I Einzige unabhängige Tageszeitung Veuischiands ^r. 222— 2. Jahrgang Saarbrücken, Dienstag, 25. September 1934 Chefredakteur: M. B r a u n Die Rüstungsindustrie xxuf dec Anklagebank Seite 7 iBmoenüamniitr m# Pradilbaulcn Die Rcldisbanhrotteure erridiien Prunhpaiäsle aus den Arbeitern gestohlenen summen .Stadt der Arbeitsfront" Köln, den 23. September. Unsere Dachböden werden„entrümpelt" damit noch Irgendwie brauchbares Zeug zur Linderang der Rohstoffnot herausgesucht ivird. In den Betrieben werden wir äuge- halten, die gebrauchten Putzlappen wie Kostbarkeiten abzn- lieser», weil sie auS Baummolle bestehen und Oel enthalten. Ueherall werden Lumpen gesammelt, die für die Textil- sabrikatiou umgearbeitet werden. Tic Löhne sinken und die Preise steigen. Aus allen Gebieten der Sozialpolitik sind wir in vollem Abbau. Ter Gesundheitszustand verschlechtert sich infolge der Unterernährung. Tie Lungentuberkulose nimmt zu und Lungenheilstätte» werden wegen Mangel an Mitteln geschlossen, und dennoch schwimmen„wir" i» Geld und die Herren Hitler und Ley können ans den gesammelten und gestohlenen Partei- und GewcrkschastSgeldern Prachtbauten plane», wie sie Teutschland»och nicht gesehen hat. Nürnberg ist die„Stadt des Parteitages", -lliesige Taucrbauten einschließlich einem neuen Bahnhof sind mit einem Kostenaufwand von vielen Millionen Reichs- mark errichtet worden. M ü n ch e n ist die„Stadt der K» n st und die Residenzstadt des gottbegnadeten und er- tauchten Führers". Er baut einen Palast der Kunst. Ganze Straßenzlige werden niedergerissen, um Platz zu schaffen für monumentale Bauten von Parteihäusern. Weitere gewaltige Baupläne leben einstweilen nur in den Fantasien des„Führers". Tas alles ist aber nichts gegen das, was sich die santa- sierenden Gehirne der Herren Hitler und Ley gemeinsam für Köln ausgeheckt haben, das sie zur„Stadt der Arbeitsfront" erheben wollen. Für diesen hohen Zweck wollen sie aus der rechten Rhein- seile Bauten errichten, deren Kosten nach den niedrigsten Schätzungen ölt Millionen Reichsmark, nach anderen fach- männischcn Schätzungen sogar 100 Millionen Reichsmark betragen sollen. Tiefe Summe klingt fantastisch, ist es jedoch keineswegs, wenn man berücksichtigt, daß die erst vor wenigen Jahren mit einem Kostenaufwand von rund 2l) Millionen Reichs- mark errichteten Kölner Messebauten vollkommen vcr- schwinden sollen, also die großen Messehallen, der Prcsia- türm, das Staateuhaus, die verschiedenen Gaststätten, die gesamten Anlagen und der Baumbestand. Auf der noch zu vergrößernden Riesenfläche soll das neue Gebäude und ein weit ausgedehntes Grünanlagensystcm kommen. Tie Größenmaße übersteigen alle in Deutschland bisher gewohnten Vorstellungen. Ein gewaltiger Kuppelbau soll erstehe». Er ist als Kulthalle mit einem Ausmaß pon 7i) zu 80 Metern gedacht, kann also das Innere des Kölner Toms bequem umfassen. Etwa hunderttausend Menschen werden allein von diesem Kultraum aufgenommen werden können. Daneben soll ein breiter Ehrenhain mit großen Wasseranlagen entstehen. Zum Rhein hin wird eine riesige Freifläche für eineinhalb bis zwei Millionen Menschen ge- schassen werden. Eine große Terrrasse zum Rhein hin soll eine Breite von 580 Meter erhalten. Das Maß der Gcsamtanlage ist 950 Meter. Mit 1,6 Millionen Kubikmeter umbauten Raumes wird das Haus der deutschen Arbeit oder, wie der„Führer" cö nennt, das Nationalhaus der deutschen Arbeit etwa doppelt so groß sein wie das neue gewaltige Neichsbankgebände in Berlin. Die Kosten der geplanten Bauwerke werden durch Eisen- lohn- und Brückcnbauten so erhöht, daß eine genaue Be- rcchnung überhaupt noch nicht möglich ist. Die Gleise d e s B a h n h o s e s i n K ö l n- T c u tz, die heute noch durch das große Gelände der geplanten Neubauten sichren, müssen weithin verlegt oder unterirdisch gelegt werden. Es ist die Errichtung eines neuen A u s l a d e b a h n h o f c s geplant, von dem aus die Mass«: sofort auf die große Ver- sammlungswiese gelangen können. Außerdem soll im Zuge des Deutschen Rings eine neue breite Schiffbrücke das linke Rheinufer mit den Bauten auf dem rechten Rhein- »sei verbinden. Das würde kostspielige Niederlegungen und Umbauten auch auf dem linken Rheinufer erfordern und außerdem die Schiffahrt auf dem Rhein behindern, die jetzt im Wcichbildc Kölns unter vier großen sesten Brücken sich vollzieht. Die„Kölnische Z e i t u n g" versieht ihren Bericht mit einem sehr aufschlußreichen Satz: „Ter Führer wünscht, daß das Architekturbllro während der Bauzeit nach Müncher verlegt werde, da die Bcschästi- gung mit dem Bauvorhaben für den Führer eine geistige Erholung bedeute." Tas erklärt alles. ES ist das klinische Bild Ludwigs n„ des romantischen Baycrnkönigs, dessen Geist sich in riesigen ebenso kitschigen wie prunkvollen Bauplänen verirrte..., Neue Judenverfolgungen im Reiche Synagogen geschändet— Grabsteine umgeworfen— Aechtung von Juden Berlin, 24. Sept. Aus dem ganzen Reich kommen neue Meldungen über Malträticruugen der jüdischen Be- völkerun g. Aus Buer i» Westfalen wird gemeldet, daß die dortige Synagoge geschändet wurde. Mehr als die Hälfte der Fensterscheiben wurden zerbrochen. In daS Innere des GotcShauses sind Steine, Abfälle und llnrat geworfen worden. Ter Synagogeuvorstand wandte sich mit der Bitte um Schutzmaßnahmen an den Oberbürgermeister. Aus F r i e d l a n d in der Niederlausitz wird ein Anschlag au? den jüdischen Friedhof bekannt. Mehrere Grabsteine ivurden umgeworfen. Tie zuständige Behörde»ahm sich des Falles au und setzte eine Belohnung für die E r g r e i- f u n g der Täter aus. In die Synagoge in G roß- Gera u wurde eingebrochen und im Innern großer Unfug getrieben, mehrere Gegenstände wurden entwendet. Auch hier hat die Behörde eine Belohnung für die Namhaftmnchung n u n g tragen: Inden ist der Zutritt verboten. Das städtische Strandbad in Heilbronn hat Plakate angebracht, wonach Juden der Besuch des BadeS untersagt ist. Tas HoN^Tätigt VurcEüt* und Verkäufe mit deutschen Händ- lern!" Geeint im Metzantisemitismus Berlin°4 Sept. Ter Obcrpräsideui Wilhelm Kiivc, der Gauleiter der Kurmark. ist wieder mit einer seiner anti- semitischen Hetzreden hervorgetreten. Er sagt u. a.: Ter 0 November 1018 sah das Judentum in Mitteleuropa siegen. Es hätte nicht siegen können, wenn nicht der Kaiser,taat der Hohenzollern den Juden Tor und Tür geöffnet hätte. Wir wollen nicht vergessen, daß alle drei Kaiser aus d e in Hause der Hohen- z o l l e r n betonte I u d e n s r c u n d e iv a r e n. Tie Kette führt von Bleichröder zu Bassin und Rathenau. Tie meisten Tynastien in Teutschland handelten ebenso. Nach diesem Ausflug in die Geschichte sagte Knbe: Auch nach un- serem Sieg versucht das Judentum sich wieder breit zu machen. Daran denken wir als alte Nationalsozialisten, wenn wir in Nürnberg tagen Julius Streicher i st eine durchaus berechtigte Persönlichkeit in der G c s a m t f r o n t unseres Führers Adolf Hitler. „Schaltet den Juden vorn Viehhandel aus!" Nürnberg, 24. Tept(Z.T.A.j Tie„Fränkische TageSzei- tuilg" veröffentlicht unter dem Titel„Frei von Juden!— Ter große Tchlachiviehmarkt zu Frankfurt a. M. ohne jiidi- fche Viehhändler" in fetten Lettern folgende Bekanntmachung der Kreisbaneruichatt Ansbach über de» letzten, zu Rojch Haschanah abgehaltenen Frankfurter Schlachtviehmarkt: „Wie ans a. M. hierher gemeldet wurde, ivar der letzte groß- Schlachtviehingrkt dort vollständig sretvon jüdischen Händler n. Ties ist um so beachtenswerter als Frankfurt einen der größten und besten Schlachtvieh- markte hat. Ans diesem Anlasse waren die Hallen des Marktes mit den Fahne» des neuen Teutschland geziert und sowohl bei den Häusern wie auch Verkäufern konnte man die Freude über den ju den freien und juden- reinen Markt von den Gesichtern ablesen. Wir in Franken freuen uns umso mehr, daß die Fern- Haltung JV'v Juden von den Viehmärkten nun auch auf den großen Schlachtvieh,närficn Platz gegriffen hat. lind noch einmal, deutscher Bauer: Schalte den Juden vom Viehhandel aus, damit dn nicht mehr um den Lohn deiner Arbeit be- trogen wirst." an Ein Gotteslästerer Der Saarländer Pfarrer Arenz Es gibt jetzt eine neue Rote im Abstimmungskampf der Saar. Verzweifelt darüber, daß die Rückgliederung von Woche zu Woche fragwürdiger wird, sollen neben den politischen jetzt auch die religiösen Bataillone unter dem Kommando der„deutschen Front" kämpfen. Das zu mehr als 70 Prozent katholische Saargebiet— das ist der unge- wisse Nenner in den braunen Rechnungen. Darum werden jetzt immer zahlreicher katholische Geistliche in die vorderste Linie geworfen, die mit Rhetorik und Bibelzitat die Abstimmung zugunsten Hitler-Deutschlands zur christ- liehen und kirchlichen Pflicht erheben. Der erste war das frühere Zentrumsmitglied Pfarrer Wilhelm, der zweite Pfarrer Wüsten. Als dritter kommt zu ihnen jetzt Pfarrer Arenz. Er hat, wir bekennen es offen, im Einsatz der Religion für die blutige Diktatur des„dritten Reiches" den Gipfel erreicht. Diese drei braunen Priester haben alle Gottes Wort tzitiert. Jeder bekennt sich auf seine Weise zur Blubo- Lehre: Blut und Boden stehen ihnen höher als die Ent- scheidungen des Geistes und des Gewissens unter der religiös-sittlichen Verantwortung im Namen der Liebe und der Gnade. Aber es ist, soweit wir sehen können, bisher nicht dagewesen, daß ein katholischer Priester von „dem von Gott gesandten Führer Adolf Hitler" gesprochen hat, wie es der katholische Geistliche' Arenz in einer Versammlung in Schwemlingen getan hat. Er hat sogar noch mehr getan. Er sagte, Gott der Herr habe ihn, Adolf Hitler, den„seltenen deutschen Menschen", zur Führung von Volk und Reich gerufen, denn des Volkes Stimme sei Gottes Stimme. Per aspera ad astra! Des Volkes Stimme? Die Karriere des„dritten Reichs" zeigt auf jeder Seite die Spuren zur Vergewaltigung eines Volkes. Auf jeder Zeile das Blut und die Tränen ge- schändeter Menschen. Braune Landsknechte, deren Unter- sichrer später vom Oberführer als Verbrecher gebrand- markt und„rechtens" ermordet ivurden. haben sich in den Besitz der Macht gesetzt. Ganz legal, natürlich. Für die politische Entrechtung des deutschen Volkes, für Konzen- trationslager und Erschießung auf der Flucht verleiht Pfarrer Arenz dem Verantwortlichen den Heiligenschein des Gc ttgesandten. Er sieht, ohne daß sein Gottesbegriff und die ron ihm bei der Primiz geleisteten Schwüre ins Wanken geraten, gelassen über die Katholiken auf der langen Iagdstrecke des 30. Juni. Das heißt, wir möchten ihm nicht Unrecht tun. Er hätte die erschossenen und zer- trampelten Glaubensbrüder gar nicht sehen können. Man hat sie, dem Kirchengebot zuwider, in aller Stille ver- brannt, damit Zartbesaitete wie Pfarrer Arenz nicht ab- gestoßen werden. Das. was er nicht im Detail weiß, macht ihn nicht heiß. Er ist vollkommen damit zufrieden, daß sich Adolf Hitler in Nürnberg erneut zum positiven Christentum bekannt hat. Ja, er gedenkt sogar„dank- baren Herzens" des Konkordats! * W i r scheuen uns nicht, diesen Katholik schen Priester als Lästerer Gottes zu be- zeichnen. Gäbe es in Deutschland ein Kirchenforum, das den Mut der Märtyrer mit echtem Katakombcngeist vereinigte: es müßte diesen Priester aus der Gemeinschaft der Hirten ausstoßen. Denn die Kirche hat es zu.außen. Wenn ein Priester aufsteht und Hitlers Sein und Wireen mit einer göttlichen Sendung verbindet, d a n n w e r d e n Millionen von Katholiken an Gott und an ihrer Kirche irre und wenden sich ab. Sie denken vielleicht an 1. Kön. 12. 11. im Alten Testament. Tie Jungen,„die mit ihm aufgewachsen waren", sprachen zu Rehobeam, Solomons Sobil. er möge dem um Er» leichteriing flehenden Volke antworten:„Mein Vrl»r hat euch mit Ruten gezüchtigt. Ich will euch mit Sharonen züchtigen." * Aber wir wollen Herrn Pfarrer Arenz auf seinen polst!« schen Pfaden folgen. Jeder müsse, so sagte er, ein S'.rei'er sein„für die gute Sache an der Saar". Die französische Note habe den Saarländern ein„Iudasangebot" gemacht. Aber wir, wir Saar-Deutsche,„wir wollen nicht als Judasse das Land an der Sar um 30 Silber- iinge verkaufen, denn die Saarfrage ist für uns Das Wunder des Dr. Schacht Einige neugierige Fragen Paris, 28. September. Von unserem Korrespondenten. Von Taschenspielerkunststücken des Dr. Schacht" erzählt der«Figaro". Das Blatt meint, die Reichsregierung habe, wie man sich erinnere, in den ersten Märztagen eine brako- niiche Einschränkung der deutschen Einfuhr angeordnet. Aber, seltsam, seltsam, die Folge davon sei eine schnelle Zunahme gewesen. Man habe sogar festgestellt, daß, je geringer der Devisenvorrat war, um so mehr die Einfuhr wuchs. Es wäre nun erlaubt gewesen, zu denken, baß wenigstens im Monat August, d. h., mehr als sechs Monate nach dem Er- lan jener Verordnung, man anfange, ihre Wirkungen zu beobachten. Aber die Zahlen, die man den lebten amtlichen Veröffentlichungen des Reiches mitnehme, gäben kein Nack lassen an. Deutsche Einsuhr(in Millionen! 1933 1984 Juni 857 875 Juli 360 363 August.... 347 343 Was, so fragt das Blatt, seien nun Dr. Schachts Versiche- ruugen wert? Wenn man berücksichtige, daß die Preise der eingeführten Waren im Laufe der letzten zehn Monate erheblich gefallen seien, so ergebe sich aus den angeführten Ziffern, einwandfreien Zeugen, daß die Einfuhr im August tatsächlich höher gewesen sei als die im vergangenen Jahr. Das treffe vor allem aus die Rohstoffe zu. Obgleich nach den amtlichen Statistiken der Verbrauch der Bevölkerung heute niedriger sei als der im Jahre 1932, sei die Einfuhr der Rohstoffe erheblicher als in den letzten Jahren. Für ge- wisse Rohstoffe— man errate, welche!— erreiche sie sogar eine Zunahme von 75 Prozent. Daraus ergäben sich zwei Fragen: 1. Wozu diene die Einfuhr, die sichtlich nichts mit dem Verbrauch der deutschen Bevölkerung zu tun habe? 2. Woher kämen die zusätzlichen Devisen, die erforderlich seien für die Finanzierung der vermehrten Einfuhr? Habe nicht Dr. Schacht erst kürzlich versichert, dem Reich fehlten in einem solchen Maße Devisen, daß es selbst die normale Ein- fuhr nicht regeln könne. Figaro schließt:„Man hat da mit einem Wunder zu tun, über das uns Herr Dr. Schacht recht gut ausklären könnte." Wellie: für den Rcichsbiscüof Alles„lief ergriffen" leine Magen- und Geldfrage"- Wir raten Herrn Pfarrer urenz, über dieses Thema mit Herrn Kommerzienrat Röchling zu konferieren. Dieser Mitführer der..deutschen Front wird ihm klarmachen, daß die Rückgliederung der «aar eine Aera materieller Blüte für die Saarländer zur Folge haben werde. Tie eifrigen Hitler-Anhänger, die Ihre guten^ranken bereits bei den lothringischen Banken in Sicherheit gebracht haben, sind einwandfreie Zeugen sur heroische patriotische Gesinnung.„Deutsch die Saar tj. n." r 0 e 9 en bar": dieses politische Wort haben Gleichge- schaltete gegen andere geprägt. Aber Herr Pfarrer Arenz selbst ist der einwandfreieste Zeuge dafür, daß„Silberünge" in diesem Kampf ums Deutschtum gänzlich ausschalten, und daß Herr Goebbels in völliger Verkennung der idealistischen Selbstopferung der Saarlander ungezählte Millionen in diesen Abstim- mungskampf ä fond perdu hineinsteckt. Der Herr Pfarrer kreidet es nämlich den Franzosen bitterböse an, daß sie ihrem Geistlichen durch ihre„jüdisch-freimaurische Regie- ' J V"" e" S.i a a t s z u s ch u ß zur Aufbringung ihrer Gehälter gewähren. Aus rein religiösen Motiven ist Pfarrer Arenz über eine solche Möglichkeit erheblich bestürzt. Mit wilden Worten streitet er den Anhängern des sr-atu» quo das Vaterland ab. Die Worte seines Führers find ihm mehr wert als die„fortwährenden hysterischen Angstschreie der Status-quo-Leute". Was die Hysterie be- trifft, so hat er vermutlich seinen„Führer" noch nie am Lautsprecher gehört. Dafür hat er ihn um so gründlicher gelesen. Seitdem hat Pfarrer Arenz keine A n g st mehr vor einem Kulturkampf, wie wir ja auch niemals bereit wären, das heilige Band der Blut- und Volksgemeinschaft aus Angst vor dem Tod auf dem Schlachtfelde zu lösen". Der Herr Pfarrer vernimmt be- reits Kanonendonner und steht bereit, für die deutschen Fahnen den Sieg zu erflehen, wie es auf der anderen Seite eine anderer für die seinigen tut. Das klingt unge- heuer mutig. Herr Pfarrer Arenz. dürfen wir einige b e- scheidene Fragen stellen? Sie, der Mann asine Angst, warum schweigen Sie gegen das Widerchristentum der germanisch-heidnischen Irrlehren, die Ihr Papst geißelt und verdammt? Warum sagen Sie nichts'gegen den Vertrauten Ihres Führers, den Weltanschuunngsdiktator Alfred Rokenberq, der den Stellvertreter Ihres Gottes in Rom als„Medizin- mann" altindianischen Heidenaberglaubens in seinein ainl- Iich empfohlenen„Mythus" beschimpft? Wenn Sie ohne Angst sind: warum sagen Sie nichts zu den braunen Bestialitäten, über die Ihr Oberhirt in Trier gehäuftes Material besitzt? Ueber die Verfolgungen, Mißhandlungen. Verhaftungen von Priestern, die dem Ruf ihres ihnen von Gott geschenkten Gewissens folgten? Wenn Sie, Herr Pfarrer Arenz, ohne Furcht vor dem Kulturkampf sind: warum beugen Sie sich feige der weltlichen Gewalt, die Sie als gläubigen Katholiken zum tausendfachen Schrei wider die Berge- waltigung ewig-göitlicher Freiheitsrechte, der widergött- lichen Tötung und Verbrennung von Katholiken, der Unterdrückung der katholischen Iugendverbände und der katholischen Presse hinreißen müßte? Sie, Priester ohne Furcht und Tadel, Sie schweigen. Ihr Mut konzentriert sich auf die Verun- glimpfung derjenigen, die den Boden und die Menschen an der Saar Ihrem„Führer" nicht ausliefern wollen: U m ihres Deutschtums und ihres Deutschseins willen. Um auch Ihre Kirche, Herr Pfarrer, hier an den Ufern der Saar in ihren Freiheitsrechten gegen den „totalen Staat" zu schützen. Um sie vor dem Schicksal zu bewahren, daß sie zwangsweise in die„romfreie Einheits- Kirche" eingereiht wird, die soeben Hitlers Kirchenbeauf- tragter, Reichsbischof Müller, nicht ohne Einvernehmen mit seinem„Führer" als Ziel verkündigt hat. Wir dürfen auf weitere persönliche Anrufung des Herrn Pfarrer Arenz verzichten. Die Auseinandersetzung mit ihm hat nur einen einzigen Grund. Sie soll zeigen, wie dieser Abstimmungskampf verwirrt und vergiftet wird? wie der Name Gottes mißbraucht wird zur Beeinflussung von gläubigen Menschen, die blind gemacht werden sollen gegenüber der Wahrhaftigkeit. Wir haben der katholischen Kirche keine Vorschriften zu machen. Sie muß wissen, ob sie es sich leisten kann, daß Pfarrer an der Saar ihren heiligsten Besitz verspielen dürfen. Der Reichsbischof Müller steht am Ziel seiner Wünsche. Am Sonntag ivurdc er in einem feierlichen Akt im Berliner Dom in sein Amt eingeführt. Alles war da, was in der Hitlerkirchc Glanz und Namen hat. Die Festansprache hielt der eigentliche Führer der evangelischen Kirche, der Ministe- rialdirektor I ä g e r, der die protestantische Exekutive gegen die Opposition durchzuführen hat. Alles war ergrissen. Auch die Landesbischöfe. Das sind jene Geistlichen, die man den widerspenstigen Landessynoden auf die Nase gesetzt hat. Es fehlten, was die amtlichen Meldungen selbstverständlich ver- schweigen, der bayrische Landesbischos Mciser und der hannoversche Landesbischos Marahrens. Ter Vikar der deutschen evangelischen Kirche, Dr. Engelke, sprach unter den Klängen des Gemeindegesanges:„O heiliger Geist kehr bei uns ein." Ter älteste der evangelischen Bischöfe, Kühle- wein- Baden, gelobte im Namen seiner Kollegen treue Ge- solgschast. Schließlich sprach Reichsbischos Müller selber auch «tief ergriffen". Man sang das Horst-Westel-Lied, durch den Dom hallte ein dreifaches Sieg-Heil auf den Führer, hoch oben im Domgcwölbe leuchtete das Hakenkreuz. Das ivar die Einführung des Herrn Reichsbischof. Es ist kein Wort mehr dazu zu sagen. Höchstens dies: dieser Weiheakt erfüllt «eine nutzlosen Entmannungen Eine grundsätzliche Erkenntnis des Reichsgerichts Zur Frage der Voraussetzungen der Entmannung liegt, wie das„Ndz." meldet, ein neuerliches grundsätzliches Er- kenntnis des Reichsgerichts vor.(1 D. 612 34.) Diese Entscheidung unterstreicht den Grundsatz, daß die Entmannung nur zulässig sei, wenn die öffentliche Sicherheit sie erfordere. Das sei zivar in 8 42 k StGB, nicht ausdrücklich gesagt, nach dem Zusammenhang aber vom Gesetzgeber unzweifelhaft gewollt. In dem der Grundsatzentscheidung vorliegenden Einzelfall handelte es sich um einen Angeklagten, der bereits 62 Jahre alt ist, an Aderverkalkung litt und im Rückbildungsalter be- griffen war. Er war zu drei Jahren Gefängnis verurteilt worden. Nach Lage des Falles bezeichnet es das Reichsgericht als zweifelhaft, ob auch noch nach der Ttrafverbüßung dieser Angeklagte eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit bedeuten könne. Hierüber hätte mindestens das Urteil sich äußern müssen, und zwar aus Grund der gutachtlichen Erklärung des Sachverständigen. Auch sei es möglich, daß der verbrecherische Hang des Angeklagten selbst bei Vornahme der Entmannung n'cht beseitigt werden könne, wie in einem anderen Falle ein Sachverständiger festgestellt hatte. In einem solchen Falle, wenn die Erfolglosigkeit der Entmannung anzunehmen sei, könne sie nicht angeordnet werden, weil die öffentliche in Deutschland Hunderttausende von Protestanten mit Trauer und Scham. * lieber die große Sportpalastkundgebung der deutschen Christen erfährt man nachträglich, daß es sich um eine ausschließlich braune Veranstaltung handelte, die im Aenßeren wie im Geiste durchaus den Stil einer national- sozialistischen Versammlung nachahmte. Den Vorsitz führte ein Parteifunktionär in brauner Uniform. In TA.- Stiefeln, Breeches, in braunem Hemd sprach der deutsch- christliche Pfarrer Tausch. Man klatschte, trampelte und sang das Horst-Wesscl-Licd. Tags daraus begann die große Reichs- tagung der deutschen Christen. Ministerialdirektor Jäger be- kräftigte noch einmal die Beschlüsse der Nationalsynode und den Willen, die Opposition um jeden Preis niederzuschlagen. Es bleibt bei der Maßregelung von mehr als i960 gläubigen Pfarrer. -i° «United Preß" erfährt, daß die Rcichskirchenrcgieriing an- läßlich der Einführung des Reichsbischofes in einiger Ver- legenheit war. Diese Einführung sollte ursprünglich der Berliner Bischof Glondns vornehmen. Er weigerte sich jedoch, weil seine Gemeinde Einspruch erhoben hatte. Schließlich erklärte sich der badischc Landesbischos Kühlcwein bereit. Sicherheit keine nutzlose Maßnahme erfordere. Es sei dann zu entscheiden, ob d'e Unterbringung des Angeklagten in einer Heil- oder Pslcgeanstalt anzuordnen ist mit Rücksicht auf die verminderte Zurechnungsfähigkeit. Drs Hew««»e Der Präsident der spanischen Republik unterzeichnete ein Dekret über die Berhängung des Alarmzustandcs. Das Dekret tritt von Sonntag ab in Kraft. Zwischen Gerona und Barcelona stieß ein Lastwagen mit einem Autobus zusammen, der von zahlreichen Personen be- setzt war, die von der Weinlese in Frankreich zurückkehrten. 36 von ihnen wurden schwer verletzt. Oberst Lindbergh und seine Fran haben Sonntag nachmittag im eigenen Flugzeug die Reise nach Neuyort an» getreten, um den Behörden bei der weiteren Untersuchung gegen Richard Hauptmann zur Verfügung zu stehen, der im Verdacht steht, seinerzeit Lindberghs Kind geraubt zu haben. Ein schwerer A u t o b u s u n s a l l, bei dem zwei Menschen getötet und 26 verletzt wurden, ereignete sich am Sonntag in der Nähe von O r a n Ein vollbesetzter Autobus, der einem Lieferwagen ausweichen wollte, fuhr in voller Fahrt gegen eine Mauer»nd ging in Trümmer. Die beiden Toten find Europäer, während die Verletzten zum größten Teil Ein- geborene sind. ver umstrittene«rebserreger Zwei Erklärungen Rcgierungsrat Dr. von Brehm er und Professor Dr. Reiter übergeben der Oesscntlichkcit Stellungnahmen zum Krebsproblem. Dr. von Brehmer führt aus: Herr Prof. Dr. Reiter, Präsident des Reichs- gesundhcitsamts, hat Vertretern der Tagespreise unter Hinweis auf meine ivisscnschastlichc Arbeit, die am 25. August d. I. in der„Medizinischen Welt" erschienen ist, Angaben ge- macht, die geeignet sind, mein Ansehen als Wissenschaftler zu schädigen und die meine Veröffentlichung als unwissen- sck'altlich, leichtfertig und fantastisch hinstellt. Ich rücke von diesen, mich als Wissenschaftler persönlich kränkenden Angris- sen weit ab, und überlasse es der Wissenschast, das Urteil über meine Veröffentlichung erst dann zu fällen, wenn sie Gelegenheit genommen hat, das, ivas'ch veröffentlichte, wci- ter nachzuprüfen. Im übrigen verweise ich erneut aus meine schon früher der Taaespressc gxaebene Erklärung, daß ich jede weitere Diskussion über ivisscnschastlichc Dinge in der Tagespresse ablehne, auf die Fachpresse hinweise und meine wissenschaftlichen Forschungsergebnisse nach wie vor in vollem Umfang aufrechterhalte. Auch ist von den gleichzeitig ver- öfsentlichten Nachprüfungen eines genau festgelegten Teils nie'ner Befunde von keiner Seite etwas zurückgenommen ivorden. Ich stelle im Gegensatz zu den Angaben des Herrn Pro- sessor Dr. Reiter fest, daß schon vor mir Wissenschaftler Mi- kroorganismen gesehen und beschrieben haben, welche mit der Entstehung bösartiger Geschwülste in ursächlichem Zusam- menhang gebracht wurden. Angaben, die erst dann kritisch abgewertet werben müssen und können wenn die Frage, ob Krebs eine Erregerkrankheit ist oder nicht grnnbiätzlich ent- schieden ist. Es ist selbstverständlich, daß steriles, bakterio- logisches Arbeiten die Voraussetzung der drei Veröfsent- lichungen in der„Medizinischen Welt" waren. Es sind nicht „bessere" Ergebnisse aus Fingerbeere als aus Armvene er- zielt worden, eine Behauptung, die auf nichtsteriles Arbeiten abzielt. Im Gegenteil waren, wie aus der Ueberprüfungs- arbeit zu erlesen ist, 89 v. H. aller Blutversuchc lVene) und 75 v. H. aller Fingerbeereversuche positiv. Ich bin kein Chemiker, sondern Biologe mit bakteriologischer Vorbildung. Ferner ist aus den Veröffentlichungen genannter Fachpresse zu ersehen, daß die Beweisführung, ob der neue Mikroorga- nismus bösartige Tumoren erzeugt oder nicht, der kommen- den histologischen Veröffentlichung vorbehalten bleiben sollte, lieber die Behandlung von Krebs und die Krebsdiät habe ich bisher weder in der Fachpresse noch in der Tagespresse Alst- teilung gemacht. Es ist ungewöhnlich, diesbezügliche Mit- teilungen der Tagespresse, die, wie aus ihr zu ersehen ist, von dritter Seite stammen, ohne Rückfrage als Grundlage für eine amtliche Stellungnahme gegen mich zu benutzen. Die Zusammensetzung der Tpeztalinjektion ist, wie ebenfalls ans der Ueberprüfungsarbeit zu erlesen ist, angegeben. Ich führe keine Krankengeschichten, denn ich bin reiner Wissenschaftler und Biologe. Die Krankengeschichten, auf welche Herr Pro- sessor Retter sich bezieht, hat er an dritter medizinischer Stelle eingesehen. Auf weitere Angriffe einzugehen, muß ich mir an dieser Stelle versagen, weil sie das wissenschaftliche Gebiet streifen und zum Teil persönlichen und sachlich-insormatorischen Vor- besprechungen entstammen, die ich mit Herrn Professor Reiter als Grundlage für die kommende, bereits angeordnete und vorbesprochenc weitere Prüfung meiner Wissenschaft- lachen Befunde durch das Reichsgesundheitsamt vor ungefähr zwei Monaten hatte. Bereits im Jahre 1932 unterbreitete ich dem Reichsgesundheitsamt meine Forschungsergebnisse mit der Ablickt einer gemeinsamen, überprüfenden Zusammen- arbeit. Ich bedauere, daß der Rahmen der Veröffentlichungen in der„Medizinischen Welt", auf die man sich bei der Be- wertung der Arbeit allein stützen müßte, überschritten worden ist. Ter Präsident des Reichsgesiindhcitsamtes. Professor Reiter, bemerkt zu diesen Ausführungen des Herrn von Brehmer folgendes: Seit über einem halben Jahr werden zwischen dem Reichsgesundheitsamt im Einvernehmen mit dem Reichs- Ministerium des Innern und Herrn von Brchmer von mir stets aus das nachdrücklichste geförderte Verhandlungen ge- pflogen, um einerseits die Voraussetzungen zu schaffen, die theoretischen Auffassungen des Herrn von Breh- mcr über die Krebsfrage in den Laboratorien des Reichs- gesundheitsamtes einer Nachprüsungzu unterziehen, an- dererseits die von ihm behaupteten Heilerfolge unter Aussicht zuverlässiger Acrzte an Kranken innerhalb einer speziell für diese Prüfungen einzurichtenden Krankenabtci- lung eines Berliner Krankenhauses mit finanzieller Unter- stttbung des Reichsministeriums des Innern nachzuprüfen. Jede Erregung der Ocffcntlichkeit wäre unterblieben, wenn Herr von Brehmer sich nicht— ohne Wissen des Rcichsgesund- heitsamtes oder des Ministeriums des Innern, und nachdem letzteres schon eine namhafte Summe zur Verfügung gestellt halte— zu einer voreiligen, den Verhandlungen zu- widerlaufcnden Veröffentlichung seiner Befunde ent- schlössen hätte, von denen er wußte, daß sie noch keine B e- weise einer wissenschaftlichen Erkenntnis darstellten! Wenn Herr von Brehmer vom Inhalt der in den Tages- zeitungen wiedergegeben«:» Ausführungen jetzt abrückt, so ist es unverständlich, wie diese überhaupt in zahllosen Tages- zeitungen Einlaß erhalten konnte, zumal vielen dieser Aus- führungen sein Lichtbild beigegeben war! Es ist Unverstand- sich, warum er in der Dvsscntlichkeit nicht unmittelbar nach Erscheinen dieser zum Teil ganz ungeheuerlichen und die Volksgesundheit gefährdenden Auslassungen hiervon Mit- teilung gemacht hat, sondern erst die von ihm offenbar wenig begrüßte Rllckäußerung des Rcichsgesundhettsamtes abwar- tete! Es erscheint ganz nebensächlich, ob Herr von Brehmer als„Chemiker" bezeichnet wurde ler ist Apotheker und hat in Botanik promoviert): wichtiger und maßgebend ist es, ob er als Nichtarzt das. was er gesehen haben will, biolo- gisch richtig zu deute» und für die Hcilkunst am Menschen richtige Schlüsse zn ziehe» verstand. Die im Laufe der kommenden Monate vorzunehmenden Nachprüfungen werden bald zeigen, ob Herr von Brehmer der deutschen medizinischen Wissenschaft etwas gegeben ober genommen hat! .Amüsante Beerdigungen" Die„positiven Christen" und ihre Morde Witze über die Hitlermorde des 30. Juni Tie„Saarbrücker Zeitung" erzählt: Interessante Zahlen veröffentlicht ein französisches Kirchenblatt über die kathvlifchcn Geistlichen, die während der.französischen Revolution ihres Glaubens und Amtes wegen Verfolgungen ausgesetzt waren. Es waren insgesamt lö(52 Priester. Von diesen wurden 7 cnt- hauptet, 3 0 erschossen, 21 massakriert, 34 deportiert,77 lange Zeit gefangengehalten ldavon starben 13 im Gefängnis), 41» 1 verbannt ldavon starben 83 in der Verbannungj, 140 lebten ver- steckt sdavon starben 11 im Elends, 842 verweigerten den Eid aus die Verfassung, 017 leisteten diesen Eid, 5,9 widerriefen den Eid sofort, 100 widerriefen ihn im Jahre 170.', oder später, 120 widerriefen nicht,- 10 Priester, die ans die Verfassung geschworen hatten, wurden von den Eboans er- schössen, 2 in de» Kämpfen in der Vendeel 14 Laien wurden hingerichtet aus rein religiösen Gründen. „Interessante Zahlen". Unter der Voraussetzung, daß die Geschichtsanellen des französischen Kirchenblattes stimmen, muß man immerhin sagen, daß die Geschehnisse schon etwas lange her sind: rund ISO Jahre. Näher liegt uns der 30. Juni 1034. Zu den an diesem Tage verübten Morden hat die„Saarbrücker Zeitung" am 0. Juli geschrieben: „Tue deutsche Bevölkerung und auch die Bevölkerung des Saargebicts hat das Vertrauen zur Reichsregicrung, daß sie in Staatsnotwehr gehandelt hat. daß also die Konspirationen der Staatsverschwörer so gefährlich und io weitgehend waren, daß dies harte Durchgreifen not- wendig und nicht zu umgehen war. Aber ivir dürfen keinen Zweifel darüber lassen, daß dieses Vertrauen nun auch der Regierung die Verpflichtung auferlegt, der Bevölkerung die Notwendigkeit dieser Not- weh rm a ß n a h m e n verständlich zu machen... so... wünschen wir, daß eine regierungsseitige Verlautbarung die Maßnahmen der Staatsregterung als Notwehr ausweist und das Maß an Schuld, das den e i n z e l- n e n Beteiligten zugewiesen werden muß, klar erkennen läßt." Bis heute ist der bescheidene Wunsch der„Saarbrücker Zeitung" noch nicht erfüllt worden. Seitdem ihren Rcdak- teuren mit der Entziehung deS Brotkorbs gedroht worden ist. haben sie zu der Reichsmordaktion ihres Führers ge- schwiegen. ?a sind ihre nationalsozialistischen Kollegen von der „Deutschen Front" andere Kerle. Tie stehen zu ihrem eigenen Lumpentum und zu den Morden. 1200 Tote'? Kleinigkeit! Noch lange nicht genug! Tas tut man witzig so ab: Monate sind seit dem 30. Juni vergangen: aber noch Immer können sich die Emigranten nicht beruhigen. Wäh- rcnd sie in den ersten Tagen des Juli von 4."> Toten sprachen, steigerten sie diese Zahl in der zweiten Julibälste aus 90— Ilw, 130, 200 und heute am 21. September sind es bereits 1184 sElfhundertvierundackitzigs. Tic„Freiheit" weiß es„positiv", hat es von den üblichen„Herren in hoher Stellung" erfahren und weiß„genau", daß es noch mehr sind. Nach unseren Berechnungen werden es bis Weihnachten 499 099 Tote sein, die in der Silvesternacht die erste halbe Million überschreiten werden. Am 13. Januar kommen dann noch die Zaaremigranten hinzu, so daß wir immerhin bis Fastnacht mit einer recht amüsanten Bcerdi- gung zu rechnen haben werden. Man sieht: es sind positive Christen, und Herr Pfarrer Wilhelm bezieht mit vollem Reckst seine Monatspsründe von diesen wackeren Mitchristen.„Gelobt sei Jesus Christus". Herr Pfarrer Wilhelm, dieser milde Priester Jesu Christi, hat gewiß auch nichts dagegen, daß seine Mitchristen von der „Teutschen Front" über die amüsante Beerdigung der Katholikcnsührer Klausener und Probst witzeln, denn das war ja, wie man oben liest, die reine Karnevalsangelegenheit. Während der„Führer" und Reichskanzler noch immer nicht den Mut gefunden hat und ihn nie finden wird, die Wahrheit über seine Mordaltion vom 30. Juni zu sagen, sind im Streit mit Versicherungsgesellschaften recht interessante Feststellungen gemacht worden: Tie Mehrzahl der Opfer hatten nämlich Lebensver- sicherungcn abgeschlossen. Wie üblich, waren diese Ver- sicheruugen aus der Basis abgeschlossen, daß bei einfachem Todesfall die einfache Versicherungssumme, bei Tod durch Unfall aber die doppelte Versicherungssumme ausgezahlt wird. Tie Frage euistaud nun, welche der beiden Todesfälle bei den versicherten Opfern des 30. Juni in Frage komme. Vcrsichcrnngstechnisch handelt es sich nämlich auch um einen„einfachen Todesfall", wenn der Versicherte durch Gerichtsspruch zum Tode verurteilt und hingerichtet wird. Nun waren zwar die Opfer des 30. Juni hingerichtet worden, aber es lag kein Urteilsspruch vor. Nach langen Verhandlungen, in welche auch die Regierung eingriff, wurde nun den Angehörigen der Opicr des 30. Juni, so weit sie der N a t i o ii a l s o z i a l i st i s ch e n Partei an- gehörten, nur die einfach e Versicherungssumme ausgezahlt, da die Regierung den Standpunkt vertrat, daß ihr Tod zwar ohne vorheriges Urteil, aber durch souveränen Rechtsakt erfolgt sei. Hingegen wurde für die anderen, nicht national- s o z i a l i st i s ch en O p s e r eine auch politisch bemerkens- werte Ausnahme gemacht. Ten Hinterbliebenen dieser Toten wurde, wie man hört, die d o p p e l t e Versicherungs- summe ausgezahlt. Man gab damit zu, daß ein„Unfall" im versicherungstechnischen Sinne vorlag. So erhielten die ?lngehörigcn des Ministerialrats Ä l a u s e n e r. des Tr. B o h s e, des Rittmeisters von Kessel, des Sohnes des früheren Oberstleutnants und Kommandeurs der Marken von Kessel, des Münchener Musikkritikers Schmidt und des Vorsitzenden der katholischen Jugcndverbände der Saar, Probst, die doppelte Versicherungssumme. Ter Familie des Tr Bohse wurde sogar noch erklärt, daß die Mörder zur Rechenschaft gezogen würdein Darüberhinaus wurde der Familie eine Staatspension zu- erkannt Auch die Hinterbliebenen des Ministerialrats Klausener erhalten di e ge s e tz l i ch e P ension, aus die Ktausener als Beamter Aurecht hatte, ausbezahlt. Taß irgend etwas geschieht, um die gemeinen Mörder an den Katholikensiihrern Klausener und Probst und einst- weilen ungezählten sonstigen Opfern der Rcichsmordaktion zur Verantwortung zu ziehen, wird nicht gesagt. Tie Versicher,lngsgesellschasten haben inzwischen ange- ordnet daß für Lebensversicherungen von politischen Führern- des„dritten Reichs" erhöhte Prämien bezahlt werden müssen. Tie„Uns-llgesahr" ist zu groß, solange der„Fuhrer" und Reichskanzler regiert. Mord bleibt eine alltägliche Sache und an„amüsanten zg--rdiannaen" ist Saar- Naziterror wird festgestellt Die Internationale llnfersudiungs-Kommission tagt Saarbrücken, 24. September. Eine internationale Untersuchungskommission hat unter dem Vorsitz von Lord Marie y, dem Vizepräsidenten des englischen Oberhauses, eine Untersuchung über den Terror an der Saar angestellt und hat darüber zunächst ein Pressecommunique herausgegeben, in dem die I atsache schwersten Terrors seitens der Nationalsozialisten an der Saar festgestellt wird. Außer Lord Marley gehörten dieser internationalen Untersuchungskommission an: Graf Michael Karolyi, früherer Ministerpräsident von Ungarn, Senator Georg Branting, Sohn des früheren schwedischen Ministerpräsidenten, und der amerikanische Rechtsanwalt William O. Thompson, bis vor kurzem eine der führenden Persönlichkeiten in der ,,Nira" des amerikanischen Präsidenten Roosevelt. Die Untersuchungskommission hörte über 40 Zeugen, Männer und Frauen aus den verschiedensten Orten des Saargebietes, und zwar Arbeiter, Gewerkschaftsführer, Mitglieder verschiedener politischer Organisationen, Intellektuelle, Beamte und Geistliche. Die Kommission hatte auch Gelegenheit, mit Migliedern der Regierungskommission und mit dem Präsidenten und den Mitgliedern der Abstimmungskommission des Völkerbundes zu sprechen. In ihrem Preßcommuniguc betont die internationale Untersuchungskonimission, daß sie auf Grund der bei ihr eingegangencu Berichte über die schwere Bedrückung und die Gewalt- und Terrormaßnahmen durch die Nazianhänger an der Saar, die in direktem Zusammenhang mit dem bevorstehenden Plebiszit stehen, von einer Reihe politischer und religiöser Organisationen die Einladung erhalten bat, eine Kommission an die Saar zu entsenden, um Zeugen zu hören und Tvkumentc und Bericht an Ort und Stelle zu prüfen. Tie hervorstechendsten Tatsachen, welche die Kommission feststellte, waren: a) Tie Existenz von weit verbreiteten und organisierten Terror- und Gewaltakten zusanimen mit schwerem offenen und heimlichen moralischen Truck gegen Saarbewohncr, die als Gegner des Hitlcr-Rcgims bekannt sind. I.j Tas Bestehen von schweren Befürchtungen bei der katholischen Saarbcvölkerung in bczug ans religiöse Ver- solgungcn in Hitlcr-Teutschland. Tie Kommission erhielt Berichte über physische und moralische Bedrückung gegen Katholiken und auch Geistliche. ,» Tas Bestehen einer weit verbreiteten Forderung, daß im zeugnng, daß das bevorstehende Plebiszit weder geheim noch frei sein wird, eine Uebcrzcugung, welche die Nntcrsnchungskommission während ihrer Besprechung zur Kenntnis der Mitglieder der Abstimmungskommission brachte. ,1) Ta Bestehen einer weit verbreiteten Forderung, daß im Falle einer Majorität beim Plebiszit sür den Status quo zu einem späteren Zeitpunkt ein neues Plebiszit ver- anstaltct werden sollte. Tie Untersuchnngskommission wird dem Hilfskomitee sür die Opser Hitlers empfehlen, die Bemühungen zu unterstützen, die gegen den Naziterror an der Saar gerichtet sind. Ein vollständiger Bericht der Untersuchnngskommission wird vorbereitet und veröffentlicht werden sowie die Zeu- genaussagen und Dokumente einem nochmaligen detaillierten Studium unterzogen find. Ter Endbericht wird der zuständigen Kommission des Völkerbundes übergeben werden. 5,,,. 22. September 1934. gez. Lord Marlen, gez. William O. T h o m p s o n, gez. Georg Branting, gez. Michael Karolyi.« Die Schlußsitzung Als Abschluß ihrer Tätigkeit fand eine Schlußsitzuna der intcriiationalen Unlersuchiingskouimission mit einer Reihe Vertreter der verschiedensten politischen, gewerkschaftlichen und kulturellen Organisationen unter dem Präsidium von M a r B r a n n statt, der in seiner Begrüßungsansprache den Tank an das Marlen Komitee aussprach und dann einen Abriß der augenblicklichen Fragen des Saarproblcmö in klaren und eindringlichen Tarlegungcn gab. Seine Erklä- rungen gipfelten in dein Verlangen nach„fair plan" im Abstiiniiiuiigskaiiipfc und in dem Bekenntnis:„Wir st i m- m e n gegen Hitler, weil wir für Deutschland s i n d." Nach ihm ergriff Lord M arten das Wort, der erklärte, daß die Kommission ftärkstens beeindruckt gewesen sei von dein Ausmaß und der Intensität des Terrors, der gegen jenen Teil der Bevölkerung ausgeübt wird, der nicht in den Reihen der sogenannten„deutschen Frönt" steht. Besonders stark sei auch der Terror der aus jenen Teil der katho- tischen Bevölkerung ausgeübt werde, der sich aus rcli- giöscn Gründen nicht gleichschalten lassen wolle. Aller- stärksten Eindruck habe auf die Kommission die Furcht eines großen Teils der Bevölkerung gemacht, die annehme, daß die Abstimmung nicht ungehindert, nicht geheim und nicht frei vor sich gehen werde. Tie Erklärungen, die darüber die Abstimmungstommissioii gegenüber der llntersnchungskom- Mission gegeben habe, sehen Maßnahmen vor, die die abso- lute Geheimhaltung garantieren sollen. Auch die Frage der Freimachung der Säle werde in den nächsten Tagen praktisch gelöst werden. Lord Marlen beschäftigte sich sodann mit den Ausführungen von M a r B r a u n zur Beschaffenheit u n d A b ä II d e r b a r k c i t d e s T t a t II s a u v, zur Sicherung der Saar vor einem Putsch oder G r e n z- c i n m a r s ch und der Einhaltung der B e r t r a g s- v e r p f l i ch t ii n g e n v o m 4. I u n i d. I. v o r d e m B ö l- kcrbundsrat durch alle Beteiligten, auch durch die Ordinariate des„dritten Reiches". Marlen stellte sich restlos auf den Boden dieser Forderungen und sagte weitgehendste internationale Unterstützung für die genaueste und kor- rektcste Turchsühruna des Friedensvertrages in bczug au? die Bedingungen des Saarplebiszits zu. Tann sprach Fritz Pfordt, der ein Bild der augcnblick- lichen politischen Lage an der Saar zeigte, die besondere Bedeutung der Einheitsfront feierte und besonders die Notwendigkeit unterstrich, falls es nicht zum Bürger- krieg kommen solle, die absolute Sicherung des.Lebens und Eigentums aller AntiNationalsozialisten zu treffen. Nachdem Lord Marlen ihm kurz geantwortet und die Bc- dcutnng der Einheitsaktion ans der Autihilterseitc hervor- gehoben hatte, nahm ein katholischer Geistlicher das Wort, der ans eigenen Erfahrungen eine Reihe von Beispielen beisteuerte und dabei die Frage der bischöflichen Jurisdiktion an der Saar streifte und aus krassen Unter- schied hinwies, die die Geistlichen erfahren, je nachdem sie sich auf die Seite der nationalsozialistischen„deutschen Front" oder der Status-qno-Anhänger begeben. Er führte dabei die Beispiele einerseits der Pfarrer Wilhelm und Wüsten und andererseits des Paters Törr an. In seinem Schlußwort dankte Max Braun nochmals dem internationalen Komitee und allen Organisationen, die an dieser Schlußsitzung teilgenommen hatten und schlug im Austrage des Komitees einen Juristischen Unterausschuß für die Saar vor, der das ZentraluntersuchungSkommissionskomitee mit juristisch geprüftem, grundlegendem Material weiterhin ver- sorgen wird und dessen Vorsitz Rechtsanwalt Lehmann übernehmen wird. „was wollen Sie?" Tas amerikanische Mitglied des Untersuchungsausschusses William O. T o m p s o n kam gerade aus Berlin, wohin er im Auftrag des Welthilfskomitees sür die Opfer Hitlers gefahren war, um die Lage der Gefangenen zu studieren. Thompson hatte während seiner Berliner Reise eine sensationelle Untcrrcduna mit dem AuslandSpresi'echcs Hanf- ftaengl, in deren Verlaufe Hansstaengl erklärte, daß im Nahmen der Amnestie O s s i c tz k y, T o r g l e r und N e»- bau er freigelassen werden sollen. Ter Pressechef Hitlers fugte aber hinzu:„Wenn diese Leute sich nicht entsprechend benehmen, werden wir sie an die Wand stellen und er- schießen." Thompson äußerte sein Befremden über diese Er- klärung, worauf Sandfstaengl sagte:„Warum regen Sie sich darüber auf? Gibt es nickst genug Lynchjustiz, Erschießungen und Menschenraub in Amerika?" Als ihn Thompson daraus hinwies, daß in Amerika solche Taten von Ver- blechern, in Teutschland, aber offenbar von der Regie- rung, begangen würden, blieb Hansstaenal die Antwort schuldig. Sdiirnplbolde und Terroristen Die Sonntagspredigten der»rannen krank er Diera und die Seinen geben das Signal rar..fr»Midien Hätz' Saarbrücken, 24. September. 1934. Bei den Kundgebungen der„deutschen Front", die am Sonntag im Saargcbiet stattfanden, haben die Sprecher, an ihrer Spitze der Landesleiter P i r r o, nicht aufgehört, ihre Loyalität gegenüber der RegierungSkvmmisston zu beteuern. Sic taten es mit frommem Aufschlag der Augen: wir sind keine Terroristen! Wir halten Disziplin! Wir sind brav, und wenn die Regierungskommtssiou uns nicht glauben will und Noten über uns nach Genf schickt, so fügt sie den loyalen braunen Mannen an der Saar bitteres Unrecht zu. Aber in dem gleichen Atemzuge, in dem die Herren P i r r o, Pfarrer W i l h e l m und andere die Sanftmut selbst sind, reizen sie ihre Anhängerschaft mit u» v e r h ü l l t e n B e- schimpfungcn und Drohungen gegen ihre politischen Gegncr auf. Wir geben nachstehend einige Proben aus der Saarbrücker Rede des Landesleiters P i r r o im Wortlaut llaut„Saarbrücker Zeitung"> wieder: Aber! Plan soll sich nicht einbilden, mit uns Schindluder treiben zu können. Es gehört keineswegs zu unseren Legalitätsverpslichtungen, daß wir uns von herge- lauscnem Gesindel verhöhnen und miß- handeln lassen müssen. Unsere Disziplin und Bude, unsere feste Absicht, jede Störung vermeiden zu Helsen, scheint nämlich in letzter Zeit hier im Saargebiet von mancherlei Leuten falsch gedeutet worden zu sein. Tie Menschen, welche nicht die Frage zu beantworten haben, ob wir deutsch sind oder nicht, ob wir schnell französisch werden wollen, oder ob wir auf dem unsinnigen Umweg über den Status quo langsam-französisch gemacht werden sollen, die sollen sich nicht einbilden, wir seien sür vogelfrei erklärt worden. Dieses G c s i n d e l, das allen Grund hätte, sein vorläufiges Asyl zu belassen, wie es von ihnen vorgefunden wurde— dieses Gesindel, das allen Grund häkle, seine Gastgeber, nämlich die Gesamtheit aller Teutschen an der Saar, mindestens zu respektieren und in Ruhe zu lassen— dieses Gesindel glaubt anscheinend, wir seien nur zu seinem Mißvergnügen auf der Welt. Es mag. Neger- stämnie geben, die sich solche.Kolonisationsmethoden" fremder Eindrinalinge gefallen lassen— wir lassen uns nicht mit Peitschen der Ehrlosigkeit und des Verrats traktieren! Will dieses in den letzten Monaten hier ein- gedrungene Gesindel uns einen Vorgeschmack cicoen von jenem Status-gno-Paradics, das für sie zu gründen wir abstimmungsberechtigte Saardentsche auserkoren wurden? Nun, wir werden zwar dieses Paradies nicht gründen aber wir wollen es in der Fantasie dieser Leute wenigstens existieren lassen und ihnen am 13. I annar einen {«gel mit flammendem Schwert davor- e l l e n... .. Nein—-vir haben die sichersten Beioeise dafür, da« man unier iutfdjtum nicht mehr bezweifelt- der sicherste Beweis sind tu die unhaltbar gewordenen Berhältnisie im Saacgeviet. Ter sicherste Beweis ist der, daß deutsche is ui i grauten und Vaterlandsverräter die einzigen sind, die als angebliche Minderheit vor uns— vor der Gesamtheit der Saardeutschen, angeblich geschützt iver- den müiien—»venu es sein mutz, sogar mit Hilfe int e„r» nationaler Polizei." > Tos ist an Deutlichkeit nicht zu überbieten. Dieser braune Schimpfbold brennt vor Begier, die längst dressierte Meute aus alles loszulassen, ivas im Saargebiet um des Deutschtums wegen nicht zu Hitler zurück will. Eine noch frechere Beschimpfung der Hitlergegner leistet sich der katholische P r i e st e r Arenz, mit dem wir uns heute noch an anderer Stelle beschäftigen. Er sagte unter anderem: „Wollen wir zum Judas werden? Seit ivann beurteilt man das französische Bolk nach einem Stavisk«, die zwölf Apostel nach einem Judas, die Saarländer nach Emi- granten, die hier absolut nichts zu sagen haben?" Dieser edle Teelenhirt, ein Schänder des Glaubens und feiner Kirche, hat den Mut, anständige, für ihre Uederzeugung kämpfende Menschen mit dem Großbetrüger Staviskn zu vergleichen. Dabei weih dieser Arenz, da» sich unter den Emi- grauten an der Saar auch katholische Geistliche aus dem Reich befinden, die der mörderischen Diktatur nur mit Mühe entrannen. Bon der Beschimpfung zur Bedrohung, von der Bedrohung zur Gewalttat ist nur ein Schritt. Gibt es nachher Atien- täte aufgeputschter Leute— sofern man sie nicht zum Terror- akt gekauft hat— dann ruckt man ab, dann waren es Provo- kateure und selbstverständlich nie Angehörige der„deutschen Front". Große ElnbellsKundgebung Der Saalbau viel zu klein Die Einheitsfrontkundgebung in Neunkirchen am letzten Samstag war eine der schönsten und eindrucksvollsten Saal- kundgebungen, die die Freiheitssront in jüngster Zeit erlebte. Trotz der wenig günstigen Zeit und des wenig günstigen Wetters waren über 2000 Besucher erschienen, die leider nicht alle im Saalbau Platz fanden. Fritz Pfordt. nahm in eindrucksvollen Darlegungen gegen den sich ständig steigernden Terror und Boykott, gegen die Aechtungs- und Diffamierungsmaßnahmen und gegen die Sabotagepolitik der nationalsozialistischen„deutschen Front" an der Saar Stellung. Er begrüßte dann den Eintritt der Sowjet- union in den Völkerbund und verlangte endlich durch- greifende Maßnahmen zur Wahrung der Bedingungen des Friedensvertrages: frei, geheim und unbeeinflußt für die Saarabstimmung! Dann sprach Max Braun, der ausging von der Anwesenheit des Lorb-Marley- Komitees und dann über die Rede Neuraths mit ihrer doppelsinnigen Erwähnung der Taarsrage zur Außenpolitik des„dritten Reiches" und zur patriotischen Pflicht gegenüber der Hasardeur- und Abenteuerpolitik des„dritten Reiches" überleitete. Er schloß mit den Worten:„Jeder gute Deutsche an der Saar muß am 13. Januar um Deutschlands Willen gegen seinen Berdcrbcr Hitler stimmen!" In der anschließenden Diskussion sprach zunächst der Ge- nosse Lauer von der Kommunistischen Partei, der einige Forderungen an die Regierungskommission und an die Ab- stimmungskommission präzisierte. Ihm folgte e i n katholischer Geistlichkeit, der vom Standpunkt der katholischen Kirche aus zu dem neuheidnischen Problem des Nationalsozialismus in überzeugender W e i se Ttel- lung nahm und begeisterten Beifall der Erschienenen erntete. 5aarlragen in Genf B&rthous Eintreffen DNB. PariS, 24. Sept. Mit der Rückkehr Barthous nach Genf treten drei Hauptfragen wieder in den Bordergrund des Interesses. Diese drei Fragen sind die österreichische Un- abhängigkeit, die bevorstehende A b st i m m u n g i m Saar- gebiet und der Ostvatt. Der Genier Sonderberichterstatter des„Petit Pa- r i s i e n" behandelt eingehend die Abstimmung an der Saar und die Qstpaktpläne Frankreichs und der Sowjetunion. Der Berichterstatter bält es für unwahrscheinlich, daß die Be- ratungen über die Saaranaelegcnheit während der gegen- wärtiaen Sitzung des Völkerbundes große Fortschritte machen. Der Dreieransschuß werde mehrere Wochen benötigen, um die letzten von Frankreich in Gens unter- breiteten Borschläge zu prüfen. Der Völkerbund ivcrde sich deshalb wahrscheinlich daraus beschränken, das Arbeits,"-«- gramm des Dreieransschusses festzulegen, um die ganze An- Gelegenheit dann auf einer außerordentlichen Sitzung eingehend zu behandeln. Der Berichterstatter setzt sich in seinen weiteren Ausführungen für die Reglung der Polizeifrage ein, die keinen Au"- schuh vertrage. Er sei dringend notwendig, ein Kon- t i n g e» t von P o l i z e i b e a m t e n zu entsenden, das in den an der Taarsrage nicht interessierten Ländern ange- warben werden müsse» um der saarländischen Gendarmerie zur Seite zu stehen. „lugendpaleusdiuflen" Man schreibt uns: Das Jugendvatenschaitsbüro hat die Aufgabe, aus der Basis der internationalen Solidarität in Verbindung mit allen jungen Antifaschisten der Welt.für die antifaschistische Jugend der Länder, die am meisten vom Faschismus ge- troffen sind sin erster Linie Teutschland und Oesterreich) eine materielle und ideelle Unterstützung zu schassen. Das Büro schafft zwischen den deutschen Städten, Betrieben und anti- faschistischen Oraanisationen direkte Verbindung mit den ausländischen Betr>"ben, Organisationen usw., die die Patenschaft für sie übernommen haben. Einige Beispiele bereits bestehender Jugendpatenschasten: Blaue Blusen Bobigny... Einheitsfrontgruppe Hamburg 900 Fr. Arbeiterjugend AubervillierS... Antifajugend Gerresheim 150 Fr. Jugend Bslle'uls... Frankfurt a. M.»50 Fr. Jugend o n„ n rr„isi,_ ktbsrlottenbvrq 240 Fr. Jugendklub A>C. Paris... Baumwollspinnerei Leipzig-Mockau 50 Fr. Tieles Geld wurde bereits für den antifaschistischen Kampf der Jugend nach Teutschland überwiese«. Sedis Frauen als Geiseln in Sfadeliielm Die Rote Hilfe München erhielt von einer anti- faschistischen Arbeiterin, die fast zehn Monate lang im Gefängnis Stadelheim bei München als Geisel für ihren Bräutigam festgehalten wurde, folgenden erschütternden Bericht über die Lage der weiblichen Schutzhaftgefangenen: „Ich ivar fast dreiviertel Jahr in Einzelhast, davon einige Monate in verschärfter Haft, d. h. ohne Gesängnisarbeit und mit Leseverbot. Wir Schntzhästlinge wurden aus Grund der Verordnungen des bayrischen Justizministers Dr. Frank weit strenger als die kriminellen Strafgefangenen behandelt. Wir ließen uns aber nicht kleinkriegen und erreichten durch einen zähen Kampf, daß wir schließlich in den Arbeitssälen beschäftigt wurden. Tie Verpflegung in Stadelheim war außerordentlich schlecht, denn dort werden nur kurzfristige Strafen abge- jeffen. Obgleich der Staat für uns 1,50 Reichsmark pro Tag bezahlte, erhielten wir niemals ausreichendes Essen. Wir lebten praktisch im letzten Winter nur von den Lebens- mittet«, die wir in unseren monatlichen fünf Psundpaketen erhielten, oder die ivir uns von unserem„großen Verdienst" — monatlich 2,40 oder 3 Mark— kauften. Wir ließen uns nicht unterkriezn. Der beste Beweis dafür sind die zahlreichen Nein-Stimmen, die in Stadelheim bei der Abstimmung am 12. November 1083 abgegeben wurden, obwohl für diesen„geheimen" Wahlakt der Gefangenen die Kontrolle sowohl durch das Autsichtspersonal als durch hinzugezogene Kriminalbeamte und TA.-Männer ausgeübt wurde. Die meisten von uns befanden sich bereits acht bis zehn Monate in Hast, als die bayrische Staatsregierung Weihnachten 1033 ihre große„Gnadenaktion" ankündigte. Am 24. Dezember wurden ganze z iv e i Frauen aus der Schutz- Hastabteilung entlassen. Selbst das Gefängnispersonal war über diesen Racheakt des bayrischen Ministers Euer ent- rüstet. Unsere Empörung steigerte sich zu einer politischen Aktion, die mit dem Erfolg endete, daß wir die Feiertage in einer Gemeinschaftszelle verbringen konnten. Durch unser entschiedenes Auftreten erkämpften wir uns die Achtung des zum Teil katholischen Aussichtspersonals. Eine Aufseherin äußerte einmal:„Ihr seid tüchtige Frauen, aber wenn irgendetwas in Stadelheim los ist, dann antwortet Ihr immer geschlossen und demonstrativ." Diese Erklärung be- »ic Reichswehr Zwei Strömungen London, 23. September, lieber die beiden Strömungen, die in der Reichswehr herrschen, macht Manchester Guardian bemerkenswerte Aus- führnngen. Das Blatt sagt, die eine Strömung, die von den Generälen von Blomberg und Reichenau geleitet werde, sei völlig einig mit Hitler. Diese Richtung tendiere nach Osten, d. h. ihre Anhänger seien einem Abkommen mit Frankreich geneigt, um so eine Expansionspolitik nach dem Osten hin verfolgen zu können, ivas natürlich einen Konflikt mit Ruß- land bedeuten würde. Was nun die Anhänger der anderen Richtung anbetreffe, die sich um General von Fritsch schare, so seien ihre Gedanken- gange denen des Generals von Schleicher ähnlich. In der Innenpolitik seien sie für eine gemäßigte Form der Dik- tatur, in der Ueberzeugung, daß jede Kriegsführung unmög- lich sei, ohne die Mithilfe der Arbeiterklasse. Sie befür- werteten eine Wiederherstellung der Gewerkschaften in poli- tischer Gewandung, und man wisse, daß Vorschläge in diesem Sinne bereits gemacht worden seien, aber man beobachte hier- über das größte Stillschweigen. In der Außenpolitik tendiere diese zweite Strömung nach Westen. Sie erstrebe eine Wiederherstellung der freundschall- lichen Begehungen zur Roten Armee und ein deutsch- russisches Bündnis. Gegenwärtig habe die Ostrichtung die Oberhand, da Teutschland zur Zeit viel zu schwach sei. um im Westen eine militärische Aktion zu unternehmen und da auch der Kon- slikt im Fernen Osten Teutschland gewisse Möglichkeiten zu bieten scheine. Ein revolutionäres 1*1 anliest Vereinigte Sozialistische Partei Oesterreichs Uns geht folgender Bericht aus Wien zu: Tiefer Tage hat in Wien eine von mehr als 00 Delegierten beichickie Konferenz der illegalen sozialisti- scheu Bewegung stattgefunden, auf welcher die Ver- fchmelzung der weitaus stärksten sozialistischen Organisation der'Revolutionären Sozialisten, mit anderen aus der öfter- reichlichen Sozialdemokratie hervorgegangenen Gruppen voll- zogen wurde. Die neuentstnndene Organisation nennt sich „Bereinigte S o z i a l i st i s ch e Partei Oester- reich s". Sie besteht vorläufig in Wien, soll aber demnächst auf die Bundesländer ausgedehnt werden. In einem Auf- r u s an die Arbeiterschaft erklärt die neue Partei: „Uniere Partei ist die alleinige Erbin und Nachfolgerin der österreichischen Sozialdemokratie und zugleich eine neue ver- jüngte revolutionäre Bewegung. Sie ist die alle Gruppen umfassende sozialistische Organisation, die die völlige Einheit des österreichischen Proletariats aus ihre Fahne geschrieben hat." Ans der Konserenz wurde eine Prinzipienerklä- r u n g der neuen Partei beschlossen. In ihr heißt es u. a.: „Unsere Partei bekennt sich mit Stolz zu den glorreichen Kämpfen und großen Kulturtaten des in der Sozialdemokra- tie geeinigten österreichischen Proletariats, insbesondere zu dem heldenhaften Beispiel des Februarkampfes. Aber sie ist sich dessen bewußt, daß die durch den Sieg des Faschismus völlig veränderte Lage der Arbeiterklasse wesentliche Veränderungen in der Zielsetzung und den Methoden des Kampfes und im Aufbau der Partei erfordert. Frei von den Fehlern und Illusionen der Vergangenheit wollen wir eine neue geeinigte Bewegung ausbauen." „... Aller demokratischen Rechte beraubt, muß die Arbeiter- klaffe ihren Klassenkamps mit revolutionären Mitteln süh- ren. Tie muß in unversöhnlichem revolutionärem Kampf die faschistische Diktatur stürzen, die Staatsmacht erobern und die eroberte Staatsmacht mit den Mitteln einer revolutionären Diktatur festhalten... Erst wenn die Diktatur ihre gejchicht- liche Funktion erfüllt hat, wird durch die Zertrümmerung der wirtschaftlichen und politischen Macht des Kapitalismus die Verwirklichung der vollen Freiheit des Einzelnen in einer sich selbst verwaltenden Gemeinschaft möglich. Ueber die revolutionäre Diktatur führt der Weg zur sozialistischen Demokratie." „Wir stellen allen Formen des Faschismus in unversöhn- licher Feindschaft gegenüber: wir bekämpfen den National- sozialismus nicht minder als den Faschismus der Kanonen- und Mlgenchlisten si« iit monarchistische Reaktiog. Mir deutete für uns, eine, wenn auch unfreiwillige, Anerkennung unseres ungebrochenen Kampfwillens. Ich bin nun aus Stadelheim entlassen. Ich betrachte es aber als meine erste Pflicht, die gesamte Lessenilichkeit aufzurufen für die Rettung meiner noch immer eingekerkerten Kameradinnen, insbesondere aber für die sechs Frauen, die auf Anweisung der bayrischen Staatsregierung als Geiseln sür ihre Männer festgehalten werden. Es sind dies: Senta Beitnler, die Frau des aus der Dachauer Hölle entkommenen Abgeordneten Beintler, die, obwohl sie Mutter von zwei unmündigen Kindern ist, sich seit dem 20. 4. 1933 in Schutzhaft befindet. Maria Dengler, ihre Schwester, die im September 1933 verhastet und vor ihrer Einlieserung in Stadelheim vierzehn Tage lang im Münchener Polizeipräsidium nächt- lichen Verhören unterzogen wurde. Sie ist schwer wagen- krank und erhält, wenn sich ihr Leiden plötzlich meldet, an Stelle einer Diät einfach drei Tage nichts zu essen. T o r a H ö s e I, kommunistische Abgeordnete des bayrischen Landtags, sitzt trotz ihres schweren Unterleibsleiden seit dem 1». 3. 1933 in Schutzhast. Alle Gesuche wurden trotz ihres kleinen Kindes abgelehnt. C h r i ft i li e Fänderl, eine Mutter von vier Kindern, die schwer lungenkrank ist, befindet sich seit dem 14. 4. 1933 als Geisel in Schutzhast. Elisabeth Schreiber, Mutter eines Kindes, wird seit dem 13. 3. 1933 in Stadelheim festgehalten, obwohl ihr Mann im August 1933 verhastet und nach Dachau gebracht wurde. Seit siebzehn Monaten wartet sie auf den Tag, an dem sie zu ihrer arten Mutter und ihrem Kind zurückkehren kann. Gertrud Mink befindet sich seit dem 2. 11. 1933 als Geisel in Schutzhast, weil ihr Mann emigriert ist. Sllle Gesuche ihrer kranken Mutter, deren einzige Stütze sie war, wurden abgelehnt. Ich appelliere an das Gewissen der Welt, an alle Feinde des Faschismus und der Barbarei, an alle rechtlich denkenden Menschen ohne Unterschied der Partei und der Konsession alles einzusetzen, um gemeinsam mit der Roten Hilfe die Freiheit dieser Frauen und aller politischen Gefangenen zu erkämpfen!" kämpfen im vollen Bewußtsein, daß der Faschismus nur mit revolutionären Mitteln im Kampfe um die ganze Macht überwunden werden kann, für die wirtschaftlichen und io- zialen Interessen der Arbeiterklasse, sür die Wiederherstel- lung des Koalition«, und Streikrechts, sür das Recht der Werktätige», ihre Gesinnung zu bekenne», um diese Rechte zur Niederringung der faschistischen Diktatur auszunützen." Die Partei erklärt ferner, daß sie die Bereinigung der gesamten österreichischen Arbeiterklasse erstrebt. Tie bekennt sich zur Sozialistischen Arbeiter-Jnternationale und will in ihrem Rahmen sür die Ueberwindung aller reformistischen Illusionen, gegen jegliche Unterstützung eines imperialisti- scheu Krieges, sür die Verteidigung der Toivjetunion und für die Bereinigung des Weltproletariats zu einer einzigen, weltumspannenden Internationale wirken.— Die Konferenz' hat außerdem noch Beschlüsse über die Stellung der Partei zum Schutzbund und über ihre Haltung zu den Kommunisten gesaßt sowie ein Organisationsstatnt beschlossen. Bezeichnend für die Geschlossenheit und Zuverlässigkeit der illegalen Or- ganisation ist die Tatsache, daß mit einer einzigen Ausnahme kein Teilnehmer an der Konferenz der Polizei bekanngewor- kein Teilnehmer an der Konferenz der Polizei bekannt- geworden ist. Illulsler Marquet Ober ausländische Arbeitskräfte Paris, 23. September 1934. Der„I o n r" weist daraus hin, daß in Paris 150 206 sran- zösische Arbeiter erwerbslos seien, während man 230 000 aus- ländische Arbeiter zähle. In der Provinz betrage die Zahl der arbeitslosen Franzose» 325 900, denen S40 000 ausländische Arbeiter gegenüberständen. Ter Mitarbeiter des Blattes Claude Gandin hatte nun eine Unterredung mit Arbeitsminister Marquet, von dem er wissen wollte auf welche Weise es möglich sei, die Zahl der ausländischen Ar- bester zu verringern, um- so der Arbeitslosigkeit im Lande abzuhelfen. Marquet erklärte im großen und ganzen, daß er kaum an dem bestehenden Zustande etwas ändern könne. Der Mi- nister sagte: „Seit Beginn meiner Amtstätigkeit war die Frage der ausländischen Arbeitskräste eine meiner Hauptsorgen. Be- stimmte Resormpläne habe ich bereits fertig gestellt, aber Schwierigkeiten bereitet mir die Gleichgültigkeit der ösfent- lichen Meinung, der französischen Arbeitgeber und Arbeit» nehmer, und schließlich gibt es noch zahlreiche diplomatische Hemmungen... Zunächst einmal wurden die Arbeitgeber durch Arbeitsinspektoren kontrolliert, damit sie nicht die vom Gesetz erlaubte Beschäftigung von 10 Prozent überschritten. Als ich dann mit den Arbeitgebern selber sprach, stellte ich 40 Prozent Gleichgültigkeit und 60 Prozent eigennützige In- teressen fest; akzeptieren doch die ausländischen Arbeiter oft Bedingungen, durch die sie die französischen Arbeiter erheb» lich unterbieten. Doch auch die französischen Arbeiter find sich zum größten Teil der ihnen drohenden Gefahr nicht bewußt. Beispiels- weise errichtete eine ausländische Schuhfabrik ein Unter- nehmen in Straßburg. In Limoges, in Fougeres. Romanes» sur-Mere haben wir Tausende von Erwerbslosen in der Schuhindustrie. Nun gibt es in Ttraßbnrg sür sie Arbeits- vlätze. Nicht 17 von ihnen waren bereit, dorthin zu gehen. Tie einen sagten uns:„Da müssen wir ja»»tzteoen!" Tie anderen erklärten:„Hier wissen wir, was wir haben. Weiß man denn, was man dort haben wird?" Gewiß, mein Programm sieht vor, die Ausländer in ihre Heimatländer zurückzuschicken. Da aber kommen außenpoli- tische Rücksichten in Frage. Bevor sich die Tinge auf der Zeche ESenvelle ereigneten, forderte ich die Abreise von 6000 polnischen Arbeitern. Run geriet die polnische Botschaft«n große Aufregung. Der Botschafter kam zu mir„nd erklärte mir, allerdings sehr höflich, durch eine solch« Maßnahme würden die guten Beziehungen zwischen Frankreich und Polen leiden. Auch Außenminister Barthou griff ein, ja man wandte sich soaar an den Ministerpräsidenten Doumergue. Was war die Folge? Die Polen blieben bei uns. Mit den Italienern können wir überbaust nichts anfangen. „Was", sagte Mussolini,„ihr schick» unsere Landöleute zurück? Schön! Tann sperre ich«eine Grenzen vor eurer Prodok« eion ab. Dann wird eben Italien ans srgnzöfische Erzeug, rnff« verzichte».'' „Deutsche Freiheit", Nr. 222 ARBSIT UND WIRTSCHAFT Dienstag, den 25 Sept. 19S4 Der„neue Plan" des HJaSmar Schacht Burohratlslerie Wfrlsdiait— Ungeahnte Korroplfonsmöglidiheiten- lind immer liefer in den Abgrund Eiöen„Neuen Plan" verkündet Schacht. Der T i t e I ist ein Plagiat an Roosevelt, der sein großes Wirtschaftsexperiment so bezeichnet hat. Der Inhalt ist eine Kreuzung der Kriegsrohstoffwirtschaft Rathenaus mit dem Außenhandelsmonopol Sowjetrußlands. Das Wesen ist nicht ein Plan, bestimmt, die Krisenwirkungen zu Uberwinden, die Produktion zu steigern, in die kapitalistische Verteilung einzugreifen, um eine erhöhte Lebenshaltung des Volkes zu sichern, sondern das ^ esen ist ein mechanischerZwang, entsprungen aus der Not, in die die nationalsozialistische Diktatur die deutsche Wirtschaft aus Unfähigkeit und Leichtfertigkeit gestürzt hat; seine Folgen werden weitere Wirtschaftsschrumpfung und verschlechterte Lebenshaltung sein. Nicht um Planwirtschaft handelt es sich, sondern um Zwangswirtschaft des Krieges mitten im Frieden... Schacht hat sich ermächtigt, den„Verkehr mit Waren zu überwachen und zu regeln, insbesondere Bestimmungen über deren Beschaffung, Verteilung, Lagerung, Absatz und Verbrauch zu treffen". Er kann Anordnungen über die Aufzeichnung geschäftlicher Vorgänge, namentlich über die Buchführung erlassen. Zur Durchführung dient die Errichtung eines Systems von Ueberwachungsstellen. Waren solche bereits in den letzten Monaten für wichtige Wirtschaftsgebiete, z. B. für die Textilwirtschaft, geschaffen worden, so werden Vjjt 25 Ueberwachungsstellen eingerichtet. Die Einfuhr aller Viren ohne Ausnahme unterliegt ihrer Bewilligung; die Verteilung und Verwendung im Inland kontrollieren sie gleichfalls. An Stelle der bisherigen Devisenstellen teilen sie die Devisen für die von ihnen bewilligte Einfuhr zu. Die Devisenzuteilung, die bisher für alle Importeure und alle Importzwecke gleichmäßig erfolgte, hört auf; an ihre Stelle tritt die individuelle Genehmigung für das von der Ueberwachungs- (teile gutgeheißene einzelne Einfuhrgeschäft. Erst die Erteilung eines soMien Genehmigungsscheines ermächtigt den Importeur, die Zahlung an den ausländischen Verkäufer zu leisten. Es handelt sich also um ein lückenloses Einfuhrmonopol. Was, wieviel und woher eingeführt wird, bestimmt der Reichswirtschaftsminister; die Tätigkeit der Produzenten und Händler beschränkt sich im Wesentlichen darauf, ihren Bedarf anzumelden; ob und in welchem Umfang er befriedigt wird, entscheidet die Behörde. Zwei Bemerkungen drängen sich auf. Nicht genug hat Hitler die„Privatinitiative", die individuelle Leistung des„Führers des Betriebes" preisen können. Der angebliche Sozialist übertraf darin den ältesten Manchesterliberalen. Auf einem entscheidenden Gebiet wird jetzt die kapitalistische Initiative ausgeschaltet, die behördliche Anordnung tritt an ihre Stelle. In den Außenhandelsbeziehungen beginnt die Funktion des deutschen Unternehmens sich der des Betriebsleiters i m b o 1- schewisti sehen Rußland anzugleichen. Der Diktator denkt, aber das Wirtschaftselend, das er herbeigeführt hat, lenkt. Eine zweite Bemerkung; Die Nationalsozialisten haben nach„Abschaffung des Klassenkampfes'' die Wirtschaftszweige in Korporationen zusammenfassen wollen, in denen die Selbstverwaltung der Wirtschaft erfolgen sollte nach dem Grundsatz des Gemeinnutzes, über dessen Einhaltung der Staat wachen sollte. Aus diesem ständigen Aufbau ist nichts geworden und die Ueberwachungsstellen mit ihren tiefeingreifenden Befugnissen werden rein bürokratisch organisiert. Sie werden unumschränkt von einem vom Wirtschaftsminister ernannten Reichsbeauftragten geleitet. Nicht einmal ein Beirat muß ihm zur Seite gestellt werden. Geschieht dies aber, so werden auch dessen Mitglieder vom Minister berufen. Es ist bürokratische Zwangswirtschaft in höchster Potenz! Bei der Reglung der Einfuhr wird die Zwangswirtschaft nicht stehen bleiben. Wir haben schon erwähnt, daß auch Verteilung und Verbrauch der eingeführten Güter behördlicher Ueberwachung unterliegen. Da es keine allgemein gültigen und kontrollierbaren Grundsätze gibt, an welche die Behörde gebunden wäre, so bleibt sowohl die Einfuhrgenehmigung als die Zuteilung der eingeführten Waren ihrer Willkür überlassen. Es wird nicht zuletzt von den guten Verbindungen, von dem politischen Einfluß, von der eventuell gegen Bezahlung erworbenen— Protektion durch„alte Kämpfer" abhängen, welchen Anteil der einzelne Unternehmer ergattern kann. In dem korrupten nationalsozialistischen Milieu werden neue Korruptionsherde entstehen. Die Eingriffe in die innere Wirtschaft werden auch durch den Versuch gesteigert werden, vermehrten Export zur Devisenerlangung zu erzwingen. In letzter Zeit häufen sich die Vorwürfe wegen mangelnder„Exportfreudigkeit der deutsehen Unternehmer, die lieber auf dem Inlandsmarkt verkaufen, wo die Preise künstlich hochgetrieben worden sind und die zahllosen Scherereien mit der Verrechnung in Scrips und Sperrmark fortfallen. Jetzt können Bewilligungen zur Einfuhr von Rohstoffen solchen Firmen verweigert werden, die den Export vernachlässigen. Die Eltporttätigkeit wird kontrolliert, der Versuch, sie zwangsmäßig zu steigern, auf diesem Wege unternommen werden. Die erste Wirkung der Zwangswirtschaft wird nun d i e Einfuhrdrosselung sein, die bisher nur in geringem Maße gelungen war. Denn auch im August ist die deutsche Einfuhr gegenüber dem Juli nur um 20 Millionen auf 343 Millionen zurückgegangen. Die Ausfuhr hat um 13 Millionen auf 334 Millionen zugenommen, ein der Jahreszeit entsprechendes Ergebnis, das dem regelmäßigen Ansteigen der August ausfuhren auch in den Vorjahren entspricht. Gegenüber dem August des Vorjahres, in dem die Ausfuhr 413 Millionen betrug, ist sie dieses Jahr um 79 Millionen oder rund 20 Prozent zurückgeblieben. Während das Vorjahr ein Akt.- vum von 66 Millionen aufwies, ist dies Jahr ein Passivum von 9 Millionen zu verzeichnen. Charakteristischerweise be- trifft der Einfuhrrückgang aber hauptsächlich— mit 18 Millionte« die LsbeajffiUteleiniuhr, IM IIB Ke»efltli®en nur eine Saisonerscheinung darstellt, während die Einfuhr von Rohstoffen nur eine Verminderung von 2 Prozent aufweist, wenn auch bei einzelnen Rohstoffen, wie Wolle, Baumwolle, Mineralölen, Kautschuk, die Verminderung stärker ins Gewicht fällt. Der geringe Rückgang— trotz der bisherigen Einfuhrverbote und der Verknappung der Devisenzuteilung war die Rohstoffeinfuhr bisher größer als im Vorjahr— erklärt sich daraus, daß diejenigen Importeure, deren Devisenanforderungen nicht befriedigt wurden, ihre Einfuhr aus den Ländern, mit denen Markverrechnungsabkommen bestanden, deckten, indem sie die Beträge in Mark auf das Konto der ausländischen Notenbanken bei der Reichsbank einzahlten. Die Einzahlungen auf diese Konten steigerten sich von 68 Millionen RM. im März auf 130 im Juli, was mehr als einem Drittel der gesamten Julieinfuhr entspricht. Dazu kommen aber noch Importe, die beim Verfall überhaupt nicht bezahlt wurden. So schätzt man die Beträge, die an England für Wolle, Baumwolle, Garne und Kohle geschuldet werden, auf über 1 Million Pfund. Jetzt sind diese Wege verschlossen— Schacht muß auf sie verzichten, weil sich die Ausländer die ihnen aufoktroyierten Zwangsanleihen nicht mehr gefallen lassen— die englischen Spinner haben z. B. alle Garnlieferungen eingestellt— und bare Zahlung und sicheren Eingang am Fälligkeitstag verlangen. Schacht kann künftig also wirklich nur so viel Einfuhr zulassen, als er aus dem Export bezahlen kann. Aber die Kontrolle gestattet ihm, die Einfuhr zu manipulieren. Er wird die Einfuhr„minder wichtigen Bedarfs" einschränken und die„lebenswichtige" voll hereinlassen. Das„Lebenswichtige" für die Diktatur ist aber die Einfuhr der Kriegsrohstoffe. Es wäre eine Illusion, zu meinen, daß die beschränkt werden wird. Die Kriegsrüstungen werden ihren Fortgang nehmen nur noch mehr auf Kosten der Lebenshaltung der Massen als bisher. Alier aus ökonomischen Gründen wird, wenn es nach dem Willen der Diktatur geht, keine Einschränkung, ja nicht einmal eine Verlangsamung der Rüstungen stattfinden. Eine zweite Art der Manipulierung der Einfuhr ist dadurch gegeben, daß jetzt willkürlich bestimmt werden kann, aus welchen Ländern die Einfuhr erfolgen soll. Aus politischen Gründen ist bei dem staatlichen Einfuhrmonopol eine bessere oder schlechtere Behandlung der verschiedenen Länder ohne weiteres möglich. Dafür ist das russische Beispiel ein schlagender Beweis. Betrug doch die deutsche Ausfuhr nach Rußland im ersten Halbjahr 1933 noch 173.5 Millionen Reichsmark, im ersten Halbjahr 1934 nur noch 36 Millionen! Der oberste Grundsatz aller Handelsverträge, keine willkürliche Differenzierung vorzunehmen, verliert seine Geltung. Das ist es auch, was den Widerstand des Auslandes hervorruft, und schon ist eine englische Verhandlungsdelegation in Berlin erschienen, um nicht nur die Bezahlung der alten Warenschulden durchzusetzen, sondern auch um sich gegen jede Umgehung der handelsvertraglichen Bestimmungen zu sichern, während aus dem übrigen Auslande drohende Stimmen Vergeltungsmaßnahmen gegen jede Benachteiligung ankündigen. Schachts„Neuer Plan" enthält natürlich auch seinen alten Bluff der Autarkie und Ersatzproduktion. Große Dinge werden angekündigt. Die Autarkiegewinnler wittern Morgenluft und entwickeln großen Appetit. In den Besprechungen der Industrie mit den Behörden erörtert man die Investitionen in Höhe von einer halben Millarde Mark. Vor allem sollen Ersatzstoffe in der Textilindustrie, synthetisches Benzin und synthetischer Gummi hergestellt werden. Die Industriellen sind bereit, nur haben sie noch einiges Mißtrauen in dpn „Neuen Plan" Und so verlangen sie vom Reith nichts weniger als bindende Zusagen für die Verzinsung der investierten Kapitalien und die Uebernahme einer Ausfallgarantie. Sie sind nicht bescheiden, aber man kann das begreifen. Schlechte Geschäfte sind nicht ihre Sache und sie wissen, daß diese Ersatzstoffe nur zu stark erhöhten Kosten und Preisen herstellbar sind; daß man im Inland vielleicht durch Beimischungs- und Verbrauchszwang den Absatz durchsetzen, aber Waren aus minderwertigem oder teuerem Material nicht im Ausland exportieren kann. Gewiß sind sie bereit, sich aus Gemeinnutz an dem Plan zu beteiligen, sobald sie aus Eigennutz ihre Profite gesichert haben. Sie werden eine Enttäuschung erleben. Nicht von Hitler und Schacht, die die halbe Milliarde und mehr den schon verpulverten Milliarden nachwerfen werden, um die Diktatur zu erhalten und die fieberhaft betriebene Aufrüstung nicht zu unterbrechen. Aber Rohstoffdrosselung und Ersatzproduktion bedeuten neue Steigerung des deutschen Preisniveaus und dies bedeutet neue Verminderung der deutschen Exportfähigkeit Geringerer Export ist verminderte Deviseneinnahme, die weitere Einfuhrdrosselung erfordert, und lange bevor die Investitionen ausgeführt sind, werden die Wirkungen des„Neuen Planes" den Autarkiegewinnlern das Schicksal der Infiationsgewinnler bereitet haben... Heil Schach»' Dr. Richard Kern, F-tfewiitnuttg Wonach hoksa die hier2 Hier soll yor hundert Jahren ein eiicrner Löffd fW ffrabcn worden adn! Qeuisd ic Stimmen• fäeilaäe zur ,.!Deutsrfken Freiheit"* trei&misse und 9esrfki, daher aber auch nur eine universelle Moral, die in deiu einen Kinde verborgen liegt und die wir wiedergewinnen können, wenn wir die angeborene und natürliche Moral des Kindes entwickeln und pflegen. Die Idee dieser universellen Moral nun ist die Zentralidee dieser Kongresse. Nichtsdestoweniger eine falsche Idee, insofern auch das Kind in den verschiedenen Völkern angeborene Verschiedenheit zeigt. Die Absolutheit der Moral muß anders begründet werden. Sie braucht selbst dort nicht geleugnet zu werden, wo nur die abstrakten Ideale dieselben sind und die Praxis des Handelns ganz verschieden ist. Wenn zwei verschiedene Menschen grundverschieden handeln, so kann das vor Gott„dasselbe" sein. Darum glaube ich nicht, daß die Bedeutung des Kongresses in den vorgetragenen Moral- und Erziehungsprinzipiell liegt. Hier war nicht nur überhaupt keine Einigkeit zu erblicken, es war mangels ausreichender Diskussion auch keine Möglichkeit einer allgemeinen Meinungsbildung gegeben. Ich will von den großen Gegensätzen zwischen der deutschen Delegation(Prof. Peter Petersen aus Jena, Prof. Franz Kade aus Danzig. Dr. Theod. Wilhelm vom Deutschen Akademischen Austauschdienst in Berlin. Prof. Lipsius aus Leipzig war leider plötzlich gestorben) und d e in ganzen übrigen Kongreß absehen: auch die Gegensätze zwischen den andern Moralphilosophen waren unüberbrückbar. Betonen die einen die Wichtigkeit des kollektiven Faktors in der Erziehung fPrihodaJ, zu die ändert» cjic ilfte Persönlichkeit(Narly, Mirsky, Woysiiki). Gehen die einen psychologisch, ja voluntaristisch vor, so zeigen sich daneben immer noch Vertreter des längst totgesagten Intellektualismus, die uns das Lob der wissenschaftlichen Erziehung und des wissenschaftlichen Geistes singen. Es fehlte auch nicht au Humanisten alten Schlages, die statt nationaler Bildung einerseits, naturwissenschaftlichen Unterrichts anderseits die Pflege der griechischen und römischen Klassiker befürworten, die uns näher stünden als unsere wild lebenden leiblichen Vorfahren. Daneben herrschte Uneinigkeit, ob der Fremderziehung(durch die Gesellschaft) oder der Selbsterziebung der Vorzug zu geben sei. Josef Mirsky(Warschau) schlug eine Synthese aus beiden vor, die er„Jntegralerziehung" nannte. Er unterstrich die „Selbstverwirklichung der Persönlichkeit" und das Gebot: „Werde, der du bist". Alle diese und viele anderen Selbstverständlichkeiten klingen uns beute etwas antiquiert. Es sind analytische Urteile im Sinne Kants(wie auch die meisten der„zehn Gebote"): es kommt auf den jeweiligen Geist an, mit dem sie zu erfüllen sind. Der aber ändert sich von eiuer Zeit zur andern, von Volk zu Volk. Darum ja allein haben die groben Konkretheiten(Klasse, Rasse, Volk) heute die großen Anhängerschaften, weil der Mensch auf die Dauer von abstrakten Idealen auch geistig nicht satt wird. Das deutsche Gesicht hat sieh gewandelt. Galten die Deutschen(neben den in diesem Punkte gleichen Russen) den leidenschaftlich national empfindenden Polen von je als Menschheitsschwärmer, so hat sich das Bild jetzt gewandelt. Galt bisher, sagte Prof. Peter Petersen (Jena), der deutsche Idealismus als die eigentlich deutsche Leistung, so wird er von der heutigen deutschen Jugend als nicht mehr zuchtformend abgelehnt. Dieser Idealismus im Bunde mit dem Nationalismus hat es verschuldet, daß seit hundert Jahren(in Wirklichkeit viel länger) das deutsche Volk in eine gebildete und eine ungebildete Klasse gespalten wurde. Demgegenüber ist die neue deutsche Erziehung nach der Frage der..Existenz" ausgerichtet, ist anthropologisch geworden. Interessant war. daß Petersen den Satz de» DescartC»»„Lomt o. eik9 dHS'fik dgu andern erse tzte) „Ich hin vom andern her." Erst wenn die V ölker ihren eigenen national politischen Mächten zum Durchbruch verhelfen, sagte er, kann die Erziehung zur Menschheit erfolgen. Ganz ähnlich, schloß Kade:„Wer in Treue und Liehe zu seinem Volke steht, der dient ohne Haß und in Liebe der ganzen Menschheit." Im übrigen verwechselt er „vaterländisch" und„politisch". Sein Lohlied auf den politischen Menschen(der eine Abstraktion ist) liegt ganz und gar nicht in der Linie des deutscheu Menschen, der niemals ein politischer Mensch gewesen ist. Beweis ist Richard Wagner, der aus eigenen politischen Erfahrungen an sich und seinem Charakter zu der Erkenntnis kam:„Der politische Mann ist tviderlich, die politische Frau aber ist geradezu grauenhaft." * So kam aus den Verhandlungen nichts Neues, nichts Brauchbares heraus. Der Nutzen dieses Kongresses ist ganz und gar im Praktischen, in der internationalen liihlung- nähme gelegen, wie. wir ja Paralleleinrichtungen z. B. im Rudolf-Euchen-Haus in Jena(internationaler Gelehrtenaus- tausch) und in dem Akademischen Austauschdienst haben. Hier konnte Dr. Wilhelm(Berlin) erfreuliche Mitteilungen über den deutschen(Schülerbriefwechsel mit dem Ausland machen, und in einer der veranstalteten Ausstellungen konnte man den regen Einzel- und Gruppen-Briefwechsel zwischen Schülern aller Kulturländer mit statistischer Genauigkeit verfolgen. Unterdessen rasselte die polnische Artillerie durch Krakau und brachte den Gedanken in Erinnerung: noch sind Geist und Zucht getrennt. Gelingt es, die beiden zu vereinen, so ist das die beste Moralerziehung, die sich die kranke Menschheit wünschen kann. Paul Feldkellcr in der Basler„National-Ztg." Seltsames Preisausschreiben Ein Preisausschreiben unter den Buchbindern wurde von» Bund deutscher Buchbinder-Innungen veranstaltet. Gegenstand war ein würdiger und wohlfeiler Handeinhand für Adolf Hitlers Buch„Mein Kampf". Zum ersten Male waren bei diesem Wettbewerb Meister, Lehrlinge und Gesellen gemeinsam zugelassen. Es gingen etwa hundert Arbeiten ein, die im Lesesaal der Staatlichen Kunstbibliothek in Berlin ausgestellt waren und jetzt als Wanderautstellung in anderen Städten gezeigt werdey, Die Wuu&iBdusftle au! der Anhlagebanh ir. J H. Nachdem das Senatskomitee in Washington mit larse und Spear, den Herren der Electric Boat Company, üas südamerikanische Geschäst durchgenommen hatte, wandte es sich dem europäischen Kontinent zu. Auch hier arbeitete die Firma mit Provisionen und allerlei Ermunterungen, um Bestellungen anzukurbeln. Die vertrauliche Korrespondenz handelt von den nicht immer erfolgreichen Versuchen, in Spanien, Italien, Rumänien, der Türkei, auf dem Balkan und anderswo ins Geschäft zu kommen. Die Vertreter der Electric Boat — darunter ein imposanter Marquis, der sich nach Carses Beschreibung„wie ein kaiserlicher Prinz bewegte", und ein holländischer Kapitän in Paris, ein Kerl voller Initiative— hatten es mit den verschiedensten Leuten zu tun, die alle anscheinend gleich habgierig und unzuver- lässig waren. Die europäischen Konkurrenten benahmen sich— immer nach der Darstellung der amerikanischen Agenten— recht unfein. Senator Bone fand„ihr Ver- halten, gemessen an der amerikanischen Geschäftsmoral, reichlich brutal". Wie dem sei, die Electric Boat benahm sich wahrhaftig auch nicht fein, und was ihren Potriotis- mus betrifft, so erschien er in einem höchst fatalen Licht, als Senator Clark ein Geschäft aus dem Jahre 1916 aus- grub. Damals bestellte die italienische Regierung vier Tauchbootjäger. Nun hatte das amerikanische Staats- departement verfügt, daß der Bau solcher Fahrzeuge durch amerikanische Firmen für Rechnung kriegführender Regierungen gegen die amerikanische Neutralität ver- stoße. Um diese Bestimmung zu umgehen, unterzeichnete der Pariser Vertreter der Electric Boat den Kontrakt— im eigenen Namen und nicht als Beauftragter seiner Firma. Die Enthüllung war den Herren Carse und Spear sehr peinlich. „Unterrichteten Sie die amerikanische Regierung von dieser Transaktion?" fragte Senator Pope. „Nein," erwiderte Carse,„aber ich glaube, die Tauch- bootjäger wurden erst verschifft, als die Vereinigten Staaten in den Krieg eingetreten waren." Sieben Jahre später spielte das Staatsdepartement nicht mehr eine hindernde, sondern eine fördernde Rolle beim italienischen Geschäft. Carse teilte 1923 dem Staats- sekretär brieflich mit, daß die Electric Boat durch ihren Konzessionsinhaber, einen Konzern in Spezia, sich um Tauchbootaufträge bewerbe, und bat um amtliche Unter- stützung. Ein Vertreter des Staatssekretärs antwortete darauf, der amerikanische Botschafter sei angewiesen worden, Unterstützung in dem Rahmen zu gewähren, als sich„mit dem Interesse vereinbaren läßt, das die Regie- rung der Vereinigten Staaten an der Abrüstung nimmt." Bekannte Admirale liehen der Gesellschaft ihre Hilfe. Im Jahre 1928. erhielt der türkische Botschaster in Washington von Kemal Pascha den Auftrag, den Kauf von Waffen und Munition in die Wege zu leiten. In ge- Heimen Konferenzen versammelten sich der Washingtoner Vertreter der Electric Boat. der Botschafter und andere türkische Beamte, und als Berater erschienen Hilary Jones und H. E. L o n g, Admirale der amerikanischen Flotte. Aus dem Geschäft wurde aber nichts. Diese Episode deutet darauf hin, daß die Electric Boat Company nicht nur mit Tauchbooten zu handeln bereit ist. Tatsächlich finden wir ein Schreiben Mr. Spears aus dem Jahre 19 34 an den Pariser Vertreter der Firma wegen der Errichtung einer Agentur für Davis- Luftabwehrgeschütze. Der Vertreter konnte sich nicht persönlich damit befassen, weil er. wie er in seiner Antwort mitteilte, bereits Vertreter der Bergmann-AG., Berlin, war. die derartige Waffen fabrizieren konnte und talsäch- lich— Versailler Vertrag hin oder her— Tauchbootgeschütze für die Reichsregierung herausbrachte. Im Jahre 1929 hatte er an Carse einen empörten Brief geschrieben, worin er sagte, daß seine holländischen Landsleute den Deutschen bei der Umgehung ihrer Ver- tragsverpflichtungen behilflich seien, daß eine Reihe von Riistungsfirmen in Holland deutsche Unternehmungen seien, und daß die ganze Sache eine„kolossale Tarnung" sei. Dieser Vertreter war seiner- seits jedoch nicht ganz abgeneigt, sich der Tarnung zu bedienen. In einem andern Brief berichtet er von der Tätigkeit des Flottenoereins in Holland, den er— wie er stolz bemerkt— im Jahre 192» gegründet hatte, und dessen Ehrenmitglied er sei. Der Verein sollte unter seinem Einfluß und angeregt von einem von ihm zu stif- tendcn Preis für den besten Aufsatz über Unterseeboote eine Kampagne für den Bau von Tauchbooten zum Schutz der holländischen Besitzungen im Fernen Osten unter- nehmen.„Auf diese Weise wollte er wohl Aufträge für die von ihm vertretene Firma zusammentrommeln?" kommentierte Senator Clark.»Ja," sagte Spear lächelnd.„.■. Der Vorsitzende. Senator Nye, warf eine bedeutsame Frage cmf. Er wallte von Spear wissen, wann die offen- siven Eigenschaften des Tauchboots die defensiven zu überwiegen begannen. Die Antwort lautete, diese Ver- änderung sei jvahrscheinlich in dem Stadium der tech- nischen Entwicklung eingetreten, als das Tauchboot instandgesetzt wurde, wochenlang in See zu bleiben, ohne zu seiner Basis zurückzukehren.»Also ist man, fuhr Senator Nye fort,„berechtigt zu sagen, daß Deutschland den U-Bootkrieg nicht hätte unternehmen können, wenn die Regierung der Vereinigten Staaten sich in den Besitz aller amerikanischen Tauchbootpalente gesetzt hätte?" Spear verneinte das, aber Senator Nye Halle bereits angedeutet, daß Vorschläge zu einer gesetzlichen Reglung in dieser Richtung zu erwarten seien. Der nächste Zeuge war Mr. Louis L. Driggs, Präsident einer großen Kanonenfabrik, der Driggs Ordnance and Engineering Company, Neuyork. Er protestierte erfolglos gegen die Vorlesung von Korre- spondenz aus dem Jahre 1932, eines Briefwechsels zwischen Kommander-Leutnant James Strong und dem kolumbianischen Generalkonsul in Neuyork. Strong war damals aktiver Seeoffizier, hatte aber vom amerika- nischen Marinedepartement die Erlaubnis erhalten, sich in den Vereinigten Staaten als technischer Berater für Kolumbien zu betätigen. Die Vertreter dieser süd- amerikanischen Republik wurden mit Offerten von Rüstungsfirmen überschwemmt,, deren Verantwortunas- gefühl ebenso zweifelhaft war wie die Qualität ihres Materials. Jene Schreiben Strangs waren in der Form von Berichten gehalten, und Driggs gab zu, daß sie in seinem Büro abgefaßt worden waren. Sie handelten über die Verteidigung von Buenaventura. Tumaco, Cartago, Puerto, Colomoia und Barranquilla und empfahlen dringend den Ankauf von Kriegsmaterial, wie es die Firma Driggs liefern konnte. Um seine Argumente zu verstärken, führte Kommander-Leutnant Strong aus: Peru hat für seine Landesverteidigung Kreuzer, einen Zerstörer, Tauchboote und eine beträchtliche Lustslotte, die alle einzeln oder in gemeinsamer Aktion zu Angriffen auf die Westküste Kolumbiens, dessen nahegelegene Zentren und Verkehrs- und Transportsystem verwendet werden könnten. Mr. Driggs nahm an, daß Kommander-Leutnant Strong für diese Gutachten von Kolumbien honoriert wurde, bestritt jedoch irgendwelche Zahlungen durch seine Firma. Kommander-Leutnant Strong schied, wie es scheint, 1934 aus der amerikanischen Flotte aus und ivurde Kommandant der kolumbianischen Luftstreitkräfte. Er war es. der— so führte der Zeuge aus— in diesem Jahr amerikanische Flieger zum Dienst unter ihm anwarb, so daß das Staatsdepartement öffentlich» davor warnte. „Sie fanden nichts dabei, einen Offizier der amerika- nischen Marine als Verkaufsagent zu benützen?" fragte Senator Vandenberg. Er erhielt keine Antwort. Bei Kolumbien ging es mit einem Offizier, bei der Türkei diente ein ganzer Kreuzer als„Verkaufs- agent". Vertreter von Mr. Driggs in der Türkei ist ein ehemaliger Journalist, Herbert Allen, dessen aus- führliche und romantische Briefe dem Senatskomitee zum besten gegeben wurden. Driggs und Allen wandten sich an die amerikanische Botschaft und an das Marinedeparte- ment um Unterstützung. Der Kreuzer„Detroit", der mit Driggs Geschützen bestückt war, sollte sozusagen das Schaufenster abgeben und wäre auch 1929 nach Konstan- tinopel gegangen, wenn der Befehl rechtzeitig erteilt worden wäre. Schließlich wurde der Kreuzer„Raleigh" geschickt, und im Logbuch ist denn auch ordentlich ver- zeichnet, wie eine türkische Mission an Bord kam, um die Driggs-Geschütze zu besichtigen. Diese Vergünstigung von feiten des amerikanischen Marinedepartements sollte, so sagte Driggs zu Allen, der türkischen Regierung im strengsten Vertrauen mitgeteilt werden, denn wir müssen acht geben, daß unsere Konkurrenz das nicht auspreist, um die Haltung der amerikanische» Regierung zur Abriistungssrage zu entstellen. Der türkischen Regie- rung muß ferner gesagt werden, daß wir die allermodern- sten und besten Muster in Luftabivehrgeräten offerieren, für deren Entwurf die Regierung der Vereinigten Staaten Uber zwei Millionen Dollar ausgegeben hat. Alan erinnert sich an die aufsehenerregende Rolle, die an der Genfer Seeabrüstungskonferenz von 1928*er Rüstungsagent William Baldwin Shearer spielte. Der Name dieses Herrn tauchte in den Verhano- lungen des Senatskomitees wieder auf. Er schrieb 1931 an Driggs wegen der Preise für Gewehre, Maschinen- gewehre und den Sprengstoff T. N. T. sTrinitrotoluin) für China und wurde anscheinend an eine Londoner Firma verwiesen, die Soley Armament Company, die Driggs als„Perwertungsagentur für britische Rest- bestände" bezeichnete. Wie groß dieser Restbestand war, erhellt aus einer Mitteilung dieser Gesellschaft an Mr. Driggs im Jahre 1929. Da wurden angeboten 100 00» oder mehr Lee-Enfield-Gewehre, 3000 Lewis-Maschinen- gewehre und 25 Millionen Schuß Munition. Aber selbst diese Gesellschaft hat nach der Meinung von Mr. Driggs geringere Vorräte als eine jüdische Firma in Hamburg, die ihr„minderwertiges Zeug" in Südamerika mit Eh.na vertrieb. Zu einer bestimmten Zeit nach dem Kriege war nach der Schätzung von Driggs Deutschland der größte Lieferant dieser Art. Er wollte nicht sagen, daß dies auch für heute zutreffe, und äußerte sich nicht zu einer Bemerkung des Senators Pope, der es anormal fand, daß ein Land, dessen Rüstung vertraglich eingeschränkt ist, eine solche Waffenkammer darstellt. Die bereits erwähnte Londoner Soley Armament Company.„Lieferantin des Kriegsdepartements und des Luftministeriums", hat eine Vertretung in Amerika, die erst vor einigen Monaten gegründete American Armament Corporation. an deren Spitze Mr. Alfredo Miranda steht, ein Mexikaner, der sich in den Vereinigten Staaten natura!!- sieren ließ. Von diesem Herrn ging eine Beziehung zu Kommander Strong, dem amerikanischen Marineoffizier in kolumbianischen Diensten: Mirandas Bruder spielte für Strangs Rechnung an der Börse. Der sehr interessante Briefwechsel zwischen Alfredo Miranda und dem Haupt- mann John Ball. Generaldirektor der Soley Armament Company, wurde im Sena.s- Komitee vorgelesen. Alfredo Miranda wollte„einer sud- amerikanischen Regierung Kanonenboote offerieren" und wandte sich an Soley, erhielt aber im Januar 1934 die Antwort, daß„die britische Admiralität kein Handels- haus ist und keine Warenkataloge mit Beschreibungen dessen hat. was sie uns aus Gefälligkeit verkauft". Doch schon am 3. Februar wurde Miranda benachrichtigt, daß Soley die einzige Verkaufsstelle für Handfeuerwaffen usw. ist: Da wir tatsächlich die einzige Verkaufsstelle für Hand- seuerivassen usio. sind, die der britischen Regierung? ge- hören, und da wir m sehr großem Maße von der wech- sclndcn Politik der Regierung abhängen, so ist es für uns ziemlich schwierig, mit andern Rüsiungssirmen feste Kontrakte abzuschließen. Die Vorräte, über die ivir ver- sügen, sind so groß, daß der Verkauf eines erheblichen Teils davon das politische Kräftegleichgewicht der kleineren Staaten ändern könnte, wodurch für die Interessen der Finanz und Industrie entsprechende Komplikationen ent- stehen würden. Tie werden geioiß vollauf verstehen, daß ivir unter diesen Umstände» uns einer ziemlich strengen Kontrolle durch die beteiligten Behörden unterziehen müssen, und ivir aus politischen Gründen nicht immer den Wünschen von Ankäufern entsprechen können. Es wurde ein„Gentelmans Agreement" angeregt, wo- nach die amerikanische Gesellschaft Vertreterin für Süd- amerika würde, jedoch„Waffen für andere Bestimmungs- orte, wie für China oder europäische Länder", nicht offerieren dürfe. Major Brayton, technischer Experte der American Armament Corporation, betonte vor dem Senatskomitee. daß es sich ja nur um Handfeuerwaffen handelte, und daß demzufolge die Möglichkeit einer„Aenderung des politi- schen Kräftegleichgewichts" auf sehr kleine Staaten bc- schränkt bliebe, da heutzutage kein Krieg ohne Artillerie ausgefochten werden könne. Mehr Eindruck als dieses Argument machte jedoch auf die Senatoren ein Brief niit der Liste der gewaltigen Vorräte. Da wurden angejüh-' rund eine Million Gewehre, 20 000 Lewis-Maschinengewehre. mit Ersatzteilen. 8 000 ebensolche Maschinengewehre für Flugzeuge, 6 000 Vickers-Maschinengewehre, 4 000 Webiey-Revolver, 5 000 Smith and Wesson-Revolver, 10 000 Colt-Revolver. 120 Millionen Schuß guterhaltener Munition für Gewehre und Maschinengewehre. Heber die Geschäftsmethoden wird in einem Brief gesagt: Wir verstehen durchaus, daß Waffengeschaste in der Regel nicht getätigt werden, ohne daß man Beamte „schmiert", aber wenn Palmöl nötig ist, so muß es zum Preis zugeschlagen werden, und da unsere Preise winde- stens fünfzig Prozent unter den Fabrikpreisen für die gleichen Massen liegen, so ertragen sie eine Menge„Fett" und sind immer noch niedriger als die Fabrikantenpreise. Senator Bone warf hier die Frage ein. ob die britische Regierung Kenntnis von den Verkaufsmethoden habe, die in diesem Briefe angedeutet werden. Miranda ver- sicherte, er wisse das nicht. Ein Brief vom 24. März dieses Jahres bezog sich auf Boliviens Mangel an Flugzeugen und Geschützen und erklärte, direkte Verschiffung sei nicht möglich, solange dieses Land Krieg führe. Ter gleiche Brief handelte auch von China: China verbraucht jährlich eine große Menge Handfeuer- wafsen und hat große Quantitäten von Gewehren von»ns gekaust, hauotsächlich Mauscrgewehre(übev 100 lM)i( im Fahre 1931,321, hat aber in der letzte» Zeit nachgelassen, infolge des Vcrlusts der Mandschurei und der mangeln- den Geldslüssigkeit im Süden, d. h. Canton und Nanking. Trotz allen Träumen der Idealisten, die wähnen, daß der liomo sapiens von Ehre, Gerechtigkeit, Liebe und Selbst- ausopscrung strotze, wird Japan noch einen größeren Happen von China schnappen. Und verhältnismäßig^bald. Solange die Gelegenheit günstig ist. Ein svläier Schritt Japans würde die Interessen der Bereinigten Staaten in China ernstlich in Mitleidenschaft ziehen, und wir glauben, daß unter den obigen Umständen die Vereinigten Staaten die Chinesen unterstützen und sie niit Massen versorgen würden In diesem Falle könnte mit den großen Vor- röten an Gewehren hier etwas getan werden, und ivir meinen, es wäre für Sie sehr empfehlenswert, wenn Sie sich an das amerikanische Auswärtige Amt und das Kriegs- departement wenden, ihnen eine Liste der hiesige» Vorräte überreiche» und ihnen mitteilen würden, daß Sie der einzige Vertreter ldcr Solen Armament Company, Londons in den Vereinigten Staaten sind. Tic Welt- Vorräte an Handfeuerivassen sind in den letzten drei Jahren stark zusammengeschrumpft... Wenn ein plötzlicher Notstand eintreten würde, dann gäbe es einen starken Andrang nach sofort lieferbarem Material, und es gibt nicht viele Firmen, tue etwa 7iinii(H) Gewehre, etwa 50000 Maschinengewehre, alle vom selben Kaliber, mit Ersatz- teilen und Munition, zu sofortiger Lieferung bereit hätten. Eine andere Stelle des gleichen Briefes erregte großes Aufsehen. Es wurden japanische Rüstungen erwähnt, und dann kam der Satz:„Wie Sie wissen, sind„Brand"- Kugeln verboten! so sind sie zu„Aufspürern" geworden — was liegt schon am Namen?" Miranda sagte aus, die südamerikanischen Staaten würden auf Jahre hinaus gezwungen sein, Waffen im Ausland zu kaufen. Er habe versucht, einen Teil dieses Geschäfts für die Vereinigten Staaten zu sichern, aber das meiste sei andern Ländern zugefallen, deren Regierungen die Rllstungsfirmen sehr unterstützten. Präsident Roose- velts Verbot für die Waffenausfuhr nach Bolivi?n und Paraguay, das am 28. Mai 1934 erlassen wurde, habe die American Armament Corporation über eine Million Dollar gekostet, weil bestellte Munition nicht mehr nach Bolivien verschifft werden konnte. Miranda bekundete, dah versucht wurde, eine Ausnahme zugunsten dieser Ver- schiffung zu erwirken. Die American Armament Corporation verkaufte auch Flugzeuge. So ging ein Lock Heed- A eroplan n e ü st e n Typs nach Japan. Auch nach Süd- imerika wurden amerikanische Flugzeuge geliefert. Miranda sagte in einem Briefe, der Handelsattache und Zer Militärattache der Bereinigten Staaten in Rio de Zaneiro seien„einem Vertreter der American Armament !orporation hundertprozentig nützlich" gewesen. In einem indern Briefe erklärte Miranda, er kenne die amerika- lischsn Fliegerinnen Amelia Earhart. Ruth Nid)oIs, Zleanor Smith und andere sehr gut. Sie seien ihm bei einen Geschäften„sehr nützlich" gewesen. In den Verhandlungen wurde ein hoher brasilianischer jlegierungsbeamter belastet. Er sollte für seine Hilfe bei der Sicherung von Kontrakten für eine amerika- nische Munitionsfirma 50 000 Dollar für das Jahr 1933 bekommen. Japanisdi-sowle'nissisdie Einigung London, 24. Sept. Wie Reuter aus Tokio meldet, sollen der japanische Außenminister Htrota und der Somjetbot- schafter Jureneff zu einer unverbindlichen Einigung gckom- wen sein, wonach Soivjctrußland 170 Millionen 2)cn als Preis für die Abtretung der chinesischen Ostbahn erhalten soll. * Tie obige Mitteilung wird in der ganzen Welt mit Ge- nugtuung aufgenommen werden. Wird doch damit, zumindest für die nächste Zeit, ein Brandherd gelöscht, der nicht nur siir die russisch-japanischen Beziehungen, sondern auch für den Weltfrieden eine Gefahr bedeutete. Es kann daher begrüßt werden, daß die Sowjetunion sich bereit erklärt hat, unter allen Umständen die Ostchincsiichc Eisenbahn zu verkaufen, da dieses russische Eigentum aus der zaristischen Zeit auf dem Gebiete des Heute praktisch sich in japanischen Händen befindlichen Mandjchukuo ein Anachronismus ist. Tic Tow- jetunion hat augenblicklich so viel Aufgaben im Innern, im Zusammenhang mit dem Fünfjahresplan zu erfüllen, daß sie auch aus Kosten ihres Ansehens im Fernen Osten zur Nach- gicbigkeit gezwungen ist. Aus der Reuter-Mcldung gehen die Einzelheiten der Ab- machungcn noch nicht ganz klar hervor. Daß der Preis wirk- lich auf 170 Millionen?1en festgesetzt wurde, scheint uns nicht richtig zu sein, da bei den letzten Verhandlungen die Russen bereit waren, die Bahn für 160 MillionenBen zu verkaufen. So begrüßenswert die Einigung über die Ostchinesi'chc Eisenbahn auch ist. so muß man sich doch im klaren sein, daß damit zwar die Spannungen in jenem entlegene» Winkel der Welt sich gemildert haben, daß sie aber keineswegs end- gültig beseitigt sind. Tie russisch-japanischcu Gegensätze bleiben bei der Agrcffivität des japani'chen Imperialismus weiter bestehen. Es wird deshalb auch notwendig fein, die Entwicklung der Tinge im Fernen Osten aufmerksam zu ver- folgen, umsomehr, als das„dritte Reich« mit Hilfe seines japanische,, Bundesgenossen immer noch hofft, eines Tages den Rosenbcrgkchen Plan in Bezog aus Sowjetrußland zu verwirklichen. Hier wird unsere Aulgabe sein, diesen Plänen nach wie vor mit aller Schärfe entgegenzutreten EurMtdare§(MagMllcrcZlpi08wnmEngianil 27! Bergleute verbrannt und ersticht Im mittclcnglische» Kohlengebiet, in der Nähe von Wrexham, hat sich ein furchtbares Bergwerks- n g l ü ck ereignet. Es ist das furchtbarste, das die englischen Bergleute seit Jahre» betroffen hat. Räch den jüngsten Reibungen beträgt die Zahl der Toten und Verschollene», mit deren Ableben zu rechnen ist, 2 71. Ganz England ist in tiefer Trauer. Bor dem Unglücksschacht spielen sich herzzerreißende Szenen ab. Ter Schacht brennt weiter... Wir verzeichnen die folgenden Nachrichten: London, 23. September. In einem Kohlenbergwerk in der Nähe von Wrer.ham im mittclcnglischcn Industriegebiet hat sich eine Explosion er- eignet. Tic Schachtanlagcn sind in Brand geraten. Kurz vor der Explosion waren gerade 4IID Bergleute eingefahren. Eine Feuerwand hindert das Eindringen London, 22. Sept. Im Laufe des Samstagnachmittag wurden aus dem brennenden Schacht des Kohlenbergwerks bei Wrexham neun Tote geborgen. Es handelt sich dabei aber um sieben Schlepper, die in der Nähe der Schachtöfsnnng tot aufgesunden wurden und um zwei Angehörige der Ret- tungsmannschaft, die bei dem Versuch der Hilfeleistung umS Leben kamen. Von den Bergarbeitern, die im Innern des Bergwerks gearbeitet hatten, konnte noch kein einziger geborgen werden, da eine undurchdringliche Feuerwand das Eindringen der iliettungsniannschasteii unmöglich machte. Rettungsarheiten die ganze Nacht hindurch Wrexham, 23. Tcpt. Tie Rettungsmannschaften arbeiteten unaufhörlich die ganze Nacht hindurch,»m die 102 Berg- leute, die noch in der Unglücksarube eingeschlossen sind, zu erreichen. Bisher sind keine weiteren Leichen gesunden worden. Tas Feuer ist jetzt eingedämmt. Ter Ehefinspektor der Gruben, Sir Henry Walker, ist heute morgen in die Grube eingefahren, um die weitere Untersuchung zu leiten. lloifnungslos' London, 23. Sept. Zu der furchtbaren Bergwerkskata- strophe bei Wrexham werden weitere Einzelheiten bekannt: Tanach besteht keine Hoffnung auf Rettung der mehr als hundert abgeschlossenen Bergleute. Alle verfügbaren Poli- zeibeamten, Acrzte, Krankenschwestern und Apotheker des Bezirks wurden an Ort und Stelle entsandt. Viele Mit- glicder der Rettungsmannschaften brachen trotz ihrer Sauer- sloffmasken zusammen und mußten aus dem von Schlag- wettern erfüllten Bergwerk an die irische Luft gebracht wer- den. Sic wurden aber in jedem Fall sofort von Freiwilligen ersetzt. Das Bergwerk beschäftigte 107,9 Arbeiter unter Tag und 375 über Tag. Es wird behauptet, daß die Leitung des Bergwerks die Frage prüft, ob es notwendig ist, das Berg- werk zu schließen und abzuriegeln, um das Erlöschen des Feuers zu beschleunigen. Nur lehn Leichen geborgen Die brennende Grube wird zugemauert London, 24. Sept. Aus Wrexham wird berichtet, daß nur 10 Leichen geborgen worden sind, darunter die von zwei Mitgliedern der Rettungsabteilungen. In der Nacht zum Montag wurden die überlebenden GrubenponieS an die Oberfläche gebracht. Zur gleichen Zeit war in 600 Meter Tiefe eine Abteilung von Bergleuten damit beschäs- tigt, den brennende» Teil der Grube durch Querwände aus Ziegelsteinen und Zenment lustdicht abzusperren. Ta jetzt endgültig mit einer Verl u st liste v o n 2 6 0 M a u» g e- rechnet w e r d e» m u ß, ist die Katastrophe von Wrexham die drittichivcrste, die das Land in diesem Jahrhundert be- troffen hat. Tie Zahl der Opfer ivar nur in zwei Fällen größer, nämlich im Jahre 1910, wo in Lancashire 344 Berg- leute den Tod fanden, und im Jahre 1013, wo in Glamorgan 439 Bergleute starben. Geldjammlungen für die Hinterblie- benen des Wrexhamer Unglücks find bereits in vollem Gange. Am Sonntag abend waren über 7000 Pfund Sterling ge- zeichnet. Ble Kohlenhalde brennt 34 Arbeitslose schwer verletzt Kattowitz, 23. Sept. Auf der Kohlenhalde des Klara- Schachtes bei Ruda ereignete sicki Samstagvormittag ein cnt- sctzliches Unglück. Wie gewöhnlich, war die Kohlcnhaldc. die noch an verschiedenen Stellen mit glühender Schlacke durch- setzt ist, von zahlreichen Arbeitslosen bevölkert, die dort Kohlen sammelten. Als von einem Zuge neue Kohlenabsälle abgeladen wurden, schlage» plötzlich aus der Halde in großem Um- lange Flamme» empor. 34 Arbeitslose, die sich in der Nähe des Zuges befanden, ivurden von den Flammen erfaßt. Unter gellenden Hilferufen liefen die Unglücklichen als brennende Fackeln auseinander und bemühten sich vergeb- lich, sich der brennenden Kleider zu entledigen. Einige von ihnen sprangen in einen nahen Grubenteich, ivodurch es ihnen gelang, dem Flammentod zu entrinnen. Alle 34 er- litten schwere Brandwunden. Zehn von ihnen liegen auf den Tod darnieder. Tie Untersuchung über die Ursache des Un- glücks ist eingeleitet. Entsetzliche Szenen Eine weitere Meldung gibt folgende Schilderung: Tie Folgen untren furchtbar. Ter heftige Ostwind trieb eine zehn bis fünfzehn Meter Hobe Flammenwand von etwa 30 Meter Länge und 20 Meter Breite über die Halde. Ein Arbeitsloser»ach dem andern wurde von de» Flammen er- faßt. Entsetzliche Szenen spielten sich ab. Tic mit Kohlenstaub bedeckten Kleidungsstücke der Arbeitslosen brannten wie Zunder. Laut schreiend liefen die Unglücklichen auf der brennenden Halde umher und versuchten, sich die brennen- den Kleider vom Leib zu reißen. Einiae der Arbeitslosen entgingen dem sicheren Tod nur didurch, daß sie in einen in der Nähe liegenden Schlommtümpel sprangen. Tie Ret- tungsaktion die von der Grubenwek'r sofort eingeleitet wurde, dauerte etiva 40 Minuten. Mit Kraftwagen und anderen verfügbaren Fahrzeugen wurden die 34 Ver- unglückten in die nächsten Krankenhäuser gebracht. Wie ver- lautet, haben 15 Arbeitslose so schwere Brandverletzungen erlitten, daß sie kaum mit dem Leben davonkommen dürste». lieber 2090 Tote in Japan Ungeheure Opfer an Menschen und Material Tie Zahl der Opfer des Taisununglückes beträgt bis letzt 2064 Tote, 13 234 Verwundete, 258 Verschollene. .otio, 24 Sept. Ter Taifun, der am Freitag in Zentral- japan so überaus schwere Verwüstungen angerichtet hat, ist, wie den Berichten der meteorologischen Stationen zu ent- nehmen ist. bereits am 14. September im südlichen Teil des Pazifischen Ozeans entstanden. Er nahm zunächst seinen Weg in nordwestlicher Richtung, änderte dann seinen Kurs nach Norden ab, berührte die südliche Spitze von Kiushu in den ersten Morgenstunden des Freitags und brach mit voller Ge- ivalt in das Gebiet von Osaka am selben Tage um 8 Uhr ein. Von dort nnhin er seinen Weg über Kioto in die Japanische See. Wie sich jetzt überblicken läßt, ist das Gebiet, das von dem Taifun in Mitleidenschaft gezogen worden ist, be- deutend größer als mau ursprünglich angenommen hatte. Am schlimnisten gelitten haben, wie schon gemeldet. Osaka, Kioto und Kobe. Tie Gesamttotenzitfer belauft sich in Osaka bis jetzt auf 1030, darunter etwa 200 Schulkinder. Tie Zahl der Verletzten beträgt etwa 3000 und dix der Vermißten 286. In Osaka wurden ferner 144 Schulhäuser, 3014 Privathäuser und 3212 Fabriken zerstört. 8120 Privathäuser wurden beschädigt. In Kioto beträgt die Ziffer der Toten 207, die der Ver- wundeteu 030. 1672 Häuser, darunter 20 Schulhäuser, wurden vernichtet, 2720 Häuser wurden beschädigt. Tie Berichte aus Kobe können noch nicht als abgeschlossen betrachtet werden. Immerhin hört man von über 40 Vermißten, etwa 480 Ver- mundeten. Tie zstthl der Toten steht noch nicht fest. In Kobe Ivurden 1677 Häuser vernichtet und 9200 beschädigt. 647 Häuser ivurden weggeschwemmt und 1234 wurden unter Wasier gesetzt. Wie die Präsektur von Kotschi mitteilt.*«?> 2350 Fischerboote gekentert. rahrboo'ungiüch BBI»PKfl»T«M E. 38., Paris. Zwei Zuschriften zu diesem Thema stehen noch in «atz. Weitere Zuschriften wollen wir nicht mehr bringen. Besten Tank siir Ihre Mühe. London. Wir geben von Ihrer Mitteilung Kenntnis: Ter „Teulschc" bringt ein Bild vn der letzten Faschistendemonstration der Mosley-Leute im Hyde-Park, das er mit der Unterschrift ver- sieht:„Tie Polizisten beim Zurückdrängen der begeisterten Men- schenmagen!" Tos ist natürlich eine Fälschung von seltener Treistig- feit, in Wahrheit handelt es sich um die Zehntausende von Gegnern der Schwarzhemden, die von Polizei zurückgehalten wurden, um ihrer„Begeisterung" nicht all zu stürmisch Ausdruck zu verleihen. „Hoheneck." Wir geben von Ihrer Mitteilung Kenntnis:„Auf dem mittelfränkischen Bergschlop Hoheneck wurde am Sonntag in Gegenwart der offiziellen StandeSvertreter ein„GeisteSritieriaal" eingeweiht. In die letzte freie Nische wurde eilte Büste des nunmehr offiziellen GeisteSritterS Hitler ausgestellt."— Tas ist ja die reine Gespenstergeschichte. Ta fehlt nur noch, daß Hitlers Leu, Rieffenstahl als weiße Tame und Görings Rosalinde als Burgsräulein auftritt. An mehrere. Ihr fragt uns, ob ein Leitaufsatz in der Taarbrücker „Teutschen Front" wirklich von einem„früheren sozialdemokratischen Ehefredaktenr!>t. Seubert" stamme. Tas wird schon so sein. Ein Lümpchen dieses Namens gibt es. Er war in den ersten Nachkriegs- jähren deutschnaiional. Tann flog er a»S irgendwelchen Gründen aus der deutschnationale» Prege hinaus. Nun bestürmte er sozial- demokratische Parlamentarier mit Klagebriefe», er sei wegen seiner republikanischen und sozialdemokratischen lleberzeugung gemaßregelt worden. Tiefes Jammern und diese Bettelei dauerte jahrlnng an. Allen sozialdemokratischen Zeitungen bot er sich immer wieder ats Mitarbeiter an. Allmählich nahmen ihm einige mitleidige Seelen für gutes Geld schlechte Artikel ab. Endlich gelang es ihm tat- sächlich Nedakteur in einem kleineren sozialdemokratischen Partei- btatt zu werden. Es war die Zeit der beginnenden Krise, und die Gehälter sanken. Ta machte Herrn Seubert die ganze Sozialdemo- kratie keinen Spaß mehr und er beklagte sich, wie schlecht er bezahlt werde. An die Arbeiter und die hungernden Erwerbslosen dachte er nicht. Nun sehen wir, daß er seine Artikel an die Nazipreffe verkauft. Beger sind sie nicht geworden, aber die Honorare sind höher als einst in der Sozialdemokratie. „Assindie." Für Ihre Zuschrift danken wir: wird veröffentlicht. Wir stellen einige Ausfassungen gerne richtig. „Jugeiidpatenschasten-Büro." Ihr teilt uns u. a. mit:„Mitte Juni wurde die Polleiterin des Bezirks Mittelrhein des Jugendver- bandes, die lüfährige Jngendgenossin P. R. verhaftet. Tie Polizei brachte in Erfahrung, daß sie mit einem Genossen einen bestimmten Tress in einem Lokal hat. Tie Polizei zwang sie, in dem Lokal sich an einen Tisch zu setze» und bestellte ihr Kaffee. Einige Kriminal- beamte setzten sich dann in ihre Nähe. Sie wollte den Verbindung»'» mann z» andere» illegalen Gruppen, der Material zu übermitteln hatte, an diesem Treff verhaften. Tie Antisaschistin verhielt sich vollkommen ruhig, bis die Zeit de»' Treffpunktes heranrückte, dann sprang sie aus und stürzte den Tisch um, warf die Stühle durch- einander und schrie so laut sie konnte:„Ich trinke Euren Kaffee nicht!" Es entstand ein ungeheurer Tumult. Vor dem Kaffee sam» nickten sich die Passanten an. Tadurch wurde der Kamerad gewarnt und konnte dank des tapferen Auftretens der Antisaschistin sich und das Material in Sicherheit bringen. Tie Faschistischen Polizei- banden schleppten sie in ihren Kerker zurück, wo sie ihr aus Rache für ihren Mut— Gift in die Geschlechtsteile schütteten und sie auf das grausamste folterten." Weitergehen! Weitergehen! I Werfen Sie die„Deutsche Freiheit" nach dem Lesen nicht fort. Geben Sie das Blatt an Leute weiter, die der Aufklärung und Belehrung bedürfen! I Für den Gefamltnhalt verantwortlich: Johann Pitz In Tud- weiler: für Inserate: Cito Kuhn In Saarbrücken Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Volksstimme GmbH„ Saarbrücken 3, Schüyenilraße 5.— Tchließlach 770 Saarbrücken. In der Nähe von M a n u r o in der Präsidentschaft Bom- öan(enterte ein Fährboot 200 Personen werden vermißt. Man nimmt an. daß sie ertrunken sind. „Deutscht Jxeiheit" Aßofwementspceise: im Zustell Monat gebühr Amerika Argentinien Belgien Dänemark England Frankreich Holland Italien Luxemburg Neubelgien (Eupen-Malmedy) Oesterreich Palästina Polen Rumänien Rußland Saargebiet Schweden Schweiz Spanien Dollar Peso belg. Fr. Kr. sh kr. Fr. 11. Lire belg. Fr. belg. Fr. (verboten) sh (verboten) Lei Rubel tr. Fr. Kr. schw. Fr. Peseta T schechoslo wakei Kr. 1,- 3,- 15,- 3,70 4,- 12,- 1,50 10- 15,- 12,- 4,— 90,- 1,— 12,- 2,60 2,40 6,- 30,- 0.50, 1,- 5,30 2,30 1,10 3,75 0,40 5,- 5,30 5,30 1,10 30,- 7,50 1,70 0,80 2,- 5.50 Bei Zusendung unter Kreuzband durch die Post sind die Ponogebiihren vom Besteller mit dem Abonnementsbetrag zu entrichten