Freiheit Nr. 227 2. Jahrgang Einzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Saarbrücken, Sonntag/ Montag, 30. September/ 1. Ok ober 1934 Chefredakteur: M. Braun Die Sieger von morgen Nationalsozialistisches Bekenntnis: Heldenhafte Treue der marxistischen Arbeiter Die Eiserne Front" Berlin, 28. Sept. Im letzten Jahre des Kampfes um die tvenigen noch verbliebenen demokratischen Bastionen der Republik von Weimar nannte sich jene zahlenmäßig riesenhafte Organisation, aller politischen, gewerfschaftlichen, sportlichen und fulturellen Verbände der Sozialdemokratie„ Die Eiserne Front". In dieser Wortprägung lag vielleicht zuviel Verteidigung und zu wenig Angriffswillen. Der Rampf endete mit der Niederlage der„ Eisernen", allerdings nicht in ehrlichem freien politischen Ringen, sondern nach der erschlichenen Machtergreifung Hitlers durch Wahlbetrug und durch die Einsetzung aller Machtmittel des Staates unter Beseitigung aller Rechtsgarantien. Zunächst schien es, als hätten die Massen, die eben noch in riesenhaften Aufmärschen demonstrierten, resigniert und kapituliert. Bald aber zeigte sich, daß das Wort„ eisern" fein leerer Schall gewesen war. Die Treue dieser Männer und Frauen blieb ehern. Sie wetteiferten in Märtyrertum mit den nicht minder besiegten Kommunisten in der gemeinsamen Glaubensfraft, daß der Sozialismus diese finstere blutige Zeit überwinden werde. In einem Lande, in dem hohe Würdenträger, Männer mit großem Namen in der deutschen Geisteswelt sich feige in hündischer Kriecherei den Machthabern unterwarfen um Gehalt, um Pension, um Honorare, um Tantiemen willen, nahmen marristische Arbeiter und Intellektuelle alles auf sich, was je Heroismus um der Ueberzeugung willen in der Welt getragen hat: Kerker und Folterung und Aechtung und Beraubung der paar Notgroschen, die Zertrümmerung des bißchen Hausrats durch Hitlers Horden und dann den Hunger nicht für Wochen und Monate, sondere für Jahre. Sie hätten nur die Hand zum Hitlergruße zu heben, nur das braune Hemd anzuziehen, nur ihre Kinder in die Hitlerjugend zu schicken brauchen, und sie hätten Sicherheit gehabt und Brot. Millionen unserer Gesinnungsfreunde taten es nicht und tun es nicht. Millionen Männer und Frauen als Märtyrer! Welche andere geistige Richtung in Deutschland könnte ihren Anhängern solche Leiden zuzumuten wagen in der Sicherheit, daß Millionen jahrelang den Verfolgungen zu trozen wagten? Etwa das Christentum? Was Katholizismus und Protestantismus auf sich nehmen, reicht einstweilen an das Katakombenleben der Marristen nicht heran. Selbst die oppositionellen Christen haben bisher nicht den Mut gefunden, den Deutschen und der Welt die Wahrheit über diesen Hitler und die millionenfachen Verbrechern in seinem Namen zu sagen. Der„ Führer" und seine Preßlakaien, die den„ Marrismus" allzu voreilig totgesagt hatten, spüren allmählich die Unbesiegbarkeit dieser tiefen seelischen Kräfte, die nur Roheit und Unwissenheit der Gegner für ein rein ökonomisches Phänomen gehalten haben. Konzentrationslager und Folterknechte und Hunger haben dir Marristen nicht gebrochen, sondern geläutert und gestählt. Wie erschüttert man wohl dieses unheimliche, noch schweigende, aber eiserne Heer? Unsicher beginnt in der Nazipresse ein anderer Ton. Ein Schwarz van Berk verlangt in Goebbels Angriff" eine Amnestie nach unten Das versteht er so: Amnestie nach unten? das heißt, daß wir als unbestreitbare Sieger der Revolution, nachdem die Verführer der Massen geflohen oder sichergestellt wurden, mit allen Volfsgenossen einen neuen Zustand herbeiführen. Wir müssen fähig sein, einen Schlußstrich unter Dinge zu ziehen, die hinter uns liegen. Es schrieb uns ein ehemaliger sozialdemokratischer Funktionär aus einer kleinen norddeutschen Stadt. Dort hatte die SPD. vor Hitlers Machtergreifung 150 Mitglieder. Fünf davon traten damals in die NSDAP. ein, fünf gingen in die SA., der Rest aber blieb draußen, teils aus anfänglichem Zweifel, teils aus der achtenswerten Schen, nicht als" Veilchen" betrachtet zu werden. Ein Teil von ihnen blieb in einem Arbeitergesangverein zusammen, weil das Singen nun einmal zu ihrer Lebensfreude gehörte, die mit Marr oder Otto Braun nichts zu tun hatte. Der Verein wurde mißtrauisch beobachtet, wollte tapitulieren, sich auflösen, konnte sich dazu aber doch nicht, bei völlig reinem Gewissen, entschließen, da er tatsächlich feine Politik trieb. Er trat bald auf Festlichkeiten der Arbeitsfront auf, nicht ohne beim Auftreten von früheren Gegnern immer wieder verhöhnt iu werden. Kleinstadtmilieu... nur Kleinstadtmilieu? Ich bin überzeugt, daß dieses Kleinstadtbild sich hundertfach wiederfinden läßt auch in Großstädten, und daß jene 140 übriggebliebenen SPD.- Männer, die feine Politik mehr betreiben, ja Hitler innerlich anerkennen, überall in ähnlichen losen Gruppen wiederzufinden sind: ausgebootete politische Menschen, die feinen Anschluß mehr finden können, obwohl sie den Staat nicht hassen. Woran liegt das? Es liegt nicht am Führer und nicht an der Idee und nicht am Programm und auch nicht an der Lohntüte. Es liegt ganz einfach daran, daß diese Menschen im engen Bezirk ihres Lebens noch immer zu sehr zu spüren bekommen, daß sie bis zum 30. Januar falsch gegangen sind. Wenn es einigen von ihnen, die arbeitslos wurden, so geht, daß sie bei den Neueinstellungen eines Werks in der Reihe der Arbeitssuchenden ausgemustert werden und der Vertrauensrat sagt:„ Die früheren SPD.Männer fommen nicht in Frage!" und statt ihrer solche ge= nommen werden, die nach der Revolution in die SA. gingen, ist es da nicht verständlich, daß sie sich als Deflassierte vorkommen? Das liegt nicht im Sinne des Führers, nicht im Sinne der Arbeitsfront, aber es fommt vor, weil irgendeine fleine, eingefleischte Feindschaft zwischen Männern noch nicht ausgeräumt ist, die nicht die Größe aufgebracht haben, genau so die Hand zur Versöhnung auszustrecken, wie der Führer es tat. Wir müssen uns an etwas Neues gewöhnen: Der letzte Vertrauensmann des Betriebes, der lezte SA.- Führer und Amts= leiter müssen in ihrem täglichen Umgang mit Menschen bedenken, daß der Marismus nur eine Episode in der Geschichte unseres Volfes gewesen ist und daß nicht Generationen deswegen verfeindet bleiben können, weil ein Teil der Massen dieser Episode anheimfiel. Es kommt auf den Friedensschluß unten im Volfe an!" Wir schenken dem Pg. Schwarz van Berk, was er oder die Redakteure des„ Angriff" hinzufantasierten, um die Niederlage in dem Werben um die Sozialdemokraten ein wenig zu verschleiern. So den Unsinn, daß sie„ Hitler innerlich anerfennen", wo sie es doch so viel leichter hätten, wenn sie offen zu Hitler übergingen.. Nicht hinweg zu streiten ist dies: der„ Angriff" muß zu geben, daß von 150 Sozialdemokraten 140 Genossen ihren alten Idealen in anderthalb Jahren der Wirren und des Terrors treu geblieben sind, obwohl sie in der Reihe der Arbeitsuchenden ausgemustert werden", also mit Frau und Kindern für ihre Ueberzeugung hungern müssen. Kleinstadt- Milieu? Nein, typisch für das ganze Deutsche Reich. Die„ Eiserne Front" steht. Sie steht nicht nur, sie rührt sich längst wieder und erneuert sich und bewegt sich und prüft die neuen Formen des Kampfes. Ihr Blick ist nicht rückwärts, sondern vorwärts gesichtet. Sie prüft den Kame= raden, auch den kommunistischen, nicht nach dem, was er war, sondern nach dem, was er i st. Die nationalsozialistischen Führer merken, daß die Diffamierung, die sie gegenüber den Marxisten versucht haben, mehr und mehr gegen sie selbst wirkt, weil wachsende Massen des Volkes erfennen, aus welcher Richtung der Gestank großer Korruptionskloaken kommt. So sinkt allmählich das Ansehen nationalsozialistischer Führer und das Vertrauen zu ihnen und der Blick an dem neuen System irre werdender Volksgenossen richtet sich auf die Männer, die in dem allgemeinen Sumpf sauber, die der allgemeinen Verwirrung klar, die in der allgemeinen Käuflichkeit unbestechlich geblieben find. Sie haben die große Charakterprobe bestanden, und sie werden auch in der noch größeren aushalten, die vor ihnen liegt. Das neue Deutschland wird aus der Reinheit und der Treue ihrer Seelen wachsen und errungen werden durch deutsche Arbeiter, die eisern geworden sind und in kommenden Ereignissen ihre friegerischen Tugenden für ihre eigene Sache beweisen werden. Versöhnung? Deutschlands Kulturträger sollen sich mit der Schande und dem Verbrechen aussöhnen? Niemals! Zehn Schwächlinge desertieren und 140 Männer halten aus. Das ist der einfache und flare Tatbestand. In dieser Wahrheit liegt die Gewißheit fünftigen Sieges. In Karlsruhe wird von einem Regierungsrat erzählt, der am Abstimmungstage des 19. August seinem„ Nein" die Visitenkarte beiheftete und den Zettel so in die Urne warf. Der tollkühne Bürger des dritten Reiches" ist dieser Tage entlassen worden, Dokumente des Grauens Ausländer Seite 4 bei der Gestapo Seite 7 AN EINEN JUGENDGENOSSEN Von Erich Weinert Mein lieber Sepp! Ich kann ja leider nicht Dir Briefe schreiben, weil es euch gefährdet, Da ihr ja Tag und Nacht bespitelt werdet. Drum schreib ich meinen Brief hier als Gedicht. Ich hab von dir gehört. In einem Brief, Den ein Genosse schrieb: ,, Sepp ist noch immer Wie in legalen Zeiten sehr aktiv. Ein paarmal ging die Sache beinah schief. Jedoch die andern waren etwas dümmer. Sepp ist ein guter Unterwasserschwimmer." Ich weiß noch mehr, Sepp: wie du nachts geklebt hast, Wie die Patrouille dich beschossen hat, Und wie du ohne Schlaf und Brot gelebt hast, Und wie du euer illegales Blatt Zu Hunderten verkauft hast in der Stadt. Es wirken tausend so wie du im stillen, Ihr bleibt euch treu, wie man euch quält und zwingt. Die, todumlauert, ihre Pflicht erfüllen. Und kein Schafottgesetz bricht euren Willen! Zerfeilt die Sklavenkette, bis sie springt! Bald wirst du lesen, was ich hier gedichtet. ( Wir dringen ja durch tausend Löcher ein.) Dann trag es weiter; lies es nicht allein! Und sind die Strophen auch an dich gerichtet Es soll ein Kampfgruß an euch alle sein! Auch ists nicht meine Hand allein, die ich Hinüberreiche, daß sie uns verbände. Denn meine Hand ist so wie tausend Hände! So grüßen tausende Genossen dich, In dir, Sepp, auch euch tausende zu grüßen! Und unsere Hand soll nur den Stromkreis schließen! ( Aus der Freien Jugend" Saarbrücken) Cäsaro- Papismus Der Dalai- Lama von Braunau Uns wir geschrieben: D. Hitlers Ziel ist das Kaiserpapsttum, die Vereinigung der weltlichen und geistlichen Macht in seiner Person, ein Jdeal, wie es sich in dem Dalai- Lama von Tibet im Herzen Asiens verkörperf. Sein wahnwißiger Ehrgeiz begnügt sich nicht damit, Regierungschef und Staatsoberhaupt des Deutschen Reichs zu sein, er will auch noch das Oberhaupt einer neuen deutschen Reichskirche werden, zu der die evangelische und die katholische Kirche in Deutschland verschmolzen werden sollen. Das tritt jetzt immer deutlicher hervor. Der evangelische Reichsbischof Müller ist nur plazhalter für Hitler und im geeigneten Moment tritt ER an Müllers Stelle. Dann wird auch die katholische Kirche im ,, dritten Reich" gezwungen werden, ihn als religiöses Oberhaupt anzuerkennen. Vorläufig hält Hitler mit dieser Absicht noch hinter dem Berge. In den beiden christlichen Kirchen Deutschlands läßt er zunächst seine Mameluken die nötige Vorarbeit leisten. Alle Widerstände müssen erst andere für ihn beseitigen und brechen, all den leidenschaftlichen und fanatischen Haß, den der Plan in beiden christlichen Konfef fionen hervorrufen muß, sollen andere auf sich laden. So hat Hitler ja auch Röhm und Heines für sich arbeiten und den Haß auf ihre Person konzentrieren lassen, um im geeigneten Moment seine Werkzeuge kaltblütig ins Jenseits zu befördern und sich dabei noch die Gloriole des Sittenwächters und Ordnungshelden zu verschaffen. Aehnlich wird Hitler es auch mit seinen kirchlichen Werkzeugen in beiden Konfessionen machen, die er sich die Finger verbrennen läßt bei ihrem Bemühen, für ihn die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Jm geeigneten Augenblick heißt es auch für sie:„ Der Mohr hat seine Arbeit getan, der Mohr kann gehn". Mit einem staatlichen ,, Machtspruch des Führers" wird der tobende Streit beendet, aus dem wie der Phönig aus der Asche der gottbegnadete Hitler als Stellvertreter Gottes oder Wotans emporsteigt, um über alle seinen Segen auszugießen und sich beweihräuchern zu lassen. Vielleicht wird mancher darüber heute noch ungläubig den Kopf schütteln. Wer aber Hitlers Erbschleicher- und Bravo- Taktik kennt, für den genügen die Mitteilungen konflikt und über die Wühlarbeit der Nazis gegen die über die neuesten Vorgänge im evangelischen Kirchenkatholische Kirche. Der Reichsbischof Müller hat in seiner Rede in Hannover den Ausspruch getan:" Was wir wollen, t eine rom freie deutsche Kirche; das Ziel, für Leys Leyer ernsten Gleichschaltung nicht zu das wir kämpfen, ist: Ein Staat, ein Volk, eine Kirche!" Daß Herr Müller diesen Ausspruch nachträglich dementiert hat, gehört zur Taktik der Nazis; ihre Anhänger wissen, was sie davon zu halten haben. Der Rechtswalter Kakophonien eines Analphabeten, abgedruckt von der ,, Kölnischen Zeitung" Jäger des Reichsbischofs hat sich schon vor diesem in Stuttgart ähnlich geäußert. In dem Ausspruch Müllers fehlt nur noch das Schlußstück: ein Führer. Aber das ist nachher selbstverständlich, wenn erst das sachliche Ziel, die ,, deutsche Nationalkirche" erreicht ist. Dann tritt Hitler mit dem Anspruch auf:„ Ich bin der Herr Dein Gott, Du sollst keine anderen Götter haben neben mir". Wer wollte wohl wagen, ihm dann in den Weg zu treten? Wer hätte die Macht dazu? Ist es auch Wahn wig, so zeigt sich doch bereits ganz klar die Absicht und die Methode zum Ziel. Die Erkenntnis, daß die ganze Praxis Hitlers auf allen Gebieten mit Vernunfterwägungen nichts zu tun hat, ist allmählich Allgemeingut außerhalb Deutschlands geworden. Man sieht immer mehr, daß man es in ihm mit einem Besessenen zu tun hat, der sich für ein göttliches Wesen hält und in diesem Wahn Volk und Land seinem ungesunden und egozentrischen Machtstreben opfert. Weder Lenin noch Mussolini, in ihrem Lande doch auch unbeschränkte Diktatoren, haben die politische Torheit begangen, sich zum Staatsoberhaupt zu machen; sie wuß ten, daß es im modernen Völkerleben Situationen gibt, in denen der leitende Staatsmann eine dritte Person als dekorative und repräsentative Figur braucht. Hitlers Machtwahn hat sich darüber hinweggesetzt und sich zum weltlichen Despoten gemacht, indem er auch noch das Amt des Reichspräsidenten auf sich vereinigte. Wilhelm II. mag deshalb neidvoll auf Hitler blicken, aber kein wirklicher Staatsmann wird Hitler wegen dieser Machtfülle beneiden. Indes das Cäsarentum, in dem sich Hitler bereits sonnt, bedeutet noch nicht das Ziel seiner Wünsche. Zum deutschen Kaiser, der er tatsächlich bereits ist, träumt er sich noch in die Rolle eines deutschen Papstes hinein. Das KaiserBapsttum, der Cäsaropapismus ist das Ziel seiner Wünsche, ein Dalai- Lama- Reich im Herzen Europas. Von der Verwirklichung dieses Wahntraums ist Hitler zwar noch ziemlich entfernt, aber man überschätze die Hindernisse nicht, die ihm noch im Wege stehen. Die Konkordatsverhandlungen mit dem Vatikan und selbst ein noch so feierlich von Hitler beschworener Vertrag mit der römischen Kirche werden ihn nicht hindern, sein Ziel durchzusetzen, auch nicht den Widerstand der Kirchenmitglieder der beiden christlichen Konfefsionen. Da es ihm ja nur auf die Befriedigung seiner unersättlichen Machtgier ankommt, wird er schließlich mit der Gewalt und dem Terror der SA. und SS. sein Ziel zu erreichen suchen. Wenn Hitlers Wahnplan dennoch scheitert, so liegt die Ursache auf wirtschaftlichem und politischem Gebiet. Noch ehe die Dinge auf kirchlichem Gebiet soweit zur Reife gediehen sind, daß Hitler den großen Coup wagen kann, wird seine innen- und außenpolitische Bankrottpolitik ihn stürzen und in die Rumpelkammer der Geschichte werfen, wenn er nicht vorher schon einen neuen Krieg provoziert und in ihm sein Ende findet. Katholiken in Danzig Der Papst gegen braune Gleichschalter- Und an der Saar? Danzig, 28, September.( Eig. Bericht.) Ratholische Pfarrer der Diözese Danzig hatten sich in der Frage der fatholischen Jugendvereine in Tanzig an den Hohen Kommissar des Völkerbundes gewandt. Aus dem Sumpf Dr. Robert Ley hat in diesen Tagen in einer kultur- öffnen? Wir trauen ihr soviel Humor angesichts ihrer bitterpolitischen Kundgebung im Berliner Sportpalast gesprochen. Viele Geistesblitze haben die Säulen des dritten Reichs" schon erhellt und in seine tausendjährige Zukunft gewiesen. Gefolgsmannen sagte, ist ein„ Aufbruch" in jeder Hinsicht: die Was aber Ley vor mehreren tausend„ Kraft durch Freude" Krönung des Gestammels, gemildert durch Bandität. Die wörtlich: " Kölnische Zeitung"( Nr. 490) berichtet über die Rede Lens " Wenn Nationalsozialismus Sieg der Vernunft über die Unvernunft ist, so fann man auch sagen, daß er den Sieg der Klarheit über die Unklarheit der vergangenen Zeit bedeutet. Es war die Absicht der fremdrassigen Elemente, möglichst unflare Begriffe im Volk zu erze en, durch Schlagwörter, Fremdwörter usw. Wenn Not über die deutschen Menschen gekommen ist, so in erster Linie deshalb, weil der Begriff der Arbeit an sich nicht mehr flar war. Noch viel weniger wußte man, daß die Arbeit Ausdruck der Raise ist, daß sie allein durch die Disziplin der Rasse geleistet werden fann, und daß diejenige Rasse, die die größte Disziplin in sich trägt, damit auch berufen ist, die wertvollste Arbeit zu leisten. Diejenigen Menschen, die sich selbst und damit ihre Arbeit in der höchsten Disziplin haben, müssen als Vorbild, als Typus für den deutschen Arbeiter gelten. Nicht von un Schmied Riesenunterschlagungen bei der ,, Horst- WesselBrigade" Berlin, 28. Sept.( Inpreß.) Gegen die beiden Führer Dräger und Gehrke der SA.- Standarte 15( Horst- WesselBrigade") wurde bei der Gestapo Strafanzeige wegen Unterschleif von 200 000 RM. festgestellt. Die Unterschlagungen der beiden führenden Pgs. wurden entdeckt, während sie beim Nürnberger Parteitag weilten und ihre Vertreter die Kasse revidierten. Die sofort eingeleitete Untersuchung brachte dann die Riesenunterschlagungen zutage. Als der Zua mit der Standarte 15 aus Nürnberg zurückkehrte, wurde der Zug von Gestapobeamten durchsucht. Dräger und Gehrke wurden verhaftet. Der erstere hatte den Posten eines Rechnungsführers, der zweite den des Standartenführers bekleidet. Bezeichnend ist, daß die beiden nach der Verhaftung angaben, sie hätten den Betrag nicht unterschlagen, sondern an höhere Führer verliehen". gefähr ſtellt die deutsche Sage immer wieder den comics Das Reich der Angst als den Ausdruck der Arbeit hin. Das sind Menschen, die mit dem Eisen ringen. Hier fann nicht wieder geknüpft und geleimt werden. Menschen, die mit dem Eisen ringen, müssen sich vor Beginn ihrer Arbeit am besten und höchsten selbst disziplinieren. Der Arbeiter wird gewissermaßen zum Soldaten. Beide gehören zusammen. Wenn wir mit Stolz erklären, daß der Deutsche der beste Arbeiter und der beste Soldat der Welt ist, so drücken wir damit aus, daß unsere Rasse zu der höchsten der Welt gehört. Bauen wir auf diesen flaren Begriff der Arbeit unsere soziale Ordnung auf, so werden wir die größte und gewaltigste soziale Ordnung der Welt haben, ruhend auf Kameradichaft und Freude. Auch in der Kultur hat man die Begriffe abfichtlich durch= einandergeworfen. Kultur ist die Summe aller Arbeit in unserem Volt im Laufe von Jahrtausenden. Der Bau as Reich der Angst In deutschen Buchhändlerkreisen ist die Nachricht verbreitet, daß der Vertrieb des sogenannten Hundertjährigen Kalenders. den vor allem die Bauern mit Vorliebe lejen, verboten wurde, weil der Zensor einer darin enthaltenen schlimmen astrologischen Prognose für Adolf Hitler auf die Spur gekommen sei. * In den gleichen Buchhändlerfreifen wird bekannt, daß der Verlag Knaur, Berlin, die Restauflage der von ihm herausgegebenen Kunstgeschichte von Hamann in Höhe von 30 000 Exemplaren freiwillig einstampfte, bloß weil der „ Völkische Beobachter" das Buch ungünstig kritisierte. des Kölner Doms 3 B. war nun obneben Vom Sterbebett der Presse Maurer nicht möglich. Wir finden sofort damit den gemeinsamen sittlichen Renner für alle Arbeit an sich. Das ist keine Gleichmacherei".. wir haben den zwingenden Eindruck, daß Herr Dr. Ley, bevor er diese Rede hielt, dem Nüchternheitsbeispiel seines „ Führers" lang andauernd gefolgt ist. Schlimm genug, daß der Repräsentant der„ Deutschen Arbeitsfront" solchen Schleim von sich geben kann. Noch schlimmer für die Kölnische Zeitung"( die Frankfurter Zeitung" hat sich geschämt), daß sie ihn durch Abdruck verbreitet. Oder sollte sie boshaft genug gewesen sein, der Oeffentlichfeit mit Absicht diesen Blick in eine erleuchtete Seele zu B'och der Goldwährungsländer Erklärung des französischen Handelsministers Dazu veröffentlicht keißt die katholische„ Danziger Bolts ander ergäben, habe er auf dringendes Ersuchen der holzeitung" folgende Erklärung:„ Es ist wahr, daß die katholischen Pfarrer sich wegen der fatholischen Jugendorganisationen mit einem Antrage an den Hohen Kommissar des Bölferbundes in Danzig gewandt und um eine autoritäre Entscheidung hinsichtlich einiger Senatsverordnungen gebeten haben. Dies ist geschehen, nachdem die Bemühungen bei den zuständigen staatlichen Stellen um Gleichberechtigung der Latholischen Jugendvereine mit anderen Jugendorganisa tionen erfolglos geblieben waren. Die„ Danziger Landeszeitung" bezeichnet das Vorgehen der Pfarrer als falsche Methode". Auf die politischen Ausführungen der„ Landeszeitung" brauchen wir nicht weiter einzugehen. Denn dieser Schritt ist uns von unserem religiösen Gewissen diftiert Berlin, 29. Sept. Die Mainzer Tageszeitung", ein ehemals deutschnationales Organ, ist im Mainzer Anzeiger" aufgegangen, einem Blatt mit langer liberaler Vergangenheit, das aber letztes Jahr in ein nationalsozia= listisches Parteiorgan umgewandelt wurde. In Bremen hat sich die Weser 3eitung", ein altes und angesehenes Blatt der Handels- und Schiffahrtskreise und des liberalen Bürgertums, mit den Bremer Nachrichten" verschmolzen, die nur noch in einem Untertitel auf das frühere selbständige Schwesterorgan hinweisen. In Danzig stellt die älteste Zeitung der freien Stadt. die früher deutschnationale Danziger Allgemeine 3eitung", am 1. Oktober ihr Erscheinen ein. Reiches werden daher in Zukunft, ebenso wie in früheren Seiten, auf den Kirchen und firchlichen Gebäuden gezeigt werden als Ausdruck der engen Verbundenheit der evangelischen Kirche mit dem im dritten Reich" geeinten deutschen Volf." Wenn die Müller- Kirche anders verfügte, müßte man sich wundern. Die Hakenkreuzfahne ist das wichtige Symbol für die beamtete Hakenkreuzkirche, ein Zeichen„ enger Verbundenheit". Paris, 29. September 1934. Handelsminister Lamoureux hat gestern bei einem Empfang für die Presse u. a. auch über den von dem belgischen Außenminister ins Leben gerufenen Gedanken eines Blocks der Goldwährungsländer gesprochen. Er habe, jo jagte Lamoureux, auf die Schwierigkeiten und die Vorteile eines solchen Planes aufmerksam gemacht. Trotz der Nachteile, die sich aus der wirtschaftlichen Lage der verschiedenen ländischen, belgischen, schweizerischen und italienischen Ber- DPs Neueste treter in Genf eine neue Anstrengung unternommen und die Einberufung einer Konferenz angeregt, für die der erste Schritt von Jaspar ausgehen würde. Man habe daraufhin in Genf zwei Sizungen abgehalten. Die erste habe einem einfachen Meinungsaustausch gedient, die zweite aber bereits praftliche Ergebnisse in Erscheinung treten lassen: einmal die Versicherung, daß man dem Goldstandard tren bleiben wolle, sodann den Beschluß, daß ein aus fünf Vertretern eines jeden Landes bestehender Ausschuß gebildet werden müsse, der die Frage der Beziehungen zwischen den Goldblockländern prüfen solle. Man werde übrigens in der zweiten Oktoberhälfte zur weiteren Behandlung der Frage in Brüssel zusammentreten. worden. Wir katholischen Pfarrer sind uns unserer aus gött Neue französische Sender lichem und firchlichem Gebot entspringenden Pflicht bewußt, für die Rechte und Kirche mit allen gesetzlichen Mitteln einzutreten und als Führer in religiösen Dingen unserem katholischen Volfe zu dienen. Wir sind der Ueberzeugung, daß wir beides mit unserem Volkstum sehr gut vereinbaren fönnen. Bei dieser Gelegenheit soll einmal offen ausge= sprochen werden, was noch nicht alle Katholiken wissen: Wir katholischen Pfarrer haben uns vor einigen Monaten mit unseren Sorgen und Nöten an den Heiligen Stuhl in Rom gewandt, und der Heilige Stuhl hat in einem Schreiben an uns die Erwartung ausgesprochen, daß die farer der Diözese Danzig auch in Zukunft die heiligen Rechte der Kirche wirksam verteidigen werden. Dr. Moste, Pfarrer an St. Brigitten." Um Oesterreich Was Wien sagt Wien, 28. Sept. Zur Deflartion der Großmächte über die Unabhängigkeit Desterreichs wird offiziell erflärt: Im Gegensatz zur Stellungnahme vom 17. Februar 1934 ift die Deklaration von den Vertretern Frankreichs, Englands und Italiens unterzeichnet worden, womit sie den Charakter eines offiziellen, internationalen Dofumentes erhält. Sie ist im ständigen Kontakt zwischen den Vertretern der drei genannten Großmächte und der östrereichischen Delegation zustande gekommen und wurde nach ihrem Abschluß dem österreichischen Außenminister feierlich zur Kennt nis gebracht. Die Deklaration bedeutet nicht nur eine Erneuerung, sondern eine Beträftigung und Ver= stärkung des Willens, den die Regierungen der drei Großmächte in der Februarerkläruna zum Ausdruck gebracht haben, weil ihre Vertreter jest ausdrücklich betonen, daß die 11nabhängigkeit und Integrität Defterreichs unter allen Um ftönben ein gemeinsames Ziel ihrer Außenpolitik bilden wird. Die Beteiligung Gnalands an der Deflaration beweist. daß alle Nachrichten, die von gewiffer Seite über das angebliche Desinteressement Englands in der äußeren Lage Oesterreichs verbreitet wurden, unzutreffend und irreführend waren. Paris, 29, Sept. Im Laufe der nächsten Monate werden in Frankreich sechs neue Sender von 60 bis 120 KW. Stärke in Betrieb gejezt werden. Der erste dieser neuen Sender geht in Lyon seiner Vollendung entgegen und soll seine Sendungen im November aufnehmen. Es handelt sich um einen staatlichen Sender von 120 KW., der mit einer vertikalen Antenne arbeitet. Im Dezember soll der neue staatliche Sender in Toulouse in Dienst gestellt werden, der ebenjalls über 120 kW. verfügt und nach den gleichen Grundsätzen gebaut ist wie in Lyon. In Lille ist ein 60 W.- Sender errichtet worden, der im Januar seinen Dienst aufnimmt. Der staatliche Sender von Marseille wird durch einen 120 KW.Sender ersetzt werden, der im Februar seine Sendungen beginnen wird. Paris PTT. wird ebenfalls durch einen 120 KW.- Sender erseßt, dessen Inbetriebnahme für den Monat März vorgesehen ist. In Nizza wird ein 60 KW.- Sender gebaut. Der staatliche Sender in Rennes soll auf 40-60 KW. verstärkt werden. Hakenkreuz an jedem K'rchturm Wie es sich gehört In einer amtlichen Verfügung der Reichskirchenregierung In einer amtlichen Verfügung der Reichskirchenregierung heißt es unter anderm:„ Die Kirchenbundes flagge( violettes Kreuz im weißen Felde), die die einzelnen Landeskirchen seinerzeit al. Kirchenblaggen einführten, wurde erst im Dezember 1926 geschaffen, und zwar lediglich, um zu verhindern, taß die Kirchen in den damaligen Flaggenstreit verwickelt wurden, was geschehen wäre, wenn sie entweder schwarz weiß- rot oder gezwungenermaßen schwarz- rot- gold geflaggt hätten. Es handelte sich damals um eine sehr umstrittene, von vielen als unevangelisch empfundene reine 3wed mäßigkeitsmaßnahme. Cor dem Jahre 1926 hat es in den evangelischen Kirchen keine Kirchenfahne gegeben. Der Grund, der für die Einführung der Kirchenfahne maßgebend war, besteht seit der Erhebung des deutschen Volkes im Januar 1933 nicht mehr; auch sonstige stichhaltige Gründe für ihre Beibehaltung fielen fort. Nur die Flaggen des Das Schwurgericht von Altenburg verurteilte den 24. jährigen Walter Kaiser wegen vorsäglichen Mordes an einer Zigarrenarbeiterin zum Tode. 2000 nordfranzösische Landwirte haben sich am Freitag in Rouen zu einer Protestkundgebung ver: fammelt, in deren Verlauf von verschiedenen Rednern eine grundlegende Reform der Landwirtschaftspolitik der franzö fifchen Regierung gefordert wird. Die Landwirte protestierten vornehmlich gegen die Getreidepolitit, die Einfuhr von Milch= erzeugnissen. Gefrierfleisch sowie gegen den Mangel an energischen Maßnahmen gegen diejenigen, die die bestehenden Getreidegefeße mißachten. Die Entschließung, die einstimmig gefaßt wurde, wurde dem Präfetten des Departements zur Weiterleitung an die Regierung überreicht. Der Mord und Selbstmord im Schnellzug Paris Ventimiglia, der im Laufe des Donners: tag zu der Feststellung führte, daß der Mörder Alibert, der nach vollbrachter Tat Selbstmord beging, fein anderer als der Pole Ziffer war, der vor zehn Jahren am Strande von Treport seine Schwägerin ermordet hatte, hat am Freitag zu einer weiteren sensationellen Feststellung geführt. Auch das Opfer Aliberts, ein gewisser Betlamini, ist ein seit zehn Jahren gesuchter Mörder, Betlamini hat im Oftober 1928 seine Geliebte in einem Walde bei Brüel ermordet und war seit: dem spurlos verschwunden. Dos Drama im Schnellzug hat also die Menschheit von zwei Verbrechern befreit, denen fie nicht nachzutrauern braucht. Im belgischen Kabinettsrat haben sich am Freitag sämtliche Minister auf das Sparprogramm des Finanzministers ge: einigt. Dieser hat sich daraufhin entschlossen, weiter in seinem Amte zu bleiben, das er im Falle der Nichtannahme seiner Sparvorschläge dem Ministerpräsidenten zur Verfügung stellen wollte. Am Freitagabend find die Leichen der beiden Bundes: fanzler Seipel und Doll Fuß in die Stephanskirche übergeführt worden, wo die Särge zur Besichtigung der Bevölkerung aufgestellt sind. Nach Meldungen der Bufarefter Blätter hat der frühere Chef des Offizierstafinos versucht, alle im Kafiut Speisende Offiziere mit Strychnin zu vergiften. Ueber d Beweggründe für diesen verbrecherischen Plan ist nich bekannt. Nach einer Havasmeldung aus Stambul soll man sich in türkischen Regierungsfreisen ernstlich mit der Absicht tragen, zwischen der Türkei, Afghanistan und Perfien einen jogenannten asiatischen Paft abzuschließen. Die Reise des türkischen Generals Fahrettin Pascha nach Versien, um einen alten persisch- afgha: nischen Streit zu schlichten, werde sicherlich dazu benutzt werden, um diesbezügliche Verhandlungen einzuleiten Gerüchtweise verlaute, daß man in englischen Kreisen einew solchen Paft ablehnend gegenüberstehe. Unter dem Vorsiz des Außenministers Sirota fand am Freitag eine neuerliche Besprechung über die Ost bahn zwischen sowjetrussischen und mandschurischen Ver: tretern statt. Die Kleingläubigen Und die deutsche Idee So unflar die sogenannte„ deutsche Front" auch ist, in einem ist ihre Presse einig: in der vollkommen unbegründeten Angst um das Deutschtum der Saarländer. Die vorübergehende Periode des Status quo halten sie für die Französierung des Saargebietes. Nun haben wir für diese Angst gewiß Verständnis, denn die„ Saarbrücker Zeitung" beispielsweise erinnert sich gut, wie rasch ihr Verlag in der französischen Besatzungszeit von Gebr. Hofer in Hofer freres" umfirmierte, und sie hat auch Recht, dem Deutschtum des Herrn Röchling zu mißtrauen, der Sonntags patriotische Reden hält und werftags Rüstungsstahl für Frankreich fabriziert. Die Massen des deutschen Saarvolks jedoch haben mit diesen bedauerlichen Ausnahmen nichts zu tun. Die Zeitungen der„ deutschen Front" mäfeln etwas unsicher an der gestern von uns veröffentlichten Erklärung einer diplomatischen französischen Persönlichkeit herum, daß Frantreich einer späteren Rückgliederung feine Schwierigkeiten machen werde, wenn auch nur das fünftige Saarparlament einen dahinzielenden Beschluß fasse. Man fragt uns, ob diese Erklärung mit Zustimmung des Herrn Barthou abgegeben jei. Daran zu zweifeln, haben wir feinen Grund. Die Erflärung entspricht zudem den Aeußerungen, die man von jedem Franzosen, gleich welcher Partei, hören kann. Frankreich ist saturiert und hat keine territorialen Ambitionen. Es kommt dann immer, auch in diesem Falle, der Hinweis auf die Jahrhunderte alten Pläne" Franfreichs. Die sollen von uns nicht bestritten werden. Diese Pläne richteten sich jedoch gegen ein von elenden dynastischen Interessen zerriffenes Deutsches Reich, dessen Fürsten im Solde der französischen Könige kämpften, so zum Beispiel der sogenannte Große Kurfürst, dessen Minister Subventionen aus franzö= fischen Regierungsfassen erhielten. Das ist weniger befannt, aber die französische Rheinbundpolitik der südlichen und westlichen deutschen Potentaten fennt man ja auch in Deutschland allgemein. Ein Vergleich mit dieser Zeit ist abwegig. Die Revolution von 1918 hat die Dynastien gestürzt und die Hindernisse zur nationalen Einigung hinweggeräumt. Diese neue deutsche Nation hat sich das Rheinland nicht nehmen lassen, und sie braucht auch nicht ängstlich zu werden, wenn das Saargebiet vorübergehend noch unter dem Schuße des Völkerbundes regiert wird. Eine Gefahr für Deutschland ist nicht die fran= zösische Politik, sondern das Abenteurertum der Hitlerei. Die wollen und werden wir stürzen und wenige Stunden nachher wird der Status quo" an der Saar der Vergangenheit an= gehören. Neue katholische Wochenzeitung Mit dem Bischofssegen? Das Saargebiet hat eine ganze Reihe von Zeitungen, die sich „ katholisch" nennen, an ihrer Spizze die„ Saarbrücker Landeszeitung". Genügen sie den Gleichschaltungswünschen nicht mehr? Sind sie mit ihrer Zentrumstradition in den Augen des„ dritten Reiches" zu stark belastet? Jedenfalls gibt es ab heute eine neue katholische Wochenzeitung:„ Der deutsche Katholik an der Saar". Zur besonderen Empfehlung des Blattes lesen wir in der braunen Presse,„ daß der oberfirchliche. Segen diesem Familienblatte gewiß sei". Wir zweifeln nicht daran. Wird doch das wir vermuten es Blatt alle Versäumnisse der„ katholischen" Presse an der Saar nachholen und mit echtem katholischen Katakombengeist den Saar- Katholiken die Wahrheit berichten: über die Drangfalierung der fatholischen Organisationen und Geistlichen, über den Sturm auf das Würzburger Bischofspalais, über die Vorgänge bei der Ermordung Dr. Klauseners, Probsts, Dr. Willy Schmids und vieler anderer Katholiken. Oder sollte das Blatt eine andere Aufgabe haben? Sollte es die Saar- katholiken überzeugen wollen, daß ihre Kirche und ihr Glaube nirgendwo besser aufgehoben seien als im Reiche Hitlers und Rosenbergs, der den Parst als„ Medizinmann" verhöhnt? Wir wollen sehen, wann diesem neuen braunen Gottesstreiter de Segen seines Oberhirten blühen wird. Säle werden beschlagnahmt Um die Versammlungsfreiheit zu sichern Genf, 28. September. Das Recht der Saar Max Max Braun, der Führer der Freiheitsfront", nimmt in der Volksstimme" in bemerkenswerter Weise Stellung zu der Rede des französischen Außenministers Barthou in Genf. Er schreibt unter anderem: Keine Stimme hat sich im Völkerbundsrat für die Saar ansichten und Saarmethoden des dritten Reiches" erhoben - aber ganz Europa saß zu Gericht über die Brandstifter und Mordbrenner und Friedensstörer, die heute das Volk der Denker und Dichter vergewaltigen. Die Szene mard zum Tribunal, und Präsident Knox und die übrigen Mitglieder der Regierungsfommission fanden nicht nur vollständige Rechtfertigung ihrer Maßnahmen, sondern den doppelten und dreifachen Dank des höchsten internationalen Forums. Für dieses hellstrahlende Licht hatten der blutbefleckte Terror Hitlers an der Saar, die überlauten Saar- Rundfunktöne des Herrn Goebbels und das hysterische Gefeife der naziamtlichen Presse den nur zu kontrastreichen Hintergrund abgegeben. Die Position des dritten Reiches" und seiner sogenannten ,, deutschen Front" ist demgegenüber schlecht, sehr schlecht und Hitlers Berater hatten ihm vor einer Woche erneut zugeflüstert, Frankreich wieder einmal( zum wievielten Male eigentlich?) den alten Vorschlag zu unterbreiten, feine Abstimmung an der Saar vorzunehmen, sondern die Saarfrage, ohne Rücksicht auf das Recht der Saar selbst, durch einen Kuhhandel mit Frankreich nach dem Vorbild der Auslieferung Danzigs, des Korridors und Oberschlesiens an Polen zu lösen". Vor einer Woche ließ Hitler in seinem Interview im Intransigeant" vom 21. September sich neben seinem Saarsabotageangebot auf Annullierung der Abstimmung an den„ Erb ind" also vernehmen: „ Das deutsche Volk hat eine Schwäche für Frankreich und es schäßt Frankreich hoch. Nicht allein wegen seiner ritterlichen Haltung, sondern auch, weil es sich wegen des Weltkrieges kühn geschlagen hat Inzwischen aber hat Herr Barthou erneut das Hitlerunrecht gegen die Saar abgelehnt und Frankreichs ganze moralische und militärische Kraft für das Recht der Saar in die Waagschale geworfen, und nunmehr flingt es genau eine Woche später aus dem Organ des Landesführers der sogenannten„ deutschen Front" wiederum mit den älteren Hitlerworten aus„ Mein Kampf": Der Todfeind unseres Volkes aber, Frankreich, uns unerbittlich würgt, die Kraft raubt, haben wir jedes Opfer auf uns zu nehmen, das in seinen Folgen geeignet ist, zu einer vernichtenden Niederlage der französischen Hegemonicbestrebungen in Europa beizutragen. Jede Macht ist heute unser natürlicher Verbündeter, wenn das Endergebnis nur die Möglichkeit einer Niederwerfung unsers grim migsten Hasser& bietet." Sie lernens nicht und sie werden es nie lernen: Am 4. Juni hatte der Beauftragte Hitlers, der Freiherr v. Persner( der allerdings diesmal nicht wiederkommen durfte oder konnte!) mit seinem Namen vor dem Völkerbundsrat einen Vertrag unterzeichnet, der von Hitlerdeutschland wie von Frankreich die Respektierung einer freien und geheimen Abstimmung verlangte. Die wahren Deutschen an der Saar werden Herrn Barthou und Frankreich die absolut vorbildliche und objektive Haltung auf dem Boden des Rechts nicht vergessen und werden hoffentlich in nicht allzu ferner Zeit mit einem neuen befreiten Deutschland die endgültige, aufrichtige, dauerhafte deutsch- französische Verständigung mitbegründen können. Sie wissen ebenso, wie es glücklicherweise Frankreich weiß, und nur zu genau, was sie von Hitlers Angeboten durch den elsässischen Juden Lucien Samuel, der sie im„ Intransigeant" unterbrachte und dem Hitler dafür sein Bild mit Unterschrift dedizierte( i h m, dem Juden!) zu halten haben. Sie wissen aber ebensogut, daß der deutsche und der europäische Weg in der Saarfrage kein anderer sein kann und sein wird, als der, den das geniale Saarmemorandum Barthous und seine bedeutende Saarerklärung im Rate gewiesen haben. In diesem Sinne: Status quo für Deutschland gegen Hitler! Nach Barthous Saar- Rede Im Spiegel der französischen Presse A. Ph. Paris, 29. September. Von unserem Korrespondenten. Mein weiß, daß Barthou einer der weniaen Staatsmänner ist, die von sich sagen fönnen, daß fast das ganze Land, das sie vertreten, einmütig hinter ihm steht. So ist auch das Echo, das Barthous in Genf gehaltene Saarrede hier findet, dem französischen Außenminister durchweg günstig. Keinerlei Widerspruch äußert sich gegen ihn. Immer wieder wird betont, daß Barthou zur rechten Stunde das rechte Wort ge= sprochen habe. Dabei fehlt es hier und da nicht an Kritif gegenüber der Dreierkommission, der man vorwirft, daß sie nicht flott genug gearbeitet habe, so daß am 15. November eine Saarsondertagung des Völferbundsrates notwendig sei. Die kommunistische " Humanite" erwähnt mit feinem Worte die Barthourede und der sozialistische Populaire" bemerkt lediglich, der französische Außenminister habe Frankreichs Standpunkt über die tatsächlichen Garantien einer freien Saarabstimmung dargelegt. " Petit Parifien", der der gemäßigten bürgerlichen Linfen zuzuzählen ist, bezeichnet es als außerordentlich bedeutungsvoll, daß Barthou in ausgezeichneter Weise dargelegt habe, wie notwendig es sei, den Saarwählern jede der drei möglichen Lösungen ge= nau vor Augen zu führen, für die sie sich zu entscheiden hätten. Von den radifalen Blättern meint „ Excelsior", Barthous Rede sei ein glänzendes Vorwort für die Sonderfizzung des Rates am 15. November. „ L'Denvre", das Blatt des linken Flügels der Radikalsozialisten läßt fc von seinem Genfer Sonderberichterstatter melden, mehr als zuvor seien die Völkerbundsdelegierten, als sie sich am Donnerstagabend verabschiedeten, darüber im Klaren ge= nesen, daß das kommende Jahr die große Aufgabe zu erfüllen haben werde, die Sicherheit mit den Ländern zu organisieren, die am Status quo festhielten, im Gegensatz zu denen, die ihn beseitigen wollten. Die polnische Antwort auf Der Völkerbundsrat trat am Freitag, wie erwartet, nur in kleiner Besetzung zu einer abschließenden Sigung zuder tschechoslowakische Gesandte in Paris, Osusfy, als Ratspräsident. Es fehlten auch Barthou, Beck und Litwinow. In einer Geheimsißung wurden mehrere kleine Saarfragen behandelt, u. a. der Erlaß einer Verordnung über die Benugung von Versammlungsfälen, ferner die Aufbringung der Kosten, die durch die besonderen Arbeiten des Dreier: jammen. Da Benesch schon geſtern abgereiſt war, amtierte Die Liqudation der., Striwag" ausschusses entstehen könnten. In öffentlicher izung wurde sodann der Eintritt Equadors in den Völkerbund behandelt. Equador gehört als Mitunterzeichner des Versailler Vertrages zu den Gründerjaaten des Völkerbundes, hat aber bisher von dem Recht, Mitglied des Völkerbundes zu sein, niemals Gebrauch gemacht. Jetzt, nach 15 Jahren, hat es den Entschluß gefaßt, doch noch Mitglied des Völkerbundes zu werden. Das neue Mitglied wurde von den Vertretern verschiedener Staaten, vor allem von den Südamerikanern, im Völkerbundsrat herzlich begrüßt. Englische Saarpolizei? An London, 28. Sept. Zu der Frage eine werbung britischer Staatsangehöriger für die Abstimmungspolizei des Saargebiets erfährt Reuter aus unterrichteten Kreisen, daß diese Angelegenheit Großbritannien nicht betreffe, da sich das Ersuchen der Saarkommission tatsächlich nur an die Regierungen von Staaten gerichtet habe, die eine deutsche Bevölkerung haben bzw. in denen Anwärter zur Verfügung stehen, die deutsch sprechen können. Einige britische Staatsangehörige, die Auskunft verlangt hätten, feien angewiesen worden, sich an die Saarfommission zu wenden, da die britische Regierung nicht gebeten habe, bes sondere Maßnahmen in dieser Hinsicht zu treffen, Die„ Saarbrücker Zeitung" hat wirklich Pech. Während sie im Leitartikel gegen uns polemisiert und die Entlassungen bei den Mannesmann- Röhren-- Werke als ein völlig belang loses Ereignis darzustellen versucht, das ihrer Ansicht nach feineswegs als Symptom zu bewerten sei, bringt das genannte Blatt in seinem Handelsteil folgende Meldung: " Die im Oftober 1923 begründete Aktiengesellschaft für Strick- und Wirkindustrie(„ Striwag") in Saarbrücken- Lis dorf beruft zum 16. Oktober eine außerordentliche General: versammlung, auf deren Tagesordnung außer Nenwahlen Liquidations- Eröffnungs- und Abschlußbilanz steht." des Aufsichtsrates die Vorlage und Genehmigung der die Einladung zum Beitritt zum Oitpaft, die gerade jetzt eingegangen sei, fei nicht gerade ermutigend. Die Rechtspresse äußert sich ganz besonders befriedigend von der Rede des französischen Außenministers, ist aber schärfer in ihrer Kritik an dem, was der Völferbund bisher dem Saargebiet gegenüber versäumt hat. " Journal" meist darauf hin, daß man grundsätzlich bereits am 4. Junt die Verstärkung der Saarpolizei beschlossen habe, daß das französische Saarmemorandum am 31. Juli dem Völkerbund zugeleiter worden sei; man habe also Zeit genug gehabt, um Entscheidungen zu treffen, für die es hoffentlich nicht zu spät jei. " Jour" meint, für die Saar habe man in Genf noch nicht genug getan. Man sage, daß Berlin mehr und mehr sich Sorge mache wegen des möglichen Abstimmungsergebnisses und der Ansicht sei, daß eine schnell zusammengepfuschte Verständigung mit dem Vatikan nicht mehr ausreichen würde, um Deutschland die Hälfte der Stimmen zuzuführen. Ein Grund mehr, auf der Hut zu sein. Wenn nämlich die juristische Lösung nicht den Erfolg bringe, dann werde das Reich vielleicht zur gewaltsamen Lösung seine Zuflucht nehmen. Ein Handstreich der Saarnazis, ähnlich dem der Wiener Nazis, fönne Franfreich in eine um so delikatere Rage bringen, als ja der Vertrag ausdrücklich voriche, daß die französische Armee in dem Mandatsland unter Umständen als Ergänzung der Polizeitruppen sich betätige. " Figaro" begnügt sich, die wesentlichen Stellen aus der Rede Barthous hervorzuheben und zu betonen, wie energisch das Auftreten des französischen Außenministers gewesen sei. „ Paris- Midi" weist darauf hin, daß Barthou demnächst in Rom sein werde, in derselben Stadt, in der Aloisi die Arbeiten fortsehen werde, die der Vorbereitung der Saarabstimmung gelten sollen. Aloisi werde mit der deutschen Regierung Verhandlungen führen. Es sei gut für ihn, gerade auf Grund der jüngsten Rede Barthous zu wissen, welches Frankreichs Standpunkt in der Saarfrage set, der in in Genf allgemeine Zustimmung gefunden habe. im Falle der Rückgliederung ihre Tore schließen. Wenn wir bisher solche Behauptungen aufstellten, dann hieß es immer, das seien nur marristische und separatistische Lügen". Und nun beginnt jetzt schon, 100 Tage vor der Abstimmung, der Angriff der braunen Unternehmer gegen die Saarwirtschaft. Die Hakenkreuzfirma Arnold Becker beweist mit ihren Liquidationsabsichten der Striwag", daß unsere „ Lügen" eine furchtbare, bittere Wahrheit waren. Wir flagen die brannen Unternehmer des Verrates an den Interessen der Saarwirtschaft und an den Interessen der Saararbeiterschaft an. Warum soll dieses Unternehmen, dessen is in St. Ingbert ist, und an dem die befannte faarländische Großhandelsfirma Arnold Becker u. Go. maßgebend beteiligt ist, plöblich liquidiert werden? Herr Richard Becker gehört zu den Prominenten der braunen Front, und der muß doch zumindest auf dem Standpunkt stehen, daß, wenn Hitler nach dem Saargebiet fommt, hier erst das eigentliche Paradies beginnt. Statt der großen Pläne über den zufünftigen Ausbau des Unternehmens die bevorstehende Liquidation. Warum denn eine Liquidation? fragen sich die erstaunten Anhänger der braunen Front. Die Sache ist ganz einfach, ihr lieben irre- Juden- unerwünscht" geführten Deutschfrontler. Die Deutschfrontler wollen aus dieser Liquidationswelle für sich Kapital schlagen und sagen: Seht euch an, diese alle mit der Rückgliederung rechnen" Aber dieſe armen Liquidationen und Entlassungen sind ein Beweis dafür, daß Geister merken selber dabei nicht, daß es schlecht um eine Sache bestellt sein muß, wenn sie mit Massenentlassungen und Stillegungen beginnt. Diese bedeutendste jaarländische Strumpffabrik kann nämlich im Falle der Rüdgliederung und der Aufhebung der Zollgrenzen nicht mehr weiter bestehen, da die reichs: deutsche, insbesondere die sächsische Konkurrenz nach Abbruch der Zollgrenzen das Saargebiet mit ihren Waren überschwemmen wird. Und das, was für dieses Unternehmen gilt, gilt für eine ganze Reihe Unternehmen im Saargebiet: sie müssen Gerade diese Stillegungen werden noch so manchem im Saargebiet die Augen öffnen, und wir werden dafür Sorge tragen, daß die Spekulation der braunen Unternehmer auf die angeblich gesicherte Rückgliederung Lug und Trua sein wird. Wie aus Pressemeldungen hervorgeht, hat die Stadtverwaltung in Wertheim unter den an Ortseingängen ange= brachten Schriftbändern, die zum Besuch der Michaeliskirche cuffordern, den Satz anbringen lassen:„ Juden sind in Wertheim unerwünscht" Von einer gleichartigen Maßnahme wird auch aus Tauberbischofsheim berichtet 1602 TO 7662 3 as Dokumente des Grauens oldabil ald Im Karlsbader Graphia"-Berlag erschien ein Buch über die deutschen Konzentrationslager, bas die Ueberschrift trägt:„ Adolf hitler, Deine Opfer flagen an". Dann folgen Ortsnamen, die im heutigen Dentschland einen schredlichen Klang haben: Sonnenburg, Sohnstein, Papenburg, Lichtenburg, Dachau, Oranien: burg. Dazu der Untertitel:„ Ein Appell an das Gewissen der Welt". In diesem Buch schreibt ein der Hölle von Dachau Entronnener über die erlittenen je es lifchen Qualen:„ In Ehren ergrante Familienväter, alte Frontsoldaten, Menschen von hoher Gefittung, Männer, die jahrzehntelang für Menschenrechte und ihre Welt= anschauung ihr Bestes gaben, müssen sich vor jungen, verrohten Burschen entfleiden, werden über einen Tisch gelegt und dann erbarmungslos geschlagen. 50, 100 und noch mehr Siebe auf das nackte Fleisch! Wer eine solche im Ronzentrationslager Dachau alltägliche Szene nicht miteriebt und erduldet hat, der fann schwer die seelische Bes drückung ermessen, die Gefangene oft der Verzweiflung und dem Wahnsinn nahe brachte. Viele mir persönlich bekannte Mitgefangene sind in wenigen Tagen ergrant." Die Prozedur Derselbe Berichterstatter, es ist der Gen. Friz Eder aus Weiden in der Oberpfalz, schildert seine Bernehmung" in Dachau wie folgt: Im Keller zog Erbmüller die Pistole, entsicherte sie und hielt sie mir, den Finger am Abzug, vor die Stirn. Er befahl mir, mich auszufleiden Vier andere SE.- Leute, darunter Franz Lieb wein und Brummer, standen schlagberett, Ochsenziemer und Gummifnüppel durch die Luft schwingend, vor mir. Ich mußte mich über einen Tisch legen. Wein Kopf wurde in eine Dede gewickelt und meine Rehle von einem E.- Mann auf die Tischkante gedrückt. Dann schlugen drei SS- Leute mit aller Kraft auf mich ein, bis mir das Blut von Rücken und Gefäß rann. 64 Schläge habe ich gezählt. Tanach wurde ich mit einem Eimer Wasser begossen und ich hörte Erbmüller sagen: Roch eine Lektion, der Kerl spürt ja nig, der schreit nei." Und wieder wurde auf mich eingeschlagen. Oberschenkel und Waden waren mit blutenden Striemen bedeckt und ich war nahe duran, in Schmerzensgebrüll auszubrechen, als der Befehl fam: ,, Aufhören, es reicht!" Einer schlug trotzdem noch mehrmals über meine Oberschenkel, be vor ich fosfam. Man befahl mir: Anziehen! Raich, raich! Andere marten schon darauf!" Während ich mich anzog, wurde ich weiter geschlagen. In Eile und Erreguna batte ich die Weite falich zuge= fnöpft. Ich mußte sie auffnöpfen und nochmals zu nönten und wurde auch dabei ständig von zwei S.- Leuten mit Stod und Gummifnüppel geschlagen." " Ivan, der Schreckliche" Drei braune Bestien überragten in Dachau alle übrigen Schinder. gefellen. Der eine war ein degenerierter junger Grafensproß, namens Dalarmi, der zweite hieß Hans Steinbrenner und wurde von den Gefangenen man der Schreckliche" genannt. Tiefen Titel mußte Steinbrenner später an einen Meggergehilfen namens Sporer abtreten. Sporer hat mehrere Gefangene zu Tode gequält. Für seine frankhafte Veranlagung ist bezeichnend, daß er die auserwählten Opfer in einen Abort schleppte, sie dort abwechselnd schlug und wieder zwang, sich mit Menschenfot zu beschmieren oder die Klosettbecken sauber zu lecken. Wie es dabei suging, erzählt der Bericht: Der SS.- Mann Dalarmi verlas beim Morgenappell der Gefangenen zwei Ramen Sporer fuhr gleich wie ein Rasender auf bie beiden Gefangenen los und ohrfeigte fie in Gegenwart aller übrigen. Es waren zwei nen Eingelieferte. Sporer zeigte den beiden eine schwere Lederpeitsche und schrie: hr zweie, wenn ihr um elf Uhr noch lebet, habt ihr Glüd!" Bei der Torahe würde Halt aemacht, Sporer holte einen Eimer und einen Schrubber. Mit dem Schrubberstiel schlug er zuerst den einen der Gefangenen fräftig auf den kahlgeschorenen Hinterkopf. Merkwürdigerweise machte dieser Gefangene nach dem unverhofften Schlag feinerlei Schmerzensbewegung. Das war gegen 7 Uhr. Den ganzen Bormittag peinigte Sporer die beiden Unglücklichen in bem fleinen Abortraum bestialisch. Gegen 9 Uhr sah ich den einen völlig durchnäßt, als er aus der Aborttür ins Freie trat. Er fiel ermattet hin und blieb regungslos liegen. Ich dachte schon, er fei tot, doch schon stürmte Sporer aus der Tür und sprang mit beiden Füßen direkt auf den Daliegenden, der nicht schrie, sondern nur stöhnte. Dann schlug er den sich mühsam Erhebenden mit der Lederpeitsche wahllos über den Kopf. Ich meinte, dem Mißhandelten müsse das Rückgrat gebrochen sein, als Jwan auf ihn sprang. Nur die Angst vor dem Peiniger muß dem Gefangenen die letzte Kraft zum Aufstehen gegeben haben. Um elf Uhr vormittags hatte der Schinderknecht seine Henter. arbeit vollendet, ein Gefangener lag bewußtlos im Abort. 3ch fonnte gerade noch einen Blick auf den Liegenden tun, als Sporer heraussprang und mich anschrie: Was willst du denn da?" Ich gebrauchte die Ausrede, daß ich geglaubt habe, cs sei ein benützter Abort und wurde von Sporer mit den Worten: Trud di" abgefertigt. Er sperrte dann die Tür zu und stellte sich davor. Dann kam der Lagerarzt Dr. Meirner mit dem S.- Sanitäter Luganer. Beide warfen einen Blick auf die von Sporer geöffnete Tür und gingen wieder Auch der SS.- Mann Dalarmi besah fich den Gemarterten. Sporer aber zündete fich eine Zigarette an unb tanzte auf einem Bein nach der aus dem Lautsprecher ertönenben Rundfunkmusif. Dann erzählte er Dalarmi den Hergang der Tat. So het ihn hindraht", legte Sporer und zeigte mit Get en le der Mihhandelte hingetanmelt war. Ter Mißhandelte starb später im„ Bunker". Ein Miniftrant in Todeszelle Bunfer, so nennt man in den deutschen Songentesiinä gemauerte Särge. Arrestzellen ohne Licht und uit. wo die Gefangenen langsam zu Tode gequält werden. Tas Buch schildert, mie in Dachau die kommunistischen Abeeordneten Stenzer und Dressel, der Nürnberger Advefat Dr. Rofelder, der Arzt Dr. Raz, ferner die Gefangenen Altmann und Willi Franz. fewie der Arbeiter Bürf aus Memmingen dahingemordet wurden. Auch vor gefangenen Jugendlichen machten die braunen Mordgesellen nicht halt. Gen. Ecker berichtet:„ Im Lager Dachau war monatelang ein fechzehnjähriger Bub in Haft, Rudolf Nadolffy, der beim fatholischen Gottesdienst als Ministrant mitwirfte. Er fam nach Tachan, weil er an sitter einen Brief geschrieben und darin die antifatholische Politik fritisiert hatte. Tiefen Sechzehnjährigen er feierte" feinen 17. Geburtstag im Lager ohrfeigte die S. Hitlers genau so, wie fie Siebzigjährige geohrfeigt hat. Auch dieser Jüngling war aur Zeit meiner EntIojjung im Bunter verschwunden." Ein SS. Mann amüsiert sich Wenzel Rubner erzählt aus Dachau folgenden Borfall: m Juni( 1933) wurde die Santine frisch getüncht. Von Häftlingen natürlich. Als der Aufstrich getrocknet war, zeigte sich an der Mauer dicht unter der Decke ein Sowjetitern. Vor dem Essenfasen wurden wir alle auf die Wiese fommandiert und der Truppführer Wienhardt schrie und an: Wenn sich bis morgen früh der, der den Sowjetstern angeschmiert hat, nicht freiwillig meldet, macht die Riesgrube morgen abend von sieben bis zehn Uhr Strafarbeit. Bis es herauskommt, wird jeden Abend ein anderes Rommando dron'ommen" @trafarbeit! Wir alle wußten was das heißt! Mighandlungen, Arbeit bis zum Umsinten. Das sich jemand melden würde, glaubten wir nicht. Aber es sprang doch einer für uns ein ein Unschuldiger, wie wir später erfahren sollten. Der Kommunist Janaz Wagenführ beschuldigte sich der Tat und nahm die unmenschliche Strafe auf sich. Die meisten Kommunisten im Lager waren schlechte Rame= raden. Wagenführ gehörte zu den Ausnahmen. Hier zeigte er sich als Held. Die S.- Schinder schlugen ihn halbtot und brüsteten sich damit, sie hätten ihm Salzwasser in die offenen Wunden gegoen. „ Wenn der nicht stirbt." sagten die Sanitäter, die ihn ins Revier gefchafft hatten dann hat er eine Biechsnatur!" Der Bericht schildert wetter, wie selbst diese heldenmütige Aufopferung die Gefangenen nicht von der angedrohten Strafe retien fonnte. Sie wurden zur Strafarbeit in strömendem Regen getrie ben, mishandelt bis zur Bewußtlosigkeit. Rubner erzählt dann, wie der Fall aufgeklärt wurde: " Am nächsten Tag tam ein E.- Mann von München vom Urlaub 341 ücf. Als er erfuhr, was vorgegangen war, erzählte er grinsend, er selbst hätte den Sowjetstern angepinselt, um Kameraden von der Polizei mal zu zeigen, wie man so ein Ding malt. Häftlinge haben dieses Geständnis mit angehört und haben es uns erzählt Der E.- Mann wurde nach dem Polizeipräsi dium München geschafft." Unter Landsleuten Unvorstellbar für zivilisierte Menschen ist, daß sich die S.- Reute mit Vorliebe ihre Opfer aus dem Heimatorte aussuchten, also Menschen mit denen sie jahrelang zusammen gelebt hatten. Der SS.- Mann iebwein aus Weiden hat es besonders auf seine engeren Heimatgenonen abgesehen. Eines seiner Opfer war der Provisionsreisende Justin Wilmersdörfer, ebenfalls aus Weiden. Nach der Vernehmung" wurde Wilmersdörfer mit storfem Fieber ins Revier( Krantenabteilung gebracht und mußte ope riert werden. Ecker schildert das weitere Schiffal dieses unglücklichen Menschen: Er war zwei Monate im Revier. Auf dem Kranfenblatt war als Kranfheit angegeben:„ Grippe und Abize B". Raum einigermaßen genesen, wurde er zu Arbeiten beim Neubau für eine Bäckerei eingestellt. Schon am zweiten Arbeitstage fiel er dem S.- Mann Liebwein wieder in die Hände. Liebwein und der Scharführer Frank ans Würzburg mishandelten den Wilmersdörfer von früh fieben Uhr bis elf Uhr Mittag ununterbrochen. Sobald Wilmersdörfer bewußtlos geschlagen war. legten sie ihn unter den Hydranten und ließen das Wayer auf ihn niederlaufen. Dann wurden die Mishandlungen fortgesetzt. Wiederholt bat Wilmersdörfer friend: err Scharführer, bitte erschießen sie mich!" Ich habe am Mittag desselben Tages Wilmersdörfers Rörper gesehen. Grauenhaft! Die Operationswunde war durch Schläge mit dem Seitengewehr wieder aufgeschlagen. Ter Körper war braun und blau, voller Etriemen, von den Hän den hingen Hautfeßen, die beiden Gesichtshälften waren blau und starf geschwollen, ebenso die Ohren. Um einen Judenjungen ist nicht schade! Max Tabaschnik wurde im Lager Königstein gefoltert. Nicht nur förperlich hat man ihn so zugerichtet, daß er nach wenigen Tagen im Krankenhause landete, sondern auch seelisch gequält. Hier ein Bruchstück aus seinem haarsträubenden Bericht: ,, Bei mir fand man ein Familienbild, auf dem auch mein ältefter, mit 14 Jahren verstorbener Sohn zu sehen war Ein A." Ja!". Mann fragte mich:„ st das deine Familie?" „ So. also zwei Söhne hast du?" Jch antwortete, der eine sei verstorben. „ Na, ist es denn schade um ihn? Um einen Judenjungen ist es niemals schade!" „ Was, du machst wohl ein dummes Gesicht? Du meinst wohl, das stimmt nicht? Um dich wäre es auch nicht schade, wenn du frepierit! Jegt fagft du fofort nach, was ich dir voriage:„ Es ist nicht schade, daß mein Junge tot ist, denn um einem Judenbub ist es niemals schade!" Ich schwieg zuerit, wurde aber durch Drohungen gezwungen, die schändlichen Worte zu wiederholen." Der„ Eftfeller" von Sonnenburg Aus dem Bericht Willi Harders über die Folterstätte diejes Konzentrationslagers genügen zwei Säße:„ Alles was an sadistischen Quälereien denkbar ist, wurde im Ostfeller" probiert. Ge99 fangene mußten dort ihre Geschlechtsteile auf einer Tischfante fefthalten und die Bestien schlugen darauf!" Anti- Grenelprropaganda Roman Praschter berichtet über das Martyrium, welches der später ermordete Schriftsteller Erich Wühsam in den 2agern Sonnenburg und Brandenburg durchlitt. Eine Stelle ist be= sonders für das Ausland aufschlußreich: In Sonnenburg war Miühsam furchtbaren Mishandlungen ausgesezt. Dort wurden ihm die Zähne ausgeschlagen Eine schwedische Zeitung bes richtet darüber. Kurze Zeit danach wurde ihm ein fünft ches Gebig angefertigt. Ein deutscher Pressefotograf porträtierte ihn mit weit geöffnetem Munde, Wion wollte das„ Greuelmärchen" durch das Bild widerlegen, auf dem das Gebig als tünstliches nicht zu erfennen war." Deutsche Frauen Otto Wein erzählt, wie im Durchgangslager Reither= bach( Vogtland) die Gegner des Hitlerregimes gequält worden find Die Folterstätte befand sich im ehemaligen fozialdemokratischen Volkshause. Es lag am Markte und die Schreie der Gepeinigten waren in der ganzen Nachbarschaft zu hören. Unruhe und Empörung entstand. Da griff die nationalsozialistische Frauenorga nisation des Ortes ein. Und zwar auf folgende Weise: „ Eine gewisse Aenderung ermöglichte eine Spende der Nationalsozialistischen Franenschaft von Reichenbach. Diese Frauen des dritten Reiches" haben ein„ Ab= dämpfkissen" gestiftet, ein dides Federfiffen, etwa 50 bis 60 Zentimeter im Quadrat In dieses Riffen wurde das Geficht des jeweiligen Opfers während der Folterung gepreßt und so sein Schreien und Wimmern erstickt." Ctto Meinl belegt seinen Bericht mit einer ausführlichen Liste der Mißhandelten und ihrer Quäler. Auf Burg Hohnstein Cito urban war in der Lage, in dem berüchtigten Kongens trationslager auf Burg Hohnstein in der sächsischen Schweiz das Treiben der braunen Kerfermeister aus der Nähe zu beobachten. Er war sozusagen am merdiener des Lagerleiters SA.- Obersturmbannführers Jehnitschen. So hat er die A.- Bonzen in täglichem Umgange fennen gelernt und erzählt davon wie folgt: „ Ter Kommandant der Burg Hohnstein führte mit seinen A. Kameraden ein Privatleben sonderer Art. Oft fam ich des Morgens in deren gemeinsames Wohnzimmer und fand Wein, Bier- und Seftgläser zerschlagen im Simmer herumliegen. Das Tischtuch in der einen, und geleerte Flaschen in der anderen Ede des Zimmers; in den Segeln gebrauchte Präfervative und zurüdgelassene Damens schlüpfer hinter dem Sofa. Dazwischen Rot und Urin der Hunde Tina und Senta und Nerp neben fleinen Blutlachen, blutigen Ehrendolchen und obszönen erotischen Fotografien! Das war das Wohnzimmer"! Wenn ich in das Schlafzimmer trat, um die Stiefel zum Puzze zu holen, fah ich Alkoholleichen, die sich übergeben hatten und in voller Uniform im Bett lagen. Bett und Fußboden, alles war verunreinigt. Wir vom„ Stabsichwung"( soviel wie„ Buzfled", d. Red.) hatten dann die Pflicht, sie auszuziehen und den Dred wegzumachen." Sind das noch Menschen! Otto Urban schildert weiter: In Hohnstein blieben erotische Ezjene nicht auf die Wohnung der Lagerleitung beschränkt. Viele Ges fangene fönnten darüber erzählen. Grauen, Efel und Schamgefühl hindern sie meist daran. An einem Tage Mitte Februar war es, als ich den Nachmittagsfaffee servierte. Dabei hat der A.- Sturmführer Hainider feinen A.- Kameraden, den Truppführern Schupp und Küchler, ausführlich dargestellt, wie er zwei Ge= fangene zur Vernehmung bestellt und sie dabei gezwungen hat, sich gegenseitig zu masturbieren. Danach mußten die Gefangenen die Ejakulation des anderen vom Boden aufleden. Sainider beendete unter den Freudenausbrüchen feiner A.- Kameraden die Darstel= lung mit den Worten: „ Das war ein Spaß, wie sie es gefressen haben!" * Tas sind nur Bruchstücke aus einem 254 Seiten starten Buch. Nur Einzelheiten, wahllos herausgegriffen, aus dem grauenvollen Gesamtbild, das wiederum nur ein Ausschnitt aus der blutigen Wirklichkeit des dritten Reiches" ist. Noch schmachten Zehntausenbe in den deutschen Konzentrationslagern. Noch immer werden in Deutschland zahllose Menschen ohne Schuld, ohne Urteil eingekerfert, gefoltert, gemordet. Das Verbrechen regiert, die Gemeinheit diftiert, edelstes Menschentum wird in den Staub getreten. Der deutsche Charakter hat sich nicht geändert" Anildeutsche Wirkung der Goebbe spropaganda A. Ph. Paris, 29. September. Von unserem Korrespondenten Die neuen deutschen Propagandamethoden, die dem Hirn des Herrn Dr. Goebbels entsprungen sind, find in zahlreichen französischen Zeitungen Gegenstand lebhafter Diskussion. Empört berichtet man davon, daß Goebbels es sich zur Aufgabe gemacht habe, Beamte bestimmter Länder bestechen zu lassen und sie seinen gegen England, Frankreich, Italien und die Juden gerichteten Bestrebungen dienstbar zu machen. Nach der offenen Propaganda, so meint Intransigeant", schlage Goebbels jest wieder unterirdische Wege ein. Dann aber bemerkt dieses angesehene Blatt, das zwar hitlerfeindlich, aber doch immer deutschfreundlich sich gezeigt hat:„ Der deutsche Charafter hat sich nicht geändert!" Dem müssen wir widersprechen. Man tut Herrn Goebbels und seinen Propagandamethoden zu viel Ehre an, wenn man fie als deutsch bezeichnet. Diese Methoden find Mittel, die in Gangster- und Banditenkreisen aller Länder üblich sind. Die nationalsozialistische Propaganda zeigt sich nicht nur in dieser Beziehung so international, wie es die Gauner in aller Welt sind. Dr. Goebbels scheint mit feiner Auslandspropaganda im Augenblick überhaupt nicht auf der Höhe zu sein. Man stellt hier fest, daß er sich vergeblich bemüht hat, die werdende franzöfifch- italienische Freundschaft zu stören. So meint " Jour", Deutschland versuche alles, um Jugoslawien mißtrauriich zu machen. Geschickt habe es die Goebbelspropaganda verstanden, in die Belgrader" Prawda" ein gefälschtes Barthou- Interview zu schmuggeln, das die Italiener zunächst stark verschnupft habe. Inzwischen sei allerdings die Deffentlichkeit einwandfrei darüber aufgeflärt worden, daß fich Barthou mit feinem Worte gegen Italien ausgesprochen habe. In diesem Zusammenhang meint„ Figaro", ie näher der Besuch des Königs Alexander von Jugoslawien in Paris und Barthous Reise nach Rom heranrüde, um so gehässiger arbeite die deutsche Propaganda, die gern ihre Hände im Spiel habe und glückliche Ergebnisse, die eine französischitalienische und italienisch jugoslawische Annäherung zur Folge haben könnte, unmöglich machen möchte. Das Blatt nennt den Propagandaminister einen„ malin", d. h. einen bösen Geist, der in der Kunst. erlogene Tendenznachrichten herzustellen, außerordentliches leister. Deutsche Stimmen. Bellage zur Deutschen Freiheit Ereignisse und Geschichten Sonntag- Montag, den 30 september und 1. Oktober 1934 Geheimnis in Hannover Ein Nobelpreisträger rühmt Einstein- Und dazu noch ,, spontaner Beifall" In Hannover tagte die Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Aerzte. Sie hatte äußerlich genau das Geprage, das heute alle Kongresse beherrscht, vor allem diejenigen, die sich wissenschaftliche Aufgaben gestellt haben. Irgend ein Führer" eröffnet mit der Versicherung, daß es Geist und Wissenschaft ohne Voraussetzung der nationalsozialistischen Weltanschauung nicht mehr gebe. In Hannover sagte dies der Führer der NS.Aerzteschaft, Dr. Wagner. biblos Aber nachher ließ er doch die Zügel bedenklich schleifen. Neben Rednern über Rasselehre und Bevölkerungspolitik standen einige andere auf, die für die Wissenschaft Unabhängigkeit verlangten. So der offizielle Führer" der Gesellschaft, Geheimrat Professor Dr. Bosch. Er sagte wir folgen wörtlich dem Bericht der Frankfurter Zeitung" -die absolute Aufgabe der Naturwissenschaft sei ,,, unabhängig von Milieu und Gegenwart ihren universellen geistigen Zielen zuzustreben Dies, däucht uns, war eine arge Ketzerei. Die Universität geistiger Ziele ist in Deutschland abgeschafft, seitdem im Kultusministerium Rust regiert, Rosenberg Kulturdiktator ist und die Hochschullehrer freiwillig auf die selbständige Wissenschaft verzichtet haben. 66 Das schwarze( besser: das rote) Schaf unter diesen ist Albert Einstein. Ausgebürgert, beschimpft, beDer Tote Von Erich Mühsam Was macht's! 2 Var's ein Traum? Ist's wahr? Bilder ziehn und fliegen. Einen Toten sah ich nachts auf der Bahre liegen. Schlug die Augeu nicht mehr auf, hielt den Mund geschlossen und ließ doch den Worten Lauf, die im Kreis zerflossen: Schreiner, füge mir den Sarg aus sechs starken Brettern. Wer das Herz in Schlummer barg, trott nicht mehr den Wettern. Wer am Wege niederfiel, müde und verlitten, braucht, daß er ihn leit zum Ziel, keinen Gott zu bitten. überhaupt nicht möglich sei. Der Gelehrte glaubt, daß von den Wandlungen der Grundlagen der exakten Naturwissenschaften in jüngster Zeit" so hieß sein Thema mannigfache Wirkungen auf Nachbargebiete und andere Bereiche des geistigen Lebens zu erwarten seien. Die moderne Physik habe uns gelehrt, daß wir nie hoffen dürften, von einer bestimmten Operationsbasis aus wie es die klassische Physik gehofft habe das ganze Gebiet des Erkennbaren zu durchstreifen. Vielmehr würden wir immer wieder von neuem in die Situation des Columbus kommen müssen, der den Mut besaß, alles bis dahin bekannte Land zu verlassen, in der fast wahnsinnigen Hoffnung. jenseits der Meere doch wieder Land zu finden." Professor Heisenberg, der Nobelpreisträger, scheint sich sicher zu fühlen. Im Besitz einer schönen Unabhängigkeit, die ihm unzählige seiner Kollegen neiden, bekennt er, ohne den geächteten jüdischen Physiker nicht auszukommen". Aber das ist vielleicht nicht die größte Ueberraschung. Daß ein heitrer oder trüber, es dazu ,, spontaner Beifall" gab, unter brauner Ueberwachung, deutet auf eine starke Lockerung nationalsozialistischer Disziplin hin. Wer das ganze Land des Erken baren durchstreift", ohne nach nationalsozialistischen Schlag. bäumen zu fragen, hat bisher entweder das Refugium in der Fremde oder das deutsche Konzentrationslager erreicht. stohlen: das waren seine persönlichen Abschiedserlebnisse. Seine Idee Das sachliche: seine Ideen, vor allem die Relativitätstheorie, wurden im Namen des teutonischen Geistes in die unterste Dunkelkammer jüdischer Ignoranz verwiesen und widerlegt, daß die Relativitätsfegen nur so flogen. Aber was geschieht in Hannover? Wir lesen in dem Bericht der Frankfurter Zeitung" wörtlich: ,, Gewiß nicht ohne tieferen Grund stand auf der Tagesordnung gleich der ersten allgemeinen Sitzung ein Vortrag des jugendlichen Leipziger Nobelpreisträgers, Prof. W. Heisenberg, der einen Ausblick auf die Wiedergewinnung der in den letzten Jahrzehnten verlorenen Einheit des wissenschaftlichen Weltbildes bot. Spontanen Beifall lösten seine Ausführungen über die Einsteinsche Relativitätstheorie aus, ohne die ein Weiterkommen in der Physik An Stelle des gebildeten Privatmannes ララ Reichsminister Rust äußerte sich dem Vertreter des Völkischen Beobachters" gegenüber wie folgt:„ An Stelle des gebildeten humanistischen Privatmannes oder des nur rational denkenden, aufgeklärten Wissenschaftlers, tritt die Bildungsidee der nationalsozialistischen Haltung.. Die Nationalpolitischen Lehranstalten sind zunächst höhere Lehranstalten mit normalem Lehrplan und normaler Reifeprüfung. Sportliche und geländesportliche Ausbildung, Erwerbung des SA.- Sportabzeichens, Ausbildung im Segelflug. im Motorrad- und Autofahren sowie mehrere größere Geländeübungen im Jahre gehören ebenso wie Fechten, Reiter usw. zum Ausbildungsplan..." Japaner- die andere Edelcasse Sie gelten allein etwas neben den Germanen ,, Aber der Geist der großen Vergangenheit als Wegweiser für die Zukunft steigt vom Boden auf, er kommt aus dem Blut der Masse, er wird von der Erde ausgeatmet und dringt in die Lungen und von dort in die Herzen der Menschen." Ein Wegweiser, der vom Boden aufsteigt, aus dem Blut kommt, einerseits ausgeatmet wird und andererseits in die Woher mag dieser Blut- und BodenLungen dringt schwulst stammen? Richtig! Aus einer deutschen Zeitung, und zwar aus der„ Bremer Zeitung". Aber wem ist die Hymne gewidmet? Sicher den blauäugigen, blondhaarigen germanischen Blubo- Recken? Falsch! Ganz falsch! Es ist hier überhaupt nicht von Deutschland die Rede, sondern ausgerechnet von Japan! Japan, der kapitalistischimperialistische Bundesgenosse des dritten Reiches" wird zwei Spalten lang in der gleichen Tonart angesungen, in der Hitlerdeutschland sonst nur sich selbst zu beschwärmen pflegt. Der Schreiber hat natürlich die erstaunte Frage seiner Leser vorausgesehen, ob denn die Gelbhäutigen neuerdings zur hochgewachsenen germanischen Edelrasse gehören, der doch angeblich die Welterlösung allein vorbehalten ist. Er erwidert kurzerhand,., daß das neue Deutschland nicht nur fremdes Volkstum achtet, sondern hochstehende fremde Rassen in ihrer Eigenart anerkennt und zu schätzen vermag". anerkannt die Schranken zu fordern? Wer je gleichermaßen isoliert und von aller Welt verabscheut war, der werfe den ersten Stein. Wem die Sonne nicht mehr scheint, kann die Liebe missen. Wieviel Trauer um ihn weint, braucht er nicht zu wissen. Himmel Hölle, Dunkel Tote unterscheiden nicht. Lust und Leid: vorüber! aus sechs starken Brettern. In den Grabblock meißle du, Steinmetz, diese Lettern: Menschen, laßt die Toten ruhn euer ist das Leben. Schreiner, richte mir die Truh Lich Jeder hat genug zu tun, Arm und Blick zu heben. Laßt die Toten! Sie sind frei im durchnáßten Sande. Euch entringt der Sklaverei! Euch der Not und Schande! War ein Kampf des Lorbeers wert, spart dem Tod die Spende, aber nehmt des Toten Schwert! Führt den Kampf zu Ende! Kämpft, o kämpft, und nützt die Zeit zu der Menschheit Glücke! Fällt ein Mann, so steht bereit: Vorwärts! Schließt die Lücke! Wollt ihr denen Gutes tun, die der Tod getroffen, Menschen, laßt die Toten ruhn und erfüllt ihr Hoffen! Wenn Freunde auseinandergehen... ,, Blutige Untreue von Arminius bis Bethmann" Goebbels Publizisten haben, den amtlichen Richtlinien entsprechend, Italien der Untreue bezichtigt; plötzlich erinnert sich das Gewürm an Italiens Vertragsbruch von 1915. Mussolini revanchiert sich und schreibt eigenhändig im Popolo d'Italia", die Deutschen sollten gefälligst das Maul halten, denn ihre Geschichte zeige ,, aufsehenerregende BeiAuf der Tagung der Deutschen Gesellschaft für gerichtliche spiele blutiger Untreue von Arminius bis Bethmann- Hollweg. Die Nazipresse kollert vor Rassestolz und rückt Mussovon der verjudeten römischen Mittelmeerkultur ab lini antwortet mit einer Rede, in der er den Germanen vor. Rassenspöttlern droht der Tod und soziale Medizin erklärte Oberstaatsanwalt Vollmer in einem Vortrag über Nationalsozialistische Strafgesetsgebung" u. a., es werde vorgeschlagen, die Schmähung wirft, daß sie noch nicht einmal lesen und schreiben konnten, des Volks und Rassegedankens hart zu bestrafen. Mit dem Verbot einer Rassenvermischung werde die Bestrafung der wissentlichen Erzeugung kranken Nachwuchses Hand in Hand gehen. Vorgesehen sei auch ein Schut des deutschen Geschichtsgutes und der völkischen Sittenauffassung. Der hartherzig gezogene Korridor Das ,, beispiellos wohlfeile Buch" ,, Grenzen zwischen Deutschen und Deutschen". So nennt sich ein Buch, das von Dr. Friedrich Lange herausgegeben, von dem Hitlerverlag Franz Eher Nachfolger verlegt worden ist und das in der Zeitschrift ,, Der Aufbau" mit folgenden Worten empfohlen wird: ,, Nicht in friedlicher Stille einer binnendeutschen Studierstube entstanden, sondern draußen an und hinter den Grenzen erarbeitet und erkämpft ist diese Auswahl aus rund 5000 selbst gemachten Grenz- und Grenzlandaufnahmen, eine 5000 selbst gemachten Grenz- und Grenzlandaufnahmen, eine Frucht planmäßiger 22jähriger Grenzlandarbeit. Ohne dicke Gelehrsamkeit und trockene Jahreszahlen, aber doch einwandfrei. paekend von der ersten bis zur letzten Seite, eine nordischen knappe Gesamtschau über deutsches Grenzlandleid, eine er1 Der Versuch, die Japaner der Einfachheit halber den Germanen zuzuzählen er wurde anfangs wiederholt gemacht scheint also am Widerstand der Rassetheoretiker gescheitert zu sein. So hat man sich entschlossen, wenigstens eine Rasse neben der nordischen gelten zu lassen. Das ist zwar Verrat an Wotan, aber der Gott möge verzeihen es blieb seinen armen Gläubigen wirklich nichts anderes übrig. Die anderen, Länder sind ja so hinterlistig, sich voll Grauen vom Reiche germanischer Erneuerung" abzuwenden. Die schwedischen Wähler haben soeben dem Hakenkreuz einen mächtigen Fußtritt versetzt, während sie gleich zeitig der jüdisch- marxistischen" Regierung ihr Vertrauen aussprachen. Diese offensichtlichen Unterarier, die es nicht wert sind, die Haarfarbe mit ihren deutschen Brüdern zu teilen, wollen durchaus nicht einsehen, daß es dem nordischen Menschen geziemt, zu hungern, stramm zu stehen, Angst zu haben und nicht nachzudenken. Nicht ein einziges Mandat haben sie den Hakenkreuzlern anvertraut, obgleich Schweden seit langer Zeit unter sozialdemokratischer ,, Miẞwirtschaft" schmachtet und obgleich die marxistisch verseuchte Regierung der Wirtschaftskrise erfolgreich zuleibe rückte. Sie begreifen eben nicht. diese Schwachköpfe, daß es besser ist, mit Hitler in den Abgrund zu rennen als ohne Hitler emporzusteigen. Vielleicht sind sie gar nicht echt müßte nachforschen, wo and wann in Schweden eine jüdische Invasion stattgefunden hat. Leider benehmen sich die andern arischen Brüder um keinen Deut besser. In Dänem ark, in Norwegen, in England werden hitlerdeutsche Reisende mit solcher Verachtung empfangen, daß im die ganze Freude an der nordischen Blutsgemeinschaft vergeht. man Was bleibt da den armen Hitlerianern anderes übrig, als Arm in Arm mit Japan die unvernünftige nordische Welt in schütternde Anklage gegen das Unrecht von Versailles und St. Germain Das beispiellos wohlfeile Buch, das den Weg in alle Schulen, Dienstzimmer und Amtsstellen finden muß, wie in jede deutsche Familie, öffnet den Blick für die Weite der Welt vom stillgelegten Bahnhof Hoyerschleuse bis nach Cill in Untersteiermark, von den deutschen Gebieten Altbelgiens und dem Wasgau bis nach Deutsch- Ungarn, dem Jablunkapaß in den beskidischen Karpatlien und über den hartherzig gezogenen Korridor hinaus zur Memel." Es handelt sich, wie man sieht, um eine Art Bilderbuch als Anhang zu Hitlers Buch„ Mein Kampf". Allerdings hat Hitler, seid er dieses Buch erscheinen ließ, sämtliche dort verkündeten Ziele wiederholt abgeschworen, und den„, hartherzig gezogenen Korridor" hat er ganz überflüssigerweise den Polen noch einmal feierlich zugesichert. Nun erscheint wiederum in seinem Verlag ein solches Buch! Wer wird da belogen? Das Ausland, vor dem man Ziele abschwört, die man verfolgt! Das Inland, dem man Ziele vortäuscht, die man nicht mehr hat? Kultur ist anrüchig als ,, Rom schon einen Cäsar und einen Augustus besaß". Soweit sie sich gegenseitig Treuelosigkeit vorwerfen, haben sie beide, die Braunen wie die Schwarzen, zweifellos recht, während der südliche wie der nördliche Rassemumpits gleich blödsinnig ist. An dem Streit interessiert nur die beinahe antike Façon, die lausbubenhafte schimpfende Größe, mit der zwei Diktatoren voneinander scheiden. Vor kurzem noch war der eine des anderen Vorbild. Man kopierte ihn bis zum Erbrechen. Selbst das germanische Erneuerungsgeschwätz war nur eine nördliche Kopie des Mussolinischen Renaissance- Schwulstes. Der Duce wurde zum Retter der lateinischen Kultur und pries dafür die Nazis als Erneuerer Deutschlands, schickte auf den Nürnberger Parteitag des Vorjahres gleich zwei italienische Gesandte als ausländische Glanznummern pokulierte dort lediglich der und jener südamerikanische Fantasiekonsul. Noch vor Jahrefrist nannten der Duce und der Osaf einander brüderlich Verbündete jetzt tönt es herüber und hinüber: Verräter, Dummköpfe, Treulose, Barbaren! Wenn Freunde auseinandergehen, so pflegt sich allez weitere ihrem Charakter entsprechend abzuwickeln. Dieser Ursprung haftet ihnen an, was immer sie tun und reden. Verkrachen sie sich, so fliegt der Schlamm, in dem sie waten, Man konnte darum das alles unschwer voraus sagen. Aber welch ein pathologischer Mangel an poli. tischer Weitsicht zeigt sich in diesen Differenzen, in diesem hysterischen Gezänk der beiden Despoten! Welche Unfähigkeit in der ehemaligen gegenseitigen Einschätzung, welche Fahrigkeit, welche für Europa gemeingefährlichen Perspektiven! Und diese beiden haben sich Arm in Arm noch vor Jahresfrist als Befreier und Erneuerer unseres Kontinents emp. fohlen!! Odol auf dem Parteitag Odol( nicht Darrés Odal) war auch auf dem Nürnberger Parteitag vertreten. Ein Teil des Gletscherspalten- Riesen. films wurde aus einem Flugzeug und aus dem Odol- Luft. schiff gemacht. An den Filmregiearbeiten hat auch der wegen des Juliputsches gesuchte Skiläufer Lantschner- Innsbruck teilgenommen. Mekka im Radio Der Muezzin der Heiligen Moschee vom Grabe des Propheten wird künftighin die Gläubigen aller Welt durch das station in El- Michlaf im Nodran- Gebiet errichten, die Mekka mitbedient, Ein Berliner Kino läßt seit einigen Tagen den berühmten Expeditionsfilm ,, Eskimo" laufen. Ueber der Ankündigung Mikrofon zum Gebet rufen. König Ibn Saud läßt eine Funkdes Films findet sich auf dem Portal des Kinos die riesige Ueberschrift: ,, Kein Kulturfilm"! Völker in Sturmzelten Nr. 33 Völker in Sturmzeiten Im Spiegel der Erinnerung im Geiste des Sehers So war es in Versailles... Viktor Schiff schilderte zu Beginn des Kapitels über die Reise der deutschen Delegation nach Versailles die erschütternden Eindrücke im Kampfgebiet. Ein Film von unvergeßbarer Traurigkeit. Dann kam der Zug in die Nähe von Paris, in grünende Landschaft. Es war in den letzten Apriltagen des Jahres 1919. Wir steigen aus. Kurze, steife Begrüßung durch den Präfekten von Versailles. Das Bliglicht der Pressefotografen flammt auf. Wir treten mit unserem Gepäck aus dem Bahnhof. Auf dem Platz stehen einige Kraftwagen und Pariser Autobusse mit militärischer Bedeckung. Ich steige mit einigen Herren in einen Autobus ein und bleibe auf der Plattform stehen. Hier hatte ich ein kleines Erlebnis, zwar ganz bedeutungslos, aber immerhin amüsant genug, um registriert zu werden. Das Signal zur Abfahrt gab jedesmal ein Polizeikommissar, umgeben von einigen Untergebenen und Journalisten, nachdem er sich die Zahl der Insassen vom Schaffner hatte laut melden lassen. Bei unserem Wagen ergab die Zählung zweiundzwanzig. Das Ergebnis:„ Vingt deux!" wurde laut bekanntgegeben und vom Kommissar wiederholt und notiert. Ich stand auf der Plattform neben dem Kollegen Frity Stein, damals bei der„ Frankfurter Zeitung", den ich schon in Friedenszeiten auf der Tribüne der auswärtigen Journalisten im Palais- Bourbon kennen gelernt hatte und bei dem ich eine gewisse Kenntnis der Pariser Volksmund- Redensarten voraussetzte. Nun sollen die Pariser Verbrecher, wenn sie ,, Schmiere" stehen und Gefahr im Verzuge ist, mit dem Ausruf: ,, Vingt- deux, v( oi) la des flics!"*) ihre Kumpanen warnen. Als nun der Polizeikommissar die Zahl ,, Zweiundzwanzig" wiederholte, ergänzte ich halblaut, mich an meinen Kollegen wendend:„, V'la les flics!". Das hörte aber die Gruppe von Journalisten, die den Kommissar umgab, sie schauten zunächst sprachlos herauf und gleich danach ertönte ein schallendes Gelächter, während der Autobus abfuhr. Am nächsten Tag war natürlich der Vorfall in einem halben Dutzend Pariser Zeitungen registiert und kommentiert, wobei sich die Berichterstatter den Kopf darüber zerbrachen, wie die Deutschen es fertiggebracht hätten, in ihrer Delegation jemanden zu zählen, der den Pariser Verbrecherund Gassenjungenjargon so vorzüglich beherrsche... Am Ziel Nach knapp einer Viertelstunde Fahrt mit dem Autobus waren wir am Ziel. Im dunklen Hof des Hotels des Réservoirs erwarteten uns die Quartiermacher der Delegation und wiesen uns unsere Zimmer zu. Noch am selben Abend wurden wir von dem Verbindungsmann der deutschen Delegation mit den französischen ,, Gastgebern", Freiherrn von Lersner, instruiert: keine Bewegungsfreiheit! Wir durften uns nur in dem Raume zwischen dem Hotel des Réservoirs und den quer gegenüberliegenden Hotels Vatel und Suisse bewegen, die Stadt selbst aber nur in besonderen Ausnahmefällen auf formellen Antrag und unter Begleitung von Geheimpolizisten betreten; im übrigen stünde uns ein Teil des Parkes von Versailles, allerdings ein sehr geräumiger und sehr schöner, einschließlich der beiden Trianon- Schlösser und Gärten, für Spaziergänge zur Verfügung. Diese Mitteilung wirkte auf uns recht deprimierend, weniger der Tatsache, als des Prinzips wegen. Noch nie in der. Geschichte hatte man den Friedensunterhändlern eines besiegten Landes derartige Einschränkungen auferlegt. Man hatte übrigens der deutschen Regierung diese Absicht sorgfältig verschwiegen. Die Begründung mit dem notwendigen Schutze der Deutschen in ihrem eigenen Interesse war natürfich fauler Zauber. Soviel Disziplin hätten wir alle schon selbst aufgebracht, daß wir uns nicht in größeren Gruppen in Versailles oder Paris gezeigt und durch lautes Reden in unserer Sprache Zwischenfälle hervorgerufen hätten. Andererseits glaube ich nicht einmal, daß man uns mit dieser unwürdigen Gefangenschaft, die in den Annalen der Friedenskonferenzen ihresgleichen nicht kennt, persönlich demütigen wollte.( Obwohl die Kommentare verschiedener Pariser Blätter zu dieser Isolierungsmaßnahme ausgesprochen beleidigend waren.) Der wahre Grund lag einfacher und tiefer: Man wollte uns isolieren. Man wollte verhindern, daß wir mit fremden Politikern und Journalisten in Berührung kamen, sie über unsere Gesinnung und unsere Lage aufklärten. In Versailles Der erste Tag unseres Aufenthaltes in Versailles war kalt und regnerisch. In dem großen Speisesaal des Hotels des Réservoirs( das für die eigentlichen Delegierten und ihre Mitarbeiten sowie für die Sachverständigen bestimmt war) saßen die am Abend zuvor Eingetroffenen in einer Ecke und tauschten Eindrücke aus. Einige Herren, darunter der Hamburger Bankier Max Warburg, waren direkt aus Compiègne eingetroffen, wo sie mit alliierten Finanzsachverständigen über einige Spezialfragen( z. B. die Rückgabe der in Belgien und im besetten Nordfrankreich beschlagnahmten Wertpapiere) in den letzten Wochen bereits verhandelt hatten. Aus ihren Mitteilungen konnte man bereits den abgrundtiefen Haß entnehmen, der uns auf dieser Konferenz entgegengebracht werden würde. Ebenso gewann man immer mehr den Eindruck, daß die Behauptungen der Pariser Presse über den Inhalt des Friedensvertrages, denen wir im Vertrauen auf Wilson und seine 14 Punkte keinen Glauben hatten schenken wollen und mehr für Stimmungsmache hielten, der Wahrheit doch entsprechen dürften. Am Nachmittag ging ich über die Avenue des Réservoirs zu dem Hotel Vatel, um dort einige Kollegen von der deutschen Presse zu besuchen, als mir mit einer Kopfbewegung und einem sonderbaren Augenzwinkern ein Herr zu ver*) ,, Flic" ist die Pariser Dialektbezeichnung für Polizist. stehen gab, daß er mich sprechen wolle. Ueber diesen merkwürdigen Annäherungsversuch nicht wenig erstaunt, wollte ich zunächst weitergehen, als mir der Herr, dem sich ein zweiter bald zugesellte, mit hastigen Sätzen erklärte: Sonntag- Montag, 30. 9. u. 1. 10. Von Victor Schiff bog in das Einfahrtstor des Hotels ein und hielt im Hof. Der Andrang der Reporter und Pressefotografen war sehr stark. Ein halbes Dugend Blitzlichter flammten auf, als BrockdorffRantau als erster dem Wagen entstieg. Bald war der kleine Hof voll mit Menschen und Wagen. Immer neue Autos, zulett militärische Lastkraftwagen, rollten heran. Soldaten luden das schwere Gepäck aus, das sich bald zu wahren kleinen Bergen auftürmte. Das Wetter war umgeschlagen. Es war kalt und es rieselte. Im wenig beleuchteten Hof herrschte ein furchtbares Durcheinander. Das wenige Hotelpersonal war einem solchen Andrang natürlich nicht gewachsen. Und immer neue Koffer, neue Kisten wurden ausgeladen. Delegierte erschienen im Hofe und suchten ihr Gepäck. Aber ich bin hier gar nicht maß auch wenn sie es gefunden hatten, war niemand da, um es ihnen hinaufzutragen. Die jüngeren und kräftigeren Männer halfen sich selber, so gut es ging. Die älteren Männer und die Frauen standen dagegen hilflos da. , Wir sind französische Journalisten und möchten Ihre Eindrücke hören." 55 Warum gerade von mir gebend." ..Aber Sie sind es doch gewesen, der gestern abend gerufen hat: ,, Vingt- deux, v'la les flies!" Mit Ihnen können wir uns sicher am ehesten unterhalten. Es ist uns nämlich ausdrücklich verboten worden, mit Deutschen zu sprechen." ,, Dann will ich erst recht nicht Sie daza verleiten, diesen geistvollen Befehl Ihrer Regierung zu durchbrechen." 59 Wir können ja auch nichts dafür. Es ist grotesk. Aber sagen Sie uns wenigstens einen Satz, ein Wort!" ,, Und wenn ich Ihnen schon einen Satz sage, Ihre Zeitung wird ja doch nicht den Mut haben, ihn abzudrucken." ,, Doch! Aber machen Sie bitte schnell, da kommt schon ein Geheimpolizist!" ,, Nun, meine Herren, ich habe den Eindruck, daß die Alliierten auf dem besten Wege sind, die deutsche Republik zu erwürgen." ,, Danke! Aber Sie entschuldigen er wies auf den sich nähernden Polizisten hin jetzt gilt es für uns:„ Vingtdeux!". 35 Es war das erste und das letzte Gespräch, das ich in Versailles mit einem französischen Journalisten führte. Der warnende Sats, den ich bei diesem seltsamen ,, Interview" gesprochen hatte, ist natürlich nie erschienen. Zwei Jahre später hat mich der eine dieser französischen Kollegen in der Vorwärts"-Redaktion in Berlin aufgesucht und mir erzählt, daß sein kurzes Gespräch mit mir von weitem beobachtet und der Regierung gemeldet worden war, so daß seine Redaktion ersucht wurde, ihn nicht wieder nach Versailles zu schicken, widrigenfalls man ihn wegen ,, Einverständnisses mit dem Feind" sofort verhaften würde! Das war in der Tat jener kautschuk artige Paragraf, mit dem man in der Aera Clemenceau alle möglichen Tendenzprozesse, so auch gegen Malvy und gegen Caillaux, inszeniert hatte und mit dessen Hilfe man in Versailles die restlose Abschnürung der Deutschen von der Welt der Sieger durchführen konnte. Der Krieg war formell nicht beendet und solange der Friede nicht unterzeichnet sein würde, hing das Damokles- Schwert des Strafgesetzbuches über jedem, der unbefugt mit einem Deutschen sprechen würde: Einverständnis mit dem Feinde", Kriegsgericht, und wenn auch nicht gleich der Hinrichtungspfahl auf dem Truppenübungsplatz von Vincennes, so doch zumindest lange Untersuchungshaft und vielleicht mehrjährige Zwangsarbeit. So wurde unter Clemenceau für die Isolierung der Deutschen, namentlich der deutschen Sozialdemokraten, in Versailles gesorgt. Am Abend dieses ersten Tages traf der Rest der deutschen Delegation, der in zwei weiteren Sonderzügen Berlin 24 Stunden nach uns verlassen hatte, in Versailles ein. Ein Auto nach dem anderen raste die Avenue des Réservoirs herauf, Gepäck- Erlebnis Die französischen Soldaten, die gemeinen" Soldaten, erkannten sofort mit instinktiver Höflichkeit und Bereitwillig. keit die für ihren empfangenden" Staat recht blamable Situation. Einer sagte kurz entschlossen:„ Kommt Kameraden, wir helfen herauftragen!"„ Ja," sagte ein zweiter, das ist eine Schande, man kann ja nicht die Sachen im Regen und Schmutz hier liegen lassen!" Ein dritter fügte aufrichtig und menschlich hinzu:„ Außerdem ist vielleicht ein Trinkgeld zu verdienen, und so dick haben wir es nicht." Und schon hoben einige flinke Hände Koffer und Kisten und schickten sich an, sie in die Zimmer zu tragen, als plötzlich ein Offizier dazwischen stürzte und mit echtester Kasernenhofstimme brüllt: ,, Wollt Ihr das liegen lassen! Das verbiete ich Euch! Zurück!" Die Soldaten sahen sich und ihn verdutyt an. Zögernd folgten sie dem Befehl und ließen ihre Last wieder zu Boden gleiten. Einer wagte eine schüchterne Bemerkung:„ Aber, Herr Hauptmann, kann man das so in einem Haufen im Regen liegen lassen?" ..Halten Sie den Mund und folgen Sie!" brüllte ihn der Offizier unwiderruflich an. Ein Quartierbeamter der Delegation bat mich, der Sprache wegen, um Intervention. Inzwischen waren bei dem Lärm weitere Offiziere aus dem Bureau der Kommandantur", die im Hotel eingerichtet worden war, erschienen. Ich ging auf einen Major zu, Offizier der Ehrenlegion, und suchte ihm in höflicher Form die Lage klarzumachen. Die Soldaten standen im Umkreis mit verdugten aber offenkundig mißbilligenden Mienen herum. Der Major antwortete mir mit schneidender Stimme: ..Es bleibt dabei! Französische Soldaten sind nicht dazu da, deutschen Offizieren als Gepäckträger zu dienen." ,, Es handelt sich aber nicht um Offiziere, sondern um eine Friedensdelegation, und auch um Frauen." ., Mit Ihnen diskutiere ich darüber nicht! Es können auch deutsche Offiziere dabei sein, und ich werde niemals dulden, daß französische Soldaten deutschen Offizieren das Gepäck tragen helfen." Ich drehte dem Major achselzuckend den Rücken zu. Wir Jüngeren in der Delegation halfen dem bald erschöpften Hotelpersonal das Gepäck in die einzelnen Zimmer zu befördern. Nach einer Stunde war diese Arbeit erledigt. Das waren unsere ersten Eindrücke von der Friedenskonferenz". Tage des Wartens 1 Der Holzzaun Der schöne Park von Trianon.. Maifeier in Versaille Verzögerung der Ueberreichung Wachsende Ungeduld bei den Deutschen Die ersten Tage unseres Aufenthaltes waren nicht gerade Abgesperrt geeignet, den sehr schlechten Eindruck dieses Empfanges" zu verwischen. Vielmehr reihte sich eine neue Enttäuschung an die andere. Es hatte gewiß niemand von uns erwartet, daß man uns jubelnd und mit offenen Armen aufnehmen würde. Aber ein Mindestmaß von Höflichkeit und Ritterlichkeit wäre gegenüber der Friedensdelegation des besiegten Feindes wohl am Plate gewesen. Was mußten wir statt dessen nicht alles erleben? Zunächst unsere Behandlung durch die Pariser Presse. Was gab es da nicht für peinliche Glossen, persönliche Anrempelungen! Wir wurden als eine Gesellschaft gefräßiger Menschen hingestellt, die in Versailles an nichts anderes dächten, als sich nach den Hungerjahren satt zu essen. Es wurde uns nachgerechnet, wieviel Apfelsinen die Delegation am ersten Tage verzehrt hätte. Es wurde erzählt, daß das Hotelpersonal sich geweigert hätte. von Deutschen Trinkgelder anzunehmen und daß infolgedessen ein zehnprozentiger Aufschlag auf die Rechnungen zur Entlohnung der Kellner usw. vereinbart worden wäre.( Selbstverständlich war dieses, damals in Deutschland auf gewerkschaftlichen Wunsch eingeführte System von der Delegationsleitung angeregt worden; die angebliche Weigerung des Hotelpersonals, Trinkgelder von Deutschen anzunehmen, war eine böswillige, beleidigende Erfindung der Pariser Zeitungen.) Man berichtete, daß die Deutschen eine Erhöhung des Zuckerquantums gefordert hätten:„ Es ist ihnen ein Zusatz von Sacharin bewilligt worden", berichtete der„ Temps" ironisch, aber wahrheitswidrig. Brockdorff- Rantau wurde geflissentlich als der ,, frühere Gesandte Wilhelms II." bezeichnet und die wenigen Delegationsangehörigen, über die man sonst etwas zu ., wissen" wähnte, wurden mit falschen Zitaten und verzerrten Anekdoten durch den Dreck gezogen. Das war um so leichter, als wir nicht die Möglichkeit hatten, zu berichtigenDie Absperrungsmaßnahmen wurden bereits am zweiten Tage verschärft. Als Vorwand benutte man die Tatsache, daß zwei oder drei deutsche Pressevertreter am Morgen nach ihrer Ankunft, angeblich in Unkenntnis der erlassenen Vorschriften, das erlaubte Gebiet verlassen und auf eine Stunde in Versailles spazieren gegangen waren. Die Pariser Presse berichtete sofort, daß sie sogar heimlich nach Paris gefahren wären. .. Einige Tage später erschienen Arbeiter, die uns za umzäunen begannen. Man kann sich denken, mit welchen Gefühlen wir diese Maßnahme über uns ergehen ließen. Die offizielle französische Version lautete, daß das selbstverständlich nur in unserem Interesse geschehe. Es sollte dadurch insbesondere verhindert werden, daß abermals ein Aufruf am Eingang des Hotels voll Schmähungen gegen die„ Boches" plakatiert werde, wie das in der ersten Nacht geschehen war. Zur weiteren Begründung dieser Maßregel erinnerte der„ Temps" daran, daß, als im Jahre 1871 die Deutschen in Versailles lagen, der Bevollmächtigte der französischen Regierung, Jules Favre, ebenfalls streng isoliert worden war, als er sich nach Versailles zu Bismarck begab, um über die Friedenspräliminarien zu verhandeln. Das Blatt vergaß nur zu bemerken, daß es sich dabei um kurze Verhandlungen über den Vorfrieden gehandelt hatte, nicht aber um die eigentlichen Friedensverhandlungen, bei denen in Frankfurt a. M. die französischen Delegierten selbstverständlich volle Bewegungsfreiheit genossen haben. Es bleibe dahingestellt, was bei diesem Vorgehen der Hauptzweck war: wollte man uns nur demütigen, oder wollte man uns daran hindern, mit Amerikanern, Engländern und insbesondere Sozialisten zusammenzukommen? Fortsegung, folgt.) Das österreichische Schwarzbuch Französischer Journalist bei der Gestapo Und die ,, Dementis" der Regierung Schuschnigg Auf das in Genf verbreitete Schwarzbuch der österreichi, Nanu! Die haben Sie rausgelassen?" schen Diktatur- Recht und Gesez unter Dr. Schuschnigg" hat sowohl Dr. Schuschnigg selbst als der Bundeskommissar für Propaganda der österreichischen Regierung Oberst Adam geantwortet. Vielleicht am fennzeichnendsten ist aber eine Erklärung der„ maßgebenden Stelle" der österreichischen Delegation in Genf, die das Wiener„ Echo" am 19. Sept. veröffentlicht. Den Höhepunkt des Wehtlagens über die starke Wirkung des Schwarzbuchs bildet der Saß, daß sich überhaupt nur noch ganz wenige nichtverurteilte Perionen, deren Zahl an den Fingern abgezählt werden kann, in Gewahrsam befinden". Die maßgebende Stelle der österreichischen Delegation in Genf muß über ein schlechtes Gedächtnis und eine abnorme Anatomie der Finger verfügen. Wir sind bereit, dieser maßgebenden Stelle ohne zu zögern eine ganze Liste solcher Gefangener, die nicht von den Gerichten verurteilt wurden. vorzulegen. Es sei nur daran erinnert, daß sich noch immer in Hast befinden; der Wiener Bürgermeister Seiß, die Nationalräte Dr. Danneberg und Paul Richter, die beiden weiblichen Parteivorstandsmitglieder. Gabriele Proft und Hella Postraneh fy, der Führer der freien Lehrergewerkschaft Nationalrat W a che, der Chef= redakteur Julius Braunthal, der Präsident des Wiener Stadtschulrates Nationalrat Glöckel, der Wiener Stadtrat Paul Speiser, der Sohn des Eisenbahnführers Ingenieur König, der General Theodor Körner, der Major EisLer, der General Mayer, der Hauptmann Löw, die niederösterreichischen Landesräte Schneid madl und Hellmer, der niederösterreichische Landtagspräsident Beznek, der Führer Führer der Landarbeitergewerkschaft Schneeberger, der Bürgermeister vou Hirtenberg Nationalrat Stika, der Landeshauptmannsstellvertreter von Steiermark Machold, der Grazer Vizebürgermeister Rück und der steirische Landesrat Oberza ucher. Mit weiteren Namen tönnen wir jederzeit dienen. Die Erklärung der„ maßgebenden Stelle" behauptet dann, „ daß es sich dabei nur um Personen handelt, deren ganz besondere Verantwortung für die blutigen Ereignisse nicht in Zweifel gezogen werden kann". In jedem Rechtsstaat gibt es darauf nur eine Antwort: man ſtelle die Männer und Frauen, deren Verantwortung so unzweifelhaft ist, vor ein ordentliches Gericht! Aber gerade das will die Rez gierung Schuschnigg ja aus guten Gründen um feinen Preis tun. Sie zieht es vor, dem Beispiel der Hakenkreuzdiktatur zu folgen und ihre politischen Gegner, die kein Tribunal verurteilen könnte, ohne Urteil in ein Konzentrationslager pardon Anhaltelager; auf diesen einzigen Unterschied gegenüber Deutschland legt man in Wien Wert zu schicken. Es bleibt also troß aller Proteste der österreichischen Regierung bei dem, was Vandervelde im Vorwort zum Schwarzbuch festgestellt hat: Desterreich steht auf der schwarzen Liste der Länder ohne Demokratie. Die Matteotti- Fahne Dem OND. wird aus Innsbruck geschrieben: Vor dem Bezirksamt hatte sich dieser Tage der dreißigjährige Schuhbündler Ferdinand Hum er wegen boshafter Sachbeschädigung zu verantworten. Humer versuchte am 23. Mai die Fahne der Matteotti- Kompagnie des Innsbrucker Schutzbundes aus dem von der Heimwehr besetzten Gewerkschaftshaus in Innsbruck zu retten. Er stieg daher unbemerkt in die Kanzlei des Gewerkschaftshauses, indem er die Türfüllung mit einem Taschenmesser entfernte. Leider gelang es ihm nicht, die ahue au finden, da diese an einen anderen Ort gebracht worden war. Humer, der sich bereit erklärte, den Sachschaden wieder gutzumachen und die Beteiligung eines Freundes aufs entschiedenste bestritt, ivurde zu drei Wochen Arrest verurteilt, die durch die Untersuchungshaft seit. 9. Juni, alio seit mehr als drei Monaten, verbüßt sind. Ob Humer jedoch freigelassen wurde, war bisher nicht in Grfahrung zu bringen. Londons sozialistische Verwal.ung Auf dem Gebiete des Gesundheitswesens hat sich die sozialistische Verwaltung des Londoner Grafschaftsrates in den ersten fünf Monaten ihrer Amtsführung von zwei Grundfäßen leiten lassen: der erste ist, daß Vorbeugen besser ist als Heilen, und der zweite ist, daß niemand wegen Armut von der bestmöglichen Behandlungen bei Krankheit oder Unfällen ausgeschlossen sein soll. Wir wollen den zweiten Grundsatz vorannehmen. Die Tuberkulose ist vorwiegend eine Krankheit der Armen. Die Sterblichfeitsziffer wegen Tuberkulose ist doppelt so hoch in einigen Londoner Bezirken, wo die Armut in überfüllten Wohnungen haust, als in den Wohnbezirken der Wohlhabenden. Der Mangel an guten Wohnungen und andern nötigen Dingen steigert aber nicht nur die Anfälligkeit für die Zuberkulose, sondern die Armut schädigt auch die schon er zielten Heilerfolge, weil der mittellose Patient selbst nach merklicher Besserung, sich nicht das zur Erhaltung seiner Gesundheit Notwendige beschaffen kann. Nur jeder Dritte von den Patienten, die von fünf Jahren aus einer der Heilanstalten des Londoner Grafschaftsrates entlassen wurden, ist heute noch am Leben. Das zeigt die ernste Natur dieser Krankheit, es zeigt aber auch, wie notwendig es für diese scheinbar Geheilten ist, anständige Nahrung, Kleidung A. Ph. Paris, 29. September 1934. diese Polizisten mit abstehendem Bauch und großem Schnurrs ( Von unserem Korrespondenten) Unter dem Titel ,,, Nationalsozialismus oder Sozialismus? Hitler am Scheidewege" veröffentlicht Xavier Hauteclocque im„ Gringoire" einem Pariser Wochenblatt, eine Reihe von Artikeln, die auch bei den Lesern der Deutschen Freiheit" Intereses hervorrufen werden. Wir werden deshalb auszugsweise unsere Leser von dem Inhalt dieser Artikel in Kenntnis setzen.-Hauteclocque war es gelungen, die Adresse der Gattin des ermordeten Berliner SA.- Führers Ernst ausfindig zu machen. Allgemein war bekanntlich behauptet worden, Frau Ernst hätte sich das Leben genommen. Der französische Journalist wollte sie nun interviewen sie aber erklärte sich zu diesem Interview nur mit der Genehmigung des Chefs der Geheimen Staatspolizei bereit. In seinem legten Artikel schildert Hauteclocque nun seinen Besuch bei der Gestapo. „ Eine große Freude steht mir im Zimmer 305 bevor. Der Beamte. der dort haust, hat es sehr eilig, Mittagspause zu machen. Absichtlich hatte ich die Mittagszeit für meinen Besuch in der Prinz- Albrecht- Straße gewählt. Als nun die Herren von der Gestapo den Namen der Frau Ernst lasen, da merkten sie wohl das Medusenhaupt. Offengefagt, ist es mir unmöglich, diese Angelegenheit zu prüfen. Und mir ist es unmöglich, von Ihnen nicht die Genehmigung zu dem Interview mit Frau Ernst zu fordern. Zögernd und offenbar widerwillig läßt mich der Beamte von einem SS.- Mann nach dem Zimmer 325 bringen. Mit dem Instinkt, der nur selten alte Journalisten täuscht, sage ich mir, daß ich dem Ziel nahe bin, das ich mir gejezt habe. Es geht durch allerhand einsame Korridore, durch Gänge, in denen man kaum einem Menschen begegnet; dann eine Tür mit der Inschrift:: 3. 325. SS. Stuf. Meizinger Ich schloß daraus, daß Sturmführer Meizinger die Tritte Gruppe der zweiten Abteilungen bei der Gestapo leite, Aber was hat nun Herr Meizinger eigentlich zu tun? Ein anderer Besuch wartet... Während mein S.- Mann im Zimmer 325 verhandelt, versucht mich der andere in eine Unterhaltung zu verwickeln. Er fragt:„ Sie interessieren sich für Pressedinge?" Ich drehe ihm den Rücken, aber plößlich wird mir eines klar. Meizinger und seine Abteilung überwachen die Presse. Mein Begleiter verläßt mich mit militärischen Grüß und Zusammenschlagen der Hacken, indem er mir noch mitteilt: „ Der Sturmführer wird Sie in einem Augenblick empfangen." Der Augenblick dauert dreiviertel Stunde. Währenddessen hörte ich zahlreiche telefonische Anrufe. Beamte, tamen, die es nicht sehr eilig hatten. Sie gingen sehr langsam hinaus und blickten mich von oben bis unten nicht gerade freundlich an. Mir fiel ein, welches Gesicht wohl mein kommunistischer Chauffeur Willy jetzt machen würde, der seit einer Stunde vor dem Gestapotor auf mich wartete. Endlich führte man mich zu Herrn Meisinger. Wie alfe Hitlerlente bei der Gestapo ist er noch jung, liebenswürdig. Er sieht nicht aus wie bart. Meizinger beginnt: Sie wollen mit Frau Ernst sprechen? Ich habe sie soeben besucht. ..Bause. Mein Gegenüber scheint in allen Eden des Zimmers einen Gedanken zu suchen: Sie haben sie persönlich gesehen? Darf ich fragen, wer Ihnen ihre Adresse gegeben hat? Da ich nicht anders kann, muß ich lügen: Ein Freund von einer ausländischen Gesandtschaft, bei der Ernst zu Lebzeiten einmal geladen war. Ausländische Gesandtschaft macht immer Eindruck. Nun fragt Meizinger, wie ich Frau Ernst angetroffen hätte und was ich von ihr wissen wollte. Ich antworte: die Naziblätter haben viele tendenziöse Nachrichten über die Ereignisse vom 30. Juni veröffentlicht. Dafür ist auch ein Beweis, daß Frau Ernst, die sie totgesagt haben, noch lebt. Die amtlichen Reden selbst haben ohne irgend einen Beweis die Toten beschuldigt, eine Verschwörung angezettelt zu haben. Als Sonderberichterstatter eines großen französischen Wochenblattes will ich nur die Wahrheit sagen. Frau Ernit hat jedes Interview abgelehnt bis Herr Heydrich ihr dies gestattet. Aus dem Büro des Hendrich schickt man mich zu Ihnen... Geben Sie mir nun die Erlaubnis? Meizinger: Wir lesen in Ihrer Zeitung gewöhnlich nur Lügen. Ich weiß es. Ich verfolge Ihre Presse. Ich: Geſetzt den Fall. Sie hätten Recht, bei mem liegt die Schuld? Sie haben aus amtlicher Quelle keine Auskunft über die Ereignisse des 30 Juni gegeben. Wir suchen unsere Informationen, wo wir sie bekommen können. Genehmigen Sie nun das Interview? Sie wissen doch, daß ein Kriminalkommissar dabei sein muß. Antwort: Telefonieren Sie am nächsten Mittwoch noch einmal mit dem Büro Heydrich. Da kommt mir ein glänzender Gedanke. Die Telefonnummer der Gestapo findet sich in feinem Telefonadreßbuch. Ich frage mein Gegenüber nach dieser Nummer. Hier ist sie. Wer will, kann sich ihrer bedienen: A 2 Flora 0040. Der Journalist erzählte nun, wie ihn eine Stenotypistin hinausbegleitet. Plößlich befindet er sich allein im Flur, von niemanden bewacht. Da kommt ihm der Gedanke, wie es wäre, wenn er einmal die Räume der Gestapo durchforschte. was, so meinte er, könne ihm dabei schon passieren. Im schlimmsten Falle würde er antworten, er habe sich verlaufen. So läuft er nun an allen möglichen Türen vorüber, liest die Namen der Beamten, die er leider in seinem Bericht nicht nennt. Es wäre doch immerhin interessant zu wissen, welches die Kreaturen sind, die sich im Dienst der Gestapo ihr Gehalt verdienen. Es ist Sonnabend Mittag gegen 1 Uhr. Eine auffallende Stille herrscht in dem Gebäude in der Prinz- Albrecht- Straße. Im zweiten Stockwerk sieht er sich plötzlich vor einem mäch= tigen eisernen Giter, das er nicht öffnen fann. Er fragt sich, ob sich hinter der Tür die durch dieses Gitter verbarrikadiert wird, vielleicht das berüchtigte Gestapogefängnis befindet, von dem man seit dem 30. Juni so viel redet, wo doch so viele Personen verschwanden, ohne ihre neue Adresse zu hinterlassen. Endlich befindet er sich wieder in der PrinzAlbrecht- Straße, wo ihn fein kommunistischer Chauffeur, Erstaunen in den Augen, mit den Worten empfängt: Nanu! Sie haben Sie rausgelaffen? Welch ein Glüd!" Menschenraub in Schweden versucht Man schreibt uns aus Stockholm: Vor einiger Zeit brachten die Stockholmer Abendzeitung Aftonbladet" und andere bürgerliche Zeitungen die Mitteilung, daß der Deutsche Heinrich Borz von der deutschen Polizei wegen friminellen Verbrechen gesucht werde. Er soll während dem lezten Jahr in verschiedenen deutschen Städten schwere Einbrüche verübt haben. Der Fall Borß ist ein typisches Beispiel für die verbrecherischen Methoden der Nasiregierung. Der verfolgte Heinrich Borz ist ein deutscher Flüchtling, der im Ausland durch seine journalistische Tätigkeit nach seiner Flucht dazu beiträgt, auf der Grundlage seiner persönlichen Erlebnisse die Bestialität der Hitlersöldlinge zu geißeln. Unter dem Pseudonym Peter Cornelius schrieb Bortz eine Artikelserie in der syndikalistischen Tageszeitung„ Arbetaren" unter dem Titel:„ Reportage aus der braunen Hölle." In diefer Reportage bringt Bortz ausführliche Details und Daten aus dem braunen Sumpf der Konzentrationsläger. Er beschreibt, was er selbst sah und erleiden mußte. Es beſteht feinerlei Zweifel an der Echtheit dieser Angaben. Selbstverständlich war die Tätigkeit des Antifaschisten Borz den deutschen Behörden nicht angenehm, und sie versuchten alles, um ihn auf die eine oder andere Art unschädlich zu machen. Um ihn in ihre Klauen zu bekommen, verfolgte die Gestapo ihn nun als friminellen Verbrecher als Einbrecher. So glaubt man eine Auslieferung erzwingen zu können. Und dann- wehe ihm! Die Vorgeschichte ist so: Am 20. Juni 1933 wurde Bortz in und als Borz sich am Schiffe von seinen Eltern verabschiedet, treten die zwei Gestapo- Agenten auf ihn zu und erklären ihn für verhaftet. Borg erfaßte sofort die Situation, wandte sich an einen in der Nähe stehenden dänischen Polizisten und verlangte seinen Schuß. Der Polizist nahm Bork und einen der deutschen Spizel mit zur Polizei, wo der Gestavo- Mann er= klärte, daß Borz wegen Einbruch von der deutschen Polizei gesucht sei. Auf die Frage der dänischen Polizei, wo Borz einen Einbruch beganaen habe, konnte der deutsche Kriminalbeamte feine Antwort geben. Borz forderte nun von der dänischen Polizei, daß man ihn verhaften und die ganze Sache untersuchen solle. Das geschah auch, aber nachdem die dänische Polizei alle deutschen Steckbriefe fontrolliert hatte, ohne den Namen Borg darunter zu finden, wurde er wieder freigelassen. Die Sache erregte damals starkes Aussehen in der dänischen Preise. Politiken" brachte einen großaufgemachten Artikel mit der Ueberschrift:„ Verfuchter Menschenraub in Kopenhagen", Jezt versucht die nazistische Polizei den Menschenraub mit Hilfe der schwedischen Polizei auf neue durchzuführen. Man hofft diesmal auf ein beieres Resultat und hat sich besser vorbereitet als das vorige Mal. Borz wird nun offiziell von der deutschen Polizei als Einbrecher gesucht, damit sie sich nicht noch einmal vor einer ausländischen Polizei blamiert. dereer Richtung gesichert, und es wird ihr nicht schwer sein, Gewiß hat sich die deutsche Polizei inzwischen auch nach an= auch Zeugen" gegen Borz zu bringen. Auf diese Weise kann man praktisch jeden politischen Flüchtling in seine Gewalt betommen vorausgesetzt, daß die ausländische Polizei so und Wohnung zu bekommen und eine angemessene Bechhutzbait genommen. Man schleppte ihn in die berüchtigte entgegenkommend ist und einfach ohne gründliche Kontrolle tigung, die es ihnen ermöglicht, auszuruhen, wenn sie sich nicht wohl fühlen. Aber das alles braucht Geid." Obzwar der Londoner Grafschaftsrat nicht gezwungen ist, Gebühren für Verpflegung oder Behandlung der Kranken einzuheben und obzwar er solche Stoften auch nie cingetrieben hat, weil er dazu gar nicht ermächtigt ist, hat er früher doch die Unwissenheit der Patienten und ihrer Angehörigen ausgenutzt und hat dadurch zwischen 11 000 und 12 0: 0 Pfund Sterling jährlich für Heilstättentoften eingenommen. Solange sie noch in der Minderheit war, hat die Arbeiterpartei wiederholt darauf gedrungen, daß die Kostenselastungen für Tuberkulosebehandlung abgeschafft werden sollen, so wie das schon in Birmingham, in Liverpool, M chester und den meisten aroßen Gemeindeverwaltungen geschehen war. Aber die Mehrheit der Gemeinde- Reformer" ( Municipal Reform") hat es abgelehnt. Die neue ſozialistische Mehrheit hat nun diese Kostenvorschreibungen abgeschafft. Die Partei der Gemeindereformer stimmte gegen den Antrag, er wurde jedoch mit einer Mehrheit von 27 Etimmen angenommen. Da das Gesundheitsministerium den Beschluß des Londoner Grafschaftsrates genehmiat hat, wird in Rufunft in London jede Behandlung von Tuberkulose vollständig unentgeltlich sein. Früher mußten Patienten, die unter Armenfürsorge standen, wenn sie etwas aus der Apotheke brauchten, ihre eigenen Arzneiflaschen mitbringen. Das hat beträchtliche Schwierigfeiten veruriacht, meil viele arme Leute nicht die richtigen geführt, daß die glaſchen bei der ersten Aus dergone oder überhaupt keine Flaschen hatten. Wir haben nun einApotheke beigeftefft werden und nur für Wiederholung des felben Regentes mitgebracht werden müssen. Das mag eine Aleinigkeit fein, aber es gibt doch ein Bild von den Kosten, SA.- Kaserne in Stettin, von dort zum Konzentrationslager Sonnenburg und von da wieder zum Polizeigefängnis in Stettin. Aus dem Stettiner Polizeigefängnis gelang es ihm zu fliehen, und er fam dlücklich nach Dänemark. Nach seiner Flucht wurde sein 90 Prozent Triegsbeschädiafer Vater verhaftet und mehrere Monate als Geisel gehalten. Von Ende August 1983 bis Ende April 1934 hielt sich Bortz in Kopenhagen auf und unterstand, wie alle deutschen Flüchtlinge in Kopenhagen, der ständigen Kontrolle der Polizei. Ron da reiste er nach Schweden, wo er sich bis jetzt aufhielt. Während seines Aufenthaltes in Schweden wurde er von der jundikalistischen Organisation laufend unterstützt. Er befand fich alio nachweislich seit seiner Flucht außerhalb der deutschen Grenze. Zu Pfingsten dieses Jahres machte die Gestapo den ersten Versuch, ibn in ihre Klauen zu bekommen. Er hatte eine Rusammenkunft in Kopenhagen mit seinen Eltern. wei deutsche Svitel waren seinen Eltern nach Dänemark gefolgt daß selbst eine so geringfügige Verbesserung 400.- tährlich für Flaschen ausmacht.. Wir haben aber nicht nur die Modernisierung der Svital gebände und ihrer Ausstattung beschleunigt, wir sind auch der Personalfrage näher getreten. Wir brauchen die besten Aerzte und die besten Pflegerinnen um unseren Patienten die bestmögliche Behandlung angedeihen zu lassen, und dazu ist es we'entlich, daß die für die Kranken arbeitenden Menbefen nicht überarbeitet sind. Nach sorgfältiger Beobachtun gen find wir zu dem Schlusse gekommen, daß 87 vollbeschäftigte Aerzte neue gebraucht werden und der Rat bat ibre Anstellung genehmigt. ausliefert. Gelingt es der deutschen Polizei auf diese Art ihren Willen durchzusehen, dann ist jeder deutsche Flüchtling im Ausland vogelfrei. Im Bezug auf Borg hat die Gestapo sich aber selbst ver= raten, denn im Steckbrief heißt es ausdrücklich im leßten Jahr". Borg hat aber einen einwandfreien Beweis, daß er fich feit seiner lucht aus der Schuzhaft im Ausland befindet, In den meisten Ländern besteht eine Abteilung der„ Piga für Menschenrechte", die die Interessen aller ner= folgten Antifaschistien vertritt und ihnen Schuß gemährt. Nun ist es eine Frage, wohin soll sich Broß wenden, damit feine Sache untersucht und geklärt wird. Auf die schwedische Polizei und Regierung kann es sich nicht verlassen. Der Fall Bors fordert alle anständigen Menschen heraus zum Protest gegen die verabscheuenswürdigen Methoden der Naziregieruna. Borz steht unter dem Schutz aller Gegner des „ dritten Reiches". Es ist unser Ziel, ie der Pflegerin ein bequemes 3immer für sie allein zu geben mit reichlichem Raum für ihre Sachen und mit fließendem heißen und falten Wasser. Wir wollen ihnen auch Einrichtungen zum Schreiben usw. schaffen. Gegenwärtig find viele unserer Pflegerinnen unwürdig untergebracht. Seit unferem Amtsantritt im März hat der Rat Entwürfe für den Neu- oder Erweiterungsbaut von Pflegerinnenheimen genehmigt, um für 99 Vilegerinnen anständige Wohnungen zu beschaffen. Und der Plan ven 467 Pflegerinnenzimmern wurde vollständig umgeändert, so daß diele jest größer und schöner gemacht werden. Dr. med. Somerville Hastings. Gegen den Rüstungsskandal Kampagne gegen die private Waffenfabrikation J. H. Auf den Appell des amerikanischen Senators Nye, auch die europäischen Länder möchten den privaten Waffenhandel einer strengen Untersuchung unterziehen, antwortete als erste Organisation der britische Friedensrat ( National Peace Council), dessen Vorstand soeben beschlossen hat,„ Schritte zu tun, um in Großbritannien die Kampagne für die Aufhebung der privaten Waffenfabrikation und des privaten Waffenhandels zu verstärken". In Aussicht genommen ist eine große Demonstration in ondon, an der, wie man hofft, auch ein Vertreter der amerifanischen Untersuchungskommission sprechen wird. Ferner denkt man an die Veröffentlichung eines Berichts, der von bekannten englischen Persönlichkeiten unterzeichnet sein und die erwiesenen Mißbräuche in der privaten Rüstungsindustrie enthalten soll. Sodann ist ein gemeinsames Manifest aller Organisationen geplant, die mit der Kampagne sympathisieren. Wahrscheinlich wird die Verstaatlichung oder doch die scharfe staatliche Kontrolle der Rüstungsindustrie zur Parole bei allen fommenden Ersaßwahlen gemacht werden. Der britische Friedensrat begrüßt in einer Refolution die amerikanische Rüstungs- Enquete, beglückwünscht ihre Führer zu dem Entschluß, den Untersuchenden unbeschränkte Freiheit zu sichern, und fordert eine amtliche Untersuchung in Großbritannien, die öffentlichen Charafter, unbeschränfte Handlungsfreiheit und die unbedingte Befugnis haben soll, das nötige Beweismaterial beizubringen. Pariser Berichte Die neueste Sensation Der Mord im Süd- Expreẞ Die Pariser Blätter brachten in sensationeller Aufmachung die Meldung von einem geheimnisvollen Mord und Selbstmord, der sich im Südexpreß Ventimiglia- Paris abgespielt hatte. In Nizza bestiegen zwei Männer, René Betlamini und J. Alibert, den Pariser Zug. Die beiden Reisenden spielten während der Tagesfahrt freundschaftlich zusammen Karten, aßen zusammen im Speisewagen und gingen dann in das für sie bestimmte Schlafabteil. Als der Schaffner die Herren am nächsten Morgen wecken wollte, und die Tür, da er keine Antwort bekam, öffnete, fand er beide tot in ihrem Blute schwimmend auf. Der eine hatte den anderen erschossen und sich darauf selbst das Leben genommen. Bei der Durchsuchung des Gepäcks fanden sich bei Alibert neben 28 000 Fr. in barem Gelde große kostbare Fingerringe vor. Die beiden Toten scheinen nicht, wie man ursprünglich annahm, in irgendwelchem Zusammenhang mit der Bande des jüngst in Lyon verhafteten Polizeiinspektors Mariani zu stehen. Hingegen haben die Nachforschungen der Polizei ergeben, daß beide seit langem gesuchte Mörder sind und die kühnste Fantasie eines Edgar Wallace könnte den Sensationsroman nicht erfunden haben, den hier das Leben wieder einmal verfaßte. Alibert hieß in Wahrheit Josef Ziffer. Er stammte aus Warschau und kam mit 13 Jahren nach Paris zu seinem älteren Bruder, der ihn zu einem Pelzhändler in die Lehre gab. 11 Jahre später rief man den 24jährigen nach Polen zurück. Seine Schwester Lina hatte inzwischen einen Rechtsanwalt geheiratet und sein Bruder, der Reservehauptmann der österreichischen Armee. Waldemar Ziffer, sollte vor einem Familienrat abgeurteilt werden. Dazu brauchte man auch Josefs Hilfe. Waldemar Ziffer hatte nämlich im Jahre 1913 eine Sängerin des kaiserlichen Theaters in Petersburg, Helena Zawuska, geheiratet, die kein Geld, aber schöne Schmucksachen und eine hübsche Stimme hatte. Da diese Heirat für die Offiziere seines Regiments als unstandesgemäß galt, mußte er den Dienst quittieren. Er wurde nun Kohlenhändler, indem er seine Kohlengeschäfte mit den Schmucksachen seiner Frau finanzierte. Aber das Geschäft ging schlecht, die Liebe war verraucht und Waldemar wollte sich scheiden lassen, um eine reiche Frau heiraten zu können. Die Sängerin aber liebte ihren Mann nach wie vor und verweigerte ihre Einwilligung zur Scheidung: Das sollte ihr Unglück sein. Denn der Familienrat beschloß kurzerhand ihre Beseitigung und zu ihrem Mörder wurde der junge Josef ausersehen. Josef Ziffer lud im Jahre 1923 seine Schwägerin zu einer kleinen Reise ein. Ueber Berlin und Paris führte er sie nach dem eleganten Badeorte Le Touquet und dort wurde an einem regnerischen Abend unweit des Kasinos eine Unbekannte von unbekannter Hand erschossen aufgefunden. Bald wurde die Tote als die Sängerin Helena. Ziffer- Zawuska festgestellt, von dem Mörder aber fand sich keine Spur, denn die Familie schwieg, hatte sie doch den Mordplan ausgeheckt. Zehn Jahre gingen dahin. Da erhielt kurz vor der Verjährung der Untat die Kriminalpolizei in Paris einen anonymen Brief, mit dem Hinweis, der Mörder Helenas sei ein Pole. Nun wurde die Untersuchung von neuem aufgenommen mit dem Erfolge, daß die Polizei Josef Ziffer als mutmaßlichen Täter feststellte. Der Mörder aber war verschwunden. Die weiteren Recherchen der Polizei ergaben, daß Ziffer unter dem Namen Alibert in Paris in der Rue SaintLaurent wohnte, wo er sich eines guten Rufes erfreute. Die Nachbarschaft hielt ihn für einen reichen Bankier, der gern spielte. Und tatsächlich ergab die weitere Nachforschung der Polizei, daß Ziffer bei seinem letzten Aufenthalt in Nizza kurz vor seinem Tode die Kleinigkeit von 33 000 Fr. im Baccarat verloren hatte. Nun hat er seinen Reisegefährten Betlamini, den er seit langem kannte, ermordet und sich dann selbst das Leben genommen. Der Grund hierfür läßt sich nur ahnen. Vielleicht glaubte er sich durch Betlamini an die Polizei verraten. Allerdings war auch Betlamini kein unbeschriebenes Blatt. Auch er hat einen Mord auf seinem Gewissen. Einen Mord, der unter noch viel mysteriöseren Umständen begangen wurde, wie der Mord an der Sängerin. Am 14. Oktober 1923 entdeckte ein Spaziergänger im Walde von Soignes unweit Brüssel den Leichnam einer jungen Fr a u, die offenbar einen Schläfenschuß erhalten hatte, der ihr das Leben kostete. Die Tote wurde als eine Französin Yvonne- Henriette Charbois festgestellt, aber das Geheimnis ihres Todes konnte nicht gelüftet werden und die Sache verjährte, ohne daß ihr Mörder zur Rechenschaft gezogen werden konnte, denn er konnte nicht ermittelt werden. Pogrome in Lemberg Furchtbare antisemitische Terrorakte Lemberg, 27. Sept.( 3TA.) Am Sonntag, dem 23. September, überfielen Holigantrupps die jüdischen Geschäfte in mehreren Straßen Lembergs und mißhandelten die jüdischen Geschäftsleute, darunter Frauen und Greise, in grausamer Weise. Sie verprügelten die jüdischen Be= sizer, gossen brennende Säuren in mehrere jüdische Geschäfte in den Straßen Akademicka und Strzyska, wo die 65jährige Frau des jüdischen Kolonialwarenhändlers Danchfeld sowie der jüdische Kaufmann Friedmann und seine Frau schwer verletzt wurden. Eine schreckliche Panik entstand, als die Holigans, nachdem sie die Säuren in die Geschäfte gossen, die Jalousien sowie die Ladentüren von außen schlossen und die in den Läden Eingeschlossenen, deren Kleidung Feuer fing, schreiend und um Hilfe rufend ließen. Auf die Hilferufe eilte eine große Menschenmenge aus den benachbarten Straßen zum Schauplatz, die die Türen der Läden einbrach und das Feuer lokalisierte. Frau Daychfeld sowie der Kaufmann Friedmann und Frau wurden in bedenklichem Zustande ins Hospital eingeliefert. Zur gleichen Zeit wurde der jüdische Student Roth von drei antisemitischen Studenten in der Grodeckagasse blutig geschlagen und schwer verwundet. Es gelang ihm, in das polnische Studentenheim zu entkommen. Wie angenommen wird, hardelt es sich bei den Angreifern auf die jüdischen Geschäfte ebenfalls um antisemitische Studentenrowdys. Die Angreifer entfamen, ohne daß auch nur einer festgenommen worden wäre. Werbt für die., Deutsche Freiheit"! Da plötzlich erhielt genau wie im Falle Alibert- Ziffer die Polizei eines Tages die Mitteilung, daß der Mörder der jungen Französin ein gewisser Martin Charles sei. Martin Charles aber ist, wie die Polizei inzwischen festgestellt hat, einer der vielen Namen, deren sich Betlamini zu bedienen pflegte. Wird je der Schleier des Geheimnisses des Mordes im Südexpreß gelüftet werden? Der Affe Bobby der Stolz des dritten Reiches" Nationalsozialistische Rassenkreuzungen Paris, 28. September. Gaston Benac, der Berliner Sonderberichterstatter des ,, Paris- Soir", schreibt seinem Blatte, Deutschland habe kein Nachtleben mehr, seine Vergnügungsstätten seien nur noch Inseln der Traurigkeit in der Totenstille der großen Städte. Aber mehr als je beschäftige sich Deutschland mit seinen Zoologischen Gärten. Mehr denn zuvor seien die Zoologischen Gärten der Großstädte der Treffpunkt, nicht allein der Jugend, sondern auch aller derer, die in der freien Natur unter Blumen und seltenen Tieren Zerstreuung und Ablenkung suchten. Und die Einnahmen aller Zoologischen Gärten, gleichviel ob es sich um den in Hamburg, Frankfurt, Leipzig, Hannover, Dresden oder Berlin handele, seien so bedeutend, daß diese Gärten ihren Besuchern die besten Exemplare des Welttierreiches zeigen könnten. So besitze Berlin als einzige Stadt in Europa einen Gorilla ,, Bobby", der aufgerichtet 2,20 Meter groß sei. Die Gartenverwaltung habe ihn im Jahre 1928 als fünf Monate altes Baby gekauft. Er sei im Norden des VictoriaNyanca- Sees in Afrika gefangen worden und habe damals nur 25 Kilogramm gewogen. Während die Gorillas im allgemeinen in Europa nicht lange lebten, sie sterben meistens an Lungenschwindsucht, weil die Luft zu feucht ist, sei Bobby nicht nur am Leben geblieben, sondern er wiege heute 218 Kilogramm. Er nähre sich nur von Früchten, die er dugendkiloweise täglich verzehre. Als der Zoologische Garten in Berlin ihn gekauft habe, habe er 50 000 Mark gekostet, heute sei sein Wert unermeßlich. Aber, so fährt der Berichterstatter des„ Paris- Soir" fort, Deutschland habe nicht nur seltene Prachtexemplare von Tieren, es sei auch auf zoologischem Gebiete seiner alten Vorliebe für Versuche treu geblieben und probiere die gewagtesten Rassenkreuzungen aus.( Wie reimt sich das mit der nationalsozialistischen Rassentheorie zusammen? Die Redaktion der ,, D. F.") So lebe augenblicklich ein sonderbares Tier in einem Käfig mit einem Tiger zusammen. Es sei im Jahre 1930 geboren, sein Name sei ,, Bastard", und es sei eine Kreuzung eines sibirischen Tigers mit einer sudanesischen Löwin. Das gelbliche Fell des Löwen sei bei ihm schwarz gefleckt. Und Leipzig habe versucht, eine männliche Hyäne mit einer Bärin zu kreuzen. Andere Zoologische Gärten beschäftigten sich mit der Kreuzung der verschiedenen Affenarten, und sie versuchten biser vergeblich eine Kreuzung der wilden afrikanischen Elefanten mit den zivilisierten und sanften asiatischen Elefanten zu erzielen. In jedem Falle, so schließt der Verfasser seine interessanten Ausführungen, seien diese zoologischen Versuche ungefährlicher als viele andere, die Deutschland mache. Schweizerisches and etsäasisches Worstwarengeschäft Kuchenbackerel, Konditorei, Weine und Liköre Produits Schmid 76, Boulevard de Strasbourg. 8, rue St. Laures: Pacis, bei are de l'Est Telefon 4 Linien vereinigt unter 80TZARIS 61-10 BRIEFKASTEN Colonia. Ihrem Briefe entnehmen wir:„ Ich wurde durch Handzettel zu einer Versammlung der Hitler- Jugend" eingeladen und ging der Wigenschaft halber hin. Die Rede war großes Blech. Nichts als nationalistische Phrasen und unklares Beug. Stenografisch feitgehalten habe ich für Euch folgenden Satz:" Ih babt es dem Führer zu danken, daß Ihr in Deutschland wieder in Freiheit leben könnt. Ob Ihr aber auch in Deutschland sterben werdet, ist zweifelhaft, denn eines Tages wird Euch der Führer über die Grenzen führen zum Kampf, für den Ihr Euer Leben einsetzen müßt." Das war in denselben Tagen, in denen, wie ich in der Deutschen Freiheit" ersehen habe, Hitler und Heß gegenüber jüdischen Frei-. maurern Frankreichs ihre Friedensliebe wieder einmal beteuert haben. " O. D. Kopenhagen. Ihrem Briefe entnehmen wir: In dem Volks fino„ Merrytheater" tam vor kurzem ein Wochenschaufilm. Da war Adolf der Herrliche bei Mussolini. Als dieser Filmabschnitt auf die Leinwand kam, da kam es zu einem schönen Pfeiffonzerte" und Pfuirufen". Am Freitag, dem 14. September 1934, tam die Wochenschau: Adolf bei der Beisezung von Hindenburg. Aber wie auf ein Kommando rief alles, pfiff alles und zuletzt riefen die Menschen sogar:„ Raus mit dem Kerl, raus mit ihm." Ich kann ja nicht gerade behaupten, daß ich darüber geweint, nee, liebe" D. F.", das kann ich nicht behaupten." Deutscher Beamter. Sie schreiben uns u. a.: In unserer Stadt hat sich verbürgt folgendes ereignet:„ Ein Herr, der nach Angabe der Polizeibehörde angeblich zu schnell durch einen Ort gefahren ist, bekam eine Zustellung zur Meldung bei der betreffenden Bes hörde. Der Beamte fragte ihn: Sind Sie Mitglied der A., SS. oder der Partei?" Der Herr verneinte dies, worauf der Beamte erklärte: Dann muß ich ein Protokoll machen." Als der Herr fragte, was denn der Fall gewesen wäre, wenn er einem der drei genannten Verbände angehörte, erklärte der Beamte:„ Dann hätte ich von der Erhebung eines Protokolls absehen können."" Rhenanus. Der neue Regierungspräsident Schmid in Düsseldorf, der aus freiwilligen" Beiträgen aller Beamten, Angestellten und Arbeiter der Düsseldorfer Regierung eine Hitlerbüste beschafft und mit Sieg Heil!" feierlich eingeweiht hat, ist in der Tat identisch mit dem Ihnen so wohl bekannten Schweine- Schmid". Sie er innern daran, daß er sich diesen Namen erworben hat, weil auf seine Anregung hin während des Krieges einige Millionen Schweine vorzeitig ihr Leben lassen mußten, um Schweinefutter für die menschliche Ernährung zum„ Durchhalten" zu retten. Die Schweine haben sich gerächt. Schmids Physiognomie hat sich in den seitdem verflossenen Jahren so entwickelt, daß sie seinen Opfern von damals zum Verwechseln ähnlich sieht. Weniger eindeutig war seine politische Entwicklung. Im Kaiserreich war er Monarchist, und zwar so stort, daß er sich erfolgreiche Mühe gab, während des Krieges sein foftbares Leben für seinen Raiser zu erhalten. So konnte er sich denn am 9. November blitzschnell zum Republikaner bekehren und unter Ebert und Stresemann Generalstaatskommissar für den Ruhrkampf werden. Nach Stresemanns Tod ging er mit der Kons junktur nach rechts, aber nur bis an die Seife Hugenbergs. Was ist zu machen, wenn der sich nicht halten kann? Man geht mit Gehalt und Pensionsberechtigung zu dem nächsten Machthaber treudeutsch über. Sieg Heil!" dem neuen Führer! Freibleibend und Rückversicherung vorbehalten. Aus Ostpreußen. Was es doch alles gibt! Auf was für Jdéen die Nazis kommen, um Wahlen zu kontrollieren! Direkt genial. In der Kleinstadt, in der Sie leben, hat der Wahlvorsteher ein Butterbrot neben sich liegen gehabt und hat bei verdächtigen Wählern und Wählerinnen versehentlich" einen Fettfleck auf die Kuverts gemacht. So konnte er später wenigstens summarisch nachprüfen, ob der Verdacht gerechtfertigt war. Horatio Dank für„ Auch ein Erlöser". Aber der Abdruck würde uns unzweifelhaft ein Verbot eintragen. Das ist uns der, den es angeht, nicht wert. Schleswig- Holstein meerumschlungen". Ihr teilt una mit:„ Der Cberpräsident der Provinz Schleswig- Holstein, der Nazi- Gauleiter Lohse, hat die ihm unterstellte Provinzial- ,, Höfebant" gezwungen, der Hitlerjugend zwei wertvolle Siedlungen im Kreise Segeberg zu schenken. Auf beiden Gütern sollen dauernd 20 Hitlerjungen zur „ Erholung" untergebracht werden. Es ist öffentliches Geld, es sind die Groichen der Steuerzahler, mit der die Höfebank am Leben erhalten wird. Und was sie verschenft", ist ein Diebstahl an der Allgemeinheit." Stehlen ist Staatsprinzip im dritten Reich". H. K. Paris. Sie senden uns die gleichgeschaltete„ Deutsche Presse" mit einer Besprechung des Deutschen Führerlerikon". In diesem Buche findet man mehr als 1600 Biographien, und der Verlag hebt cusdrücklich hervor, daß nur die Biographien solcher Männer aufgenommen worden sind, die ein führerisches Amt im neuen DeutschLond, sei es in Bewegung, Staat oder Ständischem Aufbau, befleiden". Tas muß wirklich ein ganz verfühererisches Werk sein. Literatur Alfred Kerr:„ Die Diktatur des Hausknechts". Les Associes, Editeurs, Bruxelles. „ Die neue Weltbühne"( Prag X, 3izfova 4c). Ueber die Prosperity in der Sowjetunion, über die Entwicklung der sowjetrussischen Industrie und über Angebot und Nachfrage für russische Waren berichtet Louis Fischer. NSDAP. in Südamerika heißt ein Artikel von Herbert Häffer, der die Beziehungen zwischen dem dritten Reich" und den Auslandsdeutschen in Lateinamerifa, die unterirdischen Vorbereitungen für den Kriegsfall und die Bemühungen Deutschlands aufzeigt, für diesen Fall Bundesgenossen in Südamerika zu erwerben. Ein Auffah Sans Konrads erzählt von der Entwicklung Sombarts bis zu seiner Gleichschaltung. Ueber Kanonenkönige schreibt Hermann Budzislawski, Werner Türk fritisiert Restens neues Buch; mit Vistra und Wollstra, den beiden neuen deutschen Stoffen, beschäftigt sich Heinz Polas Artikel. Außerdem enthält die Nummer einen Bericht über„ Unterwühltes Italien" und zwei Sonette von Johannes R. Beder. Für den Gefamtinhalt verantwortlich: Johann Pis in Dude meiler: für Inferate: Cttp u bn in Eaarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Volfestimme GmbH., Saarbrüden 8, Schüßenstraße 5. Echließfach 776 Saarbrüden. Berühmte Hellseherin Mme Maria ZENI Dr. ès- sciences occultes Astrologie, Chiromancie Cartomancie, Psychoanalyse spricht geläufig deutsch 62, rue de la Rochefoucauld( i. Hot, Tr. C. 2. Stock rechts Täg ich 2-7 Uhr außer Donnerstags Metro: Piga le Chirurg.- Mediz. Klinik Dr. Ettinger 168 ter, Avenue de Neuilly, NEUILLY- sur- Seine, Tel.: Maillot 95-50. Ständige Betten. Dauernder ärztlicher Tag und Nachtdienst, Konsultation erster Professoren. Stationskranke pro Tag ab 40 Fr. Entbindungen. Gewissenhafte Behandlung. Jeglicher Komt. Kabinett für X- und ultraviolette Strahlen. Lichtbäder. Teilweise und ganze Entfettungskur, Hochfrequenz. Diathermie, Persönliche oder schriftliche Auskünfte auf Wunsch Gute Geldanlage oder Teilhaberschaft Für Vergrößerung bekannten Restaurants Monaco ( Monte- Carlo) werden 120 1500 0. Fr. gesucht mit stiller oder tätiger Teilhaberschaft, Ausbau mit Laden für Sport oder Luxusartikel ist beabsichtigt. Keine Steuern. Näheres: Mr. André, 20, rue Grimaldi, Monaco. INSERIEREN BRINGT GEWINN