Sinzigs unabhängige Tageszeitung veuischlands ttr. 219— 2. Jahrgang Saarbrücken, Dienstag, 11. Sept. 1934 Chefredakteur: M. Braun Die ersten Genfer Saardebatten haben begonnen Seite 3 So sieht das Ausland ifchacht Seite 4 Die Verständigung zwischen Jxankreich und Jialien Seite 8 Lammcnnann-nord- ohne Sühne Neue Einzeiheifen Ober das Plauener Verbredien- Mörder aus„Webereller" freigelassen Aufredife Gegner bleiben im Konzentrationslager: Das ist die insliz des„drillen Reidies" Nürnberg und Genf scheint eine Ewigkeit her zu sein, daß der deutsche Aeichskonzler Adolf Hitler gen Süden flog, um in J-oeiieoig mit seinem Diktatorkollegen Mussolini zu- wmmenzutreffen. Wir kennen die Bilder, die beide vor e" jubelnden Volksmassen zeigen. Wir erinnern uns °er tonenden Berichte in den gleichgeschalteten Zeitungen, £'e Hitlers überragenden außenpolitische Fähigkeiten pr>e,en und sich nur noch nicht recht getrauten, den deut- chen„Führer" weit über den italienischen Duce zu er- heben. Wenn man daran geglaubt hätte, wäre man tief beeindruckt gewesen von dem Bündnis der beiden auf- I-rebenden jungen antifaschistischen Mächte gegen die ver- linkende greise westeuropäische demokratische Welt. Deroische Führergestolten gegen die alten ausgedienten Parlamentarier ohne Schwarzhemd und ohne Braun- nemd die etwa in Paris sich vor Kammer und Senat zu rechtfertigen hatten. .® s scheint eine Ewigkeit her zu sein, und doch sind "'cht hundert Tage seitdem vergangen. Welch ein Szenenwechsel. Derselbe Mussolini, der im Juni auf dem Markusplatz zu Venedig mit großer Geste Italiener auf seinen Gast und Schüler aus dem forden hinwies, damit er Anteil habe an der brausenden Ovation, hat nun in Bari über den deutschen Diktator und dessen Bewegung in so herabsetzenden Worten ge- wrochen. wie sie selbst bei heftigen Gegensätzen zwischen '-taatsführern nicht üblich sind:„Dreißig Jahrhunderte unterer Geschichte gestatten uns, mit souveränem Mitleid . uf gewisse Lehren zu schauen, die jenseits der Alpen von .?n Nachkommen von Völkern gepflegt werden, denen >e Schrift noch unbekannt war, so daß sie keine Ur- »unden über ihre Existenz zu einer Zeit zu erbringen ermögen, da Rom bereits einen Cäsar, einen Virgil, e-nen Augustus besaß." . Das ist der Rausch des nationalistischen Ueberschwangs, er eben erst aus Nürnberg mit Pauken und Trompeten oU uns drang, ins Italienische übertragen. In den zweitausend Iahren, die Mussolinis Erinnerung seinem Römerstolze rückwärts blickt, haben die Deutschen etliche kulturelle Leistungen aufzuweisen, die uch durchaus neben den römischen der Antike sehen lassen nonnen. und gerade Mussolini Hot darüber schon ganz vernünftige Ansichten geäußert. Wenn er jetzt in großen Zeilen des deutschen Volkes einen nationalistischen Kult erlebt, den jeder gesunde Menschenverstand ablehnt, so ibllte Mussolini nicht vergessen, daß er in seinen tollsten S^'ten Reden über die europäische Mission seiner faschisti- !^}£ n Staotsideen gehalten hat. die so unerträglich waren das. was Berlin seit dem 30. Januar 1933 außen- politisch produziert. Mussolini ist Hitlers Vorbild. Wenn Allerdings der Italiener seinen deutschen Nachbeter und Nachaffer für unzulänglich hält, wollen wir ihm nicht ""oersprechen. Die deutsche Regierungspresse antwortet Mussolini ^°cht kleinlaut. Sie findet mit zarter Höflichkeit die s^ede des italienischen Staatschefs„befremdend" und nellt Mussolini das Zeugnis aus. daß er„sehr un- beherrscht" spreche. Wahrscheinlich halten sich die Herren Hitler, Goebbels und Göring für Redner von muster- die Verhandlungen hingewiesen, die im Geiste der Zu- posier Selbstbeherrschung und hoffen, daß Mussolini durcss sammenarbeit zwischen beiden Regierungen schweben. weise Abaeklärtheit Berlins an die Seite der deut- Deren Ziel ist die internationale Garantie der Unab- f*.! hangigkeit Oesterreichs, die Italien am Brenner sichert. ■-- e. W. a aaa... 1 T-L a.Ci f 1 X— a.»-*f- J',' r P In Planen im Vogilande gab es Ansang August eine Beisetzung, die in ihrer prunkvollen äußeren Ausmachung bei- nahe einem Staatsbegräbnis gleichkam. Man begrub die Urne des Gymnasiastc und Hitlerjungcn Lämmermann, der einige Wochen vorher im Zuge der„Säubernngsaktion" in schauerlicher Weise ermordet worden war. Unter Bei- bringnng von Dokumenten hat die„Deutsche Freiheit" zuerst die grauenhasten Einzelheiten des Falls veröffentlicht. Die nachträgliche Rehabilitierung ihres Sohnes hatte die Mutter Lämmermanns nur der Tatsache zu verdanken, daß ihr Mann als hoher Offizier im Felde gefallen war und sie dadurch „hohe" gesellschaftliche Kreise in Bewegung setzen konnte. Am Grabe hielten die Priester feierliche Weihreden. Auch der Führer spendete eine» mächtigen Kranz mit einer Riesen- schleise... Jetzt werden weitere Einzelheiten bekannt, die erkennen lassen, welche Untat hier an einem Jungen, der Schule noch nicht entwachsenen Menschen verübt wurde. Man hatte ihn unter der Anschuldigung, er sei ei« Kurier des erschossenen Truppensührerö H yns zu Röhm, buchstäblich zu Tode geprügelt. Nachher»ersuchten seine Mörder, den Fried- hoföwärter zu zwingen, die Ueberreste zu beerdigen. Die Wärter aber weigerten sich und forderten die Sterbeurkunde. Darauf wandten sich die braunen Mörder an den Kremato- riumsdiener mit der Forderung, er solle den Sack mit der Leiche verbrennen. Aber auch dieser weigerte sich. Erst als der Plauener nationalsozialistische Stadtverordnete und Arzt Dr. Elauninger die Todesurknndc ausstellte lderen In- halt noch unbekannt ists» wurde die Verbrennung durch- geführt. Es versteht sich von selbst, daß die Mutter den er- schlagencn Körper ihres eigenen Kindes nicht mehr gesehen hat. Schon bei der ersten Veröffentlichung hatten wir geschrie- ben, daß den Mördern Lämmermanns wohl kaum etwas ge- schchen würde. Ihr„Führer" hatte sie schon im voraus amne- stiert. Ihre Tat fiel ja unter„Uebereifer im Dienste an der nationalsozialistischen Bewegung", die Straffreiheit garan, tierte. Die an dem Morde beteiligten Führer der Hitler- jugend sind jetzt bekannt. Es sind der Oberbannsührer Gebiet Vogtland Melchior und der Sturmführer Süß, beide Kameraden des Ermordeten. Verantwortlich sind ferner der Brigadcführcr Heß und der Stadtverordnete Dr. Elan, n i n g e r. Alle vier wurden verhaftet. Inzwischen hatte die Mutter Lämmermanns erfolgreich den Beweis geführt, daß ihr Sohn mit einer Verschwörung gegen Hitler nicht daö mindeste zu tun hatte. Sie war mit ihrer Schwester nach Ber» lin gefahren, um bei Hitler persönlich vorstellig zu werden. Der„Führer" war jedoch sür die Mutter des ermordeten Hitlerjungcn nicht zu sprechen. Göring sagte ihr Genugtuung zu, forderte jedoch von ihr voll- kommenes Stillschweigen. Das Schweigegebot konnte jedoch nicht verhindern, daß der furchtbare Mord in alle» seinen Einzelheiten in Kürze bekannt wurde. Noch in der Stunde der Einäscherung wußte die Mutter freilich noch nicht, ob in dem Sarg nicht schon das Häufchen Asche ihres Sohnes lag oder wirklich der granenhast zugerichtete Körper... Was ist aus den Mördern geworden? Stehen sie vor der Aburteilung? Der am schwersten belastete BrigadesührerHeßistausderHastentlasscn worden. Man rechnet damit, daß auch die anderen Be- schuldigten i» Kürze in dem vollen Besitz ihrer Freiheit sein werden. * Das ist die Amnestie im„dritten Reiche". Kein Pg.« Mörder braucht sich Gedanken wegen einer Bestrafung zu machen, auch nicht beim Morde eines unschuldigen Käme, raden. Als damals die entsetzliche« Mißhandlungen in Stettin bekannt wurden und Göring in aller Oesfcntlich, fett eine harte Sühne ankündigte— was geschah? Die bestialischen Banditen wurden nach einigen Wochen, obwohl offiziell harte Zuchthausstrafe» über sie verhängt worden waren, sämtlich entlassen. Es ist alles„rechtens". In Nürnberg hat der Justizbevoll- mächtigte des Führers, Dr. Frank, wieder einmal ausge« sprachen» daß das liberalistisch-individnelle Recht des Ein- zelnen ausgelöst sei. Sein Recht gelte nichts gegenüber den Interessen der Allgemeinheit. Darum wird der Fall Läm- mermann befehlsgemäß von der Presse totgeschwiegen. Darum gibt es keinen Kirchenprotest gegen die viehische Nicdertrampelung eines Hitlerjungen. Gefangen bleiben und in Konzentrationslagern gequält werden Männer, die zwar keines Mordes, wohl aber einer Gesinnung schuldig sind. Dr. Miere ndorss, Dr. Schuhmacher, Thälmann, Ossietzky, Neu- bauer und zchntausende anderer sind nach wie vor in den Händen der Henker und Banditen des„dritten Reiches". Die Mörder in betreßten Röcke« und mit Ranglitzen machen inzwischen unter dem Protektorat ber oberste« Instanz muntere Karriere. voyageur für lieferungen au Er bereitet Führer, der französische Heereslieferant Röchling, vor etlichen Diplomatentüren. Indes ist nicht sicher, ob er als deutscher Politiker oder als internationaler commis eine Betriebe mit Offerten für Rüftungs- 'tritt. in Genf die Niederlage des„dritten Reiches" an der Saar vor, wie sein hoher Chef in Berlin die deutsche Niederlage an der Donau besiegelt hat. Oesterreich ist weit von Deutschland abgedrängt, und das ist allein die Schuld der verrückten gewalttätigen Expan- sionspolitik des Nationalsozialismus auf österreichischem Gebiet. In derselben Rede, in der Mussolini mit Hohn und Schimpf über das„dritte Reich" sprach, hat er Worte herzlicher Freundschaft an Frankreich gerichtet und auf V!. m««(lAHVTMUAOa ta:^- 1.. f.. aa Sa.' fi«- frfTp'~X l' C fr.Siaatsführer zurückgeführt werde .. s.instweilen ist Deutschlands Isolierung vollständig. Es kntz'Ä außenpolitischen Mitwirkung ausgeschlossen de»^eibt außerhalb aller europäischen Kombinationen, aen es nur noch als Objekt zu dienen hat. dun® en^ vollziehen sich alle Beratungen und Entschei- ^"gen ohne und gegen Deutschland. Rußlands große zum Völkerbund hin, die Beratungen über Cef• Qn*)ec® 0Qr un^ Schicksal Deutsch- nrr rreid>. s: niemand kümmert sich darum, was das »dritte Reich" dazu denkt und sagt. Nur einige Mose deutsche Beobachter sind in Genf, und für die """chen Front" dex Saar anticksambriM deren und die wirtschaftliche Organisation der Donaustaaten, die Oesterreich wirtschaftlich lebensfähig erhält. Darüber hinaus hat Italien die kühne Konzeption eines all- gemeinen Donaupaktes, der außer der Kleinen Entente Oesterreich, Ungarn. Polen und Italien umfassen soll. Ob nun dieses Ziel in absehbarer Zeit erreicht wird oder nicht, das„dritte Reich" hat nun glücklich an allen Grenzen Deutschlands jede außenpolitische Chance ver- spielt. Wenige Wochen haben genügt, jeden Gedanken eines internationalen faschistischen Blocks in Träume zerflat Drähte zerrissen sind, werden sie zwischen Paris und Rom enger geknüpft, als bis vor kurzem Italien und Frankreich hoffen konnten. Von Nürnberg her dröhnen nationale Kraftsprüche zu uns, aber die Tatsachen reden eine andere und sehr un- widerlegliche Sprache: das„dritte Reich" hat Deutsch- land in die Vereinsamung und in die Verachtung wieder hinabgestoßen, die es im Kriege und unmittelbar danach umgaben. Hitler hat alles vertan und verwüstet, was außenpolitisch in vierzehn Jahren Republik für Deutsch- land gearbeitet und erreicht worden war. Seine Worte sind Phrasen. Seine Taten sind nationale Katastrophen. Die„Dubenparade" Gutgläubig und niedlich PariS, 9. September 1984. Zu dem Ausmarsch der 90 000 Jugendlichen in Nürnberg, schreibt der„Jniransigeant", man habe gut reden, daß cö sich hierbei nur um eine friedliche Manifestation handle. Viel- mehr seien diese ganzen Kundgebungen ihrer ganzen Auf- machung nach militärische Hebungen erster Ordnung. „Journal" gibt unter der Uebcrschrist„T»e Bubenparabe ans dem Nazikongreß in Nürnberg" einen zwei Spalten langen Bericht über den Aufmarsch der Jugendlichen. Ter Berichterstatter schreibt, die Kinder hätten sich unendlich ab- gemüht und einen Höllenspektakel mit ihren Musikinstru- menteu vollführt. Dabei seien diese Knirpse so gutgläubig und sie seien so niedlich anzusehen, wie der kleine„Quer- te-Mj! LK«. WM S*&G3 ÄT Öttf^kannten«'ld des französischen Malers' Ein« Warnung der ,,Prawfla"^ VOrhOlCH Ö€5 SOZlOlISflSdlCIl MlVSSMVS Tie„P raivbe" kommentiert ironisch und doch bitter W,# Die„V o k k S st i m m e" berichtet: Samstagabend gegen 11 Uhr erschienen vor der Wohnung des früheren Aeichsinusikleitcrs der NSDAP., <•«iA.-Leuie unter Füh. Front" in Nen ien, gewaltsam i 0 P I r SA.-Leute st wilde Drohungen gegen Hillebrand aus, u.a.:„Did ichlagen wir tot, wir schneiden dir den Hals ab!" Einer °er Leute wollte eine Ajf holen, um die Hausti'ire einzuschlagen. Lehrer Barth, der wohlgemerkt Führer der deutschen Front' in Nentrisch ist, stand dabei und unternahm nichts gegen diese Drohungen seiner Partei- Und Gesinnungsgenossen. Durch den Lärm wurde die Nachbarschaft aufmerk- law, auch der Hauswirt erschien, so daß die gewalt- tätigen Deutschfrontler ihr Borhaben aufgaben. Zn- Zwischen war das Üeberfallkommando alarmiert worden, so daß die Täter gestellt werden konnten. Es handelt sich um den Lehrer Barth, um Louis Wolf und Erich König aus Nentrisch. Hillebrand ist. wie wir meldeten, erst vor wenigen Tagen von Deutfchfrontlern schwer mißhandelt worden und liegt noch w>t gefährliche» Kopfwunden danieder. Das ist wieder einer icner Terrorfälle. die die sogenannte„deutsche Fronr" abzu- leugnen versucht, um vor der Völkcrbuudskommisston rein und unschuldig dazustehen. Vordergrund des Interesses nicht nur der Völker- bundsvcrhandlung in Gens, sondern auch der französischen Presse steht augenblicklich das Zaarproblem. Kein Tag vergeht, an dem nicht die Blätter aller Richtungen diese oder jene Neuigkeit über das Eisenerz- und Stein- kohlenland bringen, das am t3. Januar lSSZ mit seinem Votum vielleicht das Schicksal Europas entscheidet. „Excelsior" fragt, welche Wirkung die französische Tenk- schritt auf die Gesinnung der Saarbcvölkerung haben werde, und was die saarländischen Anhänger des Status quo von der Beratung in Genf erwarten und erhoffen? Michel G o r e l, der bekannte Berichterstatter des„Excelsior" hat mit einer katholischen Persönlichkeit, die von Rom kommend, sich nach dem Saargebict begeben wollte und im politischen Leben der Weimarer Rcpublick eine große Rolle spielte, eine ll n t c r r c d u n g über die Saarfrage gehabt. Tiefe für den Status quo energisch eintretende Persönlichkeit meinte, die französische Denkschrift >ei ausgezeichnet, aber sie verkenne etwas die gegenwärtige Stimmung der Saarländer. Für das Saargebiet sei im Augenblick der WirtschattSfaktor nicht von entscheidender Wichtigkeit. Jedermann wisse an der Saar, daß w i r t- s ch a f t l i ch bei der Entscheidung für den Status auo oder für eine Vereinigung mit Frankreich alles zu gewinnen sei. während bei einer Rückkehr zum Reich alles Arbeit, Geld, Absatzwege— verlieren würde. Frankreich habe wohlmei- ncnd und logisch gehandelt, als es versprach, an eine un- abhängige Saar die Minen vorteilhaft abzutreten. Aber, so schloß diese Persönlichkeit ihre Ausführungen, Logik und gesunder Menschenverstand haben in einem Landstrich ihr Recht verloren, in dem Fanatismus und Verblendung einerseits und Schrecken und Entsetzen andererseits die Oberhand gewonnen haben. Zu den Ausführungen, die der französische Außenminister Barthou im Völkerbund über die Saarsrage gemacht hat, meint das gleiche Blatt, niemand hätte den Saarländern einen besseren Beweis von Frcisinnigkeit geben können, als dies die französische Regierung durch ihre Auffassung des Saarproblems getan habe. „Figaro" begrüßt gleichfalls die Ausführungen von Hernn Barthou in Gens, die, wie das Blatt sagt, erforderlich waren, weil die französische Denkschrift eine teilweise bös- ivillige Auslegung erfahren habe. Tie schon bekannten Methoden der deutschen Propaganda finden naturgemäß auch bei der Saarsrage ihre Anwendung. So teilt der Be- richtcrstatter des„Petit P a r i s i e n"(». September Nr. 21012) seinem Blatte mit, daß in einem der größte» Hotels des Haag, das von bekannten ausländischen Persönlichkeiten bevorzugt wird, alle dort weilenden Reisenden im verschlossenen Briefumschlag mit N a- mensanschrift ein Schreiben der deutschen Propaganda in englischer Sprache erhalten haben. In diesem Schreiben werde die Soarfragc behandelt. ES enthalte heilige Bor- wiirtt gegen Frankreich, aber auch der Völkerbund werde nicht verschont. Barthou scharf gegen Terror i„I Ganz unerwartet kam es am Samstag zu einer Saar- debatte. Nach dem Bericht des Barons A l o i f i, dem Vorsitzenden des Treierkomitees, nahm der französische Außen- minister Barthou das Wort. Er ivandte sich energisch gc- gen den Terror an der Saar und erklärte u. a.: „Ich stelle fest, daß das Treierkvmitee der Unparteilichkeit, von der es sich seit seiner Konstituierung leiten ließ, treu gc- blieben ist. Ich werde bei dieser Gelegenheit nur aus ein Wort des Berichtes eingehen: Im Namen des Treicraus- schusseS stellt Baron Aloisi fest, daß sich in den Monaten Juli und August unter dem Borsitz von Rohde die Tinge normal entwickelt haben. Was die Arbeiten der Abstimmungskommission angeht, so stimmt das. Ich muß jedoch dem Rat ganz ruhig sagen, daß sich gestern und vorgestern böse Zwischenfälle abgespielt haben. Ich will sie jedoch nicht verallgemeinern und stelle sie nur fest. Ich drücke nur den Wunsch aus, sie mögen sich nicht erneuern und vor allen Tingen nicht schwerer werden. Barthou betonte sodann, die französische Regierung werde die »» «ur eine freie Abstimmung gilt Ergebnisse des Völkerbundes, wie sie auch immer seien, an- erkennen. Tie französische Regierung wolle lediglich, daß sich die Volksbefragung unter freien und unparteiischen Ve- dingungen abspiele, und daß diese Voraussetzungen, die der Vcrsailler Vertrag vorsieht und die durch den Völkerbunds- rat in seiner letzten Sitzung präzisiert ivordcn seien, von jedermann respektiert würden. Barthou schloß mit den Worten:„Daß die Bevölkerung frei sei, daß sie unter dem Schutz der Vertragsgarantien und der Entscheidungen des Völkerbundes sagen kann, was sie will, ohne daß irgendeine Drohung im Augenblick oder für die Zukunft auf ihr lastet, — daS ist der Wille des Vertrages, das ist der Wille deS Bölkerbundsrates, das ist der Wille der französischen Re- gierung. Allein die Saarländer können über ihr Schicksal entscheiden." Tic Vollmachten des Treierkomitees wurden vom Rat erweitert. Das Komitee wurde mit der Bearbeitung der durch die französische Saardenkschritt ausgeworfenen Fragen beauftragt. Tie nächste noch im September stattfindende Ratssitzung wird sich endgültig mit der Saarfrage befassen. »Deutsche Freiheit", Nr. 210 ABBÜ7 UND WIRT5<üA7f Saarbrücken, 11. Sept. 1931 Der Kassierer der Gangster Schachts Drohungen und die Wirkung im Ausland Mit den Prophezeiungen muß man sich jetzt beeilen. Die Entwicklung geht so schnell, daß die Voraussagen sonst von den Tatsachen überholt werden. Vor kurzem hatten wir an dieser Stelle bemerkt, daß die deutsche Unterschrift unter den neuen Zahlungsabkommen von geringem Wert erscheine; Hitler und Schacht hätten weder den Willen noch die Fähigkeit, die Verträge zu halten. Schneller als wir voraussehen konnten, hat sich Schacht beeilt, unsere Auffassung zu bestätigen. In einer Rede auf der Leipziger Messe hat er angekündigt, daß die bisherige Devisenbewirtschaftung eine Aenderung erfahren müsse. Die Reichsbank wird nicht wie bisher den deutschen Importeuren gleichmäßig ein, wenn auch noch so geringes, bestimmtes Devisenkontingent zuweisen, sondern die Importeure müssen alle Abschlüsse über die Waren, die sie einführen wollen, der Reichsbank einreichen. Diese bestimmt, ob und in welchem Umfang sie den einzelnen Importeuren die Einfuhrgenehmigung bewilligt und die dafür notwendigen Devisen zuteilt. Diese Devisenzuteilung kann natürlich nur in dem Umfang erfolgen, als die Reichsbank aus dem Export Devisen einnimmt. Auf diese Weise soll das Passivem der Handelsbilanz auf jeden Fall zum Verschwinden gebracht werden. Die neue Regelung, die allerdings im Wesentlichen nur den Zustand legalisiert, der sich bereits in den beiden letzten Monaten herausgebildet hatte, bedeutet nichts weniger als die Zwangsbewirtschaftung der gesamten Einfuhr, ein faktisches Einfuhrmonopol. Es liegt jetzt völlig in der Hand der Reichsbank, zu bestimmen, was und aus welchen Ländern eingeführt werden soll. Die Reichsbank kann z. B. die Einfuhr von Tabak, Kaffee, Südfrüchten usw. beliebig drosseln, um größere Möglichkeiten für die Einfuhr von Rohstoffen für die Kriegsindustrie zu erhalten. Die Zölle oder Einfuhrkontingente, die Spanien, Italien, Brasilien oder andere Staaten gegen Zugeständnisse für die deutsche industrielle Ausfuhr bei dem Abschluß ihrer Handelsverträge erworben haben, verlieren jetzt ihren Sinn. Ebenso sind alle Staaten völlig der Willkür der Reichshank ausgeliefert, die souverän bestimmt, ob gewisse Waren aus diesem oder jenem Lande eingeführt werden dürfen. Das ganze Handelsvertragssystem mit Deutschland wird mit einem Schlage ausgehöhlt, cie Willkür greift unkontrollierbar in die ganzen bisherigen Welthandelsbeziehungen ein. Die Ankündigung Schachts hat überall Beunruhigung und Unwillen erweckt. Daß diese Gefühle nicht sofort noch viel lauter geäußert wurden, erklärt sich aus dem Umstand, daß die wichtigsten Handelspartner sich eben durch neue Zahlungsabkommen gesichert glaubten. Da kam die zweite Rede Schachts vor einer internationalen Agrar- konferenz in Bad Eilsen. In dieser Rede kündigt Schacht ganz unvcrhüllt den völligen Staatsbankrott an. Er erklärt, daß Deutschland nicht mehr zahlen könne, nicht mehr zahlen werde und ein Vollmoratorium für mehrere Jahre fordere. Gleichzeitig müßten die Gläubiger sich dazu entschließen, Zinsen und Kapitalforderungen auf ein Maß zurückzuführen, das nach Ablauf des Moratoriums auf die Dauer getragen werden könne. Dann würde.Deutschlands Wirtschaft sich erholen und damit auch eine Belebung des Welthandels eintreten. Deutschland könnte dann auch wieder neue Warenkredite erhalten, die es ihm gestatten, seine normale Kaufkraft auf dem Weltmarkt auszuüben. Nun muß man sich vergegenwärtigen, daß der brave Schacht diese Ankündigung völliger Zahlungseinstellung in demselben Moment erhebt, in dem die deutsche Regierung nach dem Zahlungsabkommen mit England und der Schweiz neue Verträge mit Schweden und Holland abschließt, in denen sie die Verpflichtung übernimmt, nicht nur die Zinszahlungen für die Dawes- und Young-Anleihe voll zu leisten, sondern auch die nrivaten Anleihen mit 4,5 Prozent weiter zu verzinsen. Bevor die Unterschrift unter diese Verträge trocken geworden ist, fordert Schacht die Nichterfüllung: die vollständige Zahlungsunterbrechung. Man sieht, der Schüler übertrifft bereits den Meister. Wenn Hitler einen Vertrag abschließt, so behält er sich den Vertragsbruch stillschweigend vor; Schacht aber proklamiert den Vertragsbruch ganz offen— Deutscher Gentleman oder Gangster! Noch ein Anderes hat Schacht dem Hitler abgeguckt. Wie dieser unaufhörlich seine Friedensliebe beteuert— wenn Friedensreden sie begleiten, dann fließt die Kriegsarbeit munter fort— so spricht Schacht jedesmal, wenn er einen neuen Raubzug plant, von Vertragstreue und kaufmännischer Ehre. Oh, Deutschland erkennt seine Unterschrift unter die privaten Schulden an! Irgendwann wird es sie bestimmt bezahlen- Aber augenblicklich kann das arme Deutschland nicht und also müssen die privaten Gläubiger zunächst mal dran glauben. Deutschland ist ja ganz unverschuldet in diese Notlage gekommen; schuld ist das böse Ausland, das nicht genug deutsche Waren kauft, schuld sind die Reparationen. Schadet wärmt den alten Schwindel wieder auf, daß alle deutschen Anleihen und Kredite zu Reparationszahlungen verwandt worden sind, obwohl diese Kredite mindestens dreimal so hoch sind als die Reparationszahlungen waren. In Wirklichkeit haben Hapag und Lloyd die Kredite zum Wiederaufbau der Handelsflotte, die Schwerindustrie zur Wiedererrichtung und Rationalisierung ihrer Werke, Siemens zum Ausbau seines Konzerns und zur Wiederherstellung seiner Exportorganisation benutzt usw. Schacht braucht aber diese Legende, daß die Privatschulden nichts anderes sind als politische Reparationsschulden, um seiner wahren Absicht, die von jeher die Expropriation der ausländischen Privatgläubiger zu Gunsten der Hitlerdiktatur war, ein moralisches Mäntelchen umzuhängen, ohne das ein deutscher Gangster nun einmal nicht vor die Oeffentlichkcit tritt. Und noch ein Drittes hat Schacht von Hitler gelernt. Wie Hitler die fieberhafte Aufrüstung und die vergiftende Kriegshetze mit den angeblichen Angriffs- und Vernichtungsabsichten des bösen Auslandes zu motivieren sucht, so will Schacht die Folgen der miserablen und gewissenlosen Finanzwirtschaft der Diktatur auf das Ausland abwälzen. Die Diktatur sucht nach einem neuen Prügelknaben. So lange die Nationalsozialisten in Opposition waren, so lange war es das„marxistische System", daß an allen Uebeln schuld war. Jetzt, wo sie an der Macht und in der Verantwortung sind, wo ihi" eigenes System vor dem Bankrott steht, soll es das böse Ausland sein, das an dem rasch fortschreitenden Verfall die Verantwortung trägt. Schuld ist nicht die Diktatur, die Milliarden Notenbankkredite in die Wirtschaft hineinpumpt, eine künstliche Binnenkonjunktur schafft, die öffentlichen Gelder für Kriegsrüstungen vergeudet, für Autostraßen, für die Mästung eines riesigen Parteiapparats. Schuld ist nicht die Diktatur, die mit ihrem Autarkiewahn, ihrer demagogischen Agrarpolitik die Handels- heziehungen zum Ausland fortschreitend vernichtet, sondrin schuld ist dieses böse Ausland, das nicht einsehen will, daß es die Kosten für die Rüstungen und die Aufrechterhaltung der Diktatur bezahlen soll. Dem deutschen Volke muß eben der Glaube beigebracht werden, daß nicht die Gewissenlosigkeit, Unwissenheit und Unfähigkeit seiner Machthaber, sondern die„Verschwörung der Feinde" die Schuld an der wachsenden Verelendung trägt. Schacht begleitet in seiner bekannten Weise seine Ankündigungen mit allerhand Drohungen. T^enn das Ausland nicht deutsche Ordre pariere, dann, ja dann werde Deutschland immer mehr aus dem Welthandel ausscheiden, werde es sich selbst versorgen und seine bisherigen Rohstofflieferanten könnten sehen, wo sie dann blieben- Wenn Hitler von der deutschen Technik spricht, die schon für Ersatz sorgen werde, so spricht aus ihm seine abgrundtiefe Ignoranz. Schacht schwindelt bewußt; er weiß zu genau, welche neue große Kapitalinvestitionen notwendig wären, um auch nur für die im Laboratorium schon gelösten Versuche die nötige Produktion zu schaffen. Er weiß, daß, selbst wenn die Kapitalaufbringung möglich wäre, der Ersatz schlechter und teurer wäre und die daraus hergestellten Waren von vorneherein für den Export nicht mehr in Betracht kämen. Aber die Drohung ist auch sonst unsinnig. Im Jahre 1929 betrugen Ein- und Ausfuhr je 13,o Milliarden Rm. Weltkrise und Wirtschaftspolitik der Diktatur haben bewirkt, daß im Jahre 1934 der Monatsdurchschnitt der Einfuhr 380,5, der der Ausfuhr 344 Millionen beträgt. Da die restlichen fünf Monate eine Einschränkung auf beiden Seiten bringen werden, so wird die Gesamteinfuhr des Jahres 1934 jedenfalls unter 4 5 Milliarden und die Ausfuhr etwas unter 4 Milliarden bleiben. In dem ungefähren Umfang der Ausfuhr wird Schacht unter allen Umständen die Einfuhr zu erhalten trachten, denn schon das bisherige Maß der Drosselung bedroht Deutschland mit schrumpfender Wirtschaftstätigkeit und erneuter Arbeitslosigkeit. Der Welthandel aber wird lange nicht in demselben Umfange leiden, als die deutsche Nachfrage sich verringert. Denn was Deutschland an Export verliert, wächst seinen Konkurrenten zu. Und die Einbuße, die durch die Verendung des deutschen Marktes herbeigeführt wird, ist heute nicht mehr so bedeutsam. Deutsche Drohungen haben ebensoviel an Kurswert eingebüßt wie deutsches Liebeswerben.«, Der Rede Schachts in Eilsen antwortete ein Entrüstungssturm im Auslande. Am stärksten ist die Empörung in Eng land, wo bisher Schacht in manchen Kreisen noch einen Rest von Ansehen genoß und Deutschland eine Art von mitleidiger Sympathie. Nicht das Ausland, sondern die Finanzwirtschaft der Gangster sind schuld an diesem deutschen Elend, schreiben die„Financial News", eines der angesehensten Organe der Londoner City. Und die „Times" urteilt nicht minder hart. Kaltblütig ist man in Paris. Der„Paris Midi" nennt Schachts Rede einen„verzweifelten Bluff", einen letzten Versuch, sich dem inneren Zusammenbruch durch einen äußeren Bankrott zu entziehen. Gleiche Stimmen kommen aus allen anderen Teilen der Welt. Schacht ist es gelungen, auch die letzte Spur von Vertrauen, den letzten Rest von Hilfsbereitschaft endgültig zu zerstören. Fragt man aber nach dem Zweck des Getöses, so findet man nicht leicht eine Antwort. Daß Schacht den Bankrott will, daß er die Gläubiger zu expropriieren beabsichtigt, ist ja seit langem keine Frage mehr. Schon für den Juli hatte ja die Reichsbank ein zunächst auf sechs Monate befristetes Moratorium verkündet. Es lag ja nicht an Schachts Willen, daß sie es nicht durchführen konnte und sich den meisten Staaten gegenüber zur Fortsetzung der Zinszahlungen verpflichten mußte. Denn die Anderen hatten die Macht, ihre Interessen zu verfechten. Sie brauchten ja nur die Zahlungen für die deutsche Ausfuhr in ihren Ländern zu beschlagnahmen und sie für die Bezahlung der Warenschulden und Zinszahlungen zu verwenden. An dieser Situation hat sich nichts geändert und deshalb ist nicht einzusehen, wie Schacht seine Drohung verwirklichen will. Er hat den Abwehrwillen des Auslandes nur gestärkt, ohne Deutschlands Situation auch nur im geringsten zu bessern. Hinter den großen Worten verbirgt sich bloß Ohnmacht und Ratlosigkeit, verbirgt sich die Großsprecherei eines aus dem Gleichgewicht geratenen Gehirns- Schacht ist immer weniger nationalökonomisch zn verstehen, er muß immer mehr psychiatrisch erklärt werden. Deutschland wird zahlen müssen. Die Abwälzung der Kosten der Diktatur auf die Gläubiger wird eine Utopie bleiben und sehr bald werden wir, damit auch nichts an dem Kriegselend fehle, das die Hitler und Schacht über das deutsche Volk heraufgeführt haben, nur noch die eine Parole hören: Durchhalten! Dr. Richard Kern. Der neue„Plsn" Es wird angekündigt, daß Dr. Schacht nun die Einzelheiten des neuen Wirtschaftsplanes bekannt geben, den er in seinen Reden von Bad Eilsen und Leipzig skizziert hat. Dieser Plan umfaßt 4 Hauptrichtlinien und zwar: 1. Die Einfuhr nach Deutschland wird nur in dem Maße gestattet, in dem die für ihre Bezahlung nötigen Auslanddevisen verfügbar sind; 2. Man wird bemüht sein, die einheimischen Rohstoffgrundlagen auszubauen, um Deutschland auf diesem Gebiete unabhängig zu machen; 3. Die deutsche Ausfuhr wird begünstigt werden durch S c r i p s und durch den Rückkauf von Gutscheinen; 4. Man wird bemüht sein, mit den Ländern, welche die für Deutschland unerläßlichen Rohstoffe produzieren, Kompensationsabkommen für den Austausch dieser Rohmaterialien zu treffen. Der gleidigesfflattefö Fiele Die„W estdeutsche Kampfhof A.-G. Köln" gibt bekannt: „Das abgelaufene 29. Geschäftsjahr unsrer Gesellschaft schließt— entsprechend den bereits im letztjährigen Geschäftsbericht geäußerten Befürchtungen— trotz erheblicher „außerordentlicher Erträge" mit einem Verlust von 5 842 253 RM. Dieses sehr schlechte— seit Bestehen der Gesellschaft erstmalig negative— Ergebnis war vornehmlich die Folge eines durch besondere Umstände bedingten außergewöhnlichen Umsatzrückganges, den wir um so schmerzlicher empfanden, als sich dank der tatkräftigen Maßnahmen der Reichsregierung im ganzen übrigen deutschen Wirtschaftsleben während des Jahres 1933 in steigendem Maße eine entschiedene Wendung zum Bessern vollzogen hat Es gingen die Umsätze unsrer gesamten Einzelhandelbetriebe um 28,4 Prozent, nämlich von 147 000 000 RM. im Jahre 1932/33 auf 105 300 000 im Rechnungsjahr 1933 34, diejenigen untrer Einkaufs-u dn Fabrikation«- betriebe mit in- und ausländischen Ansch'nßhäusern und sonstigen Kunden von 28,9 Mill. auf 25,4 Mill. zurück. Es wird dann weiter betont, daß sich zwar gegen Ende des Berichtsjahres der prozentuale Umsatzrückgang gegenüber dem Durchschnitt des Jahres vermindert habe, aber es dürfe nicht verkannt werden, daß sich nach wie vor ein erheblicher Teil der Kundschaft vom Einkauf in den Betrieben der Gesellschaft fernhalte. Infolgedessen habe man auch für das erste Halbjahr des neuen Geschäftsjahres 1934 höhere Umsätje als in den ersten sechs Monaten des Berichtsjahres nicht erreichen können. ArftclfslosigücM Von unserem Korrespondenten. Paris, 8. September. Der Sonderkorrespondent des„Petit Parisien" beschäftigt sich an leitender Stelle mit dem Problem der Arbeitslosigkeit, das in Amerika genau wie in anderen Ländern das Problem der Stunde ist. Im März 1933, als Roosevelt zur Regierung kam, habe es 13 689 000 eingetragene Arbeitslose in Amerika gegeben, diese Zifter sank dann bis zum September 1933 auf 10 108 000 und sie schwankt gegenwärtig zwischen 10 und 11 Millionen. Was aber mache man mit so viel Arbeitslosen, das sei das Problem, das der amerikanischen Regierung ungeheures Kopfzerbrechen verursachte. Nach wie vor stehe sie Geldunterstützungen ablehnend gegenüber, vielmehr erhalten die Arbeitslosen in den meisten Fällen eine Unterstützung in Naturalien. Die zu diesem Zwecke gegründete Federal Emergency Relief Administration hat nun durch eine ihrer Unterabteilungen, die Federal Surplus Relief Administration, ein sehr interessantes Experiment gemacht. Sie kauft alle die Waren, die in übergroßer Menge vorhanden sind, auf, um sie unter die Armen zn verteilen. So hat die Trockenheit jetzt viele Farmer gezwungen, Vieh zu verkaufen. Die Federal Surplus Relief Administration kauft nun ganze Wagenzüge voll Ochsen und Vieh auf, das geschlachtet und zu Büchsenfleisch verarbeitet wird. Dieses Büchsenfleisch wird dann an die Armen verteilt. Aber diese Sorge für die leibliche Nahrung genügt ja nicht zur Unterstützung, es gilt ja auch noch andere Bedürfnisse zu befriedigen. Und die für diese Zwecke vorhandenen Hilfsfonds sind nicht nur nicht restlos erschöpft, sondern es ist schon bereits eine Anleihe für 1935 aufgenommen. Aber auch Frankreich hat seine Sorgen mit den Arbeitslosen. Der französische Arbeitsminister Marquet hat an den Ministerpräsidenten Doumergue ein Schreiben gerichtet, in dem er seine Beunruhigung über das Anwachsen der Arbeitslosigkeit in Frankreich ausdrückt. Die Arbeitslosigkeit, so heißt es in diesem Schreiben, sei in Paris und Umgegend seit 1932 nm 14 Prozent, in der Provinz um 44,9 Prozent gestiegen. Diese Tatsache rechtfertige voll und ganz den Plan, der zur Arbeitsbeschaffung entworfen und von der Regierung am 7. Juli angenommen sei. Aber man müsse seine Durchsetzung beschleunigen, um zum Winter schon Arbeitsgelegenheit zu schaffen. „P a r i s- S o i r" teilt zu dem Briefe von Marquet noch mit, daß bereits im Einverständnis mit dem Finanzminister Martin die vorbereitende technische Kommission znr Durchführung des Marqnetplanes auf den 10. September und die große nationale Kommission auf den 13. September einberufen seien. ®eutsdkc Stimmen• SeiFo^c eur„£>cufecftevi Freiheit"• freignlsse und Qesdkidkten ftlWHBP l!U!BlWIHiWmtiiw—'———i Dienstag, dt n 11. September 1634 Jm Maas det Zceudtasm Schacht Q^füngniseclelnisse van Jetix Jechenlach .^' e Tage im Gefängnis werden mir lang. Aber die Nächte •jnd fast endlos. Man sollte die Zeit im Gefängnis nicht nach tv"' mSn m"® fe'' e ni"R Nächten zählen. Diese qualvollen Nächte ohne Schlaf kennt außer dem Gefangenen nur noch der Kranke. Um acht Uhr löscht das Licht aus. Vier Stunden kann ich schlafen. Dann dehnt sich die Nacht in langen Stunden, und jkde Stunde schleicht ihre sechzig Minuten in quälender Trägheit. Erst um sechs Uhr früh gibt's wieder Licht. In die Schlaflosigkeit hinein erinnert mich das Eisengitter ■m Zellenfenster, wo ich bin. Immerwährend hab ich dies Gitter vor Augen. Auch des Nachts, wenn ich noch nicht oder schon nicht mehr schlafe. Meine Eisenbettstelle ist tagsüber an die Wand hinauf- geklappt. Nachts steht sie mit dem Fußende gegen die Tür, so daß ich das Fenster nicht sehe, wenn ich im Bett liege. Aber im Garten vor dem Zellenbau brennt eine elektrische Laterne, und ein tückisches physikalisches Gesetz will, daß sie ihr Licht durch das vergitterte Fenster und damit den Schatten des Fenstergitters scharf umrissen auf die gegenüberliegende Zellenwand wirft. So kann ich dem Gitter nicht ausweichen. Ich muß seinen Schatten sehen, sobald ich nur die Augen öffne. Einmal,— in der Zelle war's schon dunkel— machte ich mit auegespreizter Hand eine zufällige Bewegung nach oben. Sofort erscheint an der Wand im Schattenbild des Gitters der scharf gezeichnete Schatten meiner Hand. Das Ganze sieht aus, als strecke sich eine Hand voll Sehnsucht durchs Gitter ins Freie. Unwillkürlich ballen sich meine Finger zur Faust und das Bild an der Wand wird zu drohender Anklage. Närrisches Schattenspiel. Und doch, wieviel Wahrheit liegt m diesem Spiel! Ist die Nacht sternhell, dann stehe ich oft auf meinem Schemel vorn beim Fenster und schaue die Majestät des nächtlichen Himmels. Drüben, jenseits des Gartens, liegt das Hauptgebäude, das ehemalige Kloster. Daneben ragt die alte Basilika. Eine wuchtige Silhouette. Wenn ich am Fenster stehe, muß ich mich vorsehen, daß der Nachtwächter mich nicht erwischt. Er schleicht zuweilen an den Zellentüren entlang und schaut durch die Gucklöcher. Werde ich gesehen und gemeldet, gibt's eine Hausstrafe. Ist Vollmond, dann fällt das bleiche Mondlicht in meine Zelle auf die Nordwand. Ich beobachte das Weiterrücken des Lichtstreifens und zähle daran die Stunden. Ist das Licht hinten in der Ecke angelangt, wo die Opferschale steht, dann ist's fünf Uhr morgen«. In einer solchen Mondnacht hatte ich einmal Besuch in der Zelle. Eine Maus war unten beim Heizrohr hereingeschlüpft. Von meinen Papierdüten war eine auf den Boden gefallen. Darin raschelte die Maus herum, bis ich eine unbedachte Bewegung machte. Da huschte das geängstete Tierchen erschrocken davon: Am nächsten Abend legte ich ein paar kleine Reste vom Abendbrot mit einem Stückchen Papier auf den Boden. Stundenlang wartete ich und lauschte angestrengt, ob meine nächtliche Besucherin sich nicht einstellen wolle. Um ein L lir kam sie. Dem kleinen Mahl, das ich ihr bereitet, tat sie alle Ehre an. Noch ein paar Nächte konnte ich mich an dem kleinen Tierchen freuen. Dann wurden eines Tages die Zellen ausgebessert und das Loch unten beim Heizrohr mit Gips verschlossen. Die Nächte waren jetzt wieder einsam, wie vorher. Die Nacht läßt alle Geräusche deutlicher hören, als es der Lärm des Tages gestattet. Jede Viertelstunde höre ich die I urmuhr schlagen. Im Zellenbau folgt dann der silbrige Schlag der großen Standuhr. Wenn der Nachtwächter seinen Rundgang macht, höre ich jeden Schritt am Gebäude entlang. Zuweilen dringt ein Geräuch herauf, das unten zwei Beamte führen. Und drüben vom Dorfkrug schallt bis zwölf Uhr frohes, ausgelassenes Gelächter herüber, manchmal auch Gesang. Nach seinem Rundgang kommt der Nachtwächter wieder in den Zellenbau. Ich höre jede seiner Bewegungen. Wenn er sich auf den Schemel setzt, wenn er die Pfeife anzündet, ja, wenn er beim Lesen ein Blatt des Buches umwendet, höre ich's. Das laute Schnarchen seines auf den Mann dressierten Hundes dringt vernehmlich in meine Zelle. Im Garten vorm Zellenbau ist ein Bassin. Karpfen sind drin. Ich höre sie. wenn sie sich im Wasser emporschnellen. Manchmal tut einer einen zu kühnen Sprung und fällt nicht ins Wasser zurück. Dann liegt er oft die ganze Nacht neben dem Bassin und schlägt mit dem Schwanz in eine Pfütze. Das klatschende Geräusch davon konnte ich mir lange nicht erklären, bis ich eines Morgens einen Karpfen neben dem Bassin liegen sah. Oft hatte ich nachts in halbwachem Zustande traumhafte Vorstellungen. Am häufigsten kehrte das drückende Gefühl wieder, als würden Mauern und Decke der Zelle auf mich eindringen, mich zu zermalmen. Und ich war an meinem Platz gehalten, konnte mich nicht bewegen. Einmal sah ich mich auf einer Wiese inmitten einer Baumgruppe. Von fern kommt ein riesenhafter, ungeschlachter Mensch auf mich zu. Er ist nackt. Er kommt näher und ich sehe seinen brutalen Gliederbau, seine sehnigen Arme, seine krallenden Hände, die aussehen, als sollten Menschen damit erdrückt werden. Auf den Schultern trägt er ein zusammengerollte« Stacheldrahtnetz. Das befestigt er an einem Baum und ehe ich mich umschaue, hat er das Drahtnetz um die ganze Baumgruppe herumgeschlungen und mich mit eingeschlossen. Ueber mir wächst der Stacheldraht zusammen. Ich frage den cyklopenhaften Riesen entsetzt, was er will. Er antwortet nicht. Ich frage, wer er sei« Da grinst er zynisch: „Kennst du mich nicht? Ich bin die deutsche Justi'tz" Jetzt sehe ich auf seinem klobigen Kopf eine hohe Krone aus lauter aneinandergereihten Paragrafenzeichen zusammengesetzt. Das Bild verschwindet und ich wälze mich wieder unruhig auf meinem Lager. Die Minuten wollen sich nicht zu Stunden formen, und ich habe noch so viele schlaflose Nächte vor mir. Wie viele? Die Philosophen in Die TüahcPieit in Deutschland, ist„ illegal" Zu den Debatten aus dem Internationalen Philosophenkongreß in Prag schreibt uns noch Dr. Otto Friedländer: p iji'm wo.'''® t. e,n Zufall, daß ein Berliner Dozent namens eldkeller in einem\ ortrage mit dem hübschen Titel: „^eophilosophie und Historiologie" wörtlich behauptete: „Der Staatsmann duldet keine Quertreibereien, Politik kann niemals tolerant sein. In der Zukunft wird sich daher in der Öffentlichkeit nur noch politische Tendenzphilosophie halten können." Warum nur in der Oeffentlichkeit? Deswegen, weil es auch noch eine hilosophie als Geheimwissenschaft gibt, enn beldkeller sagt:„Wer durchaus die Wahrheit ehren will, der tue es in kleinem Kreis und gebe acht, daß dieser Kreis dicht hält." Mit anderen Worten, Herr Feldkeller hat die phänomenale Geschicklichkeit besessen, ehrlich auszusprechen, was außerhalb der sdiwarzweißroten Grenzpfähle jedermann sowieso weiß, daß nämlich die Wahrheit in Deutschland nur illegal lebt. Dabei gelang es doch nicht ganz ihre Stimme zu unterdrücken. Der hodibetagte Senior der deutschen Soziologie Ferdinand Tönnies, richtete ein Schreiben an den Kongreß, das als ein hohes Zeichen von Mut dieses heute noch in Kiel lebenden weltberühmten Gelehrten gewertet werden muß. Finden sieh darin doch Sätze wie dieser:„Die politische Entwicklung mehrerer großer Staaten bewegt sich c entlieh in der Richtung auf den Sozialismus, auch wenn diese Bewegung nur zum Scheine und zum Verwände gebraucht wird."... Oder:„Im politischen Gebiete ist es offenbar und durch Erfahrung bewährt, daß tiefgewurzelte Einrichtungen nicht beliebig aufgehoben werden können und daß daher eine absolute Verneinung des Liberalismus, seiner Postulate und seines Geistes, die durch Jahrhunderte «ich allmählich befestigt und vertieft haben, sinnlos ist; es hieße das hochkomplizierte Gebilde des modernen Staates vernichten wollen, wenn auch seine wesentlichen Institutionen für eine gewisse Zeit durch so etwas, wie cäsarische Alleinherrschaft ersetzt werden mögen— niemals für erhebliche Dauer!" Der alte Ruf der deutschen Wissenschaft blieb gewahrt durch Vertreter jener als neupositivistisch anzusprechenden Richtung der Logisten, die von dem jetzt in Prag wirkenden Professor C a r n a p, von Otto Oerath und von Professor Hans.Reichenbach geführt wurde. Reichenbachs Darlegungen über den relativen Wahrheitsgehalt naturwissenschaftlicher Kausalitätsgesetze waren nicht nur ein wissenschaftlicher Höhepunkt derTagung, sondern auch ein indirekter Protest gegen eine Philosophie, deren Hauptmerkmale Irrationalismus und Intoleranz, also die wesentlichen Eigenschaften der Glaubenseiferer, nicht der Wahrheitssucher sind. Allerdings ist das Schicksal dieses jungen Gelehrten selbst ein Beweis für die wissenschaftliche Intoleranz des„dritten Reiches", denn das Katheder Hans Reichenbachs steht nicht mehr in der Berliner Universität, sondern in— Stambnl! Dec Vielbeschäftigte Ein Inserat in der„Deutschen Medizinischen Wochenschrift": „Assistenzarzt für die chirurgische Abteilung(120 Betten) des städtischen Krankenhauses Kaiserslautern gesucht... Ang. Uber die Zugehörigkeit zur NSDAP., SA., SS., NS.-Aerztebund erwünscht. Kaiserslautern... Das Bürgermeisteramt." Der gesuchte Herr hat viel zu tun, ehe er«ich neben- beruflich seinem eigentlichen Beruf widmen kann! » „Wie geht es Ihnen?" „Wollen Sie die Wahrheit wissen?" „Natürlich!" „Sie Lockspitzel! Mich erschießt man nicht so leicht auf der Flucht!" (Ein deutsches Porträt) Zwei funkelnde Aeuglein, ein kletternder Schlip«. Von Scheitel his Sohle nichts Weiches. Das lebende Hauptbuch für Sperrmark und Scrips, Der ragende Mark-Stein des Reiches. Der Mund lispelt Schwäche, der Kneifer blitzt Kraft. Oft wechselt«. Mal schriftlich, mal mündlich. Der Hjalmar-Mephisto der Geldwissenschaft Bleibt gründlich-unergründlich. Die Nase ist spitzt und der Hals autonom, Und das Bärtchen sagt trotzig: Na eben! Und der Mund ohne Lippen erfand das Axiom« „Wer gab, der hat noch zu geben!!" Heckenroth. Sa lang' man nüchtern ist... Fridericus, Bismarck und Goethe auf der Kitschliste... In der jetet wieder veröffentlichten Liste von Gegenständen, die für unzulässig im Sinne des Gesetzes zum Schutz der nationalen Symbole erklärt wurden, finden sich: Anstecknadeln der Deutschen Christen, die mit einem Hakenkreuz versehen sind; Feinseife mit aufgeprägtem Hakenkreuz und den Worten„Heil Hitler" oder„Deutschland erwache"; Zigaretten unter der Marke„Sanssouci", auf denen die Silhouette Friedrichs de» Großen abgebildet ist; Hausschuhe und Pantoffeln, in deren Oberteil aus Plüsch ein Hakenkreuz eingewebt ist; die Zeitschrift„Das Braune Blatt", die auf dem Titelblatt die Hakenkreuzfahne zeigt. Außerdem wurden folgende von einer großen Brauerei ausgegebene Postkarten verboten: Postkarten mit dem Bilde Friedrichs des Großen und der Aufschrift:„Was wollen denn die Leute?— Ich bin in meiner Jugendzeit mit Biersuppe auferzogen. Ihre Väter kannten nur das Bier, und das ist das Getränk, das für unser Klima paßt", Postkarten mit dem Bilde Bismarcks und der Aufschrift:„Ich wurde von den Leuten behandelt wie ein neues Nilpferd für den Zoologischen, wofür ich Trost In sehr gutem Biere suchte", und Postkarten mit dem Bilde Goethes und der Aufschrift:„So lang' man nüchtern ist, Gefällt das Schlechte; Wie man getrunken hat. Weiß man das Rechte; Nur ist das Uebermaß Auch gl ich zu Händen; Hafis, o lehre mich. Wie du's verstanden! Denn meine Meinung ist Nicht übertrieben: Wenn man nicht trinken kann, Soll man nicht lieben, Doch sollt ihr Trinker euch Nicht besser dünken, Wenn man nicht lieben kann, Soll man nicht trinken. Trunken müssen wir alle sein! Jugend ist Trunkenheit ohne Wein; Trinkt sich das Alter wieder zn Jugend, So ist es wundervolle Tugend." * Warum denn in die Ferne und in die Geschichte schweifen? Es gibt keine bessere, keine aktuellere Bierreklame als ein Porträt des„Führers der Deutschen Arbeitsfront", des Herrn Dr. Robert Ley. Dolly 9iaas aeedächtig? Das„Deutsche Künstlertheater" Berlin hat mit Dolly Haas in der Titelrolle Niceodemis„Scampolo" aufgeführt. Der„Angriff" beschließt seine nicht eben freundliche Kritik mit dem Hinweis: Uebrigens man sage nichts gegen die Großzügigkeit im nationalsozialistischen Staat, denn wenn wir nicht irren, ist weder Dolly Haas noch Karl Stepanek der Nachweis arischer Abstammung gelungen; trotzdem läßt man sie ungehindert spielen." Goebbels' Leibblatt dürfte mit dieser harmlos klingenden Bemerkung sowohl dem Künstlertheater als auch dem deutschen Film einen Bärendienst erwiesen haben. Man läßt nämlich nichtarische Künstler, die„gute Kassen machen", mit Freuden solange auftreten, als über ihre verdächtige Großmutter nichts bekannt wird. Sobald eine Denunziation — wie die eben zitierte Im„Angriff"— auf den dunklen Punkt hinweist, sind die Künstler gewöhnlich nicht mehr „tragbar". Man darf gespannt sein, wie lange Dolly Haas und Stepanek deutschen Theatern noch Geld einbringen dürfen. ZeU=7lolidea „Amt für Technik" 7 lepp in Tlücnlecg „Donnerstag, 6. September, 10 Uhr vormittaga, Appell des NS.-Arbeitsdienstes auf der Zeppelinwiese. Stehplatz 30 Pfennig, Sitzplatz 1 Mark, 2 Mark, 3 Mark." „Donnerstag, den 6. September, 13.30 Uhr nachmittags. Vorbeimarsch des NS^Arbeitsdienstes am Adolf-Hitler-Platz. Stehplatz 1 Mark, Sitzplatz 5 Mark. Vorbeimarsch des Fachelzuges am Bahnhof, Stehtribüne 3,— Mark." Nordische„Galizianer" an der Arbeit! Bei der obersten Leitung der PO. ist ein Amt für Technik errichtet worden.„Das Amt für Technik ist eine Parteieinrichtung. die die deutsche Technik in ihren sachlichen Aufgaben und Erfordernissen zu betreuen hat. Ihr erster Vorsitzender ist Staatssekretär Feder, als Amtsleiter bei der Rcichsleitung München wirkt Pg. Seebauer, während die verschiedenen Gauamtsleiter zunächst einmal die ihnen zuge- tragenen Fälle zu berücksichtigen haben.. Dem Amt für Technik ist der„NS.-Bund deutscher Technik als Betreuer persönlicher Menschenführung" unterstellt. Das Amt soll eine Reichskammer deutscher Technik vorbereiten. Bibliophilie— braun Alle bibliophilen Gesellschaften wurden in die Reich- Schrifttumskammer als besondere Fachschaft eingegliedert. Präsident der Weimarer Geaellschaft wurde Börries Freiherr von Münchhausen. Er schrieb auch bereits«ein Programm nieder, worin es heißt, daß im Land der Bücherverbrennungen— er nennt es das„Land der Buchliebhaberei" —„die Fahne einer neuen sozialen Sittlichkeit an den Flagg- »tock genagelt werden soll". Man verdirbt einen Jüngling am sichersten, wenn man ihn anleitet, den Gleichdenkenden höher zu achten als den Andersdenkenden. Morgenröte, IV. Buch,—-.Verderblich— 29". Völkar In Stiirmzaltan Mr.«7 Völker in Sturmzeiten Im Spiegel der Erinnerung- im Geiste des Dianstag, 11. Saptambar 1W4 Wie ich Hauptmann von Köpenick wurde Von Wilhelm Voigt Es war im Herbst 1906. Da ging ein brausendes Gelächter durch ganz Deutschland Und setzte sich fort in der ganzen Welt. Der Schuster und Zuchthäusler Wilhelm Voigt hatte in einer geliehenen Hauptmannsuniform einige Soldaten auf der Straße„requiriert" und war mit ihnen von das Rathaus in Köpenick gezogen, wo er den Bürgermeister Dr. Langerhans gefangennahm, unter militärischer Bedeckung nach Berlin bringen ließ und, durch nichts anderes legitimiert als durch seine schlechtsitzende und unvorschriftsmäßige Uniform, einen Teil der Rathauskasse an sich nahm. Einige Tage später wurde er verhaftet. In der späteren Gerichtsverhandlung, in der Wilhelm Voigt zu mehrjähriger Zuchthausstrafe verurteilt wurde, entrollte sich das Schicksal eines gehetzten Strafentlassenen, der dem grotesken Geniestreich von Köpenick einigen Schimmer von menschlicher Tragik gab und alle Welt mit Wilhelm Voigt versöhnte. Die Kosten hatte der militärische Kadavergehorsam altpreußischen Geprägs zu tragen. Seitdem spricht man von „Köpenickiaden". Carl Zuchmayer schrieb sein Drama„Der Hauptmann von Köpenick, ein deutsches Märchen". Auch der Film nahm sich des unsterblich gewordenen Themas erfolgreich an. Nach seiner Entlassung aus dem Zuchthaus zog Wilhelm Voigt nach Luxemburg, wo er einen friedlichen Lebensabend verbrachte. Noch zu seinen Lebzeiten erschienen seine „Memoiren". Es war ein ungeheurer Bucherfolg. Wir drucken die entscheidenden Kapitel ab, die ein vortreffliches Bild des Menschen, seiner Motive und seiner Zeit ergeben. Ein deutsches Märchen, vor 28 Jahren... Aktuell vor allem durch die Entblößung des übersteigerten, der Auflösung entgegenreifenden Militarismus, der heute wieder die Sehnsucht von Millionen Deutscher geworden ist. Ich hatte mir vorgenommen, gar nicht erst eine Anstellung in einem Betriebe innerhalb des Deutschen Reiches zu suchen, sondern vielmehr direkt entweder nach Oesterreich- Ungarn oder Rußland zurückzukehren. Um diesen Plan ausführen zu können, bedurfte ich eines Passes. Nach den mir bekannt gewordenen Bestimmungen hätte mir das Landratsamt Rawitsch einen Paß verabfolgen müssen. Auf meine Eingabe dahin wurde ich ablehnend beschieden, ohne Angabe der Gründe. Der Paß wurde mir verweigert! Ich wandte mich nun weiter rückwärts an meinen legten Aufenthaltsort in Posen. Auch das Polizeipräsidium in Posen verweigerte mir den Paß ohne Angabe eines Grundes. Hierauf wandte ich mich an meinen Geburtsort in Tilsit. Und hier, ebenfalls ohne einen Grund anzugeben, verweigerte man m.i rden Paß zum dritten Male! Ich suchte bei der Strafanstaltsdirektion um Auskunft darüber nach, warum mir denn der Paß verweigert würde, und die Direktion erklärte mir, sie könne sich den Grund auch nicht erklären. Kurz vor der Entlassung suchte ich nun um die Fürsorge für„entlassene" Gefangene" nach. Auch sie wurde mir abgelehnt! Schließlich wandte ich midi an den Geistlichen der Anstalt, und durch diesen erhielt ich eine Stellung als Maschinenmeister im Betriebe des Hofschuhmachers Hillbrecht in Wismar in Mecklenburg. Hierzu muß ich bemerken, daß vor der Entlassung ein behördlicher Briefaustausch zwischen dem Orte, an welchem der Gefangene eintrifft, und der Abgangsanstalt stattfindet. Die Behörde in Wismar hatte also immer Zeit, wenn sie irgendwelchen Anstoß an meinem Zuzug in ihren Ort nahm, sieh mit der Anstaltsdirektion in Verbindung zu setzen resp. den Zuzug abzulehnen. Nichts von alledem geschah. Ich wurde mit den notwendigen Papieren für Wismar versehen und aus der Anstalt entlassen. Am Morgen der Entlassung übergab mir der Hausvater der Anstalt die näheren auf meinen Prozeß bezüglichen Briefe und Entscheidungen, die mir so schweren jahrelangen Kummer und Sorgen bereitet hatten. Ich stand vor der Entscheidung, ob ich den alten Streit begraben oder unversöhnt in die Freiheit zurückkehren• wollte. Das erstere zog ich vor! Mit einem Schritt trat ich zum lodernden Ofen. Ein Wurf versenkte das Aktenbiindel in die Flammen. Fünf Minuten später öffneten sich mir die Tore zur Freiheit. Wohl kaum ist jemals ein Mensch mit festerem Entschluß, sich den Forderungen der Gesellschaft in allen Dingen anzubequemen, der Freiheit entgegengegangen! Ich traf am 13. Februar 1906 in Wismar ein. betrat mit einem gewissen Zagen den Laden und die Geschäftsräume meines zukünftigen Brotherrn. In anheimelnder Weise wurde ich aufgenommen, zunächst mit Speise und Trank erquickt, mir ein eigenes Zimmer angewiesen und gleich die Mitteilung gemacht, daß ich mich vollständig als zur Familie gehörend betrachten sollte. Nach einer guten Stunde besorgte ich die notwendigen Anmeldungen auf dem Polizei- und Gewerbeamt. Dabei wurde mir noch besonders erklärt, daß ich von Seiten Wismars keine Belästigung durch die Polizeiorgane erfahren sollte. So wurde mir wirklich leicht ums Herz Als ich nach Hause gekommen und mich umgekleidet, wurde ich durch meinen nunmehrigen Chef in die Geschäfts- und Fabrikräume geführt und dem Personal als Maschinen- meister vorgestellt. Meiner wartete viel Arbeit, denn der Maschinenbetrieb stand dort noch in den Anfängen, und der Herr Hillbrecht machte bald die Erfahrung, daß er in mir eine zuverlässige Kraft gefunden hatte. Noch an demselben Abend besprachen wir im engen Familienkreise das weitere Geschäftliche, das zu beiderseitiger Zufriedenheit von uns in einem gesunden Abkomme^ festgelegt wurde. Somit war ich in den Arbeits- und Familienkreis aufgenommen. Besonders gut verstand ich mich schon nach kurzer Zeit mit dem ältesten Sohn meines Brotherrn, der seinen Vater in jeder Beziehung vertrat. Er hatte auch schon sein Brot in der Fremde gesucht, war, was Fabrikation und Betrieb anbetrifft, sehr gut ausgebildet und erfreute sich in seinem Heimatsorte eines vorzüglichen Rufes. Seinem Vater gegenüber hatte er einen sehr schweren Stand. Diesecr war, was man einen Selfmademan nennt, und wenig geneigt, die modernen Umänderungen in seinem Betriebe vorzunehmen, wie sie ein flotter amerikanischer Betrieb notwendig macht. Er wollte meist am unrechten Orte sparen. Wenn durch seine Hartköpfigkeit etwas vorbeigelang, so schob er stets die Verantwortung dafür auf die Schultern seines Sohnes. Tch konnte dem Vater nun aus Gründen der Wahrhaftigkeit und Nützlichkeit durchaus nicht immer recht geben, sondern mußte mich oft auf die Seite seines Sohnes stellen. Und es ist gewiß ein gutes Zeugnis für alle Beteiligten, daß diese sachlichen Auseinandersetzungen niemals zu persönlichen Mißhelligkeiten führten. Wir legten gewissermaßen, wenn wir abends die Geschäftsräume verließen, alles, was zum Geschäft gehörte, ab, und es entspann sich dann ein schönes, heiteres Familien- und Gesellschaftsleben, wie es in den besseren mecklenburgischen Familien so sehr geschätzt wird. An midi trat bald auch, wie überall, die Kommunal- behörde mit ihren Steuerforderungen heran. Zunächst die Stadt mit ihrer Stadtkommunalabgahe. dann auch der Staat mit seiner Staatskontribution. Ich habe die Forderungen stets in ordnungsmäßiger Weise berichtigt, die Staatssteuer sogar bis einschließlich 30. September 1906. Die Polizeibehörde hat indessen ihr Versprechen, das sie mir gegeben, nicht gehalten, sondern ist durch ihre unnötigen Nachfragen bei meinem Chef sehr lästig geworden. Nur das gute Verhältnis, in dem ich zu der Familie und den übrigen Bewohnern Wismars stand, hatte es verhindert, daß nicht rein aus diesen Nachfragen eine Störung meines Aufenthaltes in Wismar stattfand. Während meines Aufenthaltes habe ich auch an meine Schwester nach Köln geschrieben. Ihr Geburtstag fiel gerade in diese Tage, und obwohl sie von Köln verzogen war, hat mein Brief sie doch erreicht. In ihrem Antwortschreiben bewegten Inhalts teilte sie mir in gedrängter Kürze mit, wie es ihr in der Zeit,-wo wir uns nicht mehr gesehen und geschrieben hatten, ergangen war. Ein weicher, warmer Ton durchwehte ihren Brief. Die alte, dreißig Jahre schlummernde Geschwisterliebe war doch wieder zum Durchbruch gekommen, und der Brief hat mir damals sehr wohl getan. Auch jetzt bin ich meiner Schwester nicht durch Darlegung meiner Leiden lästig gefallen. Ich wünschte durchaus nicht, sie in den Augen ihres Mannes und ihrer Kinder durch den Inhalt meiner Briefe und durch die daraus»ich ergebenden Schlüsse herabzusetzen. Mir war genug, daß ich noch eine Schwester hatte und daß sie an midi dachte. Wohl hoffte ich im stillen auf eine Unterstützung durch meine Cousine, die unverheiratet geblieben und, wie ich glaubte, in Besitz eines beträchtlichen Vermögens war. Aber ich scheute mich, sie um etwas anzugehen. Ich glaubte mich ja in Wismar geborgen. Und da meine Bedürfnisse verhältnismäßig gering sind, lag bei mir auch eigentlich keine Veranlassung vor, irgendwelche Hilfe zu erbitten. Da kam, allen unerwartet, plötzlich mein Ausweisungsbefehl aus Wismar! Meine Aufführung in Wismar war, wie ja auch später von behördlicher Seite bekundet wurde, durchaus einwandfrei. Dessenungeachtet erfolgte meine Ausweisung aus Wismar und den mecklenburgischen Staaten. Verkündet wurde mir dieselbe nicht durch den Polizeisekretär, sondern durch einen uniformierten Beamten ohne Angabe des Grundes, Kein Erbarmen! Hier beginnt eigentlich schon der Tag von Köpenick. Der mecklenburgische Staat hat von mir die Staatssteuer für die Zeit bis zum 30. September 1906 erhoben. Ich glaubte deshalb den Schatz und die Nutznießung seiner Einrichtungen für diese Zeit auch für mich in Anspruch nehmen zu dürfen. Deshalb fühlte ich mich durch die Ausweisung schwer verletzt. Vorläufig aber wollte ich noch einmal versuchen, ob nicht für mich an einem anderen Orte sich ein neuer Wirkungskreis erschließen würde. Da machte ich denn zunächst eine Reise nach Prag. Von meinen alten Freunden fand ich niemand mehr vor. aber der Betrieb, in dem ich seinerzeit gearbeitet hatte, existierte noch, und die Verhandlung, die ich wegen Wiedereinstellung anknüpfte, führte anscheinend zu einem guten Resultate — wenn nur das eine nicht gewesen wäre, daß ich mich unmöglich in Prag anmelden konnte. Ich fuhr zunächst nach Breslau, von dort nach Berlin, aber auch hier ohne Erfolg. Als ich wieder von Berlin nach Hause, d. b nach Tilsit fahren wollte, fiel mir eip. mich doch einmal nach dem Verbleib meiner älteren Schwester zu erkundigen. Ich begab mich also auf das Einwohnermeldeamt. Dort wurde mir die erfreuliche Mitteilung, daß meine Schwester in Rixdorf wohne und an einen Buchbinder verheiratet sei. Ich flog mehr als ich ging die Treppen hinunter und eilte, so schnell ich konnte, nach Rixdorf hinaus. Hier fand ich nach fünfundzwanzig Jahren meine Schwester wieder! Natürlich hatten wir uns viel zu erzählen! Ich vermied es jedoch, sie über die wunden Punkte in meinem Leben aufzuklären. Wozu auch?! Sie hatte ihr bescheidenes Auskommen, konnte mir aber gewiß nicht helfend beispringen. Nachdem ich einige Tage bei ihr geweilt, besuchte ich meine Heimat. Mit Mühe erfragte ich den Aufenthalt meiner Stiefmutter, Es war ja jetzt 17 Jahre her, daß wir nichts mehr voneinander gesehen und gehört hatten. Hier fand ich Tränen. Mein Vater war vor 10 Jahren und mein Stiefbruder vor 17 Jahren, kurz nach meinem Besuche, gestorben. Notdürftig schleppte sich die Frau durchs Leben, von dem früheren Wohlstande unserer Familie war nichts gehlieben als die Erinnerung. Bei einem Besuche meiner Verwandten wurde mir mitgeteilt, daß auch die Polizeibehörde in Tilsit sich's hatte angelegen ein lassen, kurz vor meiner Entlassung aus det Anstalt Rawitsch mein Bestreben, mir einen Paß zu verschaffen. unter die Leute zu bringen. Da so auch auf Arbeit in Tilsit nicht zu rechnen war, beschloß ich zunächst, noch einmal Potsdam aufzusuchen Und weil ich mein Geld nicht ganz aufbrauchen wollte, entschloß ich mich zu der verhältnismäßig niedrigsten und schwersten Arbeit: ich habe damals in Potsdam Kohlen abgetragen. Ich glaube, auch dadurch habe ich bewiesen, daß ich ine.swegs zu den arbeitsscheuen Leuten gehöre. Leider waren meine körperlichen Kräfte den Anstrengungen nicht gewadiseu. Mein Rücken war vollständig wund gedrückt, eine rohe, blutige Masse, so daß mir meine Kleidungsstücke darauf klebenblieben. Ich mußte die Beschäftigung einstellen. An einem Sonnabendabend fuhr ich wieder zurück nach Berlin, und es glückte mir gleich am Sonntagmorgen, in einer Schuhfabrik in der Nähe des Sd,lesischen Bahnhofs al« Maschinist Stellung zu finden. Nun halte ich zwar Arbeit, aber wie sollte es mit der Anmeldung werden? Ich wohnte zunächst in der Nähe meines Arbeitsplatzes in der Herberge zur Heinsat. Aber das ließ «ich auf die Dauer nicht durchführen. Erstens mußte ich früher aufstehen, um rechtzeitig auf meinen Arbeitsplatz zu kommen, und dann würde es aufgefallen sein, wenn ich bei meinem Einkommen in der Herberge wohnen geblieben wäre. Da ich nun wußte, daß Berlin in der Aufnahme von„Entlassenen" sehr vorsichtig ist. so wollte ich sehen, ob ich nicht von Rixdorf aus. indem ich dort Wohnung nahm, rechtzeitig in Berlin zur Arbeitsstätte eintreffen konnte. Ich fuhr also zu meiner Schwester, um mit ihr Rücksprache darüber zu nehmen. Das Ergebnis war. daß sie mich aufforderte, zu ihr hinauszuziehen. Dieses Anerbieten war mir natürlich sehr angenehm, hatte ich doch in meinen Mußestunden einen richtigen Anschluß, und Schwesterhände sorgen auch in anderer Beziehung hesser als fremde. Zudem hatte sie auch keine Kinder bei sich, ihr Mann lebte als Privatier, so daß für alle Teile viel Annehmlichkeiten herauskamen* Ich hatte nur große Furcht, daß die Polizeibehörde in Rixdorf mir auch Schwierigkeiten machen würde. Doch darauf mußte ich es jetzt ankommen lassen. Meine Anmeldung fand in ordnungsmäßiger Weise statt, und zunächst wurde ich weiter nicht behelligt. Etwa nach vierzehn Tagen wurde ich auf das Revierbüro geladen, weil jeder Zuziehende über seine Familie und sonstigen Verhältnisse Auskunft zu geben hat. Bei dieser Protokollierung meiner Angaben erfuhr ich nun, daß die Berliner Behörde über meine Ausweisung bereits unterrichtet war, und der protokollierende Beamte meinte bedauernd, daß wohl auch in Berlin der gleiche Fall eintreten würde. Ich wies darauf hin, daß ich in einem festen Arbeitsverhältnisse stände, daß ich bei meiner Schwester wohnte, deren Mann unbescholten wäre— alles blieb ohne Einfluß! Vier Woche n später wurde ich aus Berlin ausgewiesen! Aber Berlin gab mir für sich und die dreißig im Ausweisungsbefehl angeführten Ortschaften vierzehn Tage Zeit. (Fortsetzung folgt'). kein Ä Zor Frage der linheitsSront Diskusslonsbeilrag eines lungen denisdien Arbeiters Als eifriger Leser der ,J). F." und emigriertes Mitglied der Sozialistischen Arbeiter-Jugend(der ich auch in meinen Bekanntenkreisen eifrig Propaganda für ihre wirklich gute Zeitung treibe) habe ich mir erlaubt, zu den Ausführungen Aufhäusers Stellung zu nehmen, da ich positiv weiß, daß meine in dem Aufsaß zum Ausdruck gebrachten Gedanken, die eines großen Teiles der Mitglieder der früheren S. A. J. sind. Ich hoffe und bitte Sie gleichzeitig diesen ziemlich kurz gefaßten Artikel zum Abdruck zu bringen, wenn er auch stilistisch und sprachlich nicht immer vollkommen sein mag und Sie auch in dieser oder jener Frage anderer Anschauung sein mögen. Mit der Versicherung, daß ich weiter mit allen meinen Kräften zur Verbreitung der„D. F." mit beitragen werde und mit sozialistischem Gruß... Natt» genauer Lektüre des Artikels:„Hauptfeinb Faschismus", von Aufhäuser, wird man kaum eine Antwort auf die ioch sehr natürliche und begreifliche Frage finden, warum das Problem der Einheitsfront so reichlich spät von den- jcnigen behandelt wird, in deren Hände das Schicksal der deutschen Arbeiterbewegung gelegt war. Damals in den Tagen vor dem 30. Januar und noch in den Tagen nach der Machtergreifung durch den Faschismus, als noch eine große und stolze„Massenbewegung der Arbeiterschaft mit zivei ebenso großen und stolzen„Massen"parteien bestand, damals olS die Frage der Einheitsfront mit nicht zu übertreffender Deutlichkeit auf der Tagesordnung stand und ihrer Lösung harrte, wurde das Einheitsproblem wohlweislich ignoriert — bis Hitler es auf seine Art„löste". Wenn S. Aufhäuser sagt, daß„die Sozialdemokratische Partei und die Kommu- nistische Partei dcS Taargebietes mit kühner^ Entschlossenheit eine einheitliche antifaschistische Front gegen die Unterwer- fung des Saargebietes unter Hitler-Deuischland gebildet haben", so zeigt uns dies Beispiel, daß die deutsche» Ereig- nifse seit dem 30. Januar 1933 nicht nur den Untergang der deutschen proletarischen Bewegung nach sich zogen, sondern daß sie auf der anderen Seite dem Proletariat der ganzen Welt, und besonders dem des Taargebietes, zeigten, daß eine der Hauptursachen dieser Niederlage in dem Fehlen einer einheitlichen Kampffront, lag. Tiefe Methode der Ein- heitSfront, die früher das einzig Mögliche zur Verhinderung einer Nieberlage war, hat, nachdem die so große und stolze „Massenbewegung der Arbeiterschaft mit den zwei ebenso großen und stolzen„Massen"parteien in sich selbst zusammen- gefallen ist, für das deutsche Proletariat ihre ehemalige Be- deutung fast völlig verloren. Da„die organisatorischen Umfassungsmauern der alten Arbeiterparteien gefallen sind", wie Aufhäuser sagt,„doch im Dunkel des illegalen Kampfes zahlreiche revolutionäre Grup pen emporwuchsen... die um Ziel und Inhalt einer neuen Bewegung ringe»", kann man von den in der legalen Zeit hauptsächlich zur Bildung der Einheitsfront In Betracht kommenden„alten Arbeiterparteien" überhaupt nicht mehr sprechen. Sind doch auch die beiden genannten als verant- wortlich angesehenen Parteien für ein Neuanslcben, gleich wie in welcher Form, zu sehr kompromittiert. Wenn nun Aushäuser behauptet, die deutsche Arbeiterbewegung sei nur „an der Spaltung zerbrochen", so spricht er nicht nur sich und seiner Politik und die der anderen verantwortlichen Ar- beitcrführer ein vernichtendes Urteil aus. sondern zeigt gleichzeitig, daß das für einen siegreichen sozialistischen Bor- marsch unbedingt notwendige:„Lernen aus der Geschichte", bei ihm völlig abhanden gekommen ist. Hat er doch vollständig die marxistische Lehre von der Rolle der Partei inner- halb der Arbeiterbewegung„vergessen". Die Verzweiflung über die vielen und schweren Niederlagen möchte Genosse Aufhäuscr mit„der Schaustellung einer papiernrn Einheit" verdecken, das Versagen der„Massen"partcien sund-Führers „lehrt" ihn das Rufen und Verlangen nach noch„größeren" Massen- und Einheitsparteien. Greisen wir doch nur ein Beispiel von den vielen heraus, um zu beweisen, daß ihm die noch„größeren" Parteien wohl kaum vor weiteren Niederlagen und Enttäuschungen bewah- ren werden: War die österreichische Arbeiterschaft auch nur „an der Spaltung zerbrochen" oder war sie in einer einzigen „Massenpartei" unter einer einzigen Führung organisiert, in einer großen„revolutionären sozialistischen Einheitspartei", die heute trotz der wirklich bitteren und schmerzlichen Er- fahrung fes ist nicht die einzige» wieber gefordert wird? Dieses eine blutige Beispiel der österreichischen Arbeiter lehrt uns, daß wir nicht krampfhaft nach„Einheits- und Nur-Massenparteien" rufen können, die nur bestehen wür- den„im Geiste der gegenseitigen Amnestie", des Kompro- misse-Schließens und des„gegenseitigen Verstehen»". Derartige Parteien werden gewöhnlich propagiert von politischen Bankrotteuren, verzweifelten Halb- und Hohlheiten nach- jagenden Elementen und den immer Unentschlossenen, von denen Karl Marx 1818 sagte: „Tie predigen dem Proletariat im allgemeinen Einigung und Versöhnung, sie bieten ihm die Hand und streben»ach der Herstellung einer großen Oppositionspartei, sie streben danach, die Arbeiter in eine Parteiorganisation zu ver- ivickcln, in der die allgemeinen sozialdemokratischen Phra- sen vorherrschend sind, und in der die bestimmten Forde- rungcn des Proletariats um des lieben Friedens willen nicht vorgebracht werden dürfen. Eine solche Vereinigung würde allein zum Nachteil des Proletariats ausfallen." Es würde im großen und ganzen eine Partei entstehen chne klares marxistisches Banner und klare Prinzipien, eine Partei, die daher wie ihre Vorläufer den Keim der Mieder- läge in sich trägt. Wird man die„enttäuschten Anhänger", von denen Aufhäuser spricht, und die„von der SPD. und KPD. und von der KPD. zur SPD. überlaufen" wirklich befriedigen und sammeln können, in dem man die in beiden Parteien verfolgte fehlerhafte und verderbliche Politik auf ein und dieselbe Formel vereinigt? Nein, ein wenig schwie- riger liegt doch das Problem der„Einheitspartei", und ein wenig kühler und kritischer muß man eS betrachten. Sagt uns Aufhäuscr doch selbst, daß die beiden früheren Arbeiterparteien ihre Aufgabe als Führer der Massen gänz- lich ignoriert und verfehlt hatten:„DaS Vertrauen der Mas- sen zu ihrer eigenen Kraft ist das Vertrauen in die unüber- windliche Macht ihrer Einheit und Geschlossenheit". Hatten nicht die deutschen Massen bis zuletzt„Vertrauen zu ihrer eignen Kraft", und trotzdem war das„Vertrauen in ihre Einheit und Geschlossenheit" sdenn die Massen waren einig» keine„unüberwindbare Macht". Fühlten sie nicht im Gegen- teil in dem Augenblick, wo der Faschismus sich anschickte die Macht zu ergreifen, daß es nun die An'gabe der Partei wäre, sie zu führen? Zeigt uns doch nichts besser, daß vor dem„Sammeln und Organisieren" der Arbeiterschaft, das nicht weniger wichtige„Anfbanen und Stählen" einer aus dem marxistischen Fundament fest und unerschütterlich stehen- den„Kadcrpartei", die wirklich fähig ist der Führer der Mas- sen zu werden,„veracfsen" wurde. Sehr richtig sagt dann Aushäuser, daß„am Anfang der Einheit die Einheit der Tat" stehe, aber hatten dies nicht gerade, wie wir gesehen haben, diejenigen, die dazu die Möglichkeit und Gelegenheit hatten aus reiner Unfähigkeit„unterlassen"? Wenn die Frage der Partei eine der Hauptfragen der legalen demokratischen Zeit war, so ist sie es mehr noch in der Finsternis der Illegalität, wo endgültig jede„Nur-Massen"illusion auf das Unbarmherzigste zerstört wird. Die Avantgarde des deutschen Proletariats wird, im Ge» gcusatz zu den Propagandisten der„Einheits- und Massen- Parteien", die mit der tatsächlichen Wirklichkeit nichts gemein haben und gegenüber den blutigen Terrormaßnahmen nur ein Hohn sein können, ihre Aufgabe in dem Ausbau einer neuen Partei sehen. Dieser fortgeschrittenste, klarste und geschlossenste Teil der Arbeiterbewegung wird sein Haupt- augenmert nicht richten aus ein Vermengen und Vermischen der verschiedensten„Theorien", um möglichst„viel" Anhänger zu sammeln, sondern auf ein Erhalten der Reinheit und Klarheit des marxistischen Banners, das allein den Sieg verbürgt. Weil der Faschismus bereit ist, die Herrschast des Großläpitalismus um jeden Preis zu stabilisieren und sich mit den Mitteln blutiger Gewalt nach innen und nach außen zu behaupten, weil„die Elastizität der Hitler Diktatur zur Ucberwindung von Schwierigkeiten... unbegrenzt sind", und„er fest, hart und unerbittlich in seiner tödlichen Feindschaft gegenüber der sozialistischen Arbeiterschaft bleibt", hat der revolutionäre Vortrupp der Arbeiterklasse eine allzu leichtsinnige, nur„von sich reden" machende, Koiizentrations- lagcr und Gesängnisse anfüllende Phrasen sMnsscn-jPolitik, aznlchnen und zu bekämpfen. Wo hätte eine„Einsatzbereit- schaft in den einzelnen Etappen der faschistischen Entwicklung" geendet, die Aufhäuscr fordert? Doch höchst wahrscheinlich mit der radikalen Zerstörung der revolutionären Gruppen und mit der Unmöglichmachung jeder illegalen Arbeit auf längere Zeit. Eine straff und eisern organisierte„Kader» portei", die sich von allen demokratischen Illusionen befreit hat und die eine Politik„der langen Sicht" sdie einzig und allein richtig ist» betreibt, wird nicht nur der Gestapo Gö- rings siegreich standhalten, sondern die einmal verankerten „Kader" weiteransbanen. Möge auch diese„Kadcr"partei für eine gewisse Zeit quan» titativ schwächer sein, doch qualitativ wird sie über allen „Massen"parteien stehen. Eine derartige marxistische Partei ist dann fähig den Massen ein Ziel zu geben, ihr wahrer Führer zu sein, die Triebkraft der Revolution zu werden, und sie wird die Aushäuser„auf so gänzlich falschen Wege angestrebte„Resonanz und Massenbasis" finden. Genau so wenig wie die„Massenpartei" in Betracht kommen kann für die politische Wiedergeburt der deutschen Arbeiterklasse, kann es die„Massengewerkschaft" für die Belegschaft und den Betrieb. Auch hier muß sich die revolutionäre Avantgarde, will sie fruchtbare und erfolgreiche Arbeit leisten, von dem Prinzip der„Kader" und von der Politik„der langen Sicht" leiten lassen. Aushäuser sagt weiter:„Alle parteitaktischen Erwägungen haben zurückzutreten." Handelt es sich denn wirklich nur um nebensächliche, untergeordnete„parteitaktischc Erwägungen" oder ist es nicht eine der wichtigsten, hauptsächlichsten und schwierigsten Probleme unserer Epoche mit der das Schicksal der deutschen Arbeiterbewegung, das Schicksal des gesamten iuternationalen„wissenschaftlichen Sozialismus" unlösbar verbunden ist: an dem richtigen Erkennen der Partei, ihres Wesens, ihrer Rolle und ihrer Ausgabe? Führt daizn die Gründung nnd der Aufbau einer neuen wahren marxistischen Partei ivtrklich zur„Vertiefung der Spaltung" oder wird sie nicht durch das Organisieren der Widerstandskraft der Ar- beitcrschaft die Ehre deS„internationalen Sozialismus" retten und dem Proletariat die wirkliche, dauernde Einheit, die Einheit der Tat erkämpfen? Die revolutionäre Avantgarde wird daher der Ansicht sein, daß die Bildung der Einheit»- fiont unter den in der Illegalität verbliebenen Gruppen, obwohl diese Frage ihre natürliche entscheidende Bedeutung verloren hat, die Bildung einer neue» Partei nicht aus- schließt, die allein das Schicksal der Revolution bestimmt und die all-i» die Ab-st^rsthafi zum„Weg zur Macht be- S ch o b a. Wahlschwindel überall Sliw der Lausitz wird uns geschrieben: Zu de» bemerkenswertesten Ergebnissen der Abstimmung vom 19. August gehört zweifellos das von Forst i. Lausitz. Nach Angabc des amtlichen Büros waren stimmberechtigt: -i 728 Personen, davon gehen ab: 2971 ausgegebene Stimm- scheine, bleiben 29197 Wähler. Dazu kommen 1030 Wähler, die anf Stimmscheine in Forst abgestimmt haben, das find 26 103 Stimmberechtigte. Es haben aber abgestimmt 2K 384 Personen, also Ml Wäh» ler mehr-'s überhaupt stimmberechtigt waren, und das bei 90 Prozent Wahlbeteiligung. Woher sind also die Ml. plus 4 Prozent Nichtbeteiligung, sind 1108, in Summa 1949 Stimmen gehe! er Herkunft? Daß find die jungen noch nicht wahlberechtigten Arbettsdienstpflichtigen, die nicht in »er Wählerliste standen, aber zur Abstimmung kommandiert wurden. Vor der Abstimmung wurden in Forst masienhast Zettel mit folgendem Text verbreitet: Katholiken? Hitler ließ unseren Klauscner und Probst ermorden! Hitler ließ ihre Leichen verbrennen! Hitler schickt unsere Geistlichen in die Gefängnisse! Hitler vcrgcivaltigt unsere Jugend! Hitler ist der Feind der Katholiken! Kein Katholik kann Hitler wählen! Darüber furchtbare Aufregung bei den Nazis. Bei allen namhaften Katholiken erfolgte Haussuchung und strenges Verhör, auch wurde ein katholischer Pfarrer ver- haftet. Tann wurde das katholische Pfarramt gezwungen, nachstehende Erklärung in sämtlichen Forster Zeitungen ab- zugeben: Der Katholik stimmt mit Ja! Wie mir soeben von der Redaktion des Forster Tage- blattes mitgeteilt wurde, sind Zettel verbreitet i morden bu die Katholiken ausfordern, am morgigen Wahlsonntag von der Wahlurne fortzubleiben. I» bin nanz uberrascht von dieser Bekanntmachung und versichere auf das best mmtcite. daß das katholische Pfarramt davon keine Kenntnis bisher hatte und sich den llrspruna^ser He^ettel überhaupt nicht erklären kann. Das Pfarramt fordert im Gegenteil olle Katholiken auf. am morgigen«onntaq i h r«® t aats- p i I i di t zu erfüllen und zu beweisen. Sag wir Kalho- liken gute Deutsche sind. Forst lSausitzi, den 18. August 1984. Daß katholische Pfarramt Forst: i. A.: Günter Polotzik. Kaplan. In Grob-Jammo, Kreis Torau, wurden die Stimmzettel gleich am Vorstandstisch abgenommen, erst nach Protest cini- ger Wähler wurden die Leute in die Wahlzelle gelassen. Der Protesteinlcger wurde von einem 20jähr!gen SA.-Mann zum Bolksverräter erklärt. Berliner Einzelresultate: bis 20 Prozent Nein! In Berlin-Neukölln wurden in verschiedenen Bezirken 30 bis 39 Prozent Neinstimmen abgegeben, in Mahlsdorf-Süd 40 Prozent. Am Wedding brachte eß ein Bezirk auf 990 Nein- und ungültige Stimmen gegen 000 Ja-Stimmen, in einem anderen Bezirk auf 070 Nein-Stimmcn gegen 74S Ja. In Lichtenberg wurden 20 bis 27 Prozent Nein-Stimmen abge- geben. Auch in dem rein bürgerlichen Stimmbezirk Lützoiv- platz hat sich die Opposition mit 229 gegen 109 vom 25. No- vember mehr als verdoppelt. Achnlichc Resultate wurden auch in Leipzig erzielt, wo in manchen Gegenden die Nein-Stimmen bis auf 40 Prozent stiegen. Aehnlich war es in B i e l e s c l d und anderen Industriestädten des Westens. Nene Judenpogrome Streichers Von der Hitlerpresse unter antisemitischen Verleumdungen zugegeben Die in Würzburg erscheinende„Mcnnfrcinkische Zei- tung" meldet aus Laudenbach bei Karlstadt: „... Zu unerlaubter Selbsthilfe gegriffen haben in den frühen Morgenstunden hiesige Einwohner, die, wie uns berichtet wurde, durch übermäßiges Geschrei jüdischer Vieh- Händler aus dem Schlaf geweckt wurden. Es wird weiterhin erzählt, die Inden hätten sich auch schwere Tierquälerei zu- schulden kommen lallen. Der Bichhändler Josef Hirsch mußte seine Rücksichtslosigkeit und seine Tierquälereien büßen. Er begab sich in die Behandlung eines Naturheil- kundigen, lieber dieses Vorkommnis kursieren die tollsten Gerüchte, und man muß sich nur wundern, daß die Juden noch so viele mitfühlende Freunde ihr eigen nennen können. Wenn wir auch die Ge- mlltsaufwallung der aus dem besten Schlafe geweckten und durch Tierquälereien empörten Volksgenossen nur zu gut verstehen können, so können wir jedoch die Ausschreitungen im Interesse*;r öffentlichen Ruhe und Sicherheit nicht für gut heißen. T t Gendarmerie Karlstadt hat sich des Vorsalles bereits angenommen und wird in objektiver Weise dazu Stellung nehmen." Die Eenda.merie des Hitler-Streicher» verhaftet nicht etwa die Banditen, sondern nimmt„in objektiver Weise Stellung". Des„Führers" Freund „Die Schandr von Kamen" Dortmund, 9. Sept. sJnpreft.» Der„Siürmer" des Ehrengruppenfnhrers Streicher hatte in seiner Äugust- ausgabc»Nr. 34» einen Artikel ,D-ie Schande von Kamen" veröffentlicht, in dem er den nationalsozialistischen Bürger- mcistcr von Kamen bei Dortmund. Brüning, nnd den Bau- rat Reich beschuldigte,„durch einen erwerbslosen TA.-Mann den Judcnfriedhof in Kamen in Ordnung bringen zu lassen". Dieser Artikel führte zu einer„dringenden Genieinderats- sitznng" in Kamen, die so stürmisch verlies, daß sie unter- brachen werden mußte nnd eine Anzahl Gemcinderatsmit- gkteder sich an den weiteren Berninngen nicht mehr beteiligte. Die Sitzung verdient besonderes Interesse, iveil hier einmal in Deutschland selbst zu den Methoden Stellung genommen worden ist. mit denen Streiche» sein Schandblatt fabriziert. Der Bürgermeister Brüning erklärte, daß„schon in der Uebcrschr ft des„Stürmer" eine Lüge enthalte» sei". Er gab sodann eine Darstellung aller in dem Bericht enihal- tenen Lüge» und erklärte zum Schluß, daß er von der Ab- ficht des„Stürmer", den Artikel zu veröffentliche», vor er- folgten» Druck Kenntnis erhalten und das Blatt gewarnt habe, ihn aufzunehmen.„Der„Stürmer" aber", sagle Brüning,„hat meine Angaben bzw. Richtigstellung nicht abgewartet, fondern den tendenziös entstellten Bericht ver- ösfentlicht" Wer nlchl parier», krepier!! Das Wiesbadener Tageblatt veröffentlicht folgende Notiz aus der Gemeinde Kirchen fSieg): „Nörgler u n d K r i t i k a st e r stellen sich außerhalb der großen Volksgemeinschaft. Zu ihnen gehört auch der Nach- kalkulator aus Betzdorf, der sich in letzter Zeil ipiederholt in höchst abfälliger Weise über die Regierung geäußert bat. Er wurde von der Polizei von seiner Arbeitsstelle in der Lokomotivfabrik Arnold Jung zur polizeilichen Vernehmung geholt und dann vorläufig i!> wieder auf freiem Fuß ge- lassen. Die Gefolqschast seiner Arbeitsstelle weigerte sich s?» ivciter mit dem Stänkern zusammen zu arbeiten, so daß er von der WerkSgcmein schaft ausgeschlossen wurde. Die Folgen der Arbeitslosigkeit und vielleicht antb den Verlust der Erwerbslosenunterstützung hat er sich selbst zu- zuschreiben." Tragischer Tod Ter frühere Sekretär des Buchdruckervereins in MarSe- bürg, Pietschner. 02 Jahre alt, erlitt infolge Beschimpiuna im Bu>!druckerverbandshauS in Magdeburg einen Herzschlag. An seiner Beerdigung nahmen über 700 sozialdemokratische Par- teigenossen teil- 60000 verließen Deutschland... bbiefkastem Das Hilfswerk fiir die deutschen Flüchtlinge Genf, 6. Sept. Nach Mitteilungen, die der Kommissar für das Hilfswerk zugunsten der deutschen Flüchtlinge jJsrae- liten und anderer!, James G. M a c d o n a l d, bei einem Presseempfgng im Genfer Hotel Bcllcvue machte, konnten bisher ungefähr 25 000 Flüchtlinge untergebracht werden, deren Mehrzahl ist nach Palästina gegangen. Tie anderen haben sich nach überseeischen Händern begeben oder konnten ständige Beschäftigungen in den Ländern finden, wohin sie zuerst geflohen waren. Gegenwärtig stellen fast alle Regie- rungen der Teutschland benachbarten Ländern gleichartige Reisepapiere zugunsten der Flüchtlinge aus. Diese „Jdentitäts- und Reiseauöweisc" sind hinsichtlich der Bisierung durch die Einwanderungslän- der den nationalen Reisepässen gleichgestellt. Anderseits konnten im Hinblick auf die Ausdehnung der Arbeitslosig- keit in allen Ländern für die A r b e i t s b e w i l l i g u n g c n zugunsten solcher Flüchtlinge, die für eine selbständige Niederlassung keine genügenden Mittel haben und einen Broterwerb suchen müssen, viel weniger günstigere Rcsul- täte erzielt werde». TaS Hilfswerk für die Flüchtlinge sollte daher durch konstruktive Mast nahmen ergänzt werden, welche die definitive Niederlassung der Betreffenden in neuen Beschäftigungskreiien zum Ziel haben. Derartige Mastnahmen werden zurzeit in London und besonders in Neuyork getroffen, um besondere Organisationen zu schaf- fen behufs Beschleunigung der Auswanderung und der An- siedlung. Diese letztere soll den Flüchtlingen eine Wirtschaft- liche Grundlage bieten, um sie vor dem beschämenden Ge- fühl zu bewahren, dauernd der öffentlichen Wohltätigkeit anheim zu fallen. Da im ganzen mehr als 00 000 Flüchtlinge Deutschland verlassen haben, sind ganz bedeutende Mittel erforderlich, damit die verschiedenen Organisationen, die in der angegebenen Rich- tnng arbeiten, ihre Tätigkeit fortsetzen können. Bereits haben die jüdischen Gemeinschaften der ganzen Welt in weitem Blähe zu dem Zweck der unmittelbaren Hilfe an solche Flüchtlinge beigetragen, deren Lage sich als besonders vcr- zweifelt darstellte. Die Gelder aus christlichen Kreisen ihrer- scits waren bisher äusterst beschränkt, und da sich unter den Flüchtlingen weniger Christen als Juden befinden, haben viele jüdischen Gemeinschaften auch die ersteren, die sich unter den israelitischen Schicksalsgenossen befanden, unterstützt. Man hofft jedoch, dah sowohl in den Bereinigten Staaten als in Großbritannien, mit Unterstützung hoher kirchlicher Behörden, es möglich sein werde, für die christlichen Flücht- linge größere Mittel au'zutreiben, um damit jene jüdischen Gruppen zu entlasten, die bisher ihre Unterstützung ohne Rücksicht auf Rasse oder Bekenntnis der Flüchtlinge gewährt haben. Frankreich und Italien Die neue Verständigung Paris, 9. September. Wladimir T' Ormesson beschäftigt sich im„F i- garo" mit den französisch-italienischen Be- ziehungen. Ter bekannte Publizist stellt mit Befrie- digung eine Besserung dieser Beziehung als Folge der deutschen Ereignisse fest. Er sagt, die Italiener seien wie die Engländer, sie fühlen nicht instinktmäßig die deutsche Gefahr, denn sie seien ja nicht direkt Nachbarn Deutschlands. ... Aber jetzt, wo die deutsche Gefahr auch sie direkt be- drohe, reagieren sie genau wie Frankreich. Auch England beginne ja, sich zu fragen, ob nicht seine Sicherheit illusorisch sei. Zwischen Frankreich und Italien gebe eS heute eine Gemeinsamkeit der Auffassungen. Diese Gemeinsamkeit richte sich nicht gegen Deutschland, denn Italien sei ja nicht antideutsch, es wünsche genau wie Frank- reich, in Frieden mit seinen Nachbarn zu leben. Aber Frankreich und Italien seien sich einig, daß das deutsche Getüminel eben auf Deutschland beschränkt bleiben müsse. Es gebe aber, so meint D'Ormesson, zwischen Frankreich und Italien noch viel stärkere Bindungen. Diese Bin- düngen seien in der gleichen Kultur und in der gleichen Lebensauffassung zu suchen. Und wenn auch Italien eine Diktatur, England ein Königreich und Frankreich eine Demokratie sei, so schlinge sich doch um alle drei das gleiche Band der Zivilisation. Zwischen Frankreich und Italien, so heißt es weiter, gebe es keine Prestigefragen mehr.„Die beiden Länder, die eines wie das andere die gleiche Denkart haben, streiten sich nicht mehr um Schatten, sondern verständigen sich über Tatsachen. Sie haben hinsichtlich des DonaupakteS ein großes Aufbauwerk gemeinsam zu vollenden. Und was diesem Werk seine Bedeutung verleiht, ist, daß es nichts Befseres für Europa und für die Sache des Weltfriedens gibt." Der franhcn Frankreich will ihn halten Neuyork, 9. September. Tie französisch-amerikanische Gesellschaft in Neuyork hat ein großes Abschiedsessen gegeben zu Ehren der französischen Delegation, die aus Anlaß der Gedächtnisfeiern für Jacques(Sortier, des Entdeckers von Kanada, nach Amerika gekommen war. Bei dieser Gelegenheit hat der französische Minister der öffentlichen Arbeiten eine längere Rede ge- halten, in der er sich auch mit der Frage des Franken be- schästigte. Zur französischen Geldpolitik erklärte der Minister sehr energisch, daß Frankreich den Franken halten werde, genau so wie die fran- zösischen Soldaten Berdun gehalten hätten, nicht aus wirtschaftstechnischcn Gründen allein, sondern vor allem auch aus moralischen Gründen. Denn die Regie- rung wisse sehr wohl, daß die wirtschaftliche Unordnung ernste soziale Wirren entfesseln würde.„Wir wissen," so schloß der Minister seine Ausführungen,„daß der Mittel- stand durch die Geldentwertung bereits große Opfer ge-. bracht hat, und wir wollen nicht, daß auch noch die Arbeiter- schast zugunsten spekulativer Berechnungen ihres Lohnes beraubt wird, besonders da mir darin keine Besserung der Lebensumstände sehen." IM- oder ca.$000 am in St Irina- Wendet. 133, rue Natio nale, 133 mit Fabrik- gebäude zu verkaufen. Sich wenden unter Nr. 1'49 an die Expedition dieses Blattes Junqgeseffen- IDofinung mit Bad und Küche möbl., zu vermieten. Heizung, Warmwas» ser, Telefon 7, Aven. du Colonel Bonnet Passy Der Erfolg liegt in der [„eklame! Inserieren Sie deshalb in der „Deutschen Freiheit" MI i die„Deutsche Freiheit" Straßburg Faschisten ohne Hemd In dem Arbeitervorort Illkirchen-Graffen- Staden holten sich einige Schwarzhemden, die dort mit dem Verkauf ihrer Zeitung ihre Heilslehren an den Mann bringen wollten, eine böse Abfuhr, die rasch entschlossenen Arbeiter, die in größerer Zahl die Faschisten umringten, nötigten die recht verblüfft dreinschauenden Vertreter der Straßburgcr Faschistenortsgruppe, sich möglichst rasch ihrer Hemden zu entledigen. Nach einigen Ausflüchten kamen die Herren dieser Aufforderung nach, ließen sich noch fotografieren und marschierten dann in trauigem Zug nach Straßburg zurück. Die Bevölkerung scheint nicht gesonnen zu sein, den Faschismus und seine Vertreter mit überströmender Liebe zu empfangen. Seit einigen Tagen sind auch im Straßburger Stadtbild die uniformierten Vertreter der Faschisten verschwunden. Keine Einreiseerlaubnis für„schöne Frauen" Im erst vor kurzem wiedereröffneten Union-Theater sollte vor einigen Tagen zum Beginn der Exposition eine Revue „schöner Frauen" steigen. Alle Vorbereitungen waren getroffen und der Kartenverkauf hatte bereits begonnen. Doch als die Vorstellung beginnen sollte, waren die schönen Frauen nicht gekommen. Sie erhielten keine Einreiseerlaubnis. Die zuständigen Stellen scheinen der Meinung gewesen zu sein, daß die vielen, vielen schönen Frauen viel besser im „dritten Reich" bleiben könnten und die Straßburger diesen Verlust nicht allzu schmerzhaft empfinden würden. Vielleicht hat der„Führer" Erbarmen mit den arbeitslosen Schönen und holt«je in Leiter Stunde vi>d> KütJÜlerg. Pjp SA. sieht„sowas" auch ganz gern und Adolf selbst findet unter diesen„ausgesuchten Geschöpfen der Anmut und Schönheit" vielleicht doch eine, mit der er vereint dem deutschen Volke seine Vorschläge auf Volksvermehrung und rassische Ertüchtigung einmal vorlebt. Wer kanns wissen? Paris Anhaltende Goldzuflüsse von England nach Paris Der Ausweis der Bank von Frankreich zeigt eine neue bedeutende Zunahme des Goldbestandes um 442 Millionen Fr., die wiederum vornehmlich auf Verkäufe des englischen Ausgleichsfonds, die dieser zur Verteidigung des Pfundkurses vornimmt, zurückgeht. In der Vorwoche erhielt das Noteninstitut einen Goldzugang von 504 Millionen Fr. Das Tempo der Goldzuflüsse hat sich also kaum vermindert. Die Zunahme des Goldbestandes, die ja ein Ausdruck für die Kapitalabwanderung von London nach Paris ist, trägt zur Verflüssigung des Pariser Goldmarktes bei. Deutscher Klub Am Dienstag, dem 11. September, um 21 Uhr. spricht im Deutschen Klub(Salons Le Peristyle, 31 bis, Rue Vivienne- Metro: Bourse) W. Walder über„Deutsche Emigration hier, drittes Reich dort,— eine Auseinandersetzung und eine Kritik".— Gäste sehr gerne willkommen. Eintritt für Mitglieder frei. Gastbeitrag: 2,— Franken. (■>. Marburg. Sie schreiben uns:„In dem kleinen Ort Geinsheim bei Mainz gab es jüngst eine freudige Sensation für die National- so-ialisten und die Hitler-Jugend des Ortes. Man machte sich eine Strohpuppe zurecht und zog sie an einem Laternenpfahl in die Höhe. Darunter stand in großer Schrift:„Hier hängt der letzte Jude." Das sollte ein Zeichen dasür sein, daß es mit vereinten.Kräften des Boykotts und des Terrors gelungen war, die letzte der sechs jüdischen Familien des Torfes auszutreiben. Tas gab ein Lachen und Schmunzeln. Es versteht sich von selbst, daß die gelungene Judenaustreibung höheren Ortes gemeldet wurde und der hefltsche Gauleiter mit seinem Lob für seine tüchtigem Amtswalter nicht kargte." An mehrere. Wir sind leider ganz außerstande, Ihnen die Adresse von Tr. Kurt Tucholsky anzugeben. Wir würden es auch dann nicht tun, wenn sie in unserem Besitz wäre. Warum er schweigt Es gibt viele Pseudonyme, an denen Tucholsky auch früher nicht arm gewesen ist, und wenn er wirklich nichts schriebe, so haben wir Grund zu der Annahme, daß es Vorbereitung für kommende Tinge sei. Wir können uns vorstellen, daß ihn das Schicksal Karl v. Ossietz- kys besonders tief berührt. St. Gasten. Sie sind sehr neugierig. Sie wollen wissen, warum man von dem Brecher der Zinsknechtschaft, Gottsried Feder, nichts mehr hört. Bitte, schreiben Sie einige Zeilen an Herrn Tr. Schacht, und Sie werden prompt Auskunst erhalten. Ferner erkundigen Sie sich nach Herrn H i n ck e l, der in den ersten Monaten des„dritten Reiches" preußischer Staatskommissar für die Theater war und, beschützt von seinem Gönner Göring, pompöse Reden über die Er- Neuerung der deutschen Bühne und ihre Befreiung von nichtarischen Giften hielt, von unzähligen Aufsätzen ganz abgesehen. Wir ver- muten, daß er in derselben Versenkung verschwunden ist, iv die»inj Schlageter-Johst geräuschlos siel. Dr. Stadtler.— Also Sie leben noch! Wie wir elsässischen Zei- hingen entnehmen, haben Sie sich bei einem Freunde in Straßburg gemeldet, mit der Mitteilung, daß Ihnen am 30. Juni nichts geschehen sei, und daß Sie sich„auf Urlaub" befänden. Man möge das allen Verwandten und Freunden mitteilen, damit sie sich keine Sorgen machten. Wir freuen uns über jeden, der der Bartholo- mäuSnacht, entronnen ist. Tie, mit Ihren alten Beziehungen zu Stahlhelmkreisen, haben sich trotz redlichsten Bemühens als Tirek- tor der entschlummerten„Vo,tischen Zeitung" nach der Macht- ergreisung durch Hitler nicht in die Herzen der braunen Macht- haber schmeicheln können. Vielleicht war es nur ein„Versehen" oder ein„Mißverständnis", durch das Ihr Glaubenssreund. Dr. Klause- ner, vom Leben zum Tode kam, dem Sie das Wiedersehen mit Ihrer Heimat Elsaß-Lothringen verdanken. Können Tie noch zu- rück? Wenn nicht, so begrüßen wir auch Sie im Kollegium der Emigranten. „Rosch Haschanah." Man schreibt un?:„Einem althergebrachten Branche folgend, haben auch in diesem Jahre der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Franklin D. Roosevelt, und eine Reihe anderer amerikanischer und auswärtiger Staatsmänner anläßlich des Rosch Haschanah-Feftes durch die ITA. Glückwünsche und Grußbotschaften an die jüdische Bevölkerung gerichtet."— Wie tief doch ein„Führer" sinken kann, wenn er nicht rassisch erleuchtet ist wie Adolf Hitler. Jüdischer Staatsbürger. Sie teilen uns mit:„Tas parteiamtliche Blatt„Tie Kurhessische Landeszeitung" veröifentlicht eine Warnung an jüdische Firmen, in der es heißt, daß zwei jüdische Firmen durch die Unachtsamkeit eines Akquisiteurs je ein Inserat in der„Kur- hessischen LandeSzeilung" untergebracht hätten. Nach Feststellung der Sachlage sei der Akquisiteurs entlassen und die Forderungen des Verlages an die jüdischen Firmen seien dem Winterhilfswerk über- wiesen worden. Zum Schluß der Erklärung heißt eS:„Wir warnen hiermit nichtarische Firmen jeder Art, Inserate in unserer Zeitung auf Umwegen aufzugeben zu versuchen, da wir sonst gegebenenfalls gegen die betreffenden Firmen auf dem Gerichtswege vorgehen werden."— Ter Streit ist sofort geschlichtet, wenn alle Juden soviel Selbstachtung haben, baß sie die antisemitische Presse nicht durch Inserate unterstützen. Literatur Das Internationale Antifaschistische Archiv, Paris stZej HS. Raul Arago, teilt uns mit: Einem vielfach geäußerten Wunsch von Jour- nalisten, Schriftstellern und Organisationen entsprechend stellt das Internationale Antifaschistische Archiv seine gesamten umfangreichen Materialien, neugeordnet und vielfach erweitert, der allgemeinen kostenlosen Benutzung bereit. Tie etwa 500 Mappen enthalten Material über die verschiedensten Gebiete: Sozialpolitik, Faschistische Organisationen, illegale Parteien, Reden der faschistischen Führer, Wirtschaft, Arbeit, Kirche, Landwirtschaft, Judenfrage, Terror, faschistische'Propaganda, Wahlen usw. usw.— Im antifaschistischen Archiv liegen anS: antifaschistische Zeit- und Wochenschriften des In- und Auslandes. Antifaschistische Zeitungen(unausgeschnittenf, Zeitungen des Faschismus(unausgeschnittenf, darunter auch wich- tige Provinzblätter.„Bierteljahrsheste des Instituts für Konjunktur- forschung",„Statistik und Wirtschaft",„The Eeonomist". Zeitungs- korrespoudenzen und Bulletins. Dem Archiv ist die Deutsche Frei- heitSbibliothek angeschlossen, die, außer den in Teutschland ver- brannten Romanschriftstellern, eine große Anzahl Bücher über den Faschismus und die verschiedensten Wissensgebiete besitzt. Tas Antifaschistische Archiv lieferte zahlreiche Materialien und Unter- lagen zu den weltbekannten Braunbllchern I und II, zu Broschüren, Artikeln und Aussätzen. Geöffnet: täglich, außer Sonntag», von 10 bis 12 und von 3 bis 0 Uhr. Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann P i y in Tud- weher: für Inserate: Otto Kuhn in Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der VolkSstimme GmbH„ Saarbrücken 8, Echlltzenstroße 5.— Schließfach 770 Saarbrücken. II 2. Auflage soeben erschienen! dtiiteccast' Von KLAUS BREDOW Fragen Sie in den Kiosken und Buchhandlungen nach. Falls die Broschüre am Ort nicht zu haben ist, lietert di.e Buchhandlung der„Volksstimme", Saarbrücken, Bahnhotstraße 32, gegen Voreinsendung von 3,90 französischen Franken aut das Postscheckkonto Saarbrücken Nr. 619 Verlag der„Volksstimme", Saarbrücken