Linzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Nr-203— 2. Jahrgang Saarbrücken, Sonntag Montag, 2. 3. Sept. 1934 Chefredakteur: M. B r a u n ßeuschec Staats- Aankcatt in Sicht! Die Antwort der Weltmeinung auf die Drohrede des Reichsbankrotteurs Dr. Schacht Von E hren breit stein noch öent Die französische Regierung antwortet aui die inhaltlose Phrasenrede des Führers mit Konkreten Sidierungsforderungen an den Völkerbund Gold und Garantien sind notwendig Paris, 1. September. Der Völkerbund wird sich in seiner am 10. September be- ginnenden Tagung neben dem Antrag Rußlands auf Eintritt st 1 den Völkerbund vor allem mit der Saarsrage beschästigen. Fn vier Monaten am 18. Januar soll die Entscheidung über vag politische und wirtschaftliche Schicksal des Saargebiets »urch eine Volksabstimmung fallen. Tie Saarfrage ist kein dcutsch-französisches Problem, son- °er>, ein Völkerbundsproblcm. Immer wieder ist Frank- *cich mit Erfolg den Bemühungen der Diktatur Hitler aus- gewichen, das Saargeb'et zu einer territorialen Streit- und Auögleichsfrage zwischen Teutschland und Frankreich werden 6u lassen. Frankreich verweist alle Entscheidungen über den Abstimmungskampf, das Plebiszit selbst und seine Folgen an die nach dem Friedensvertrag allein zuständige Stelle, den Völkerbund. In diesem Sinne ist auch eine Denkschrift gehalten, °'e der französische Ministerrat am'Freitag zur Barlage für den Völkerbund beschlossen hat. Diese Denk- Ichrift läßt aber, soweit ihr Inhalt bisher bekannt wird, auch erkennen, daß Frankreich nicht gewillt ist, seine eigenen In- Greffen gegenüber dem Besehlston der Herren Hitler, Schacht u. Eo. zurückzustellen und ebenso wenig übersieht Frankreich, daß während des Abstimmungskampfes und nachher hochpolitische europäische Fragen aus dem Taar- Problem erwachsen werden». Der„Excelsior" schreibt, daß Frankreich zugleich sein Recht und das Selbstbcstim- mungsrccht der Saarbcvölkerung wahren wolle. Das Blatt zählt die zu regelnden einzelnen Fragen wie folgt«s: 1. Das Schicksal der 15 000 französische» Staatsangehörigen und der Schütz ihrer Person und ihres Eigentums, 2. die künftige Stellung der Saargruben,». die tünstigen sran- zösisch-saarländischcn Handelsbeziehungen, eine wichtige Frage, wenn man bedenke, daß die Saar der viertbeste Ab- nehmcr des französischen Außenhandels sei, 1. Eintreibung der 1200 bis 1500 Millionen Goldfranken, die im Falle einer Rückgliederung zu Deutschland in unkonversterbare Papiermark nicht umgewechselt werden dürften. Hoffentlich lenke die französische Denkschrift die Aufmerksamkeit des BölkerbundSrates auch auf die Bedeutung der Entscheidung hinsichtlich des künftigen Militärstatnts im Saargebict hin, das strategisch von erster Wichtigkeit sei. Jede Bernach- lässigung in dieser Hinsicht könne ernste Rückwirkungen aus die Wahrung des Friedens haben. Auch sei Frankreich an der Polizeisrage interessiert, da gegenwärtig noch ein frü- herer Ratsbeschluß gelte, daß die Rcgierungökommission in dringenden Fällen zur Wiederherstellung der Ordnung französische Truppen beanspruchen dürfe. Außerdem sei die Frage der Behandlung der Minderheiten und der für sie zu findenden Sicherhcitsgarantien zu behandeln, denn sonst würde wohl die Gefahr bestehen, daß die anders denkende Bevölkerung aus die Nachbargebiete slnte«nd dort das Elend der Flüchtlinge und Arbeitslosigkeit teilen. Die französische Denkschrift wirft auch eine Frage auf, die für die Abstimmungsbewegung von entscheidender Bebeu- tung sein wird. ES ist bekannt, daß sowohl die Sozialdemo- kratie, die Ä»««uunisten und die oppositionellen Katholiken im Saargebiet am 18. Januar keine endgültige, sondern nur provisorische Entscheidung über das politische Schicksal deö Saargebiets zu treffen wünschen. We„n in Deutschland also an Stelle einer barbarische» Tyrannei irgendeine Verfassung mit der Gleichberechtigung aller Volksgenossen wieder kommen sollte, muß für das Saargebiet die Möglichkeit einer neue» Abstimmung ge- geben werden, die im Vcrsatller Bertrag zwar nicht vor- gesehen, aber auch nicht ausgeschlossen ist. Nicht minder wichtig ist, daß der Völkerbund jetzt schon erkennen läßt, welches Mitbestimmungsrecht die Saar- bevölkerung erhalten wird, wenn das Saargebiet durch die Abstimmung für den Status quo einstweilen VölkerbundS- land bleibt. Wenn richtig ist, wie behauptet wird, baß in der franzö- fischen Saardenkschrift auch auf die Dringlichkeit hingewiesen wird, eine absolut gerechte und freie Durchführung der Ab- stimmung zu sichern,»nd Maßnahmen zu ergreisen, um die Saar»vor einem Handstreich z» schützen", so würde Frank- reich mit dieser Forderung dem Völkerbund einen Weg wei- sen, der zur Sicherung des Friedens unbedingt gegangen werden muß. Hitler-Deobdilaiul= nungcrDeuftdiiand Oer„rubrer" zur Unterernährung as vom Landeshauptmann der Provinz Westfalen, der f oroßn, Teil des westdeutschen Industriegebietes um- herausgegebene amtliche Mitteilungsblatt„Westfälische IlfahrtSpflege" enthält in seiner soeben erschienenen rf,, u' mcr einen aufsehenerregenden Bericht über den > ech^n Gesundheitszustand der Schulkinder. Tic von den eincindeverbändcn hierzu gemeldeten Zahlen sind so rmixxxnd, daß es offenbar sogar den Zensoren des Herrn Goebbels den Atem verschlagen hat und sie den die »^uencrregendcn Folgen des Faschismus entlarvenden Bc- ^wt passieren ließen. Danach sind in dem Jndustrieort .Atteln von 3600 vorhandenen Schulkinder» 83,1 Prozent ."/"Ernährt, gegen nur 0,8 Prozent in den Jahren vor der OMerbiktatur. Bon den Schulkindern in der Industriestadt Schwerte "d j» ben unteren Klassen 12,6 Prozent der Knaben und 21,1 Dozent der Mädchen unterernährt, von den Knaben im u»sten Schuljahr 21,0 Prozent, von den Mädchen 10,0 Pro- ' e ot; von he,, Knaben des 8. Schuljahres 13,8 Prozent, volt c» Mädchen 10,8 Prozent. Ter naziamtliche Bericht muß selbst feststellen, daß erst die pßten Jahre die Einwirkungen des Nahrungsmangels ge- 'rächt haben. yit der Kroßstadt Dortmund stieg der Prozentsatz der ">lechternährten Schulkinder von 1033 bis 1031, also unter ' tr Herrschaft HitlerS, von 15 Prozent auf 17,6 Prozent, der völlig unterernährtcn Kinder von 1,0 auf 8,3 Prozent. , bezeichnend sind auch die erhöhten Ziffern über die Tuber- olofe-Jnfektlonen. Sie sind in I ortmnng von 1032 bis von 8 Prozent aus 12,1 Porzent gestiegen, In der ge- nannten Gemeinde Datteln von 5 ,1 Prozent auf 11,7 Prozent Der Nazibcricht muß selbst zugeben,„baß auch die Tuber» kulosestcrblichkcit steigt und weit über dem Durchschnitt liegt. Sie beruhe nur darauf, baß ein großer Teil der Bevölkerung nicht in der Lage ist, sich fett- und eiweißhaltige Nahrung in ausreichender Menge zu beschaffen." Noch schlimmer liegen die Verhältnisse in den Städten Wanne und Wattenscheid sowie in Bockum-Hövel. Dort wurden 63 Prozent der Mädchen und 61 Prozent der Knaben als unterernährt festgestellt. Ein ans Westfalen beschicktes Kindcr-Ferienhcim an der Nordsee meldet 60 Prozent aller Knaben und 50 Prozent aller Mädchen als unterernährt. Endlich verzeichnet der Bericht eine zunehmende Erkran- kungsgeläusigkeit der Kinder, vor allem die zunehmende Aus- breitung hartnäckiger Diphtherie-Spidemien in mehreren großen Bezirken des westfälischen Industriegebiets. Diese Ausbreitung der Seuchen wird auf die steigende Unter- ernährung der Kinder zurückgeführt. Die„herrlichen Zeiten", in die der„Führer" baS deutsche Volk führt, machen sich fühlbar. Es ist zu beachten, daß eine amtliche Stelle festhalten muß, welche steigende Kinder- Verelendung das glorreiche„dritte Reich" zeitigt. In Nürn- berg wird man davon nicht reden. Aber man wird einige Mil- lioncn Mark verklopfen, um Hitler zu glorifizieren, um Auf- Märsche abzuhalten, um Feuerwerk losznbrennen. ES gibt Deutsch? Kindes- und Ermachsenenalter, denen der Magen knurrt? Sie mögen Rüben essen, Heil und Hurra schreien und damit beweisen, daß sie gute Deutsche sind... Dann wird der„Führer" ihnen versichern, darin eben liege das .Große" der Zeit,,, Und sie beweg! sldi dodi! In Deutschland illegal gedrucktes sozialdemokratisches Flugblatt Trotz Terror gewinnt die illegale Bewegung in Deutsch- land ständig an Boden. Bor uns liegt ein Flugblatt, das unS aus Deutschland gesandt wurde, und das in Deutschland g e- druckt worden ist. Es trägt den Titel:„Das Geheimnis um den Reichstagsbrand!" und enthält Auszüge aus dem in der „Deutschen Freiheit" erschienenen Brief des SA.-ManneS Kruse an Hindenburg. Außerdem trägt es folgenden Zusatz: „Deutsches Volk! So sieht Deine Regierung in Wirklich- kcit ans. Erinnere Dich daran, daß diese Regierung in de» Tagen nach dem Reichstagsbrand die Tat als das größte Verbrechen am deutschen Volke gebrandmarkt hat. DieseS größte Verbrechen wurde von der heutigen Regierung in Szene gesetzt, um mit dieser Propaganda an die Macht zu kommen. Darum will keine Regierung mehr mit diese« Leuten verhandeln, weil die ganze Welt die Verbrechen «nd die moralischen Schwächen dieser Menschen kennt. ES ist genug der Lüge und Verdrehung über«nS gekommen» seit diese„Führer" regieren. Deshalb jetzt mutig an der Selbstbesreiung gearbeitet. Mit dem Stimmzettel muß am 10. August jeder anständige Deutsche, jeder ausrechte, frei» heitsliebendc Mensch durch sein„Nein" mithelfen, uns von diesen Leuten zu befreien. Wenn jeder seine Pflicht tut«nd mit Nein stimmt, hat baS deutsche Volk wieder Gerechtigkeit und Freiheit." Von anderer Seite wurde uns bestätigt, daß diese? von Sozialdemokraten verbreitete Flugblatt bei der Wahl starke Wirkung ausgelöst hat. neldenbufter und anderes Die neue Verordnung über den„Austausch der Arbeitsplätze" Soeben verkündet der Staatssekretär Reinhard vom Reichsfinanzministerium den Beginn der Arbeits- sch lacht des Herbstes. Das deutsche Volk hört in seiner großen Mehrheit mit Staunen zu, daß eine große Reklame-Aktion trotz ihres Mißerfolges wieder aufge- nommen werden soll Die„Arbeitsschlacht" des Frühjahrs hat. außer der Beschäftigung von Arbeitern in gänzlich unproduktiven Unternehmungen, die erwartete und ver- sprochene Erleichterung vom Druck der Arbeitslosigkeit nicht gebracht. Dafür aber Senkung der Löhne, Abbau der Unterstützungen und des Sozialrechtes— vor allem aber eine Fülle von Schwierigkeiten bei der Versorgung der breiten Massen. Die Katastrophe rückt näher. Man sucht Ihr mit Maß- nahmen zu begegnen, die lebhaft an die Kriegswirt- s ch a f t errinnern. Täglich sind neue Verordnungen da. mit Verbilligungsaktionen. Sparvorschlägen samt zuge- hörigen Ausschüssen. Genau wie in den letzten Kriegs- jähren sind die Zeitungen voll von guten Ratschlägen und Empfehlungen, daß das noch Vorhandene und Erschwing- liche im Grunde besonders bekömmlich sei. Dem Laien werden, wir zweifeln nicht daran, bald von deutschen Aerzten unterstützt werden, deren Hungerrezepte während des Krieges noch unvergessen sind. * Die O b st e r n t e ist in diesem Jahre besonders reichlich ausgefallen. Jetzt teilt das„Stabsamt" des Reichsbauern- führers einen Plan mit. wonach fabrikatorifch hergestellte Ob st marmelade verbilligt und der bedürftige Teil des Volkes zusätzlich zu der verbilligten Versorgung mit Fett mit verbilligter Obstmarmelade beliefert werden soll. Beim Zucker soll die Verbilligung beginnen. Des- halb hat das Reichsministerium für Ernährung und Land- Wirtschaft die wirtschaftliche Vereinigung der Zucker- Industrie veranlaßt, von den ihr angeschlossenen Betrieben je Zentner Grundkontingent eine Umlage von S Pfg. zu erheben. Man hofft, auf diese Weise d a s P f u n d O b st- m u S um nahezu 8 Pfg. verbilligen zu können. Dieses Obstmus, das aus reinem Obst und Zucker bestehen soll, wird unter der Bezeichnung„Obstmus" in(Eineinhalb- urtb Ein-Kilo-Dosen in einheitlicher Verpackung beim Einzelhändler zu haben sein, um es auch in kleineren Mengen in die Volkskreise mit geringerer Kaufkraft zu bringen. Das sieht nach etwas aus, In Wahrheit handelt es sich nur um eine zweckmäßige Verwendung der Obstmassen, die zur Marmeladeschlacht angesetzt werden sollen. Aber mil Ob st und Marmelade kann man nicht kochen. Die Heldenbutter, wie man dereinst die Kriegs- Marmelade nannte, ersetzt nicht die fehlende billige Margarine- Der Fettmangel bedroht das deutsche Volk bereits mit S e i f e n m a n g e l, Soeben wird im„Reichsanzeiger" vom„Reichsbeauftragten für industrielle Fettoersorgung" die Seifenherstellung der Genehmigungspflicht unterstellt. Danach bedürfen alle im Zollinland besind- lichen Unternehmungen, die gewerbsmäßig im Haupt- und Nebenbetrieb Seifen. Seifenpulver und andere fetthaltige Waschmittel herstellen, der Genehmigung der Ueber- wachungsstelle für industrielle Fettversorgung, um Oele und Fette inländischer oder ausländischer Herkunft zu Seifen, Seifenpulver und anderen fetthaltigen Wasch- Mitteln verarbeiten zu können. Es gab während des Krieges zahlreiche solcher Versuche, die Fett- und Seifen- Versorgung sicherzustellen, Sie gelang nicht— wegen des Mangels an Rohstoffen und der Unzulänglichkeit des Ersatzes, # Ersatz: das ist die Parole des Tages, Ein Konsortium der chemischen Industrie beschäftigt sich mit Versuchen, ein künstliches Seidenprodukt aus Ho'z*»' dem tausend Meter 9,11—0,17 Gramm wiegen. Ein zweites Produkt ist aus dieser Kunstseide uurd)'oa- Mischung mit Wolle hergestellt worden. Drittens sind Versuche gemacht worden, künstliche Wolle zu produzieren. Auch eine„Ueberwachungsstelle für Tabak", unheilvoll die deutschen Raucher mit dem gefürchteten Ersatz be- drohend, ist schon da. Das Reichswirtschaftsministerium teilt mit. daß für Reglung und Ueberwachung des Ver- kehrs mit Tabak und Tabakerzeugnissen auf Grund des Gesetzes über den Verkehr mit industriellen Rohstoffen und Halbfabrikaten vom 22. Mä»z eine Ueber- wachungsstelle für Tabak mit dem Sitz in Bremen er- richtet wurde. Um den Aufbau der Stelle zu sichern, ist für die Zeit bis zur Aufnahme ihrer Tätigkeit der Einkauf von ausländischem Tabak und ausländischen Tabak- krzeugnissen insoweit verboten worden, als aus dem Geschäft Verpflichtungen entstehen, deren Erfüllung nach den devisenrechtlichen Vorschriften einer Genehmigung der Devisenstellen bedarf. Die reichsdeutschen Raucher sind bereits von einer Panikstimmung erfaßt. Sie beginnen sich einzudecken, be- sonders die Aelteren. die den Geruch des Buchenlaubes aus der Kriegszeit noch in der Rase haben... * Die weitenscheidende Maßregel zur Belebung der deutschen Wirtschaftsnot aber liegt auf anderm Gebiet. Es ist eine einschneidende Verordnung über den „Austausch der Arbeitsplätze", die tief in die Betriebe und ihre gegenwärtige Or- ganisation eingreift. Der Präsident der Reichs- anstatt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversiche- rung hat unter dem 18. August eine Verordnung erlassen, die„der altersmäßigen Gliederung der in den Betrieben und Verwaltungen Beschäftigten unter Berück- sichtigung betriebstechnischer und wirtschaftlicher Er- fordernissen so gestalten soll, daß sie den staatspolitischen Erfordernissen nach bevorzugter Beschäftigung arbeitsloser älterer Arbeiter und Angestellter, insbesondere Kinder- reicher Familienväter, Rechnung trägt". Die Verordnung trifft alle privaten und öffentlichen Betriebe und Verwaltungen, die Arbeiter, und Angestellte beschäftigen, mit Ausnahme der Land-, Forst- und Haus- Wirtschaft und der Schiffe der See-, Binnen- und Luft- schiffahrt: „Die Führer der Betriebe und Verwaltungen sind ver- pflichtet, bis zum t. Oktober 1084 dem zuständigen Arbeitsamt zu melden, wieviel Arbeiter und Angestellte über und unter 25 Jahren bei ihnen tätig sind nnd in welchem Ilm- sang und Zeitraum die Auswechslung jüngerer mit älteren Arbeitskrästen vorgenommen werden soll. Zu dem Personenkleis der jüngeren Arbeiter und Angestellten, die von einem solchen Austauich aus» zunehmen sind, gehören verheiratete Männer, Unter- haltsverpslichtete, Lehrlinge, ehemalige Wehrmachtsange- hörige,„alte Kämpfer" der W e h r v e r b ä n d e nnd der NSDAP., seiner Personen die im Arbeitsdienst oder in der Landhilfc mindestens ein Jahr tätig gewesen sind." Aber die Verordnung geht noch weiter. Abgesehen von diesem Arbeitsplatzaustausch dürfen in Zukunft Personen unter 25 Iahren nur noch mit Zustimmung der Arbeits- ämter in den von der Anordnung betroffenen Betrieben und Verwaltungen neu eingestellt werden. Nach welchen Grundsätzen diese Neueinstellung erfolgen soll, ist nicht schwer zu erraten. Zu allem Ueberfluh wird darüber noch ausgeführt: „Bei der Anforderung von Arbeitskräften unter 25 Jahren hat der Führer des Betriebes verantwortlich zn prüfen und darzulegen, daß dies den Notwendigkeiten des Betriebes und den staatspolitischen Ersorder- nissen entspricht. Zu bevorzugter Vermittlung ist hierbei im wesentlichen der gleiche Perionenkreis zugelassen,der auch von einem ArbeitSplatzaustausch ausgenommen ist,das heißt jene Pcrsonengriippe, die s i ch im national- sozialistischen Staat besonders verdient gemacht haben. Für ältere Angestellte über 40 Jahre, die nach längerer Arbeitslosigkeit infolge Austausches ein- gestellt werden, können zum Ausgleich von Minder- leistungcn Leistungszuschüssc b!S zur Höhe von 59 RM. und Kinderzulagen aus Mitteln der Rcichßanstalt gewährt werden, wenn die Nenangestellten in den letzten drei Jahren vor der Einstellung länger als zwei Jahre Arbeitslosenunterstützung ans öffentlichen Mitteln er- halten haben," Diese Verfügung bedroht Hundert- tausende von älteren deutschen Arbeitern mit Arbeitslosigkeit— vor allem diejenigen, die offenbar durch gutes Zureden bis zur Stunde nicht gleichzuschalten waren. Sie sollen durch„alte Kämpfer" ersetzt werden. Freilich: die Unternehmer haben einen gewissen Schrecken vor ihnen. Es wird nämlich gleich- zeitig verfügt, daß „auch die betriebstechnischen nnd wirtschaftlichen Forde- rungen des Betriebes berücksichtigt werden müssen. Das gilt insbesondere für jene Fälle, wo die Weitereristenz eines Betriebes oder seine Wettbewerbsfähigkeit gegenüber der ausländischen Konkurrenz durch einen zu weitgehenden Austausch der Arbeitsplätze in Frage gestellt wäre." Hier zeigen sich die Schwierigkeiten des„dritten Reichs" an einem eklatanten Beispiel. Es schwankt zwischen dem Willen, sich in den Betrieben fester in den Sattel zu setzen, und den wirtschaftlichen Notwendigkeiten, die mit den Wünschen der„alten Kämpfer" Keinesweg konform gehen. Aber alle Verordnungen sind nur geeignet, die Ohnmacht der braunen Machthaber zu offenbaren und zu zeigen, welchen Stümpern das deutsche Volk in seiner Not aus- geliefert ist. Vettere Zuzugsverbole Ueberall Sorge vor der Hochflut von Erwerbslosen Berlin, 1. Sept. Aus Hamburg wurde bereits berichtet, daß für Hamburg die Berhängung einer Zuzugsspcrrc zu er- warten sei, wie sie für Berlin bereits seit Mitte Mai besteht. Diese Ankündigung hat sich nunmehr bestätigt. Die Anwen- dung dieser im Gesetz zur Reglung des Arbeitseinsatzes vor- gesehenen Maßnahme beschränkt sich aber nicht auf Hamburg allein, sondern gilt, ivie sich aus der Ber stentlichung zweier Anordnungen des Präsidenten der RcichSanstalt im„Reichs- anzeiger" ergibt, auch für Bremen, tonne außerdem für fol- gende Städte: Altona, Wandsbek, Harburg-Wtlhelmsburg, Delmenhorst, Nordenham(Oldenburg» und Weiermünbe so- wie für eine Anzahl kleinerer Orte in der Nachbarschaft der im Bremer Gebiet liegenden Plätze. Wie anno 17 Sammelt Kräuter und Wurzeln Weimar, l. September. Ter thüringische Polksbildungs- Minister Wächtler weist in einem Erlaß darauf hin, daß dem Bestreben, der Volkswirtschaft soweit wie möglich heimische Stosfe zuzuführen und gleichzeitig auch di: NotberBevölkerung— vor allem der Bewohner des Thüringer Waldes— zu lindern, u. a, auch die Pflege des Anbaues und Sammelnd von Heil- und Gewürzkräntern dienen müsse. Deutscher Wald" Haue rcssss in Leipzig Leipzig, 81. August. Die große sächsische Stadt bietet bei der diesmalige» Messe kein außergewöhnlich belebtes Bild, Tie Züge kommen lnuw voll an. Im Gegensatz zu vergangenen Messezeiten kann man in den Hotels Zimmer, sv viel man will, haben und auw in den Restaurants findet man beliebig viel Platz. Tie Zao der Aussteller ist ziemlich betrachtlich, den» das Reich hat auf die Fabrikanten und Kaufleutc einen gewissen Trucr ausgeübt, damit sie Stände beziehen. Im Gegensatz dazu in die Besucherzahl nicht sehr groß und die ausländischen Kau- fer sind äußerst gering. Man sieht einige Japaner, Türken und Holländer. In dem großen Meßgebäudc sind aber ganze Etagen leer Die Besucher werden durch große Schilder daran erinnert, daß sie in Hitlerdeutschland sind, denn es heißt auf bieten Transparenten:„Hier grüßt man mit dem deutschen Gruß: Heil Hitler!" Auf de» Textilstäuden fehlen zahlreich: Baunuvollstosfe: die Kausleule können Ordres aus diese Ttosse nur unter Vorbehalt annehmen, da es noch nicht sicher ist. ob sie herein- kommen. Im Gegensatz dazu, oder vielmehr als Folge davon sind die Preise bis zu 25 Prozent erhöht,^. Eine Frage beherrscht die diesjährige Leipziger Messe. Da» ist die Frage der„Ersatzivarcn", ihrer Preisgestaltung und ihrer Aufnahme be m Publikum. Deutschland ivird tieft mehr und mehr mit dem„Vtstia"-Faden befreunden müssen. Aus Zellstoff wird die watteähnliche Stavelfater gewonnen und aus dieser Faser fabriziert die JG.-Farbcn-AG. den glänz- lo.en und geschmeidigen Bistraiaden, der außergewöhnlich leicht ist und mit Naturbaumwolle zusammengcsponnen und gewebt w'rd. Leider wird der Bistrasaden recht teuer sein. Tie deutsche chemische Industrie will den Bistrasaden auch mit Wolle mischen und dieses Gemisch wird„Wollstra" benannt und mit Naturseide gemischt heißt es„Tilckstra". Auch der Humor kommt trotz des Ernstes dieser„Ersatz- zesten" nicht zu kurz. Diese Ersatzmittel heißen im Volks- inunde„Deutscher Wald" und sie stammen ja auch tatsächlich von den Birken aus den garantiert germanischen und nor- bischen Wäldern, Da die australische» und anderen Wollicseranten sich wei- gern, mit Hitlerdentschland Geschäfte zu machen, so wird man anch hier zum Ersatz greife» und ein Gewebe aus Wolle. Faser und aus Lumpe» gewonnenen Ersatzgarnen herstellen. All das aber flößt den Fabrikanten»'cht viel Vertrauen ei», denn dazu sind kostspielige Maichineneinrichtungen notwendig- Und die Fabrikanten meinen, daß künftig Stoffe, die aus Deutschland kommen, vom Auslände mißtrauisch als„Ersatz" angesehen würden Dt: chemische Jndustr'e hofft die Preise für diesen Ersatz noch ern,, denn wir sehen't- scheidenden Schritt von historischer Tragweite nennt und gleichzeitig ausspricht, daß viel»och zn tun bleibt und daß dem Akt der nationalen Erhebung nnd des völkische» Z n s a m m e n s ch l» s s e s ein Akt der Versöhnung folge» muß, ber das ganze deutsche Volk iimiaßt, Dem deutsche" Vaterland gehört mit Leib und Seele auch derjenige Teil der deutschen Juden an, der kein anderes Vaterland als Deutschland kennt. Im Geiste des Vermächtnisses des ver- ewtgten Reichspräsidenten bejahen auch wir die Vereinigung der Aemter des Reichspräsidenten und de? Reichskanzlers. Wir fordern alle dcutfchftthlenden Inden At u f,. a m 1 9. A» g u st m I t I a zu stimmen. * Es ist traurig, aber es darf nicht verschwiegen werden. T>t Würdclosigkeit und Selbsterniedrigung, die das„dritte Reich" tn unendlicher Vielfalt begleitet haben, kennt kein Dokument, das seine Urheber so erniedrigt wie die«. Es fehlt nur noch, daß diese Juden sich herzhaft für Mord und Existcnzvernichtung bei ihren,„Reichsführcr" bedanken. Eine Kuriosität? Auch das. Aber in ber Hauptsache ein Zeichen ekliger Kriecheret, einzig dastehend in der neueren politischen Geschichte, der schlimmste Schlag gegen da» An- sehen ber deutschen Juden, der sie zu treffen vermochte. An die„deutsdie front"! Wie wollen die Reldisbankrolfeure miler and Sdiadit die Saargruben Segen Sold zurückkaufen? Eine Groteske Pirro, der Führer der„deutschen Front" an der Saar, nicht abstimmungsberechtigt . Tic„Volksstimme" erfährt, der zuständige Gemeindeaus- Ichuß habe entschieden, daß Herr P i r r o, der Landcsleiter der sogenannten„deutschen Front" mit dem französischen Namen, nicht abstimmungsberechtigt ist. Herr Pirro hat bekanntlich wiederholt verlangt, daß alle ^ichtabstimmungsberechtigten Saarländer, auch wenn sie ichon länger als zehn und mehr Jahre im Taargebiet tätig sind und eine politische Rolle gespielt haben, am Wahlkamps selbst nicht aktiv teilnehmen dürfen. Insbesondere verlangte Herr Pirro für diese Saareinwohner ein Rede- und Bei- iommlungsverbot, und obendrein ihren Rücktritt aus der Führung innerhalb der Abstimmungsfronten. Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen — aber die„deutsche Front" hat wieder einmal bewiesen, daß sich halt seder so gut blamiert, als er kann! Hitler wie Streicher Berlin, l. Sept. Ter Stellvertreter des ReichSiührers, Heß, verbot durch ein Rundschreiben, daS an alle Parteimitglieder verteilt wurde, in Prozessen gegen Parteimitglieder Juden 5U vertreten, ferner Juden zu empfehlen, Unterstützungen zugunsten der Partei dürfen von Juden nicht angenommen werden. Parteigenossen dürfen sich öffentlich>n Gesellschaft von Juden nicht zeigen... Wird Ley entmannt? Eine kitzliche Frage Bei der Durchführung des Gesetzes zur Verhütung erb- kranken Nachwuchses sind Zweifel aufgetaucht, ob auch die H e b a m m e n verpflichtet seien, Anzeige yu erstatten, wenn ihnen in ihrer Berufstätigkeit erbkranke oder v n schwerem A l k o h o l i S m u s leidende Per- '»neu bekannt werden. Ter preußische Innenminister k>ot jetzt festgestellt, daß auch die Hebammen nach Sinn und Zweck des Gesetzes anzeigepflichtige sind. Eine Ente? Mussolini an die Sozialisten? dnb. London, 1. Sept.„Daily Telegraph" bringt in großer Aufmachung eine» Bericht seines Mailänder Bericht- erstatters. in dem es heißt, von maßgebender sozialistischer -eite verlaute, Mussolini plane eine der kühnsten Taten 'einer Innenpolitik. Gr sei an mehrere hervorragende Mit- gkieder der von ihm unterdrückten Sozialistischen Partei her- angetreten mit dem Vorschlage, sie sollten sich ihm anschließen und einen neun„sozialistischen Flügel der Faschistenpartei" bilden. Sie würden dafür hervorragende Posten in der Par- kci. besonders in den Behörden, erhalten, die die Arbeiter- klagen kontrollierten. Giner von den betreffenden Sozialisten sei der ehemalige Bürgermeister von Mailand C a l d. Eine endgültige Antwort sei noch nicht erfolgt. Pas Neueste Der„T emp s" befaßt sich mit dem bevorstehenden Ein- tritt Rußlands in den Völkerbund, mit dem das Blatt als mit einer feststehenden Tatsache rechnet. Anläßlich b«r Eröffnung der Telcfonverbindung Paris—Moskau er- »cht sich der französische Außenminister in FrcundschastS- betcucrungcn für Sowjctrußland. Aus Einladung der schwedischen Regierung findet cm K. a,,d 7. September in Stockholm eine Konferenz ber Außenminister Norwegens, Dänemarks, Finn- lands und Schwedens statt. In Eherbourg sind am Freitag zwei größere G- l d- ladungen aus Amerika für Pariser Banken cm- getroffen. An Bord des Dampfers„Bremen befanden sich -'Kl Kilogramm Gold im Werte von 2,5 Millionen Franken und an Bord der„Asricania" 140« Kilogramm Gold„>, Werte von l ,5 Millionen Dollar. Nach einer Bekanntmachung der Streikleitung in N e u y o r k werden am Montag auch die Kammgarn- und die Wollarbeiter in den Streik trete». Einige Belegschaften haben bereits am Freitag die Arbeit niedergelegt. . In R e u n° r k stürzte ein Auszug mit 21 Personen vom lünsten Stockwerk ins Erdgeschoß, wobei fünf Personen schwer«nd mehrere leicht verletzt wurden. Ein mit 2NN Personen besetzter j a p a n i s ch e r D a m p s e r 'st aus dem Aalu gesunken. 91 Personen werden vermißt. Ter sogenannte Führer des Reichs, Herr Hitler aus Braunau am Inn, hat am Sonntag auf einer Taarkund- gebung in Ehrenbreitstein gesprochen, ohne über die Saar etwas zu sagen. Er hat in seinen berühmten vierzehn Jahren soviel gegen die republikanischen Besreiungspolitiker hetzen und schmähen müssen, daß er keine Zeit gefunden hat, sich jemals mit dem Saarproblem zu beschäftigen. Unseres Wissens hat er sich niemals auch nur eine Stunde an der Saar aufgehalten, obwohl er dazu, ehe er Reichskanzler wurde, die Möglichkeit gehabt hätte, wie jeder andere nicht- beamtete Politiker Teutschlands auch. Auch als Reichskanzler hat er in der Saarfrage nichts hinzugelernt. Seine Rede war auf diesem Gebiete die eines krassen Laien. Nicht einmal die Mühe hat er sich gemacht, von irgendeinem Saarreferenten eines Rcichsministeriums eine Partie über die Saarsrage in seine Rede einarbeiten zu lassen. So hat man denn nichts anderes gehört, als die alte Walze: Stimmt für mich, und es wird sich alle? zum Guten wenden! Wie es sich unter Hitler wendet, erfahren mir jetzt jeden Tag durch seinen Fachminister für Reichsbankrott, Herrn Dr. Schacht. Er hat eben erst erklärt, daß das„dritte Reich" transferunfähig sei. Es könne aus Jahre hinaus, weder in fremden Tcvisen noch in Gold seine Schuldverpflichtungen an das Ausland erfüllen. Diese Bankrotterklärung ist von hoher Bedeutung für daS Saargebiet und den Abstimmungskampf. I» dem Saarstatut des Bcrsaillcr Vertrages steht in Kapitel III$ 86: Beschließt der Völkerbund die Vereinigung des ganzen Saarbeckengebictes oder eines Teils mit Teutschland, so hat Teutschland die Eigentumrechte Frankreichs an den in vielem Gebietsteil gelegenen Gruben im ganzen zu einem in Gold zahlbaren Preise zurückzukaufen. Die ernsthaste» Schätzungen über die Höhe der notwen- digcn Goldsummc schwanken zwischen ISO und 300 Millionen Reichsmark. In den verruchten Zeiten„marxistischer Mißwirtschast", aus denen Herr Hitler so gruselige Märchen erzählt, hätten Paris, den 1. September. V o n u n s e r e m Korrespondenten Robert d'H a r c o u r t beschäftigt sich im„I o u r" unter der obigen Ueberschrist in einem langen Artikel mit Herrn von Papcn, dem neuen deutschen Gesanöten in Wien. Ter Verfasser meint, Papen komme in Wien mit dem schweren Gepäck vergangener Irrtümer an, mit dem Gepäck seiner Schwäche, seiner Gabe sich bloß zu stellen, seiner Feig- hcit und außerdem»och vorbelastet durch die unbcschreib- liche Ungeschicklichkeit der Hitlerrcgierung, die diese aus An- laß der Neubesetzung des Wiener Postens bewiese» habe. Das. was Pape» besonders kennzeichne, sei die Ber- nichtung, die er überall an der Stätte seiner Wirksamkeit zurücklasse. Er scheine vom Schicksal die zweifelhafte Gabe erhalten zu haben, stets Unheil zu schassen. Er habe Deutsch- land dem Hitlerismus ausgeliefert, indem er sich einbildete, diesen meistern zu können, wen» er ihn in das konservative Bauwerk einmauere. Aus dem gleichen Grunde habe er den deutschen Katholizismus au Hitler ausgeliefert. Die rhein- ische» Katholiken haben ihm den schrecklichen Beinamen „Deutscher JudaS" gegeben. Robert d.Harconrt hält diesen Beinamen für etwas zu hart. Er glaubt, daß die Grundzüge von Herrn von Popens Wesensart Sorglosigkeit und Leichtfertigkeit seien. Er, der ein„Kanzler ohne Volk" gewesen sei, bleibe immer der Offi- zier der leichten Kavallerie. Er habe nur einen Freund ge- habt: Hindenburg, der ihm am Tage vor seiner Abreise sei» Bild mit der Widmung„Ich hatt' einen Kameraden" geschenkt habe. Aber selbst ihn habe Papen betrogen, als er Hitler an seine Stelle ließ, Hitler, de» der alte Soldat als gefährlichen diese paar hundert Goldmillionen bei einem Gold- und Devisenbestand der Reichsbank von 3 Milliarden Mark aus einem Brett hingeschoben werden können. Wie aber soll es jetzt werde», nachdem uns Herr Hitler den herrlichen Zeiten eines totalen Reichsbankrotts entgegen geführt hat? Wir richte« die Frage an die„deutsche Front": Wenn Eure führenden RcichSbankrotteurc jetzt jeden Tag der Welt den Offenbarungseid anbieten, daß sie auf Jahre hinaus nichts an Gold und Devisen transferieren können, wie wollen sie nach dem erträumten Abstimmungssiege ihre Verpflichtungen gegenüber Frankreich„in Gold" erfüllen? Glauben sie etwa, Frankreich würde für die Bezahlung der Saargruben der totalen Pleite Hitler, Schacht u. Co. ei» „Vollmoratorium" für unabsehbare Zeit gewähren? Glaubt die^deutsche Front" etwa, eS würden ausländische Kredite für den Rückkauf der Saargrubcn an eine Reichs- regierung fließen, die notorisch betrügerischen Bankrott gemacht hat und ihre ausländischen Gläubiger um Kapital und Zinsen prellt? Das sind Fragen erster Ordnung für den Abstimmungs- kämpf. Die„deutsche Front" und ihre bankrotte Reichs- regierung können sich von der Beantwortung nicht drückest. Auch Schweigen würde sehr beredt wirken. Es würde zeigen, daß die Herren Hitler und Schacht auf diese Fragen keine andre Autwort wissen als diejenige, die wir jetzt jeden Tag von ihnen hören: Wir sind oberfaul, wir sind unpsändbar, wir sind zahlungsunfähig, wir sind ruiniert, wir sind pleite, wir sind mochullc, Heil Hitler! Wer es mit diesen armen Schluckern gut meint, befreit sie von den Sorgen, wie sie die unmögliche Ausgabe lösen sollen, ein paar hundert Millionen Reichsmark für den Rückkauf der Taargruben zu pumpen, und wirbt für den Status quo. Sobald in Deutschland wieder eine ordentliche und daher zahlungsfähige Reichsrcgierung vorhanden ist, wird die Rückgliederung und der Rückkauf der Saargrubcn glatt erfolgen. Oder weiß die„deutsche Front" eine andere Lösung? Wir sind sehr gespannt, was sie oder ihr Führer zum Reichs- bankrott darauf antworten werden. Vermutlich nichts. Abenteuerer angesehen habe. Papen sei zwar Vorsitzender einer Vereinigung„Kreuz und Adler" gewesen, aber er habe dem Kreuze genau so schlecht gedient, wie dem Adler. Dieser Man«, so heißt«s weiter, könne nur Verrat üben. Für ihn gebe eS nur eine Treue, die zu den Methoden seiner amerikanischen Diplomatenzeit während des Krieges: er torpediere weiter. Nach Wien gekomme», vierzehn Tage nach der Ermordung von Dollfuß konnte der Gesandte des„dritten Reiches" seine Beglaubigungsschreiben nur mit blutbefleckten Händen über- geben. Aber die Berliner dachten, bei den außerordentlich gepflegten Händen des Herrn von Papen werde man das Blut weniger sehen und seine guten Manieren, sein Charme werden das Verbrechen vergessen machen. Franz von Papen könne auch das„Mädchen für alles" genannt werden. Denn er mache eben alles und daher habe er auch den Wiener Posten angenommen. Und man habe ihn dort auch cmpsan- gen. Aber erfolgreich werde er in Wien nur tätig sein kön- nen, wenn er sich jeder Einmischung in innerösterrcichischc Verhältnisse auch über den Weg der gesellschaftlichen Be- zichungen enthalte. Bei dieser klaren Erkenntnis der Lage sollte man denken, daß daS Wiener Kabinett eventuellen Intrigen entgegen- wirken könnte. Aber ein Mann von Papcns Geschmeidigkeit bleibe immer gefährlich. Hoffen wir, so schließt Robert d'Har- court seine Ausführungen, daß die Menschen von Herz und Verstand, die jetzt daS Schicksal Oesterreichs bestimmen, zu verhindern wissen, daß ein Mann, der Deutschland vernichtet, der dem Katholizismus Unheil gebracht hat, nicht etwa seine Laufbahn mit einer Zerstörung Oesterreichs beende. durchschnitten war. Man telefonierte von einer Nach» barvilla aus. Nach etwa anderthalb Stunden kam daS Ucber- fallkommando. Tie Zeugen: darunter Schleichers Dienst- mädchen, wurden kurz verhört und aufnotiert. Frau Schleicher wurde ins Krankenhaus transportiert. Sie starb aus dem Wege dahin. * Soweit der polizeilich festgestellte Sachverhalt. Er ergibt mit absoluter Klarheit, daß die Ermordung Schlei- chers von vornherein beschlossene Sache war, keineswegs eine unvorhergesehene Folge eines Widerstandes bei der Ver- Haftung. Folgende Momente beweisen das: 1. Das Kommando„Pistolen rauS!" bei Betreten der Villa. 2. Schleicher konnte keinen Widerstand leisten. Dazu blieb ihm einmal physisch keine Zeit. Vor allem aber: Wogegen sollte er Widerstand leisten?— Er wußte ja gar nicht, was die sein Zimmer Betretenden, denen sein Mädchen die Tür öffnete, von ihm wollten, konnte es auch nicht wissen, da nichts weiter vorging, als daß er gefragt wnrdc, ob er Schleicher sei,«nd dann sofort geschossen wurde. 3. Die eilige Flucht der Täter und das Durchschneiden deS Telesondrahtes. Beamte, die bei einer Verhaftung von der Waise Gebrauch machen müssen, jagen nicht wie die Ver- brccher davon, sondern bleiben am Orte und nehmen den Tatbestand auf. Tie haben auch die Pflicht, sich um die durch sie Verletzten zu bekümmern und dürfen sie nicht einlach verbluten lassen. Diese^"-'ter aber machten jede sofortige Hilfeleistung u n- möglich, zerschnitten daS Telefon und i ten davon. Dar» aus ergibt sich, daß sie in ihrem eigenen Bewußtsein keine pflichtmäßig handelnden Beamten, sondern gemeincMör- der waren. Wie SdUcidicr und krau ermorde! wurden rslcr aulhcnlisdier Dcrldif oof Gruml der poiiicüsctien Crintttsiin^n z.„ ,-i„ h seit der Ermordung des General Schleicher vergangen. Bis heute ist eine völlig . ÄnSSKI;, be8 Sachverhalts nicht in der Ocsscntlichkcit erschienen. Wir sind in der Lage. zntr-ss-nt^«childe^»g*8 Gerichten und zwar aus Grund a u. h e.. t i s ch c n M a. e r i a l s. den wirklichen, gc nämlich die Polizei, die um diese Zeit noch nicht wnßte \ n' 2 St daß es ich nn. eine amtlich befohlene Riedermetzlnng bandelte, pro.okol- ?Xt ffe Z?.«-«^ernehmung-n.'..gestellt. Aus diesen beruht unsere Darstellung. -— Schleicher drehte sich beim Geräusch der Eintretenden um und fragte:„Was wünschen die Herren?" Einer der Eintretenden:„Sind Tie der General v. Schleicher?" Schleicher:„Der bin ich." Ohne noch irgend ein Wort zu sagen, erhoben der Spre- cher und einige andcrc daraus blitzschnell ihre Pistolen und schössen Schleicher sowie seine Frau nieder. Schleicher war sofort tot. Seine Frau war schwer verletzt, lebte aber noch. Taraus verließen nach wenigen Sekunden die Täter das Zimmer wie sie gekommen, ohne sich um die in ihren. Blute liegenden Opfer n o ch t r g e n d w i e z u bekümmern, bestiegen das Auto, einer gab ein Kommando, scheinbar die Fahrtrichtung bctres- worauf das Auto in rasender Fahrt davon- Berlin, öe/t 31. August 1034 Vor der Villa des General Schleicher fuhr am Vormittag ^ 30. Juni durch die Griebnitzstraße ein mit fünf mann- hen Personen besetztes Privatauto vor. Die Griebnitzstraßc eine ziemlich einsame Billenstraße, die parallel zum Gricb- ölee in durchschnittlich 100 Meter Entfernung vom Tee- er verläuft. Zwischen Straße und See liegt die Villa Bleichers. Sie ist wie alle andern Häuser an dieser Straße n Gartenland umgeben, wodurch ein beträchtlicher Abstand >' Villa zu Villa entsteht. Die fünf Insassen des Autos, die "a wie junge Offiziere in Zivil oder Studenten aussahen, kgen aus. Dabei ertönte das halblaute Kommando: '' ft o l e n raus!" Tie Ankömmlinge klingelten am Gartentor der Villa bleicher. Das Dienstmädchen öffnete. Frage:„Wohnt ^ General v. Schleicher?" DasDien st mädchen:„Ja- 'bl, wen darf ich melden?" Ohne diese Frage zu bcant- 'rten, drangen die fünf Männer in die Wohnung ein. DaS rwirrte und ratlose Mädchen öffnete ihnen die Tür zum "hnzimmer. Tort saß General Schleicher am Schreibtisch ar- '> t e n d, seine Gattin saß unweit von ihm, mit w e i b- cher Handarbeit beschäftigt, die Tat mit angesehen hatte, -traße:„Ter General Schleicher send, fuhr. Das Dienstmädchen, das stürzte laut schreiend auf die ist ermordet. Hilfe, Hilfe!" Nachbarn eilten hinzu. Alles glaubte an einen Raubüber- fall oder dergleichen. Man versehe, von Schleichers Villa auS Arzt und Ueberfallkommando telefonisch zu erreichen. Dabei stellte sich heraus, daß die Telesonl«itung Franz von Papen Oder das Genie der Vernichtung Hauptfeind Faschismus Von der Einheitsaktion zur Einheitsfront In der soeben erschienenen„Neuen Weltbühne" {Nr. 35) veröffentlicht S. Aufhäuser, langjähriger sozialdemokratischer Rcichstagsabgeordneter und Angestellten führer und jetjt noch Mitglied des sozialdemokratischen Parteivorslandes, folgenden Aufsatj. Wir entnehmen ihn als Diskussinsbeitr a g. Redaktion der„Deutschen Freiheit". Die täglichen Auseinandersetzungen der Arbeiter- Parteien in Wort und Schrift mögen nicht immer er- mutigend sein, die Diskussion über die Einheitsfront aufzunehmen. Ihnen steht als unabänderliche ge- fchichtliche Aufgabe der Arbeiterklasse der Sturz des Ja s ch i s m u s gegenüber: SiekannnurdasWerk ein ergeeinten Arbeiterklassesein. Es liegen auch neue Umstände vor. die dazu beitragen. Wunsch, Willen und Begeisterung der Massen zur Einigkeit immer lebendiger zu gestalten. Die französischen Arbeiter hatten nach dem 6. Februar 1934 instinktiv gefühlt, daß die prole- tarische Einheitsfront ihre schärfste Verteidigungswaffe gegen den drohenden Faschismus sein wird. Die Sozial- demokratische Partei und die Kommunistische Partei des Saargebietes haben mit kühner Entschlossenheit eine ein- heilliche antifaschistische Front gegen die Unterwerfung des Saargebietes unter Hitler-Deutschland gebildet. Am 31. Juli 1934 haben die italienische sozialistische Partei und die italienische kommunistische Partei in einem gemein- samen Aufruf ihre brüderliche Solidarität für die öfter- reichische Arbeiterschaft und ihre Kampfbereitschaft gegen den Interventionskrieg bekundet, ebenso wie das Zentral- Komitee der Revolutionären Sozialisten Oesterreichs sich mit der KPOe. zum gemeinsamen Aufrufe vereinigt hat. In anderen Ländern, wie z. B. in der Tschechoslowakei, waren freilich die Einigungsvorschläge einzelner kommu- nistischer Landeszentralen noch zu sehr von der Gewöh- nung an frühere Einheitsmanöver umschattet, um erfolg- reich sein zu können. Auch dürfte die Verbreiterung der Einigungsbasis zu einer Verständigung der beiden Inter- nationalen heute noch nicht spruchreif sein. Für die deutsche Arbeiterbewegung aber geht es um eine Lebensfrage. Sie ist an der Spaltung zer- krochen. Der Sieg des Faschismus in Deutschland ist zur Bedrohung der gemeinsamen europäischen Ardeiterbewe- gung geworden. Es mutz daher vor allem wieder an der deutschen Arbeiterklasse liegen, auch initiativ den Weg zur Einheit zu suchen. Er kann weder in der Gründung einer neuen Partei, noch in der einer weiteren— Vierten— Internationale gefunden werden, die nur zur Vertiefung der Spaltung führen mühte. Der Weg zu der einen revo- lutionären sozialistischen Einheitspartei, die Trägerin künftiger Entscheidungskämpfe sein wird, kann nicht der des Ueberlaufens enttäuschter Anhänger von der SPD. zur KPD. und von der KPD. zur SPD. sein. Statt eines resignierten Abfluten? gilt es vielmehr, in der eigenen Partei jene ideologische Umstellung zu erzwingen, aus der die Pfeiler der Brücke zur Einigung gebildet werden. Tie Schaffung der Einheitspartei wird auch nicht das Ergebnis mechanischer Fusionsverhondlungen sein können. Der Weg zur Einheitspartei führt über die Gestaltung der Einheitsfront. Die Einheitsfront aber kann sich nur über die Einheitsaktion entwickeln. Am Anfang der Einheit steht die Einheit der Tat. Die letzten Ereignisse in Deutschland sollten uns in dieser Auffassung bestärken. Alle Illusionen, als könne dos Proletariat nur in Passivität abwarten, um alsbald Nutznießer der inneren Zersetzung des Faschismus werden zu dürfen, sind zerstört. Dieser Zersetzungsprozetz, dessen Stadium vielfach stark überschätzt wird, kann die Be- freiuna der beut wenn sie es verab chen Arbeiterklasse nicht bringen, äumt, rechtzeitig einheitlich und zentral ihre Widerstandskraft zu organisieren. Der 30. Juni, der 25. Juli und der 2. August haben er- wiesen, daß der Faschismus bereit ist, die Herrschaft des Grotzkapitalismus um jeden Preis zu stabilisieren und sich mit den Mitteln blutiger Gewalt nach innen und nach nutzen zu behaupten, datz Spekulationen auf die inneren Reibungen zwischen den Stützen des faschistisch- kapitalistischen Bündnisses nicht am Platze waren. Gegen- über der Totalität des Faschismus wird jede Taktik des kleineren Uebels, des Rurhoffens aus die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Regimes versagen. Tie Elastizität der Hitler-Diktatur zur Ueberwindung von Schwierig- keiten und ihre Bereitschaft zu Konzessionen aller Art sind unbegrenzt. Fest, hart und unerbittlich aber bleibt er in seiner tödlichen Feindschaft gegen die aufstrebende sozio- listische Arbeiterschaft, wie immer die politische Färbung ihrer einzelnen Gruppen sein mag. Alle Hoffnungen, durch die sich öffnenden und weitenden Risse des Regimes in das sich wandelnde Staatsgefüge des Faschismus hineinschlüpfen zu können, werden sich als trügerisch er- weisen. Im Ringen der Arbeiterklasse mit dem Faschis- mus kann es nur um die ganze Macht gehen. Sie mutz mit dem Sturz des Faschismus erkämpft werden. Die Erkenntnis vor der Grötze dieser Aufgabe wird uns nicht abzuhalten brauchen, Zersetzung?- und Zerfallver- scheinungen des Hitlerismus init der nötigen Aktivität unsererseits zu begleiten. Es mutz indes ausgesprochen werden, datz die noch kerrschende Zersplitterung der sozia- listischen Opposition bisher auch in den einzelnen Etappen der faschistischen Entwicklung jede Einsatzbereitschaft ver- hindert hat. Der 30. Juni hatte auf einige Stunden, ins- besondere in den Großstädten Deutschlands, ein aufgelockertes Stratzenbild gezeigt. Zahllose diskutierende Gruppen haben immer die Frage gestellt: Was soll werden? Sie wird eine offene Frage bleiben, bis die Sammlung der Massenopposition sichtbar geworden ist. Es genügt nicht, datz die Massenbasis des Faschismus, wie es am 30. Juni der Fall war, in sich erschüttert wird. Ent- scheidend ist. ob in den Wiederholungsfällen inner- faschistischer Krisen, die nicht ausbleiben werden, auch positiv das Kraftzentrum vorhanden sein wird, die ent- täuschten Massen an sich ziehen zu können. Auch der langwierigste Stellungskrieg, den zu führen das deutsche Proletariat entschlossen sein muß, macht es notwendig, datz der revolutionäre Vortrupp in einer wachsenden Volks- bewegung seine Resonanz und Massenbasis findet. Das Vertrauen der Massen zu ihrer eigenen Kraft ist das Ver- trauen in die unüberwindliche Macht ihrer Einheit und Geschlossenheit. Die Arbeiterbewegung, die zur Einheit gelangen will, mutz sich bewußt bleiben, daß die Klassenkämpfe aller Zeiten von ständigen inneren geistigen Auseinander- setzungen über Taktik und Ziel der Bewegung begleitet waren. Das gilt nach ihrem Zusammenbruch in erhöhtem Matze von der deutschen Bewegung. Nur im geistigen Ringen um eine neue politische Plattform wird sich das Willenszsntrum für die Gestaltung einer künftigen ge- schlossenen Einheitsfront formen können. Alle parteitak- tischen Erwägungen haben zurückzutreten hinter der einen großen geschichtlichen Mission der deutschen Ardeiterbewe- gung, den Sturz des Faschismus herbeizuführen. Wir haben nicht zu fragen, wie lange der Kampf dauern wird, so sehr wir bemüht bleiben müssen, ihn abzukürzen, sondern wir haben die einfache Pflicht, die Einheitsfront zu schmieden, bevor entscheidende Krisen des Faschismus ausbrechen können. Wohl sind die organisatorischen Um- sussungsmauern der alten Arbeiterparteien gefallen, doch sind im Dunkel des illegalen Kampfes zahlreiche revo- lutionäre Gruppen emporgewachsen, die isoliert, des- organisiert, ohne festen Zusammenhang und ohne einheit- liehe Orientierung um Ziel und Inhalt einer neuen Be- wegung ringen. Trotz eines gleichartigen harten Schick- sals aller Revolutionäre sind die Gruppen mit ihrer Ideologie teilweise noch an die alten Parteien gebunden. Häusig genug sind auch neue Gegensätze aufgerissen worden. In ihrer literarischen Tätigkeit haben die Splitterparteien ein verhältnismäßig starkes Echo ge- funden. Rein organisatorisch aber rankt sich die illegale Bewegung mehr um die beiden früheren großen Arbeiter- Parteien. Die SPD. und die KPD. sollten bei dem ideo- logischen Neuaufbau der gesamten Arbeiterbewegung Deutschlands nicht den Ehrgeiz haben, unter allen Um- ständen zweineueTheorienzu gestalten: es mühte wenigstens möglich gemacht werden, auf einer gemein- samen Diskussionsbasis die Erfordernisse des antifaschistischen Kampfes zu erörtern. Das französische Beispiel zeigt, datz„der einheitliche Wille, den Faschismus zu schlagen", entscheidend ist für die Einigungsmöglichkeit überhaupt. In der kommunistischen„HumanitS" vom 6. Juli 1934 heißt es: »Im gegenwärtigen Augenblick bildet der Faschismus die Hauptgefahr." Wenn dieser Satz, der sinngemäß auch in anderen Auf- rusen der KP. wiederkehrt, für Frankreich niederge- schrieben werden durfte, sollte es für Deutschland selbst- verständlich sein, alle Kräfte gegen den Hauptfeind Faschismus zu vereinigen. Mit dieser kommunistischen Erklärung müßte die verhängnisvolle Theorie vom Sozialfaschismus, nach der die Sozialdemokratie mit dem Faschismus auf eine Stufe gestellt werden sollte, aufge- geben sein, und ein wesentliches Hindernis zur Einigung wäre aus dem Wege geräumt. Es braucht keine der Parteien ihre Doktrin preiszugeben, aber jede müßte bereit sein, zu diskutieren, um das gegenseitige Verstehen zu erleichtern. Die Einheitsdiskussion darf nicht zur Waffe in den Händen der einen Partei gegen die andere werken: die Aussprache soll keinen Verzicht auf Kritik von Lehrmeinungen in sich schließen, sondern nur be- schimpfende Polemik und verleumderische Angriffe aus- schließen. Es mutz der Beweis erbracht werden, datz keiner der Teilnehmer Angst vor der Einigung hat. Wird die Diskussion über das sozialistische Wollen der kommen- den einheitlichen revolutionären Bewegung auf solcher Grundlage gefuhrt, so würde sie die ideologische Einheit vorbei eiten helfen, damit sich zum gegebenen Zeitpunkt die Massen der Arbeiter auf einer gleichen Ebene treffen können. Es kommt aber nicht nur darauf an, alle Teile der deutschen Arbeiterschaft zur gemeinsamen Diskussion über den Weg zur Macht zu befähigen. Die Einheit der Aktion wird in erster Linie aus den Betrieben heraus wachsen. Der Betrieb war bestimmt, ini Faschismus die Zelle seiner Massenbasis zu sein, der Betrieb hat sich nicht minder als ein Zersetzungsherd des Faschismus gezeigt, je mehr der pfeudosoziaiistische Schwindel entlarvt werden konnte. Aus den Betrieben haben die Arbeiter bei den Ver- trauensratswahlen ihre erste stumme und gewaltige Demonstration sichtbar gemacht. Im Betrieb stößt sich das Regime stündlich an den Klassengegensätzen, dort sind es alle Arbeiter und alle Angestellten, die, losgelöst von Parteigebundenheit, ihre proletarische Verbundenheit um so stärker fühlen. An den Arbeitsstätten wissen sich heute schon die Be- legschaften verschiedener politischer Färbungen fallweise zu verständigen, soweit es sich um die Verteidigung ihrer Belegschaftsforderungen handelt. Auch bei den ver- schiedenen Zentralstellen der Arbeiterparteien sind wohl in der Beurteilung dieser Massenforderungen die un- mittelbarsten Berührungspunkte festzustellen. Da herrscht Uebereinstimmung über die Sklavenveryrdnung im „dritten Reich" vom 1. Mai 1933, genannt Gesetz zur Ord- nung der nationalen Arbeit.. Auf der Basis dieses Arbeitsgesetzes, das die bewußte Zerstörung jedes Kollek- tivismus bezweckt, vollzieht sich die sogenannte Betriebs- ordnung und der Lohnabbau, wie er mit der Einführung der Sechunddreitzigstundenwoche in den nächsten Monaten brutaler als je durchgeführt werden soll. Man braucht gewiß kein Revolutionsromantiker zu sein, um sagen zu dürfen, daß in der Stellungnahme zu den täglich aus- tretenden Arbeitsfragen das Abwarten allein keine aus reichende Anweisung für die Belegschaften sein kann, und datz trotz des Arbeitsgesetzes tägliche Arbeitersorderungen nicht ausbleiben können. Mag auch die Arbeitsfront in ihren Befugnissen völlig ausgehöhlt sein, die Millionen Zwangsmitglieder sind ihr verblieben. Sie können den Betriebsversammlungen fernbleiben, manches Beispiel Hot jedoch die Nützlichkeit der Teilnahme erwiesen. Sollte die Einheitsbewegung der Verwirklichung näher gebracht werden, so würden jedenfalls die Massenforderungen der Arbeiterschaft im faschistischen Alltag reichlichen Stoff zur Probe auf das Exempel bieten. Aus der Verständigung über Betriebsfragen und Massenforderungen des täglichen Arbeitslebens würden sich auch wertvolle Ansätze für die künftigen einheitlich aufzubauenden freien Gewerkschaften gewinnen lassen. Der Ausbau von Massengewcrkschaften wird nicht Auf- gäbe der politischen Parteien sein, wohl aber kann die politische Bewegung in ihrer Einheitstaktik mit dazu bei- tragen, wesentliche Voraussetzungen für die spätere Ge- werkfchaftseinheit zu schaffen. Die Aktionseinheit der politischen Parteien wird sich zunächst bewähren müssen, um den letzten Verdacht, als könnte die Empfehlung von Einheitsgewerkschaften etwas eine Fortsetzung der RGO. werden, zu zerstreuen. Der gewerkschaftliche Wiederauf- bau darf in keinem Falle zum Gegenstand politischer Experimente gemacht werden. Die Aktionseinheit mutz sich ferner in den einzelnen Stadien der weiteren Entwicklung bewähren, wenn es sich um die Bewegungsfreiheit der Arbeiterschaft, die Forderungen nach Vereins- und Versammlungsfreiheit und anderen Möglichkeit?» handelt, die Massen besser sammeln und organisieren zu können. Eine aufrichtige Bereitschaft zur Aktionseinheit setzt voraus, datz gemeinsame Vollzugsausschüsse aus beiden Lagern bestehen und eine gemeinsame Zentralstelle ge- schaffen wird, die eine Alleinherrschaft einer Partei verhindert. Die zurückliegenden Erfahrungen haben gezeigt, datz die Schaffung einer höheren Organisationseinheit immer wieder daran gescheitert war. datz versucht wurde, zunächst die vorhandenen Einheiten zu dezimieren oder zu zerstören. Die deutsche Arbeiterklasse kann von den Hlarleien verlangen, daß sie auf jeden Parteiopportunis- mus Verzicht leisten, wenn es gilt, ihr gegen den Haupt- leind, den Faschismus, die schärfste Waffe in die Hand zu geben: Die Einigkeit der Arbeiterklasse. .Ah DG? Stoßtrupp' ,Een höchst gefährliches Unternehmen" Die„Germania" in Verlin berichtet über den Stroßtrupp- prozeß noch folgende Einzelheiten: In Berlin und im Reich war seit Juni vorigen Jahres in ständig steigender Auslage eine marxistische Hetzschrift unter der Bezeichnung«Der rote Stoßtrupp" verteilt wor- den. Tie Polizei ging den Spuren der Verteiler nach und deckte ein ganzes System von Bezirken- und Unlervertei- lnnasstellen auf. Als die geheimen Fäden, die zu einem „Fnhrcrkops" in Berlin führten, restlos aufgedeckt waren, wurde der ganze illegale Apparat ausgehoben. Das Volks- gericht gab das Strafversahren gegen die Verteiler an das Kammcrgericht ab, das gegen mehrere Dutzend Angeklagte Gefängnis- und Zuchthausstrafen' bis zu drei Jahren ver- hängte. ^Tic Mitglieder des Führerkopfes, der sich selbst als„Roter Stab" bezeichnete, hatten sich nun am Montag vor dem 2. Senat des Volksgerichtshofes zu verantworten. Ter gei- stige Führer des ganzen Unternehmens war der 89jährige Rudolf Kllstermeler, der sich längere Zeit hindurch auch im Ausland journalistisch betätigt hatte. Er hatte Beziehungen aufgenommen zu verschiedenen Mitgliedern der sozialistischen Studentenschaft der Berliner Universität. Diese jungen, der SPD. nahestehenden Akademiker verstand er schnell für seine hochverräterischen Pläne zu gewinnen. So gelang es ihm, einen illegalen Presseapparat anfzuziehcn, der nach den Fest- stellungen der Polizei nicht weniger als 49 999 Exemplare der Hetzschrift«Der rote Stoßtrupp" im In- und Ausland ver- teilt haben soll. Im Gegensatz zu den Angeklagten, die den Hochverräte- rischen Charakter ihrer Tätigkeit abzuleugnen suchten, betonte der Vertreter der RcichSanivaltschast in seiner Anklagerede, daß es sich bier um ein höchst gefährliches Unter- nehmen handele, das der Bildung einer neuen Umsturz, partei nahekomme. Ter„rote Stroßtrupp" habe als neue marxistische Beivegnng, die er in Wahrheit sei. beabsichtigt, alle diejenigen jungen revolutionistischen Elemente zusam- menzufasien, die mit der Führung durch die. alten marxt- stischcn Parteien unzufrieden waren und sich immer noch re- volutionären Wunfchiräumen hingeben. Es handelt sich dabei vor allem um die Mitglieder der KPD.-Lvposition, der sozialistischen Arbeiterpartei sTAP.) und die Trotzki-Ailhänger. Diese Kreise waren nach den Plänen des«Roten«tabco berufen, in naher Zukunft die proletarische Revolution durch- zuführen, die die KPD. dieien Staatsseinden nach ihrer Metnuna schuldig geblieben war. Die Kampfschriften des „Roten Stabes" mit Grenelnachrichtcn über.den Reichstags- brand und sonstige tagespolitischen Ereignisse angesüllt uno sind daher als besonders verwerfliches politisches Kampf- mittel anzusprechen, da sie vor allem das Ansehen der natio- nalen Regierung und der hinter ihr stehenden Verbände zu untergraben und auch auf diesem Wege den Boden für einen gewaltsamen Umsturz vorzubereiten suchen. Besonders interessant dürfte die Feststellung sein, daß sich auch die nach Prag geflohene SPD.-Leitung an der Finanzierung der hochver, rätcrischen Umtriebe der Angeklagten beteiligt hat. Das Urteil lautete entsprechend dem Antrag des Reichs- anivalts gegen den 89jährigen Hauptaugeklagten Rudolf Kllstermeler wegen Borbereitung zum Hochverrat und Verbechens gegen die Verordnung zur Abwehr heimtückischer Angriffe auf die Regierung der nationalen Erhebung vom 21. März 1983 aus zehn Jahre Zuchthaus und 19 Jahre Ehrverlust. Die beiden weiteren Mitglieder des „Roten Stabes", der 28jährige Karl Zinn und der 26jährige Willy Strinz, erhielten je sieben Jahre Zuchthaus und fünf Jahre Ehrverlust, während der 32jähriqe Willy Schwarz mit drei Jahren Zuckthaus davonkam. Die Strafen der rest- lichen drei Angeklagten bewegten sich zwischen Vit und 3 Jahren Gefängnis.— Sieben Monate der erlittenen Unter» suchnngshast werden allen Angeklagten auf ihre Strafen an- gerechnet. Welftneinung Uber die KeidiMKrofleure Rull und Erpressung"— unverantwortlich und nicht kreditwürdig— Schacht-Baisse Paris, den 1. September. Von unserem Korrespondenten , Die Rede, die Dr. Schacht auf der internationalen Agrar» ronferenz in Bad Eilsen gehalten hat und in der er nicht "ur ein vieljähriges Moratorium, sondern auch die Streichung des größten Teils der Auslandsschulden für Deutsch- cano fordert, findet, wie man sich vorstellen kann, in der Hrepe eine wenig günstige Aufnahme. »Journal" schreibt dazu:„Wir können versichern, daß mehr noch als die Leipziger diese Rede Dr. Schachts überall Uese Erregung verursacht hat. Die neue deutsche Politik>u "er Frage der Schulden und der Auslandsimporte setzt alle Handelsverträge, die die Beziehungen zwischen Deutschland und anderen Völkern regeln, wie auch immer ihre Basis ist, aufs Spi-el." In englischen und amerikanischen Flnanzkreisen wird beinahe einheitlich der Meinung Ausdruck gegeben, daß >n der Rede Schachts ein guter Teil Bluff und Erpressungs- versuch zu sehen sei. Besonders das amerikanische Staats- wlnrsterium ist ungewöhnlich unzufrieden über die deutsche Kote zur Tchuldcnfragc und Washington beabsichtigt nach "er neuen agressivcn Rede von Schacht die Vorbesprechungen Uber ein eventuelles Handelsabkommen auf den Stimmer- mehrstag zu vertagen. Derartige Dispositionen, so meint a r i s--S o i r". passen schlecht zu der international?» Busammenarbeit, die sich Schacht zu seinen Gunsten wünscht. M Kaum viel Gehör' Eine Stimme aus der Schweiz D'e„Neue Zürcher Zeitung" sNr. 1552) schreibt: »Welche praktischen Folgen die neuesten Ankün- mgungen Dr. Schachts In nächster Zeit haben werden, läßt '>ch heute»och nicht überblicken. Auf alle Fälle dürfte der deutsche Wirtschaftsdiktator mit seinen Vvllmoratoriüms- und Schuldabwertungsplänen bei den Gläubigern kaum viel n>ehör finden. Durch Stundungen und Zinsreduktivnen ha- wen sich die ausländische» Geldgeber der deutschen Wirtschaft, sie außerdem in den letzen Jahren in hohem Maße an ^ährungsentwertungen profitiert hat, schon derart große ^-picr auferlegt, daß ihnen ein weiteres Entgegcnkom- Jl'fn nicht mehr möglich sein wird, ohne daß sie ihre eigene Situation ernsthaft gefährden. Läßt also Dr. Schacht dem ^ort jn vollem Umfange die Tat folgen, dann müßte die deutsche Reichsregterung wohl über kurz oder lang ein mehrjähriges Vollmoratorium dekretieren und gleichzeitig eine Reduktion der privaten Auslandschuldcu diktieren, in einem Ausmaß über das es müßig erscheint, Irgendwelche Spekulationen anzustellen. Ob Dr. Schacht, wie 'chon so oft, vor einem solchen Schritte die Vertreter der ausländischen Gläubiger„zur Vernehmlassung" nach Berlin uiert, wäre kauen von ausschlaggebender Bedeutung, wenn rr doch, wie bei früherer Gelegenheit, über ihren Kops hin- weg nach eigenem Gutfinöen verfügen sollte. Es kann hier nicht der Ort sein, die handelspolitischen De- dttktionen des Rcichsbankpräsidenten auf ihre Stichhaltigkeit £» untersuchen. Sicher ist aber das Heilmittel, das er der empfiehlt, zur Linderung der Weltwirtschaftskrise völlig untauglich. Wie sollte die Welt die heutigen Schwierigkeiten der Wirtschast überwinden, wenn durch einen brüsken Eingriff in die internationale Kapitalverflechtung plötzlich Milliardenguthaben vernichtet würden, ivenn man den gesamten Auslandglüubigcrn eines Staates plötzlich einen Gencralnachlaß ihrer Forderungen zumuten wollte? Die Führer der deutschen Wirtschast erhoffen von einem w.chen Eingriff offenbar eine weitere starke Kostensenkung zu tasten des Auslandes, und einzelne Jnöustrickreise würden wohl gerne von einem Tchuldennachlaß profitieren, um un- weichwert von alten Zahlungsverpflichtungen am Weltmarkt bl» Käufer auftreten und ihren unersättlichen Rohstoffhun- ^ befriedigen zu können. Zweifellos würden derartige ^>ssgriffe aber einer vermehrten Abwehraktion durch das Ausland, ja sogar einem eigentlichen Wirtschaftskrieg auf welen Fronten rufen, durch den die deutsche Exportwirt- chaft in höchstem Maße geschädigt würde. Die Gläubiger Endlich, deren Forderungen vernichtet und deren Wirtschaft- uchc Grundlage zerstört würde, stünden vielerorts vor dem Ruin. Tie sich hieraus neu ergebenden Erschütterungen der Weltwirtschaft ließen sich zum vornherein gar nicht über- blicken. Vor alle« aber würde der internationale Kredit Deutsch- lands einen tödlichen Schlag erleiden,«ein noch so aus- geklügeltes Argument vermöchte wohl die schweren Zwei- iel zu zerstören, welche die Welt an Deutschlands Zah- lungswillen hegen müßte,- £ic deutsche Schuldnermoral, die leider schon seit einigen Bahren international nickt mehr hock im Kurs steht- würde "uf unabsehbare Zeit zerstört. ES mutet deshalb nicht wen.g überraschend an, daß der Reichsbankpräsident eS unter- uimmt, im Zusammenhange mit seinen Moratoriums- und Zbwertunasplänen von neuen A u S l a n b S k r c d l t c n zu brechen, die er für Deutschland erhofft, wenn einmal die wütige Schuldenlast abgeschüttelt ober auf ein„tragbares Maß reduziert sein sollte. Wer aber wollte Deutschland nom Geld leihen, nachdem es feine alten Verpflichtungen mir rücksichtsloser Geste von sich geworfen haben würde.... Eine Gesundung der Weltwirtschaft kann nicht durck »dynamische" ZwangSeingriffe erfolgen, sondern einzig durck r>»e sckriiiweiie Wicderankiiiipfung zerstörter Beziehungen. £»rch einen Abbau unsinniger Schranken und durch ein Vticbererstarken des internationalen Vertrauen?. Die Red Dr. Schachts scheint allerdings auf diesem Wege keinen schritt vorwärts zu weise». Die geistige Einstellung der Verantwortlichen" London, 1. Sept. Die gesamte Presse wendet sich gegen die ^ anirottredc Schachts. Man spricht von den Fruchten des "Hitlerismus".„Daily Telegraph" schreibt: Die Län- °er. die Deutschland Kapital geliehen haben und denen nun- '"ehr gesagt wird, baß sie auf den Zinsertrag verzichten wüßten, dürften sich kaum willen? zeigen, noch mehr herzu- "eben. Deutschland habe seine Zahlungsfähigkeit wissentlich °"rch große Rohstoffeinfuhren zur Durchführung des Ar- "ettSproarammS und für die Aufrüstung gefährdet, ebenso "ech feine Ariergesctzgebung geschwächt. Es läge in nie- wandes Interesse. Deutschland aus der Reibe der Handels- "ölker fallen zu lassen, doch würden die Gläubiger zur Ge- "ehmigung eines Moratoriums bestimmt mehr als die Behauptung Dr. Schachts fordern, daß die deutsche Zahlungs- fähigkeit tatsächlich erschöpft sei und daß die Mittel nicht etwa durch innere Maßnahmen verzehrt worden seien. Die«M o r n i n g Po st" sagt: Leider mache es die geistig« Einstellung der verantwortlichen Staatsmänner und vor allem Dr. Schachts für jedermann zusehends schwierig, das Rettungswcrk in Angriff zu nehmen. Das Blatt weist dar» auf hin, daß die Erzählung von der Verarmung Deutschlands erheblich von dem schönen Bild abweiche, das Hitler am letzten Sonntag den Saarländern vorgemalt habe. Wenn Deutsch- land so wohlhabend sei, wie es der RcichSführer dargestellt habe, dann müsse man die Gläubiger Deutschlands zum mindesten dafür entschuldigen, daß sie den deutschen Wohl- stand als Folge ihrer Kreditgewährung ansehen. Deutscher staafsbankroft In Sldif Die Basler„National-Zeitung" schreibt: Wenn die NeichSregierung ihrem, nach Adolf Hitler, wich- tigsten Mitglicdc folgt— und warum würde sie ihm nicht folgen?— so wird Teutschland seine Gläubiger in Bälde ossi- ziell vor die Tatsache eines VollmoratorinmS auf un- bestimmte Zeit für alle, auch die privaten Schulden stellen, d. h., kürzer gesagt: Vor den Staatsbankrott. Deutscher Staatsbankrott in Sicht! Der erste Staatsbankrott eines europäischen Großstaatcs seit anderthalb Jahr- Hunderten, als die todkranke französische Monarchie sich un- fähig zur Zahlung ihrer Schulben bekannte. Was Dr. Schacht in seinem Vortrag vor der internationalen Konserenz für Agrarwissenschasten in Bad Eilsen verkündigte, hatte der deutsche Wirtschastsdircktor selbst längst durchblicken lassen. Wie uns zuverlässig berichtet wird, machte Dr. Schacht den Berliner Vertreter einer auswärtigen Großmacht schon vor Wochen darauf aufmerksam, spätestens Anfang September werde die Reichsregieruug die Welt notgedrungen vor um- ivälzende und entscheidende Tatsachen stellen. Konsequent ist ferner seit Monaten durch eine Propaganda, die keine Skrupel kennt und keine Mittel scheut, da? deutsche Volk da- hin bearbeitet worden, zu glauben, daß da? Ausland, und nur das Ausland, schuld an aller Misere sei. DaS Volk ist heute in Mehrheit soweit gebracht. Endlich entspricht auch daS der deutschen Praxis» die wir seit dem Beginn des Dritten Reiches kennen: Daß man, statt sich an die eigene Brust zu schlagen, von hoher Warte herab noch das Ausland schul- meistert. Tie Kritik an den ausländischen Finanzen, auch die Schweiz ist darin einbezogen, hätte sich Dr. Schacht in diesem Augenblick ersparen können. Denn keine ausweichende oder überhebliche Geste wird die Welt darüber hinwegtäuschen, daß das Vabanquespiel, das Deutschland mit dem Dritten Reich einging, der Entscheidung entgegentreibt. Im Gemährenlassen der dcntschcn Aufrüstung scheint die Welt der unbekümmerten Politik des Dritten Reiches frei- lich Recht zu geben. Die deutsche Ausrüstung könnte heute je- doch nur noch durch einen Krieg verhindert werden, den jeder- mann scheut. Ganz ander?, und viel wirkungsvoller, wären dagegen die wirtschaftliche» Wehrmittel gegen einen Willkür- lichen deutschen Bankrott, der, falls er sich durchsetzte. Deutsch- land nicht abzuschätzende und von den andern kaum wieder einzuholende Vorteile brächte: Ucver die Hälfte der ge- pumpten 24 Milliarden wurden z. B. für die Erneuerung der deutschen fabriktechnischcn Rüstung Investiert,- diese Rüstung ist modernisiert wie in keinem andern Land. Ohne Zweifel wird die Welt die Tatsache eines dentschen StaatSbaukrotts nicht passiv hinnehmen. Tie Lage ist auch nicht so, daß Weltwirtschaft und Weltmarkt durch den Aus- fall de? deutschen Käufers zusammenbrechen würden»nd sich den deutschen Forderungen somit zu fugen hätten. DaS Gegenteil dürste zutreffen: An der Tatsache, daß das Deutsch- land deS Dritten Reiches als Partner der Weltwirtschast heute schon zum großen Teil abgeschrieben ist. kann nicht ge- zweifelt werden. Diese Tatsache wird die zn erwartenden intcrnatinnalen Maßreaeln— falls das Regime den Staats, bankrottssprung wirklich wagen sollte— erleichtern. Jn Ber- lin selbst wird da und dort befürchtet, eine Aktion des Ans- Zuchthans Für illegale Literatur Berlin, l. September. Da» Volksgericht verurteilte heute die beid-n Mitglieder der KPO. lKommunistische Oppo- sitionl Friedrich Grosse aus Greiz und Walter Böhme aus Gera wegen Verbrechens gegen das Gesetz über die Gewähr- leistung deS RechtSfriedens vom 13. Oktober 1938 z u t e v i e r Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust unter Anrechnung von je acht Monaten Untersuchungshaft auf die Strafe. Tie beiden Angeklagten waren am 28. Oktober vorigen Jahres auf der Zollstraße Selb-Asch angehalten wor- den, als sie auf dem Motorad Böhmes von ber t s ch e ch o- slowakischen Grenze her kamen. Im Rucksack führten sie eine große Zahl von„Hetz- und Greuelflugschriften" mit sich, die großenteils von Emigranten verfaßt und in Straß- bürg im Elsaß gedruckt worden waren. Unter den beschlag- »ahmte» Schriften befand sich u. a. zwei Miniaturausgaben des in ber Tschechoslowakei erscheinenden„Neuen Bor- wärts" und deS aus dem Reichstagsbrandprozeß bekannten „B r a u n b u ch s". „Selbstverständlich nldil zulässig" Sie tun so, als ob es ein Einzelfall gewesen sei Darmstadt» 80. Aug. Nach dem Bericht der amtlichen „Darmstädter Zeitung" wurde bei der amtlichen Feststellung des Abstimmungsergebnisses in Hessen durch den Abstim- mungsausschuß folgende Beanstandung behandelt:„Jn einer Gemeinde des Verwaltungsbezirks Friedberg hatte ein Mitglied des Abstimmungsvorstandes eine Anzahl Stimm- zettel in einem Großbuchstaben der Ueberschrist unausfällig mit handschristlichen Ziffern gekennzeichnet, um dann daraus Schlüsse auf die Abstimmung der ihm bekannten Per- sonen ziehen zu können, denen er diese kenntlich gemachten Zettel aushändigte. Wenn auch das Wahlergebnis in jenem Ort tatsächlich nicht beeinflußt worden ist, so war doch die Handlungsweise des Betreffenden selbstverständlich nicht zu- lässig. Gegen ihn wird Weiteres veranlaßt weröew landes werbe nicht nur zu einem internationalen Boykott, sondern sogar z« einer Blockade wie im Krieg führen! Ob daS Regime solchen Wirkungen jedoch noch standhalten'könnte, ist eine andere Frage. Vielleicht muß die Rede Dr. Schachts nur als Drohung ohne folgende Taten angesehen werden. Aber auch dann kann ihre Wirkung nur eine verhängnisvolle sein, weil sie den letzten Rest deutschen Kredites in der Welt zerstören und zurückschlagen wird, auf daS wahrscheinlich auch längst nicht mehr stabile Vertrauen zum Regime in Deutschland selbst. peinlicher Eindruck Basel, 31. Aug. Wenn man auch in Kreisen der BIZ. cd strikte ablehnt, sich zur Ankündigung Dr. Schachts zu äußern, so ist doch der peinliche Eindruck, den diese Rede auS- löste, unverkennbar, und In Finanzkreiscn wird versichert, daß diese Ankündigung Dr. Schachts einer Bankrotterklärung gleichkomme, wie auch darauf hingewiesen wirb, daß die RcichSbank seit anfangs August eS nicht mehr gewagt hat, im ReichSbankauswciS bekanntzugeben, welches die prozentuale Deckung der i« Umlauf befindlichen Reichsbanknoten durch Gold und Golddevisen ist. Schacht-Baisse London, 1. Sept. Die Erklärungen von Dr. Schacht haben an der Börse eine lebhafte Reaktion ausgelöst. Die DaweS» und Aoung-Anleihen sind stark gesunken. Die 7prozentige An- leihe von 1924 sank von 51 ans 47*/» und die 5'/,prozenttge von 1930 von 89 auf 86'/». Verschlechterte Reidisflnanzen Anschwellen der Ausgaben Nach Mitteilung des Neichssinanzministerinms betrugen im ordentlichen Haushalt lalle Angaben in Millionen RM.j die Einnahmen im Juli 568,9 jJuni 478,8) und die Ausgaben 717,0(504,2). Mithin ergibt sich eine Mehrausgabe von 149,0 <30,4). Für den Zeitraum April bis Juli errechnet sich bei 2292,7 Einnahmen und 2285,9 Ausgaben eine Mebreinnahme von 6,8(Ende: Mehreinnahmc 155,8). Um diesen Betrag vermindert sich der aus dem Vorjahre übernommene Fehlbetrag von 1796,7 auf 1789,9. Im außerordentlichen Haushalt wurden im Juli 1.4(1,4) verausgabt. Seit Beginn des Rechnungsjahres 8,9, während Einnahmen»Ich« zu ver, zeichnen sind. Der vom letzten Rechnungsjahr her vorhandene PluS-Bestand von 14,2„ermäßigt" sich daher auf 19,8. Für beide Haushalte einschließlich der auS dem Vorjahr iibernom- menen Fehlbeträge bzw.-bestände errechnet sich für Ende Juli ein Fehlbetrag von 1779,6(Ende Juni: 1629,2). nie Reidishanhrotfenre Wofür sie immer Geld haben Berlin, 31 August. Auf Wunsch deS Führers und Reichs« kanzlerö wurde, wie daö„Berliner Tageblatt" erfährt, vom Chef der Heeresleitung daS Magdeburger Reichswehr- Pionler-Bataillon mit der Durchführung der notwendigen verkchrstechnifcheu Brückcnbaute,, in Nürnberg anläßlich deS ReichSparteitagcS beauftragt. ES handelt sich um die Anlage einer großen Anzahl von Straßenbrücken, die den reibungS- losen Aufmarsch und die Wciterflihrung des laufenden Ber- kchrS in Nürnberg während deS Aufmarsches gewähr- leisten sollen. Es werden dazu notwendige Neber« briicknngen von Hauptverkehrsstraßen vorzunehmen sein. Die Anlage wird sich besonder? dadurch schwierig ge» stalten, daß die Ueberbrllckung über die vorhandenen Lei» tungen der Straßenbahn erfolgen yniß. Schnfzhaft für Wanderer Weil sie Katholiken sind In Bamberg wurden, wie da»„Fränkische Volksblatt" meldet, zwei Mitglieder eines katholischen JugendvereinS in Schutzhaft genommen, weil sie das zur Zeit bestehende B c t ä t i g u n g S v e r b o t für konfessionelle Jugend- verbände durch Veranstaltung von Zusammenkünften»nd ge- schlossenen Ausflügen umgangen hätten. Geiöngnls ihr Kritiker Arbeit des Sondergerichts Mannheim, 31. Aug. Das badische Gondergericht ver« urteilte den 27 Jahre alten Franz E. zu acht Monaten Ge- sängniS. Der Angeklagte hatte am 15. Juni zu Bekannten ge« sagt:„Nur noch kurze Zeit, dann sind wir dran, dann jagen wir die Nazis in den Schnee. Im kämpfe nur für eine Idee, und das ist ber Kommunismus. Ich bin Kommunist und bleibe Kommunist." Mannheim, 81. Aug. Der 35 Jahre alte Gustav Z. au? Mauernheim hatte am l. Juni zu Nationalsozialisten qelagt: „Ihr seid alle Verkäufer der Arbeiterklasse. Wartet mal ein Vierteljahr ab..." Das badische Sondergertcht verurteilte diesen Arbeiter, der«m Borjahr vom Schöffengericht Kon- stanz wegen einer ähnlichen Aeußerung bereits verurteilt worden war, zu neun Monaten Gefängnis. Mannheim, 81. Aug. Der 47 Jahre alte Anton R. an« Salzstätten, der beschuldigt war, sich„in abfälliger Weis« über die heutige Regierung geäußert" zu haben, wurde vom badischen Sondergericht zu zehn Monaten Gefängnis ver« urteilt. Mannheim, 31. Aug. Das badische Sondergericht verhängt« über den Angeklagten Johann C. aus Hangen bei Lörrach, der je 15 Exemplare der.Basler Rundschan", der„Roten Fahne" und des„Basler Vorwärts" über die Grenze gebracht hatte, zu neun Monaten Gefängnis. Mannheim, 31. Aug. Wegen Beförderung und Ausbeivah« rung von 500 Flugblättern.„Aufruf an die werktätige Jugend in Stadt und Land", wurden die 19 Jahre alte Frieda B. aus Mannheim und der Mitangeklagte Eduard H. zu je acht Monaten Gefängnis verurteilt. Völker in Sturmzeiten Im Spiegel der Erinnerung- im Geiste des Sehers Maurice stirbt für die Kommune Von Emile Zola Maurice beteiligt«ich lebhaft an den Arbeiten der Kommune. Der Gegensatz zwischen„Paris" und„Versailles" verschärft sich immer mehr. Aber auch in der Kommune selbst machen sich Gegensätze und Eifersüchteleien bemerkbar. Aber vor allem ist es die gewaltsam betriebene Aushebung zur Nationalgarde, die eine wahre Flucht aus ihren Reihen veranlaßt. Zola schildert im vorigen Kapitel den allmählichen inneren Zusammenbruch des großartig begonnenen Werks. Das Volk lobte noeh immer nur von seinem Nationalgardisten- »old, den dreißig Sons, die aus den von der Bank von Frankreich requirierten Millionen gezahlt wurden, den dreißg Sous, für die viele sieh schlugen und die eigentlich eine der Hauptursaehen und den Existenzgrund des Aufstandes bildeten. Ganze Stadtviertel hatten sieh geleert, die Läden waren geschlossen, die Häuser wie ausgestorben. In der bellen Sonne des wunderbaren Lenzmonats begegnete man in den verödeten Straßen nur noch dem wilden Prunke der Beerdigungen von Föderierten, die von dem Feinde getötet worden waren, Trauerzüge ohne Priester, die Särge mit roten Fahnen bedeckt, und dahinter die Menge, die Immortellensträuße trug. Die Kirchen waren geschlossen und verwandelten sich jeden Abend in Vereinssäle. Nur die revolutionären Zeitungen erschienen, man hatte die anderen unterdrückt. Da« bedeutete die Zerstörung von Paris, dieses großen und unglücklichen Paris, das gegen die Nationalversammlung seinen Widerwillen als republikanische Hauptstadt bewahrte und in dem jetzt der Schrecken vor der Kommune, die ungeduldige Begierde, von ihr befreit zu werden, immer größer wurde an gesiebt der furchtbaren Geschichten, die man erzählte, von täglichen Verhaftungen von Geiseln, von Pulverfässern, die man in die Kanäle geschafft habe, wo angeblich Männer mit Fackrhi wachten und nur auf ein Signal warteten. Maurice, der niemals getrunken hatte, war nun von dem allgemeinen Hansell erfaßt, und er ging förmlich in ihm unter. Es kam jetzt manchmal vor, daß er, wenn er Dienst auf irgend einem vorgeschobenen Posten hatte oder die Nacht im Wachthause verbrachte, ein Gläschen Kognak annahm. Wenn er ein zweites annahm, geriet er, umweht von den Alkoholdünsten, die ihm über das Gesicht strichen, außer sich Das war die um sich greifende Seuche, die chronische Trunkenheit, die die erste Belagerung hinterlassen und die die zweite verschlimmert hatte, unter dieser Bevölkerung ohne Brot, die Schnaps und Wein in vollen Gläsern hatte und die nun. übersättigt von ein paar Tropfen in Delirium geriet. Das erste Mal in seinem Lehen, am 21. Mai, einein Sonntag, kehrte Maurice betrunken gegen Abend nach der Ortiesstraße zurück, wo er von Zeit zu Zeit zu schlafen pflegte. Er hatte, den Tag über noch in Neuilly verbracht, wo er sein Pulver verknallt und mit den Kameraden getrunken hatte, in der Hoffnung, die ungeheure Müdigkeit, die ihn bedrückte, überwinden zu können; dann hatte er sielt, seiner Sinne nicht mehr mächtig, mit seiner Kraft zu Ende, von seinem Instinkt geleitet— denn er konnte sieh nicht erinnern, wie er zurückgekehrt war—, auf das Bett in seinem kleinen.Zimmer geworfen. Und erst am anderen Morgen, als dir Sonne bereits hoch stand, weckte ihn der Lärm der Sturmglocken, der Trommeln und Trompeten. Am Abend zuvor hatten die Versailler bei Point-du-Jour ein verlassenes Tor gefunden und waren unbehindert in Paris einmarschiert. Als er sich in Hast angekleidet, das Gewehr über die Schulter gehängt hatte und hinabgestiegen war, traf er eine Gruppe Kameraden auf dem Bürgermeisteramt des Bezirkes, die ihm die Ereignisse des Abends und der Nacht so verworren erzählten, daß es ihm anfangs schwer fiel, sie zu verstehen. Seit zehn Tagen, seit das Fort von lesy und die große Batterie von Montretout, unterstützt vom Mont Valerien, die Wallmauer beschlossen, war das Tor von Saint-Cloud unhaltbar geworden, und der Sturmangriff sollte am anderen Morgen stattfinden, als ein zufällig gegen fünf Uhr vorbeigehender Mann, der sah, daß niemand mehr das Tor bewachte, ganz einfach mit einem Wink die Wachtposten des Schützengrabens herbeirief, die sich kaum fünfzig Meter davon befanden. Ohne zu warten, waren zwei Kompanien des siebeuundreißigsten Regiments einmarschiert. Hinter diesen kam das gesamte vierte Korps unter dem Befehle des Generals Douay nach. Während der ganzen Nacht waren die Truppen in ununterbrochener Flut hereingeströmt. Um sieben Uhr stieg die Division Verge gegen die Grenellebrücke hinab und rückte bis zum Trocadero vor. Um neun Uhr nahm General Clinrhamp Passy und La Mnette. Um 3 Uhr morgens lagerte das erste Korps im Bentlegner Wäldchen, während zur selben Zeit die Division Brual die Seilte überschritt, um das Tor von Sevrcs wegzunehmen und dem zweiten Korps den Einmarsch zu erleichtern, das unter dem Befehl des Generals Cissey eine Viertelstunde später das Grenelleviertel besetzen sollte. Und so war am Morgen des 22. die Armee von Versailles Herrin vom Trocadero und von La Mnette auf dem rechten Ufer und von Grenelle auf dem linken Ufer; und das alles inmitten der Verblüffung, des Zorns und der Verwirrung der Kommune, die bereits Verrat schrie und ganz bestürzt war bei dent Gedanken an die unvermeidliche Niederschmetterling. Das erste Gefühl von Maurice, als er die Lage begriffen hatte, war, das Ende sei gekommen, es bliebe nur noch übrig, sich umbringen zu lassen. Die Sturmglocke läutete unaufhörlich. die Trommeln rasselten noch stärker, Weiber und selbst Kinder hauten an den Barrikaden, die Straßen füllten sieh mit fieberhaft erregten Bataillonen, die in aller Eile vereinigt auf ihre Kampfposten liefen. Und von Mittag an entstand im Herzen der maßlos erregten Soldaten der Kommune die ewige Hoffnung wieder; sie waren entschlossen zu siegen, als sie sahen, daß die Versailler sich kaum gerührt hatten. Die Armee, die sie in zwei Stunden in den Tuilerien zu sehen gefürchtet hatten, ging, durch ihre Niederlagen klüger gemacht, mit außerordentlicher Vorsicht vor, und sie übertrieb noch die Kampfesweise, die die Preußen sie in so empfindlicher Weise gelehrt hatten. Im Stadthanse organisierten und leitete der Wohlfahrtsausschuß und Delescluze die Verteidigung. Einem Gerücht zufolge hatten sie einen letzten Versöhnungsversuch verachtungsvoll zurückgewiesen. Das entflammte den Mut, der Triumph von Paris wurde neuerdings zur Gewißheit, der Widerstand sollte überall ein grimmiger werden, wie der Angriff ein unerbittlicher werden sollte, dank dem durch Lügen und Grausamkeiten gesteigerten Hasse, der im Herzen der beiden Armeen brannte. Maurice verbrachte diesen Tag in der Gegend des Champ des Mar» und des Invalidenhauses, um sich langsam unter beständigem Gewehrfetter von Straße zu Straße zurückzuziehen; er hatte sein Bataillon nicht widerfinden können, er schlug sich mit unbekannten Kameraden, von denen er. ohne es zu merken, auf das linke Ufer geführt worden war. Gegen vier Uhr verteidigten sie eine Barrikade, die die Rite de rUniversite bei deren Mündung auf die Invalidenesplanade absperrte. Und sie verließen sie erst in der Dämmerung, als sie erfuhren, daß die Division Bruat, die längs des Kais herangekommen war, sich des Parlamentsgebäiides bemächtigt hatte. Sie wären beinahe gefangen worden und erreichten nur mit großer Mühe die Lillestraße, indem sie einen großen Umweg durch die Sainl-Doiuinique* und die Belleehasse- straße machten. Als die Nacht herniedersank, hielt die Armee von Versailles eine Linie besetzt, die von dem Tor von Vanves über das Parlamentsgebäude, den Elyseepalast, die Saint-Augustin-Kirche und den Bahnhof von Saint-Lazare bis zum Tor von Asniere* ging. Der nächste Tag. der 23., ein Dienstag mit einer hellen, warmen Frühlingssoniie, war für Maurice schrecklich. Die paar hundert Föderierten, denen er angehörte und unter denen sich Leute von verschiedenen Bataillonen befanden, hielten noch den ganzen Stadtteil vom Kai bis zur Saint- Dominiquestraße. Aber die meisten hatten in der Lillestraße biwakiert, in den Gärten der dort befindlichen großen Privathäuser. Er selbst war auf einem Rasenplatz beim Palast dir Ehrenlegion in tiefen Schlaf gesunken. Arn Morgen glaubte er, daß die Truppen vom Parlamentsgebäude hervorbrechen würden, um sie hinter die starken Barrikaden der Bacstraße zurückzudrängen. Allein die Stunden vergingen, ohne daß der Angriff erfolgte. Man wechselte immer nur von einem Ende der Straße zum andern vereinzelte Kugeln. Der wohlüberlegte Platt der Versailler, den sie mit vorsichtiger Langsamkeit entwickelten, ging dahin, nicht mit der Front auf die furchtbare Festung zu stoßen, welche die Aufständischen aus der Tuilerienterrasse geschaffen hatten. Sie hatten einen doppelten Umgehungsniarscb gewählt, links und rechts läng» der Wälle, um sich zuerst des Montmartre- und des Obser- vatoireviertels zu bemächtigen und sieh dann auf das gemeinsame Ziel zu werfen, um alle Teile der inneren Stadt wie mit einem ungeheuren Fangnetz in ihre Gewalt zu bekommen. Gegen zwei Uhr hörte Maurice erzählen, daß die dreifarbige Fahne auf dem Montmartre flattere. Die große Batterie von Moniin de la Galelle war von drei Armeekorps. die ihre Bataillone westlich durch die Lipic-, die Saulcs- und Mont-Cenisstraße auf den Hügel geschickt hatten, gleichzeitig angegriffen und weggenommen worden. Und die Sieger Überfluteten jetzt Paris, bemächtigten sich des Sainl-Georges- und des Notre Dante de Lorette-Platzes, des Bürgermeisteramtes in der Drouotstraße und des neuen Opernhauses, während auf dem linken Ufer die vom Friedhof von Montparnasse ausgehende Schwenkung den Enfer- platz und den Pferdemarkt eroberten. Mit Verblüffung. Wut und Schreck wurden die Nachrichten über die so schnellen Fortschritte der Armee aufgenommen. Wie, Montmartre war in zwei Stunden gefallen? Montmartre, die glorreiche, uneinnehmbare Feste des Aufstandes? Maurice nahm gut wahr, wie die Reihen sich lichteten, zitternde Kameraden «ich geräuschlos davonschlichen, sich die Hände wuschen und aus Furcht vor Gewaltmaßiiahmen eine Bluse anzogen. Das Gerücht lief um, daß bei Croix Rouge eine Drehung sich vollzogen hätte und der Angriff vorbereitet würde. Schon waren die Barrikaden der Martignac- und Bellechassestraße genommen worden, und man sali die ersten Rothosen am Ende der Lillestraße. Es blieben nur noch dir Ueberzeugten und Erbitterten übrig, Maurice und etwas über fünfzig andere, die entschlossen waren, zu sterben, nachdem sie möglichst viele Versailler erschossen hätten, die die Föderierten als Randiten behandelten und die Gefangenen hinter der Schlachtlinie erschossen. Seit gestern»ar der abscheuliche Haß gewachsen, es war der Kampf bis zur Vernichtung zwischen den Empörern, die für ihren Traum starben, und der Armee, die von reaktionären Leidenschaften glühte und außer sich darüber war, sielt nochmals schlagen zu müssen. Um fünf Uhr. als Maurice und seine Kameraden sich endgültig hinter die Barrikaden der Bacstraße zurückgezogen, indem sie feuernd von Tür zu Tür die Lillestraße hinabstiegen. sab er plötzlich einen dicken schwarzen Rauch ans einem offenen Fenster des Palastes der Ehrenlegion herausdringen. Es war die erste in Paris gelegte Feuersbruust. und in dem Sturm des grimmigen Walinsinns, der ihn mit fortriß, hatte er eine wilde Freude darüber. Die Stunde hatte geschlagen, da die ganze Stadt wie ein riesiger Scheiterhaufen aufflammen, da das Feuer die Welt reinigen sollte. Aber ein plötzlicher Anblick versetzte ihn in Erstaunen: fünf oder sechs Männer stürzten eilig aus dem Palast heraus, an ihrer Spitze ein großer Bursche, in dein er Chouteau, seinen ehemaligen Zugskameraden vom hundertundsechsten Regiment erkannte. Er hatte ihn bereits nach dem 18. März mit einem Käppi mit Goldlitzen gesehen, und er fand ihn nun in noch höherem Range wieder, überall mit Goldlitzen geziert, dem General- stah irgendeines Generals zugeteilt, der nicht kämpfte. Er Einsiedlers Sehnsucht Von Friedrich Nietzsche 0 Lebens Mittag! Feierliche Zeit! 0 Sommergarten! Unruhig Glück im Stehn und Spahn und^ arten! Der Freunde harr ich, Tag und Nacht bereit: Wo bleibt ihr. Freunde? Kommt's ist Zeit! s ist Zeit! Im Höchsten ward für Euch mein Tisch gedeckt: Wer wohnt den Sternen So nahe, wer des Lichtes Abgrundsfernen? Mein Reich— hier oben hab ich« mir entdeckt— Und all diea mein— ward» nicht für euch entdeckt? Nun liebt und lockt euch selbst des Gletschers Gran Mit jungen Rosen. Euch sucht der Bach, sehnsüchtig drängen, stoßen Sich Wind und Wolke höher heut ins Blau, Naht euch zu spähn aus fernster Vogelschau—— Da seid ihr, Freunde!— Weh, doch ich bins nicht, Zu dem ihr wolltet? Ihr zögert, staunt— ach, daß ihr lieber grolltet! Ich bins nicht mehr? Vertauscht Hand, Schritt, Gesicht? Und was ich bin, euch Freunden bin ichs— nicht.' Ein anderer ward ich und mir selber fremd? Mir selbst entsprungen? Ein Ringer, der zu oft sich selbst bezwungen. Zu oft sieh gegen eigne Kraft gestemmt. Durch eignen Sieg verwundft und gehemmt?— Ich suchte, wo der Wind am schärfaten weht, Ich lernte wohnen. Wo niemand wohnt, in öden Eisbärzonen,, Verlernte Mensch und Gott, Finch und Gebet, Ward zum Gespenst, das über Gletscher geht. Ein schlimmer Jäger ward ich: seht, wie steil Gespannt mein Bogen! Der Stärkste wars, der solchen Zug gezogen— Doch wehe nun! Ein Kind kann jetzt den Pfeil Dranf legen: fort von hier! Zu eurem Heil!— Ihr alten Freunde! Seht, nun blickt ihr bleich, Voll Lieb und Grämten! Nein, geht! Zürnt nicht! Hier— könntet ihr nicht hausen- Hier zwischen fernstem Eis- und Felsenreich— Da muß man Jäger sein und gemsengleich Ihr wendet euch? 0 Herz, du trugst genug! Stark blieb dein Hoffen! Halt neuen Freunden deine Türe offen. Die alten laß! Laß die Erinnerung! Warat einst du jung, jetzt v- bist du besser jung! Nicht Freunde mehr.— das sind, wie nenn ichs doch? Nur Freund-Gespenster! Das klopft mir wohl noch nachts an Hera und Fenster. Das sieht mich an und spricht„wir warens doch.'" — O welkes Wort, das einst wie Rosen roch! Und was uns knüpfte, junget Wünsche Band,— Wer liest die Zeichen, Die Liebe einst hineinschrieb, noch, die bleichen.' Dem Pergament vergleich ichs, das die Hand Zn fassen sehen!— ihm gleich verbräunt, verbrannt-—* 0 Jugendsehnen, das sich mißverstand! Die ich ersehnte. Dich ich mir selbst verwand verwandelt wähnte Da# alt sie wurden, bat»ie weggebannt: Nur wer»ich wandelt, bleibt mit mir verwandt! 0 Leben» Mittag! Zweite Jugendzeit! O Sommergarten! Unruhig Glück im Stehn und Spähn und Waii.o. Der Freunde harr ich, Tag und Nacht bereit: Der neuen Freunde! Kommt! s ist Zeit! s ist Zeit. (Gesammelte Briefe Bd. III, S. 243.) Aua Nietzsche» Briefen an H. v. Stein- erinnerte tick dessen, was man ihm erzählt hatte. Dieser Chouteau habe sich im Palast der Ehrenlegion niedergelassen und lebe da in Gesellschaft ejner Geliebten in beständiger Schlemmerei; er strecke sich gestiefelt und gespornt auf den großen und kostbaren Betten aus und zertrümmere des Spaste» halber die Spiegel mit Revolverschüssen; seine Geliebte fahre jeden Morgen unter dem Vorwande, ihre Einkäufe in den Hallen zn besorgen, in einem Galawagen au« und schaffe ganze Packe gestohlener Wäsche, Stockuhren und selbst Möbel beiseite. Als Maurice ihn und«eine Leute mit einer Petroleumkanne in der Hand laufen sah, empfand er ein Unbehagen, einen furchtbaren Zweifel, in dem er seinen ganzen Glauben schwankend werden fühlte. Das schreckliche Werk konnte also doch ein schlechtes sein, da solch ein Mensch daran mitarbeitete? Fortsetzung folgt) tipfon Sinclair* Stimme Neuyork, 1. September. tlpton Sinclair, der bekanntlich als Kandidat der demotra- »Ichen Partei für den Posten des Gouverneurs von Sali- körnten bei den Vorwahlen in der Partei nominiert wurde, bot Mittwoch im Radio eine Rede gehalten, die über alle kalifornischen Sender verbreitet wurde und i» der er auf Hitler anspielte. „(fö ist ouberordentlich bedauerlich," so erklärte Dinclair, »daß ein Demagoge die Macht in Deutschland an stch gerissen habe und dab ein großes zivilisiertes Land in me Hände von Gangsters gefallen ist." Auslro-rasditsmus Seitz weiter in Haft! Wien, 3k. August. Bürgermeister Tettz wird auch seit feiner Ucberführuiig in ein Sanatorium als Häftling behandelt. Er darf sich nicht frei bewege», darf keine Vefuche empfangen. Vor seinem Krankenzimmer halten ständig zivei Kriminalpolizisten Wache. Es ist also nicht wahr, daß Bürgermeister Seitz. der seit einem halben Jahr in„Unter- fuchunghaft" gehalten wird ohne daß jemals ein Prozeß gegen ihn stattfinden wird, von der Regierung Schufchn.gg freigelassen wurste. Seitz ist weiter Untcrjuchungshästling, mir mit dem linterschied, daß er seinen Aufenthalt in der Heilanstalt selbst bezahlen muß. Uebcrdies muß er der Po- i'zei die Kosten der Kriminalpolizei ersetzen, die ihn bc- wachen. Geändert hat sich also nur die Bezahlung. Slnch- die andern sozialdemokratischen Funktionäre sind weiter in Haft, obn'vhl auch gegen sie niemals c°n Prozeß stattfinden wird. Stadtrat Dr. Tanncberg ist vorüber- gehend ivegen einer schweren Stirnhöhlenciterung im Spi- tal, soll aber wieder ins Gefäiigtus zurückgebracht werden. General Körner sitzt ieit mehr als einem halben Fahr im Untersuchungsgefängnis. Selbst die Gesundheit dieses alten Soldaten hat schwer gelitten. Trotzdem wird er weder entlastet, noch vor den Richter gestellt. General Schneller, der niemals eine Funktion i» der sozialdemokratischen Par- tei oder im Schutzbund bekleidete, ivird weiter im Konzentrationslager gehalten. Die Brutalitäten des AustrosaschiS- wllS sind also durchaus nicht gemildert. Das ökumenische Konzil Die Hitler-Kirche in bedrängter Lage Kopenhagen, 31. August. sHavas.i Wie die„Berlinske Tidende" aus Fanö berichtet, hat die Ankunft des deutschen TberkirchenrateS Birnbaum am ökumenische» Kongreß der christlichen Kirchen großes Aufsehe» erregt. ES ist»och nicht bekannt, welche Haltung Birnbaum einnehmen wird. Man weiß nur, daß der Sonderbeobachter des deutschen Kul- tuSministcrS Jaegcr, Prof. Eisenhut, nach Berlin zurück- gerufen wurde, um Bericht zu erstalten. Bischof Hecke l fei von c i n e yt Beamten der deutschen G e h e i lull o l i z e i überwacht worden und Berlin habe Hcckel zu berstehen gegeben, daß man dort wisse, was er in'seinen pri- naten Besprechungen sage. Bischof Hcckel habe sei« Mög- l'chstes getgn. z» verhindern,^daß eine^zu listige Resolution gegen seine Kirche angenommen werde Das alles zeige. daß die deutsche offizielle Kirche noch lange nicht einig sei und eS löNne gesagt werden, daß die deutschen D e l-e g i e r t e n >» Fanö unter der.st ä u d i g en. F u r ch t vor Berlin lebten.......... Sllkzsmias Ins r.'nSzeng London, 1. Sept. Wie„Daily Mail" meldet, wurde am Freitag ein Passagierflugzeug aus dem Wege von Paris nach London mitten über dem Aermetkanal während eines plötz- lich ausgcbrochcncn Gewitters vom Blitz getroffen. Da.» Ge- ficht des Flugzeugführers, fein linker Arm und die linke Hälite seiner Kleidung ivurdeu versengt, aber der elektciiche schlag war nicht stark genug, um ihn dienstunfähig zu machen. El brachte das Flugzeug glücklich, bis n» seinen Bestimmungsort. Der Funkappara» lvurde zerstöre. Die Ursache öeS mcrkwtirdigen Unfalls wird darin erblickt, daß die Plötzlich- keil des Gewitters dem Fahrpersonal keine Zeit gelösten hatte, den Regeln entsprechend den Funkaufnahmeavparat außer Betrieb zu setzen. „Kraft durch Unterschlagung" Der nationalsozialistische Betriebsobmann Gustav Alberts in DuiSburg-Laar ist wegen Unterschlagung von 1200 Mark, die ihm für Urlaubsreifen von Bergarbeitern anvertraut worden»>aren, zu zwei Fahren Gefängnis verurteilt worden. „Greuelmärchen" im Gefängnis Das Berliner Sondergericht verurteilte den Angeklagten Falk, der im Gefängnis„Greuelmärchen" verbreitet hatte, zu einem halben Fahre Gefängnis. Stimmenmehrheit für Um den Ein.rhi der Sowjetunion in den VdiherOund Paris, de» 1. September. D'e französischen Morgenblätter kündigen die Ausnahme Rußlands in den Völkerbund als die Hauptschwierigkeit der VölkerbundSsitziing an. „Echo o e Paris" sagt, Frankreich und Großbritannien müßten alles tu», um die Zweidrittel-Mehrheit, die notwen- dig für den Eintritt sei, zu vereinigen- „I n l r a n s i g e a» t" meint, daß Rußland ja bereits seine Bedingung, es wolle feinen Beitritt nur bei einheit- lichem Votum vollziehen, fallen gelassen habe, und daß daher die vorgeschriebene Zweidrittel-Mehrheit für seine Zulassung wohl vorhanden sein werde. Denn es ist nicht anzunehmen, daß die Opposition die notwendigen 13 Stimmen ivird ver- einigen können. Der Beitritt Rußlands, so jagt das Blatt, sei von ungeheurer Wichtigkeit für Genf, denn ein Land, das 1311 Millionen» M-nscbcn ver're'e, fei für das Gle.ch- gewicht der Welt ein nicht zu unterschätzender Faktor. Daher solle Rußland in den Bvtkerbund eintreten. Räch dem„P etil P a r i s> e»" dürfte dl: Ausnahme SowietrußlandS in den Völkerbund wohl Ö e Regierung stark beschäftigen. Für die Aufnahme seien, soiveit biS'*1 bekannt, Frankreich, Großbritannien. Ftalien, dagegen seien die Schweiz, Holland, einige südamerikanische Staaten, Ca- nada und v'elleicht noch andere Länder. Trotzdem würde Rußland die Stimmenmehrheit zur Ausnahme erhalten. Aber es sei eine andere Frage, ob die zur Erlang«»« eines ständige« Ratssitzes erforderliche Einstimmigkeit erziel» werde. Nach dem„Petit Fournal" sei die Entsche'dnng über die Frage eines ständigen oder nichtständigen Ratssitzes für Rußland vorläufig zurückgestellt worden Sie werde ans die Einstellung des Völkerbundes Einfluß haben. Polnische Einwände Warschan, 1. Sept. Der polnische„K u r j c r Polsk i", das Blatt der regierungsfreundlichen Industriellen, erinnert dar^ an, daß Polen auf der nächsten Völkerbnndsnersammlung Sie Verallgemeinerung der Verträge zum Schutze der Minder- beiteu verlangen wolle Rußland sollte nur, ivenn es sich in dieser Richtung binden würde, zum Völkerbund zugelassen werden. Auch„Kurier P v r a n y" stellt sich aus diesen Stand- punkt. Fm übrigen meint das Blatt, es müßten an Rußland die gleichen Forderungen gestellt werden, die man seinerzeit an Polen, als dieses dem Völkerbünde beitrat, gestellt habe. Außerdem wenden sich die polniichen Blätter dagegen, daß Rußland einen ständigen Sitz in Gens erhalten solle, während Polen noch immer nur einen nichtständigen Ratssitz habe. Ablehnung in der Schweiz Die„Reue Zürcher Zettung"«ordert eine Prüfung Ruß» lands vor Aufnahme in den Völkerbund, die analog der- jenigen sein solle, der man seinerzeit Teutschland»nler- zogen habe. Geichehe dies nichi, jo würde die Schweiz nach dem Eintritt Rußlands in den Völkerbund an» wohl« erwogenen Gründen ausscheiden. Tie Schiveizer„L i g a f ü r E r i st e n t u>n" polemisiert in einer längeren Auslassung im Rainen der Menschlichkeit gegen die in Rußland geübte Unterdrückung der religiösen Freiheit. Aus diesem Grunde müsse die Liga für Christentum a»ch neuen die Zulassung Rußlands zum Völkerbund pro- testieren. ßöüöeriiaiMlc gegen Cbdrftn fxpreti munter! DandHen verüben e neu loieensrtrweren Anschlag an! d'e Otlthtnes'she Dahn Hsingking, 1. Sept. Ein neuer schwerer Zwischenfall, der in Verbindung mit dem russisch-japanischen Konflikt um die oft- chinesische Bahn sehr ernste Folgen haben kann, hat sich im Fernen Osten erx.ignet- Banditen ühersielen in der Nacht den Erpreßzug H si nQjCt>lg^.Eharbin. Dem Eisenbahnattentat fielen süns Reisende zum Opfer, über hundert Personen wurden zum Teil lebensgefährlich verletzt Unter den Toten befinde» sich drei japanische Professoren, Mitglieder der kaiserlichen Universität in Tokio, achtzig Passagiere des Rachtezpreß wurden von den Attentätern entführt, unter den gefangene» Geiseln befinden sich zwei japanische Offiziere und eine japanische Staatsangehörige. Der Anschlag wurde in der Rahe der Stadt Hinang chen Pao verübt. Eine mehr als hunderttöpsige Räuberbande hatte die Lasche» der Schienen gelöst, die Schwellen beseitigt und die Gleise aus einer Strecke von über 200 Meter aufgerissen. Ter Eharbin Erpreß konnte von dem Lotoniotivsührer nicht mehr rechtzeitig zum Halte» gebracht werben»nd entgleiste. Die Wnääims schoben sich ineinander und stürzten die Böschung hinab. Kurz nach dem Unfall stürzten sich die Ban- diien. die im Hinterhalt verborgen gelegen hatten, aus den Zug zu und plünderten den Postwagen«nd die Reisenden aus, ohne sich durch die Schmerzensschreie der unter den Trümmern Liegenden stören zu lassen. 30 Passagiere, die sich in den letzten Wagen befanden und mit heiler Hont da- vongekommen waren, wurden von den Banditen mit Wassen- geivalt gezwungen, sich zu ergeben und ihnen al» Geiseln zu folgen. Die Polizeibehörden haben die Verfolgung der„Land- piraten" sofort aufnehmen lassen. Von der Polizei l» Hsing- king ivird noch mitgeteilt, daß sich keine Europäer oder Amerikaner im Zug befunden hätten. * Fmmer neue SchreckenSmeldungen laufen über das Eisen- bahnunglück ein. Während im Ansang die Toten mit fünf angegeben wurden, icheint bereits festzustehen, daß nicht weniger als achtzehn Personen bei der Entgleisung ums Leben gekommen sind Vier Waggons sind gänzlich zer- trümmert. Die Banditen scheuten nicht davor zurück, Pasia- gieren die Finger und Ohren abzuichneiden, um sich in den Besitz von Ringen und Ohrringen zu setzen. Sie taten dies auch bei Schwerverletzten, die in den Trümmern des ZugeS eingeklemmt waren. Slraßbiirgcr Wodiensdisu . Straßburg, den 31. August 1934. " Stadt der Fremden P er Ferienmonat August war erfüllt von einem unablässig drängenden Fremdenstrom. Wer iu diesen Tagen die Stadt durchwanderte, der begegnete überall den mächtigen Frem- ' enverkehrsautobussen, die voll besetzt den Straßburger Sehenswürdigkeiten zustreben. In größeren und kleineren -»Uppen pilgerten die aus aller Herren Länder kommenden "eisenden durch die viel gepriesene Stadt, bestaunten das ehrwürdige Münster und die astrologische Uhr, ließen sich x°» dem Zauber der stillen Gassen gefangen nehmen und Vergaßen auch nicht den weltbekannten Gaststätten ihren f»esuch abzustatten, sich an den elsässisrhen Weinen und Spezialitäten sonstiger Art labend. Am allen Fischmarkt gabs So fcar schon neuen Wein, der alkoholfrei und„ungefährlich" trefflich mundete. fb'e neunte Slraßburger Mustermesse Auf dem ausgedehnten Gelände am Warken wird am heutigen Samstag die neunte Straßhurger Mustermesse eröffnet. Die Messe wird wieder wie in den vergangenen Jahren dag Interesse des kaufenden Publikums in hohen Maße ,llf sich lenken. Sie ist mit einer großzügigen Kochkunstaus- ••ellung verbunden. Die gesamte Ausstellung nimmt einen Raum von 64 000 Quadratmeter ein. Zur Unterbringung eines Salon d'Automobile wurde ein,e neue Halle von 80 Meter •*»nge und 32 Meter Breite erstellt. Von besonderen Verstattungen während der Messetage seien erwähnt: Luxemburger und Schweizer Tage sowie der Tag des Franche Comte, eine Rallye Automobile, die am zweiten Ausstellungssonntag *ur Austragung kommt, internationaler Pressetag. Rallye Serien, internationales Fechtturnier, Musikwettstreit, Blu- Snkorso. Nachtfest. außerdem Kindezfeste und einige Mih- Järkonzerte. Der Ausstellung, die vom 1 bis 16 September Lage sind, die Taxe zu tragen. Die Wirte hielten schon meh- Streit um die Biertaxe Zwischen den Brauereien und den Rrstaurateuren ist ein uäftiger Streit um die Fraee entbrannt, wer die neue Biertaxe von 3 50 Fr. pro Hektoliter tragen soll. Die Brauereien möchten diese Taxe gerne auf die Wirte abwälzen, diese hinwiederum sind der Meinung, daß die Brauer leichter in der Lage sind, die Taxe zu tragen. Die Wirte hielten schon mehrere Versammlungen ab. In einer der letzten beschlossen sie, sich mit aller Gewalt der Absicht der Brauer zu widersetzen, die Taxe auf keinen Fall zu übernehmen und es eventuell sogar auf einen Bierstreik ankommen zu lassen. Wer die wichtige Rolle kennt, die das Bier im leben der Straßburger spielt, der begreift auch die Leidenschaftlichkeit, mit der die Interessenten in dieser Streitfrage gegeneinander antreten. Schwarzhemden im Straßenbild Seit einigen Tagen sind hier die ersten französischen Faschisten in Uniform zu beobachten. Sie tragen schwarze Hemden und treten an verschiedenen öffentlichen Plätzen der Stadt als Verkäufer ihrer Zeitung auf. Ihr Auftreten verursachte schon öfters zu Raufereien, in deren V-r'-uf die Polizei eingreifen mußte. Die Trikolore über dem Hakenkreuz Eine besondere Ueberrascbung erlebte der Besitzer eines deutschen Wagens, der die Hakenkreuzfahne mit sich führte. Als er seinen Wagen, der am Kleberplatz stand, abfahren wollte, stellte er fest, daß die Hakenkreuzfahne mit einer Trikolore überklebt war. Die Ursache war folgende: eine empörte Menge versuchte zuerst die Hakenkreuzfahne zu entfernen. Als sie ein Schutzmann darauf aufmerksam machte, daß dies nicht gestattet sei. griff die Menge zur List und überklebte das verhaßte Abzeichen mit einer Trikolore. Daraufbin entfernte der Besitzer aus eigenem Autrieb die Aergernis erregende Flagge. Dreißig kaufen die„Deutsche Freiheit" Einem Verkäufer unserer Zeitung passierte vor einigen Tagen ein interessantes Erlebnis. Er traf vor dem Hauptbahnhof einen großen Ausflugsomnibus mit deutschem Kenn- aeichen. Weil er wußte, daß Deutsche, die in größeren Mengen Hier auftaueben, aus bekannten Gründen die„Freiheit" nur selten kaufen, wollte er, ohne eine Zeitung anzubieten, an dem Autobus vorübergehen. Der Chauffeur hatte ihn jedoch entdeckt und winkte ihm, näher heranzukommen. Nach einigem Zögern kam das VerkHilfsgeschäft in Gang. Alle dreißig Insassen des Autobus kauften sich je eine„Freiheit", in deren Lektüre sie sich sofort vertieften. Dadurch, daß jeder dieses„hochverräterische" Blatt kaufte, schützten sie sich vor späterer Denunziation. Die Goebbelschen Schimpfkanonaden gegen unsere Zeitung erhöhen ihre Beliebtheit, wie Beispiel zeigt. Wir danken dem Herrn Propagandaminister! Achtung Fotoamateure Es ist wichtig, einen Erlaß in Erinnerung zu bringen, der den Fotografen-erbietet, ohne besondere Erlaubnis in einem Umkreis von weniger als zehn Kilometer von einem militärischen Werk oder Gebäude zu fotografieren. Fremde sollten diese Anordnung besonders gut beachten, sie b>hren sich dadurch vor mancherlei Unannehmlichkeiten. Unwetter über dem Mittelelsaß Schwere Unwetter suchten in den vergangenen Tagen da» fruchtbare Mittelelsaß heim und richteten vieler Orts verheerende Verwüstungen!! an. Beschädigt wurden meistens Tabakkultliren und Weinberge. Der Gesamtschaden in der Schlettstadtcr und Benfelder Gegend beläuft sich auf mehrere Millionen Franken. Wieder ein Straßburger in Kehl verhaftet Ein Straßburger Bürger, Herr Max Enger der ch mit dem Fahrrad öfters nach Kehl zu Bekannten begab, wurde anfangs August, als er wieder einmal eine Fahrt nach Kehl unternahm, an der Rheinbrücke von deutschen Polizeibeamten v e r h a f t e t. Er wurde einem peinlichen Verhör unterzogen, indem er Auskunft über den Zweck seiner Besuche geben sollte. Diese Auskunft genügte aber den Beamten nicht. Sie lieferten Fuger ins Gefängnis ein. Dort wurde er noch mehrmals vernommen, wobei man ihm vorwarf, verbotene Zeitungen nach Kehl gebracht zu haben. Einen Beweis dafür konnten die Nazis jedoch nicht erbringen. Nach vierzehn- tägiger Haft wurde der Mann wieder auf freien Fuß gesetzt, »eine Grenzkarte nahm man ihm aller ah Herr Fuger te.'.t weiter mit, daß noch 17 Straßburger im Kehler Bezirksgefängnis sitzen, davon der größte Teil wegen Devisenschmuggel». E, D. Pariser Berichte Die großen Luftmanöver (Von unserem Korrespondenten) Paris, 1. September. Die gesamte französische Presse bringt spaltenlange Berichte über die großen Luftmanöver, die augenblicklich über Paris stattfinden, und die ähnlich wie vor einigen ^ neben die Londoner Manöver dem Generalstab Aufklärung bringen sollen, bis zu welchem Grade ein Luftschutz der Hauptstadt möglich ist. Gallus schreibt dazu im„Intransigean t", die Flugzeuge, selbst wenn sie erwartet seien, selbst wenn ihr Angriff durch die Angegriffenen selbst vorbereitet sei, kämen, ohne gesehen zu werden, träfen kein Hindernis und vollendeten ihre Aufgabe. Daraus scheine hervorzugehen, daß es keinen Luftschutz, sondern nur einen Luftangriff gebe. In einem Zukunftskriege könnten die deutschen Flieger Paris nach Belieben verwüsten und Frankreich könnte nichts tun, als seinerseits Berlin zu verwüsten. Das wäre vielleicht ein beachtenswerter Hinderungsgrund für einen Angriff, denn der deutsche Generalstab würde sich sagen, wenn er Paris zerstöre, so würden wir dafür Berlin zerstören und werde Nancy mit Bomben belegt, so geschehe das gleiche mit Köln. Er würde sich also fragen, ob Interesse für dieses schreckliche Spiel und seine unvermeidlichen Ver- geltungsmaßregeln bestände, oder ob es nicht den wahrscheinlichen Erfolg dahingestellt sein lassen würde. Diese Frage müßten selbst die Blinden nach den französischen und englischen Luftmanövern mit unerbittlicher T'.lar- heit stellen.„Der Luftkrieg," so sagte Gallus,„ist kein Kampf, in dem der mächtigere und geschicktere siegt. Er ist eine Kette von Zerstörungen, in der es nicht Sieger und Besiegte, sondern nur Opfer auf beiden Seiten gibt. Ich töte und folglich werde ich getötet. Der Mörder wird bald ein Selbstmörder sein. Der Angriff ist unabwendbar, aber der Gegenangriff auch. Und es gibt für die Menschheit dagegn ein Mittel:„uf die militärische Luftschiffahrt zu verzichten und sich zu verpflichten, kein Handelsflugzeug zu kriegerischen Zwecken zu verwenden. Aber wird das geschehen? Wir wünschten es. Aber die Frage bleibt, ob unsere Nachbarn, Freunde oder Gegner, auch in diese Abmachung willigen. Es heißt, daß die Frage in Genf gestellt werden wird. Warten wir ab.. Suianne und Ihr geheimnisvolles Kleid Eine Französin, Fräulein Suzanne Biget hat ein Bekleidungsstück erfunden, das nach ihrer Behauptung unverseng- bar, unbrennnbar, undurchlässig gegen Frost, Wasser und Feuchtigkeit ist und auch siegreich gegenüber der zerstörenden Wirkung von Säuren und der Zeit sein soll. Um zu beweisen, daß dieses Kleidungsstück tatsächlich all diese erstaunlichen Eigenschaften besitzt, hat Fräulein Biget Mittwoch in aller Oeffentlichkeit mit ihren Versuchen begonnen. Ein zahlreiches Publikum von Journalisten, Fotographen, Kinoreportern usw. war zugegen. Die ersten Versuche fanden bei der Insel Jatte in der Seine auf einem verankerten Brückenkahn statt. Ihre Begleiter warfen über Fräulein Biget einen mit Brennstoff getränkten Schleier, den sie anzündeten. Der Schleier verbrannte, während Fräulein Biget dank ihrer Bekleidung, die ein Mittelding zwischen Mechaniker- und Fliegeranzug darstellt und braun ist, unversehrt blieb. Dann ging Fräulein Biget ins Wasser und zwar zwischen die Schwimmer einer Eisfabrikationsanlage, da wo bereits das Wasser den Gefrierpunkt erreicht hat. Ihr ruhiges lächelndes Gesicht zeigte, daß die Kälte nicht durch ihre Bekleidung durchdringen konnte. In einigen Tagen wird sie den Kanal durchschwimmen und zwar wird sie sich durch ein Boot schleppen lassen. Sie wird sechs Stunden im Wasser bleiben und sie hofft auch den Nachbarn jenseits des Kanals beweisen zu können, daß dieser lange Aufenthalt im Wasser ihr gut bekommen ist dank ihrer neuen Bekleidung. Ins Füller eingenäht 640 000 Franken, 60 000 Dollar In L y o n ist der Polizei ein guter Fang geglückt. Sie verhaftete dort den Komplicen eines flüchtigen Pariser Bankiers, der verschiedene Lotteriegewinne seiner Kundschaft, darunter einen von einer halben Million Franken einkassierte und dann Ende April verschwand. In einem kleinen Hotel wohnte ein ärmlich gekleideter Mann, der sich im Hotel unter dem Namen Raymond Ponton- nier eingetragen hatte, auf der Polizei aber angab, Jean Gäbet zu heißen und eine Wählerkarte auf den Namen Lucien Duchesne besaß. Der Fremde balte teils in ein Taschentuch eingebunden, teils in das Futter seines fadesneheinigen Anzuges eingenäht 640 000 Franken und für etwa 60 000 Franken Dollars und andere fremde Noten. Er bekanntet dieses Vermögen im Spiel in den Kasinos der Cotc d'Azur gewonnen zu haben, gab aber von der Polizei in die Enge getrieben zu, daß er in Wahrheit Albert Decerf heißt und der Helfershelfer eben jenes flüchtigen Bankiers war. Decerf bleibt aber bei seiner Behauptung, daß das gefundene Geld sein Eigentum sei und zum Teil aus einem Lotteriegewinn stamme. Antrag zum 30. Weltfriedenskongreß Den 30. Weltfriedenskongreß, der am 1. September 1934 in Locarno zusammentritt und die organisierten Pazifisten der ganzen Kulturwelt vertritt, wird ein Antrag der Straßburger Sektion der deutschen Liga für Menschenrechte beschäftigen. Die Liga hat durch die Hand des Maire von Lo- corno den Präsidenten des Kongresses, den belgischen Senator La Fontaine, gebeten, sich in einer Resolution nachdrücklichst gegen die unmenschliche Behandlung der deutschen Pazifisten durch das„dritte Reich", gegen die völlig widerrechtliche Zerschlagung der pazifistischen Organisationen zu erklären und vor allem für die sofortige I rei- lassung aller Friedensfreunde, insbesondere von Küster und von Ossietzky, einzusetzen. Wie Pliö Sinclair-Lewis Goebbels und die Seinen erlebte Vonbon, 81. August. Mrs. Sinclair-Lewis(Thomson), die Gattin des amerikanischen Schriftstellers, referierte am Mittwochabend über die Umstände ihrer Ausweisung aus Deutschland. Sie betonte einleitend, das) sie die erste ante- titanische Journalistin sei, die ans Teutschland ausgewiesen worden sei. Alle ausländischen Zeitungskorrcspondenten in Berlin hätten ihr bei diesem Anlast ihre Sympathie aus- gedrückt. Tie von Reichsminister Goebbels ihr gegenüber eingenommene Haltung sei als symptomatisch von den ans- ländlichen Zeitungskorrespondenten angeschen worden. Mrs. Sinclair-Lewis stellte fest, dast die Isolierung der national- sozialistischen Revolution vor der Oeffentlichkeit einzig in ihrer Art sei. Wenn Teutschland erklärte, es werde nicht verstanden, so ist der Grund nicht in einer Art Berschwö- rung unter den ausländischen Aeitungskorrcspondentcn zü suchen, die den verschiedensten politischen Ansichten huldigen. Ter wahre Grund sei in dem vom Reichsminister Goebbels verfochtcnen Mystisikationsprogramm zu suchen. Tie natio- nalsozialistische Regierung kümmere sich nicht darum, ihre Taten mit ihren Worten in Einklang zu bringen. Wenn sie manchmal geruht habe, ihre Haltung zu erklären, so habe sie das mit solch eigenartigen Argumenten getan, dast kein ernsthafter Journalist sich von ihnen beeinflussen ließ. Endlich erklärte Mrs. Sinclair-Lewis. dast die Tätigkeit eines Journalisten in Teutschland fast unmöglich geworden H', dank der Wachsamkeit der Geheimpolizei. Der auslän« dische Journalist laufe Gefahr, seine Jrcunde in Teutsch- land in Gefahr zu bringen durch einfache Aufrechterhaltung von Beziehungen zu ihnen. BBIEEKASTEM Pfälzer. Sie übersenden uns eine Pfälzer Zeitung, die ein schöner Beweis dafür ist, wie sehr die Leute, die mit Nein gestimmt haben, unbehelligt bleiben. Das Blatt berichtet:„Klingenmünstcr, 22. Aug. Gestern war unser Ort in großer Aufregung. Beamte der Kriminal- polizet Ludwigshafen verhafteten mehrere Angehörige der DJK., die Betätigungsverbot hat. Den Verhafteten wird zur Last gelegt, ver- betene Berfammlungen und Geheimsitzungen an abgelegenen Stellen auf dem Treitelskopf abgehalten z» haben. Bon hier wurden verhaftet: Jakob Bernzott, Adrian Staitz, Karl Lang, Heinrich Langer, feriwr zwei Personen aus Silz und drei aus Göcklingen: weitere Verhaftungen stehen bevor. Die Untersuchung hat bei einzelnen Häftlingen schon bemerkenswertes Material ergeben. Hoffentlich gelingt es, den ganzen Herd zu erfassen, insbesondere den oder die geistigen Anführer und Aufrührer.— Nun erklären sich auch die 48 Neinstimmen vom Tanntag." Landau. Ihnen haben wir für die Ilebersendung der„Pirmasens« Zeitung" lNr. 198) zu danken, die über die Saarkundgebung von Ehrenbreitstein berichtet:„Tie Saarländer stehen überall im Mittel- punkt der allgemeinen Freude. Ernst werden die Mienen der Zu- Hörer nur dann, wenn die Gäste von ihren Leide» und Bedrückungen erzählen, wenn fie davon sprechen, was sich die art- und landfremden Elemente des Saarlandes Tag für Tag zuschulden kommen lassen an Quälereien, Denunziationen, heimtückischen Angrissen auf alles, was im Saarland dentsch fühlt«nd deutsch ist. Aber die Freude, endlich einmal— und sei eS auch nur für einen oder zwei Tage— aus all dem Kummer und Leid herauSgestommen worden zu sein, überklingt doch immer wieder alle schweren und ernsten Ge- danken. Man sreut sich, unter den deutschen Brüdern und Schwestern zu sein, ohne Angst und Sorge das sagen zu dürfen, was einen drückt »nd solange schon gepeinigt hat."— Endlich waren die Saarländer im Land der freien Rede und der weniger freien Kon-entrationS- lager! Maßenhast lagen in Koblenz die Steine, die ihnen vom Herzen gefallen waren. Aller Volksbühnen-,>reund. Es ist leider richtig. Der alte Kurt JBaake von der Leitung der einstigen ,,Volksbühne", nach der Um- walzung von 1918 einige Zeit Staatssekretär und Ehes der Reich?» kanzlei, wandelt schwerfällig hinter der Fahne Hitlers. Er ist einer der Schuldigen an der flinke» Gleichschaltung der„Volksbühne" und ihres Berliner schönen Theaterhauses. Heute steht sie nicht mehr unter der Leitung sorgfältig wägender, ihren Mitgliedern verantwortlichen Männern und Künstlern. Sie ist dem Führerprinzip untergeordnet: "iihrer ist der Intendant Graf Solms. Es ist bloß keine„Ge- folgschaft" mehr da, außer„Kraft durch Freude". Das aber ist keine Angelegenheit des Theaters, sondern des Kommandos. Literatur „Die Neue Weltbühne", Prag X, Zizkova 4c. Tie neue Nummer bringt einen prinzipiellen Artikel zur Einheitssront von S. Aus- user. lieber englische Politik schreibt I. H a l p e r i n,„Fern- Mt" heißt der Artikel von Hermann«udzislawski. Außerdem enl- hält die Nummer einen Aufruf von Werner Türk zur Gründung der FreiheitSbibliothek in Prag, ein Porträt von Waldemar Grimm „Meigner", die Wochenschau des WeltfaschismuS und des Wider- standes und einen Aufsatz von einem Japaner über japanische Bauern. Das„Neue Tagebuch" lNr. stäl ist soeben erschienen. Aus dem Inhalt: Die Woche: Studenten erwachen: Macht Schacht Deflation?! Man kaust Diamanten: Leopold Schwarzschild:„ES muß was ge- ichchen": Joachim Haniil: Herr Thyssen gibt eine Bilanz,„Eine besonders schmutzige Methode": Joseph Roth: Die Juden und die Nibelungen: Ludwig Marcuse: Erasmus von Wien: Miniaturen. „Europäische Hefte", Nr. 29, soeben erschienen. Aus dem Inhalt! Umschau: Gregor Bicnstock: Japan zwischen Krieg und Frieden? Bernhard Menne: USA.-Ausmarsch am Pazifik: Willi Schlamm: Wird Oesterreich Großmacht?: Stanislaw Miclezinski: Polnische Staviskiade Und wenn der Krieg ausbricht?: Erich Wollenberg: Lit- winow und die„Einheitsfront": Notizen. Für den Gesamttuhalt verantwortlich: Johann Pitz In Dud- weiter: kür Inserate: Ctto Kuhn In Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Volkssttmme GmbH„ Saarbrücken 8» Schüycnstraße 5.— Schließfach 776 Saarbrücken. [GOTTESDIENST| AN DEN HOHEN JUEDISCHEN FEIERTAGEN veranstaltet von der Association des Ernigris Israel d'Al'emagne en France. RAUSCH HASCHONOHi So'ntag. den 9, September, abends, 10. und 11. September JAUM KIPPURt Montag, den 18 September, abends und Dienstag, den 19. September. Wagram«Saal 39, Avenue de Wagram(Metro Etoile und TerneO Deutscher Ritus mit Orgel, unter Mitwirkung von Mitgliedern des O« atorienchors„Pkilharwoma" Dirigent Kapellmeistei L=»nde. Deutsche Predigt an allen Festtagen Finlasskarten von 10 bis 50 Frs.(zuzüglich Steuer) sind zu Haben wochentags vormittags von 11-12 Uhr, na.hmittags von 5—6 Uhr, Sonntag vormittag von 11— 12 Uhr bei Martin Dosmar, 78, rue Biomet, Paris 15e. Dr. Theodor Tichauer. 3 rue Georges-Courteline. 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Dr. es-sciences occultes Astrolo ie, Chiromanda Cartomancie,Psychoanalyse spricht geläufig deutsch 62, rue de la Rochefoucauld(i. Hof, Tr. C, 2. Stock rechts Täg ich 2—7 Uhr außer Donnerstags— Metro: Piga l c Internationales Jierziliefkes Bulletin Zentralortfan der Internat.Verelnitfuntf sozialistischer Ärzte Das 1 Ä B. brachte u a folgende Beiträge: Der Appell von Prof. Sauerbruch und unsere Antwort Liste von gemaQregelten Professoien der Medizin Dr. Neveklufova: Zum Bonnhoeffer-Gutachten im Lall Lübbe Dr. Viktor Haas: Arbeiterschutz und Arbeiterversicherung im Bergbau Dr. Arnold Höllischer: Wien Dr. Theodor Gruschka: Die Medizin der Primitiven Die Vivisektion des Proletariats Dr. Emil Franzel-Prag: Die geistigen Arbeiter und der Kampf gegen den Faschismus Dr. Gertrud Lukas: Kritische Gedanken zur Sterilisation sfrage Dr. Bäla Totis-Budapest: Rassenreine Sterne An die geist gen Arbeiter aller Länderl Dr. Silva: Soziale Lage und Aerzteschaft im neuen Deutschland Prof Bronner-Moskau: Die Erfolge der Sowjetunion bei der Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten Dr Bruno Waller: Kampf gegen den Krieg! Dr Ed Koechlln-Basel: Gedanken zur Ausgestaltung der Krankenfürsorge In der Schweiz Dr. I-eslie J Harris-Cambridge: Ernährungsfragen Prof ful Tandler: Chinesische Spitäler Dr. Karl Evang-Oslo Rassenhygiene und Soziallsmus Dr Ferenc Jahn-Budapest: Faschismus u Sozialpolitik Dr Paulette Brupbacher-Zürich: Die Prophylaxe in der Sowjet-Medizin Piste in Nntamri CSF. c.n, cbla Kc 5., roc.a Kc 30.-: Pia«. Fr«'.30. n.r aa Fra 23.- at frai» äa porto; EnglanS ,h 0.75, yaarly«h 7.50 pla, ao.iait; Pobka ZI 0.75. rocxrla ZI. /.SO; Schwei, Fra 0.60. J.brlich Fia Oibamarfc K 0 70, jiHrlick K 7- u w Radaktion at adminlatration i Praha XII„ Caslavska 15 IskwaliarisoKaa aas aistssiichea »oratwarangaachlfl» IsshasblakaraL aoaShsrsl. Falsa«S Ilten Jxaduits Jihmid 78, Boulevard da Strasbourg, 8. rus St. teures! JUlÜS, tat iara Sa ffsi Ttlsfon 4 Linien vereintet anter 80TZARIS 61.tt Lesen Sie die Deutsche Jxeihei? Einzigste unabhängig« Tageszeitung Deutsch- lands SOEBEN ERSCHIEN: L. 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