Sinzigs unabhängige Tageszeitung Deutschlands Nr. 228— 2. Jahrgang Saarbrücken, Dienstag, 2. Oktober 1934 Chefredakteur: M. B r a u n lüickuHg, einet ntnprtfiitbeit Elemente versüge, Die Wirkung einer Rede A. Ph. Paris, 1. Oktober. 1B o n« ii f c r e m Korrespondenten) Innerhalb seiner im„Gringoire" veröffentlichten Ri/iortage„Hitler am Scheidewege" erzählt Xavier de Hauteclocque an Hund eines originellen Erlebnisses heute ton der gefährlichen Wirkung der Rede, mit der Hitler das Blutbad des 30. Juni im Reichstag zu begründen versuchte. Der Journalist hatte vergeblich versucht, eine Karte für Oiclärfitcr veruumm.„ die Reichstagssitzung am 18. Juli im Krollsaal zu erhalten. jp itIcr lt)irb ij&cr d,e Verbrechen" sorecken Die französische Botichasi konnte seinen Wunsch nicht erfülle», —■-<«„ t.rhft nur über zwei Karten verfügte. Da kommt er„ii!«®,. erzählt nun, wie die-tin ----- nn, welche Wirkung sie au> seine Zechgenostcn fin».,.,, faUinicrt zu. 31 Die Spannung in FranHreKü Faschistische Drohungen Paris, 1. Okt. Tie Frontkämpservereinigung Feuerkreuz, die es abgelehnt hatte, sich an den offiziellen Marneschlachtseiern am 8. September zu beteiligen, ließ am Sonntag - linken Nationalsozialisten veoaucri.- tcr des„Völkischen Beobachters" die Journalisten, die man am 3«. Juni getötet hat? Um von ihnen vertrauliche Mittei- luugcu zu erhalten, erklärt der Journalist, setze ich meinen Gästen ein üppiges Tiner vor. das natürlich gehörig begos- sen wurde. Bis 8.3.") geht alles gut. Gott mein, welche schrecklichen vertraulich gegebenen Informationen ich über das Gemetzel des 30. Juni buchen kann. Dann Geräusch im Lautsprecher. Das Gelächter verstummt. Man erstarrt, man lauscht gespannt: •|»!„ owhvprfipn sprechen. Rocque, hielt eine Anipramc,>» on H IH L reich über alle geistigen und moralischen Elemente verfüge die für seine Wiedercrhebung nolivendig seien. Wer Frank- reich angreife, könne sicher sein, daran zu zerbrechen. Im übrigen betonte der Redner das Recht der ehemaligen Frontkämpfer aus bestimmenden Einfluß im politischen Leben. Ohne die ehemaligen Frontkämpfer sei keine Aus- söhnung und keine Ordnung möglich. Paris, 1. Okt. Bor einigen Tagen hatten die Blätter der marxistischen Einheitsfront Straßenkundgebungen angekün- digt, die am IS. Oktober mit einem Aufmarsch der sozialisti- Meine vier Gäste hören wizinicri*».->»>. scheu und kommunistischen Stoßtrupps beginnen sollen. Tie Minuten zuvor noch daS Blutbad beklagt. Jeder hat sich mehr rechtsstehende Bereinigung der ehemaligen Frontkämpfer oder weniger über Hitler lustig gemacht. Jetzt aber träumen sUNC.l hat nun ihre UDO Oft) Mitglieder ausgefordert, sich beste. Diese Atmosphäre von Kraft, dieses Gepolter über das reit zu halten, ebenfalls aus die Straße zu gehen. In einen srech mit Füßen getretene Blut berauscht sie. bringt sie auger~ u------ ing timine Hitlers klingt, Fällung. „Wie gut er spricht", murmelt der Journalist. Und der Lette, Rosenbergs Mitarbeiter. sagt immer wieder:„Das Ausland wird das alles genau so hören." Der adlige Grund- besitzer ist vor Freude außer sich. Der Fememörder murmelt mit gespanntem 3Mick, dabei macht er den Eindruck eines bc- trunkenen Menschen:„Welch glänzender Beweis!" Umsonst ivar mein Diner bei Pfuhl! Man hätte sagen kön- neu, daß niit Hitlers letztem Wort die vier Vertreter der w-. 6...„ nrf, mfr Kreundschaftsbeteue- reit zu halte«, ebcnsalls auf die Straße zu gehen. In einem Maueranschlag, der heute überall verbreitet werden soll, wird erklärt: Tie gemeinsame Front will am 13. Oktober ~..s-ÄivnBn linfin« m<> ginhp in Paris zu stören. die Rcichsiagsuv«»»-P.. Die französische Botichast konnie seinen Wunsch nicyi: er»,.«.., mm mm»»» W W ,n der Stresemannstraße ein. Er stellt uns seine Gäste vor, hier sind sie: ein Regiernngsdircktor, recht guter Freund eines national- sozialistischen Ministers und bedeutender Mitarbeiter deS „Völkischen Beobachters") ein Lettländer, der mit Noscnbcrg zusammenarbeitet, dem wirklichen Außenminister; ein junger 3ldligcr, mecklenburgischer Großgrundbesitzer, bellen angesehener Vater den Führer» der hitlerischen Agrar- politik als Berater dient; der vierte Gast, der seltsamste, ist ein ehemaliger Feme- Umsonst ivar mein«rwci mördcr.„Dieser grobschlächtige Bursche mit dünnen semmel- neu, daß mit Hitlers letztem Wort die vier Vertreter der am Samstaa», blonden Haaren, blafscr Farbe und unstetem Blick in seinem deutschen Elite, die eben noch mit mir Freundschaitsbetcue- bezahlte irf)iipftn«+,. cu,c mehrere Einkäufe uno schwammigen Gesicht". so sagt der französische Journalist,„bc- rungen ausgetauscht hatten, noch das GlaS in der Sand, mich nuten später raiwGolddollarnvte.. Wenige Mi- sudelte sich mit einem jener schrecklichen Morde, die unter den""" ü»icr 3lbschicd vollzog sich in den Formen entlang bieite,,.1 J m raftinaflcit die Straße Führern des demokratischen Deutschland ausräumten. Er tat'.."'..?e>chäsc und eine ganze Anzahl «s mit dem Maschinengewehr. Darüber hat er ein Buch gc«' schrieben, dessen Ucbersetznng im Auslande sehr gesucht ivar. Er trägt jetzt eine ziemlich gefährliche Hitlergegnerschaft zur wird erklärt: Tie gemeinsame Front wiu am w. auf die Straße ziehen, um die Ruhe in Paris zu stören. Kameraden der URE.. haltet Euch bereit, für die Ordnung in der Hauptstadt zu sorgen! Die Lindbergh-Psudiose Nenyort, 1. Okt. In einem Geschäft der 5. Avenue machte am Samstagnachmiltag eine Tame mehrere Einkäufe und bezahlte ichließlich mit einer Golddollarnote.. Wenige Mi- vnnaen ansaetauscht hatten, nom oas wtuv... nuten später rasten mehrere Pottzcikrastwagen die Straße Wciitfit" io nun oh«■ nickt mehr kannten. Unser Abschied vollzog sich in den Formen entlang, hieltenvor dem Geichäs, und eine ganze Anzahl schwammige« GestMl. so, g Morde, die unter den menr r Teleionanrufe blieben von da Polizeibeamte, darunter etwa ,echs Detektive, begaben sich sudelte sich n'.t eine,n^r'Mreaunw^ Er tat si«" v»»«««.«r.e.e F,^adeu. Im Nu hatte sich eine nach Tausenden zählende Führern dcs^deniv. it, u, ln. X(lvilbcv hat er ein Buch gc-"» u^ man darüber lachen. Menschenmenge angesammelt. Die vo» allen erwarleic Sen- " iebenfalls$a tte» Mtsc©ettretex der Oberschicht Blut gerochen,'at.on bl.eb ledoch aus. Der übereiiriae«eickäslsinbabeä Aedriniig der luden Berlin, 80.Sept. sZTA.i Einem Bericht des Kölner„West- deutschen 3tevbachters" zufolge hat Gauleiter Staatsrat Grobe in einer aus einerl oen Zieilhsarvenstutirer Hierl als lebenslängliches Mitglied in den Reichsbauernrat bernsen. König?llerander und Königin Mari» von S ii d s 1 a w i c n sind von ihrem dreitägigem 3lesuch bei dem hnlgarischen Königspaar in 3ielgrad wieder ecn» getrossen. Eine Verbrecherbande überfiel am Sonniagsrüh in der Nähe von St. Jacobs in Illinois j3lmerikas ein Gasthau», in dem vier Gäste, zwei Männer und zwei Frauen, beim Früh- stück saßen.?lllc vier gehorchte» sofort dem Rnse„Hände hoch!" Der Gastwirt Jackson jedoch, der sich nicht ohne Wider- stand berauben lasten wollte, griss zum Revolver und tötete einen der Zlanditen. Es entstand ein wildes Feuergesecht, in dessen Verlans sich der Wirt einen Augenblick zurückzog, um seinen Revolver neu zn laden. Diese Pause benutzten die Verbrecher, um eine» der wehrlose« Gäste und eine» alten üfll S k»^^* .»v<- IS. OSVsV HUasC n ,v irtwtumien ymue m»>"»"" Verbrecher, um einen der wehrlosen Gäste und einen alten sie Bankiers und Hauszuden der ahnungslos das Hans betrat, zu erschießen. Der betragt, hat uaa„ie^--»per-Eabinetf: Hcnrq Mor- daraus den Kamps mit frisch geladenem Revolver tu einem»Ueberkabmelt\«^ ,„ikanischer"«otfchaster„cteai aus und tötete einen zweiten Bandtten. Hieraus genthau. Zeile 2«aus VMf™»™ Dr. Mvrdecha.» on ten bU Banditen den Rückzug an nnd fuhren unter Mit. w Parisj. Dr. S°mue>„ung" der^ ihrer beide» tote« Komplicen in ihrem Kraftwagen befiel, Dr; Herbert Fei? usw. r- na... trankenhaus in St. Jacobs hielten sie ccnen?»ugo»v.>»«». warfen die Leichen aus das Pflaster und machten sich dann ans dem Staube. —''- gr' tu Par.Sf,^untuv« v.,..., Ezckiel, Dr. Herbert FciS usw. 3lu der„Erneuerung" der Industrie sind folgende Hebräer schweißtriefend(für ihre Tüschen> bemüht: Sidney Hillmau, Rose Schneidcrman (ein Oberbolschewik und Freund Litwinow-Finkelsteiusj. Dr. Lee Holman, Louis Kirstein, Gerald Swvpc usw. 3lmerika, Quo vadis?" 3lmertla, r.:uo vao.o- Herr Rojenberg ist bekanntlich der geheime Außenminister des„dritten Reiches". Großmütter auf Weltreisen „Es wird jedem politischen Leiter verboteh, zwecks Nach- sorschung seiner arischen Abstammung im 3lusland mit den entsprechenden deutsche» diplomatischen oder konsularischen Vertretungen direkt in Verbindung zu treten." Aus einem Erlaß des Bayreuth« Ganamtsleiters, veröffentlicht in der„Bayrischen Ostwacht". Die Gebeine der arischen Großmütter scheinen sich demnach, um den stündigen Belästigungen zu entgehen, ins Ausland geflüchtet zu habe». i,..nu.iin. virraa. traten die Bandtten den Rückzug an nnd fuhren unter Mit- nähme ihrer be'de« toten Komplicen in ihrem Kraftwagen davon. Vor einem Krankenhaus in?t einen 31ugenblick an. warfen die Leiche, nachten sich dann aus dem Staube. Die Schwarzhemden veranstalteten an, Sonntag abend eine Kundgebung ,n Manchester. Obwohl auch dir Gegner zu Kundgebungen ansgemsen hatten, sind kein Zwischen- (alle vorgekommen. Dem Berich, der„Times" zufolge soll Sir Oswald Mösle« in seiner Rede in sehr scharfer Form gegen die Juden«tellung genommen haben. Neuer Schupo-Gruß Der Befehlshaber der deutsche,, Pol.ze, General Daluege ha, einen Erlaß herausgegeben, wonach d*e Abteilungen bet Polizei zukünftig Hitler nickt mehr mit„Heil H.tler. fondern mit ,^>eil mein Führer" präsidcmen^und"- om""ußischen Mini ...... ,„»vr.n m„„vetl mein Führer" zu Der Erlaß wurde vom preußischen Minister- dem preußischen Innenminister genehmigt. .» „Scham und Trauer Die Protestkundgebung der Bekenntnissynode Die Kundgebung des Bruderrates der Bekenntnis• bewegung zur Einführung des Reichsbischofs ist ein so wichtiges Dokument, daß sie eine ausführliche Wiedergabe verdient. Sie hat folgenden Wortlaut: „Am 28. September soll Reichsbischof Müller feierlich in „Ulli w-Vf.v' sein Amt eingeführt werden, ihren Abschluß, die alle .e,w»in ,tviM ,IM,>> Damit findet eine Entwicklung WMWWWW» o a» l, in i t tiefer Schau, und Trauer erfüllen m u ß. Gerade in diesen Tagen erfährt die kirchliche Lage eine wc- sentliche Klärung. Ministerialdirektor Jäger hat am "eptcmbcr in Stuttgart vor vielen Zeugen die wahren offenbart, die die llteichskircheuregterung erreichen Er hat dort ausgeführt:.Bekenntnisse sind wandlungs- ......... Das Bekenntnis muß im Lause der Entwicklung neue Elemente in sich ausnehmen; als Endziel steht vor uns die Ueberwindung der Konfestion, die Sleseitigung der religiösen Spaltungen im deutschen'Volke. 3lm Ende sehen wir eine Zl a t i o n a l k i r ck e. Das kann nicht diktiert werden, das kommt und entwickelt sich von selbst." Mit diesen Ausführungen hat Jäger ausgesprochen, daß die kirchlichen Bekentnisse zugunsten einer übertonsestionelle,, 3iationaltirche beseitigt werden sollen nnd daß au die Stelle des christlichen Glaubens eine n v r d i i ch ch r i st l i ch e M i s ch r e l i g i o n treten soll. Damit gibt die Reichskirchenregicrung den Glauben und die Kirchen der Reformation preis. Es war schon bisher nicht glaubhast, daß die Reichskirchenregierung ihren unwahrhaften nnd gewaltsamen Maßnahmen 8._ Ziele will fähig Scheidung muß die christliche Gemeinde sehen, anerkennen und vollziehen. Es ist dem Reichskirchenregiment durch seine rechts und bekenntniswidrigen Ecngrisse gelungen, trotz dem ÄLidcrstand der bekennenden Gemeinden alle rechtmäßigen kirchlichen Führer und Bischöfe, abgesehen von Bayern und Hannover, aus ihren Aemtern zu entferne», die G e- m e i n d e II zu entrechten und ein G c w a l t r e g i- m e n t auszurichten. Man wird jetzt versuchen, dieses Werk zu vollenden und dabei noch stärker als bisher die Predigt des lauteren und unverkürzten Evangeliums zu unter- drücken. 3lngesichtö dieser Gefahr, die bereits zu unerträglichem Gewistenddruck und zur Verfälschung der kirchlichen Verkündigung, zu Maß- regelungen und Absetzungen geführt hat, sieht es der Bru- derrat der Bekenntnissynode der deutschen evangelischen Kirche als seine ihm von Gott gewiesene 3lusgabe an, dafür zu kämpfen, daß der evangelischen Christenheit die frohe Botschaft erhallen bleibt. Darum fordern wir bekenntnis- treue Pfarrer, 31elteste und Gemeindemitglieder aus, weiter- hin alle Kraft an die Sammlung der bekennenden Gemeinde zu setzen, damit unserem Volk die Kirche des Evangeliums erhalten bleibe. Nur diese Kirche, gegründet aus Gottes Wort, nach de» Bekenntnissen der Reformation, vertreten jn der Bckcnntnissynode nnd ihrem Bruderrat. ist die rechtmäßige deutsche evangelische Kirch c." Koch. schon mit ihre» unwahrhaften uno hu lediglich äußere organisatorische Ziele im Auge hatte Heute kann keiner mehr daran zweifeln, daß der Kamps in der Kirche um die grundlegende Geltung des reformatorisch verstandene» Evangeliums geht." Jn dieser Stunde sehen wir uns zu der folgenden Erklärung an die Gemeinden genötigt:. Wir verwerfe,, die Irrlehre, die über die Bekenntniste hinweg eine deutsche National- kirche mit deutschgläubigcm Einschlag erstrebt'Keil sie das tun. haben sich der Reichsbischof Müller und d« Rechts walter Jager sowie alle, die ihnen Gefolgschaft leisten, von der christlichen Gemeinde geschieden. Diese Religion nnd S1 euerharle Wie die Kirche zu Bekehrungen kommt Man schreibt uns: Ich bin 1927 aus der Kirche ausgetreten. Jetzt bekomme ich von meinem Finanzamt eine„31ufscrde- rung". ans der hervorgeht, daß„die Bezeichnung„keine Reil- gion" nicht mehr zulässig" ist. Ferner können die Behörden das Zlekenntnio der Religion„durch Geldstrafen, bzw H«s, im Nnvermögensfalle erzwingen". Es ergibt sich die interessante Frage: Was würde mit mir geschehen, wenn ich niemals einer Kirche angehört hält«''-' Müßte ich mich dann«zur Vermeidung von Hast oder Geld- strafe" taufen lassen? DaS Finanzamt verlangt ausdrücklich, daß der erfolgte Austritt nachgewiesen wird.(Das Wort„nachgewiesen" ist in der Aufforderung unterstrichen.) Nun genügte seinerzeit eine einfache Erklärung vor dem Standesamt, um den Aus- tritt aus der Kirche zn bewirken. 31ui besonderen Wunsch tonnte man gegen Zahlung einer Verwaltungsgebühr in Höhe von 9,sitz NN!, eine 31nstriltsurknnde bekommen, die in der Regel nach einer Frist von drei Tagen ausgehändigt wurde. Sehr viele Genossen haben seinerzeit ans geldlichen Gründen oder wegen Zeitmangel»— man mußte seinerzeit teilweise wegen Uebcrsüllung der Standesämter stundenlang warten— aus eine AuSlriltsurkunde verzichtet. Ihnen ist eS heute nickt mehr möglich, die 31ustrittsbeschcinigung beizu- bringen, so daß sie zwangsläufig wieder in die Kirche ein- gegliedert werden. Ganz abgesehen hiervon, wäre ein Be- harren auf ihrem Standpunkt unter dem moralischen Druck im„dritten Reich" ein geradezu wahnsinniges Untersangen. das„wegen Sabotage des nationalen 31uibaus" sofort mit Kündigung, wenn nicht sogar mit Konzentrationslager guittiert würde. UeberaU fehlen Pfarrer Nach einem von kirchenamtlicher Seite herausgegebenen Ueberblick ist die Zahl der unbesetzten Psarrstellen in Deutschland immer noch sehr groß. Ten größten Piarrer- mangel von allen preußischen Provinzen hat die Kirchen- provinz Sachse n, wo von insgesamt Ibstl geistlichen Stellen k>33 am Zählungstage unbesetzt waren. Etwas günstiger liegen die Verhältnisse i» d"•»„.«->• v»V I Hl Ü I Eine neue Rasse: Devisenarier Nach einem Erlaß des preußischen Kultusministers darf iü Zukunft auch bei den gewerblichen kaufmännischen und hau»- wirtschaftlichen Fachschulen. die Zahl der nichtarischen Studierenden, ebenso wie bei den nbri-en Schulen.!„'> Pro- zent der Gesamistudicrenden nicht übersteigen. Jn dem Erlaß wird aber ausdrücklich betont, daß./Angehörige ausländischer Staaten ohne Rücksicht aus ihre Abstammung nicht zu den Schülern nichiarischer Abstammung zählen. Tie sind auch bei der Feststellung der Anteilszahl von 1,5 Prozent außer An iatz zu lasten" Da» heißt, daß dank der ausländischen Devisen die ausländische Juden nach Deutschland bringen, die Rassenlehre außer Kraft gesetzt wird— das Bankkonto die arische Großmutter ganze Die Heidelberger Abrede hre Dedeotung für den saarländischen Sozialrentner n. Jtäit haben in unserem ersten Artikel die Bedeutung der »H eidelberger jl^b rede" iür die zukünftige Volks- a b st i m m u n g im Saargebiet erläutert und dabei darge- legt, daß im Falle einer Abstimmung für den«latus quo die Bestimmungen dieser Abrede inKraktbleiben, dan also die Renten gesichert sind. Haben wir damit den all- gemeinen R e ch i s st a u d p u n k t dargelegt, so wollen wir heule, vielfachen Wünschen entsprechend, an Hand der ein- ichlägigen Paragraphen der Abrede erläutern, wie das V e r- lahren für die Rentenfeftscyuug usw. eigentlich ist. und welche Rechte der saarländische Versicherte hat. Zunächst besagt das Abkommen im 8 16, dag selbstverständ- licfi, wenn Beiträge n u r bei den saarländischen Versicherungsanstalten geleistet sind, auch diese ausschließlich zu- ständig sind, dag also hier irgend eine deutsche Versichernngö- oustalt^bei der Rentensestsetzung keinerlei Einslutz ausüben kann. Tas gleiche gilt natürlich umgekehrt. Hingegen ist weiterhin ausdrücklich bei solchen Versicherten, die bei den Manen beider Länder Mitglieder waren, durch den§ 18 teil gelegt, dag die anrechnungssähigcn Bcitragszeilen und Eriatzzeilen, die in dem einen Gebiet zurückgelegt sind, von dem Versicherungsträger des anderen Gebietes bei der Er- fiillung der Wartezeit und der Prüfung der Anfrechierhai- tung der Anwartschaft m i t b c r ü ck s i ch t i g t werden wunen Rcntenanträge können bei den Versicherungsämtern oder bei den Versicherungsträgern selbst sowohl des einen wie des anderen Landes gestellt werden, die Gutachten der Veriicherungsämter müssen in beiden Ländern anerkannt werden»8 Iis. Zur Entscheidung über den Rentenantrag ist der Versicherungsträger des Gebiets berufen, in welchem der Versicherte wohnt. Wohin er a u st e r h a l b beider Ge- biete»das gilt also beispielsweise für einen Saarländer, der aus irgendeinem Grunde seinen Wohnsitz in das benach- barie Elsast-Lothrinqrn verlegt hat», so hat über seinen An- «tag derjenige Versicherungsträger zu entscheiden, bei wel- wem der Rentcnantrag eingeht oder zuerst eingeht. Seine .Feststellung, daß der Veisicherungsfall eingetreten sei, bindet ohne weiteres den Versicherungsträger des anderen Landes<8 17». Ter Saarländer wird sich demzufolge in allen Fällen mit seinem Antrag an die saarländischen Kasten wenden Er brauch, dann weder zu fürchten, dast sein Antrag vcr- schleppt wird, noch auch, dast seine Ansprüche an die deutsche Versicherung abgewiesen werden, weil ja die Entscheidung der saarländischen Kaste, dast der Vcrsicherungssall eingetreten sei, die mitbeteiligte deutsche Kaste ohne weiteres verpflichtet. Andererseils besagt der 8 18, dast im stalle der Ablehnung der beteiligte Versicherungsträger des anderen Gebiets nicht benachrichtigt wird. Tos ist insofern wichtig, als beispielsweise die Altersgrenze, bei der automatisch die Pension gezahlt werden must, z. B. für Arbeiter unter Tage, in Deutschland und im Saargebiet verschiede» ist. Ein Saar- länder, der zwar das äst., nicht aber das Lebensjahr vollendet hat. und der wegen angeblich noch vorhandener Arbeitsfähigkeit von dem saarländischen Versicherungsträ- ger abgewiesen wird, Hai also immer noch die Möglichkeit, einen weiteren Antrag direkt an die mitbeteiligte deutsche Rcichsknappschaft zu stelle», da er hier wegen der niedrigeren Altersgrenze den Nachweis der Arbeitsunfähigkeit nicht mehr zu erbringen braucht. Weiterhin ist noch wichtig, dast in dem gleichen 8 18 fest- gesetzt ist, dast der Versicherungsträger des anderen Ge biete» die von ihm von der.Masse, wo der Antrag gestellt ist, übersandten Akten binnen einem M n n a t mit einer Berechnung der von ihm nach den gesetzlichen Vorschriften seines Gebiets zu tragenden anteiligen Rente zurückzugeben hat. Es kann also in allen Fällen der saarländische Vcr- sicherungsträger sogleich danach den Versicherten den Bescheid über die Gesamtrenlcn und ihre Zusammensetzung erteilen, und der so häufig vorgekommene Fall, dast An- tragsteller aus die ihnen zustehende Rente warten müssen, weil angeblich die deutschen Stellen bit Akten»och nicht zurückgesandt hätten, ist hiermit ausdrücklich als der Abrede zuwiderlausend festgelegt. Es ergibt sich daraus ohne wei- »eres die Möglichkeit entsprechender Beschwerde. Weiser ist wichtig der 8 28, der bestimmt, dast der G r u n d- betrag der Rente im Verhältnis der Zahl der nachge- wiesenen anrechnungsfähigen Wochenbeiträge gemährt wer- den must. und dast die Zahl dieser Beiträge, die der für den Antrag zuständige Versicherungsträger festgestellt hat. auch tür den anderen gilt. Sind für den Versicherungsträger eines Gebiets weniger als 2t> anrechnungsfähige Wochenbeiträge nachgewiesen, so Hai der des anderen Gebiets den Grundbetrag ganz zu tragen. Zu diesen Grundbeträgen treten dann r-?ils die Steigerungsbeträge, serner wie schon g>. der R e i ch sz u sch u ß l8 1285 RBO.s, den der Veri..„erungsträger des Gebiets, in dem der Be- rechtigte wohnt, zu tragen hat»88 2S und 27 der Abrede). 3 Tie Renten werden festgesetzt einerseits in Reichs- mark, andererseits in Franken, wobei die saorlän- dische Kaste monatlich an einem bestimmten Tage den Wer» der Reichsmark festzustellen und in Franken auszuzahlen hat. Ta diese Umrechnung auf Grund jeweiliger Anweisung der Regierungskommission erfolgt, so ist der saarländische Versicherte vor Währungsverlusten geschützt und erhält leine gesamte Rente durch die saarländische Kaste in Franken. Was die W o ch e n h i l s e angeht, so obliegt Meie den Krankenkassen, die jeweils von der Regierung ihres Ge- bietes die Leistungen erstattet erhalten. Tie Entschädigung für Unfälle, ftte sich im Saargebiete ereignet haben, obliegt bekanntlich den saarländischen Bc- ruisgenostenichasten. Ergibt sich bei der Unfallversicherung ein Streit darüber, ob eine säarländiiche ober eine deutsche Bcruisgenostenichast zuständig sei, so entscheidet darüber wie auch über etwaige Streitsragen in einem Vcrteilungsver- fahren gcmäst 8 171» RVC. endgültig ein Schiedsgericht, über besten Bildung der§ 40 der Abrede das??ähere enthält. In der Kranken-, Invaliden-, Angestelltenversicherung und knappschaftlichen Pensionsversichernng entscheidet bei Streit über die Höhe der Rente das Oberversicherungsamt des Gebiets, in dem der Versicherungsträger, denen Berechnung angefochten wird, seinen Sitz hat. Jedoch ist bezüglich der Krankenversicherung noch die Son- derbestimmung gegeben, dast. salls der Versicherte zur Zeit des Antrages in dem einen Gebiet wohnt, in dem andere» aber beichailigt ist oder war. er bei Streit über Leistungen die Wahl zwischen dem Versicherungsamt seine» Wohn- ortes oder dem seines BeschästignngsorteS bat. Gegebenen- falls entscheidet bei der Zuständigkeit mehrerer Versiche- rungsämter dasjenige, das zuerst angegangen worden ist »88 12. 43 der Abrede». Auch hier wird der särländischer Versicherte sich natürlich an ein saarländisches Verstcherungsamt wenden. * Sonderbe Kimmungen sind darüber getrofsen, wenn mehrere Krankenkassen beider Gebiete beteiligt sind. In diesem Falle soll das Reichsversicherungsamt nach Be- nehmen mit dem Landesversicherungsamt für das Saar- gebiet das zuständige Versicherungsamt bestimmen. Tie gleiche Vorschrift, dast das Reichsversichcrungsam« noch Be- nehmen mit dem Landesversicherungsamt für das Taarge- biet aus Antrag zu entscheiden hat, gilt auch für den Streit- sall, ob für bestimmte Personen Beiträge zur Invaliden- Versicherung an deutsche oder an saarländische Kasten zu cnt- richten sind sowie bei einem Streit zwischen einem deutschen und einem saarländischen Verstcherungsamt. Endlich ist es besonders wichtig, noch den 8 30 der Heidelberger Abrede zu erwähnen, wonach bei Einlegung von Rechtsmitteln die gesetzlichen Fristen auch dann noch als gewahrt gelten, wenn das Rechtsmittel recht- zeitig bei einer Behörde oder einem Organ der Sozialver- sichern»« des anderen Gebietes eingegangen ist. Ter saarländische Versicherte, der also gegen eine Renten- lestietzung, eine Rentenkürzung oder einen abioeiscnden Be- scheid eines deutschen'Versicherungsträgers Einspruch er- heben will, kann in allen Fällen also sein Rechts- mittel im Saargebiet selbst einlegen, und hat dann nicht zu befürchten, dast durch irgend welche Grenzsperren oder dergleichen sein dieses Rechtsmittel enthaltender Brief entweder verspätet ankommt oder vielleicht sogar angeblich verloren geh». Man sieht aus den hier angeführten Paragrafen, dast der saarländische Rentenempfänger aus Grund der Heidel- bcrger Abrede eine Menge Rechte hat, von denen ihm bisher manche nicht bekannt waren. Man sieht ferner daraus dast die so häufig bei Pensionsberechtigten, die ihre Pension sowohl von saarländischen als auch von deutschen 'Versicherungsträgern zu fordern haben, eingetretenen Verzögerungen, weil angeblich die Rentenfestsetzung durch die eine oder die andere Stelle noch nicht erfolgt sei, ausdrücklich gegen den klaren Wortlaut des Abkom- mens verstosten. Wir können nicht umhin, die Auf- sichtsbehördc aus diese zahlreichen Fälle hinzuweisen, und wir möchten wünschen, dast die zuständige Stelle der Regierungskommistion die notwendigen Schritte tut. damit auch wirklich in allen Fällen der Heidelberger Abrede entsprechend verfahren werde. I. St. Das Erntedarrefest an der Saar Die Diamade des Pfarrers Wilhelm Saarbrücken, 1. Oktober 1034. TaS„Erntedarr6fest". das die braun-agrarische„Saar- bauernschast" auf Befehl des Erbhos-Meisters Darre ver- austaltete, blieb ziemlich unvolkstümlich und war kein Er- folg. Bei den Erntegoltesdiensten, die ja längst vor Hitler stattfanden, predigten die Geistlichen des Saarlandes häufig ganz anders, als der Ttabslciter für„Brauchtum" das von ihnen erwartete. In einer bedeutenden Saargemeinde wies ein Geistlicher zum Beispiel beim Erntegottesdienst ausdrücklich darauf hin. daß Christus durch das ganze alte Testament gegangen sei, auch wandte er sich iu katholischem Geiste scharf gegen den Rasicuwahu der blonden Bestie". Tie Beflaggung Saarbrückens war, trotz wiederholter terroristischer Aufforderungen, nur mangelhaft. Ganze Strastenzüge streikten wider de» Blockwart. Auch der Fackel- zug mit einigen Erntewagen, auf denen Mädchen in Theater- Requisiten fasten, nebst mitgebrachten Gemüseblättern und gelben Rüben der Kleinsiedler, wirkte nicht sehr imponierend. Tie Dekoration der Geschäfte war anläßlich des Festes mehr als dürstig. obwohl der gleichgeschaltete Einzel- handelsverband zu diesem Zweck Reklamesachleute zur Verfügung stellte. In der Hauptstraste von Saarbrücken»Bahn- hosstraste» Maren es nur zwei Geschäfte, die ihre Schaufenster auch tatsächlich besonders dekorierten. Tie Stimmung aus den Sportanlagen am«ieselhumes. wo ausgerechnet die T« r- n er den Erntedank abstatteten, war mästig. Selbst ein Holz- stoß mit Feucriprüchen der Reichstagsanzünder weckte keine ^Die schnarrende Tankrede für„Brot und Wein. Kartoffeln V JZ ,i /unb Wachstum des Viehs" hielt der bezahlte LcU er der Tarreichen Bauernschaft. Ttpl.-Landw.rt Kegler. Ihm passierte das Mistgeschick, dast er ausgerechnet aus der Touglas-Ballade die Vers« zitierte:„Der ist in tiefster Seele treu— der die Heimat liebt wie Tu" Daß Touglas, an den diese schönen Worte des Königs gerichtet wurden, ein Emigrant war, hat der Herr lateinische Lekonomiter wohl nicht gemerkt. Ter Tank für die— trotz Adolf Hitlers Allmacht leider nur sehr mangelhaft ausgefallene Ernte— gilt nach Keßler dreierlei Instanzen: erstens Gott, zweitens dem flei- stigen Bauern und der Bäuerin»warum nicht auch der Magd, die gerade durch die„schlicht um schlicht" arbeitenden„Land- Hillen" verdrängt wird» und drittens„des Vaterlandes Majestät". Ob mit dieser„Majestät" bereits Hitler gemeint ist, war nicht zu erfahren. Die Rede endete mit einer ungenierten Aufforderung zur Abstimmung für daS braune Reich. Tie Feiern im Lande, bei denen teilweise auch Reiterei auftrat, waren ebenfalls verhältnismäßig schwach besucht. Einen besonderen Hereinfall erlebte dabei anscheinend der in Wehrden als Freund de» Röchling amtierend« berüch- «igte Piarrer Wilhelm. ES gelang diesem Hauptattrak- tionsredncr nicht, die Wehrden« zu einem Festzug zu de- wegen. „Wehrden hat", so must der Pastor süßsauer zugeben,„von der Durchführung des Feftzuges A l sta n d genommen." AIS Grund tvird angegeben, dast der Ort in erster Linie Jitdu- strieort sei. Tie Trauben hängen offenbar sehr hoch. Nach dieser Generalprobe der„Saarbauernschaft" TarreS sind, wie wir aus zuverlässiger Quelle hören, eine Reihe weiterer Provokationen durch die„Kulturelle Hxdeitsgcmeiu schalt" de««aargediete« zu«rwcktten. ttetirhell Iür Pldi! Die Generalversammlung aufgeflogen Wir haben untere Leser über den hall Pick unterrichtet. Dieser christliche Metallarbeiterführer an der Saar ließ sich nicht gleichschalten. Da wurde auf Befehl Leys außerhalb des Saargebietes eine Versammlung improvisiert, die Pick seines Postens enthob. Gleichzeitig erwirkte man eine ,.einstweilige Verfügung" vom Saar- brücker Landgericht in gleichem Sinne, worauf man die Verbandsräume gewaltsam beseite. Di? Regierungskommission griff ein und verhinderte, das. Sie machte ihre endgültige Entscheidung vom Ausgang einer Generalversammlung der christlichen Metallarbeiter abhängig. Diese tagte am Sonntag und erwies, daß die Mehrheit auf der Seite Picks stand. Darauf ließen die Gleichgeschalteten die Versammlung sprengen, um ihre Mißerfolge zu verdecken. Darüber erhalten wir den folgenden Bericht: Tie Generalversammlung der christlichen Metall- arbeit er des Saargebiets, die am Sonntag auf Grund der bekannten Verordnung in Saarbrücken tagte, ist unter wüstem Lärm ausgeflogen. Es stand von vornherein fest, dast die Nazis, die in diesem Falle die ungeheuerlichsten Gesetz- Widrigkeiten gegen das Saar-Recht und gegen die Regie- rungs-Kommisiion begangen haben, die Versammlung spren- gen würden, falls sie ihr Ziel nicht erreichen. Iu dem Mo- ment. wo die Nazis erkannten, dast trotz aller üblen Manöver die Mchrhki» der Arbeiter-Telegierte» fest hinter P«ck stand, flog die Versammlung ans. Vorher hatten sich die Opposition und die sie unterstützen- den Hitlerleute die gröbsten Provokationen geleistet. Ter Verbandslciter Otto P i ck konnte nach verschiedenen An- klagcreden in sehr wirkungsvoller Weise die Angaben seiner Gegner widerlegen. Dabei führten die Gewerkschaftsräuber a la Lev eine wüste Toberei und Schimpferei herbei, als sie ihr Ziel verloren sahen. Einer der Haupttrabantcn des in Berlin die Fäden zie- hcnden Saar-Referenten K a l v a r, der Kassierer F r a n z e n, rief, wie uns weiter mitgeteilt wird, das Uehersall- kommando herbei, und die Versammlung fand ein stürmische« Ende. Eine neue Generalversammlung soll, wie man uns erklärt, nicht einberufen werden, da eine Klärung der Sache auf anderem Wege herbeigeführt wird. Von besonderer Bedeutung ericheint uns. dast der Beauf- tragte des„dritten Reiches", der das llebersallkommando be- stellte, gerade Franzen war. Ticscr Manu spielte nämlich auch in der Samstag-Verhaudlung des Prozesses vor dem Landgericht, den Pick zwecks Aushebung der einstweiligen Verfügung herbeigeführt hat, eine Rolle. Ter Anwalt der Nazi-Gcgenpartei Z u h o r n, der auch sonst schon durch mangelnde Einsicht aufgefallen ist. beantragte nämlich, diesen Franzen noch am Samstag zu vernehmen,„weil am Sonn- tag die Gewerkschaftsversammlung stattfindet", also aus rein agitatorischen Gründe». Dieser unglaublich« Versuch, nach dem Muster des„dritten Reiches" die Saar^Iustiz zur Knlifle der Parteiwirtschaft und Propaganda zn machen, wnrde vom Gerich, abgelehnt, zeigt aber deutlich die Hintergründe des von Ley dirigierten Vorgehens. Versammlungsraame Eine neue Verordnung Saarbrücken, 30. Sept. Tie bereits vor einigen Tagen an- gekündigte Verordnung der Abstimmungskommission über die Benutzung von Versammlungsräumen während der Ab- stimmungsperiode wird heute im Amtsblatt der Regierungs- kommission veröffentlicht. Tie tritt eine Woche nach der Ver- ösientlichung in Kraft. Sie bestimmt, dast in Fällen, in denen politische Parteien glaubhast dartun, daß ihnen allgemein oder an bestimmten Orten die Benutzung geeigneter Ver- sammlungsräume zwecks Abhaltung von Versammlungen betr. die Volksabstimmung unmöglich gemacht wird, die KreiSinspektoren der AbstimmungSkomission ermächtigt sind, anzuordnen, dast bestimmte geeignete Versammlungsräume chne Rücksicht aus etwa bestehende Verträge vorübergehend, innerhalb einer bestimmten Zeil, an die antragstcllcnde poli- tische Partei zwecks Abhaltung von Versammlungen unter den jeweils üblichen Bedingungen»Beleuchtung, Heizung. Sitzgelegenheit usw.» zu überlasten sind. Die Genehmigung eine» solchen Antrages ist von der vorgängigen Hinterlegung eine» von dem zuständigen Kreisinspektor festzusetzenden an- gcmeffenen Betrage» abhängig, der als Entschädigung zu ge- währen ist. Gegen diesen FestsetzungSbescheid kann die Ent- scheidung des Obersten Abstimmungsgerichtshokes innerhalb einer Frist von zwei Wochen, vom Tage der erfolgten Ueber- lassung des Raumes an, angerufen werden. Gegen die Anordnung ist kein Rechtsmittel zulässig. Wer ihr nicht nachkommt, wird mit Gefängnis von 2 Wochen bis zu 3 Monaten und mit Geldstrafe nicht unter 1000 Franken bestraft. Bei mildernden Umständen tritt Gefängnis von mindestens 1 Woche und Geldstrafe von mindestens.100 Franken ein. Zuständig ist der Oberste Abstimmungs- gerichtShof. KonJunKstir-Rlfter A.: Sind Tie SA.-Mann? B.: Nein! A.: Vielleicht Blockwart oder Amtswalter? «.: Nein! A.: Aber in der NSDAP.» B.: Nein! A.: In der NSBO.? B.: Rein! A.: In Kraft durch Freude? B.: Nein! A.: Wie denn. Sie sind überhaupt nicht organisiert?. B.: Nein! A.: Na, hören Sie mal, Sie sind mir ein schöner Konjunktur- ritter! Der deutsche Stil „Für das seine deutsche Iagdzimmcr... Schädel zum Aus- setzen von Abwursstangen."»Ein Inserat.» Marxisten- und Kameradeuschäöel—. nach Geschmack und Einstellung! ..Deutsche Freiheit", Nr. 228 ARBEIT UMD WIRTS! ett[ tc, L ö i e Bemerkung hinzusetzt, man müsse bemerken, daß ?i?' e Betmitnuingcit eine flagrante Verletzung der Artikel i/o, 1/7 und 1/8 des Versailler Vertrages darstellen. Havas hat bekanntlich halbamtlichen Charakter. , kommt die neue Enthüllung über Hitlerdeutsch- JVi»• Aufrüstung kür die französische Außenpolitik gar nicht im unrechten Augenblick, So hat sie wieder ein Argu- rT;o!-- r? Deutschlands schlechten Willen. Die franzö- Oessentlichkeit zeigt sich ein wenig, beunruhigt über vermuteten Besuch in Budapest. Man glaubt, »außerordentlicher" Gesandter wieder einmal !I??.a^ Intrigant betätigen und alles tun solle, um in der «udostecke Europas neue Schwierigkeiten zu schaffen. Man dürfe nicht vergessen, bemerkt„Excelstor", daß Ungarn in enger Verbindung mit Teutschland stehe, dem sich Polen seit einem Jahr erheblich genähert habe. Der„Matiu" laßt sich au S Rom melde», daß die dortigen polltischen Kreise genau darüber unterrichtet seien, daß -r.cutschland gegenwärtig alle diploniatischcn Anstrengungen machen würde, um zumindest das Ausmaß der französisch- italienischen Annäherung zu beschränke». Man sage in Rom, ein besonderer Vertrauensmann Hitlers, möglicher- weise Herr von Ribbcntrop, sei nntcrivegs, um noch vor Barthous Eintreffen in Rom mit Mussolini zu verhandeln, -ratsachlich habe die Pressepolemik zwischen Rom und Berlin beinahe völlig ausgehört. Deutschland beabsichtige j" etH ichen, daß Italien nicht von seinem am 80. Januar ^geäußerten Standpunkt bezüglich des deutschen Rechtes am Rüstungsgleichhcit abgehe.... In Paris zweifelt man, daß Huler in Rom Erfolge haben werde, da die französisch- oauenischen Vorbesprechungen schon ziemlich iveit. gediehen . Aber vielleicht erreicht die deutsche Außenpolitik die Er- !ri" i e'^ r ,J n*^ om tlicht beschiedcn sind, an der Saar, -bürde man Goebbels jüngster Säarpropagandarcde glauben können, dann würde nach dem 18. Januar, falls die «aarlander sich sttr HitlerdeUtfchland entscheiden, für diese das Himmelreich auf Erben anbrechen. Man kann de» «aarländern nicht ins Herz schauen und ihnen von Paris aus nicht einmal in die Augen blicken. Immerhin wird ihnen in Herrn Dr. Goebbels Rede wohl dasselbe auf- gefallen sein, was auch der„Petit Parisien" dick unter- streicht, daß nämlich Goebbels dreimal von„Möglichkeiten" gesprochen, Sicherheiten für den Ausschwung der iaarlän- g'schen Wirtschaft, feste Versprechungen für ihre Ankurbe- lung aber nicht gegeben habe. Honen wir, daß Goebbels und seine Freunde keinen An- laß haben werden, nach dem 13. Januar über die Verwirk- lichung der„Möglichkeiten" nachdenken zu müssen. Die Davas-raeldung Paris. 1. Okt. Die Agentur Havas veröffentlicht eine Meldung aus Berlin über eine Verfügung, die nach ihrer Auffassung eine o f f e n s i ch t l i che V e r- letzung der Art. 175. 177 und 178 des Ver- failler Vertrages darstellt. Es handelt sich dabei um folgendes: Vor Semefterfchluß wurde in allen Universitäten des Reiches folgende Verfügung angeschlagen: „Alle Studenten haben sich nach zurückgelegtem vier- semcstrigem Studium vor dem 10. Juli bei den SA.- Amtsstellen einschreiben zu lassen." Den Studenten, die der Aufforderung gefolgt waren, wurde dort folgender Vorschlag unterbreitet: „Sie werden eingeladen, sich für die Tauer eines Jahres bei der Reichswehr an iv erben z u lassen. Ter Monatssold beträgt 60 RM., davon 80 RM. in bar. Beim Austritt aus der Armee erhalten Sie überdies eine Prämie von 150 RM. und eine amtliche Empfehlung zur Bck.lcidung eines Postens im Zivilberuf. Nach sechsmonatiger Dienstzeit wird Ihnen mitgeteilt, ob Sie sich für den Ofsiziersberuf eignen oder nicht. Sie ver- lassen ihre einjährige Ausbildung in der Armee mit dem Grade eines ReservcleutnantS. Die zwei in der Reichs- ivehr verbrachten Semester werden Ihnen für die Stu- bienzeit angerechnet." Zu llltlers Friedensreden „Teutschland hat eine Schwäche für Frankreich..." Hitler-Interview im„Jntransigeant". Paris, den 30. September 1S31. sVon unserem Korrespondenten) das vielgclescne und angesehene illustrierte Wochen- blatt. zeigt heute seinen Lesern eine Reproduktion aus dem „Kladderadatsch". Man sieht, wie Michel sDcutschland) von Marianne lFrankreichj an einen Baum gebunden wird, während schwarze Franzose» zähnefletschend ein Maschinengewehr auf ihn richten. Darunter kann man lesen:„So versteht Frank- reich ein Frcuudschafisabkommen mit Deutschland". Anscheinend macht die Hitlerpresse. die ja von Herrn Gocb- bels betreut wird, aus diese Weise für die vom„Führer" ver- kündete Friedensliebe des„dritten Reiches" Propaganda. Die Wirkung läßt nicht auf sich warten:„Lu" überschreibt die Abbildung recht bezeichnend:„Nazi-Standpunkt!" Goebbels, der Tausendilngrige Das argentinische Tageblatt in Buenos Aires ist die fü h- reu de antifaschistische Zeitung Argentiniens in deutscher Sprache. Wie die argentinische Presse mitteilt, haben„unbekannte Täter"„Flaschen mit einer brennbaren Flüssigkeit in die RedaktionSräume des Blattes" geworfen. Es entstand ein Brand, der jedoch gelöscht werden konnte. Mvl R die..DMA 5llW"! Holländische Zwischenrufe Zahlenorakel um Hitler Wir entnehmen aus der«Post Scripta" der Haagschen P o st: „Sterndeuter und Wahrsager hatten von altcrshcr die Auf- gäbe, den Bekümmerten Mut zuzusprechen und den Großen dieser Erde noch mehr Größe zu prophezeien. Unter Hitlers Jüngern scheinen noch viele solcher Propheten nötig zu sein. Sonst würde es Anna Ut, die sich als„deutsches Germanen- mädchen" ankündigte, es nicht für nötig befunden haben, ein Büchlein zusammenzustellen, in dem sie dem Führer eine große Zukunft prophezeit. An der Hand von Zahlen beweist sie, daß seine Berufung göttlicher Art ist, und sie begründet das damit, daß die heilige Zahl sieben in der Hitlcrbewegung stets wiederkehrt! Sie wurde durch sieben Männer ins Leben gerufen. Zweimal sieben Jahre vergingen zwischen ihrer Gründung nnd der Machtübernahme. Hitlers Kabinett zählt einundzwanzig, das ist dreimal sieben, Köpfe. Hitler ist drei- undvierzig Jahre alt: vier plus drei ist sieben. So kann man tatsächlich ad infinitum fortfahren. Tie humoristisch angeleg- ten Erdenbürger erzählen, daß General Göring dreiundsech- zig Uniformen besitzt: das ist neunmal sieben. Die deutsche Schuld beträgt acht Milliarden Reichsmark. Ist acht minus eins nicht auch sieben? Büchlein, ivie das von dem mystisch veranlagten Zahlenmssdchen, machen den gruseligen Eindruck, alS ob die Verehrung des Führers bisweilen an Wahnsinn grenzt,»nd daß der Grund unter den Füßen dieses Kolosses sehr glitschig geworden ist. Damit soll natürlich keineswegs gesagt werden, daß er im Begriff ist. einzustürzen, was bei- spielSweisc Dr. Otto Strasser in einer Flugschrift, die am 80. Juni in Prag erschienen ist. prophezeit hat. Man liest dort u. a.: Am 1. Juli 1038 hat Hitler getrechtct, den Spuk der zweiten Umwälzung mit Reden in die Flucht zu schlage». Am 1. Juli 1034 hat Hitler ans den Geist der zweiten Revolution geschossen mit der Absicht, dieser in ihrem eigenen Blut zu ersticken. Am l. Juli 1033 soll Hitler durch den Geist der zweiten Revolution zermalmt sein, als ob er nie dagewesen wäre." Schuster bleib bei deinen Leisten Wir zitieren aus der Rubrik„Hier in Holland" der Haag- s ch e n P o st: „Wie man weiß, kursieren verschiedene Gerüchte über den Zwischenruf.der Kommunisten bei der Thronrede der hollän- dischen Königin, der Anlaß gegeben hat, sie aus dem Ritter- faal zu entfernen. Anwesende vermeinen, gehört zu haben: „Weg mit dem Hungerprogramm!" Andere glaubten einen Ausruf zugunsten der„Unabhähigkeit Indiens" gehört zu haben. Tic Wahrheit oder zumindest das, was man im neuen Teutschland Wahrheit nennt— wird uns erst durch ein Tele- gramm des Haagschen Korrespondenten des Deutschen Nach- ricbienbüros enthüllt. Roestam Eiiendi soll nämlich gerujen haben:„Weg mit der Königin!" Es ist deutlich, daß dies, ivenn es tatsächlich wahr iväre, Wasser sein würde auf die Mühle der Herren Nationalsozialisten. Das Deutsche Stach- richtenbüro ivurdc aber mit der Absicht gegründet, dem dcut- schen Publikum zensurierte Berichte zu liesern, d. h. ihnen Sand in die Augen zu streuen. Das holländische Volk legt Wert daraus, daß das deutsche Büro sich auf die Ereignisse in Teutschland beschränkt. Mit unser» Kommunisten werden wir noch alleinc fertig." Oer Antichrist DaS„HandelSbla d" sAmsterdam) erhält folgende Zu- schrift: „Dieser Tage ist bei Albert de Lange in Amsterdam ein Buch unter dem Titel„Der Antichrist" erschienen. Dieses Buch ist von Joseph Roth. Es ist ein ergreifendes Buch, das einen nicht mehr losläßt, ein Buch, das reich ist an Para- doxcn, deren Wahrhaftigkeit das Gewi en aufrütteln muß, ivenn man sich gegen die Wahrheit, die es verkündet, nicht mit Geivalt widersetzt. In einer Sprache, die an die Apotalvse erinnert, die aber gleichzeitig up-to-date modern ist, ivarnt der Dichter vor dem Antichrist, dem satanischen Prinzip, das alle Länder, alle Regierungen und alle Lebexoausfassungen zu ermorden droht. Hollywood sHölle-Wutl, die Svwjetregie- rung, der Anierikanismus, die Judenverfolgung, der Mili- tadel— alles steht unter dem Zeichen des Antichrist, der Lüge, der Vertiernng. Es ist an dem Buch kein Schimmer von Theo- loaic in de, gebräuchlichen Bedeutung des Wortes. Jede kon- fessioncllc Begrenzung und Engherzigkeit liegt dem Schrei- der fern. Hier wendet sich ein Mensch, mit einem liebevollen Herzen, ein ethischer nnd logisch denkender Mensch, mit einer Feuerpredigt an seine Mitmenschen und zwar so ernst und markerschütternd, daß man das Buch nach dem Lesen voll Ehr- furcht mit dem festen Beschluß zuklappt, es bald wieder in die Hand zu nehmen. Es ist zu begreisen, daß dies deutsche Werk nicht in Deutschland gedruckt wurde. Hitler würde es sofort aus den Scheiterhaufen abkommandieren. Aber in allen kulturell hochstehenden Ländern wird es gelesen, und man denkt darüber nach. Es kann vielleicht zu einem Wobl, tätcr für unsere verwilderte Generation werden." ver große«Osenberg antwortet Mussolini Die Rede, die kürzlich Mussolini in Bari bei Eröffnung der Levante-Messe hielt, hat begreiflicherweise den Nazis wenig gefallen. Wagte es doch Mussolini zu sagen, datz Rom mitleidig auf die Lehre von der höheren nordischen Rasse herabschaue. Zu einer Zeit, als im Teutoburger Wald Barbaren hausten, die weder schreiben noch lesen konnten, hätte Rom schon einen Virgil und Cäsar gehabt. Diese schwere Kränkung konnten die Nazis nicht auf sich sitzen lassen. Und sie antworteten jetzt Mussolini, wenn auch die Antwort reichlich spät kommt. Im Namen der nordischen Rasse hat soeben Herr Alfred Rosenberg auf einer Kundgebung der„NS.-Kulturgemeinde" im Ber- liner Sportpalast Mussolini eine Lektion erteilt. Rosen- berg ist ja auch gerade der richtige Mann, um das Germanentum in Schutz zu nehmen, war er doch noch vor 15 Iahren russischer Staatsangehöriger und Student der bolschewistischen Moskauer Universität. Rosenberg sagte u. a.: In Rom sei kürzlich eine Rede gehalten worden, in der es geheißen habe, daß Rom„mitleidig" aus gewisse Lehren herabschauen könne, djc in Nordcuropa gelehrt würden: denn als es dort noch keine Menschen gegeben hätte, die schreiben konnten, hätte Rom schon über ein Cäsar verfügt. Hierzu erklärte Reichsleiter Rosenberg, daß die Assyrier nnd Aegnptcr noch viel älter seien als die Römer, und daß in die betreffende Rede eigentlich über den Vorrang dieser beiden Kulturen auch heute noch eine Einfügung gemacht werden müsse. Aber auch die Italiener seien einst aus dem Norden nach Rom gekommen, und die römische Kultur wäre ohne diese Italiener nicht entstanden, sondern es iväre bei der etruskiich-asrikanischen Dekadenz geblieben. Im übrigen, bemerkte der Redner, legen wir Wert daraus, jung und nicht übermäßig veraltet zu sein. Das nennt man eine Widerlegung! Wir vermissen nur die Erwähnung der jüngst von einem verrückten gleich- geschalteten Professor gemachten„Enthüllung", datz Mussolinis Vorfahren aus Westfalen stammen. Dann wäre der italienische Diktator vollends geschlagen. Einheitsfront Deutschland" Eine Richtigstellung In dem Diskussionsbeitrag in Nr. 221 der„Deutschen Frei- heit" befand sich folgender Satz:„Jene Einheitsfront muß sich von unter bilden. In Lüttich haben die Delegierten der illegalen deutschen TAI. dem Einhcitsfrontvorschlag der kommunistischen Jugcndgcnossen zugestimmt. Als Herr Ollen- Hauer, Mitglied des Prager Parteivorstands, sein Veto ein- legen wollte, verließ die gesamte deutsche Gruppe das Sitzungszimmer." Dazu schreibt uns der internationale Jugcndsekretär Ollen Hauer aus Prag: „Der Verfasser stützt sich in seiner Darstellung von tatsäch- liche» Vorgängen auf rein kommunistsche Veröffentlichungen. Seine Schilderung über eine Konferenz von Delegierten der deutschen TAI. stammt aus der kommunistischen Presse. Ich habe in Lüttich an keiner Konserenz teilgenommen, in der deutschen SAJ.-Mitglicdcr dem Einheitofrontvorschlag der Kommunisten zugestimmt haben sollen. Tie Teilnehmer dieser sagenhaften Konscrcnz kamen daher auch nicht in die Versuchung, aus Protest gegen meine Stellungnahme die Konferenz zu verlassen. Die deutschen Vertreter haben in Lüttich den Versuch unter- nomine», eine gemeinsame Besprechung mit früheren Mit- gliedern der TAI. Deutschlands zustande zu bringen. Als ich in diese Besprechung kam, waren jedoch nicht nur reichs- deutsche Genossen, sondern deutschsprecbendc Teilnehmer des Lütticher Jugendtreffens aus Deutschland, Oesterreich, der Schweiz und den deutschsprcchenden Gebieten der Tscheckio- slowakei anwesend. Wir hatten die Absicht, in dieser Be- sprcchung mit unseren deutschen Genossen Fragen der ille- galen Arbeit zu behandeln: dazu kam es jedoch nicht, weil die nichtsreichsdeutschen Teilnehmer sich weigerten, die Kon- ierenz zu verlasse» und weil sich außerdem herausstellte, daß die anwesenden reichsdeutschen Teilnehmer zum Teil niemals Mitglied der SAJ. gewesen waren. Die Konferenz versuchte dann, einen Beschluß hcrbeizu- führen, der mich veranlassen sollte, auf meine Rede als Sekretär der Sozialistischen Juqend-Jnternationale aus dem Jugendtreffen zu verzichten. Ich habe der Konserenz das Recht zu einem solchen Beschluß bestritte», und ihr erklärt, daß ich Weisungen für meine internationale Arbeit nur von den Körperschaften der Internationale entgegennehme. Nach dieser Erklärung habe ich diese Konserenz verlassen. DaS ist der tatsächliche Sachverhalt." Das tausendjährige Reich! Schon steht ein neuer Winter vor den Toren Und knapp ist alles, was den Magen füllt. Nur Goebbels gibt die Hoffnung nicht verloren, T'ic Prnvaaandaklappe auf bis zu den Ohren Verkündet er, was nun als Leitsatz gilt: Kein Deutscher soll auch diesmal hungern nicht noch frieren Man schenkt(mit sanftem Druck) aus Kohlen, Fleisch und Brot Das Bargeld holen wir durch Betteln an den Türen Und eine braune Nabel soll den Spender zieren— So will's der„Führer", das ist sein Gebot. Zwar schrie der Osas noch vor kurzem in die Massen: „Ich bin dafür, daß man erst oben spart, Das Land ist pleite, doch die Tiener prassen, Ich sorg' für Wandel, bürg' für volle Kassen. Denn das ist preußisch, ist auch meine Art!" Und— Bravo! brüllten alle wie Berserker: „Die Noten stopfen sich die Taschen voll!" Ein Wink des Osas:„Nur zwölfftundert Märker, Kein Groschen mehr! Und sind wir Nazi stärker. Wird abgebaut da oben, Zoll um Zoll!" Doch heute? Alle Kassen leer bis aus den Grund. Das Gold ist futsch, das Heer der Bonzen frißt Gehälter. Beim Ernteseste stört sie kein Dcviscnschwunb. Die Bonzen ernten ja! Die Massen wischen sich den Mund! Denn alle„Litzen Schänzel"*) kriegen dicke Gelder. Dem deutschen Simson schnitt man ab die Haare, Nachdem der Phrasenschwall ihn hat betört. Die letzten Groschen opfert er für braune Ware, Er trug die letzten Stiefel noch dem Osas zum Alkare- Wenn nicht die„Deutsche Freiheit" eines Besseren ihn belehrt! *) rheinischer Ausdruck für die uniformierten Bonzen K. Fröhlich. Irgendwo in Baden, Krem auf dem Spldierer Berg Die große Kluft Am 6. August I81O fand auf den Spirherer Höhen bei Saarbrücken, die seit 1918 wieder französisch sind, ein blutiges Gefedit statt. Denkmäler erinnern auf dem Kamm des Berges, der einen weiten Rundblick in das Saargebiet und ins lothringische Bergland bietet, an den Kriegstod vieler Soldaten. Jetzt ist zu den deutschen Monumenten auch ein französisches gekommen. Es ist ein schlichtes Kreuz auf einem schönen Plateau, hochaufgerichtet, ohne heroische Geste, mit einer Inschrift zum Gedenken der Toten. Ain Sonntag fand die\fceihe des Denkmals statt. Etwa 50 000 Menschen kamen aus den nahen Städten und Dörfern Lothringens, die Pompiers mit blinkenden Helmen, Vereine mit vielen bunten Fahnen, Familien mit allen Kindern. Wer hier eine Demonstration des französischen Militarismus, den wir nicht unterschätzen, erwartete, hatte sich umsonst bemüht. Die Soldaten in den benachbarten Garnisonen hatten Urlaub und konnten tun, was sie wollten. Den Wach- und Ordnungsdienst hatte die Gard mobile, aber wie friedlich sah sie aus! Ihre Angehörigen bliesen Zigarettenrauch in die Luft, da die selbstverständliche Disziplin der Teilnehmer ihnen wenig Arbeit machte. Kein dröhnender Paradeschritt, keine Kommandos. Kein Schneid nach zackigem Rhythmus. Die Menschen aus Lothringen, die aus den Tälern zum Plateau mit dem Kreuz heraufwanderten, waren Teilnehmer eines von Trikoloren überwehten großen Volksfestes unter blitzender Sonne.. Am Kreuz sprach der lothringische Senator und General Hirschauer. Hier hörte man eine ruhige Schilderung der Waffengänge des 6. August 1870. Es fiel kaum ein politisches Paris Die Sdiole beginnt Wie so viele Dinge des täglichen Lebens ist auch der Schulanfang in Frankreich keine Angelegenheit der einzelnen Familie, es ist eine Sache der ganzen Nation, die mit einer gewissen Feierlichkeit gehandhabt wird. Die großen Warenhäuser, die Einheitspreisgeschäfte, die Spezialgeschäfte und die vielen kleinen Buch- und Papierhandlungen. sie alle weisen durch große Plakate, durch Sonderverkäufe, durch ihre ins Haus gebrachten Kataloge und durch ihre teils auf den Straßen und teils im Schaufenster aufgebauten Auslagen auf die..Rentree des classes" den Wiederanfang des Schulunterrichts hin. In den großen Städten werden in diesem Jahr viel mehr ABC-Schützen eingestellt als im vergangenen Jahr und so mußten die Stadtväter in den Säckel greifen und für die kleinen lernbegierigen Franzosen Zusatzräumlichkeiten für die untersten Klassen mieten. Im Unterricht seihst wird vorläufig keinerlei Aenderung eintreten. Der Franzose wechselt nicht gern rasch mit seinen Methoden, lediglich der Handfertigkeitsunterricht, gegen den viele sich bisher stemmten, soll fortan stärker in die Er- Straftborgcr wodiensdiau Straßburg, den 1. Oktober 1934. 25-Millionen-l)iebstahl vor der Aufklärung Mit der Verhaftung des Gangsterpolizisten Marian! in Lille und einer Verbrecherbande. die mit ihm in Verbindung stand, scheint endlich ein Diebstahl seiner Aufklärung entgegenzugehen, der vor etwa eineinhalb Jahren in Straßburg verübt wurde und damals großes Aufsehen erregte. Fielen doch den unbekannt gebliebenen Tätern bei einem Einbruch in das Direktionsgebäude der l'Enregistre. ment et des D o in a i n e s am 27. März vergangenen Jahres in Straßburg Steuermarken für nicht weniger als 2 5 Millionen Franken in die Hände. Die Einbrecher bedienten sich damals zur Fortschaffung der Pakete, die immerhin ein Gewicht von 80 Kilo hatten, eines Autos. Im Januar dieses Jahres gelang es zwar einige Individuen zu verhaften, die in Straßburg gestohlene Steuermarken in Paris absetzen wollten, die restlose Aufklärung der Angelegenheit konnte, jedoch noch nicht erfolgen. Der Chef der Straßburger Surete. Herr Robert, glaubt nun bestimmte Anhaltspunkte dafür zu haben, daß die neuerdings in Lille verhafteten Gangster mit dem Straßburger Einbruch in irgend einer Beziehung stehen. Es bleibt abzuwarten, inwieweit die Vermutungen durch die eifrig geführte Untersuchung bestätigt werden, jedenfalls darf man mit größeren L'eberraschungen in den nächsten Tagen rechnen. Eine Erklärung der Firma Math-Ford Herausgefordert durch die verschiedenen Presseerörterungen der letzten Tage, wobei immer wieder Befürchtungen laut geworden sind, daß durch die Vereinigung der bekannten Straßburger Automobilfirma Mathis mit dem amerikanischen Fordkonzern Nachteile für die Arbeiterschaft und damit die gesamte Wirtschaft des Straßburger Bezirks eintreten könnten, ließ nun die Firma durch die Agence Havas eine Erklärung verbreiten, in der zu dem Fragenkomplex in umfassender Weise Stellung genommen wird. Außerdem hat Herr Mathis selbst einem hiesigen Journalisten eine Unterredung gewährt, in der die amtliche Mitteilungen noch einige Ergänzungen erfuhr. Zusammenfassend kann man aus den verschiedenen Auslassungen schlußfolgern, daß die Arbeiterentlassungen tatsächlich nur vorübergehender Natur sein werden und nur zu dem einen Zweck erfolgten, die Umstellung des Betriebes auf die neuen Produktionsmetho- den leichter durchführen zu können. Außerdem sei beabsichtigt, bei der Neuaufnahme der Produktion in erster Linie einheimische Arbeitskräfte zu beschäftigen und die Zahl der Belegschaftsmitglieder wesentlich über das bisherige Maß hinaus»u erhöhe 11. Im neuen Betrieb werden dann Mathiswagen und Fordwagen fabriziert, es ist also nicht daran gedacht, einen. Einheitstyp der beiden Marken zu schaffen. Die Umstellungsarbeiten werden noch einige Wochen in Anspruch nehmen und dann soll der Betrieh in vollem Umfang in Gang kommen. Die Wahlkampagne hat eingesetzt Nach den organisatorischen Vorbereitungen in den verschiedenen Parteilageru, fängt der Wahlkampf nun an, die Wort. Man sprach vom Frieden und legte auch am deutschen Erinnerungsmal Kränze nieder: den tapferen Soldaten der anderen Seite. Die Priester dreier Konfessionen sagten ihre Segenswünsche. Dann gingen die Menschen nach Hause: im gleichen Spaziertempo, wie sie gekommen waren. Dies vollzog sich knapp einen Pistolenschuß entfernt von der saarländischen Grenze. Vor dem Kreuze standen Menschen mit entspannten Gesichtern, im Bewußtsein friedfertiger Gesinnung. Zum weitaus größten Teil war deutsch ihre Mutter- und Umgangssprache, aber ein Abgrund lag zwischen ihnen und dem, was im Saargebiet und im„dritten Reich'" unter Deutschsein und Deutschtum verstanden wird. Hier haben— nie sahen wir es deutlicher— die braunen Pioniere nichts zu bestellen. Die lothringischen Menschen besitzen ein anderes seelisches Ferment, das dem Geist des Terrors widersteht, atmend im Bewußtsein der errungenen Freiheit. Kämen die mit dem Hakenkreuz geschmückten teutonischen„Erlöser" zu ihnen: die Friedlichen von heute könnten sich, den Herren des„dritten Reiches" sehr überraschend, in Berserker verwandeln. Wir stiegen herab vom Berge. Noch lag die Sonne warm über der Landschaft. Selbst das von dauernden politischen Nervenkrisen durchschüttelte Saarbrücken sah ans der Weite friedlich und im Kranz seiner Hügel fast anmutig aus. Aber da waren wir an der Grenze. Aus einem Schrebergarten drang eine gellende, drohende, aufreizende Stimme in den Segen der Landschaft. Der„Führer" sprach vom Bückeberg. scheinung treten. Denn aus den verschiedensten Gründen bilden die Handwerker und die Fabrikanten in Frankreich keine. Lehrlinge mehr aus. Die Industrie möchte die Verantwortlichkeit für das Schicksal dieser jungen Lehrlinge angesichts einer ungewissen Zukunft nicht gern übernehmen. Und so wird die Schule versuchen, eine Lücke auszufüllen und vor allem Schüler in denjenigen Handwerkszweigen anzulernen, die in Frankreich aus Mangel an Nachwuchs nicht mehr gepflegt werden. Man fragt sich erstaunt, woher der plötzliche Zustrom der jüngsten Jahrgänge kommt. Denn nach dem großen Geburten- in den Jahren 1919, 1920. 1921, nach der Geburt der Friedenskinder, wie man sie hier nennt, sank die Geburtenziffer in Frankreich wieder besorgniserregend. Nun aber scheint der Bann doch wieder gebrochen und die kleinen Neueingestellten sind ein Beweis, daß der Geburtenrückgang wohl nur eine vorübergehende Erscheinung war, die von Jahr zu Jahr dank der Fürsorge, die man seiner Majestät dem Kind in diesem Lande angedeihen läßt und dank der Umsicht, mit der man für Mutter und Kind in Frankreich sorgt, mehr und mehr wieder einem Gehurtenzuwachs Platz machen wird— wenn es gelingt, die Wirtschaftskrise zu überwinden. Oeffentlichkeit in stärkerem Maße in Anspruch zu nehmen. Am Freitagabend fanden die ersten öffentlichen Wählerversammlungen statt. Die Sozialistische Partei hatte die Wähler in den Aubettesaal aufgerufen, wo sich die Kandidaten für den Generalrat und Kreisrat vorstellten. In Straßburg kandidieren die Sozialisten N a e• gelen, Hinker, Bonn und W o e h I. Neben dem De- pute Georges W e i 1 I sprachen sie zu den Fragen, die im Zusammenhang mit den Kreisrats- und Generalratswahlen interessieren. Für die kommunistische Opposition, die ihre Chancen dadurch zu wahren versucht, daß sie an dem bekannten Bündnis mit den Volksfrontlern festhält, führt der Maire Hueber der Wahlkampf. Hueber gehörte bisher schon dem Generalrat an, außerdem der oppositionskommu- nistisrhe Depute M o u r e r. Beide präsentieren sich am Freitagabend im Börsensaal der Wählerschaft. Die Radikalsozialisten und Demokraten stellen in Straßburg keinen Kandidaten auf, während die Kommunisten die Herreil Kuhn und Mohn für den ersten Wahlgang ins Treffen schicken. Es ist wohl damit zu rechnen, daß im ersten Wahlgang noch keine Entscheidung fällt. Im zweiten Wahlgang werden sich vermutlich Sozialisten und Oppositionskommunisten, die von der katholischen UPR. Unterstützung erheischen, im Entscheidungskampf gegenüberstehen. Da Sozialisten und Kommunisten im zweiten Wahlgang vereint marschieren und auch noch die Unterstützung der Radikalsozialisten zu erwarten haben, sind ihre Aussichten verhältnismäßig günstig. Großbrand im Arsenal In der Nacht zum Donnerstag brach in Arsenal in der Federn- und Daunenfabrik Leopold ein Brand aus, der trotz sofortigem Eingreifen der Pompiers an den vorhandenen leicht brennbaren Vorräten reiche Nahrung fand. Der Brand vernichtete auch einen Teil der Räumlichkeiten der Clicherie Straßbourgeoise. Der Gesamtschaden wird auf zwei Millionen Franken geschätzt. Immer noch besser Roßhandel In der Gemeinderatssitzung gabs am vergangenen Montag einen heiteren Zwischenfall, als man erfuhr, daß zum Ankauf eines neuen Dienstpferdes für die Orangerie eine Kommission aus zwei Mitgliedern des städtischen Parlaments und dem Schlarhthausdirrktor gebildet wurde. Da angesichts der bevorstehenden Wahlen zwischen den verschiedenen Gemeindevätern während der Sitzung lebhafte interne Unterhaltung ATührt wurden, lag der Schluß nahe, daß der Roßhandel. der auf der Tagesordnung stand, den eigentlichen Charakter der ganzen Sitzung recht deutlich beleuchtet habe.„Das ist nicht schlimm", meinte ein Gemeindevater,„besser noch Roßhandel, als Kuhhandel." Die Freiburger Gasse nimmt Gestalt an Mit dem Ausbau des südlichen Teils der Freiburgergasse und dem Abbruch eines die Fortsetzung der Straße zum Thomasstaden unterbrechenden Hauses, wird eine wichtige Etappe im Ausbau der Innenstadt abgeschlossen sein. Mit dem Durchbruch entsteht eine neue Straße im Zentrum der Stadt, die in Zukunft einen großen Teil des geschäftlichen Lebens an sich reißen wird. Gute Nachricht für Langschläfer In der Nacht zum 7. Oktober wird in Frankreich di« Winterzeit beginnen. Alle Langschläfer können sich freuen, denn sie können in dieser Nacht nieder eine Stunde länger schlafen. Damit ist die Zeitgleichheit zwischen Deutschland und Frankreich für mehrere Moitate wieder aufgehoben. Auch England und Belgien machen Winterzeit und in England bat man die Zeit zwischen 3 und 4 Uhr morgens für die Umstellung der Uhren gewählt, da zu dieser Stuude die wenigsten Störungen und Schwierigkeiten eintreten, während die Franzosen genau um Mitternacht die Uhr eine Stunde zurückdrehen müssen, was im Verkehr eine nicht leicht zu bewältigende Schwierigkeit ist. Neue Fünf-Frankenstücke Frankreich ersetzt bekanntlich seit einiger Zeit die eingezogenen Geldscheine durch Geldstücke. Vor einiger Zeit ist das Nickel Fünffrankenstülk in Verkehr gekommen, da» Anlaß zu vielen Verwechslungen und Unannehmlichkeiten gab. Jetzt bringt die französische Münze für eine halbe Milliarde neue Fünf-Frankenstücke heraus. Diese werden nicht mehr mit irgendwelchen anderen Münzen verwechselt werden können. Das neue Fünf-Frankenstück hat einen Durchmesser von 31 mm, während das alte einen solchen von 23 mm hat. Das neue Stück wiegt 12 Gramm, während das alte nur sechs Gramm wiegt. Ferner wird demnächst ein Hundert-Frankenstück in Gold in Verkehr kommen, das 21 mm Durchmesser und ein Gewicht von 6,550 Gramm hat. BBIEffKftSTEM Gültige kommunistische Redakteure haben uns in letzter Zeit durch aufgeregte, mit Schmähungen und Fälschungen gespickte Aussätze ihr Mtgfallen über Beiträge von im Reiche arbeitenden Illegalen aus. gesprochen. Selbstverständlich werden uns auch die allcrschärssten und allerböswilligsten Angrisse aus der Etappe nicht veranlagen können, die.Illegale» an der Front im Reiche zu zensieren und zu schulmeistern, Reueitens nimmt das kommunistische Blatt in Saarbrücken einen solchen illegalen Bericht aus dem Reiche, der uns unter großen Gesahren sür die Bersager zugegangen ist, zum An« lag einer Fälschung, um„verächtlich aus diese Äreaturen zu blicken, die mit den saschistischen Henkern verhandeln" und uns„Berherr- lichnng des faschistischen Regimes" vorzuweisen. Eine Beobachtung, die, wie wir erstaunt lesen, zwar irgend ein kommunistischer Partei- angestellter gemacht haben will, merkwürdigerweise aber noch nicht ein einziger unserer nach Tausenden zählenden kommunistischen Leser. Tie gewaltige Entrüstung und die lodernde Empörung des kommunistisch«» Blatte» ist aber nur die Einleitung zu einem von Fälscknngen strotzenden Flugblatt, da» angeblich vom Zentral, komitee der«PT. stammt»nd von diesem im Reiche(!) verteilt morden sein soll. Tiefe Leistung gilt vor allem dem Borstand der SPD., Titz Prag. Auch wir werden erwähnt, und zwar soll die „Deutsche Freiheit" vom 13. Juli 1934„erklärt" haben: dag im Reiche selbst eine Reihe früherer Gewerkschaftsführer, . feit langem schon die engste Tuchfühlung mit den Monarchisten und den Generälen hergestellt hat, ist»ich, allzu verwunderlich. Dieser Satz steht nicht in der„Teutschen Freiheit" vom 13 Juli, sondern in der Ausgabe vom 18, Juli, und zwar selbst- verständlich nicht unter Zustimmung unseres Blattes oder ihres Mitarbeiters, sondern als Politik der Allusion, die energisch ab- gelehn, wird. Tie kommunistische Fälschung wird nur möglich, weil man den nächsten«atz des Versagers unterschlägt: Diese Leute wissen sehr gut, das, ihnen andere Aussichten nicht mehr blühe«, ja. eine sozialistische Revolution sie sogar recht energisch in die Rumpelkammer werfe» wird. Ter Aufsatz unseres Mitarbeiters ist also ans die sozialistische Re- Solution und gegen den Reformismus gerichtet. Gerade in der von den Kommunisten herangezogenen Ausgabe vom 13. Juli steht ein programmatischer Aussatz, der wie solgt schließt: Das Ehaos kann nur überwunden, der Fäulnis nur Einhalt gc- tan werden durch den Sturz der Diktatur. Ties kann aber nicht das Werk der Reichswehr oder sonst der herrschenden.»reise sei», die, von der Fäulnis angesteckt, kein Ziel und keine Lösung wigen. Erst wenn mit der größeren Bewegungsfreiheit für die illegale Arbeit die Opposition der Arbeiterschaft wächst, ihre Organisation sich ausdehnt, ihre Kampffähigkeit steigt, wenn der wachsende Druck von unten die herrsch enden Oberschichten durcheinander wirst und die proletarische Revolution zur wirklichen Drohung wird, erst dann beginnt der Tag der Erneuerung, der Wiedergeburt de» deutschen Volkes. Wie man sieht: genau das Gegenteil dessen, was uns die Zentrale der tilPT. unterschiebt. Es steht bei dem Vorstand der SPD. in Prag, ob er im Hinblick ans die Sauberkeit des illegalen Kampfes im Reiche»nd seiner bewundernswerten schweren Opfer in beiden Paiteien eine sachliche Erwiderung ans die Fälschungen und Ver- leumdungen des kommunistischen Machwerks geben will. Für uns genügt c», hier die Methoden einiger kommunistischer Schreiber de- kanntzugebett, insbesondere für unsere erfreulich zahlreichen kom» munistischen Freunde sowohl in der Illegalität des Fronlkampses im Reiche wie in der hungernden Emigration. Diesen vielen kom- munistischen Freunden der„Teutschen Freiheit" überlasten wir auch das Urteil, wer denn die Einheitsaition stört, und wer„Lumperet" begebt. Lizentiat a. D. Dr Hans Hartman«. Wir hören noch Ihre sanft« miüige und etwas ölige Stimme. Sie brachten allen„linken" Re- daktionen Ihre Aufsätze am lausenden Bande. Sie antiäzambriericn bei allen Parlamentariern von den.Kommunisten bis zu den Volks» parteilor». Tie liefen zu allen Rundsunkleitunften mit Angeboten für jedes beliebte Thema vom Paragrasen 218 über religiöse Morgenfeiern bis zur sozialistischen Erneuerung. Als gewiegter Schnorrer brockten Sie den Redaktionen Rnndsunklnanuskripte und boten umgekehrt den Sendeleitungen gelängte Zeitungsartikel an. Sie waren auf allen Äongregen der Antimilitariften, begeisterter Kriegsdienstverweigerer»nd, noch im Amte bei Solingen, vielseitig angeschwärmter Prediger aktivistischen sozialistischen Radikalismus, bis Sie zur ethischen Vertiefung der Idee gelangten und keine Tagung ohne Heiligung der sittlichen Entscheidung wider Gewalt und Macht verliesten..Dann zogen Sie dürch dir europäischen Lande als Erwecker friedliebender und verständigungsbereiter Jugend. Als Hitler kam, verloren wir eine Weile Ihre Spur. Run haben wir sie wieder entdeckt. Aus dem Präger Philosophenkongreß. Als Ab- gesandter des geistige»„dritten Reiches". Sie sind, wie Sie in Prag sagten, dem Rat„jüdischer Freunde" nicht gefolgt und nicht Mit- glied der NSDAP, geworden. Man hätte Sie gewiß gern genommen. Aber im trüben Wäger des wissenschaftlichen Gefolgsmannes leisten Sie vielleicht Ihrer momentanen Weltansctninung noch bester« Dienste. Es macht Eindruck, wenn Sie, der Zarte und seelisch Ge- rfsnete, zackig wie in Prag im„brutalen Machtgedanken" einen Er- ziehungsfaktor des Volkes sehen. Eindruck freilich nur auf die» jenigen, die Tie nicht'cnnen. Wir ahnen, daß Sie bereits die nächste Ueberzeugung zelebrieren. Für den Gesamtinhalt oerantworillch: Johann Pitz in Dud» wetlerz für Inserate: Otto Kuhn in Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der ValkSstimme GmbH„ Saarbrücken^ Cchlltzenslraße 5,«- Schließfach 776 Saarbrücken,