Edition de Paris Pariser Ausgabe Sinzig« unabhängige deutsche Tageszeitung INSERATEN-ANINAHME für Frankreich(ausschließlich Elsaß-Lothringen)! Publicity Metjl, Paris(3e) 51. rue de Turhigo(Ecke rue Reaiimnr Metro: Acts et Metiers) Telephon: Archive« 84-95, 84-96. 84-97 Nr. 224— 2. Jahrgang| Saarbrücken-Paris, Donnerstag, 27. Sept. 1934| Chefredakteur: M. Braun Vechexte A&stimmungslisten Seite 3 Rohstoffe unter Qestapoaufstcht Seite 4 Rüstungsindustrie auf der Anklagebank Seite 5 Diplomatie um Österreich Seite 7 Wandlungen im Süd-Osten Paris, 26. September. A. Sch. Int Süd-Osten Europas scheint sich die tiefste Umwälzung seit 1919 vorzubereiten. Im riesigen Raum Zwischen der Schweiz und Odessa, zwischen Sachsen und Venedig soll eine Generalbereinigung der Streitfragen erfolgen. Die konkrete Form und das endgültige Ergeb- nis sind noch nicht restlos geklärt, aber die treibenden Kräfte und die Richtlinien der neuen Verständigung sind bereits sichtbar. Ein doppeltes Kompromiß soll der neuen Lage im Süd- Osten zu Grunde gelegt werden: die Verständigung zwischen Frankreich und Italien einerseits, zwischen Italien und der Kleinen Entente andererseits. Die Sicherung Oesterreichs gegen die Hitler- deutsche Invasion soll eines der Hauptziele der kommen- beit Aktion sein, die niederschmetternde Niederlage Ungarns wird zu einer ihrer wichtigsten Folgen werden. Die französisch-itali.nische Verständigung ist einstweilen weiter fortgeschritten als die zwischen Italien und der Kleinen Entente. Die Verständigung zwischen Rom und Paris ist es. die Perlin am unmittelbarsten trifft und gefährdet. Mit Bestürzung schrieb die Nazi-Presse in diesen Tagen von der»Ehe zu dritt": gemeint war die Politik Frankreichs, die sich gleichzeitig auf die Sowjet- Union und nunmehr auch auf Italien stützt. Diese kontinental-europäische Politik zerschlägt sämtliche Angriffspläne Hitlers, sie erreicht das„dritte Reich" auch in einem der empfindlichsten Punkte seiner Offensive: in Oestereich. Jüngst hat die Pariser Presse die Pläne, die in Genf in der österreichischen Frage erörtert werden, zum erstenmal ausführlich behandelt. Der Standpunkt Frankreichs und der Kleinen tzntente steht danach fest: eine Reihe p.on internationalen Verträgen und Deklarationen soll zustande kommen. Sie sollen Garantien gegen den An- schluß und die Habsburger Restauration schaffen: der Völkerbund soll als höchste internationale Instanz von sich aus die Unabhängigkeit Oesterreich garantieren und mit Sanktionen versehen.„M an a r b e i t e t f e st nach dieser Richtung hi n." schreibt der immer sehr vor- sichtige Genfer Berichterstatter des offiziösen„Petit Pari ien". Weder italienische Bedenken, noch englische Einwände sind zur Zeit beseitigt, und auch die italienisch- südslawische Spannung ist noch nicht liquidiert. Aber das Ziel und die Methoden sind bereits festgelegt, und in Paris hofft man auf die sich bewährte Zähigkeit Barthous. obwohl gerade in den letzten Togen die Schwierigkeiten zwischen Rom und Belgrad sich vermehrten. Die hitlerdeutsche Politik wird in Süd-Ost noch^ in einem wichtigen Punkte geschlagen: in Ungarn. Seit 3 Wochen befindet sich der ungarische revisionistische Rationalismus im Zustande des zur Panik gesteigerten Katzenjammers. Als die Generallinie der französisch- italienischen Verständigung und der Aussöhnung zwischen Italien und der Kleinen Entente deutlich wurde, hat Graf Bethlen in„Pesti Naplo" einen berühmt gewordenen Auf- satz veröffentlicht, der gleichzeitig ein Alarmruf und eine Drohung war. Der aristokratische Vorgänger und Inspirator von Gömbös stellte mit Entsetzen fest, daß Italien bereit sei, Ungarn fallen zu lassen— und drohte mit einer noch festeren Bindung Ungarns an das Hitler- Teutschland. Beide Punkte sind gleich wichtig. Das italienisch-ungarische Bündnis ist lange Jahre die Hoch- bürg der europäischen Gegenrevolution gewesen, es hat die'deutsche Rechte ständig gelockt und in bedeutendem Maße auch die Außenpolitik Hitlers nach der Macht- Übernahme bestimmt. Dieses Bündnis bedeutete für den ungarischen Revisionismus alles, für den italienischen Faschismus sehr viel. Der Bruch zwischen den beiden be- deutet eine Katastrophe für die ungarische Außenpolitik und einen völligen Kurswechsel für die italienische. Nun wird Ungarn auf die Revislonspolitik verzichten müssen, was einem politischen und moralischen Selbstmord für die Regierung der Gegenrevolution gleich wäre, die ändert- halb Jahrzehnt von der Revisionsforderung lebt: oder er wird lich bei der Aufrechterhaltung der Revisionspolitik auf das Hitler-Teutschland stichen müssen. Diese Hitler- Orientierung der ungaritchen Politik hat d Ormeison mit dem Molicreschen Zitat charakterisiert:..Ich will zer- lcklaaen werden'" Hat Ungarn bereits vergessen, wie es an der Seite Teutschlands einmal schon durch die französisch-italienische Koalition vernichtend geschlagen ™So^ tuirb der gegenrevolutionäre faschistisch-revisionistische Block in beiden Punkten gesprengt: nach dem Bruch zwischen Deutschland und Italien kommt die Kündigung des italienisch-ungarischen Bundn isverhaltulsses.-t-as weiße, gegenrevolutionare Ungarn schaut mit Furcht m hi? Qukunil Ein ungari cher Journal,, t. Arpad Torok. schreibt aus Budapest in der..Deutschen Allgemeinen Zeitung« daß Italiens Preisgabe der ungarischen Position werde es reichliche Kompensationen in Afrika Dokumente der Schande Streidiers Ungeist herrscht in liitlerdentsdiiand Heffifches Standesamt Worms a. Rhein Worms, den 14. Febr. 1934. Betreff: Aufgebot Lang—Sdiug Beschluß Die beantragte Anordnung des Aufgebots zwischen dem Handlungsgehilfen Josef Lang in Worms, Kämmererstr. 46, und der Anna Ernestine Barbara Karoline Schug in Worms, Mainzer Straße 31, wird abgelehnt, da für den Erlaß des Aufgebots Bedenken bestehen. Gegen diesen Beschluß steht Ihnen gemäß§ 11 Abs. 3 des Personenstandsgesetzes Beschwerde hei der Aufsichtsbehörde— Amtsgericht Worms— zu. Der Standesbeamte I. Y. gez. König. Herrn Josef Lang Worms Kämmererstr.46. Anonym Einer von vielen Geehrter Herr Lang Ich warne Sie ynr noch mal, bleiben Sie von dem Mädel weg, Sie wissen genau, was dem Mädel gegenüber passiert. Ich denke, da» Tie doch endlich so viel Vernunft noch besitzen. Mit deutschem Gruß Heil Hitler •a Beschluß Worms VII 11669 1. der Anna Ernestine Barbara.Caroline Schug wird die Sorge für fite Person ihre 6 unehelichen Kindes Otto Willi Schng, geb. am 6. 2. 1982. ev., wohnhast iit WormS, einschließlich der Vertretung des Kindes in persönlichen Angelegenheiten entzogen. Diese Rechte werden dem Vormund über- tragen. Tie Kosten des Verfahrens hat die K. Schug zu tragen. Gründe: Tie Kindesmutter hat seit einiger Zeit ein Verhältnis mit dem zur Zeit im Konzentrationslager O st h o f e n befindlichen Joses Lang. Obwohl Lang der j ü- d i scheu Rasse angehört, beabsichtigte die Kindes- mutier, Lang zu heiraten und i st von diesem Vorhaben nicht abzubringen, trotzdem sie von ihren Eltern und vom Bormundschaftsgericht eindringlich belehrt worden war wie sich in der heutigen Zeit die H-sred mit einem Juden nicht nur auf sie selbst, sondern utsbe,andere auch aus ihr Kind auswirken müßte. Die Kindes- mutier hält jedoch unbelehrbar an ihrem Vorhaben f e st. Ter Vormund hat darauf am 12. 3. 1984 den Antrag gestellt, der Kindesmutter die Tort' firr die Person fies Kindes zu entziehen. Diesen Antrag hält das Gericht unter den geschilderten Verhältnissen für begründet und die Entziehung der Per- sonensorge für unbedingt erforderlich. Es liegt auf der Hand, daß das Kind trotz seiner arischen Abstammung in seinem späteren Leben nicht nur seelisch, sondern auch wirtschaftlich sehr zu leiden hat, wenn es und die ganze Familie des jll- tischen Stief- und Familienvaters wegen zurückstehen muß. Ferner führt die Tatsache, daß der zukünftige Stiefvater ar- leitslos ist, für die nächste Zukunft>'> voraussichtlich bleiben wird und die Kindesmutter dem Erwerb siir die Familie nachgehen muß, zwangsläufig dazu, daß das Kind während der Abwesenheit der Mutter ständig um den jüdischen Stiefvater ist und durch ihn in Erziehung und Eharakter beeinflußt wird. Daß eine solche Beeinflussung eines arischen Kindes durch einen Juden, s e l b st wenn s o n st gegen seine Persönlichkeit nichts vorliegt, unter allen Um- ständen den Interessen des Kindes zuwiderläuft, bedarf keiner weiteren Ausführungen. Da die Kindesmutter durch ihr Verhalten diese Gefährdung des Kindes verschuldet hat, sind auch die sonstigen Voraussetzungen des 8 1666 BGB. er- füllt, da es keinem Zweifel unterliegen kann, daß die beab- sichtigte Heirat mit einem Juden beim Vor- handensein eines Kindes arischer Ab st am- mung dem Rassenenipfinden des deutschen Volkes z u iv i d e r l ä u f t und somit unsittlich i st. Es kann dabei dahingestellt bleiben, ob in dem Verhalten der Kindesmutter nicht außerdem ein Mißbrauch des Sorge- rechts liegt, svergl. Staudinger zu§ 1666 2. B. 1, der diesen Begriff sehr weit auslegt.) Die Kosten fallen der KindeSmntter zur Last, weil sie das Verfahren durch ihr schuldhasteS Verhalten veranlaßt hat, Art. 22 I A. G. z. G. f. G. Worms, den 16. März 1934. Hessisches Amtsgericht gez. Dr. Lemsel. Ausgefertigt: L A. gez.: Unterschrift Juslizsekretär (Stempel' Frl. Anna Ernestine Barbara Karoline Sch"9 Wor m s. Drei mittönen Jungarbeiter gettOndijU Gleichgeschaltete Zeitungen schreiben von Panik Berlin, 26. Sept. lJnprcß): Sogar die gleichgeschaltete Presse muß zugeben, daß das neue Gesetz über den Arbeits- platzauslausch eine„heftige Panik" unter den junge» Leuten ausgelöst habe. Ter Ausdruck„Panik" wird ganz offen, so- wohl von der„Frankfurter Zeitung" wie vom„Berliner Tageblatt" gebraucht. Tie„Frankfurter Zeitung" beschäs- tigt sich ausführlich mit der Frage. Tie rechnet aus, dgß die Zioängsverschickung aufs Land„nur" 3 Millionen jugend- liche Arbeiter betreffen werde. Eine„übertriebene Äugst wegen des zu erwartenden Zwanges und der damit verbun- denen Nachteile sei also nicht am Platze." Gleichzeitig aber teilt die„Juristische Wochen- schritt" die Aussühruugsbestimnningeu für die Zwangs- Verschickung mit. Es wird ausdrücklich betont, daß den zum Zwecke des Anstauschs gekündigten Jugendlichen der K ü n- t> i g n n g s s ch u tz de s G es e tz e S nickt zu Gute k ä m e. Tie können also nicht etwa Klage auf Widerruf der Kündi- gung erheben. Vielmehr habe lediglich der Führer des Be- triebes die Verpflichtung, bei der Kündigung„unbillige unvermeidlich sei. Für die umstrittene ungarische Position werde es reichliche Kompensationen in Afrika erhalten und Verständigung im europäischen Süd-Osten. Es werde Ungarn fallen lassen. Tann wird die Budapester Brücke, die lange Zeit Rom und Berlin verband, in die Lust fliegen. Härten" zu vermeiden Ter Klageweg zum Arbeitsgericht stünde den Gekündigten aber keinesfalls zu. Die etwaige Einreichung einer Klage ist vom Arbeitsgericht ohne jede wate- rielle Prüfung als unzulässig abzuweisen. Neue Form der Sklavenarbeit Stuttgart, 26. Sept. sJnpreß): Die Stadtverwaltung Stuttgart hat in Göttelfingeu bei Freudenstadt ein sage- nauntes„Lager für geschlossene Fürjorge" errichtet. In diesem, im Einvernehme» mit dem Innenministerium errichteten Lager sollen, wie es in dem offiziellen Erlaß heißt,„solche Empfänger von Wohlfahrtsnnterstützung beschäftigt werden, von denen angenommen, daß sie nach Arbeitswillen. Be- tragen oder nach ihrer ganzen Einstellung den Weg zur Volksgemeinschaft nicht gefunden hätten und mit denen zu- inmitten zu arbeiten, den Pfltchtarbeiter der Stuttgarter Arbeitsstellen nach Aussicht der maßgebenden Stellen nicht zu- gemutet werden können". Der erste Transport ist bereits ausgewählt und soll demnächst abgehen. Es wird darauf hingewiesen, daß die Stadt Stuttgart bereits im letzten Jahre rigoros das Prinzip durchgeführt hat, hilfsbedürftigen Personen Unterstützungen nur gegen Arbeitsleistung zu bewilligen. Schon vor Errichtung des neuen„Lager für ge- schlossene Fürsorge" haben low Personen an verschiedenen Arbeitsstelle» Pslichtarbeit leisten zu müssen. Tor Mäctioitölds Riltithchr Wir vfriv^rfpn iüä® Srrl^hr^(i Da« britische Kabinett nach den Sommerferien W""■ V^*M VI vi Bv»fil ISIv ll> lv»lSI v Das britische Kabinett nach den Sommerferien zusammengetreten DNA. London, 25. Sept. Das britische Kabinett nahm am Dienstag nach den Sommerferien seine Sitzungen unter dem Borsitz BalöwinS wieder auf. Abivescnb waren der Premier- Minister, der Präsident des Handelsamtes, Runciman, Cun- ltffe Lister, Elliot und Lord Halifax. Eine große Zahl von il, ne"-=^^^opolitischcn fragen wirb von den britischen Ministern erwogen werden, darunter insbesondere die Berichte der Kommissare, die die Lage in den wirtschaftlichen Notgcbietcn Englands untersucht haben, sertier die deutsch- englische Handelsfrage soivic die Borbereitungen für den Wiederzusammcntritt des Parlaments am M. Oktober. i. ic bevorstehende Rückkehr des Premierministers von seinem dreimonatigen Erholungsurlaub und das normale Wiederaufleben der politischen Tätigkeit führt zu den üblichen Gerüchten über eine Umbildung der Regierung. Man hört u. a. die Vermutung, daß der Innenminister Gilmour«nd der Staatssekretär für die Kolonien. Ennliffe Lister. inö Oberhans gehe» und daß der Wohlsahrtsmintster Aoustg st- setzt werde. Auch das Gerücht, daß Außenminister Simon seinen jetzigen Posten mit dem des Lordkanzlers vertauschen werde, taucht wieder auf. Fest steht lediglich, daß der jetzige Lordkanzler, Lord Sanken, wegen seines vorgerückten Alters den Wunsch hat, bei der ersten sich bietenden Gelegenheit zurückzutreten. Das Massengrab der 264 Die Grubenkatastrophe von Gresford London, 25. Sept.(Hanns.) Ter Unglücksschachi diif Set Grube Gresford ist jetzt zugemauert. Kein Bergmann wird je.wieder in die ausgebrannten Stollen einfahren können, die zum Massengrab für 2 6 4 Grubenarbeiter geworden sind. Die ueberlebendcn sind arbeitslos geibörden. Mehr zu beklagen sind aber noch die Familien, die ihtc Er- nährer verloren haben.— Die zu Gunsten der Hinterblie- denen der Opfer der Katastrophe eingeleitete T a m m l n» g findet in ganz England reichen Zuspruch. vK» MeeiesS® In einem Vorort von Marseille kam es zst schweren politischen Zusammenstößen, bei denen zwei Petlvnen ge- tötet nnd mehrere verletzt wurden. D^s französische Großflugzeug„Regenbogen" hat am Dienstag zum vicrtcnmal den Siidatlantit überflogen«nd ist nach lSstündigem Flug von Natal kommend in Porto Prgia aus den Kap-Bexdische» Inseln gelandet. Vom Winde begünstigt hat„Rogenbogen" die Strecke mit einer Durch- schnittsgeschwindigkeit von 212 Kilometer zurückgelegt. Das „Slldkreuz^ das sich in den letztdn Woche» IN de» Luftpost- dienst von Dakkar nach Natal mit„Regenbogen" geMilt ha?, hat Villa Eisneros verlosten und tvikd sich nach Marseille begebe«, wo es tiberholt werde« soll. An der Meeresküste Englands, 9 Kilometer von Holyheaisi wurde am Dienstag abend die Tragfläche eisten Flugzeuges gefunden. Das Lustfahrtministeriuin bemüht sich, die Herkunft der Maschine aus Grund der aus der Tragfläche ver- zeichneten Buchstaben zu erkennen. Das Präsidium des Bollzugsausschusses der Komintern hat beschlossen, de» 7. W eltkon.greß de r K o m m u- n i st i s ch c n Internationale in der ersten Hälfte des Jahres 1ÜS5 stattfinden zu lasten. Der Leiter bor NINA, General Johnson, ist von stincm Postest zurückgetreten. In seinem Schreiben weist General Johnson daraus hin, daß die Nira neu organisiert werde und daß er süßte, baß sein eigener Posten überflüssig werde. Wenn er jedoch aus- griordcrt würde, an dem neuen Werk wieder mitzuwirken, werde er jederzeit dienstbereit gesunden werden. Präsident Rooievclt dankte General John so» in einem Schreiben für die der Nira getriftete Arbeit»nd klindigte an daß er in de» nächsten Tagen nach seiner Rückkehr nach Wasbington die mit der Ncvotgastisiernna der Nira znsammenhängenden Fragen mit General Johnson besprechen werde. Frauen und Wahlsieg Zum sozialistischen Wahjerfolg in Schweden An den Vorbereitungen der Wahlen in die GemetttKever- tretungen in Schweden haben die sozialdemokratischen Frauen hervorragend Anteil genommen. Ihre ausgczcich- neie Monatsschrift„Morgonbris" ist als Doppelnummer für die Wahlkampagne erschienen, daneben ist eine Separat- ausgäbe— auf dünnerem Papier— in einer Massenauflage verbreitet worden. Der Politische Hausmütterverbnud, eine neue starke Organisation der sozialdemokratischen Frauen Schwedens, hat sich die Verbreitung des Sozialismiis unter den Hausfrauen und Müttern zur Aufgabe acm.rchi. Ein eigenes Wnhlvlakat der Frauen und eigene Wahlbros-büten nnd Flugblätter wurde» von den Agitatöristneu der Partei und von den Mitgliedern der sozialdemokratiichcn Frauen- klubs. die i>ad ganze Lastd bereisten, in zählreichen Bctltiüiiil- lstngen kolportiert. Separate Angaben über die Fraiien- stimmen odct Über die Anzahl der gewählieü Bettteterliinest liegen nicht vor. Die Parolen der fviialdentokrnlljcheli Frauen: Für gesunde hygienische Wohnungen, gegen die grauen Mauern düsterer Zinskasernen, für guic Schulen, für Brot und Arbeit, Freiheit, Bölkerverftäudlquirgi Be- wahrung der Demokratie und des Friedens, fänden bei den Frauen der Arbeiter wie der Bauern guten Anklang. ..WalH'-Nadihlänge So ließ sich Hitler zum Staatsoberhaupt„wählen" Man schreibt uns ans der Pfalz: In der Kaisdr schüfe ist Pirmasens ereignete sich am Waiiltajj folgendes Vorkommnis: Ein Mann betrat mit seiner Fräst das Wdhuokal. Man drückte ihm einen fertigen Ttiinwscheist in die Hand. Der Kreis hinter dem Ja war bereits angekreuzt. Er hatte den Mut zu vrotesticren und forderte von dem TA.- Hann,der Wahlhelscrdienste tat, unter Berufung aus den Er- laß der Reichsregicrung daß die Wahlhandlung geheim sein müsse, einen n e u e n Tlimmschein. Nach einigem Hin und Her erhielt er den Tiilpmschein. Er begab sich in die Zelle. Der Zugang zu dieser Zelli war diesmal sticht an der Wanbseite, Die Deftcnninisbewegung ruft zum Sturm gegen den Reidisblsdioi nitler als„Vermittler- Wilde Scene in der Ktrdie Seit mehr als Jahresfrist schwebt über dem deutschen Protestantismus die Gefahr eines Schismas. Alle Be- fürchtnugen haben sich indes bisher nicht verwirklicht? der entscheidende Bruch wurde nicht vollzogen. Nun aber scheint die Stunde da zn sei», wo es keine Brücken mehr gibt. Wir verzeichnen einige Tatsachen. In der gleichen Stunde, in der die pompöse Zeremonie der Einführung des Reichsbischofs Müller im Berliner Dom durchgeführt ivürde, ließen die ist der Bekenntnisbewegung vereinigten Pfarrer im ganzen Reich eins Protestkundgebung verlesen, die ganz beispiellos ist ist der neueren Kirchrngesrhichte. Diese Kundgebung stößt den Reichsbischos und seinen Vertrauens- mastn und juristischen Sachwalter Jäger geradezu aus der christlichen Gemeinschatt»irs ES heißt in der Erklärung: „Wir verwerfen die Irrlehre, die über die Bekennst- nisie hinweg eine dentsche Rationalkirche mit deutsch- gläubigem Einschlag erstrebt. Weil sie das tun, haben sich der Reichsbischos Müller und der Rechtswalter Jäger sowie alle, die ihnen Gefolgschaft teisten, von der christ- lichen Gemeinde geschiede». Diese Scheidung muß die christliche Gemeinde sehen, anerkennen nnd voll- ziehen. Man wird jetzt»ersuchen, das Gewaltreginient zn vollenden und dabei noch stärker als bisher die Predigt des lauteren»nd nnverkürzten Evangeliums zu unterdrücken." Gegen die Vertreter der Reichskirchenregieruiig wird ein Bannstrahl gerichtet, der sich nicht mehr auf bloße Organi- sation, sondern auf das Evangelium selber bezieht. Tie Furcht vor dem Schisma ist im offiziellen Kirchestlager bereits so groß, daß sich Müller und Jäger bei Hitler um den Erlaß eines Gesetzes bemühen, das auf drei Jahre hinaus Kirchenans-tritte verbieten soll. Das bedeutete einen offene» Eingriff in die Freiheit der religiösen Bekenntnisse— mit unübersehbaren Folgen. ES sind jetzt Dreiviertel aller evangelischen Pfarrer im Kampf mit dem Reichsbischos. Die Größe des Hasses der feindlichen Kirchengruppen untereinander ist kaum noch zu überbieten. Der religiös indifferente Hitler, der zudem noch formell Katholik ist, ist bei äußerster Autorität nicht mckhr imstande, in diesem Kirchenstreit vermittelnd einzugreifen., Handgemenge in der Kirche Der Bischof in Schutzhaft Unvermindert tobt der Kampf in S ü d d e u t s ch l a n d. Offen hat sich der bayerische Landesbischos Meise r hinter den gemaßregelten Landesbischos Wurm von Württemberg gestellt. Da ihm in München und in Nürnberg das Predigen offiziell verboten wurde, mutzte er in Ansbach Gottesdienst abhalten. Hier verlas er die Proklamation der Bekenntnis setzt. Wurm lehnte es aS. sein Dienstgebäude zu verlassen. Daraufhin wurde er zwangsweise in seiner Wohnung lest- gehalten und bewacht. In der Markuskirche in«t u t t g a r t ist es am Sonntaa zu einer schwere» Störung des Gottesdienstes gekommen. Als der Pfarrer tick) hinter den Landesbischos stellte, stimmte eine Gruppe von Nationalsozialisten einen Sprechchor an. ES kam zu einem Handgemenge in der Kirche. Tie Störer, die von einem Nationalsozialisten in Uniform, ei-ircm Ämtsmalter, geführt wurden, wurden von den übrigen- Gemeindemitglicöern gewaltsam aus der Kirche getrieben. Nicht viel anders ist es in H a u n o n e r. Jetzt sollen zwölf Bischöfe der Müller-Richtung in das.rebellierende Gebiet entsandt werben, um den Landesbischos Marahrens im Vertrauen seiner Gläubigen zu erschüttern. Ner„neue Plan" dssrdiSOtSicrl Das dentsdi-citgiisdic Wirisdiai'spravisoriarn Am 24. September ist der mit Tamtam angekündigte„neue Plan" des Wunderdoktors Schacht in Kraft getreten. Dieser neue Plan ist die Mißgeburt des vor anderthalb Jahren ebenfalls sehr feierlich angekündigten hitlerschcn Bierjahres- planes. Kaum aber ist der„neue Plan" mit scisttr ganzen Bürokratisiernng der deutschen Einfuhr in Kraft getreten, schon hat er ein Loch bekommen. Dies geschah durch denAbschluß des deutsch-snglischenHandelsprovisoriums. Wir haben bereits berichtet, daß sich in Berlin eine englische Delegation unter Führung von Sir Fredctke L e i t h- 2t o ß ausgehalten hat, um mit der Reichsregieruna eine Alt- zahl schwebender Fragen zu regeln. Den Engländern war es insbesondere darum zu tun, eine EinschränkNnä det eng- tischen Ausfuhr nach Teutschland zu verhindern. Tatsächlich war diese Ausfuhr gefährdet, weil sä die Schaffung der lieber- wachnngsstcllen durch de»„neuen Plan" den Zweck hat, die Eistsuhr aus dem Auslände zu drosseln. Man ist in der kurzen Zeit zu einer endgültigen Reglung nicht gelangt, sonst er» nur eist, kurzfristiges Provisorium abgeschlossen worden. D-eses Provisorium soll bis zur Beendigung der Verband- lungen, spätestens aber bis Ende Oktober Geltung besitzen. Ans Grund der Zwischenlösung sind für die Einfuhr der im deittsch-englischen Zahlungsabkommen vom 10. August dieses Jahres behandelten Waren Deviseuscheine in einem Umfange zn erteilen, der den gegenwärtigen Stand der englischen Einfuhr stach Deutschland entspricht. Dabei wird kein Unttr- schied zwischen den einzelnen Warciigruppen gemacht werden. Diese. Realnna gilt für alle Waren, für die d>c Möglichkeit der Bezahlung über das Sonderkonto der Bank von England im Zattpuiikt des Inkrafttretens des deiitsch-estalttchen Zasi- lniiasäbkdmmens gegeben mär nstd für alle'niiitigcii Ein- -abtüngen ästk da« Sonderkonto. die nachträglich ngst d-r Reichsbank zugelassen worden sind. Im übrigen bleiben die RestimmWgen dieses Abkommens, insbesondere das System der Eiiizählünstesi, ausrecht erhalten. Mit anderen Worten: die englische Ausfuhr nach Deutsch- land wird durch den neuen Plan in keiner Weise berührt, und»7c Engländer könne» Vis zur endgültigen Reglung nach Deutschland im gleichen Umfange exportieren, wie dteo blöder der Fall war. Die deutsche Preise tut so. als ob sie von der Zwischen- lösuttg außerordentlich befriedigt sei und begrüßt lebhait das neue Hanoelsprovisorium. In Wirklichkeit bedeutet es aber eine Kapitulation Schachts vor der englischen Drohung, es bedeutet eine Durchlöcherung des ganzen Systems der lieber- ivachnngsstellen. In der Frage der Rcglnng der Warenschulden ist eine Einigung nicht erzielt worden: sie wird Gegenstand weiterer Verhandlungen sein. Bekanntlich schulden die deutschen Ab- nehm er von englischen Fekügotnen nnd Kohle einen Bctran von etwa t Million Pfund Sterling. Die englischen Liefe- ranten haben seit einiger Zeit die Ausfuhr von Feingarnen eingestellt, da sie für ihre Waren schon seit langem nichts bezahlt bekommen. Die Situation bleibt in dieser Beziehung nach wie vor äußerst ecspannt. Und es ist bezeichnend, daß Sir George Holden, der Vorsitzende des Gläubiger- ansschnsie's her Banmwolliabrikanten von Laneosftire int „Manchester Guardian" iienerdiiias, nach Bekanntgabe des deutsch-englischen Wirtschastsprovisorinms, erklärt hat, oene enalische LiZernngen von Feingarnen nach Deutschland kämen sticht in Frage, solange die alten Wärenschulden nicht be,zählt sind. Kritiker in Schutzhaft Wie der„Bäuerische Kurier" meldet, wurde» zwei Ge- mcinoeängeyörige aus Puch(Bauern! in Schutzhaft genommen, weil sie den l. Bürgermeister von Puch auf öffentt lichcr Straße und vor den oersaististeltcn Gemeistdebürgern beleidigt lind gegen den Gemcttidekät gehetzt hätten. sondern gerade umgekehrt, gegenüber vom Tisch de? Wähl- IcitcrS. sodaft eine Kontrolle des Abstimmenden leicht möglich war. Trotzdem wählte der in Frage stehende Mann mit Nein. Er steckte seinen Ttimmichein in de» Briefumschlag und gab ihm den Wahlleiter. Als er sich umdrehte, um zu gehen, rief ihm seine Frau zu, daß der Wohlfeiler soeben seinen St'mistichein ttnirr den Tisch statt ist 6t 1019 cnattschcr Verwaltung. Aber wahrscheintich gibt es dort einen Betein für das Deutschtum im Auslände, besten Mit- gliedet von den deutschen Aiitarkiebestrebtingen betroffen iverden und deren Wünsche», auch ein bißchen vom„dritten Reiche" zn profitieren, auf dicke Weise wenigstens in ti'spjt entsprochen werden soll— ob ihnen zUlieve in„Tcutsch-Ou- oirika" überhaupt Bananen gedeihen, ist aüßctdcm die Frage. Wahrscheiülicher ist, daß man chit dieser Parole eine nlS Kompensntiönsgtschätt uststmgängliche Baiiaiieneiiisnhr vor dem deutschen Berbtnutsier tarnt, ststi so die verschiedener Löcher in der Autarkie zu verhüllen. Wie dech auch sei— mitunter scheint die linke Proplk gaüdahand nicht zu wissen, was die rechte tut. Denn während man diese Bananenvaröle plakatiert, agitiert der doch eben- falls vom Propagniidaapparat dirigierte deutsche Rundfunk gegen den Banancnqenuß. Das geschah zum Beispiel erst dieser Tstgc in einer Ziststdfstnkreportage vom Obst- und Ge- müsemarkt einer deutschen Stadt durch einen Diaiog, in dem eine Mutter auf da? Verlangen des Kindes nach einer Banane antarkiefest antwortet:„Eine Banane!? Aber Kind, wie kommst du auf diele Idee! Ich werde dir einen Apies aeben." Nun möchte das Kind den Apfel gleich boben. Die Mutier aber belehrt es nnd spricht wie gedruckt:.Mein, mein Kind— siehst du. das hier sind amerikanische Aepsel. Du bekommst zu Hause einen deutschen Apfel! Und wenn die Aepsel ttn Keller aufgegessen sein werdest, habe ich noch Apfelgelee in der SPelsekatttmer. Das schmeckt bann noch besser wie ein Acpfelchen!" Wenn aber das artige Kind, das gern eine Banane essen wollte, schon lesen kann? Und wenn eS die Mutter auf die Plakate verweist:„Eßt deutsche Bananen!"— was ant- wortet die deutsche Mutter dem Kinde dann? Kann sie nicht nur noch bekümmert antworten:„Mein liebeS Kind, ich find« mich da nicht mehr zurechtl^ Aushang der Abstimmungslisten Wir machen unsere Leser auf die im Anzeigenteil der vor- liegenden Ausgabe veröfsentlichte amtliche Bekanntmachung über den öffentlichen Aushang der vorläufigen Abstimmniigs- listen in den verschiedenen Stadtteilen Saarbrückens auf- merksam. Verheile Abstimmungslisten Wir erhalten folgende kurze Zuschrift: „Ex i i'ird Sie vielleicht interessieren, daß iveder ieh, noch meine Angehörigen, noch einige meiner Ver- uandten in den vorläufigen Abstimmungslisten zu finden sind. Ich werde dagegen sofort Einspruch erheben, möchte aber doch durch Sie öffentlich mein Erstaunen darüber aussprechen, daß man uns alle, die wir seit 1912 ununterbrochen im Saargebiet wohnen, plötjlich in den Abstimmungslisten„vergessen"' hat." Wir können nicht umhin, uns den Ausführungen des Briefschreibers anzuschließen und ebenfalls unser Erstaunen über diese Tatsache auszusprechen. Denn, wenn ahnliche Fälle sich häufen werden, dann wird die Zahl der Ab- stimmungsberechtigten, die bereits amtlich festgesetzte Zahl von 529 999 vorläufig Abstimmungsberechtigten übersteigen. Indessen wird es immer klarer, daß die obige Zahl ohne- hin viel'zu hoch ist. Tie Zeitschrift„SB cstlan d" hat in ihrer letzten Ausgabe einen Artikel veröffentlicht, der sich mit der Frage der Zahl der Abstimmungsberechtigten beschäftigt. Dieser Artikel hat bereits beträchtliches Aussehen erregt und in der Oeffent- lichleit stärksten Widerhall gefunden. „Westland" weist an Hand der Bevölkerungszahl von Mitte 1910 lnach den Bestimmungen des Bersailler Bcr- träges ist die Voraussetzung für die Abstimmungsberechti- gung der dauernde Wohnsitz im Saargebict am 28. Juni 1919s nach, daß die Zahl der Personen, die ihren Wohnsitz damals im Saargebiet hatten, rund 898 090 betragen haben müßte. Von dieser Zahl müssen alle nach dem 19. Januar 1915 bis einschließlich Juni 1919 Geborenen in Abzug gc- bracht werden, weil die Abstimmungsberechtigung erfordert, daß die betreffende Person am Tage der Abstimmung 20 Jahre alt sei. Die Zahl dieser Personen, die in Abzug zu bringen sind, stellt sich nach amtlichen Ermittlungen auf rund 59000. Somit kommt nian zu einer Zahl von rund 539 ooo Abstimmungsberechtigter für den Stichtag des 28. Juni 1919. Aber in der Zwischenzeit sind zahlreiche Per- sonen verstorben.„Westland" ermittelt die Durchschnitts sterbeziffer, die>2 aus 1000 Einwohner beträgt, und kommt nach einer gestaffelten Berechnung zu dem Ergebnis, daß die Zahl der Abstimmungsberechtigte» höchstens rnnd 115 999 Personen sein können gegen 529 999 der offiziell angekündigten Zahl. Hier stimmt also etivas nicht. Es liegt deshalb die Bcr- mutung nahe, daß in die vorläufigen Abstimmungslisten viele tausend Personen eingeschmuggelt wurden, die nicht abstimmungsberechtigt sind. Aus dem oben veröffentlichten Briet' gebt deutlich hervor, daß darüber hinaus eine An- zahl wirklich Abstimmungsberechtigter noch gar nicht cingc- tragen worden ist. Die Zahl der Abstimmungsberechtigten wird also unter Umständen noch weiter anschwellen müssen, was ja, unter Berücksichtigung der Bevölkerungszahl im Saargebict im Jahre<919, eine offensichtliche Unmöglichkeit wäre. Aber in der Zwischenzeit hat sich noch etivas ereignet, was größtes Befremden hervorrufen muß. Der Oberbürgermeister der Stadt Saarbrücken, Herr Dr. Ncikcs, hat sich be- müßigt gefühlt, dem„Westland" zu antworten und der Oefsentlichkeit seine eigene„Berechnung" zu präsentieren. Daß die braune Front eine solche Kanone wie den Herrn Oberbürgermeister höchstpersönlich ausfahren laßt, ist schon an sich recht eigenartig und läßt aui das nicht ganz reine Gewissen der Herren schließen. Sic sind doch sonst gegenüber den Beschuldigungen der nntisaschistischen Presse wenig empfindlich. Aber das Ungeheuerlichste stellt die„Berechnung" selbst dar. Er legt nämlich seinen„Berechnungen" die Zahl der Wahlberechtigten in der Stadt Saarbrücken im'November 1932 zugunde, kommt hierbei zu einem Prozentsatz von 6o,5 und wendet diesen Prozentlatz ans das ganze Saargebiet an, obwohl doch wirklich der Oberbürgermeister von Saarbrücken wissen müßte, daß der Prozentsatz im Saargebict ei» ganz anderer ist, als in der Stadt Saarbrücken selbst. Um das nir ihn günstige Ergebnis zu erreichen, behauptet dann ansier- dem Dr. Neikes wider besseren Wissens, daß die Zahl der Abstimmungsberechtigte» größer sein müsse, als die Zahl der Wahlberechtigten im November 1932. Dabei weiß doch ledcS Kind in Saarbrücken, daß seit 1919 die Zahl der Einivohner der Stadt Saarbrücken und damit auch die Zahl der Wahl- berechtigten gestiegen ist. Demnach müßte die Zahl de» Abstimmungsberechtigten geringer sein, als die Zahl der Wahlberechtigten im Jahre 1932 und nicht umgekehrt. Der Oberbürgermeister erlaubt sich in seiner Statistik noch ähnliche Scherze und kommt selbstverständlich zu der ihm er- wünschten Zahl von 521000 abstimmungsberechtigten Per- sone». Wenn eine solche Kanone, wie der Saarbrücker Oberbürgermeister. sich zur Rechtfertigung der offiziellen Zahl der Abstimmungsberechtigten nichts Besseres vor- bringen kann, als notorischen Unsinn, dann können wir mit aller Bestimmtheit erklären: die A b st i m m u n g s- l i st c n sind nicht in Ordnung. Wir verlangen deshalb, daß die dafür zuständigen Stellen so rasch wie möglich zur Nachprüfung der Listen übergehen. Jlihiun^t lesen! Politische Menschen lesen unabhängige Zeitungen und bilden sich dann ihr Urteil. Dumme beten gleichgeschalteten Kohl nach. Wir schalten uns nie gleich! „®euts€fic Jfeifieif Polizei illr die Saar Belgien, Hallen, Ulanen sagen zu— die Schweiz lehn! ah Tie gleichgeschaltete Presse im Saargebict ist merkwürdig bescheiden geworden. Tie Tatsache, daß die Schweiz dem Präsidenten der Saarregierung gegenüber den Wunsch aus- gesprochen hat, von eiuer privaten Rekrutierung von Polizei- truppen abzusehen, erregt ihren hellen Jubel. Hat sie Grund dazu? Die schiveizerische Regierung ist weit davon entfernt, Snmpathicn für die„deutsche Front" zu bezeugen. Im Gegenteil! Durch die Schweiz geht eine Woge der Ablehnung gegen alles, was„braun" ist. Aber das zwischen Teutschland, Frankreich, Italien und Oesterreich eingebettete Land ist bc- sorgt darum, daß der Saarkonflikt Polizisten aus der Schweiz zum Eingriff zwingen müßte. Darin erblickt der schwei- zerische Bundesrat eine große Gefahr für seine Neutralitäts- Politik. Der Ablehnung der Schivciz stehen jedoch mehrere, zum Teil sehr demonstrative Zusagen gegenüber. Der Generalsekretär berichtet über die Antworten, die er aus seine Anfrage über die Anwerbung von Polizeitruppen bisher von einer Anzahl Regierungen(außer der Schweiz» erhalten habe: Die belgische Regierung läßt z. R. mitteilen, daß sie bereit sei, Einzelrekruticrungen unter den gc- eigneten belgischen Bürgern„nicht zu verhindern", sie möglicherweise sogar zu erleichtern. Die italienische Regierung erklärt, sie werde nicht verfehlen, der Regicrnngskommission ihr. Unter- st ü tz u n g angedeihcn zu lassen, indem sie die Anwerbung italienischer Staatsangehörigen erleichtert. L i t a u e n hat geantwortet, daß die Vorschläge des Rates „die volle Billigung" der litauischen Regieruno gesunden haben". Wir finden, daß diese Zusagen die Ablehnung der Schweiz aufwiegen. Darum begreifen wir nicht recht den Jubel der „deutschen Front". Um so weniger, als mehrere Regierungen überhaupt noch nicht geantwortet haben. Sehr siegesfroh ist die Haltung der Pirro-Leute an der Saar nicht mehr. Präsi- dent Knox hat dem schweizerischen Bundesrat sofort ge- antwortet, daß er von der Anwerbung von Polizisten in der Schweiz absehen werde. Er hat jetzt andere, völlig ausreichende Rekrutierungs- Möglichkeiten. lind Oesterreidi? Noch kein Antrag da Wien, 26. September. Entgegen den Meldungen eines Wiener Abendblattes, in dem Oesterreich, dem Beispiel der Schweiz folgend, Polizei zu stellen, ausgefordert worden war, wird in österreichischen Kreisen erklärt, daß kein An trag eingegangen sei. isi es wahr? Das unfreundliche Italien Berlin, 25. Sept. Unter der Ueberschriit„Ist es wahr?" meldet das«Berliner Tageblatt" aus Rom. die dortige Radiozentrale habe die gesamten deutschen Radiosendungen ausgehalten. Zugleich verzichte Italien auf die Propagierung der italienischen Sender in Deutschland. Diese Berlaut- barungen stünden im Zusammenhang mit der momentanen politischen Abkühlung zwischen beiden Ländern. „Schlagt sie tot!" Die Drohungen der„deutschen Front" Tic gleichgeschaltete Presse des Saargebiets ist angefüllt mit Berichten über die Kundgebungen der sogenannten „deutschen Front" an vergangenen Tonntag. Der Landes- sichrer Pirro hat in Saarbrücken die Losung aus- gegeben, das„® esindcl" zu ächten, das von seiner ver- bürgten Freiheit Gebrauch macht, sich gegen die Hitler- borbarei zu erklären. Roch deutlicher war man anderwärts, wo die offiziellen Führer der„deutschen Front" die gesellschaftliche und wirtschaftliche Vernichtung aller derjenigen proklamier- ten, die sich dem Abstimmungsterror nicht unterwerfen. So hat laut dem„St. Ingberter Tageblatt"(Nr. 221 vom 24. 9.) der stellvertretende Landesleiter der„deutschen Front". T h e i s e n. in der Kundgebung zu St. Ingbert u. a. gesagt: „Er könne sich nicht vorstellen, daß diejenigen, die gegen ihr Vaterland stimmen, nach dem 18. Januar noch glücklich sein können. Wenn so einer, der offen gegen sein Vaterland gestimmt hat, dann wird ja, wie heute schon, niemand mit ihm sprechen." Herr Theisen redet zwar anscheinend nur gebrochen deutsch, aber seine Ankündigung ist deutlich genug. Noch klarer formulierte der nationalsozialistische Kreis- leiter Schubert in St. Ingbert feine terroristische Drohung. Tie„Westpsälzische Zeitung", amtliches Organ der„deutschen Front", berichtet in ihrer Nummer 221 vom 24. September: Ein Sprechchor und das Lied:„Deutschland, heil deinem Namen", leiteten über zu den Schlußsolgerungen des Kreisleiters Schubert, in denen er sagte, daß es eine Schande wäre, wenn der Kreis St. Ingbert nicht hundert- prozentig für Deutschland stimme. Wörtlich sührte der Redner dann anS:„Ich sage allen denen den Kamps an, die sich gegen uns stellen und wir werden auch die Namen derer nennen, die in St. Ingbert und Umgebung gegen ihr deutsches Vater- l a n d st i m m e n. Das bedeutet die offene Verhöhnung des zwischen Teutschland und Frankreich getroffenen Abkommens über die Freiheit der Abstimmung durch führende Nationalsozialisten. Es ist frecher Spott auf alle vom Völkerbund beabsichtigten Garantien. Die Sprache dieser Herren zeigt ihre Brutalität, die außerhalb Deutschlands noch immer unterschätzt wird. Es ist das Auftreten politi- scher Banditen, die das Saarvolk durch Terror genau wie im Reiche zwangsweise unter das Joch der Hitlerei bringen wollen. Diese Drohungen, die nicht abgeleugnet werden können, zeigen, daß alle Legalitätsbeteuerungen der Herren Pirro und Konsorten Lüge und Heuchelei sind, denn sie wissen ganz genau, daß bei einer wirklich freien Abstimmung die Mehrheit des anständigen Taaroolks sich für ein freies Deutschland gegen Totschläger und korrupte Schufte erklären wird Eine Zuschrift aus St. Ingbert teilt uns noch mit: Zu der Kundgebung der„deutschen Front" waren sämtliche katholischen Vereine eingeladen, die sich mit ihren Fahnen beteiligen sollten. Die Katholiken haben jedoch ah- gelehnt, und zwar mit der würdigen Begründung, d i e „deutsche Front" könne ihnen im S a a r g e b i e t nicht zumuten, was sie im Reiche den k a t h o- tischen B e r e i n e n verbiete. Zwei führende Nationalsozialistinnen, Frauen höherer Beamte, sind daraufhin aus dem katholischen Berein, dem sie angehörten, ausgetreten. Brleie, die Ihn nicht erreichten.. Die Niete des Herrn Nietmann In der gleichgeschalteten Presse liest man diese Erklärung! « sk. S a a r b r n ck e n. 25. Sept. Gegenüber den Wutausbrüche» der separatistischen Presse, die versucht, zwischen den Erklärungen des Landesleiters der Deutschen Front, Pirro, und meine» Erklärungen in der Saarloniser Rede einen Gegensatz zu konstruieren, er- kläre ich erneut: Die Regierungskommis'ion spricht in ihrem Schreiben vom 8. September 1931 an den Völkerbundsrat von einem „beschlagnahmten Schreiben neueren Datums",„das von dem Landesgeichästsführcr der Deutschen Front an den LandeSfü'-rer dieser Organisation gerichtet ist". Diese Dar stellung ist unvollständig und unkorrekt, da sie den Eindruck erwecken muß, als sei gerade dieses Schriftstück in die Hände des Landesleiters Pirro gelangt. Dieses Schriftstück ist, wie ich bereits in Saarlouis festgestellt habe, nicht an Herrn P i r r o, n o ch je in s e i n e n B e s i tz g e- langt. Saarbrücken. 25. September 1934. gez.?! f e t m a n n, stellvertr. Landesleitcr der Deutschen Front. Dieser gute Nietmann ist in peinlicher Lage. Sein„Führer" an der Saar, Pirro, hat am vergangenen Sonntag den Emp- sang des Brieses, in dem von den 17 009 Arbcitsdienstlcrn des Herrn Staatrats S p a n i o l die Rede ist, ausdrücklich z u- gegeben. Er sagt lt.„Deutsche Front"(Nr. 159, 24. 9.) wörtlich: „Zu dem Brief der RcgicrungSkommission des Saar- gebiets vom 8. d. M. an den Generalsekretär des Völker bnndcs habe ich festzustellen, daß ich jederzeit die Legalität der Deutschen Front betont und die Angestellten der Deutschen Front darauf hingewiesen habe, daß mir jeder Versuch illegaler Maßnahmen gemeldet werden müsse, damit den Gegnern der deutschen Sache keine Handhabe ge- boten werde. Wenn mir daher der Landesgeschäftsführer der Deutschen Front von einer angeblichen Acußernna des Staatsrates Spaniol über den Arbeitsdienst seiner Zeit Mitteilung gemacht hat, so hat er nur seiner Pflicht gemäß und entsprechend meiner ausdrück lichen Anordnung gehandelt, da jeder Angestellte der Deutschen Front sofort entlassen wird, wenn er derartige ihm bekannt gewordene Tinge verschweigt." Nietmann hat am gleichen Tage behauptet, Pirro habe den Brief weder erhalten, noch gesehen. Jetzt'tut er es wieder. Hoffentlich ist es nicht sein Schwanengesang als „Stellvertreter". Aussageverweigerung für Parteibonzen Ein neues Vorrecht In einem Strafverfahren verweigerten Politische Leiter der NSDAP., die als Tatsachen- zeugen vernommen werden sollten, die A u s s a g e, weil der Kreisleitcr ihnen die Genehmigung hierzu nicht er- teilt habe. Dazu erklärt die„NSK." u. a.:„Einer solchen Aussage- genehmigung bedurften bisher im wesentlichen die Beamten, darunter auch die beamteten Angestellten öffentlich-rechtlicher .üörperschasten. Insofern war das Verhalten der Politischen Leiter vor Gericht an sich gerechtfertigt, denn nach dem Gc- setz vom 1. Dezember 1933 ist die NSDAP. Körperschaft öffentlichen Rechts, ihre Politischen Leiter stehen in einem besonderen eidlichen Treueverhältnis zur Partei und ihrem Führer Nun sind die Politischen Leiter der NSDAP, zwar keineswegs Beamte, wohl aber Volksiührer. Aber gerade in dieser Eigenschaft müssen sie. wie Landgerichtsdirektor a.r. K o ch-Paderborn in der neuesten Nummer der„D c u t s ch e n R i ch t e r- Z c i t u n g" ausführt, bei ihrer Tätigkeit in manchen Sachen st r e n g st e V c r s ch w i c g e n h e i t walten lassen, wenn nicht die Partei und damit Staat sind Volks- gemcinschast Schaden leiden sollen. Der Verfasser kommt daher zu der Feststellung, daß die Politischen Leiter nach Sinn und Zweck der Gesetzesbestimmung der Aussage- genehmigung vor Gericht bedürfen. Dabei ist zu bc- merken, daß auch eine beschränkte Aussagegenehmigung er- teilt werden kann. Daß der Richter bei der Vernehmung der Politischen Leiter, wenn sie aussagen, stets von sich aus prüfen muß, ob die erfragten Tatsachen der Amts- Verschwiegenheit der Zeugen unterliegen, und daß er seine Vernehmung danach einrichten muß, ist selbstverständlich. Der' Verfasser kommt dann noch zur Untersuchung der Frage, wer zur Aussagegenehmigung berechtigt ist, und schlägt aus praktischen Erwägungen heraus vor, daß für alle Politischen Leiter eines Kreises die Genehmigung vom K r e i s l e i t e r einzuholen ist. To wird amtlich die stinkende Parteikorruption vertuscht und gestützt „Deutsche Freiheit", Nr. 221 tf^kuw WB& EST b D mN WW HB«M B hm m E D Donnerst»*, den 2T?ept. 1934 ■^—M——— Hl-- IM Oer Goldbestand der Reitfisbanh Auch in der dritten Septemhrrwochr waren die Rückflüsse zur Rricbsbauk verhältnismäßig gering, sie betrugen nur 49,9 Millionen Reichsmark. Damit sind im September von dfi Ultiuvohpanspruchung nur rund 42 Pruaent wieder abgedeckt worden. Es hängt dies in erster Linie init dein starken Steigen der Giroverbindlichkeilen um 89 Millionen Reichsmark auf 811.9 Millionen Reichsmark zusammen. Die Bestünde an Gold und deckungsfähigen Devisen haben sieh um 0.1 Millionen Reirhsmark auf 78.9 Millionen Reichs- mark erhöht. Hiervon entfallen 3 9 Millionen Reichsmark auf deckungsfähige Devisen. Der gesamte Zahlungsmittel- Umlauf ermäßigte sich von 5562 Millionen Reichsmark in der Vorwoche auf 5419 Millionen Reichsmark. Zur gleichen Zeit des Vorjahres betrug er 5269 Millionen Reichsmark. Drossetang der Rohwol e nfotir In den letzten Monaten beginnen sich endlich die Maßnahmen drr Reichsregicrnng rar Drosselung der Rohwoll- »anfuhr aqgiu wirken. Nach den amtlichen statistischen An- Cben-teile* sich die Rohwolleinfuhr seit Reginn dieses hre» wie folgt: Jan. Febr. März April Mai Juni Juli Aug. 1934.. 13,98 20.22 17,02 22,47 15,08 10 13 3.27 2,40 Mährend also im Apiil die Rohivolleinliilir eine höhe von fast 22.5 Millionen hg betrug, ist sie im August bereits auf 2,4 Millionen gefallen. in den nachfolgenden Monaten ist voraussichtlich mit einer noch geringeren Einfuhrmenge zu rechnen, da es sich bei der Juli- und Augusteinfuhr meistenteils noch um alte Abschlüsse handelt. Da bei dem erhöhten Verbrauch von Ruhwolle im Zusammenhang mit den jüngsten Hamsterkäufen die Vorräte heträrhlich zurückgegangen sind, muß, falls der gegenwärtige Zustand aufrecht erhalten bleibt, etwa gegen Ende dieses Jahres mit einer Erschöpfung der Rohwollvor- rate gerechnet werden. Neben einigen wenigen Mengen von ausländischer Rohwolle wird die deutsche Textilindustrie sich auf die teuerere und qualitativ schlechtere inländische Rohwolle stützen müssen. Das inländische Rohwollangebot beträgt aber bestenfalls nur 10 Prozent de« Gesamtverbrauchs und diese Mengen sind für die neuen Ersatzstoffe erforderlich, die bekanntlich mit Wolle gemischt werden müssen. F,$ wird also bald der Tag kommen, wo man im„dritten Reich" reinwollene Fi zeu enis-v inländischer lleikunfl kaum mehr auftreiben dürfte. Aber noch vor 2—3 Monaten hatten die verschiedenen Handelskammern erklärt, daß ein Anlaß zu Befürchtungen wegen einer Knappheit in Wollerzeugnissen nicht bestehe. So geben sich im„dritten Reich" selbst die Handelskammern zu solch plumper Irreführung der Bevölkerung her. Dürokroüsterung de« Außenstände§ Die Neureglting der Zuteilung von ausländischen Zahl- lungsmitleln für die Einfuhr ist nach dem„Neuen Plan" grundsätzlich erfolgt. Den voc läufigen Abschluß findet diese Planung mit folgenden Anotdnungen, deren größter Teil der Oeffentlwhkait noch nicht zugängig gemacht wurde; Anordnung des Finanzministeriums, wonach bei Abfertigung von Einfuhrwaren die Devisenbescheinigungen den Zollstellen vorzulegen sind Pas Meldeverfahren zur Verhütung der Bezahlung jener Waren, die ohne Devisenbescheinigung eingeführt werden sollten. Die laufenden Mitteilungen über den Umfang der Ausgabe von Devisenbescheinigungen. Art und Welse, wie die lieberwachungsstelleu über die bereitgehaltenen Devisen verfügen können. Anordnungen betr. die Führung des Terminkalenders über die Vorausbelastung durch die Devisenbescheinigungen und die Benachrichtigung der Reichshank. Vorschriften, wann und wie Nebenkosten an inländische Spediteure zu bezahlen sind zur Wcit«r|kitung an deren ausländische Korrespondenten. Die Bekanntmachung der Anschriften und Warenkompe- tenzen der Ueher wach cingss teilen(größtenteils erfolgt). Das besondere Verfahren, welches hei ein fuhr verbotenen Waren Platz greift, wenn mit anderen Staaten die Einfuhr vertraglich kontingentiert wurde. Diese Bestimmungen richten sich zum Teil an den Importeur, zum Teil an bestimmte Behörden. Damit schließt »ich der Kreis jener Maßnahmen, die den Ausgleich der deutschen Handelsbilanz zum Ziel haben. Bimse Arbeiter- billige Rohstoffe Der deutsche Beichswji Ischaflsminisler hat in seiner Leip ziger Rede angekündigt, daß bei der Produktion von Inlandrohstoffen die Unternehmer künftig eine Lohnsiihvenlion jn Höhe der Arbeitslosen Unterstützung erhalten können. Wie der„Völkische Beobachter"(vom 8. September) mitteilt, wjrd diese Methode der Lohn Subvention bereits piaktiziert, Die Gruppe Ostmark des..Freiwilligen" Arbeite- ebenstes wurde zum Sammeln von Rohharz eingesetzt, Das „vopi Arbeitsdienst Ostmark erzeugtes Terpentinöl ist den anacrikgniachen und französischen Auslandsölen vollkommen gleichwertig". In ganz Deutschland soll jetzt durch den Arbeitsdienst die Kiefernharzncitznng weiter ausgebaut werden. Der wirtschaftliche Erfolg dieser Aktion bleibt abzuwarten; auch während des Weltkrieges wurde Oel, das aus von Kindern gesammelten Bucheckern gepreßt wurde, den feinsten Speiseölen gleichwertig erklärt. Fest steht bifher mir. daß tu Znnpgtai beit Itommandiei Ip Junger um Ii-lose geten eine Vergütung von 27 Pfennig täglich, die Arbeit bisher vollentlohnter Forstarbeiter leisten müssen.(ITF-), Eine Warnung der Londoner Hand?I*kannrser Das englische Handelsamt veröffentlicht eine Warnung an cjje englischen Exporteure. Die englischen Exporteure, dp' Waren nach Deutschland liefern, so schreibt die Handelskammer, mögen sich zuerst vergewissern, ob die Empfänger- Roftsioffnot unter Gestapo Midi! lieber Preiss e gcrune titirfi R*cfil gesprochen werden Die Fachgruppe Schneidewaren und Bestecke in der Wirtschaftsgriippe Eisen- und Metall- wgrenlnclustrie, Dienststelle Solingen, Hauptstraße 211 versandte vor kurzem nachfolgendes Rundschreiben, das für die Zustände im„dritten Reich" bezeichnend ist. Das Rundschreiben lautet: Solingen, den 14. September 1931 Rundschreiben Nr. 2*34 Betiiffi: W irtschaftssaholage Der Führer der Wirtschaft erläßt folgendes Rundschreiben: „Dir Firma August Rommel, Mineralölnrodnkte. Frankfurt a. M.. hat am 20. Juli 1934 nachstehendes Rundschreiben an ihre Geschäftsfreunde geschickt: ,,ß e t r e f f e n d Masrhinenfette e l c. Im Falle. Sie einen weiteren Bedarf in Konsislenzfeth u aller Art fiir die nächsten 6 Monate voraussehen, empfehle ich Ihnen, denselben ohne Aufschub zu heutigen Einheitspreisen und Bedingungen zu sichern. Inder Tat sind die zur Herstellung benötigten Rohstoffe, namentlich die Fettsäuren, in letzter Zeit im Preise erheblich gestiegen. Urlierdies stammen fast alle Roltstolfe liir die Fettfabrihntion aus dem Auslände, so daß eine Heraufsetzung der heutigen V e t k a tt f s• preise in Kürze nicht mehr abzuwenden i s t. Es soll mich freuen, trenn Sie sich diesen Hinweis zunutze machen und ei warte ich gern Ihre alsbaldige Disposition. Mit bester Empfehlung gez. August Rommel." Die Firma ist dem Geheimen Staatspolizeiamt zur Anzeige gebracht Worden, Das Geheime Staatspolizriamt teilt unter dein 13. 8, 34 zu diesem Vorgang folgendes mit: „Ich hübe die Slnalspnllzeistelle Frankfurt«. M. ante- wiesen, die noch vorhandenen Rundschreiben zu besihlag- nahmen, den Fii meninhalrer ernstlich zu verwarnen sowie ihm zu eröffnen, duO er im Wiedel liolungsfulle mit In- srhiitfhaftnahme zu rechnen habe. Irh bitte, ohne Hinzuziehung der Presse durch vertrau- l i c he Bekanntgabe sämtliche Branchen darauf hinzuweisen, daß derartige Rundschreiben in Z ii k u f t als ein staatsfeindliches Verhalten betrachtet und dementsprechend verfolgt werde n." Ich bitte, unter Beobachtung diese» Hinweises des Geheime» Staatspolizeiamles fiir vertrauliche Bekanntgabe bei de»„s 9"-ordneten Organisationen Sorge zu tragen. Heil Hitler! Der Führer der Fachgruppe Schneide, waren und Bestecke in der VI irt- schaftsgi uppe Eisen- u. Metallindustrie gez: Franz'elfte- j'lnß Für die Richtigkeit Der Leitei der Dienststelle- gez.: Dr. Buchleier. Zwangsorganisation des Rohproduktenhandels Bei dei großen Knappheit an Textilrohstoffen und Metallen gewinnt die Abfall- und Altstoffwirt«chaft im..dritten Reich" eine immer größere Bedeutung. Deshalb sah sich das Reichcwirtschaltsministeriuni genötigt, eine Zwangsorganisation der Abfallwirtschaft zu-chaffen. Die amtliche Bekanntmachung dazu lautet: Der Reichsverband des Deutschen Rohprnduktengewfrbes eV,(KDDR), Berlin, ist vom Reichswirtschaflsminister zur Zw augicorganisation für das gesamte Rohproduktenge werbe, bestehend aus Groß-, Mittel-, Keller- und Straßeilhandel, erklärt worden. Sämtliche Firmen der Brauchen haben sich hrein Verband anzumelden. Zum Verbandsführer wurde, Henry Evermann(Hildesheini), zum Geschäftsführer Georg E. Schmidt(Reinickendorf) bestellt. Der Verband dürfte nach Durchführung der Anmeldungen über einen Bestand von 25 000 bis 30 000 Mitglieder verfügen, da ihm auch ein großer Teil der Schrott U"d Altmetall Handelsfirmen angeschlossen ist. fislra, Cuprama, ffiro und Scelo Die obigen Wörter sind nicht etwa ejner Geheimschrift der „Weisen von Zjon" entnommen, sondern stellen die Namen der neuen künstlichen Textilersatzstoffe dar, mit denen die Bevölkerung des„dritten Reiches" in Zukunft beglückt werden soll. Ueber die Vistra- lind Vollstra-Faser wurde in letzter Zeit so viel geschrieben, daß es nicht mehr^verlohnt, auf diese Garne aus künstlichem Rohmaterial einzugehen. Weniger bekannt dürfte dagegen das neue Stapelfaserprodukt Cupram a sein. Diese Faser wird von der IG.-Farbenindustrje und IP Remberg gemeinschaftlich fabriziert. Es stellt eine Kupferspinnfaser dar, wobei die großen Kunstseidenkonzerne für sich ein gutes Geschäft aus der Ciiprama wittern Die Kunstseiden Industrie behauptet, daß aus dem Cupramngarn in Verbindung mit Wolle angeblich qualitativ wertvolle Stoffe gewebt und gestrickt werden können. Angeblich ist die Wärmnhaltigkeit recht günstig, und die Kunstseiden- Interessenten behaupten, daß dieses Material für den Winter geeignet sei. Man erfüllet aber nichts über die Dauerhaftigkeit des neuen Ersatzstoffes lind nichts darüber, inwieweit er der Witterung standhält, Man bat mit der Herstellung des nepen Ersatzstoffes Cuprama bereits begonnen, und zwar werden täglich etwa 3—400 Kilogramm produziert. Die Kunstseidenkonzerne beabsichtigen, in nächster Zeit die Herstellung auf arheitstäglioh 2000—3000 Kilogramm zu steigern. Eine derartige Produktion smÖgli ch k e j t e r- fordert jedoch eine beträchtliche Kapitalinvestition. die naturgemäß zu einer Verteuerung dieses künstlichen Ersatzstoffes führt. Von den Preisen fiir Cuprama ei Zeugnisse hört man in der gleichgeschalteten Presse so gut wie gar nichts. Aber von berufener Seite wird uns erklärt, daß die Cuprainaerzeiienjsse relativ teuer seien, obwohl sie naturgemäß in gar keinem Vergleich zu reinen Wollerzeug- nissen stehen können. Als Effektmaterial wird neuerdings auch sogenanntes Textil-Cellophan stark herangezogen. TextiI,Ce|lo- phari wird aus den aus heimischen Rohstoffen produzierten Transparent Viscosefeilen geschnitten, und zwar jn Feinheiten bis zu 0 6 Millimeter Breite und 0,02 Millimeter Dicke. Die große» Viilcosefolicn dienen bekanntlich als hygienisches Verpackungsmaterial vornehmlich in der Lebens- und Genuß- mittclbranche. Für die neue Saison hat man in Textil Cello- pban eine große Ausmusterung in Kleider- und Hutstoffen, Bändern, Hutgeflechten, Strick- und Wirkstoffe u vorgenommen. Es werden u. a. sogenannte Glashaut Effekte in den erwähnten Artikeln durch Textil-Cellophan hervorgerufen. Die Weiterverarbeitung von Textil-Cellophan ist aber, wie die gleichgeschaltete Presse selbst zugibt, nicht ganz einfach, weil das bäadehen- förmige Material möglichst glatt, also ohne Verdrehungen in die Ware eingearbeitet werden muß. Zudem ist dieses Er- Zeugnis am zweckmäßigsten in einer genau zu regulierenden Betriebstemperatur und Luftfeuchtigkeit zu behandeln. Nach bestimmten Verfuhren werden aus CeJIophan Fljga- fasern gewonnen und mit Wolle und Kunstseide gemeinsam versponnen. An den scharfe» Kanten der Hirofasern befinden«ich feine, unter dem Mikroskop zu erkennende Widerhäkchen, welche eine innige Verbindung mit dem Übrigen Spinngut gestatte». Der eigenartige Drahtnaar Eifekt des fertige» Flirogar»s ist durchaus tragecht und geht auch durch Aushiirste» nicht verlöre», Rejde Erzeugnisse, sowohl Textil-Cellophan wie Flirpfaser, werden von der Firma Kalle u. Co. AG,. Wiesbaden Biebrich, erzeugt- Unter dem neuen Ersatzstoff ist auch eine Imitation der echten Angorawolle» n t e r dem Namen A uro ring zu erwähnen, der natürlich qualitativ recht minderwertig ist, obwohl er außerordentlich schön aussieht, Ein weiteres Tegtjlersatzgarn sind auch die Seelogarne. Sie bestehen aus einem reinwollenen Futterfsden und einer dichten Umspinnung von Kunstseide. Dieses Fabrikat besitzt den schönen und dezente» Glanz der Kunstseide, hei weitem aber nicht das Wärmcisolationsver- mögen und die Haltbarkeit der Wolle. Alle diese neuen Stoffe erfordern eine P r t) d u k t i o n s ii m s i p I| ii ic g und K a p i t a 1 i n- v e s t i t i o n. Es braucht wirklich kein Wort darüber verloren werden- daß es sich alles um Fehlinvestitionen handelt, fiir die die Zeche einst das deutsche Vplk, insbesondere die deutsche Arbeiterschaft, bezahle» wird. Im übrigen ist»och darauf hinzuweisen, daß auch diese Ersatzstoffe keineswegs hundertprozentig aus deutschem Rohmaterial hergestellt werden. Es handelt sich vielmehr um Mischgewehe, iii denen zum Teil Importrohmaterialien enthalten sind. Also auch zur Herstellung dieser Ersatzroh Stoffe ist man teilweise auf die Einfuhr aus dem Ausland angewiesen. Man wird also weiterhin die Devisenbiianz belasten und dein deutschen Volk dennoch die Devisenbilanz und yerhältnismi^Jig teure Ersatzstoffe liefern. Vistra, Cuprama Angoring, Elim und Seelo— das sind die Errungenschaften des„dritten Reichs". firma über genügend Devisen verfügt. Denn bei einer Zahlung in Mark bestehe die Gefahr, daß der betreffende Betrag auf dem Sonderkonto der Reichsbank verbucht und von der Bank von England als„Sondermark" gehandhabt würde. (Inpreß.) Die Opfer der Devisenklemme Die Hauptverwaltung dar Deutschen Reichsbahn hat eine Verfügung erlassen, wonach nach Maßgabe der zur Verfügung stehenden Mittel für Rangierbedienstete Berufskittel aus dichten Geweben eingeführt werden.„Die bisher für Rangierbedienstete gehaltenen Regenmäntel aus Wollstoff." heißt es in der Verfügung,„fallen fort, vorhandene sjnd jedoch aufzutragen." Diese„dichten" Gewebe sind im Gegensatz zu den bisher benutzte» Lodenstoffen nur ein unzureichender Wetterschutz. heit dafür büßen, daß die nationiltoiig. Ijs tische Diktatur durch übersteigerte Einfuhr von Kriegsmaterialien die Versorgung der deutschen Bevölkerung mit Lebensmitteln und Bekleidung unmöglich m a ch t. Entdeckung neyer großer Oplfelder (FSU.) Große Oelfe|der, die ejne Fläche von 9 6 Quadratkilometer umfassen, sind in einem Umkreis von 55 Kilometer um Ktalinabsd in Tadschikistan von einer geologischen Inspektion!Vereinigung des Zentralasiatischen Oeltrustes entdeckt»»ldett. 1 ROsf nn^s- Indaslrl€ auf der Anklagebank IV. J H. Pratt imb Whitney. Sikorsky, Boeing und andere Gessljfchaften der amerikainsckicn Flugzeugindustrie sind in der United A i r c r a f t Corporation vereinigt.■ Dieser Großkonzern hat unerhörte Gewinne gemacht. In einem Aufriß wurde dein Senntskomilee veranschaulicht, daß tausend Dollar, die 1924 in einer Tochtergesellschaft, der Pratt and Whitney Aircraft Corporation, angelegt worden waren, bis 1932 sage und schreibe 11487 259 Dollar in bar und Aktiendividenden abwarfen, d. h. in acht Jahren 1 143 725 Prozent Profit. Damit der Leser nicht etwa glaube, das sei ein Druck- fehler, soll die Zahl in Worten hingesetzt werden: Eine Millioneinhundertdreiundnierzigtausendsiebcnhnndcrtflinf- undzwanzig Prozent. Diese Tochtergesellschaft fabriziert den sogenannten luftgekühlten Wsjpen-Motor. Es gab dem Senatskomitee zu denken, daß sie im Jahre 1926 ausschließlich und im Jahre 1927 zu über achtzig Prozent s't» da» amerikanische Marinedepartement arbeitete. Das Senatskomitee untersuchte die Geschäfts- Beziehungen derselben Pratt& Whitney Corporation mit Deutschland und Hotland Warum wurden Deutschland und Holland zusammen- gekoppelt,? Weil die Lieferungen nach Holland, die zuerst größer waren, von einein gewissen Moment an zugunsten der Lieserungen nach Deutschland sanken. Dieser Moment trat Ansang 1933 ein. Die Hitlerperiode unterscheidet sich also von der vorhitlerischcn Zeit dadurch, daß seht direkt nach Deutschland geliefert wird, während früher die Importe über Holland gingen. Von 1929 bis 1932 belies sich die Gesamllieferung von Pratt& Whitney an Deutschland auf die bescheidene Summe von 59 900 Dollar, wahrend der Export nach Holland 439 969 Dollar betrug. Im Jahre 1933 stiegen die deutschen Käufe auf 272 999 Dollar, während die Lieserungen für Holland auf 234 999 Dollar sanken. In den ersten acht Monaten des Jahres 1934 betrug der Gesamtwert der deutschen KKufe 1 445 000 Dollar In der gleichen Zeit sanken die holländischen Käufe auf 138 999 Dollar. Diese Zahlen zeigen, daß nicht nur eine Umlngerung vom indirekten auf den direkten Import erfolgte, sondern daß die Einfuhr von Flugmaterial nach Deutschland um ein vielfaches vermehrt wurde. Der Export der Pratt<$ Whitney— es handelt sich immer nur um diese eine Gesellschaft- vom 1. Januar bis 31. August dieses Jahres nach Deutschland betrug das Dtei- fache der Ausfuhr nach Deutschland und Holland in den drei Iahren 1929 bis 1932 zusammen. In den ersten acht Monaten dieses Jahres verschiffte die P»»ll& Whilney-GeisUjchaft nach i#utichia»ö; 176 Motoren, zwei große Frachtflngzeuge. sechs Zweisißer-Postflngzeuge und anderes Material. Konzessionen zur Benützung der Patente der amerikanischen Gesellschaft sind IN deutschein Besitz. Ein Vertreter des amerikanischen Konzerns in Europa schrieb an einen Kollegen im Mai 1933, seit Hitlers Machtantritt habe eine große Flugzzugfabrlk in Deutschland ihre Beleg- schaft verdoppelt, eine andere Fabrik ihre Kapazität verdreifacht. Für die Verschiffung nach Deutschland wurde angeblich '.n jedem einzelnen Falle die Bewilligung amerikanischer Negierungsbeamter eingeholt, und dem amerikanischen Marinedeparwinr-nt wurde von Zeit zu Zeit eine Liste des exportierten Materials zur Verfügung geftel». Dle Frage, ob d-e Gesellschaft durch ihre Tätigkeit jemals „direkt oder indirekt" die Bestimmungen des Versailler Vertrug» verletzt habe, wurde verneint. Da? sprunghafte Anwachsen der deutschen Einfuhr aus Amerika b'ieb den andern Regierungen natürlich nicht verborgen und führte zu diplomatischen Schritten. Ter Vertreter mindestens einer Macht— vermutlich Englands oder Frankreichs— sprach beim Staatsdepartement vor, um sich zu„erkundigen". Nach dieser Intervention faßte dag Staatsdepartement eine Denkschrift ab. Sie trägt das Datum des v. August 1933 und legt den Standpunkt der amerikanischen Regierung wie folgt dar: Nach Artikel l und L des a m e r i k n n l s ch- d e u t s ch e» Friedens vertrag» von 1921 genießen Sie Ver- einigten Staaten sämtliche Vorteile aus de» Artikeln 1711 »111Ö li)H des Versailler Vertrags. Diese Bestimmungen lauten i Art. 179: Dle Einluhr von Walsen, Munition und Kriegs- gerät jeder Art nach Deutschland ist ausdrücklich verboten.— Dasselbe gilt siir Anfertigung nnd Ansiubr von Waffe», Munition und Kriegs- gerät jeder Art für fremde Länder. Art. 198: Deutschland darf Luftstreitkräfte weder zu Lande noch zu Wasser unterhalte».— Deutschland darf längstens bis zum 1. Oktober 1010 eine Höchst- zalil von 199 Wasserflugzeugen oder Flugbooten nntcrlialte», die, ausschließlich zur Auiinchung von Untcrieemiiien bestimmt, zu diesem Zweck mit der nötige» Ausrüstung versehen sind»nd m keinem Fall Waffen. Munttlon oder Bomben irgendivelcher Art mitführen dlirsen.--- Außer den in den vorgenannte» Wasserflugzeugen oder Flugbooten eingebauten Motoren darf für leben Motor eines jede» dieser Apparate ein einziger Reservemotor vorgesehen iverden.— Kein Lenk- lnftschifs darf beibehalten iverden. Dementsprechend— so heißt es in der Denkschrift- würde die Einfuhr von Militärflugzeugen nach Deutich- land oder der Besitz oder Gebrauch von Flugzeuge» durch die deutsch» Polizei eine Verletzung der Vertragsrecht« der amerikanische,i Regierung da,stellen. Im Fahre ltWl wurde mit Zustimmung des Präsidenten Hvover die amerikanische Politik dahin festgelegt, daß„Verkauf von Waffen, Munition und Kriegsgerät, die zum Erpvrt nach Deutschland bestimmt sind, nicht zu fördern ist." An diese „Richtlinie" habe sich das Staatsdepartement seither ge- halte», Das Departement sehte die Fabrikanten von dieser Politik In Kenntnis und glanbie.„daß das genüge", um Verschiffungen zu verhindern. Immerhin wurde es für möglich gehalten, baß einzelne Fabrikanten— in der Auf- sassung. daß die Waffenausfuhr nach Deutschland nicht eigentlich gesetzwidrig sei und nicht mit Gewalt unter- bunden werden könne— ohne Wissen des Departement» Militärgerät»ach Deutschland exportiert haben könnten. Grundsahlich wurde dem Vertreter der fremden Macht mitgeteilt, daß die amerikanische Regierung, obzivar„zur Verhinderung derartiger Epporte gesetzlich picht ermäch- hat", sich durchaus bemühe» werde, Flugzeugfabrikanten von der^lnssnhr von Material nach Deutjchland abzu- a'-cn.» melche», sich dieier de geistert für Hitler erklärt. Glücklicherweise handelt es sich zwar um eine sehr laute, aber apch sehr kleine ü»d eiststuß- lofC Gruppe innerhalb des deutsche» Judentums. Djx Rau- MäNstianer nutze» die für sie günstige politische Situation au» und die Spitze,loigainialioiie» der deutschen Fndenheii sind bei der segeiimgrljgen Situation nicht in der Lag«, diese» Grüppcheu entsprechend zurech'znwe.sen. Umso begrüßen» werter ist es. daß das„Nachrich!e',blatt der Snnagvgengc- meinde des SaargebictS" diese,, Leuten eine würdige, aber deutlich« Abfuhr erteilt. Tab„Nachrlchtenblatl" schreibt zu dem„Wahlausruf" der Naumann-Gruppe folgendes: Ter Redaktion des.Nachrickleuhlattsp" ging ein ZeituiiaS- aiiö.chiiitl mit den.„Ansrni" der Ngstmanst-Gruppe zu Der Einsender hatte ilyi mit folgender Rawßbemerkstng versehen: Bin kein.Zude und bedauere die deut'ch«n Maßnahmen gegen die Juden, aber da» ist mir..-.verständlich" Auch uns wäre„das" unverständlich, wenn wir nicht schon längst wüßten, daß der- glücklicherweise bedeutungslose- „Verband„atlonaldeuticher Juden" durch standig« De nun- ziation aller anderen iüdische» Gruppen eine Sonderstellung zu erreichen trachtet. DaS geschieht teils durch.sie ungs- artiket- teile durch Fkugzettpl. tt'lS durch«ufrule q» P okal- läuten und manchmal auch durch ein an d.e Adrene der Neidisrenieniita gerichtetes Telegramm, in dem man ,ich als de» allein»atipnal zuverlässige» jiidiichen'^"baiid anpreim (va widerstrebt im», die Spalte» nnieres Blatte» mn näheren Betrachtungen über biiie Gesinnung z» füllen.«« wir mit Stolz wissen, d a ß d> e H a l t u n g d e r w«. t a u s meisten deutsche" ff«dt H)» d, e s» n« ch, rf'«\»- jähren«ine„»ständige m a r. Mstw' w'l NN- fjst» damit abünden dai> es g»ch ein, Handvoll indischer Men che» gibt die ihre Position durch Methoden zu hallen zu suche», die wir beim rechten Namen nennen wollen: widerliche Kriecherei. Da» ist unsere Meinung. Scftuid des deutschen Volhs Und der gesitteten Welt „Tie Nation", efne i» Bern erscheinende„Zeilnna füv Demokratie und Volksgemeinschaft", schreibt: Was in Teutschland in der setzte» Zeit vor sich gegangen >9, rüttelt allmählich ynd immer stärker die besten Geister Europas ivach. Tie Broschüre von Stefan Kirch,„an,, „St. Ambrosius und die deutschen Bischöfe", erschienen im Liga-Berlag Lnzer», legt davon beredtesZeugnis ab, daß sich da« religiös. Gewissen der Menschen zu regen anlangt, und dag das Geschehen in Deittschiand als Gesauttichuld und nicht nur als Schuld des„Führers" und feiner Trabanten au- gesehen werden muß. Hitler hat unschuldige Menschen, wie Dr. Klausener. Jstng, Kahr»siv. töte» laise», ohne daß sie vorher verurteilt worden waren. Nach den normalen Begriffen von Recht und Gerechtigkeit liegt hier olatter»ost-ndeser Mord vor. Diesem Mann« haben seither!iz Millionen Menschen ihre Ja- iiipuiun gegeben, Dadurch hat sich jeder einzelne von ihnen, ob gezwungen pder verführt. ist von diesem^Standpunkte gleich, am Morde mitschuldig gemacht. Roch hat der Satz, de» ein guter Deutscher geprägt hat, daß die Weltgeschichte das Weltgericht ist, seine volle Ssßn- hastigkeit nicht verloren. So muß denn auch das Weltgericht über eh« Volk kommen, das einen solchen Kanzler zu seinem Führer gewählt hat. Hitler hat daS Vertrauen der Welt ver- lore», und Teutschland kau» nur zu Ansehen kommen, wenn dieser merkivürdiae Mensch von der Bildfläche verschwindet und mit ihm seine dunkle» Genossen, wie Goebbels, Görina, Srrxicher usw. Da nützen keine Friedenserklärungen mehr, da nützt kein Einlenken mehr. Solange diese Mensche» die Geschicke des deutschen Volkes in den Händen haben, muh sich die Welt von ihnen abwenden. Man erwidere nicht, die anderen scieii^ nicht besser. An der Spitze der übrigen westeuropäischen Staaten stehey Männer, die das formale ösfeut- siehe Recht in allen Fällen wahren, ans deren Wort»in» miWshtn«»was gehen kann, und selbst in Rußland gab und gibt es Revvlutionstribunale, wenn man auch mit deren Rechtspsechuna nicht gerade einverstanden z» sein braucht. Und noch haben mir de» Glauben nicht ausgegeben, daß all« Schuld sich auf Erden rächt. Entweder es existiert das Christentum pder es existiert sticht. Existiert es, dann ist die Mitschuld der in Teutschland und außerhalb Teutschlands wohnenden Christen unermeßlich groß. Man stelle sich^nor, wie Jeremias und Fesaias. wie Jesu»»nd Paulus dt«»ate» Hitlers bewertet hätten. Das An«la»d schweigt ststdivili sich nicht l>.»einmischen Es bedenkt nicht, bau es die Mitschul« auch nni sich lädt. Man sßrchtxt Blutvergießen. Tabei liegen die Tinge, ipje M,if)'pli,|i jetzt bewiesen hat, anders. Als er Soldaten an der östcr'-eichisch»» Grenze zusammenzog und sehr kriegerisch tat, da kuschte Teutschland. Wie l-sto» die konservative englische Pressx schrieb, hat sich Teutschland durch die Billigung des 39. Juni außerhalb der wostenronäischen Menschheit gestellt. Durch die Abstimmung am in. August hat c», zum großen Teil ungewollt, noch schwerer, Schuld auf sich geladen. Denn Schuld bleibt Schuld, so wie Mord Mprd bleibt. Hierbei denken Ivir nicht nur au den blutige» Mord, sondern an den Seelen,wird. der Tag ijir Tan ist Teutschland nor sich gehl und grauenhafter und„och schuldhafter ist als der gemeine Mensch,nmorh. Air alle sind mitschuldig! Wie tief die allgemeine Mpral gesunken ist, acht auch aus ftcV schcinhgr unwichtigeren Tgt- lache ssexvpr, daß cw» äig,,,» das Agrement erhalten hat, und daß dfls österreichische Volk, das bis zum gewissen Grade dock noch etwas wie Pressefreiheit hat, sich dagegen nicht empört hat. Wer ist von Papen? Sin Katholik, der in der Kirche nieder- kniet und mit dem Papst verhandelt hat. Dieser Edle nimmt es hin, daß sei» erster Sekretär, der ihm die berühmte Mar- burqer Rede ausgearbeitet hqt, durch die er den 39. Juni cist? geleitet hqt. erschlagen wird,'»r nimmt es hi», daß der Letter der katholischen Aktion ermordet wird, er erträgt es, daß leine Korrespondenz beschlagnahmt wird usw., und dennoch läßt er sich von Hitler nach Wien schicken»pd gestatte« es, daß seine biesbezügltchei, Fotograflen. ,vv er mit liebenswürdigem Lächeln abgebildet ist, verhssentlicht werden. Hier ist die politisch, unh menschliche Schamlosigkeit ans eine»» nicht mehr zu übersteigende» Gipfel angelangt, Die Welt lächelt zwar darüber, aber sie läßt es geschehen. Man scheint zur starken Empörung nicht mehr fSfiln zu sei»! find damfs machen wir uns am deutschen Geschehe» mitschuldig! Da? kann nicht laut, nicht schreiend genun gesagt iverden. Nichts weniger als Gesittung. Kultur und Religion stehen auf dem «piel. VSIkar In Sturmzaltan Nr. Ja Völker in Sturmzeiten Im Spiegel der Erinnerung- im Geiste des Sehers Donnnritag, W. Sapfamb. in« Meine Gefangenschaft Von Joseph Caillaux Jb*eph Caillaux wurde glänzend freigesprochen. Mit 213 gegen 28 Stimmen wurden die Anträge des Generalprokurators verworfen. Vor dem Gebäude des Senats erschollen Rufe: „Hoch Caillaux!" Aber das Geplänkel geht noch weiter. Die Politik wachte. Noch immer muß sich Caillaux verteidigen. „Mit den Untertanen einer feindlichen Macht" Dabei gibt es nur eine ganz einfädle Frage:„Ist Herr Caillaux schuldig der Taten, deren die Staatsanwaltschaft ihn bezichtigt.'" Doch man hat gesagt, daß, wenn der Senat unter dein Eindrurk meiner Verteidigungsrede abgestimmt hätte, die restlose Freisprechung erfolgt wäre. Keine Zusatz- frage hätte dann standgehalten! Man hat gesagt, man habe die Nadit gewinnen, habe den Vormittag des nächsten Tages sieh freihalten müssen, damit Regierungspcrsönlichkeiten Senatoren berufen und vor ihnen die Vertrauensfrage stellen könnten. Man hat gesagt. Herr de Selves habe Zeit gebraucht zum Spazierengehen in den Wandelgängen— und diese Erscheinung in Wasserfarben, um mit Saint Simon zu sprechen, hat es nicht daran fehlen lassen. Man hat gesagt, Herr Peres habe der Muße bedurft, um sich festzubeißen— und er hat dessen nicht ermangelt, so wird mir versichert. Michelet hat über die Haltung der Geschworenen im Danlon-Prozeß nach der Rede des großen Revolutionsmaunes geschrieben:„Abgesehen vielleicht von drei Leuten, wußten sie alle nicht mehr, was sie tun sollten. Der letzte hat versichert, er würde sich niemals haben entscheiden können, wenn der Präsident Hermann ihnen nicht einen Brief gezeigt hätte, von dem er gesagt habe, er komme aus dem Ausland und sei an Danton gerichtet." Im Jahre 1920, vor dem Staatsgerirht, gibt es gleichfalls Geheimakten, die man ohne. Frage herumreicht, und deren Existenz allein — ich'vill es unermüdlich wiederholen— auf alle Fälle schon jede gerichtliche Verhandlung hinfällig macht. Weiter! So findet man denn eine Mehrheit, um den Artikel"8 auf mich in Anwendung zu bringen. Wie lautet der? „Wenn die Korrespondenz mit den Untertanen einer feindlichen Macht, ohne zum Ziel zu haben eins der im vorigen Artikel angegebenen Verbrechen(Einvernehmen mit dem Feinde, Manöver, Machenschaften, Komplott), nichtsdestoweniger zu dem Resultat geführt hat, den Feinden Instruktionen zu geben, die der militärischen oder politischen Lage Frankreichs und seiner Verbündeten zum Schaden gereichen, dann werden diejenigen, die diese Korrespondenz unterhalten haben, bestraft..." Dreifach gesunde Menschenverstand Zuerst diese Bemerkung: ich habe niemals korrespondiert mit einem Untertan einer feindlichen Macht außer mit Lipscher, dem ich einen Brief— einen einzigen— geschrieben habe, um ihn... zum Teufel zu jagen, einen Brief, der so wenig die Kritik herausgefordert hat, daß man eine Zeitlang behauptet hat, er sei ein Deckmantel. Wir kann der Artikel auf mich anwendbar sein? Mau erwidert, man müsse das Wort Korrespondenz im weitesten Sinne verstehen: Schriften, Gespräche, Gedankenaustausch... Zugestanden! Es scheint, als müsse man es gleichfalls so auffassen, daß die Korrespondenz mit den Agenten des Feinde« strafbar ist, genau wie die Korrespondenz mit den Untertanen einer feindlichen Macht. Zugestanden auch das noch! obgleich man mir einst beigebracht bat, in einem Straffalle seien alle Texte scharf umgrenzt, es sei auf« strengste untersagt, den Sinn eines einzigen im Gesetz umschlossenen Wortes zu dehnen. Wenigstens muß doch der Mann, auf den man den fraglichen Artikel anzuwenden beabsichtigt, gewußt haben, daß er an einen Agenten des Feindes schrieb oder mit ihm sprach... Unbestritten! Die Autoren sind einmütig in dieser Hinsicht Der einf che gesunde Menschenverstand besagt übrigens, daß man niemandem, wer es auch sei, eine Unterhaltung mit einem französischen, englischen oder italienischen Untertan, der im Solde Deutschlands steht, zum Vorwurf machen kann, solange der Betreffende von der Sache nichts weiß. Wann habe ich denn mit einem Agenten des Feindes gesprochen, im Bewußtsein der Tatsache, daß er ein Agent des Feindes war? Die Begründungspunkte des Urteilsspruches vom Freitag, dem 23 April, sollen es uns sagen. Der geheimnisvolle Minotto „In Anbetracht," sagt der Beschluß,„in Anbetracht, daß es erwiesen ist, daß im Verlaufe seiner Mission in Südamerika Caillaux sich in enger Freundschaft einem gewissen Minotto verbunden bat, der seither durch die Regierung der Vereinigten Staaten als verdächtig interniert worden ist auf Grund seiner deutschen Herkunft und seiner Beziehungen zu Deutschland, daß diese Person ilun durch Erklärungen und Angebote aufs klarste seine Beziehungen zum Grafen Luxburg, dem deutschen Gesandten in Argentinien, bewiesen hat, und daß man es unter diesen Umständen nicht hingehen lassen darf, wenn ein ehemaliger Ministerpräsident, betraut mit einer offiziellen Mission, ihm die Beschwerden gegen die französische Regierung anvertraut hat, die er auf dein Herzen trug, und so dem Grafen Luxburg. wie es die Kabel- depesche des Letztgenannten beweist, die abträglichsten Auskünfte über die französische Politik gegeben hat.. Zunächst sei he eckt: man wagt nicht zu sagen, daß Minotto ein Agent des Feindes war, und man kann es nicht sagen, da der Schwiergersohn des Herrn Swift weder iu Amerika noch auch in Frankreich unter Anklage gestellt worden ist, da er zwar auf dem Verwaltungswege als Sohn einer Deutschen interniert Wörden, dann alter wieder auf freien Fuß gesetzt worden ist, ohne jemals ein Hühnchen rupfen zu müsse» mit den Tribunalen der Vereinigten Staaten oder Frankreichs. Wieso kann der Artikel 78 anwendbar sein? Wird mau so weit gehen, zu behaupten, daß man unter den Worten„Untertan einer feindlichen Macht", nicht allein verstehen muß„Agenten einer feindlichen Macht", sondern auch noch„Personen, die verdächtig sind auf Grund ihrer Herkunft und ihrer Beziehungen zu Feinden"? Aber wirklich! das hieße sich ein wenig zu viel Freiheit herausnehmen mit den Texten!..Aber." wird man einwenden...es ist nichtsdestoweniger wahr, daß: is-r C-p'äch? die Sie mit Minotto geführt haben, durch ihn an den Grafen Luxburg berichtet worden sind, wie seine Kabeldepesche beweist." Ohne jede Frage. Was für Gespräche? Der Spruch behält nicht die vorgebliche Bestellung an Luxburg zurück, mit der ich Minotto beauftragt haben soll zu dem Zweck, den lobrednerischen und für mich infolgedessen peinlichen Artikeln ein Ende zu machen, mit denen die deutsche Presse mich überschüttete. Man konnte es nicht, da durch die Aussage des Herrn Haguenin erwiesen war, daß der Feind meinen vorgeblichen Wünschen keinerlei Rechnung trug, im Gegenteil. „Bei einer Zigarre in den Horchkanal" Man heftete sich nur an eine Sache: ich soll Minotto die Beschwerden gegen die französische Regierung anvertraut haben, die ich auf dem Herzen trug. Worauf will man anspielen? Ich habe mir einige Zeitlang den Kopf zerbrochen, ich habe Minottos Beeidete mir wieder durchgelesen — jene Enthüllungen, die nach den Ausdrücken des Rück- verweisungsspruches„nur mit Vorsicht aufgenommen werden dürfen"— ich habe nur einen einzigen Punkt darin gefunden, der— in welchem Maße? wir werden sehen— den Ausdruck rechtfertigen könnte, den man gebraucht hat. Minotto erzählt, ich habe ihm eines Tages im Laufe einer Unterhaltung über die deutsch-französischen Beziehungen von vor dem Kriege(ich habe schon davon gesprochen) gesagt, daß auf Herrn Poincare, den Präsidenten der Republik, ein reichlicher Teil der Verantwortung für den Feldzug des Herrn Calmette gegen mich entfalle. Ich erinnere mich nicht im mindesten so gesprochen zu haben, aber es soll einmal gelten. Ich bestreite nicht. Was für eine„der französischen Politik abträgliche Auskunft" lieferte ich damit? Man stelle einen Vergleich an zwischen dieser im übrigen auf die Vorkriegszeit bezüglichen Aeußerung und den täglichen Artikeln des Herrn Clemenceau im„Homme Enchaine", die in der„Gazette des Ardcnncs" wiedergegeben wurden, in denen, wie ich schon zu bemerken gab, der Staatsmann zur Disposition einen Sturzkarren voll Schmähungen ausschüttete über den Präsidenten der Republik und die: Kriegsregie- rungen. Aber, so wird man nun einfallen, man würde Ihnen nichts sagen können, wenn Sie öffentlich Ihre„Beschwerden" ansgeschrien hätten in einer Rede oder in einem Zeitungsartikel derart, daß über den ganzen Erdkreis hin die Deutschen davon Kenntnis erhalten hätten. Schwerwiegend ist, daß Sie diese vertrauliche Mitteilung hei einer Zigarre in den Ilorrlikanal eines Italieners, der sich seither verdächtig gemacht hat. das heißt eines feindlichen Agenten, das heißt eines feindlichen Untertanen haben gleiten lassen. Wirklich bewundernswert, dieses Vernünfteln! Aber ich nehme es hin, wenn es auch ein starke« Stück ist, und gehe weiter. Der Spruch hebt hervor, ich hätte über Minottos Charakter nicht im Irrtum sein können,„da er durch seine Erklärungen und Angebote mir aufs klarste seine Beziehungen zum Grafen Luxburg bewiesen hatte". Ein Unglück nur, daß die beanstandete Unterredung einen Monat hinter meinem Aufenthalt in Argentinien zurückliegt, daß sie Ende Dezember 1914 in der Umgegend von Sao Paulo stattgefunden hat. als ich noch nicht wußte, daß es irgendwo einen Herrn von Luxburg gab. Die Erklärungen und Angebote Minottos hingegen liegen zwischen dem 23. und 29. Januar 1915. Dieser Begründnngs- punkt des Beschlusses ist also schlechthin auf einem materiellen Irrtum basiert. Eine Tatsarheufeststellnng. der sich nichts entgegenhalten läßt— nichts, rein gar nichts! Die römischen Gespräche Begreift man nun, warum man mir keine Gelegenheit gegeben hat zur Aussprache über den Artikel 78? Nun aber Italien! „In Anbetracht," sagt der Beschluß,„daß nicht bestritten werden kann, daß Caillaux in Italien seit seiner Ankunft im Dezember 1916 Beziehungen angeknüpft und unterhalten hat zu notorischen und erwiesenen Neutralisten, ja, zu Agenten des Feindes: namentlich zu Cavallini, der seither durch die französische Justiz zum Tode verurteilt wurde, daß seine Beziehungen und seine Aeußeriingen in ihrem Zusammenhange die beträchtliche Erregung erklären, die sich in Rom bemerkbar gemacht, wobei es ohne Nutzen ist, die Wendungen aus seinem Gespräch mit Martini zu erörtern.. Erster Punkt! Das Gespräch mit Martini scheidet aus. W as bleibt übrig? Meine Aeußerungen? Welche? Nicht ein Zeuge ist vor die Schranken des Staatsgerichts getreten, um zu behaupten:„Herr Caillaux hat mir dies oder jenes gesagt." Inwiefern könnten übrigens die Aeußerungen, seihst wenn sie häßlich gewesen, wenn sie zu ausgesprochenen Nentralisteu getan wären, unter den Artikel 78 fallen? Ich kann mir nicht vorstellen, daß man zu behaupten wagt, der Begriff„Untertan einer feindlichen Macht" könne die Nentralisteu umfassen, das heißt die Pazifisten. Warum dann nicht auch die Sozialisten? Habe ich mich in Italien mit Agenten des Feindes unterhalten in dem Bewußtsein, daß es Agenten des Feindes waren? Das ist die ganze Frage. Auf den ersten Teil dieser Frage antwortet man:„Ja." und man nennt Cavallini. Wir werden sehen, was diese Versicherung wert ist. Auf den zweiten Teil gibt man keinerlei Antwort. Mau kann nicht, wie im Falle Minotto, mit Erklärungen oder Angeboten argumentieren, die mir gemacht sein sollen. Ganz im Gegenteil. Herr de Jouvenel hat ausgesagt, daß ich, als er mich gegen Ende meines Aufenthaltes in Rom traf, midi im tiefsten überrascht zeigte, als er mir mitteilte, daß die Leute, mit denen ich zufällig zusammengekommen, zu Recht oder zu Unrecht politisch verdächtig waren. Ich sage„politisch", denn keine Seele hat zn jener Zeit behauptet, daß von jenen Erscheinungen irgendeine dem Feinde Agentendienste leistete. Und abgesehen von Herrn de Jouvenel, der mich am Tage vor meiner Abreise nach Paris gewarnt— er konnte nicht eher—, wer hat mir denn sonst noch einen Wink gr- gebeu? Ich will uiebl furiutgreifeu auf meine höchst vollständigen Ausführungen über das, was das Palais Farnes« pomphaft„die italienischen Zwischenfälle"' genannt hat. Ich will nicht daran erinnern, daß der Leiter des öffentlichen Sicherheitsdienstes, Herr Vigliani, mir vorgestellt wurde durch die Herren Re Riccardi und Cavallini, die mir somit über die beste aller Bürgschaften zu verfügen schienen. Nun habe ich mir einige Bruchstücke aus dem Schreiben des Oberst Fran$ois, des französischen Militärattache bei der französischen Botschaft, zurückbehalten, um sie diesem Begründungspunkt des Beschlusses gegenüberzustellen. „Wer nicht gewarnt war» konnte ins Garn gehen" Folgendes schreibt er von Brnnicardi und Cavallini: „Für jeden, der sie kannte, waren sie beide, vor allem der zweite, Leute, denen besonders zu jener Zeit ein Mann von der Bedeutung des Herrn Caillaux aus dem Wege gehen mußte, dessen Taten, dessen Worte und dessen Umgang von ganz besonderer Tragweite und Bedeutsamkeit sind, vor allem in einem Lande wie Italien. Aber man mußte sie kennen. Wer nicht gewarnt war, konnte ins Garn gehen. Er konnte von einer Seite, der wahrhaft interessanten Seite der Dinge gänzlich in Unkenntnis bleiben und nur eine sehen, die auffällige: das Aeußere. Brnnicardi stand in Beziehungen zu bedeutenden politischen Persönlichkeiten. Ich habe es gezeigt. In diesem Falle hat er Herrn Caillaux in Verbindung mit Herrn Martini gebracht. Cavallini ist unbestreitbar ein Abenteurer, bereit zu mancherlei Dingen. Aber schließlich stand auch er auf gutem Fuße mit einflußreichen Leuten, leistete er ihnen Dienste, trug er keine Bedenken, es auszuposaunen. Natürlich hat er übertrieben, wenn er von seiner Rolle sprach mit Leuten, die nicht auf dem laufenden waren über seine Stellung. Herr Caillaux war nicht auf dem laufenden... Aeußerlirh gab sich Cavallini mit Erfolg als gewichtige Persönlichkeit. Man muß das Milieu kennen, nm sich klar- zumachen, wie leicht es ihm wurde, Sand in die Augen zu streuen. Ein Oberst, Chef eines Dienstes von höchster Wichtigkeit, verschwendete an ihn die augenfälligsten Zeichen von Sympathie und Vertrauen; ein Hauptmann, der gleichfalls eine beträchtliche Rolle spielte, umarmte ihn in der Halle eines großen Hotels. Er hatte einen Sohn in einer verantwortungsreichen Dienststelle der römischen Zensur. Zusammen mit der Marchesa Rizzi hielt er einen gewissen Lebensstil inne, was in Rom wie anderswo, mehr als anderswo vielleicht, die Neuankömmlinge stets günstig stimmt. All diese geschickt ausgebeuteten Umstände gaben diesem Mann einen Anschein, durch den man sich leicht fangen ließ, wenn man die Kehrseite der Karten nicht kar.nte." „Instruktionen für den Feind" Zu dem ersten Punkte äußert sich Fauslin-Helie folgendermaßen: „Die Korrespondenz muß ein materielles Ergebnis gehabt haben: die Versorgung der Feinde mit abträglichen Instruktionen; man muß also die Wirkung der gelieferten Instruktionen feststellen." Nun stellt, wohlverstanden, der Beschluß nicht„die Wirkung der gelieferten Instruktionen" fest. Lud aus gutem Grunde! Einmütig äußern sich die Autoren zu dem zweiten Punkte. Garraud faßt die Rechtsbelehrung in folgenden Wendungen zusammen: „Die Korrespondenz muß das Resultat gehabt haben, daß den Feinden Instruktionen zukamen, die der militärischen Lage oder der Politik Frankreichs oder seinen Verbündeten zum Schaden gereichen. Aber genügt es denn, daß die Korrespondenz dieses Ergebnis gehabt hat? Muß sie nicht zugleich auch dieses Ziel gehabt haben? Trotz den ausdrücklichen Wendungen des Gesetzes ist man einig darin, daß diese Bestimmung so zu verstehen sei, daß sie die fundamentalen Prinzipien des Strafrechts nicht verletzt. Eine Unvorsichtigkeit in einer Korrespondenz mit Untertanen einer feindlichen Macht, so schädlich sie auch wirken möge auf die militärische oder politische Lage Frankreichs oder seiner Verbündeten, kann wohl eine Verfehlung, nicht aber ein Verbrechen darstellen. Der Urheber der beanstandeten Handlung muß also mit einer ausgesprochen verbrecherischen Absicht gehandelt haben, wenn er strafbar sein soll." Was für ausgesprochen verbrecherische Absichten legt man mir zur Last? Der Beschluß trägt Sorge, festzulegen, daß keine solche vorliegt;„In Anbetracht, daß zwar die Staatsanwaltschaft keineswegs ermittelt hat, daß der Angeklagte unter diesen Umständen dem Feinde in seinen Unternehmungen hat beistehen wollen, daß aber nichtsdestoweniger diese Manöver zu dem Resultat geführt haben..." „In der Politik gibt es keine Gerechtigkeit" Und weiter: „In Anbetracht, daß in allen Caillaux vorgeworfenes Fällen die verbrecherische Absicht, dem Feinde in seinem Vordringen beizustehen... nicht ermittelt worden, daß aber diese gleichen Fälle zu Lasten des Angeklagten den Beweis liefern für Korrespondenzen mit den Agenten des Feindes, die das Resultat haben.. Der Spruch behauptet also, das Resultat allein zähle, und derjenige, der es verursacht hat, sei strafbar, abgesehen von jeder verbrecherischen Absicht. Er steht im Widerspruch zur Rechtslehre.„Er verletzt die fundamentalen Prinzipien des Strafrechts." Doch ich würde meine Ausführung herabwürdigen, wenn ich mich auf eine juristische Debatte versteifen wollte. Ich habe sie nur heraufbeschworen... für die Zukunft. „In der Politik gibt es keine Gerechtigkeit"... ein Satz von Clemeneeau! Das Staatsgericht hatte sich einzig mit einer politischen Frage zu befassen. Selbst der General- prokurator, der ohne Festigkeit eine Hochverratsklage zu • tiitzen suchte, hatte seinen Beschluß im Sinne einer politischen Verurteilurg gefaßt(Fortsetzung folgt.) Diplomatie am Oesterreich Grundfragen der europäischen Politik K. T. Senf, 25. September. 25ic Völterbundsversammlung tagt im Schatten des Hakenkreuzes. Der Steg Hitlers in Deutschland hat fcstge- Hjqte Konturen der internationalen Politik verwischt, alten Haß zum Schwinden gebracht,' spat, mitunter verspätet, eilt- uehcn Abmchrkräste. War die erste Periode der Bundes- Versammlung dem Eintritt der Sowjetunion in den Völker- r gewidmet, einem der entscheidenden Triumphe der franzoslichen Weltpolitik, so steht die letzte Woche der Bundeö- Versammlung im Zeichen der Diplomatie um Oesterreich. .rreilich, die Zeiten find vorbei, da Dollfust nach seinem festlichen Empfang in London auf der Genfer Tribüne stehend die Genungtuung einer stürmischen Ovation genoß, die in ihm den Helden der Freiheit im Kampfe gegen die uendeutschc Barbarei huldigte. Was schon damals blinde Verkennung der Dinge, abgrundtiefe Unkenntnis öfter- reichlicher Politik war— heute ist es für jeden klar ge- worden: der österreichische Klerikalismus hat sich mit dem Austrofaschismus nicht verbunden, um einen Rest freien deutschen Bodens zu retten, von dem aus die Kulturmifsion des deutschen Volks in der Welt im Zeichen der Demokratie und der Freiheit hätte fortgesetzt werden können. D o l l f u s; und S t a ehe m b e r g wollten in Oesterreich nicht ein neues Piemont errichten, das eine weltgeschichtliche Ausgabe für ein freies Deutschland hätte vollbringen können. Ihnen ging cS um anderes, geringeres: die einen sahen endlich de» Weg, mit der Sozialdemokratie ein Ende zu machen, die anderen wollten die Gelegenheit der Niederlage der deutschen Ar- beiterklasse benutzen, um ihre klerikalen Träume in die Tat umzusetzen. To wurde Oesterreich zu dem, was es ist. Herr S ch u s ch n i g g wird dennoch überrascht geivesen sein, weil kühler, ja unfreundlicher Empfang ihm zuteil wurde. Die Demokratien des Westens, Frankreich und Groß- Britannien gleichermaßen, erkennen NU», da es zu spät ist, daß die Unabhängigkeit nicht durch die ständige Wachsamkeit der Großmächte, sondern nur durch den entschlossenen Willen der großen Mehrheit der österreichischen Bevölkerung selbst gesichert werden kann, ihr Vaterland und seine politischen und sozialen Einrichtungen gegen die Eingriffe des großen Nachbarn im Norden zu schützen. Man sieht zu spät, das, mit der Ausrichtung der klcrrikofaschistjschen Diktatur die geival- tige Masse der sozialistischen Arbeiterschaft diesem Staat ent- fremdet wurde. Zu spät hat der französische, der englische Außenminister Herrn Tchuschrrigg zu verstehen gegeben, daß sein Negierungssystcm öas Land von innen heraus schwächt, daß, um die Unabhängigkeit Oesterreichs zu ver- tcidigen, die Regierung alle Teile des Volkes hinter sich sammeln müßte, di^ der Haß gegen das Hakenkreuz einen könnte. Zu spät!jät man im Westen erkannt, daß der Kamps gegen die Diktatur des Hakenkreuzes nicht im Zeichen einer anderen Diktatur, sondern nur im Geiste der Freiheit ge- führt werden kann. Zu diesen Sorgen der westeuropäischen Demokratien— dere>i Stimmung eine ganz andere war als Herr Mvtta in fc/heni Nachruf ans Dollsiiß Ausdruck gab— kommen noch weit ernstere Bedenken bei der Kleinen Entente. To / wenig wie die nazistische Gleichschaltung kann die Kleine Entente um ihrer Existenz willen die Wiederkehr der Habs- bnrger ditkdSn. Uitb da sie'sieht, daß die NegUnichr Schüsch- vigg aus der Sackgasse, in die sie durch ihren Zweifronten- krieg geraten ist, immer mehr'den Ausweg in einem monar- chistische» Abenteuer zu finden meint, hat sich die ganze Aus- werksamkeit der Kleinen Entente dieser Gefahr zugewendet. Sie zu bannen, gibt es zwei Mittel. Solange die Sozial- demvkratie in Oesterreich legal war, war der Monarchismus eine lächerliche Komödie. Alle Habsbnrgertränme wären auch heute wieder vorbei, wenn das Ncgimc den Weg zurück, bis vor den Februar, finden könnte. Aber von einem FaschiS- Müs, der sich selbst entleibt, zu spintisieren, ist offenkundig sinnlos. Tb kämpft denn die Kleine Entente um außen- politische» Einfluß aus Oesterreich, der es vom Abenteuer der monarchistischen Restauration nblmlteu soll. Es ist ein Kampf gegen die Vormacht Italiens in Oesterreich. So sind die Genfer Borhandlungen über die österreichische Unabhängigkeit ein Duell z w i s ch e n- I t a l i e n und Kleinen Entente geworden. Sic kleiden sich in ver- fchiedenartige diplomatische Manöver. Italien macht den Borschlag einer gemeinsamen Garantie der drei Großmächte für die österreichische Unabhängigkeit. Die Kleine Entente, die sich dadurch ausgeschaltet sieht, lehnt diesen Vorschlag ab. Ein neuer Versuch wünscht eine Kollektivgarantie aller Nach- larstaatcn Oesterreichs. Die Kleine Entente will nicht ohne ihren mächtigen S ch ü tz h e r r n Frankreich handeln. Tie macht den Gegenvorschlag einer allgemeinen Völkerbundsgarantie, deren Dnrchfüh- rung der Völkerbund jeweils de» Nachbarstaaten Oester- reichs(natürlich mit Ausnahme Deutschlands» übertragen würde. Soweit sind die Verhandlungen bisher gediehen. Man kennt die Positionen, aber man sieht noch keine denk- bare Lösung. Denn in Wahrheit ist daS österreichische Problem in Ge- fahr, eine Teilsrage der sich anbahnenden französisch- italienischen Verständigung z» werden. Äarthvu will sich auf den Lorbeeren seines russischen Erfolgs nicht ausruhen. Er träumt, davon, den seit Kriegsende bestehenden Gegen- sätzen zwischen Frankreich»nd Italien ein Ende setzen, die Versöhnung der lateinischen Schwestern zu Stande bringen zu können. Und dazu gehört neben dem Ausgleich über Libyen und Tunis, neben der Einigung Uber die Flotten- stärke die Verständigung über den Donauranm. Hier geht es nicht sosehr um unmittelbare Interessen Frankreichs, son- der» vielmehr um die Vertretung der Lebensfragen der Kleinen Entente, insbesondere Jugoslawiens und der Tschechoslowakei, die Bärthou als Bundesgenossen sich zu eigen macht. Hier liegt aber auch die Hauptschwierigkcit dieser Bermittlungsaktion. Es ist käu», denkbar, wie Frank- reich sich mit Italien aussöhnen könnte, ohne daß Ingosla- wie« dem.dritten Reich", das ihm beständig neue Avancen macht, zugetrieben wird. Herr Barthou hat da ein neues Meisterstück zu vollbringen, an dessen glücklichem Gelingen wohl ernster Zweifel berechtigt ist. M a n sieht: das ö st e r r e i ch r s ch e P r o b l c ni enthält alle Grundfragen der europäischen Politik Es ist neben der Saarsrage der Hauptpunkt des Kampfes, den das„dritte Reich" Europa alkgesagt hat. Es ist Streitfrage zwischen Italien und der Kleinen Entente, Frankreich und Italien. Es berührt Großbritannien, das freilich noch weit davon entfernt ist zu erkennen, wieviel die Sicherung Oesterreichs vor dem Zugriff Hitlers auch ihm bedeutet. Aber die Existenzfrage Oesterreichs ist weit tiefer zu finden als in dem geschäftigten Getue der Diplomatie. Oesterreich ist heute zum Spielball der Großmächte geworden. Um der Gefahr des Hakenkreuzes zu entgehen, hat es sich unter die Fittichs Mvssolink-JwlienS gerettet. ES ist damit zum Zan?» opsel zwischen Italien und der Kleinen Entente geworden. Es droht, Jugoslawien an die Seite'Deutschlands zu führen. Keine vernünftiger Mensch zweifelt daran, daß sowohl die innere, als auch die äußere Situation Oesterreichs völlig nn- stabil ist. DcNn in allen diesen Rechnungen der Diplomatie fehlt ein entscheidender Faktor: das Volk Oesterreichs selbst. Und dieses Volk kann nur handeln, nur dann seine Unab- Hängig.keit retten, wenn es im Zeichen einer großen Idee leben kann und weuns not tut sterben muß. Die einzige Idee aber, die dem Hakenkreuz und seiner Ideologie siegreich entgegentreten könnte, ist die Freiheit. Schweiz, Sowjefraßlanti, nitleroeatschlano Man schreibt uns: In der Nr. 218 Ihrer Zeitung schreibt Ihr Genfer Korrespondent K. T., daß die schweizerische Haltung gegenüber Sowjetrußland ausschließlich von innenpolitischen Gründen diktiert genesen sei. Als regelmäßiger Leser der..Freiheit" und linksstehender schweizerischer Journalist halte ich mich für verpflichtet, Sie darauf aufmerksam zu machen, daß in der gattzen Kampagne gegen Sowjetrußland der kinfluß der germnnophhilen und hitlerfreundlichen Kreise(Fronten. Offiziere, Großindustrie) sehr starlc war. Es ist überhaupt immer wieder festzustellen. daß in den antifaschistischen Kreisen des Auslandes der gewaltigen Propagandaflut des..dritten Reiches", die sich Tag für Tag über die Schtveiz ergießt. nicht die notwendige Aufmerksamkeit geschenkt wird— ivas kein Vorwurf gegen Ihre Zeitung sein soll, die wirklich soviel bringt als sie kann. Aus diesem Grunde schicke ich Ihnen einen Beitrag, der diese Zusammenhänge in der Rußlandfrage kurz beleuchtet. W. K. Die Erklärung, die der schweizerische Außenminister M vtta in Genf bei der Ausnahme Rußlands abgab, hat in Berlin eitel Freude geweckt. Tie gleichgeschaltete Preise ist des Lobes voll über dfe schweizerische Haltung gegenüber Rußland. Es ist kaum anznnehmen. daß die schweizerische Völkerbundsdelegation— an'hrer Spitze Herr Motta, der immer als frankophil galt— über diese sonderbare Gesotg- schalt Freude empfindet. Motta selbst aab noch am gleichen Abend, als der Entscheid in der politischen Kommission ge- fallen ivar, dieser Aufsagung Ausdruck, indem er die schwci- zerischen Journalisten mit aller Beredsamkeit beschwor, sich nn» nicht etwa in eine Hetze gegen den Völkerbund hinein- treiben z» lasten. Trotzdem ist die Tätsache nicht ans der Welt zu schaffen, daß die offizielle schweizerische Außenvolitik mit ihrer Stimmabgabe in Genf an die Seite des„dritten Reiches" getreten ist und dessen Position, wenn auch nicht be- mußt, zu einer Stütze verHolsen hat. Allerdings müssen die Gründe für die schweizerische Stellungnahme in erster Linie in den innenpolitilchen Ver- bältnissen gesucht werden. Die Beziehungen der Schiveiz zn Rußland sind seit langen Jahren Gegenstand parteipolitischer Auseinandersetzungen. Während die Linke aus allgemein politischen n»d wirtschaftlichen Gründen eine Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zur UdSSR, fordert, weigert sich die Rechte beharrlich, diesem Wunsch entgegcnzu- kommen. Die Begründung siir diese starr ablehnende Hat- tung artigen die Gojtloienprvpaqanda, die Plünderung der Ichiveizerischen Gesandtschaft in Petrograd während der Re- volütivil und der doch schon längst ausgeträumte Traum einer bolschewistischen Weltrevolution geben. Alle diese stimmicnqsmäßigen Argumente waren auch deutlich aus der Rede Mottos in Gens zu vernehmen. Andererseits jedoch muß immer.wieder daraus hingewiesen iverden, daß trotz der von der gesamte» Rechtspresse gegen Svivjetriißland inszenierten"etze auch nicht die Spur einer so gerichteten „Volksbewegung" z» finden ist. Eine Volksabstimmung über diese.Fraae n'ki>"de wahrscheinlich ein aanz anderes Resultat zeiaen. als es Herb Mvtta erwartet. wie sich denn überhaupt das Tchiveizervokk s» allen entscheidenden Wahlgängei, der letzten Zeit deutlich nun der konservativen und freisinnigen Reaktion äbgcwandt hat. Wenn im allacmeine,, die rtjti i»>-enpc>ljti!che,i Beweggründe ausschlaggebend waren für das schweizerische Rein, Herriol und die Sozialisten Eine„Kriegserklärung" Paris, 2G. September. Von unserem Korrespondenten, in Zivischensall, der sich dieser Tage in Lyon ereignete, Minister Herriot Bürgermeister ist, bildet in hiesigen Ein WI^W^WWWWWWMWWI politischen Kreisen das Gesprächsthema. Anläßlich der Sitzung des Haushaltsansschnsses kam es im Stadtrat zu einem Zusammenstoß zwischen Herriot und den sozialistischen Stadträten. Man glaubt, daß dieser Zivischen- lall möglicherivcise politische Folgen haben kann. Die Sozialisten hatten eine Erklärung verlesen, in der sie die jetzig? französische Regierung scharf kritisierten. Herriot erwiderte darauf, er nehme diese Erklärung für das. ivas sie sei: für eine Kriegsetklärung an die Po- ''''*- H' r d i e sich die R ad i k a l s o z i a l i st i s ch c P a r t c i c» t s ch i c d e» h a b c, eine Partei, die ihrer rc- publikanische» und demokratische» Gesinnung treu bleibe, aber^sich zumal i» schwierigen Zeiten verantivortlich fühle, ^.ie Sozialdemokraten wollten ivohl mit dieser Erklärung zu erkennen gebe», daß sie keinen Wert aui die Stimmen der Radikalwzialisten legten. Er nehme von dieser Entschließung Kenntnis. venlsmer una französischer Sport Eine Rüge an die französische Regierung Paris, 26. September. Von unserem Korrespondenten Die jüngste sportliche Begegnung, die am letzten Sonntag zwischen Deutschen»nd Franzosen in Magdeburg siatlsand, endete mit einem überlegenen Siege der Deutschen. Philippe B a r r e s nimmt»»» diese Tatsache zum Anlaß, um im „M a t i n" den verantwortlichen Stellen in Frankreich vor- zuwerfen, daß sie den französischen Sport nicht genügend unterstützten, um für derartige Konkurrenzen in Deutsch- land hinreichend gerüstet zu sein, während andererseits das „dritte Reich" nicht spare, ivenn es gelte, seine Sportmann- schalten kampllähig zu machen und zu erhalten. Er meint, die Franzosen müßten ivohl nicht, ivie wichtig diese sportliche« Erfolge für die deutsche öffentliche Meinung seien. Man müsse doch auch an die olympischen Sptele'benken, so darf dock andererseits nicht iiber'ehen werden, öaß i«» auch in der Schiveiz große«rem gib», die(ich nun davon eine außenpolitische Nenoricntiernng der schweizer,,che» Anßenpolitik versprechen. In der öffentlichen Meinung der Schweiz beginnt sich immer die llcbcrzeugnng Bahn zu brechen daß es mit der ichiveizc» rüchen Neutralität im nächste» europäischen Krieg mayr- scheinlich nicht zum Beste» bestellt sein wird. Nicht als ob in der Schiveiz selbst Kriegshetzer am Werke wären,' aber die Befürchtung ist allgemein, daß es kaum gelingen wird,>«r Gebiet unversehrt zn erhalten. Der Eintritt Soivietruylanö» in den Völkerbund bot allen gcrmanophileii Kreisen den An- laß, eine außerordentliche intensive— und wie man leider konstatieren muß— auch wirksame Propaaanda zu treiben. So sehr in den letzten Monare» unter dem Druck der Ereignine vom!9. Juni und vom 25. Juli in den Kreise» des Mittelstandes und der Bauern eine tiefe Mißstimmung gegen den Nationalsozialismus Platz gegriffen hat— man tri ick wohl niraends unter der Bevölkerung einen derartigen van gegen Hitler wie in dieser kleinen Demokratie— so sind anderseits die dentschsrenndlichen Elemente außerordentlich mächtig. Es ist kein Geheimnis, daß maßgebliche höhere Offiziere der schweizerischen Armee ihre Sympathien in hohem Maße Deutschland zuwenden. Einzelne von ihnen unterhielten früher gute Beziehungen zum Stahlhelm und es ist kein bloßer Zufall, daß ausgerechnet die schweizerische Ossizicrsgesellschaft— ihren Statute» gemäß politisch neu- trat— sich mit aller Vehemenz gegen die Ausnahme Sowset- rnßlands in den Völkerbund aussprach. Die faschistischen Fronten besitzen auch in Ossizerskreisen einen starken An- hang, so daß hier gegenseitig Fäden hin»nd her gesponnen werden. Seit dem Anbruch des„dritten Reiches" ist aber auch die publizistische Beeinflussung durch Deutschland sehr stark. Das Propagandaministerium des Herrn Goebbels hat seine Hand»st im Spiele. Die Schweiz wird von einem wahren Strom deutscher Druckerzeugnisse überschwemmt, wie sich denn auch die Spitzel der Gestapo hier ziemlich»nan- gefachten auskalten könne». Es sei hier als Beispiel nur aus die famose„Weltwoche" hingewiesen, die sich unabhängige Ilmschau nennt, aber seit ihrem Bestand(Herbst 19085 in allen außen- und innenpolitischen Fragen die Interessen Hitler-Teutschlands in Schutz nimmt. Dieie gut und vornehm ausgestattete Wochenzeitung besitzt eine Auflage von 42 099 Exemplaren und wird dank ihres interessanten In- halteS in der breiten Oessentlichkcit gern gelesen. Alle dies« Hilfskrsste Adolf Hitlers haben in der Kam- pagne gegen Sowjetrnßland eine außerordentlich rege Tätigkeit entfaltet. Das Nein der schweizerische» Dekega- i'.o» in Gens ist deshalb zu einem Teil als ihr Erfolg anzu- sehen. Bereixs Ivill denn auch ein Töil der kchmcizcrischen Reaktion die Dinge iveitertreiben. In frvntistifchen und protestäntisch- konservativen Blättern erschallt der Rni nach dem Anstritt a»S dem Völkerbund und eine der faschistischen Fronten kündigt eine Bolksinitiative mit diesem Ziel a». Alle diesen Tendenzen kommen Herrn Goebbels zweifellos sehr gelegen, wie man überhaupt die schw-izcrische Außenpolitik in den letzten Monate» gegenüber Deutschland jegliche Festigkeit vermissen ließ. Es gilt heute all' diese Vorgänge in der „ältesten Demokratie der Welt" ansmerksam zu machen. Die Gegner, des FaichiSmns dürfen auch an verhältnismäßig unbedeutende» Vorgängen nicht vorbeisehen: denn der Nationalsozialismus überflutet das kleinste Land mit seiner Propaganda. Pflicht der antifaschistische» lind fortschrittlichen Kräsic in der Schiveiz ist es, daS Volk über diese.Zusammen' hänge aufzuklären und die schweizerische Außenpolitik von ihren gefährlichen Bocksprüngen zn befreien. die in zwei Iahren in Deutschland stattfinden und für das deutsche Prestige außerordentlich bedeutungsvoll sein wür- den. Die deutsche Mannschaft, die sich am Sonntag zum Kampfe gestellt habe, sei geradezu glänzend von den Organi- sationeii des Reiches unterstützt morden. Die ansgeiallenen Mannschaften habe man durch Sportler ersetzt, die recht- zeitig ihre Vorboreltiing in Angriff genommen hätten und außerdem von jeder Berujsarbeit befreit morden seien. Im Gegensatz dazu seien in der französischen Mannschaft Lücken gewesen, was die Deutschen schon vor der Begegnung ge- wüßt hätten. Die Vorbereitung sei nickt ansreichend gewesen schon mit Rücksicht daraui. dasi die Kämpfer neben dem Training auch ihrer Berufsarbeit hätten nachgehe» müssen. Hier liege ein Manko in der Unterstützung durch den Staat oder die Organisationen vor. Der deutsche Tportsührer von Tsckamnier-Osten habe Barrcs kürzlich auf dein Nürnberger Nationalsozialistischen Parteitag versichert, daß der so hervorragende französische Sport noch 89 Prozent geivinnen könnte, wenn er über eine etwas disziplinierte und weitsichtige Organisation verfügen würde. Schließlich meint Barrcs, wenn man auch nickt so we>» gehen wollte, siir de» französische» Sport die finanzielle Unterstützung zu fordern, die Deutschland kür seinen Sport übrig habe, so müsse Frankreich menigstens alle seine Ebancen da ausnützen, wo es sich zum sportlichen Kamps stelle. Einer bezeichne! sich als Mörder Vermutlich ein Bluff Aus der französisch-spanischen Grenzstadt Viella bei Bär» rcloiia wird gemeldet, daß sich der spanischen Zivilgarde ein Franzose namens Marius EombeS gestellt habe, der be- Haupte, der Mörder des Gerichtsrates Prince zu sein. Er behaupte, man habe ihm für diesen Mord 199 EU Franken versprochen, er habe aber nur 25 999 Franken erhalten. Nach dem Mord sei er nach Spanien geflüchtet»nd habe sich län- gere Zeit in Barcelona aufgehalten. Die Polizei hält das Geständnis des Combes für einen Blufs und nimmt an, daß Eombes, der mittelbar ist, ans diese Weise nur seine kostenlose Rückbeförderung„ach Frankreich durchsetzen will, daß er aber mit dem Tod des GertchtSrates Prince gar nichts zu tun hat. Jidti mehr wie ein Hüter Großvater Das Ecfio von Doumergues Radiorede tVoil unserem Korrespondenten) Paris, 26. September. _>Auni vierten Male seit seinem Amtsantritt hat der fran- zosische Ministerpräsident Toumergue im Radio gesprochen. Mit Ungeduld wurde diese Rede von ganz Frankreich er- wartet. Toumergue machte ausführliche Mitteilungen über zukünftige Politik. Er ivilt den Franken unter allen Umstanden halten, er ivill die Rcgierungsgcivalt stärken, ist unter Umständen geneigt, die Kammer auszulösen, und ivill die Borbereituug eines neuen Bcaintengcsehes mit weit- gehenden Reformen. Wie nicht anders zu erwarten, wird diese stlede von der gesamten Presse lebhaft diskutiert. Gallus meint im„In- t r a n s t g c a n t", schon am Tone habe man merken können, daß es sich um bedeutungsvolle Ausführungen handele. Tenn Doumergüe habe nicht inehr sanft wie ein guter Grottvater, sondern wie das Oberhaupt einer Familie gesprochen, das seine Entschlüsse gefaßt habe und erwarte, das; sie befolgt würden. „Journal" zeigt sich von der Rede antterordcntlich bc- friedigt und erklärt, sie fei das, was man erwartet habe. „Matin" vergleicht die Wortgcwandtheit mit der des Tacitus und meint, diese Ausführungen hätten von dem großen Geschichtsschreiber herrühren können. Leon Bailby bezeichnet im„I o u t" die Rede von Toumergue als eine Tat, deren Bedeutung im In- und Aus- lande weitgehende Würdigung finden werde. „L'Ordre" meint, hinter Toumergue stehe gegenwärtig das ganze französische Volk. Er wisse, was er wolle, und er könne, was er wolle. Tas sei um so schlimmer für die- jenigen, die nicht verstehen ivolltcn. „O e u v r e" zeigt sich von der Rede Toumergue» sehr wenig befriedigt. Tas Platt meint. Toumergue habe doch wohl einige wichtige Fragen bei seinen Ausführungen un- S^artses* Berichte Die Altäre von Lire Dir- Skamlalaftürp von Lille beschäftigt nach wie vor die Gemüter. Die Presse zeigt sich lief erregt, daß die Vor- gesetzten des ungetreuen Polizeiinsppktors Mariani jahrelang wußten, daß dieser bei kaum 2000 Fr. Monatseinkommen seine von ihm getrennt lebende Frau und vier Kinder in Korsika unterhielt, während er seihst ein luxuriöses I eben mit seiner Geliebten, einer flämischen Tänzerin, die ihm auch ein Kind geboren halte, führte. Aber keinem, so meint A. de Gobart im„Intransigeant", sei es eingefallen, diesen Aufwand einmal näher zu untersuchen, keiner sei darauf gekommen, das Geheimnisvolle, dieses ungeregelte Leben sich einmal etwas näher anzusehen und einmal zu fragen, warum man ihn denn ständig in einem Kaffeehaus in Gesellschaft so verdächtigter Individuen gehe. Und Gallus meint im gleichen Blatt zn dieser Skandal- affäre, schuld an all diesen Verbrechen der letzten Zeit, an der Affärr Prince. an der Staviskygeschirhte und an der I,iiier Betrugsaffäre sei die französische Unfähigkeit, zu strafen und die Uebeltäter wirklich unfähig zu machen. ie lange wolle man diesen Zustand noch erlragen, es müsse endlich eine wirkliche Rechtsprechung und eine wirkliche Polizei gefordert werden De rafssdiwindel größen Sfl's Eine polnische Gaunerbande, die sich auf Heiratsschwindel gelegt hatte und besonders in Fliichtlingskreisen arbeitete, ist jetzt durch den tüchtigen Polizeikorporal Mottu und seine beiden Polizeiinspektoren Gastex und Printin hinter Schloß und Riegel gesetzt worden. Die Bande bevorzugte für ihre berücksichtigt gelassen, und es richtet daher an den Minister- Präsidenten drei Fragen: Welche M aß nahmen werden gegen dieKrise getroffen? Welche M aß nahmen gegen das teuere L e b e n? Welche Maßnahmen sind für den Winter vorgesehen? Denn das müsse man wissen. Im scharfen Gegensatz zu dieser Kritik stehen die Glück- wünsche deö„F i g a r o", der Herrn Toumergue unein- geschränktesLob zu seinen Aussührungen spendet. „Pariü-Soir" endlich meint, Toumergue habe durch seine Rede, die im ganzen Lande eine tiefe Wirkung gehabt habe, eine patriotische Pflicht erfüllt. * Die Beamten drohen TRB. Paris, 25. Sept. Ministerpräsident Toumergue hat in seiner Rundfunkrede vom Montag angekündigt, daß die Beamten als Tiener des Staates ein besonderes, verfassungs- mäßig verankertes Statut erhalten würden, da es nicht an- gehe, daß sie außerberuslich gegen den Staat Stellung nähmen. Ter autonome Beamten- verband hat daraufhin eine Erklärung abgegeben, in der es heißt, er werde sich mit a l l e n M i t t e l n gegen die ä u ß e r st e r n st e T r o h n n g e i n e s B e a m t e n- '1 f 1*"{?.. ,u c 11& c 11 und er sei überzeugt, daß diesmal die Hindernisse, die bisher der gemeinsamen Front aller Be amten im Wege gestanden hätten, schnell beseitigt werden würden..— Das ist die erste Kampfansage einer Beamten- gruvve an den Ministerpräsidenten, und man darf sicher sein, daß weitere folgen werden. Arbeiten die Vororte von Paris. So brachten sie in IVantcrre ein junges Mädchen um 12 000 Fr. Sie wollte gerne heiraten und machte die Bekanntschaft eines Mannes, der ihr ganz gut gefiel. Der Betreffende schien außerdem keine schlechte Partie zu sein, denn er besaß, wie sich die„Zukünftige" überzeugte, ziemlich viel deutsches Geld. Leider aber handelte es sich um Inflationsgeld, das das junge Mädchen ahnungslos in Franken umwechselt», um ihrem..Verlobten" gefällig z» sein. Auch in Boulogne hat die Bande eine ähnliche Betrügerei verübt. In Gentilly lernte einer der Führer der Gesellschaft, ein Pole namens Joseph Prokopiak eine Iran Zalowska kennen. Audi diese stand im Begriff auf den ..Reichtum" des Zukünftigen hineinzufallen und wollte ihm gerade T000 Franken für deutsches Geld geben, das natürlich wiederum wertloses Inflationsgeld war. als sich die Tür auftat und die Polizei der Einwechselung zuvor kam. Die weiteren Mitglieder der Baude, der 45jährige Stanislas Mrocz- kowski. der bereits siebenmal vorbestraft ist, der 36jährige Joseph Skanderowicz. der von der Polizei von Arras wegen Betrug gesucht wird, der 43 Jahre alte Hermann Stephan und eine vierzigjährige Fran Rachelle Stanislawa. die nach dreimaligen Vorstrafen von Frankreich den endgültigen Ausweisungsbefehl erhalten hat(Expulsion) wurden ins Gefängnis gebracht und harien ihrer Aburteilung entgegen. Rehord der Langsamst Seil Jahren findet in Paris ein amüsanter Wettbewerb statt, der seinesgleichen in der Welt wohl suchen dürfte und fast an Schiida erinnert: das Automobil, dem es gelingt am langsamsten zu fahren, bekommt den ersten Preis. Zum zwölften Male hat dieser komische Wettbewerb am gestrigen Sonntag in der pittoresken Rue Lepic im Herzen des Montmartre Viertels stattgefunden. Die Zuschauer amüsierten sich köstlich, denn die Fahrer mußten alle nur erdenkliche Geschicklichkeit aufwenden, um zu zeigen, wie langsam sie fahren können. Von den fünfzig Konkurrenten errang Herr Pommern! mit seinem Motorrad den ersten Preis, fr brachte es fertig, die Strecke von 660 Metern in einer Stunde, und 16.17 Minuten zu durchfahien. Das ist wirklich ein Rekord an Langsamkeit, wenn man bedenkt, daß sein bahrz.elig eine Stunde gebraucht hat, um 5 19 Meter zu fahren. und daß ein sehr langsamer Fußgänger für die gleiche Strecke vielleicht eine Viertel Stunde aufwendet. Rculs&cr K'ub Am Sonnabend, dem 29. September, um 21 Uhr: Geselliges Beisammensein mit Tanz. Eintritt für Mitglieder frei, für Gäste 5 Fr.(Stellungslose 3 Fr.) Am Sonnabend zwischen 21 und 24 Uhr: Ausgabe der Karten für die Max-Braun- Versammlung des Klubs. Zu dem Vortrag von Max Braun (Saarbrücken) über die Zukunft des Saargebietes sind Gäste willkommen. Die Hälfte des Reinertrags überweist der Klub dem Kampf-Fonds de, Freiheitsfront des Saargebiets. Am Dienstag, dem 2. Oktober, um 21 Uhr. spricht Prin/Max Karl zu Hohenlohe- Langen bürg über..Jtide. und Emigration". Gäste willkommen. Gastbeitrag 5 I'r. (Stellungslose 3 Fr.) Nach dem Vortrag Diskussion, L'teTatuT* Hans Schwarz, SJitt durch Frankreich. tun g., tfi Zickeln im lieb druck. Web. SN. 5,90.(fugen Neutsch Bering, t5rlenbach-.ssi.rich und Leipzig. Tieler Frnfjlwgcmtt durch Frankreich— uom Aura über Titan der Voile entlang tu« an« Meer, dann nach Paris und zurück in die lieiniallichen Berge— ist dein Reilersinann Hans Schimm, einem Berncr Keniallerieofsizier, sportlich und geistig zu einem köstlichen(5rlebni« geworden. Tas merkt man auf jeder Seite dieses huschen, sumvathischen Buches, da« unbekanntes und bekanntes Frankreich enthält und daS-schriftstellerisch eine Vtistitiig in. Schwarz kennt die Wcschichte Frankreichs und weih von ledern geschichtlich intereganten Crt, den er aus seinem Nitt berührt hat, anschaulich aus der Vergangenheit zn erzählen. Mit dem Talent eines No- vellisten läßt er die historischen Gestalten auferstehen. Aber dieser 'Ritt bringt ihn naturgemäß in einen viel lebendigeren Kontakt mit der Bevölkerung, vom primitiven Pintenbesitzer bis zum feudalen Schloßherrn. Tie Gespräche und Erlkönige ergeben eine reizende Kontrapunktik zu den Totengesprächen und den großen Tableaus der Gelchichte. An« diesen Gründen gehört dieses flute und herzhafte Buch keineswegs nur dem berittenen Stand. GS ifl ein Buch der Kurzweil für alle.— Aus vorzüglichen Tafeln f> neben stimmungsvollen Momentaufnahmen die geschichtlich be- rühmten KvnigSschtösier ans der Loiregegend wiedergegeben MliiM SDflitnmana5liH« IOC Die 61(11)1 öilMWll 9iuch Artikel 20 der Wahlordnung für die Volksabstimmung im Saarbeckengebiet ist die vorläufige Liste der Abstimmungsberechtigten an der Gemelndetasel des Wahlortes zu ver- öffentlichen. Ties ist für Saarbrücken wegen des llmsangeö der Liste und der Größe her Stadt au der Gemeiudetasel im Rathaus nicht möglich. Tie Veröffentlichung der vorläufigen Stimmliste erfolgt daher au sechs besonders aufgestellten Plakattafeln, die an folgenden Stelleu der Stadl errichtet sind: Saarbrücken l. Lndwigsplatz ihiniee der LitdwigSkirchel. Saarbrücken 2. Breite Straße, Saarbrücken:l, Kaltenbachstraße(gegenüber dem Anbau des Rathansesl, Saarbrücken ü, Burbacher Markt lEingaiigl. Saarbrücken R, FuliuS-Kieser-Ztraße(Ecke Saargemvnder Ttraßel, Saarbrücken 7, Hauptstraße(unter der katholischen Kirche i. 157t—2 Tie genannten Plakattafeln werden hiermit für die i'mier des Aushanges der vorläufigen Stint,wüte, d i vom 21. lt. Istst4 bis 2R IN 1924. afs zusätzliche Gemeindetaseln erklärt Saarbrücken, den 24. September lll:U. Ter Oberbürgermeister. Kreszentia Mühsam. Tie Witwe Erich MiilisamS bittet uns um Aufnahme folgenden Schreibens, gerichtet an den Schutznerband Tonischer Schriftsteller, Sektion Frankreich:„Wie ich aus der „Teutschei! Freiheit" vom I. September ersehe, haben Sie einen „Erich-Miihiain Fonds zur Rettung der eingekerkerten Schriftsteller Teutschlands, zur Unterstützung ihrer Frauen und Kinder und der Witwen und Waisen der Getöteten" geschaffen. Hierzu habe iäi folgendes festzustellen: 1. Ter Erich-Miihsam-Fonds ist gegründet, ohne Mick, nm meine.'Inslimmung zu fragen, bzw. ohne mich auch nur nc.chträgliü) in Kenntnis von dem Geschehenen zn setzen. 2. Meine Genehmigung zur Bildung eines Erich-Miihsam-Fonds kann ich nur dann geben, wenn dieser unter meiner Mitkontrolle fleht, da ich laut Testament die Verantwortung dafür trage, was mit seinem Werk geschieht und dag sein Raute nicht zu.sswecken mißbraucht wird, die nicht im Rahmen seiner Weltanschauung liegen. 3. Erich M' hin ms Leben und Sterben galt weder einer Partei noch der Sektion der Tentschen Schriftsteller, iondern dem deutschen und dem internationalen Proletariat. Fm Rainen Mühsam» einen Hilfsfonds für Schriftsteller zu schaffen, wäre dasselbe, wie im Namen von Karl Liebknecht einen Hilfsfonds für Advokaten zu schassen. 4. Gleich nach meiner Flucht ans Teutschland wurde in Prag ein Überparteiliches Hilfskomitee gesätasfen zur Rettung und Unter- stiitzung aller in Teutschland eingekerkerten Antifaichisten, ihrer Frauen und Kinder. Sie würden im Sinne von Erich Mühsam handeln, wenn Sie sich an dieser Hilfsaktion beteiligen, die sich die Aufgabe stellt, alle Opfer des Faschismus zu unterstützen." Renilln f. Seine. Besten Tank für die Glosse. Wir haben sie schon verwandt. Egon B Bitte wenden Sie sich an: Bei band Teulscher Lehrer- Emigranten, Ztraßblirg-Rcndors, 8, Quai de le Znilerle. Homunkulus. Wir danken Ihnen. Aber alle Fhre Scherze sind schon bekannt. R W„ Mulhonse. Ihren Brief haben wir der„Bolksstimme" in Saarbrücken übergeben. F. B„ Poris. Tas ist ein rein persönlicher Angriff, den wir nicht veröffentlichen wollen. Wir vermuten übrigen», dag das Unter- nehmen mit Geldschivserigtenen eil kälirvten hat NNb sich daraus der von Fstnen gerügte Mißstand erklärt, wen» er auch nicht entschuldigt werden soll., Religiöser Sozialist im Saargebiel. Es ist richtig, daß die„Teuf- fchen Christen" im Gemeindekirchenrat von Tortigund Wickede— „durchdrungen von der göttlichen Sendung des deutschen'Bocke» und der Ueber.zengnng von der ra„iichen Minderwertigkeit des Fudentum»"— ange.ündigt haben, dop die im Gottesdienst ver- bliebe»«„jüdischen Reste" ausgeschaltet werden müßten. Ter Be- schlug zeigt nur. da» diese Sänger de» deutschen Rational-,ssubniter- ,udes von oem Werte der Jüdischen Reste" etwa im Protestant.scheu Kirchenlied keine Ahnung haben.?g beachtet werden mit», daß die Gesangbücher der deutschen protestantischen Laudeskirchen eine alte christliche Trad tion haben, an diesen Liedern grope deutsche christ. liche Persönckch eilen gearbeitet haben und das„Gesangbuch" da» eheniliäte Hausbuch der protestantischen Christen geworden in, er- schr int dieser Borfto» ungeheuerlich. Tie beabsichtigten Aendertivgen betreffen älteste und bekannteste Lieder, vielfach Perlen christlicher TichtutG. Gotllitb Stirnrad Psaffels„Fehova! Teilten, Ramen sei Ehre, Macht und Ruhm" aus dem IS. Fahrhundert wurde„dran glauben" mügen. Ferner das vietgesungene Lied Sch'irleks an» dem 17. Jahrhundert„Hosianna! Tavids Sohn kommt in ssion ein- gezogen...!", eines der eigentlichen protestantischen Advensiieder. Wie würde es Ran'es„Tochter ssion, freue dich, jauchze laut. Fern- salcin!" ersehen? Welche B rboNbornungen werden nötig iein. nm das herrliche Lied Rieplais ans dem lt> Fahrhundert„Wie schön leuchtet der Morgenstern" zu verbe,,«rn, in de„en ersten Bers eS schon hei»t„C guter Hirte, Tavids Sohn, mein König aus dem Himmelsthron, du hast mein Herz umfangen..." Aber den Gipset würde die Aeudernng von Martin Luther? besonntem Lied„(sine feste Burg ist unser Gott" bilden, in dem anä> von„Jesus Christ, dem Herrn Iebaoth", die Rede ist. An» Pirmasens schreibt man uns:„Tos Cafe Luitpold in Pkr» masens ist schon seit den glvtreichen Tagen der nationalen Revolution der Treffpunkt aller nationalsozialistischen Bonzen. Beinahe läglich werden dort Saufgelage großen Stils durchgeführt, wobei natürlich die Polizeistunde der Verlängerung dieser Feste der wiedererstandenen Bolksgemeinsthast keinesfalls Tckiivierigleiten he- reitet. Fn den frühen Morgenstunden, wenn die ersten?lrbeiter zu den Fabriken gehen, werden dann am Cafe Luitpold die Größen der nationalen Revolution stinkbesoffen in ihre vornehmen Limousinen verfrachtet und ihren herrschaftlichen TienstwoHnnngen zugeführt. Sehr oft nehmen auch Frauen zweifelhafter Herkunft an diesen Gelogen teil, die meistens von d-m beriich'igten C. geleitet werden. Tiefer Tage ereignete sich eine b sondets wüste S ene. Fm?u- stand der tollsten Besoffenheit entblößten sich ans Ä ommando die meisten Teilnehmer und verrichteten vor nur noch sehr seicht be- kleideten Tätnchen ihre Notdurst mitten ins Lokal. Wie wär?, wenn Herr Goebbels hier einmal sein berühmtes„Pfui Teufel" auS- rttfeu möchte und Herr Hitler ftch daran erinnern würde, daß er am 80. Funi eine sogenannte SöitbernngSo'tion d-iräcköhrte. die allerdings bei den Pirmasenser ZA-Bonzen leine allzu tiefen Eindrücke hinterließ." „Cecher Fnnq" Sie schreiben unZ:„Neuerdings werden olle Leute, die im Arb i:»Mritf| tätig und tauglich find, auf ein Fahr in die Reichswehr eingestellt. Tiefe Maßnahme gewinnt dadurch an Bedeutung, daß jetzt alle unter 23 Fahre Alten aus den Be- trieben entlaiien und in den?lt beitsdienst eingereiht werden. Ans Sem Rranderlager bei Aachen wurden dieser Tage 4l> Mann -iveckS Einreihung in die Reichswehr untersucht, vierzig wurden al» tauglich befunden. Sie sind bereits abtransportiert worden." Für drn fWrfgmttnb'itr verantwortlich Fobann P 1 tz tv Tun- Weiler tili Fnlerate Stic 0 u b n n Saa- brück, n'Nor.irtvrrsdru,. und Bei lag: Bella» der Boll-stimme GmbH„ Suathrücken 3. Schflheiistrafet 5,— Schließfach 770 Saarbrücken, „(Deutsche Aßannenietitspceisc: Amerika Argentinien Belgien Dänemark England Frankreich Holland Italien Luxemburg Neubelgien I hupen,Ma.'medy) Oesterreich Palästina Polen Rumänien Rußland Saargebiet Schweden Schweiz Spanien Dollar Peso belg. Fr. Kr. sh fr. Fr. tl. Lire belg. Fr. belg. Fr. (verboten) sh (verboten) Lei Rubel tr. Fr. Kr. schw. Fr. Peseta Tschechoslowakei Kr. im Monat 1.- 15.- 3,70 4,- 12,- 1,50 10- 15,- 12,- 4.- 90,- 1.- 12,- 2,60 2,40 6,- 30,- Zustcll gehüht 0.50, 1,— 5.30 2,30 1,10 3,75 0,40 5- 5,30 5,30 1,10 30,- 7,50 1,70 0,80 2,- 5,50 Ke' Xusen tun« un'er Kreuzhand durch die Pos» sind die Porlo«ebühren vom Bestellet mit dem Abonnementsbetraj; zu entrichten Roulette Che/croupier bietet absolut sichere Gewinnchance Sfr. IOC ergeben ein tägt. Bcnefice von Sfr. 25,— Sfr. 500 ergeben ein tägf. Benefice von Sfr. 125— Sfr. 1000 ergeben ein täglich Benefice von Sfr. 250.— usw. Auskunft kostenlos. 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