranhunö. Verminderung Der soeben herausgekdVnmene Bericht des Statistischen Reicheamts gibt zu, daß sich im Juli die Gesamtzahl der ge- Vor dem Ende der dentsdien Binnen-Hon)unh(ur Von Ion Severin Während der Export Anfang 1933 noch 26 Prozent der gesamten deutschen Industrie-Erzeugung aufnehmen konnte, betrug sein Anteil im April dieses Jahres nur noch 14 Prozent. Da die deutsche Ausfuhr inzwischen sehr stark zurückgegangen ist, gehört schon ein gewisser Optimismus dazu, wenn man annimmt, daß der Export an der Gesamtproduktion jetzt noch mit einem Achtel beteiligt sein dürfte. Schon in dieser Halbierung des Exportanteiles an der deutschen Industrieerzeugung erkennt man, daß die starke Erhöhung der Gesamtproduktion seit der Machtergreifung Hitlers eine ausgesprochene Binnenkonjunktur darstellt. Da immer weniger Waren ins Ausland gehen, bleibt die Frage, wo die Mehrerzeugung, soweit sie nicht auf Lager genommen ist, am deutschen Binnenmarkt Unterkunft gefunden hat. Die Antwort lautet, daß es sich um eine ausgesprochene Investitionskonjunktur gehandelt hat, daß also die zusätzlich erzeugten Güter nicht für den Konsum bestimmt wzren, der selbst nach den eigenen Angaben des deutschen Konjunkturinstitutes auch kaum in der Lage ist, diese Mehrerzeugung aufzunehmen, sondern daß mit dieser Produktionsvermehrung der an und für sich schon stark überdimensionierte deutsche Industrieapparat noch weiter vergrößert worden ist. Die Richtigkeit dieser Erklärung leuchtet sofort ein, wenn man— immer unter Benutzung der gleichgeschalteten deutschen Ziffern— die Indices für die Erzeugung von Produktionsgütern denjenigen der Konsumgüterproduktion gegenüber stellt. Für die ersten Monate eines jeden Quartals nach der Machtergreifung Hitlers ergibt sich hier folgendes Bild: Deutsche Industrie-Produktion 1928= 100 April 1933 Juli 1933 Oktober 1933 Januar 1934 April 1934 Produktionsgüter Verbrauehssüter 54,3 58,6 61,9 72,1 80,0 82.3 88,7 87.0 89,6 95,5 Während also die Produktion von Verbrauchsgüteru nur um 13,2 Prozent des Standes von 1928 gestiegen ist, zeigt sich bei den für die Investition bestimmten Investitionsgütern eine Erhöhung um nicht weniger als 25,7 Prozent. In Wirklichkeit ist aber die Erhöhung bei den Produktionsgütern nicht nur doppelt so groß, wie im anderen Falle, sondern bei ihnen ist die deutsche Gesamterzeugung gegenüber April 1933 um rund 48 Prozent gestiegen, während die Erhöhung der Verbrauchsgüterproduktion noch nicht einmal 15 Prozent ausmacht. Diese enorme Steigerung der Investitionen, bei deren Bc- , trachtung hier einmal ganz T9U der großen Bedeutung des Rüstungsmomentes abgesehen werden soll, kann wirtschaftlich nur dann eine nachträgliche Rechtfertigung finden, wenn durch eine Steigerung der Kaufkraft der Absatz von\er- brauchsgütern erleichtert und damit auch eine Erhöhung der Konsumgüter-Erzeugung ermöglicht werden kann. Ist dies nicht der Fall, so haben Fehlinvestitionen stattgefunden und die hierfür aufgewandten Mittel sind konjunkturpolitisch verloren worden. Wie steht es nun mit der Möglichkeit einer Erhöhung des Massenabsatzes von Verbrauchsgütern? Bei der Beantwortung dieser Frage darf man sich nicht dadurch beirren lassen, daß in der letzten Zeit die Umsätze im Detailhandel gestiegen sind. Diese Umsatzerhöhung ist vielmehr ausschließlich eine Folge der Käuferpanik, die einerseits durch die innere Entwertung der Kaufkraft der deutschen Währung und Inflationsängsten für die Zukunft, andererseits durch die Knappheit an Rohstoffen und an Waren entstanden ist, die aus ausländischen Rohstoffen hergestellt wurden. Zu diesen Hamsterkäufen wurde das Geld nicht etwa aus einer entsprechenden Steigerung der Einkommen beschafft, sondern leisteten Arbeitsstunden von 54,9 auf 54,4 Prozent der Arbeitsstundenkapazität vermindert bat. In den Verbrauchsgüterindustrien beträgt der Rückgang der geleisteten Arbeitsstunden sogar 1,7 Prozent. Der Bericht über die einzelnen Industriezweige ist eine Sammlung von Siegesparolen:„In den Eisengießereien und im Schiffbau hat sich das Arbeitsvolumen leicht vermindert" ...„in den übrigen Zweigen der Baustoffindustrie ist die Beschäftigung zurückgegangen"..„in der Fahrradindustrie hat sich der Rückgang fortgesetzt"...„in der Papier verarbeitenden Industrie und im Vervielfältigungsgewerbe hat sich der Rückgang noch im Juli fortgesetzt"...„in der Juteindustrie wurde die Beschäftigung ebenfalls eingeschränkt".. „in den übrigen Zweigen der Textilindustrie mußte die Tätigkeit eingeschränkt werden, so vor allem in den Wollwäschereien, in den Kammgarnspinnereien, in der Baumwollindustrie, in den Leinenwebereien und in der Strumpfindustrie"...„in der Nahrungs- und Genußmittelindustrie ist die Beschäftigung zurückgegangen". Automobil-Zählung Die Zählung der Kraftfahrzeuge im Deqtscfaen Reiche am 1. Juli 1934 hat folgenden Bestand an im Verkehr befindlichen und vorübergehend gemeldeten Kraftfahrzeugen zusammengenommen ergeben: 983 992 Krafträder(Vorjahr 896 000), darunter 542 847 Kleinkrafträder, 674 523 Personenkraftwagen(580 987), 191 715 Lastkraftwagen(174 169), 31 970 Zugmaschinen(28 683) und 5430 sonstige Kraftfahrzeuge(5080). Sämtliche Kraftfahrzeuggattungen hatten eine Zunahme gegenüber dem Vorjahr aufzuweisen, diese betrug bei den Krafträdern 9,8 Prozent, bei den Personenwagen 16,1 Prozent, bei den Lastwagen 10,1 Prozent und den Zugmaschinen 11,5 Prozent. :MMlilrdle„WWWW"! vielmehr aus der Aufzehrung der letzten Reserven besonders des Mittelstandes und des Kleinbürgertums. Dies geht deutlich aus der Entwicklung der Spareinlagen in Deutschland hervor. Seit dem Bankkrach im Herbst 1931 überstiegen die Einzahlungen bei den Sparkassen Monat für Monat die Aus- zahlungenn ganz erheblich. Im Mai, als die Rohstoffnot und die Devisenschwierigkeiten nicht mehr zu verheimlichen waren, zeigte sich zum ersten Male eine Wendung. Die Auszahlungen überstiegen in diesem Monat die Einlagen um 6 Millionen RM. Dieser Verlustsaldo der Sparkassen hat sich schon im Juni nicht wenige* als versiebenfacht. Die Einzahlungen erhöhten sich um 9 Millionen auf 432,8 Millionen Reichsmark, die Auszahlungen aber erfuhren eine Steigerung auf 478,3, also um 48,4 Millionen RM., so daß sich ein Saldo zu Ungunsten der Einzahlungen von 45,5 Millionen RM. im Juni gegen 6 Millionen RM. im Mai ergab. Alle Versuche des Berliner Konjunkturinstitntes, die Steigerung der Kleinhandelsumsätze auf den besseren Beschäftigungsstand und die statistische Verminderung der Arbeitslosenziffer zurückzuführen, sind völlig hoffnungslos. Nach den eigenen Angaben des Institutes betrug nämlich das deutsche Arbeitseinkommen im dritten Quartal 1933 6,8-5 Milliarden RM., im vierten Quartal 6,77 Milliarden RM. und im ersten Quartal 1934 6,80 Milliarden RM. Diese Besserung ist also verhältnismäßig ganz minimal und selbst wenn man jetzt für das zweite Quartal 1934 noch eine weitere gering? Erhöhung ausweisen sollte, so steht dem nicht nur die erheb- liehe Steigerung der Preise gegenüber, sondern vor allem auch die zu erwartende große Senkung des deutschen Arbeitseinkommens, die als Folge der Arbeitszeitverkürzung unvermeidlich ist. Die Talmi-Konjunktur am Binnenmarkt und die ungesunde ständige Steigerung der Produktion von Investitionsgütern hat allerdings die Erwerbslosenzahl nominell auf rund 2,5 Millionen gesenkt. Ganz abgesehen von den bekannten rein statistischen Manövern, die hierbei mitgesprochen haben— denn ein beträchtlicher Teil der Arbeitslosen wird seit langer Zeit einfach nicht mehr registriert—haben aber keineswegs alle aus den Listen gestrichenen Arbeitslosen, die jetzt als Beschäftigte ausgewiesen werden, wirklich Arbeit in drr Privatindustrie gefunden. Viele Hunderttausende— nach den offiziellen Angaben sind es„nur" zirka 700 000— haben vielmehr bloß„zusätzliche" Arbeit bekommen, d. h. sie sind unter starker Heranziehung staatlicher Subventionen keim Arbeitsdienst, als Notstandsarbeiter, Landhelfer, Fürsorgearbeiter usw. beschäftigt. Da die Industrie jetzt auf dem Umwege über eine Arbeitszeitverkürzung schon mit Rücksicht auf den Rohstoffmangel* die Unmöglichkeit des Exportes und die fehlenden Absatzmärkte für Verbrauchsgüter im Unlande immer mehr zu Betriebseinschränkungen und Stillegungen, also zu Arbeiterentlassungen gezwungen ist, bleibt nur die Möglichkeit, die schon aufgewandten Riesensummen für die„Arbeitsbeschaffung" noch weiter zu erhöhen, oder sich mit einem neuerlichen Anwachsen der Erwerbslosigkeit abzufinden. Beide Möglichkeiten bedeuten aber furchtbare Gefahren für die weitere Existenz des Regimes. Bis zum Juni d. J. belief sich der für die Arbeitsbeschaffung bereitgestellte Betrag bereits auf 5,45 Milliarden Mark, von denen fast 3 Milliarden vom Reich und der Rest von anderen Stellen der Öffentlichen Hand ausgezahlt werden sollen. Die Auszahlung ist bereits bei 2,5 Milliarden RM. erfolgt, und zwar bei rund 2,1 Milliarden in der Form von Wechseln. Von diesen liegen jetzt nach sorgfältigen Schätzungen etwa 1,5 Milliarden bei der Reichsbank, deren Illiquidität immer bedrohlicher wird. Zwingt man diese zur weiteren Diskontierung solcher Wechsel, so muß man die Notenpresse in Betrieb setzen. Verzichtet man darauf und beendet man die ganze„Arbeitsbeschaffungsaktion", so wird die unvermeidliche und sprunghafte Erhöhung der Erwerbslosigkeit zu einer neuen politischen Gefahr. Sowirt-AQßenliandel (FSU.) Die Zahlen des Sowjetaußenhandels für das erst« Halbjahr 1934 zeigen, daß der Gesamtbandeisumsatz für die erste Hälfte des laufenden Jahres um 27 Prozent niedrigel ist als für die gleiche Periode des Vorjahres, d. h. er verringerte sich von einem Total von 399 000 000 Rubeln in der ersten Hälfte des Jahres 1933 auf 292 000 000 Rubel von Januar bis Juni dieses Jahres. Der Petroleumexport ist im Vergleich zum vorigen Jahre leicht gefallen, bleibt jedoch weiterhin der größte Posten im Sowjetexport. In Anbetracht der kürzlichen Entwicklung der Erdölindustrie in der SW, und der Erschließung neuer Reserven ist zu erwarten, övÜ der Erdölexport in naher Zukunft zunehmen wird. Eide Uebersicht über den Sowjetimport zeigt, daß die Einfuhr von Kesseln, Maschinen und besondere von Werkbänken abgenommen hat. Das gleiche gilt für andere Metall Fertigprodukte, wie elektrische Lokomotiven, elektrische Maschinen und-Vorrichtungen. Gleichzeitig hat sich der Relativanteil von Rohmaterialien und Halbfertig-Produkten auf Kosten der Industrie- und Maschinenausrüstung erhöht. Es ist bemerkenswert, daß der Handelsumsatz mit einigen Ländern, weit davon entfernt sich zu verringern, besonders während des vergangenen halben Jahres zugenommen hat. Diese Länder sind die Vereinigten Staaten, England, Schweden, Zentral- und Süd-Amerika. Der Handelsumsatz mit diesen Ländern nahm sowohl in den Export- wie in den Importziffern zu. Außerdem hat jedoch in einer Reihe von Fällen der Import zugenommen, während der Export von der USSR. abnahm. Dies ist teilweise der Fall für Frankreich, Belgien und Holland. Der Handelsumsatz mit Deutschland hat stark abgenommen. In der ersten Hälfte des laufenden Jahres wurde England der Hauptkunde der USSR. Der Anglo-Sowjet Handelsumsatz nahm relativ und absolut zu. Deutschland nahm den zweiten Platz im Außenhandel der Sowjet-Union ein. Frankreich den dritten, Holland den vierten, Italien den fünfteq jnnd die Vereinigten Sta aten den sechsten,^ putsche Stimmen•(Beilage xut„Deutscfien Freiheit"•{rdtfnlsie und 9eidkt(A^n FfiUfl, den 31. AugMt 1914 ®ec Deutsche OP f-i iL i T ffs aaiAr attj-mm 05-ec Schemen, sollte- ämw<0*01 Ludwig Marcus« veröffentlicht im fungsten .?' 1 d* r»Sammlung" einen ausgezeichneten Auf tat j ''"*r de« deutschen Pseudo-ldealismus, der hinter dem Humanismus der griechisch-römischen Bildung in e*" e»Lebentlüge" gewesen ist. Wir»er- ß'öffentlichen hier die entscheidenden Teile der Arbeil: Wih,*»^'"terbe Idealismus war, aur Zeit da er lebte, der ver- V|l lr*'* l' r^'S e Glaube an einen moralischen Sinn der Welt) 0|,, V} un d Gerechtigkeit waren die Sterne dieser Welt. lv' d,,um' e' n kleine» Abbild der Harmonie dea Uni- >ir k ,i*'"'»'er Spiegel der Wahrheit, unermüdlicher Ver- Gerechtigkeit, die jeden Menschen als träger t«Uen*.^ ürde respektierte, die in jeden Menschen N»id fll" e" en Repräsentanten der Menschheit sah— diea L Um Wlf daa Ideal des Deutschen Idealismus. Der Hi« t^ T. ,u P«manu Karl Moor stellte sich den Behörden, um Fbsf,"f.® Harmonie wieder keriustellen. Für Hegel war die Wiederherstellung der Ehre des Verbrechers; denn ^'di* n 86^ tra' e wurde die vom Verbrecher irritierte kos» ' rdn,m 8 wieder repariert. Wer immtt strebend sich L r(| t e' der konnte, davon war Faust fest überzeugt, erlöst t.J'^denn die Deutschen Idealisten glaubten an eine ge- lc^, t Weitordnung, die Verdienst und Glück in Harmonie itlj, e' et G' au be—» ob er berechtigt oder unberechtigt war, t»i ö*' att( h immer seine gesellschaftliche Funktion gewesen lia^ e— lebte. Und dieser Glaube ist seit langem ver» [idBet, 0 14, r die Heuchelei von vielen deutschen Generali»^.- I"*' 1 diesen toten Glauben hoch als Panier. Unter att' P*"ie' wurde uns ärmliche Pauker-Pedanterie lv, Sal» verabfolgt. Unter diesem Panier schrieb ein Itn p d^tt'th-jüdiseher, entsetzlich verführter Kantianer ans K'" l no alf J e Kugel aber seinem intelligiblen Ith nichts anhaben k^nter diesem Panier hätten noch unsere„idealisti* Universitätsprofessoren dicke Bücher gegen die von Jahr beliebter werdenden Koketterien a®^ie Zeitschrift„Logos": daß«war«ein empi- j 8 j."drper von einer Kugel durchbohrt werden könne, ««es-»---.... J i *u mit dem iMui""'''»«««"» geschrieben— aber in diesen Polemiken lebte . die Lust am Würfelspiel mit Argumenten, nicht der 'v"(j l;i8mui Verteidigung jenes Lichts, das der Fran» I l( j t. c,c*rtes, der Engländer Bacon, der Deutsche Imanuel Iii, das moderne Europa gebracht hat. Und unter diesem bs ,^F»nier hielten die Kantianer und Hegelianer ihre Kon ^ a'*< auf denen ein Kant und ein Hegel gezeigt wurden, l««,.® 1*. armseligen Platon-Gerippe unseres Gymnasiums ver» ^' ähnlich sahen. I«v('.'"dlich ist der ganae Zauber aus! Jetzt endlich bat man v„ a® r ding« traurigen) Mut, den toten Deutschen Idee '® r se'* vielen Jahraehnten nicht mehr all wirkendes | B' Ur no«h»la Lippenbekenntnis existierte, in die Grube ^her man bringe nicht immer awei recht verachte log,''"estände durcheinander! der Deutsche Idealismus ist i Ist, l,,en Reith" nicht ermordet, nur beerdigt worden. *r B j"" nicht wahr, wie man ea oft von ahnungslosen Bür- h««. daß im Jahre 1933 der Deutsche Idealismus aus 1'*«n M^ v® r'"F t worden ist. Eine Krankheit ist nicht erst I"»°ment da, wenn der Kranke sie merkt. Ist das„dritte Wf schuld an Heidegger— der als Freiburger Rek- d® B^ue Aera einleitete mit dem Sätzchen:„Jedes Wissen !. j'®~inge bleibt auvor ausgeliefert dar Uebermacht des *"* und vorsagt vor ihr?". Oder ist die deraeitige Re- 8 etwa schuld an dem Unsinn, den eine andere Leuchte ■di Iar®. rn Katheder der Deutschen Idealisten von sieb gab, ^Pranger, Diltbey Schüler, Erzieher der deutschen '"«h» t.® n,< K*f««um Ideal dea traditionellen deutschen 'Vi^"'Uus? Dieser Eduard Springer verherrlichte, nach ®. Zuerst gebockt hatte, weil er aurüehgesegt worden »ftc'®' ner Sitzung der Preul .*» auf der er„Zur gegenwärtigen geistigen Lage in U. l.-»"C genoatt natte, wen er«,,,„«0" o- ®' ne r Sitzung der Preußischen Akademie der Wissen SuJ!i ,uf der«r„Zur gegenwärtigen geistigen Lage in «"»nd" sprach, in Hitler den„charismatischen" Führer. ic»j-4™""^ sn bürde den nenen Herren nicht mehr auf, als sie :»t seines Eifert wert." • L»,!, 11*•'' imua hat nur das Firmenschild, hinter«dem KE^«>>ch^' m*' 4r w,f' abgerissen— und preist jetzt ebne '*■ M' n®' B* Oede, die man vorher schamhaft ver» t B|.\\"echt aitiert er aeine Eckhart und Rosenberg de|, A„! ,e"futschen Sänger von 1789, die Freunde Moses führt kein Weg tum..Mythe« dea XX. Jahrhundert»", dessen Ahnherren vielmehr der Turnvater Jahn, der Antisemiten» Häuptling Foerster, die Weißrusaische Emigrantenorganisation Rond mit ihrer Fälschung der„Weisen von Zion" Sind. Kein Gegensatz»wischen dem Denker von Königsberg und dem Autor von„Mein Kampf". Wäre Kant»o populär wie die Bibel, so würde heute der Kampf gegen den Deutschen Idealismus dem Kampf gegen das Christentum an Heftigkeit nichts nachgeben. Aber wenn auch keine erregten Volksversammlungen gegen die Heroen des deutschen Geilte» entriert au werden brauchen— der Deutsche Idealismus hat selbst als Lippenbekenntnis ausgespielt. Auf der Uuiveraität, der langjährigen Zuflucht seines Scheinlebens, stehen die Aktien der philosophischen deutschen Götter von einst weit unter pari. Das Lippenbekenntnis ist nicht mehr nötig, ist gar nicht mehr möglich. Bekannte sich Kant zu Plate als der Quelle aller europäischen Wissenschaft, so lehrt jetzt der nazi beamtete Denker, daß die Wissenschaft„eine Schöpfung germanischen Unabhängigkeitssinnes" ist. Waren von Piaton bis Hegel alle Idealisten von der überpersönlichen, überirdischen Weihe der Idee überzeugt, so lehrt jetzt Alfred Bäumler, stiatlich approbierter Philosoph, von Fichte« Katheder her:„Hitler ist nicht weniger als die Idee— er ist mehr als die Idee, denn er ist wirklich". Was ist also nun der Unterschied»wischen Gestern und Heute? Gestern salbaderte der Thomist Heidegger, der Dio- nysier Klaget und der Jude Rudolf Borchardt in trautem Verein konfuseste Mystik— bißchen Laotse, bißchen Meister Ekkrhardt, bißchen Nietzsche, bißchen Königsberg und Weimar aus vergangenen Tagen. Und die Firma Deutscher Idealismus deckte im Notfall liebevoll das große Loch, das dies» jüdesch-kacholisch heidnischen Zeitgenossen in ihrem Hirn hatten. Ea soll nun nicht gesagt werden, daß jetzt alle Nebel sich verzogen haben. Die geschwätzigen Kühnemanns dürfen weiter schreiben— und auch die rauhen, kühnen Soldaten des Geistes begehen leider noch allzuoft Mimikri und wälzen sich in den Schlammfluten eines mystisch angefärbten Eklektizismus. Aber öfter als je kommt heute ein neuer, echter Ton zum Durchbruch. Auf dem Magdeburger Philosophen» kougreß erklärte der Ministerialrat Achelis im Namen des Preußischen Ministers für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung:„Auf jeden Fall wird die nene Hochschule nicht aus dem Geäst der Philosophie erwachsen, sondern aus dem Geist der SA.". Dieser eine Satz, der seit einem Jahre in vielen Variationen abgewandelt wurde, ist ehrlicher und zukunfts» bestimmender(welche fürchterliche Zukunft!) als der ganae Begri&aeud, in dem die ausgedienten Idealisten nach dem Vorbild einiger Parteiintellektueller die„Taten" der SA. bis' aur Unkenntlichkeit zerkochen. Aber schon mehren sich die Fälle, wo man sich, erfreulicherweise, flicht mehr geniert, den Bruch mit der Tradition einzugestehen. Mau lese etwa Fichte» Vorlesungen über den Gelehrten. Man lese Schöllings Reformpläne für die deutschen Universitäten. Und man halte da» nehmt die Definition der Wissenschaft, die kdralich der Kongreß deutscher Soaioiogen gegeben hat:„Wissenschaft heißt jetzt;, mitzuarbeiten an der Gestaltung der geschichtlichen Wirklichkeit des deutschen Staates". Der deutsche Idealismus ist gerichtet, wie das Christentum gerichtet ist: sie können sich beide, ihrer Natur nach, nicht einem Gruppenegoismus unterordnen. Einmal— lang ist es her!— war der Kampf gegen den Deutschen Idealismus echtes, deutsch-idealistische« Erbe. Der junge Idealist Karl Marx versenkte sich inbrünstig in Hegels Werk und sprengte seinen Bau, den mächtigsten Ban, den dar Deutsche Idealismus hervorgebracht hatte. Wegen dieses Sakrilegs•— und weil er später noch anderes unternommen hat als Hegel meisterhaft zu analysieren— ignorierten ihn hundert Jahre lang die deutsch-idealistischen Professoren, die sich allerdings den Idealismus leichter gemacht hatten, indem sie die alten Meister nur paraphrasierten. So vielen Hegel- Kollegs und Hegel-Seminaren ich mich auch im Leben unter- sog— nie wurde der Name des mächtigsten Hegel-Kritikers «genannt. Dabei hätte die Beachtung einer einiigen Briefstelle des Karl Marx das Leben von vielen tausend Philosophie- Professoren fruchtbar machen können. Diese Stelle heißt: „Die wahre Theorie muß innerhalb konkreter Zustände und an bestehenden Verhältnissen klargemacht und entwickelt werden". Versteht man heute diesen Satz? Keine IllusionenI Der antiidealistische Kampf, den der Nationalsozialismus heute mit viel Strohfeuer führt, ist weiter nichts als ein reichlich verspätete«, heralich schwaches und ge- radeau karikaturenhaft verzerrte« Echo auf die historische Weiterentwicklung des Deutschen Idealismus, wie Sie vor fast hundert Jahren von dem jungen Hegelianer Marx eingeleitet wurde— und wie aie, niemand möge mir böse sein, in Marx leider ihren bisherigen Abschluß gefunden hat. Die neu deutschen Attacken auf den Deutschen Idealismus sind in den Partien, in denen man sich aus der Verlogenheit der offiziellen idealistischen Phraseologie herausgearbeitet hat, ein. schönes Zeichen dafür, daß endlich, endlich, endlieh einige wesentliche marxistische Grundgedanken, für die seit hundert Jahren die Ohren der Studenten verriegelt worden waren, von den philosophischen Kathedern Deutschlands herab verkündet werden können. Aber diese tiefe Befriedigung, die alle Marxisten heute empfinden, wenn die Marxisten Töter die großen Entdeckungen des Karl Marx unter die geiatig unbemitteltsten Kreise des deutschen Volkes bringen, unter die Professoren und Studenten— diese begreifliche Befriedigung darf doch nicht darüber hinwegtäuschen, daß diese jüngsten Anschläge auf den Deutschen Idealismus, so sehr sie bisweilen an marxistische Formulierungen anklingen, in ihrem Gesamt nicht vorwärts—, sondern aurückführen. Denn: wenn Marx den Wahrheitsbegriff und den Moral- begriff des Deutschen Idealismus»ersetzt hat, te hat er es aus Liebe aur Wahrheit, ana Liebe»ur Gerechtigkeit getan — nicht aus Gruppenegoismus. Um einer umfassenderen Des Alten lestament Und als der Greis gestorben war, Da war der Erbe froh, Er legt die Mumie in den S»tg; Nach unten fiel dta Stroh. Er drückte ein gefeilt Papier Ihr in die steifen Hand*. Und rief die Nachbar« all mt Stell'I „Seht hieti sein Testament!" Herheititiert der Herr Notar Das Pergament entrollt. Da fand sich»He« just bestimmt. Wie es der Erbe wollt'. „Ich überwach' Dir Gut und Volk Und alle Linderein. Ich heiße Dich mit Segenawuntth Nachfolger für mich sein. Man folge in Gehorsam Dir Und leiste Dir den Eid. Beruhigt, weil Du übrig bleibst, Geh ich zur Ewigkeil." „Dal" sprach der Erbe,„schwärt auf weiß Steht fest, daß ich Regent. Weit Vorzuzieh'n d 0 m Alten ist Des Alten Testament,, i« Muck». Zweitausend Mal„Jaust' Jubiläum der Peruer Oper Die Pariser Oper wird in allernächster Zeft nie besonderes Jubiläum feiern. Die Oper„Faust" Von Gounod wird I« Kürte ihre»weittuiendste Aufführung erleben. Dal ilt tatsächlich ein theatergeschichtliches Ereignis, und es wird gm wiß entsprechend gefeiert werden. Noch steht»wir nicht fest» auf welche Weise die Pariser Oper diesen denkwürdigen Tag begehen wird, aber die Zeitungen bringen schon jetzt ausführliche Artikel über den aweitausendsten„Faust", und man kann erwarten, daß die Flut der Artikel und Dokumente »ich bald noch erheblich steigern wird, Gounods„Faust" wurde«um ersten Male at» IV Mär« 1859 im Pariser Thöatre Lyrique gespielt, aber in diesem Theater erlebte die Oper nur 57 Aufführungen. Erlt tehn Jahre Später erschien da« Werk auf dem Spielplan der Pariser Großen Oper, es war in mancher Hinsicht umgestaltet und die Vorstellung dauerte über fünf Stunden. Eigentlich er« damit begann die Karriere des„Faust" als Oper, das werk behauptete sieh mit ständig steigendem Erfolge im Spielplan der Großen Oper; die jetzt bald erreichte Aufführung!- zahl von aweitausend spricht deutlich genug füf den Ruhm des Werkel und seines Komponisten. Besonders interessant int noch, daß„Faust" in der Großen Oper sogar ein„Kassenschlager" geworden iat, Die Ein- nahmen, die das berühmte Pariser Opernhaus damit ersiehe, überstiegen alle Erwartungen, und noch heute iat ea»e, daß „Faust" unter allen Opernwerken daa auch finansiell ertragreichste ist. Wo ist Dostoietoshi ae&ocen? Kürzlich wurde gemeldet, daß das kleine russische Dorf Dostoiewo ein Raub der Flammen geworden«ei, und es wurde daran die Bemerkung geknüpft, daß oa«ich«m den Geburtsort Dostojewskis handelte und daß auch»ahlraicha Erinnerungsstücke an den großen russischen Dichter bei dem Brande verloren gegangen seien. Jetzt wird daran erinnert, daß Doatoiewo trotz der Aehnlichkeit des Namens gar nicht der Geburtsort des Dichters ist. Die Vorfahren Dostojewski» hatten die Gegend von Pinsk bereits vor awei oder drei Jahrhunderten Verlassen und wafen nach dem Südwesten Büß- lande gegangen. Di« Biografen Dostojewskis stellen tatsächlich fest, daß der Autor de»„Totenhause»" in Moskau gehören iat, wo»ein Vater, der Doktor Michel Doatojewakf, Chefarst dea Armenhospitala war. iiue O&ilaHz du UeUc&etauHQeH In diesen Tagen iat eine interessante literarische Statistik veröffentlicht worden, eine Statistik der im Jahre 193S in de« verschiedenen Ländern erschienenen Uehersetzungen An de« Spitze steht Italien mit 930 Uehersetzungen, es folgen Frank» reich mit 662, die Sowjetunion mit 659, Deutschland mit 53« d'•<"<„....„-v. ,-......~~Ü"Z 7'" B"—--—•' eroruuung vom v. r eoruir tyjs f«r«|( W®' 8, ehns, die Freimaurer Pazifisten und Weltbürger von Wahrheit und Gerechtigkeit willen— nicht aur Entfesselung Land Preußen sämtliche von Maxim Gorki verfaßton und In In» M»t Recht! Denn der Deutsche Idealismus war nicht einer Horde. Der Kampf gegen thn ist der bisher letzte und deutscher Sprache ersetzizuLAeg beschlag- Zwillin g der französisc hen Revolution, SQfiika ßsd? u'ldeste doutsdie Kampf geggfl dsn Deutschen/ nahm! aaA ligt«gogeju/—- Völker in Sturmzeiten Im Spiegel der Erinnerung- im Geiste des Sehers Maurice stirbt für die Kommune Von Emile Zola ntfli n» al Januar 1871 im belagerten Paris. Die Not wächst. Lange Menschenschlangen vor den n»mus, der, nachdem er vergeblich'»nd Zer'; Bäcker- und Fleischerläden. Vor den Toren der Stadt fortwährend kleinere Gefechte mit wech- ö nln g'tr« nd" 1 1^ Der' Hfup tausschuB, den die selnden Erfolgen. Die Armee drängt zum Frieden, aber die Bevölkerung will einen Massenausfall und Einsatz der letzten Kräfte. Maurice ist immer auf der Seite derer, die weiter kämpfen wollen, tief aufgewühlt durch die Beschießung der Stadtviertel des linken Seineufers. Man schrieb den 19. Januar. Eine ungeheure Menge auf den Boulevards und in den Champs Elysees sah die Regimenter vorüberziehen, die, mit der Musikkapelle an der Spitze, patriotische Lieder sangen. Kinder und Frauen begleiteten aic. Die Männer stiegen auf die Bänke, um ihnen flammende Siegeswünsche zuzurufen. Und am andern Morgen strömte die ganze Bevölkerung gegen den Are de Triomphe. Eine, wahnwitzige Hoffnung ergriff sie, als vormittags die Nachricht von der Einnahme von Montretout eintraf. Erhebende Berichte über die unwiderstehliche Tapferkeit der Nationalgarde liefen um, die Preußen waren über den Haufen geworfen worden, Versailles würde vor Ahend zurückerobert sein. Welche Niederschmetterung war es dann aber auch bei Anbruch der Nacht, als die unvermeidliche Niederlage bekannt geworden war. Während die linke Kolonne Montretout besetzte, zerschellte, die mittlere, die die Mauer des Park von Bongival überstiegen hatte, an einer zweiten, inneren Mauer. Es war Tauwetter eingetreten, ein dünner, hartnäckiger Regen hatte die Straßen aufgeweicht, und die Kanonen, die mit Hilfe öffentlicher Beiträge gegossenen Kanonen, in die Paris ein Stück seiner Seele hineingelegt hatte, konnten nicht an Ort und Stelle gelangen. Rechts war die Kolonne des Generals Ducrnt, die zu spät ins Treffen geführt worden war, zurückgeblieben. Man war mit der Kraft am Ende, und General Trochu mußte den Befehl zum allgemeinen Rückzug gehen. Man gab Montretout und Saint-Cloud auf. das die Preußen in Brand steckten. Und als die Nacht ganz finster geworden war. war an dem Horizont von Paris nur diese ungeheure Feuersbrunst zu sehen. Diesmal empfand Maurice selbst, daß es das Ende war. Während vier Stunden war er unter dem furchtbaren Feuer der preußischen Sehauzwerke mit den Nationalgardisten im Park von Bongival gehliehen, und in den folgenden Tagen, als er zurückgekehrt war, lobte er ihren Mut überschwenglich. Die Nationalgarde hatte sich in der Tat tapfer gehalten. Rührte die Niederlage nicht notgedrungen von der Dummheit und dem Verrat der Führer her? In der Rivolistraße begegnete er Ansammlungen von Mensche», die schrien: ..Nieder mit Trochu! Es- lebe die Kommune!" Das war das Erwachen der revolutionären Leidenschaft, ein neuer Austurm der öffentliche» Meinung, so beunruhigend, daß die Regierung der nationalen Verteidigung, um nicht selbst zu fallen, den General Trochu zwang, abzudanken, und diesen durch General Vinoy ersetzte. Am selben Tage hörte Maurice in einer öffentliche» Versammlung in Bellevilie, in die er eingetreten war, neuerdings die Forderung nach einem Massenangriff erheben. Der Gedanke war wahnsinnig, er wußte es, und doch schlug sein Herz höher angesichts dieser hartnäckigen Begierde nach dem Sieg. Wenn doch alles zu Ende war, blieb einem dann nicht auch übrig, das Wunderbare noch zu versuchen! Die ganze Nacht träumte er von Wundern. Noch acht lange Tage flössen dahin. Paris zuckte klaglos im Todeskampfe, die Läden wurden nicht mehr geöffnet, in den verlassenen Straßen begegneten die wenigen vorübergehenden keinem Wagen mehr. Man hatte virrzigtausend Pferde aufgegessen, man war so weit, daß man die Hunde, Katzen und die Ratten sehr teuer bezahlte. Seitdem das Getreide mangelte, buk man aus Reis und Hafer ein schwarzes, schleimiges, schwer verdauliches Brot, und um davon eine Ration von dreihundert Gramm zu erhallen, harrte man vor den Bäckereien in endlosen Reihen tödlich lange Stunden aus. Ach. diese Leidensstationen der Belagerung, diese armen, im Gußregen zitternden Frauen, die im eisigen Kol dastanden! Das ganze heldenmütige Elend der großen Stadt, die sich nicht ergeben wollte, drückte sich darin aus. Die Sterblichkeit hatte sieh verdreifacht, die Schauspielhäuser waren in Lazarette umgestaltet worden. Bei Anbruch der Nacht fielen die alten reichen Stadtviertel einem düsteren Frieden, tiefer Finsternis aftheim, gleich den Straßen einer fluchbeladenen, von der Pest verheerten Stadl. Und in dieser Stille, in dieser Dunkelheit vernahm man nur das unaufhörliche Krachen des Bombardements, sah man nur die Blitze der Kanonen, die den Winterhimmel mit roter Glut färbten. Plötzlich, am 29. Januar, erfuhr Pari», daß Jules Favre seit zwei Tagen mit Bismarck verhandle, um einen Waffenstillstand zu erlangen; und gleichzeitig hörte es, daß es nur noch für zehn Tage Bröl gäbe, kaum die Zeit, um die Stadt von neuem mit Lebensmitteln zu versehen. Das bedeutete die Uebergabe, die sich mit roher Gewalt anfdränate. Paris, düster und bestürzt über die Wahrheit, die man endlich sagte ließ all»s geschehen. Noch am selben Tage um Mitternacht wurde der letzte Kanonenschuß abgefeuert. Als dann am 29. die Deutschen die Forts besetzt hatten, lagerte Maurice mit dem hundertundfünfzehnten Regiment in. der Gegend von Montrouge innerhalb der Festungswerke. Und da begann für ihn ein zweckloses Dasein voll Müßiggang und fieberhafter Erregung. Die Mannszucht war völlig gelockert, die Soldaten zerstreuten sich und warteten umherschlendernd darauf, daß man sie heimschicke. Er aber blieb verstört, voll argwöhnischer, nervöser Ueberreiznng und von einer Unruhe, die der geringste Anstoß in Verzweiflung verwandelte. Er las begierig die revolutionären Zeitungen, und dieser dreiwöchige Waffenstillstand, der nur geschlossen war, um Frankreich die Wahl einer Nationalversammlung zu ermöglichen, die über den Frieden beschließen sollte, schien ihm eine Falle, ein letzter Verrat. Selbst wenn Paris gezwungen wäre, sich zu ergehen, war er mit Gamhetta für die Fortsetzung des Krieges an der Loire und im Nordeil. Das Unglück der Ostarmee, die, im Stich gelassen, genötigt war, nach der Schweiz hinüberzugehen, machte ihn wütend. Dann kamen die Wahlen, die seinen Grimm zum Wahnsinn steigerten. Er hatte es wohl vorausgesehen: die feige Provinz, die über den Widerstand von Paris aufgebracht war, wollte den Frieden um jeden Preis und unter den noch aufgepflanzten Kanonen der Preußen die Monarchie zurückführen. Nach den ersten Sitzungen in Bordeaux wurde Thiers, der in sechsundzwanzig Departements gewählt und zum Chef der ausübenden Gewalt ernannt worden war, in seinen Augen ein Ungeheuer, ein Mann, der sich aller Lügen und aller Verbrechen bediente. Er kam aus seinem Zorn nicht mehr heraus. Dieser von einer monarchistischen Versammlung geschlossene Friede erschien ihm als der Gipfelpunkt der Schmach, er geriet in wahnsinnige Aufregung bei dem bloßen Gedanken an die harten Bedingungen: die Kriegsentschädigung von fünf Milliarden, die Preisgabe von Metz, die Abtretung des Elsaß; es war das Geld und das Blut Frankreichs, das aus einer offenen, unheilbaren Wunde an seiner Flanke floß. So entschloß sich denn Maurice, in den letzten Tagen des Februar zu desertieren. Eine Bestimmung des Vertrages sagte, daß die in Paris lagernden Soldaten entwaffnet und heimgeschickt würden. Er wartete nicht, es schien ihm, als würde ihm sein Herz herausgerissen, wenn er das Pflaster dieses glorreichen Paris verließe, das der Hunger allein hatte bewältigen können; uud er verschwand und mietete in der Ortiesstraße auf der Höhe des Moulinshügels in einem sechsstöckigen Ilause ein schmales möbliertes Zimmerchen, eine Art Aussichtsturm, von dem aus man das grenzenlose Dächermeer von den Tuilerien bis zur Bastille überblickte. ■Ein ehemaliger Studienfreund hatte ihm hundert Franken geliehen. Im übrigen ließ er sich, sobald er sich eingerichtet hjtlte, in ein Bataillon der Nationalgarde einreihen, und der Sold von dreißig Sous mußte ihm genügen. Der Gedanke an ein ruhiges, selbstsüchtiges Dasein m der Provinz flößte ihm Grauen ein. Seihst die Briefe, die er von seiner Schwester Henriette empfing, an die er am Tage nach Abschluß des Waffenstillstandes geschrieben hatte, erregten seinen Unwillen mit ihren Bitten und ihrem flehenden Wunsche, daß er nach Remilly kommen und sich dort ausruhen möge. Er lehnte es ab, er werde später kommen, wenn die Preußen nicht mehr da wären. Er setzte sein müßiges Bummellehen in wachsender, fieberhafter Erregung fort. Er litt nicht mehr unter dem Hunger. Er hatte das erste Weißbrot mit Wonne verschlungen. Paris, in dem es weder an Branntwein noch an Wein gemangelt hatte und das wie in Alkoholdunst gehüllt war, lebte an dieser Stunde üppig und fiel einer beständigen Trunkenheit anheim. Aber es war immer noch das Gefängnis. Die Tore waren von den Deutseben bewacht, und eine Unzahl von Förmlichkeiten verhinderte einen, die Stadt zu verlassen. Das gesellschaftliche Lehen hatte noch nicht begonnen, es galt keine Arbeit, kein Geschäft. Ein ganzes Volk war da und wartete, ohne etwas zu tun, und verlotterte schließlich im hellen Sonnenschein des erwachenden Frühlings. Während der Belagerung hatte wenigstens der Kriegsdienst die Glieder ermüdet und den Kopf beschäftigt, während jetzt die Bevölkerung plötzlich in ein Lehen vollständigen Müßigganges geraten war, getrennt von der ganzen Welt, wie sie noch immer blieb. Er schlenderte gleich den andern von morgens bis abends umher und atmete die Luft, die mit allen seit Monaten au« der Menge emporgestiegenen Keimen des Wahnwitzes geschwängert war. Die unbegrenzte Freiheit, die man genoß, vollendete das Werk der Zerstörung. Er las die Zeitungen. besuchte die öffentlichen Versammlungen, zuckte manchmal die Achseln über allzu starke Eseleien, kehrte gleichwohl mit einem von Gewalttätigkeiten erfüllten Gehirn zurück, zu verzweiflungsvollem Handeln und zur Verteidigung dessen bereit, was er als Wahrheit und Gerechtigkeit ansah. Und von seinem kleinen Zimmer aus, von dem er die Stadt beherrschte, erging er sich noch in Siegesträumet^, sagte er sich, daß man Frankreich, daß man die Republik retten könne, solange der Friede nicht unterzeichnet sei. Am 1. März sollten die Preußen in Paris einmarschieren, und ein langer Schrei des Hasses und des Zornes entrang sich den Herzen aller. In jeder öffentlichen Zusammenkunft, der er beiwohnte, hörte Maurice die Anklage, gegen die Nationalversammlung. Thiers und die Männer des 4. September oli dieser höchsten Schmach, die sie der großen, heldenmütigen Stadt nicht hatten ersparen wollen. Er selbst ließ sich eines Abends so weit hinreißen, um das Wort zu ergreifen und zu rufen, daß ganz Paris eher auf den Wällen sterben als einen einzigen Preußen eindringen lassen sollte. In dieser durch monatelange Angst und Hungersnot herabgekommenen Bevölkerung, die nnnmehr einem Müßiggange voll böser Hirngespinste anheimgefallen und angesichts selbstgeschaffener Wahngebilde von Argwohn verzehrt war, wuchs der Aufstand dergestalt wie auf seinem natürlichen Boden empor und organisierte sielt am hellen Tage. Es war dies eine jener seelischen Krisen, die man nach allen großen B'-lageriingen beobachten konnte; die Maßlosigkeit des getäuschten Fatrio- der Entwärf fiar^ f!?® wa' I' t hatten, legte gegen jeden Verf c f»"deSrlÄ^ Verwahrung ein. Auf dem' BastiM'» flammende K,,nd R eb"ng statt: rote Fahnen flatterte», 'teurer Znsam^. en gehalten, es entstand ein a"f e' mordung einrs T Renschen, und es kam zur E r" gebunden, in den V?"^"ßniannes, der an ein Brei lötet wurde Kanal geworfen und mit Steinwürfen Z SP> lagP 5 P®ter, in der Nacht vom 26. Februar.«<" ie ■- o l„ Ae ff wexkl, und':?'"k"^' arn>,, g na' und die Sturmglocke„ den von MS» Boulevard des Batignolles B« selW spa™?: ,e:i" nd^ern, d" Kanonen schleppten-" er hörte J vT 2Wa T vor ein Geschütz,>> holt habe I"•* j d'''* e Kanonen vom Wagramplatz f Preußena'.JT" T Nationalversammlung sie nicht* die Gesnai"rT warpn ihrer hundertundsieüz'r' sie mit Tn^" nd da9 Vo,k-°« ni.t Stricken.^ mng einir R i ÜStrn ," nd brad" p™ mit wilden Rege..-- Gipfel des Montmartre!"°^ hl< vählenTeL^r" die I P" ußen ai<* Zufriedengeben muß"»' .." ages das Champs-Elysees-Viertel zu besetzt - F. ner Herde»o» n i' in Schranken zusammengepfercht gleich einer scheuen Siegern, rührte sich das düstere Paris Straßen waren verödet, die Häuser geschlossen, nicht- die S" -hüllt- Stadt tot, wie mit einem Ungeheuern Trauerflor ver Zwei weitere Wochen vorgingen. Maurice, in der tung dieses dunkeln, ungeheuerlichen Etwas, dtf f r, u f|oß nahen fühlte, wußte nicht mehr, wie sein Leben da Der Friede war endgültig geschlossen worden. Die* n j f()fe| Versammlung sollte sich am 20. März in Versailles( lassen. Für ihn aber war das Ende noch nicht geK^ n j a irf Irgendeine furchtbare Rache mußte nun ihren nehmen., j.jgj Am 18. März, als er aufstand, erhielt er einen Bf-' j Henriette, in dem sie ihn nochmals anflehte, zu> /> Remilly zu kommen, indem sie ihm liebevoll droh^ J seihst auf den Weg zu machen, wenn er allzulange z sollte, ihr diese große Freude zu bereiten. 'I m, Sie berichtete ihm dann über Jean, sie erzählte»''.jj er, nachdem er sie Ende Dezember verlassen hatte, 0. der Nordarmee anzuschließen, in einem belgischen SP einem bösen Fieber erkrankt war und erst die ver„j,; Woche ihr gesehrieben hatte, daß er trotz seiner Scn^ nach Paris gegangen sei, entschlossen, daselbst wieder 1 Kriegsdienst einzutreten. Henriette schloß, indem ,,e^ Bruder bat. ihr recht genaue Nachrichten über Jean ll( ben, sobald er mit ihm zusammengetroffen wäre. D a M fC< Maurice, den auseinandergefalteten Brief anstarren ei erfüllt. Henriette, seine heiß?, jn Bruder des Elends und des MB Gott, wie weit entfernt waren diese geliebten W fS' u" stürmte, wütend über die militärische UeberriMap®' 0 c« 1 man vor Tagesanbruch versucht hatte, um die Kano» sc Montmartre zurückzunehmen und Paris zu entwaff' ,e„i 1 zwei Tagen hatte Thiers, der von Bordeaux eingetrof^ offenbar diesen Gewaltstreich geplant, damit die N^ Versammlung ohne Furcht die Monarchie in Versa.'|M' rufen könnte. Daun sah er sich auf dem Montmartre.. Es war gegen neun Uhr, und er war von den Siegesbc f die er hörte, entflammt. 1 Man erzählte ihm, wie die Truppen heimlich wie die Gespanne glücklicherweise zu spät gekommen wodurch es den Nationalgardisten ermöglicht wurde,»,>! fen zu ergreifen; wie die Soldaten nicht wagten, 8 fi Frauen und die Kinder zu schießen, und Gewehr»» mit dem Volk fraternisierten. Dann sah er sieh"»' ü& er durch Paris lief und mittags erfuhr, daß die Kommune gehöre, ohne daß ein Kampf stattgefunden^ Thiers und die Minister waren aus dem Auswärtigen wo sie sich versammelt hatten, geflohen, die ganze Reg'.p war in kopfloser Hast nach Versailles geeilt, die tausend Mann, die in aller Hast hinweggeführt*'|ji waren, hatten über fünftausend der Ihrigen in den^ zurückgelassen. Dann, es war gegen halb sechs Uhr,^ sich wieder an einer Ecke des äußeren Boulevard^ Gruppe von wütenden Strolchen, wö er ohne jede Ent r''( i den grauenvollen Bericht über die Ermordung der y J Lecomte und Clement Thomas anhörte. Oh. diese Ge>^ Er erinnerte sich an die von Sedan, an die Prasser n-J fi Unfähigen. Einer mehr oder weniger, was lag dar« 0' j{ der Rest des Tages ging für ihn in derselben überm a U Erregung zu Ende, die ihm alle Dinge in einem^ Lichte zeigte. Es war ein Aufstand, den die Pflastei r, selbst zu wollen schienen, der durch seinen unerw 8 r,- verhängnisvollen Triumph groß und mit einem Schlafe^,,; geworden war und endlich um zehn Uhr abends da 8'; haus den Mitgliedern des Hauptausschusses ausliefe-" nicht wenig erstaunt waren, sich dort zu sehen. ^Fortsetzung Verprügelt nnd..dekre» Die Geistlichen werden verhöhnt Di« katholische»Neue Saar-Post" hatte dieser Tag« die °°n der„deutschen Fronte die ihre Katholikensreund- Uchkeit zur Schau trage», an die Verhaftung zahlreicher Diester im„drittln Reich" erinnert. Darauf antwortete die„Saarbrückcr Zeitung«: „Geistliche wurden überhaupt zu der damaligen Zeit w der Pfalz nicht verhaftet, sondern Parteiführer Und Partei Vorsitzende, die versuchten, die natio- Ualsozialistische Revolution zu verhindern, oder die sich eine Art der Behandlung' von Nationalsozialisten zu eigen machten, die sehr wohl eine solche Maftnahme begründete, «ein einziger Geistlicher wurde verhaftet in seiner Eigen- schaft als Priester, sondern lediglich als politisch tätiger Börger. Damit nicht wieder vorkommen kann, daß der Priesterstand solchen Gefahren ausgesetzt wird, hat Reichs- kanzler Hitler ihn befreit von der Notwendigkeit einer politischen Tätigkeit." Das wird die betroffenen Priester und ihre gläubigen Gemeinden sehr trösten. Als man die Geistlichen damals *Mrch die Dörfer trieb, mißhandelte, in Schutzhaft brachte, d'c Pfarrhäuser stürmte und demolierte: dann wurden die Opfer dieser Altionen nicht als„Priester", sondern als „Politiker" getroffen. Als man ihnen das Ttaatsblirgcrrccht gestohlen hatte— da wurden sie von Hitler„befreit"... So nennt man das heute. Gewalt gegen die Opposition Der zerrüttete Protestantismus Nach Professor D. v. Loden, dem bekannten evangelischen Kirchcnhistoriker. ist nun auch Theologieprofessor(?. Otto S ch m i tz auf Grund des Bcrufsbeamteugeietzcs in den Ruhestand versetzt. Wie bei Loden, so ist auch bei-chmitz per wirkliche Grund für die Entlastung Sarin zu sehen, daß zu bcii Vorkämpfern der BckenntniSsvnode gehörte. Das Düsseldorfer Konsistorium hat nicht weniger als "skrzig P f a r r a m t S k a n d i d a t e n. die der Bekennt- niSkirchc angehören, kurzerhand von den Vorbereitungen s'ir das Pfarramt ausgeschlossen. Die jungen Theologen wurden von den Freien Synoden übernommen, die ihnen tln Arbeitsfeld zuweisen werden. Das gleiche rheinische «irchenregiment hat vor einigen Tagen zwei in die Kirchen- gemeinde Essen-Altsttdt gewählte Pastoren nicht bestätigt. Die beiden Geistlichen werden trotzdem ihr Amt antreten. Sechs vor kurzem ihres Amtes enthobene rheinische Super- tntendcnlen sind von der Bekenntnistirche formell er,ucht worden, ihre Aemter weiter zu versehen. Alle diese Vor- hänge zeigen daß die von den deutschen Ehristen wiederho't behauptete Niederwerfung der kirchlich:» Opposition b.o setzt noch nicht gelungen ist. Ger arisdie Moses f*rofessor Hausers neun Gebote Die religiöse Bewegung, der Professor Häuser vorsteht und die sich in ihren Grundsätzen einzig und allein auf arische Dogmen stützt, hat soeben die von ihr verfaßten„neun böte" veröffentlicht Sie lauten: ,a!. Ehre die Göttlichkeit. -■ Ehre deine Vorfahren und deine C.chkommen. 3. Ehre die Großen dc'ncs Volkes. 4. Ehre deine Eltern. Halte dich gesund, entheilige dich nicht, b.«ei deinem Volke treu. Eiltie der IflrfeprstittlZ juristisches Studium durch Sport und Kniebeuden Im Reichsgcsetzbiatt nvrft die neue I u st i z a u» b l l- dungsordnung veröffentlicht. Sie ist ei» erschütterndes Dokument des wisseiischaftlichen Verfalls in Deutschland. Ihr Wcien kennzeichnet sich darin, daß etwa die H ä l f i c der bisherigen juristische» Diiz plinen au» dem Siudienplan gestrichen wird, und zwar, wie die gleichgeschaltete Presse zugibt, mit Rüchsicht auf die starke Beanspruchung der Stu- deuten durch die..neuen Zchulungsarbeitcn" d. h. Arbeit»- d'enft, sportliche Betätigung. Gcmeinlchaftserziehung im stu- dentischen Kameradschastshaus. Wehrsport unv. Zähle» wir einmal aus, was au bisherigen Pflichtfächern liinftig» cht mehr im Examen geprüft, infolgedessen von in) Prozent der Studierenden auch«'cht mehr gelernt werden ivird! Die gleichgc.chalteic Presse selber spricht von einer „radikalen Streichung von Nebenfächer»". Zu Wahrheit sind sogar Hauptfächer von diesem Abbau des Studiums er- saßt. In Fortfall gelangt zunächst die gesamte historische Rechtsw ssenschafl, bestehend au» den vier fächern römi- sches Priva«recht, römische RcchSge schichte, deutsches P r> v a t r c ch l» n d deutsche Rechts- g e s ch i ch t e. Der Student erfährt also„IchlS mehr über die geschichtliche Entstehung und Herausbildung der heutigen RechtSinsiitnte und Rechtsgrundlätze. 91och vor kurzem pflegte jeder Professor in seinem Kolleg zu betonen, daß ohne diese geschichtliche Kenntnis man nur Banause und oberflächlicher Praktiker auf d?m Gebiete der Justiz werden könne. 7. Stiehl nicht. 8. Sei aufrichtig. kl. Unterstütze jeden, der würdig ist. Die neue arische Religion bekennt sich nach der Raffung de» l Gebote» offenbar z» der Ansicht, daß das Weltall Gott selbst sei. also zum Pantheismus. Ein Gebot aber ist wohl- weislich fortgelassen, nämlich das Gebot:„Tu sollst nicht töten!" ver Proäsran'enftricg Karl Barth darf Bonn nicht verlassen Bonn, 8(1. August. Der aus der Schweiz stammende pro- testantische Dhcologicprofessor Karl Barth von der Bon- ucr Universität ist jetzt aus eigenartige Weise wegen dieser oppositionelle» Haltung geinaßregclt worden. Man hat ihm e'ne Verfügung übermittelt, wonach er de» Umkreis der Stadt Bonn nicht ü b e r j ch r c I l e» darf. Ztre'mer he reib? Judeßhetie auch im Aus and Trotz des in Deutschland bestehenden Verbote?, Julius Streichers Nürnberger Wochcnichrijt„D e r S t ü r m e r" in« Ausland zu bringen, versucht Streicher aus eigene Faust— oder sollte das Verbot aufgehoben fein?—, de»„Stürmer" im Ausland zu verbreite». Dafür zeugt da« folgende Werbe- schreibe» des„Sturmcr"-Vcrlages an einen Präger Zei- tiingsvcrjchle ß. das gewiß auch au viele Hunderte Zeitung»- verschleiße im Ausland gerichtet worden ist. Der Brief trägt den Kopp„Der Stürmer, Deutsche» Wochenblatt zum Kampie um die Wahrheit, Herausgeber: Julius Streicher" und die Fußzeile:„Ohne Lö.una der Judcnfrage keine Erlösung des Deutsche» Volte»!" und hat folgende« Wortlaut: AlS weitere Fächer gelangen in Fortfall daS Kirchen- recht und das Völkerrecht. Da« Recht der Kirchen wird ohnehin im„dritten Reich" zerstört. Daß aber die braunen Juristen auch kein Völkerrecht mehr lernen sollen, weist daraus hin, für wie absolut überflüssig und bedeu- t u n g S l o« Hiller und die Seinen dieses ganze RechtS- gebiet ansehe». Osscnbar beabsichtigen sie nicht, sich praktisch aus diesem Gebiet zu betätigen. Die Lehre des Strafprozesse» soll künftig e i n g e• schränkt werden aus„Gr» ndz ii g e de» gerichtlichen Versahrensrechies". Auch h'cr will ina» mangelnde wissen- schastliche Kenntnis durch oberflächliche praktische Routine ersetzen, ivas flir Gerlchtsschreibcr, nie und nimmer aber für Richter genügt. Schließlich sind auch noch sämtliche Wirtschaftswissenschaft- Itchen Pfl'chtfächer dieser„Reform" zum Opfer gefallen. Woraus man in der Ztndienordiluiig der Republik be.wn- deren Wert gelegt hatte, daß nämlich der Jurist die prak» tischen w l r t s ch a s t l t ch c n Auswirkungen von Gesetzen und Entscheidungen überblicken, also nicht als bloßer „Jormalsiirtst" wirtschastl'ch unsiiinig« Entscheidungen treffen sollte,— das fällt jetzt wieder fort, weil Marschieren»nd .Handgranatenwersen keine Zeit mehr zu einer vertieften Ausbildung lasse». Der künftige Richter wird auch al« Person den Rerhts» zuständen de»„dritten Reiches" entsprechen: roh»nd pri- m'tiv... Verlag Gr./Me Nürnberg-». lfl. August 1K8! Pfannenschmiedgasle Ist. An den Zeitungsverschleiß Vavlaoil^ Nam. Prag II. Die ganze Welt ist inneressiert an der„Emigrantensrage" Heraufbeschworen wurde»ieie Frage durch die Heimat- lojeu, nicht bodenständigen Jude», die heute da und morgen dort z» Hauie sind, d« jedem Volke zur Last fallen. Wer dlese„Emigranten" sind und wie sie slch in Deutsch- land ausgeführt haben»nd heute»och ausführe», ba» wird mit einer seltenen Offenheit»nd Rückbaltlosigkest l»»»lerer Rassenkamps.Wochenschrift„Der Stürmer" veröffentlicht. Jeder, der auch nur geringe Sninpaihicn für Deutschland»nd seinen heroischen Kampf gegen Allluda hat, wird»nS ver- stävdnisvoll in unterem Kampfe unterstütze». Bült bestellen Sie bei uns clne entsprechende Anzahl des ..Stürmer", der zwe'sellos in ihrem Lande ante» Abiatz iin- den wird. Wir überreiche» Ihnen anbei un'ere Bezugs- bedingungen»nd bitten Sie höflich, uns ihren Bedarf ange- den zu wollen. Anbei: Bezugsbedingungen. Heil Hitlerl Verlag der„Stürmer" jUnterschristl OleSpizel lieber die Arbeit der Gestapo wird unS eine interessante Einzelheit berichtet: In der Untergrundbahn, in der nur wenige Leute u. a. zwei Arbeiter in Trnnsportarbeiterkleidung saßen, unter- hielten sich zwei Männer. Der eine schimpfte über die hohen Kartoffelpresse. Beim Verlassen der Untergrundbahn wurden oie beiden von den ihnen»acheilenden Transportarbeiter» angehalten und für»erhaftet erklärt. Ans ihre Einwände hin gaben sich die beiden Leute alS Beamte der Gestapo zu er- kennen. Der Meckerer sitzt noch, der andere ist»ach einigen Tage» entlassen worden. Venen In der nelmof Menschen In Uniform äkk Paß und Grenzkontrolle verstummen die Gc- K« x ,m Zugabtril. Das Mißtrauen vor dem Mitreisen- »**!' öe' in den braunen Urwald fährt, verschließt Herzen »^ Münder. Bis Berlin fällt kein einziges politisches «,„? bieHr. Auf dem Hauptbahnhos einer größere» Stadt llen TA Ehargen zu. In den Zügen auf den Reden- ''^ c" biete Jungen in der grauen Uniform des Ar- eitsstenstes. Auf dem Bahnste'g uniformierte Hitler- Hugend, SS.-Leute, Reichswehrsoldate», einige Mairoicn. tst'"/^"sten sind beinahe in der Minderheit. Das Reich u in d'e Uniform aestiegen und macht den Eindruck eincS hudet'*'' m^^''crzustand der Mobilmachung be» Die tote Stadt »ichon in der Streseinannstraße am Anhalter Bahnhof ist ©1 Abdrückt den Besucher eine Propaganda, die ihn auf 1" nb Dritt verfolgen wird:„Zu vermiete u". n, m, tT bller Größen preisen leere Läden mii Wohiiuugcn ii. Viele Schilder haben die Größe von Transparente», auf ene« gleich zwei bis fünf M elsgelegenheilen angeboten I,"den. Im Osten der Stadt find die Frankfurter Allee und s'.f Nebenstraßen Hochburgen der holzverarbeitenden Ju- ^bstric. Jedes zweite Haus in diesen Straße» lockt durch irf, sur Besichtigung freier Fabrikräume. Im Süden zäblc .* ic einer Parallelstraßc des Kottbusserdamm, die auS Häusern besteht, 23 leere Läden. In den großen Ge- .Z?ättshäustrn der König-, Friedrich- und Leipziger Straße beben mehrere und ganze Stockwerke leer. Die Ehaitste«- b»d Jnvalidenstraße im Norde», der Kursürsteirdamm und b>c Kanlstraße im Westen, die Hauptstraßen in de» Vor- brtcn d:ettu das gleiche trostlose Bild einer.Katastrophe deS -vttttel- und Geiverbestandes. An etiiem regnerischen Sonnabend bummele ich ln den Abendstunden durch die Friedrichstraßc. In de» Eafcs und Automaten steht da» Bedienungspersonal gelangiveilt her« "bl. Im gtoft-it Kaiser Ense spielt die Koncllc vor 18(!) Gä« 'teil. Neu» Paare tanzen in der Imperator-Diele an ver- maisten T'schen vorbei. DI« wenigen Gäste tm Mökka-Estt der Ecke der Leipziger Straße verschwinden zwischen öcn vielen Tischen und Stühlen. . Jeden Mittwoch steht„Treptow in Flammen". Die Garten- ^b'ale a» der Spree künden in großen bunten Plakaten die Mitwirkung von Rcichsivehrkapelle» an. An einem hesteren und konimerwarmcn Mittwochabend fitze ich auf der Abtei- Jniel. Ein Riesenfeucrwerk erhellt die Tpreeufer, die BootS- b^'bser. die Fabrikanlagen auf der Stralaueritlte, die vielen Ruder- und Paddelboote, d'e sich auf der Spree schaukeln un>b ihren Insassen ein kostenfreies Mitgenießen crmög- uchen. Der lange Userweg im nahen Pläntcrmald ist belebt bon Schauknstigen. Aber im„Abtel"-?okal iibersteiqt die Zahl der Gäste nur um ß Perionen die Kopfstärk« der Reichs- wehrkanelle. Im„Paradiesgarten" und bei Zenncr die gleiche Kahnende Leere. An allen Ecken und Enden verlin« begeguet der vewcher b«n Zeichen einer großen Verarmung des VolkeS- Aber in ben Proletariernvierteln im Osten und Norden klettert auf Befehl des Führer» die Kurve der Geburtenziffern in die „ Höhe. * Fahrt ins Blaue Auf einem Berli»c> Vorortbahnhof überholen wir e'nen Sonderzug der Organisation„Krajt durch Freude". Hake»- kreuzpapiersähuchcii an alle» Abieilfriistcr» Die Lokomotive trägt da» Schild„Fahrt ins Blaue!" Mein Wanderkamerad berichtet von einer Havelbampierfahrt seine« Betriebes. „Wer»'cht mitmacht, fliegt", hatte der Obinann der N2BO. angekündigt. Es gibt noch andere„Fahrten in» Blaue", So»»tag für Tonntaa i» den Wäldern rund um Berlin. Zu ihnen finden sich dann»nd manu SA.-Streifen und Landiägcrpairouillcn als uiigeladeuc Teilnehmer ein. die die Wandergruppen bis aus die Haut nach illegaler Litteratur durchsuchen. Aber Berlins Wälder sind unermeßlich groß... Der Arm sinkt Jede» Tag betrete ich mehrere Geschäfte. Niemand grüßt mich niii dem deutsche» Gruß. In der Straßen-, der Untergrund- und Schnellbahn, auf den Sltaßeii, überall ivcrden wieder die alten schlichte» Grußfvrmcn angewandt. Nur die llniformträgcr machen eine Ausnahme. Aber auch ihr Gruß Hai a» Schneid e'ugcbüßt Einen vorschriftsmäßig vor- und ausgestreckte» Arm habe ich überhaupt nicht gesehen Die Angst sitzt im Genick Alle Beobachtungen und Berichte stimmen darin einden» tigst iiberein, daß alle BevötkernngSkrelse innerhalb ihrer vier Wände und unter v'cr Augen gründlich schimpfen und das Regime aus den Kehrrichihanfen der Geschichte wünschen. Außerhalb der eigenen Behausung wird aber nach wie vor dl« anbefohlene Gesinnung gezeigt. In einer Vormittagsstundk gehe Ich au einem großen Warenhaus vorbei. Plötzlich regnet e» Flugzettel. Die Vor- übergehenden beugen sich, hebe» sie auf und werfen sie schnell wieder fort. Nach zwei Minuten flitzt ei» Polizeirollcr her- an. Altes flüchtet. Die Zettel sind liegengeblieben. Ihr Inhalt waren Parolen einer illegalen Gruppe. Ttbübenkest i» einer mecklenbiiraiichen Kleinstadt. Dem Schützciiznge schreiten die Organisationen der NSDAP, mit ihren Fahne» voran Aus den Biirgersteigtn Mauer» aus- gestreckter Arme. Milte und Schluß deS Zuge» bilde» Jnnun- gt» mit ihren Bannern. DaS Publikum grüßt noch immer. Da sagt einer:„Das sind doch JanungSfahnen", und senkt den Arm. Nach und nach geht ein Arm nach dem anderen " iCtHr Reue Wissenschaft Aus einem:>!efercndar-Arbeiislager berichtet«in anderer Freund- Wir hatten täglich Jnstruktionsstunde. Der Lehrer fragte:„Wann hat der Führer da« erst« Mal geweint?" Der Schüler müßte antworten:„Unser Führer bat da» erste Mal geweint, als er am ll. November 1918 die Augen ausmachte und das Unglück seines deutschen Volkes sah." Märsche durch die Nacht Sin Freund führt mich mit seinem Wagen durch Thürin. gen. Er erzählt: In den späten Abendstunden Hab« lch meist mein TageSpensnm erledigt. Dann spritze ich die Land- straßen heimwärts. In den D>Srf«r» und Städte« ist tiefer Friede Aber Deutschlands Landstraße» hallen nächtens wie» der von Tritten marschierender Kolonneu. Aus den Käser- neu der SS. und SA., au» de» Baracke» des Arbeitsdienstes, den Uiiterkitnfien der verschiedene» Tchuluiigslager, den Turnhallen der Sportvereine, von den Bänken der Kita« benjchulen rücke» die Kolonnen zu Nachtübungen aus. Deutschlands Jugend marschiert durch die Nächte tu einen neuen„Heloentvd" hinein. Erstes Dämmern Die verunglückte Nazi-Revolution in Oesterreich hat dem Glauben a» die Uniehlbarkeit der deutschen Gegen wart»- Machthaber einen schwere» Stoß versetzt. Die Zeitungen servierten Ihrem Publikum, das noch die Rtarkusplatz- Fotografie» Mussolinis und Hilters tm Gedächtnis hatte, die klobigen italienischen Beschuldigungen. Einige Provinz- blätlcr knallten ihre» bestürzte» Leser» Balken-Ucverschris. ten i» die Augen:„Der itaneni.che Verrat".„Jlallen hetzt zum Krieg",„Jtal'en wiederholt lttlß". Zum ersten Maie hauchle den Dnrchichnlttsbürgtr ein Ahnen von der völ- ligen moralische» Jsol erung seines Vaterlandes au. Zu me>- nein Gastgeber, einem verabschiedeteu Beamten der Weimarer Zeit, kommt sein Gemüsehändlers„Sie wissen doch, ich vi» nie ein begeisterter Nationalsozialist gewesen." Am Nach- mittag de» gleiche» Tages sagt der Friseur zu Ihm:„Ich Hab? immer nur unter Zwang geflaggt." Anzeichen einer ersten Gövendämmrrnng. Die Zeit bricht an. in der die Uebervorsichiigen nach einer neue» Rüctoersicherung Um- schau Halle». Da» unterirdische Deutschland Zu ihm gehöre» mehr, als das Regime wahr haben will. Die Illegalen sind illusionsfrei. Das Gesellschasts,piel inter» essiertr sie nicht, da« sehr im Schwange war und aus der Frage liestand, was werden die Reichswehr und die Popen- gruppe demnächst tun Sie rücken eindeutig von jenen Zü» kein ab, d>c bereit wären, die Rulle einer gehorsame» Ovpo- sition in einem etwas gemilderte», aber stockreaktionären 8keg'mc zu spielen. Jede Beivelssühruug, die mit dem„klei- neren Hebel" Tuchfühlung hat, steigert ihre Ablehnung zur Empörung. Sle wollen da» nächste Mal ganze Arbeit leiste». Den alten Führungen der SPD und KPD. ivcrden sie sich nicht unterordnen«>c machen jener den Maugel au Macht- willen, dleier die politische Verbohrthcit zum Vorwurf. Veidt Mängel sind nach ihrer lleberztugung mittelbare H'Isc für Hitler gewesen. Sie glauben um de» deutschen Sozialismus willen an die Notweildigkeii der Formierung einer neuen sozialistischen Front. Noch gehören sie zum gehetzten Wild. E'nst werden sie zu jenen gehören, die das Gesetz verkünden, da? das deutsche Volk aus der Knechtschaft in die Freiheit führt. Sie habe» ihr Leven verschrieben der zweiten, eijcM »eil Republik. Heimfahrt i„ die Fremde Längst liegt der breite Gürtel von Seen»nd Wälder», de» Berlin umschließt, hinter uns. Die Reisenden im Zugabteil haben einander aufmerksam und mißtrauisch gemustert. Dann vertieft sich jeder in eine Buch- oder Zeiiungslekture. Heber den Zügen, die durch Deutichland fahren, lieg, da» Schweigen der Zuchthäuser. In der ersten ausländischen Sta> tion stürmen die Reisenden Zeitungsstand. Sie sind an» dem Uriyqjd nach Suropa zurückgekehrt. B. Hammer. Frankreichs Finanzsergen Abwertung des Franken abgelehnt Paris, den 30. August. Von unserem Korrespondenten Ter Haushaltausschuß der französischen Kammer wird sich in seiner Mitte September stattfindenden Sitzung mit dem soeben fertiggestellten Haushaltplan für 1033 zu beschästigen hoben. Ter französische Finanzminister Germain Martin hat einem Redakteur des„Excelstor" dazu erklärt, dag eine Einschränkung des Budgets unbedingt erforderlich fei. Tenn darin bestände die einzige Möglichkeit zur Gesundung der Finanzen. Eine Erhöhung der Steuern werde kaum möglich sein, denn mehr als höchstens 46 bis 47 Milliarden werde das französische Volk nicht aufbringen können. Bei dieser Unterredung lehnte Martin eine Abwertung des Franken sehr energisch ab. Tenn, so meinte er, eine Ab- Wertung sei kein wunderbares Allheilmittel, das die wirt- schastliche Lage eines Volkes bessere. Im Gegenteil, die ge- samte Wirtschaft würde dadurch nur aus dem Gleichgewicht gebracht werden. Um zu einer Währung Vertrauen zu haben, sei eine feste Goldbasis unerläßlich. Wollte man diese Basis durch eine Abwertung erstüttern, so wäre die außenpolitische Rückwirkung geradezu katastrophal. Gerade in der achtzig- prozeutigen Goldbasis, so sagte Martin, auf der der Frauken beruhe, liege ja das Prestige und die Kreditwürdigkeit, die Frankreich in der Welt habe. Und gerade diese solide Basis sichere der französischen Politik im Inneren und Aeußercn ihre Unabhängigkeit. Ein abgewerteter Franken wäre dem Pfund und dem Dollar tributpflichtig Und man möge sich einmal überlegen, wie schädlich solche Abwertung angesichts der bevorstehenden Saarabstimmung sein müßte. Tenn Tr. Schacht habe nichts umsonst in seiner Leipziger Rede gesagt. daß die Mark gegen jeden inflatorischen oder deflatorischen Eingriff geschützt werden solle. Es wäre aber auch, so schloß der französische Minister seine Ausführungen, ganz widersinnig, den Franken abzuwerten da ja ein effektiver Goldbestand von 80 Milliarden vorhanden fei. Und dieses Gold biete nicht allein die.Garantie, daß jeder Franzose keine Gehälter. Renten, Pensionen und Einkünfte in wertbeständigem Gelde erhalte, dieses Gold sei zum Teil Frankreich vom Auslands anvertraut. Und kein französisches Parlament, keine Regierung dürfe eine Abwertung, die einem Vertrauensbruch gleichkäme, beschließen. * In einem Artikel der linksbürgerlichen„R t p u b1 i q u c", der Polen an gcwisic Tankbarlcitspslichtcn gegenüber Frank- reich erinnert, findet sich ein Hinweis aus eine bisher nicht be- kannt gewordene Anleihe, die die Bank von Frankreich kürzlich der polnischen Staatsbank bewilligt habe und die sich anf 5 0 0 Millionen Franken belaufen soll. Der französische Ministerpräsident Doumerguc hat die Ab- sicht, am Samstag oder Montag wieder nach seinem Landsitz Tournescuillc zurückzureisen, nachdem er seine Ferien ans einige Tage unterbrochen hat, um an dem Kabincttsrat und dem Ministerrat teilzunehmen. Fm weiteren Verlauf, seiner Ferien will er seinen Vorschlag zur Bcrsassungsrcsorm weiter ausbauen. Er dürste dann am 18. oder 20. September sich wieder durch den Rundfunk in einer Ansprache unmittel- bar an das französische Volk wenden, um ihm seine Ansichten über die erforderliche Entwicklung der Lage auseinander- zusetzen. Zur ßcruissföüsüh der Emigranten Tie Pläne zur Unterbringung, Ansiedlung, beruflichen Um- schichtung der deutschen Emigranten, die von den ver- schiedensten Hilfsorganisationen bearbeitet werden, bisher leider nur recht bescheidenen Erfolg aufweisen können, stoßen immer wieder aus die Schwierigkeit, daß es an einer Ueber- ficht über die persönlichen, sozialen, gesundheitlichen und be- ruslichcn Qualitäten der Emigranten fehlt. Als ein Beitrag zu dieser immer dringender notivendigcn Statistik ist die Untersuchung anzusehen, die von einer Pariser Hilfsstelle vor kurzem über die berufliche Vorbildung von 2300 Flüchtlingen angestellt worden ist. Die hier gewonnenen Zahlen lassen sich nicht ohne weiteres aus alle Gruppen von deutschen Emi- grantcn übertragen, geben aber doch ein Bild über die fach- lichen Voraussetzungen bei der ganzen überwiegenden Zahl der Flüchtlinge, das von allgemeiner Bedeutung ist. Das Verhältnis von Frauen und Männern Minder sind bei der llntcrsuchnng nicht einbezogen worden) stellte sich so, daß Frauen und Mädchen mit 376 nur ein Viertel, Männer mit 1724 aber drei Viertel der Emigranten stellten. So erklärt sich, daß im allgemeinen für F r a u e n, nament- lich für Haushalt und Wirtschaft viel eher als für Männer eine Arbeit zu finden ist. Diese Erfahrung wird allgemein, auch in anderen Ländern bestätigt, und es kann ost bei An- frage keine Fran gefunden werden, die zur Ucbernahmc von Hausarbeit bereit ist. ES sind naturgemäß nur eine kleine Zahl von alleinstehenden Frauen ausgewandert und die große Mehrzahl unter ihnen ist nach ihrer früheren Tätig- feit oder auch nach ihrer Gesundheit mit allen Mitteln be- strebt, eine andere Arbeit als die einer Haushaltsangestelltcn zu finden. Soweit sie mit ihrem Manne oder ihrer Familie geflüchtet sind, versuchen sie verständlicherwcisc. mit ihnen zu- sammen zu bleiben, was meist bei Haiishaltsstellungcn nicht möglich ist. Dabei kommt in Paris hinzu, daß den Haus- angestellten oft eine gesellschaftliche Rolle der Demütigung und Unterwürfigkeit zugemutet wird, wie sie den meisten Emigranten tief widerstrebt. Unter den weiblichen Emi- grauten stellt charakteristischcrwcise ebenso wie bei den Männern die Gruppe der Frauen aus kaufmännischer Tätig- keit die weitaus größte Zahl. Es sind 130, das sind 27,6 Pro- zent der Frauen und 6,0 Prozent der Gesamtzahl, aus die sich die Untersuchung bezog. Die zweitstärkste Gruppe unter den Frauen bilden die freien Berufe, die mit 121 Vertreterinnen 21 Prozent der Frauen und 5.2 Prozent der Gesamtzahl bilden. Fn dieser Gruppe sind 60 Angehörige künstlerischer Berufe gezählt worden(24 Schauspielerinnen. 6 Sängerinnen, 4 Pianistinnen und Violinistinnen, 6 Tänzerinnen), ferner Pariser Berichte Mit durdistiinittener Keh'c Ein Kapitalverbrechen wurde Donnerstag früh auf dem Holzplatz der Firma Dufour, 230, Rue de Tolbiac in Paris, entdeckt. Als die Arbeiter den Platz betraten, um ihre Arbeiten aufzunehmen, fanden sie den Nachtwächter mit durchschnittener Kehle im Blute schwimmend tot auf. Die Mordinstrumente, ein großes Holzschneidemesser und ein englischer Schlüssel wurden neben dem Toten gefunden. Von dem Täter selbst, der die Brieftasche des Toten geraubt hat, fehlt jede Spur, doch glaubt man, daß es sich um einen Racheakt eines entlassenen Arbeiters bandelt. 4 Bibliothekarinnen, 12 Schriftstellerinnen, 10 Aerztinnen, 2 Zahnärztinncn und 2 Anwältinnen. Unter den Frauen be- fanden sich auch 43 Studentinnen, die damit 8 Prozent der Frauen bildeten. Pädagogischen Berufen lwie Sprach-, Musik-, Turn- oder Gymnastiklehrerin, Kindergärtnerin oder Hortnerin, Fürsorgerin! gehörten 11 Prozent der Frauen an, während 7 Prozent handwerkliche Vorbildung genossen hatten lz. B. Schneiderin, Buchbinderin). Von den in Paris befind- lichen Frauen hatten nur 3 Prozent in Deutschland in dr,nt fremden Haushalt gearbeitet, während 20 Prozent bisher ohne einen Beruf gewesen waren, von denen die Mehrzahl ihre eigene Wirtschast geführt hatte. Unter den männlichen Emigranten wurden 385, das sind 22 Prozent, als Facharbeiter und Handwerker ge- zählt, denen nur 1,7 Prozent ungelernte Arbeiter oder Lehr- lingc vor beendigter Ausbildung gegenüberstanden. Diese Zusammensetzung läßt für die weitere Beschäftigung erhoffen, daß so gut qualifizierte Kräfte doch eine entsprechende Arbeit finden sollten. Recht schwierig bleibt die anderweitige Verwendung der Emigranten aus kaufmännischer oder vermal- tungsmäßigcr Beschäftigung, die nicht weniger als 37 Pro- zent bilden(133 selbständige Kausleute und 408 Angestellte). Dagegen stammen nur 17. daS sind weniger als 1 Prozent, aus landwirtschaftlichen Berufen(Schweizer, Landarbeiter, Vieh- und Geflügelzucht). Auch unter den männnlichen Emi- granten sind die freien Berufe mit 225 Prozent stark per- treten. Unter ihnen befanden sich Architekten. Fnaenieure <2.6 Prozent), Chemiker(1 Prozent), Aerzte und Zahnärzte (2,5 Prozent), Rechtsanwälte(3 Prozent). Schriftsteller und Journalisten<4 Prozent), Künstler und Kunstqewerbler(6,3 Prozent), unter denen sich 32 Musiker und 23 Schauspieler und Regisseure eingetragen hatten, Volkswirte. Fotografen, technische Zeichner, Apotheker, Kunsthistoriker. Mehr als 12 Prozent der männlichen Flüchtlinge hatten nach dem Ergeb- nis der vorliegenden Untersuchung eine akademische Vor- bildung gehabt, 8,7 Prozent waren Studenten. Unter den Flüchtlingen, die in Deutschland in einer Aintsstellung tätig waren, stellten die entlassenen Gerichtsassessoren und Referen- dare sowie die Lehrer an staatlichen und Gemeindeschulen die zahlreichsten Gruppen dar. Zusammen ergaben sie nur 4.8 Prozent der Gesamtzahl der bei der Enquete berücksichtigten Flüchtlinge. Die iestaestelltcn Zahlen dürsten Anhaltspunkte für die weiteren Schritte geben, die dringend für die Schaffung einer Existenz der noch unversorgten Flüchtlinge und' ibrcr Familien unternommen werden müssen. W. A. K. Deutscher Klub Arn Samstag, dem 1. September: Geselliges Beisammensein mit Tanz(um 21 Uhr). Gäste sehr gerne willkommen. Eintritt für Mitglieder frei. Gastbeitrag 5,— Fr. Am Montag, dem 3. September, um 21 Uhr Debatte über Herrn Streichers„Stürmer". Einleitendes Referat mit Zitaten. Am Dienstag, dem 4. September, 21 Uhr, Diskussion über den Antisemitismus und seiner Widerlegung. Einleitendes Referat vor Beginn der Debatte. Am Montag und Dienstag Gastbeitrag: 2 Fr. Für Mitglieder freier Eintritt. Die interessanteste Schrift des Tages: dütleccastr Von KLAUS BREDOW Fragen Sie in den Kiosken und Buchhandlungen nach. Falls die Broschüre am Ort nicht ru haben ist, liefert die Buchhandlung der„Volksstimme", Saarbrücken, Bahnho f straße 32, gegen Voreinsendung von 3,90 französischen Franken auf das Postscheckkonto Saarbrücken Nr. 619 Verlag der„Volksstimme", Saarbrücken BttlEPKflSTEM Bier tum der Wasserkante. Sie schreiben unS:„Wir hatte«, feit- dem Hitler hier war, hier wieder einmal ein Fest, allerdings>N kleinem Format. Am Eingang von Streits Hotel am Jungfernstcg wurde eine Gedenktafel angebracht, zur Erinnerung daran, da« Hofsmann von Fallerslebens Teutschlandlied hier zum ersten Maie — es war im Jahre 1841— öffentlich gesungen worden sei. Man sah bei der Feier die braune Bonzokrati« Hamburgs, und uns fiel beim Änblick dieser Herrschaften, die aus der freien Hansestadt ein Flüstergefängnis gemacht haben, ein anderes Gedicht des Frethcits- dichtere au» dem Vormärz ein. Es lautet: ülnllppel aus dem Sndt Von allen Wünschen in der Welt Nur einer mir ansetzt gefällt, Nur: Knüppel aus dem Sack! Und gäbe Gott mir Wunschesmacht, Ich dächte nur bei Tag und Nacht, Nut: Knüppel aus dem Sock! Tonn braucht' ich weder Gut noch Gold, Ich machte mir die Welt schon hold Mit: Knüppel aus dem Sack! Ich wär' ein Sieger, ivär' ein Held, Der erst' und beste Mann der Welt Mit: Knüppel aus dem Sack! Ich schaffte Freiheit, Recht und Ruh' Und frohes Leben noch dazu Beim: Knüppel aus dem Sack! Und wollt' ich selbst recht lustig sei». So ließ' ich tanzen Groß und Klein Beim: Knüppel aus dem Sack! O Märchen, würdest du doch rnahr Nur einen einz'gen Tag im Jachr, O Knüppel aus dem Sack! Ich gäbe d'rum, ich weiß nicht«as. Und schlüge d'rcin ohn' Unterlaß: Frisch: Knüppel aus dem Sack Auf's Lumpenpack! Auf's Hundepack! Tas klingt etwas derb. Aber sie dürfen unS glauben: die Haw» burgcr Nein-Sager iund noch sehr viel andere dazu) möchten dieses Lied gegen ihre Unterdrücker nicht nur singen, sondern auch prak- ti.ziercn." Begeisterter Nürnberger. Wir bewundern Ihre Ausdauer. Täll- lich lesen Sie Streichers„Fränkische Tageszeitung", um. wie schreiben, aus dem Lausenden zu sein: es sei heute auch egal, welch« hitlerdcutsche Zeitung man lese. Aber nun schicken Sic uns folgende Ausschnitte aus Ihrem Leibblatt, die sich aus Hitlers jüngsten»«* such in Nürnberg an der Seite Streichers beziehen:„Langsam rollte der Wagen des Führers zur Ringstraße, in der Begeisterung stürmten die Massen mit hocherhobenem Arm aus den Wagen de» Führers zu und nur im Tchrittcmpo konnte das Fahrzeug sich durch das Gewirr der Menschen bahnen. Ter Führer, de» Gauleiter Julius Streicher begleitete, grüßt« mit einem heiteren Lächeln nach allen Seiten. Mit dem Frankcnsübrer und Ober- bürgcrmeister Liebcl, welche Adolf Hitler in das Atelier begleitet hatte», setzte der Führer dann die Fahrt zum Flughafen fort. E» war eine Triumphfahrt ohnegleichen! Ehe Adolf Hitler sie aber antreten konnte, ging ein Leuchten über sein Ge- sicht, als zwei niedliche kleine Kinder ihm zaghaft und unsicher vor freudiger Erregung Sträuße duftender Blumen überreichten. Aucki ein strammer Knabe vom Deutschen Jungvolk war beglückt, einen Blumenstrauß dem Führer geben und dafür den Druck seiner Rechten empfangen zu können."— So seitenlang. Sie finden, daß es unter Wilhelm nie so bnzantinisch hergegangen sei. Sagen wir aus Grund unserer Erinnerungen besser, daß es ebenso gewesen scr — sogar noch in den Wochen vor dem bitteren Ende. Osenau so treu, wie heute Hitler seinem Duzfreund Streicher in die Augen schaut, hat es Wilhelm mit seinen Paladinen getan. Nur die Sphäre deS Geschmacks hat sich etwas verschoben. L.?., Brurelles. Vielen Tank für das Gedicht. Sie werden es bald in den„Deutschen Stimmen" finden: vor 15 Jahren schon wußte Mühsam um das Sterben aus der politischen Walstatt. Ihr langer Brief wird an zuständiger Stelle an der Saar die gebotene Beachtung sinden. Wir haben ihn weitergegeben. Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann P i tz in Tud« melier: für Inserate: Ctto Kuhn in Saarbrücken. Rotationsdruck . und Verlag: Verlag der VolkSsiimme GmbH, Saarbrücken 1 Schütze nitraße 5.— Schließfach 776 Saardrücken. „Deutsche, Jxeiheit" Aßafi n e meatspeeise: Amerika Argentinien Belgien Dänemark England Frankreich Holland Italien Luxemburg Neubelgien (Eupen-Malmedy) Oesterreich Palästina Polen Rumänien Rußland Saargebiet Schweden Schweiz Spanien: Dollar Peso belg. Fr. Kr. sh fr. Fr. 11. Lire belg. Fr. belg. Fr. (verboten) sh (verboten) Lei Rubel fr. Fr. Kr. schw. Fr. Peseta T schechoslo wakei Kr. im Monat 1.- 3- 15.- 3,70 4,- 12.- 1,50 10- 15,- 12,— 4.- 90,- 1.- 12.- 2,60 2.40 6,- 30.- Zustelh gebühr 0.50 1,- 5,30 2,30 1,10 3,75 0,40 5- 5,30 5,30 1,10 30.- 730 1,70 0,80 2.- 530 Bei Zusendung unter Kreuzband durch die Post sind die Portogebühren vom Besteller mit dem Abonnementsbetrag zu entrichten.