Einzige unabhängige Tageszeitung Deuifchkands k^kr. 232— 2. Jahrgang Saarbrücken, Samstag, 6. Oktober 1934 Chefredakteur: M. B r a u n QewaJUiqec tindcuck dec Rede Utax ßcarns Seite 3 Dokument xUut&cfiec Hot Seite 4 Dec JCcieqstcei&ec Qöcinq Seite 7 Bürgcrhricgslaniaren in Fra nkreich Die heftigen französischen parfeihämpie (?!«» unserem Korrespondenten.1 A. Ph. Paris, 5. Oktober. Recht? oder links, das ist die Frage, die seit Monaten die Gemüter aller politisch denkenden Franzosen beivegt, eine Frage, die auch in den Kämpfen zu den am kommenden Sonntag stattfindenden Gcneralratsivahlen eine Atolle spielt. Die Regierung Doumergue verdankt ihr Entstehen der Zusammenarbeit der Parteien der Rechten und Mitte mit den von Herriot geführten Radikalsozialiste». Wird dieser Burgsrieben, den hervorragende Politiker als etwas Un- natürliches, ja sogar Widernatürliches ansehe», den Monat Oktober überdauern? Niemand weiß cS. Auf der einen Seite stehen Sozialisten und Kommunisten, zusammcngefchlofsen in der„Front Eommnn", auf der anderen Seite kämpfen die Regierungsparteien. Aber sie stellen keine Einheit dar. Denn nur ein Teil der Radikalsozialiste» ist mit dem Oerzen bei der Rationalen Union. Viele von ihnen iverdcn zummindest im zweiten Wahlgang für die Kandidaten der Einheitsfront ihre Stimme abgeben. Am 18. Oktober plant diese öffentliche Kundgebungen in Paris, und schon rufen die Gegner zu Gegenkundgebungc» auf. Sollen sich die blutigen Februar- ereignisse in Paris wiederholen? Wenn»uuMWvifi« Acußc- rungen ans dem Rechtslager ernst nimmt» dann kann man stch des Eindrucks nicht ermehren, dast die innerpolitischen Dinge in Frankreich wieder einmal so gespannt sind, wie sie es am Ausgang des lebten Winters waren. Äebecq und der Rationalvcrband der Kriegsteilnehmer erklären: „Die Anhänger der Einheitsfront wollen am 18. Oktober auf die Straße gehen, um Paris in Verwirrung zu bri»- gen. Kameraden vom nationalen Frontkämpservcrband, haltet Euch bereit, um nötigenfalls die Ordnung in der Hauptstadt aufrechtzuerhalten. Fn der Zeitung der„Solidaritö Francaife" vom W. September Heißt es: „215c Sectio» Marseille. Aus Veranlassung ihres Vorstandes rüstet sich die 11. Ab- teilung aus alles das, was«in Winterseldzug erforderlich macht, der hart zu werden verspricht. Die größten Anstrengungen müssen der Bildung von Schutztruppcn gewidmet werde». Freiwillige und gediente Leute sollen sich allwöchentlich in einer Turnhalle vereinen, um dort vollkommen körper- lich ausgebildet zu werden und alle notwendigen Auwei- sungcn zu erhalten." Fing es nicht ähnlich in Deut'bland an? Pierre Lafue sagt in dem Wochenblatt 1834": „Wenn die Kantonalwahlen, die in einer politischen At» mosphäre sich abwickeln, der Rationalen Union Unrecht zu geben scheinen sollten, wenn sie also die Radikalen in dem Glauben ließen, daß Frankreich nicht die geplanten Ver- sassungsänderungcn wünsche, dann würde man keine par- lamentarische Mehrheit finden können, die sich für eine mit Rciormausgabcn betraute Ratio«.. Versammlung cnt- scheide» würde. Was dann? Dann würde eS nur ein Mit- tel geben: das Referendum der Straße müßte das unsichere Referendum der Wahlurnen ersetzen. Entweder geht man aus dem gesetzlichen Wege itach Versailles(dorthin muß die Nationalversammlung einberufen werden— die Redaktion der„D. F."f aus ruhi- gen Wegen, die nur ein paar Polizeibeamte bewachen wer- den, oder man wird in einem Zug des Aufruhrs dorthin gebracht iverdcn, ähnlich wie ein solcher Zug Ludivig XVI. a«n 5. nnd 8. Oktober 178« begleitete." Große politische und soziale Stürme kündigen sich in Frankreich an. Zinn 13. Ohlober Aufruf der französischen nationalen Jugendverbände Paris, 5. Okt. Ter Verband der vaterländischen Jugend hat, dem Beispiel anderer nationaler Vereinigungen folgend, seine Mitglieder aufgefordert, sich für den 13. Oktober bereit- zuhalten, da die gemeinsame Front und die linksextrem!- ftischcn Parteien für diesen Tag grobe Straßenkundgebungcn planen. Dieser Ausruf sei keine Herausforderung, aber alle national denkenden Franzosen wünschten an diesem Tage geschlossen auszutreten, um zu bciocisen, daß auch sie eine Macht darstellten, Nitz der man rechnen müsse,»nd um ein- tretendenfallS mit eigenen Mitteln revolutionäre Störungen zu unterdrücken. Vor hodipoltflsdien Wahlen Stimmungsbarometer zur Politik des Kabinetts Doumergue (Von unserem Korrespondenten.! A. Ph Poris, 5. Oktober. Am Sonntag, dein 7. Oktober, werden die Wahlen zum Eonfeil General und zum Conseil d Slrondisscment stattfin- den. Frankreich zerfällt bekanntlich in viele Departements tVerivaltnngsbezirkcl, die ihrer Größe nach etiva einen, preußischen Regierungsbezirk entsprechen. Die Departements wiederum zerfallen in mehrere(3- 5) Arroudissemevts lKreisbezirke». die wiederum in Eantons zergliedert sind. Ein Ar- rondissement hat bis zu 1.1 CantonS. und die Eantons gliedern sich tn Eommuncs(Gemeinden). Ein Eanton umfaßt zwischen 10 bis is(sommunes. Tie Departements werden durch Präsekten aeleitct, die vom Minister des Innern er- naunt sind. Diesen Präsekten steht der Conseil General zur Seite, der rein«virtschaftliche nnd verivaltungstechnifche Aus- gaben zu lösen hat. die Finanzen deS Departements verival- tet nnd auch die Gemeindesteuern festsetzt. Die Arrondiiic- ments wiederum unterstehen Sous-Präfcklen, denen der Eonseil d'Arrondisseinents zur Seite gegeben ist. Die Mitglieder beider Ratsbehörden werden alle sechs Fahre neu ge,vählt und können alle drei Fahre bis zur Hälfte neu ge- «nählt werde». Fnneppolitifch sind die Wahlen am kommenden Sonntag deshalb ivichtig,«veil die Männer, die gewählt werden, u. a. auch die Zusammensetzung des Senats bc- stimmen. In früheren Fahren hatten diese Wahlen kein allzu großes Fntereifc erregt. Dies Fahr aber haben sie besondere Beden- tung, da sie erstmalig seit der Erennung des gcgenivärtigen Ministeriums stattfinden, lind das französische Volk hat ans diese Weise Gelegenheit, durch die Ausübung seines Stimm- rechts der Politik des Herrn Dvnmergue und den, Burgsrieden der Parteien beizupflichten oder zu opponieren. 1480 Abgeordnete sind jetzt zu wählen. Nach den Statistiken hatten die Konservativen bisher 0 Prozent, die gemäßigten Republikaner 10 Prozent, die Lintsrcpublikauer ebenfalls »0 Prozent, die Radikalen ohne Rorbfrankrcich 7 Prozent, die Radikalen Nordfrankreichs 34 Prozent, die unabhängigen Sozialisten 5 Prozent, die Sozialisten 0 Prozent und die Kommunisten 1 Prozent. Der Teil der Abgeordneten, der 1031 gewählt ivorden ist »nd daher erst 1037 wieder zu erneuern ist, besteht aus unge- fähr 1500 Mitgliedern, deren Zusammensetzung folgende ist: 5 Prozent Konservative 10„ gemäßigte Republikaner 17„ Pinksrepublikaner 10"-„ Radikalsozialisten ohne Rordsrankreich 35'/,„ Radikalsozialiste«, Nordsrankreich 5„ unabhängige Sozialisten 10',-„ Sozialisten „ Kommunisten 5000 Kandidaten sind zum Conseil General aufgestellt, unter ihnen vwr Minister: Sarraut, Flandin. Marin und Marquet, und 250 Senatoren und Kainmerabgeordncte. Auch liier bekannte Rainen«vic Poincarc, Pierre Cot, Tumcsnil, Guernicr, Erncst Lasont u. a. Die Anstrengungen der Parteien sind diesmal besonders stark, und vor allen, bemüht sich die Einheitsfront,«vir sie dies auch schon bei den Kainincrtcilwahlen in Müntes und stao«, getan hat, in einer bisher noch nie geübten Weife,.ihre Anhänger zun, Siege zu führen. Die.Fahl ihrer Bersamm- lungen ist vervielfacht. In zahlreichen Departements, ebenso wie in den kleinen Gemeinden machen ihre Redner alle An- strengungen, um die Stimmen der durch die Krise Unzu- sriedcnen zu erlangen. Fortsetzung siehe 2. Teile. Generalstreik in Spanien Alles steht still Madrid, S. Ott. Fn der Rächt zum Freitag ist von den Gewerkschaften der Generalstreik erklärt worden als Ant- «vort daraus, daß der Staatspräsident de» Weg für eine Ent» «vicklung nach rechts und für eine antisozialistische Regierung freigemacht hat. Madrid gleicht gegenwärtig einer toten Stadt. Es verkehren weder Autobnsse noch Straßenbahnen» »och Untergrundbahnen. Man befürchtet, daß die lebenswich- tigen Betriebe im Lause der nächsten Stunden ebenfalls still- gelegt«verde» Auch die»Fernsprechverbindungen in das Aus, land sind außerordentlich erschwert. Ferner ist damit zu rech- neu, daß die Zeitungen nicht mehr erscheinen. Sdiiisse in Madrid Bis jetzt drei Tote Madrid. 5, Okt. Von verschiedenen Punkte» der Stadt treffen Meldungen über Schießereien zwischen der Polizei und Marxisten ei». Die Zusammenstöße dauerten noch in den frühen Morgenstunden an und hatten bis dahin drei Todes- opser gefordert. Außerdem soll es zahlreiche Verwundete ge- geben haben. Etwa 20(1 Personen sind verhastet worden, des» gleichen konnten von der Polizei große Bestände an Waffen und Munition beschlagnahmt werden. '*.. Madrid, 8. Okt lieber die gesamte spanische Presse wurde die Zensur verhängt. Den Gerüchten nach soll in Se- villa, Valencia und Cordoba der Generalstreik erklärt wor- den sein. Wohin steuert Polen? Weint auch allgemein bekannt ist, daß die polnisch-sranzö- sifche Freundschaft einen Riß bekommen Hat, so«virkt es den- noch überraschend, daß man Heute in»Frankreich bereits offen und ganz eindeutig den Verzicht auf den polnischen Bundes- genossen befürwortet. Fn dieser Beziehung ist der vor einigen Tagen im „O e u v r e" erschienenen Artikel bei bekannten französischen Fournalisten Plot bezeichnend. Er ist der Ansicht, baß Frankreich für seinen Bundesgenossen zahlreiche Opfer ge- bracht nnd daß es sogar für Polen seine eigenpn Interessen zurückgestellt habe. „Wenn also ein Bündnis mit Polen nur noch Verpflich- tungen ohne Gegenleistung enthält— so schreibt Piot—, dann— das ist ehrlicher— sprechen«vir nicht mehr davon! Aus das Bündnis«nit Polen zu verzichten,«vird vielen sentimentale» Franzosen das Herz brechen. Aber es ist besser so, als immer nur die Illusionen aufrechtzuerhalten und auf dieser Illusion eine Politik aufzubauen." Eine solch offene Sprache des französischen Fournalisten kennzeichnet die veränderte außenpolitische Situation in Europa. Polen seinerseits scheint auf das Bündnis mit Frankreich nicht-«ehr den trüberen Wert zu legen, sondern geht seinen eignen Weg, der— daS muß offen gesagt werden— für Polen vielleicht ein Dornen«veg sein «v i r d. Hitler verzichtet auf den Korridor Als Hitler kam, beinächtigte sich der polnischen Oesfentlich- feit große Unruhe. Fn Warschau nahm man an, daß das Hitlerregimc eine Verschärfung der deutsch-polnischen Be- Ziehungen bringen«vird. Waren es doch die Nationalsozia- l'sten. die vor der Machtergreifung die Regierungen der Weimarer Republik deswegen des Verrates an den deut» scheu Interessen beschuldigten, weil diese Regierungen Polen gegenüber eine„schlappe" Politik geführt und den Korridor nicht durch einen Handstreich besetzt hätten. Aber die polnische Diplomatie hat ein tnpisches, vielleicht das typischste Merk- «nal des Nationalsozialismus übersehen: seine Gewis- s c n l o I i g k c i t. Hitler und seinen Trabanten war es ja gar nicht um den polnische» Korridor zu tun, sondern dieser unglückselige Korridor«vor für die Nationalsozialisten nur ein Vorwand,»in die Weimarer Republik zu unterhöhlen. Als deshalb Hitler die Macht in die Hände gespielt wurde, da hat-er plötzlich„vergessen", daß er einst dem deutschen Volke versprochen hat. den Vertrag von Versailles zu zer- leisten und den Korridor zurückzuerobern. Hitler«var ts im Vor hodipolilisdien Wahlen Fortsetzung von Seite 1 Die AnHunger des Burgfriedens dagegen versuchen die Apathie der Wähler durch den Hinweis auf die allgemeinen politischen Folgen dieser Wahl zu beseitigen und die Stimm- berechtigten zu veranlassen, auch am Sonntag bestimmt an die Urne zu treten. Und was für die Wahlen zu den Conseils General gilt, gilt genau so für die Wahlen zu den Conseils d'Arrondisse- ment, die au^ diejenige Cantone auf die Beine bringen, die jetzt keine Conseiller generaux z» wählen haben, da diese erst 1037 wieber wählbar sind. * Ter Wahlausgang, dessen Bedeutung von größter Wichtig- keit für das Kabinett Toumergue ist. gibt naturgemäß der französischen Presse Anlaß zu langen Polemiken. Sehr ironisch glossiert in der A c t i o n F r a n c a i s e Charles Mauras die wahrscheinliche Ungeduld, mit der Dou» mergue am Tonntagabend das Wahlresultat erwarten werde. La Ouotibien meint, es seien immer wieder die gleichen Minister und die gleichen Männer, die an die Macht kämen. „P e u p I e" wendet sich dagegen, daß man die Verfassung ohne Befragung des ganzen Landes reformieren wolle. „Journal" glaubt, daß, wenn die Einheitsfront siege, das Werk Doumergues umsonst sei. Die Beruhigung der Ge- müter, die Rube auf der Straße, das ökonomische und finan- zielle Gleichgewicht, die Wiederaufnahme der Arbeit, alle» würde in Frage gestellt sein. Anßenpoiutk des„dritten Keimes Die Linie nadi Südosten A. Ph. Paris, 5. Oktober 1934. unserem Korrespondenten) Man darf wirklich nicht annehmen, daß die gegenwärtige Aktivität des dritten Reiches" aus dem Gebiet der Außen- Politik es nicht sehr eilig hat. Zweifellos waren bis jetzt die sichtbaren Erfolge der deutschen Politik in dieser Beziehung sehr gering, abgesehen von dem bekannten deutsch-polutschen Abkommen, dessen Bedeutung man übrigens lange unter- schätzt hat. R o b e r t L o r c t t e, der Berliner Korrespondent des„P a r t s- M t b i", meint, man dürfe nicht warten, bis man diese Erfahrung noch einmal mache. Ohne Hitlers Er- jolgsaussichten zu übertreiben, müsse man doch aufmerksam tagtäglich schon die ersten Ansätze der Außenpolitik über- wachen. Zuerst müsse man sich da mit den Anstrengungen befassen, «die das Reich in Budapest mache. Die offiziellen Berliner Kreise hätten behauptet, daß die kürzlich« Reise des Herrn von Pape» nach Ungarn rein privater Natur gewesen sei. Gewiß habe sich Herr von Papen in Begleitung des Herrn G o m b o e s den Freuden der Jagd hingegeben. Aber das sei nicht der eigentliche Zweck dieser Reise gewesen. Der deutsche Sondergesandte in Wien habe vielmehr mehrere wichtige po- litische Unterredungen mit dem Vorsitzenden des ungarischen Kabinetts gehabt. Robert Lorette glaubt zu wissen, daß Papen sehr genaue Weisungen seiner Regierung mit nach Ungarn bekommen habe, die darauf abgezielt hätten, ein deutsch-öster- reichisch-polnisch-ungarisches Bündnis zu schaffen, in das früher oder später auch Jugoslawien mit einbezogen werden könnte. Fast gleichzeitig habe übrigens der polnische Außenminister Beck auf der Rückreise nach Warschau in Budapest mehrere wichtige Unterredungen gehabt. Wenn es sich nur um einen Zufall handeln sollte, so sei dieser Zufall mindestens sehr merkwürdig. TaS ganze sei, besonders im Hinblick aus Jugoslawien, natürlich nur ein Versuchsballon gewesen. Aber die Haltung Deutschlands gegenüber diesem Lande sei doch beionders be- deutsam Jugoslawien stehe an erster Stelle aus der deutichen außenpolitischen Tagesordnung. Man spreche plötzlich von Gemeinsamkeiten und neuen Möglichkeiten, Möglichkeiten, die man mit denen des Hitlerregimes zu vergleichen, sich na- türlich beeile. Kurz getagt, Berlin sei überzeugt, daß Jugo- slawien versuche, sich nach und nach von der franzouichen Vormundschaft zu befreien, um entsprechend seiner logiichcn Bestimmung eng mit dem Reich zusammenzuarbeiten. Ein Deutscher, so fährt Lorette fort, der weit davon ent- kernt sei, ein Träumer genannt zu werden, habe ihm längst gesagt:„Ob man will oder nicht, die Zukunft Mitteleuropas gehört den Deutschen in Deutschland und Oesterreich, vereint mit den Jugoslawen und Bulgaren. Sie werden sehen, daß am Ende die Lehren Fichies, Hegels, Schellingö recht behalten werden trotz des französische» Rationalismus und Libera- lismus."... Sicher sei, so meint Lorette weiter, daß das„dritte Reich" Jugoslawien gegenüber zu großen SD p f e r n Bereit fei. Das habe schon der kurzlich zwischen beiden Ländern abgeschlossene Handelsvertrag bewiesen. Wenn man sich einmal vergegenwärtigt, daß aus Grund diele» Vertrages Deutschland künftig von Jugoslawien für 1199 Millionen Dinar jährlich über 5000 Waggons Getreide einführen werde, für die es 20 Millionen Tinars mehr bezahlen werde, als der Weltmarktpreis ausmache,, werde man die Lockungen dieses Vertrages verstehen. Während aber, so heißt eS am Schlüsse der interessanten Ausführungen, die französischen Optimisten glaubten, daß die Annäherung zwischen Jugoslawien und Teutschland sich aus das Wirtschaftsgebiet beschränken werde, und daß Jugo« slawien nicht seine französischen Freunde verlausen werde, seien die deutschen Diplomaten anderer Ansicht. Paris-Pom-Belgrad Die nädislen Aufgaben der französischen AuOenp j.lliH Paris. 5. Okt. Die Vertagung der Romreise Barthous auf Anfang November geht, wie„Petit P a r t s i e n" schreibt, auf den gemeinsamen Beschluß von Rom und Paris zurück. Inzwischen würde der diplomatische Meinung»- austausch zur Vorbereitung der Begegnung tätig fortgesetzt. Es sei klar, daß die Ergebnisse der Unterredung Mussolini- Barthou— je vollständiger und genauer die Vorbereitung sei— desto fruchtbringender aussallen würden. Es handle sich nicht nur um eine Freundschaftskundgebung, sondern um den Versuch, eine dauernde Verständigung über die aktuellen diplomatischen Fragen zu erzielen, die eine spätere enge Zusammenarbeit auf vielen Gebieten ermög- lichen würde. Der römische Berichterstatter de»„Matin" gibt zu, daß die Borverhandlungen über die italientsch-französischcn Fragen noch nicht weit genug gediehen seien. Wenn auch die Stellung der Italiener in Tunis durch eine einfache Kon- solidierung des bestehenden Zustandet geregelt werden könnte, lasse die Frage der lnbischen Grenze aber allerhand technische Probleme auftauchen, die nicht improvisiert werden könnten. Andererseits könne die Frage der italienisch-süd- ilawischen Beziehungen, deren Reglnng für die Klärung der österreichischen Belange unerläßlich sei, nicht in einigen Tagen behandelt werden. König Alexander von Südslawien werbe erst am 10. Oktober in Paris eintreffen, und ivenn der französische Bermittlnngsvvrschlag nutzbringend sein solle, brauche man dazu einige Wochen. Auch das„Oeuvre", das unter Hinweis aus angebliche deutsche Bemühungen in Wien und Rom, durch die man der saarländischen und österreichischen Frage eine für Deutsch- land günstige Wendung geben wolle, Deutschland vorwirft, die italienisch-französische Annäherung zu durchkreuzen, vcr- weist darauf, daß die Verhandlungen Barthous mit König Alexander von Südslawien nicht leicht sein würden. Barthou möchte eine möglichst weitgehende Verständigung in allen Oesterreich und den Balkan betreffenden Fragen erzielen, weil nur so alle Meinungsverschiedenheiten beseitigt wer- den könnten. Der Dreibund Frankreich-Jtalien-Tüdslawien wäre jedenfalls gegenwärtig ziemlich schwer zu verwirk- lichen. Etwas skeptisch fragt„Le Jour" nach den wahren Grün- den der Verschiebung der Romreise Barthous. In gut- unterrichteten Kreisen vermute man, daß der französisch- italienische Meinungsaustausch seit etwa 14 Tagen sich schwieriger gestalte, als ursprünglich angenommen, und zwar hauptsächlich wegen der mitteleuropäischen Fragen. Die Formel einer vernünftigen italienisch-südllawischen Verständigung sei anscheinend noch längst nicht gefunden. Von ihr aber hänge die Lösung des österreichischen Problems ab, die Deutschland— und seit kurzem auch andere Machte — verhindern möchten., Der Stolz der Engländer auf ihr neues Riesen,chiss „Queen Mary" läßt die Franzosen nicht schlafen. Immer wieder ivcisen sie daraus hin, daß Frankreich bald das größte Schiff der Welt besitzen werde. Der für Rechnung der Compagnie Transatlanttque im Bau befindliche Ueberseedampfer„Normandl.e" wird in der Tat die„Queen Mary" überflügeln. Seine Länge wird 313,75 Meter, seine Breite 80,80 Meter und seine Wasserverdräng, ung 70 287 Tonnen betragen. Deufsdi-Ilaltenisdie Versöhnung? Rom ist skeptisch Rom, 5. Oktober l>n~. Die Rückkehr des deutschen Botschafters beim Quirinal, des Herrn von Hassel, nacb Rom gibt Anlaß dazu, daß die Gerüchte stärker werden, die seit etwa zehn Tagen im Um- lauf sind und auf Grund derer die Reichsregierung beschlossen haben soll, Italien mehrere Borschläge zu machen, um eine Entspannung zwischen Deutschland und Italien herbeizufüh- ren und die Beziehungen zur italienischen Regierung zu ver» bessern Die Vorschläge sollen sich vor allem auf die öfter- reichische Frage beziehen. Wie es heißt, hgbe die Hitlerregierung in Rom zu ver»' stehen gegeben, sie«volle sich verpflichten, während eines Zeit- raumes von zehn Jahren keinerlei Anschlußbestrebungen zu begünstigen unter der Bedingung, daß andererseits Italien sich nicht der Forderung widersetzen würde, daß in Oesterreich allgemeine Wahlen unverzüglich stattfänden und daß, fall» sich eine Nazimehrheit ergäbe. Rom mit Bner nationalsozia- listischen Regierung in Wien einverstanden wäre. Angesichts der Wichtigkeit dieser Meldungen, die besonders aus deutschen Kreisen in Rom stammen, erscheint es ange- bracht, zu betonen, daß die amtlichen italienischen Kreise er- klären, nichts von diesen Dingen zu wissen, und sich sehr skeptisch über die Wahrscheinlichkeit dieser Informationen äußern. Gegenteil darum zu tun. einen Zwist mit dem österreichischen Brudervolk vom Zaun zu brechen, um seine Macht bis nach Wien auszudehnen. Als man in Polen merkte, daß die Ratio- nalsozialisten bereit seien, die nationalen Interessen des beut- fthen Volkes ihrer Machtgier zu opfern, da gewannen in Warschau jene Elemente Oberhand, die eine Verständigung mit Deutschland befürworteten» um so freie Hand gegenüber Rußland zu bekommen. Polens Berliner Gesandte Lipski fragte im Auftrage der Warschauer Regierung an, inwieweit die Friedensver- sicherungen Hitlers Polen gegenüber Ernst gemeint seien. Die Hitlerregierung sah in dieser Anfrage für sich die große Chance, den Ring um Deutschland zu sprengen und entschloß sich deshalb, auf den Korridor feierlichst z u verzichten. Es kam zunächst zur Er- klärung vom 5. November 1033 und dann zum Protokoll vom 0. Januar 1034, worin beide Staaten auf Gcwaltanwen- düngen verzichten und versichern, Meinungsverschiedenheiten irgendwo her Art auf dem Wege direkter Verhandlungen u regeln. Mit diesen Verträgen, denen sich dann noch das Protokoll vom 5. März 1034, das dem deutsch-polnischen Zollkrieg ein Ende machte, anschloß, hat in Polens Außenpolitik elne neue Aera begonnen. Die Annäherung mit Deutschland hat zwangsläufig zu einer Abkühlung Frank- reich gegenüber geführt und daran konnte auch Barthou während seines Aufenthaltes in Warschau wenig ändern. Es fragt sich: wollte Polen mit dem Berliner Abkommen lediglich sich für die nächsten zehn Jahre seine westlichen Grenzen sichern, ober verfolgte es etwa noch andere, weit- geflecktere Ziele? Es liegt die Vermutung nahe, daß Po- lcn mit seiner neuesten deutsch-freundlichen Politik tatsächlich noch andere, sehr gefähr- l i ch e Ziele verfolgt. Pilsudskis Pläne gegen Rußland Der tatsächliche Diktator Polens ist der alte Marschall Pilsudski. Die gegenwärtige Regierung setzt sich aus seinen unmittelbaren Mitarbeitern aus der Zeit des hero- ischen Kampfes um Polens Unabhängigkeit zusammen. Auch sein Außenminister Ober st Beck gehört zu seinen alten intimen Freunden. Pilsudski und seine Mitarbeiter erblickten seit jeher in Rußland, völlig unabhängig von dem jeweiligen Regime, das dort herrscht, den Erbfeind Polens. Während des russischen Bürgerkrieges standen die Truppen Pilsudskis un- mittelbar nebe» dem linke» Flügel der wetßrusstschen Denikin-Armee. Pilsudski unterstützte damals in keiner Weise den General Dsnikin, weil er fälschlicherweise in diesem Vertreter des alten Rußland den stärkeren Partner erblickte. Er sah ruhig zu, wie die Weißen geschlagen wurden in der An- nähme, daß dabei auch die Bolschewisten verbluten werden. AlS die weißen Truppen geschlagen wurden und Sowjet- rußland völlig erschöpft war, glaubte Pilsudski seine geheimen Pläne verwirklichen zu können: er wollte die Ukraine von Großrußland abtrennen und aus diese Weise Rußland auf Jahrzehnte hinaus so schwächen, daß es für Pole» nie mehr gefährlich sein konnte. An dem revolutionären Elan des bolschewistischen Rußland brach aber Pilsudskis imperialistische Poltlik zusammen. Nach einigen kurzen Erfolgen mußten die polnischen Truppen die Ukraine räumen und die Russen sind sogar vorübergehend bis nach Warschau vorgedrungen. Pilsudski hat damals daS Spiel verloren. Aber er hat nie aus seine alten Pläne ver- zichtct. Hitlers Kreuzzugspläne Nun habe» in Deutschland Abenteurer die Macht an sich gerissen. Hitler und sein weißrussischer Paladin, Alfred Rosen- bcrg, träumen von einem Kreuzzug gegen das bolschewistische Rußland zur„Rettung der europäischen Kultur". Hitler und Nosenberg haben beide, der eine in„Mein Kampf", der andere in seinem„Mythus des 20. Jahrhunderts", diese Pläne offen dargelegt. Insbesondere ist es Rosenberg, der, als ehe- maliger russischer Weißgardist, in seinem blinden Haß gegen Toivjctrußland, die LoSlösuug der Ukraine fordert. So decken sich die weitgestcckten Ziele Hitlers und Rosenbergs aus der einen Seite und Pilsudskis und seiner engsten Mitarbeiter aus der anderen. Die heutigen Machthaber Deutschlands und Polens sind sich in ihrem gemeinsamen Haß gegen Rußland einig. Es gesellt sich zu ihnen noch ein dritter Bundesgenosse — der japanische Imperialismus. Pilsudski verbindet mit dem japanischen Imperialismus enge persönliche Bezic- Hungen. Er war 1004, in der Zeit des russisch-japanischen Krie- ges, in Tokio und hatte damals mit der japanischen Regie- rung über die Möglichkeiten eines AufstandeS in Russisch- Polen verhandelt. Angesichts der politischen Spannungen im Fernen Osten, kann es gar keinem Zweifel unterliegen, daß Japan das Feuer in Osteuropa schürt und enge Verbindung zu Berlin und Warschau unterhält. Es braucht wirklich kein Wort darüber verloren werden, daß der Vetsuch, Pilsudskis und Hitlers Ziele im Osten z» verwirklichen, zu einem Weltkrieg führen wird. Je mehr sich Polen von dem Gedanken einer antirussischcn Politik ge- incinsam mit Deutschland und Japan leiten läßt, desto we- Niger Sinn hat das polnisch-französische Bündnis, Deshalb werden heute auch in Frankreich Stimmen laut, auf dieses Bündnis formell zu verzichten. An Polens Stelle tritt als Frankreichs Bundesgenosse immer deutlicher die durch ihre Industrialisierung erstarkte Sowjetunion. Diese Entwicklung ergibt sich zwangsläufig ans der dentsch-polnischen Freundschaft mit ihren gefährlichen kriegerischen Zielen. Sache aller Antifaschisten, Sache der europäischen Arbeiter- schast ist es, den Hitlers, Rosenbcrgs und Pilsudskis daö Handwerk zu legen, um das sozialistische Rußland vor der drohenden Gefahr zu schützen und Europa selbst vor einem blutigen Krieg zu bewahren. ver Könlgshesndi In Paris Paris, 0. Okt. Der Belgrader HavaSvertreter erhielt vom südslawischen Außenminister Jeftitsch, der das Köuigspaar nach Frankreich begleiten wirb, eine Erklärung, in der der Staatsbesuch in Paris als Kundgebung der Ver- bundenheit Südslawiens mit Frankreich bezeichnet wird. Er fei der unwiderlegliche Beweis für die Gemeinsamkeit der politischen Interessen beider Länder und für das sie beseelende gegenseitige Vertrauen. Er sei überzeugt, daß die Frankreich- reise es erlauben werde, in einer engen Zusammenarbeit die Lösung der Fragen zu finden, die durch die Festigung des Friedens und die Verteidigung der gemeinsamen Belange aufgeworfen würden. Das Neueste Die Untersuchungsorganc des Lindbergh-Falles entdeckten in einem Koffer, ber sich bei Hauptmann befand, Karten, die über die Lage de» Lindbergh-Hauses Ausschluß geben. Zum dritten Male in diesem Jahre wirb Lille der Schauplatz einer öffentlichen Hinrichtung sein. Am Samötag früh wird der polnische Arbeiter Gala, der wegen Vergewaltigung und Ermordung eines elfjährige» polnischen Mädchens zum Tode verurteilt worden war, dem Fallbeil überantwortet werden, nachdem der Präsident der Republik von seinem Begnadigungsrecht keinen Gebranch gemacht hat. In einer neusozialistischen Wahlversammlung von T o n l o n wurde ein Arbeiter, der gegen den Kandidaten der Reusozialisten sprechen wollte, ausgepfiffen. Au» Wut hierüber zog er einen Revolver und gab mehrere Schüsse ab, die zwar niemanden trafen, aber eine Panik avSlösten, be« der mehrere Bersammlnngsteilnehmer verletzt wurden. Der Täter ist verhastet worden.- Zu einem Wahlzwtschen, fall kam es auch in einer Ortschaft bei Beauvais, wo der fozialistischc Abgeordnete Uhry, der das Wort ergriffen hatte, von seinen politischen Gegnern geohrseigt wurde. Bei der daraus sich entwickelnden Schlägerei wurden mehrere Personen, darunter Uhry selbst, verletzt. „Le Jour" meldet aus Bordeaux, daß an Bord des spa« nischen Dampfers„T« r q u e s a", der wegen falscher Zoll« erklärung im Hasen von Bordeaux polizeilich überwacht wird, 20 Maschinengewehre, mehrere tausend Gewehr« und viele Kisten mit Munition festgestellt worden sind. Angeblich handelt es sich um einen für Antwerpen bestimmten spani» scheu Transport» der in Wirklichkeit jedoch nach Portugal gehen dürste. Für Deutschland .r—— SAAR.BEILAGE Gegen Hitler! DEUTSCHE FREIHEIT „Freiheit! Freiheit! Freiheit!" Saargebiet 1935 Max Braun spricht vor den Antifaschisten von Paris A. Ph. Paris, den 6. Oktober 1934. (Eigener Bericht der„Deutschen Freiheit"» Am Dienstagabend hatte M a r B r a» n in Paris zn den deutschen Emigranten gesprochen. Am Mittwoch fanden sich in derOallcWagram,einem der größten Bctsammlusigsräuine der «ladt, tau sende Männer»nd ,brauen von Paris, sozialistische, kommunistische, katholische Antifaschisten, die sozialistischen Roten Falken und die kommunistische fugend ein, um in Max Braun alle heldenmütigen Freiheitskämpfer an der«aar zn ehren. Lange oor Oefsnung des Saales drängten sich hunderte»or dem Eingang. Als unser freund de»«aal betrat, erhob sich die Menge spontan von ihren Plätzen und sang mit zum Freiheitsgruß erhobenen Fänstcn die Internationale. Jmmcr wieder mußte sich Mar Braun an der Brüstung der Tribüne zeigen,»m für den warmherzigen Empfang zu danke». e a n Long n et, der Enkel von Barl Marx, eröffnet deutsche Volk bald selbst von Hitler befreien wird. P r i ii a Hohenlohe- La n g e n b n r g lehnt als de»t- icher Batlwlik de» Hitlcrismus ab, dessen Reuheideutum ein «chlag ins l^eficht des Christentums sei. Burk Lenz dankt für den Bund der republikanischen Ausländsdeutschen Max Braun als dem Manne, der die Ein- heitssront an der«aar verwirklicht hat. Tan» soll Braun selber reden. Aber das ist nicht so einfach. Bevor er noch das erste Wort beginnt, erhebt sich wie bei seinem Eintritt in den«aal die Zuhörerschar, die Fäuste recken sich empor, französisch, italienisch, deutsch ertönt cS in, Manenchor: „Völker, höret die««anale. Aus zum letzten Gefecht! Tie Internationale Erkämpft das Mcnschenrecht!" FrciheitSgrüße erklingen, Hochrufe auf die deutschen Freiheitskämpfer an der«aar brausen durch den«aal, die Be- geisterung will nicht enden. Tann spricht Max Braun von dem Kamp' der Einhcits- front gegen den Hitlerterror, schildert die Leiden der Kurl- heitskämpfer, deren B~ot und Leben von den TaarnaziS und ihren Hintermännern im Reich bedroht ist. Und doch, ruft er ans, ist unser Mut ungebrochen. Lieber aus den Barri- laden sterben, als in Hitlers Konzentrationslager verderben! Braun spricht deutsch, und nnr ein kleiner Teil seiner Z»- Hörer kann ihn verstehen? aber unten im«aal hängt man an seinen Lippen, lauscht man ihm atemlos. Hier und da sitzt einer, der die deutsche und die französische Sprache beherrscht, und man übersetzt dem Nachbarn schnell die markan- testen«teilen der Rede, die von der lauten Zustimmung der Versammlung unterbrochen werden. Max Braun spricht vor Franzosen und er findet Verständnis bei ihnen, als er den deutschen Charakter der Zaar her- Jndenbovlfott Saarbrücken, den 6. Oktober 1934. Gestern haben sich in«t. Wendel die Borgänge abgespielt, die jeden Augenzeugen an den Anbruch dcS„dritten Reichs" erinnern mußten. Tie Firma Stein in St. Wendel er- anstaltete einen Totalausverkaiif ihrer Waren. Der An- drang des kauflustigen Publikums war außergewöhiklich stark, so daß sich vor dem Geschäft eine große Menge staute. Ausfallend stark waren in dieser Menge die gläubigen An- Hänger der braunen Front, die sich offenbar vor dem Anschluß an das Land der Ersatzstoffe mit den echten Textil- waren einzudecken beeilten. Plötzlich tünchten mehrere Nationalsozialisten auf, die die Menge im Besehloton ans- forderten, keine Waren bei der jüdischen Firma zn taufen. Als dieser Aufforderung keine Folge geleistet wurde, zog einer der Nazis ans seiner Tasche ein Hitlerbild. Er zeigte dieses Bild nach allen Seiten und wiederholte die Anfsorde- rnng. keine jüdischen Waren zn kaufen:„Ter Führer will das!" Eine Frau erwiderte:„Ter Führer will das gar nicht. Bloß Ihr wollt das" Eine andere Stimme bemerkte: „Wir find noch nicht im„dritten Reich"." Tiefe Versuche, die Käufer einzuschüchtern, wiederholten sich im Laufe des Vormittags sowie am Nachmittag. Tas Publikum ließ sich jedoch nicht aushalten und beharrte auf dem Standpunkte, daß„wir noch nicht im„dritten Reiche" sind". Einer anderen Auffassung waren offenbar die Herren Landjäger, die die ganze Zeit mit olympischer Ruhe diesen unerhörte,, Unsog angesehen haben. Sind wir schon soweit, daß die Organe der Regicrungsgeivalt die barbarischen lln- sitten des„dritten Reiches" als Recht und Gesetz ansehen? Nofsdirel Danziger Katholiken Auch in einem Völkerbundslande Ranzig,-». Okt. Ter katholische Bischof von Tanzig, O'Rourke, hat einen Protest an de,, Bölkerbnndstommissar und an den Papst im Namen der l'.hling Tanziger Katholiken gesandt, d«e 37 Prozent der Bevölkerung Tanzigs ans- machen. Fn dieser Protestnote wird der Terror des von den Nazis beherrschten Tanziger Senats gegen die katholische Bevölkc- rnng des Tanziger„Freistaats" enthüllt. Es wird mitgeteilt, daß der nationalsozialistische Staat in seinem Feldzng gegen die katholischen Werktätigen n. a. sämtliche Organisationen der katholischen Jugend verboten hat und ihre Mitglieder durch alle nur erdenklichen Zwangsmaßnahmen>tt die nationalsozialistischen Organisationen zu pressen versuch' vorhcbt und die Hosjnung hinzufügt, daß der Tag der end- gültigen Versöhnung zwischen Frankreich«nd Teutschland naht, ein Ziel, für das die Frciheitsfront an der Saar kämpfe. Heiße Liebe zum wahren Teutschland beseele sie. und weil ihre. Anhänger Teutschland liebten, darum sei es ihr Ziel, am 13. Januar Hitler und damit das nndeutsche Wesen, das Teutschlands Ansehen schände, vernichtend zn schlagen. Braun ha, geendet.„Freiheit! Freiheit! Frei- heit!" hallt es laut durch den«aal? wieder ertönr die hin- reißende Melodie der Internationale. Als sich der stürmische Beifall gelegt hat, gibt Kurt Lenz in französischer Sprache einen Auszug aus der Rede. Von den französischen Kommunisten kommt das Mitglied der Kammer TucloS zu Wort, er ebenio wie ein österreichischer Kommunist überbringen der saarländischen Ein- heitssront die Grüße ihrer Freunde. Ter sozialistische Deputierte Z y r o m s t y betont, seine Partei stehe von jeher im Kampfe gegen jede Erschcinungs- lorin des Nationalismus Tie«aar sei deutsch und müsse deutsch bleiben, aber sie dürfe nicht hitlcrisch werden. Wenn der Hirlcrspnk verflogen sei, dann müsse sie wieder zu Deutsch- land zurückkommen. Abermals erbraust der Gesang der Internationale und die Kundgebung ist beendet,«ie hat bewiesen, daß die sranzö- fischen Antifaschisten wissen, um was es am 13. Januar an der«aar gebt: daß dort Hitler ein tödlicher Schlag beige- bracht werden muß, von dem er sich nie wieder erholen wird und kann. Branting Ein Kampfer für Freiheit, Wahrheit und Recht Von dem WclthilsSkomitce für die Opfer des Hitler- saschismus erhalten wir folgende Mitteilung: In der„Deutschen Front" vom 25. September, dem offiziellen Naziorgan an der Saar, wird der vom Wclthilfs- komitee nach der«aar entsandte Untersuchungsausschuß über den Naziterror ans das hestigste angegriffen. U. a. wird be- hanptcl, daß Georg Branting als Marxist selbstverständlich für die Separatisten sei. Senator Georg Branting hat aus Anfrage hierzu folgendes erklärt: „Als Marxist bin ich selbstverständlich gegen Hitler. TaS Saargeoie. an die Hitlerdiktatur auszuliefern, heißt Hundert- tausende von Wehrlosen den blutigen Verfolgungen des Nationalsozialismus in die Hand zu spielen. Tas«aar- gebiet ist unzweifelhast deutsch. Tas bedeutet nicht, daß eS hitlerisch sein will und sein muß. Tie Angrisse der natio nalsozialistischcn Presse werden mich nicht hindern, in einer Front mit den Anhängern des Status quo zu stehen, wie sie mich nicht gebindert haben, im Reichstagsbrandprozeß auf der Seile der Wahrheit zn stehen." BUrdiel prahlt Ter Beherrscher der Pfalz, Bürckel, der gleichzeitig Reichskommissar siir das Saargebiet ist, siihtt sich als„großer Mann" veranlaßt, der Brüsseler Zeitung„L'stoile Bclge" eine Unterredung zu gewähren. Biirckels Erzählungen lau tetcn folgendermaßen:' „Auch wenn wir nicht den kleinsten Finger rühren wür- den, bekämen wir am 13. Januar eine Mehrheit, aber das genügt uns nicht. Wir wollen einen t r i n m p h a- l e» Volksentscheid. Mit ihren Ucbcrtrcibiingen zwingen uns unsere Gegner, uns voll einzusetzen, um der ganzen Welt die Nichtigkeit ihres Geredes zu beweisen. Man möchte zu gern, daß wir mit gekreuzten Armen die Verleumdungen nver uns ergeben lassen, aber eine solche erhabene Haltung wollen mir nicht einnehmen." Tic Prahlereien Biirckels über den ang'eblichcn„triumphalen Volksentscheid" zugunsten Hitlers sind natürlich nicht ernst zn nehmen. Tic Antifaschisten an der Saar werden ihm den„Triumph" ichon sehr verderben. Aber interessant ist ganz was anderes. Ter Korrespondent des belgischen Blattes bemerkt i» der Einleitung des Jnter- views, daß bei der letzten Hitlcrivahl in dem Bezirk, wo Bürckel fein Hauptquartier ausgeschlagen habe, 96 Prozent Ja Stimmen abgegeben worden sind. Ter ahnungslose Bel- gier fügt, von Bürckel entsprechend instruiert, hinzu, daß dieser Umstand allein den Bürckel für sein hohes Amt als Rcichskommissar jnr das Saargcbict qualifiziere. Wie soll man eigentlic»^iese Worte verstehen? Wir wissen ja— darüber ha' en gerade wir in der„Deutschen Freiheit" sehr ausführlich ber chlet daß die Wahlen in der Pfalz unter stärkstem Terror stattgefunden haben, wobei sich der ehrenwerte Retchskommisiar vor offensichtlichen Fälschungen der Wahlergebnisse nicht scheute. Also das sollen die Ouali- täten sein, die diesen Mann für den Abstimmungskamps an der Saar besonders geeignet machen? Es sind eigenartige Qualitäten. Im übrigen: Wir haben wiederholt darauf hingewiesen, daß die Abstimmungslisten an der Saar izscht in Ordnung sein können. Sollte dieser Umstand vielleicht auf die vcson dere Qualifikation des Reichskommissars zuriickzusiihren sein? „13. Januar letzte trist" Ein Berliner Dementi Berlin, 6. Okt. Das„Berliner Tageblatt" bestätigt, daß sich deutsche Abgesandte nach.Gens begeben haben, um nach den Ereignissen, die sich dorr abspielten, die Stimmung zu er- forschen. Es sei nicht wahr, daß sie wegen der Saarabstim- mung verhandeln wollen. Ter 13. Januar, der für die Saar frage festgesetzt wurde, bedeute die letzte Frist Ter Kampfgeist schloß die Arbeiterkolonnen Zur Einheitsfront. Des Volkes Freifteitsschlachi Gegen Faschismus wird im Saargebict begonnen. In Teutschland aber erst beendet und geivvnncn, Mit der Eroberung der Macht. Des Saarvolks Stimme wird den Status ano gestalten Als Mauer gegen Barbarei. Des Saarvolks Stimme ruft ein„Halten" Entgegen braunen Mvrdgewalten, Mit seinem ernsten Freiheitsschrei. Thomas Eck. Saarbrfldter Horaitheologle Die„Neutralität" des Katholizismus Tie„Saarbriicker Zeitung" hat einen Befehl erhalten. Sie soll nicht länger mehr schweigen, wenn die bösen Blätter der FreiheitSsront gegen das Eindringen Hitlers ins Saargebiet etwas zu meckern haben. Befehl ist Befehl! So erleben wir denn jetzt tagtäglich eine bis zwei Spalten Polemik gegen die „Deutsche Freiheit" in der„Saarbriicker Zeitung". Anhänger der überlebten humanitären Ideale, haben mir einige MU- dernngsgrilndc fiir den Autor des genannten Blattes, wenn seine Antworten meistens fehl gehen. Wie lange ist es her, daß er ein etwas kurzatmiger Feuilletonist war, mit offen zur Schau getragener Vorliebe fiir den Knltnrbolscheivismus, mit indischen Freunden in der Literatuk und im privaten Leben eines Saarbriicker Journalisten! Jetzt trägt er den ehernen Harnisch mit dem Hakenkreuz, manchmal etwas seufzend wegen des harten Truckcs auf der Brust. Er darf aber« nicht verzagt erscheinen. Ein kräftiger Hieb aus den Rücken, ein Gedanke an die spätere Position, und er steht wieder gerade. Seine Feder hat jetzt angesetzt, um der„Deutschen Frei- heit" zu beweisen, daß die katholische Kirche— im Gegensatz zu unserer Meinung— in diesem Abstimmung»- kämpf nicht„neutral" sein dürfe. Warum nicht? Ter Katho- lizismus habe, so schreibt der Polemiker der„Saarbriicker Zeitung",„die gottgewollte, blutmäßige, gejchichtlich-kultn- rclle Verbindung des Saargebietes mit Teutschland zn schützen und zu vertreten". Mehr noch! Selbst wenn alles wahr wäre, was über die Lage des Katholizismus in Teutschland„zusammengelogen" werde selbst dann... Man kennt den Tenor. Ein katholischer Arbeiterführer an der Saar hat vor einiger Zeit gesagt, sein„Gewissen" gebiete ihm, selbst dann für die Rückgliederung an der Saar einzu- treten, wenn hier statt Hitler Thälmann herrsche... Ter Polemiker der„Saarbriicker Zeitung" hält sich an die katholische Moraltheologlc. Hier kann man, ihre Geschichte lehrt es, leicht ausrutschen. Halten wir uns an etwas Kon kretcrcs: an den Papst, an seine Enzyklika und an d a s H i r t c n s ch r e i b e n der d e u t s ch e n B i s ch ö s c, das auf der Fuldaer Bischofskonferenz angenommen, aber von der Gestapo nicht zugelassen wurde. Hier findet der frischgebackene Moraltheologc der„Saarbriicker Zeitung" lange Partien, die sich mit Volkstum, Nation»nd„Vlut und Boden" beschäftigen. Immer wieder, mit dem höchsten ethisch- moralischen Gcivicht, wird hier gesagt, dast es für den Katho likcn noch höhereWcrt« gebe als diese. Sie werden über- ragt von der Verantwortlichkeit vor Gott und dein religiösen Gewissen, von der Liebe zum Menschen und zu dem Recht seines Glaubens. So stellt also die Frage! Wenn wir, unter Berufung aus die Bekenntnisse der höchsten Kircheiwirtvrilät, nur verlangen, daß sich der Katholizismus im Saarkamps „neutral" verhalten müsse, so scheint uns dies eine Mindest forderung zn sei». Wir können uns vorstellen, daß religiösere Leute als wir vom Katholizismus offene Parteinahme gegen die Rückgliederung an ein Land des Unglaubens, des Neu- Heidentums, der brutalen Vernichtung des Menschenlebens und der Schändung der Menschenwürde beanspruchen. Nicht nur um des Glaubens, sondern gerade auch»in Deutschland willen. Nun hat der Polemiker der„Saarbriicker Zeitung" eine Lesefrucht zu Hilfe genommen, die er im Briefkasten der „Deutschen Freiheit" entdeckte. Hier war neulich von jungen Katholiken die Rede, die»ach Schriften von Karl M a r r fragten. Vorne tropften wir, so heißt es nun in der„Saar briickcr Zeitung", vor Angst um das Seelenheil der.Katholiken, hinten aber freuten wir uns über die„marxistische In- fiziernng" katholischer Jngend. Ties letztere dürfte ans- nahmsweise kein Irrtum sein. Wir berufen uns nicht daraus, daß es katholische Theologe» gab und»och gibt, die sich inten siv mit dem Marxismus beschäftigen und diese gewaltige «dm» der sozialökonomischen Phänomene nicht laut genug rühmen konnte». Wir erinnern an den verstorbenen Pfarrer Hohoft, an den lebenden Professor Steinbüchel in Gießen. an viele andere, deren Name» der Herr von der„«aarbrücker Zeitung" gewiß nie gehört hat. Aber stelle» wir uns einmal aus seinen Standpunkt der Moraltheologie. Wir machen ihm den Vorschlag, ein Ko» z i l i u m katholischer Priester einzubernfen, mit der Ausgabe, Seite um Seite nachzuprüfen, ivo die religiös- moralischen Inhalte des Katholizismus besser gewahrt wer- den: in Hitlers„Mein Kampf" oder in Karl Marxens „Kapital". Sollte sid, dann ergeben, daß der Jude aus Trier der göttlidien Vermirklidiling ewigen Mcnschenanspruch« aus der Erde mehr gedient hat als Hitler, der Taufschein- katholik, so bitten ivir sehr um Entschuldigung Unser„marri stischer Herrgott"— so nennt ihn die„Saarbriicker Zeitung" ist gern bsreit, ihren Artikelschreiber liebend in sein Reich einzuschließen. Ten» dieser Mann verdient, nach den Grund geietzen der materialistischen Geschiditsmifassung, jede nur denkbar milde Behandlung: er dient in Treue den Herren, die ihm die ökonomische Basis für seine leibliche ni'che Existenz gegeben haben Die Harhenwlrfsdiaft ist da &tammabfämtt mit vser Bezugsscheinen für Hnushaltn»aegarine und zu-ei ReichsnervUligungsscheinen für Speisefette Abtrennen der Abschnitte nur durch den Verkäufer und nur bei Abgabe der angegebenen Darenmenge von A. Bezug von Haushaltmarqarine: k>su»halrmargarine dar» nur von einschlägigen Berfaufss«ellen mit Ausnahme von Linheitepreisgefchäften, und zwar nur« pa»,nge», zu l Dfund oder'/, s?funv mit der Aufschrift ,,£jau«t nUniaraattne, Abgabe nur gegen Bez ig», ich in zu eznem Nleinv..fau,»böchftpre.» von Ig^,e'/»Pfund, verkauft treiben. Die Abgab# von 5.au»ha'ltmargot»'ne oart out erfolgen, wenn der Bezugschein, mit den. Siammabschnitt verbunden, der verkauiestelle vorgelegt wirb. Der Zerkaue darf nicht davon abhängig gemacht werden, daß andere Maren als krausholtmargarine abgenommen werden. Die Zldqabe von Lraushalimargarme tft davon abbäng g, daß der Bezugsberechtigte fofoN den Ktammabfchnitt bei der Berfaufsstelle vorlegt, die den Stammabschni't an der hierfür vorgesehenen Stelle mit dem Ftrmenüemvel rerstedt und den Bestellschein abtrenn,. fltr•<^eaen Abgabe der RetchsverbiUigunqsfcheine wird beim Cinfau^ von minderten* l,, Pfund Butter Käse, Schmalz. M«rft .^pi-ifZ. fr iiL.$0hf|tt, Speck, Talg, Speiseöl, Margarine, Aunftfpeisefett. gehärtetem pfianzen» oder Tterfet« eine verbilligung von ze 25 vw gewährt Andere Maren dürfen auf diese Scheine nicht abgegeben werden. Bestellschein entnommen |ft. Hauehaltmargarin« Gültig für Oktober 1934 Bezugsschein für'/»P}b. Haushaltmargartne Gültig für Oktober 1931 Reichsverbilligungsschein für Speisefett« Güliig in der Zeil vom l. Sept. dl« ZI Gkt. 1034 Abschnitt verfällt nach leytem Silltigbritatafr. vre Verkaufsstelle hat den Abschnitt bi» mm 10.©aormbrt 1034 dem yiständtgen ftnanramt (finantkasse) yirEinlösung yoriulegen. Spä- tere Etniösung ist ausgeschlossen. Sorgfältig aufbewahren! Jür Verlust wirb Ersatz nicht geleistet! Bezugsschein für'/»Vib. Haushaltmargarlve Güllig für September 1934 Bezugsschein für'/»Plb. Haushallmargarin« Güllig für September 1931 Reichsverbilligungsschein für Speiselette Güllig in der Zeit vom I. Sep«. bi» 31. OUt. 1934 Abschnitt verfallt nach letztem Sülltgke«t»tage. Die Verkaufsstelle Hai den Abschnitt bis zum 30. November 1034 dem /uständlgen ftuanuimt (finanikastc) per Einlösung oorntleg«',. S»ö. tere Einlösung ist ausgeschlsssen. Die Rückseite der„Petlkarte": kttchsregierung will Deutschlands verhäng' ***^*• y v 1 1V11 v ♦ nisvolle Abhängigkeit vom Auslände in der /ett Versorgung überwinden, dem Bauern, dem vlutsquell unseres Volke«, helfen und nicht zuletzt durch Gesundung der Vauernwlrtschaft sür Handel und Gewerbe auf natürlichem Wege Arbeit schaffen. Diesem großen$iel dient auch dleser Sdchein. Gr soll die für die Fetterzeugung im Inland« notwendigen preise den minderbemittelten Volksgenosten erträglich machen. Volksgenosse, hils m»t am großen Werk! verhindere feden Mißbrauch des Bezugsscheins! Sin sprechendes Dokument aus drin„dritte» Reich". Da, hin hat Hitler Deutschland in eineinhalb Jahren gesührt. Wen erinnert es nicht an die schlimmste Notzeit des Krieges?! Der Lebensstandard sinkt von Woche zu Woche. Millionen müssen unter dem Existenzminimum leben. Mar- garine und andere Kette sind geivaltig im Preise gestiegen, sind für Unzählige unerschwinglich geworden. Ab-r selbst das Wenige, das den Aermsten verbilligt zur Verfügung stehen soll, st nicht mehr zu haben. Die vorliegenden Be» zugsscheine Nr. 8 und 4 sind ans Hanshaltsmargarine ans» gestellt. Die Behörden habe» aber bereits durch die Zeitungen bekanntgegeben, daß an Stelle von Margarine Marmelade verabreicht wird. Erwerbslose werden geneppt Ohne„Heil Hitler!" Das Arbeitsamt Hamburg veranlaßte mich vor etwa einem Jahr, in die„Deutsche Angestelltenschast" einzutreten, da anderenfalls meine Stellenvermittlung sofort gesperrt würde. Als Mitgliedsbeitrag wurde mir 0M NM. pro Jahr angegeben. Nachdem ich diesen Betrag entrichtet hatte, teilte man mir einen Monat später mit, daß ich monatlich— ,30 NM. zu bezahlen habe. Dieser Betrag wurde aus 0,20 NM. ermäßigt, unter der Boraussetzung, daß ich jeden Monat eine eidesstattliche Versicherung abgebe, keinerlei Nebenverdienst gehabt zu haben und keinerlei Zuwendungen, Unterstützungen und Freiessen erhalten zu haben. Nachdem ich jetzt Deutsch- lanb seit zwei Monaten verlassen habe, erhalte ich eine Rech- nung für zwei Monatsbeaträge in Höhe von 1.A1 RM. zu- züglich 0,15 NM. Verzugsgebühren und Porto. Demnach ist der Monatsbeitrag für„erwerbslose Kameraden" jetzt auf f).60 NM. erhöht worden. Man scheut sich also nicht, auch die Erwerbslosen noch zu neppen. „Nach Ablauf dieser Frist sind wir verpflichtet, die sättigen Beiträge durch Zahlungsbefehl einzuziehen." Beachten Sie bitte, daß die Aufiorderung nicht mit„Heil Hitler! unter- zeichnet ist. Bon allerhöchster Stelle ist nämlich angeordnet worden, daß der„deutsche Grub" in Mahnschreiben nicht ver- wendet werden solle, da er in diesem Zusammenhang geeignet sei,„das moralische Empfinden bei deutschen Voltes zu ver- letzen". Ueberau Zozugsperre Das Abschieben von Erwerbslosen In Hannover befürchtet man, daß die für Berlin. Hamburg und Bremen ausgesprochene Sperre des Zuzugs von arbeitsuchenden Arbeitern und Angestellten zur Folg« haben könnte, bab der Wanderstrom ans dem Westen nach Berlin und der Wo»der ström au? dem Süden nach den Seehäfen in Hannover haltmacht. Die Stadt warnt daher in einer Veröffentlichung dringend vor einem Zuzug. Daraus, dab die Zuzugsperre sür Hannover nicht verhängt worden sei, dürfe nicht geschlossen werden, dah dort leichter Arbeit zu finden sei. Wer dennoch in Hau- nover zuziehe und. weil er keine Beschäftigung finde, um Unterstützung bitten müsse, der müsse sich darüber klar sein, dab ihn das Arbeitsamt, wenn er überhaupt Anspruch auf Arbeitslosenunterstützung habe, höchstens vier Wochen u n t e r st ü tz e n könne und dab das Wohlfahrtsamt für Zu- ziehende, falls es überhaupt mit Geld unterstütze, sta r k et- mäßigte Richtsätze anwende. vernlchleles..Brauchtum" Kösener SC. rebelliert Berlin, 6. Okt. Sosort nach der Veröffentlichung des Erlasses über die Neureglung 6er studentischen Ordnung hat der Kösener SC., der einflußreichste und wichtigste Verband der deutschen Couleurstudenten, einen außerordentlichen Kon. greß einberufen. Der heute veröffentlichte Kongreßbeschluß wendet sich mit außerordentlicher Schärfe gegen Hitler« neueste Reform. Es heißt da unter anderem:„Die Anordnung vernichtet wertvollstes, ganz auf deutschem Boden ge- wordenes und gewachsenes Brauchtum: sie vernichtet die in dem deutschen Wasfcnstudententum verankerten Werte: sie zerstört die studentische Selbstverwaltung in ihren gesunde- sten und ursprünglichsten Teilen und setzt an^h r e Stelle eine f o r m a l c B ü r o k r a t i e... An Stelle der Freiwilligkeit der Leistung treten Zwang und Befehl... Tie Anordnung verstößt gegen die Verfassung der deutschen Studentenschast. Sic ividcrspricht darüber hinaus den Worten des Führers, daß Revolution nicht heiße, alles zu zerreißen um jeden Preis, daß sie gegebener Werte sich nicht zu schämen brauche und daß Organisieren immer' ein notwendiges Ucbel, im besten Falle Mittel zum Zweck und im schlimmsten Falle Selbstzweck sei..." Conei vernldifel die eigene rtolfe Episode aus des Cortez Leben Erzählt von Heinz W i e I e k „Nur ei» Räuberhaupimann war er. Der ins Buch des Ruhmes einschrieb > Mit der eignen frechen Faust Seinen frechen Namen: Cortez." lAus Heinrich Heines„Bitzliputzli".> Hcrnando Cortez war mit seiner kleinen Truppe in Cent- poalla angekommen. Immer stärker scholl ihnen der Ruhm des Aztekenherrschers Montezuma i» die Ohren. Mau sah Abgesandte des Kaisers, Geschenke von solcher Pracht und Großzügigkeit, daß man an Traumgebilde glaubte, lieber- all sprach man von jenem, dem Mächtigsten, dem Bcbcrr.cher vieler Länder und Stämme, mit gesenkter Stimme, i» der Schreck und Erbitterung zitterten, in der Stolz flammt«. Montezuma war der Unbesiegbare, der, umgeben von den tvroßen des Landes, in seinem Wunderpalast inmitten der Hauptstadt lebte. Heere standen ihm zur Verfügung und warteten auf seinen Befehl. Zehntausende und Zehntausendc. Und dies Land wollten sie sich aneignen, die paar hundert Cortez-Soldatcn? Sle bespöttelten sich selbst und ihre Unter- nehmung. Wohl ivar in ihnen die Gier nach Gold nach wie vor stark wohl jagte sie diese unverlöschte Gier weiter und weiter. Aber standen nicht am Ende des Weges Verderben und Tod? Was sollte alles Gold des Zaubcrlandeö. wenn die Sichel des grinsenden Todes sie traf? Langsam bemächtigte sich Furcht ihrer Herzen, wuchs, raubte ihnen in jeder Mi- nute des Tages und der Nacht die Ruh?. Kurz vorher hatten sich einige der Soldaten unter Führung des Priesters Juan Tiaz gegen Cortez gewandt. Das Wagnis schien ihnen zu groß, die Gefahr zu schrecklich. Sie wollten sich eines ihrer an der Küste liegenden Schiffe bemächtigen und in aller Eile nach Kuba fahren, um dort dem Statthalter ihr Leid zu klagen. Cortez hatte kurz vor der Aussiihrung dieses Planes davon erfahren und mit aller Härte die Schuldigest bestraft. Doch war er klug genug, um zu wissen, daß Meuterei und Rebellion daß die Furcht vor dem'Kommenden und die Sehnsucht nach Heim und Familie nicht so rasch aus den Herzen seiner Soldaten z» vertreiben waren. Was sollte er tun?«"in so groß'"fecherl''h begonnen:? Unternehmen. daS mit der Eroberung MextköS enden sollte, wollte und konnte er nicht ausgeben. Insgeheim gab er seinem Feldzug eine ethische Begründung. Dem spanischen Kaiser, dem Gedanken des Christentums mußte das Heidentum weichen. Er, Her- iianöv Cortez, halte dies christliche Werk durchzuführen. Mit dieser Begründung seines Beginnens täuschte, beruhigte er sein Gewissen. Denn ivas ihn trieb, war— wie bei seinen Soldaten— krankhaft gesteigerte Goldgier und die fressende Sucht nach Ruhm. Jetzt umkehren? Daheim gleich einem Narren verspottet werden? Für tmiiicr in Vergessenheit und Armut versinken? Nein! Nein, nein! Alles, nur nicht das! In schlaflosen Nächten waren ivahtitvitztge, tollkühne Gedanken in ihm aus- gestiegen, saßen seft und erfüllten ihn: Ich muß, ich werde dies Land erobern. Ich, Hernando Cortez, iverbe vordringen! Bon der Heimat war er abgeschnitten. Bor sich hatte er ein mächtiges Reich, das sich mit allen Mittel» verteidigen würde Cortez hatte eine im Vergleich zu den Machtmitteln des Feindes ivinzigc Schar von Soldaten um sich. Mit die- sc» mußte er siegen. Immer wieder übersiel Cortez die Furcht vor der Rebellion seiner Soldaten. Er mußte dem jetzt, sogleich— für immer vorbeugen. Für immer wollte er daö Vorhaben wankelmütiger Krieger vereiteln und un- möglich machen. Wie aber, wie...? Die härtesten Straten ivaren nutzlos und ivurdeu später von den andern doch wie- der vergessen. Und da reiste in Corte, ein Plan, der, wäre Corte, in der Folgezeit besiegt worden, wahnsinnig genannt worden wäre. Er beschloß, von den zehn Schissen seiner eigenen Flotte neun zu vertiichten und so seinen Soldaten den Rück- zug, den Weg nach Hause abzuschneiden. Einig« seiner Per- trautesten überredeten durch Geschenke die Lotsen,«inen Be- richt von der Unverwendbarkeit der Schiffe anzufertigen. Nachdem Coric, diese Nachricht über den schlechten Stand seiner Flotte erhalte» hatte, tat er höchst verwundert und rief aus:„Ist dem so, so-müssen wir wenigstens retten, was wir können! Des Himmels Wille geschehe!" Aus seinen Befehl wurden also die neun Schiffe versenkt. Tauwcrk, Tegel, Eisenwerk ließ er an LaiK» und in Sicher- heil bringen. Bald erfuhren die Soldaten von diesem Geschehnis. All« »och im Tiefsten flackernde Hoffnung wurde mit grausamer Wucht zerstört. Jetzt mußten sie vorwärts, dem Feinde entgegen ziehen, gegen eine unerbittliche Uebermacht ftrei- ten. Untergehen oder siegen! Eine andere Möglichkeit war nicht mehr vorhanden. Di« eigenen Schiffe ivaren vernichtet. In ohnmächtigem Zorn ballten sie die Fauste, verfluchten den mexikanischen Feldzug und jenen Alaun, der sie hierhin geführt und ihnen nun ihre letzte Hoffnung genommen hatte. „Wie Bich hat er uns zur Schlachtbank getrieben!", klagten sie ihren Befehlshaber an. Cortez hatte mit diesem Zorn gerechnet. Sein Plan war bis ins Letzte durchdacht und in seiner satanischen Folge- richtigkeit unzerjctzbar. Er hielt seinen Soldaten eine feurige Ansprache. Er las ihnen den Bericht der'Lotsen vor, in dem sie ihm über dte Unverivendbarkclt der Flotte Mitteilung gemacht hatten. Er erinnerte die Soldaten daran, daß er den größten Verlust mit der Vernichtung der Schiffe hatte, da sie von seinem Geld gekauft worden seien. Außerdem seien sie jetzt um hundert tapfere Männer stärker geworden, die bisher als Schiffsbesatzung notwendig gewesen waren. Und wenn die Flotte tatsächlich nvch brauchbar gewesen wäre, was hätten sie davon? Tie waren zu weit entfernt von ihr, um sie. wenn sie in die Flucht geschlagen würden, jemals gebrauchen zu können. Wenn sie aber Sieger blieben, dann stünden ihnen alle Machtmittel und alle Wege offen,.. Und Cor- tez beendete seine Rede mit diesen Worten: „Was mich betrifft, so habe ich mein Teil erwählt. Ich werde hier ausharren, so lange nur noch einer bei mir bleibt. Gibt e« einige Feige unter euch, die Anstand nehmen, die Gefahren unseres ruhmmürdigen Unternehmens zu teilen, so laßt sie in Gottes Namen nach Hause gehe». Es ist noch ein Schiff übrig, mögen sie es nehmen und nach Kuba zurück- kehren. Sie mögen dort erzählen, wie sie ihren Befehlshaber und ihre Gefährten verlassen haben und ruhig ivarten, bis wir, mit der Beute der Azteken beladen, heimkehren." Cortez' Rede warf alle Bedenken der Soldaten zurück. Sie drang in sie ein. Wieder wachten die schlummernden Ge- danken in ihnen auf. Wieder entbrannte die Gier nach Gold. Wieder schlössen sie sich zusammen, und wieder einigte sie der Ruf:»Nach Mexiko! Nach Mexiko!" Der Erfolg des Hernando Corte» war vollständig. Er hatte seine Soldaten dorthin gebracht, wo er sie haben wollt«, wo sie ihm bedingungslos Gefolgschaft leisten mußten. Nichts gab e's jetzt für sie— außer dem Sieg. Zwischen Sieg und Tod im fremden Land war nichts... Und in zügellosem Wagemut führte er seine kleine Truppe weiter, weiter ins Innere des AztekenretcheS, zu Kampf und Freoeltaten, zu Gold und Ruhm JJeutsdke Stimmen•«Beilagc zur..Deulscften Streiftett"- Ereignisse und Qestftidtien ÜUBfflÜ Samstag, den 6. Oktober1934 liifllllllllll iiiiilllllllllllllBllll „Deutsche!' Emigrierte Satiriker, hängt Euch auf! Schießt Euch eine Kugel durch den Kopf: Nehmt Zyankali oder Verona!!^ Denn Ihr werdet bald brotlos sein! Das, was sie selbst* machen, die Herren des„dritten Reiches" und ihre Trabanten, einerlei, ob Führerreden, Theaterstücke oder Lyrik, das könnt Ihr nicht erfinden! Was sind die satirischen Gedichte eines Walter Mehring, eines Erich Weinert gegen das, was jenseits dos Rheins an echter deutscher Lyrik verzapft wird. Beispiele gefällig? Wir haben unbesehen aus dem„Angriff", dem Blatt des Doktor Goebbels, der der Schutzherr der deutschen Literatur ist, 7 Gedichte ausgewählt, Gedichte, von denen, die während der berüchtigten 14 Jahre von Marxisten und Juden beharrlich totgeschwiegen wurden, obwohl oder weil sie so begabt sind, so begabt...! „In großer Zeit", heißt eins, es ist von Herrn Eberhard G emen, und es geht so: „Das sind die rettenden Gebete: Wenn einer Stein zum Bauern karrt, Und besser noch, als daß sie flehte, Wird Hand an Pflug und Hammer hart. Und so steht eine Zeit gewendet: Es werden welche gläubig säen, Auch wenn sie nicht ins Ernten gehen In ihnen hat sich Gott gesendet Die Hände welken hin im Beten. Gott wurde wieder eisenhart. Er will, daß wir zum Werke treten... ^ ohl dem, der Stein zum Bauern karrt." Wirklich, so steht es wörtlich da. Sinn? Den haben sie im „dritten Reith" ohnehin abgeschafft. Und das Deutsch haben die Herren mit Löffeln gefressen,„Gebete" reimen sie auf „flehte",„säen" auf„gehen". Wirklich„wohl dem, der Stein zum Bauern karrt", denn er hat keine Zeit, Gedichte zu lesen. An die seligen Zeiten vor dem Krieg wird man erinnert, die Wonnegans kommt einem ins Bewußtsein, wenn man liest(in„Lied des Siedlers", von W. G. Schwarz): „Ob hundert Jahre oder zehn— Was tuts! Komm, Sohn, und faß es ganz: Du darfst auf eignem Grunde stehn Des deutschen Lands!" Herbert Lesti boudois heißt der Nächste auf gut arisch, und der läßt sich vernehmen: „Und was uns mißlingt, das packen wir an Zehnhundertfach neu!— Und zeigen selbst dann In lachendem Munde Der widrigen Stunde Zusammengebissene Zähne!" Das soll ihm mal einer nachmachen, dem Lestiboudois. die zusammengebissenen Zähne im lachenden Mund. Der Mann gehört in eine Abnormitätenschau und nicht in den „Angriff"! Der in allen Sätteln gerechte Heinrich Lersch darf natürlich nicht fehlen, wenn es sich um schlechtes Deutsch handelt: -.Wanderer, steh! Ich sage dir, wenn du dich heute abend zum Schlafen legst Und nicht nach den toten Soldaten fragst..." „Ein unterdrücktes Volk macht selbst das Kartenspiel zur Verschwörung." Victor Hugo. Bisher gehörte das Kartein in Deutschland zu den harmlosen Beschäftigungen. Es war so neutral wie etwa der Fahrplan. Der bedrückte Steuerzahler konnte sich dabei nach Herzenslust und ganz unpolitisch ausräsonieren, durfte auf den Tisch donnern, so viel er wollte— niemand fühlte sich getroffen. Das alles soll nun in Bälde ein anderes Gesicht erhalten: auch die Spielkarten werden gleichgeschaltet. Wie die Blätter melden, ist an die Altenburger Spielkartenfabrikation von oben her die Anweisung ergangen, eine neue, zeitgemäße, deutschvölkische Spielkarte zu schaffen. Sind sich die braunen Obergangster der Konsequenzen des neuen Spiels bewußt? Wohl kaum. Hier wird wieder einmal so fahrig und gemeingefährlich drauflos erneuert, wie auf anderen Gebieten. Bei den Trümpfen geht das Malheur schon los! Wer soll im deutschen Männerskat oberster Trumpf sein? Hitler, Blomberg, Thyssen, Schacht oder sonst ein Schwer- industrieller? Wie stebts mit den Buben, den vier Wenzeln, die alles stechen? Hitler, Göring Goebbels Heß? Wie ists mit der Reihenfolge? Wer sticht wen? Wer stellt die Damen dar? Wie vor allem stehts mit den leeren Karten, die nichts zählen: die Sieben, Acht, Neun? Hier kommen als Figurinnen doch nur SA.-Leute in Frage. Die eigentlichen Gefahren jedoch beginnen erst mit den Skatredensarten. In diesem Punkte ist das deutsche Volk so reich, wie keine andere Nation der Erde. Jeder Durchschnittsdeutsche kennt diese Redensarten, sie vermehren sich noch rascher als die Autos der braunen Bonzen und fast alle sind sie bittere Beleidigungen der Wenzel. Darf man künftig, wenn der oberste Gangster ausgespielt wird, noch fluchen: ..Verrecken soll das Aas!"— Mit den gleichgeschalteten Karten dämmern für Meckerer wie für Denunzianten gewaltige Möglichkeiten. Ein ganzes Volk wird seine Wut beim Spiel aussprechen. Millionen werden daß Aß nur noch Aas nennen, wenn darauf ein brauner Bonze zu sehen ist. Der deutsche Skat wird endlich einen tieferen Sinn kriegen. Was aber, wenn ein neuer 30. Juni kommt? Man sollte die erste Auflage der Hitlerkarte in bescheidenen Grenzen halten. Zwischen der Göring- und der Heß-Gruppe tobt bereits ein wüster Kampf um die Frage, wer Hitlers Stellvertreter sein soll— wie bald kann ein neues Weekend fällig sein, in dessen Nachtstunden wieder ein paar Dutzend alter Kameraden abgeschlachtet werden— dann wären die Karten abermals an revidieren, die Wenzel und Damen zu erneuern, Von Jxitz dtofl Tatsächlich,„frägst" hat er geschrieben. Das steht da, das muß man lassen stahn!„Ich fräge, du frägst, er frägt". DRGM. angemeldet. Erfinder: Heinrich Lersch. Einer heißt gar Karl von Berlepsch, und so schreibt er auch: „Das ist die Zeit zum Sehnen.— Ich trage ein buntes Kleid. Und draußen trieft in Tränen Die große Dunkelheit. Laß brennen, o laß brennen. Doch nicht mit beißendem Rauch! Wir können uns suchen und trenr»- Das tut das Leben auch." In der Schule lernten wir die Tonleiter mit dem sinniger. Vers:„Mir wackelt der Bauch, mir— meiner— auch! Warum muß ich bloß grade daran denken, wenn ich Ber- lepschen lese? Und jetzt kommt eins, von Richard Hülsenbeck ist es nicht, und es ist auch nicht 1919 geschrieben, als Dada seine kulturbolschewistischen Ergüsse auf die Menschheit losließ; es stammt vielmehr von Herrn Rudolf Paulsen und heißt„Herbstliche Landschaft": „Die Welt ist wie ein Bild musik bewegt Und flutet jede Farbe, jede Welle; Die Seele aus den dunklen Dingen regt Sich auf und wogt empor ans Helle. Es klirrt wie Schellen aus der weiten Flur, Die Nymphen schlagen, weinend oder lachend. Des Daseins ewig doppelte Natur Mit halben Klängen uns verständlich machend. Unsichtbar diese, welche Menschen suchen Und, alles Rausches, aller Sehnsucht Hauche Wie Heilige segnen und wie Trunkne fluchen, Unsterbliche im braunen Haide-Rauche. Ihr Jenseits-Ton schwimmt selig dieser Seite, Des Frühlings Süße rasend übersteigend, Das Leben ringt sich rauschend in die Weite, Eh es versinkt, vom Tanze müd sich neigend." ' Der I.Angriff" hat vergessen, mitzuteilen, daß es sich um ein Preisausschreiben handelt und der Leser, der den Sinn ei raten kann, einen Preis bekommt. Genug? Genug! Nur noch, als Abschluß, die„Irdische Reise" des Herrn Rudolf Habetin: „... Doch manchmal schweigen wir auf unsrer Reise Und schenken uns an eine Wolke hin, Nachdenklich und auf wunderliche Weise, Und fragen rätselnd nach dem letzten Sinn——" Vir auch, wahrhaftig! Aber, der letzte Sinn dieses ganzen Un-Sinns wird sich wobl nie ergründen lassen. Das ganze aber ist offizielle, offiziellste deutsche Lyrik, und die das schreiben, haben das richtige Deutsch gepachtet, zur alleinigen Benutzung. Woh-"?<-i»ci w ir.... reden wir nicht davon! Man weiß auch, wie die deutsche Reklame darunter leidet, wenn dir braunen Gangster einander fortgesetzt zu Tode reinigen! Bisher mußten deshalb schon Bilder vernichtet, Kalender und Piakate unbrauchbar gemacht werden. Die Blätter berichten, daß neuerdings eine deutsche Zigarettenfabrik ihren Schachteln als Zugabe eine kleine Stickerei beilegt; sie befindet sich in einem Kuvert, auf dem zu lesen steht:„Die Ereignisse des 30. Juni 1934 nehmen uns die Möglichkeit, unsere Bildserie„Männer um den Führer" zu beenden. Wir fügen daher unseren Packungen Plauener Spitzenstickereien bei."— Wie lange noch und es könnte eines Tages in der Nazipresse heißen:„Infolge der Ereignisse vom soundsovielten sind die neuen Spielkarten beim zuständigen Amtswalter gegen eine verhe««erte und gereinigte Ausgabe umzutauschen..." Das JCuitucqut „Angst vor Unsittlichkeit" „Aus Anlaß bedauerlicher Vorkommnisse bringe ich die Warnung der Reichsfilmkammer von anstößigen Werbemethoden in Wort und Bild, die Anfang des Jahres durch Verbands-Rundschrejben bekanntgegeben worden ist, erneut in Erinnerung. Wer als deutscher Filmtheaterleiter oder als Filmverleiher oder als sonstiger Filmveranstalter heute noch immer mit solchen Werbemethoden seine eigene Mißachtung vor dem Kulturgut deutscher Filmkunst zum Ausdrude bringt, ichließt sich selbst aus der Reichsfilmkammer aus und wird künftig auf eine amtliche Bestätigung dieses Ausschlusses nicht mehr zu warten brauchen. Wer künftig solche Werbemethoden duldet, sei es als Theaterbesitzer, Verleiher, Direktor oder sonst als Kammermitglied, macht sich gleicher Verstöße schuldig. Ich werde daher jeden solchen Filmveranstalter, der sich solcher gröblichen Verstöße gegen den Anstand auf dem Gebiete der Filmwerbung in Zukunft zuschulden kommen lassen wird, wegen mangelnder Eignung aus der Reichsfilmkammer ausschließen. Berlin, den 4. September 1934. Der Präsident der Reichsfilmkammer: gez. Dr. Scheuermann." * Wie der Leiter der Filmprüfstelle unter dem Datum des 6. September 1934 amtlich bekannt gibt, wurde»m 21. August 1934 unter Nr. 36988 die öffentliche Vorführung des Paramount-Films„Murder at the.Vanities", 10 Akte, 2449 Meter, verboten, Aii£em Jlie(enstaht Als ich gelesen, fiel ich fast vom Sockel, Zehnmal sechstausend Meter Rohfilm sind verbraucht Bei denj Klamauk von Nürnberg— für die„Litzengocke!" Du hast gedreht, bis daß der Kurbelkasten raucht. Und alle Goebhelsblättcr melden es voll Rührung, Nur die Liane, Käthe, Dolly neiden Dir die Führung Die fetten Bonzen fingst Du ein,— nun schnurren sie vorbei. Der Osaf, alle Prominenten— die betörten Jungen. Der große, oft gefilmte braune Hitlerbrei. Und auf Geheiß ist auch der Song von Wessel(Horst) erklungen, Man sieht den„Führer", Josef, Hermann—alle aufgenordet! Nur jene fehlen, die im Juni man gemordet! Für alle Ewigkeit hast Du sie festgehalten, Daß audi der Enkel noch den„Krampf" belacht! Den alten Frontsoldaten glätten sich die Falten, Denn wieder ist gewonnen eine Arbeitsschlacht! Die Nachwelt ist beglückt, daß Adolf es befahl. Und nennt mit Staunen Deinen Namen: Leni Riefenstahl! Kopiert ist alles und der Kitsch kann surren, Betörte Massen recken sich die Hälse lang. Wenn auch bei Tausenden die Magen knurren Doch manch' Gelächter, mancher Fluch erklang. Seh n sie so- wohlgenährt die Bonzen in Parade schreiten- So schritt die Phrase, Mittelmäßigkeit zu allen Zeiten. Nur weiter so! Der Winter lehrt die Massen denken. Da hilft kein Flimmerspiel— es macht nicht satt. Ein hungernd Volk läßt sich nicht stets von Phrasen lenken. Ein Weilchen noch, bis daß es ausgeschlafen hat. Schon tausend Fäuste seh ich in den lasdien hallen. Bald wird der Sippschaft auch die Peitsche um die Ohren knallen. Fröhlich vom Rhein. *) Nachricht der deutschen Zeitungen: Leni Riefenstahl hat mit dreißig Mitarbeitern die Film Aufnahmen in Nürnberg gemacht, 60 000 Meter Film! 0!- das Muye China... „Wenn ich befreundeten Fremden Hamburg zeigen will, dann führe ich sie nidit zur Alster, nach St. Pauli oder zum Hafen, nein, ich mache einen Gang mit ihnen in die Hamburger Museen•.." so erzählt ein Plauderer in der Nazipresse. Und warum tut er das? Nun, im Museum für Kunst und Kunstgewerbe gibt es eine wundervolle Sammlung ostasiatischer Kunstwerke, leider nicht von den Nazi gesammelt. Als Schreckensbeispiel für ostasiatisdie Barbarei hatte ein Sammler dem Museum einen„wunderschönen, farbigen Holzschnitt" geschenkt, dessen Technik die hohe Meisterschaft des chinesischen Künstlers verriet. „Da sitzt ein griesgrämiger Zopfträger in Hals-, Arm- und Fußfesseln hinter Gittern in einem Holzkäfig..• Am Rande steht die Erklärung, die besagt: Illing Ma Fo ist ein kluger Mann, ein Schriftgelehrter und Schicksalsdeuter aus Futschang. Er prophezeite dem Lande ein großes Unglück und Mandarin Wan Shi ließ ihn solange in den Käfig sperren, bis das prophezeite Unglück eintreffen sollte. Es traf niemals ein, und Hung Ma Fo blieb darum 31 Jahre in diesem Käfig, bis er starb. Ja— kommentiert der„Plauderer" weiter— die Chinesen wußten, was sie mit Unglückspropheten anzufangen hatten. O kluges China!" Der Mann hat recht: Gegen Miesmacher und Kritikaster helfen eben nur der Pranger und der Käfig. Nur eine vertrottelte demokratische Kultur konnte glauben, daß man asiatische Kunstwerke mit absehe eckendem 1 heraa nur deshalb zeigt, damit die höhere Kultur den Abstand ermessen kann, der sie von der Barbarei trennt. Im„dritten Reich" aber ist man wieder so weit wie zur seligen Zeit de» Mandarinen Wan Shi. Jedec ueesteht... Lachen als Ventil Die polnische Zeitung„Republik" berichtet aus Berlin, wie die Unterdrückung der öffentlichen Meinung von den Humoristen ausgewertet wird:„In einem Kabarett in der Lutherstraße tritt der bekannte schwedische Komiker Lorenzen auf. Ohne ein einziges Wort zu sprechen, erheitert er die Zuschauer durch eine heißende Satire auf das gegenwärtige Regime. Ein Tisch und ein Stuhl, die auf der Bühne stehen, deuten an, daß es sich um eine Cafe handelt, in das Lorenzen eintritt. Lorenzen setzt sich, nimmt eine Zeitung, nach seinen Gesten die einzige, die er in dem Cafe finden kann, blättert ärgerlich darin herum und läßt erkennen, daß er schon genau weiß, was er lesen wird; dann legt er sie gähnend beiseite. Er macht die Zuschauer glauben, daß jemand in das Cafe eintritt, blickt nach rechts und nach links, versichert sich, daß jemand zuhört, beugt sich dem imaginären neuen Gast zu, erweckt den Eindruck, als ob er ihm etwas ins Ohr flüsterte und bracht in ein tolles Lachen aus. Jeder versteht: er erzählt einen neuen Witz über Göring. Die Vorstellung hat großen Erfolg. Das Publikum schüttelt sich vor Lachen, das für den Augenblick noch nicht verboten ist." Die internationale Filmschau in Venedig Das Preisgericht der internationalen Filmschau in Venedig hat den Mussolini-Pokal für den besten ausländischen Film dem englischen Film„Der Mann von Aran" von Robert Flaherty verliehen. Als der beste italienische Film wurde „Teresa Confalonieri" ausgezeichnet. Den Regiepreis der Stadt Venedig erhielt die Tschechoslowakei. Der Schweizer Film„Die weiße Majestät" erhielt die Gedenkmünze des italienischen Alpenklubs.. In Venedig wird jetzt die Gründung einer ständigen internationalen Ausstellung der Filmkunst geplant. Qie LchaeschaCtetec Skat v> a du Völker In Sturmzeltan Nr. M Völker in Sturmzeiten Im Spiegel der Erinnerung- im Geiste des Sehers Semitag,«> Oktober So war es in Versailles Von Victor Schiff deutschen Delegation versucht unermüdlich, durch Vorstellungen bei den Alliierten erbesserungen der harten Bedingungen zu erreichen. Sie beziehen sich auf soziale Fragen, Kriegsgefangene, Kriegsschulden. Ein Zugeständnis wird erreicht: es bezieht sich auf die Saarfrage. Ich entsinne midi noch, wie der relative Optimismus, den namentlich die zweite Antwortnote hei maßgeblichen diplomatischen Mitgliedern der deutschen Delegation auslöste, mich wunderte und zugleich taurig stimmte. Die ganze Trostlosigkeit unserer Lage kam einem zu Bewußtsein, wenn man heohaehtete, wie sonst sehr kluge und nüchterne Männer aus der Tatsache, daß mau eine sechszcilige Antwort erhalten hatte, die keine Beleidigung, sondern nur ein Prozedurversprechen sowie einen sachlichen(dahei etwas ironisch formulierten) Hinweis enthielt, bereits neue Hoffnungen schöpften lind sogar die Möglichkeit mündlicher Verhandlungen für uähergerürkt hielten. Bereits drei Tage später, am 13. Mai. wurden drei weitere Noten überreicht, durch die schon wesentlich heiklere Fragen angeschnitten wurden. Eine Note ii her die Kriegsschuld frage, in der gegenüber dem Artikel 231 darauf hingewiesen wurde, daß Deutschlands Anerkennung der Schadenersatz- pfliiht auf Grund der Lansing-Note vom 15. November 1918 erfolgt sei, also unabhängig von der Kriegsschuld frage. Bewußtsein des deutschen Volkes sei dieser Krieg stets ein Verteidigungskrieg gewesen. Da die deutschen Delegierten die frühere deutsche Regierung nicht für alleinige oder hauptsächliche Schuldige am Kriege hielten und im Vertragsentwurf die behauptete deutsche Schuld durch keine Beweise gestützt sei, bäten wir uin Mitteilung des Berichtes der von den Alliierten eingesetzten besonderen Schuld- Prüfungskommission. Das„Todesurteil" Weiter wurde, am gleichen Tage als vorläufige Aeußerung zu den wirtschaftlichen Folgen der Friedenshedingungen ein kurzes Gutachten der deutschen volkswirtschaftlichen Sachverständigen üherceiiht. das in eindrucksvoller Weise die voraussichtliche Lage Deutschlands nach der Annahme eines solchen Vertrages schilderte: Ausfall von 21 Prozent der Gesainterute, an Getreide und Kartoffeln durch den Verlust iler Ostprovinzen, von 33 Prozent der Kohlenproduktion. von 75 Prozent der Eisenerzpröduktion, von mehr als 60 Prozent der Ziukprodiikliou; Verlust der Handelsflotte, der Kolonien, der auswärtigen Besitztümer: Deutschland wäre nicht mehr in der Lage, genügende Auslandsstoffe zu beziehen. seine Industrie müßte daher in gewaltigem Umfange erlöschen: viele Millionen würden Arbeit und Brot verlieren. Auswandern könnten sie nicht...Wer diesen Friedensvertrag unterzeichnet, spricht damit das Todesurteil über viele Millionen deutscher Männer. Frauen und Kinder aus." Es unterliegt heute keinem Zweifel, daß dieses Gutachten sehr starke Hebertreihnngen enthielt. Aber ebenso sicher ist es daß es die subjektive Ueberze.ugiuis seiner Verfasser richtig wiedergab. Denn es war nur der Extrakt der Gedanken, die am Abend des 8. Mai in der Plenarsitzung der Delegation für den inneren Gehraudi der deutschen Delegation, also nicht um das Ausland zu bluffen, entwickelt worden waren. Ein starker Kern von Wahrheit steckte, zweifellos in diesen finsteren Prophezeiungen. Aber es hat sich später gezeigt, daß das Lehen stärker ist als die Statistik und daß ein Volk, das man auf Grund rein wissenschaftlicher und statistischer Deduktionen für wirtschaftlich verloren hallen müßte, immer noch die erstaunlichsten Mittel und Auswege findet, um nicht zugrunde zu gehen. Eupen-Malmedy und das Saargebiet Als drittes Schriftstück wurde am 13. Mai eine Note übergehen. die sich auf Eupen-Malmedy und vor allem auf das Saargehiet bezog und die sich insbesondere gegen den Versuch wandte, deutsches Gebiet vom Reiche zu trennen, um es als Pfand für Reparationen zu verwenden: „Vor allen Dingen hält sie. es lür unzulässig, daß durch den Friedensvertrag zu dem Zwecke, finanzielle oder wirtschaftliche Forderungen der Gegner Deutschlands zu sichern, deutsche Bevölkerungen und Gebiete von der bisherigen Souveränität zu einer anderen verschachert werden, als oh sie bloße Gegenstände oder Steine zu einem Spiel wäre n." Der Entwurf zu dieser Note soll von Dr. Simons verfaßt worden sein und macht seiner stilistischen und dialektischen Gewandtheit alle Ehre: denn die letzte Wendling war wörtlich einer Kundgebung Wilsons während de* Krieges entnommen lind war darauf berechnet, das Gewissen des amerikanischen Präsidenten aufzurütteln. Fast noch eindrucksvoller war der folgende Absatz, der sich gegen die. Bestimmung wandte, wonach Deutschland auch nach einer zit »einen Gunsten ausgefallenen Abstimmung nach 15 Jahren das Saargehiet endgültig verlieren würde, wenn es nicht die Saarkohlenhergwerke der französischen Regierung gegen Gold abkaufen würde. Die deutsche Note sagt dazu: „Na di den finanziellen und wirtschaftlichen Bedingungen des Vertrages erscheint es ausgeschlossen. Haß Deutschland in 15 Jahren über die entsprechende Menge Gold wird verfügen können. Ueberilies würde voraussichtlich, wenn das Gold in deutschem Besitz vorhanden wäre, die Reparationskommission, die dann Deutschland noch beherrschen würde, eine solche Verwendung des Goldes schwerlich gestatten. Es dürfte in der Geschichte der neueren Zeit kein Beispiel dafür gehen, daß eine zivilisierte Macht die andere veranlaßt hat, ihre Angehörigen als Gegenwert für eine Summe Goldes unter fiemde Herrschaft zu bringe, n." Endlich eine Wirkung Um es gleich vor vegznnehmen: diese>ote hat gewirkt. 1s war allerdings so ziemlich die einzige- In einer zwölf Tjjjjc später Übermittelten Antwort Clemenceaus wurde uns das erste Zugeständnis gemacht: anstatt des Rückkaufes in Gold sollte Deutschland eine erste Hypothek ausstellen. V ürde die Zahlung nicht erfolgen, dann konnte die Reparation?- kommissioii in Uebereinstiininuiig mit dein Völkerbund nötigenfalls zur Zwangsliquidation der Saargruhen schreiten. Von einer Abtrennung des Saargebietes als solchen war also auch für diesen Fall keine Rede mehr. Dieses erste und fast einzige Zugeständnis der Alliierten in diesem Abschnitt der Verhandlungen wurde übrigens von heftigen Protesten der Pariser Presse absichtlich begleitet, die natürlich die Bedeutung dieses Entgegenkommens absichtlich übertrieb Iiiiii dem französischen Delegierten— offenbar auf Bestellung—■ Vorwürfe wegen ihrer Nachgiebigkeit machte. Es wurde hervorgehoben, w i e großmütig Frankreich sei. viel zu großmütig eigentlich gegenüber diesen„Boches", die noch die Stirn hällrn, sich über angebliche Ungerechtigkeiten des Vertrages zu beklagen. Aber das dürfe ja nicht einen Präzedenzfall bilden usw. Diese Kommentare der Pariser Presse entsprachen nicht nur einer naheliegenden Taktik, sie zeugten auch von dein Aerger der sdiwcrindustriellen Kreise, die alles darangesetzt hatten, das Saargehiet als Kohlenhasis für die lothringischen Erzgruben vom Deutschen Reiche später loszulösen und nach einer Uebergangszeit unter der Verwaltung des Völkerbundes definitiv an Frankreich anzugliedern. Noch vor diesem Teilerfolg hinsichtlich des Saargehietes waren allerdings mehrere Antworten eingegangen, die in der deutschen Delegation den stärksten Pessimismus auslösen mußten. Das galt sowohl für unsere Note über die Kriegsschuld frage wie auch für Unsere Vorstellungen wegen der Kriegsgefangenen. Der Kampf um die Kriegsgefangenen Die Antwort auf die deutsche Note über die Kriegsgefangenen mußte alle Hoffnungen auf mündliche Verhandlungen zerstören. Dieses Dokument enthüllte den„Tiger" in seiner ganzen Grausamkeit und Gefühllosigkeit. Auf das Verlangen, daß jene Kriegsgefangenen, die wegen Verbrechen oder Vergehen von alliierten Kriegsgerichten verurteilt worden waren, genau so freigegeben werden sollten, wie dies mit den verurteilten Gefänglich aus den alliierten Heeren geschehen worden war. antwortete Cleinenceau mit der ausführlichen Schilderung eines Doppelmordes, den ein deutscher Gefangener verübt hatte.„Aus diesem Grunde (Sic!) wurde die Freilassung aller übrigen— meistens nur wegen Widersetzlichkeit gegen ihre Wächter— zu hohen Zwangsarbeitsstrafen verurteilten deutschen Gefangenen rundweg abgelehnt! Hinsichtlich der Milderungen, tun die die deutsche Note gebeten hatte, wurde scheinheilig erklärt, die Sieger..wüßten nicht, welche Milderung gewährt werden könnte, denn sie hallen sich mit peinlicher Gewissenhaftigkeit bemüht, die. Kriegsgesetze zu beachten und den Forderungen der Menschlichkeit Genüge zu leisten". Die von den Deutschen geforderte uneingeschränkte Gegenseitigkeit wurde mit einem pharisäerhaften Selbstloh abgetan: „Da keinerlei Vergleich zwischen der Behandlung der Kriegsgefangenen durch die deutsche Regierung einerseits und durch die alliierten und assoziierten Mächte andererseits möglich ist. so kann in dieser Hinsicht keine Gegenseitigkeit gefordert werden." Endlich wurde der Vorschlag der Einsetzung einer Kommission zur mündlichen Erörterung der technischen Seite der Heimbeförderung deutscher Kriegsgefangener mit blutigem Hohn beantwortet. Die Alliierten würden mit höchster B e r-c it Willigkeit Kommissionen dieser Art einsetzen, sobald der Friede unterzeichnet ist Sie bedauern indessen, an ihre Einsetzung nicht denken zu können, solange sie nicht benachrichtigt worden sind, daß die Bevollmächtigten des Deutschen Reiches den Frieden zu unterzeichnen beabsichtigen/ Deutlicher konnte man es nicht aussprechen: Die deutschen Kriegsgefangenen waren die lebendigen PI ander, mit denen die Sieger die Unterwerfung unter ihr Diktat erzwingen wollten.(Später hat derselbe Cleinenceau sogar nach der Unterzeichnung dieses Pfand nicht herausgeben wollen, sondern es für die Ei II treib cmg der Reparationen monatelang weiter zu behalten versucht!) Um die Verantwortlichkeit Deutschlands Bezüglich der Kriegsschuldfrage erklärte Cirmenceau in seiner gleichzeitig am 20. Mai übermittelten Antwort, daß durch die Lansing-Note vom 5. November 1918. auf die sich Brochdorff-RanIzau berufen hatte, diese frage endgültig entschieden sei. Denn es heiße in dieser Note, daß Deutsch- land allen Schaden wiedergutzumachen habe, den es seinen Feinden..d urch seinen Angriff zu Lande, zu Vc asser und aus der Luft" zugefügt habe. „Dadurch, daß die deutsche Regierung damals gegen diese Feststellung keinen Prolest einlegte, hat sin sie als begründet anerkannt. Deutschland hat also im November 1918 implicite, aber unzweideutig, sowohl den Angriff als auch seine Verantwortlichkeit zugegeben. Heute ist es zu spät für den Versuch, sie zu leugnen." In der deutschen Delegation fiel man aus allen Himmeln, als man diese Antwort erhielt. Nie war man auf den Gedanken gekommen, daß in der Lansing-Note ein Saft enthalten sein konnte, der die Kriegs cheilJfrage irgendwie berührte oder gar entschieden haben sollte. Indessen mußte man bald einsehen, daß der englische Text der Lansing-Note in der Tat diese Deutung zuließ. Es heißt nämlich dort: ,.hy the agression of Germany, by land, by sea. and from the air.". Die amtliche Uebersetzung. die von den amtlichen Stellen der— damals noch kaiserlichen—— deutschen Regierung verbreitet worden war, lautete: ..... durch seine Angriffe zu Land, zu Wasser und in der Luft." Diese Uebersetzuccg war unrichtig, um nicht zu sagen tendenziös. Denn..agression" heißt nicht„Angriffe", sondern „Angriff" oder vielmehr„Ueberfall". Insofern war es leider sehr schwer, Clemenceaus Behauptung zu widerlegen. Hätten wir gegen seine Feststellung, daß Deutschland damals gegen diesen Passus der Lansing-Note nicht protestiert hätte, mit der Entschuldigung geantwortet, daß die damalige Regierung einer falschen Ueherset,cmg zum Opfer gefallen sei. so hätte es uns niemand in der W elt geglaubt und wir hätten uns obendrein lächerlich gemacht. Uehrigens hätte es die Regierung des Prinzen Max. auch wenn sie eine richtige Uehersetzung der Lanring-Note in Händen gehabt hätte, es kaum darauf ankommen lassen können, den Abschluß des Waffenstillstandes, den wir damals dringend brauchten, durch eine Rückfrage oder sogar durch einen wenig aussichtsreichen Protest gegen diese for- lunlirrung um drei oder vier Tage hinauszuschieben. Auf der anderen Seite war es nichts anderes als ein diplomatischer Taschenspielertrick, wenn Clemenceau aus diesem einen Satz der Lansing-Note den Schluß herleitete, daß das gesamte Problem der Schuld am Kriege ein für allemal geklärt und entschieden sei. Wozu hatten denn sonst die Alliierten eine besondere Sachverständigenkommission eingesetzt. um einen Bericht Uber die Schuldfrage auszu- arbeiten? Die deutsche Note vom 13. Mac hatte um Mitteilung dieses Berichtes gebeten, um darauf antworten zu können. Cleinenceau erwiderte trocken. „daß dir alliierten und assoziierten Mächte die Berichte der von der Friedenskonferenz eingesetzten Kommissionen als Urkunden innerer Natur betrachten, welche Ihnen nicht übermittelt werden können". Diese Ausrede sprach nicht gerade dafür, daß die Sieger ihrer Sache sicher waren. Die Antwort Brockdorff-Rantzau« Brochdorff-Rantzau ließ übrigens diese Note nicht unbeantwortet. Vier Tage später, am 24. Mai, übersandte er eine Erwiderung, in der die Vorgeschichte der Lansing-Note eingehend dargelegt wurde. Die deutsche Regierung habe um so weniger Anlaß gehabt, gegen die Worte der Lansing-Note über den„Angriff Deutschlands" zu protestieren, als sich diese Worte offenkundig auf die Invasion Belgiens— und infolgedessep auch Nordfrankreichs— bezogen, die sogar schon die kaiserliche Regierung als Unrecht anerkannt hätte und die zweifellos einen Angriff Deutschlands darstellte: ..Dieser Angriff war es, für den die deutsche Regierung Deutschlands Verantwortlichkeit zugab, nicht aber eine angebliche Schuld am Ausbruch des Krieges oder dir äußerliche Tatsache, daß die formelle Kriegserklärung von seiner Seite ausgegangen war." Auf.den Hinweis Brorkdorff-Rantz.aus am 13. Mai. daß die alliierten Staatsmänner wiederholt erklärt hätten, daß das deutsche Volk nicht für die Fehler seiner Regierung verantwortlich gemacht werden sollte, hatte Clemenceau ain 20. Mai erwidert: „Deutschland hat indessen niemals behauptet, und eine solche Versicherung wäre gegen alle Grundsätze des internationalen Rechtes gewesen, daß eine Veränderung»einer politischen Regierungsform oder eine Umwandlung seiner leitenden Persönlichkeiten genügen könne, um eine von einer Nation bereits eingegangene Verpflichtung zum Erlöschen zu bringen. Es hat nach diesem Grundsatz, den es gegenwärtig verteidigt, weder im Jahre 1871 Frankreich gegenüber nach der Ausrufung der Republik gehandelt, noch auch im Jahre 1917 mit Bezug auf Rußland gur Zeil, der Revolution, die die zaristische Regierung, beseitigte." Diese Antwort des„Tigers" war zweifellos geschickt und eindrucksvoll. Aber war die Erwiderung Brockdorff- Rantzaus am 24. Mai nicht noch geschickter und noch eindrucksvoller? „Die deutsche Delegation möchte die Vi orte Eurer Exzellenz nicht dahin verstehen, daß die Zusage der alliierten und assoziirteu Regierungen damals nur eine Kriegslist war, um den Widerstand des deutschen Volkes zu lähmen, und daß die Zusage heute zurückgenommen werden soll. Schließlich machen Eure Exzellenz geltend, daß die alliierten und assoziierten Mächte das Recht haben, Deutschland nach denselben Methoden zu behandeln, die es beim Frankfurter Frieden und beim Frieden von Brest- Litowsk seinerseits angewendet habe. Die deutsche Delegation unterläßt es vorläufig, zu prüfen, inwiefern»ich jene beiden Friedensschlüsse von dem heute vorliegenden Friedensentwurf unterscheiden; denn für die alliierten und assoziierten Regierungen ist es heute zu spät, auf jene Präjudizien einen Rechtsanspruch zu gründen. Der Augenblick hierfür war gekommen, als sie vor der Wahl standen, die vierzehn P in k t e des Präsidenten der . Vereinigten Staaten von Amerika als Friede nsha.-is anzunehmen oder abzulehnen. In diesen vierzehn Punkten wurde ausdrücklich die Wiedergutmachung des Unrechts von 1870 71 verlangt und von dein Frieden von Brr.t- Litowsk als von einem abschreckenden Beispiel gesprochen. Die alliierten und assoziierten Regierungen haben es damals abgelehnt, sich einen Gewalt, frieden der Vergangenheit zum Muste.r zu nehme»." IjEmtcjkueg foigty Der Kriegstreiber Wring Er bereitet den künftigen Luftangriff vor Frau Dorath» W oodma», Sekretärin der englischen Union für demokratische Kontrolle, hat aus Grund von authentischem Material, von amtlichen Publikationen der Httlerregierung und des Reichoivehrministerinms, eine Zusammenstellung oerössentlicht, die Hitlers Vorbereitung zum Kriege entlarven. Wir müflen zwar die Feststellungen machen, dast die europäische» Staate» heute bis aus die Zähne bcwassnet sind u»d man kann unter diese» Umständen dem deutschen Volk nicht das Recht nehmen, an seinen Schuß zu denken. Aber in der Hand von unbeherrschte» politischen Verbrechern, wie Göring und Hitler, die ohne jede parlamen- tarische und demokratische Kontrolle sind, bedeutet die Kriegö- wasse ein Instrument zur Verwirklichung von abentcuer- lichcn Plänen, die die europäische Welt in den Abgrund stürzen und dem deutschen Volk namenloses Unglück bringen wird. Deshalb ist es Pslicht, die tlrieggvorbereitungcn Hitlers und Görings anszudecken. Dir Enthüllungen der Frau Wood- war sind jetzt in deutscher Sprache in der Editions du Earre- sour unter dem Titel»Hitler treibt zum Krieg" erschienen. Wir entnehmen dieser Dokumentensammlnng folgende Ausführungen: Die Zentrale der Luftaufrüstung Vom Tage der Uebernahme der Macht an hat die Hitler- Regierung die gewaltigsten Anstrengungen aus dem Gebiete der Luftrüstungen gemacht. Sic hat allerdings auch hier nicht von vorn zu beginnen brauchen, sondern manches von ihren Vorgängern Begonnene übernehmen und ivciterfüh- ren können. Zu ihren ersten Regierungshandlungen Ende Januar 1933 gehörte die Umwandlung der bisherigen Lust- fahrtabteilung des Reichöverkehrsministeriunis in ein selb- ständiges ReichSkomniifsariat für Luftfahrt, an dessen Spitze Hermann G ö r i n g, der im Weltkriege als Flieger eine gewisse Rolle gespielt hat und den«vir im iibrigen hier nicht näher zu charakterisieren brauchen, gestellt ivurdc. Bereits drei Atonate später, am 2». A»ril 1933, ivurdc dieses Kommissariat wicde.um umgebildet, ein ReichSluftsahrtministe- rinnt errichtet und Herr Göring zum Chef dieses neuen Ministeriums ernannt. Damit ivar die neue Zen- trale für die deutsche Luftaufrllstung ge- schaffen. Herr Göring berief in sein Ministerium zunächst eine Reihe von bekannten Militärfliegern auS der Kriegs- und Räch- kriegszeit, unter anderem Bruno Locrz er, Kapitän Christiansen, sden Kommandanten des deutschen Riesen- Flugzeugs vo XI, Wolfgang v. Gronau und Rittmeister a. D. Bolle, die früheren Leiter der Deutschen Verkehrs- iliegerschule in Staaken bei Berlin sin der schon vor der Hitlerdiktatur KriegSflieger ausgebildet wurden!, Kapitän- leutnant a. D: Breithauvt, Major a. T. W i m m c r, Hauptmann a. D. BaurdeBetaz usw. usiv. Zum Staats- sekretär des Luftministeriums ivurde der bisherige Leiter der Deutschen Lufthansa, E. M i I ch, ernannt. Die amtlichen Bekanntmachungen, die über die Oraani- sation des Ministeriums in der deutschen Presse veröfscnt- licht wurden, klingen sehr harmlos, sie kennen nur die Ab- teilungen: Luftverkehr und Luftpolitik Industrie, Technik und Forschung Wirtschaftliche Fragen Luftsport und Ausbildung Luftschutz. Die e r st c Abteilung, die unter Leitung des national- sozialistischen Ministerialdirektors Fisch steht, nimmt die deutschen„Luftfahrtinteressen" bei internationalen Verband- lnngen ivahr. Ferner untersteht ihr die Deutsche Lust- Hansa, in der das gesamte deutsche Bcrkehrsflugivesen zu- sammengefaßt ist. Die zweite Abteilung unter Ministerialrat Mühlig- Hoffmann besitzt sechs Referate bzw. Unterabteilungen. Referat 1 umfaßt Forschung, Erfindungen, technisch-wissenschaftliche Fragen und Ausstellungen. Die beiden nächsten Referate beschästigen sich mit der Entwicklung von Land- flugzeugen und Flugmotoren sReferat 2s bzw. Wasserflug- zeugen, Luftschrauben und Instrumenten sReferat»>. Wei- tere Unterabteilungen befassen sich mit den allgemeinen Fn- dustricangelcgenheiten sErtcilung von Aufträgen, Vergebung non Subventionen und Erportbethilfenj, Normung des Lustfahrtgeräts, Rohstofsragen usiv. usw. Die Frage der Subventionen und E r p o r t b e i h i l s e n spielt eine außerordentliche Rolle Räch einem im„Berliner Tageblatt" vom 2. Juli 1933 veröffentlichten amtlichen Bericht wurden die Subventionen für die Flugzeugindustrie von 89 auf 08,8 Millionen Mark erhöht, also 'äst verdoppelt! Mit dem Haushalt des neuen Ministeriums, ebenso wie mit den allgemeinen Verwaltungsangelcgenheiten, Personal- tragen,.Preisprüfungen usw. besaßt sich die Abteilung lll unter Leitung von Ministerialrat P a n z e r a m. Der aus dem deutschen RcichSbudget erkennbare offizielle Etat der Luftrüstung und des Luftschutzes ist im Jahre 1934 von 44 auf 219,2 Millionen Mark erhöht, alio fast verfünffacht wor- den. 59 Millionen iverdcn davon für den Luftschutz ange- geben, und zwar insbesondere auch für den Schutz„der Dör- ser und des flachen Landes". Dabei kann es sich kaum um Bombenunterstände handeln, sondern nur um Flakgeschütze und Jagdflugzeuge. Die übrigen 169 Millionen sind in ihrer Verwendung nicht erkennbar. Sie können nur zur Ausdeh- nung des Flugzeugparks und zum Bau neuer Flughäfen be- stimmt sein. Diese vcrfünssa^ten Aufrüstungszissern ent- halten aber keineswegs die Gesamtheit der Ausgaben, welche unter GöringS Leitung für die deutsche Luftrüstung erfolgen. Die Transportflugzeuge der Reichsbahn, die jederzeit als Bombenflugzeuge zu benutzen sind, iverdcn außerhalb dieses Etats beschafft, ebenso die Flugzeuge, über ivelche die TA.- Staffeln verfügen und die häufig von Jndustricfirmcn mehr oder weniger freiwillig gestiftet iverdcn. Aus Etatsmitteln der Länder werden noch Polizeiflugzeuge gezahlt. Schließlich kommen die Ausgaben des zur Fliegerausbildung dienenden Lustsportverbandes hinzu, sowie die des Luftschutzverbandes, dem die ganze Bevölkerung beitraaspslichtig ist und der deshalb über Riesenmittel verfügt. Schließlich müssen auch, die Städte Zuschüsse für die Flugplätze zahlen, und auch die ArbeitsbeschassungSgeldcr iverden zu ihrem Bau mit ein- gesetzt. Wahrscheinlich sind diese aus allen nur verfügbaren Quellen geschöpften unsichtbaren Ausgaben kür die Lust- riistung noch bedeutender als die im Reichsctat kenntlich ge- machten. Die vierte Abteilung, die von dem Ministerialrat C h r i- st i a n s e n geleitet wird, bearbeitet Luftsport und Ausbil- dung. Ihr unterstehen der Deutsche L u f t s p o r l v e r- band lD?V.), über den weiter unten im Einzelnen noch zu sprechen sein wird, ferner die Deutschen„Verkehrsflieger- schulen" szwei Land- und zwei Seeslicgerschulenl. Die fünfte Abteilung, Luftschutz, ist zugleich die oberste Leitung des neugegründeten Reichslustschntzbundcs, über den ebenfalls noch gesprochen werden ivird. Sie enthält außerdem ein Referat, in dem die Luftschutzaufgaben der Polizei, des wichtigsten Trägers des sogenannten zivilen Luftschutzes, be- arbeitet werben. lLeitcr: Polizeihauptmann v. Aßmutbs. Ein schlüssiger Beweis dafür, daß es sich um eine neue Zentrale der Lustausrüstung handelt, ist die Tatsache, daß in ihn: eine Reihe von Gehe! mabtcilun gen existieren, in denen sämtliche wichtigen Fragen der Militärlustfahrt be- handelt werden. Es ist uns gelungen, uns einen geivissen Einblick in die Tätigkeit dieser Abteilungen zu verschaffen. Die Geheimabteilungen Görings Die Leitung dieser Referate untersteht meist früheren Ossi- zieren und Militäringenicuren, zum Teil auch heute noch aktiven Reichswehroffiziercn. Die Gesamtlcitung hat Major W i m m c r. Die erste Abteilung, Flugzeugbau, unter Dipl.-Jng. Nikolaus ist in zwei Unterabteilungen gegliedert. Im ersten Referat fDipl.-Jng. Lucht und Hertels werden die technische» Bedingungen für die bei der Industrie be- stellten Militärslugzeuge aufgestellt und die Entwürfe der einzelnen Firmen unter kriegstechnischen Gesichtspunkten bearbeitet. Diese Abteilung hat außerdem alle Vorberei« tnngen für den Bau von Scrienslugzengen und den Einbau der verschiedenen AusrüstungSteile zu überwachen und die Abnahme der in Auftrag gegebenen Flugzeuge vorzunehmen. Das zweite Referat wird von Oberleutnant a. D. S a ch s e geleitet, dem der Ingenieur M a h n k e zur Seite steht. Beide sind Motorenspczialisten und arbeiten die Entwürfe für Reu- konsrruktioncn von Motoren für die Militärluftfahrt aus. Beide Referate erteilen auf Grund der praktischen Versuche und Forschungsarbeiten des ausländischen Flugzeug- und Motorenbaus f ogcnaniite Entwicklungsarbeiten an die In« dustrie. Zu der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt be- steht eine enge Verbindung. Abteilung>l, A u S r li st u n g und B e w a s s n» n g, wird von einem aktiven ReichSwehroffizier. Hauptmann P l o ch, geleitet. Sic ist in nicht weniger als sieben Referate unter- teilt. Das erste Referat lBcarbeiter Ingenieur M i x> besaßt sich mit der Bewaffnung der Flugzeuge im allgemeinen, be- sonders aber mit dem Maschinengewehrban. Hier werden Neukonstruktionen ausgearbeitet und in Auftrag gegeben. Referat 2 beschäftigt sich mit der Konstruktion und Herfiel- lung vo» Bomben und Vorrichtungen zum Bombenabwurf. Von beiden Referaten werden Versuche organisiert und d>e Abnähme der von der/Industrie gelieferten Erzeugnisse ve.- genommen. Beide arbeiten serner eng mit der optischen Jndn» strie zusammen: Herstellung von Zielfernrohren und an« derem Zielgerät. Die dritte Unterabteilung Gas wird von dem Ingenieur«öltet geleitet und besaßt sich speziell mn der Ausprobierung von Gasbomben. Daneben besteht noch eine spezielle chemische Abteilung, dir alle chemischen Hilssarbeiten für die erstgenannten drei Referate über« nimmt. Schließlich stnd noch drei weitere besondere Unter« abteilungen für Navigationsinstrument e, R a dt o. anlagen und Fotoapparate zu nennen. Alle drei stehen in engster Verbindung mit den betretenden Spezia». firmen, denen fit„Anregungen" für die besonderen Zwecke der Militärluftfahrt geben. Die dritte Geheimabteilung schließlich lLeitcr: Dipl. Fug. v. Maisenbachs besaßt sich mit der Prüfung von Flug- zeugen, Flugzeugmotoren, Instrumenten usw. und dient alS HilfSabtcilung der beiden erstgenannten. Ueberall Flugstützpunkte Die deutschen Grenzen entlang wird eine dichte Linie von Flughäfen geschaffen, deren militärische Bedeutung aus der Hand liegt. Im Westen sind insbesondere zu nennen die neuen Häsen in C e l l e bei Hannover, im M ü n st e r l a g e r bei Frankfurt a. M., wo bereits der Flugplatz Rebstock bestand und ein weiterer in K o l k h e i m im Taunus mich- tet wurde— und zwar mit unterirdischen bombensicheren Be- tonhallen— sowie in K e h l, in der unmittelbaren Nachbar- ichaft Straßburgs. Gegenüber der polnischen Grenze besin- det sich das neue Flugzentrum in K o t t b u s, dessen Halle» mit Mooobedeckung gegen Fliegersicht geschützt sind, der Flugplatz Secrappen bei Königsberg und der Flugplatz De mm in in Pommern. In der Nähe der österreichischen Grenze wurde ein neuer Großflughafen in O t t o b r u n n bei München in Betrieb genommen, wo auch der Flugplatz F l c i ß h e i m ausgebaut wurde und schließlich noch als dritter Flughafen Obermicfenfeld besteht. In unmit- tclbarer Nachbarschaft der Grenze wurden Fluabäfen in Freilassing und P r i e n am Chiemsee errichtet. Diese Grenzrüstung mit Flughäsen konnte natürlich kein Geheimnis bleiben. To wies die französische Note an England über die deutsche Ausrüstung nachdrücklich auf die Errichtung von Flughäfen in der entmilitarisierten Zone an der Westgrenze hin. Außerdem wurden im„lustsichcren" Mitteldeutschland drei neue Flughäfen gebaut: bei Hildcshcim ini Braun- sckweigischcn. in Gotha, wo der frühere tklilitärslugplatz wieder in Betrieb genommen und von den Erwerbslosen, die dort in alten Eisenbahnwaggons und Baracken wohnten, geräumt werden mußte. Teils Neubauten, teils Erweite- rungSbauten finden in Harburg a. d. Elbe, in Trenk- I a u. in F a ß b c r g und im Lager LedcrSfeld statt. Ein 18 999 Morgen großer Hafen ivird bei dem von allen Ver- kehrszcntrcn abgelegenen Schmarbeck nahe der Lüne- burger Heide gebaut. Die Flugplätze, die wie dieser und wie die Grenzhäsen zweifelsfrei militärischen Zwecken dienen, find überwiegend mit unterirdischen Hallen und Belcgschasts- räumen ausgestattet. Für Wasserflugzeuge wurden ebenfalls neue Landungsplätze errichtet, u. a. am M ü r i tz- S e e nicht weit non der Stadt W a a r e n in Mecklenburg und auf der Insel Sylt. In Bayern wurden ferner bei R ü r n b e r g, Würzburg und Kulm dach je ein neuer Flugplatz ge- baut i„Völkische? Beobachter". 20. September 1983). Auch an dem Ausbau der Einrichtungen der älteren Flug- Häfen wird eifrig gearbeitet. U. a. sind bereits zwanzig Flug- Häfen mit Nachtbeleuchtung ausgestattet ivorden. Diese Ausstellung ist durchaus unvollständig, sie genügt aber vollkommen, um auch diele» Gebiet der deutschen Luit- aufrüstung zu kennzeichnen. Noch nicht dunkel genug? Als erste Hebung dieser Art in einer deutschen Großstadt ist in Leipzig und im Gebiet der Krcishauptmannschqst eine„B e r d u n k e l u n g s tt b u n g" durchgeführt worden. Die Bevölkerung hat sich, wie berichtet wird, mit seltener Disziplin den behördlichen Anweisungen gefügt. Auch der Verkehr mit abgeblendeten Lichtern wickelte sich«vorbild- lich" ab. Carlo Sforza „Seele und Schicksal Italiens" f.nnte Carlo Sforza war italienischer Botschafter in Paria, als Mussolini Hie faschistische Diktatur in Rom aufrichtete. Er legte seinen Posten nieder und kehrte nicht mehr zurück. Dieser Angehörige eines der ältesten Adelageschlechter *ar der Humanität, der freiheitlichen Sehnsucht seines Landes verschworen, den Denkern und dem Volke. In der neuen politischen Luft hatte er keinen Atem mehr. Blieb er >n l aris.' Kopf und Herz hatte er jenseits der Alpen gelassen, in den Städten Italiens und in seinen Landschaften. Als er in einem politischen Prozeß vor dem schweizerischen Bundesgericht als Zeuge nach seinem Wohnsitz gefragt wurde, gab er, ohne zu stocken, die Antwort:„Born!" Nach einer weile begriff ihn der Vorsitzende des Gerichts. Graf Carlo Sforza ist Emigrant. Es ist der höchste Ehrentitel, der im Ringen des Geistes mit der Macht zu vergeben ist. Aus Liebe zum Vaterland bekämpft er seine Usurpatoren. Sforza beteiligt sich an diesem Kampf mit der Würde des Politikers und des Denkers. Er schrieb die„Europäischen Diktaturen", hellsichtige Analysen auf Grund seiner genauen Kenntnis der europäischen Zustände. Jetzt liegt ein neues Buch vor uns:„Seele und Schicksal Italiens", erschienen im Querido-Verlag in Amsterdam. Es ist schwer für uns alle, in diesem Zustande leidenschaftlichen Beteiligtseins am Schicksal des eigenen Landes, ein Buch über ein anderes zu lesen. Das Werk von Sforza aber macht eine Ausnahme. Dieses fremde Kaleidoskop verrät uns, zwischen den Zeilen, unendlich viel über das eigene. Wir sitzen bezaubert davor, schlagen Seite um Seite, erfüllt von Gedanken in kristallklaren Sätzen. Sforza„sucht" nicht die Seele seines Volkes. Er besitzt sie. Die Kultur und die Seele Italiens strahlt von seinen alten Städten aus. Sie schufen das Band zwischen den Generationen. Sforza ist ein Gegner der Zentralisation durch Rom, soweit sie sich gewaltsam durchsetzte in der Geschichte. Der Italiener lebt in seinen Städten und Provinzen, aber in der Vereinigung zum Ganzen. Italiener heißt: das partikula- ristischste. aber zugleich das unitaristischste der Völker. Sforza spricht mit blitzendem Spott von der Ueberheblich- keit der Männer des„dritten Reichs", nach dem die teutonischen Völkerwanderungen die Zivilisation in die Länder gebracht hätten, in die sie sich verbreiteten. Er fragt, wie eine alte nationalistische Prahlerei ein Dogma für ein Sechzig- millionenvolk werden konnte. Die Herrschaft weniger Jahrzehnte ist in Wahrheit untergegangen in Verwirrung und Verrat. Die Weite der Gedanken Sforzas besitzt die großen Zeugen der italienischen Literatur. Die Städte in der Geschichte von Jahrhunderten: es gibt kein Volk, das so viele dichterische Beweise dafür besitzt, wie das italienische. Seine universellen Dichter haben den entscheidenden Einfluß auf die kommenden Generationen ausgeübt. Dantes Vaterland— es war„die Welt im Allgemeinen". Immer, wenn die Freiheit verloren ging, wenn eine gewalttätige und künstliche Ordnung Straßen und Bücher beherrschte, verschwindet die künstlerische Originalität Italiens. Es beginnt die Aera der einseitigen Virtuosen. Wir wissen es aus dem heutigen Italien, grotesk, unförmig und verlogen aus dem Deutschland Adolf Hitlers, wo Dichtung zum Ressort der Propaganda gehört. Warum gibt es in Sforzas vielgeliebtem Italien keinen Antisemitismus? Es konnte gar keinen geben mit rund 40 000 Juden in einer Nation von 40 Millionen.„In den Städten, wo das jüdische Element etwas häufiger ist, wie in Livorno oder Pisa, bemerkt man ihnen gegenüber eine Art Hänselei, der allerdings die Bosheit al'?rl,I ziemlich von derselben Art, wie der„Antiklerikale" den Priester hänselt, dem er eines Ta-es seine Kinder für die erste Kommunion anvertrauen wird".,. Man denkt hei solchen Sätzen an den katholischen deutschen Westen. Hier war die gleiche Haltung gegenüber den Juden, bevor der Antisemitismus befohlen und organisiert wurde. Sforza macht es uns schwer, ihn nicht zu zitieren. Sein» Weltanschauung ist: Anschauung der Welt. Er gibt dem Geist und der Seele Italiens den Standort: im unvergänglichen Individualismus des Volkes. Er kann eine Weile eingeschläfert werden in Perioden der bürgerlichen und geistigen Unier- drückung. Aber die innere Vitalität des italienischen^ oikes widersteht allem.„Darin zeigt sie eine gewisse Aehnlichkeit mit der unschwächharen Kraft des jüdischen Volkes." Der kritische Geist der Italiener bewahrt sie, nach Sforza, vor der Betörung und Verblendung, die in Deutschland und Rußland möglich sind. In Sforza leiden alle Leiden Europas. Aber er blickt in die Zukunft. Heute die Farben der Hemden katalogisierbarer Haßformeln— morgen— es wird vielleicht ein sehr spätes Morgen— wird man das Ende der Krise erleben, gleich, ob man es selber noch erlebt. Sforza besitzt die Freude und das Glück, zu fühlen, daß die„Zukunft den Idealen recht geben wird, denen wir treu geblieben sind". Es ist sicher, daß die Ideale Sforzas nicht in allem Betracht die unserigen sind. Er ist viel zu weise, um die Kraft der umstürzenden Gewalt des Willens in der Geschichte zu fühlen; au sehr Analytiker, um dabei zu sein, die Welt tu verändern in der gigantischen Neugestaltung der Zukunft. Er ist Humanist, ohne zu sehen, daß es künftig keine Humanität ohne den Sozialismus im Bewußtsein der Freiheit geben wird. Aber es gibt doch einen langen gemeinsamen Weg. Für alle, die>n> Exil ihr Leid und ihr Volk aus dem Reich ihres II*r••• gilt Dantes, des großen Ei»» h beseelt, schreibe ich." für die 30 Stunden-Wodie Eine amerikanische Gewerhsdiaftsforderung SASI-Kongreß Reunork, 5. Oktober. Ter Gewerkschaftsführer Green hat am Montag auf der Tagung der Gewerkschaften in Tan Franziska die Einführung der 30-Stunden-Woche verlangt. Bon der Versammlung wurde diese Forderung mit großem Beifall begrüßt. Weiter erklärte Green in seiner Ansprache noch, die Regierung Roosevclt habe gewiß viel für die Bekämpfung der Erwerbslosigkeit getan,- immerhin sei sie noch nicht weit genug gegangen. Tie Zahl der Arbeitslosen be- trage auch heute noch immer 10 Millionen. Tie großen Aus- stände der letzten Zeit seien nur ans die feindselige Ein- stellung der Arbeitgeber zurückzuführen. Man habe versucht, den Arbeitern das Recht auf kollektive Verhandlungen mit den Arbeitgebern streitig zu machen, das ihnen durch die NJRA-Geietzgebung ausdrücklich zugebilligt fei. Ter von Rooscvelt in seiner Rundfunkrede am Sonntag gemachte Vorschlag eines Waffenstillstandes zwischen Arbeit- gebern und Arbeitnehmern hat in Gewerkschastokreisen eine günstige Aufnahme gehabt. Eine bindende Stellungnahme dazu wird jedoch einstweilen abgelehnt. Im übrigen hat die General Weugand Um den Posten des Chefs der Armee (Von unserem Korrespondenten) Eine für die französische Armee wichtige Frage wird in absehbarer Zeit zur Entscheidung kommen. General Wey- gand, Gcneralinspektor des Heeres und Vizepräsident des Obersten Kriegsrates, mit anderen Worten also der fran- zösischc Generalissimus, erreicht am-1. Januar 1985 mit seinem 08. Geburtstage die Altersgrenze und muß damit nach dem Gesetz aus seinem Amte.scheiden. Tie Armee muß also dann einen neuen Chef bekommen, und die Frage, wer dies sein soll, bereitet heute schon den verantwortlichen Stellen große Kopfschmerzen, Fst an sich schon von großer Bedeutung für die Schlag- kraft einer Armee, für den Geist, der sie beseelt, die Person- lichkcit, die an der Spitze des Hecrcskörpers steht, lo wird diese Frage geradezu eine Lebensfrage der Ration in kriti- scheu Zeilen, die, lpie die Gegenwart, leicht geeignet sind, gewissen reichlich vorhandenen Zündstoff in Flammen zu letze». Unter diesen Umständen sind denn auch die hiesigen militärischen Kreise der Auffassung, daß es keinen besseren Nachfolger für General Wcvgand gäbe als Wcngand selbst. Er habe mehr als jedes andere Mitglied des obersten Kriegs- ratcs während des Weltkrieges seine hervorragenden Ftih- rerqualitäten bewiesen,' er genieße nicht nur beträchtliches Ansehen i» Frankreich, sondern auch bei Engländern und Amerikaner. Man erinnerte daran, daß er seinerzeit Polen gerettet habe. Alle Wahrscheinlichkeit spricht dafür, daß man tatsächlich zugunsten Wengauds die Bestimmung über die Altersgrenze ausheben wird. Gerade der jetzige Kriegsministcr Petain war es, der seinerzeit, als er von seinem Posten als General- Inspektor der Armee schied, Weugand als seinen Nachsolgcr bezeichnete. Petain weiß genau, ivie gut Weugand seinen Posten ausgefüllt hat— er bekleidet ihn seit dem l. Fh»n»ar 1980— und darum hat man keinen Zweifel, daß er auch jetzt wieder für den General eintritt, der, wie er weiß, das Vertrauen der ganzen Armee bxsitzt. Es ist interessant, daß„Petit Parisien", der doch amtlichen Kreisen nahesteht, daraus hinweist, daß man den neuen Generalissimus allst Tage nach der Saarabstimmung ernennen müsse. Tos Blatt meint, gerade dieses Ereignis zwinge dazu, bei der Ernennung des Generalissimus ganz besonders über- legt zu. Werke zu gehen. Nordisdier Dlodi Wieder ein Erfolg hitlerdeutscher Außenpolitik Wenn es eine Rasse gäbe, die sich durch die heutige deutsche Politik geschmeichelt und zu Teutschland hingezogen fühlen müßte, dann müßte» es die Skandinavier fein. Ist doch der nordische Mensch der Edeltup, zu dem auch das deutsche Bastardvolk durch Ausscheidung fremdrassiger Be- standteile und sonstige Ertüchtigung erzogen werden soll. Im Vergleich damit ist das stark keltisch durchsetzte und von romanischen.Kultureinflüsscn mitgcstaltcte englische Volk ein Mischvolk, das einem echten Germanen nur höchst zweifelhafte Gefühle erwecken könnte, lind doch, in der- selben Zeit, in der der ganze Norden sich mit Abscheu von der Hitlerpolitik abwendet, in der die Nazipartcicn bei den skandinavischen Wahlen humoristisch kleine Stimmzahlen aufbringen und der Handel die deutsche Einfuhr zu raschem Erliegen bringt, wendet sich der ganze Norden offen und geradezu demonstrativ nach England hin. Der englische stellvertretende Außenminister und wirklich führende Außen- Politiker Eden reist Mitte Oktober nach Schweden als offizieller Gast der schwedischen Regierung. Wie der„Köl- Nischen Zeitung" aus London gemeldet wird, bezeichnet man die Reise als„Freundschaftsbesuch", entstanden aus den engen Beziehungen, die sich zwischen Eden und dem schwe- discheit Ministerpräsidenten, der den Vorsitz der letzten Völ- kerbnndSvcrsammluug geführt hat. dort angeknüpft hätten. Daß rs sich aber um eine politisch sehr wichtige Sache handelt, ergibt sich aus der Feststellung, daß Schweden im Völkerbundsrat eine Stellung von ivachicndcr Bedeutung einnehme und i» der Abrüstungsfrage zweimal die Anre- gung zu wichtigen Schritten der neutralen Staaten gegeben habe, Zweck der Reise sei Herbeiführung engerer politischer und wirtschaftlicher Beziehungen zwischen beide» Länder». Tie Bedeutung der Rene gebe auch daraus hervor, daß ein Beamter des englischen Auswärtigen Amtes sich mehrere Wochen„zu Stndienzweckcn" in Stockholm aufgehalten habe. Auch die dänische Regierung hat Eden eingeladen, und ein Besuch Finnlands steht gleichfalls in Frage. Tic eng- lischen Beziehungen zu 9? o r iv e g c n sind schon seit langer Zeit so eng,.daß sie keiner weiteren Festigkeit bedürfen. Welche besonderen Gründt mögen gerade jetzt die nordischen Länder zu einer Verengerung ihrer überlieferten englischen Freundschaftsbande bestimmt haben? Sollten sie die Liebe des Möchtegern-Nvrdlandbruders im Süden als etwas zu stürmisch empfunden haben und darum die Anlehnung an eine westkeruch-liberalistilche Macht vorziehen? Jedenfalls ist diese Festigung alter Bande, die Hand in Hand geht mit der stark betonten Ablehnung deutscher Beziehungen und Erzeugnisse, auch ein Stück der weiteren Isolierung des Hit l e r r c i ch s. der„Einkreisung", die nicht auS fremder und minderrasiiger Tücke zu erklären ist, sondern aus dem Abscheu, den die hitlerdeutschen politischen Metho- den allen modern und gesund fühlenden Menschen, gleichviel welcher Rasse, einflößen. Rundfunkrede in den Gewerkschaftskreisen Beisall gefunden. Das geht aus einer Acußerung Gleens hervor, der erklärte, es scheine. Saß der Präsident dieselbe Sprache spreche wie die Arbeiterschaft. Inzwischen hat auch der amerikanische Fabrikantcnverband sich mit dem angeregten Waffenstillstand befaßt. In einer öffentlichen Erklärung wird von ihm der Präsident Roose- velt ausgefordert, den Waffenstillstand durch eine Proklama- tion von sich aus anzuordnen. Voraussetzung sei für die Fabrikanten, dziß während des Waffenstillstandes die gegen- wältigen Arbeitsbedingungen unverändert fortbestehen. Schließlich werden von den Fabrikanten die Geiverkichaften aufgefordert, den Vorschlag des Präsidenten zu unterstützen. Dazu liegt bereits eine Gegenerklärung GreenS vor, der als Präsident des GewerkschaftsverbandcS die öffentliche Er- klärung des Arbcitgcbervcrbandes als Ausflucht bezeichnete. Ten Arbeitgebern sei zu empfehlen, erst einmal öffentlich an- zutllndigen, daß sie ihrerseits nun endlich sich bereitfinden sollten, die Entscheidungen der eingesetzten Behörden auch zu befolgen. NazlEipansion Im dänischen Schleswig Im Sönderburger„Sozialdemokraten" erklärt der sozial- demokratische Abgeordnete für den dänischen Teil von Schleswig im„Folkceting",(dänischer Rcichtstag), Nielsen, die deutsche Negierung habe soeben abermals dem„Bogel- sang", einem deutschen Unternehmer im dänischen SchleSivig, 3 Millionen Reichsmark Kredit geivährt. Dadurch erhöhe sich die Gesamtsumme der ausgcworscnen Kredite auf 5 Mit- lionen Mark. Ter„Vogelfang" habe in Dänemark nahe der deutschen Gr/nze nicht weniger als 73 Grundstücke aus- gekauft, die unter deutsche Razifamilicn aufgeteilt würden. In diesem Jahre habe sich die Zahl der deutschen Privat- schulen im dänischen Teil von SchleSivig fast verdoppelt, sie betrage jetzt rund 00. Im Laufe der letzten fünf Monate sei die Zahl der deutschen Gesuche um Erlaubnis zum Grenz- übertritt und Ausenthalt im dänischen Teil nahe der Grenze achtmal größer als während des vorangegangenen Halb- jahres. Dänische Arbeiter und Handwerker erhielten von den Deutschen nur dann Arbeit, wenn sie Mitglieder der natio- nalsozialistiichcn Verbände im dänischen Schleswig würden. JUliUS DeulSdl: Pulsdi oder Revolution? Randbemerkungen über Strategie und Taktik im Bürgerkrieg Verlagsanstalt„Graphia", Karlsbad. Ausgehend von den Fcbrnarcrcignigen und dem blutigen Sieg des klerikalen Faschismus in Lcftcrrcich, stellt Julius Teutsch die gesamte Strategie und Taktik der europäischen Arbeiterbewegung zur Tiskußion. Er zeigt an der Hand der sozialistischen Geschichte, was den bewußt marxistischen Sozialisten vom blauqnistischcn Put- schisuius»nd ähnlichen Lehren trennt, und er untersucht das Pro- vlcm, welche Vorkehrungen die Arbcilcrschast für den Fall zu.trcf- fen hat, ivcnil das Bürgertum eines Landes, ans Angst vor dem demokratischen Sieg einer mächtigen Arbeiterschaft, den Bode» der Temokratic verläßt. Tiefe Untersuchung ist von wichtigster iuicr- nationaler Bedeutung. Wchrorganisationcii allein, mögen sie auch vom Heldenmut des österreichischen Schutzbundes getragen sein, ver- mögen weder den Faschismus abzuwehren, noch eine sozialistische Herrschaft z» errichten. Tic Kampfbereitschaft der Arbeiterschaft mutz vielmehr, über die Vehrorganisation hinaus, von der ganzen pro- lctarischcn Ktasic getragen werden, wenn sie Erfolg haben soll Nur eine Zusammenarbeit von Velirorganisatio» und Magenpartei, nur eine systematische auch militärwtgcnsämstlichc Schulung kleinerer Gruppe», verbunden niit der wehrhaften Erziehung der Magen, vermag die Arbeiterbewegung fähig zu machen, dem Faschismus zu widerstehen, ihn zu bekämpfen und schließlich zu besiegen. Julius Teutsch seht die Unterschiede militärischer, politischer und wirtschaftlicher Art auseinander, die die österreichische Lage im Februar 1981 vom r»gischcn Oktober llll? trennen. Mit kühlster Sachlichkeit legt er die Sonde sorgfältiger.Kritik an die bisher er- schienene Literatur über die Februarkämpfc und zerstört die Jllusio- neu jener, die vom Schreibtisch aus, ohne Kenntnis der wirklichen österreichische» Verhältnisse, diese Ereignisse beschrieben haben und Lehren aus ihnen zogen, die der Wirklichkeit nicht einsprechen. Tas Resultat, zu dem Deutsch kommt, ist die Erkenntnis, daß das österreichische Proletariat zur Führung eines revolutionären Kamp- fes, in einer nichtrevolutionären Situation, gezwungen ivar. lieber diese aus dem österreichischen Kampf unmittelbar erwachsende Konsc- gnnz hinaus schließt Julius Teutsch seine Arbeit mit der Er- kcnntnis, daß nicht bloß Teile der Arbeiterklasse, auch wenn sie noch so opferwillig sind, sonder» das ganze Proletariat den Kamps auf sich nehmen inline, wenn es siegreich aus de» Wirren unserer Zeit hervorgehen soll. Am 0. und 7. Oktober tagt in Karlsbad der 7. Kongreß de< Sozialistischen Arbeiter-Sport-Internationale. Reben den Geschäftsberichte» sind von ganz besonderer Wichtigkeit die Referate über„Tie s p o r t p o l i t i s ch e Lage" des Ge- Nossen Deutsch, das technische Referat des Genossen Bühlen und die Referate über die nächste Arbeiterolympiade in Antwerpen im Jahre 1985. Paris Zwangsversetzung eines kommunistischen Lehrers Wie mau aus dem Unterrichtsministerium erfährt, wird der kommunistische Lehrer Le Corre in Saint-\' igor-d\ monviile, gegen den ein großer Teil der Eltern seiner Schüler seit Montag einen Schulstreik inszeniert hat, versetzt werden. BPIEIFK A8T6M Würltcuiberger, Sie schreiben uns:„Während es allen anderen Zeitungen verboten ist, irgendwie im Rundsunk Reklanzc zu machen »nd es dem Rundfunk seinerseits wieder verboten ist, irgendein« Zeitung auch nur zu nennen, macht nunmehr der Stuttgarter Sender für den„Völkischen Beobachter", eine der vielen Gewinn- quellen Hitlers, eifrig Propaganda. Er teilt nämlich den erstaunten Hörern mit, daß als„Tienft am Leser" der„Völkische Beobachter' jetzt so zeitig in Stuttgart ankomme, daß er schon um 7 Uhr im Straßenhandcl zu haben sei, und daß speziell für Württemberg neuerdings eine vierseitige Beilage dem„Völkischen Beobachter beigefügt werde. Cl> dos genügt um die immer mehr wachsende Empörung der Württemberg«! christlichen Kreise einzudämmen? Professor Ludwig Quid"«, der alte Pazifist, schreibt uns als Er- widcrung auf eine auch von uns übernommene Kritik a» seinem Verhalten aus dem Weltfriedenskongreß in Locarno u. a.: An die Spitze meiner Erklärung in Locarno habe ich das Be- kcnntnis gestellt, dag ich selbstverständlich der Demokra und Pazifist geblieben sei. Bei den lcrklarlicherweite seltenent gelegen heilen, die mich mit Na.wnalioziatii.cn in nähere ten, habe ich Wert daraus gelegt, sc,.zustellen dag m ch vom»• natsozialisiwuS ein Abgrund trennt, der nicht zu Überbrücken st. Es licat mir auch ganz fern, nach Teutschland zurückkehren zu wollen. In dem Verfahren gegen Necht^nwalt Thormann-Frank- surt. wurde amtlich bekanntgegeben, er stände^"blndung mit dem„sich landcsverrätcrisch betätigenden Pros, Einöde ist>>rnl. und aus Anfrage wurde mir erklärt, das ict die.tutsagung der zuständigen Stelle", also wohl der Geheimen^taatspottzei. Man sollte mir wirklich. wenn schon die Eharak.er.ongket doch n i.«t M« Tnmmheit zutrauen, daß ich glauben könnte, durch würdcloie»«n biedern bei den.Nationalsozialisten meine Stellung zu l v-rbeßern. Aber da ich uuter Umstände» genötigt«in kann, das Risiko Zner Rückkehr nach Teutschland zu'vagen, wünsche ich auch, mein««et in na nicht zu verschlechtern, Teshalb enthalte ich mich'^"Beteiligung an der an.inaziona.iozialisti'chen Agitation. chenöb.n ist, fim Berlinvdliingc» in Locarno, lowcit es n-b um d'„ Stellungnahme zum AatioriatfozigUSinus handelte, ferngeblieben. Zenn die ,s>altiliig des Kongrcges gegenüber dem Na tiostalsozialtSmi'S deutschen Emigranten schwächlich erscheint.!o iniigen fle sich nicht ,-n mich halten sondern an andere Kongreßteilnehmer. Mir wird A»ska»l»l» in icder icharien Feind- uiiHu-uwMn."V!*';'"«/'/'.'".o Svam,' schalt -tellungnahme gegen den Nationalsozialismus so etwas w,c„ein-- Mft gegen Teutschland sah. Aber es gab auch eure'ranzo. che ^cn schritt die forderte, daß französische Republikaner und deutsche ionalsozialistcn sickn unbeirrt durch die v°llti,^^S-gensStz-. zur ständig»»» über Fronen der Wirtschaft, des Sport» und Der Ratio K.Uuu^'nn^ sollten, eingebrachter Antrag kam allerdings nicht zu Abstimmung. Er wurde, so viel schweiß, znrückqrrogcn. Im Gcgenlatz zii piclen alt n Freunde» versuche ist, es allerdings. zu angenpol,tischen Fragen, soweit sie nicht nach meinem Urteil im Zusammenhang mit der in»envolitilchen Einstellung stehen lediglich nach??^l'st>,ch?n Grundsätzen Stellung zu nehme» und mein ob,cktrvcs Urteil nicht durch die Gcgncrschast gegen den Nationalsozialismus trnben zu lagen Wenn mit cincr pazifistischen Forderung ein deut'chcs Interesse zusammenfällt, lasse K> mich durch die Gegnerichatt gegen das heutige dcnische Regime nicht hindern, das deutsche gitterest- zu vertreten." „Unser die Rache!" Als kommunistischer Leser der„Teniichen Freiheit" schreibt Ihr uns:„Am 4. Füll!Mst find in R i e f c b e r g tBraiinichwcigl zehn koinninnistischc Gcnosicn an« Bro»»schweig von braunen Banden ermordet worden, Tie bis zur Unkenntlichkeit entstellten Leichen wurden in einem Masicnarabe aus dem Riefe- berger Friedhof hart am Zaun versstmrri. Am Jahrestage dieser Mordtat lag auf der Grabstelle ein Kranz mit roten Bändern, die die Inschriften trugen:„Unseren unsterblichen Kameraden!"— „Unser die Rache!" Unbekannte Hände schmücken immer und immer n ieder den Hügel mit Blumen. Im August d. F. wurde eine Foto- grasie der Grabstätte unter der Braunschwcigcr Arbeiterschaft ver- breitet. Tic Karte zeigt den Grabhügel auf de», Ricscbcrger Fried- Hof lind trägt die Namen der zehn ermordeten Genossen. Tie Ge- siavo hat darauf wahllos etwa SO Braunschweiger Arbeiter verhaf- tct, von denen sich eine größere Anzahl noch in den«lauen der braunen„Justiz" befinden." 31. F., Kopenhagen. Sic gsaiibcn, cS ließe sich das Wort von Smi- lcs anwenden:„Ter aroße Führer zieht Männer verwandten Eha- rnkters an." Wir wollen nicht mit Fhnen streiten. Wen zieht er denn an? Le«, Röbin, Heines, Ernst»nd ähnliche„Männer ver- wandten Charakter»". Sind Tic nun mit uns zufrieden? Briefe an die Redaktion bitten wir zu adressieren:„Redaktion der„Tentschcn Freiheit", Saarbrücken, Schließfach 779". Kenn an einzelne Redakteure adressiert wird, sind Verzögerungen unver« weidlich. Für den Gelamlinhalt verantwortlich: Johann P I tz in Tut- weiter: lür Inserate: Ctto Kuhn In Soo-brücken Rotationsdruck und Verlag: Vertag der Vvtkssttmme GmbH, Saarbrücken 3, Schützenftroße 5.— Schtleßlach 770 Saarbrücken. 2. Auflage soeben erschienen! c TCitCecmsf Von KLAUS BREDOW Fragen Sie in den Kiosken und Buchhandlungen nach. Falls die Broschüre am Ort nicht zu haben ist, liefert die Buchhandlung der„Volksstimme", Saarbrücken, Bahnhotstraße 32, gegen Voreinsendung von 3,90 französischen Franken auf das Postscheckkonto Saarbrücken Nr. 619 Verlag der„Volksstimme", Saarbrücken , i ri'■£'•'... ,";r ■— 1--:/•-""