Nr. 217— 2. Jahrgang Swzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Laarhrücken, Mittwoch, Jen 19. Sept. 1934 Chefredakteur: M. B r a u n See 19. Auyust J£Ceg.aCe^Berichte übet WaPiCteccoc und lüahCfätschuity Seite 7 Im Kriegsfall... Ein Dokument su Hitlers Friedensreden Bezirksverboiid LudkvigSHafen a RH. im Dcuischcn Rcichskriegerbunö„Kysshäuser^ Bezirksstelle«AR. II, Sicgfrieöstraße 10. Betr.«AR. II Ludivigshafen, August ltfSiÄ Sehr wichtig! Lesen! Sehr geehrter Herr Kamerad! 5a Sic sich bis jetzt zur SAR. II noch nicht gemeldet haben, den Ihnen übergebenen Berpflichinngsschein noch nicht unterschrieben zurückgelieiert haben, bitte ich Sie dringend, meine nachstehenden Ausführungen sorgfältig durchzulesen. Tie sollen Tie über die«AR. II aufklären und Ihnen Ihren Entschluß zum Beitritt zur SAR. II erleichtern helfen. Ich verpflichte Sie, von meinen Ausführungen, die ver- traulicher Natur sind, nur in Kameradenkreisen Gebrauch zu machen. 1. Zweck der SA. Res. N Wenn von einer SAR. H die Rede ist, wird sich mancher fragen: Wos ist die SAN. 11? Was will sie? Warum iv u r d e sie gegründet? Tie SAR. II ist nicht, ivic die SAN. I und die TA. eine Formation politischer Soldaten, sondern eine Formation, welcher der H e i in a t s ch u tz übertragen ist. Ihr obliegt z. B. eintretendenfalls der Bahnschutz, der Luftschutz, der Schutz ö'fcntlicher und industrieller Anlagen, Polizei- und Gendarmeriediciist u. dgl. Sie ist also diejenige Formation, deren Aufgabe es ist, im Kriegsfälle de m Frontheere, in dem die junge Generation dienen wird, in der Heimat d-e n Rücken zu decken und junge Kräfte, die im Falle des Nichtbestehens der SAR. II für diesen Heimatdienst verwendet werden müßten, für das Frontheer frei zu machen. Sie werden nun ver- stehen, warum die SAN. II auf Anregung der zuständigen Stellen ins Leben gerufen wurde, es wird Ihnen aber auch klar sein, daß zur Bildung dieser Organisation nur der Ktzsshäuserbund berufen iverden konnte, jener Bund der 3 Millionen Soldaten, der die größte Bereinigung ehem. Kriegsteilnehmer, und Frontsoldaten ist, die in Teutschland besteht. Ter Bund hat seine ganze Organi- sl.tiou in den Ticnst der SAR. II gestellt, um die ihm über- tragenc ehren und vcrantivortungsvolle Aufgabe voll und ganz lösen zu können. Es ist daher auch die Pflicht eine» jeden Kr.sshäuserbundcs-Mitglieöes, und eines jeden Mir- gliedes einer Milit.-Vereinigung, das einigermaßen wehr- sähig ist. sich zur SAR. H z» melden: denn gerade von dem alten Soldaten, der einerseits die Schrecken des Kriege» kennt, andererseits aber auch den Wert eines guten miltt. Schutzes zu schätzen und zu würdigen weiß, kann und mutz verlangt werden, daß er sich den Ausgaben der-AN- II nicht entzieht. Für alle gibt c» Verwendungsmöglichkeiten, set es im Tienst im Freien, sei es im Büro-, im Magazin- oder in anderem Tienst. Erwägungen persönlicher Natur^ w e Fallenlasien liebgewordencr zeitraubender Liebhabereien, haben zurückzutreten: der Dienst an, Baterland geht vor. Im übrigen wird dafür Sorge getragen werden, daß eine fcfci- wäßige Inanspruchnahme durch Dienst n.cht erfolgt. Neb.« Schieße n wird nur hie und da e i n k l. M atsch m Frag fonmtni. außerdem werden von Zeit zu Zeit.lpp wendig werden.— — Al;o, keine Ausreden bezüglich Zeit!— 2. Wer kann sich zur SAR. II melden? a> jedes Mitglied eines milit. Vereins, ohne Rücksicht auf das Atter, b> jedermann, auch Nichtgediente, der einem milit. Berein nicht angehört, das 43. Lebensjahr aber vollendet hat. Nicht melden dürfen sich Angehörige der SA., SS., SAR. I, von Fliegerstürmen oder der NTKK., uniformierte Polizei- bcamte, Mitgl. d. Sanitätskolonnen. SA. Res. II g. Wie und wo erfolgt die Meldung? Die Meldung erfolgt durch Ausfertigung eines Verpflich- tungsscheines, der entiveder beim Vereinsführer oder bei der Bezirksmeldestelle, Lu. Siegfriedstr. 10, in Empfang genommen werden kann und nach Unterschrift an den Bereins- sichrer abzugeben ist. 4. Wann hat die Meldung zu erfolgen? Sofort! Die Listen werden spätestens am 31. August 1934 geschlossen. Ob später eine Meldung von Kameraden noch möglich sein wird, die jetzt schon milit. Bereinen ange- hören, ist sehr fraglich. ö. Beiträge zur SAR. Il Für die Mitglieder des KuffhäuserbundeS ist der Beitrag zur SAR. Il tm BereinSbeitrag. der ab 1. Juli 34 monatlich über 30 Pfennig betragen muß, enthalten. Für Mitglieder von milit. Vereinen, welche dem Kyff- Häuserbund nicht angeschlossen sind, gelten für die SAR. Ii folgende Beitragssätze: Im allgemeinen 30 Pfennig monatlich f. Schwerkriegsbeschädigte u. Sozialrentner 30 Pfennig monatlich Auch die finanziellen Leistungen, die von den Mitgliedern der«AR. II verlangt werden, sind also nicht derart, daß sie nicht vom größten Teil des in Frage kommenden Personen- kreis getragen werden könnten! Ich darf daher auch erwarten, daß keiner unserer Kameraden mit der Meldung zurückhält: Nicht der Angestellte und Arbeiter, dessen LebenSgrund- läge das Bestehen und der Schutz industrieller Handwerks- und Handelsbetriebe ist, nicht der selbständige Geschäftsmann, dessen Unternehmen im Falle eines Feindeinsalles vernichtet wird, nicht der Bauer, dessen Hau? und Hof des Schutzes bedarf, alle nicht, da es im Notfälle gilt, dem Batcrlande nicht seine Hilfe zu versagen, dem Feinde das Ueberschreitc» der Reichs- grenzen zu verwehren und damit Haus und Hof, Familie, Hab und Gut vor feindlichem Zugriff zu bewahren. Jeder unserer jetzigen Kameraden, der sich diesem Dienst entzieht, indem er der SAR. II nicht beitritt und sein Abseits- stehen nicht genügend begründen kann, schließt sich damit aus unserer Gemeinschaft aus, für ihn ist kein Platz im Kreise von Kameraden, die auch im neuen Deutschland sich ihrer soldatischen Pflichten bewußt sind. Darum heraus mit dem unterschriebenen Verpflichtung?- schein, hinein in die SA. Res. II. Abzeichen und Zlusweise werden später über die Bereins- führer zugestellt. Mit kameradschaftlichem Gruß Heil Hitler! gez. Stepp, Hptm. a. D., Bezirksführe?. Intrigen Berlins Ein Rachestückchen Berlin, 18. September. Die bedrohliche außenpolitische Entwicklung macht dem Slußenministerium große Sorge. Dies um so mehr, als die schwankende Gesühlspolitik Hitlers jede außenpolitische Linie unmöglich macht. Die Schwenkung Mussolinis hat den Führer geradezu zum Rasen gebracht. Er sinnt jetzt darauf, die italienisch-französische Annäherung zu stören. Es sollen, als die hilerdeutsch-italienische Freundschaft noch sehr dick war, von italienischer Seite ganz bestimmte Vorschläge an die Rcichsrcgicrung über die Einkreisung Frankreichs ge> macht worden sein. Nun will Hitler diese Pläne den Fran« zosen in die Hände spielen. Vielleicht ist es sogar schon ge« fchehcn und möglicherweise recht vergröbert. Es ist natürlich ausgeschlossen, daß ein solches Rachestückchen ernsthafte außenpolitische Verhandlungen stört? es kann nnr als ein neuer Beweis der Jntrigantcnpolitik des jetzigen Berliner Regimes wirken. Spanien in Unruhe (Von unserem Berichterstatter) I. W. M o b r i b, 16. September 1934. Die politischen Ferien in Spanien sind vorüber, wenn auch das Parlament noch geschlossen bleibt. Eine dicke Wolke voll Unruhe und Erregung lagert über dem Land. Die Sommerhitze, die die politischen Gegner ein bißchen ausschnaufen ließ, hat nachgelassen. Man besinnt sich wieder auf die alten Feindschaften, auf Forderungen und Gegenforderungen. Gil Nobles, der Führer der katholischen Volksaktion, rief seine Freunde zu einem Massentreffen nach dem Wall- fahrtsort Covadonga in der Provinz Asturien. Wie vor einigen Monaten im Kloster El Escorial, wollte er auch diesmal dem Lande zeigen, daß hinter ihm die katholischen Massen ständen. Und wieder, wie damals, nur kläglicher, mißlang der geplante Akt. Die asturianischen Arbeiter waren in Generalstreik getreten, der die ganze Provinz umfaßte. Kein Eisenbahnzug verkehrte auf den Klein- bahnlinien nach Covadonga, kein Autobus konnte ohne Hindernisse auf der Landstraße passieren, Brücken waren gesprengt. Straßen und Schienen aufgerissen worden, um die Anfahrt der Klecikalfaschisten wenn nicht ganz zu ver- hindern, so doch zu erschweren. Bor dem angekündigten Tage, Sonntag, hatten sich jedoch bereits 1000 Vorsichtige eingefunden und weiteren tausend gelang es am Sonntag zu erscheinen. Sie bildeten die Massenfolie für die Rede Gil Nobles. Diese Rede hat eine eminente Bedeutung für die zu« künftige Politik Spaniens. Sie wendet sich eindeutig gegen die bisher unterstützte Regierung Samper, die als schwach und ungeschickt bezeichnet wird und nicht mehr des Vertrauens der klerikalen Rechten würdig sei. Gil Nobles ivünscht ein neues, starkes Kabinett, das aus der jetzigen Parlamentsmehrheit hervorgehen soll, eventuell von den Liberal-Demokraten zu bilden wäre, und, falls dies nicht zustandekäme, verkündet er die Bereitschaft der Volks- aktion, selbst die Macht zu übernehmen. Der Kampf des Klerikalfaschismus gegen die Linke ist somit in ein neues Stadium— vielleicht in fein End- stadium— getreten. Eine„starke" Regierung im Sinne des Gil Nobles heißt: Unterdrückung jeglicher freiheit- licher Regungen der organisierten Arbeiterschaft und der mit ihnen sympathisierenden Linksrepublikaner. Das Kabinett Samper hat die Vorarbeiten geleistet. Es hat mit Verfolgungen und Unterdrückungen aller Art gegen die Linke erfolgreich gearbeitet, aber es hat— nach Gil Nobles Meinung— zu sehr seine privaten Interessen als die der Nation(worunter einzig und allein die katholische Rechte zu verstehen ist) vertreten. ver rolc Sieg in Sdnveden Die gleichgeschaltete Presse hat die Sprache verloren «OTOCit dl,'tWjS'tl *'&"Ä" ÄW.U» w Bon den bisher abgegebene»^'.^"d^'.go'nservativen Wahlen z« den La»dsth,..gen Hab-'»**• 372(100, die Landwirtschaftliche PoKci., die Volks« partei 207 000, die Sozialdemokraten 882 000, die Soziali- stäche Partei 58 000, die der Komintern angehörenden Kom- munistcn 42 000 und die Schwedischen Nationalsozialisten 9000 Stimmen erhalten. Da die Wahlen zu den Lanösthingen noch nicht abgeschlossen sind, kann ein endgültiges Urteil über das Ergebnis noch nicht abgegeben werden. In politischen Kreisen wird jedoch die Ansicht vertreten, daß die Stimmengewinne der Sozial- dcmokraten ihnen doch wohl nicht die ahsolute Mehrh eit Fortsetzung stehe S. Seite. Samper bleiben zwei Wege offen: Entweder Gil Nobles' Mahnungen auf schnellstem Wege zu beherzigen und den Druck gegen die Linke mit Machtmitteln aller Art bis zu ihrer vollständigen Unschädlichmachung zu verstärken oder abzudanken. Im allgemeinen rechnet man mit dem Rück- tritt seines Kabinetts, aber es ist auch möglich, daß Lerroux, der wiederholt mit Gil Nobles und mit Alcala Zamora verhandelt hat, einen anderen Ausweg findet, so daß nur eine Teilkrise stattfindet und einige der„schwäch- lichsten" Minister durch andere, robustere, ersetzt werden. Die Probleme, die vor allem zu bereinigen sind, sind die Konflikte der Zentralmacht mit Katalonien und den Baskenlanden. Die Lage spitzt sich hier von Tag zu Tag mehr zu. In Katalonien hat die Befürwortung der von der Generalität von Barcelona für illegal erklärten ProtßWMoMMg der katalgniMn Gr undbesi tze in Mabrib burch bog Kabinett Samper höchste Unzufrieben- heil ber Bevölkerung neu hervorgerufen. Als eine Art Protestaktion kann man baher bie Verhaftung jenes spanischen Staatsanwaltes in Barcelona auffassen, ber einen katalanischen Strafverteibiger wegen Ungehorsams vor Gericht zu zwei Monaten Gefängnis unb 1000 Pes. Gelbstrafe verurteilte. Diese Verhaftung wieberum spannte bie Beziehungen ber Mabriber Regierung zur Generalität. Wenn auch ber Protest-Generalstreik ber Mabriber Arbeiter ihre Solidarität mit ber Generalität bekundet, so hat er boch auf bie Beschlüsse bes Kabinetts Samper keinen Einfluß ausgeübt. Im Gegenteil, es befürwortet bas Vorgeben ber Arbeitgeberverbänbe. biejenigen Arbeiter aus- zusperren unb burch Unorganisierte zu ersetzen, bie ber Slreikparole nachgekommen waren. Gelungen ist bieser Plan bisher ben monarchistischen Zeitungen.Macion" unb „Informaciones", bie ihre sämtlichen Arbeiter entließen, ur neue einzustellen. Der Buchbruckerverbanb hat ein Manifest herausgegeben, bas seine Mitglieber auffordert, dafür zu sorgen, baß bie beiben Zeitungen nicht zum Ver- trieb kommen, sollte auch ihre Drucklegung dank gelber Elemente gelingen. Die Unruhe ist so stark ob bieser Er- eignisse, baß ein neuer Generalstreik broht, ber not- wendigerweise in eine revolutionäre Bewegung ausarten müßte. * In ben baskischen Provinzen unb Asturien wartet man nur auf einen Wink von Mabrib. In ben Baskenlanben mürben 750 Stabtverorbnete abgesetzt unb es ist Kaum möglich, Ersatz für sie zu schaffen. Ungeheure Erregung hat bort auch bie Ermorbung bes Linksrepublikaners Manuel Anbres Cafaus Freundes Azanas hervorgerufen. Die Kerker sinb überfüllt. Das gleiche gilt für Asturien. Ueber 50 Sozialisten, bie angeblich bie Begleitung eines Waffentransportes bildeten, sinb oerhaftet warben. Man bemächtigte sich eines Last- autos, bas 70 Kisten mit etwa 1600 Schuß Munition ent- hielt unb behauptete, sie seien für eine sozialistische Revo- lution bestimmt. Der„Socialista" erklärt bazu, baß bas Material nicht ber Arbeiterschaft zugedacht gewesen sei, baß im Gegenteil ein bekannter Rechtspolitiker ben Transport, ber von Cabiz zu Schiff nach Asturien geleitet mürbe, um bort auf vier Lastwagen oerlaben zu werben, bie Waffen unb Munition an Rechtskreise habe verschieben wollen. Die„Debate"— Organ Gil Nobles'— verkünbet— ohne jeben Beweis—, baß ber Waffenfunb für einen sozialistischen Aufstanb bestimmt gewesen sei, ber am Tage ber Ueberführung ber Reste ber füsilierten Rationalhelben Galan unb Hernanbez nach Mabrib ausbrechen sollte. Da- mit versucht sie zu rechtfertigen, baß bie Regierung bis für ben 15. September festgesetzte Ueberführung ber Leichen auf unbestimmte Zeit verschoben hat. eine Hanb- lung, bie vor allem bie Gemüter ber Linksrepublikaner aufbegehren läßt. * Die Provokationen der Regierung unter bem Einfluß Gil Rabies' aber haben ein Gutes gezeitigt! Den Zu- sammenschluß bei spanischen Arbeiter in der Einheitsfront, ben sogenannten„Allianzas Obreras" fArbeiterbiinbe). Die Kommunisten, bie sich bisher unter dem Vorwanb, ersten müßten Sowjets gebilbet werben, ehe man in bie Zentralleitung ber Einheitsfront eintrete, ben Allianzas nicht angeschlossen hatten, haben jetzt einstimmig in der Versammlung bes Lanbesausschusses ihrer Partei ihren Beitritt beschlossen. Für den Kampf ber Arbeiterschaft gegen ben Klerikalfaschismus bebeutet bas einen erfreu- lichen Fortschritt. Denn wenn bie Kommunisten auch zahlenmäßig nur eine kleine Minderheit innerhalb der Gesamtarbeiterschaft bilden, so würde ihr Abseitsstehen von der Einheitsfront einer revolutionären Bewegung einen unnützen und unsinnigen Hemmschuh vorschieben. Der Entschluß der spanischen Kommunisten, sich mit den Sozialisten und den übrigen Arbeiterorganisationen der Allianza Obrera zu vereinigen, ist daher nicht nur vom nationalen, sondern vor allem auch vom internationalen Gesichtspunkt der Arbeiterbewegung aus freudig zu be- grüßen. Durch diese Einigung, der nur noch kleine Teile der Syndikalisten und Anarchisten fernstehen, ist das Kräfte- Verhältnis zwischen Kapitalismus und Arbeitern Spaniens zugunsten der letzteren im Endkampf um die Macht ge- wachsen. Heute haben sie die Sympathien derjenigen Bürgerkreise wiedergewonnen, die sich in ihren Gefühlen und Wünschen betrogen sehen durch den demagogischen Kurs der radikalen Regierung. Man kann sich jedenfalls auf eine bewegte Zukunft in Spanien gefaßt machen. Pas Meiiesta stn Paris wird sii» Ansana November mit dem Besuch des Österreichischen BnndeSkanzlersSchuschniggge» W>e Reuter aus Quito lEcnadorj meldet, ist£r. Her-- rechnet, d. h. kurz nach den Verhandlungen, die Austen- minister Barthou in Rom mit Mussolini fuhren wird. mann Huth, der einzige Ueberlcbcnde einer Expedition von 24 Teilnehmern, nach fast zchniiihriaem Ausenthalt in den Dschungeln''es Amazonas zur Zivilisation zurückgekehrt. Im östlichen Erzgebirge richtete am Mvntagnachmittag ein sch-neres Unwetter mit starkem Hagelschlag grasten Scha- den an. Bei^treitunruhcn in Manila wurden zwei Ar« beiter getötet und ist verletzt. Im weiteren Verlaus der Untersuchung des Brandunglücks auf der„Morro Castle" wurde festgestellt, dast der ftellver- tretende Kapitän Worms im stahre 1026 als Kapitän des Word-Dampfers„Bumuri" IN Tage vom Dienst enthoben wurde, da er die vorgeschriebenen Feuerlöschnbungcn nicht abgehalten hatte. Das ans'ööige Hakenkreuz Basel, 18. Sept.(stitpreft). Bei der Ankunft des Duis- burger Dampfers„Dellwieg" im Baseler Rheinhasen kam es zu lebhaften Unruhen. Tie Hasenarbeiter veranstalteten eine spontane Kundgebung und verlangten, dast bie Hakenkreuz- sahne vom Mast des Dampfers entfernt werden sollte. Die Erregung im Haken war so stark, dast der Naztkapitän schließ- Itch veranlaßt werden mußte, die Fahne einzuziehen. ver rote Sieg in Schweden Fortsetzung von Seite L gegen die vereinigten bürgerlichen Parteien sichern dürften, selbst bei Unterstützung der kleinen kommunistischen Par- tetcn, von denen eine sich Sozialtstische Partei nennt? sie wurde durch Zusammenschluß der von der Komintern unab- hängigcn Kommunisten mit den extremen Elementen der früheren Sozialdemokraten gebildet. Die Haltung der Land- wirtschaftlichen Partei, die bei den Wahlen aus Kosten der Konservativen und der Volkspartet Erfolge zu verbuchen hat, ist indessen noch ungewiß. In der Reichstagsperiode 1083/34 waren nämlich viele Fragen durch ein Zusammen- gehen ber Sozialdemokraten mit den Landwirten gelöst worden. Sie Dedeufnng Aus Stockholm wird uns geschrieben: Der Umstand, dast diese Landtagswahlen seit dem Bestand der sozialdemokratischen Regierung Hansson die ersten von größerem r Ifang sind, hebt ihre politische Bedeutung weit über das Mast früherer Landtagswaftlen hinaus. Dies machte sich auch in dem kurzen, aber heftigen Wahlkampf voll bemerkbar. Es ist heute schon klar, dast vom Ausgang dieser Wahlen, die von der Regierung als ein Votum über ihre gesamte Politik betrachtet werden, die kommende politische Gestaltung Schwedens in großem Maße abhängt. Die schwc- dische Regierung, die rein sozialdemokratisch zusammenge- setzt wurde, ist eine Mindcrheitsregiernng, aller- bingS eine Minderhettsregierung. die das austerordentliche moralische Plus für sich in Anspruch nehmen kann, dast hinter ihr zwar nicht die Mehrheit der Kammermandate, wohl aber die sozialistische Stimmenmehrheit, des Volkes steht. Der Wahlkampf wurde vollständig im Zeichen der Rrgierungs- Politik der beiden letzten Jahre geführt. Die sozialdcmo- kratische Regierung Hansson hat als Minderheitsregierung die Ttimmenhilfe der Bauernpartei und eines Teiles der Freisinnigen Partei bei ihrem im Wahlkamps von 1882 oer- sprochenen Krisenbilssplan für Industrie und Landwirtschaft genossen. Im Wahlkampf selbst war sie allein aus die Kräfte der Sozialdemokratischen Partei angewiesen. Man kann sagen, dast praktisch allen Parteien, ob rechts, ob links, den Mahlkamps gegen die Sozialdemokratie geführt haben. Links sind es die sogenannten Moskaukommunisten und die frü- Heren„Kilbom-Kommnnisten", die sich ietzt„Sozialistische Partei" nennen, eine Art SAP., rechts bie konservative Rechtspartei tHögerparteif, die ans den Liberalen und den Freisinnigen kurz vor den Wahlen neugebildete„Reue Volkspartei", die während de» Wahlkampfcs völlig unter der Führung ihres regierungsfeindlichen Flügels stand und schließlich die Bauernpartei, die zwar im Wahlkamps agiu>- torisch die Regierung unterstützte, jedoch örtlich ListenveL- bindungcn sowohl mit der„Neuen BolkSpartci" wie auch sogar mit der Rechtspartei eingegangen ist. An der äußersten Rechten der Wahlfront standen die unterschiedlichen offen deklarierten Naziparteien sFurugcrd, Lindholmj und schließ- lich der sogenannte TNOUF., die von den Rechten abgc- spaltene„Schwedische Nationalpartei und nationaler Iugendverband", eine rein faschistische, mit den Nazis lieb- äugelnde Gesellschaft, die in Listenverbindung mit den Kon- servativen steht. Ihre Niederlage ist eindeutig. Der sozialdemokratische Wahlsieg erwuchs zunächst aus der Tatsache, dast in den beiden Jahren der sozialdemo- kratischen Regierung Schweden einen ganz anst-rordent- lichen konjunkturellen Aufschwung genommen hat. den stärk- ften von allen Psundländcrn, weiter, dast gerade in die Zeit der Wahlvorbereitung sowohl der 80. Juni in Berlin wie der 23. Juli in Wien fielen, die beide einen sehr starken Eindruck auf die schwedische Ocsscntlichkeit gemacht haben. Subjektiv sprach für die Regierung der große Erfolg des Krisenhilssplanes. Tie Konjunktur allein, so bedeutend sie auch ist, hätte niemals jene außerordentlich starke Abnahme der Arbeitslosigkeit mit sich gebracht, die sich in den ersten sieben Monaten des Jahres 1084 vollzogen bat. Seit Januar ist die Arbeitslosigkeit ist Schweden um rund 50 Prozent gefallen, wobei gleichzeitig die übrigen Arbeitslosen in ein festes Netz von Notstandsarbeiten und Unterstützungsmast- nahmen einbezogen ivurden. Auch die landwirtschaftliche Produktion hat sich glänzend erholt. Es ist interessant, dast im Wahlkampf auch die bürgerlichen Parteien nicht umhin konnten, diese Tatsachen anzuerkennen, ja. dast sie den ganzen Wahlkamps daraus ausbauten, dast angesichts der guten Lage der schwedischen Wirtschast eine Fortsetzung der HilfSmaß- nahmen der sozialistischen Regierung nicht mehr notwendig sei. Darüber hinaus hatte sich der Wahlkampf zu einem prin- zipiellen Kamps zwischen sozialistischer Planwirtschastspolitik und der kapitalistischen Privatinitiative zugespitzt. Ob diese sozialistische Planwirtschastspolitik. die Schweden als das erste europäische Land ans der Krise herausgeführt hat, weitergeführt werden soll oder ob wieder die kapitalistischen Parteien, die das Land in die Krise führten, ans Ruder kom- mcn sollen, das ist der Sinn der schwedischen Herbstwahlen. ver„geliebte Pfarrer" Katholischer Priester cfler braunen Front Pfarrer Wilhelm von der„rutschen Front" reist setzt durchs Saarland. In Altenwald hielt er zwei Bersamin- hingen ab, über die die braune Presse berichtet. Danach hat der katholische Priester unter anderem gesagt:„Wir wählen nicht am 18. Januar,«vir desto«igen nur etwas, was wir ewig im Herzen tragen und was uns kein Vertrag und kein Ausland nehmen kann, die Tatsache nämlich, daß wir Deutsche sind, Gott hat das deutsche Volk geschaffen mit all seinem Seelenreichtum, damit es seine kulturelle Mission im Reigen der Völker erfülle. Und so ist es Gottes Auftrag und Wille, dast wir, ein Teil vom Ganzen, zu unserem Volke stehen. Tie Abstimmung ist keine Wirtschastsirage, sie ist Herzenssache. Blutsache. Die deutsche Front ist auch keine Partei, sie ist eine V o l k s b e w e g u n g." Man war nach den Berichten„tief ergriffen" bei diesen Ausführungen des„geliebten Pfarrers". Er treibt die gleiche Demagogie wie die anderen politischen Redner. Es geht nicht um Deutschtum und Deutschland. Es geht darum, die Deutschen des Saargebiets nicht einer un- deutschen«»' w i d e r ch r i st l i ch en D i k t a t u r a u s- zu liefern. TaS alles weist Pfarrer Wilhelm ganz genau. Er weist um den Druck aus seine Glaubenssrcunde, von der Ermordung hervorragender Katholiken, vom Sturm aus Bischosspalästc. der Misthandlung und Verhaftung seiner Priesterkollegcn. Herrn Pfarrer Wilhelm wird das ja nicht passieren. Er ist gut angeschrieben, auf Grund seines Eintre- tcns für das„dritte Reich", das er vorgibt, für Teutschland zu halten. Der Papst, der die Blut- und Bodcnlehre des National- sozialismus als dem christlichen Geiste zuwider ablehnt, wird sich freuen, in Herrn Wilhelm einen braunen Bluto-Pfarrer in seiner Obhut zu haben. vi« Kirche wird hcspHzeH Tie Wiener„Reichspost" veröffentlicht folgende Doku- mente: I. Geheimes StaatSpolizeiamt II. 1 B 1— G 4918 740. Geheim! An die Staatspolizeistelle in.... Wie verlautet, sind vor einiger Zeit Kardinal Faulhaber sowie die Bischöse von Münster und Rottenburg in Ton- deraudienz vom Papst empfangen worden. Aus Grund der stattgehabten Erörterungen soll sich die vatikanische Politik in nächster Zeit Deutschland in besonderem Maße zuwenden. Es soll ein Pressefeldzug gegen Deutschland ein- setzen, innerhalb des Klerus sollen Vorbereitungen ge- troffen werden, um im Augenblick schärfere Mastnahmen der Regierung gegen die politisierenden Geistlichen Deutschland in einen Zustand des Kirchenstillstandcs zu versetzen. Die Kirchen sollen in diesem Falle geschlossen und keinerlei priesterltche Funktionen ausgeübt werden. Ich ersuche, den Vorgängen in der katholischen Bewe- gung besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden und über etwaige Beobachtungen in dieser Richtung unverzüglich zn berichten. gez. Hendrich. Beglaubigt: Schüßler. II. Staatspolizeistclle für den Regierungsbezirk..., den 25. V. 84. Betrifft: Katholische Aktion. Die Exerzitien der katholischen Verbände nehmen einen ungewohnten Umfang an, insbesondere wurde die Teilnahme von Ausländern, teils als Lehrer, teils als Teilnehmer beobachtet. Eine Ueberprüfung der beteiligten Persönlichkeiten wird daher notwendig. Die Ererzitienhäuser sind rechtzeitig zu unterrichten, dast für die Teilnehmer der Exerzitien polizeiliche Anmeldepflicht besteht.— Die Durchführung i st z u ü b e r w a ch e n. — Die Teilnehmer sind mir zu melden u n- t e r A n g a b c der Personalien.— Ich ersuche, mir die Exerziticnkalender der einzelnen Diözeken bzw. Pfar- reicn, Klöster pp. jeweils rechtzeitig zuzusenden. Dr. N. lDic im vorstehenden sichtbare Auslassung von Orts- und Personennamen geschieht aus begründeter Vorsicht. D. V.i Die katholische„Neue Saarpost" bemerkt dazu:„Hier wird ein Tpionagesystcm sichtbar, das in die intimsten kirchlichen Gebiete, den Verkehr der Bischöfe mit dem Heiligen Stuhl und die religiösen Gewissensprüfungen eindrängt. Unter- schicbungen, als versuchten der Vatikan und reichsdeutsche Bischöfe eine rcichsfeindliche Propaganda zu mobilisieren und als rüste sich die Kirche, aus gerechte Mastnahmen der Regierung mit einem Interdikt zu antworten, werden als Legitimation für diese würdelosen gegen die katholische Kirche gerichteten Polizeimetboden verwendet. Die Ueberwachung des gesamten Geisteslebens wird bis in die Familienkreise hinein durch das Zellenwescn durchgeführt. Wie sehr das Ergebnis der Wahlen überwacht wurde, beweist ein jüngst erfolgter Erlast der Geheimen Staatspolizei an sämtliche Gauleiter, in dem sie angewiesen wurden, innerhalb 24 Stunden genauestens Auskunft zu geben über bie Ursachen des schlechten Ausganges der Wahlen, besonders im katho- tischen Gebiete Rheinland-Westsalen, über die Verteilung der „Neinstimmen", die Stellung des Klerus in den betreffenden Orten, die notwendigen Gegenmaßnahmen." Proleslanien in Dauern Die Anhänger des Landesbischofs marschieren auf Wie aus München gemeldet wird, haben über 1000 baye- rische Protestanten, die Gegner der offiziellen Reichskirche sind, sich heute vor der Residenz des Landesbischoss der evangelischen Kirche, Meiser, versammelt, und brachten ihm eine lange Kundgebung dar. Sie billigten seine euer- gische Haltung gegenüber der Reichskirchc und ermutigten ihn, in seinem Widerstand gegen den Reichsbischof M ü l l e r fortzufahren. Man befürchtet jedoch in den oppositionellen Kreisen, daß Bischof Meiscr. ebenso wie Bischof Wurm in Württemberg unter irgend einem Vorwand abgesetzt werden wird. rrllz Thyssen Die Luft im„dritten Reich" bekommt ihm nicht mehr Die„Neue Zürcher Zeitung" meldet aus Berlin: Fritz T h y s s e n, der bis vor kurzem der politisch führende Mann der westdeutschen Schwerindustrie war, hat eine Reise nach Südamerika angetreten, von der er vor d^m nächsten Jahr kaum zurückkehren dürfte. Nachdem schon im Sommer die früheren engen Beziehungen Thyssens zur National- sozialistischen Partei erkaltet waren, scheint seine Oppo- s i t i o n gegen gewisse wirtschaftspolitische Maßnahmen des Regimes noch weitere Spannungen erzeugt zu haben. Es klingt deshalb nicht unir-ihischeinlich, wenn es heißt, daß Thyssen aus den ihm nahestehenden Kreisen im Ruhrgebict den bringenden Rat erhalten habe, Teutschland für einige Zeit zu verlassen. Neutrale Saar-Polizei Kommt Einige Lander haben die Anwerbung freigegeben Gens, 18. September. Der bekannte Dreicr-Ausschnß zur Taarfragc vertritt die Meinung, daß es nicht Ausgabe einzelner Länder sei, die Kontingente für die Polizcitruppcu zu stellen. Präsident Knox soll vielmehr die ihm notwendig erscheinenden Schritte zur Werbung der Polizeitruppe» selbst unternehmen, und zwar aus privatem Wege. Dabei wird die Regicrungokom- Mission des Saargebicts aus dcutschsprcchcnde Polizcisoldatcn au» Luxemburg und Südtirol zurückgreifen; die Rcgicrun- gen Luxemburgs und Italiens hätten gegen derartige pri- vate Dienstverträge ihrer Staatsangehörigen in der Saar leine Einwendungen erhoben. Eine endgültige Bestätigung dieser Abmachungen liegt noch nicht vor. Terrorfall- von der braunen front erfunden Saarbrücken, IS. September. In der gleichgeschalteten Presse des Saargebietes wurde gestern ein angeblicher Terrorfall mitgeteilt, dessen Opfer ein Mann namens Schulz ans Münchwies, ein Mitglied der braunen Front, geworden fein sollte. Wer diese Schilderung des geheimnisvollen Ueberialls gelesen hat, wird sogleich darauf gestoßen sein, daß es mit diesem Terrorsall seine eigene Bewandtnis hat. Wie richtig diese Vermutung ge- wesen ist, bestätigt folgende Meldung der RegicrungS- kommission: Die Regierungskommission, Direktion des Inner», teilt mit: In einem Teil der Presse wurde heute eine Erklärung mit weiteren Bemerkungen eines Anton Schulz aus Münch' wies veröffentlicht, die zu folgenden Feststellungen Beran- lasfnng gibt: 1. In der Nacht vom 15. zum 16. September 1934 fand aus Veranlassung und unter Leitung des Inspekteurs der faar- ländischen Polizei in der Nähe von Frankenholz eine Polizeiaktion statt, in deren Verlauf sich eine männliche Person in der Dunkelheit auffällig bemerkbar machte. Die anniesen- de» Beamten trafen im dienstlichen Interesse die erforder- tichen Maßnahmen, um eine Störung der Aktiv» durch diese Person, die sich nicht auszuweisen vermochte, zu vermeiden. Der Betreffende leistete jedoch derartigen Widerstand, daß sich die Beamten gezwungen sahen, diesen zu brechen und die Person der Landjägerwache zu übergeben. Die Schilderungen in der sogenannten eidesstattlichen Erklärung des Anton Schulz sind in erheblichem Umfang un wahr und widersprechen den Tatsachen. Wenn gegen Schulz teilweise Gewalt angewendet werden mußte, so hat er sich dies selbst zuzuschreiben, da er sich den Anordnungen der uniformierte» Polizei nicht fügte. 2. Ein Kriminalbeamter hat sich int Verlaufe der Aktion unrechtmäßigerweise von seinem Dienst entfernt und die rcichsdcutsche Grenze überschritten. Er ist inzwischen wieder nach Saarbrücken zurückgekehrt. Nach echtem linier- Muster Auch an der Saar werden Naturfreunde-Häuser zerstört Kirkel, 18. September. In der Nacht von Samstag auf Sonntag traten mehrere SA.-Lcute aus Zweibrücken in das Naturfrenndeftaus in Kirkel ein und demolierten vollständig die dort befindlichen Möbel. Die zerstörten Gegenstände warfen sie sodann zum Fenster hinaus. Die Täter wurden als SA. Angehörige aus Zweibrücken einwandfrei erkannt. Die Tat stellt eine ungeheure Dreistigkeit dar. Wie kann es möglich sein, daß SA.- Leute aus dem„dritten Reich" eS wagen, im Taargcbiet solche Schandtaten zu verrichte»? Sdiusdinigii enfwldfcit seine Plane Er orahelt über den Eebruar-Aufstand Von unserem Korrespondenten Paris, 18. September. Die große Sensation in Genf— der Eintritt der Sow- scts in den Völkcrbnnd— ist nicht mehr das Tages- gcspräch. Im Mittelpunkt de« Interesses steht jetzt die Frage Oesterreich. Und so berichtet denn auch der Gen- ser Sonderberichterstatter des„Paris-Soir", Inles Sauer- wein seinem Blatte von einem interessanten Interview mit dem Bundeskanzler S ch u s ch n i g g. Schuschnigg erklärte, es sei natürlich das Ziel der Genfer Besprechungen, Oesterreich in Zukunft gegen eine Ein- Mischung Dritter in die österreichische Innenpolitik zu schüt- zen. Es sei bekannt, so erklärte der Kanzler, daß Italien nach dieser Richinng eine Initiative entsattet habe, die einigen anderen Staaten»igst zweckentsprechend scheine.. Man dürfe aber sicher sein, daß Oesterreich das größte Ge-' wicht darauf lege, daß, ivenn eine solche Vereinbarung zu- stände komme, sie sich nicht gegen die anderen richten werde. Ganz im Gegenteil hoffe Oesterreich aus die Mitarbeit aller Nachbarstaaten, denn nur dadurch könne nicht allein die innere Ruhe Oester- reichs, sondern auch der Frieden Europas garantiert werden. Wer ernsthaft die völlige Unabhängigkeit Oesterreichs wün- fche, der sei zur Mitarbeit an diesem Befriedungswerke will- kommen. Zur Unterdrückung der Sozialdemokratie erklärte der Bundeskanzler, die österreichische Regierung habe die Februarmörder mit Milde behandelt und die Todesstrafe nur über diejenigen, denen vorsätzlicher Mord nachge- wiesen werde» konnte, verhängt. Wenn die Revolutionäre Erfolg gehabt hätten, fügte Schuschnigg hinzu, so wäre, wie aus den„Schwarzen Liften" und den Plänen, die man beschlagnahmt habe, hervorgehe, ganz Oesterreich in Flammen und Blut ausgegangen. Diese Aeußcrungen SchuschniggS, so schreibt Sauerwein, seien insofern wichtig, a 1 s in England eine lebhafte Agitation gegen die österreichische Regie- rung betrieben werde, auf Grund deren die eng- lische Regierung wenig Lust zeige, sich am Schutz der öfter- reichischen Unabhängigkeit, zn beteiligen. Die K 1 e i ne Em t e n t e dagegen werde zwei Grundsätze geltend machen: 1. Die Unabhängigkeit Oesterreichs müsse durch ein inter- nationales Abkommen garantiert werden, das dem Völker- bund untersteht und bei dem keine Großmacht irgendwelche Vorrechte besitzt. 2. Die Garantie muß sowohl gegen die Wiederherstellung der Habsburger Monarchie wie auch gegen den Anschluß ivirksam sein. Beide Möglichkeiten scheinen der Kleinen En- tente gleichermaßen schädlich für den Frieden der Welt. Anschluß erledigt Oesterreich« selbständige Politik— Kein Braunbuch in Genf Wien,>8 Sept. Der Bundesminister für Auswärtiges, Berger Waldencgg, erklärt in der„Neuen Freien Presse", er sei während der Genier Zagung in seiner Meinung be» stärkt mordest, daß Oesterreich von nun an aktiv in die internationale Politik eingreifen solle. Oesterreich wolle lebendige Politik treiben; es verstehe aber darunter, daß damit alle Kombinationen, die über eine Ren- tralisierung Oesterreichs verbreitet wurden, für die Bundes- rcgierung entfallen. Als Ergebnis der politischen Bc- sprcchungcn in Gens könne man festgelegt scheu, daß jetzt alle Fragen und Wünsche hinsichtlich Oesterreichs ans der Diskussion ausscheiden und daß über Anschluß und dergleichen überhaupt nicht mehr gesprochen werde und gesprochen werden könne. Der Außenminister kam dann aus die Frage der Erweite, rung des Rompaktcs zu spreche» und erklärte, es wäre ein großer Fehler zu glauben, daß die römischen Pakte ein Bcr- trag seien. Sie seien wohl eher eine Art Rahmenverein- barung. In seinen Besprechungen mit dem tschechoslowaki- scheu Außeninin ster Bcnesch und dem südslawischen Außen- minister Ievtitsch habe er feststellen können, daß das Maß dessen, was diese Länder im Verkehr mit Oesterreich und überdies im Donanranm im weitesten Linne wirtschaftlich geben könnten, noch lange nicht erschöpft sc». Endlich erklärte der Außenminister, daß die österreichische Regierung davon absehen wolle, in Gens vor der ganzen Welt das..J'accuse" zu sprechen, zumal da alle Länder über die Schwierigkeiten, die Oesterreich bereitet wurden, und über ihren Umfang informiert seien. Die österreichische Regierung werde daher in Gens das B r a u n b u ch nicht vorlegen. * Tie österreichische Regierung drängt also Hitlerdeutsch» land, ohne in Genf eine wahr'chcinlich fruchtlose Anklage- debatte zu veranstalten, von Oesterreich ab. Tic öfter- rcichischc Politik Hitlers ist erledigt. Eines der wichtigsten Ziele der nationalsozialistischen Außenpolitik ist durch die Niederlage HitlerdcntschlandS liquidiert. An dem von Mussolini zu Ehren aller Mitwirkenden des Gastspiels der Wiener Staatsopcr gegebenen Bankett hat Mussolini sein Versprechen bestätigt, gelegentlich der Stadt Wien einen Besuch abzustatten. Saarhünen ohne Erze Die große Gefahr der Rückgliederung Bekanntlich sind die Saarhütten auf den Bezug der lothringischen Eisenerze sMinette) angemiesen.' Fast Sä Prozent des Erzbezuges der saarländischen Hütten stammen aus Lothringen. Es haichelt sich um eine Menge von durchschnittlich 3 Millionen Toknen. Von französischer Seite ist wiederholt erklärt morden, daß im Falle der Rückgliederung und der Errichtung der lothringischen Zollgrenzen die Minettelieferung nach dem Saargebiet aus militärischen Gründen eingestellt wird. Herr Röchling und die übrigen Führer der braunen Front erklärten bisher, daß diese Behauptungen ein Blusf seien, daß Frankreich angeblich die Erze liefern muß und daß im übrigen all diese Behauptungen zu den bekannten Greuelmärchen der antifaschistischen Presse gehören. Wäh- rend aber wir der Lügen und Berleumdungen beschuldigt werden, wurde ganz im stillen nach einer anderen Erz- quelle gesucht. Und nun sieht sich das Organ der hraunen Front an der Saar, die„Deutsche Front", gezwungen, unsere Behauptungen indirekt zu bestätigen, indem sie ausführlich über die Erzuntersuchungen in Süddeutschland berichtet. Das Blatt schreibt unter anderem: „Die Frage der Abbauwürdigkeit der badisch-würticm- bergijchen Eisenerzlager kann im positiven Sinne als cnt- schieden gelten. Nach fachmännischem Urteil wird die Frage der Ausbereitung als weitgehend gelöst betrachtet. Die Unterstützung durch entsprechende Tarife der Reichsbahn darf als gesichert angenommen werden. Die Untersuchungen und die Abbauplätie beziehen sich, wie die„Deutsche Bcrgwertszeitung" erfährt, vor allem aus das Gebiet zwischen Donaucschingcn und Geisingen swcstlich von Donaueschingens. Eine Reihe von Interessenten, darunter bekanntlich auch das B ö 1 k 1 i n g e r und das N c u n k i r ch e r Eisen w e r k, haben große Untersuchungen» n d A u f b e r e i t n n g s v e r s u ch e d n r ch g c s ü h rt. Es wird damit gerechnet, daß eine Interessengruppe an die st- stellung einer zunächst kleinen Anlage gehen wird. Hierfür dürften die Lager bei Gudmadingen in Betracht kommen, welche das Zentrum der derzeitigen Untersuchungen bilden. Eine andere Gruppe führt»och weiterhin große Auf bereitungsversuche und Untersuchungen der Lager bei Zoll- hauS-Blumberg, also südlich, durch, während der badische Staat nördlich ebenfalls Untersuchungen vornimmt, um noch etwaigen anderen Interessenten die Vorarbeiten zu ermöglichen. Tie Ausdehnung dieser Lager wird als groß genug bezeichnet, um drei großen Interessengruppen ein weites Arbeitsfeld zu belassen." Wenn wirklich die Drohung mit der Mineltesperre nur ein Bluff wäre, dann würden die kostspieligen Unter- suchungen über neue ErzInger in Süddcutschland nicht er- forderlich sein. Daß dies doch getan wird, zeigt deutlich, daß die braune Front selbst mit der Mincttesperre im Falle der Rückgliederung rechnet. Das Fehlen der guten Lothringer Eisenerze, auf deren Bezug die saarländischen Hütten eingestellt sind, würde für die Hütten und damit für die Hüttenarbeiterschoft bedenkliche Folgen haben. Aber selbst, wenn es gelingen würde, in Süddcutschland neue Erzlager zu erschließen, so würde ihre Aufbereitung mit derart hohen Kosten verbunden sein, daß die Rentabili- tät der saarländischen Hütten in Frage gestellt würde. Wir sehen also auch an diesem Beispiel, daß der Anschluß an das„dritte Reich" für die Saarbevölkerung Steigerung der Rot und des Elends bedeutet. vle deutsche Schande Judenhetze im Hitler-Reich Wir erhalten aus dem Saargebict folgende Zuschrift: „Tie haben in Ihrer gestrigen Ausgabe eine Mitteilung über die Siinagogenschändung in Schwäbifch-Gmünd veröffentlicht. Ich selbst staune über derartige Mitteilungen aus einem Lande, das einst in besseren Zeiten der Stolz der europäischen Zivilisation war, nicht mehr. Ich wundere mich nur über diejenigen, die immer noch nicht begriffen haben, daß die Friedhofs- und Svnagogenjchändungcn in Hitler- Deutschland nicht etiva Ausivüchse darstellen, sondern zu diesem Snstem der politischen Verhetzung gehören. Zum Beweis für die schmutzige Iudcnhetzc. die im Ostler- reich getrieben ivird, wird fast immer der Nürnberger„stur- mer" zitiert. Ucber den sogenannten Frankensübrcr Julius Streicher, zu dem bekanntlich der„oberste Gerichtsherr" selbst innige persönliche Freundschaft unterhält, ist wirklich kein Wort zu verlieren. Aber die Ttrcicherci ist nicht nur allein für den Nürnberger„Stürmer" tnpisch. sie ist maßgebend für nationalsozialistische Hetzprvpagande überhaupt Ich mar vor einigen Wochen ans einer geschlinlichen.Iceist im„dritten Reich". In Frankfurt am Main sah ich die August-Ausgabe der Zeitschrift..Die Fanfare das vi'.- zielle Organ der Hitler-Iugcnd für das Obelgebiet West. Ich habe mir die Nummer der„Fanfare^gekauft und sende Ihnen diese mit gleicher Post zu. damit sie die von mir ge- machten Angaben selbst nachprüfen können. Auf der ersten Seite sindet man über die ganze-pcu-e folgende Ueberschrift i» großen Lettern, die für sich spricht. ^'.Ä-r sich mit Inden einläßt, beschmußt die Ehre der Nation" Aus der gleiche» Seite siel» man ein groges Bild, das einer beliebigen Nummer des„Stürmers" in ebenbürtiger Weise Konkurrenz machen kann. Blau sieh, diej*«;iatnr out einen Juden, der angeblich die gesamte deutsche Politik Kultur, Justiz und Wirtschaft beherrscht. Unter dem Bild liest«an. .Ueberall hat er seine schmittzig-glcrigen Finger_ im-I cl Ter große Leitartikel entspricht der Ueberichrift im? Bild. To heißt es u. a. dort:...„Es spricht für die Bru- talität und Hemmungslosigkeit des Semiten, daß feine Herrschast z» guter Letzt sogar diesem deutscheu Bolle, das man doch als das geduldigste und gutmütigste unter den Völkern ansieht, zuviel wurde... Wir werbe»— und daraus könne» sich die Söhne Judas»erlassen— der kommenden deutsche,, Jugend die Vergangenheit immer als warnenden Menetekel vor Augen halten; denn niemals mehr darf Deutschland, und das ist unser heiligster Wille— ein Objekt ihrer aus Rache, Haß und Herrschsucht geborenen Aus- beutungspolitik werden." Dann finden sich in dem gleichen Artikel gefälschte Zitate von Goethe. Voltaire, Martin Luther. Und dann beißt es am Schluß:„Das internativnale Judentum sagt uns den Kampf an. Wir werden ihn ausnehmen. Iugendgenosien denkt daran. Wir werden den Juden dort tödlich treffen, wo es um sein Geld geht. Erinnert euch des Avvells de« Gauleiters und Staats, rals Grohe:„Sorgt dafür, daß nicht nur ihr, sondern auch die anderen jüdische Geichäste meiden. Wer bei einem Juden kauft, einen jüdische» Arzt oder jüdischen Rechtsanwalt zu Rate zieht, beschmutzt die deutsche Ehre." Bedenken Sic, daß derartige Hctzartikel in einer Zeit- schritt erscheinen, das offizielles Organ der Hitler-Jugend ist und in Hunderttausenden von Exemplaren verbreitet wird. Wenn die deutsche Jugend durch derartige Hctzartikel aufgeputscht wird, dann ist es eine zwangsläufige Erschei iiiing, daß sie an einzelnen Orten zu Friedhofs- und Sonagogenschändungen schreit«!. Wenn man die Jugend dauernd gegen die jüdische Bevölkerung Deutschlands in derarti« nnaebeuerlicher Weise aufhetzt, dann muß es zn den Auswüchsen kommen, die in Deutschland so oft vorkam- mcn. Die Folgen einer solchen Vergiftung der Jugend sind für die°c gar nicht abzusehen. Im übrigen will ich Sie daran erinnern, daß noch gerade vor einigen Wochen Reich»bankrotte iir Schacht sich darüber beschwert hatte, daß die deutsche Aussuhr unter anderem auch unter den Folgen des amerikanischen Bon- loils leidet. Glauben denn wirklich Schacht und Genossen, daß ihr Appell„an die Vernunft der Weit" gehört wird, solange der Herr Führer derartige Hctzartikel gutheißt und sich mit Julius Streicher identifiziert? So sieht er ans! Der Intimus des deutschen Staatsoberhauptes Prag, 18. September. IZTA.j Nach dem Mutter der in der ganzen Welt berüchtigt gewordenen Ritualmord Nummer hat Julius Streicher soeben eine neue Sonderausgabe des „Stürmer" in verstärktem Umfange»und erhöhter Auslage erscheinen lasse», die den Sammei-Titel„D i e I u d e n als W e 1 t s e i n d" trägt. Bild- und Text Material dieses Heftes, das in vielen Zehnlausenden von Exemplaren in ganz Teutschland verbreitet wird, sind eine einzige Mord- hetze gegen die Jude». Das Heil enthält mehr als 20 durch Retouche» karikierte Fotos jüdischer Persönlich- leiten, unter ihnen Gelehrte, Politiker, Bankiers, revoiutio- näre Führer, aber auch durch Tkandalprozesse bekannt ge- wordene Juden; man sieht u. a. Karikaturen von Rathen«», Hugo Preuß ISchöpser der Weimarer Verfassung!, Max War- burg, Paul Hirsch sfrühcrer preußischer Ministerpräsident!, Leo Trotzki, Sinowjew, Radck, Barmat u, v. a. Der ver- bindende Text ist i» Kapitel eingeteilt, die folgende lieber- schriften tragen:„Juden als Schwindler",„Inden als Träger der Korruption",„Juden als Vernich!« der Moral",.Luden als Rote". In Deutschland wird der Umstand, daß Streicher, dessen Ritualmordhetze Deutschlands Ansehe» in der Welt so viel geschadet hat, nun wieder mit einer verschärften Judenhetze auf den Plan zu treten wagt, dahin aufgefaßt, daß Streichers Position bei Kitler besonders seit dem letzten Nürnberger Parteitag außerordentlich stark ist. „Deutsche Freiheit", Nr. 217 ABB SIT UMD WIRTSCHAFT Mittwoch, den 19. Sept. 1934. Die Hnnsiseidefeonzerne fischen im frühen Von der Einfuhrdrosselung sind am stärksten die Textil- rohstoffe betroffen. Insbesondere sind rigorose Maßnahmen zur Einfuhrdrosselung von Rohwolle ergriffen worden. V älirend sich die Rohwolleinfuhr noch im April auf 22,4 Millionen Kilogramm stellte, ist sie im Juni auf 3,2 Millionen Kilogramm gesunken. Im Laufe der nächsten Monate wircl die Einfuhr von Rohwolle, Baumwolle, Jute und Seide auf ein Minimum beschränkt. Das„dritte Reich" steht somit, auf lange Sicht gesehen, vor der Frage, wie. sich die Dinge bei der deutschen Textilindustrie, deren Produktion ohnehin schon seit Ende Juli um 30 Prozent eingeschränkt worden ist, entwickeln werden. Deutschland, das 95 Prozent seines Textilrohstoffbedarfs aus dem Auslande einführt(bei Baumwolle und Jute sind es 100 Prozent) ist nicht imstande, die ausländischen Rohstoffe auch nur teilweise durch inländische Erzeugnisse zu ersetzen. Der Anteil der inländischen Rohwolle- und'Flaehserzeugung bleibt minimal, und es wird deshalb nicht zu vermeiden sein, die Textilproduktion weiter einzuschränken. Die Auswirkungen einer erneuten Produktionseinschränkung in einem Industriezweig, in welchem gegenwärtig etwa 2'/i Millionen Menschen beschäftigt sind, würden für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung im „dritten Reich" katastrophal sein. Die Aufgabe der neugeschaffenen Ueberwachungsstellen würde es also sein, die größten Anstrengungen zu machen, um in Zukunft die Produktion der Textilindustrie wenigstens auf einer gewissen Höhe aufrechtzuerhalten. Bei der bedenklichen Devisenlage des Reichs scheinen aber geringe Aussichten dafür zu bestehen. Nun versuchen aus dieser äußerst schwierigen Situation, in die die Textilindustrie durch die Hitler-Mißwirtschaft hineinmanövriert wurde, gewisse Industrielle für sich Kapital zu schlagen. Die Vere in igten Glanzstoffabri- ken A. G. und die I. G. Farbenindustrie A. G. ■ ennen beim Reichswirtschaftsministerium dieTüren ein, um den maßgebenden Stellen einzureden, daß sie„die Retter" aus der deutschen Textilnot seien. Aber nicht nur das Reichswirtschaftsministerium, auch die Presse wird von diesen beiden Industriekonzernen entsprechend bearbeitet. So fand beispielsweise kürzlich eine Besichtigung des Kunstseidenwerkes Sydowsaue bei Stettin statt, zu der die Vertreter der maßgebenden Zeitungen Deutschlands eingeladen wurden. Bei dieser Gelegenheit wurde den Pressevertretern auseinandergesetzt, welch große Bedeutung der Kunstseide in der jetzigen schwierigen Lage zukommt. Die Bearbeitung der öffentlichen Meinung setzt sich weiter fort, und in dieser Beziehung ist der Artikel bezeichnend, den Dr. Konrad Herrmann, Vorstandsmitglied der Vereinigten Glanzstoffabriken A. G., sowohl in der„Kölnischen Zeitung" als auch in der „Rhein-Mainischen-Wirtschaftszeitung" veröffentlichte. Nachdem Dr. Herrmann die bedenkliche Lage der deutschen Textilindustrie angesichts der mangelnden Rohstoffversorgung schildert, macht er für die Kunstseide Reklame. Er schreibt: „Ei ist naturgemäß, daß sich gerade in den heutigen Zeiten die Augen auf dasjenige Erzeugnis richten, das bereits seit Jahrzehnten als Textilrohstoff synthetisch hergestellt wird und sich als solcher bewährt hat. E s handelt sich um die Kunstseide, deren A u i g an g s p r o d uk t der Zellstoff ist, also chemisch derselbe Grundstoff, aus dem auch die Baumwolle gebildet ist. Aus der Tatsache, daß es wirklich gelungen ist, in weitem Umfang die echte Seide durch die Kunstseide zu ersehen, kann man schon zum Teil den Beweis herleiten, daß es sich bei der Kunstseide n i ch t um ein minderwertiges Ersagcrzeugnis handelt. Viel wichtiger ist aber, daß sich die Kunstseide neben allen anderen ausländischen Textilprodukten ein eigenes Verarbeitungs• und Verwendungsgebiet geschaffen hat, in dem sie sich voll bewährt hat. Als Ersatjproclukt hätte die Kunstseide niemals den Siegeslauf durch die ganze Welt antreten können, den sie tatsächlich durchgcmucht hat; denn sie wäre darauf angewiesen gewesen, einen Teil des Verbrauchs an echter Seide zu ersegen. während sie in Wirklichkeit ein Absatzgebiet gefunden hat. das— in den einzelnen Ländern verschieden— im Durchschnitt mindestens 30 bis 40 mal so groß ist wie das Verwendungsgebiet der echten Seide. Ei i 1 1 ganz selbstverständlich, daß jetzt aus volkswirtschaftlichen Gründen die größten Anstrengungen gemacht werden müssen und auch mit Hilfe der Regierung gemacht werden, um nicht nur dieses Zurückbleiben wieder aufzuholen, sondern um auch die Kunstseide zu einem Produkt zu entwickeln, das in noch weit höherem Maße als bisher fremde Rohstoffe ersegen kann. In dieser Beziehung fallen einer Abart der Kunstseide, der sogenannten Stapelfaser,ganzbesondere und vielleicht noch höhere Aufgaben zu. Die Stapelfaser wird chemisch in ähnlicher Weise wie die Kunstseide erzeugt, kommt aber nicht als unendlicher Faden auf den Markt, sondern eben in Stapel geschnitten, in der Länge und Struktur der Baum w oll- oder W o II f a s e r. Es handelt sich also um ein Produkt, das ähnlich wie die exotischen Rohprodukt- erst von weiterverarbeitenden Spinnereien zum laufenden Faden gestaltet werden muß. Da gerade diejenigen Arbeitsprozesse, die bei der Kunstseide verteuernd wirken, bei der Stapelfaser gespart werden können, so ist die letftere wesentlich billiger als die Kunstseide, immerhin aber teurer als Baumwolle, j e d om „Berliner Tageblatt", in der„DAZ.-> im„Angriff- vom 20. August! tu der l> nicht von den für die'Nazis damals günstigeren Zahlen für den Volksentscheid, sondern von den Stimmen für die Einheitsliste zum Reichstag ausgegangen wurde und 2) von der Gesamtzahl der Abstimmungsberechtigten. Aus diese Weise wurde erreicht, das« die Berminde- bagatellisieren wie 2,2 Prozent. Und in einzelnen Wabl- kreisen und die Unterschiede noch krasser, In K ö l n- A a ch e n bat vitler tatsachlich 14,5 Prozent verloren, aber nur 7,5 Prozent eingestanden, in Koblenz-Trier l4 Prozent gegen 5.8 Prozent, in W e st s a> e n- N o r d 13.0 Prozent gegen 7,4 Prozent usw. Das sind Zahlen, die— wenn mau sich immer die ungeheuerliche Verfälschung des Wahlresultates vor Augen halt— sehr beachtlich sind und die erst richtig er- Eine statistische und politische Auswertung des Abstimmungsergebnisses vom 19. August muh alle Umstände berück- sichtigen, von denen diese„Volkswahl" begleitet war. Ein Ueberblick über die tatsächlichen Vorgänge bei der Vorbe- reitung und Durchführung der Abstimmung läßt sich aber W■ U...■.«-ä,«, iosärt nach der Wahl so äugst- nur au? Grund einer umfassenden Rachrichlensammlung n ,„<, 6er§ 0.£timmeit gegenüber dem 12. November nur klären, warum baSReaime^umineii und die Zu- aus allen Teilen des Reiches gewinnen. Auf Grund einer fcln.^ring crfcöicit(89,!) Prozent gegen 02,1 Prozent am lief) bemüht'vor-dent r belanglos hinzustellen solchen Nachrtchtensammlung, deren Ergebnisie im folgen- ll.» Will man diese— wahrscheinlich allgemein gar nicht nabme der Nein-<^ager. den verarbeitet sind, lassen sich zwei allgemeine Festste!- lungen über die Abstimmung treffen. Ohne jede lieber- treibung kann gesagt iverden: Terror und Fälschung waren größer als bei irgendeiner anderen Wahl vorher, zugleich muß aber hinzugefügt werden, daß Ausmaß und Art des Terrors und der Wahlfälschung in den einzelnen Landes- teilen sehr verschieden ivaren. Eine knappe Uebersicht über die Methoden, deren das Reginie sich bei der Verfälschung des Abstimmungsergebnisses bediente, zeigt folgendes Bild: bemerkte— Fälschung ausschalten, so muß man folgendes beachten: gleichzeitig aber eine neue Aktion zur Gewinnung der„letzten die Berechnung Auch der Einwand, daß die hohe Zahl der diesmal aus- ,'ii.frfi r";.- Wahlhandlung war diesmal so gegebenen Slimmicheine— zum 10. August wurden über »tir. OC»d c!' äut wie ausgeschlossen waren. 3 Millionen Stimmscheiiie ausgegeben, am 12. November . itzuotm tu aus vielen Berichten zu ersehen, daß den wurde mit 1,2 Millionen stimmscheiiie» gewählt— solche 1. Vor der Wahl < a) Der Druck der allumfassenden Propaganda: es gab nur das„Ja": Hitlers Kopf von allen Fenstern, allen Autos: Gemeinschastsempsänge der Radioreden usw. bi Der moralische Druck: Die Nein-Sager wurden als . andeSverräter, Lumpen. Saboteure des nationalen Auf- baus gebrandmarkt. 2. Während der Stimmabgabe öl Die uniformierten SA.-Leute und PO.-Mitglieder in den Wahllokalen schufen von Ansang an im Abstim- mungsraum eine Terror-Atmosphäre, die auch da ihre Wirkung nicht verfehlte, wo der Terror nicht unmittelbar zu Anwendung kam. b) Fu vielen Fälle» gab es überhaupt feilte Wahlzellen, in anderen war ihr Betreten praktisch unmöglich gemacht worden: entweder die Zelle war in eine ganz entfernte Ecke geschoben, oder SA.-Leute versperrten den Zugang oder es waren abschreckende Plakate angebracht.(Z. B.: „Feder Deutsche wählt offen, wer wählt anders?" oder „Hier hinein gehen nur Landesverräter-.! e! In verschiedenen Landesteilen war auf den Wahl- zetteln schon das Ja angekreuzt. d> Kriegsopfer- und andere Vereine wurden geschlossen zur Wahl geführt und mußten offen wählen. e> Dem Abstimmen Unberechtigter wurde Vorschub ge- leistet: in München konnte mau„aus Ehrenwort" wählen, in der Pfalz für Freunde und Bekannte. Mitglieder von Arbeitslagern wurden geschlossen zur Wahl zugelassen, ohne daß ihre Berechtigung geprüft wurde. 3. Lei der Auszählung a> Die Auszählung fand meist nur in Gegenwart von SA. und Parteimitgliedern statt. bi Ungültige Stimmen wurden kurzerhand als Ja- .. Stimmen gerechnet. Wahlvorsteher kreuzten bei leer abge- gegebenen Zeiletn nachträglich das Ja an. e> Nein Stimmen wurden„in erforderlichem Umfange" durch Ja-Stimmen ersetzt, manchmal auch in übertrie- benem Eifer darüber hinaus, so daß schließlich mehr Stim- rncii gezählt wurden, als Abstimmungsberechtigte lein- schließlich der Stimmscheininhaber! vorhanden waren. d» Das bekanntgegebene Ergebnis wurde einfach ge- fälscht(in zahlreichen kleinen Orten festgestellt, in denen sich eine Anzahl Genossen untereinander ehrenwörtlich zum Nein-Stimmen verpflichtet hatte! oder das Ergeb- nis wurde überhaupt nicht veröffentlicht. Diese verschiedenen Methoden des Wahlzwanges und der Wahlfälschung wurden in den einzelnen Landesteilen in sehr verschiedenem Grade zur Anwendung gebracht, nicht nach einer allgemeinen Anweisung und einem starren Schema, sondern unter Anpassung an die örtlichen Möglichkeiten und Erfordernisse. Es ist eine Erfahrung, die In den letzten anderthalb Iahren immer wieder gemacht werden mußte: der Terror wirkt nicht überall gleichmäßig, sondern örtlich sehr verschieden. In H a m bürg waren zu Ansang der faschistischen.Herrschast die Zustände last noch nogmal, wäh- rend in Sachsen schon die furchtbarsten Verfolgungen wüteten. Diese Beobachtung erklärt einen Teil der großen Unter- schiede, die die Wahlergebnisse aufweisen. In der Pfalz haben z. B. 94,8 Prozent aller Stimmberechtigten mit Ja ge- stimmt, mehr als in irgendeinem anderen Wahlkreis. Im unmittelbar benachbarten Wahlkreis Koblenz-Trier, der im wesentlichen dieselbe wirtschaftliche und konfessionelle Struktur aufweist, dagegen nur 82,4 Prozent. Das Ergebnis bestätigt, was alle Berichte aus der Pfalz feststellen, daß dort Terror und Fälschung einen Rekorbstaud erreicht haben, offenbar weil der Gauleiter Bürckel, der neue deutsche«aar- bevollmächtigte, mit Rücksicht auf das benachbarte Saargebiet ein besonders gutes Resultat brauchte. Aber auch innerhalb der einzelnen Wahlkreise zeigen sich große Unterschiede in den Ergebnissen, die erst durch das verschiedene Maß des Terrors und der Fälschung erklärt werden können. Einige Beisviele: Im Kreis Görlitz machen Nein-Ttimmen und ungültige 12 Prozent der Stimmberechtigten aus. In den einzelnen Landgemeinden aber schwanken die Nein- und un- gültigen Stimmen zwischen 9, 1, 2 und 20 bis 21 Prozent. Im f ch l e s i>' ch e n Kreis L a u b a n zeigen sich bei einem Gefamtdurchschnitt von 8 Prozent Nein- und ungültigen Stimmen Unterschiede zwischen 0 und 20 Prozent, in den Kreifeu Rothenburg und Tora», die beide eoentau- e'nen Durchschnitt von 8 Prozent haben. Unterschiede zw- scheu 0 und 20 Prozent bzw. 0 und 25 Prozent. Im Wohl- ke-is„6er bau er ii der 18,2 Prozent Nein- und ungültige Stimmen ausweist, schwanken die örtlichen Eraeb- niste zwischen I und 22 Prozent. In den rheinischen Wohl- mit ibrem bftkk'ren Jkntfis NN Nl'in und ungltltiflen Stimmen gibt eS Orte mit 40 bis»0 Prozent. Alten und Gebrechlichen von den Schleppern durchweg beim Ausfüllen„geholfen" wurde. Die ungültigen Stim- nie» sind also zweifellos als ablehnende Stimmen zu wer- ten. Das geht auch aus ihrer Zahl hervor. Bei der Prä- sidentenwahl 1982 wurde» im 1. Wahlgang 242 000, im 2. Wahlgang 282 000 ungültige Stimmen abgegeben und so- gar die neu» Reichstagswadleii von 1910 bis 1988 ergeben nur einen Durchschnitt von 309 000 ungültigen Stimmen. Die Volksabstimmung vom 12. II ergab dagegen 750 000 ungültige Stimmen(neben 8 849 000 ungültigen Stim- men bei der gleichzeitigen ReichstagSwahl). Die 872 000 ungültigen Stimme» vom 19. August müssen also in die Berechnung einbezogen werden. b> Es genügt aber auch nicht, von der Gesamtzahl der abgegebenen Stimmen auszugehen, wie das bisher bei der amtlichen Auswertung der Wahlergebnisse— zuleßt noch bei dem Ergebnis vom 12. November— geschah. Sondern man muß von der Gesamtzahl der Stimmberechtigten ausgehen. Der Zwang, zur Wahl zu gehen, war diesmal so allgemein, der Schlepperdienst gerade auch für Kranke und Gebrechliche so vorzüglich organisiert, daß man die NichtWähler vom 19. August nicht mit denen früherer Wahlen nui eine Stufe stellen kann. Wer trotz Terror und Schlepperdienst sich diesmal der Wahl entzog, der tat es aus Abneigung gegen das Regime und seine Wahlent- Haltung muß als Demonstration gelten, die in manchen Orten gefährlicher war als das Nein-Stimmen. Die einzig zutreffende Grundlage für die Auswertung des Wahlergebnisses ist also die Zahl der Stimmberechtigten. Gegenüberstellungen nicht zulassen, ist nicht stichhaltig. Bei Vergleich»»» ganzer Wahlbezirke gleichen sich ausgestellte und abgegebene Stimmscheiiie erfahrungsgemäß fast völlig aus. Eher kann sich durch die Stimmscheiiie eine Verschiebung der, VergleichSgrundlage bei einzelnen Orten ober kleineren Stimmmbezirken ergeben. Das ist insbesondere bei der Wür- diguna d„s Abstiminunaseraebni'l,'» i» den G-oßstädien und in einzelnen Stadtteilen zu berücksichtigen. Aber auch mit diesen Einschiänkunaeu bleibt das Ergebnis in den Groß- stüdten beachtlich Wir«reiten einige heraus: Aachen 05.4 Prozent Ja-Stimmen, Hamburg 71 5 Pro- zent. Berl'n(beide Wahlkreise! 78.4 Prozent, Altona 78.7 Prozent. V----slou 74.3 Prrz'.ent, Köln?4.g Prozent, Augs- bürg 74,9 Prozent, Flensburg 75.2 Prozent, Lübeck 75i Prozent. Das sind wesentliche Ilnterschreitungen des Gesamtergeh. nisseS von 84,3 Prozent lind es sei"' sich, daß außer Berlin und Vambura nicht nur tgthvli'ch- Großstädte an diesen Er- gebnisscn beteiligt sind. Wahlausgang und Voihssiiinffiung Wenn ein Abstimmungsergebnis so ungeheuerlich ver- fälscht worden ist wie das vom 19. August, dann hat es für; eine politische Auswertung natürlich nur sehr geringen Wert. Immerbin ist es mich ein bedeutsames Ergebnis, daß Terror e! Wenn man die Ergebnisse vom 19, August um denen und^ Nchn» g c»n ich t u»mag/ de»* Regime» t» von. 12. November vergleichen null, muß man selbitver- zu v-rd-cken daß d.e M°'«-ngrunoi ae^^ siändlich von derselben Grundlage ausgehen.und nicht ivie Schwinden begriffen in.>1» iveirn" das Regime einerseits von den gültigen Stimmen und andererseits von>«*» abgegebene» Stimmen. Die gemein- same Grundlage tann für beide Wahlen nur die Zahl der Stimmberechtigten sein, da für den 12. November dieselben Ueberlegungen gelten ivie für den 19. Anglist. d! Will man Vergleiche zwischen dem 19. August und dem 12. November anstellen, so darf man dabei nicht von den Ergebnissen der ReichstagSwahl vom 12. November gusgehen, sonder» nur von denen der gleichzeitige» Volks- obstimmiing über den Austritt, aus dem Völkerbund. Die Nazis wende» ein, da» es sich bei dieser Volksabstinimung um eine außenpolitische Frage gehandelt hätte, in' der auch diejenigen sich hinter die Regierung stellten, die mit. ihrem sonstige» Kurs nicht einverstanden waren. Diesen Einwand haben die'Nazis durch ihre eigene Propaganda zum 19. August von vornherein ividertegi. Obgleich es sich diesmal um eine innerpvlitische Frage handelte, haben die Nazis auf unzählige» Plakaten und Flugblättern jeden Nein-Sager als Landesverräter bezeichnet und damit zu erkennen gegeben, daß ste zwischen den Nein-Sagern vom 19. August und denen vom 12. November keinen Unter- schied zu machen gedenken. Der Abstimmende stand also am'9. Auaust umer demselben moralischen Druck wie am 12. November. Es kommt aber hinzu, daß auch am 19. August zweifellos viele für Hitler gestimmt haben, die bei einer allgemeinen ReichstagSwahl sich nicht für die NSDAP, entscheiden würden. Ter Vergleich zwischen den Ergebnih'en der beide» Wahlen kguu also zuverlässig nur gezogen iverden, wenn in beiden Fällen die Zahl der Stimmbercchtigte» zugrundegelegt wird und außerdem nicht die ReichstagSwahl, sondern die Volksabstimmung vom 12. 2iovember herangezogen wird. Bereinigt man»ach diesen Gesichtspunkte» die amtliche Tabelle der Wahlergebnisse, so zeigt sich erst der Rückgang der Ja-Stimmen in seiner vollen Größe. Wir beschränken uns aut folgenden tabellarischen Auszug: Vergleich der Abstimmungen vom 19. August und 12. November Stlmmverechugte 19 fl 1 12. n. Zlnei der Ha-^tiinmeu Perluft an amilltb| richtig)a Bimmen 19. X| i lt. 19.". 12 1'. umtlii-hj ridt q I 367 837 1 467118 1459433 1 481 855 1 750.380 1 1 732021 1728719 1 753759 1571548[601278 2. 9eilin. i. 3. Pott dam I!. 17. lveSf-Nord 18. westf.-Süd. 20. Kö n-Aachen 21. Nohlenz.Tr.er 902207 j 838232|j 34. flowibmq.. 900118 94 °/e 1«/• 81 5 j 83.1 84,4 88 9 »4,2 91,6 »7.1 91,2 81,8 89,3 »7 5 I 95,J 79 5 1 83,6 °l« j«,« 72.1 81.5 74.6. 85,7 77.7 91.5 81,4 92,2 75,9 90,4 82 4 96 4 >1.5! 833 — "/» I»/» 3.6 9 4 4,5; 11,1 7.4 13 8 4,1 10 8 7.5 14.5 5 8 I 14,— 4 1 11.8 Sfaflsflsdie Auswertung Aus der Tatsache, daß Terror und Fälschung das Abstim- f c"~»94«vfrisw>,S,nt klt'ein- l?5ffomt.«rg.bni»|45473635! 45I7»70I89,9| 92.1 j 84,3 1 92,4•,, .Diese Uebersicht zeigt, wie beträchtlich die Unterschiebe zwi. scheu den Zahlen der amtlichen Auswerlungsmetlwde und denen der richtigen Berechnung sind: 2.'ach der amtlichen Be- rcchnung hat Hitler 09.9 Prozent der Ja-Stimmen erhalten naml'ch 89,9 Prozent von den gültigen Stimmen», catsäch- idi sin» es"der 04.3 Prozent der Gesamtzahl der Stimm- berechtigten. Amtlich sind tur Hamburg 79.5 Prozent, für Berlin 01,o Prozent Ia-«timmen errechnet worden rjchlia^"weiiung oes Propagaiwam berechnet sind es 71,5 und 72,1 Prozent. D h fast 30 Prozent»uwetien, daß die 2tein-Sager haben sich in den beiden größten Städte» des Reiches nicht Häuflein Unzufriedener, die fict zu Hitler bekannt— trotz Terror und Wahlfälschung« cnnngsergebnis sehr stark, aber a»ct> sehr verschieden beein- Noch interessanter sind die Aufschlüsse, die die richtige Be- stußt haben ergeben sich die Vorbehalte für eine staUitische rcchnuilgsmethvde bei einem Vergleich der Ergebnisse vom Ausweitung des Ergebnisses. Diese Auswertung muß zu- 19.«uguit und U. November ermittelt.'Nach der amtliche» nächst einmal eine rechnerische Bereinigung der gmtlichen Angabe hat Hitler gegenüber der Ab,timi»ung vom 12. No- Zal enübersichten bringen. Tie amtliche Uebersicht über die vember nur: 2,2 Prozent an«tun,„ei. verloren(09,9 gegen Wal,leraebnisie brachte die Feststellung, baß 09,9 Prozent der 92,l Prozent),«et richtiger Berechnung sind es aber 8.1 Pro- Wäh er mit Ja geiUmmt hatten. Bei der Berechnung dieser zent(84,3 gegen 92,4 Prozent). An diesem Punkte zeigt sich ^" und der entsprechenden Zahlen"ir die einzelnen besonders klar, warum das Regime zu so bedenklichen Wahl'reise- war man aber nicht von der Geiamtzahl der Rechenkunstitucken greifen mutzte. Der Schwindel in de» WlliU-l 114'UI WU-I'T-.-->. 9)11.. fortgeschritten ist. darüber geben die Abstimi'Ningsresultate keinen zuverlässtgen Auhaitsvunkt. Die Zahl derjenigen, die das Regime innerlich ablehnen, ist sicher sehr viel größer als die Zahl derer, die es auch äußerlich zu tun gewagt haben und deren Ahlehnuna das lltegime hinterher nicht mebr aus der Welt schaffe» konnte. Wir wollen aber auch nicht in d-m Fehler verfallen, die Anhängerschaft Hitlers zu unter- schätzen. Für die richtige Einschätzung des Wahlergebniske»—; immer unter Berücksichtigung des Terrors und der' Fälschungen" müssen vor allem drei Frage» beantwortet werden: al Warum dabei, sich die Ereianiste>w'n SO. Ipni nicht stärker ausgewirkt? b> Warum ist die Mißstimmung auf dem Lande in den Wahlergebnissen nicht zum Ausdruck gekommen? c> Was ermarten die Ja Sgger von Eitler? a! Dem aufmerksgmeii Beobachter der(Sutmirfft»»« in Deutichland mar schon lange vor dem 19. August klar, defy Die Ereignisse vom 30 Juni weder moralische noch die Wirkungen auf die deutsche» BolksMasien gusaeübtz haben die man zunächst im Auslände erivar'et haNe. Schon Rütte Juli stellten wir in diesen Berichten(Teil A) folgen- des fest: „Fast alle Berichte stimmen in drei Punkten mehr oder, minder überein: l. die breite 2Nasie hat den politischen Sinn der Ereignisse nicht begriffen: 2. große, offenbar«eGr große Teile des Volkes feiern sogar Hitler wegen ieinen rücksichtslosen Entschlossenheit und nur ein kleiner Teil ist' nachdenklich gestimmt morden oder gar empört: 3. auch große Teile der Arbeiterschaft sind der unlritischen Ver himmelung Hitlers versallen." Diese Feststellungen behalten auch gegenüber dem Wgftl» ergebnis ibre volle Gültigkeit. Gerade nach den Ereignissen vom 30. Juni hätte Hitler auch ohne Terror und Fälschung wesentlich mehr Stimmen auf sich vereinigen können als für eine Wahlliste der'NSDAP, abgegeben worden wären. b> Im allgemeinen ist das Abstimmungsergebnis o»i dem Lande für Hitler wesentlich günstiger als in de» Städten. Das scheint im Widerspruch z» der auch in diesem Berichte aiisgenommenen allgemeine» Beobachtung zu stehen, daß die. Mißstimmung auk dem Laude vielleicht am größte» ist. Bei näherer Ueberlegung muß man aber drei Umstände in Rechnung stellen: 1. Auf dem stachen Lande wirkt der Terror am stärksten, weil in den kleinen Verhältnissen der einzelne Nein- Sager am eheste» die Entdeckung fürchten muß. Hier sind' offenbar auch die Fälschungen am skrupellosesten gehandhabt worden. 2. Die Bauern— auch das haben unsere Berichte gezeigt — wissen am wenigste», was sie an die Stelle des nege»»' wältigen RegiineS setzen sollen, bei ihnen wirkt der Vol-> schewistenschreck»och immer am stärkste». 3. Gerade unter de» Bauern aab es»tele, die schon fest Monate» die Auffassung vertraten: Mit Hiller gegen die! braunen Bonze». Diese Auffassung ist durch den 30. Juni nicht geschwächt, sondern eher gestärkt worden. c) DaS führt zur eigentlichen Kernfrage dieser Wahl: Was e r in arte n die Ja-Iager vo» Hitler?-? e natiotialiozialisti.chen Zeitungen haben sich— offenbar aus Anweisung des Propagandaministeriums— bemüht, naäi- ier nichts anderes find als e n sich nur im Nein einig, in allem anderem uneinig sind, linier sich iverden sich die Machthaber »'cht darüber täuschen, daß es für sie viel wichtiger ist, d:eie Betrachtung auf die Ia-«aaer anzuwenden. Denn gerade die freiwilliaen Ia-«ager find sich nur in einem einig: Sie find für Hitler, aber sie richten ans ihn sehr verschiedene E r iv a r t u n g e n. Die einen haben ihn gewählt, weil sie zur braunen Bonzo- kratie und ihren Nutznießern gehören, die anderen, weil sie von ihm erwarten, daß er die TäuberungSaktion va,n 30 Juni fortsetzen und das Volk von diesen braunen B" eine bessere Zukunft, die anderen stellen sich hinter ihn. weil fte nach ihm nur das bolschewistische Chaoö sehen. Die einen glauben. daß er schließlich doch seine zweifelhaften freunde in der Wirtschaft und der Wehrmacht unterkriegen wird, die anderen verlassen sich darauf, daß es gerade umgekehrt kommen wird.— Diese innere Gegensätzlichkeit der Hitler- Mehrheit testzustellen, wichtiger als eine Spekulation über die Zahl derjenigen, die sich aus freiem Entschluß für Hitler entichieden haben. Fortschritt 9