Fretheil Einzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Nr. 213 2. Jahrgang Saarbrücken, Freitag, 14. Sept. 1934 Chefredakteur: M. Braun 9119 254 „ Es lebt eine neue Front!" Kritik eines illegalen Sozialdemokraten im Reiche an uns! Seite 4 Industricflucht aus Deutschland Lieferungssperre englischer Fabrikanten und Händler gegen die deutsche Kundschaft Deutsche Textilfabriken wandern wegen Rohstoffmangel nach England aus Berlin, 13. Sept. Die gleichgeschaltete deutsche Presse berichtet, daß der Präsident des agrarwissenschaftlichen Kon= gresses in Eilsen, ein Engländer, jetzt nach einer Studienreise durch Deutschland sich voller Begeisterung über das „ dritte Reich" geäußert habe, Er und seine Kollegen, so heißt es bei den Gleichgeschalteten, seien als Kritiker gekommen und fehrten als Evangelisten des dritten Reiches" nach England zurück. Da wird also die deutsche Wirtschaft nun Land aus vorgenommen. Die Maschinen wurden sämtlich in England gekauft. Renn andere deutsche Textil- ciße Fragen an der Saar firmen werden sich in London niederlassen. Die 18 Firmen sollen über einen Auslandsabfaz im Wert von etwa 2 Millios nen Pfund Sterling jährlich verfügt haben und sollen bestrebt sein, dieses Exportgeschäft jetzt von England aus zu pflegen. hoffen dürfen, daß die Eity in London und die britischen Pumpen und exportieren Fabrikanten und Händler in Birmingham und Manchester sich zu den Moratoriumsvorschlägen und Kreditwünschen des Herrn Reichsbankrotteurs, Dr. Schacht, frendig bekehren werden. Immer vorausgesetzt, daß der englische Agrarwissen: schafter sich so geäußert hat, wie die Zeitungen des Herrn Goebbels schreiben, und nicht etwa bedauerliche Mißverständ: nisse und Uebersetzungsfehler unterlaufen sind, wie es der Presse des„ dritten Reichs" leider wiederholt passiert ist. Einstweilen kommen Meldungen ans England, die wenig evangelistisch, aber umso realistischer lauten. Die Baum= wollindustrie Englands hat schon neulich beschlossen, feine neuen Lieferungen mehr nach Deutschland vorzuneh men, bis man zu einer befriedigenden Vereinbarung über die von Deutschland für frühere Lieferungen noch geschul: deten Beträge gekommen ist. Diesem unfreundlichen Be schluß sind nun auch die englische Wollindustrie und der Wollhandel gefolgt. Auch sie behandeln das„ dritte Reich" als oberianl und erklären, einstweilen feine Ware mehr nach Deutschland zu liefern. Industrie and Handel Englands haben nämlich noch rund 1 Million Pfund Sterling von deutschen Schuldnern zu fordern, eine Summe, die in: folge Devisenmangel nicht zu transferieren ist. Der Manchester Guardian" berichtete aus Lon= don, daß mehrere deutsche Textilfirmen fich in England niederzulaffen beabsichtigen. Es handelt sich zunächst um neun deutsche Firmen, die im Industriebezirk von Manchester Fabriken eröffnen wollen, zum Teil sofort, um mit ihren Lieferungen noch in die Wintersaison hineinzukommen. Es sollen hauptsächlich besondere Sorten von Damenklei dern und mäntel für die bereits von Deutschland her bestehenden Geschäftsbeziehungen in England, Skandinavien und Holland produziert werden, wobei jede Firma sich auf besondere Stile spezialisieren wird, Wie in Manchester mitgeteilt worden ist, werden die neuen Firmen, die abge: schen von deutschen Vorarbeitern etwa 250 ortsansässige Arbeitskräfte einstellen werden, der dortigen Industrie keine Konkurrenz machen, da ihre Spezialprodukte bislang aus: schließlich in Deutschland hergestellt werden. Das zu ver arbeitende Material wird nach dem vorliegenden Bericht in Lancashire und Yorkshire eingekauft werden. Die Firmen werden als englische Gesellschaften mit englischen Vorstands= mitgliedern registriert werden, sie werden jedoch nicht in England finanziert. Nach dem Bericht des„ Man chester Guardian", der sich auf die Mitteilungen des Sekres tärs des Manchester Development Committee ftüßt, wird die Finanzierung, angesichts der Schwierigkeit, aus Deutschland Rapital zu exportieren, von einem anderen festländischen Grundsätze der Devisenzuteilung Berlin, 13. Sept. Ueber die Handhabung der Devisenzuteilung wird offiziös mitgeteilt: Die Notwendigkeit, die gegen Kasse zu bezahI ende Einfuhr nach Möglichkeit einzuschrän= ten, ergebe sich schon daraus, daß den Ueberwachungsstellen Kassadevisen zunächst nur in äußerst beschränktem Umfange" zur Verfügung gestellt werden könnten. In jedem Fall sei darauf Bedacht zu nehmen, daß die für die Einfuhr zur Verfügung stehenden Kreditmöglichkeiten voll aus= genützt würden. Devisenbescheinigungen sollen daher im allgemeinen nur dann erteilt werden, wenn die üblichen Zahlungsziele gewährt werden. Unter Umständen sei hierüber ein Sachverständiger gutachtlich zu hören. In der Regel werde den Anträgen der Vorzug zu geben sein, bei denen der ausländische Lieferant besonders günstige Zahlungsbedingungen gewährt habe. In dem gleichen Abschnitt wird weiter hervorgehoben, daß für Rohstoffe und Halbfabrikate oberster Grundsaz sein müsse, die Versorgung des Exports unter allen Umständen sicherzustellen. Deshalb seien Anträge, bei denen die einzuführende Ware in verarbeitetem Zustande wieder ausgeführt werden solle, vor allen anderen Gesuchen zu berücksichtigen. Annullierung von Textilaufträgen Das Ausland will keinen Ersatz Berlin, 13. Sept. Laut deutschen Blättermeldungen sind in der letzten Zeit die ausländischen Aufträge bei der deutschen Textilindustrie, insbesondere bei der Konfektion, in weitestem Umfang wieder annulliert wor= den. Diese zurückziehung der Aufträge hängt zweifellos mit der stärkeren Verwendung von Ersatzprodukten, insbesondere von Kunstwolle, in der deutschen Industrie zusammen. Die Annullierung der Aufträge erfolgte meistens unter dem Vorwande, daß keine Einfuhrbewilligung zu erhalten sei. Die Blätter geben übrigens zu, daß speziell in der Konfektion das Kunstseidematerial eine ausnehmend große Rolle spiele, was ohne Zweifel ein typisches Zeichen der Zeit sei, das mit dem Rohstoffproblem in engster Beziehung stehe. Laut holländischen Meldungen habe übrigens in den letzten Wochen in Deutschland die Nachfrage nach Woll- und Baumwollabfällen in einem lange Jahre nicht erlebten Umfang zugenommen. In den holländischen Häfen sind große Quantitäten von solchen Abfällen, insbesondere aus England, eingetroffen, die für Deutschland be= stimmt sind. Verfallserscheinungen der Wirtschaft Ein Bericht der badischen Industrie- und Handelskammer Mannheim, 138. Sept.( Jnpreß): Der Bericht der badischen Industrie- und Handelskammer über die Lage der Industrie in Baden im August 1934, der soeben herauskommt, ist eine ausgezeichnete Ergänzung zu den Fanfaren des Parteitages. In dem Bericht wird gesagt:„ In der Industrie der Steine und Erden war die Nachfrage im Baggereigewerbe etwas zögernder; der Absatz nach dem Ausland fehlt noch immer... In der Ziegelindustrie ist die Nachfrage gering... In der keramischen Industrie ist das Geschäft saisonmäßig ruhig... Vereinzelte Rückgänge in der Metall- und Maschinenindustrie sind saisonmäßig verständlich... In der landwirtschaftlichen Maschinenindustrie hat der Auftragseingang... nach gelassen, desgleichen in der Fabrikation von Eisenbahnbedarf und Straßenbaumaschinen... In der Fabrikation von Näh maschinen und Fahrrädern sind nennenswerte Veränderungen gegenüber dem Vormonat nicht zu verzeichnen. Die Preise sind nach wie vor stark gedrückt; in der Rechenmaschinenherstellung liegt das Augustergebnis gegenüber Juni und Juli etwas zurück, auch in der Pumpenherstellung muß Nachfrage und Absatz als etwas geringer bezeichnet werden. In der chemischen Induſtrie ist der Umsatz in der Lack- und Farbenfabrikation sehr zurückgegangen... die chemischpharmazeutische Industrie flaat nach wie vor über Schwierigfeiten im Exportgeschäft, das allenthalben neue Störungen erfährt... Die Nachfrage nach holzhaltigen Papieren und Spezialpapieren hat im Berichtsmonat etwas nachgelassen. Fortsetzung fiebe 2. Seite. Katholische Priester im Abstimmungskampf Nicht von ungefähr richten sich die Blicke Europas immer stärker auf die Saar. Das kleine Gebiet mit seinen 830 000 Einwohnern ist heute der Hexentanzplatz aller politischen Leidenschaften, aller weltanschaulichen Zerrissenheiten, die die Kulturwelt durchschütteln. Ueberall bilden sich Spaliere, politische Meinungsverschiedenheiten verwandeln sich in tiefsten persönlichen Haß, und vor den Kruzifigen in den Kirchen verlassen die Priester die göttlichen Liebeslehren, um mitten im Getümmel des Saarkampfes den Andersdenkenden des schändlichsten Verrats zu zeihen. 3wei katholische Priester haben in diesen Tagen zu den Saarproblemen das Wort ergriffen. Der eine ist der Pfarrer Wüsten, der eine Rede bei einer Kund gebung katholischer Saarpilger in München hielt. Sie wurde am Mittwochabend über alle deutschen Sender übertragen, und man konnte ihren dröhnenden Schall allerorts im Saargebiet hören. Wir sind weit davon ent fernt, einem katholischen Priester das Recht zur poli tischen Meinungsäußerung nehmen zu wollen. Dieses Recht hat ihm Hitler- Deutschland geraubt. Er darf hier nur noch politisch reden, wenn es den herrschenden Ge walten dienlich ist. Streng hat sich Herr Pfarrer Wüsten in München an dieses Gebot gehalten. Dafür aber hat er den Katholizismus zum Deckmantel des braunen Terrorregiments in einer bisher kaum erlebten Weise mißbraucht. Herr Pfarrer Wüsten sagte zum Abstimmungskampf wörtlich: Verwunderlich auch, daß mit Waffen gekämpft werden darf, die mit Ritterlichkeit nichts mehr zu tun haben. Druck auf Stellung und Beruf, Drohungen, Entstellungen und Erfindungen aller Art." Wen hat Herr Wüsten gemeint? Wer ermangelt der Ritterlichkeit? Die Gegner der Rückgliederung zu Hitler- Deutschland! Ein Geistlicher, der die Wahrheit in ihr Gegenteil verkehrt; der, wenn er gutgläubig sein sollte, so blind ist, von dem täglichen Terror seiner deutschen Front" nie etwas gesehen zu haben und nichts davon zu wissen, hat seinen Beruf verfehlt. Er ermangelt der Kenntnis der seelischen Not unzähliger Gläubigen: ein Hirt, der die Verbindung zu seiner Herde verloren hat. Herr Pfarrer Wüsten fuhr fort: „ Wenn unser Deutschland das Angesicht hätte, wie es die Karikaturzeichner zeichnen, wahrlich, es fönnte einem wie beim Anschauen des Medusenhauptes das Blut im Leib erstarren lassen. Ich habe als katholischer Pfarrer jetzt schon drei große Saarpilgerzüge hier nach Bayern, Altötting, Oberammergau geleitet. Ich habe von allem nichts erfahren, was man da unten so oft lesen kann. Im Gegenteil: die wirksame Unterstützung, die ich gefunden habe an erster Stelle bei der Landesgruppe Bayern des Bundes der Saarvereine, bei allen städtischen und staatlichen Behörden, erfüllen mich und alle unsere Saarpilger mit größter Dankbarkeit und Hochachtung( Bravo). Naturgemäß wird an den Pilgerführer gar oft im Laufe des Tages und der Reise Frage auf Frage gestellt, tausende und mehr. Aber keine Frage ist so oft und heiß an mich gerichtet worden, als immer wieder die Schicksalsfrage nach unserer Saar." Der Herr Pfarrer hat„ von allem nichts erfahren, was man da unten so oft lesen kann". Er hat den Herren von den Behörden und den Vereinen herzlichst die Hand gedrückt, man war ein Herz und eine Seele, deutsche Brüder, etliche mit dem Hakenkreuz, andere im Priesterrock. Wir richten aber unsererseits einige„ heiße Fragen" an Herrn Pfarrer Wüsten: 1. Hat er das nahe bei München gelegene Konzentrations= lager Dachau besucht, wo hunderte seiner Glaubens: brüder seit Monaten geguält, mißhandelt, in ihrer Mens schenwürde geschändet werden? 2. Hat er sich in München bei den Angehörigen des am 30. Juni ermordeten strenggläubigen Katholiken Ministerpräsidenten von Kahr, des aus„ Versehen" ers mordeten Musikfritifers Willy Schmid nach dem Hergang der Untaten erfundigt? Gefragt, warum feines der Fa milienmitglieder die Leichen sehen durfte, ehe man sie den Kirchengeboten zuwider verbrannte? Hat er in München nähere Erkundigungen über die Ermordung Dr. Klaus seners und des fatholischen Jugendführers Probst ein= gezogen? 8. Hat er sich zerstörte und verwüstete Wohnungen ange: sehen? Hat er sich über die Vorgänge im Münchener Braunen Hause am 30. Juni unterrichtet, wo die Leichen von Katholiken in Hitleruniform gehäuft umherlagen? Wir haben noch Dutzende solcher Fragen an Herrn Pfarrer Wüsten. Aber vielleich überschätzen wir ihn. Viel leicht sind das alles gar keine Dinge, die ihm„ das Blut erstarren lassen". Er hat keinen anderen Sinn, keine andere Predigt, als die Katholiken an der Saar dem ,, Mutterlande" zuzuführen, gleich, was mit ihnen, ihrem Glauben und ihrer Kirche geschieht. Er kniet ,, in steter dankbarer Erinnerung" vor seinem„ Führer", weil er dem Kommunismus, dem Erzfeind deutscher Kultur, zu Leibe gerückt sei. Daran erinnert sich der Herr Pfarrer. Nicht aber daran, daß es Hirtenbriefe seiner Bischöfe gibt, die die Gottlosigkeit von heute, die Irrlehren des Nationalsozialismus, als viel gefährlicher für Glauben und Kirche bezeichnet haben, als den kommunistischen Atheismus. Herr Wüsten will am Abstimmungstag ,, keine Sünde wider das Blut" begehen. Die Sünden gegen Gott fürchtet er meniger. Die Unkosten trägt die Kirche. Die Gläubigen zweifeln an ihr und verlassen sie, auch wenn sie ihr Lippengebet weiter sprechen. Der zweite katholische Geistliche, der als Propagandist des dritten Reiches" im Abstimmungskampf tätig ist, spricht im Saargebiet allerorts: Pfarer Wilhelm, dem engeren Führerkreise der„ deutschen Front" zugehörig. Er macht sich die Sache sehr einfach. Der religiöse Ratholizismus ist nach seinem Rezept für unbedingte Rückgliederung. Aber der böse politische Katholizismus! " Durch den„ politischen Katholizismus“ soll nicht mehr und nicht weniger erreicht werden, als Spaltung und unsicherheit in die zum größten Teil katholische Bevölkerung des Saargebietes zu tragen. Der politische Katholizismus an der Saar ist importiert."... Das sagt ein früheres führendes Zentrumsmitglied, ohne mit der Wimper zu zucken. Eine solche Charakterstärke verdient allgemeine öffentliche Bewunderung. Wie aber steht es mit dem„ religiösen Katholizismus“? Gerade am heutigen Donnerstag finden wir in der " Deutschen Front" einen Aufsatz des Herrn Dr. Johann v. Leers, der mit aller Deutlichkeit die weltanschauliche Ausschließlichkeit des Nationalsozialismus beansprucht. Wörtlich: „ Ein Wille herrscht in Deutschland, und nach diesem Willen geschieht alles. Dafür liegen unendlich viel praktische Arbeiten vor der Nation. Es sind auch in dieser Hinsicht richtige Friedenszeiten geworden, viel mehr Friedenszeiten als vor dem Kriege, denn alle weltanschaulichen Kämpfe auf dem politischen Felde, aber eigentlich auch auf dem künstlerischen Felde und dem fulturellen Felde, sind ebenfalls zu Ende. Sie sind gründlich zu Ende, denn während vor dem Weltkriege die Weltanschauungen in Deutschland miteinander rangen, gibt es heute nur eine anerkannte und zugelas= sene Weltanschauung. Alles andere sind bestenfalls Verfallserscheinungen der Wirtschaft Fortsetzung von Seite 1. In der Etui- und Kartonagenindustrie... sind die Schwierig feiten im Auslandsgeschäft unverändert... Im Großhandel mit Landesprodukten und Obst werden die Verhält= nisse als unbefriedigend bezeichnet. Die Preisentwicklung ist rückläufig. Im Hopfengroßhandel lag das Geschäft still... Im ganzen Gebiet wird das Ausbleiben der Schweizer Kundschaft als äußerst schädigend empfunden." Wie stark sich die durch Hitlers und Schachts Katastrophenpolitik zugespiste Devisenlage in der Industrie bereits ausgewirkt hat, beweisen die folgenden Zitate aus dem Bericht der Industrie- und Handelskammer:" Der August zeigt in der Lederindustrie im Inland steigende Tendenz... In der Rohstoffbeschaffung ergeben sich Schwierigkeiten... In der Nahrungsmittel- und Genußmittelindustrie... machen sich Schwierigkeiten in der Rohstoffbeschaffung bemerkbar... Jm Eisengroßhandel war die Geschäftslage im allgemeinen unverändert. Die Devisenschwierigkeiten machen sich unangenehm bemerkbar.. Der Holzimport wird infolge der De pisenlage immer schwieriger... Im ausländischen Rohtabakhandel erschwert die Devisenlage das Geschäft außerordentM lich... Im Lebensmittel- Einzelhandel ist die Marktlage unverändert geblieben. Das Ausbleiben der einzelnen ausländischen Produkte wird fühlbar( insbesondere Tee, Kakao, Fette...) In der oberbadischen Tertilindustrie wirken sich die Schwierigkeiten der Rohstoffbeschaffung in erhöhtem Maße aus. Die Nachfrage... kann nicht befriedigt werden... Die Textilveredelung stellt guten Eingang von Inlandsauf trägen fest, die aber infolge der Verzögerung der Anlieferung der Rohgarne die volle Aufrechterhaltung der Beschäftigung doch nicht ermöglichen konnte." Die Einschränkung der Produktion, die trotz dekretierter 36stündiger Arbeitswoche vorgenommen und hier zugegeben worden sind, haben darüber hinaus bereits zu Entlassungen von Arbeitskräften geführt:„ Veränderungen in der Beschäftigung", sagt der Bericht, wurden durch die Verknappung einzelner Textilien und durch die neue Faserstoffverordnung notwendig." Weiter heißt es:„ Das Interesse an Geweben aus Ersatzfasern scheint verhältnismäßig schwach zu sein." Damit wird auch der Bankrott der Beschaffung von Ersatzstoffen zugegeben. Das erledigte Ostlocarno Das dritte Reich" dient den Franzosen A. Ph. Paris, 13. September. Von unserem Korrespondenten. Adolf Hitler liebt Sensationen, der Kanzler des ,, dritten Reiches" war von jeher bemüht, die Welt durch die Art zu überraschen, mit der er ihr seine Entschlüsse zu unterbreiten pflegt. Nun hat er in diesen Tagen EngDeutschland es ablehne, dem Ostlocarno- Abkommen beiland, Frankreich und Italien davon unterrichtet, daß zutreten. An und für sich konnte nach allem, was man lehnung nicht mehr überraschen. Man kann sogar fejt schon längst über Deutschlands Haltung wußte, diese Abstellen, daß man Hitlers negative Entscheidung hier im allgemeinen mit freudigem Aufatmen begrüßt. Sie klärt tung, die Unterschrift eines Partners anzuerkennen, von ja die Situation und enthebt Frankreich der Verpflichirgendwie gekümmert hätte. dem es weiß, daß er sich niemals um diese Unterschrift schen einmal mehr. Sie ziehen uns aus einer üblen Klemme. Man stelle die Lage vor, in der wir uns befinden würden, wenn sie auf den Vorschlag des Ostpaktes geantwortet hätten:„ Einverstanden! Wir wollen einen deutlichen Beweis von unserem guten Willen geben, indem wir an euren glauben. Wir sind restlos davon überzeugt, daß ihr, nachdem ihr uns das Vertrauen bewiesen habt, mit uns ein Abkommen zum Zwecke gegenseitigen Beistandes zu schließen, uns nicht mehr die militärischen Mittel verweigern können, die wir brauchen, um unsere Unterschrift vollwertig zu machen. Ihr werdet nicht mehr sagen können, daß eure Sicherheit bedroht ist, und werdet verpflichtet sein, uns Rüstungsgleichheit zu gestatten."" Was hätte man," fragt Journal", auf eine solche Begründung erwidern fönnen?" „ Ercelsior" weist auf die Doppelzüngigkeit und unaufrichtigkeit der deutschen Außenpolitik hin, wenn das Blatt bemerkt, daß der deutsche Botschafter in Paris bereits vor acht Tagen um einen Empfang beim französischen Außenminister Barthou nachgesucht habe, um ihm die ablehnende deutsche Note zu überreichen. Botschafter Köster habe dann aber die für Mittwoch voriger Woche angesetzte vorbehalten wollen. Augenblicke, wo der Völkerbund über Rußlands AufHitler glaubte, Deutschlands Entscheidung gerade in dem nahme Beschluß fassen sollte, würde wie Sprengpulver Audienz abgesagt. Man habe sich eben dieſe Note für Genf auf den Areopag in Genf wirken und diesen in Verwir rung bringen. Adolf Hitler und seine Diplomaten können heute schon feststellen, daß sie sich wieder einmal geirrt haben, wie das bisher immer der Fall war, wenn sie auf die Dummheit der anderen Nationen spekulierten. Im Petit Parisien" heißt es dann auch, die Deutschen würden kaum auf ihre Kosten kommen, wenn sie geglaubt hätten, in Genf die Karten mischen zu können. Das Journal" ist deutlicher. Offen wird in diesem rechtsstehenden Blatte ausgeführt:" Danfen wir den Deutpersönliche Ansichten ohne jede Möglichkeit, breitere Streife„ Beurlaubt" der Oeffentlichkeit zu erreichen. Es ist auch weltanschaulicher Frieden in diesem Sinne geworden." Man überlege einen Augenblick, was das bedeutet. Diese Sätze proklamieren den Totalitätsanspruch des ,, totalen Staates" in allen Weltanschauungsfragen, deren Grenzen jeder Willkür offen stehen. Sie bedeuten die offene und grundsägliche Kampfansage an jede andere Weltanschauungsmacht, die Menschen gestalten und beeinflussen will. Dies aber ist vor allem die katholische Kirche. So haben wir denn im Saargebiet das seltene Schaufpiel: katholische Priester geben den Leib der Kirche den Zerstörern preis und bezeichnen diejenigen Katholiken, Sie um des Glaubens und der Freiheitsrechte des deutschen Saarvolkes willen eine Barriere gegen dieses „ dritte Reich" aufrichten wollen, als Verräter. Langsamer Mord Wovon die Saar- Priester nichts sagen London, 18. Sept. Von Dr. Theodor Neubauer, dem ehemaligen Reichstagsabgeordneten, liegen, wie die„ Times berichtet, beunruhigende Nachrichten vor. Am 22. August hatten offizielle Stellen in Berlin seine Entlassung aus dem Konzentrationslager versprochen; das zu seiner Heimreise benötigte Geld wurde damals von der„ Gesellschaft der Freunde" nach Eſterwegen geschickt. Die letzten Berichte, die hier eingetroffen sind, haben seine Helfer veranlaßt, ein dringendes Telegramm nach Berlin zu schicken, um 3u sicherungen für seine Sicherheit und das Datum seiner Freilassung zu verlangen. Eine Sektion des Londoner PEN- Klubs hat einstimmig eine Resolution angenommen, in der sie, in Uebereinstim= mung mit den Schriftstellervereinigungen von Frankreich. Schweden, Norwegen, Spanien und der Techoslowakei, Karl Oisießfi, den ehemaligen Herausgeber der Weltbühne“, für den diesiährigen Friedens Nobelpreis vorschlägt. Herr v. Osießfi befindet sich seit 17 Monaten in einem Konzentrationslager. Seine Gesundheit soll, wie die " Times" berichtet, unter der Behandlung, die ihm dort zuteil geworden ist, zusammengebrochen sein. Die Revolution beendet Vom Fahrrad zum Luxusauto Berlin, 13. Sept.( Jnpreß.)„ Der Deutsche" schreibt in einem Rückblick über die Geschichte der NSDAP.:„ Es hat damals Führer der Bewegung gegeben, deren Namen heute Deutschland kennt, die so arm waren, daß sie sich kein Fahrrad kaufen konnten. Es hat Zeiten gegeben, da Parteigenossen, deren Name heute in aller Mund ist, kleinsten Vorstadtkneipen ihr billiges Abendessen verzehrten, weil für ein besseres Lokal das Geld zu wenia und ihre Kletterweste zu abgerissen war. Und es hat Zeiten gegeben, da saßen wir auf der Ortsgruppenleitung beisammen, die mit ihrem gefamten Stab in der Wohnküche einer Zweizimmerwohnung eines Parteigenossen untergebracht war." Statt Fahrrad: Lurusauto, statt Vorstadtkneipe: Hotel Adlon oder Kaiserhof, statt Zweizimmerwohnung: Villen und Paläste damit ist der Sinn dieser Revolution" für ihre Träger erfüllt. Die Vergewaltigung der württembergischen Landeskirche Stuttgart, 18. Sept. Auf Grund der von Konsistorialdirektor Jäger angeordneten Ueberprüfung der Verwaltungsverhältnisse in der württembergischen Landeskirche durch den Sonderfommissar, Konsistorialpräsident Walzer, wurden folgende Persönlichkeiten beurlaubt: 1. Oberkirchenrat Dr. Schäuffler( Finanzreferent der württembergischen Landeskirche), 2. Oberkirchenrat Pressel( Führer der Bekenntnisgemeinschaft in Württemberg), 3. Pfarrer Weber ( Geschäftsführer beim Evangelischen Gemeindedienst, ebenfalls ein Führer der Bekenntnisgemeinschaft); außerdem wurde Oberkirchenrat Schaal von der Führung der Geschäfte des Evangelischen Gemeindedienstes entbunden und mit diesem Amt Stadtpfarrer Petri( Stuttgart) beauftragt. Der Bischof der württembergischen Landeskirche, Wurm, erklärt, daß die Einsetzung des Sonderkommissars ungültig set. Aus einer Rundfrage des Landesbischof Wurm an seine Amtsbrüder, ob sie seine Haltung gegenüber der gegenwär tigen Reichsfirchenregierung billigen und entschlossen seien, ihn im Kampf um eine evangelische Reichskirche auf der Grundlage des Evangeliums weiter zu unterstützen, ergibt sich, daß 80 bis 85 Prozent der württembergischen Pfarrer hinter dem Landesbischof stehen. Hans Nimmerfall Ein neues Opfer des Terrors in Bayern Der frühere Bezirkssekretär der Sozialdemokratischen Partei in Oberbayern, Hans Nimmerfall ist im Alter von 62 Jahren gestorben. Der„ Würmtal- Bote, Pasinger Tagblatt" schreibt u. a. über den Toten:„ Nimmerfall, der 1903 als Geschäftsführer einer Filiale des Konsumvereins Sendling( München) nach Pasing kam, wurde im Jahre der Stadterhebung 1905 von der Sozialdemokratischen Partei in das Gemeindekollegium gewählt und gehörte dem Stadtparlament ohne Unterbrechung bis zum Jahre 1933 an. Auch dem Landtag gehörte Nimmerfall on und im Revolutionsjahr 1918/19 war er vorübergehend Staatssekretär der HoffmannRegierung. Als Nimmerfall im Jahre 1980 das Jubiläum einer 25jährigen Stadtratstätigkeit begehen konnte, ehrte ihn die Stadt durch Ueberreichung einer Dankesurkunde. Bis zu seinem Ausscheiden aus der Politik war er auch Vorsitzender des Bezirkstages." Basing hatte keine sozialdemokratische Mehrheit. Darum ist die Anerkennung des Blattes für den Toten beachtenswert. Als vor wenigen Monaten der Schriftsteller und Kunsthistoriker Hermann Eßwein, München, starb, wagte die " Frankfurter Zeitung" in ihrem längeren Nachruf von ihm nicht einmal zu sagen, daß er Sozialdemokrat und Kunstund Theaterberichterstatter der Münchener Post" war. Nimmerfalls„ Ausscheiden aus der Politik" war der Aufenthalt im Konzentrationslager Dachau. Als er endlich entlassen wurde, zeigten sich die ersten Spuren von Verfolgungswahn, die sich dann rapid steigerten. Zu den schweren seelischen Leiden gesellten sich körperliche, die zum Krankenhaus zwangen. Ueber diese ist näheres noch nicht bekannt geworden. Hans Nimmerfall ist aber zweifellos ein Opfer des braunen Hasses geworden. Wladimir D'Ormesson tritt im Figaro" dafür ein, daß man nach Deutschlands Ablehnung das ganze Projeft eines Ostlocarno fallen lassen solle. Denn ein solcher Patt ohne Deutschland würde nichts anderes als ein französisch- russisches Bündnis sein. Dafür aber solle Frankreich nicht zu haben sein. Gegen ein solches Bündnis sprächen tausend Gründe, vor allem der, daß es unmoralisch und unerhört, ferner daß es eine Selbsttäuschung, weiter aber daß es voller Gefahren für die Franzosen sei. Zuchthaus für Illegale Berlin, 13. Sept. Wegen Vorbereituna zum Hochverrat verurteilte der 4. Straffenat des Kammergerichts heute drei tommunistische Funktionäre aus Berlin. Die Höchststrafe von drei Jahren Zuchthaus wurde gegen den Hauptangeklagten Hermann Wenzel verhängt, der in der Wohnung der zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilten Funktionärin Frau räterischen Inhalts auf einem Abziehapparat hergestellt Gertrud Kiebmann über hundert Druckschriften hochver hatte. Das Druckmaterial wurde zum Teil von dem Verbin dungsmann Erich Nözel beschafft, der mit Rücksicht auf seinen leidenden Zustand nur zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Zwei weitere Angeklagte wurden aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Das Neueste Die 50 Jahre alte Kreszens Altmann aus Kempten( Alls gäu) unternahm, vollkommen ungenügend ausgerüstet, einen Spaziergang zur Eiskapelle und machte dann, obwohl fie Schuhe mit hohen Absätzen trug und einen Regenschirm mit fich führte, eine Kletterpartie an der Wahmann- Ostwand. Als fie fich etwa 700 Meter über dem See befand, stürzte sie etwa 25 Meter tief ab und blieb tot liegen. Der Pariser Jour" will erfahren haben, daß zwei bekannte französische Flieger in den nächsten zwei bis drei Monaten einen Flug um die Erde ohne Zwischenlandung vornehmen wollen. Die Brennstoffaufnahme soll in der Luft vor sich gehen. Es handle sich nicht um einen Scherz, sondern das Unternehmen werde von sehr ernst zu nehmenden Per sönlichkeiten finanziert, die aber mit der Fliegerei nichts zu tun hätten. In Dünkirchen ist am Mittwoch ein franzöfifcher Passagierdampfer vom Stapel gelaufen, der zum ersten Male einen direkten Personenverkehr zwischen Paris und London durchführen soll. Die Seine soll zu diesem 3wed im Rahmen des allgemeinen Ausrüstungsprogramms an gewissen Stellen erweitert werden. Das belgische Kabinett hat am Mittwoch in einer langen Sigung über den drohenden Bergarbeiter: streit beraten. Der Ernst der Lage geht daraus hervor, daß König Leopold seinen Urlaub abgebrochen hat. „ Daily Telegraph" zufolge hat der polnische Außenminister Oberst Beck der britischen Regierung durch den Lordgeheimfiegelbewahrer Eden mitgeteilt, daß Polen endgültig beschlossen habe, sich nicht an dem Ost= pakt zu beteiligen. Präsident Roosevelt hat den Wunsch geäußert, der Kongreß möge ein Gefez schaffen, daß die Verwendung von Holz zum Bau von Personenschiffen untersagt Die Reeder sollen für einen unverbrennbaren Schiffsförper for: gen. Nach neuen Angaben sind 185 Tote und Vermißte, darunter 42 Mitglieder der Besatzung bei dem Unglück der " Morro Castle" zu verzeichnen. Der Schlichtungsausschuß hat seine Bemühungen um einen Schiedsspruch im amerikanischen Textilarbeiter: streit aufgegeben. Der Ausschuß gibt folgende Berlants barung aus: Trok zweitägiger Bemühungen waren wir außerstande, von den Arbeitgebern die Zustimmung zur grundsäglichen Annahme einer schiedsgerichtlichen Entscheidung oder einer ähnlichen Maßnahme zu ezlangen. Wir be= banern dies tief, glanben aber, daß es möglich ist, andere Wege zu finden, die zu einer schnellen, wirksamen und gerech ten Reglung führen tönnen. Regierungskommission greift ein Die ,, einstweilige Verfügung" gegen den christlichen Metallarbeiterverband aufgehoben Saarbrücken, 12. Sept. Die einstweilige Verfügung des Landgerichtes Saarbrücken gegen die rechtmäßige Leitung des christlichen Metallarbeiterverbandes stellt den Gipfel punkt in der Reihe der Justizskandale dar, die bei der Saar justiz allmählich zu einer beinahe alltäglichen Erscheinung ge= worden sind. Die Regierungskommission, die bisher der saarländischen Justiz gegenüber außerordentliche Zurückhaltung übte, hat sich diesmal entschlossen, mit der nötigen Energie einzugreifen. Die Durchführung der einstweiligen Verfügung wird von der Regierungsfommission unterbunden. Die Büroräume des christlichen Metallarbeiterverbandes sind wieder der recht mäßigen Verwaltung des Verbandes zur Verfügung gestellt worden. Ein Teil der Aftenstücke ist versiegelt worden, um sie vor den Raubversuchen der braunen Banditen zu schützen. Die Einzelheiten, die über die angebliche Versammlung des christlichen Metallarbeiterverbandes in Zweibrücken bekannt geworden sind, beweisen, daß diese Versammlung ein unerhörter Schwindel war. Nicht die christlichen Metallarbeiter haben gegen ihren Vorstand rebelliert, sondern die nationalsozialistischen Banden haben einen Versuch gemacht, den christlichen Metallarbeitern ihre Organisation gewaltsam zu rauben. Die Regierungskommission hat bisher jedes scharfe Vorgehen gegen die saarländische Justiz vermieden. Viel zu lange war sie milde und geduldig. Die letzte einstweilige Verfügung des Landgerichts Saarbrücken zeigt, daß sich die Zustände in der Saarjustiz zu einem himmelschreienden Standal entwickelt haben, den feine Regierungsgewalt, die es mit dem Rechte ernst meint, dulden wird. Die Regierungskommission hat die selbstverständlichen Konsequenzen gezogen und die Durchführung dieser einstweiligen Verfügung unterbunden. Das ist der erste Schritt, dem die anderen folgen sollen. Feiger Ueberfall Fremde Motorradfahrer schlagen einen Gelähmten nieder In Elversberg Spiesen wurde ein neuer terroristischer Ueberfall verübt. Der Ueberfallene ist ein pensionierter Bergmann Matthias Kremer aus Spieien, ein Invalide, dessen Frau Zeitungsbotin der neuen Zentrumszeituna„ Neue Saar- Post" ist. Dieses war auch der Grund zu dem Ueberfall auf den hilflosen Invaliden, der nunmehr mit mehreren Knochenbrüchen im Neunkircher Krankenhaus liegt. Kremer ist erst 29 Jahre alt, mußte aber trotzdem auf der Grube pensioniert werden, weil er durch ein Beinleiden gelähmt ist. Da die Rente des Neunundzwanzigjährigen recht gering ist versuchte die Frau durch austragen der„ Neuen Saar- Rost" etwas Geld mitzuverdienen. Von den Nationalsozialisten und Deutschfrontlern des Ortes wurde die Frau jedoch auf ihren Botengängen fortgesetzt bedroht und wurde ihr gesagt daß man eventuell auch an ihrem Manne Rache nehmen würde. Kremer befand sich nun während der Nacht zum letzten Sonntag in einer Gastwirtschaft an der Heinißer Straße in Spiesen. Als er gegen 1 Uhr nachts nach Hause gehen wollte, wurde er plötzlich durch drei Fremde überfallen, die auf Motorrädern ganz plötzlich aus der Dunkelheit auftauchten. Die Angreifer schlugen derart unmenschlich auf den hilflosen Invaliden ein, daß diesem der Knochen des gelähmten Beines durchschlagen wurde und er außerdem zahlreiche andere Verletzungen erlitt. Nach der feigen Tat sind die Täter auf ihren Motorrädern silicit geflüchtet. Ofe bar handelt es sich um einer vlanmä ig durchgeführten Ue erfall, zu dem die im Orte fremden Nationalsozialisten besonders nach Spiesen beordert worden waren. Hermann! Hermann! Der Lametta- General bringt sich in Erinnerung Für den Preußischen Ministerpräsidenten und Luftgeneral Göring war es in Nürnberg etwas peinlich. Er mußte weit zurück stehen hinter dem„ Führer", der zwölfmal redete und dauernd angeheilt wurde. In allen Zeitungen stand immer und nur von Hitler. Nur Streichers Hund Michel trat mit der Popularität Hitlers etwas in Wettbewerb. Das wurmte Göring und er ließ daher folgenden Bericht über die Ovationen der Volksliebe für sich ausgeben: Eine riesige Menschenmenge belagerte in den Mittags: Stunden das Grand Hotel, in dem Ministerpräsident Göring Wohnung genommen hat. Stundenlang warteten Der Krebsbazillus Der Prioritätsstreit beginnt Die„ Deutsche Freiheit" brachte bereits die Mitteilung, daß es dem deutschen Gelehrten Professor von Brehmer gelungen sei, den Erreger des Krebses zu entdecken. Jetzt scheint sich ob dieser Entdeckung ein Prioritätsstreit zu entspinnen. Denn Paris- Soir" bringt die Mitteilung, daß der französische Gelehrte Revelis bereits im Juli 1933 und im Januar und Juli 1934 der französischen Akademie der Wissenfchaften eine ausführliche Beschreibung des Krebsbazillus, jeiner 18jährigen Forschungsarbeit in der Stille und seiner Versuche. ein Krebsheilmittel durch Einimpfung eines Antifrebaserums zu schaffen, eingereicht habe. " Dr. Revelis", so schreibt Paris- Soir, ein Korse, ein Mann von 45 Jahren lebt seit vielen Jahren in Stresa. Er hat sich dort mit Hilfe eines italienischen Mäzen, des Herrn Gelmini, ein Laboratorium einrichten können, in dem er fich ganz seinem Spezialgebiete, der Krebsforschung, hingibt. Bisher hatte der Gelehrte, so berichtet das Blatt weiter, sich nicht entschließen können, mit seinen Arbeiten an die Ceffentlichkeit zu treten. Er hatte lediglich dreimal die Akademie der Wissenschaften von dem Fortgang seiner Forschungen unterrichtet. Revelis bereitet aus der Rückenmarksubstanz an Krebs gestorbener Kaninchen, deren Kadaver er einem Gefrierprozeß aussetzt, ein Impfierum, das nicht nur das Fortschreiten der Krebsgeschwulst hindert, sondern auch die Schmerzen verschwinden läßt. Das Serum soll gleichzeitig Frebsverdächtigen Personen als Schutzmittel eingeimpft werden, während Revelis für die Schußimpfung ganz gesunder Für den Freiheitskampf an der Saar Das Welthilfskomitee für die Opfer des Hitlerfaschis mus hat auf Anregung seines Präsidenten Lord Marley und zwölf seiner hervorragendsten Mitglieder in allen Kulturstaaten der Welt einen Aufruf herausgegeben, der gegenwärtig in stärkstem Maße von den nationalen Hilfskomitees popularisiert wird. Dieser Aufruf stellt ein flammendes Bekenntnis der internationalen Soli darität mit der antifaschistischen Einheitsfront der katholischen, sozialdemokratischen und kommunistischen Arbeiter im Saargebiet dar und ruft Millionen in England, Frankreich und Amerika auf, sich der antifaschistischen Parole für den Status quo anzuschließen. Die wichtigsten Abschnitte dieses Massenappells des Welthilfskomitees lauten folgendermaßen: ,, Werktätige an der Saar, wir entbieten eueren tapfer fämpfenden Einheitsfront unsere fameradschaftlichen Grüße und versichern euch, daß das Welthilfskomitee den Kampf der freiheitlichen Saarbevölkerung zu seinem eigenem Kampie machen wird. Die Saar darf nicht ein Teil des braunen Zuchthauses werden, in dem alle von den Werftätigen selbst geschaffenen proletarischen Organisationen zu schlagen, alle Kämpfe für die Volksrechte vogelfrei erklärt und zu tausenden gemeuchelt und niedergemeßelt werden. Die Saar darf nicht in die Wirtschaftskatastrophe Hitlers hineingerissen werden. Die werktätige Bevölkerung der Saar darf nicht dem Hunger und Elend ausgeliefert werden, wie die Millionen Jugendlichen unter 25 Jahren, die entlassen wurden, wie die Millionen Frauen und Männer, deren Vohn und Unterstützung geraubt wurden oder die ohne Arbeit sind. Die Saar darf nicht eine Beute der Henfer deutscher Arbeitersöhne, der Kameradenmörder des 30. Juni, der nationalsozialistischen Kriegsheßer und Kriegstreiber wer den. Deshalb solidarisiert sich das Welthilfskomitee mit euerem Kampf zu dem seinen und begrüßt kameradschaftlich euere Einheitsfront gegen den gemeinsamen faschistischen Feind, die ein Vorbild für alle Länder ist. Das Welthilfsfomitee, das seit seiner Gründung auf breitester überparteilicher Grundlage organisiert und tätig ist, daß in seinen Reihen Sozialisten und Kommunisten, Mitglieder evangelischer und katholischer Religionsgemeinschaften Vertreter jüdischer Organisationen und Parteiloser und schließt, hat sich an alle seine Länderfomitees gewandt und sich verpflichtet, die stärkste Kraft zu entwickeln, um überall Aufklärung über eueren Freiheitskampf zu schaffen und eine Welle der brüderlichen und tatkräftigen Sympathie für eneren Freiheitskampf in den breitesten Kreisen zu decken Mit unserem Gruß an Euch verbinden wir das Gelöb. nis alles zu tun, um international für eueren Kampf die denkbar größte ideelle und materielle Unterstützung in aller Ländern zu mobilisieren. Es lebe der internationale Kampf für Befreiung vor Thälmann, Torgler, Offießzfy, Mirendorf und aller poli tischen Gefangenen in Hitlerdeutschland! Es lebe der Freiheitskampf an der Saar für den Sieg des Status quo! Die ganze internationale Solidarität, alle Krait aller Antifaschisten für die Niederlage Hitlers an der Saar! Welthilfskomitee für die Opfer des Hitlerfaschismus: gezeichnet: Lord Marley, Romain Rolland, Jean Richart Bloch, Mme. Gabrielle Duchene, Senator E. Morizet, Jant Addams, Roger Baldwin, John Dewey, Fanny Hurst, Bis: hop Francis J. MacConnel, Margaret Sanger, Senator Bertram K. Wheeler, Ellen Wilkinson. Streicher proklamiert Putsch Der Freund des„, Führers" wird offen Saarbrüden, den 12. September. Die Fränkische Tageszeitung", das Organ des berüchtigten Franfenführers Julius Streicher, intimer Freund Adolf Hitlers, veröffentlicht einen Artikel über das Saargebiet. In diesem Artifel gibt Julius Streicher unum wunden die Gefahr eines nationalsozialistischen Putsches im Saargebiete zu. Nach Art der nationalsozialistischen Journalistik wird in diesem Artikel lediglich die Schuldfrage für einen eventuellen nationalsozialistischen Putsch so aufgeworfen, daß im Eventualfall die Ursache des Putsches der Regierungskommission und dem Völkerbund zugeschoben wird. Obwohl sich Herr Streicher in seinem Organ relativ vorsichtig ausdrückt, um sich für jeden Fall die Rückzugslinie offen zu halten, geht doch klar hervor, daß ein nationalsozialistischer Butsch inszeniert wird, sofern die braune Front und die Reichsregierung in ihrer Saarpolitik gestört werden. Die entscheidenden Stellen des sensationellen Artikels sind folgende: „ Ein Putsch kommt nur für diejenigen in Frage, die unter dem Banner der Herren Knox, Mazz Brann und Ge nossen einherjegeln. Ein Putsch wäre es z. B., wenn man internationale Polizisten anwerben würde, um mit deren Waffengewalt das deutsche Saarvolf zu Knebeln. Ein viele Hunderte, um Göring bei seiner Rückkunft von den Reichswehrveranstaltungen begrüßen und feiern zu können. Brausende Heilrufe schollen seinem Wagen entgegen, als er endlich gesichtet wurde. Als sich Ministerpräsident Göring unter dem Jubel der Menge in das Hotel begeben hatte, zerstreuten sich die Massen nicht, sondern wuchsen immer mehr an. Immer und immer wieder brachen die Begeister: ten in stürmische Kundgebungen für Göring aus. In lautem Chor erscholl es: bermann, Hermann!" Der Jubel fannte keine Grenzen, als sich Ministerpräsident Göring am Balkon zeiate und nach allen Seiten lachend grüßte; aber der Sprechchor und das Hände: flatschen der Menge ließen ihm teine Ruhe und noch viermal mußte er am Balkon erscheinen. Aus Dankbar: feit für die ihm entgegengebrachte Liebe und Verehrung warf der Ministerpräsident feinen Volts: nossen Blumen zu und als die Menge nicht wankte und immer von neuem nach ihm verlangte, erschien er nochmals am Fenster und richtete folgende kurzen Worte an fie: Putsch wär es, wenn man in Genf den Versuch machen würde, aus der Saarabstimmung am 13. Jannar noch nachträglich eine Zwischenentscheidung" zu fonstruieren, der eine ,, endgültige Lösung" folgen müßte, wenn ,, das Regime" Hitler abgewirtschaftet habe." Schließlich fäme es einem Putsch gleich, wenn die Regierungskommission mit Herrn Knox an der Spite weiterhin in einseitiger Stellungnahme das Schäfchen der Emigranten und Separatisten scheren und gegen den Willen des deutschen Saarvolfes beim Völ: ferbund intrigieren würde." Eine sehr deutliche Sprache des Frankenführers Streicher. Klar und eindeutig geht aus diesem Absatz hervor, daß es einem Putsch gleich kommt, einen Putsch zur Folge hätte, wenn die Regierungskommission bzw. der Völkerbund den Wünschen der braunen Front wie der Reichsregierung nicht entsprechen. Dem Artikel der Fränkischen Tageszeitung" kommt eine besondere Bedeutung zu, da diese Zeitung das Blatt eines der bekanntesten und einflußreichsten nationalsozialistischen Führer und des intimen Freundes Hitlers, des Franfenführers Julius Streicher ist. ,, Volksgenossen, ich danke euch für die Liebe und das Vertrauen, das Ihr mir entgegenbringt. Wenn für uns Führer schwere Zeiten kommen sollten, so werden wir aus dieser Liebe und diesem Vertrauen immer neue Kraft schöpfen. Und jetzt seht euch Nürnberg an und laßt mich arbeiten!" Boll Begeisterung fang die Menge das Deutschland: und Horst Weffel- Lied und Hermann Göring konnte sich mit dem Rest seiner Blumen wieder seiner Rosalinde zuwenden. ,, Oberstarbeitsführers' Der Reichsarbeitsführer Hier hat den Reichsinnenminister Dr. Frick, den preußischen Ministerpräsidenten Göring und den Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda Dr. Goebbels gebeten, die Tracht des Arbeitsdienstes mit den Abzeichen eines Oberstarbeitsführers anzulegen. Personen eine Mischung des Krebsserums mit gewissen ist auf Grund meiner sehr eingehenden Veröffentlichung jeder chemischen Stoffen empfiehlt. Der Berichterstatter des„ Paris- Soir" hat den von Dr. Revelis entdeckten Krebserreger im Mikroskop gesehen. dazu berufen und in der Lage, selbst das von mir Veröffent lichte experimentiell richtig nachzuprüfen und zu beurteilen. Er beschreibt das winzige Lebewesen als den Tuberfelba Nachprüfung vom preußischen Innenministerium zillus ähnlich und mehr zur Klasse der niedrigsten Pilze als unter die Bakterien gehörig. Es zählt aber, da es ein Stäbchen als Schaft hat, das aus Eiweißstoff, Wachs und anderen Stoffen besteht, zu den Bazillen. Es läßt sich bei einer Temperatur von 30 bis 40 Grad züchten. Eine Erklärung Dr. von Brehmers Regierungsrat Dr. von Brehmer läßt zu den letzten Veröffentlichungen der Tagespresse über seine wissenschaftliche Arbeit in der Medizinischen Welt" Nr. 34 vom 25. August d. J. über das Krebsproblem folgende Erklärung veröffentlichen: Bei der Bedeutung der Frage„ Ist Strebs eine Erregerfrankheit oder nicht?" war vorauszusehen, daß viele Meinungen dafür und dagegen auftreten würden. Ich muß es ablehnen, in der Tagespresse wissenschaftliche Diskussionen zu führen, dafür ist die Fachpresse da. Selbstverständlich halte ich die von mir in der Medizinischen Welt" veröffentlichten Ergebnisse meiner Forschungen in vollem Umfange aufrecht und das um so mehr, als die fast zweijährige Ueberprüfung des außerordentlich schweren Problems in der gleichen Zeitschrift niedergelegt ist und von Herrn Professor Schilling sowie von den bekannten Bakteriologen Dr. Börner und Dr. Janke zum Teil überprüft und bestätigt wurde. Auch bin ich jederzeit bereit, wissenschaftlich meine Forschungsergebnisse zu demonstrieren; im übrigen veranlaßt In den letzten Tagen ist in einem großen Teil der deutschen Tagespresse in großer Aufmachung mitgeteilt worden, daß es Dr. von Brehmers gelungen sei, den Krebserreger festzustellen und daß damit die entscheidende Tat zur Heilung des Krebsübels gelungen sei. Inzwischen wurden sehr steptische Aeußerungen von Fachleuten veröffentlicht, deren Tenor darauf liegt, daß der Nachweis für die Aufführung des Krebsbazillus erst dann gelungen sei, wenn sich mit diesem Bazillus wieder Krebs erzeugen lasse. Das sei bei den Resultaten von Brehmers nicht der Fall. Versuche in dieser Richtung seien ohne positives Ergebnis geblieben. Jetzt teilt das preußische Innenministerinm durch den Amtlichen Preußischen Pressedienst zu den Krebsforschungen Dr. von Brehmers mit, daß die notwendige Nachprüfung durch berufene Fachleute mit möglichster Beschleunigung durchgeführt werde, da es sich um Fragen handelt, die für die Volksgesundheit überaus wichtig sind. Ebe eine Anwendung der vorgeschlagenen Methoden bei krebsfranken Menschen in Frage komme, müsse diese sehr eingehende Nachprüfung erfolgt sein. Bis dahin, so erklärt der Minister, würde es für die Krebskranken eine ernste Gefahr bedeuten, wenn sie sich anderen als bisher bewährten Metho= den der Krebsbehandlung unterzögen und dadurch kostbare Zeit verlören, Der Wille zur bleibenden Tat Deutschland von innen und außen Unter den vielen aufschlußreichen Zuschriften, die wir aus dem ,, dritten Reich" erhalten, besitzt die nachfolgende ein besonderes Gewicht. Ein früher führender Sozialdemokrat setzt sich hier mit geschärftem Blick mit dem Phänomen des Nationalsozialismus in der Praxis und mit ihrer Wirkung auf den deutschen Alltagsmenschen auseinander. Vor allem verdienen seine Betrachtungen über die Ansätze zur Planwirtschaft sehr aufmerksame Leser. Die Ausführungen des Schreibers werden viele zum Widerspruch herausfordern. Es war auch bei uns in einigen Punkten der Fall. Der erbitterte Ernst, mit dem allen Optimisten höchst Unangenehmes ausgesprochen wird, zwingt uns jedoch, jede Rücksicht auf Empfindliche zurückzustellen. Wir haben kein Wert, der Zuschrift abgeschwächt oder geändert. „ Wenn heute ein deutscher Sozialist die Grenzen des dritten Reiches" überschreitet und heißhungrig den kritischen Wind der europäischen Presse einatmet, dann staunt er nicht wenig über die oft selbstsicheren Urielle und Wundergeschichten, mit denen der baldige Niederbruch der Hitlerschen Macht an die Wand gemalt wird. Er kommt von der harten Wirklichkeit eines geistigen Frontkampfes, der nur mit dem vernichtenden Grabenringen des Weltkrieges verglichen werden kann, und der Soldat des Weltkrieges hatte oft bittere Gefühle, wenn er als Urlauber in der Heimat oberflächliche Beurteilung über seinen eigenen Gegner und den Krieg vorfand. Gewiß, der Kämpfer aus dem dritten Reich" staunt heute, wenn er in Urlaub" fährt, nicht minder über die wirklichen Zusammenhänge der Dinge in seinem Lande, von deren Kenntnis er mit eiserner Gewalt ferngehalten wird. Er muß sich das ernstlich Wahre und Echte aber mit großer Mühe aus dem buntscheckigen Bild der Presse herausschälen. Er spürt fotort: was für den Sozialisten im „ dritten Reich" eine Gefahr ist, das Ausgefeßtsein der Göbbelspreffepropaganda und der ganzen Wucht des Hitlersystems, gerade das hat einen bestimmten Widerschein in der entgegengesetzten Gefahr für die Emigranten und die europäischen Sozialisten, daß sie vor lauter Sensationen die Wirklichkeit des heutigen Deutschland nicht kennen. Lebt der Sozialismus überhaupt noch in der Welt? Hat er die Kraft, sich aus seinem Zusammenbruch heraus zu einer neuen Zukunft für Deutschland durchzuringen? Das ist eine bange Frage. Wo sind die Zeichen, daß der Sozialismus neue Energien, neuen Willen offenbart, die ihn dazu fähig machen, nicht nur in demokratischen Ländern sich zu behaupten, sondern die ihn in Deutschland dazu be= rufen, ein System der Diktatur und Gewalt zu überwinden, das in seiner Wucht bisher in der Geschichte der Menschheit überhaupt noch kein Vorbild hat? Um es gleich zu sagen: Es gibt heute in Deutschland feinen Sozialisten, der aufrecht auf seinem Posten steht, der nicht zugleich eine unerbittliche, ehrliche und rücksichtslose Kritik über die historische Schuld der zerschlagenen marristischen Parteien verlangt. Kein Verzehren in hoffnungsloser Selbstgeißelung, aber auch keine billigen Entschuldigungen. Die erkenntniskritische Bereini gung dieser historischen Niederlage ist erste Voraussetzung zur geistigen Beherrschung eines neuen Willens. Die Emigration wäre dazu berufen, diese geistige Arbeit vor allem anderen zu leisten. Sie hat die Kontrolle über das„ lezte Wort" der internationalen Erkenntnisse, und ihre Aufgabe wäre es, die Bewegung aus der verflachten Theorie des demokratischen Opportunismus und der verknöcherten nationalrussischen Scholastik zu befreien, sie auf neue Füße zu stellen und die Marrsche Methodik zu einer neuen schärferen Waffe eines neuen Willens zu machen, als es in der Vergangenheit des Vulgärmarrismus war. Es steht aber fast so aus, als daß die Kämpfer von außen und von innen- wenn sie sich treffen sich erst über vieles verständigen müssen, bis sie sich wieder tennen. Die Emigrantenbewegung verläuft noch viel zu stark in ausgefahrenen Geleisen; die alten Parteischablonen arbeiten, als ob gar nichts Allzugewaltiges über sie hinweggegangen sei. Gewiß, man spürt es, auch hier wandelt sich manches; das Problem der„ Einheitsfront" zeigt neue Möglichkeiten, auch in Zeitschriften und Pressebeiträgen findet sich manches. was in der Not des heutigen Kampfes Rüstzeug für neues Schaffen bedeutet. Aber es scheint, daß die Geschichte in Deutschland, die Defonomie wie der geistige Gestaltwandel des Volkes unbewußt viel rascher vorwärtsschreitet und wesentlich auseinandergeht von vielen Begriffen der liberal demokratischen Welt, unter deren Einfluß der wesentliche Sozialismus in allen Abarten weiter wandelt. Sinter allem nationalistischem Gefühls- und Begriffstaumel in Deutschland wandelt sich die Wirtschaft in geradezu rasendem Tempo aus den liberalen Maßstäben in gebundene Formen. Die Begriffe wie„ Volfsgemeinschaft Disziplin Totaler Staat" werden immer mystischer, fe mehr sich das System gezwungen steht, aus der Not der schleichenden Auszehrung gegen seinen Willen und sein bür= gerliches Gewiffen, die Wirtschaft aus der kapitalistischen Anarchie auf organisierte Planwirtschaft umzustellen. Un= Heimlich greift der Staat in alle formen des wirtschaftlichen Lebens ein. Bis in die kleinsten und letzten Ortschaften wandeln sich die wirtschaftlichen Formen, Begriffe und das Denken der Menschen. Im Ortsbauernführer entsteht in jedem Dorf eine neue Behörde, mit Amtsbefugnissen, die mit Argusaugen den Handel nicht nur mit Getreide und Kartoffeln, sondern auch mit Vieh, Speck, Butter und Eiern überwacht, der wie über Nacht geradezu revolutionär in neue bürokratische Bahnen gelenkt wird. Der Handwerker und Kaufmann fühlt Gewalten über sich, die ihm über Warenbezug, Preise, Löhne und Innungen Vorschriften machen, wobei alle hernebrachten Begriffe über den Haufen geworfen werden. Die Schiffsfrachten des Rheins werden der Reihe nach auf jedes Schiff verteilt, Schiffer und Matrosen haben an Bord zu bleiben. bis sie daran kommen In der Wartezeit zahlt der Staat über den Schiffer die Arbeitslosenunterstüßung an die Matrosen. So gibt es dann eben keine offiziellen arbeitslosen Schiffer mehr. Industrielle Werke erhalten Befehl, Eigenkapital für neue Erfasstoffe zu investieren, die Arbeitszeit nach Staatsraison zu ordnen, sich in Einstellungen und Entlassungen dem Willen der NSBO.- Leute und der SA. zu fügen und gleichzeitig die Produktion dadurch einzuschränken, daß sie monatlich nur einen Bruchtei! fremder Rohstoffe gegenüber früherer Zeit verarbeiten dürfen. Der Reisevertreter ist bereits ein seltener Gast, die Vorräte reichen bis Weihnachten, wenn nichts unvorhergefehenes eintritt. der Verkauf wird häufia schon für das 4. Quartal eingestellt. Die Konjunktur ist troedem schlecht, fie zittert in Angstfäufen, die bald mehr bald weniger ins Auge springen. Aber bei all dem wird klar: Wenn die schleichende Zehrung nicht in ein galoppierendes Stadium überspringt, ist gerade dieser gewaltige Gestaltwechsel der deutschen Wirtschaft das Machtmittel, mit dem Hitler die Hungersnot glänzend und andauernd organisieren wird. Das Volk fühlt sich nach der gehässigen Zerrissenheit in der Weimarer Republik und nach der taumelnden Begeisterung des ersten Jahres im„ dritten" Reich immer noch, meistens mit Hoffnung, teils schon mit Apathie, Teils mit Grauen einer schitsalsmäßigen Macht ausgeliefert, vor der es auf den Knien liegt, und in deren Zeichen es lieber alle Begriffe für Recht und Menschlichkeit in den Wind schlägt, als daß es sich seinen Irrtum eingestehen wollte. Es kann nicht mehr zurück, es muß zu Hitler halten und je banger die Situation wird, desto mehr wird Hitler als mystischer Führer menschlichen Maßstäben entrückt. Es ist erstaunlich; während der 30. Juni Hitler von Europa her einen Schlag ohne Gleichen versetzt hat, hat er in Deutschland seine Stellung im Volf mehr gefestigt als je. Stein Mensch weiß, wer neben Röhm, einigen SA. Führern und Schleicher noch ersthofen wurde. Selbst mancher Arbeiter bestaunt Hitler ob seines Durchgreifens", und mit Beschämung denkt er an die Machthaber der schwarzrotgoldenen Republik. Die früher Indifferenten, heute erst recht Unwissenden, in der Ordnung, bei stolzen Festen und stolzer Zucht lebenden Massen sehen Hitler nach dem 30. Juni nur noch göttlicher, und die Kirche gibt mit frommen Worten ihm den Segen als Retter des Vaterlandes. Das Leben als wetterfester Gegner und Sozialist in diesem System ist nicht leicht. Wo sind die Menschen und Maßstäbe geblieben, die man Jahrzehntelang zu fennen glaubte? Wieviele alte Parteigenossen leben auf einmal in sicherer Zufriedenheit dahin, wieviele sympathifieren mit den neuen Herren, die Söhne stecken in der SA., die Kinder in der Hitlerjugend! Die neue Macht steckt furchtbar an und sogar früher prominente Genossen von lints fallen um. Eine besondere Spielart sind die Radaukommunisten von cinst. Mit Burzelbäumen sind sie in der SA. gelandet, auch wenn sie beim Umschwung gehörig dazwischen genommen wurden. Die fleinen und mittleren Beamten, die einst ihren Kragen nicht hoch genug strecken konnten, um sich von dem einfachen Mann abzusondern, die geschäftstüchtigen Handwerksmeister und Krämer, je ärmer sie sind, desto eif= riger atmen alle: Familienväter, Obersekretäre, Straßenfeger und Prokuristen den Kolonnengeruch der A.- Batal= lionen. Der aufrechte Charakter, der diesem Alpdruck an Gefinnungsfranfheit sich entgegenstemmt, fühlt fortgesezt die feindseligen Blicke auf sich gerichtet, in denen oft Haß aus eigenem Schamgefühl fladert. Aber noch ist ja nichts verloren, die Welt bleibt nicht stehen. Es lebe eine neue Front. Elemente aus allen Klassen melden Opposition an. Heute ist freilich alles noch vorsichtiger, stiller, ernster, unscheinbarer als vor dem 30. Juni, aber die Kräfte sind da. Wie ein Blizz aus heiterem Himmel schlägt es ein, wenn die Verhaftung eines kleinen Beamten aus bürgerlicher Familie, von denen man es am allerwenigsten erwartet hätte, wegen illegaler Arbeit von Mund zu Mund eilt. Die Spießbürger raisonnieren, Gehalt und Pension futsch, Gefängnis, Familie im Elend, so ein dummer Kerl, wenn man doch weiß, wie gefährlich alles isſt! Aber sie überschreien damit nur ihr anders sprechendes Gewissen und zwischendurch sagt eine Stimme: Ich achte den Mann, der zu seiner Ansicht steht. Man täusche sich aber nicht, die illegale Arbeit ist heute über das Tasten noch nicht heraus ge= fommen und ihre Erzeugnissen tragen dieselbe Schwäche wie die Emigrantenpreffe. Als Nachrichtenwert stillen sie manchen Hunger, aber sie fünden wenig von überragender Wiedergeburt des geistigen Rüstzeugs, von ernsten und verständlichen Analysen der deutschen Zusammenhänge und ihren neuen Selassenwandlungen, von packender Aufklärung über das wirtschaftliche Geschehen. Jeder Sozialist in Deutschland weiß heute, daß nur eine Synalten Parteigeleijen Anspruch auf die 3uthese und Neugeburt aus den überwundenen funft hat. Und man spürt es deutlich: Abseits von den an alte Parteien gebundenen illegalen Erzeugnissen kristallisieren sich aus den alten Sozialdemokraten und KPD.Leuten einzelne Personen und ganz kleine Gruppen, die in dem großen and faum je von illegaler Organisation erreicht werden. Aber sie fühlen sich schon als zusammengehörig. Sie fennen auch den hartgefottenen Katholiken, den anständigen Geschäftsmann, den verbitterten SA.- Mann, den umgefallenen Schwächling, den Zump von Denunziant und den Prozentsatz, was an den vielen Gleichgeschalteten hitlerecht oder bloß gemimt ist. Das Leben in Deutschland macht den Mann in der Opposition hart, gewandt und wieder hart. Aber das furchtbarste ist die seelische Ver einsamung. Es ist ein schwerer Weg, neue Genossen, die Kämpfer einer neuen sozialistischen Zukunft zu finden, die den Mut und die Kraft haben, geistig isoliert zu leben; mit bitteren Gefühlen muß mancher alte aufrechtstehende Sozialist feststellen, daß beim letzten Plebiszit manche marristische Hochburg auf dem Lande noch vollständig geborsten daliegt, während katholische Orte, wo es früher nie eine marxistische Stimme gab, erstaunliche Neinziffern aufgebracht haben. Noch ein Wort zur fritischen Analyse. Es ist nicht damit getan, die frampfhaften Experimente der hitlerischen Planwirtschaft mit beißendem Hohn als Sozialismus in Karikatur hinzustellen, es dabei zu belassen und auf den Zusammenbruch zu warten. Was heute unter der Aera Schacht- Darre geschieht, ist selbst gegen den Willen des Systems ein Gestaltwandel der deutschen Wirtschaftsverfassung, über dessen geschicht licher Bedeutung gerade für die Erben des ,, dritten Reichs" man nicht im Unflaren sein darf. Die hitlersche Konterrevolution hat der Anarchie der liberalen Konzerndemokratie in der Weimarer Republik ein Ende gemacht und mit nationaler Ideologie die Kräfte für eine straffe vollorganisierte Planwirtschaft frei gemacht. Das ist ihre Stärke. Es bedeutet zugleich eine neue Uebergangsepoche, in die der deutsche Kapitalismus eingetreten ist. Was geschieht, wenn die politische Kraftanspannung des Hitlersystems infolge gallopierender Schwindsucht in der ökonomischen Grundlage oder durch einen auswärtigen Konflift in die Brüche geht? Fällt dann diese neue Organisation der Planwirtschaft auch zusammen, wenn die Sozialisten willen genug zur Macht haben? Wird es dann wieder wie 1918, daß unverzüglich das Autarkiesystem zerschlagen wird, daß man sich vor Hunger schnappend durch Kredite kraftlos dem westlichen Kapital in die Arme wirit, daß man unter der Freiheitsfahne wie Desterreich heute, eine Kolonie imperialistischer Mächte wird, oder daß man sich echt deutsch nach überspister Kampfausspannung in fritifloser Vertrauensseligkeit Rußland an die Rockschöße hängt? Es kommt der Tag, wo die deutschen Hitlermassen ihr Vaterland wieder auf den Mist werfen, wie Anno 1918. Dann muß auch dem politischen Chaos die neue sozialistische Führung, gestützt auf ein neues Proletariat, gerade diese planwirtschaftliche Basis der deutschen Defonomie bewußt halten und in den Wurzeln ge= waltsam sozialistisch gleichschalten, damit gerade in der nationalen Herzlähmung, die dann eintritt, der neue proletarische Staat ökonomisch nur das geringste Maß der Abgänigkeit eingehen muß, dadurch unantastbar bleibt und fich gegen eine zweite Konterrevolution in der Zukunft sichert. Es muß immer wieder betont werden, die heutige Planwirtschaft ist entscheidend für den Kapitalismus in scinem Niedergang und für den Sozialismus in seinem Aufstieg. Sie ist fortgeschrittener Kapitalismus und Vorfeld bereinigung für den Sozialis= mit 3, fie ist ein Stüd Sozialismu 3. Würde das internationalistische Kapital der westlichen Demokratien zu Hitler eine Brücke finden und die deutsche Planwirtschaft als Helfershelfer gegen Sowietrußland mit Rohstoffen finanzieren, dann könnten die Gegner des dritten Reiches" longe auf seinen Zusammenbruch warten. Bringt es aber Hitler in seiner„ aenialen" Außenpolitif fertig, die Brücken nach Osten und Westen abzubrechen und sich auf seine Erfasstoffe zu verlassen, dann ist es für die Sozialisten Zeit, sich für den nächsten außenpolitischen Konflikt oder denjenigen Zeitpunft bereitzuhalten, wo in den neuen Planwirtschaftskanälen bie Lebensströme radikal versiegen. Bereit sein aber heißt dann nicht: chastische Rache ohne Führung, sondern flare Erkenntnis und Wille zur bleiben: den Tat, Wahlschwindel um Hitler Brief aus einem deutschen Wahlvorstande ... Als Deutscher, der seine staatsbürgerliche Pflicht gewissenhaft erfüllte, ohne je einer politischen Partei angehört zu haben, wurde ich in den Wahlvorstand berufen, in diesem Wahlvorstand war ich der einzige, der nicht der nationalsozialistischen Partei angehörte. Zu Beginn der Wahlhandlung wurden durch den Vorsitzenden alle als„ Parteigenoffen", ich aber als„ Herr" vorgestellt. In die Wahlkabinen wurden„ Helfer" gestellt, so daß der Abstimmende dadurch unter Aussicht stand. Der Wahlvorsteher nahm den Stimmschein dem Wähler ab und schob diesen so versteckt in den Schlitz der Urne, daß er noch die Ecke des Umschlages mit den Fingerspißen festhalten konnte. Nachdem der Wähler den Abstimmungsraum verlassen hatte, wurde der Umschlag geöffnet und in der Stimmliste festgestellt, wie der Wähler abgestimmt hat. Diese Kontrolle erfolgte nicht nur bei den verdächtigen Wählern, sondern auch bei den in SA.- und SS.- Uniform erschienenen Personen. Dabei ist festgestellt worden, daß auch viele der letzteren Wähler mit„ Nein" abgestimmt haben. Hitler hat am Abend des 19. August erklärt, daß noch in der Nacht zum 20. August Beschlüsse gefaßt sind, die bezwecken sollen, daß die restlichen 10 Prozent der Neinwähler in fürzester Zeit zu Jawählern erzogen werden sollen. Es ist flar, daß diese Abstimmungskontrolle das Material zu erwartender Maßnahmen geliefert hat. Das Empörendste dieser Abstimmung sollte ich aber noch am Schluß der Wahlhandlung erleben, Die Auszählung des Abstimmungsergebnisses ergab das Resultat, daß von den Wählern nur 58 Prozent abgestimmt hatten und hiervon 41 Prozent Neinstimmen waren. Zu meinem Erstaunen hörte ich abends durch Radio, daß in meinem Bezirk 90 Prozent abgestimmt haben. Da der Wahlvorstand Stimmscheine genügend zur Verfügung hatte, so wurden von einem Mitgliede des Wahlvorstandes die meisten einstimmen" durch„ Jastimmen" er sett und somit hatte mein Bezirk 80 Prozent Fastimmen" aufzuweisen. Dieser Wahlschwindel wird den Nationalsozialismus nicht retten. Das deutsche Volk geht zur Zeit einen schweren Passionsweg. Es hat aber den Verstand noch nicht verloren. HitYer hat nicht 90 Prozent des Volkes hinter sich, es ist zweifelhaft ob überhaupt noch eine Mehrheit. Die mit vielen Mitteln aufrechterhaltene geschickte Propaganda ist Täuschung. Das weiß Hitler selbst, deshalb seine Zuflucht in die benaffnete Macht, die Reichswehr. Mit der bewaffneten Macht wird er solange regieren, wie Deutschland in der Autarkie zu leben vermag oder das Ausland diesen Zustand ermöglicht. Der Hitlerismus hat Deutschland in Fesseln gelegt, ob er Europa in Fesseln legen wird, das wird abhängen von den Anstrengungen der europäischen Demokratie und besonders von der Schlagkraft der organisierten europäischen Arbeiterschaft. Deutschlands Arbeiterbewegung hat früher dem Weltproletariat viel gegeben, möge das Weltproletariat jcht zur deutschen Befreiung das seinige tun, en. sur Freiheit". Grelom Beilage Deutsche Stimmen Beilage zur Deutschen Freifieit" Ereignisse und ase Freitag, den 14. September 1934 Heimweh im Orient Die Illuminatengöriov ami Hitler- Vorspiel im 18. Jahrhundert Unter den Großtaten Adolf Hitlers ist es bekanntlich die größte, den Weisen von Zion das Handwerk gelegt zu haben jenem unvorstellbar fürchterlichen Geheimbund, der alle Fäden der Wirtschaft und Politik im verborgenen lenkt, um über Kriege, Morde, Weltkrisen und andere Katastrophen hinweg die Völker zu unterjochen und alle Macht den Vampiren der Menschheit, den Juden, zu verschaffen. Hitler brachte seine gewaltige, völkerbefreiende Leistung zustande, indem er das Buch, welches die Schandtaten der jüdischen Geheimzentrale aufdeckt: ,, Die Protokolle der Weisen von Zion",„ mit beispielgebendem Mut in Hunderttausenden von Exemplaren"( Völkischer Beob achter" vom 22. 12. 1933) unter die Deutschen warf, so daß diese sehend wurden und sich in Julius Streichers ,, Stürmer" das notwendige Abwehrorgan schufen neben der Gottesbihel Luthers und der Heldenbibel ,, Mein Kampf" sind heute ..Die Weisen von Zion" das meistgedruckte und meistgelesene Schriftwerk des ,, dritten Reiches". Vor diesem imposanten Erfolg verblaßt die dokumentarisch bewiesene Tatsache als durchaus nebensächlich, daß das wahrhaft erlösende Buch eine Fälschung, und zwar gleich eine doppelte ist: zuerst zog der französische Demokrat Maurice Joly die ihm verhaẞte Politik Napoleons III. durch den Kakao, indem er sie 1865 in einem erfundenen„ Zwiegespräch in der Hölle zwischen Montesquieu und Machiavelli" durchsichtig genug verulkte; und ein Menschenalter später, im Jahre 1902, brauten die Russen Golowinsky und Manouyloff unter dem Deckmantel S. Nilius aus dem antibonapartistischen Pamphlet Jolys und einem Schauerroman des deutschen Leihbibliotheksklassikers Hermann Gödsche( Sir John Reteliffe) die antisemitische Hetschrift„ Der Antichrist" als naheliegende Staatsmöglichkeit zu den Protokollen der Weisen von Zion" zusammen, um den wankenden Zarenthron durch ein paar kräftige Judenpogrome zu retten. 99 verMögen also die„ Protokolle" auch frei erfunden sein und mit wahrhaft beispielgebendem Mut" des Fälschens an Stelle des ursprünglichen Anticäsarismus den viel zugkräftigeren Antisemitismus setzen: ihre geschichtliche Wirkung haben sie nunmehr schon zweimal getan, und in der Politik kommt es ja schließlich und endlich nicht darauf an, daß der Wind da ist, sondern daß man ihn richtig zu machen versteht. Bloß ein Einwand könnte auf den ersten Blick geeignet erscheinen, die geniale Tat Hitlers einigermaßen zu kleinern: daß er sie nicht selber ausgeheckt, sondern daß man schon einmal vorher, in den Tagen der großen französischen Revolution, erfolgreich versucht hat, durch eine umfangreiche Lügenliteratur eine mächtige Geistesbewegung zu diskreditieren und sie einem völlig unschuldigen Sündenbock aufzuhalsen. Die Fälle liegen zu ähnlich, als daß der gewiegte, von allen deutschen Historikern als Autorität anerkannte Geschichtskenner Hitler jenen ersten nicht gekannt haben sollte; aber der gute Zweck macht es durchaus verständlich, daß der Führer sich mit der Rolle des Nachahmers begnügte, ja, daß er, um den Feind der Menschheit zu vernichten, just bei dem übelsten Denunzianten des an Spitzeln so überreichen Oesterreich Kaiser Franz des Zweiten in die Schule ging. Auch damals handelte es sich um etwas Großes: die deutsch- katholische Christenheit sollte vor den gefährlichen Ansteckungskeimen der Aufklärung und des Jakobinertums gründlich bewahrt werden, und als das beste Mittel dazu entdeckte ein findiger Kopf, sie ordentlich graulen zu machen. Zum Schreckgespenst erhob er einen höchst unschuldigen Geheimbund, die ,, Illuminaten". ララ Das war eine vom Ingolstädter Professor Weishaupt und vom Meister des Umgangs mit Menschen", Knigge, geleitete, ursprünglich auf Bayern beschränkte Gesellschaft, der in ihrer besten Zeit neben anderen Adeligen und Intellektuellen auch Goethe, Herder, Herzog Karl August von Weimar und der Wiener Freiherr von Sonnenfels angehörten und die in eifriger Konkurrenz mit Freimaurern und Rosenkreuzern ein kompliziertes Rituale und sehr unverbindliche Lebensgrundsäge ausgebildet hatte. Da gab es allerlei„ Klassen" und„, Grade" mit genau festgelegten Einweihungen, Bräuchen und Vorschriften, und in den Vorbereitungsheften und Belehrungen, die den Mitgliedern eingehändigt wurden, konnte man Sätze lesen wie diese:„ Der ganze Plan des Ordens beruht darauf, die Menschen zu bilden, aber nicht durch Deklamation, sondern durch Begünstigung und Belohnung der Tugend. Mit einem Wort: man muß ein allgemeines Sittenregiment einführen, das über die ganze Welt sich erstreckt, ohne die bürgerlichen Bande aufzulösen; man muß um die Mächtigen der Erde eine Legion von Männern sammeln, die unermüdlich sind, alles zum Besten der Menschheit zu leiten. Unser kleiner Haufe in der Stille muß fest zusammenhalten und jedem unterdrückten Verdienste beistehen, jedem guten Manne zeitliche Vorteile äußeren Glückes zu verschaffen und alle Stellen, wo Macht für die gute Sache zu erringen ist, zu gewinnen versuchen. Warum sollte es nicht erlaubt sein, sich durch red. liche und sanfte Mittel so festzusetzen, daß man Einfluß auf die Regierungen bekäme?" ersten Will man die vorstehenden Worte so bös wie nur möglich deuten, so kann man die Illuminaten als einen Verein von verschwommener Humanitäts- und Tugendseligkeit auffassen, der seine Mitglieder zu gegenseitiger Protektion verpflichtete, und der Zorn, dieser erhofften Protektion nicht teilhaftig geworden zu sein, mag in den Jahren 1784/85 die des Ordens, einige Ingolstädter Verleumder Professoren von gleichgültigem Namen, auf die Beine gebracht haben. Zunächst begnügten sie sich damit, der Herzogin- Witwe Maria Anna von Bayern ein Schriftstück zuzuschmuggeln, das die Illuminaten beschuldigte, die Liebe für das Vaterland, den Herrscher und die Religion zu untergraben und auch vor Gift und Mord nicht zurückzuschrecken, wenn das Interesse des Ordens es so verlange; dann, nachdem auch der regierende Kurfürst Karl Theodor mobil gemacht n Von Professor Alfred Kleinberg worden war, nachdem Untersuchungskommissionen ziemlich erfolglos ihres Amtes gewaltet und zahlreiche Mitglieder Stellung und bürgerliches Ansehen verloren hatten, schafften die Ingolstädter einen„ Universalzeugen", den wegen Verleumdung mit Gefängnis vorbestraften Hof- und Kammerrat Baron Mändl, zur Stelle: der Orden wolle, sagte dieser Mändl unter Eid aus, die ganze Welt beherrschen und alle einträglichen Posten mit seinen Mitgliedern besetzen. ,, Mittels der angeworbenen Medicorum und Apotheker räume er jene aus dem Wege, welche diesen Absichten hinderlich waren, und mittels der angeworbenen Geistlichkeit mache er den Leuten glauben, daß nur dieses Laster und Tugend sei, was sie Laster und Tugend nennen. Wenn S. Churfürstl. Durchlaucht diesem Ungeheuer nicht zuvorkommen, werden die Illuminaten trachten, ihr Sach mit Gift und Dolch durch zusetzen, und dürfen sich S. churfürstl. Durchlaucht die bisvon darum erhalten herige Schonung ihres Lebens nur glauben, weil durch solches die Herren ihre Sache bey dem Nachfolger noch mehr verschlimmert haben werden." Kein Zweifel, diese Fantastereien der Ingolstädter Wahrheitsfreunde hatten schon das Zeug in sich, aus den Illuminaten die Weisen von Zion des achtzehnten Jahrhunderts zu machen, aber die große Zeit der politischen Giftmischerei kam doch erst mit der französischen Revolution, und ihren würdigen Propheten fand sie in dem Wiener Professor Leopold Alois Hoffmann, der als anerkannter ,, Heerführer der Obskuranten" um seine ,, Wiener Zeitschrift" eine Riesenschar von Spionen und Verleumdern zu sammeln wußte. Nach ihm und seinen Gewährsmännern begingen die Illuminaten nicht nur abscheuliche Zeremonien mit nackten Leichen und Menschenblut; sie waren auch, es schaudert einen zu denken, die ruchlosen Häupter einer Weltverschwörung, die die Jakobiner bloß vorschickte, um von Paris aus die ganze Menschheit aufzuwiegeln und sich so untertan zu machen. Je öfter die Hoffmann und Genossen dieses Leitmotiv variierten, desto kunstvoller wurde die Melodie und desto vielstimmiger der Chor, aber seine volle Lungenkraft entfaltete er erst, als sich ihm u. a. der Erzschwindler Cagliostro und der in seiner Greuelfantasie besonders konsequente Abbé Barruel zugesellten. Getreu ihrer Losung: ,, Krieg Jesus und seinem Kult! Krieg den Königen und allen Thronen!" sollten die Illuminaten nunmehr aus ihren Millioneneinnahmen eine geheime Flotte unterhalten, an allen Höfen Spione besolden und jeden Tyrannenmörder unterstützen; als Erben der 1313 vernichteten Templer und im Bunde mit den aufgehobenen Jesuiten propagierten sie die französischen Revolutionsideen, um die Templer zu rächen und den Jesuitenorden wieder herzustellen; Mirabeau sei ihr ,, Emissär" gewesen und habe auf Befehl des Weimaraners Bode( des erfolgreichen Verteidigers der Illuminaten) ,, die Hauptmine zur Explosion der französischen Staatsrevolution" gelegt; kurz ,,, die dreifache Sekte der Sophisten: Enzyklopädisten Freimauerer Illuminaten" habe, so lautete Barruels legte Erkenntnis und Lehre, die schändliche Entwicklung der Philosophie seit Voltaires Tagen planvoll geleitet und jedes politische und literarische Verbrechen der legten Jahrzehnte nach einem im vorhinein festgelegten Entwurf teuflich in Szene gesetzt. Ob diese Ausgeburten des Wahnsinns und der Bosheit geglaubt wurden, weil die Schrecken der Revolution alle Geister verwirrten, weil man von dem wirklichen Tun und Treiben des mehr als unbeträchtlichen Illuminatenbundes so wenig wußte oder aber weil tausendmal wiederholte Behauptungen sich schließlich in Wahrheit verwandeln, soll dahingestellt bleiben; jedenfalls setzte sich in den weitesten Kreisen die Ueberzeugung fest, daß die Illuminaten wahre „ Söhne des Satans" seien, der harmlose Weishaupt bekam in den Augen der meisten Zeitgenossen die Züge eines leibhaftigen Dämons, and noch 1809 donnerte Napoleon einen jungen Mann, der ein Attentat auf ihn unternommen hatte, mit den charakteristischen Worten nieder:„ ,, Sie sind ein Illuminat!" Diese Wirkung auf die breitesten Volksschichten, diese bewunderungswürdige Kunst, mit primitiven Mitteln einen geradezu unentrinnbaren Massenwahn zu erzeugen, macht den Erfindern der ungeheuerlichsten Verleumdung alle Ehre aber an Adolf Hitler gemessen erweisen sie sich doch als Stümper. Denn der Ansatzpunkt für sie war immerhin eine Geheimgesellschaft, Nilus- Hitler aber bedichten eine öffentliche Glaubensgemeinschaft- es sei denn, daß man der Alliance Israelite geheime Grade zubilligen wollte. Und den Hoffmann- Barruel gelang es nur, zahllose alte Weiber in Röcken und Hosen gruseln zu machen; Hitler aber hat mit dem Märchen der Weisen von Zion die Alleinherrschaft über ein Sechzigmillionenvolk erobert. Das Blatt weißes Papier Und die antifaschistische Literatur In News Chronicle" schreibt Ellen Wilkinson, daß sie einen sehr bekannten europäischen Journalisten nách den Leistungen der Nazis auf dem Gebiet der Literatur gefragt habe; als Antwort habe der Journalist ihr ein Blatt weißes Papier gezeigt. Ellen Wilkinson, die frühere Abgeordnete der Labour Geschichten Ich stehe vor der Welt mit leeren Händer Und lege mir die bange Frage vor: iW Wann wird mein Weg sich wieder lichtwärts wenden, Wann öffnet sich vor mir das stille Tor, Das in das sanfte Land der Heimat führt? Soll ich im heißen Wüstenhauch verdorren, Der sich erstickend um die Seele schnürt? Hier sind mein Tag und meine Nacht verworren; Verzweiflung flackert durch den Brand der Qual. Ich möchte blindlings in die Weite fliehen, So lechze ich nach einem grünen Tal! Fast täglich sehe ich die Schiffe ziehen. Wenn die Sirenen Lebewohl geschrien, Glüht meine Sehnsucht auf wie ein Fanal. Antreten! Kunst machen! Horatio. Die ,, Deutsche Allgemeine Zeitung" teilt mit: Von seiten der Reichstheaterkammer ist im Einvernehmen mit den hierfür zuständigen Stellen eine Liste der alten Parteigenossen aufgestellt worden, die im Augenblick noch nicht wieder in den Produktionsprozeß beim Theater eingereiht sind. Den einzelnen Theatern wird es von der Reichstheaterkammer zur Pflicht gemacht, eine bestimmte Anzahl von Solisten, Chorsängern oder Tänzern einzustellen, so daß sämtliche erwerbslosen alten Pgs. vor Beginn der neuen Spielzeit untergebracht sein müssen. Die Zahl der Erwerbslosen, die das einzelne Theater einstellen muß, wird von der Reichstheaterkammer vorgeschrieben. Es ist dann Sache der Theater, sich im Etat die notwendigen Positionen zu beschaffen. Die einzelnen Theater werden streng stens angehalten werden, die ihnen auferlegte Zahl der Arbeitslosen zu beschäftigen." und Sache der Es ist Sache der Theater, sich die Gelder Pg. Schauspieler, Tänzer, Sänger, sich das nötige Talent zu ,, beschaffen". Um genügend Plätze freizubekommen, sind solche Künstler, die noch immer glauben, sich allein durch ihre überlegene darstellerische Kraft und ohne althergebrachtes Parteibuch behaupten zu können, rücksichtslos zu entfernen. Die Entfernung des Publikums. ist bereits nicht vonnöten. Gräfliche Volksbühne Der neue Intendant der Volksbühne, Bernhard Graf Solms, sagte in einem Interview der ,, DAZ.": 99 ,, Dies Haus ist nicht nur entstanden aus einer Oppo sition gegen die Hof- Theater, in denen, wer keinen Smoking trug, schief angesehen wurde. Es wuchs aus dem lebendigen Bedürfnis weitester Volksschichten nach einem eigenen Theater, nach dem Theater überhaupt. So trugen Angestellte und Arbeiter kurz vor dem Kriege ihre Spargroschen zusammen und errichteten damit die Volksbühuc. Das bedeutete für alle Zeiten Verpflichtung und Programm." Aber damals war der Herr Graf noch nicht dabei. In der Volksbühne" des ,, dritten Reiches", die mit einem Arbeitertheater nicht mehr das mindeste zu tun hat, wurde zwar der Smoking teils durch den ,, Festanzug", teils durch die braune Uniform abgelöst, wie schief aber würde einer angesehen, der auf den Uniformrummel pfiffe? Nein, nein, die Volksbühne ist heute so standesgemäß geworden, daß der leitende Graf weit besser hineinpaßt, als die Arbeiter, die zum Theaterbesuch kommandiert werden und grollend die übelsten Es- isterreicht- Schmarren über sich ergehen lassen müssen. Als Staffage indessen wird das Publikum von der gräflichen Leitung dankbar anerkannt. Louise Dumont Noch im Tode vom ,, Stürmer" beschimpft Die September- Nummer des„ Stürmer" veröffentlicht einen Artikel über die vor einigen Jahren verstorbene, sehr bekannte Leiterin des Düsseldorfer Schauspielhauses. Louise Dumont. In dem Artikel wird gesagt:„ Unter ihrer Leitung kamen natürlich nur Juden zu Wort Diese Bühne erhielt ständig von der Stadt große regelmäßige Zuschüsse, die den Etat Düsseldorfs verhängnisvoll belasteten, ohne daß sich die Dumont verpflichtet gefühlt hätte, den Bürgern eine anständige Kunst zu bieten, die des ,, deutschen Theaters am Rhein" würdig gewesen wäre." Wahr ist dagegen, daß die von Louise Dumont geführte Bühne ein Privatunternehmen war, das während ihres ganzen Bestehens nicht einen Pfennig städtische Unterstützung erhielt. Wahr ist weiter, daß zu den im Düsseldorfer Schauspielhaus gespielten Autoren Hanns Johst gehörte und daß dort von Guido Erwin Kolbenheyer, der zu den Dichtern des„, dritten Reiches" gehört, regelmäßig Stücke aufgeführt worden sind. Schließlich erklärt der ,, Stürmer": ,, Der Redakteur ihrer Hauszeitung ,, Masken" war lange Zeit der anarchistische Jude und Mörder Gustav Landauer"- dieser hervorragende Literat, der gerade von den Kreisen, die heute in Deutschland an der Macht sind, mit Gewehrkolben erschlagen und in viehischer Weise ermordet worden ist. Party, befaßt, sich weiter mit der Literatur der deutschen Gitta Alpar und Franziska Gaal antifaschistischen Emigranten. ,, Diese Romane," erklärt sie, die jenseits der deutschen Grenzen geschrieben wurden. scheinen unmittelbar aus der Hölle der Verfolgung zu stammen." Die englische Journalistin zitiert den„ Kopflohn" von Anna Seghers ,,, Auf der Flucht erschossen" von Walter Schoenstedt ,,, Maulwürfe" von Adam Scharrer,„ Im Kreuzfeuer" von Gustav Regler und ,, Eintritt verboten" von Egon Erwin Kisch. Alle diese Bücher, sagt Ellen Wilkinson, die Deutschland während der Hitlerherrschaft wiederholt besuchte, besitzen einen großen Aktualitätswert und geben ein weit besseres Bild von Deutschland als die Veröffentlichungen der Nazis.. In Budapester Zeitungen erklärt Gitta Alpar, die sich in der ungarischen Hauptstadt aufhält, die Meldung eines Budapester Blattes, derzufolge sie aus dem Judentum austreten wolle, um in Deutschland auftreten zu können, absolut unwahr sei. Ihr Mann Gustav Fröhlich sei mit dieser Haltung völlig einverstanden. Eine ähnliche Behauptung ist über die Schauspielerin Franziska Gaal, die, wie erinnerlich, in Deutschland längere Zeit gespielt hat, aufgestellt worden. Auch Franziska Gaal, die sich kürzlich mit einem katholischen Rechtsanwalt verheiratet hat, dementiert energisch alle Ge rüchte, die von ihrem Uebertritt zum Christentum wissen wollen Völker In Sturmzeiten Nr. 20 Völker in Sturmzeiten Im Spiegel der Erinnerung- im Geiste des Sehers Freitag, 14. September 1934 Wie ich Hauptmann von Köpenick wurde Von Wilhelm Voigt Wilhelm Voigt schildert seine Erlebnisse in der Bürgermeisterei von Köpenick. Gnädigst gestattete er der Frau des Bürgermeisters, ihren ,, verhafteten" Mann nach Berlin begleiten zu dürfen. Der Kassierer zählte ihm die Tageskasse auf. Zugleich war seine Enttäuschung groß: es gab in Köpenick keine Pässe, keine polizeilichen Stempel, mit deren Hilfe er sich den Weg ins Arbeitsleben bahnen wollte. Aber nun war er im Zuge: einmal begonnen, nahm die ,, Köpenickiade" ihren folgerichtigen Verlauf. Ich nahm also die Feder, bescheinigte, wie ich glaubte, den Bestand und unterzeichnete monogrammäßig mit meiner augenblicklich angenommenen Charge. Ich wollte eben den Kopf zurückheben, als mein Auge auf die Ueberschrift des Scheines fiel. Da bemerkte ich, daß dort das Wort„ Quittung" stand. Das änderte die Sachlage. Wenn ich eine Quittung resp. Empfangsbescheinigung ausstellte, dann war ich auch für den Verbleib des Geldes verantwortlich. Ich war nun zuerst schwankend. Doch mußte ich ja zu der Erwägung gelangen, daß ich das Geld nicht dalassen durfte. Tat ich das, so konnte es mir leicht ergehen wie damals im Kassengewölbe zu Wongrowity. Von diesem Gesichtspunkte aus nahm ich das Geld an mich. Dann kam der Rendant auf mich zu und übergab mir die Schlüssel zum offenstehenden Geldschrank und sagte zu mir: ,, Herr Hauptmann, hier liegen noch weitere zwei Millionen, die der Stadt Köpenick gehören." Da wandte ich mich zu meinen beiden Grenadieren und sagte: ,, Sie haben gehört, daß hier zwei Millionen vorhanden sind. Das geht mich nichts an!" Ich ergriff nun selbst die Kassenschranktür und schlug sie zu. Wäre ich nur nach Köpenick des Geldes wegen gegangen, so hätte ich doch wirklich ganz einfältig gehandelt, wenn ich mit 4000 Mark davongegangen wäre und zwei Millionen hätte liegenlassen. Der Einwurf, daß diese in Staatspapieren bestanden, ist mir gegenüber ganz hinfällig, denn selbst gestohlene Wertpapiere lassen sich in den Nachbarstaaten mit Leichtigkeit zu ihrem annähernd reellen Werte umsetzen, ich besitze Kenntnisse genug, um derartige Unternehmen auch realisieren zu können. Ich befahl nun den Grenadieren, das Zimmer zu verlassen, dem Rendanten, sich reisefertig zu machen, und ließ durch die Assistenten des Kassenrendanten die äußeren Räume verschließen. Das Geld steckte ich zu mir, die Quittung blieb da. Ich bemerke hierzu, daß bei meiner Verhaftung der Geldbetrag in meinem Wohnzimmer in einem unverschlossenen Fache der Kommode unverbraucht gelegen hat. Auf dem Korridor rief ich den Gefreiten zu mir und bestimmte, daß er in einer halben Stunde die Wachen einzuziehen hätte, er solle sodann noch einmal die Mannschaft in eine Restauration führen, dann seinen Marsch zum Bahnhof antreten und per Bahn nach Berlin zurückfahren. Dort hätte er sich bei dem Leutnant der Neuen Wache ,, von Köpenick zurück" zu melden! Die nötigen Geldmittel händigte ich ihm aus und wollte mich eben aus dem Rathaus entfernen, als von den im Vestibül versammelten Herren sich wieder einer trennte, zu mir die Treppe herabstieg und mich in bescheidenem Tone fragte, ob mein Auftrag dem Bürgermeister oder der Stadt Köpenick gelte? Ich erklärte ihm, daß die Stadt Köpenick gar nichts mit der Angelegenheit zu tun habe. Auf seine weitere Frage, wie lange die Besetzung des Rathauses noch dauern würde, antwortete ich: ,, Noch eine halbe Stunde!" Damit beruhigte er sich. Vor dem Rathaus winkte ich den Gendarm heran, machte ihn mit meinen Befehlen bekannt und beauftragte ihn nach dem Abmarsch, der Mannschaften vorläufig mit der Aufrechterhaltung der Ordnung im Rathause sowie in der Stadt Köpenick. Ich ging dann zu Fuß zum Bahnhof und fuhr mit dem Zuge nach Berlin. Der Verräter Hier begab ich mich zunächst in ein der ,, Neuen Wache" nahegelegenes Café, denn ich war selbst begierig, zu erfahren, welchen Verlauf die Dinge in Berlin nehmen würden. Ich sah von hier aus mit an, wie die Wagen in Berlin eintrafen. Als ich nach dem Eintreffen des Bürgermeisters vor der ,, Neuen Wache" erkannt hatte, daß meine Befehle pünktlich ausgeführt waren, verschaffte ich mir einen Zivilanzug und kleidete mich dann sofort um, so daß ich unbemerkt in der späteren Abendstunde meine Wohnung wieder erreichen konnte. Ich hatte keine Veranlassung zu glauben, daß meine Entdeckung durch die Ermittlungen der Polizei erfolgen würde, denn ich war den Personen, mit denen ich in Berührung gekommen war, persönlich unbekannt. Selbst meine Hausgenossen konnten keine Ahnung davon haben, daß ich in irgendeiner Beziehung zu der Köpenicker Affäre gestanden hätte. Ich bin wiederholt an den Litfaßsäulen gewesen und habe dem Publikum Proklamationen der Behörde vorgelesen. Die Behörde würde auch den Hauptmann von Köpenick" noch heute vergeblich suchen, wenn sich nicht ein Judas" ge. funden hätte, der den ausgesetzten Lohn von dreitausend Mark sich verdienen wollte. Vor etwa sieben Jahren hatte ich im Gespräch mit Gefangenen, die sich darüber unterhielten, wie schwer es sei, mal ein ordentliches Geschäft zu machen, weil man so selten genügend Leute zusammenbekommen könnte, auf die wirk lich Verlaß wäre, geäußert: ,, Ihr Einfaltspinsel, wenn ich mich zu derartigen Schachen hergeben wollte, dann würde ich mir einfach Soldaten von der Straße holen!" Diese hingeworfene Bemerkung hatte sich mein lieber Freund Kallenberg gemerkt. Jetzt war eine derartige Sache wirklich ausgeführt worden, und da entsann er sich sofort unserer damaligen Unterredung. Er machte von diesem seinen Wissen der Behörde Mitteilung. Da ich stets angemeldet gewohnt habe und auch der Arbeitsplatz, auf dem ich beschäftigt war, den Behörden bekannt war, so war es leicht, meinen Aufenthaltsort festzustellen. Daß der Streich von der Seite kommen würde, daran dachte ich nicht. Mit diesem Mann hatte ich achtzehn Jahre lang Freud und Leid geteilt, und niemand anders als er war schuld daran, daß ich damals zu einer so fürchterlichen Strafe verurteilt worden war. War es wirklich so schlimm, wie die Staatsanwaltschaft im ersten Augenblick glaubte, so blühten mir wieder fünfzehn Jahre. Hatte das jener Mensch bedacht, als er mich um einer doch verhältnismäßig geringfügigen Summe willen verriet?! Die Polizeibehörde war, als sie mich in meiner Wohnung aufsuchte, noch keineswegs davon überzeugt, daß ich wirklich der Hauptmann von Köpenick wäre. Ich wurde deshalb in freundlicher Weise gebeten, zwecks einer Unterredung mit nach dem Polizeipräsidium zu fahren. Von einer Verhaftung in meiner Wohnung ist nie die Rede gewesen, sie konnte auch nicht stattfinden, bevor festgestellt war, daß ich wirklich der Täter war. Der Ruhm, den sich die Polizeibehörde aus meiner Entdeckung holen wollte, gebührt ihr in diesem Falle keineswegs. Auf dem Polizeibüro gestand ich sofort zu, daß ich der Hauptmann wäre. Der Chef der Kriminalpolizei verhandelte in der freundlichsten Weise mit mir. Nur als die Herren in etwas freier Weise sich über die Köpenicker lustig machen wollten, erklärte ich ihnen mit dürren Worten, daß es den Herren von der Polizei genau ebenso ergangen wäre, wenn es mir gefallen hätte, auf das Berliner Polizeipräsidium zu kommen! Und als sie das in Abrede stellten und sich auf ihr besseres Wissen und ihre größere Einsicht in solchen Fällen bewiesen. da machte ich es ihnen gleich in drastischer Weise vor, wie es ihnen etwa ergangen wäre, und ich glaube, sie gestanden stillschweigend ein, daß sie keinen Grund hatten, andre zu belächeln. Bei der in meiner Gegenwart unter den Beamten stattfindenden Konferenz über die weitere Führung der polizeilichen Untersuchung bemerkte ich, daß sie in ihrem Diensteifer soviel wie möglich Beweismaterial herbeischaffen wollten und beabsichtigten, die Untersuchung noch auf andere Personen, meine vermeintlichen Helfer, auszudehnen. Um ihnen nun in dieser Beziehung den Paß zu verhauen, band ich ihnen manchen hübschen Bären auf; auch wurden sie in dem Bestreben, sich meiner Uniformstücke zu bemächtigen, von mir an der Nase herumgeführt. Sie haben hinterher den ganzen Kreuzberg umgegraben, in der Hoffnung, doch meine Kleidung zu finden. Daß mir dies bei allem Unbehagen einen gewissen Genuß gewährte- wer wird es mir verargen? Ich wurde nun zunächst ins Untersuchungsgefängnis übergeführt. Die Staatsanwaltschaft glaubte in mir so einen recht schweren Verbrecher zu finden, aber schon nach meiner ersten Vernehmung ließ sie den Glauben fahren und trat weit weniger zuversichtlich in die Ermittlungen ein, weil ein Paragraf im Strafgesetz nicht vorhanden war, nach welchem meine Tat zu bemessen wäre. Von seiten der Beamten des Untersuchungsgefängnisses erfuhr ich die freundlichste Behandlung. Die Teilnahme, die mir während der Untersuchung von der gesamten Kulturwelt bewiesen wurde und die sich in dem Bestreben bekundete, mir durch Zusendung von Nahrungs- und Geldmitteln die Untersuchungshaft zu erleichtern, ließen mich das Ungemach der Haft leichter ertragen. Dazu kam, daß in den mir zugehenden Briefen viel Trost und Beileid und die Hoffnung auf eine günstige Erledigung meiner Sache ausgesprochen war, die mich veranlaßten, meine Angelegenheit in einem etwas günstigeren Lichte zu betrachten. Nur sehr wenige versuchten ihren faulen Witz an mir, und es gewährt mir heute noch einen Genuß, die Zuschriften dieser wenigen zu lesen und mit dem Endergebnis zu vergleichen. Da ich diese Geldmittel nicht besaß, um mir einen Rechtsbeistand zu leisten und mir von Amts wegen auch keiner gestellt wurde, hatte ich mich mit dem Gedanken befreundet, meine Sache selbst zu vertreten. Sie war ja in der Tat auch einfach genug, denn für mich sprachen alle Begleitumstände, und mir ist es nicht schwer geworden, meine Sache zu führen. Dessen ungeachtet stellten sich ein paar anerkannt tüchtige Rechtsanwälte an meine Seite, ich hätte ihnen gewünscht, daß sie eine verwickeltere Sache in die Hände bekommen hätten. Aus naheliegenden Gründen wurde die Führung dieser Untersuchung seitens der Justizbehörde soviel wie möglich beschleunigt, um meine Angelegenheit nur erst einmal aus der Welt zu schaffen. Das schon deswegen, weil mancherlei i Mängel sowohl in der Rechtsprechung, wie auch im Strafvollzug dabei ans Licht kamen. Ich war damals körperlich leidend, was bei den vielen Aufregungen meines Lebens erklärlich ist, und vermochte so manches nicht zu ermitteln und festzustellen, was meine Sache erheblich verbessert hätte. Ich verließ mich hier ganz auf die reelle Führung meiner Sache durch die Rechtsanwälte und widerstrebte auch der baldigen Verhandlung nicht. So kam der 1. Dezember heran. Ich hatte noch gar nicht nötig, an dem Tage die Verhandlung führen zu lassen, aber mit Rücksicht auf den großen Andrang zum Zuhörerraum( die Plätze waren bereits ver geben, bevor noch mein Termin anberaumt war) hatte man beschlossen, statt der Räumlichkeiten, in denen die Strafkammern tagen, den Schwurgerichtssaal zu benutzen. Da dieser aber für Montag bereits vergeben war, so war die Verhandlung auf den Sonnabend angesetzt worden. Es hing nun von mir ab, ob ich in die Verhandlung eintreten wollte, sonst hätte sie bis zum Montag vertagt werden müssen. Weil aber schon alle Zeugen geladen waren, so mochte ich denn auch nichts dagegen einwenden, schon um nicht den ganzen großen und kostspieligen Apparat noch einmal aufbieten zu lassen. Nun hatten meine Rechtsbeistände insofern einen Fehler gemacht, als sie keinen militärischen Sachverständigen zur Verhandlung zugezogen hatten. Hier handelte es sich vor allen Dingen darum, festzustellen, ob leichte oder schwere Urkundenfälschung vorlag! Ich weiß, daß an und für sich der Richter diese Frage nicht hat lösen können; ich weiß auch weiter aus dem eigenen Munde des Vorsitzenden, der selbst erklärte, daß diese Frage nicht genau zu entscheiden wäre: meine hohe Strafe erklärt sich nur durch die Annahme der schweren Urkundenfälschung. Auch über die Gerichtsverhandlung mit ihren weiteren Ergebnissen, mit allen Bedenken, die sich an das gefällte Urteil knüpfen lassen, will ich mich in einer besonderen Schrift später noch verbreiten. Heute beschränke ich mich darauf, die Gesamtverhandlung ins Auge zu fassen. Am Tage des Gerichts Die dem Publikum zugänglichen Räume waren bis auf den letten Platz gefüllt. Die Journalistik der ganzen Welt, Paris, Wien, Stockholm usw. hatte ihre besten Vertreter entsandt. Es war so voll im Saal, daß ein Amerikaner, der dem Türhüter hundert Dollar bot, wenn er mich nur fünf Minuten sehen dürfte, hatte abziehen müssen, ohne seinen Wunsch erfüllt zu sehen. Alles harrte mit Spannung der Dinge, die da kommer sollten. Und sie kamen. Zunächst betraten die geladenen Zeugen den Saal, unter ihnen die Mannschaftenfeldmarschmäßig ausgerüstetUebrigens genau so, wie ich sie in Köpenick verwendet hatte. Die übrigen Zeugen mit einer gewissen Spannung, unter ihnen auch der, der mich verraten hatte! Ich habe ihn scharf angesehen, aber er vermochte seine Augen nicht aufzuschlagen. Nach den einleitenden Worten des Gerichtspräsidenten. und den formellen Vorfragen verließen die Zeugen den Saal. Zur Last gelegt wurde mir: 1. das unbefugte Tragen einer Uniform, 2. das unbefugte Ausüben eines öffentlichen Amtes ( nämlich das Amt eines Hauptmannes), 3. Freiheitsberaubung oder beschränkung gegen den Bürgermeister, den Oberstadtsekretär und den Kassenrendanten, 4. und 5. Betrug und Urkundenfälschung. Als ich gefragt, ob ich mich schuldig bekenne, bejahte ich für Punkt eins bis drei. Für die zwei letzten Punkte verneinte ich auf das entschiedenste meine Schuld! und bei dieser Verneinung muß ich aus ursächlichen und juristischen Gründen auch noch heute bleiben. Ich wurde aufgefordert, den Sachverhalt zu erzählen. Zunächst wünschte der Richter mit Rücksicht auf meinen Gesundheitszustand, daß ich sitzend meine Aussagen abgebe, aber da bei der Höhe der Schranken meine Stimme doch nicht laut genug durch den Saal drang, bat er mich aufzustehen. Ich trat bis dicht an die Schranke, hielt mich am Geländer fest und begann meinen Vortrag. In lautloser Stille und atemloser Spannung hörten der Gerichtshof und das Publikum meinen Vortrag zu. Was ich brachte, war nichts als Wahrheit. Vor dem Richter lagen die Akten, durch die er meine Aussagen jederzeit prüfen konnte; die Dokumente, die Bemühungen, mir eine Legitimation zu verschaffen, die Ausweisungsbefehle, die Führungsatteste aus den Betrieben, in welchen ich beschäftigt gewesen war. Und da draußen standen die Zeugen, die unter ihrem Eide alles das bestätigen, was ich vorbrachte. Die Zeugen der Staatsanwaltschaft brachten nichts vor, was von meinen Aussagen abwich. Keine Lüge ließ sich mir nachweisen. Der einzige, der mir zu färben schien, war der Kassenbeamte. Er wünschte den Eindruck hervorzurufen, als ob er als freier Mann über sich und seine Handlungen hätte bestimmen können. Er bemäntelte, wie mir schien, manche Umstände, die zu seinen Ungunsten sprachen und die in diesem Falle nicht als nebensächlich gelten durften. Von seiner mehr oder minder großen Glaubwürdigkeit hing es ab. ob der Gerichtshof auf schwere oder einfache Urkundenfälschung erkennen würde. ( Fortsetzung folgt) stewi2 sob ni lezion Putsch oder Revolution? Vorabdruck aus Julius Deutsch:„ Putsch oder Revolution? Randbemerkungen über Strategie und Taktik im Bürgerkrieg." Verlagsanstalt ,, Graphia", Karlsbad. Die Revolution ist die Erhebung großer Teile des Volkes, ihr Ziel ist eine weitgehende, politische oder ökonomische Umgestaltung der bestehenden Verhältnisse. Revolutionen können kurz sein, besonders dann, wenn es sich um politische Umwälzungen handelt, aber sie können, wie die Geschichte lehrt, auch sehr lange Zeit räume in Anspruch nehmen. Revolutionen müssen nicht immer sogleich zu einer Aenderung der Staatsform führen, ja nicht einmal das gerade bestehende Regierungssystem beseitigen. Oft genügt fürs erste die Auswechslung verhältnismäßig weniger leitender Personen; trotzdem macht die Umwälzung der gesellschaftlichen Verhältnisse in der gleichen Zeit große, entscheidende Fortschritte. Ein Beispiel dieser Art von Entwicklung bietet England. Das Regierungssystem Großbritanniens hat sich seit einem Jahrhundert nicht wesentlich geändert. Lange Zeit wechfelten Torries und Whigs, Konservative und Liberale, in letzter Zeit Labour Party und irgend eine bürgerliche Gruppe in der Regierung des Staates ab. Die monarchische Staatsform wurde überhaupt nicht geändert. Und trotz dieser verhältnismäßig geringen politischen System änderung, welch eine Summe von gesellschaftlichen und ökonomischen Umwälzungen! Wie sah das England der vierziger Jahre des vorigen Jahrhunderts aus und welches Antlig zeigt es heute! Man sieht, tiefgehende Umwälzungen können auf sehr mannigfache Art vor sich gehen. Es muß nicht immer auf den Barrikaden gekämpft werden. Es geht mitunter auch anders. Der Putsch dagegen setzt sich durch einen Ueberfall einer kleinen Minderheit in den Besiz der Staatsmacht. Er versucht, durch einen militärischen Handstreich den Gegner niederzuschlagen und sich der Regierung zu bemächtigen. Man denke an die unterschiedlichen„ Revolutionen" in den südamerikanischen Staaten. Auch in Spanien und Portugal wechselten mehrmals die Regie rungen im Weg militärischer Revolten. Ein Staatsstreich dieser Art war ferner die Ermordung des serbischen Königs Alexander und seiner Gemahlin Draga Maschin im Jahre 1903. Dieser Butsch hatte zur Folge, daß an Stelle des Königsgeschlechtes der Obrenowitsche das der Karageorgewitsche trat. Aber sonst blieb alles so ziemlich beim alten. Der Putsch wechselt die Herrscher, aber eine Aenderung des politischen und gesellschaftlichen oder gar des ökonomischen Systems muß notwendigerweise damit nicht verbunden sein. Es ist sogar die Regel, daß das nicht der Fall ist. Nun könnte man sagen, daß trotz dieser geschichtlichen Erfahrungen der Putsch in unserer Zeit berufen sein könnte, eine andere, größere Rolle zu spielen: die entschlossene Tat einer Handvoll Männer sprengt das verschlossene Tor zur Staatsmacht und nun kann das Proletariat, oder besser gesagt, sein kühnster, fortgeschrittenster Teil, regieren. Daß ein solches. Regieren nur in der Form einer Diktatur erfolgen kann, versteht sich von selbst. Malaparte, ein sehr gelesener, politischer Schriftsteller, versucht in seinen Schriften zu beweisen, daß sowohl die Faschisten in Italien als auch die Kommunisten in Rußland lediglich durch einen Putsch zur Macht gelangt feien, ohne Rücksicht auf die gegebene wirtschaft liche und politische Situation. Es sei nur notwendig, die Technik des modernen Staatsstreiches zu beherrschen, dann seien die Chancen des Sieges dem kühnen Angreifer in die Hand gegeben. Einer objektiven Ueberprüfung hält indes diese Anficht nicht stand. Trogkis militärischer Sieg in Peters Deutschland unter Waffen Paris, den 13. September 1934. ( Von unserem Korrespondenten) Uber Deutschland unter den Waffen" erscheint im Intransigeant" eine Artikelserie aus der Feder von Andre Beucler. Der Verfasser, der sehr eingehend über die deutsche Aufüstung berichtet, sagt unter anderem, das dritte Reich" sei heute ein Truppenübungsplatz, eine Werft und ein Waffenlager... Deutschland verwandele sich in eine riesige Waffenfabrit, während gleichzeitia seine Einwohner Munitionsarbeiter und Krieger würden. Ueber ganz Deutschland hin lege man Eisenbahnlinien und Autostraßen an, errichte man Speicher oder baue man große Flugpläße aus... Man würde fein Ende finden, wenn man alle Fabriken aufzählen wolle, die Waffen und Munitionsmaterial für die Reichswehr, für das Flugwesen und für die Marine des Reiches lieferten; man fönnte nicht alle Versuche aufzählen, mit denen sich Deutschlands Ingenieure beschäftigten, von der Suche nach dem synthetischen Petroleum bis zum Gas, das blind mach, und bis zum fliegenden Dampfschiff, das in einer Höhe von 13 000 Meter manövrieren solle. Deutsche Spionage in der Schweiz Zürich, 12, September. Der deutsche Nachrichtendienst in der Schweiz geht bereits so weit, daß deutsche Nationalsozialisten bei Züricher Banken Beobachtungsposten haben, die einreisende Deutsche oder Passanten aus Deutschland übermachen, um festzustellen, wer dort Geld einzahlt oder abhebt oder Wertsachen deponiert. Deutsche Autos, die hier eintreffen, werden verfolgt. Ferner wird die politische Gefinnung von Deutschen, die sich hier niedergelassen haben oder auch nur vorübergehend aufhalten, ausgeforscht. Diese Schnüffelei erstreckt sich bis in die öffentlichen Lokale. Daß dabei die Emigranten„ bevorzugt" behandelt werden, liegt auf der Hand, doch interessiert man sich natürlich auch für Besucher aus Deutschland, vor allem dafür, ob sie sich kritische Aeußerungen über das Regime erlauben. Alle Berichte merden sofort nach Radolfzell oder Freiburg i. B. geleitet. Die Ueberwachung erstreckt sich auch auf Schweizer, die politisch aktiv sind, und wenn sie in Versammlungen an Deutschland Kritik geübt haben und dann einmal über die Grenze tommen, dann werden sie auf Grund dieser Denunziationen defaßt. Der verschleppte deutsche Emigrant Sprenger befindet sich in Waldshut in Schutzhaft. burg war nur möglich, weil den kommunistischen Revolu tionären im Oktober 1917 so gut wie keine gegnerische Heeresmacht gegenüberstand. Für die provisorische Re gierung Kerenskis kämpften in den entscheidenden Tagen nicht einmal mehr die paar Bataillone Kriegsschüler und Junker, die sich in der Hauptstadt befanden. noch bevor die Bolschewiki die ersten Schüsse abgegeben Kerenskis Heeresmacht war auseinander gelaufen, hatten. Mit dem kleinen Reste, der sich begnügte, ein einziges Haus, das Winterpalais, zu verteidigen, murden die Revolutionäre, hinter denen das ganze Volk stand, im Handumdrehen fertig. Auch Mussolinis Sieg in Jtalien wurde nur möglich, weil die Staatsmacht den Schwarzhemden gegenüber versagte. Mussolinis Marsch auf Rom war keine militärische Aktion, sondern der Triumphzug eines vom König ernannten Ministerpräsidenten, der sich seine kriegerischen Lorbeeren nicht auf dem Felde der Ehre, sondern im Schlafwagen eines nach Rom rollenden Sonderzuges holte. Selbst Revolutionen großer Volksteile sind immer erst siegreich gewesen, wenn die ihnen gegenüberstehende Staatsmacht innerlich zersetzt und zermürbt war und infolgedessen keinen großen Widerstand mehr leisten konnte. Noch mehr trifft dies für militärische Handstreiche zu. Wo ein Putsch auf eine normal funkitonierende Staatsmacht stieß, endete er gewöhnlich so kläglich wie der Ueberfall Gajdas auf die Infanteriekaserne in Brünn- Schimig im Jahre 1932. Auch das Ueberraschungsmoment des militärischen Handstreiches, von dem die Butschisten so viel erwarten, erweist sich fast immer als eine trügerische Hoffnung. Fürs erste ist ein moderner Staatsapparat genügend widerstandsfähig gebaut, um auch bei einem plöglichen Angriff nicht zu versagen. Zweitens spielt der Verrat fast bei jeder Verschwörung eine Rolle. Nur ganz selten wird es Butschisten gelingen, in einem modernen Staate diese beiden Klippen erfolgreich zu umschiffen. Mit diesen Feststellungen soll keineswegs geleugnet werden, daß im Verlaufe einer Revolution putschartige Aktionen eine große Rolle spielen können. In den Revolutionen pflegt ja die Zahl derzenigen, die unmitelbar am Rampfe beteiligt sind, nicht allzugroß zu sein. Mit der Waffe in der Hand ſtand stets nur eine Winderheit der Revolutionäre auf den Barrikaden. Es ist aber ein der Revolutionäre auf den Barrikaden. Es ist aber anderes, ob im Verlaufe einer Revolution eine kleine Schar tapferer Männer heroische Taten vollbringt, oder ob man vermeint, die Revolution selbst durch einen Butsch ersetzen zu können. Das Lettere halten wir für unmöglich. Solchen Plänen nachzuhängen, heißt nach unserer Meinung-sich gefährlichen Jllusionen hin geben.*) Nein, die Arbeiterklasse muß die in langen Kampfes jahren erhärtete Erfahrung immer wieder neu in sich aus *) Während der Drucklegung dieser Broschüre erfolgte am 25. Juli 1934 der Putsch der österreichischen National= sozialisten. Sein Verlauf bestätigte im Wesen unsere Ausführungen. Obwohl dieser Putsch besonders sorgfältig vorbereitet war und hinter ihm zweifelsohne die Machtfülle eines großen Staates stand, konnte er nicht durchdringen. Die Putschisten waren größtenteils aftive Soldaten und Polizisten, die ihr Handwerk verstanden. Der Ueberfall selbst gelang, das Bundeskanzleramt wurde besetzt. Aber was geschah weiter? Die Putschisten haben den Bundesfanzler ermordet, zwischen ihnen und der österreichischen Regierung trat als vermittelnder Unterhändler der deutsche Gesandte auf, und doch mußten sie sich nach wenigen Stunden den Regierungstruppen ergeben. Auch die politischen Folgen eines solchen Putsches waren fürs erste ganz andere, als die Putschisten erwartet hatten. So zeigte also auch dieser Fall, daß ein militärischer Handstreich nur als ein Teil eines allgemeinen Volksaufstandes, nicht aber ausgelöst von ihm, entscheidend zu wirken vermag. Neue Prohibitionsbewegung? Washington, im August. Die alten Führer der Prohibitionsbewegung werden sich jetzt zu einer groß angezeigten Konferenz in Winona Lafe ( Indiana) treffen, um einen neuen Kreuzzug gegen den Alkohol zu eröffnen. Bei den Herbstwahlen wird sich für die Antialkoholiker genügend Gelegenheit bieten, in ihrem Sinne streitbar auf zutreten. In neun Staaten werden nämlich zugleich mit den Wahlen zum Kongreß Abstimmungen über totale Prohibition stattfinden. Die alte Anti- Saloon Liga", die so lange die Führung der Prohibitionsbewegung in der Hand hatte, ist wieder in den Vordergrund getreten. Die wird unter ihren jezt zusammentretende Konferenz Auspizien eröffnet werden, den Vorsitz wird aller Wahrscheinlichkeit nach wieder Dr. F. Scott McBride führen, der berühmt gewordene Ratgeber der Liga in jenen Tagen, als sie die amerikanische Nation eroberte. Die Mehrzahl der Teilnehmer wird sich aus zwölf östlichen und mittelamerikanischen Bundesstaaten zusammenseßen. Aber auch die Führer der trockenen Front" aus anderen Staaten werden vertreten sein. Führende Kreise der„ Anti- Saloon Liga" teilen mit, daß die Konferenz vor allem zwei Programmpunkte erörtern und beschließen wolle: 1. 2olle man mit allen verfügbaren Mitteln jene Kandidaten für den Kongreß unterstützen, die im nächsten Kongreß für die Sheppard Vorlage eintreten wollen, die eine Wiedereinführung der Prohibition vor= sieht. 2. Wolle man mit allen verfügbaren Mitteln jenen Bundesstaaten den Rücken stärken, zwanzig in denen die Prohibition geseßlich noch existiert. Die Führer der Prohibitionsbewegung fonstatieren eine beträchtliche Verschlechterung der öffentlichen Moral seit der Aufhebung der Prohibition. Sie zitieren Statistiken über Automobilunfälle und Verhaftungen von Betrunkenen als Beleg für ihre Ansicht. In Washington D. C. zum Beispiel sei nach den Polizeiberichten die Zahl der Verhaftungen von betrunkenen Fahrern seit Aufhebung der Prohibition um 47,3 Prozent gestiegen. Die Zahl der Verhaftungen wegen ungebührlichen Benehmens hätte um 24,4 Prozent und die Verkehrsunfälle um 100 Prozent zugenommen. Die Staaten, in denen diesen Herbst darüber abgestimmt wird, ob die nehmen, daß ihre Befreiung nur ihr eigenes Werk Jein, und nur durch ihre eigene Kraft efolgen kann. Nidit mdem sich die Arbeiterklasse auf eine kleine Schar Wagemutiger verläßt, sondern nur indem sie selbst in den Kampf zieht, ist eine Welt für sie zu erobern. Schon im Jahre 1895 schrieb Friedrich Engels in dem Vorwort zu Mary'„ Die Klassenkämpfe in Frankreich": " Die Zeit der Ueberrumpelungen, der von kleinen be wußten Minoritäten an der Spizze bewußtloser Massen durchgeführter Revolutionen ist vorbei. Wo es sich um eine vollständige Umgestaltung der gesellschaftlichen Organisation handelt, da müssen die Massen selbst mit dabei sein, selbst schon begriffen haben, worum es sich handelt, für was sie eintreten sollen. Das hat uns die Geschichte der letzten fünfzig Jahre gelehrt." Teile des Proletariats scheinen indes diese Lehre der Geschichte wieder vergessen zu haben. Deshalb muß sie an der Hand der Erfahrungen der letzten Monate wieder aufs neue dargelegt werden. Die Hoffnung auf den militärischen Handstreich ist ein Rückfall in den Blanquismus der Gründungszeit der Proletarischen Bewegung. Freilich, wer die Geschichte der Arbeiterbewegung kennt, weiß, daß stets in dem Augenblicke, in dem durch irgendwelche Umstände die Gesamtaktion des Proletariates auf Schwierigkeiten stieß, die Hoffnung auf ein Wunder sich einstellte. Ein solches Wunder war das eine Mal die individuelle Aktion, das andere Mal ein Putsch, wie ihn Blanqui erträumte. Alle diese Spekulationen auf die Taten einzelner oder kleiner Gruppen erwiesen sich schließlich und letztlich ais vergeb lich. Im Laufe einer langen Entwicklung bewährte sich die Erfahrung, daß die ganze Arbeiterklasse auf dem Kampfplatz erscheinen muß, wenn dauernde Erfolge er reicht werden sollen. Wobei wir es als selbstverständlich voraussetzen, daß innerhalb der Gesamtaktion und in enger Verbundenheit mit ihr individuelle Taten sowie folche von kleineren Gruppen, den ihnen gebührenden Raum einnehmen. Kehren wir indes, um auch einen unwahrscheinlichen Fall der Erwägung zu unterziehen, zu der Möglichkeit zurück, daß ein proletarischer Butsch siegt. Was dann? Es ist klar, daß siegreiche Putschisten nicht mit einer edelmütigen Gefte die von ihnen eroberte Macht anderen überlassen werden. Das unmittelbare Ergebnis eines jeden Butsches, auch eines proletarischen, hann vorerst nur eine Diktatur sein. Auch die Sozialdemokraten ver kennen nicht, daß in Epochen des Ueberganges diktatorische Maßnahmen unvermeidlich sind. Die Aussicht auf eine Diktatur von begrenzter Dauer vermag sie also nicht davon abzuschrecken, einen Weg zu gehen, der dahin führt. Aber was im allgemeinen richtig sein mag, trifft danken ist, nicht ohne weiteres zu. Putschisten, auch wenn für den Fall eines Sieges, der einem Butsche zu veres solche sind, die im Namen des Proletariates putschen ,. würden sehr unangenehme Diktatoren abgeben. Die Arbeiterklasse käme dann sehr bald in die Lage, einen neuen Befreiungskampf führen zu müssen, nämlich gegen jene, die kurz vorher in ihrem Namen geputscht haben. Auch die Ueberzeugung, daß in der Zeit des lleber ganges von der kapitalistischen zur sozialistischen Gesellschaft eine Periode der Diktatur unvermeidlich ist, darf uns nicht von dem größten und erhabensten unserer Ziele abbringen, der Menschheit die Freiheit zu erringen. Mag welches Hindernis immer den Weg zu diesem Ziele zeif weilig verrammeln, es muß das letzte Leitmotiv unseres Handelns bleiben. Die historische Mission des Proletariates besteht darin, die Völker aus dem Joche kapitalistischer Knechtschaft in die Freiheit sozialistischer Gleichberechtigung zu führen, nicht aber darin, die Farbe der Ketten zu wechseln. Tofale Prohibition aufgehoben werden soll oder nicht, sind Maine, Florida, Jdabo, Kansas, Nebraska, Wyoming, South Carolina, South Dakota und West- Virginia. Die bis jetzt noch trockenen" zwanzig Staaten haben eine Bevölkerung von 37,3 Millionen Menschen. Angesichts der kürzlichen Wahlsiege der„ Trockenen" in Mississippi und North Dakota hoffen die Prohibitionisten, daß sie diese zwanzig Staaten halten können. Japanisches Gar gegen ungarischen Champagrer Budapest, 12. Sept. Zwischen einer Budapester Baumwollweberei und einer japanischen Spinnerei laufen Verhand= lungen über den Ankauf von 100 000 Kilogramm Garn. Als Gegenwert würde die Tokfoter Spinnerei laut der bezüglichen Estrop- Information, ungarischen Champagner, die Flasche zu 80 Dollarcents, in Zahlung nehmen. Die Transaktion scheint dem Budapester Partner schon darum besonders wünschenswert, weil er Devisen nur zu einem kleinen Bruchteils seines Bedarfes zugeteilt erhält. Japan und das dritte Reich" 99 Keine Rassenfragen bei Militärbündnissen Berlin, 9. Sept.( Inpreß.) In der„ Tat" veröffentlicht Johann von Leers, der über Ostfragen bereits früber mehrere Broschüren verfaßte, einen Artikel, in dem die Solidarität Deutschlands mit den Eroberungsplänen Japans offen ausgesprochen wird. Leers betont, daß Deutschland das größte Interesse an einer Stärkung der außereuropäischen Länder habe, denn diese Stärkung, in Verbindung mit der Macht der Nachbarländer Deutschlands, lenke von Deutschland ab. Die Stärkung Japans, des wichtigsten außereuropäischen Landes, bedente, insbesondere nach der französischsowjetrussischen Annäherung, eine erhebliche Verbesserung und Stärkung der Lage Deutschlands. Die Konkurrenz Japans auf den internationalen Märkten dürfe man nicht übertreiben. Was die Rassengrundsäße betrifft, so betont Beers, man könne nicht erwarten, daß alle Freunde Deutschlands sich blaue Augen und blondes Haar verschafften, um den Nationalsozialisten Vergnügen zu bereiten. Es seien die praktischen Interessen, die in der Politik zählten. Mit ihnen habe die Gemeinsamkeit der Rasse wenig zu tun. Strenge Polizei in der Schweiz Faschisierung der Schweiz- Eine Warnung für Emigranten Der Inhaber der Buchhandlung der Rheinbrücke" in Bajel hatte eine vergoldete Hitlerbüste in seinem Schaufenster ausgestellt. Als schweizer Kommunisten davor demonstrierten, die Büste aber trotzdem nicht entfernt wurde, war am nächsten Morgen die Schaufensterscheibe mit„ merde" beschmiert. Der nationalsozialistisch überzeugte Buchhändler ließ die Scheibe reinigen und einen weißen Papierstreifen darüber kleben, auf dem zu lesen stand:„ Wem's nicht gefällt, der schau nicht her!"- Bei erneuten Demonstrationen, und unter Androhung die Scheibe zu zerschlagen, entschloß sich dann der Rheinbrückenbuchhändler auf Anraten der Polizei, um ernsthafte Ruhestörungen zu vermeiden, die Büste aus dem Fenster zu entfernen. In den schweizerischen Grenzstädten Basel, Schaffhausen und Konstanz steht die Nazipropaganda in Blüte. In den Mädchenschulen werben die Lehrerinnen eifrig für den " Bund deutscher Mädel". Die Vierzehnjährigen tauschen Freundschaftsringe mit dem Hakenkreuz, der Hitlergruß dominiert, und das nationalsozialistische Programm wird hier, wie auch bei den Fröntlern" anerkannt. Und das alles geschieht, obgleich nicht nur die schweizerischen Linksblätter, sondern auch die„ Nationalzeitung" und die„ Nene Zürcher Zeitung" genug über den deutschen Terror berichten. Aber merkwürdigerweise duldet die Behörde das alles ruhig, und fürchtet sich vielmehr vor den Antifaschisten. Abgesehen davon, daß die Schweiz voller Nazispizzel ist und jeder schristdeutsch sprechende Mensch besonderer Aufmerksamkeit und Beobachtung ausgesetzt ist, fahndet auch die schweizerische Polizei besonders auf Emigranten. Sie wittert, daß illegal Geld verdient wird, oder mindestens antifaschisti= sche Propaganda getrieben. Und da alle Cafes, Restaurants, hie Bahnhöfe und öffentlichen Bläke von Detektiven beobachtet sind, werden dank dieser vorzüglich funktionierenden Organijation alle irgendwie nicht ganz Einwandfreien abgefaßt. Hat man sich bei der Polizei angemeldet, den Paß hinterlegt und Steuern gezahlt, wird man nach längstens drei Monaten höflich aufgefordert, innerhalb 14 Tagen die Schweiz zu verlassen. Ob man Geld hat und ordentliche Papiere ist gleichgültig. Mit Hinterlegung einer hohen Kaution fann man noch Berufung einlegen. Ohne Kaution wird der Rekurs nicht berücksichtigt. Man darf auf die Polizei gehen und seinen Paß abholen, in dem die eidgenössische Fremdenpolizei Bern die Tatsache der Ausweisung und die Ausreisefrist vermerkt hat. Nachdem die Steuerkontrolle auf der Polizei nochmals festgestellt hat, daß man womöglich nichts oder zu wenig bezahlt hat, wird man bis auf den letten Centimes geschröpft und danach freundlich lächelnd entlassen. Weit schwieriger ist der Fall, wenn jemand aus persönlichen Gründen noch nicht ausreisen kann und sich schwarz" aufhält, oder schwarz" wieder über die Grenze kommt. Es gibt doch eine Reihe von Möglichkeiten, wo die persönliche Anwesenheit unerläßlich ist, was aber selbstverständlich den Behörden nicht einleuchtet. Selbst wenn ein Ausländer nach der Schweiz heiraten will, wird die Wiedereinreise bei einmal vorgenommener Ausweisung nicht gestattet. Das Aufgebot tann ohne Anwesenheit des Betreffenden und die Heirat fann im Ausland vollzogen werden. Nehmen wir also den Fall des sich schwarz- aufhaltens, zu dem viele auch eben deshalb verdammt sind, weil sie auf Grund der Vermerke im Paß fein Visum für andere Länder befemmen, und nach Deutschland nicht zurückkehren können. Diese müssen darauf gefaßt sein, da einige nahe Bekannte doch meistens davon wissen, eines Tages das Opfer einer Denunziation du werden. Darauf folgt zunächst Verhaftung und mindestens fünf Tage Gefängnisstrafe. Dazu dauernder Landesverweis und„ Ausschaffung", d. h. man wird mit freiem Geleit von liebenswürdigen Polizisten in Zivil an die Grenze transportiert" Täglich fahren auf den schweizerischen Bundesbahnen besonders an die deutsche und österreichische Grenze solche Gratis- Transporte". Täglich werden die schweizer Gefängnisse mit solchen Fällen beliefert. Nachdem die Haft abgesessen ist, wird der Betreffende nach Bern begleitet, wo auf der Zentralfantonpolizei ein neues Verhör stattfindet. Danach wird wie mit Schwerverbrechern verfahren. Ein Hüne von einem Gefangenenwärter führt den Verhafteten durch endlose dunkle Gänge, schließt riesige Gitter auf und sofort wieder zu, es geht aus dem untersten Kellergeschoß hinauf bis zum Dachgeschoß, und dort wird fotografiert. En face und Profil, die Größen gemessen, die Farbe der Augen und Haare festgestellt, zum einundzwanzigsten Mal werden die Personalien kontrolliert, danach Fingerabdrücke gemacht. Alles geht sehr schnell, höflich und fachlich. Es ist feine Zeit zu verlieren. Den ganzen Tag wird ausgeschafft". Wer Geld hat, kann einen beliebigen Zufluchtsort wählen, wer keins hat, wird an der Heimatgrenze ausgeladen. Wie gesagt mit freier Fahrt und in Begleitung netter Polizisten in Zivil. Aber selbst solche, die nachweisbar viel Geld haben und diefes in Schweizer Banken oder Geschäftshäusern investiert, fönnen ihres Aufenthaltes nicht sicher sein. Es kommt vor, daß fie auf ihren abendlichen Ausgängen von Detektiven verfolgt werden, die genau aufpassen, wieviel Geld sie hier und dort ausgeben. Eines Tages zitiert man sie auf die Polizei, wo ihnen vorgerechnet wird, daß sie bei Fortjeßung dieser Lebensführung mit ihrem Geld nur so und solange auskommen können, und daß man sie deshalb schon jetzt darauf hinweist, bis dann und dann ihren Aufenthaltsort zu wechseln. Internationale Rüstungsschiebungen Die Enthüllungen vor der amerikanischen Untersuchungskommission ab= Paris, 12. Sept. Der Generaldirektor der Vickers- Arm= strong- Werfe, Sir Charles Craven, hat dem Ver= treter des„ Matin" Erklärungen über die Enthüllungen vor der amerikanischen Untersuchungskommission gegeben, in denen er betont, daß er sich immer geweigert habe, auch nur das geringste zu dieser Angelegenheit zu sagen, da er der Ansicht sei, daß die Redlichkeit seiner Firma und ihrer Teilhaber keineswegs in Frage stehe. Die Firma Vickers Armstrong habe nicht die Absicht, sich irgendwie für die Arbeiten der amerikanischen Kommission zu interessieren. Washington, 12. Sept. Vor der Untersuchungsfommission über die Waffenskandale wurde am Montag ein Brief verlesen, den die englische Waffenhandelsfirma Soley Armaments Company an die amerikanische Arma= ments Company gerichtet hat. Darin schlägt die englische Firma den Ankauf eines bedeutenden Lagers Munition vor, die dem englischen Kriegsministerium gehörte. Die Firma wurde mit dem Verkauf dieser Waffen beaufPariser Berichte 722 866 Ehescheidungen Vor fünfzig Jahren wurde in Frankreich das Ehescheidungsgesetz angenommen. Seit September 1884 wurden in Frankreich Ehen geschieden. Und die 1657 Ehen, die noch von September bis Dezember 1884 geschieden wurden, bewiesen die Notwendigkeit dieses Gesetzes. Seitdem sind im ganzen 722 866 Ehen geschieden worden. Und wenn man bedenkt, daß Frankreichs Bevölkerungsziffer von 38 Millionen Einwohner im Jahre 1884 auf 42 Millionen Einwohner im Jahre 1934 angewachsen, so spricht die hohe Zahl der Ehescheidungen doch eigentlich Bände. Die meisten Ehen werden, wie die Statistik lehrt, nach fünf bis zehnjähriger Ehe geschieden. Diese Zeit scheint im allgemeinen der Prüfstein für die Dauerhaftigkeit der Ehe zu sein, denn nach zehn Jahren vermindert sich die Zahl der Ehescheidungen rapid. Während in Deutschland der Ehebruch einen triftigen Scheidungsgrund darstellt, kennt Frankreich diesen Scheidungsgrund nur, wenn der Ehebruch im Heim der Eheleute stattfindet. Die Hauptzahl der Ehescheidungen wird wegen Miẞhandlung oder ernster Beleidigung verlangt. Und zum Kadi mit der Bitte um Ehescheidung läuft wieder die Frau, wie die Statistik zu erzählen weiß, öfter als der Mann. Paris baut und erneuert Die großen öffentlichen Arbeiten, die im Marquet- Plan vorgesehen sind, werden, wie„, Paris- Midi" mitteilt, im Laufe des Oktober in Angriff genommen werden. Die nationale Kommission, die den Plan des Arbeitsministers Marquet zur Behebung der französischen Krise und Arbeitslosigkeit guthieß, hat zum Bau billiger Wohnungen 400 Millionen bewilligt. 980 Millionen Franken werden für Unterrichtszwecke ausgegeben werden. Man wird Umbauten, Vergrößerungen und Neubauten, u. a. der Nationalbibliothek, des Observatoriums, der verschiedensten Elementar- und höheren Schulen, des Conservatoire National des Arts et Métiers usw. vornehmen, Man wird ferner die verschiedenen öffentlichen Gebäude und in Staatsbesity befindlichen Palais, wie den Louvre, das Schloß von Fontainebleau, Versailles usw. restaurieren, um durch die zu diesem Zwecke aufgewandten 140 Millionen den Fremdenverkehr zu heben. Auch in den Straßen will man große Bewässerungs- und Elektrifizierungsarbeiten machen lassen, für die die Summe von 1 160 000 000 Millionen Franken vorgesehen ist. Endlich will man die großen Autostraßen und öffentlichen Chausseen ausbauen, ausbessern, kurz in ausgezeichneten Zustand versetzen. Man glaubt, diese Arbeit tragt.„ Da wir jedoch," so heißt es in diesem Brief,„ den verschiedenen Politiken der englischen Regierung unterworsen sind, ist es für uns schwierig, feste langfristige Abfommen einzugehen." Ein Mitglied der Untersuchungsfommission bemerkte zu diesem Brief, daß die englische Regierung gegenwärtig über so große Lager Kriegsmaterial verfüge, daß ein selbst nur te ilweiser Verkauf „ die Politik gewisser fleiner Staaten vollkommen ändern fönnte". Für die kommenden Tage steht eine neue Sensation bevor. Die Kommission wird sich mit den Umständen des Verkaufs amerikanischer Kriegsflugzeuge an die russische Regierung beschäftigen. Es geht das Gerücht um, daß insbesondere nur dank der Hilfe amerikanischer Ingenieure Sowjetrußland seine gegenwärtige starke Luftflotte haben bauen können. Die Mosfauer Regierung habe, wie verlautet, von den amerikanischen Munitionsfabriken Material über die Herstellung von Munition und Flugzeugen erhalten, das noch nicht einmal in den Vereinigten Staaten angewendet worden sei. mit 475 Millionen Franken ausführen zu können. Man wird weitere Milliardenbeträge für die Verbesserung der Wasserversorgung und Verteilung, für den Ausbau der Untergrundbahn bis weit in die Banlieu( Vororte), für Hafenausbauten usw. aufwenden. Und nun wartet ganz Frankreich darauf, daß sich das schöne Land in einen großen Bauplatz verwandeln soll. Deutscher Klub Am Samstag, dem 15. September, um 21 Uhr, ist Balzar im Deutschen Klub, der berühmte Karten- und BillardballManipulator, der seinen äußerst lustigen Sketch„ Der Triumph des Lachens" vorführt. Anschließend: Geselliges Beisammensein mit Tanz, Zeitungslektüre. Schachspiele. Eintritt für Mitglieder frei. Gäste sehr gerne willkommen. Gastkarten zu 5 und 10 Franken an der Abendkasse.- Am Mittwoch, dem 19. September, um 21 Uhr, spricht Prinz Karl Max zu Hohenlohe- Langenburg, der freiwillig aus Solidaritätsgründen mit den Emigranten in die Verbannung ging. über..Die Aussichten der Emigration Gleichschaltung oder Einschaltung?" Gäste willkommen. Gastkarten zu 5 und 2 Fr. am Mittwoch am Saaleingang. 2. Auflage soeben erschienen! BRIEFKASTEN herbeiter aus dem Gebäude des städtischen Arbeitsnachweises in Erwerbsloser aus Köln. Von Ihnen erfahren wir, das marxistis der Badstraße Zettel gegen die Hitlereie auf die Straße geworfen haben. Die Erwerbslosen haben die Zettel eifrig aufgenommen und gelesen. Das Ueberfallkommando wurde alarmiert und die Erwerbslesen wurden Mann für Mann revidiert, ob sie noch staatsgefährliche Zettel bei sich hätten. Die polizeiliche Mühe war aber vers gebens. Interesant ist noch Ihre Mitteilung, daß die Kölner Polizei mit hunderten Motorrädern ausgerüstet worden ist und Felddienstübungen abhält. S. G., Genf. Sie schreiben uns: Liebe Deutsche Freiheit! Deine Mitteilung in der Nummer vom 5. September, daß die großen Mächte und Länder mit vorwiegend arischer Bevölkerung auf der großen Parteitagsparade durch Abwesenheit glänzen werden, wohingegen die Vertreter Liberias, fleiner südamerikanischer Staaten und andere Fremdrassige" die Ehrentribünen bevölkern werden, ruft eine Erinnerung an die 17. Internationale Arbeitskonferenz in mir wach. Damals mußte die deutsche Delegation unter dem Hohngelächter der Welt die Internationale Arbeitskonferenz verlassen, weil Herr Dr. Len die Vertreter eben dieser Völker„ minderwertige und vernegerte Jdioten, die man mit Bananen aus dem Urwald gelockt hätte", beschimpfte. Jetzt scheint man im dritten Reich" so bescheiden geworden zu sein, daß man die Anwesenheit der Vertreter also beschimpfter Völker auf dem sogenannten Parteitag als außenpolitischen Erfolg betrachtet. Wie sagte doch einstmals der jetzt auch gleichgeschaltete Hans Reimann in seinem Stachelschwein:„ Auf dem theatro mundi sic transit gloria schundi!" Dachau. Sie schreiben uns über den Amnestieschwindel: Aus dem Konzentrationslager Dachau sind trotz der versprochenen Amnestie noch feine politischen Häftlinge entlassen worden. Lieschen, London. Herzlichen Dank für die Spende. Die Anregung wird dankend akzeptiert. Sie werden die Wirkung sehr bald sehen. Wir hoffen, daß sich Ihnen viele gute Deutsche anschließen werden. Friederike. Dank für die Adresse. Alle guten Wünsche für die neue Heimat, die Ihnen wirklich eine Heimat werden möchte. Wenn Sie uns dann einmal schreiben, werden wir uns sehr freuen. „ Ein Beefsteak- Nazi" schreibt uns: In Berlin singt die SA. nach der bekannten Melodie: ,, Dort steht ein Mann, daß ihn der Feind nicht hasche, Der wie ein Eichbaum ist, so stark und rauh. Vielleicht schickt man schon morgen seine Asche Per Einschreibebrief an seine Ehefrau!" „ Brief aus Baden". Besten Dant. Für uns nicht recht geeignet. „ Deutsche Front" im Saargebiet. Eure Regierung in Berlin hat neulich eine heuchlerische Note an die Regierungskommission des Saargebietes gerichtet und um Schutz für das neue deutsche Staatsoberhaupt gebeten. Die antifaschistischen Zeitungen des Saargebietes, so wurde gegreint, erwiesen Herrn Hitler nicht den Respekt, den er nach seiner Auffassung verdient. Wie aber behandelt Eure Presse im Reich den Präsidenten der saarländischen Regierungsfommission, der Herrn Hitler vor Beleidigungen schüßen soll? In der 288/239, Ausgabe A( Berlin) des„ Völkischen Beobachters", also des von Herrn Hitler gegründeten amtlichen Zentralorgans der NSDAP., wird Herr Anor farifiert dargestellt, wie er sich zwischen einem jüdischen Intellektuellen und einem„ Bonzen" die Ohren verstopft, um die Stimme des Saarvolks nicht zu hören. Wird nun auch Herr Knox eine Verbalnote nach Berlin richten? Sicher hat der Engländer dafür zuviel Würde und zuviel Selbstgefühl. Will man uns im Saargebiet verbieten, was sich der Reichsanzeiger der NSDAP. erlaubt, nämlich einen politischen Gegner zu farifieren? 6. Oktober. Es versteht sich von selbst, daß uns brauchbares Material immer willkommen ist. Nur darum haben wir nicht geschrieben. Wir hoffen, bald von Ihnen zu hören und bitten um Entschuldigung. Literatur Die neue Weltbühne"( Prag X, 3izfova 4c, Rußlands Eintritt in den Völkerbund und damit die große Schwenkung der KominternAußenpolitik behandelt der Leitartikel von Hermann Budzis I am sti; er zeigt die Bedeutung dieser veränderten Politik für die sozialistische Einheitsfront auf. Von einer anderen Wahlkontrolle als der offiziellen berichtet ein Illegaler aus Deutschland.„ Reichswehr will Krieg" heißt der Aufsatz von Heinz Pol, der von deuts schen Kriegsfibeln mit Gebrauchsanweisungen für jede Waffe- und Berhaltungsmaßregeln für jede Situation erzählt. Ein anderes deutsches Rezept ist der Aufruf„ An die Schriftleiter" von Joseph Goebbels, ein streng vertraulicher Erlaß des Propagandaministers an die deutschen Zeitungen. Das Heft enthält noch einen Bericht Balder Oldens über einen Besuch bei Marim Gorki, einen Aufsat über das Fiasko der diesjährigen Bayreuther Festspiele, Beiträge von H. v. Gerlach, Kurt Großmann, M. J. G. Ritchie. Die deutsche Krise Im Augustheft( Nr. 11) der Zeitschrift für Sozialismus"( Verlagsanstalt„ Graphia", Karlsbad) werden die Probleme der deuts schen Krise, die nach dem 30. Juni in ein akutes Stadium getreten sind, eingehend und zusammenfassend untersucht. In einer längeren Abhandlung legt Rich. Rern die drei Wurzeln der Krise bloß: die Krise der Wirtschaft, die Krise der Außenpolitik, die Erschüttes rung der Massenbasis der Diktatur. In dem Artikel von A. Schif rin Der Riß in der Diktatur" wird namentlich der letzte Punft nochmals eingehend untersucht. Den Abschluß bildet ein Aufsatz von M. Seydewi Sitlers Konterrevolution", in dem die Aufgaben der revolutionären Arbeiterbewegung in der gegenwärtigen Situas tion umrijen werden. Für die Beurteilung der Aufgaben und Aussichten der deutschen revolutionären Entwicklung liefern die drei einander ergänzenden Auffäße ungemein reichhaltiges Material. Die Beitschrift für Sozialismus", die wissenschaftliche Monatsschrift der deutschen Sozialdemokratie, die tr der Verlagsanstalt Graphia, Karlsbad( 6ER.) erscheint, ist durch jede größere Buchhandlung oder durch die Post zu beziehen. Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann Pis in Dude weiler; für Inserate: Ctto Kuhn in Saarbrüden. Rotationsdrud und Verlag: Verlag der Volksstimme GmbH, Saarbrücken 8, Schüßenstraße 5. Echließfach 776 Saarbrücken. Hitler cast Von KLAUS BREDOW Fragen Sie in den Kiosken und Buchhandlungen nach. Falls die Broschüre am Ort nicht zu haben ist, liefert die Buchhandlung der ,, Volksstimme", Saarbrücken, Bahnhofstraße 32, gegen Voreinsendung von 3,90 französischen Franken auf das Postscheckkonto Saarbrücken Nr. 619 Verlag der ,, Volksstimme", Saarbrücken