3iischa? 3iaU.ec gegen die Tleuheiden Seite 7 Schachts Boichstoß gegen die Saacuxictschaft Seite 3 Der Aczt Sinzigs unabhängige Tageszeitung Veuilchkauds des„dcitten Reiches" Seite 2 Nr. 230— 2. Jahrgang Saarbrücken, Donnerstag, 4. Oktober 1934 Chefredakteur: M. B r a u n Drobnngcn In Ocslcrrclcn Friedensschluß mit den Nazis oder nene Gewalttaten? Wien, 8. Oktober 1934. 2er Bundeskanzler 2r. Schuschnigg hat in mehreren Beden und Interviews in de» letzten Tagen geäußert, daß die Regierung jeden, der sich mit Gewalt gegen sie erhebe, -bis zur Vernichtung" niederschlagen werde. Das ist zwar eine für die Zukunft ausgesprochene Drohung, sie ivird aber auch rücksichtslos gegenüber der Vergangenheit geübt und zwar einstweilen sowohl gegen Sozialdemokraten wie gegen ' Nationalsozialisten. Noch immer sind viele führende S o- zialdemokraten wegen des FebruarausstondeS in den Konzentrationslagern und in den Gefängnissen, darunter auch Männer und Frauen, die weder direkt noch indirekt mit den Kämpfen etwas zu tun hatten. Gegen die meisten der eingesperrten Sozialdemokraten ist nicht einmal eine Unter- suchung im Gange, ein Beweis, daß sie grundlos ihrer Frei- heit beraubt werden. Anders liegt es mit den Prozessen gegen National- s o z i a l i st c n, gegen die immer wieder schwerwiegendes Material ermittelt wird. In einem Prozeß gegen 15 Natio- nalsozialisten vor dem Tchivurgericht in Feldkirch gab ein Angeklagter zu, daßer Spreng mittelau»Deutsch- l a n d über die Schweiz erhalten habe. Dreizehn Angeklagte wurden wegen Sprengstoffvcrbrechens zu schwc- ren und verschärften Kerkcrstrafen zwischen 5 und 15 Iahren verurteilt. Das Militärgericht in Leoben hat gegen de» Schuhmacher Pfister, der im Juli den Aufruhr aktiv unter- stützte, die Todesstrafe ausgesprochen. vs scheint jedoch, daß hinter dieser Strasjustiz sich Bc- ziehungen zwischen der österreichischen Regierung und Teilen der nationalsozialistischen Partei anspinnen, um die Feindseligkeiten zwischen beiden zu beenden und unter ge- wissen Bedingungen eine Zusammenarbeit zwischen beiden zu ermöglichen. Die Nationalsozialisten beteuerten der Regierung, daß man am S5. Juli Dolliuß nicht habe töten wollen. Ter ganze Handstreich der Nazis sollte ohne Blutvergießen vor sich gehen. Die Nationalsozialistische Partei in Oesterreich ver- folge ein durchaus österreichisches und kein deutsches Ideal. Sie sei viel mehr als die deutschen Nationalsozialisten am sozialen Wohlstand interessiert. Ein der österreichischen Regierung genau bekannter Führer habe kürzlich mit Dr. Schnschnigg persönlich Borverhand- langen geführt mit dem Ziele, den Frieden zwischen der Wiener Regierung und den österreichischen Nationalsozia- listen herbeizuführen. Im Laufe der Verhandlungen sei vorgeschlagen worden, die Verfolgungen zu beenden, deren Opfer die Nazis feien. Diese sollten in die Vaterländische Front eingereiht werden, die sich nunmehr„deutsche Front" nennen solle. Gegenwärtig seien diese Verhandlungen infolge der Haltung des Heim- wehrführcrs Fürsten Ttarhemberg gescheitert, in dessen Linie es liege, Italiens Politik gegenüber Oesterreich zu begünstigen. Man wolle ja nicht davon reden, daß die Nationalsozialisten eine gewaltsame Erhebung organisierten, aber wenn der Friede zwischen der Regierung und ihnen nicht gesichert werde, wenn andererseits die Verfolgungen der Nazis weiter gingen, dann bestände die Befürchtung, daß gewisse hitzige Elemente aus den nationalsozialistischen Kreisen zu verzweifelten Taten ihre Zuflucht nähmen. „Oesterreichische Legion" besteht weiter Wien, 8. Oktober. Die„Jnusbrucker Zeitung" veröffent- licht den Bericht eines Mannes, der aus einem deutschen Konzentrationslager aus österreichischen Bvdcn geflüchtet ist über die Organisation der angeblich aufgelösten„Oester- reichischen Legion". Danach gibt es zur Zeit an die 9 9 0 9 Legionäre aus deutschem Boden,>öic auf verschiedene Lager in WöllersHof, Coburg, Bad Aibling, Frei- lassing, Reichersbeuern, Egmantin, Ulm und München ver- teilt sind. Tie Legion wird von München aus zentral ge- leitet,' an ihrer Spitze steht oder stand bis vor kurzem das ehemalige Mitglied des österreichischen Bundesheeres, Rechny. Tie Legion als solche bildet die 9. Obergruppe der SA. Die Legion war bis Mitte August mit deutschen Gewehren, Revolvern, Handgranaten und Maschinengewehren ausge- rüstet. Mitte August wurde sie auf Befehl von Oben zum Teil entwaffnet. Papen wird bewadit Gerüchte über ein Attentat Wien, 8. Oktober. Infolge von Gerüchten, die in Wien über ein angeblich geplantes Attentat gegen den deutschen Botschafter von Papen zirkulieren, hat das Polizeipräsidium die Wachmannschaften für Papen verstärken lassen. Die mit seiner Bewachung beauftragten Polizeiofsiziere haben den Befehl erhalten, Besucher nur nach einem eindringlichen Verhör vorzulassen. Die Wintersorgen beginnen Marmeiade statt Margarine— Neue Lohnsenkungen stehen hevor Berlin, 3. Oktober. Die Leitung der„Deutschen Arbeitsfront" wird seit Wochen bestürmt mit unzufriedenen Kritiken aus dem Lande und zwar sowohl von Unternehmern wie von nationalsozia- listischen Betriebsobleuten und Vertrauens- r ä t e n. Die Unternehmer erklären, den jetzigen Lohnstand, so tief er ist, nicht mehr ausrecht erhalten zu können, und die Arbeiter beschwören die Führung der„Arbeitsfront", wei- terc Tarifverschlechterunge» nicht zuzulassen, da dies die Arbeiter nicht ruhig hinnehmen würden. Der Lebensstandard sinke ständig. Gerade die für die Ar- beiterernährung wichtigsten Lebensmittel.wie Kartof- fein, Hülsenfrüchte und Speck hätten Preissteige- rungen bis fast zum Toppelten. Verbilligte Margarine sei wochenlang nicht zu haben. Aus mehreren Landeoteilen wird gemeldet, daß im Monat Oktober statt verbilligter Margarine— Marmelade ausgegeben wird. Ter„Führer der Wirtschaft" hat nun in einem Schreiben an den Reichssührer des Handels erklärt, daß die Unternehmer Lohn- und Arbeitsbedingungen nicht aus eigenem Willen verändern dürften. Es heißt da u. a.: Wenn den Wirtschaftsorganisationen„sozialpolitische Be- treuung oder Vertretung" im Ausruf des Föhrers der Wirtschaft verboten werde» dann handle es sich dabei um Dinge, die unter den Begriff„sozialpolitische" Jnter« csscnvermittlung" fallen. Was im Rahmen dieses allge- meinen Grundsatzes znlässig oder unzulässig sei, müsse im Einzelsalle entschieden werden. Allgemein gesagt sei« n» zulässig jede Einwirkung oder Beratung von Mitglie- dern der Wirtschaftsorganisationen in allen Fragen, die das Gebiet der Lohn- und Arbeitsbedingungen betreffen, weil hier der Treuhänder und seine Beiräte zu handeln hätten. Es sei z. B. unzulässig, wenn eine Wirtschaftsorganisation zentralen Stellen Vorschläge über die inhaltliche Gestaltung von Tarifordnungen mache«nd hierüber in ihren Gre- micn Beratungen abhalte. Entsprechendes gelte für B c- triebsordnungen usw. Es bestehe nur das Recht, daß die Wirtschaftsorganisationen wie die Rcichsbetriebs- gemeinschastcn der Deutschen Arbeitsfront den Trenhän- der» statistisches Material zuleiteten, nicht aber Richtlinien. ES wird mithin auf die Treuhänder als auf die Beauf- tragten der Regierung verwiesen, die hoch über Unterneh- uiern und Arbeitern unparteiisch die Interessen ausgleichen sollen. WaS geschieht aber, wenn diese Treuhänder Anorb- uungen erlassen, die den Unternehmern nicht passen? Man braucht sich da nur einer Glanzleistung des rheinischen Treu- händers Börger zu erinnern, eines„alten Kämpfers", der ein besonderer Intimus Hitlers ist und deshalb sogar zum Professor in Köln ernannt wurde, obwohl alle geistigen Vor» Signal und Warnung Ein Wort an die Emigranten Von besonderer Seite wird uns geschrieben: Wer in Frankreich unter Franzosen lebt, der weiß, daß die Ereignisse des 6. Februar noch nicht über- wunden find. Es ist für das Volksempfinden ein solch aufwühlender und aufpeitschender Gedanke gewesen, daß Soldaten auf Bürger schössen und ihr Blut in den Straßen floß, daß die französische Politik in ihrer Ver- bundenheit mit populärer Massenstimmung immer wieder auf die tragischen Februar-Ereignisse Bezug nimmt. Alles, was nachher kam, der Sturz von Daladier, die Berufung von Doumergue als Vater angeblicher Einheit und EtnU gung ist ohne sie überhaupt nicht zu begreifen. Aber nun ist die Beruhigung sonniger Ferientage, die monatelang nach außen hin die französische Politik be- sänftigte, vorüber. Man kann die neuen Sturm- s i g n a l e nicht überhören. Die sozialistisch-kommu- nistische Einigung, das..Rettungsprogramm" Doumer- gues, das seltsame Ähnlichkeit mit der Ermächtigung?- ära Brünings aus den Iahren 1939 31 aufweist, die Widerstände aus den Linksparteien und aus den Be- amtenkreisen: alles läßt darauf schließen, daß die näch- sten Monate für Frankreich sehr unruhig sein werden. Hinzu kommen die Kantonalwahlen, die vor der Türe stehen und sich immer deutlicher zum Machtkampf zwischen der Rechten und der Linken entwickeln. In Lyon kam es bei einer Wahlversammlung zu blutigen Zusammen- stößen. Berichte aus Toulouse schildern ähnliche Zwischenfälle. Als der französische Iustizminister Cheron kürzlich im Elsaß weilte, gab es Demonstrationen, die sich gegen seine Haltung in der Stavisky-Prince-Assäre richteten. In Frankreich leben heute viele deutsche E m i- grauten: politische Menschen, die zu einem großen Teile an den politischen Ereignissen Frankreichs mit fieberhaftem Interesse Anteil nehmen. Bielen von ihnen geht es sehr schlecht. Sie befinden sich in einem Zustande latenter Erregung, der leicht zu Depressionen und Explo- sionen führt. Bekanntlich wurden bei den Unruhen des 6. Februar auch einige deutsche Emigranten verhaftet. Es waren nur wenige, aber die Tatsache ihrer Teilnahme an den Kundgebungen hat, abgesehen von ihnen selbst, vielen ihrer Schicksalsgefährten schwer geschadets In der französischen Rechtspresse begann eine lebhafte Agitation gegen die Emigranten, die von ge- wissen kleinbürgerlichen Kreisen längst als unliebsame Wirtschaftskonkurrenten angesehen wurden. Die Zahl der Aufenthaltsentziehungen in bestimmten französischen Gebieten wuchs. Sie erfolgten, als das Ministerium Doumergue regierte, auf unmittelbare amtliche Verfü- gung hin. Viele deutsche Emigranten, die sich bereits im glücklichen Besitz eines sicheren Asyls wähnten, mußten sich nach einem anderen umsehen. Reue Lasten wurden ihnen aufgezwungen, ganz abgesehen von dem neuen seelischen Druck, dem sie schuldlos ausgesetzt waren. Wir wissen, in welch tendenziöser Weise die Beteiligung von Emigranten an den innerpolitischen Auseinandersetzungen zu innerpolitischen Zwecken übertrieben wurde. Aber diese Uebertreibungen. die von einigen Einzelfällen hervorgerufen wurden, sollen uns Warnung und Signal sein. Diese Erfahrungen sind es vor allem, die uns zu einer WarnungandieEmigranten inFrank- reich veranlassen. In der politischen Hochspannung, in aussetzungen fehlen. Er hatte eine UrlaubSreglung erlassen, die wegen ihres fortschrittlichen Charakters allgemeines Auf- sehen erregte. Die Unternehmer beschwerten sich«nd prompt mußte Bör» ger erklären, daß sein Ufas nur versehentlich in die Presse gelangt sei. ES sei ein rein privater und keineswegs rechts- gültiger Entwurf gewesen. Biel anders wird es ndch der Befürchtung der Arbeiter auch mit den Löhnen nicht gehen. Die Treuhänder werben anord- neu, daß die Löhne nicht gesenkt werden dürfen. Die Unter- nehmer aber werden auf die von der Regierung zerstörten Exportmöglichkeiten hinweisen, auf die Devisenschwierig- feiten, aus die behördlichen Wirtschaftshemmungen, auf die gesunkene Kauskrast, auf den verschärften Wettbewerb, auf das Dumping und auf die ganze Verworrenheit und Trost- losigkeit der Wirtschaftslage, um Lohnsenkungen zu recht» fertigen auch dort, wo der Betrieb vielleicht noch rentabel arbeitet. In Berlin werben trotz der schönen Erlasse die Unternehmer wieder mehr Gehör finden als die Arbeiter, und so wird und muß die Verelendung der Massen wachsen. Die beschwörenden Gesten des Wirtschastssührers zeigen nur, wie sorgenvoll und ratlos er in den harten Winter geht. der sich das Land befindet, wird die Ablehnung gegen deutsche Emigianten, die sich an politischen Demonstra- ttonen zu innerpolilischen Zwecken beteiligen, noch niel* viel stärker sein als bisher. Sie tragen nicht für sich allein die Verantwortung. Sie müssen sich fragen, ob sie nicht unter Umständen die Lage vieler anderer Leidens- genossen gefährden könnten, die zu einer viel größeren Zurückhaltung in innerpolitischen Fragen gezwungen sind. Sie haben weiter die Ueberlegung anzustellen, ob sie durch ihre aktive Teilnahme an Kundgebungen mit gefahrdrohender Zuspitzung der politischen Erregung nicht gerade denjenigen islarteien schaden, für die sie sich gesinnungsgemätz einsetzen wollen. Und endlich: wir nehmen den Takt, für den man besonders in Frank- reich ein besonders ausgeprägtes Fingerspitzengefühl hat, aus unseren Betrachtungen nichr aus. Französische Poll- tik zu treiben, das scheint uns Sache der Franzosen zu sein. Sie allein haben die Imponderabilien ihres Landes im Blut und im Kopfe. Wir wissen es aus dem Munde von Führern der Linksparteien, daß sie SuKKurs aus dem Emigrantenlager als nicht unbedenkliche Schwächung ihrer Position betrachten. Der Schreiber dieser Zeilen ist selber Emigrant. Er hat sich seine Meinung aus vielen Gesprächen mit Franzosen aller politischen Richtungen gebildet. Unser Gefühl und unsere Gesinnungsentscheidung, unsere politische Anteil- nähme und unser politischer Kampfeswille werden, scheint es uns, heute von einem Lande beansprucht: von Deutschland. Wir kämpfen auf fremdem Boden für die Befreiung und Erneuerung unserer Heimat, die fremde Eroberer besetzt haben! Vor der Größe dieser Aufgaben verblaßt jede andere. Jeder von uns steht auch in dem Lande, das ihm Asyl gegeben hat, im Dienste dieser Aufgabe. Wir schwächen sie und wir schwächen uns selbst, wenn wir uns ungerufen in die Innenpolitik an- derer Völker mischen, ohne daß wir imstande sind, un- seren Freunden unter ihnen zu nützen. Vielleicht hört man diesen Einwand: Und die Saar? Sind nicht hier„deutsche Emigranten" aktiv am Kampf gegen Hitler beteiligt? Diese Frage birgt einige Irr- tümer. Im Saargebiet gibt es überhaupt keine„Emigranten". Es handelt sich um Deutsche, die auf deutschem Boden gegen die Usurpierung Deutsch- lands durch Gewaltherrscher kämpfen. Sie mischen sich nicht in fremde, sondern in deutsche Politik ein. in eine Auseinandersetzung unter Deutschen. Hier dabei zu sein, ist ihre Pflicht und ihr gutes Recht. Gefängnis fiir Bibelforscher Hannover, 1. Okt. Vor dem Schöffengericht in Hamm hatten sich zwei Mitglieder der„Internationalen Bibel- sorscher-Vcreinigung" unter der Anklage der Verbreitung staatsfeindlicher Lehren zu verteidigen. Ihr Verbrechen bc- stand darin, vor der lebten Volksabstimmung von Hans zu Haus gegangen und Schriften der Bibelforschcrvereinigung angeboten zu haben. Der Staatsanwalt erklärte, daß die An- geklagten sich aus Grund ihrer religiösen Erivägungen be- wüßt gegen den neuen Staat stellten und deshalb als ge- meingefährliche Staatssein de exemplarisch z u b e fr r a f e n seien. Der Vorsitzende ivies daraus hin, daß man keinem Menschen die Zugehörigkeit zu einer Bibel- forschungsgesellschaft verbieten könne: dagegen sei die Ber- breitung ihrer Ideen zu bekämpfen. Die Angeklagten wurden zu je zivei Monaten Gefängnis verurteilt. Pas Heuerte Der„Fiiyrer" hat Göring ein neuartiges Automobil, das auf li Rädern laust, geschenkt. Die Fabrikationomarke des Wunderwagens wird nicht genannt— offenbar handelt es sich um ei» militärische» Geheimnis. * Am 5. Oktober beginnt vor dem Breslauer Oberlandes« gericht ein Prozeß gegen AI Arbeiter aus Görlitz und Um« gebung, die der Borbereitung zum Hochverrat angeklagt sind. In dem Sachlicserungsschiebungsprozeß vor dem Volksgericht in Berlin wurde der Angeklagte Falk zu fünf Jahren einem Monat Zuchthaus und zehn Iahren Ehrverlust verurteilt. In der Mittwochsitzung des britische» Kabinetts, der zwei- ten nach der Sommerpause, wurde u. a. auch die Frage der deutsch-englischen Handelsbeziehungen er- örtert. Ei» Bericht von Sir Frrderic Leith-Roß über seine Berliner Mission liegt den Ministern vor. Die Frage des Zusammenschlusses der sozialistischen und kommunistischen Gewerkschaften wird am kommenden Freitag entschieden werden Das National« komitee des Gemcrkschastsverbandes sozialistischer Richtung sCGT.j tritt an diesem Tage zur Erörterung und Beschluß- sassung zusammen. Der Vorstand des kommunistischen Ge- werkschastsverbandeo ist ebenfalls einbcrufen worden, so daß Abordnungen beider Richtungen über die Bedingungen eines Zusammengehens berate» dürsten. Der Staatspräsident hat den Führer der radikalen Partei Lerroux mit der Kabinettsbildung beauftragt. Der Aus- trag lautet dahin, eine Mehrheitsregierung aus breitester parlamentarischer Grundlage zu bilden. Staatspräsident Päts hat Dienstag nacht das e st l ä n» d i s ch e Parlament ausgelöst. Neuwahlen dürsten in ab- sehbarcr Zeit nicht erfolgen, da die Regierung Päts wahr- scheinlich ohne Parlament weiterrcgieren wird. Bor dem amerikanischen Luftsahrtauslchuß forderte Brigadegeneral a. D. WilliamMitchell den Bau von Flugzeugen mit einer Reichweite von zehn- bis 80(100 Kilometer, mit denen man Japan angreisen könnte. Mitchell erklärte, Japan sei der gefährlichste Feind der Bereinigten Staaten. Die sür die zweite Oktober-Hälste in Aussicht genommene erste Tagung der sechs Goldblockländer lBclgien, Holland, Luxemburg, Schweiz, Frankreich und Italiens ist aus den SO. Oktober in Brüssel anberaumt worden. „Manchester Guardian Weekly", die Wochen- ausgäbe des„Manchester Guardian", ist in Deutschland ver- boten worden. Die letzte Nummer wurde von der Gestapo beschlagnahmt. Eine Begründung der Maßnahme ist nicht verössentlicht worden. Der S. pan ameriranifche Kongreß gcaen Krieg und Faschis- mus wurde in Ehikago eröffnet. An dem Kongreß nehmen 6000 Delegierte teil, die ungefähr SO Millionen Mitglieder verschiedener antifaschistischer Organisationen vertreten. Unter den Delegierten befindet sich u. a. der ehemalige preu- bische Iustizminister Dr. Kurt Roscnseld. Das konservative Mitglied des englischen Unterhauses Adams hat gestern offiziell bei der deutschen Botschaft in London angefragt, ob der Prozeß gegen Thälmann tatsächlich am 16. Oktober beginne. Die Botschast verweigerte die Ans- kunft. Frankreichs inncrpollüsdic Spannung ilerrtol im Wahlkampl Für eine Front der Mitte Paris» 8. Okt. Im Wahlkampf für die am nächsten Sonn- tag stattfindenden Kantonalwahlen sprach Hcrriot in Lyon zugunsten eines radikalsozialistischen Kandidaten. Seine Aus- sührungen waren der Versuch einer Rechtfertigung der radi- kalsozialistischen Innen- und Außenpolitik. Herriot beglück- wünschte Frankreich zum Eintritt der Sowjets in den Völker- bund. Die Sowjetunion habe versprochen, mit Frankreich zusammen sür den Jriedcn zu arbeiten. Innenpolitisch sind seine Darlegungen insofern bemerkenswert, als sie die in letzter Zeit mehr und mehr zutagetretende Absicht der Radi- lalsozialisten zu bestätigen scheinen, die Führung einer Front der Mitte, in der alle wahrhaft bürgerlich-repnblikanischc» Elemente geeint wären, zu übernehmen und so einen Block gegen den Extremismus von rechts und links zu bilden. Doumergues Reformpläne Entweder— Oder Paris, 8. Okt. Im„Echo de Paris" begrüßt de Kerillis, der von einer längeren Rußlandreise zurückgekehrt ist, die Staatsreformpläne Doumergues als letzte Möglichkeit zur Verhinderung des vollständigen Zusammenbruches. Das Land müsse wählen: entweder eine mehr oder weniger kom- munistische Revolution mit allen sie begleitenden Schrecken und zweifellos dem auswärtigen Krieg als Abschluß oder eine mehr oder weniger faschistische Revolution mit ebenso ernsten Gefahren, Bürgerkrieg und anschließend vielleicht auch auswärtigem Krieg, oder endlich eine sehr schnelle ener» gische, aber nicht brutale Evolution zu einem autoritären Regime mit einem erneuerten Parlamentarismus.— Die von Toumerguc geplante Staatsreform wird übrigens auch vom Führer der Frontkämpfervcreinigung Feuerkreuz, Oberst de La Rocgue, als dringend erforderlich bezeichnet. De La Roque spricht sich in diesem Sinne im Rahmen einer vom„Excelsior" veranstalteten Rundsrage aus. General weggand Kein Wechsel der französischen Heeresleitung vor der Saarabstimmung Paris, 3. Okt.' Anfang kommenden Jahres wird der Krtegsminister über die Personenfrage in der Obersten Hee- reSleilung zu entscheiden haben. Der Generalinspektor Ge- neralinspektor General Wcygand müßte infolge Erreichung der Altersgrenze ausscheiden. In allen zuständigen Kreisen soll aber, wie der„Petit Partsien" behauptet, die Auffassung vorherrschen, daß Wengand weiterhin im Amt bleiben müsse und man unbedingt mit der Verlängerung seines Mandates rechne. Ter„Petit. Parisien" führt als einen der Gründe, die dafür sprechen, bezeichnenderweise auch an, daß acht Tage vor der Taarabstimmung Kriegöminister Marschall Petain nicht einen Wechsel in der Heeresleitung vornehmen wolle und daher ganz energisch auf der Beibehaltung Wengands be- stehen dürfte. Sollte dieser wider Erwarten doch seinen Rück- tritt nehmen, käme als aussichtsreichster Nachfolger der jetzige Gcneralstabschef Gamelin in Frage, der im Ge- neralstab durch das Mitglied des Obersten Kriegsrates Ge- ncral Georges ersetzt werben würde. Neues rumänisches Kabinelf Aber die Krise nodi nidit beende! Bukarest, 2. Oktober. Die neue Ministerliste ist folgende: Ministerpräsident, vorläufiger Außenminister und Rüstungsminister: Tatarcscu: Unterricht: Dr. Angelesen: Heer: General Angelescu: Inneres: Euculct: Industrie und Handel: Manolescu Ttrunge: Verkehr: Franafowici: Justiz: Victor Antonescu: Gesundheit: Dr. Costinescu: Finanz: Slavescu: Ackerbau: Sassv: Arbeit: Nistor: Kultus: Lapedat: ohne Portefeuille: Balerpop. Die Ministerlistc weist nicht jene großen Acnberungcn auf, die man erwartet hatte. Tiluiescu madif Sdiwierlghellen Wird er wieder Außenminister? Par»s, 8. Okt. In französischen politischen Kreisen begrüßt man die Nachricht, daß Titulescus Rücktritt wohl nicht als endgültig anzusehen sei, mit Genugtuung und hofft, daß eine Aussprache mit Tatarcscu es ihm erlauben werde, der außenpolitische Schiedsrichter Rumäniens zu bleiben. In den offiziellen französischen Kreisen, stellt der „Excelsior" fest, sei man angenehm berührt zu erfahren, daß auf die Anregung des Königs Carol Tatarcscu und Titu- lescu zweifellos eine Zusammenarbeit wieder aufnehmen würden, die notwendiger sei denn je in dem Augenblick, in dem Verhandlungen von größter Bedeutung für die Festi- Angst und bange wird uns Ein mutiger Bisdiol gung des Friedens in Mittel- und Osteuropa anheben. Die Versuche, die Kleine Entente zu veruneinigen, würden so- mit durch den Klarblick und die Energie des rumänischen Herrschers durchkreuzt. Auch der Außenpolitiker des„Echo de Paris" erwartet, baß es Titulescu gelingen werde, wenigstens für einige Monate die außenpolitische Leitung seines Landes wieder zu übernehmen, was um so be- grüßensiverter wäre, als die allgemeine diplomatisch« Bilanz keineswegs erfreulich laute. Der Beistandspakt ivcrde nicht nur von Berlin und Budapest, sondern auch trotz allem gegenteiligen Schein von Italien bekämpft, das zwischen den Verteidigern des Status quo und seinen Gcg- ncrn eine ziemlich eigentümliche Haltung einnehme. Auffällig sei auch die fieberhafte Tätigkeit Polens.„Jour" meint, gerade Titulescus Vorliebe für Frankreich habe indirekt zu seinem Rücktritt den Anlaß gegeben. Titulescu habe die französische Politik mit Energie vertreten. Wäh- rend er noch im Jahre 1982 anderer Ansicht gewesen sei, sei er jetzt bereit gewesen, Rußlands Eintritt in den Völker- bund zu begünstigen. Das aber habe ihm den Hals ge- brachen. Die Mehrheit seiner Partei, ebenso wie sein König und der ihm vorgesetzte Ministerpräsident hätten seinen Frontwechsel nicht gutgeheißen. U Der katholische Bischof Kaller der ostpreußischcn Diözese Ermland veröffentlicht soeben im„Berliner Kirchcndlatt" eine bemerkenswerte Ansprache, die er unlängst auf einer Volkswallfahrt in Tietrichswalbe gehalten hat. Kaller sagte hier unter anderm: „Mit Sckmerz stellen wir fest, daß gerade im letzten Jahre Strömungen und Bewegungen in unserem Bater- lande ausgetreten und erstarkt sind, die sich gegen die Grundwahrheiten der katholischen Kirche wenden und ans eine neue Religion, eine deutsche Nationalkirche hinzielen, die begründet werden soll mit dem Mnthus des Blutes und der Rasse Die Bereitwillig- teit des katholischen Volkes, sich sühren zu lassen, ist sür die Bischöfe ein großer Trost. Angst undbange wird uns, wenn wir an unsere große Verantwortung denken, denn viel verlangt man von einem Führer. Der Führer muß ron einer großen Idee ganz durchdrungen sein. Diese eine Idee kann nur Ehristus der Herr sein. Wer als geistlicher Führer diese Idee nicht ganz in sich aus- genommen bat, ist kein Führer." Von katholischer Seite ivird darauf hingewiesen, daß sich wesentliche Teile der Ansprache des Bischofs Kaller genau mit dem bekannten Hirtenbrief der Fuldaer Bischokskonferenz decken, dessen Vorlesung und Pu- blikation bekanntlich durch die Gestapo unterdrückt wurde. Bischof Kaller ist ein mutiger Kirchenfürst. Er scheint die braunen Diktatoren nickt so zu fürchten wie einige seiner Amtsbrüder, die dem Katholizismus in diesem„dritten Reich" immer noch mit Taktik zu nützen glauben. Seltsame Deinen üs Das Deutsche Nachrichtenbüro bringt folgendes etwas meriwttrdige Dementi: „Auf Anfrage des Deutschen Nachrichtenbüros teilt der T o h n des früheren Ministers Dr. Sieger wald mit, daß an den Meldungen ausländischer Blätter, sein Vater sei ermordet, kein wahres Wort sei. Sein Vater sei gesund und werde morgen von einer Reise nach Berlin zurück- kehren." Wohin die„Reise" gegangen war, erfährt man nicht. Ebenso rätselhaft bleibt, warum der Sohn Stegerwalds dementiert und nicht der Bater. * Nicht weniger seltsam ist ein zweites Dementi. ES lautet: Göll Im Himmel Er heißt heute Adolf Mit Recht ist der BnzantiniSmu« unter dem letzten voyen- zollernkaiser oft gegeißelt worden, und doch war er nur harmlos gegenüber der üblen Speichelleckerei, deren sich die braune Preise gegenüber dem Manne aus Braunau be- fleißig«. In der„Fränkischen Tageszeitung", dem Blatte Julius Streichers, lesen wir über die Bauernkundgebung aus dem Bückeberg folgendeshr Gebet müßte täglich sein:„Führe uns nicht in Ber- Buchung!' II -i abei tut dies völkische, vor Mißwirtschast blutlose, bodenlose Pack noch national Man soll wohl ehrenhaste X eure veranlassen, den Arm zu heben swenn es noch das Bein wäre!» vor einer Politik, die- sogar vom Patrioten- »landpunkt gesehen mit großem Schwindelmaul und lammcrlichcr Unfähigkeit alles preisgab, was als „nationale Belange" galt:— eine Tippe, die noch- mals Zäidtirol, Oberichlcsien. Elsaß und ihre» eigene» Hintern verkaufen würde, wenn ihnen das den Hin- auswurf ersparte. Nur das n.cht!„Das«leben ist der Güter höchstes", scheint ihre Losung zu sein. Wirkt man uns mit Separatisten in einen Topf, die -x eutlchland zerstückeln wollen— wenn man schuldlose Menschen vor Unglück schützt und Treck? III Bon diesen kläglichen«leiten soll man sich anranzen lassen? Per„Kanaille" beschimpfe» lassen?(Kanaille...? TaS Ge- "ndel ist zu dumm, auch nur welsche Worte zu meiden— un- teutsche!> so ein geborenes.Klosettgcwächs will sich mausig machen gegen Leute mit einer Gesinnung? To ein betrippter ZwangSkuli gegen unabhängig Denkende? Tie machen uns moralische Vorwürfe— die Tbirren gelb- gieriger Ganner. die sich klobig bereichern, wenn a» den teuren tcutschcn Volksgenossen die Auszehrung frißt? Tie Millionen säckeln und verstecke!». Moral predigen? Diese völlig ehrlosen Subjekte, die aus langsamer Menschcnzerfleischung ein schmieriges System ge- macht haben? Feigheit uns vorwerfen? Diese feigsten Rohlinge des be- wohnten Erbballs, die gegen eine kleine Minderheit barba- risch werden, aber vor jedem kommandierenden Lump krie- cken: vor jedem grobschlächtigen Lügenmaul ducken: den Mund nicht öffnen vor dem blutigsten Unrecht. Kurz: Halun- ken von einer besonders ehrlosen Grausamkeit. Das wirft uns Feigheit vor! IV Und das verdächtigt unsre Haltung zur Saar. Man soll wohl noch mehr Leidenskreaturen zur viehischen Folterung ausliefern— hä? Man soll wohl für euch Fledderer noch den Zutreiber machen— was? Man soll wohl unbescholteneLeute zwingen, das Zuhälterlied einer ganzen Nation stehend zu hören— nicht? ES gibt nur ein Mittel gegen diese Bande von bisher Straflosen: das Gesamtvorgehn europäisch-amerikanischer Mächte lwcnn sie nur einig wären!» gegen einen Abhub, der keine Bazillen zu züchten braucht, um Pest zu sein. Wer den Rückfall der Saar an dies kannibalische Hitler- deutschland lnicht an ein anständiges Teutschland! zugibt, handelt feig und gewissenlos. In summa:— Jeder Saarländer soll täglich sprechen sder gläubige mit einer frommen Bitte zu seinem Herrgott, der sreidenkende mit einem weltlichen Wunsch an das Schicksals: „Führe uns nicht in Verseuchung!" Oer Eingang der Außenstände gefährdet Eine Alarmnachricht ist in diesen Tagen eingetroffen: Teutschland hat im August, also im ersten Monat der Wirk- samkeit des neuen deutsch-sranzösischen Handelsabkommens, für 17,5 Millionen Franken aus Frankreich mehr eingeführt, als es nach Frankreich ausgeführt hat. Damit ist der deutsche Außenhandel mit Frankreich zum erstenmal seit Fahren passiv, so daß in der Pariser Ausgleichskasse statt eines Ucberschuß'es, ein Defizit festzustellen ist. Tie Folgen dieser Entwicklung für die Taarwirtschast sind sehr bedenklich. Tie Taarwirtschast wird von dieser kaum vorhergesehenen Eni« wicklung des deutsch-sranzösischen Handels besonders stark be- troffen, da der Anteil der Saarwirtschaft am Warenverkehr mit Teutschland stärker ist, als der des übrigen französischen Zollgebietes. Als Ende Juli das deutsch-französische Zahlungsabkommen abgeschlossen ivurde, ist es von der gesainten Saarwirtschaft, trotz mancher Bedenken, die auf den bürokratischen Charakter des Rcchnungsvcrkchrs zurückzuführen ivaren, begrüßt wor- den, da dieses Abkommen angesichts des Bankrotts des„drit- ten Reichs" der einzige Ausweg zur Ausrechterhaltung der normalen Handelsbeziehungen mit dem„dritten Reich" war. Tie Reichsregierung hat mit dem Arbeitsbeschafsungspro- gramm die Finanzen des Deutschen Reiches derart herunter- gcwirtschaitct, daß das„dritte Reich" zahlungSunsähig wurde. Damit wäre» auch die Lieferungen der Saarivirtschaft nach Deutschland gefährdet, denn man hätte ja aus die Dauer dort- hin keine Waren liefern können, wenn das Reich für die Liderungen nicht bezahlt hätte. Das Verrcchnungsabkommen mit Frankreich brachte die Lösung. Dieses Verrcchnungsabkommen ging von der Voraus- sevung eines Ausfuhrüberschusses Deutschlands gegenüber Frankreich aus. Deutschland hatte in den„verruchten Zeiten der marxistischen Mißwirtschaft" einen Ausfuhrüberschuß von fast drei Milliarden Franken gegenüber Frankreich. Je mehr sich die Mißwirtschast des„dritten Reiches" im deutschen Außenhandel auswirkte, desto geringer wurde dieser Aus- fuhrttberschuß. Immerhin blieb selbst im ersten Halbjahr 1834 die Handelsbilanz im dentsch-französischcn Warenverkehr mit rund»2 Millionen Reichsmark zugunsten Teutschlands aktiv. Von dieser Aktivität zugunsten Teutschlands ausgehend, nahmen die französische» Unterhändler an, daß die Zahlungen sür den Export aus dem französischen Zollgebiet»ach dem „dritten Reich" gesichert seien, da in der Pariser Ausgleichs- käste stets ein gewisser Ucberschuß vorhanden sein müßte. Für die Saarivirtschaft war dies unter den gegebenen Ver- hältnisten die denkbar günstigste Lösung, denn nun konnte man nach dem„dritten Reich" ruhig liefern in dem Bewußtsein. daß man das Geld über kurz oder lang aus der Pariser Ausgleichskasse erhalten wird. Diese Hoffnungen find nunmehr über den Hausen geworfen .Beispielloser ZusommenbrudT Tie„Saarbrücker Zeitung" bringt im Zusammenhang mit dem Rückgang der deutschen Aussuhr»ach Frankreich einen anscheinend von großindustriellcr Seite inspirierten Artikel, der den Zusammenbruch der Saarwirtschaft ankündigt. In dem Artikel heißt es u. a.: „Bis jetzt find bei der Ausgleichstasie nicht weniger als ISN Millionen Franken Zahlungsrückstände zugunsten des Saargebictes ausgelausen. Dabei sind das nur die Rück- stände von fünf Wochen. Jede weitere Woche erhöht den Betrag um über 20 Millionen, jede weitere Woche bringt uns der Zahlungseinstellung der Großindustrie näher— die Steocreingänge bei den Gemeinde» stocken, die Aus- Zahlungen der öffentliche» Kassen an Lieferanten, Beaufte nnd Angestellte können nur noch mit Mühe nnd Rot ge- leistet werden. Wie lange noch? Jede weitere Woche rückt die Gefahr eines beispiellosen Zusammenbruches weiter heran." Wir misten nicht, wen die„Saarbrücker Zeitung" unter der„Großindustrie" meint. Sollte es etwa Röchling sein, dem das Blatt nahesteht? Zollte man die Worte der„Saar- brücker Zeitung" so verstehen, daß die Firma Röchling vor dem Zusammenbruch steht und zwar, weil diese Firma zu denjenigen gehört, die. allen Warnungen zum Trotz, in der Hauptsache nach dem„dritten Reich" geliefert hat? Wir wollen im Interesse der vielen taufenden saarländischen Arbeiter und Angestellten sowie der Kunden der Röchling- Hai Draon sprldit in Paris A. Ph. Paris, den 4. Oktober 1934. (Eigener Bericht der„Deutschen Freiheit"! Am Dienstagabend sprach Max Braun in Paris im Saal der Mutualfts über das Saarproblem. Vor ihm hatte Dr. HerbertMayer von der..»rtioo<-»>!,». lique", der an der Saar abstimmungsberechtigt ist und neu» Monate im Konzentrationslager Oranienburg zu- gebrach« hat, erklärt, seitens der katholischen Kreise an der Saar werde selbstverständlich dafür gesorgt werden, daß der Status quo vorläufig im Saargebiet er- halten bleibt. Jubelnd begrüßt die Menge, die den Saal der Mutualite in Paris bis auf den letzten Platz füllt, Max Braun, als er den Saal mit zum Freiheitsgruß erhobener Faust betritt, und diese Ehrung, die mit Max Braun allen Freiheit»- kämpfen, an der Saar gilt, wiederholt sich in noch stärkerem Maße, als er seineu Vortrag beginnt, in dem er die Saar- frage behandelt und vor allem darlegt, in wie hohem Maße das Schicksal der Saar Hitlers Schicksal bestimmen wird. Mit gespannter Aufmerk'amkeit folgt man dem Redner, kein Zwischenruf unterbricht ihn, nur dann, wenn er davon spricht. daß es am 1«. Januar»ich, darum gehe ,u entscheiden, ob die Saar deutsch sei oder französisch— dj» Saar sei deutsch und bleibe deutsch—, sondern ob sie sür oder gegen Hitler sei; wenn er erklärt, 80 Prozent de« katho- tischen Klerus an der Saar seien für de» Status quo, weil er Hitler« neudeutsches Heidentum ablehne: wenn er be» tont, die Saar werde Deutschland befreien helfen, indem sie ihrerseits Hitler durch die Abstimmung den schwersten Schlag versetze. Es folgt lauter Beifall, denn man begreift, was am 13. Januar auf dem Spiele steht. Diese Zustimmung wird geradezu stürmisch, als Max Braun heißen Tank dem un- bekannten Soldaten der Freiheit an der Laar ausspricht, der unter beispiellosem Terror stehe und doch der Sache der Freiheit treu bleibt.„Vor diesen Arbeitern", ruft er aus, „habe ich eine Hochachtung, die tausendmal größer ist als die vor dem'ntellcktuellen Pack, das sich in Deutschland gleichgeschaltet hat und auf seine Bildung stolz gewesen ist." Max Braun berührt am Schluß die außenpolitische Be- deutung der Saar, die die Brücke zivischen Frankreich und dem anderen Teutschland bilde, das trotz alledem und alledem lebe. Tie Saar wolle die Verständigung zwischen Frankreich und Deutschland, wolle friedliche Verständigung, darum sei der 13. Januar ein Großkampstag sür den Frieden. Mehr noch als der stürmische Beifall, der diesen Aussüh- rungen folgt, beweisen zahlreiche Anfragen das lebhafte Jnleresie. das der Redner bei seinen Zuhörern wachgerufen hat. der besonders Helmuth v. Gerlachs Fragen nach der internationalen Polizei und der Aufgabe de» Msgr. Panrco beantworret. worden. Denn durch die perfide und betrügerische Politik des Reichsbantrotteurs Schacht wurde dieser Berrechnungsver- kehr zu einer erhöhten Einsuhr aus Frankreich ausgenutzt. Von deutscher Seite sind verstärkte Rohstosfcinkäuse vorgc- nomine» worden. Man brauchte keine Devisen zu zahlen, son- der» zahlte bei der Reichsbank ein. die dann später mit der Pariser Ausgleichskasse verrechnen sollte. Das Ergebnis d«e- ser gewissenlosen Politik, die wieder einmal den Zweck hatte, den Gläubiger zu rrellen, war, daß die Einsuhr aus Frank- reich im August um 13 Millionen Franken ans 103,3 Millionen angewachsen war, während zu gleicher Zeit, ent- sprechend der allgemeinen Entwicklung der deutschen Ausfuhr, der Export nach Frankreich um 14,2 Millionen aus 150,3 Mil- lionen sank. Neben der verstärkten Rohstofscinsuhr spielen bei dieser ganz neuartige» Gestaltung des deutsch-sranzösischen Verkehrs die künstlich nach dem Saargcbiei gelegten Austrage des „dritten Reiches" eine Rolle. Für den einzelne» Unternehmer i>' es naturgemäß sehr sympathisch, wenn er größere A»t- träge aus dem„dritten Reich" bekommt. Aber sür die Saar- Wirtschaft in ihrer Gesamtheit bildeten diese erhöhten Be- stellungcn aus Deutschland eine Gefahr, da die Saar es nicht mit dem früheren Deutschen Reich zu tun hat. sondern mit einer bankrotten 05cfcCTftt der IcftifUidi um politifcficu Erfolge liegt und der das Schicksal der Saarivirtschaft gleich- gültig ist. Wir haben stets erklärt, daß die höhere» Aufträge, die jetzt aus dem Reich eingehen, nicht aus wirtschaftliche Notwendigkeiten, sondern ans politische Machinationen zurückzuführen sind Mit dielen höhere» Bestellungen an der Saar soll bei der Saarbevölteruna der falsche Eindruck er- weckt werden, als ob das..dritte Reich" i„ der Leae wäre, die Kaarproduttion auszunehmen. Es muß doch wirtlich jedem Menschen, der seinen klaren Verstand»och nicht verloren hat. anlsallen. daß in einer Zeit, wo das„dritte Reich" seine E'n- fuhr generell drosielt. es ausacrechnet ans dem Saargeb'et in steigendem Maße Waren bezieht. Die Folgen dieser Politik in Verbindung mit de» stärkeren Rohstoffbezügen des Reichs aus dem übrigen ftanzösischen Zollgebiet habe» sich j e tz t s ch o n a l s e i n D o( ch u o ß gegen die Taarwirtschast ausgewirkt. Die Handelsbilanz des„dritten Reiches" gegenüber Frankreich, in passiv. Es sind somit keine Ueberschüffe vorhanden. Damit kann eine Reihe von Forderungen durch das„dritte Reim nicht beglichen werden, und ein Teil der Augenstande der Taarwirtschast ist damit gefährdet. Wir können den saarländischen Unternehmern nur emp- fehlen, dem Rate Lamonrenx' Folge zu leisten. D ,c Liefe- rungen nach dem deiche einzuschränken, äa sie sonu* oesalir lausen, nicht bezahlt zu werden. Später kann man zwar iainmern, schreien und schimpfen, aber Helsen wird es nichts. Denn der Bankrotteur Schacht ist zahlungsunsahtg.. bank hoffen, daß der Alarmruf der„Saarbrücker Zeitung' übertrieben ist. Aber immerhin muß im Gcsamtinterene verlangt werden, daß das Blatt oder die Firma Röchling etwas deutlicher werden. „Landesverräter" Die Terrorfront Seit Hitler das deutsche Volk, statt es national zu einigen, hoffnungslos zerrissen hat, ist die Rückgliederung des Saar- gebictes im Jahre 1935, sehr vorsichtig ausgedrückt, recht»n- geiviß geworden. Auch die sogenannte„deutsche Front" rech net bei aller Großmäuligkeit mindestens mit der Möglichkeit des Status quo. Wer diese Möglichkeit ins Auge faßt, muß aber als Deut- scher unbedingt rechtzeitig, d. h. noch vor der Abstimmung darauf hinwirken, daß die Saarländer ein erweitertes Mit- Bestimmungsrecht, ja möglichst die volle Demokratie erlangen. Merkwürdigerweise suchen das aber die Organe der fozu- sagen„deutschen Front" zu verhindern. Sie beschwören die französische Regierung, sich unter keinen Umstände» sür erweiterte Rechte der Saarbcvölkcruug einzusetzen, denn das verbiete der Vertrag von Versailles. In so verrückte Wider- sprüche müssen sich Leute verwickeln, denen durch ihre Geldgeber in Berlin besohlen ist, die Reste ihres spärliche» Ten- kcns unbedingt mit den persönliche» Interessen der nationalsozialistischen Parteibonzen gleichzuschalten. Tie„Saarbrücker Zeitung", die ein Musterbeispiel für diese Versaillesschwärmerei ist, wenn sie sich gegen die Demokratisierung des Saargebietes wendet, nennt alle die Saarländer, die sich den Fußtritten des Herrn Hitler nnd feiner Knechte nicht fügen«vollen,„Landesverräte r". Das Blatt erklärt da» Eintreten und das Abstimmen für den Status quo„ein formales Recht zum Landesverrat". Wir wollen dem Blatte und den für die Freiheit und die Ordnung der Abstimmung Verantwortlichen in aller Ruhe eines sagen: die Anhänger einer freien, aus deutscher Gesinnung erwachsenden Abstimmung habe» es satt, sich immer wieder als Landesverräter, d. h. eines Verbrechens beschul- digcn zu lassen, das nach dem deutschen Strafgesetzbuch a l s ehrlose Tat mit harten Strafen verfolgt w i r d, im jetzigen Staate mit der Todesstrafe belegt werden kann. Diese Drohung mit dem Landesverraisparagrafen ist von schlimmster terroristischer Art. Tie besagt nicht mehr und nicht weniger, als daß jeder, der für den Statu? quo ein- tritt, jetzt schon mit der Aechtung und nach der etwaigen Rück- gliederung mit der strafrechtlichen Verfolgung oder Schlim- merem zu rechnen hat. Die„Saarbrücker Zeitung" tut damit kund, daß die„deutsche Front" auf alle Abkommen und Ga- rantien pfeift und ihre Rache vorbereitet. Wenn diese terroristischen Drohungen unter den Augen der Regierung— und der Abstimmungskommiision fort- gesetzt werden dürfen, kann von einer wirklick freien Ab- Kimmung gar keine Rede sein, „Deutsche Freiheit" Nr. 230 ARBEIT UMD WIRTSCHAFT Donnerstag, den 4. Okt. 1934 Raucht nordischen Tabak! Eine der großen Hamburger Metallraffinerien wurde nach einem Bericht der„Neuen Zürcher Zeitung'* infolge der Stockung der Metall-Erzzufuhren zur Stillegung gezwungen. * Nachdem infolge dei finanziellen Zusammenbruchs das Reichswirtschaftsminiaterium Tauschgeschäfte mit dem Ausland zu fördern bestrebt ist, werden an verschiedenen Stellen des Reichs entsprechende Auskunftsstellen, die der Vermittlung des Warenaustauschs und des Kompensationsgeschäfts dienen, aufgemacht. So ist in Bremen eine Zentralauskunftsstätte für Tauschgeschäfte errichtet worden. Auch die Handelskammer Hamburg hat ihre Beratungsstelle für den Warenaustausch weiter ausgebaut. * Wie aus Rotterdam gemeldet wird, ist ein großer Posten von nahezu 20 000 trockenen Buenos-Aires-Americanos- Häuten im Tauschverkehr nach Deutschland zum Preise von 6 d per Ibs. verkauft worden. * Die englische Kohlenausfuhr nach Den t s c h 1 a n d ist infolge der Devisenschwierigkeilen zurückgegangen. Während sie im Juli sich auf auf 220 000 It stellte, ist sie im August auf 141 000 lt gefallen. Im September ist eine weitere beträchtliche Senkung zu erwarten, da sich für diesen Monat die Folgen der Lieferungssperre der englischen Kohlenerzeuger auswirkt. * In der legten Septemberwoche konnte man am rheinischen Getreidegroßmarkt, wie amtlich bestätigt wird, ein geringes Angebot in rheinischem Weizen feststellen. Die Abgabeneigung der Landwirte wird damit erklärt, daß die Mühlen, die auf Grund der neuen N'aturalgewiehtsbestim- mungen sich errechnenden höheren Preise nicht bewilligen, und weil die Landwirte die höheren Oktoberpreise abwarten. Die Folge dieser Zurückhaltung der Landwirte wird eine Verteuerung des Weizenpreises sein. * In der Aachener Tuchindustrie herrscht große Mißstimmung. Es wird darauf hingewiesen, daß die Bestimmungen der Faserstoff Verordnung über das Verbot unberechtigter Preiserhöhung immer noch viele Unklarheiten enthalten, die eine starke Unsicherheit zur Folge haben. Vor allem wird in der Tuchindustrie beanstandet, daß Tuche, die in der Zeit vom 1. bis 21. März mit Verlust-von den Tuchfabriken verkauft worden sind, nach den Bestimmungen der Faserstoffverordnung auch heute noch mit Verlust verkauft werden müssen. Es wird daher als erforderlich angesehen. daß die Preisbestimmungen in eine tragbare Form gebracht" Vittlen, so daß eine Kalkulation ermöglicht- wird, die die Weiterbesrhäftigung der Betriebe und der Arbeiter auf die-Dauer sichert. * Nach Mitteilung des Statistischen Reichsamts wurden im September d. J. durch den Reichsanzeiger 2 0 8 neue Konkurse— ohne die wegen Massemangels abgelehnten Anträge auf Konkurseröffnung— und 67 eröffnete Vergleichsverfahren bekanntgegeben. Die entsprechenden Zahlen für den Vormonat stellen sich auf 213 bzw. 65. * Nach dem neuesten Bericht der Reichsbank für Ende September haben sich die Deckungsbestände kaum verändert. Die Bestände an Gold und deckungsfähigen Devisen blieben bei der Zunahme um 37 000 RM. mit 78.9 Millionen RM. nahezu unverändert Im einzelnen haben die Goldbestände um 17 000 RM auf 75 Millionen RM. und die Bestände an deckungsfähigen Devisen um 20 000 RM. auf 3,9 Millionen RM. zugenommen. * Zur Förderung der Oelgewinnung aus deutschen Oelsaaten sind von der Reichsregierung Maßnahmen eingeleitet worden,, in die bisher Raps. Rübsen und Leinsaat sowie. Mohnsaat, letztere soweit sie im Lohnschlag verarbeitet wird, einbezogen sind. Um auch die in diesem Jahre außergewöhnlich reiche Ernte an Bucheckerkernen für die inländische Oelgewinnung nutzbar zu machen, wird für das aus Bucheckern gewonnene Oel eine Ausgleichs Vergütung von 50 RM. je 100 kg Oel gezahlt werden. Der„Deutsche Tabakarbeiter"(Nummer 34) ist der Ansicht, daß für>in Volk, dem Gott einen Hitler beschert hat, es ein Leichtes wäre, die Auslandsprodukte„weitgehend durch nationale Rohstoffe zu ersetzen". „Das gilt auch für die Tabakwirtschaft. Dank der Förderung des deutschen Tabakbaues durch die nationalsozialistische Regierung wird heute bei uns Rohtabak erzeugt, der den Wettbewerb mit dem ausländischen nicht mehr zu scheuen braucht." Da sieht man wieder einmal, wie vor einem„totalen Staate selbst die Natur zu Kreuze kriechen muß. Bis zu Hitlers Machtergreifung konnten selbstverständlich die jahrzehntelangen Anstrengungen, den deutschen Kanaster rauchbarer zu machen, keinen Erfolg haben. Da durfte mit Fug und Recht dieses Kraut als eine besonders gemeine Waffe im Klassenkampf angesehen werden, deren sich rote Untermenschen vorzugsweise bedienten, um das Bürgertum in die Flucht zu treiben. Nur anderthalb Jahre Hitler-Sonne, und dem deutschen Boden entsprießt ein Tabak, der mit jedem ausländische den Wettbewerb aufnimmt. Noch ein Jahr, und die Welt wird erblaßend zugeben müssen, daß auch in der Welt des Tabaks die orientalischen negroiden Rassen gegenüber der nordisch-teutschen völlig minderwertig sind. Hat doch jetzt schon die Reichsernährstands-Ausstellung in Erfurt den Beweis geliefert,„daß mit deutschem Rohtabak erstklassige Tabakerzeugnisse hergestellt werden können". Die Freude des„Tabakarbeiter", daß der Verbrauch von Inlandstabak„in letzter Zeit stark zugenommen" habe, scheint uns allerdings nach den von ihm selbst mitgeteilten Zahlen Bauhandwerk klagt Der Reichsstand des deutsehen Handwerks macht in seinem dritten Vierteljahresbericht ein interessantes Bekenntnis. In dem Bericht heißt es u. a.t Die Saisoneiuflüsse sind in diesem Jahr dadurch fast ganz ausgeschaltet worden, daß die Instandsetzungsaktion einen großen Teil der Bauaufträge vorweggenommen hatee. Straßenbau und Tiefbau waren unverändert gut beschäftigt. Das Hochbaugewerbe hatte beim Wohnungs- und Siedlungsbau Beschäftigung. Der nach Abschluß der Instandsetzungsaktion eingetretene Rückgang an Aufträgen konnte dadurch teilweise ausgeglichen werden. Mit anderen Worten: die künstliche Belebung der Wirtschaft, die das Hitlerregime aus agitatorischen Gründen noch bis vor kurzem in Szene gesetzt bat, beginnt sich jetzt zu rächen. Das Bauhandwerk hat also, nachdem vor einigen Monaten eine so wunderbare Belebung seines Geschäfts durch die zahlreichen Instandsetzungen erfolgte, keine neuen Aufträge mehr zu verzeichnen. Der Hitlerstaat hat kein Geld mehr, um in die Wirtschaft neue Milliarden hineinzupumpen, und so muß die herrliche„Wirtschaftsbelebung" auf ihr natürliches Maß zurückgeschraubt werden. Dadurch geht das Geschäft nun auch im Bauhandwerk zurück, und die treuen Anhänger Hitlers werden im Laufe des Winters noch manch andere blaue Wunder erleben. Melall'Zwangsbewirtsckafiong Die Ueberwachungsstelle für unedle Metalle veröffentlicht im Reichsanzeiger eine Anordnung betreffend Reglung der Lagerhaltung von unedlen Metallen. In dieser Anordnung wird bestimmt, wie hoch die Bestände an Material der verschiedenen Klassen bei den einzelnen am Verkehr mit unedlen Metallen Beteiligten sein dürfen. Diejenigen La gerbestände. die die festgesetzten Höchstmengen überschreiten, sollen tunlichst durch Abgabe an andre gewerbliche Verarbeiter vermindert werden. Es kann erwartet werden, so wird dazu erläutert, daß in der heutigen Zeit alle Firmen Material, von dessen Umlauf die Weiterbeschäftigung andrer Betriebe abhängen kann, ohne Zwang sofortigem produktivem Verbrauch zuführen weru. Hochburgen der AtSteudosI^keii Im neuesten Heft des Reichsarbeitsgesegblattes Nr. 25 bespricht der Präsident der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung. Dr. Syrup, die von ihm in der jüngsten Zeit zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit veranlaßten Maßnahmen. Dabei kommt er zu dem folgenden interessanten Eingeständnis: „Der Kampf«st schwerer als im Jahre 1933, denn er richtet sich im Jahre 1934 gegen'die verbliebenen Hochburgen der Ai beitslosigkeit; das sind die Großstädte und Industriebezirke." Selcher Hochburgen gibt es im Deutschen Reiche, wie aus 4er dem gleichen Heft beigegebenen Statistischen Beilage hervorgeht, eine recht große Anzahl. Diese Statistische Beilage enthält den Bericht der Hauptstelle für Arbeitslosenvermittlung und Aibeitslosenversicherung, dessen Material den angeblichen Erfolg der Arbeitsschlacht zum Teil widerlegt. So geht aus der Statistik hervor, daß in den ausgesprochenen Industriestädten des Rheinlandes, Westfalens, Sachsens und Oberschlesiens der prozentuale Anteil der von der Arbeitslosenversicherung unterstützten Erwerbslosen in der Zeit vom Juli 1933 bis Juli 1934 an der Gesamtsahl der Vnterstilnten gestiegen ist. Ebenso befindet sich für das gswze Reich die Z»hl d»r versichervnesmäßigcn Hauptlinter- stirtennteecupfänger im Anwachsen. Sie ist vom April, wo sie $18 712 Personen betrug, bis zum Juli 1934 auf 290 174 angestiegen. Auf je 1000(Inwohner kamen Hauptunter* Stützung, emnfänger, April 3,4 Mai 3.6 Juni 4.1 Juli 4,5 Diese Steigerung hat stattgefunden, obwohl heute von den nationalsozialistischen Behörden alle eingehenden Anträge auf die Gewährung der Arbeitslosen- und Krisenunterstützung sorgfältig gesiebt werden, und nur ein Teil eine zustimmende Erledigung findet. Nach dem Bericht der Reichsversicherungsanstalt wurden in der Arbeitslosenversicherung Anträge ruf Unterstützung gestellt: Juli—Dezember 1933 gestellte Anträge insgesamt 1 852 947 abgelehnt wurden 277 943 In der Krisenfürsorge sieht das Bild so aus: Juli—Dezember 1933 gestellte Anträge insgesamt 1 520 513 abgelehnt wurden 103 249 Das ergibt in einem Zeitraum von dreizehn Monaten die Ablehnung von etwa 750 000 eingereichten Anträgen auf Arbeitslosen- oder Krisenunterstüffung. Bei den Antragstellern handelt es sich um Hauptunterstützungsempfänger, so daß von der Ablehnung der Anträge mindestens anderthalb bis gwri Million« Menschen betroffen worden sind. Januar—Juli 1934 1 792 219 261 608 Januar—Juli 1934 1 334 350 101 931 noch etwas verfrüht und eine Folge von Zahlenblindheit zu sein die möglicherweise durch Genuß von deutschen Tabak verursacht wurde, der noch unter der Weimarer Republik gewachsen ist. Danach sind nämlich im Rechnungsjahre 1931-32 verarbeitet: 75.3 Millionen Kilo ausländischer und 19,7 Millionen Kilo inländischer Rohtabak, gegen 77,3 bzw. 20 Millionen Kilo in 1932-33. Am meisten Sorge machen dem„Tabakarbeiter die Zigaretten raucher, die im besonderen Maße eine ganz unbegreifliche Abneigung gegen die deutsche Einlage haben, obwohl doch allgemein bekannt sein müsse,„daß es dem deutschen Tabakforschungsinstitut gelungen ist, Zigarettentabake zu züchten, die in jeder Hinsicht den Ansprüchen genügen, die man unter den gegebenen klimatischen Verhältnissen an sie stellen kann". Aber der deutsche Raucher, in»er- kennung seiner nationalen Pflichten,„ist an die Orientzigarette gewöhnt und selbst in der 2'/,-Pfenniger möchte er keinen anderen Tabak finden". Offenbar genügt es ihm nicht, daß der Tabak so gut ist, wie er nach„den gegebenen klimatischen Bedingungen", unter denen er gewachsen ist, sein kann. Er erhebt Anspruch darauf, daß er außerdem auch noch rauchbar sein muß, denn er hält immer noch die Zigarette für ein Genuß- und kein Brechmittel. Um diese Widerspenstigkeit zu brechen, empfiehlt der„Tabakarbeiter Zwangsmittel und stellt für Zigaretten einen 30prozentigen Beimischungszwang von deutschen Tabak in Aussicht. Wozu wir allen deutschen Rauchern und Riechern ein aufrichtiges„W ohl bekomm s!" zurufen. Was sich wohl die deutschen Tabakarbeiter bei diesen „fschm'onischen" Belehrungen in ihrem Zwangsfachorgan denken? „Wir leben gewissermaßen im Krieg" Der Kommissar für Wirtschaftspolitik in der Reichsleitung der NSDAP. Köhler hielt während einer Kundgebung des Textilhandels in Königsberg eine Rede, in der es unter anderem hieß: „Eine vorzeitige Erhöhung der Löhne nach vorübergehender Steigerung der Preise würde eine Verschiebung des gesamten Preisgefüges und des Geldwertes nach sich ziehen und dann würde das beginnen, was wir als Inflation fürchten lernten. Wir leben gewissermaßen in einem Krieg, den uns die Welt erklärt hat." Köhler schilderte dann die Not der Arbeiterschaft, deren Löhne im Textilgewerbe um 30 Prozent gekürzt worden sind und betonte immer wieder, daß eine Erhöhung der Löhne zur Inflation führen müßte. Dann wandte er sich an die Unternehmer und erklärte, die Aufgabe der Unternehmerschaft bestünde nichj in der Reglementierung des Marktes, sondern in der Reglementierung der„industriellen Moral". Eine Lohntüte ans dem dritten Reich Wie sich die Segnungen der Arbeitsfront für die deutsche Arbeiterschaft auswirken, ei gibt sich aus der folgenden Wiedergabe der Lohntüte eines sthlesischen Bergarbeiters: Lohn im ganzen und Kindergeld Vorschuß und Unterstützungskas Beiträge Arbeitslosenhilfe Lohnsteuer Ehestandshilfe, Sterbekasse Bürgersteuer 145,86 99,- 22.26 3,72 1,85 2^50 Gessrntabzüge 129.63 Bentelinhalt 16,23 Wie aus dieser Aufstellung ersichtlich, gehen von einem Monatslohn von 145 RM. nicht weniger als 31 RM. auf verschiedene„Beiträge" ab Auch daß der Arbeiter sieh von dem Restbetrag von 114 RM. 98 RM. bereits im Laufe des Monats als Vorschuß abheben mußte, beweist deutlich die furchtbare Not in der oberschlesischen Bergarbeiterschaft. Die Kaufkraft sinkt Das Institut für Konjunkturforschung veröffentlicht ein# Statistik über die Einzelhandelsumsätze im ersten Halbjahr 1934. Die Statistik zeigt, daß in dieser Periode der Einzelhandel die Indexziffer 61,8(1928— 100) aufweist, gegen einen Index von 63,1 im zweiten Halbjahr 1933. Mit anderen Worten, trotz des angeblich„steigenden Volkseinkommens", das wohl nur in der Goebbelsschen Propaganda existiert, hat sieh der Verbrauch um 1,3 Punkte gesenkt, d. h. die Kaufkraft der Bevölkerung weist eine weitere Schrumpfung auf. Um diese Tatsache zu verschleiern, wird darauf hingewiesen, daß im ersten Halbjahr 1933 der Umsatz noch geringer gewesen sei. Dabei ist aber zu berücksichtigen, daß in diesem Zeitraum der Großhandelsindex der Agrarprodukte von 80,9 auf 97,5, also um 16,6 Prozent gestiegen ist. Da die Agrarprodukte den Großteil des Verbrauchs ausmachen, ergibt sich, daß die geringfügige Hebung des Umsatzes gegenüber dem ersten Hslbjahr 1923(10 Prozent) von der Preissteigerung weitaus übertroffen wird, das bedeutet, daß der Umsatz trotz Erhöhung der Goldziffer mengenmäßig auch in dieser Periode einen Rückgang aufzuweisen hatte. Ausbeutung der Kaligewinnnng am Toten Meer Im Jahresbericht der Palestine Potash Co. wird ausgeführt, daß die Anlagen am Nordufer des Toten Meeres weiter ausgebaut werden sollen. Die im Vorjahr erzielte Gewinnung von 130 000 t Rohkalisalzen konnte befriedigend abgesetzt werden. Der Bromabtatz hat sich gegenüber dem Vorjahr um 18 Prozent gehoben. Für die nächsten zwei Jahre wird eine wesentliche Steigerung des Bromabiatzes erwartet. Das Unter» nehmen klagt über den Mangel an Facharbeitern, Qeutsdke ftimrnen•©eil age zur.Deutsoften Freiheit'• Ereignisse und$esdfcidfcfeft ^MWUWAWWWWWWWLWMKW I Donnerstag, den 4. Oktober 1934 itiunat fteie£u£t geatmet Ztoölftausend ^Besuch aus einem toten£and Er sitzt mir gegenüber im Kaffeehaus, hat einen Stoß Zeitungen vor»ich aufgeschichtet und liest. Und liest. Endlich bebt er den Kopf.„Weißt du, das ist arg drüben in Deutsch- land. Er sucht eine^ eile nach Worten.„Es ist nicht Lange- weile. Ich bab mich doch früher nicht gelangweilt und war viel allein. Es ist nicht Langeweile— aber es ist das Gefühl, in einem toten Lande zu hausen. Zeitungen? Du lieber Himmel! Man legt sie beiseite, ehe die Ueberschriften gelesen sind. Kaffeehaus? Was soll man dort? Dieselben öden Papierfetzea, illustrierte Blätter, die einander ähneln wie eine braune Uniform der andern. Es wird kaum gesprochen an den Tischen, es wird oft nicht einmal geflüstert, jeder belauert den andern. Dein Gegenüber kann ein Spitzel sein oder ein Unzufriedener, der wieder dich für einen Spitzel hält. Viele, die vorbeigehen, haben den Blick scheuer, geprügelter Tiere." Er wendet den Kopf. Rings an den Tischen wird eifrig debattiert, bisweilen gelacht. „Hier kann man atmen, dort erstickt man. Theater? Wenn ich in einem kleinen Nest oder in einem primitiven Laad lebte, w. es«"genannte höhere Kunst noch nicht gibt— gut! Ich würde nicht einmal viel vermissen, die Ursprünglichkeit rings w" e Ersatz genug. Aber daß Theater da sind, daß große Bühnen weiterbestehen, die einmal etwas leisteten und vorw ärts wollten— gerade das ist so schwer zu er- tragen.„Der Blutstrom"—„Schlageter"—„Preußengeist„Vilk ohne Fahne"— teutonischer Blut» und Bodenschwulst ode■ ödeste Lustspielmache, dazwischen gibt es nichts. Höchstens ein paar Klassiker, bis zur Unkenntlichkeit durch hohl pathetisches Deklamieren entstellt.„Nathan der Weise" ist in der Versenkung verschwunden. Wenn Du Pech ha t, ist gerade irgendein brauner Häuptling zugegen, wird gerade irgendeine der unzähligen braunen Festlichkeiten begangen— wer kennt sich da noch aus— und das Publikum.auß dreimal Männchen machen, ehe einmal der Vorhang aufgeht. In den Kinos hat das übrigens nachgelassen. Wenn der Führer im Bilde erscheint, rührt sich fast nie eine Hand oder ein Mund. Dafür sind die Filme zum Sterben albern. Wir, meine Freunde und ich verzichten seit langem auf beides— auf Theater und auf Film. Andere halten es gerade so. In welchen Dachkammern sich die Kunst versteckt hält, weiß ich nicht. Wer gelegentlich in eine Kunstausstellung geht und Augen hat, der glaubt, sie sei tot, die deutsche Kunst. Der Führer von vorn, von rechts, von links, von hinten, die kleineren Bonzen in Ueberlebensgröße, wieder Blut und Boden, wieder Rassenkitsch in allen Farben und Variationen, Bloß schnell davon machen, fort, an die frische Luft, das ist das beste. Und Bücher— wer kauft noch Bücher? Die Märzge- winnler nicht. Und wir andern? Man weiß ja nicht mal genau, was gerade erlaubt und was neuerdings verboten ist. Einer meiner Freunde verlangte kürzlich einen Band Gorki. Sein Buchhändler, zum Glück ein alter bewährter Miesmacher, fragte ihn:„Wissen Sie denn nicht, daß Gorki seit gestern verboten ist? Nehmen Sie sich in acht! Wir haben Anweisung, die Adressen unvorsichtiger Besteller zu notieren und sie der Geheimen Staatspolizei zu melden."— Und die Leihbüchereien sind noch gefährlicher. Die Frage nach einem verbotenen Buch wird als Bosheit und Meckerei vorgemerkt. Da fangen wir denn wieder an, am Sonntag die Rucksäcke zu packen und wandern mit den Kochgeschirren aus. Wie früher, als wir junge Burschen waren. Berge und Wälder und Flüsse sind die alten geblieben— aber es ist totes Land, durch das wir ziehen. In die Rastplätze anderer Gruppen einzubrechen, ist nicht ratsam, es ist wider die Regel. Eiseskälte empfängt den unerwünschten Zuwachs, die Gespräche stocken. So sucht sich jeder eine andere Wiese, einen anderen Waldrand, einen anderen Felsen aus, um den Kaffee oder die Mehlsuppe zu wärmen.„Miesmacher hinter jedem Baum," sagen wir, wenn eine Gegend mit Ausflüglern übersät ist. Und noch auf freiem Felde wenden alle vorsichtig den Kopf nach rechts und links, ehe sie zu reden beginnen. Sie sinds von der Stadt her gewohnt. Wo drei auf deutscher Straße beieinander stehen, wittert die Obrigkeit sogleich eine Verschwörung. Die scharfen Aufpasser können hier und da einen„guten Fang" machen— aber der Volksbegeisterung können sie nicht auf die Beine helfen. Wenn plötzlich ein brauner Zug mit Fahnen und Musik um die Ecke biegt, füllen sich die Hausflure wie bei einem Platzregen. Niemand möchte die „Ehrenbezeugung" machen— und niemand möchte sich ohne Grund in Gefahr begeben. Bei solchen Gelegenheiten wird in den Treppenhäusern rechts und links recht deutlich gemeckert.„Wissen Sie, was das heißt?" fragte mich da kürzlich ein Arbeiter und hob den rechten Arm wie zum Hitlergruß.„Aufgehobene Rechte!" Ein anderer philosophierte vor sich hin:„Wenn sie die Miesmacher ausrotten könnten, würde das Volk an Langeweile sterben." Mein Freund sieht lange vor sich hin. „Morgen fahr ich zurück. Wenigstens hab ich einmal freiere Luft geatmet. Für einen Tag. Nach der Heimkehr wird das Leben drüben vielleicht noch schwerer zu ertragen sein. Wie lange es ein Volk wohl aushält, lebendig begraben zu sein?" Er hat alles das ganz einfach, ohne Pathos erzählt. Alt er mir Lebewohl gesagt hat und davon'geht, merke ich, daß er, der Vierzigjährige, ein wenig gebückt läuft. Er ist alt geworden. Morgen fährt er vn'»-'»r n»ch Deutschland zurück in ein totes Land. ne Besatz""<»sarm«»<» f nicht ewig über Deutschland herrschen." Nach aer Überreichung Die Bedingungen Als die einzelnen Uebcrsetjer nach Ablieferung ihres Pensums den Speisesaal betraten, um sich zu restaurieren— es war mittlerweile 11 bis 12 tJhr nachts geworden—, wußten die einzelnen von dem Vertrag nur das, was gerade in „ihrem" Abschnitt enthalten war. Es begann nun in der fiebernden Erregung dieses schicksalsschweren Tages ein gegenseitiger Austausch von Mitteilungen, aus dein man bei aller Konfusion einer solchen improvisierten Berichterstattung sofort den Eindruck gewann, daß die schlimmsten Befürchtungen weil übertreffen waren und daß uns Ungeheuerliches zugemutet wurde, das wir unmöglich annehmen könnten. Der große Saal glich einem Ameisenhaufen. Gespräche schwirrten, bastig. abgerissen durch die Gruppen: „Das Rheinland bleibt 15 Jahre besetzt..." „Ostpreußen wird durch einen Korridor vom Reiche abgetrennt und Danzig wird besonderer Freistaat." „Deutschland wird in den Völkerbund gar nicht aufgenommen/' „Mit dem Verlust von Posen hatten wir ja gerechnet, aber ganz Oberschlesien wird uns weggenommen." „Wo bleibt das Selbstbestimmungsrecht der Völker!" „Auch ein ausdrückliches Anschlußverbot für Oesterreich Wird ausgesprochen." „Wir sollen überhaupt alles bezahlen.— da wir allein am Kriege schuld sein sollen. Zunächst„nur" 20 Milliarden, die Gesamtsumme toll uns erst noch mitgeteilt werden." „Alle Kolonien verloren!" „Fast die ganze Handelsflotte wird abgeliefert!" „Das kommt vom U-Boot-Krieg. Lloyd George hat seine Drohung wabrgeinacht:„Tonne für Tonne!" „Das gesamte Eigentum der Ausländsdeutschen wird ä Konto Wiedergutmachung liquidiert." „Memel nehmen sie uns weg. wissen aber anscheinend «elber noch nicht, was sie damit anfangen sollen." „Wir sollen Kriegsverbrecher an alliierte Kriegsgerichte ausliefern— als ob es bei uns solche gäbe!"' „Holland soll Wilhelm ausliefern." „Die wollen wohl Propaganda für die Wiederherstellung der Monarchie in Deutschland machen." „Wo sollen wir bloß die Kohlenmengen hernehmen, die wir jahraus, jahrein ohne Bezahlung abliefern müssen!" „Dafür können wir uns bei Ludendorff bedanken. Dieser Befehl, die Gruben in Nordfrankreich vor dem endgültigen Rückzug zu zerstören, war ja ein verbrecherischer Blödsinn." „Wenn ich bloß wüßte, warum die Belgier den Kreis Eupen bekommen sollen...." „Wie ist es möglich, daß Wilson das alles mitmacht?" ..Wir kriegen ein kleines Söldnerheer aufgebrummt, fast ohne Artillerie und ganz ohne Flugzeuge, und eine militärische Kontrollkommission in Berlin." „Alle Verträge von Brest-Litowsk werden annulliert." „Darum ist es nicht schade. Dem Geheimrat Kriege ist das nur zu gönnen."(Diese sarkastische Bemerkung fiel aus dem Munde eines heute sehr hohen Herrn des Auswärtigen Amtes, der einst in Brest-Litowsk vergebens gegen die Absichten dieser allgewaltigen kaiserlichen Exzellenz anzukämpfen versucht hatte.) „140 000 Milchkühe haben wir abzuliefern." „Das ist ja Kindermord!" „Die privaten V orkriegsschuldeu sind in Gold zurückzuzahlen." „Da kann mein Bankhaus sofort Konkurs anmelden."' „Am schlimmsten ist es doch mit den Ostgrenzen." „Ich denke, wir tun am besten, morgen abzureisen." „Zumal von mündlichen Verhandlungen keine Rede ist. Nur schriftliche Bemerkungen sind zugelassen." „Toll! Das nennt Wilson offene Diplomatie." „Von den 14 Punkten scheint überhaupt nichts übrig geblieben zu sein." „Von der Rückgabe unserer Kriegsgefangenen ist einstweilen keine Rede." „Selbst für die Dänen ist gesorgt: Drei Abstiuimuugs- zonen in Schleswig-Holstein." „Wie sollen wir jemals wieder Handel mit den Ententeländern treiben, wenn deutsche Waren dort jederzeit konfisziert werden können?" „Dieser Friede bringt uns den Bolschewismus." „Welch ein Anreiz für den Separatismus!" „Finis Germaniae..." „Haben Sie den„Temps" gelesen? Der beschwert sich darüber, daß die Bedingungen zu milde»eleu und daß Clemenceau in so vielen Punkten habe nachgeben mii»«en! Niederschmetternder Eindruck Auf diese Art, durch gegenseitige Mitteilungen in abgehackter Form, waren wir über den wesentlichen Inhalt de» Vertrages bald informiert. Der erste Eindruck war niederschmetternd. Die Empörung erreichte einen Grad, bei dem man die Dinge schon nicht mehr von der ernsten, sondern von der bitter-grotesken Seite nimmt. Man suchte den nagenden Schmerz, den ein jeder in seinem Innersten über das große Unglück des deutschen Volkes empfand, dadurch zu betäuben, daß man mit einer Art Galgenhumor die maßlosen Bedingungen der Gegner ins lächerliche zog. Und man war ihnen geradezu dankbar, daß sie einem durch diese Maßlosigkeit die Entscheidung über Annahme oder Ablehnung so erleichtert hatten. Diese Stimmung kam besonders stark im Hotel Vatel zum Ausdruck, wo die Pressevertreter wohnten und mit einigen Haupt delegier teil und Sachverständigen bis spät in die Nacht hinein Eindrücke austauschten. Am nächsten Morgen hatte die erste Reaktion der überspannten Nerven einer ausgesprochenen depressiven Stimmung Platz gemacht. Jetzt las der pro'"?■"' s Vertrages im Zusammenhange vor. Auch die französische Presse veröffentlichte ein gedrängtes, aoer im wesentlichen richtiges Resümee des Gesamtinhaltes. Die Kommentare der meisten Pariser Blätter waren nur geeignet, unsere Niedergeschlagenheit zu vergrößern. Im allgemeinen lobten die Blätter den Vertragsentwurf als ein Muster an Gerechtigkeit, aber die meisten ließen eine— wahrscheinlich gespielte und von der Regierung angeordnete— Unzufriedenheit mit der „allzu großen Milde" durchblicken, die man Deutschland gegenüber an den Tag gelegt hätte. Solche Ausdrücke wie „Frankreichs Großmut",„unangebrachte Rücksichtnahme:", „übertriebener Gerechtigkeitsfimmel" fanden sich in den Kommentaren fast der ganzen Pariser Presse. Nur in den beiden sozialistischen Blättern„Humanite" und„Populaire" las man Stimmen des Protestes, die aber zunächst recht unsicher und verlegen klangen, was schon durch die Zerrissen- heit der französischen Sozialisten in den Fragen der Kriegsund Friedenspolitik zu erklären war. Ohne Diskussion! Vor allem aber wirkte auf uns die Tatsache deprimierend, die in der französischen Presse mit zynischem Behagen unterstrichen wurde, daß die Entente keine mündlichen Verhandlungen zulassen, sondern lediglich schriftliche Bemerkungen in Empfang nehmen würde, wobei obendrein angedeutet wurde, daß sogar das nur eine belanglose Formalität sein würde, in die man nur eingewilligt hätte, um den Schein von Friedensverhandlungen zu wahren.> Könnten wir wenigstens in kontradiktorischem Verfahren, wie das hei allen Friedensverhandlungen der modernen Geschichte der Fall gewesen war, die Bedingungen diskutieren, hätten die deutschen Delegierten und Sachverständigen die Gelegenheit, von Angesicht zn Angesicht den Gegenspielern nachzuweisen, daß sie in diesem und jenem Punkte Deutsch land ein Unrecht zufügen würden, daß sie durch diese und jene Forderung Unmögliches von uns verlangten— nun, dann hätte mau wenigstens eine Gelegenheit, zu kämpfen, eine Möglichkeit, die Gegenseite zu überzeugen, dann wäre vielleicht eine Aussicht, das Schlimmste zu verhüten. Aber so? Hatte es überhaupt noch einen Zweck, weiter in Versailles zu bleiben und für eine zahlreiche, unter ganz anderen Voraussetzungen sorgfältig zusammengesetzte Delegation hohe Auf enthalt»kosten den Reichsfinanzen aufzubürden? Dies Frage konnte natürlich nicht allein in Versailles entschieden werden. Darüber mußte vor allem die Reich» regierung Beschluß-fassen. Wir in Versailles aber erörterten sie nach allen Seiten hin, ohne daß sich zunächst eine bestimmte Ansicht herauskristallisierte. Am Nachmittag gab Brockdorff-Rantzau seine Absicht bekannt, nach dem Abendessen eine Plenarsitzung aller Mitglieder und Sachverständigen der Delegation zu veranstalten, in der zu dem Inhalt des Entwurfes und zu der künftigen Taktik Stellung genommen werden sollte. Unvergeßliche Sitzung Diese historische Sitzung wird allen Teilnehmern unvergeßlich bleiben. Man stellte die langen Tische in Hufeisen- form auf und setzte sich in zwangloser Reihenfolge. Graf Brockdorff-Rantzau saß in der Mitte der Schmalseite und führte somit den Vorsitz. Mit einigen bitter-ironischen Sätzen über das uns zugedachte Diktat leitete er die Aussprache ein. Und nun begann der Reigen der Gutachten. Nacheinander und durcheinander wurde von den einzelnen Delegierten und Sachverständigen zu den verschiedenen Kapiteln Stellung genommen: Gebiets verstumme Inngen. Völkerbundssatzung, Kolonien, Kohlenlieferungen, Militärklauseln, Arbeitsfragen, Kriegsentschädigung. Leider hat, wie es scheint, damals niemand daran gedacht, über die Sitzung Notizen aufzunehmen, auch wurde von amtlicher Seite ein Protokoll nicht geführt. Das ist deshalb bedauerlich, weil man heute daraus ersehen würde, wie gelbst die größten Kapazitäten der deutschen Politik und Wirtschaft— sicherlich aus tiefster Ueherzeugung und gestützt auf alle bisherigen statistischen und sozialen Erfahrungen— für den Fall der Unterzeichnung dieser Bedingungen zu Schlußfolgerungen und Prophezeiungen gelangten, für die die Bezeichnung„katastrophal" noch viel zu milde erscheinen mußte. So sprachen Leiter der D-Banken, wie Urbig von der Discontogesellschaft und von Stauß von der Deutschen Bank, und wiesen mathematisch nach, daß die finanziellen Forderungen der Sieger um ein Vielfaches das gesamte deutsche Volksvermögen überstiegen und daß das gesamte deutsche Kreditwesen in kürzester Zei* zu-smmeuhrechen würde. Der Arzt des„dritten Reiches" Dokument des schändlichsten Materialismus gegen den Geist persönlicher Hille und der Humanität Zu denen, die sich am frühesten und am leiden- ichaftlichsten der nationalsozialistischen Sache verschworen, gehörten die deutschen A e r z t e. Wir haben in den vergangenen Monaten zahlreiche Dokumente in Händetv gehabt, die wir als Schande für den einstmals guten Namen des deutschen Arztes empfanden. Sie waren von einem solchen Mangel an Humanität gegenüber den Kranken und gleichzeitig von einem solchen erschütternden Materialismus in der Ueberschäfjung des„Stofflichen" und der Unterwertung des„Seelischen", daß wir hier deutlicher als anderswo die durch den Nationalsozialismus herbeigeführte Verwüstung des menschlichen und des sozialen Empfindens erkannten. Alle diese Dokumente und alle Aeußerungcn in der Fachpresse der braunen Aerzte werden jedoch durch ein Schriftstück in den Schatten gestellt, das uns in diesen Tagen von befreundeter Seite zur Verfügung gestellt wurde. Wir geben es in seinen entscheidenden Partien— es ist sehr lang — im Wortlaut wieder. Wer vor solchen Aerzten erschrickt, muß daran denken, daß sie allergetreueste Schüler der herrschenden Ideenrichtiing sind, und daß sie heute um so mehr freies Feld zur Betätigung im Dienste an der„Volksgemeinschaft" haben, als sie ihre jüdischen Konkurrenten zu einem großen Teile verdrängen konnten. Noch eine Bemerkung, veranlaßt durch den Freiheitskampf an der Saar. Es gibt in diesem deutschen Lande Zehntausende, Katholiken, Protestanten, Mittelständler und Proletarier, die mit Hitler auch diesen Hakenkreuz-Aerzten Wegfreiheit verschaffen wollen. Also es kann ihnen nicht mehr zugute gehalten werden, daß sie die Wahrheit nicht wußten. Die Zwischen-Ueberschriften stammen von uns, Grammatik und Orthografie von Herrn Medizinalrat Dr. Heilig. Die Redaktion der„Deutschen F r e i h ei t". Abschrift. Bezirksobmavn des Nationalsozialistischen Aerztebundes Medizinalrat Dr. Heilig. Altena, den 26. 11. 83. Sehr geehrter Herr Kollege! Gelegentlich der letzten Sitzung des RS-Aerztebundes Bez.-Gruppe Altena und Lüdenscheid in Lüdenscheid iand neben Verhandlung anderer aktueller Kragen auch eine Aus- spräche über die A e n d e r u n g statt, die mit der in Teutich- Iand zur Herrschaft gelangten nationalsozialistischen Welt- anschauung sich n o t w c n d i g c r W e i s e für unsere bisherigen Auffassungen hinsichtlich der Betreuung von Fiitsorgeberechtigten aller Art, Rentenempfänger, A n t r a g st e l l c r usw. ergeben. Ich folge gern einer in der Sitzung gegebenen Anregung des Herrn Vorsitzenden des Aerztcvereins Altena- Lüdenscheid, die Gesichtspunkte, die in der Besprechung zum Ausdruck kamen, zusammenzufassen, und allen Kollegen zu- zusenden. Dabei darf ich als selbstverständlich vorausschicken, das es sich in Folgendem nicht um Anweisung handelt irgend- welcher Art. sondern, dast diese Ausführungen nur dem Wunsche entspringen, durch offene Aussprache von Kollegen zu Kollegen die Erfüllung ärztlicher Aufgaben uns allen zu erleichtern, die täglich an uns herantreten und deren Be- Handlung»ach einheitlichen Gesichtspunkten, wenigstens was die Grundlegende Auslegung betrifft, sich im Interesse aller, der Ratsuchenden wie der Aerzte, vor allem aber der großen Volksgemeinschaft, als ein dringendes Erfordernis erweist. Ei« persönliches Interesse spricht auch mit insofern, als ich in meiner Eigenschaft als Kreisarzt und als Bcr- traoensmann und als Vertrauensarzt zahlreicher Bersiche- rungöträgcr und öffentlicher Körperschaften täglich zu Atesten und Gutachten von den Kollegen Stellung zu»eh- men habe, die sie ihren Patienten zu Erlangung von Ren- ten, Beihilfen, Unterstützungen, Muren usw. ausstellen. Auch als Darlegung meiner eigenen Auffassung als Ratio- nalsozialistjscher Beamter. Aufgabe vor allem aber als nationalsozialistischer Arzt so wie sich mir im Laufe einer jetzt 15jährigen Tätigkeit als Kreis- und Fürsorgearzt allmählich herausgebildet hat, nicht ganz unwillkommen sein ivird, denn ich lege Wert darauf, in die- sen schwierigen Fragen nicht die Norm Kollege», sondern mit ihnen zusammenzuarbeiten. Auch bilde ich mir nicht ein, nicht noch hinzulernen zu können, weshalb ich auch zu jeder schriftlichen und mündlichen Einzelauhsprache sehr gerne zur Verfügung stehe. Der böse marxistische Staat „Wir müssen uns unter allen Umständen freimachen von"... Allgemeines: Während im marxistischen Staat die Für- sorge in erster Linie im Interesse des einzelnen diente, haben wir uns heute in jedem Falle die Frage vorzulegen: Welches Interesse hat die Volksgemeinschaft und die Zukunft unseres Volkes an der Leistung, die aus öffentlichen Kosten dem Bc- fürsorgten, bzw. dem Antragsteller zugewendet werben soll, und deretwillen ivir ihm ein A t e st ausstellen oder ihn be- gutachten? Nur wenn diese Frage wenigstens zu einem Teil im Positiven entschieden werden kann, hat die Unterstützung des Antragstellers durch die Bescheinigung des Arztes heute eine innere Berechtigung. Wir müssen uns unter allen Umständen von der alten individuellen Auffassung frei machen, das, wir«n» die An- wälte der persönlichen, gesundheitlichen und oft dazu wirt- schastli»,n Interessen unserer Patienten seien, vor allem, da wo Gelder, die von der Allgemeinheit ausgebracht sind, auf dem Spiele stehen. W,r haben im neuen Staat die un- bedingte sittliche Pflicht, unser Augenmerk viel mehr als früher aus daS große ganze zu richten, auf das Wohl der Volksgemeinschaft und der kommenden Geschlechter Das individuelle Ergehe,, de? Einzelnen hat hinter diesen Ge- sichtspunkten zurückzutreten. Es unterliegt keinem Zweifel, daß wir alle in dieser Hin- ficht umlernen müssen. Aerzte so gut wie Behördenleiter und die in der Fürsorge tätigen nicht ärztlichen Personen Aus- gäbe vor allem des praktischen Arzte», des Hausarztes wird es sein, in der gedachten Richtung erzieherisch auf die Be- völkerung einzuwirken, Ansprüchen, die dem neuen Geiste zuwiderlaufen, entgegenzutreten, und damit die schwierige und undankbare Aufgabe des Fürsorgearztes und sogenann- ten Vertrauensarztes sowie der entscheidenden Behörden zu unterstützen. Bei der notwendigen Erziehung der Bevölkerung zu einem neuen tu der marxistischen Aera ihr vielfach z» dem Willen, in einer harten Zeit eigenes Schicksal mannhast zu tragen nicht aber die Abwälzung der damit verbundenen persönlichen Last aus die Schultern der Allgemeinheit grundsäy- lich als ein geheiligtes Recht der Person zu verlangen, zu dieser Erziehungsarbeit ist der praktische Arzt bei seinen, Klienten in erster Linie berufen. Diese Arbeit wird nicht von heute auf morgen zu leisten sein, aber geleistet muß sie werden, wenn wir endlich aus den unerträglichen Zustände», in die uns die überspannte„nd mißverstandene Fürsorge, der Humanitätsduscl einer überwundenen Zeit- cpochc, geführt hat. Um Beispiele zu nennen: Es muß einem Volksgenosse», der ein unheilbar Leiden hat, klar ge- macht werden, baß die nutzlose Verschwendung kostspieliger Kuren für ihn aus Mitteln der Allgemeinheit nicht gerecht- fertigt werden kann. Es müssen Eltern, denen ein hartcS Schicksal ein verkrüppeltes oder schwachsinniges Kind be- schert hat, davon überzeugt werden, daß sie in erster Linie die sittliche Pflicht der Betreuung und Pflege des unglück- lichen Geschöpfes haben, daß aber nicht die Allgemeinheit verpflichtet ist, da, wo die Familienpslege ausreicht und den Umständen nach, wenn auch unter gewissen Opfern, möglich ist, die enormen Kosten einer dauernden Anstalt- Verwahrung aufzubringen. Die riesigen Summen, die in der vergangenen Zeit an min- derwertiges Erbgut, Krüppel, Idioten, Unheilbare aller Art verschwendet worden sind, und die in gar keinem Bcr- hältnis zu den erzielte» Erfolgen stehen, müssen in Zukunft für die Förderung des gute» und hochwertigen Erbgutes unseres Volkes frei gemacht werden. Hierbei mitzuhelfen ist Pflicht eines jeden Arztes. Aus diesen allgemeinen Erwä- gungen ergeben sich nach meinem Dafürhalten für die Herrn Kollege» in der Praxis bei ihrer Mitarbeit in allen Zweigen der Fürsorge teil,schließlich der ärztlichen Arbeit für die Bersicheruugsträgerj folgende Gesichtspunkte: Die Lungenkranken Tuberkulose: Heilverfahren und kostspielige Behandlungs- Methoden find nur in solche» Fällen angezeigt, in denen nach wissenschaftlichem Ermessen Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit oder durch Vermeidung des E i ii t r i t t s der Invalidität in Aussicht steht. Bei ganz aussichtslosen Fällen hat es auch keinen Zweck mehr, monatelang Stärkungsmittel, Milch usw. auf öffent- liche Kosten zu gewähren. Offen Tuberkulose müssen durch den Arzt immer auf ihre sittliche Pflicht, eine Gefährdung ihrer Mitmenschen durch Ansteckung zu vermeiden, hinge- wiesen werden. Tie vorbeugende Fürsorge muß ihr Haupt- augenmcrk nicht wie bisher aus.die derAnstcckung^ansgc- l'etztcr. Peuoneu.richten, sondern auf die. die infolge. erhebe liehet Belastung gefährdet sind. Nach diesem Gesichtspunkt sind auch vorzugsweise die zu untersuchenden und von den TubcrkulosensürsorgesteUen zu übetwachenden Personen aus dem Umkreis eines Erkrankten auszusuchen. Die Krüppel Krüppelstirsorge: Hier gilt ganz besonders der Grundsatz, daß nur Fälle, die therapeutisch eine gewisse Aussicht bieten, für die Verwendung öffentlicher Mittel in Frage kommen, Plattsußcinlagen, orthopädische Apparate bei idiotischen Kin- den, sind sinnlos. Auch für Leute, die an der Schwelle des Krciseualtcrs stehen, haben solche Verordnungen keinen Sin» mehr. Das gilt auch in den letzten Fällen für künstlichen Zahnersatz. Operationen an verkrüppelten Neugeborenen, durch die das Leben zwar errettet, dauerndes lebcnöläng- licheS Siechtum nicht verhindert werden kann, liegen weder im Interesse des Staates, noch der bedauernswerte» Eltern, noch des Kindes, dem bestenfalls nur ein vegitiercn, aber kein halbwegs lebenswertes Dasein winkt. Tie hochentwickelte Kunst des Chirurgen ist nicht dazu da, jede Mißgeburt zu erhalten. Hier ist besonders zu denken an Enccphalo, Muclv- celcn, HndrocephaluS, schwere Kiefer und Gaumenspalten, bei gleichzeitiger anderer Vcrkruppelung z. B. Geisteskranke—„von jetzt an" Geisteskranke»!»»sorge: Tie äußerst kostspielige Anstalts- bcioahrung kommt nur in Frage: a> bei Gemeingefährlich- kejt: b) wenn der Kranke sich selbst gefährlich ist: c> wenn die Behandlung, sofern sie Aussicht auf Erfolg bietet, z. B. Malariabehandlung, Paralyse im Anfangsstadium, nur in einer Anstalt sich durchführen läßt: ds wenn die häusliche Pflege aus technischen Gründen offensichtlich nicht durchfuhr- bar ist. Ist sie durchführbar, so haben zunächst die An- gehörigen die Pflicht, die Last der Pflege auf sich zu» c h m e n. in zweiter Linie erst die Oessentlichkeit. Im übrigen hat sich die Geistcskrankcnfürsorge von jetzt an nicht an dem Interesse des Kranke», sondern a» dem In- teresse der Volksgemeinschaft hinsichtlich der Verhütung erb- kranken Nachwuchses zu orientieren. Kuren und Heilmittel Kuren und Heilmittel für Versicherte und Wahljahres« erwerbslose. Mehr als bisher muß auch hier das I n t e r- esse d e r A l l g e m e i n h e i t an der Wiederherstellung des Kranken und Gebrechlichen als dessen persönliches Interesse richtunggebend sein. Bei Rheumatikern im vorgerückten Lebensalter haben schon von diesem allgemeinen Gesichts- punkte aus immer wieder verordnete Badekuren keinen Sinn. Diätkuren bei Magengeschwüren können bei gutem Willen zu Hause durchgeführt werden, ohne daß die kost- spielige Kranke,ihausaufnahme notwendig ist. Wenn mehrfach wiederholte Diätkuren die Bewilligung einer besonderen Lebensmittelznlage notwendig gemacht haben, so kann bei ausgebliebenem Endersola das Magen- leiden nicht die Voranssetzung abgeben für eine ins unbe- grenzte fortgesetzte RehandlungSbewillignng solcher Zulage. Wenn ei« Leide,, nicht heilbar ist, wenn eine Operation unter Umständen abgelehnt wird, so muß der Patient sich eben mit den durch sein Leiden bedingten Beschwerden ab- finden, kann aber nicht daraus einen dauernden pekuniären Anspruch an die Allgemeinheit herleiten. Ein besonders Kapitel sind die immer wieder verordneten M i l ch z u l a g e n. Sie haben als zusätzliche Ernährung im Sinne eines Heilmittels nach meinem Dakürhalten nur dann einen Sinn, wenn durch die vermehrte Kalorienzusuhr ein durch eine bestimmte Krankheit bedingter Unterernährung»- oder Erschöpfungszustand behoben werden kann. I» Betracht kommen also Fälle von Rckonvaleszens nach schweren..£>?«• rationen, Erkrankung aller Art usw. labgesehen natürlich von Nierenleiden und unbestimmten Magcnerkrankungen. Die einfache Tatsache schlechten Allgemein- z u st a n d e s, w i e wir ihn bei j a h r l a n g Er- w erb s lose n fast immer sehen alsFolg« ihrer w t r t s ch a f t l i ch c n N o t, g e n ü g t nicht. Tann könnten wir allen Erwerbslosen solche Zulagen auischreiven. Das ginge i»S uferlose. Hier hat die Karitas einzugreifen. Das sind die Fälle für die Winterhilfe, den vaterländischen Fraucnverein usw., nicht aber sür den Etat der Gesundheit»- abteilung des Wohlfahrtsamtes. Damit dem begutachtenden Arzt des Wohlfahrtsamtes die Nachprüfung möglich wird, ist es notwendig, daß ihm der behandelnde Kollege eine Diagnose über den Verlauf des Falles genau, wenn auch kurz, mit- teilt, vor allen Dingen dann, wenn es sich um Fälle aus spczialärztlichcr Behandlung handelt. Mit einer Notiz: Frau X. bedars einer Milchzulage wegen eines Unterleibsleidens, kann der zur Nachprüfung beauftragte Arzt nichts ansangen. Kostspielige Sonderbehandlungen, die nur im Interesse d c s A n t r a g st e l l e r s liegen, scher- den aus. Eine Lues latem, bei der nach Gewährung aller Kuren mit Quecksilber und Salversan der Wassermann positiv geblieben ist. aus Kosten der Landesversicherungsanstalt in ein Krankenhaus einzuweisen zwecks Einleitung der mo- deinen Tättigungskur. ist nicht angängig. Ein lolcher Fall ist lediglich von, Hausarzt zu überwachen. An dem positiven Wassermann des Herrn 3i. hat die Oessentlichkeit kein Intel- esse. Säuglinge und Kinder Säuglings- nnh Kinberssirsorge: Das Schwergewicht dieser Fürsorge ist von jetzt an aus den gesunden Nachwuchs zu legen, n i ch t a u s d i c B e t r e u u n g d e r i ch w ä ch l i ch e n. kränkliche», a n s ä l l i g e n Kinder. Ed soll nicht heißen, daß die letzteren zu vernachlässigen sind. Aber wir haben es erlebt, daß einem schwächlichen skrupelö>e» Kinde•>, 4 und mehr Solbadekuren ein Jahr ums andere aus ö,se„t- liche Kosten verabfolgt wurde», nur weil der Schularzt eben immer sein Augenmerk nur aus den kränklichen Nachwuchs richtete und die Mittel der Wohlfahrtsämter sür dicien Nach- wuchs verwendet wurden und vielfach wurde ein nennen»- werter Erfolg nicht erzielt, oder er stand nicht cntiernt ,m Verhältnis zu den großen, aus einen Einzelfall verwandten Koste». Durch diese einseitige, dem neuen Geist nicht ent- sprechende Art der Fürsorge ist in der Elternschaft die Auf- sassung verbreitet ivorden, daß man oft der Aeußerung be- gegnet:„Ja, mein Kind ist doch kränklich und bedarf deshalb noch einmal einer Kur." Dem muß man jetzt entgegen halten, daß es sich bei den hier in Frage stehenden Maßnahmen nicht nur um da« rein individuelle Wohl des einzelnen Kindes handelt, Ion» der», daß die Volksgemeinschaft ein mindestens gleich gro« ßes, wenn nicht noch größeres Interesse an der gelundheit» lichen Förderung der von Hause aus gesünderen«nd»ras« tigeren Kinder hat. Jedenfalls ist eine durch Jahre hm» durch wiederholte Kur an einem Schwächling zu ver» werfen. Derselbe Gesichtspunkt gilt bei der Bewilligung von Lebensmittel und Milchznlagen. Es ist eine bekannte Erfahrung, daß es immer dieselben Familien sind, die den schlechten minderwertigen Nachwuchs stellen. Diesem Nach, wuchs in erster Linie Lebensmittclzulagen zuwenden au« öffentlichen Mitteln ist dekundanteGesundheitspolitik eines rein individualistischen Zeitalters, nicht Fürsorg« im nationalsozialistischen Geiste. Die Ehestandsbeihilfe Ich möchte meine Ausführungen, die nicht entfernt den An» spruch auf Vollständigkeit erheben und nur Andeutungen und allgemeine Hinweise geben konnten, nicht schließen, ohne ein Wort über die für die Aerzte maßgeblichen Gesichtspunkte bei der Gewährung von Ehestandsbeihilsen zu erwähnen. Hierbei hat ja oft auch der Hausarzt ein gewichtiges Wort mitzusprechen bei der Ermittlung der Erbgcsundheit der Ehepartner. Um seine Klienten gegebenenfalls in fach- mäßiger Weise belehren zu können, vor allem in den Fällen, in denen die Eheschließung ärztlichen oder rassehygienischen Bedenken begegnet, muß er sich selbst über den Willen deS Gesetzgebers hierbei klar geworden sein. Von dem durch da» Gesetz erstrebten Ziel einer Verminderung der ArbeitSlosig- keit wird hier abgesehen. Vom ärztlichen und raphiginischen Standpunkt aus ist folgendes zu sagen: Das persönliche Interesse des Antragstellers hat vollkommen auszuscheiden. Es sollen nur diejenige» Ehen finanziell unterstützt werden, aus denen mit hoher Wahrscheinlichkeit gesundes Erb- g u t zu erwarten ist. Denn nur an solchen Ehen hat die Volksgemeinschaft ein Interesse, und nur dieses Interesse darf bei der ärztlichen Beurteilung maßgebend sein... Ich stebe den Kollegen immer zu jeder Zeit zur schritt- lichen und mündlichen Aussprache zur Verfügung. Heil Hitler! gez. Dr. Heilig. Haseraendrlll für Dentisten Auch sie müssen strammstehen Die DcutscheStudentenschast teilt mit:TerReich5» dentistenstthrer erklärt in Uebereinstimmung mit dem Führer der Reichsschaft der Studierenden an den deutschen Hoch- und Fachschulen, Andreas Feickert, und dem Führer der Deutschen Fachschast, daß die von der Deutschen Studentenschaft sür'ihre Mitglieder angeordnete und durch- geführte Arbeitsdienstpflicht in derselben Weise und unter denselben Bedingungen für b i e D e n t i st e n zutrifft. Die Ableistung der Arbeitsdienstpflicht soll nach Ablegung der Praktikantcnprüsung uud vor Eintritt in die Institute erfolgen. Ihre Dauer beträgt 26 Wochen. Die Durchführung liegt bei dem Amt für Arbeitsdienst der Deutschen Studenten- schaft, dem von dem Reichsdentistensührer ein Referent zur Verfügung gestellt wird. Die Reichsleitung des Arbeit»- dienstes hat von dieser Anordnu,,-» Kenntnis genommen und billigt sie als U e b e r g a n g s b e st i m m u n g bis zur Ein- ftthrung der allgemeinen gleichen Arbeitsdienstpflicht. Aus- führungsbestimmungen folgen. weitergeben! Weltergeben! I Werfen Sie die„Deutsche Freiheit" nach dem Lesen nicht fort. Geben Sie das Blatt an Leute weiter, die der Aufklärung und Belehrung bedürfen! I London und Luftangriffe Erhöhter Schutz London, 3. Okt. Tie Unvollkommcnheit und vor allem Zersplitterung der Anstrengungen, die darauf gerichtet sind, Londons Verteidigung gegen einen Luftangriff zu sichern, wurden schon seit langem von einem großen Teil der Tages- und Zeitschriftenpresse gerügt. Nach der„Morning Post" soll diese Campagne nun ihr Ziel erreicht haben. Besorgt um die Sicherheit der Hauptstadt gegenüber einem plötzlichen An- griff, sollen die zuständigen Behörden tatsächlich beschlossen haben, die Csfektivbestände zu erhöhen und die Ausbildung der für die Luftabwehr erforderlichen Sonderformationen zu beschleunigen. nugzeugkatosfrophe über dem Kanal Sieben Personen verlieren ihr Leben London, 8. Okt. Ter Tampser„Biarritz", der im Tienst auf dem Kanal eingestellt ist, hat am Tienstag etwa fünf Meilen von Folkestone die Trümmer eines Flugzeuges ent- deckt und sechs Leichen aus dem Kanal aufgefischt. Ter Dampfer brachte, bevor er seine Fahrt nach Boulogne fort- setzte, die Leichen nach Folkestone zurück. Ein Rettungsschiff aus Tover hat sich trotz der hochgehenden Tee und des nebligen und regnerischen Wetters an die Unfallstelle be- geben. London, 2. Okt. Wie zu dem Flugzeugunglück über dem Kanal noch ergänzend gemeldet wird, haben sieben Per- sonen dabei ihr Leben eingebüßt. Die Leichen sind so ver- stümmclt, daß sie nicht identifiziert werden konnten. Bei den Toten handelt es sich um drei Engländer, darunter den Flugzeugführer und eine junge Frau, drei Franzosen, darunter eine Pariserin,»nd einen Amerikaner. Tie Maschine selbst ist gänzlich zerstört. Pariser Berichte Das Gelbe Fieber besiegt? Der Direktor des Pasteur-lnstituts, Professor N i c o 1 I e und sein engerer Mitarbeiter an der Zweigabteilung des Pasteur-lnstituts, D^. Laigret, haben soeben der französischen Akademie der Wissenschaften eine vom medizinischen und sozialen Standpunkt gleicherweise wichtige Entdeckung mitgeteilt. Der Schrecken der Tropen und der Aequatorländer, das Gelbe Fieber, ist besiegt. Denn in jahrelangen borschungen ist es den beiden Aerzten gelungen, durch Einimpfung eines unschädlichen Präparates die in jenen Gegenden lebenden Menschen gegen den Stielt der Moskitos (des Ueberträgers des Gelben Fiebers) zu schützen. In Ostafrika sind bereits 3000 Schutzimpfungen vorgenommen worden und sie haben einen verblüffenden Erfolg gehabt. Das Gelbe Fieber würgte zwar schon seit Jahren nicht mehr wie ehedem die Menschen ab, denn in den großen tropischen Städten wie Rio de Janeiro, Havanna und anderen war es durch systematisches Vorgehen gelungen, die Moskitos mit Brut zu vernichten. Aber auf dem Land wütete das unheilbringende kleine Insekt weiter. Der Erreger des Gelbfiebers ist eine Mikrobe mit dem lateinischen Namen Virus antaril, sie ist so klein, daß sie selbst im Mikroskop kaum sichtbar ist. aber sie lebt im Blut der Menschen, wird vom Moskito beim Stechen mit eingesogen und beim neuerlichen Stechen eines weiteren Menschen durch den Stich auf diesen übertragen. Die Affen, besonders die Javaneraffen, jene lang- schwänzigen Tiere, die man häufig in Schaubuden sieht, sind für das Gelbfieber besonders empfindlich. Vergeblich versuchte man ein Serum gegen die Krankheit zu präparieren. Schon wollte man die Bemühungen aufgeben, als Dr. Theiler entdeckte, daß Mäuse sofort starben, wenn man ihnen den Gelbfiebererreger ins Gehirn impfte. Auf dieser Entdeckung baute man weiter. Denn die Untersuchung ergab, daß die Mikrobe im Rattengehirn merkwürdige Veränderung erleidet und daß Affen, die man mit dieser veränderten Mikrobe impfte, fortan vom Gelbfieber verschont blieben. Das war die Grundlage für die Versuche, die nun ein Amerikaner Sellards und Dr. Laigret vom Pasteur-Institut anstellten, um ein wirksames Impfmittel zu finden. Der frühere Leiter des Pasteur-lnstituts, der bekannte jüngst verstorbene Forscher Professor Roux, weigerte sich, die von den beiden jungen Aerzten geforderten Versuche in seinem Institut anstellen zu lassen. Daher suchten die beiden Aerzte ihr Mittel in Tunis auszuprobieren. Drei Tunesier gaben sich auch zu den Versuchen her und, siehe da, wiederum zeigte es sielt, daß sie gegen den Stich der Moskitos immun waren. Nach der Trennung von Sellards arbeitete Laigret zwei Jahre an der Vervollkommnung seines Mittels, das dreimal innerhalb zwanzig Tagen eingeimpft werden muß, um die Immunität hervorzurufen. Es bedurfte noch der Behebung großer Schwierigkeiten, bis die Regierung die Genehmigung erteilte, das Mittel offiziell an Menschen zu versuchen. Nun aber haben die bereits gemachten 3000 Impfungen den Beweis für die Güte des Mittels erbracht, und die Impfung soll in den französischen Departements obligatorisch werden. Schule und Lehrer Der Schulbeginn nach den großen Ferien vollzog sieh überall in Frankreich so ruhig, wie dies in Paris der Fall war. Am ersten Schultag fand in Saint-Vigor-d'Ymonville der Lehrer Le Corre vor den^ Eingang seiner Klasse, kurz bevor dort der Unterricht beginnen sollte, etwa 30 Väter und Mütter, die sich gegen den Wiederbeginn des Unterrichts sehr energisch aussprachen. Sie forderten die sofortige Entlassung von Le Corre, einem Mitglied der Kommunistischen Partei, von dem sie behaupteten, er hahe während des Unterrichts politische Reden gehalten, beziehungsweise scharfe Angriffe gegen die Armee, die Religion und die Familie gerichtet. Wie„Jour", ein Blatt der Rechten, sagt, habe man schon sei drei Jahren die Entlassung dieses Lehrers gefordert. Zweimal sei der Stadtrat zurückgetreten, um so gegen die Beibehaltung des Lehrers zu protestieren. Beim ersten Male seien die Stadträte wiedergewählt worden; beim zweiten Male hätten sie ihr Entlassungsgesuch auf das Versprechen des Polnische Eisenbatinhatasirophe 10 Tote, 20 Verletzte Warschau, 8. Oft. Zu dem Eisenbahnunglück, das sich am Tienstagsrüh in der Nähe von Krakau ereignete, werden noch folgende Einzelheiten bekannt: Gegen 8 llhr srüh hielt der Schnellzug Nr. 7 von Tingen nach Lemberg auf der Station Przeszowice, da die Einfahrt geschlossen war. Um 8.12 Uhr fuhr auf den stehenden Zug der Wiener Schnell- zug 107 im dichten Nebel auf. Die beiden letzten Wagen des Zuges Nr. 7 wurden zertrümmert. Nach dem Eintreffen der ersten Hilfe wurden die Verwundeten aus den zcr- trümmcrten Wagen geborgen und nach Krakau ins Kranken- haus gedacht. Tie Zahl der Opfer ist vorläufig noch unbe- kann). Man zählt bisher 10 Tote und 00 Schwerverwiindete. Der Eisenbahnverkehr konnte nach mehrstündiger Unter- brechung eingleisig wiederaufgenommen werden. Eine EheiabriK Aus Gründen der Staatsangehörigkeit London, 2. Oktober 1934. Scotland Aard arbeitet seit einigen Tagen fieberhaft, um die„Filiale", die die Bande des ungetreuen Polizeiinspcktors Marian» in London hat, auszuheben. Dabei spielte der kürz- lich im Slibexpreß ermordete Alibert alias Ziffer auch eine seltsame Rolle. Ziffer hatte sich im letzten März vor Tcot- lawd?)ard zu verantworten, da er Arbeitslose, die sich vor der Arbeitsbörse des Londoner Stadtviertels East-End herumtrieben, veranlaßtc, gegen eine Entschädigung von 40 Pfund, also etwa 8200 Franken, sich für eine Stunde zu ver- heiraten. Tie einzige Bedingung, die diesen Ehemännern gestellt wurde, war, daß sie keinerlei Versuche machten, ihre „Frauen", nachdem sie das Stanresamt verlassen hatten, wiederzusehen. Ter Zweck war nur, die Frauen in Eng- länderinnen zu verwandeln. BRIEFKASTEN Fn einem Bergwerk in der Provinz Fupushima in Japan ereignete sich eine Explosion, bei der 20 A r b e i- terdenTod fanden. Tie deutsche Fliegerin E l l i Reinhorn wurde von dem mexikanischen Staatssekretär des Vcrkehrsministeriums mit dem mexikanischen Fliegerzeichcn ausgezeichnet. Präfekten zurückgenommen, daß man diesen kommunistischen Lehrer versetzen würde. Auf die Kunde von der Demonstration der Eltern hat nun der Oberschulinspektor in Bolbec eine neue Untersuchung des Falles angeordnet. Die Eltern erklärten, sie würden von ihrem Standpunkt nicht abgehen und auch in der Folgezeit sich dem Wiederbeginn des Unterrichts in der Klase des Lehrers Le Corre widersetzen. Deutscher Klub Am Samstag, 6. Oktober, um 21 Uhr: Geselliges Beisammensein mit Tanz.— Schachspiele— Zeitungslektüre. Am Dienstag, 9. Oktober, um 21 Uhr, ausnahmsweise im großen Saal der Brasserie Duinesnil, 73, Bd. Montparnasse, Vortrag von Professor Georg Bernhard über„Die jüdische Emigration'" als Fortsetzung der am 18. September durch die Rede des Prinzen Max Karl zu Hohenlohe-Langen- burg begonnenen Debatte über die Aussichten der Emigration. Anschließend: Debatte. Erster Debatteredner: Prinz Max Karl zu Hohenlohe-Langenburg. Eintritt für Mitglieder frei. Gäste am Samstag und Dienstag willkommen. Eintritt für Gäste: o 1 ranken(Stellungslose: 3 Franken). Vorzeigung eines persönlichen Ausweises am Dienstag erforderlich. Dorfeut eciatiste I DEUTSCHSPRECHEND> Münchener u. Pariser Fakultät 17, rue Reaumur M*tro Arts-et-Mitier» od. RApublique ist zurückgekehrt und hat seine Piaxis wieder aufg'nommen Frauen-, Blut-, Haut-, Harn» und Ge jchledihkrankheiten, fripper, Syphi Iii, Männerschwäche. Neueste Heil verfahren. Elektrizität. Harn», Samen» und Blutanalysen. Massige Bedingungen.(Auch lür KassenversicherteJ 1 agl ich von^- I und*- 8,30 Uhr. 5onn-' Peter von 9 bis 1 u. aul Bend. v. Tel. Arch >'-I T Literatur Eine neue Zeitschrift Areif Jugend" argen Faschismus und iAricg..soeben ist Sie crste Rummer der antifaschistischen Jugendzeitschrift„Freie Iugei^ er- schienen. Verla«: Freie Jugend. Laarbrücken, Nauwieser-frage 48. Tie Geburt eine» neuen aniisaschistischen KampforganS ist H"'" den heutigen«erhältnigen ein großes und wichitges Ereignis. H>« n'urde»on junge» Menschen ein Blatt gelämsien nach den etnBedürfnis bestand. Hitler wirkt— wir tauschen uns nicht darüber noch immer stark aus wette greise der Jugend. Tie wilden Reden arten gegen„Spießertum und Reaktion" haben so manchen^lgen- lichen glauben gemacht, dost der Nationalsozialismus ein« Bewegung der Jugend ist. Es ist bochste Zeit gewesen, dag/udlich in der spräche der Fugend zu der Jugend gesprochen wird über das. was der Nationalsozialismus in Wirklichkeit ist.^ Tie vorliegende erste Nummer, 24 seilen stark, mit zahlreichen Illustrationen, stellt einen vollkommen neuen Tupusvon Kampf zeitung dar. Geschrieben in einer steghaften spräche, ist die:„Freie Jugend" jung von der ersten bis zur letzten Zeile. Der Ernst der Kampfes»nd das Vebensrecht der Jugend auf Heiterke t nnd Mnste finden innerhalb dieser Nummer ihren Ausgleich. Aufgelockert n Farm von Gesprächen. Briefen und spannenden Erzählungen der stosf ansprechend in der Form, wirksam im Anhalt. Hier ist endlich das Blait. in dem die Jugend den Kampfgeist findet. der an der illegalen Front in Teutschland Hunderttausende Jugendliche beseelt und ,» kiilmen Heldentaten beschwingt. Möge es der...freie Jugend" gelingen, i» den kommende» Kämpfe» zum Trommler und Sammler der kämpfenden antifaschistischen Jugend zu werden, die die Siegerin von morgen sein wird. .Geist und Macht" nennt Wieland H e r z s e l d e f^n einleitenden Artikel z» dem großen Sonderheft der Aruen Teutschen Blätter„Literatur der Sowjetunion", dem letzten»est des ersten Jahrgangs>»'i Seiten, gleicher Preis». n.aS sonderhett enthält die ersten aiisiiihrlichcn Auszüge aus den.v>a»ptreieratcn und Diskussionsreden. die auf dem Unionskongrcy der«on'jet« schriftsteller gehalten wurden. Besonderes Interels« verdienen die ausführlich miedergegeben.-n Diskussionsreden»Bei James Zovec. über Sricgsliteratnr. über den sozialistischen Realismus, über den ..neuen Helden". Der literarische Teil enthält Beiträge von Fedin Pilnjak, Paustowski, Awdejenko, Pasternak»nd Stimmst,.— i«« Tonderheft gibt ein umfalle» des Bild der Literalurbeweguiig in der II TSR, Erich Kästner. Aus dem vortrefflichen„Westland" erfahren wir nun, was aus Ihnen geworden ist. Bis zu diesem Frühjahr lasen wir in Wiener Blättern farblose Gedichte von Ihnen, und wir be- fürchteten schon damals das schlimmste. Nun haben Sic sich gleich- geschaltet, mit Nummer»nd Nadel vom braunen Neichsvcrband, mit dem braunen Hemd und mit dem braunen Guß. Hat man Ihnen Ihre satdrischcn Gedichte verziehen? Ihre Haßgcsänge gegen den Äriegsmord? sie waren immer stark in der Kritik und in der An- klage, aber immer»nentschlogcn in der Gesinnung. Vielleicht heißt die Kästner-Tragikomödie einfach:„Erich und die Detektive des „dritten Reichs"." Gewiß haben sie bei Ihnen und bei andern,, die schwach aus der Brust waren, gar leine heftigen Repressalien be- notigt. S. R., Prag. Sie machen uns auf einen Bericht im„Tvobada" aus- nicrksam, wonach ein gewisser Franz Zidek, der Besitzer einer Möbelfabrik in Brünn, erklärt habe, er habe im Jahre 1910 einen Arbeiter namens Adolf Hitler in seiner Fabrik beschäftigt. Dieser Arbeiter sei identisch mit dem jetzigen Führer. Es ist nicht gerade ein gutes Zeugnis, das Herr Zidek(sollte der Mann nicht etwa den jüdischen Namen Zadel führen? Die Redaktion der„D. F."> dem Arbeiter Adolf Hitler ausstellt. Er erklärt:„Adolf Hitler blieb nur 14 Tage bei mir. Er war faul. Er war ein schlechter Arbeiter, aber ein glänzender Redner."— Diese Mitteilung bringt nichts Neues. A. H. ist in jedem Berufe gescheitert, sogar im militärischen Ersatz. Demagoge hat er reüssiert. Architekt, Amsterdam. Sie sind nicht der Einzige gewesen, der sich darüber gewundert hat, daß auch Ernst Bar lach den Aufruf für Hitler zum lg. August mit unterzeichnet hat. Keiner ist von Rosen- berg und den Seinen so beschimpft worden wie er. Jetzt erzählt ein Eingeweihter in der Basier„Nativnal-Zeitung" intcregante Details, wie die glorreiche Unterschriftensammlung zustande kam. Das Reichs- propagandaministerium schickte sein Ministerialrat Roden vor, der die Kollektion der„Kulturbolschewisten" zu organisieren hatte: „Bei vielen der Unterzeichner hatte Roden leichte Arbeit. Der ehe- malige Bauhausdirektor Mies va» der Rohe, früher ultrarot, Schöp- fei eines Denkmals für Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg unter- schrieb mit zusammengcbinencn Zähnen, aber widerspruchslos und entschuldigte sich am nächsten Tage bei seinen Freunden. Ten wich- tigsten Mann, Ernst B a r l a ch, aber gewann der Ministerialrat erst nach zähem Kampf. Nach zweistündigem Ueberredungsversuch beharrte Barlach aus seinem Nein. Herr Roden verließ das HauS des Künstlers mit zerknirschter Seele. Am Telefon hatte Herr Roden dann leichtere Arbeit. Er läutete bei Barlach an: sein Name sei jetzt unter den Ausruf gesetzt, ob man ihn stehen lassen dürfe— zusammen mit dem von Nolde, Heckel, Kolbe, Mies van der Rohe usw. Beim zweiten Anruf machte der Acrgcr schließlich Barlach lchwach— leider! Barlach hat mit seiner Unterschrift unter diesen Ausruf seine Freunde im In- und Auslande enttäuscht. Es soll ihm aber dennoch nicht vergegen werden, daß er als der einzige von den Unterzeichner» wenigstens tagelang hartnäckig Widerstand ge- leistet hat, bis ihn der Aerger endlich mürbe machte."— Mürbe ge- macht: das ist der passende Ausdruck. ES ist etwas ähnliches wie de den Gefangenen in den Konzentrationslagern. Sic müssen alle uns er schriftlich ihr künftiges Wohlvcrhallcn bezeugen, ehe sie in die Freiheit des„dritten Reiches" entlassen werden. W. Zürich. Wir geben Ihnen recht. Tie von ihnen beanstandeten Stelle» in dem Aufsatz über Einsiedel» könnten manchen Katholiken verletzen. Nichts liegt uns ferner als solch eine Absicht. Unsere ganze Haltung in den religiös-kirchlichen Problemen müßten Sie davon überzeugen, daß sie keineswegs von rein taktischen Er- wägungen(etwa im Hinblick auf die Saar» diktiert ist. Wir sind vielmehr der Auffassung, daß beim moralischen und materiellen Neu- bau der Gesellschaft die starken Kräfte des Katholizismus aktiv be- teiligt sein müssen. Bei einer Wcltwcndc historische Erinnerungen statt lebendiger Gegenwart einzusetzen, würde die kämpferische Post- lion erheblich schwächen. Wir sind uns also einig. Tie beiden Zeitungsnummern haben wir an die angegebene Adresse gesandt. Akcent aign. Pünktlich am Montag in unserem Besitz. Tank. Wir verwenden alles, bis aus den Aussatz über R. Darüber haben wir bereits von anderer Seit: eine vortrefflich informierende Arbeit cilialten. Internationale juristische Bereinigung Paris. Ihre Mitteilungen sind recht interessant»nd wichtig. Wir werden gegenüber einfluß- reichen politischen Freunden von Ihrem Brief Gebrauch machen, halten es jedoch nicht für zweckmäßig, ihn zu veröffentlichen. Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann Pitz In Dud- wetler: für Inserate: Cito Kuhn tn Saebrücken, Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Volksstlmme GmbH, Saardrücken 8, Echützenftraße 5.— Schließsach 776 Saarbrücken. „deutsche Iteiheti" Aßonnemetitspceise: Amerika Argentinien Belgien Dänemark England Frankreich Holland Italien Luxemburg Neubelgien (Eupen-Malmedy) Oesterreich Palästina Polen Rumänien Rußland Saargebiet Schweden Schweiz Spanien Dollar Peso belg. Fr. Kr. sh fr. Fr. fl. Lire belg. Fr. belg. Fr. (verboten) sh (verboten) Lei Rubel tr. Fr. Kr. schw. Fr. Peseta IM Monat l- 3.- 15.- 3,70 4,- 12,- 1,50 10- 15,- 12,- 4,- 90,- 1,- 12,- 2,60 2.40 6,- 30,- Zustell gebühr 0.50, 1,- 5,30 2,30 1,10 3,75 0,40 5- 5,30 5,30 1,10 30,- 7,50 1,70 0,80 2,- 5,50 Tschechoslowakei Kr. 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