Linzige unabhNngige Tageszeitung Veutfchlands Nr. 212— 2. Jahrgang Saarbrücken, Donnerstag, 13. Sept 1934 Chefredakteur: M. B r a u n Tlaziputsch gegen christliche QeceetkschafXen an dec Saat Seite 3 Die JhhZächtccei van OUesebeeg Seite 4 Unpacteiischec Tliicnbecqec!hstbeücht Seite 7 JUegale Arbeit dec Sarialdemohcatie Seite 8 Die««deutsche Front" verlangt Knebelung der Pressefreiheit im Saargebiet w\ ' Die„Saarbrücker Zeitung" richtet folgende An- Mge an die Rcgierungskommission: In einer redaktionellen Borbemerkung zu einem Artikel„Faschismus und Nazismus", der in Nr. 211 vom 12. September der„Deutschen Freiheit" erschienen ist, sin- det sich der Satz:„Ein Staatsoberhaupt von normaler aei- stiger und moralischer Beschassenheit hätte niemals den Staat einer Räuberbande ausgeliefert, wie es Hindenburg unter Bruch seiner Treuepflicht und seines Eides getan hat." Wir fragen: 1. Ist die Regierungökommisston der Ansicht, daß diese ungeheuerliche Beschimpfung des toten Reichspräsidenten „allein dem Urteil des Änstandcs und der öffentlichen Meinung" unterliegt? Oder liegt hier mit Rücksicht darauf, das, die deutsche Bevölkerung des Saargcbicts diese Ge- meinheit gegenüber dem verstorbenen Reichspräsidenten als eine unverschämte Heransforderung betrachten muh, nicht auch eine Gefährdung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit vor? 2. Was gedenkt die RegierungSkommission zu tun gegen- über der Tatsache, daß in dem oben angeführten Satz der Führer und Reichskanzler, das jetzige Staatsoberhaupt des Deutschen Reiches, als einer Räuberbande augehörig bezeichnet wird? Wir stellen dazu fest: Die Tatsache, daß der verstorbene Reichspräsident v. Hin» dcnburg den deutschen Staat einer„Räuberbande" ausge- liefert hat, wirh durch den Herrn Reichskanzler Hitler selbst beiviesc». Er hat am SO. Juni und in den Tagen nachher bis in seine Reichstagsreöe vom 13. Juli die Führer der SA. und der ST., darunter einen aktiven Reichsminister, mehrere aktive Polizeipräsidenten und höchste sonstige Würdenträger der regierenden NSDAP, bezeichnet als: Sittlichkeitsver- brecher, Knabcnschändcr, Päderasten, Säufer» Meineidige» Spitzbuben» Desraudanten» Bolksbetrüger, Fresser und Schlemmer, krankhafte Lügner, Verschworene Cliquen, Postenjäger, Feiglinge, Pathologische Ehrgeizlinge, Landes- Verräter, Erpresser» Terroristen, Mörder. Ist das nun eine Räuberbande oder nicht? Wir fordern Antwort von der gleichgeschalteten Presse des Taargebictes! Wir haben nie gelesen, daß sie ein Verbot der entsprechenden Kundmachungen des Reichskanzlers gefordert hätte. Der Reichskanzler hat in allzuspätcr Erkenntnis nur be- stätigt, was die„Deutsche Freiheit" vorher schon in über 300 Ausgaben tausendfach bewiesen hatte: die Beraubung und Schändung des Deutschen Reichs und ungezählter Bürger und Bürgerinnen durch regierende Banditen. Verletzung der Treue gegenüber seinen Wählern und der E i d e S p s l i ch t gegenüber der ReichSverfassung ist dem Herrn Reichspräsidenten von Hindenburg schon vor Jahren durch den jetzigen Herrn R e t ch s m i n i st e r Dr. G o e b- bels vorgeworfen worden. W i r sind bereit, vor jedem Gericht unter Beweis zu stel- len, daß Herr von Hindenburg die Treue gebrochen hat gegenüber Millionen Marxisten und Katholiken, die ihn im Vertrauen aus seine Verfassungstreue im Jahre 1082 zum Reichspräsidenten gewählt haben— gegen Herrn Hitler und nicht für Herrn Hitler. W i r sind bereit, vor jedem Gericht nachzuweisen, daß die gesamte Gesetzgebung und Exekutive der Diktatur Hitler auf schwerster Verletzung der Verfassung beruht, die der verstorbene Herr Reichspräsident und der jetzige Reichskanzler und„Führer" beschwo- r c n haben. In vielen taufenden Zeitungen aller Zungen, in den Par- lamenten großer Länder ist von deren angesehensten Mit- gliedern dieselbe historische Feststellung gemacht worden. Und uns im Saargebict soll das verboten werden? Oder ist etwa die Stelle von der geistigen und moralischen Beschaffenheit eine„unverschämte Herausforderung"? Nun, man darf wohl bezweifeln, ob ein uralter Herr von 8ö Jahren noch die geistigen Fähigkeiten hat, in Sturm- zeiten ein zerrissenes und verhetztes Volk zu führen. Nie- wand anders als der jetzige Herr Reichskanzler s e l b st hat das ausgesprochen, als er in einer seiner rohen Reden den alten Herrn im Frühjahr 1032 verhöhnte, er werde länger leben als der Greis! Und die Moral? Der Zusammenhang beweist, daß von politischer Moral gesprochen wird. Ist die gleichgeschal- tete Presse des Saargebiets bereit, mit uns über die mora- lischcn Zusammenhänge zwischen der mit einer Steuer- s ch i e b u n g verbundenen Schenkung eines Ritter- g u t e s an den Sohn des Reichspräsidenten von Hindenburg, dem Osthilseskandal mit großen Subventionen an Freunde der Familie Hindenburg und dem Sturze des Reichskanzlers Schleicher, den jetzt auf Befehl Hitlers ermordeten Vorgänger Hitlers, in eine Diskussion einzutreten? Wir warten auf Antwort! ES ist kindisch, die Kritik und das Urteil der Geschichte durch Presseknebelung aufhalten zu wollen. Den Zeitungen der„deutschen Front" aber sagen wir dieS: sie richten nur deshalb klägliche Hilferufe an ausländische Re- gierungSmänner im Saargebiet, weil es ihnen unmöglich ist, uns zu widerlegen. rttnf NonaJe Urlaub für Papcn? Kommt er jemals nach Wien? Wien, 11. Sept. Hier herrscht vollkommene Unklarheit darüber, wenn und ob Herr v. P a p e n hier als deutscher Gesandter austauchen wird. Sicher ist bisher nnr, daß er noch einen langen Urlaub beantragt und erhalten hat: man spricht von fünf M o n a t e n, die er ans seinem Schloß in W a l l e r s a n g e n zu verbringen gedenkt. Unter dem Schutz der fremden Regierung fühlt er sich leidlich sicher. Das Resultat seiner Ernennung ist also bis zur Stunde nichts anderes als seine endgültige Absägnng als Vizekanzler. Herr v. Papen ist robust genug, um jede Demütigung ertragen zu können. Ein sma aas dem deutschen Tolihause Plidiel, der»und Sfreidiers, oft Sdiansifldf bei einem Begräbnis tn Bei- Nürnberg, 12. Sept. In den Tagen, als hier die Massen- kenne des nationalsozialistischen Parteitages in szene ging, hat sich auf dem Nürnberger Wcstfricdhos eine Episode abgespielt, deren Ablauf mir hier ohne die geringste Ausschmückung nacherzählen müssen, weil sie der Reihe der braunen Tollheiten bisher ganz ohne spiel ist. Ter Gauleiter Julius Streicher hatte einen Chauffeur namens Hans Kleinlein. Dieser Mann schied in diesen Tagen freiwillig aus dem Leben. lieber die Ursachen weiß man nichts Genaues. Es soll nach der Todesanzeige Julius Streichers„Pflicht- und Ehrgeuihl gewesen sein, die den Selbstmord veranlassten. Kleinlcin wurde am Samstag unter einem ungeheuren Ausgebot an brauner Bonzokratie, ST^- und^A.-Leuten und vielem Volk zu Grabe getragen. Mit trancnerstickter Stimme sprach Streicher zur Trauerver,ammlung. Er, so sagte er, habe lange suchen müssen. biS er unter tausend den Einen gefunden habe, von dem er habe sagen können, er sei treu. Kleinlein haben sein Leben für ihn,«treicher, eingesetzt, bereit in der Gefahr, lür ihn zu sterben.. 9ht aber habe er ihn hergeben müssen. Bor Rührung Streicher kaum weiter sprechen. ».Fort mit der Frau!" Gleich darauf ermannte sich b" Frankensührer. lein habe es gemacht wie ein soldat. zuerst seine «prüft und sich dann den„Abschuß gegeben sei schuld gewesen? Vor der Traueroersamnilung er die Frau des Selbstmörders mit diesen Klein- Waffe Wer aber klagte Worten an: „Die Schuld ist bei diesem Weib, das es fertig brachte, ohne Träne mit der Frage nach Geld den Augenblick des Todes zu entweihen. Ich habe dieser Frau den Befehl erteilt, nicht mit ans Grab zu kommen." Ohne mit der Wimper zu zucken, hörten sich die braunen Honoratioren diese Beschimpfung einer Abwesenden am osfenen Grabe an. Das Kind Klein- leins stand vorn bei den Großeltern, als der Franken- sührer seine Mutter der allgemeinen Verachtung preisgab. Michel der Hund Nun aber kam der Elou dieser Beisetzung. Ein weißer Fox wurde ans Grab herangeführt. Es war der Hund des Frankenführers, den zu pflegen, zu füttern und zu betreuen zu den Obliegenheiten des SA.-Truppführcrs Hans Kleinlein gehört hatte. Alles reckte die Hälse, als Julius Streicher, oer am gleichen Vormittag neben seinem Führer auf dem Parteitage repräsentiert hatte, mit hallender Stimme über die vielhundertköpfige Versammlung schrie: „Wenn Ritter und Reiter starben, bann führte man ihr Pserd mit an das Grab. Jawohl, Ihr Männer und Frauen, einen Hund haben wir mit an das Grad gebracht. Mein Hund hatte seine ganze Liebe, und der Hund gab ihm zurück, was die warme Seele dieses hingeschiedenen Mannes diesem Tiere zuteil werden ließ. Noch am Abend vor seinem Tobe kaufte er ihm von seinem Gclde das Geschirr, das der Hund hier '' Fortsetzung stehe 2. Seite. Die sdiweigcnden Disdiüfe Das Geheimnis des unterdrückten Hirtenschreibens Es ist ein sehr schmales Heft, das vor uns liegt: es umfaßt nur 24 Seiten. Aber die Erfahrung hat gelehrt, daß die Anzahl der Druckbogen für die Bedeutung einer politischen und weltanschaulichen Anklageschrift nicht entscheidend ist. Wer künftig etwas wissen will von der Problematik des Katholizismus im„dritten Reiche", seinen Sorgen, seinen Unterlassungen und seinen Krisen, der wird an diesen 24 Seiten niemals vorübergehen können. Auf dem Umschlag steht, neben einem Kreuze: „St. AmbrosiusunddiedeutschenBischöf e." Der Autor nennt sich August Kirschmann, sein Verlag Liga-Verlag Luzern. Kirschmann ist. jede Zeile verrät es, ein Katholik, der mitten in der Kirche steht. Er kann sich mit ihrer mäch- tigen Universalität, die mit Jahrhunderten rechnet und weite Räume in der Welt betreuen will, nicht beruhigen, seitdem im Herzen Europas die braune Diktatur Men- schen quält und mordet. Es ist endlich ein Katholik da, dem es nicht entscheidend um die formale Anerkennung der Kirche geht: dessen Mut sich nicht erschöpft in An- klagen gegen die braune Areligiosität und das Neuheiden- tum. Er geht hinunter zu den Fundamenten, wo Reli- gion nicht mehr Form und Dogma ist, sondern sich im Leben in der Verantwortung vor den„Geschöpfen Gottes" bestätigen muß, wenn sie noch einen Sinn und einen Anspruch haben will in der Gestaltung der Zeit. * Es gab einmal, so beginnt Kirschmann, in der Zeit der Untergangsperiode des Cäsarenreiches einen Bischof, der dem Kaiser seiner Zeit ein Donnerwort entgegenschleu- derte, weil er das göttliche und das sittliche Recht ver- letzte: durch einen furchtbaren Mordbefehl. Der Kaiser war Theodosius, der Bischof hieß Ambrosius. Man schrieb das Jahr 39V, und der mächtige Kaiser tat Buße. Viele Jahrhunderte später, am 3v. Juni 1934, wurden auf Weisung Adolf Hitlers ohne Widerstand und ohne Ge- richt eine bisher unbekannte Zahl von Menschen getötet. Zu den Opfern gehörten auch Katholiken, die den Kirchengeboten zuwider verbrannt wurden. ♦ Aber die deutschen Bischöfe haben zu diesen Ereignissen geschwiegen. Sie haben nicht gewagt, das kommandierte Schweigen der Presse zu durchbrechen. Es sind die bekannten Tatsachen. Aber Kirschmann kann ihnen einige neue hinzufügen, die bis- her nicht veröffentlicht wurden. Der frühere„Germania"- Redakteur Hagemann hat, so erfahren wir, in einem Rundschreiben an die Schristleiter früher katholischer Zeitungen erklärt, die Bischöse seien der Ansicht, daß es sich im Falle Klausener um eine„politische Angelegen- heit" handle und daß sie sich daher„heraushalten" wür- den. In dem gleichen Briese wird die Ermordung des Herrn von Bose, des Mitarbeiters Popens, als ein„un- programmäßiger Zwischenfall" bezeichnet. Was tat Bischof Bares vor den Aschenresten Klauseners? Er be- gnügte sich mit dem„Mißverständnis" und sprach von „Tragik". Kirschmann sieht in diesem Schwelgen und Tolerieren eine„furchtbare Vertrauenskrise" Wie haben die Gläubigen auf ein Wort der Autorität ge- Ein SfOffl ans dem dentsdien Tollhanse roertet! Denn jetzt war eine Entscheidung notwendig. Hetz! kam es nicht darauf an. die katholische Jugend- bewegung zu sichern, ganz allgemein das Neuheidentum zu verdammen oder gegen die Sterilisierung das ethische Gebot der Kirche zu setzen. Dieses Schweigen der Bischöfe, das ist der entscheidende Satz der Broschüre, war viel- leicht noch furchtbarer als alles andere, was am 30. Juni g e s ch e h e n i st. Denn es hat die letzte moralische Autorität zerstört, die es in Deutschland noch gab. Es hat in den Gläubigen den Glauben an ihre Kirchenfürsten in ihrem Widerstande gegen die braune Uebermacht tief erschüttert. Die Gläubigen fragen,„wie können die deutschen Nachfolger des heiligen Ambrosius heute schweigen, da die Tötung von Menschen aus macht- politischen Zweckmäßigkeitserwägungen heraus als eine letzte Festigung der staatlichen Ordnung von den Trä- gern der weltlichen Gewalt unter dem brausenden Bei- fall Abhängiger gefeiert wird?" * Immer noch hat der Katholik Kirschmann die Hoff- nuirg, datz die Bischöfe bald ihre Stimme erheben wür- den. Haben sie sich nicht damals öffentlich gegen die Ein- Ziehung der Fürstenvermögen gewandt? Ist nicht alle weltliche Gewalt an eine„ewige Ordnung" gebunden? Der Verfasser gibt eine Erklärung für die Haltung der geistlichen Oberhirten, die alles enthält, was zur Krisis des deutschen Katholizismus^aus dem eigenen Lager überhaupt gesagt werden kann. Er erblickt sie in der falschen Deutung des Konkordats und in der noch falscheren und gefährlicheren „Takt! k". Das Konkordat kann niemals die Fragen nach de.« moralischen Grundlagen der Gesellschaft aufheben. Auch wenn der Staat sich an den Buchstaben hält, kann es zu einer Fessel für die Kirche werden. Dann nämlich, wenn jedes grundsätzliche Eingreifen der Kirche für die Wahrung der gesellschaftlich-moralischen Grundlagen nur in dem Falle möglich ist, datz„es dem jeweiligen Machtinteresse der obersten Staatsführung entspricht". Wie ist es in Hitlkr-Deutschland? Die braune Diktatur entscheidet, was„politisch" ist: wo die Kirche mitreden darf und wo nicht. Damit wird der Spielraum der Kirche in der Oe ffe n t l i ch k e i t vom Staate bestimmt, und die Gläubigen sehen sich von ihr in ihren Nöten und Fra- gen im Stich gelassen. Haarscharf kennzeichnet damit Kirschmann die Situa- tion des deutschen Katholizismus. Die Stunde ist da, wo„Taktik" nichts mehr reiten kann. Wenn man über Einzelfälle nicht reden darf, wenn man mitarbeiten, es mit den Machthaber» nicht verderben will— dann droht die Gesamtkatastrophe, und man wird das Opfer der eigenen Rücksichtnahme. Dabei erfahren wir von Kirschmann das Schicksal des jüngsten Hirtenbriefs der Fuldaer Bischofskonferenz. Die „Deutsche Freiheit" hat ihn seiner Zeit veröffentlicht, sehr zum Mißfallen des Trierer Bischofs. Die Gestapo hatte ihn aus einem Ordinariat gefunden. Daraufhin wurde seine Publikation von hoher Stelle als„Kon- fliktsfall" bezeichnet, und die Bischöfe verzichteten auf die grundlegenden Auseinandersetzungen mit dem Nationalsozialismus, auf die Millionen gläubiger Katho- liken mit schmerzlicher Spannung gewartet hatten. Immer wieder Taktik!„Sie wird solange getrieben, bis sie ihre eigenen Grundlagen ausgezehrt hat und die Widerstandskraft des Volkes zermürbt, das Vertrauen verspielt ist." * Wie man sieht: Kirschmanns Appell ist an die deut- schen Bischöfe gerichtet. Merkwürdigerweise übersieht er. datz die furchtbare Verantwortung nicht bei ihnen allein ruht. Der Oberhirt der Oderhirten ist der Papst. Wenn er will, kann er einige der zögern- den Bischöfe zum gewaltigen Siege des Katholizismus zu jener Märtyrerrolle drängen, von der einige von ihnen gesprochen haben. Aber auch der Papst schweigt. Er hat durch sein offizielles Organ zwar Einspruch gegen die Ermordung Klauseners und Propsts erhoben. Aber die große Anklage, der Ruf an das Weltgewissen wider das„dritte Reich": bis zur Stunde sind sie nicht da. Rom hat nicht gesprochen, die Sache ist nicht erledigt. Millionen von Katholiken fragen und warten. Mehr noch: sie zweifeln und verzweifeln, ob die Gesetze sitt- licher Weltordnung, an die sie glauben, bei ihrer Kirche noch in guter Obhut sind. „Nile Stimme, Sie« m&l..." Sätze aus der Schrift des Katholiken August Kirschmann „Die Krise vom 30. Juni ist nicht nur ein politischer Zwi- schenfall, sondern ein moralisches und damit auch religiöses Ereignis. Das Volk ahnt es und weiß es. Aber es kann nicht sein Ahnen und Wissen aussprechen. Sehnsüchtig wartet es auf eine Stimme, die ruhig und fest die einfache Wahrheit schonungslos, aber unpolitisch sagt. Eine Stimme, die sagt, daß Mord Mord bleibt, und daß der Staat nicht alles darf, was er kann. Eine Stimme, die daran erinnert, daß das Bekenntnis zum positiven Christentum, wenn es ernst gemeint ist, nicht nur propagandistischen Zielen und der Rechtfertigung der be- stehenden Ordnung dienen darf, sondern Verpflichtungen und Bindungen auferlegt. Eine Stimme, die es wagt, den Mann, der kühn genug ist, sich als den höchsten Gerichtshof der Nation zu bezeichnen, genau so für das vergossene Blut zur Rechen- s ch a f t z n z i e h e n, wie der heilige Ambrosius Theodosius den Großen. ES gibt eine Zeit, in der die noch so kluge Taktik zur Kata- strophe und die scheinbar noch so weise Vorsicht zur Selbst- Vernichtung wird. Der 8l>. Juni bedeutet die öffentliche An- m-ldung des Anspruches darauf, daß alle Moral die tatsäch- liche Macht zu rechtfertigen hat. Wer die Möglichkeit hat, einen Erschießnngsbcsehl durch- zuführen, hat Recht! Wenn eine Autorität, die Kraft ihrer Sendung und Ge- schichte noch sprechen kann, zu den Vorgängen vom »0. Iuni schweigt. so darf sie sich nicht wundern, daß ihr äußeres Schicksal vom 30. Juni trotz aller taktischen inner« Fortsetzung von Seite 1 am Grabe an seinem Leibe trägt. Und vor Dank- barkeit und Treue sprang das Tier an ihm empor, küßte ihn und wollt« ihn nicht lassen. Es war, als hätte der Hund in die- scm Augenblick geahnt, daß der Abschied schon so nahe stände. Der Hund, der hier mit an das Grab gekommen ist, hat dem Manne die Treue ge- halten, die ihm Menschen versagten. Das Tier weiß ge- nau, was an diesem Grabe vorgeht. Hier liegt er am Grabeshügel und scharrt im Sande und sucht seine« toten Freund." Also Julius Streicher. Alles drängte sich ans Grab heran, jeder wollte„Michel", Streichers Hund, mit eigenen Augen sehe», wie er mit den Vorderfüßen am Grabe scharrte und hören, wir er jaulte. Mehrere Fotograsen hielten die Szene im Bilde fest. In der Breite zweier Spalten ist es in der Sonntagsnummer der„Fränkiichen Tageszeitung" veröffentlicht. Auf seinen Hund weisend, widmete Streicher der abwesenden Frau noch ein paar drohende Worte:„Wenn die Frau, die an diesem Grab die Schuld geworden ist. sich erlösen will, dann müßte sie eines Tages den Weg zu diesem Grabeshügel finden und herabrusen:„Hans Kleinlein, reich mir die Hand zum Verzeihen!" Und jetzt: der Reichsbischof! Julius Streicher hatte jedoch noch weitere Sensationen fiir seine dankbaren Hörer. Der Rcichsbischof habe ihn gefragt, ob sich ivohl ein Priester finden würde, der bereit iväre, diesem Selbstmörder den kirchlichen Segen zu geben. Tollte ein solcher Priester nicht gesunden werden, so wurde er, der Rcichsbischof, bereit sein, es zu tu». Streicher fügte hinzu:„Wer je in das adlige Gesicht, wer je in die blauen Augen dieses Priesters schaute, der weiß, daß einem solchen Mann Pricstertum kein Geschäft, son- dern Pflicht eines wahrhaft christlichen Herzens ist." Der Herr Reichsbischof brauchte den kirchlichen Segen nicht zu spenden. Die Mitwelt kam dadurch um die Freude, den Führer der evangelischen Reichskirche neben Michel, dem trauernden Hunde, seinen christlichen Spruch sagen zu hören. Streicher beschloß seine Rede:„Lieber Hans Kleinlein! Aus den Ewigkeiten schaust du nun auf uns hinab. Sieg- heil!" Nach ihm sprach der Gauleiter und Minister Wagener, der Nürnberger Oberbürgermeister Liebe l und endlich der Gruppenführer von Obernitz wörtlich: „Nicht Erde, nicht Blumen werfe ich Dir nach in Dein Grab. Du dekommst den Dolch, den ich getragen habe, als Gruß von der gesamten fränkischen SA." Bei diesen Worten löste der Gruppenführer den Dolch von seinem Koppel und warf ihn dem Toten in das Grab. Es war ein Augenblick höchster Ergriffenheit für alle." * Damit waren die Beisetzungsfeierlichkeitcn zu Ehren des Chauffeurs von Julius Streicher zu Ende. Hinter den braunen Prominenzen sah man den Hund„Michel", den eine Ordonnanz vom Grabe gezerrt hatte. Wer uns nicht glaubt und uns im Verdacht hat, daß wir ein deutsches Greuelmärchen erzählten, um hohe Amtswalter des „dritten Reiches" in der Oeffentlichkeit der Welt herab- zusetzen, den bitten wir, sich die Nummer der„Fränkischen Tageszeitung" vom Tonntag, dem v. September, zu be- stellen. Unter der Ueberschrift:„Wir haben einen Großen zu Grabe getragen" findet er aus zwei Spalten, mit fünf Bildern geschmückt, den Hergang dieser Beisetzung noch viel eingehender und anschaulicher, als wir ihn wiederzugeben vermochten. Bielleicht gibt es auch einige Leser, die diese Nürnberger Geschichte nicht für sehr wichtig halten. Wir sind anderer Meinung. Mehr noch als in den großen Prunkparaden und den Führerreden offenbart sich in solchen Episoden, was die Herren des„dritten Reiches" mit dem deutschen Volke ungestraft anstellen dürfen. Der künftige Geschichte- schreiber, der den Jrrstnnszustand eines Volkes, sein Ver- Hextsein und seine Besessenheit in den Ablauf dieser Jahre hineinstellen will, wird die Geschichte von„M i ch e l", dem Hunde des Frankenführers, am offenen Grabe seines Dieners nicht vergessen dürfen. Es ist eine Hundegeschichtc, deren symbolische Bedeutung auf der Hand liegt. Die Einladung an Moskau Einige Formffragen werden noch erledigt Gens, den 11. September 1934. 2>ie russische Frage bildete das Hauptthema der Genfer Beratungen. Sie drehte sich um das Verfahren, das für den Eintritt Rußlands in den Völkerbund angewendet werden soll. Nach'angem Hin und Her ist man doch wieder aus den ursprünglichen Plan der Absendung eines Einladungstcle- grammS, das von zahlreichen Mitgliedsstaaten unterzeichnet iverden soll, zurückgekommen. Dieses Komitee hat nicht nur eine neue Einladungsformel. sondern auch den Entwurf einer. Antwort ausgearbeitet, die man von Ruß- land auf das Einladungsschreiben erwartet. In dieser Ant- wort soll Rußland zum voraus die Versicherung abgeben, daß es den internationalen Verpflichtungen, wie das der Völkerbundspakt vorschreibt, nachkommen will. Aus diese Weise will man vermeiden, daß gewisse Staaten im Lause der Debatte diesbezügliche Fragen an die russische Dclega- tion stellen. Es hängt jetzt von Rußland ab ob eS diese Ant- wortsormel unterschreibt oder ob es eine Aenderung des Textes verlangt. In den späten Abendstunden war die Stellungnahme Rußlands noch nicht bekannt. Spaniens Wiederwahl Der spanische Delegierte de Madariaga hat heute a» den Präsidenten der Völkerbundsversammlung einen Brief ge- richtet, in dem er im Namen seiner Regierung den Wunsch ausdrückt, daß die Versammlung vor der Neuwahl der stän- diaen Ratsmitglieder Spanien als wieder wählbar aner- kennt, damit es weiter im Völkerbundsrat vertreten sein kann. Die für TienStaa nachmittag angesetzte Vollversammlung des Völkerbundes, in der die Aussprache über den Tätigkeitsbericht des Generalsekretärs für das verflossene Jahr beginnen sollte, mußte vertagt werden, da sich, wie im vori- gen Jahr, kein Redner gemeldet hatte. Im Laufe des Tages fanden nur Kommissionssitzungen statt. Der ungarische Ge- sandte in Bern und Hauptdclegierte beim Völkerbund Tahi hat im Lause einer kleine» Feier dem Bölkcrbundssekretär eine Marmorblistc des Präsidenten der Abrüstungskonferenz Henderson überreicht, die von dem ungarischen Bildhauer Kisfaluby Strobe geschaffen worden ist. Henderson erklärte in seiner Ansprache, seine Bemühungen um den Abschluß eines Rüstungsabkommens fortsetzen zu wollen, so lange noch die geringste Hoffnung aus einen Erfolg be- stehe., vi« Einladung isf fertig Bündnis Frankreichs mit Rußland? dnb. London, 12. Sept.„Times" meldet aus Genf, der Wortlaut der Einladung an Sowjetrußland sei jetzt fertig. Der Brief zitiere den Ansang von Artikel 1 der Völkerbundssatzung, nicht aber den Schluß, wo es heißt, daß der betreffende Staat, der zugelassen wird. Garantien für eine aufrichtige Absicht gibt, seine intcr- nationalen Verpflichtungen zu beobachten.„Daily Erpreß" berichtet aus Genf, am DienStag abend sei in französischen diplomatischen Kreisen von der Möglichkeit eines Ver- teibigungSbündnisses zwischen Frankreich und T o w j e t r u ß l a n d die Rede gewesen. Die seind- selige Haltung Polens gegenüber dem Ostpakt habe dazu geführt, daß Frankreich die Hoffnung verloren habe, auf diesem Wege die Einkreisung Deutschlands zu erreichen. Es scheine kein anderer Ausweg zu bleiben, als die Wieder- belebung des Vorkriegsbündnisses mit Rußland. Proteste mitbestimmt werden wird. Eine geistliche Autorität hat zwar keine Exekutionskommandos mit Panzerwagen und Maschinengewehren. Aber sie hat ihr unzerstörbares Recht in der Unbedingtheit ihrer Begründung. Der Papst ist der Stellvertreter Jesu Christi. Die Bischöfe sind die Nachfolger der Apostel. Die Grundlage ihres Amtes ist nicht ein irdisches Machtstreben.„Mein Reich ist nicht von dieser Welt." Gerade dieses Wort Jesu Christi zwingt sie, Stellung zu nehmen, wenn die Welt vergißt, daß nicht sie das Reich Gottes ist und daß es keinen Menschen gibt, der es iv a g e n darf, alle Entscheidung über Recht und Unrecht und über Leben und Tod aus die angebliche Absolutheit seiner politischen Sendungzu gründen." wnrftemherglsdie Landeskirche vergewaltigt Der Herr Kommissar nach berühmten Mustern Neben der Bayrischen, hat sich bisher auch die W ii r t t e m- bergische Landeskirche der Diktatur des Reichs- bischofs nicht gefügt und die Beschlüsse der Rationalsynode nicht anerkannt. Jetzt folgt die Strafe auf dem Fuße. Amtlich wird aus Stuttgart berichtet: „Der Rechtswalter der Deutschen Evangelischen Kirche. Ministerialdirektor Jäger, hat aus besonderem Anlaß eine Uebcrprltfung der Verwaltnngsverhältnissc der Wiirttembcrgischen Landeskirche vorgenommen. ES handelte sich besonders um Klärung finanzieller Vorgänge und zwar von Ueberweisung hoher Summen auf Stellen außerhalb der Landeskirche, so daß diese Beträge hierdurch der Verfügungsbefugnis der Landeskirche entzogen waren. Die vorläufige Untersuchung ergab die Notwendigkeit, einen Kommissar einzusetzen, der unter Beschränkung seiner Aufgabe aui das Verwaltung-» gebiet den Auftrag erhalten hat. eine vollständige Klärung des in Frage stehenden Sachverhaltes herbeizulühren und den Lauf der Verwaltung zu beaufsichtigen. Zum Kom- missar ernannte der Rechtswalter den Konsistorialpräsi- deuten Walzer von der Verwaltung der Deutschen Evan- gelischen Kirche in Berlin. Die Oeffentlichkeit wird über das Ergebnis der Untersuchung weiter unterrichtet werden." Dem widerspenstigen Landesbischof und seinen Freunden in der Landeskirche soll also ein K o r r n p t i o n sv er- fahren angehängt werden. Das ist einfach und bewährt und macht den Vcrgewaltigungsakt sozusagen zum ösfent- lichen Reinigungswerk. Die Stätten der„evangelischen Frei- heit" werden nicht anders behandelt als die Gewerkschaften. Masandf Ein Bulletin der Aerzte Prag, 12.Sept. Das hohe Alter des Präsidenten Masa- ryk hat seit einiger Zeit Befürchtungen wegen seines Ge- sundheitszustandes gewährt. Jetzt liegt ein Bulletin seiner Aerzte vor, in dem mitgeteilt wird, daß Präsident Masaryk im Mai dieses Jahres von einer Sehstörung betroffen wurde, deren Ursache funktionelle, dem hohen Alter des Präsidenten entsprechende Veränderungen der in der Netz- haut endigenden Arterien sind. Während sich das Sehver- mögen allmählich wieder besserte, zeigte sich aus ähnlichen Gründen eine Beschränkung der Bewegungsfreiheit der Finger der rechten Hand. Das Kommunique stellt schließlich fest, daß lebensgesährdende Krankheitsveränderungen nicht aufgetreten sind. Auch die Fähigkeit des Intellekts hätte nicht gelitten. Das körperliche Befinden und das Aussehe» seien gut, ebenso Schlaf und Appetit. Der Präsident mache täglich ein- oder zweimal Ausfahrten in den Wald, von denen er erfrischt zurückkehre. Im Zusammenhang mit den Riistnngserhvhungen 6" richtet„New Aork Herald Tribüne", daß die kalifornische Flugzeugfabrik Northrop Co. in diesen Tagen 2 2 Bom» benslugzeuge nenesten Typs für China fertig- gestellt habe. Die Flngzenge, die eine Stundengeschwindig- keit von fast 400 Kilometer entwickelten, seien imstande, mst einer Bombenleistung von ,100 Kilogramm von Schanghai nach Tokio z« fliegen und ohne Brennstossergänzong a« ihren Ausgangspunkt zurückzukehren. falscher! In unserer Ausgabe vom 8. September haben wir den Artikel„Der Reichsbankrott und die Saar" gebracht, in welchem wir uns mit der bekannten französischen Denk- lchrift über die Zukunft des Saargebietes beschäftigt haben. Unsere Ausführungen gipfelten in dem Gedanken, bah das bankrotte„dritte Reich" nicht in der Lage sein wird, den französischen Forderungen nachzukommen. l-swerdewederimstandesein,dieKohlen- gruben des Saargebietes in Gold zurück- Zukaufen, noch den privaten Auslands- l ch^uldforderungen Rechnung zu tragen. Diese unumstößliche Feststellung, die im übrigen auch von der„Kölnischen Zeitung", wie wir ebenfalls berichtet haben, bestätigt wurde, ist der gleichgeschalteten Presse im Saargebiet recht unangenehm. Ihr i st u n- lere Feststellung außerordentlich pein- l i ch, und sie versucht deshalb, unsere Behauptungen als lacherlich und unwahr hinzustellen, indem sie zu einer offensichtlichen Fälschung greift. Das Organ der„deutschen Front" die„Saarbrücker Zeitung" schreibt in einem Artikel vom 11. September unter Bezugnahme auf unsere Ausführungen folgendes: ..Das Neueste in der Grubenfrage ist— und da wird der Bergmann an der Saar, der jetzt wahrhaftig nichts zu lachen hat— sich mächtig amüsieren— das Neueste ist: die Gruben sollen 6 0 0 Millionen Gold m ark wert sein, so behaupten die Herren Antifaschisten. Sie glauben es natürlich selbst nickt... Aber die Zahl ist ja auch nur aus Bluff berechnet. Es soll nämlich demonstriert werden, daß das armselige Deutschland mit seinen leeren Devisenkassen und seiner lumpigen Mark diese Riescnsumme ja gar nicht zahlen könne— und dcö- halb das Taargebiet auch gar nicht an Teutschland zurück- gegeben werden könne." Was haben wir in Wirklichkeit geschrieben? Wir wollen wiederholen: „Zunächst einmal sei daran erinnert, daß der Wert der Gruben auf 800 Millionen Goldmark, das heißt auf etwa l Milliarde 800 Millionen französische Franken geschätzt wird. Kerner werden die französischen Kapitalien, die sei- «er Zeit in den großen saarländischen Unternehmungen investiert wurden, unter Hinzuziehung aller französischen Besitzungen im Saargebiet auf über 850 Millionen Goldsranken, also auf ebenfalls l Milliarde SO) Millionen Papierfranken beziffert. Ans der französischen Denkschrift geht klar hervor, daß Krankreich sowohl die Bezahlung der SOO Millionen Goldmark für den Rückkauf der Kohlengruben verlangt, als auch aus der Rückzahlung der im Saargebict gemachten Investitionen in Höhe von ebenfalls Ml) Millio- nen Goldmark ans dem Umwege über die Rückgabe der im Saargebiet sich im Umlauf befindlichen Krankcnnoten be- steht." Und dann heißt es unter Bezugnahme auf den Bankrott des„dritten Reiches" weiter:„Wie kann Reichs dank Präsident Schacht unter diesen Umständen einer neuen Forderung in Höhe von 60 0 Millionen Goldinark nachkommen. Das ist ein Ding der Unmöglichkei t." 30V Millionen Mark für die Gruben und 300 Mil- lionen Mark für die Rückzahlung der fran- z ö s i s ch e n K a p i t a l i n v e st i t i o n e n sind bekannt- lich nach Adam Riese 600 Millionen Mark. Die„Saar- brücker Zeitung" stellt sich aber dumm und tut so, als ab wir den Betrag von 600 Millionen Mark allein auf die Kohlengruben bezogen hätten. Indem sie uns auf solch plumpe Weise etwas unterschiebt, was wir nie bc- hauptet haben, bemüht sie sich, unsere unwiderleglichen Argumente abzuschwächen. Das sind die Methoden, die bei der braunen Presse an der Saar üblich sind. Genau so wie sie das Telegramm der Antifaschistischen Front an die Funktionäre anläßlich der Sulzbacher Kundgebung gefälscht hat, fälscht sie heute unsere Artikel. Auf eine Fälschung mehr oder weniger kommt es eben den Gesellen nicht an. ES muß aber doch um die Sache der braunen Krönt an der Saar sehr schlecht bestellt sein, wenn ihren Schreiber- lingen nichts anderes übrig bleibt, als zur Bekämpfung ihrer politischen Gegner zu ossensichtlichen Fälschungen zu greisen. »er Ungeist in den Saarsdinien Neue Bestimmungen der Reegierungskommission Saarbrücken. 1.'. September. Zum heutigen Wiederbeginn des Schulunterrichts nach den großen Sommerferien hat die SchulabheMna der Regie- rungskommission eine Reihe Vertilgungen und Vetboteet- lassen, durch die dem politischen Ungeist in den saarlan- bischen Schulen gesteuert werden soll. Die neuen Beftim- mungcn. die in der Hauptsache die höheren«chmen oe- treffen, sind den Schulverwaltern bereits zugeüellt und treten sofort in Kraft. Verboten ist nach diesen Bestimmungen: 1. Die Beiirlaubiing von Schülern und Schülerinnen zu politischen Kundgebungen innerhalb wie angerhalb des Saargebiets. 2. Die Einführung neuer Schulbücher ohne Genehmigung der Aussichtsbehörde.^„ ,, Xa, 3. Das Aussetzen bei Unterrichts und das Bc'laggen der Schulhäuser an politischen Feiertagen und Kundgebungen. 4. Das Tingen geschlossener Klaff n innerhalb der Orte und das Singen politischer Lieder außerhalb der Ortschaften. 5. Die Verteilung von Schriften an Schüler und Schüle- Saar Frcilacilsfronf wird empfanden Pirro und Rödiiing stehen sehnsuchtsvoll vor dem VOlherhundshaus Die folgen des Austritts Hiflerdeutsdilonds Genf, II. Sept. lEig. Trahtö.) Tie Delegation der saarländischen Einheitsfront, bestehend aus M a x Braun und Fritz Pfordt wurde heute von den Mitgliedern des Dreierkomitee», das der Völkerbunds- rat zur Vorbereitung der Saarabstimmung eingesetzt hat, und dessen Vollmachten bekanntlich stark erweitert wurden, empfangen. Und zwar vom spanischen Ratsmitglied Minister Madariga, vom argentinischen Ratsmitglicd und Botschafter seines Landes in Rom, Eantilo, und dem italienischen Mini- ster und Tclegationsmitglied Biancheri. Die beiden Vertreter erläuterten den Inhalt unserer Denk- schritt und berührten einige Fragenkomplexe, die in dieser Denkschrift nicht behandelt werden. Sic konnten mit Genug- tunng feststellen, daß diese Saar-Denkschrift der Einheit»- front wegen ihres objektiven, sachlichen, ruhigen und ent- schiedenen Tones, der wohltuend von der Marktschrcicrei und dem überlauten Ton der braunen Front absticht, all- seitig eine gute Aufnahme findet. * Genf, den 11. September 1034. lEig. Trahtb.s Gestern berichteten wir, daß die Delegation der braunen Front gedrückt und eigentümlich gestimmt durch Genf irrt. Wir haben uns gestern nicht erklären können, woraus diese Gedrücktheit zurückzuführen war. Und mir haben aus- reichende Gründe nicht finden können. Heute ist die Lösung dafür gefunden: Wer heute morgen zum Bölkerbundshaus ging, der stellte fest, daß dort auf der Straße die Delegation der braunen Front stand. Die Herren Pirro und Genossen. Sie standen konstant auf der Straße und betrachteten mit sehnsuchtsvollen und verlangenden Blicken das Völkerbunds- haus und vor allem den Eingang, aber sie gingen nicht hinein. Und die Lösung des Rätsels ist, daß man Pirro und Röchling dort hinausgeworfen hat. Man hat festgestellt, daß sie sich als Journalisten dort ein- geschmuggelt hatten, und daß sie sich dort ohne jede Legi- mation und Antorisation aufhielten. Das haben die amtlichen Stellen gemerkt, und die Herren wurden an die Lust gesetzt. ES ist ihnen nicht möglich, das Gebäude zu betreten, in dem über die Schicksale der Saar entschieden wird. Da sie keine offizielle Delegation sind, können sie nicht hinein- kommen. Es zeigt sich auch wieder einmal, wie ungeheuer dumm Hitlers Austritt aus dem Völkerbünde war. Schon allein in bczug ans die Saar. Denn die Delegation der braunen Front irrt in Genf herum, ohne jede Fühlung- nähme, ohne jede tatkräftige Unterstützung. Zwar haben die Einheitsfront der Saar und auch die übrigen AntiHitler- Delegationen auch kein Land, das für sie eintritt, aber der Unterschied gegenüber Hitlerdcntschland ist der, daß die ganze Welt gegen Hitler steht und die ganze Welt sich als Beschützer und Betreuer der gegen Hitler gerichteten Tele- gationcn aufwirst. Die letzteren Delegationen werden also mit größtem Entgegenkommen behandelt. Genf, den 11. September. lEig. Trahtb.s Man erzählt sich in VölkcrbundSkreisen, daß die Tele- gation der braunen Front verschiedenen maßgebenden Stellen Mitteilung zugehen ließ, wonach die braune Front 85 Prozent der abstimmungsberechtigte» Saarländer für sich haben will. Es ist interessant, daß jetzt»nr noch von 85 Pro- zent die Rede ist, und nicht mehr von Oll Prozent oder sogar 07 Prozent. Aber man weiß auch in Genf, wie die 85 Pro- zent zustande komme», man kennt auch zur Genüge den offenen Terror an der Saar. Und man lächelt viel über die Antwort, die von einer maßgebende» Stelle des Völker- bundeS dem LandcSführer der braunen Front gegeben worden sein soll, als er die 85 Prozent erwähnte. Die Ant- wort lautete:„Wenn Sie 85 Prozent in Wirklichkeit hätten, dann wäre es dock nicht nötig, daß Sie derartig lärmend austreten und die Andersdenkenden terrorisieren. Sie hätten doch dann die absolute Majorität und es wäre doch gar nicht einzusehen, warum Sie die andersdenkenden Saarländer dann nicht in Ruhe ließen." Sturm auf die christlichen Metallarbeiter Terror nadi hlfler-deufsdier Methode an der Saar Und die Oerldile helfen dabei— Was Inf die ReglerungsKommlsslon? Auf Befehl rcichsdeutscher Stellen hatten die National- sozialisiert am Montag die Saarbrücker Büros des gleich- geschalteten christlichen Metallarbeiterverbandes besetzt. Ter Bericht des hitleramtlichen deutschen Nachrichtenbüros über die geheime Sitzung in Zwetbrücken hat klar den Beweis erbracht, daß hier eine verbotene Einrichtung der Deutschen Arbeitsfront vorliegt. Mithin ein schwerer Verstoß gegen die Verordnung der Regierungskommißion vom 12. März 1034. Am Dienstag wurde ein neuer nationalsozialistischer Handstreich vollführt. Unter Mißachtung der Regierung»- autorität haben die Nationalsozialisten beim Landgericht eine einstweilige Verfügung erwirkt, wonach die Geschäftsstellen des christlichen Metallarbeiterverbandes im Lande von den Nationalsozialisten einfach übernommen würben. Eine absolut ungesetzliche Handlung. Damit besteht kei- ncrlei Garantie mehr für die Akten, Bücher und das Bcr- mögen desVerbandcs. Diese einstweilige Verfügung ist gegen die bestehende Verordnung der Regierungskommission unter Uebergehung der Saarregierung herausgegeben worden. Soweit sind wir heute im VölkerbundSland an der Saar. Reichsdeutsche Hitlerstellen ordnen illegale Aktionen im Saargcbiet an und die Aktionen werden mit Hilfe der Nationalsozialisten durchgeführt. Der neueste Handstreich stellt einen solch groben Akt offener Illegalität dar, daß die Regierungskommisston zu den schärfsten Maßnahmen greifen mutz. Die Nationalsozialisten haben tatsächlich durch ihre Rechts- anwälte Steegmann usiv. eine einstweilige Verfügung er- wirkt mit der Behauptung, der Geschäftsführer Pick müsse wegen llnzuuerlässigkeit ersetzt werben. Diese einstweilige Verfügung ist zugestellt worden, ohne die Regierung ins Benehmen zu setzen, wie das die Verordnung in bezug auf die Gewerkschaften vorschreibt. Eine unglaubliche Mißachtung der Regier« ngsautorität. Die Regierung wird einfach übergangen. Man darf gespannt sein, was die Regierung gegen diese Aktion unternimmt. Aus Grund der Zustellung der einstweiligen Verfügung ist einfach ein Vertreter für Pick eingesetzt worden snatürlich bei diesem Hergang der Tinge rechtlich völlig unzulässig), und die Ge- jchäftsstellen des gleichgeschalteten christlichen Metallarbeiter- Verbandes im Lande wurden illegalerweise von den Nationalsozialisten übernommen. Mit Recht wird die Frage ausgc- worfen: Was wird nun mit den Akten und Büchern, was mit der Kasse des Verbandes? Wer garantiert dafür? Tic Nationalsozialisten pfeifen auf die Verordnungen der Rc- gierungSkommission, vollführen ihren Handstreich, und wenn die Regierung nachher eingreift, dürfte nicht mehr allzuviel zu retten sein. * Die Hauptbüros in Saarbrücken sind nach wie vor ner- siegelt. In der Tat ist der Beweis für die direkten Verbin- düngen mit der deutschen Arbeitsfront im Reich erbracht. Eine Reihe von schweren Verstößen gegen die Regierung»- Verordnungen liegen vor. Wahrscheinlich wird die Versieg- lung aufrechterhalten, um die Prüfung der Zusammenhänge ungestört zu gewährleisten. Aber eine weitere und viel wichtigere Frage: Da», was sich am Montag in den Büros der christlichen Gewerkschaften abgespielt hat, kann sich morgen wieder- holen. Morgen kann ans Berliner Befehl derselbe Hand- streich durch die Nationalsozialiften aus die Büros de» BcrgbauindustriearbeitcrvcrbandeS, der freien Gcwerk- schatten, der„Bolksstimme" oder der anderen AntiHitler- Organisationen und Zcitnngen ausgeübt werden. Die Lage ist außerordentlich kritisch. Jetzt muß die Regicrungskom- misston zeigen, ob sie noch Herr der Lage ist oder nicht. Die Tatsache, daß im Bölkerbundsland an der Saar der Hitlcr-Handstreich vom Montag möglich war, hat vor allem in Genf höchste Erregung und Empörung hervorgerufen. Nun gilt es, zuzupacken. * Vor den Hauptbüros der christlichen Gewerkschaften steht nunmehr die Polizeiwache. Die Mitglieder des christlichen Verbandes werden in den nächsten Tagen zu der neuen Situation Stellung nehmen. -iyir VCKCUU»« Pinnen ohne Genehmigung der Tchulabteilung. Das Tragen politischer Abzeichen und Uniformen für politischer Parteien innerhalb der 6. Lehrer und Schüler. Tie Propaganda «chulgrundstücke Eine weitere Anweisung betrifft das Verhalten lehrern und Schülern gegenüber Schulkindern Glaubens. Brief eines industriellen Enttäuscht und pessimistisch von jüdischen Man stellt uns via England folgpndrn Brink eines ri arischen Industriellen aus dem Fnhrrevier zur V kuziing! Die Ereignisie des 80. Juni sollten rein er- .Die Ereignisse des 30. Juni toiurn jedem anständigen Deutsche» genügen, diese Leute unter allen Umstanden und ohne jede Konzession abzulehnen: aber leider muß ich ein- sehen, daß die vernünftigen Menschen bei uns sehr dünn ge- sät sind. Ueber die Finanzlage lesen Sie durch die Presse bestimmt mehr Wahres als ick— sie ist verheerend. Solange durch Regierungsmaßnahmen die Beschäftigung für das Inland gut war, hat das Industrierevier ganz anständig verdient. Das Exportgeschäft sackte allerdings immer mehr ab, jetzt zeigen sich auch die ersten Anzeichen des Nachlassen» aus dem Inlandsmarkt. Bisher waren die Werke immer voll und ohne Feierschichten beschäftigt, plötzlich lie- gen wir— und das durchweg— schon volle zwei Werktage in der Woche still, seit etwa Mitte August. Wir sind uns bewußt, daß der Winter noch schlechter werden wird, denn die Arbeits- loscnziffern steigen ständig, was ich bei einem Betrieb mit mehreren tausend Arbeitern, trotz aller amtlichen„Stati- stik", sehr gut und sicher zu beurteilen weiß... Die Wahl war natürlich nur Farce. Es sind weit mehr Ncin-Stimmen abgegeben worden, als man veröffentlicht. Wenn einer Nein stimmte, dann hieß es: da» Nein ist ja durchstrichen, somit ist Ja gemeint! Das ist verbürgt. Die Stimmung gegen die Nazis ist sehr gewachsen, aber alle sind noch ängstlicher geworden— und da» nicht ohne triftigen Grund. Ich treffe nur Leute, die verzweifelt den Kopf schütteln— aber an eine Aendcrnng der Dinge ver- mag ich nicht zu glauben. Wir werden den Umschwung nicht mehr erleben. Von diesem Pessimismus kann ich mich nicht freimachen und wenn es uns noch so schlecht gehen sollte— selbst wenn ivir tatsächlich noch Brotkarten bekommen—, wir werden die' Leute nickt wieder los. Siehe Rußland, siebe Italien! Eine solche Verfilzung de.? ganzen öffentlichen wie privaten Lebens mit der„neuen Gesinnung" ist einfach nicht mehr rückgängig zu machen, jedenfalls nie in diesem Lande Denn der Ha»pti...t genießt tatsächlich ein Vertrauen das nur noch pathologisch zu werten ist..V. ist ein furchtbarer Angsthase, ich sehe ihn nicht mehr. Ich selbst z. B. habe bis heute noch nickt ein einziges Mal— auch nickt bei Bc- Hörden und im öffentlichen Leben— mit„H... H" ge grüßt, und noch niemand hat Anstoß daran genommen, so kümmerlich ist diese» ganze Gesox, mit dem ich täglich zu tun habe. In den letzten Monaten übersetze ick oft Aufsätze aus ausländischen Zeitungen, lasse sie tippen und durchschlagen und verbreite sie, so gut es geht. Viel Zweck hat es nicht, aber man kann es, weiß Gott, einfach nicht lassen. Besonders, wenn man tagtäglich den Mist lesen muß. den unsere Presse verzapft, selbst die alte„Frankfurtern!" ist geradewegs zum Kotzen... eS hat mich das ganze Jahr bedrückt, daß ich Ihnen nicht mal frei von der Leber weg schreiben konnte, ich freue mich, daß ich heute Gelegenheit dazu hatte... nassenimnfnng von 120000 Kindern Essen, 12. Sept. In Duisburg-Hamborn wird nunmehr die schon angekündigte M a s s e n i m p f u n g von etwa 1 20 00 0 Kindern im Alter von 1 bis 15 Iahren zum Kamps gegen die Diphtherie-Epidemie durchgeführt. Insgesamt werden 7000 Personen, darunter 200 Aerzte, mit der Durchführung beschäftigt. Die Kinder werden dreimal in Abständen von 14 Tagen geimpft. Die Kosten des Impfstoffes in Höhe von 120 000 Reichsmark trägt die Reichslcitung der 2tJ.-Volkswohlfahrt. Vertreter des Robert-Koch Institute» in Berlin beaufsichtigen Sie Turchttihrung der Aktion. Die Stadtverwaltung hat die Bürgerschaft zur Unterstützung der ersten großen Maßen- impfung dieser Art in Teutschland ausgefordert. Mc Sdiigdrtcrci?s« Hieseiserg Neue Enthüllungen Uber die Braunsdiwelger norde .^^uli des Vorjahres eilte die Tchreckenskunde - 5-^7^»dritte!>teich", daß im Freistaat Brannschwcig ein entsetzlicher Manenmord verübt worden sei. Die«raun- schweizer Nationalsozialisten hatten— wie man sich erinnern wird— bei ihren Gewaltakten gegenüber dem besiegten Gegner unter Führung des heutigen Justizministers Alpers eine besondere Bestialität an den Tag gelegt. Alpcrs, der damals ein kleiner, unbeachteter Rechtsanwalt war, der beim juristischen Examen nur bis zur Note 8 b ge- bracht hatte, befehligte eine wüste Mordkolonne, die sich ein Vergnügen daraus machte, marxistische Funktionäre mit Nil- plerdpeitschen totzuschlagen oder so zu quälen, daß sie monate- lang in den Krankenhäusern geflickt werden mußten. Kaum hatte sich der Schrecken über die schändliche Ermor- dung des Gewerkschaftsführers Theißen und Basse ein wenig gelegt, da drang die Kunde von dem in Riesebcrg bei Braun- schweig gelegenen Masscnmassaker durch. Es hieß, dort seien wegen der Ermordung des Nationalsozialisten Gerhard Landmann, die angeblich auf Kommunisten zurückzuführen war, zehn führende Marxisten standrechtlich erschossen worden. Lange Zeit hindurch glückte es den Gewalthabern, den eigentlichen Hergang zu unterdrücken. Der Polizei wurde verboten, die Angelegenheit zu untersuchen, die Presse durfte nicht darüber berichten. Ein Kurier, der im Juli im Auftrag der 2. Internationale nach Vraunschweig reiste, um den Fall aufzuklären, gelangte zwar bis an die schwer bewachte Pforte des Ricseberger Friedhofes, es glückte ihm aber bei der verängstigten und eingeschüchterten Bevölkerung nicht, die Zusammenhänge, die zu dem Massaker führten, zu ermitteln. Ende des Jahres 1988 gelang es dann durch viele Rück- fragen, die Namen der in Rieseberg Ermordeten festzustellen. Es handelte sich um folgende Arbeiterfunktionäre: Lehrer Gustav Schmitts, Braunjchwcig, Langer» kamp, Betriebsratomitglicd WalterRömling, Braun, schweig, Miagbctrieb, wohnhast Jahnstraße, Arbeiter Robert Licsegang, Vraunschweig, Weststraße, Be- triedsratSvorsitzcnde Hermann Böhme, Brannschwcig, Kreuzkampstraße sMiagbetriebs, Lithograph Julius Blei, Brannschweig, Siegsriedstraße, Schlosser Hans Grimminger, Brannschmeig, Güldenftraßc, Student K u r t H i r s ch, Brannschwcig, Vorsitzender des Volksfilm- Verbandes, Arbeiter Willi Steinfaß, Brannschmeig, Bauarbeiter Robert Ludwig. Brannschwcig. Arbeiter Fritz Fischer, Wolsenbüttel. Arbeiter Als red Müller. Wolsenbüttel, Arbeiter P e r k a m p n S. Wolfen- bllttel, Arbeiter Heinemann, Schöningen, nnd der SA-Mann Arbeiter Staats, Braunschweig, wohnhast Eichtal. Tie Ermordung des Letzteren ist besonders durch den Um- stand interessant, daß sich auch der Mord an Landmann, der durch die Abschlachtung der Vorstehenden gerächt werden sollte, im Eichtal abgespielt hat. Erst in den letzten Tagen war es möglich, ein genaues Bild über die Vorgänge zu erhalten, die zu der Riescberger Blut- tat geführt haben. Ein absolut zuverlässiger Gewährsmann, der genauestens unterrichtet ist, hat folgende Schilderung zu Protokoll gegeben: Nach der Ermordung des Gewerkschaftsführers Baste war die Stimmung in den Wohnvierteln der Brannschweiaer Arbeiterbevölkerung erregt. Daher liefen überall starke SA.- und SS.-Patrouillcn herum, um die Ordnung aufrechtzu- erhalten. Ter später ermordete SS-Mann Landmann führte eine solche schwerbewaffnete Patrouille ins Eichtal, das bei den Nationalsozialisten als Marxistenhochburg verschrieen war. Diese Patrouille kam auf ihrem Streisgang in die Nähe einer Gastwirtschaft, in der vor der Errichtung des„dritten Reiches" hin nnd wieder eine Reichsbannerverfammlung des betreffenden Stadtteils abgehalten winde. In cineni Klub- zimmer der Gastwirtschast brannte Licht. Das war für den Bandenftthrer Landmnnn der Beweis, daß dort eine kvmmu- nistische Geheimversammlung abgehalten wurde. Er tele- sanierte sofort nach dem von den Nazis besetzten Verlags- Hause des sozialdemokratischen„Volksfrennd" und forderte von dort das Uebcrfallkommnnbo der SS. an. Ehe dieses Kommando in den der sozialdemokratischen Partei gestohle- nen Automobilen anrückte,„umzingelte" Landmann mit seiner Bande die Gastwirtschast, indem er den das Gebäude umgebenden Garten besetzen ließ. Die Karabiner und Re- volner wurden schußsertig gemacht. Man wollte die Kvmmu- nistenversammlung ausheben und die Teilnehmer restlos „erfassen". Da es sich nun aber bei den Angehörigen der Nazi- Patrouille durchweg um grüne Jungens handelte, die im Waffengebrauch nur bei Terrorfällen, bei denen sie sich in der Uebermacht befanden, geschult worden waren, bekam die Pa- trouille in dem dunklen Garten sehr bald Erregungs- und Angstzustände. Die Bäume und Sträucher im Garten be- gannen sich zu bewegen. Wäschepfählc wurden zu schleichenden Kommunisten und Ackergeräte zu schwerbewaffneten Reichs- banncrleuten. Die SA.-Leute entsicherten ihre Schießwerk- zeuge und harrten in angstvoller Erregung des Angriffes oder zumindest des Kommandos zum Schießen. Der Führer Landmann stand, vom Scheine einer Lampe beleuchtet, an der Hinterseite des Hauses, ihm gegenüber be- fand sich ein Angehöriger der sogenannten Alten Garde, der ein Widersacher Landmanns war. Dieser machte sich die all- gctncine Aufregung der Patrouillengänger zunutze. Mit dem Rufe:„Nieder mit der Kommune!" schoß er seinen Patrouillcnführcr Landmann über den Hausen. Natürlich glaubten alle Beteiligten, Landmann sei von den angeblich im Lokal eingeschlossenen Kommunisten erschossen worden. Das Lokal wurde gestürmt nnd man stellte fest, daß die angebliche Kommunistenvcrsammlnng aus— Nationalsozialisten bestand, die dort einen Partei- offiziellen Schulungsabend abgehalten hatten. Der Leiter dieses Schulungsabends veröffentlichte am Tage nach dem Vorfall in den Rrannlchweiaer Tageszeitungen eine Er» klärung, in der er sich gegen die Gerüchte wandte, daß eS sich bei der Bersammlnng um eine kommunistische Beranstal- tnng gehandelt habe. Stach dem Sturm ans das Lokal wurde sofort das ganze Eichtal von ST.- und SA.-Patrouillen überflutet und ab- gericgelt. Alle Winkel und Ecken, alle Höfe, Gärten und Keller, alle Wobnungen, Hansflure und Bodenkammern wur- den gründlich durchsucht, ohne das Geringste zu entdecken. Daraufhin wurden fast hundert Anwohner des Eichtals ver- haftet und unter Druck gesetzt. Tagelang verhörte man auf die übliche Weise Männer und Frauen, ohne Anhaltspunkte für die Täterschaft des Mordes an Landmann oder für sonstige kommunistische Betätigung zu finden. Als alles nichts half, wurden etwa fünfzig marxistische Funktionäre cingcfangcn und in die von Nationalsozialisten besetzte Krankenkasse geschleift. Tort wurden diese Unglücklichen zwei Tage und zwei Nächte hindurch unter dem Kommando des Brigade- f ü h r e r s S a n k e, der früher mit seinen fliegenden Terror- kolonnen das ganze Land Braunschweig ttbergerollt hatte, auf das viehischste mißhandelt, um Geständnisse aus ihnen heraus- zupreisen. Bereits während dieser Verhöre war es in Braun- schweig öffentliches Geheimnis, daß Landmann von seinem eigenen Untergebenen abgeknallt worden war. Weiter erhält sich in Braunschweig bis heute hartnäckig die Meinung, daß der wahre Jäter sofort gefaßt nnd ebenfalls in Rieseberg mit abgeschlachtet worden ist. Näheres war darüber nicht in Erfahrung zu bringen. Tagegen ist es geglückt, die Vorgänge bis zur Ermordung der unschuldigen Opfer völlig aufzuklären. Die siiinzig Ver- hafteten wurden viehisch mit Peitschen traktiert. Dabei wurde ihnen immer ivieder gesagt, daß zehn von ihnen für Land- mann erschossen werden würden. Man sei noch dabei, die zehn besten aus ihnen auszusortieren. Nach einer solchen An- spräche kam dann plötzlich das Kommando:„Abzählen zu zehn!" War das Kommando ausgeführt, ging der Brigade- f ii h r e r Sänke mit sadistischen Blicken die Reihen durch, als hinge die Auswahl der zehn Todeskandidaten von seinem Augenschein ab. War dieses Manöver glücklich überstanden, hieß es plötzlich: „Wer war SPD.-Mann? Mal vortreten!" Das geschah. „Eigentlich müßten wir euch Brüder nehmen. Aber na,'n Augenblick mal." „Wer ivar von euch im Reichsbanner? Mal vortreten! Jbr seid ia die richtigen Todeskandidaten. Stellt euch mal gleich zum Abmarsch da drüben aus!" To ging das dann eine ganze Nacht hindurch.„Wer war KPD.-Mann? Wer war Rotfrontkämpser?" Dann kam ein neues Dessin an die Reihe: „Wer ist verheiratet? Mal da auf diese Seite!" „Wieviel Kinder habt ihr denn? Gott, die armen Würmer können einem leid tun! Na, die haben ja von euch doch nischt gehabt!" Zum Schluß— der ausgesuchte Unglückshaufen war nun inzwischen immer Heiner geworden— hieß es:„Wer war Kriegsteilnehmer? Wer mar Frontsoldat? Wer hat Kriegs- anSzcichnnngen?" usw. So ging das, bis man dann zum Schluß die oben ge- nannten, unter denen sich selbstverständlich eine ganze Anzahl Frontkriegcr, wie Römling, befanden, übrig behalten hatte. Alle wurden noch einmal furchtbar geschlagen. Dann ließ man die Todeskandidaten ans Autos verladen, während die anderen nach und nach unter furchtbaren Drohungen für den Fall, daß sie etwas über die Art ihres Verhörs nnd die AuZ- wähl der zu Erschießenden erzählen würden, entlasten wurden, wenn ihre äußere Erscheinung das nach den an ihnen verübten Grausamkeiten zuließ. In sausender Fahrt ging es nach Rieseberg. Auf dem dor- tigen Pappelhof— einer alten Ziegelei, die der ADGB. änge?auft und zum Jugendheim umgestalte! Hafks— wurveik die Unglücklichen uogeladen und in zwei Zimmer verteilt. Die Zimmer wurden abgeschlossen und die wehrlosen Opfer durch die offenen Fenster grausam zusammen- geschaffen. Es herrschte ein nnbcschrciblicher Krach und Jammer in dem entlegenen GeHöst. Nach der Schlächter« wurde durch Fußtritte festgestellt, wer noch Lebenszeichen von sich gab. Er wurde schnellstens restlos kalt gemacht. Inzwischen hatte die Braunschweiger Polizei erfahren, daß in Riesebcrg ein Massaker vor sich gehen sollte. Ter national- sozialistische P o l i z c i k o ui m i s s ar Seile, der vorher mehrfach Zeuge der unerhörten Grausamkeiten seiner Partei- gänger geworben war, hatte Interesse daran, endlich einmal Ruhe zu machen in dem Braunschiveiger Hexenkessel. Darum fuhr er sofort mit mehreren Uebertallivagcn in eiligstem Tempo nach Riesebcrg, um die Schlächterei zu verhindern. Als er mit seinen Leuten in Riesebcrg ankam, ivar aber be- reits alles erledigt. Polizeikommissar Teile fühlte sich aus Prestige- gründen verpflichtet, in diesem Falle auf das Strengste durch- zugreifen. Er begann an Ort und Stelle mit der lluter- suchung. Als er am anderen Tage»ach Brannschweig zurückkehrte, wurde ihm von oben bedeutet, daß die Untersuchung von ihm nicht iveitcr zu führen sei und daß er die^Akten über bereits angestellte Erniittlungen sofort an die NSDAP, ao- zuliefern habe. Wenige Wochen später ivurde Sclle seines Postens als Polizeikommandcur enthoben. Die Nachricht von der Mordtat ging wie ein Lauffeuer durch Braunschweig. Die Presse bestürmte die amtlichen und die parteiamtlichen Stellen um nähere Aufklärung. Es wurde ihr unter schwerster Bedrohung verboten, auch nur eine«ilbe über das Blutbad zu veröffentlichen. Dafür wurde sie ge- zwungcn, den schlcchtbelnmdeten Landmann seitenlang zu lobhudeln und die schaurigsten Märchen über die Kommu- nisten als seine Mörder zu verbreiten. Um das Hohn^elächter in der Oeffentlichkeit zu ersticken, wurde die Stelle, an der Landmann gefallen war. zum Wallfahrtsort erklärt. Der braunschweigische Ministerpräsident Dietrich Klagges nnd sein Famulus, der oben erwähnte Justiz- minister Alpers, waren die ersten Wallfahrer, die am offener Straße riesige Blumenkränze niederlegten. Und das ganze offizielle Braunschweig machte die Komödie bewußt mit, während über Nieseberg kein Wort verlauten durfte. Jeder, der bezweifelte, daß der Mord an Landmann von Kommunisten ausgeführt worden war. wurde verhaftet und mißhandelt. Jeder, der das„Greuelmärchen" von R'ese- berg auch nur andeutungsweise erwähnte, wurde mit dem Tode bedroht. Daher war es auch so spät möglich, genaues darüber zu erfahren. Tie Angehörigen der Ermordeten wurden lange Zeit im Ungewissen über das Schicksal ihrer Männer und Väter ge- lassen. Viele Frauen brachten noch tagelang nach dem Blut- bad Mittagessen in die Krankenkasse, das vermeintliche Hast- lokal ihrer Männer. Jede Frau, die sich dringender nach dem Verbleib ihres Mannes erkundigte, erhielt Nachricht, daß er „in ein Konzentrationslager" gebracht worden sei. Im Lause der Zeit aber sah man sich doch gezwungen, den wahren Sach- verhalt an die Hinterbliebenen mitzuteilen. Diese Aufgabe übernahm das braunschweigische Ministerium, das den Be- tlofienen lakonisch mitteilte:„Auf Ihre Anfrage vom... teilen wir Ihnen mit. daß der nachgesracste...(Name) bei einem Ueberfall ums Leben gekommen ist." Diese Lesart wurde dann allgemein die offizielle. Tie Behörden, die einsahen, daß sich die Tatsachen der Empörung nicht mehr verheimlichen ließ, ließen durch die Parteiabtei- lungen der NSDAP, durch Agitation von Mund zu Mund erklären, die verhafteten Arbeiter seien zwar von ihren Wachleuten nach Riesebcrg geführt worden. Aber das sei nur zu ihrem eigenen Schutze vor dem Volkszorn geschehen. Leider sei die SA.-Wachmannschast in Nieseberg in der fraglichen Nacht von sebcnsalls leider!) unerkannten Tätern überwältigt worden nnd die Gefangenen dann von diesen Unbekannten erschossen worden. Die Leichen der Ermordeten wurden ans dem Friedhof des kleinen Ortes Riescberg verscharrt. Das Grab wurde mit einem kleinen Hügel bedeckt, so daß es in nichts an ein Massengrab erinnert. Der Ricseberger Friedhof wurde lange Zeit von TA. besetzt gehalten und für privaten Berkehr nur gegen amtlichen Ausweis geöffnet. Damit glaubte man wohl, die nötige Ruhe und die nötige Zeit zu finden, die notwendig ist, um Gras über diese grausige Geschichte wachsen zu lassen. Es zeigte sich bald, daß das ein großer Irrtum war. Hatte man in den ersten Wochen nach der Schlächterei die Bcvölke- rung der Umgegend vollständig verängstigt und verschüchtert, so wird heute überall von diesen Schandtaten gesprochen. Das ist um so interessanter, als die Gegend um Riefeberg eine reine Baucrngegcnd ist, in der die meisten Männer auf den Stahlhelm eingefchworcn waren. Viele dieser Bauern sind im Laufe der Zeit nach dem Pappelhof von Rieseberg ge- wandert nnd haben sich dort die noch immer sichtbaren Blut- flecke an den gekalkten Wänden angesehen. Viele haben auch im Laufe des letzten Jahres Blumen und Kränze, in deren Schleifen oftmals revolutionäre Parolen eingestickt waren, niedergelegt. Und alle, die auf jenem Fleckchen Erde standen, haben den Mördern und ihrem System blutige Rache geschworen. Die Banditen Die Auserwählten des Hitlerregimes Königsberg, 12. Sept. lJnpreß.j Die Beförderung des Adjutanten des ST.-Gruppensührers von dem Bach- Zelewski, des Tturmhauptsührers Licbisch in Königsberg, nimmt der offiziöse Deutsche Nachrichtcn-Dienst zum Anlaß, Erinnerungen zu verösfentlichen, die die ganze Verlogen- heit des Nazi-Geschreis wegen„marxistischer Uebersällc" enthüllt. Es wird dort bekannt:„Es ist Anfang 1832. In Diedershof in der Nenmark hält die SPD. eine Versamm- lung ab. In der Versammlung sitzen ein paar SS.- Männer. Die ivollen am Schluß der Versammlung bis- futteren. Aber da sei einer still, wenn ihm so viel Ge- meinheit vorgesetzt wird. Es gibt Zwischenrufe, lautere Zwischenrufe, und plötzlich hat da jemand irgendeinen an- deren beim Schlips gefaßt, Stühle werden hochgerissen, Fäuste schlagen zu. Auf der Bühne steht einer breitbeinig, und fest. Er schwingt einen Stuhl über dem Kopf... 21, 22— zählt er wie vor dem Abwurf einer Handgranate— bums, fliegt das Sitzmöbel in die Menge. Das ist der heutige SS.-Gruppenführer von dem Bach. Und da aus einer anderen Ecke fliegt ebenso ein Sluhl, schlägt ebenso eine Faust zu, da steht der jetzige Sturmbannführer Liebisch, der jeden schweren Strauß mit seinem jetzigen Gruppen- sührer auegesochten hat." SA. Führer wahnsinnig Nürnberg, 11. Sept. In der Nacht vom 18. zum 11. September wurde ein SA.-Führer in Nürnberg plötzlich wahnsinnig. Er stürzte sich mit einem Messer auf zwei SA.- Leute, die mit ihm im gleichen Zelt schliefen, tötete sie und verletzte mehrere schwer. Es gelang schließlich, Herr über l'sn werden. Als er die Folgen seiner Tat sah, versuchte er, Selbstmord zu verübe» Zwei Nammen)„Vorwärts"- Zwei Zähre Zadriliaas Soiiäidemokrattscfie Jllegaie vor Geridil Der„Neue Vorwärts" berichtet: Die Justiz des„dritten Reiches" überführt setzt fast täglich den Propagandaministcr Goebbels der Lüge. Goebbels arbei- tet i» feinen Propagandaschlachtcn mit Vorliebe mit dem Bolschewislenschreck, und alle seine Veröffentlichungen stellen es so dar, als ob die in Deutschland noch vorhandene Oppo- sition ausschließlich kommunistischen Ursprungs sei. Wie falsch diese Behauptung ist, wie stark auch die Widerstands- fräste gegen die Nazidiktatur in den s o z i a l d e m o k r a- tischen Massen sied, das beweist nicht zuletzt die Tatsache, daß sich die Prozesse g e g c n S o z i a l d e m o k r a t e n wegen angeblicher illegaler und hochverräterischer Arbeit in der letzten Zeit hänfen. In der vorigen Nummer haben wir über die drakonischen Zuchthausurtcile berichtet, die in dem Prozeß gegen die lei- tenden Funktionäre des Roten Vorstoßkreises gefällt wurden. In den gleichen Tagen fand in Berlin vor dem 4. Strafsenat des Kammergerichts eine mehrtägige Verhandlung gegen 18 Berliner Sozialdemokraten statt. Nach der Anklage sollen diese Genossen noch bis Ende Dezember 1888 versucht haben, in Berlin und im Reich die Orrganifation der Sozialdemokratischen Partei und der Sozialistischen Arbeiterjugend fortzuführen. Darüber hinaus sollen die „Sozialistische Aktion" und in Deutschland hergestellte staats- feindliche Druckschristen verbreitet worden sein. Das Kammergcricht verurteilte den als Hauptangcklagten bezeichneten Genossen Theo W i e ch e r t zu zweieinhalb Iah- re„ Zuchthaus. Der frühere Redakteur der Arbeiterjugend, Genosse Gustav Webe r, die Genoffen Oswald Z t e n a u und Dr. Fritz M i e l k o w s k i wurden zu je zweieinhalb Jahren Gesänanis verurteilt. Der Genosse Paul H e ß b e r a erhielt zwei Jahre drei Monate, der Genosse Ernst G l a m e i e r eineinhalb Jahre Gefängnis. Vier weitere Angeklagte, bar- unter drei Genossinnen, erhielten je acht Monate GefängntS. Assit Angeklagte wurden freigesprochen. Auch das Landgericht Leipzig verhandelte am 21. August gegen sechs Mitglieder der Sozialdemokratischen Partei und der Sozialistischen Arbeiterjugend Deutschlands. Diesen Ge- Nossen wurde ebenfalls die Fortführung einer verbotenen Organisation, und zwar der Sozialistischen Arbeiteriugeno zur Last gelegt. Die Verhandlung endete mit der Berurte,- lung des Genossen D i e ö c zu elf Monaten und des Genossen Kluge zn neun Monaten Gefängnis. Die Genossen Brau- des, Ruprecht. Jonas und Seidel wurden«amnestiert. Ueber den Verlauf des Prozesses ersahren wir noch:. Die Haltung der Angeklagten war ausgezeichnet. äk M' kannten sich mutig zu ihrer sozial demokratischen Ueber zeug ung, was auf den Gerichtshof sichtlich Ein- druck machte. Genosse Weber wurde nach seiner Vernehmung gefragt, was für Schulbildung er habe. Ais er ant- wortete:„Dorsschulbildung". war das Erstanne» nicht ge- ring. Nicht weniger wunderten sich die Richter darüber, daß sich unter den männlichen Angeklagten mehrere Kriegstell- nchmer und Inhaber der Eisernen Kreuze beider Klassen be- ^Am"ersten Tage der Verhandlung war die Oessentlichkeit ausgeschlossen. Es ist anzunehmen, daß an diesem Tage über die Erlebnisse gesprochen wurde, die die Angeklagten bei der Gestapo gehabt hatte». Die vier weiblichen Ange- klagten wurden vom(Gerichtshof rücksichtsvoll beharnW. Offenbar war der wahrheitsgemäße Bericht über die M iß- h a n d l u n g e n. die diese Frauen erlitten hatten, nicht ohne Wirkung geblieben.^ Eine Sensation des Prozesse? bildete auch die Vernehmung eines Sozialdemokraten, der in einer ähnlichen Sache>n einem anderen Prozeß abgeurteilt worden war. Der Vor- sitzende kragte den au? der Strashalt vorgeführten Zeugen nach seiner Straftat. Antwort: Verteilung von zwei Nummern des„Neuen Vorwärts" und einer „Arbeiter-Zeitung". Auf die weitere Frage des Vor- sitzenden nach der Strakhöhe lautete die Antwort:„Zw et Jahre Zuchthaus," ®eutsdke Stimmen• föeilesge«srr„2>ec lisdten Steifheit"• Ireignlsse und Qesdkidhten Donnerstag, den 13. September 1fl3<*|j| Ullililllllll^ «WUUWWWWWW lillllllllllilllllllilllllllll Zwei£ehtetkonqcesse Zwei Welten: frankfurt und Tliiza- Van Juck Ungefähr zur gelben Zeit fanden in Frankreich und Deutschland die Kongresse der großen Lehrer- Organisationen statt, dieser in Frankfurt, jener in Nizza, beide in den ersten Tagen des August. In Frankfurt tagte der NSLB.(NS.-Lehrerbund) der, nachdem die Opposition einer mehr auf das Pädagogische bedachten Deutschen Erziehergemeinschaft durch administrative Ablehnung, polizeiliche Eingriffe und gelegentlich auch durch ein paar Zugeständnisse fast ganz erdrückt wurde, über neunzig Prozent aller deutschen Erzieher jeglicher Kategorie umfaßt. In Nizza versammelten sich die Delegierten des großen französischen Syndicat National des Instituteurs, das achtzigtausend Lehrer und Lehrerinnen unter freigewerkschaftlichen Fahnen vereinigt. Der Unterschied zwischen hellem Mittag und schwärzester Oktobernacht ist nicht größer als der dieser beiden Lehrertagungen, über die im folgenden etwas berichtet werden soll. Frankfurt«„Sieg Heil!" Frankfurt sah eine Parade, eine Reihe von Instruktionsstunden, kein Wort der Debatte war zugelassen, keine Mißfallensäußerung. Nur der bestellte Beifall durfte ertönen. Die Frankfurter Tagung war eine Dokumentation jener erstaunlichen Unterwürfigkeit, die jene von Gangstern beherrschte Kolonie im Innern Europas trägt und lobt. Hier regierten das unsaubere Braun der Parteiuniform, die Fahnen des Rassenhasses, der Verleugnung von Geist, Europäertum, Wissenschaft und Freiheit. Den Vorsitz führte ein Mann, der seine Laufbahn als Fälscher begann. Das zentrale Referat hielt ein leibhaftiger aktiver Stabsoffizier. Von Niveau zu reden, wäre ein leichtfertiges Wagnis. So sehr verzichtete diese Tagung auf Gedanken. Für jeden gebildeten Menschen in der Welt ist die Stellung zu Goethe ein Maßstab, die Auseinandersetzung mit deutschen Geistesprodukten eine Voraussetzung. Hier aber herrschte eine Atmosphäre der Armut und der Würdelosigkeit. Kein Blink eines zukunftträchtigen Gedanken erhob sich, kein Leitwort eines deutschen Geistesträgers ward zitiert. Bei dieser gänzlichen Abwesenheit und Ausgeschlossenheit von Ideen, ja— im wörtlichsten Sinne des Wortes— einer Weltanschauung, geriet es dann nur noch bis zum Lobpreis des Charakters. Das, was Heine schon genial verspottet hat, diese Erfindung einer scheelsüchtigen Impotenz: die Antithese von Talent und Charakter feierte fröhliche Urständ. Der leere Kopf pochte wieder auf sein volles Herz, die Uniform, die Partei war Trumpf. Wie lange man organisiert, in welchen Schlachten des Weltkrieges man sich geschlagen, welche Orden man errungen habe, so wurde nach den Voraussetzungen für neue pädagogische Führerschaft gefragt. Wehe dem wahren Talent! Es geriet sofort in den Verdacht eines schlechten, unvaterländischen Charakters. Im Einzelnen wurden die rednerischen Unkosten der Tagung bestritten von Hans Schemm, dem hessischen Gauleiter Ringshausen, den Universitätsprofessoren Dresel und K r i e c k, dem Oberstleutnant Stemmer- mann, dem Stadtschuldirektor Bauer, dem Ministerpräsidenten, Lehrer a. D. Klagges und schließlich von dem Reichsbildungsminister R u s t höchstpersönlich. Schemm hielt eine schwülstige Gedenkrede auf Hinden- burg. Doch werde aus Gräbern neues Leben„sprudeln. Ringshausen pries das oberste Gebot der Disziplin. Dresel sprach gegen den„materialistischen Bildungswahn\ Wesentlich sei nur die Charaktererziehung. Aller Erziehungserfolg sei rassisch bedingt. Ziel der Erziehung sei, den Instinkt für die Erhaltung der Rassenqualität des V olkes zu wecken, womit uns die Minderwertigkeit dieses Zieles genügend eingestanden zu sein scheint. Krieck verlangte, daß alle Schulen in die gleiche weltanschauliche Sinnrichtung zu bringen seien. Erst der kommende Lehrer, für den an anderer Stelle der Leiter der preußischen Lehrerausbildung, Professor Bargheer, Zucht, Schliff und Drill als oberste Erziehungsgrundsatze ge/ or^ rt hatte, werde den neuen Aufgaben voll gewachsen sein. W as dem Herrn Vortragenden durchaus zu glauben ist; bisher ist die Lehrerschaft immer noch zu sehr von Wissen und rrei- heitsbedürfnis schmachvoll belastet. Oberstleutnant Stemmermann erklärte, daß ein gemeinsamer Blutstrom, eine gemeinsame gleiche Denkungs- weise den Führer, die Männer der nationalen Revolution und das Heer verbinde. Der Staat habe nun die Formen seiner Erziehung so gewählt, daß sie als Vorstufe für den von a en körperlich Tauglichen zu verlangenden Heeresdienst dienen könnten. Hiernach ist der„innere Soldat" das Ziel der Schulerziehung. Zu einer Schlußansprache raffte sich der Reichsbildungsminister Ruit auf. Er wiederholte, der neue Lehrer sei noch nicht da. Die neue deutsche Schule werde ihre Inhaltsbestimmung erhalten durch die neue Charakterbildung. (Zucht, Schliff, Drill!) Es komme nicht darauf an. daß die Lehrer gute Kenner der Geschichte seien wesentlich sei nur der deutsche Standpunkt. Der Erzieher habe sich auf Blut und Rasse. Volk und Boden zu besinnen. Der Minister be- tonte endlich, daß er keine andere Lehrerorganisation kenne und zur Mitarbeit heranziehe als die der Partei. Schemm brachte schließlich ein Siegheil auf den Fuhrer aus. Dann strömte die Versammlung au.e.n.nder wobc^ mancher»ich wohl in Scham erinnerte an der deutschen Lehrerschaft mit Ihren Aufgeboten an glan senden Zielstellungen und kämpferischer Intensität. Öie französischen Lehrer Die Tagung in N i z z a war im Gegensatz zu dieser e- und Erniedrigter von höchster ■••" er- monstration Befohlener uuu v«_. n J e Spannung, von Zukunftsgewißheit un. Elite füllt. In Nizza erarbeitete»ich die ßroßente.l. junge 1 Elite der französischen Lehrerschaft das Kampfprogramm de nächsten Jahres. Die Versammlung war eine unendliche Be glückung für den Freiheitsliebenden. Ueber hundert Delegierte aus allen Departements sprachen mit größter Präzision zu den aufwühlenden Themen des Kongresses. Die französische Lehrerschaft geht an die von den deutschen Lehrern vergessene Aufgabe mit Entschiedenheit heran. Wenn man den Deutschen den Vorwurf machen muß, daß sie die krisegestörte Jugend ziellos gelassen haben, daß sie die Zukunft der Arbeiterklasse nicht sehen wollten, so finden wir hier in hohem Maße klassenkämpferische Solidarität, Beweglichkeit, Tatbereitschaft und Tat. Wie oft haben Bürokratismus und Beamtendünkel in Deutschland gehemmt, wie kläglich ergab sich die deutsche Lehrerschaft den Feinden der Freiheit! Hier aber sind Klarheit und Aktivität, nicht nur jener dumpfe Kongreßrausch im Bewußtsein imponierender Organisationsziffern, wie wir ihn kennen aus den Jahren 1927 bis 1930. Zweitausend Delegierte im sonnüberglänzten Festpalast zu Nizza mit ihrem Büro, in dem sich Fähigkeit und Leidenschaft sozialistischer Gesinnung verbinden, aus dem die Namen Lapierre, Dumas, Delmas, V i v 6 s, Giron, C a v a 1 i e r noch oft zu hören sein werden. Vier volle anstrengende Tage Arbeit ohne eine Minute der Langweile. Es ist nicht Sinn dieser Zeilen, den ganzen Verlauf der Debatten im Einzelnen zu berichten. Es genügt die Kennzeichnung der großen Linie, der Themen, der Atmosphäre, der Höhepunkte, an denen die Internationale erklang, das Lied der Zukunft, der Klasse von morgen. Die französischen Lehrer haben genau wie seinerzeit die deutschen ihren Lebensstandard zu verteidigen. Sie tun das auch wirklich, nicht nur papieren, verhandelnd. Sie bekennen sich zum 12. Februar, dem Tage des gewerkschaftlichen Generalstreiks, obschon die Gewerkschaftsrechte der Beamten in Frankreich kein gesetzliches Fundament haben. Sie wissen, daß die Beamten nicht allein sich selber verteidigen, daß die Kürzung der Gehälter nur den Anfang bedeutet zum Lohnabbau auf der ganzen Linie. Sie kämpfen mit dem Bewußtsein Vortrupp zu sein, mit dem Willen, mitzureißen, sie unterstützen jeden Kampf jeder proletarischen Gruppe aktiv. Wo waren in Deutschland die Beamten, die jene entscheidende Kampfphase des großen Metallarbeiterstreiks erkannten? Besonders die jungen Lehrkräfte in Frankreich haben gradezu klägliche Gehälter. Umso höher sind die Opfer zu veranschlagen, die sie brachten und bringen für internationale Solidarität, zur Bekämpfung des Faschismus auf dem Lande, für ihre ausgezeichnete dafür bestimmte Wochenzeitung„La Teire", für den Kampf gegen den Krieg, für internationale Beziehungen! Im Vorjahre wurde beschlossen, im Kriegsfalle in den Generalstreik zu treten und dafür zu werben. In diesem Jahre wurde das Kampf- Programm präzisiert: Kampf dem Faschismus mit allen Mitteln, Einsatz der Organisation, Einheit mit allen Kampfgewillten. Der ganze Kongreß nahm teil an einer machtvollen Einheitsdemonstration der Nizzaer Arbeiterschaft gegen den Faschismus, Lieder, rote Fahnen, herzliche Einmütigkeit. Was waren wir wenigen hundert Lehrer in den Maiumzügen des roten Berlin! Die Kirche kämpft gegen die französische Laienschule. Sie hatte in gewissen Bezirken schon ernstliche Erfolge. Die neuen Spardekrete verengen den Raum der Staatsschule erneut. Doch auch die von der laikalen Lehrerschaft mobilisierten Kräfte hatten Erfolge. In dem schwarzen Elsaß- Lothringen wurde mit der Ver Guy la Chambre der Laienschule eine schöne Bresche geschlagen. Der Kampf scheint nicht aussichtslos. In den Mittelpunkt des ganzen Kongresses drängte sich das Thema der gewerkschaftlichen Einheit, der Einheit der kämpfenden Klasse, Einheit der Lehrerschaft. Die kommunistisch gerichteten Lehrerverbände tagten gleichzeitig in Montpellier. Von da aus kam eine Delegation nach Nizza, herzlich empfangen. Es begann eine mit Leidenschaft geführte, die uns allen bekannten Fragen, die Hemmnisse der Einigung bedeuten, nicht umgehende Dehatte, die mit dem einstimmigen Entschluß endete, die Einheit der klassenbewußten Lehrerschaft, damit die der überwiegenden Mehrheit der französischen Lehrerschaft sofort herzustellen. Der Vorstand wurde unter begeisterter Zustimmung beauftragt, die Vereinigung— eine sofortige, loyale, völlige— zu bewerkstelligen unter Wahrung folgender Grundsätze: 1. der gewerkschaftlichen Unabhängigkeit von Regierungen, politischen Parteien, weltanschaulichen und religiösen Organisationen, 2. der gewerkschaftlichen Demokratie, die Meinungsfreiheit und Aeußerungsrecht auch der Minoritäten umfaßt, 3. der Disziplin in der Aktion. Die kommunistischen Delegierten, die einen vorzüglichen Eindruck machten, versprachen schnellstens einen endgültigen Beschluß, der mittlerweile gefallen ist. Es ist anzunehmen, daß schon im Oktober die Einheit verwirklicht wird. Damit beginnt dann ein neuer Abschnitt gewerkschaftlichen Kampfes. Auf dem Kongreß erhielten auch das Wort Vertreter der verbündeten freien Gewerkschaften, der englischen Lehrerverbände, ein deutscher Lehrergenosse, der den Dank seiner Kameraden für die solidarische Hilfe der französischen Organisation und das Gelöbnis unermüdlicher Weiterarbeit brachte. Zum Schlüsse wieder die Internationale, die über alle Nationen hinwegreicht, in der der Glaube klingt an die ewig siegreiche Humanitas, die zu Schwur und Bekenntnis erklang für das kommende kampfreiche ernste Jahr. Zum Bild des Kongresses gehört auch die Hetze, die anschließend begann in den bürgerlichen Blättern des In. und Auslandes, die Ankündigung der Regierung, die Reden des Kongresses überprüfen zu lassen und eventuell Sanktionen zu ergreifen. Es wurde aber nichts anderes geredet und beschlossen als mit dem Ziel, das Erbe der großen Revolution zeitentsprechend zu sichern und, sofern schon verloren, wieder zu gewinnen, 2)ec deutsche Jude spricht: An meiner Wiege stand das deutsche Wort und wuchs mit mir und wuchs in mich hinein. Wir waren Zwei und waren doch nur Ein und dachten: niemals würd' es anders sein, ich und das deutsche Wort. Es kam der Tag— da stieß das Volk mich fort, das Volk, das, ach, die gleiche Sprache spricht. Man gab mir, wie man's nennt, den Abschied schlicht. Nein mehr: man schlug mich mitten ins Gesicht und hetzte mich mit Hunden von dem Ort. Nun ist das Tuch zerschnitten hier und dort, und, die kein Leben zudeckt, eine Kluft. Die alte stieß midi fort— die neue Heimat ruft. Doch, wenn ich sterbe, schreibt auf meine Gruft: „An meiner Wiege stand das deutsche Wort.•," G. M. tin Amt haucht Jiatz Bücherschicksal im„dritten Reich" Die staatliche Kunstbibliothek in Berlin wurde vor kurzem geräumt. Die überaus wertvollen Bestände der sorgfältig geführten reichhaltigen Bibliothek wurden einfach aus den Regalen gerissen und wahllos in einem Lichthof aufgestapelt. Diese Barbarei mußte geschehen, um einem„Staats- politischen Amt" Platz zu schaffen. Welches Amt da Platz gebraucht hat, ist aus den Veröffentlichungen nicht zu ersehen- Die verschiedensten Kunstgewerbezeitschriften stellen klagend die Tatsache fest. Alle Interventionen, um die Bibliothek vor den braunen Barbaren zu retten, blieben vergeblich. Während die Kunstzeitschriften wenigstens noch den Mut aufbringen zu jammern und von dem„staatspolitischen Amt" zu sprechen wagen, in dessen Namen eine der besten Fachbibliotheken Deutschlands ruiniert wird, sagt die„Zeitschrift für Bücherfreunde" einfach:„Die staatliche Kunstbibliothek in Berlin wurde bis auf weiteres geschlossen. Die Bestände sind im Lichthof des ehemaligen Kunstgewerbemuseums magaziniert. Die Anschrift der Direktion lautet: Berlin SW 11, Prinz-Albrecht-Straße 7." Die„Zeitschrift für Bücherfreunde" formuliert ihre Schweigsamkeit schlecht, obwohl gerade sie auf genaue Leser gefaßt sein müßte, denn aus ihrer Verlautbarung erkennt man, daß nicht nur die Bibliothek, sondern das gesamte Kunstgewerbemuseum„magaziniert" wurde. Magaziniert zu werden, ist überhaupt das Schicksal der ganzen deutschen Kultur. Als dem fremden die Ufte gestohlen wurde... In England schrillten die Telefonglocken von Seotland Yard, ein Heer von Detektiven spürte Tag und Nacht, bis das Hotelmädchen die Uhr in der Nachttischschublade fand, wo der Fremde sie liegen gelassen hatte.» In Frankreich wurden Haussuchungen bei drei Freudenmädchen und vier prominenten bürgerlichen Politikern vorgenommen. Sie förderten insgesamt 62 gestohlene Uhren zutage, die des Fremden war leider nicht darunter. In U S A telefonierte der Polizeichef den Führer der zuständigen Gangsterbande an, der gegen ein Lösegeld von 50 Prozent des Wertes die* Uhr dem Bestohlenen zurückerstattete. In Rußland wandte sich der Chef der Justiz an den Chef des ökonomischen Rektors, der seinerseits den Uhren- trust beauftragte, dem Fremden eine neue Uhr anzufertigen. Leider war bei dessen Abreise die Anweisung noch nicht durchgekommen. In Oesterreich kam es zu einem blutigen Gefecht zwischen regierungstreuer Heimwehr, rebellierender Heimwehr und als Regierungstruppen verkleideter Nazis um den Besitz der Uhr. Polizei und Bundesheer mußte die Kämpfenden trennen. 8 Tote, 17 Schwerverletzte. In Deutschland mußte der Fremde vor seiner Ausreise einen Revers unterschreiben, daß ihm nichts gestohlen worden sei. i"Muck i. Qäcinq- qanz reizend Aus der Deutschen Allgemeinen Zeitung:„Am besten hat dem siamesischen Königspaar der Besuch bei Göring in der Schorfheide gefallen. Der König und insbesondere die Königin kamen immer wieder darauf zu sprechen. Göring bemühte sich nach Kräften um seine Gäste. Er veranstaltete ein Bogenschießen mit dem jungen Prinzen und kutschierte selbst die Königin, die neben ihm auf dem Bock des Pferdewagens saß, durch den Wald zum Wisentgehege. „Ist Mr. Hitler auch so reizend wie Mr. Göring?" fragte die siamesische Hofdame auf der Rückfahrt von der Schorfheide." Jheeinq. lacht Im„Berliner Tageblatt" schreibt Herbert Ihering über einen Theaterabend:„Die vier Akte dieses„Kriminalstücks mit Musik und Tanz" wurden durchgelacht... Worin besteht die Wirkung? Zuerst einmal in der Bereitschaft de» Publikums, heute unter allen Umständen zu lachen. El stürzt sich mit Wollust in die Heiterkeit, nimmt schon jeden halben Witz dankbar entgegen und ist gespannt, sich zu entspannen. Nicht als ob der Zuschauer völlig unkritisch geworden wäre. Durchaus nicht..." Nur einer ist unkritisch geworden: Ihering, gegen sich selbst. Er, der 1932 eine „Ehrentafel" derjenigen aufrichten wollte, die gegenüber dem Nationalsozialismus„festgeblieben sind", ist heute Theaterkritiker des gleichgeschalteten„Berliner Tageblatts". Gedruckt wie gelogen Ein Mann namens Erich Unger hat innerhalb der „Forschungsberichte zur Wissenschaft des Nationalsozialismus" eine Bibliographie„Das Schrifttum des National- Sozialismus" erscheinen lassen, Er verzeichnet 3000 Titel, Völlcar In Sfurmxaltan Nr. 1t Völker in Sturmzeiten Im Spiegel der Erinnerung- im Wie ich Hauptmann von Köpenick wurde Von Wilhelm Voigt • u Voigt hat mit der Erzählung der„Köpenickiade" begonnen. Er schildert, wie er e t j a# Rathaus besetzte, den Bürgermeister festnahm:„Auf Allerhöchsten Befehl. Dann ging es in den untersten Stock: zum Stadtkämmerer. Immer war er begleitet von der Mannschaft, die ihm auf jedem Wege und allen seinen Anordnungen blindlings gehorchte. Der Posten ließe ihn nicht hinaus, erklärte er mir und bat mich, ihn doch zu beurlauben, da er baden müsse. Da mir dies wirklich dringend nötig erschien, so bekam er seinen Urlaub. Und wie es schien, war es tatsächlich eine große Wäsche, die er veranstaltete, denn ich hekain ihn nicht wieder zu sehen. Nachdem so auch dem Humor sein Hecht geworden, trat wieder der ganze Ernst der Situation an mich heran, und ich suchte den stellvertretenden Bürgermeister auf. Unterwegs trat ein Kassenbote an midi heran, der Geldpostsachen im Werte von ca. 1200 Mark von der Post holen wollte. Ich ließ ihn zunächst nicht passieren, da die Angelegenheit für midi von keinem Belang war, und betrat das Kassenzimmer, in welchem ich den stellvertretenden Bürgermeister zu finden glaubte. Es waren vier Herren in dem Zimmer, und da ich nicht, wußte, welcher von ihnen der Rendant war, auch nicht alle vier verhaften wollte, so beschloß ich, sie in ihren Zimmern zu beschäftigen. Ich ersuchte die Herren also, sich zunächst auf ihre Arbeitsplätze zu begeben, denn sie waren aus Neugier zusammengetreten und besprachen eingehend die ihnen unbegreiflichen Vorgänge im Rathanse. Die Herren verfügten sich nun jeder an sein Arbeitspult, und ich fragte: „Wer ist hier der Kassenresidant?" Darauf erfolgte von einem Platze die Antwort:„Ich!" Ich teilte dem Herrn wie den beiden vorher Verhafteten mit, daß ich Befehl hätte, ihn nach Berlin zu schaffen, und daß er deshalb seinen Kassenahediluß raadien solle. Er war zunächst auch dazu bereit, bemerkte aber, er müsse das Geld dazu von der Post haben, ich hätte seinen Kassenboten nicht durchgelassen- „Nun, wenn Sie das Geld haben müssen, so mag er es holen!" Ich gab Befehl, den Mann passieren zu lassen, und wollte mich eben selber entfernen, als der Rendant mir die weitere Frage vorlegte, wie idi den Kassen abschloß wünsche und in welcher Weise er das Geld aufzählen solle. Ich antwortete ihm. mir wäre das höchst gleichgültig, er möge es so machen, daß eine Ucbersicht vorhanden wäre, aus der ich ersehen könne, daß die Abrechnung auch stimme. Vor die Tür stellte ich als Posten den Gefreiten vom 4. Garderegiment, der früher das Kommando der Wache geführt hatte, und ich Begab midi nun in die oberen Räume zurück, um sie etwa* eingehender zu untersuchen. Als ich die Treppe hinaufsdiritt, kam plötzlich der Rendant in Begleitung eines Postens hinter mir her und sagte mir: „Herr Hauptmann, idi kann den Kassenabschluß nicht machen. Ich muß dazu Befehl vom Herrn Bürgermeister haben." „Das brauchen Sie ja auch nicht!" antwortete ich ihm, „wenn Sie den Abschluß nicht machen wollen, ao lasse ich Sie sofort abführen und den Kassenabschluß von einem anderen Beamten besorgen!" „Nun," sagte er,„dann will ich es allerdings tun!" Ich entließ ihn mit seiner Begleitung und begab mich nach oben. Der Bürgermeister von Köpenick Da das Zimmer des Bürgermeisters nicht geschlossen war, trat idi ein, um zu sehen, was darin vorging. Hier trat mir der Herr Bürgermeister entgegen und bat midi, daß ich ihm einen Diener zur Besorgung des Gepäcks zur Verfügung stellen solle. Ich erklärte ihm. da er einen eigenen Diener nicht hatte, daß ich ihm umnöglidi einen Polizeibeamten der guten Stadt Köpenick mitgeben könnte; dagegen solle sein Gepäck von meinen Grenadieren befördert werden. Dann wünschte er seine Frau zu sprechen. Audi diesen Wunsch erfüllte ich ihm. Idi betrat wieder den Korridor und beauftragte einen Beamten, die Frau Gemahlin des Herrn Bürgermeisters herabzubitten. In wenigen Minuten war sie zur Stelle, und ich teilte ihr in höflicher Weise mit, daß idi genötigt sei. ihren Herrn Gemahl nach Berlin zu schaffen, daß sie aber, solange er noch hier wäre, ungestört und ungehindert mit ihm verkehren dürfe..« Ich führte sie nun selbst in das Zimmer zu ihrem Gatten und begab mich wieder nach unten. Auf dem Korridor angelangt, hatte ich zunächst eine Anzahl Bescheide in Verwaltungssachen zu erledigen, denn sämtliche im Hause arbeitenden Beamten waren sehr neugierig und suchten in der Form von dienstlichen An- und Vorträgen mit mir in Verbindung zu treten, nur um mit mir bekannt zu werden. Ich erledigte alles stehenden Fußes! Unterdessen hatte sich auch draußen eine große Volksmenge versammelt, und während ich die Posten revidierte, meldete sich auch der Oberwachtmeister des Kreises Teltow, der zufälligerweise nach Köpenick gekommen war. zum Dienst. Das kam mir natürlich sehr gelegen, denn dadurch wurde meine Position wesentlich verstärkt. Ich war eben wieder in das Rathaus zurückgekehrt, als der Gefreite mir meldete, draußen stände wieder eine Anzahl von Herren, die in dienstlichen Angelegenheiten ins Rathaas eingelassen zu werden wünschten. Es war. wie es sich herausstellte, der größte Teil der Stadtverordneten und Stadträte Köpenicks, die sich zu zwei getrennten Sitzungen im Rathaus einzufinden hatten. Ich wollte sie zunächst nicht eintreten lassen, aber da sie sich darauf beriefen, daß die Sitzungen unter allen Umständen abgehalten werden müßten, ließ ich sie schließlich doch durch, indem ich sie einzeln hineinzählte. Augenblicklich ist es mir nicht mehr gegenwärtig, ob es vierzehn oder achtzehn waren. Jedenfalls bestätigte mir der letzte Eingetretene, daß die Zahl richtig sei. Ich konnte mich doch eines innerlichen Lächelns nicht verwehren, wenn ich diesen Vorgang mit „analogen" auf den Gutshöfen verglich. Als ich nun wieder zurückkehrte, meldete mir der vor dem Kassenzimmer stehende Posten, daß die Herren sich in auffälliger Weise an ihren Pulten zu schaffen machten. Das wäre doch nicht in der Ordnung. Uro zu sehen, worauf sich die Meldung bezog, betrat ich zum zweiten Male das Kassenzimmer. Da kam der Herr Rendant auf mich zu und sagte mir: „Herr Hauptmann, ich kann doch auf Ihren Befehl den Kassenabschluß nicht machen, sondern nur auf den des Herrn Bürgermeisters!" Hierauf erwiderte ich ihm: ..D er Herr Bürgermeister ist verhaftet ebensowieSieselber! und er kann Ihnen darum keine Befehle mehr gehen. Die Verwaltung der Stadt ruht jetzt in meinen Händen. Für alles, was vorkommt, bin idi verantwortlich! Ich glaube deshalb, daß Sie auf meinen Befehl den Kassenabschluß doch machen werden, denn es ist doch kaum anzunehmen, daß Sie nach Berlin gehen und hier alles in der größten Unordnung zurücklassen werden!" „Nun, dann will idi auf Ihren Befehl den Kassenabschluß machen, aber auch auf Ihre Verantwortung!" „Die Verantwortung übernehme ich!" Als idi midi eben umwandte, um das Zimmer zu verlassen, rief er mir noch nach: „Ja, Herr Hauptmann, dann müssen Sie aber auch die Sparkasse übernehmen, das ist auch eine städtische Kasse!" Idi headitete das nicht weiter und besuchte zunächst das Zimmer des Polizeiinspektors, um midi noch einmal zu überzeugen, ob ich vielleicht da einigen Anhalt für meine Recherchen fände. Aber das Zimmer war ziemlich leer, und so wollte ich wieder nach oben steigen, als mich der Stadtwadit- meister aufsuchte und sich hei mir meldete. Nach einigen Bemerkungen, die»ich auf Dienstangelegenheiten bezogen, fragte ich ihn, ob er geneigt wäre, seinen Bürgermeister nach Berlin zu transportieren und ob ich ihn ihm anvertrauen dürfe? Mit Feuereifer ging er darauf ein und versicherte mir »eine volle Zuverlässigkeit. Ich beauftragte, ihn zunächst, von einem Fuhrhalter in Köpenick drei Wagen, womöglich gedeckt, zu beschaffen. Kurz hinterher, nachdem ich noch verschiedene städtische Angelegenheiten erledigt hatte, kam ein junger Mann und legte mir seinen Militärpaß zur Einsicht vor. Als ich dieses Büchlein in die Hand nahm, erinnerte idi midi plötzlich des Augenblicks, in welchem ich meinen Paß in Tilsit in Empfang genommen hatte. Ich hatte ihn nicht im Polizeisekretariat, sondern im Sekretariat des Laudratsamts empfangen und wußte nun, daß ich vergeblich nach Köpenick gegangen war. Ein Landratsamt ist in Köpenick nicht vorhanden, sonst hätte ich sofort die ganze Geschichte im Landratsamt wiederholt. So aber blieb mir Iiier nichts weiter übrig, als allmählich abzubrechen und die Mannschaft nach Berlin zurückzuschaffen, denn eine weitere Reise nach Fürstenwalde schien mir doch etwas bedenklich- Noch überlegend, wie ich jetzt weiteragieren sollte, schritt ich wieder die Treppen hinauf. Auf dem Flur meldete mir der Posten, daß dem Bürgermeister der Kaffee gebracht worden wäre, ob er den genießen dürfe. Selbstverständlich gab ich hierzu meine Erlaubnis und betrat noch einmal sein Zimmer, um mich mit ihm ein bißchen zu unterhalten. Darauf bat mich seine Frau, daß ich ihr gestatten möge, mit ihren Freundinnen außerhalb des Rathauses zu verkehren, ihrer Wirtschaft wegen. Auch diese Bitte gewährte ich ihr, und als sie dann weiter bat, bis zum letzten Augenblick hei ihrem Mann bleiben zu dürfen, machte idi ihr den Vorschlag, sie möge ihren Gemahl seihst nach Berlin hegleiten. Nur wünschte idi nicht, daß sie hei der Neuen Wache aussteige. Sic war darüber sehr erfreut; und um auch für das zurückbleibende Kind in genügender Weise sorgen zu können, gestattete ich ihr noch weiter den Verkehr mit einem Stadtrat, der ihre dahingehenden Aufträge in Emvfang nahm. Wie mir schien, hatte der Herr Bürgermeister, während der Zeit, da ich nicht hei ihm war, die Sache nach allen Seiten erwogen. Er legte mir nämlich nach einer Einleitung die Frage vor— in Form einer Bitte—, ob ich ihm nicht beweisen wolle, daß ich zu seiner Festnahme, die doch in ungewöhnlicher Form vor sich gehe, auch berechtigt wäre. Ich drehte, mich mit einer halben Wendung nach rechts, zeigte mit der Hand auf die drei draußenstehenden Soldaten und sagtet „Nun, ich glaube, ich bin bei Ihnen doeÜ legitimiert genug!" Für einen Niditoffizier ist diese Handlungsweise unverständlich und gibt Anlaß zu der Vermutung, daß ich dem Bürgermeister mit den Waffen habe drohen wollen. Em Offizier konnte in diesen Irrtum nicht verfallen, denn es waren vertreten: die Uniform des ersten Garderegiments, das nach Potsdam gehört, die Uniform des vierten Garderegiments und die Uniform des Gardefusiherregiments das in Berlin steht. Ein Offizier der Potsdamer Garnison kann aber zu einer Dienstliandlung in und um Berlin, sofern e sich der Mannschaft aus einer Berliner Garnison he- dienen muß, diese nur durch die Stadtkommandantur er- halten haben. Mithin konnte jemand, der diese Vorschriften kannte, an meinem dienstlichen Auftrage nicht zweifeln. Ich war also dadurch allein dem Bürgermeister, der, wie ich spater erfuhr, Leutnant der Reserve ist, genügend legitimiert. Oh der Herr meine Handlungsweise in diesem oder tn anderem Sinn gedeutet hat, weiß ich nicht. Da er ganz geknickt schien, tat er mir wirklich leid, und ich begann ihn nach seiner früheren Lebensstellung zu befragen. Dadurch erfuhr ich. daß er Leutnant der Reserve sei. Ich sagte, um ihn zu beruhigen, daß man ihm in Berlin wohlwolle; sonst würde man nicht, um einen Leutnant zu verhaften- einen Hauptmann schicken! Alsdann forderte ich ihm sein Ehrenwort ah. keinen Fluchtversuch zu machen. Er gab es mir auch bereitwillig- Sodann verließ ich ihn wieder für einige Zeit. Als ich aber später zurückkehrte und er etwas zudringlicher an mich herantrat, verwies ich dies ihm mit den^ orten:„Sie wissen. Herr Bürgermeister, daß ich Sie bis jetzt»ehr freund!idi behandelt habe! Es wäre mir leid, wenn ich anders auftreten müßte!... Aber ich kann Sie auch härter behandeln; ich kann Sie zum Beispiel in den Keller führen und einsperren las s e n. Das machte ihn denn doch etwas stutzig, und er ließ es dann auch nicht darauf ankommen. Mir war das sehr lieb, denn wenn ich auch meine Stellung im Rathause— schon mit Rücksicht auf meine Mannschaft— absolut wahren mußte, so wollte idi mich doch von jeder unnötigen Härte freihalten, wie mir das ja glücklicherweise auch durchaus gelungen ist. Der Kassensturz Ich übergehe die einzelnen Szenen, die sich noch weiter im Innern des Rathauses abspielten, und bemerke nur noch, daß sich unterdessen auch ein stellvertretender Bürgermeister bei mir einfand. Das geschah so: es hatten sich die Stadtverordneten, Stadträte und städtischen Beamten, so- weit sie im Rathans anwesend waren, auf die Gange hinausgewagt und beobachteten ans den Winkeln heraus die weitere Entwicklung der Affäre mit der gespanntesten Aufmerksamkeit. Ich mußte wiederholt die Herren darum ersuchen, sich in ihre Zimmer und an ihre. Arbeit zu begehen. Als nun wieder einmal eine solche Gruppe sich gebildet hatte, löste aus derselben sich ein Herr und ging die Treppe hinunter auf mich zu. Vor mir angekommen, stellte er sich sls den stellvertretenden Bürgermeister vor und wünschte zu wissen, ob ich nicht irgendwelche Aufträge für ihn hätte- Idi zog die Briefe, die. idi geöffnet und gelesen hatte, aus der Tasche und überwies sie ihm zur weiteren Bearbeitung Auf seine Frage, ob ich denn von allem Eingehenden Kenntnis nehmen würde, sagte ich: „Natürlich, solange ich hier bin, gehl alles durch meine Hände!" „Haben Sie sonst noch etwas zu befehlen, Herr Haupt- ...i?" .Nein, wenn ich Sie brauche, werde ich Sie rufen lassen, jetzt können Sie gehen!" Er kehrte zu den Herren zurück und stattete, wie mir schien, Bericht ab. Unterdessen hatte mir der Stadtwaditmeister die Meldung gemacht, daß die Wagen da wären. Ich Beschloß, das Spiel zu beenden, indem ich den Bürgermeister und den Bendanten nach Berlin abführen ließ. Das tat ich aber, um der Mannschaft den Weg nach Berlin freizuhalten. da ich selber nicht hei ihr bleiben, auch nicht voraus wissen konnte, was in meiner Abwesenheit passierte. Um alles nötige Aufsehen zu vermeiden, hatte ich die Kutschen in den Hof des Rathauses hineinfahren lassen. Ich stieg die Treppe hinunter und kümmerte mich nicht upiter um das Einsteigen, sondern überließ die Aufsicht dem dort postierten Grenadier. Ich selbst begab mich ins Kaisenzimmer, um such dem Rendanten die Bestimmung über seine Abreise mitzuteilen. Zu meinem Erstaunen trat er auf mich zu und bat mich, an den Tisch zu treten, auf dem er die Tageskasse im Betrage. von 4000 Mark aufgezählt hatte. Dabei ersuchte er mich, ich sollte die Kasse übernehmen! Idi war ganz erstaunt darüber, denn ich hatte mit keinem Worte und mit keiner Silbe geäußert, daß ich die Kasse übernehmen wollte. Sie wäre ohne diese Uehergabe ruhig in Köpenick gehlieben. Darauf legte mir der Rendant einen Schein vor und bat mich, denselben zu unterschreiben. Sowohl der Rendant wie ich waren über den Zweck dieses Scheines der gleichen Ansicht. Er wünschte nämlich, einen Revers darüber zu haben, daß der Kassenbestand richtig vorhanden war, und ich wollte ihm bescheinigen, daß es so sei. Es war das eine rein formelle Sache, der ich bis hierher noch gar keine weitergehend« Bedeutung beilegte- (Fortsetzung folgt) mann: Unparteiischer Seriem üher Nürnberg J. H. Es lohnt sich, aus den Berichten des Spezial- Korrespondenten der„T i m e s" am Nürnberger Nazi- Parteitag einige wesentliche Beobachtungen herauszugreifen. kl IN sechsten Nazi Parteitag, der vom 4. bis in. September den Zuhörern nicht ganz klar, obwohl er behauptete...deutsch sein heißt klar sein." Der Donnerstag stand im Zeichen der Arbeitsdienst-Parade fn sn t»„............. In seiner Ansprache an 52000 Mitglieder des„freiwilligen Ji® abgehalten wurde, dem zweiten seit Hitlers Arbeitsdienstes" auf der Zeppelinwiese erklärte Hitler, es feReifung, fielen gewisse Unterschiede auf, die für die werde der Tag kommen, wo der Dienst nicht mehr eine Sache Entwicklung seit dem letzten Jahre bezeichnend sind. Die«».ccr-<--- Reichswehr nahm mit etwa zehntausend Mann— einschließlich der Nürn- verger Garnison von rund tausend Mann— am Parteitag teil. Die Reichswehr stellte die Leibwache für Herrn Hit- ter und die Naziminister, die bei früheren Gelegenheiten von «politischen Soldaten" beschützt wurden. Für die Machtver- laltebung innerhalb der Bewegung, die Verlagerung des J-.'mlut'feö von der SA. auf die SS., bezechnend waren die Anordnungen für den Aufmarsch der Parteitruppen. Zu An- lang der Woche befanden sich, mit Ausnahme natürlich der lokalen SA., keine Braunhemden in Nürnberg. Dagegen war die SS. in großer Zahl bereits angekommen und wei- lere zehntausend SS.-Leute hatten am Mittwoch<5. Septem- perl anzurücken. Während die Parteifunktionäre, Mitglieder ocs Arbeitsdienstes, der Hitlersugcnd, der Frauenschaft und andere Parteiangehörige sich vorher in Nürnberg versammelten, dursten die 110 000 Mann TA. aus dem Reich erst SamStaq(8. September! kommen. Ferner glänzten die v»erreicht scheu Nazis, die voriges Jahr als die Hel- ocn des Tages behandelt wurden, durch Abwesenheit. Nürnberg war reich beflaggt, als Hitler, der im Flugzeug ^«^Berchtesgaden gekommen war, am Dienstagnachmittag [4.«eptember) in sein Hotel fuhr, begleitet von Heß, Himmler. Lutze, Ley, General Blomberg, Dr. Goebbels und Julius Streicher. Aber die Menge, die die Straßen säumte, ivar m^niger dicht, und die Heilrufe der Bevölkerung und der «A. Sperrketten tönten schwächer und schienen weniger spou- lan, als bei früheren Gelegenheiten. Für Hitlers Sicherheit waren sorgfältige Vorkehrungen getroffen worden. Obwohl >m fernen Umkreis des Hotels SA.-Männer die Strafte be- wachten, waren am Dienstagabend beim Hoteleingang nur SS.-Männer zu sehen. Um das Hotel war eine Bannmeile von hundert Meter» errichtet, innerhalb deren Fußgänger oen Bürgenteig nicht betreten dursten. Beide Zugänge zu oen zwei Seitenstraßen waren bewacht und für den Verkehr gesperrt. Am Dienstagabend wurde im Nürnberger Rat- oaus ein offizieller Empfang abgehalten, an dem Hiller, last alle Neichsministcr, zahlreiche Länderministcr und etwa lechshundert Unterführer teilnahmen. Ueber der Türe des Großen Saals, in dem der Empfang stattfand, steht eine alte Anschrift:„Eins Manns Red ist ein halbe Red. M a n s o l l d i e T e y l v e r h ö r e n b e d." Bei der offiziellen Eröffnung des Parteitags am Mittwoch- Morgen in der Leopold-Hallc, einem glasbcdachten Eisen- betonbau an der Peripherie der Stadt, saßen Heß, die Reichs- minister und die Prominenten der Partei auf einem groben Podium. Die meisten Anwesenden waren uniformierte Par- teisunktionäre und Angehörige der TT, Sämtliche vierzehn- kaufend Ortsgruppen der Partei waren vertreten, serner die Marine und. mit einem starken Kontingent, die Reichswehr. Letztes Jahr spielte die SA. bei der Eröffnung des Partei- tages eine hervorragende Rolle. Dieses Jahr bestand die Hauptaufgabe der Braunhemden im Straßendienst. Bemer- kenswerterweise wurde das Hotel Görings von R e i ch s w e h r s o l d a t e u bewacht, während vor dem Hotel des Reichsinnenministers Frick zwei Gendarmen im Stahlhelm und mit ausgepflanztem Bajonett Wache hielten. Während seiner Eröffnungsansprache forderte Heß den Stabschef der SA., Lutze, auf, die Liste der Nazis zu verlesen, die im Kampf um die Macht gefallen waren. Luve beging diesen feierlichen Akt, den letztes Jahr Hauptmann Röhm vollzogen hatte, unter gedämpftem Trommelklang. Nach der Ansprache von Heß las der bäuerische Innen-, minister Wagner die Proklamation Sit l e r s, die mit gespanntem Interesse erwartet wurde Tie bedeutet jedoch, bemerkt der Korrespondent der„Timeö, eine bittere Eni- tauschunq für diejenigen Nazis, denen es um die„sozial!- ßische" Seite des Nationalsozialismus zu tun ist, und die ihr Ziel durch die revolutionäre Taktik der Partei zu er- reichen gehofft hatten. Denn die Proklamtion verkündet klar und entschieden, daß es keine„zweite Revolution»» geben bot. und daß jeder Versuch zur ttebertretung der vorgeschriebenen„revolutionären" Linie als verrat und»lnarchie angesehen werden wird..,.......... ^ Zu der.Kulturtaaung", die am Mittwochnachmittag unter dem Vorsitz Alfred Rosenbcras im Avollotheater abgehalten wurde, bemerkt der.Times"-Korrespondent. Vor trag dauerte über eine Stunde. Seine Ausdruckswcise ichien freier Wahl sein werde. Schon früher hat Hitler in ebenso unbestimmter Form Maßnahmen angekündigt, die auf eine allgemeine ArbcitSdicnstpslicht hindeuten. Der „Fränkische Kurier", der in dieser Beziehung als gut unter- richtet gilt, behauptet Grund zu der Annahme zu haben, daß diese Zwangsmaßnahme auf 1. Januar 1035 in Kraft treten werde. Auf zwei Seiten der großen Zeppelinwiese waren für die Zuschauer lange Reiben von Bänken aufgestellt. Tie dritte Seite wurde von einer hohen Holztribüne cingenom- men, an der ein gewaltiger Mctalladler mit Hakenkreuz an- gebracht, und die mit Nazivanncrn behangen war. Tie Tri- büne war für den„Führer", für Goebbels, Darre, Frank. General von Blomberg, Admiral Raeöer, Marine- und Reichswehrosfiziere, Statthalter und Unterführer reserviert, Mit Front zur Tribüne war das Arbeitsöienstkor.ps auf- gestellt, das etwa ein Sechstel der Wiese füllte. Es war das erste Mal, daß das Arbeitskorps in so großer Zahl sich in der Oeffentlichkeit zeigte. Viele Deutsche werden von dem Anblick und der Haltung dieses Korps ebenso überrascht ge- ivesen sein, wie die ausländischen Zuschauer. Die Arbeits- dienstler trugen hübiche grünlich-grane Uniformen, und jeder Mann ivar mit einem Spaten bewehrt. Aus ein Kommandowort schulterte diese große„A rbeits-Arme e" den Spaten ivie ein Man» und stand in Achtungsstellung, während der stählerne Wald der Schaufel» in der Sonne leuchtete. Noch größer schien der Eindruck auf die Zuschauer, als aus einer Gasse, die die beiden Hauptformationen teilte, eine lange Kolonne auftauchte, die den in der deutschen Armee so berühmten Stechschritt ausführte. Vertreter der verschiedenen Abteilungen traten vors Glied und meldeten den Namen des Bezirks, aus dem ihre Einheit rekrutiert war. Darunter befand üch auch das S a a r g e b i e t. Am Nachmittag marschierte das 52 000 Mann starke Nr- bcitskorps durch die Straßen Nürnbergs. Ans dem histori- scheu Marktplatz war eine Tribüne für tausend Personen errichtet. Davor stand Hitler in einem offenen Automobil und nahm die Parade ab. Er grüßte die vorüberziehenden Abteilungen mit dem Hitlergruß. Der Vorbeimarsch dauerte zwei Stunden. Nürnbergs verfehlte anßenpolltlsdie Wirkung narsdiieren. marschieren.... A. Ph. Paris, 12. September. Bon unserem Korrespondenten Von der„militärischen Apothese", mit der der National- sozialistische Parteitag in Nürnberg schloß, erzählt fast die gesamte französische Presse. Viele Blätter schwelgen ge- radezu darin, die einzelnen von der Reichswehr vor- geführten Uebungen zu schildern, und man merkt, daß sie es tun, um ihren Lesern zu zeigen, in ivie hohem Maße Deutschland ausgerüstet hat. Eine Wirkung wird also der Nürnberger Parteitag auf jeden Fall haben. Er wird dafür sorgen, daß hier diejenigen nicht verstummen, die eine Verstärkung der französischen Sicherheitsmaßnahmen »ordern, weil sie nicht an die friedlichen Absichten Hitler- deutschlands glauben können. Seit Nürnberg schon ganz und gar nicht mehr. Der Nürnberger Sonderberichterstatter des„Intran- s i g e a n t" erzählt, wie einer der„Ehrengäste" auf der offiziellen Tribüne bei der Betrachtung der militärischen Uebungen begeistert ausgerufen habe:„Welch schönes Mcnschenmaterial!" Man verstehe, so setzt der Korrespon- dent hinzu, daß dieser Gast zweifellos den Wunsch gehabt habe, diese Menschen, die für den Kriegsschauplatz bestimmt seien, genau abzuwiegen, für den Kriegsschauplatz, den man übrigens in Deutschland„Schlachtfeld" nenne, das heiße, Feld, auf dem geschlachtet werde. Wladimir D' Ormcsson meint im„F i g a r o" zum Nürnberger Parteitag, es sei eigenartig um die deutsche Seele bestellt. Nichts mache ihr mehr Freude, als diese Massenkundgebungen, die gleichzeitig Kaserne, Gottes- haus, Theater, Konzert und Sport darböten. Vor einigen Iahren habe einer von Ormessons Freunden einen jungen Nazi gefragt les sei vor Hitlers Regierungsantritt ge- roesen), welches nach seiner Auffassung der wahre Kern d r Hitlerbcwegung sei Der junge Deutsche habe nachgedacht. Dann habe er kurz erwidert:„Zusammen marschieren." Ormesson meint, das sei wirklich der Grundzng der ganzen Hitlerei, marschieren in Disziplin, im gleichen Schritt und Tritt, mechanisch dahinleben, gehorchen und so weiter: alles das sei die deutsche Seele.... Aber daraus könnten sich auch Gefahren ergeben. In der Hand gewissenloser Führer könnte ein solches menschliches Instrument, so einfach eS auch sei, von einem Tage zum anderen zur schlimmsten Gefahr werden. Denn„Zusammen marschieren", das sei sehr schön und gut. Aber wohin marschieren? Das Fest ist zu Ende. „A 7 s gälte es, morgen Sn den Krieg zu ziehen schreibt zum Die Basler„National-Zeitung" Ausklang von Nürnberg: „Ein Monstrekonzert von 1500 Musikkorps und ein „Bombenfinale" beschlossen, wie das Programm verkündigt, de» Parteitag.„Die Luftkanonade, die Bvmbenparade, die Blttzdoniiergranaten mit der Raketenartillerie, der bunte Sternhagel und das Himmelfpcrrfcucr werden alles bisher Dagewesene weit überbieten." Also auch das Kolossalfeuer- iverk am Abend des I. Mai 1038 auf dem Berliner Tempel- hofer Feld: das vorjährige Feuerwerk soll mindestens zwei- hunderttausend Mark gekostet haben: diesmal mögen viel- leicht drcihnnderttausend Mark verpulvert worden sein: da- zu kamen dann noch die Kosten des Zeftntagcmassenfestes überhaupt im Betraae von sicherlich mindestens zehn Mil- lioncn. Alles in allem: dreihunderttauscnd plus zehn Mil- lionen Mark! Da« Sümmchen hätte de» kleinen ausländischen Sparern und enttäuschte» Deutschlandgläubigcr», die jetzt sine die warten müssen, wahrscheinlich auch ganz gut getan. Der vorjährige Parteitag, der„Parteitag des Sieges", war ein Fest, für viele ungewohnt und neu. Gröber als der Reiz der Neubett war dieses Jahr der Eindruck der geistigen Oede. Zwölf Rede» allein hielt der Führer, drei Dutzend Reden hielten die Unterführer, aber kein einziger Redner, auch Hitler nicht, schwang sich über die gewohnten und längst be- kannten Allgemeinheiten hinaus, die der Zuhörer nach Be- lieben und Bedarf deuten kann, wie er gerade mag. Nie klang die deutsche Svrache nndeutlicher und verschwommener als jetzt aus dem Munde der Männer, die als die Deutsche- ften der Deutschen vor das eigene Volk und die Welt hin- treten. Die Zitate selbst klingen fast wie Greuelnachrichten... Den Reden des Führers und der Unterführer hastet das eine Gleiche an, daß sie wie aus einem Isolierraum, aus einem Vakuum heraus erklingen, sie muten u n iv i r k l i ch und gespenstisch an,»ns Deutschschweizer um so ge- spenstifcher, als wir wohl die vertrauten deutschen Sprach- laute hören, aber mit den Begriffen immer weniger etwas anzulangen wissen. Viel guter Wille und manches richtige Gctühl haben am deutschen UmivälzungSvcrsuch teil, wir wären die letzten, die diese Tatsache verneinten, aber je länger der erstaunliche Versuch dauert, um so eindringlicher tritt seine eingeborene Schwäche zutage, nämlich, daß er mit völlig untauglichen Mitteln unternom» men wurde. Kaum jemals in der Geschichte war eine größere und verhängnisvollere Ueberschäbung der eigenen Kraft am Werk. So kommt es, daß die Lösungen nur scheinbar sind, dahinter bestehen die Probleme in' ihrer ganzen Tchivere tort. Die Reichseinheit ist nur scheinbar, denn das Volk war in sich noch nie so zerrissen. Die Arbeitslosigkeit ist zahlen- mäßig mehr als halbiert, aber der deutsche Arbeiter schafft heute teilweise mit Löhnen, die weit unter dem Arbeitslosen, geld unter der Weimarer Republik stehen. Die Arbeitsdienst- lager sind leider nicht unschuldige pazifistische Institutionen, wie sie die neueste deutsche Antwort auf das Memorandum der Saarregierung darzustellen beliebt. Im Gegenteil, sie sind soldatische Uebungslager, besohlen von Offizieren z. D. oder a. D. und werde» in der Waffe ausgebildet, als gälte es, morgen in den Krieg zu ziehen." I« Amerika nächst sie Anfl niller snmmnafi euijorf, Ii. September. Die gesamte Presse fährt fort, er schärfsten Weise das Hitlerregime anzugreifen. Durch vompösx und prunkhafte, aber inhaltlose Massenparade Hepberg wird daran nichts geändert. Im Gegenteil: Reden von H'tler werden so ausgelegt, daß. um den »enden Schwierigketten zu entgehen, die Nationalsozia- >> anscheinend entschlossen sind, neue große Provokationen »Httührcn. In den Neuyorker Blättern, besonders in „Morningpost" wird ganz offen davon gesprochen, daß u zu rechnen ist, daß Hitler—„NM sich Luft zu schaffen" achster Zeit wieder Provokationen, wie einen Reichstags- d einen 30. Juni oder einen Dollfuß-Mord vorbereitet- »nders erwartet man in den Vereinigten Staaten der- »e Vorstöße im Zusammenhang mit der Saarfrage und in Wf. Ein Zeichen der ständig wachsenden scharfen Stim- ä gegen Hitler ist die Beobachtung und Unterstützung, »e für die ersten Oktvbertage geplante neue Tagung des nuchungsallsschusses findet. Alle amerikanische» Blätter Unterschied bringen ausführliche Berichte über die Bor- Hungen iind d»e Zusammensetzung des Unterfuchuugs- chlisses. Die Vertreter zahlreicher starker und großer nnsationen haben sich zur Teilnahme und Unterstützung meldet. Besonders auffällig und bezeichnend für die 'Niung in den Vereinigten Staaten ist aber die Anmel- von neuen Mitgliedern an de» Untersuchungsansschuß. Untersuchungsausschuß zur Aufklärung und Serbin- ng der Hitler-Greuel, der bekanntlich am 2., 3. und 4. in Neunork taate und von dem Bürgermeister der t Neunork. La Guardia. eröffnet wurde, gehören sol- e hervorragende, international bekannte amerikanische sten an: Roaer N Baldw'n. George Gordon Battle >tor Edward P Costigan Clarence Tarrow. John L. U. Arthur Garfield. Hays Stanley High. Tudley Field ?ne George Z. Medalie, Ranmond?. Wrse und Allan »• In den letzten Wochen haben sich eine ganze Anzahl weiterer Juristen, aber auch führende Politiker als Mit- glicder für den Untersuchungsausschuß gemeldet. Die Presse kommentiert sehr ausführlich besonders den Anschluß von folgende» bekannten Senatoren an den UntersuchungSaus- schuft: Eoftiga», Borah, K Wheelcr und Wagner. Die neue Tagung des Untersuchungsausschusses, zu dem auch zahlreiche europäische Juristen und Vertreter von Organisationen erwartet werde» soll in den ersten Oktober- tagen in Washington durchgeführt werden. Das Sdiidisal Torglers Paris, 12. September. lInprcß): Freigesprochen, aber eingekerkert— das ist Torglers Schicksal. Göring hat wieder- holt durch Agenten der Gestapo die Meldung ausstreuen lassen, daß Torgler seine politische Auffassung ändern wolle. Ein morphinistischcr Wunsch war Vater dieses Gedankens. Torgler hat alle Anbiederungsversuche entrüstet abgelehnt. Nun peinigt ihn Göring, martert ihn psychisch, droht ihm mit neuem P'vzeß. Sei»„Verteidiger" im Reichstagsbrand- prozeß Dr. Sack, hatte die Aufgabe, von Torgler eine Er- kläruna nach Görings Wunsch zu erlangen. Er erwies sich gegenüber dem festen Willen Torglers als unfähig. Aber die Erpressungsversuche Görings gehen weiter. Der Skandal um Ernst Torgler wächst. In England habe» Juristen unter Führung des Krön- anioalts Pritt neues Material zusammengetragen, das sich auf die Anstiftung des Reichstagsbrandes bezieht. In Amerika führt der Advokat Hays Zeugenvernehmungen ge- flüchtet« SA Leute durch. In Frankreich bereitet Rechts- anwalt Henry Torres unter Verwendung neuen Materials eine zusammenfassende Darstellung des Reichstagsbrandes vor. Das Pariser Befreiungskomitee hat sich an 130 Juristen in verschiedenen Ländern gewandt und bittet alle Auti- faschistcn, in ihren Versammlungen und Zeitungen und mit ihren Parlamentssraktione» den Kamps gegen die wahren ReichstagSbrandstister und Erpresser zu unterstützen und die sofortige Freilassung Ernst Torglers zu erzwingen. Nieder mil der Diktatur! Eine Forderung des Nationalsozialisten Rosenberg Ter„Reichsleiter" der deutschen Außenpolitik Dr. Alfred Rosenberg, hat in seinem Referat über das Thema„Der Ausbruch der Jugend in der Welt", auf dem sogenannten Parteitag der Nationalsozialistischen Partei die Soivjetunion wieder in einer Weise»»gegriffen, die kür die Absichten Deutschlands eine deutliche Sprache spricht. In dem amtlichen — bereits stark gekürzten und gemilderten Stenogramm— seiner Rede heißt es: „Die Sowjetunion entwickelt sich zu einer immer lchärler werdenden politischen Diktatur und ist heute die Wiederkehr der absoluten Tyrannei, in der eine kleine Herrfcherschicht, ausgerüstet mit allen technischen Waffen des 20. Jahrhunderts, viele Dutzende von Millionen Menschen zu furchtbarer Fronarbeit zwingt, um damit durch wirtschaftliche Unterbietung die sozialen Probleme in anderen Staaten zu verschärfen nnd die Fackeln der kommvnfstikchen Welt- revolution durch die Staaten der Welt ziehen zu lassen. Dieses System ist gegen alle Erfordernisse eines gesunden wirtschaftlichen Lebens geführt und hat in diesen Iahren viel mehr an Todesopfern durch die Diktatur und Hunger gefordert, als der ganze Weltkrieg an Opfern gekostet bat." Rosenberg ist gewiß der berufene Mann über Tyrannei und Fronarbeit zu sprechen. Er hat in Hitlerdeutschland dazu Materirl genug. Seine Rede ist die übliche Kriegshetze gegen Rußland, und die lehnen alle denkenden deutschen Arbeiter ab. Das siad aber viele Millionen. Ein Schweizer berichtet Auf Urlaub in Deutschland Liebe„Deutsche Freiheit!" Bin eifriger Leser Ihres Blattes»»£ erlaube mir, von tretitcn Serien, die ich teils in Holland, teils am Nieder- ryein und Westfalen nerbrachtc, einige Eindrücke zu schil- ? arischer Auslandsdcutscher und schon mehr als i» jagre in der«chweiz. Man hört und liest so viel über oas„dritte Reich". Um mich über die Stimmung im großen Kanton. wie man bei uns sagt, zu überzeugen, war ich lo -jOgc in Deutschland. Da ich noch zahlreiche Verwandte und -Bekannte habe, war es mir ein Leichtes, in vielem eingeweiht zu werden. Was mir, voriveggcnommcn, bei der Ab- iiimmung am IS. August auffiel, das waren die wenigen «Nein-stimmen im Verhältnis zur Stimmung unter den beuten. Ob Fälschungen vorgenommen wurden oder ob viele au» Furcht„Ja" stimmten, oder ob beides der Fall war, entzieht sich meiner Kenntnis. Aus alle Fälle sann ich sagen, dag die meisten Leute, mit denen ich zusammen kam, und es waren nicht wenige,„Miesmacher" und„Hetzer" waren und nicht nur unter den Arbeitern. Eine Kühnheit von mir war, das, ich Ausschnitte aus der „Basier Nationalzeituiig" und der„Deutschen Freiheit" mit- nahm. Mein Onkel, wohnhast in einer kleinen Industrie- stadt von etwa lliNll» Einwohnern am Niederrhcin, hatte Beziehungen zu vielen Bürgern, und so kam es, daß die Zeitungsausschnitte nicht nur von meinem Onkel, sondern auch von anderen„zuverlässigen" Leuten gelesen wurden. Leser waren auch ein Po l iz e i k o m m i s s a r. dann auch der Kapellmeister der S A.- T t a n d a r t c. vor einem Fahr noch fanatischer Anhänger des Systems. Na- türlich sag ich ans Nadel», trotzdem mir mein Onkel vcr- sicherte, ich könne unbesorgt sein. Alles jammerte. Die Angst vor dem Winter ist groß. Was sonst geschimpft wurde, ging auf keine Kuhhaut. Ich besuchte auch einen Onkel in Er war früher kausmänni- scher Angestellter in einer Maschinenfabrik." aber nun seit mehr als 2 Jahren stellenlos Seine Unterstützung beträgt ler ist verheiratet» ganze 12M Mark die Woche. Da er dehn „Stahlhelm" ist, aunerdem ein Gegner der Reaieruna. ist es für ihn um so schwieriger, eine Stellung zu bekomme». Einen Zwischenfall, der sich vielleicht auch für Ihr Blatt eignet, will ich schildern. Einem in de» nierziaer"Jahren stehenden Herrn wurde, als er bei dem Horst-Wessel-Licd den Hut nicht schnell genug herunternahm, dieser rnntergeichla- gen. Als er nach dem Licdc den 16—17jährigen Hitleriunaen zur Rede stellte, schlug er dem Herrn mit der Faust aufs Auge. Die Brille ging in Scherben und verletzte ihn schwer. Blutüberströmt wurde der Herr von Sanitätern verbunden und weggebracht: unter den Anwesenden helle Empörung. Der Hitlerjunge wurde„verhaftet". Ein Schulbeispiel aus dem„dritten Reich"... ZlHflfhäUS für Schweizer Hochverräter" Berlin, 12. Sept. Wegen Vorbereitung zum Hochverrat und Verbrechen gegen die Gesetze gegen die Neubildung von Parteien und zur Gewährleistung des Rechtsfricdens verurteilte das VvlkSgericht in Berlin den 20jährigen, aus Paris zugereisten Journalisten Rene B e r t h o l e t, einen S ch iv c i z e r Staatsangehörigen, und seinen deut- scheu Verbindungsmai!» Siegbcrt K a tz aus Berlin zu Zuchthausstrafen von 2 Jahren 8 Monaten und 8 Iahren. Bcrtholct hatte auf zwei Reisen auS französischen Emi- grantenkreisen stammende„Hetzflugblätter" nach Deutsch- land eingeschmuggelt und hier mit Hilfe des Katz und wci- tcrer vier Angeklagten livelche Gefängnisstrafen von neun Monaten bis zu einem Jahr sechs Monaten erhielten» ver- teilen lassen. In. den Flugblättern wurde zur Sammlung der marxistischen Revolutionäre und zu ihrem Zusammen- ichlutz in einer neuen Gewerkschaft aufgefordert, die den Sturz des nationalsozialistischen Regimes in Teutschland auf gewaltsamem Wege hätte vorbereiten sollen. Illegale Arbeit der Sozialdemokratie A. Ph. Paris, den 12. September 1934. sBon unserem Kor,respondentcn> Ter„Intransigeant", eine der meistgelesenen französischen Zeitungen, hatte vor einigen Wochen eine Artikelserie über die illegale Arbeit in Deutschland unter dem Titel„Das unterirdische Teutschland" veröffentlicht. Die Darstellung mar teilweiie recht einseitig und insofern nicht ganz unbedenklich, weil man nur von der illegalen Arbeit der Kommunisten hörte und^ganz verschwiegen wurde, in welch hohem Maße auch die Sozialdemokraten int unterirdischen Deutschland schalten und walten. Es ging sogar so weit, daß einzelne Schriften, die in Deutschland von der S v z i a l d e m o k r a- t i e verbreitet werden, den K o m m u n i st c n zugeschrieben wurden. Anscheinend ist das französische Blatt von Leuten, die wirklich in der illegalen Arbeit stehen, jetzt aufgeklärt worden. Es erzählt zunächst davon, wie Katholiken, Mon- archisten und Konservative nach besten Kräften alles tun, um das braune Regime zu unterminieren. Dann wird uns mit folgenden Worten von der Arbeit der Sozialdemokraten bc- richtet: Von der unterirdischen sozialdemokratischen Propaganda habe man lange Zeit nur wenig gesprochen. Aber ihre Orga- nisation trete von Monat zu Monat deutlicher und ivirk- samer in Erscheinung. Tatsächlich habe der Beginn des „dritten Reiches" die Sozialisten überrascht. Tic, die Haupt- sächlich die Republik von Weimar geschaffen hätten, die ihre Stützen und auch lange Zeit ihre Nutznießer gewesen seien, hätten dadurch auch ihren revolutionären Ebarakter ver- lorcn. Ihre ganze Tätigkeit habe sich in voller Oessentlichkeit unter den demokratischen Freiheiten abgespielt, die sie ge- schassen hätten. Hätte es denn auch anders sein können, da doch zu mindest bis zu Popens Staatsstreich gegen Preußen im Juli 1982 ans ihren Reihen Minister, Oberpräsidenten, Polizeipräsidenten und taufende höhere oder mittlere Bcam- ten stammten... Bei den Sozialisten habe während der ersten drei Monate nach dem Reichstagsbrand eine tiefe Verwirrung geherrscht, die damit zusammengehangen habe, daß sie zunächst noch nicht als politische Partei verboten gewesen seien. In der Tat seien sie schon erledigt gewesen, aber sie hätten mit dem Zentrum und den anderen politischen Parteien noch die Illusion ge- nährt, daß ihnen eine gewisse Aktionssreiheit in der Legalität gewährt würde und sie sich auf dieser Grundlage wieder aus- richten könnten. Erst in der zweiten Maihälstc 1883 habe ein Teil der sozialdemokratische» Führer begriffen, daß das eine Jlln- sion sei und sich für das Eril entschieden, um dort eine Ge- Heimorganisation zu schassen. Andere Führer hätten sich demgegenüber noch geweigert, einen so bitteren Entschluß zu fassen, und hätten noch gehofft, wo kein Grund zum Hoffen mehr gewesen wäre, sie seien sogar bereit gewesen, sich von ihren Genossen, die ins Aus- land gegangen seien.loszusagen. Erst als Ende Juni die Sozialdemokratische Partei endgültig verboten worden sei, ihr Vermögen eingezogen, die optimistischen Führer, die in Deutschland geblieben seien iLöbe» verhaftet oder ermordet sStelling» worden, sei die Situation klar geworden. Damals habe die unterirdische sozialistische Propaganda eingesetzt. Es sei ihr Nachteil gewesen, daß sie so spät ein- setzte und baß man in Deutschland wie im Auslande die Neigung hatte, die sozialistische» Führer dafür verantwort- lich zu machen, daß Hitler ans Ruder gekommen sei. Aber trotz dieser dovvclten Belastung, sagt„Intransigeant", mach- te» sich die sozialistischen Führer snstemat'sch an die Arbeit. Mit dem Vermögen der Partei, das sie glücklich gerettet hat- ten. organisierten sie von Praa ans einen Provaganda- apparat. von dem man scbr wenig spricht, aber der recht ant arbeitet und jeden Taa sich mehr ausbreitet... lieber die Art d'eser Organisation i"> einzelnen zu reden, empfiehlt sich nicht, weil Görina und Himmler nur aus Indiskretionen warte», die sie auf eine gute Spur bringen könnten. Der Partcivorstand, der in Praa feinen Sitz hat. bat um Deutschland herum in nächster Nähe der Grenze Stütz- punkte geschaffen, van denen jeder einzelne einen bestimm- ten Abschnitt im Innern Deutschlands zu betreuen hat. Außer dem Wochenblatt der„Neue Vorwärts", der vor ollem zur Untcrrichtung der in der ganzen Welt zerstreuten Emigranten und der internationalen Presse dient, gibt er auf sehr dünnem Papier und in sehr kleinem Format eine fotografierte Zeitung heraus.„S o z i a l i st i s ch e Aktion". Zwischen den einzelnen Stützpunkten und den Industrie» zentreu ist ein geheimer Kurierdienst ständig unterwegs, oer es ermöglicht, daß in jeder Woche mehrere zchntoujenoe Exemplare der„Sozialistischen Aktion" zur Verteilung kommen, die dann unter zuverlässigen Leuten von Hand zu Hand gehen. Außerdem kommt allmonatlich in Prag eine Nummer der „Z e i t s ch r i s t für Sozialismus" heraus, in der ve- sonders die theoretischen und taktischen Fragen erörtert wer- den, die sich aus der neuen Situation ergeben. Ebenio er- scheinen Broschüren usw.: alles das wird in geringerer AM- läge nach Deuschland geschmuggelt, weil diese Tinge vor allem für diejenigen bestimmt sind, die in der illegalen Orga- nisation führend tätig sind. Die sozialdemokratische Aktionär ist seit geraumer Zeit schon recht erfolgreich. Ihr srover Vorteil ist, daß sie in der Hand völlig zuverlässiger Menschen liegt.... Hauptsächlich handelt es sich um verhältnismäßig junge Genossen, die aus den Reihen der Sozialistischen Arbeiter- jugend oder des Reichsbanners stammen, die mutig, ohne unbesonnen, klug, ohne furchtsam zu sein, die schon»ruycr Vertrauensstellungen einnahmen, aber in dieser Eigenschasi den Behörden nicht bekannt sind... Man hat überhaupt die bekannten Funktionäre für die illegale Arbeit nicht herangezogen, weil man damit nicht nur diese selbst, sondern die ganze örtliche Organisation gefährden würde. Eine neue Führergeneration hat sich gebildet und ist Tag für Tag tätig, aber politisch und technisch arbeitet sie, so gut es die Umstände erlauben, mit den im Auslande lebenden Führern zusammen. Die Präger Exekutive ist gegenwärtig eine der über die Lage in Teutschland bestunterrichtetcn Zentren, und die monatlichen Berichte, die sie ihren Vertrauensleuten in den verschiedenen europäischen Hauptstädten zukommen läßt, bil- den äußerst wertvolle Dokumente, die mit Tatsachen und Be- obachtungcn belegt sind,, sowohl nach der politischen Richtung wie nach der wirtschaftlichen, sozialen und psychologischen Seite hin. Und trotz des Mißkredits, in den die Sozialdcmo- kratie im Lause des Jahres 1983 kam. gewinnt sie dank ihrer Tradition und der Stärke, die sie sich erworben hat, langsam aber sicher an Boden. Wir sagten, daß ihre Vertrauensleute vor allem zuver- lässig seien. Und das unterscheidet sie ganz besonders vvn den Kommiinistcn. die unglücklicherweise eine unglaubliche Zahl von Polizeispitzeln und Polizeivrovokateuren in ihren Reihen, sogar in ihren führenden Kreisen in Deutschland wie im Auslände haben. Damit hängen auch die furchtbaren Verluste zusammen, die die Kommunisten in diesem unter- irdische» Krieg erleiden. Der unleugbare Heldenmut ihrer jungen Partciaenossen wird oft zum Spiclball von Geheim- agenten der Regierung. Die kommunistische Organisation bat im Lause dieser letzten Monate ganze Hekatomben von Menschen verloren, und ihre besten örtlichen Geheimorgani- sationen, wie zum Beispiel die Hamburaer. sind wie Schnee im letzten Frühlina dahingeschmolzen. Scbr selten sind da- aeaen die Fälle von Verrat innerhalb der sozialistischen hcimoraanisation, deren Verluste, so schmerzlich sie auch immer sind, doch unvergleichlich geringer sind. Das ist aber auch der bedeutsame Grund, aus dem die sozialdemokratischen Genosicn in Deutschland, als sie er» fuhren, daß man in Frankreich und in anderen Gruppen der Internationale die Einheitsfront mit den Kommuni» sten aebildet hatte, ibre Auslandsführer beschworen, diesem Beispiel nicht zu solqen. Tatsächlich fürchten sie. daß ein« Znsammenarbeit mit den deutschen Kommunisten ihre Reiben verseuchen und in kurzer Frist ihre gesunde und einheitliche Organisation zerbrechen würde. Richtig ist, daß die Hitlerregierung in ihren amtlichen Be- richten über die Propaganda ihrer Gegner, über Verhof- tiingen, über Verurteilungen durch die Sondergerichte vor allem die Kommunisten erwähnt. Sie tut dies aus taktischen und propagandistischen Gründen. Denn sie hat alles Inter- esie daran, dem deutschen Volke und der internatiemalen Meinung den Glauben zu lassen, daß nur noch die Kommu- nisten ernsthaft gegen das braune System kämpften, weil sie den Eindruck hervorrufen will, daß im Falle des Sturzes des Naziregimes die bolschewistische Revolution die einzige Möglichkeit wäre. Aus dieser Zweideutigkeit schöpft sie beute einen großen Teil ihrer Kraft. JnsecatatcmnaPime FÜR STRASBOURG £i&caicie JkpuCaice 2, RUE SEDILLOT 2 Hl NT ER DER BÖRSE Junqgesetlen- IDoftnung mit Bad und Küche möbl., zu vermieten. Heizung, Warmwas» ser, Telefon 7, Aven. du Colonel Bonnet Passy Pariser Berichte Herrlot und die Ausländer Paris. 12. Sept. Der radikalsozialistische Parteiführer Edouard Herriot. Minister im Kabinett Doumergue und Bürgermeister von Lyon, hat. wie der„Matin" berichtet, bedeutsame Erklärungen zur Frage der Ausländer in Frankreich abgegeben. In Lyon beträgt die Zahl der Arbeitslosen 5500. 35 000 Ausländer leben dort. Herriot führte wörtlich aus:„Sie werden mir glauben, daß ich kein nationalistischer Politiker bin, aber ich zögere nicht, zu erklären, daß Frankreich nicht mehr gleichzeitig seine Volksgenossen und die ausländischen Arbeiter ernähren kann, die es einst in einer Zeit nach dem Kriege ins Land holte. Das muß der gesunde Menschenverstand sich selbst sagen. Unter den 35 000 Ausländern in Lyon sind sicherlich die Hälfte Gehaltsempfänger Und Arbeiter. Geht es denn an sie zu beschäftigen, wenn 5500 Franzosen arbeitslos sind? Ist es denn verständlich, daß ein Land nicht seine eigenen Volksgenossen ernährt, aber Landfremden Nahrung gibt?' Eine Kindesentführung Ein seltsamer Fall von Kindesentführung hat sich Freitag abend ereignet. In einem kleinen Hotel in der Rue Donnat lebte die siebzehnjährige Raymonde Maine, eine arbeitslose Wäscherin. Das junge Mädchen war die Mutter eines neun Monate alten Knaben Raymond Anatole. Nach unendlichen Muhen war es am 5, September der jungen Mutter gelungen. wieder eine Arbeitsstelle in einem Pariser Vorort zu finden. Sie wollte nun ihr Kind einer Krippe anvertrauen. Glücklich, nach der langen Arbeitslosigkeit wieder arbeiten zu können, beschloß das junge Mädchen, dieses Ereignis zu feiern. Sie suchte zu dem Zweck ein Cafe in der Nähe ihrer Wohnung auf, wo sie die Bekanntschaft einer etwa fünfundzwanzigjährigen Frau machte, der sie gutmütig und gutgläubig bei sich Nachtquartier anbot. Die Frau nannte Fräulein Maine nur ihren Vornamen Madelaine und sie erbot sich auch, den kleinen Raymond so lange zu betreuen, bis seine Unterbringung im Kinderheim möglich war. Gern nahm die junge Mutter den Vorschlag an und sie eilte sorglos zu ihrer Arbeitsstätte in Vitry. Groß war nun ihr Entsetzen, als sie am Freitag abend nach getaner Arbeit nach Hause zurückkehrte und Madeleine mit dem Kinde verschwunden war. Es ist der Polizei bis heute noch nicht gelungen, die Kindes- entführerin und den kleinen Knaben zu entdecken. Deutscher Klub Am Samstag, dem 15. September, um 21 Uhr, ist Baizar im Deutschen Klub, der berühmte Karten- und Billardhall- Manipulator, der seinen äußerst lustigen Sketch„Der Triumph des Lachens" vorführt. Anschließend: Gesellige» Beisammensein mit Tanz. Zeituneslektüre. Schachspiele.— Eintritt für Mitglieder frei. Gäste sehr gerne willkommen. Gastkarten zu 5 und 10 Franken an der Abendkasse.— Am Mittwoch, dem 19. Sentember. um 21 Uhr. spricht Prinz Karl Max zu Hohenlohe- Lange nbnri. der freiwillig aus Solidaritätsgründen mit den Emigranten in die Verbannung ging, über..Die Aussichten der Emigration— Gleichschaltung oder Einschaltung?" Gäste willkommen. Gastkarten zu 5 und 2 Fr. am Mittwoch am Saaleingang._ Kit, den iSeiamilnHali veraniworlllch: Johann P I v in Diid» weller: für Inserate: Clip Kuhn tn Saarbrücken. Natatianbdruck und Verlag: Verla« der Volksftlmme<»mbH„ Saarbrücken 8, Schüycnslrage 5.— Schließfach 776 Saarbrücken. 2. Auflage soeben erschienen! dlitletca&fr Von KLAUS BREDOW Fragen Sie in den Kiosken und Buchhandlungen nach. Falls die Broschüre am Ort nicht ru haben ist, liefert die Buchhandlung der„Volks liimme", Saarbrücken, Bahnhotstraße 32, gegen Voreinsendung von 3,90 französischen Franken auf das Postscheckkonto Saarbrücken Nr. 619 Verlag der„Volksstimme", Saarbrücken ipn m