65nzZge unabhängige Tageszeiiung Veuischkands Nr. 233— 2. Jahrgang Saarbrücken, Sonntag Montag, 7.8. Oktober 1934 Chefredakteur: M. B r a u n Die schwätze Relfaei des.. dritten Reiches Schacht pcellt die Saat Seite 2 Seite 3 Tliedecqang des feeien Spotts Seite 7 MlamelM und Voiksnol Die Spradie der lafsadien Hießen das Gesdirei des„Führers" Berlin, 6. Oktober. 3?odi immer hat das Saiauuat für das Winter- n i I f s m erk nicht begonnen. Im vorigen Jahre wurden die als bedürftig und würdig Anerkannten— und es soll nicht bestritten werden, daß das sehr viele waren— schon vom 1. November an mit Lebensmitteln. Kleidungsstücken und Heizmaterial beliefert. In diesem Jahre steht dicht vor dem November erst der Ausruf des„Führers" für baS Win- terhilfswerk bevor, und er wird wohl trotz allem Weihrauch, in den man ihn einhüllt, sehr wohl wissen, dag in diesem Jahre die Tammlungen nur einen Bruchteil dessen bringen werden, was im vorigen Jahre ausgekommen ist. Da wur- den über 399 Millionen Reichsmark errechnet. Diesmal wird cS, real betrachtet, vielleicht die Halste werden. Dem steht gegenüber, daß Reich, Länder und Gemeinden nach ihren eigenen Angaben die Aufwendungen für To- zialpolitik nnd Fürsorge, die in den verruchten Zeiten der Republik von Weimar bis aus 8 bis 1» Milliarden Reichs- mark im Jahre gestiegen waren, um rund 5 Milliarden gesenkt haben. Während tiefer wirtschaftlicher Pessimismus über allen Volksschichten lagert, und da kann man wirklich nur die vcrbonzten Nutznießer des Systems ausnehmen, macht die Presse nach wie vor in Optimismus. Tie verweist aus das im letzten Jahre zweifellos stark gestiegene Produk- tionsvolumen und behauptet, dast die industrielle Gütererzengung im Juli und im August d. I. rund 90%. H. des Standes in dem Konjunkturjahre IM wieder erreicht habe. Tie Erwerbslosigkeit habe man von über 6 Millionen aus 2,4 Millionen Arbeitslose hcrabgedriickt. Viele Deutsche im Reiche stehen mehr oder minder ratlos vor fticfetl Ziffern, weil ihre eigenen Erfahrungen an sich selbst und an ihrem nächsten Bcobachtungskreise diesen Schönfärbereien widersprechen. Deshalb sind sie mißtrauisch, ohne daß sie immer in der Lage wären, die Quellen des Betrugs auszu- decken, weil man sorgsam zutreffende Vergleichzahlen unter- schlägt und es eine offene Kritik der amtlichen Wirtschaft- zahlen in der Presse nicht gibt. Manchmal aber verrät die Leichtfertigkeit der amtlichen Journalistik selbst die Beschwinbelung des Volkes. To brachte die ganze deutsche Presse, daß der Reichspresscchef Dr. Dietrich vor der Weltpresse aus dem Parteitag in Nürnberg verkündet hat, das deutsche Volkseinkommen habe sich im ersten Jahre der herrlichen Zeiten unter Hitler um rund 1 Milliarde Reichsmark von 45,5 auf 46,8 Milliarden Reichsmark erhöht. Der gute Reichäprcsseches hätte von dieser„Erhöhung" schwerlich viel Aufhebens gemacht, wenn er gewußt hätte, daß unter der berüchtigten marxistischen Mißwirtschast im Jahre 1929(Reichskanzler Miillcrj nach den Bcrösscnt- lichungrn des Reichsamts das Volkseinkommen 73,8 Mil- liardcn und selbst in der Krise unter Brüning noch dg,2 Milliarden betrug, also über 12,5 Milliarden mehr als im „dritten Reiche". Sieht man aber noch genauer zu, so kommt man dahinter, daß., die angebliche Wirtschastsbelebung Hitlers sogar eine Einkommensverminderung gebracht hat, und zwar ganz all- gemein. Zeil Mitte>633 sind die L e b e n S h a l t u n g s k o st e n in unaufhaltsamem Ausstieg und liegen heute um 4,5 v. H., für die Ernährung allein um etwa 7,5 v. H. über den Kosten bei Hitlers Machtergreifung, und das nach hitleramtlichcn Zah» lut. Nehmen wir allzugünstig nur eine Gesamtsteigerung der Lebenshaltungskosten von 2/, v. H. im Jahre 1933 an. so ergibt sich, daß der Realwert des Volkseinkommens nicht nur nicht gestiegen, sondern sogar g e s u u k en ist. Da der Reichs- Pressechef über das laufende Jahr eine weitere Erhöhung dcü Volkseinkommens von nur„einigen" Milliarden Reichs- mark zu prophezcihcn wagt, die Lebenshaltungskosten biS Ende dieses Jahres selbst nach den gefälschten hitleramtlichcn Zahlen um mindestens 6 bis 7 v. H. über denen des Vor- jahres liegen werden, so wird sich auch für>934 tatsächlich keine Verbesserung, sondern eine Verschlechterung des Volks- einkommens ergeben. Und das alles bei einer enormen ProdnktionSsteigerung und bei einer angeblichen Vermehrung der Erw rbsl.Ltigc» um nahezu vier Millionen Menschen Es muß also nicht nur die Arbeit, sondern auch das Einkom'?n so„gestreckt" worden sein daß sowohl sür den einz--'>, wie ,iir die Ge- samthei! in Minus hernnsgekeunne» ist Das geht auch aus anderen halbamtlichen Zahlen hervor. To wurde dieser Tage im Rundfunk eine Steigerung der Einzelhandelsumsätze bekanntgegeben, jedoch erstreckten sich die Zahlen nur auf Möbel und auf Haushaltungsgegen- stände, also auf Waren, für die Ehestandsdarlehen aus öffentlichen Mitteln gegeben worden sind, und auf Textilien, in denen aus Sorge um die Rohstossnot seit Monaten tüchtig gehamstert worden ist. Daß der Verbrauch sowohl in Fett wie in Hülsenfrüchten gesunken sein muß, und noch weiter abfällt, weiß jeder Arbeiter. Selbst nach den hitleramtlichen Zahlen ist der Lebensmittelverbrauch im letzten Vierteljahr 1932 um 4,5 v. H. höher gewesen als im 4. Vierteljahr 1933, also nach einem Jahre Hitlerreich. Das sind Tatsachen, die aus die Tauer nicht von den Propagandaphrasen verschleiert werden können. Ter sogenannte Führer hat in seiner Erntedankscst-Rede aus dem Bückeberg, die, wie die ganze Erntebankseierei im Lande kein großes Echo gesunden hat, seine Vorgänger faul und unfähig geschimpft. Es gehört schon eine riesenhafte Por- lion Verlogenheit und unbegründete Selbstverhimmlung dazu, um so etwas in die Welt zu schreien. Unter seinen marxistischen Vorgängern betrng bcispiels- weise die dcntsche Ausfuhr im Jahre 1928>2 276 Millionen, im Jahre 1929 sogar 13 488 Millionen Bis zu Popens ruhmreichen Regicrungsjahre 1932 war sie aus 5 740 Mil- lionen heruntergewirtschaftet. Hitler hat im Jahre 1983 noch eine weitere Milliarde verloren und im lausenden Jahre wird man wohl kaum noch über 4099 Millionen Reichsmark kommen. Nimmt man dazu noch, daß bei dem Ausscheiden der Mar- xisten aus der Reichsrcgierung die ReichSbank einen Gold- und Devisenbestand von 3096 Millionen hatte und bei Hit- lers Machtergreifung immer noch 1090 Millionen, die nun futsch sind und trotz aller Anstrengungen und Schiebungen bisher nicht einmal mit ein paar Millionen wieder aufge- füllt werden konnten, so ergibt sich ein klares Bild von den „Erfolgen" der Hitlcrrcgiernng. Vier Wochen Presse- und Versammlungsfreiheit, und das ganze deutsche Volk würde die Gauner und Betrüger zum Teufel jagen, die ihm in Ermangelung wirklicher Leistungen Reklamegaukeleien vorsetzen. Da die Freiheit der Ausklä- rung fehlt, müssen wir unter unsagbaren Schwierigkeiten den Volksmassen die Wahrheit bringen. Das geschieht und wird zum Erfolge führen. «ernstem-Krampf Für das Winterhilfswerk Berlin, 6. Okt. Wie von der obersten Leitung der Partei- organisation, Amt für Volkswohlsahrt, mitgeteilt wird, er- öffnet der Reichskanzler das Win terhilfswerk >934/35 am 9. Oktober. Infolgedessen wird der Bernstein- Tag, der als erster Tag des Winterhilfswerkes>934/1935 durchgeführt wird, auf diesen Tag verlegt. Zur Herstellung der Bernsteinabzeichen sind über 2 9 9 9 9 Kilogramm Bernstein verwendet worden. „wie sie lasen Die Bauernunruhen in Schleswig-Holstein Mehr als eine Woche ist es her, daß„Observer". eines der ernstesten und angesehensten Blätter Englands, die Nach- richt über Bauer nun ruhen in Schleswig-Hol- st e i n brachte. Die Meldung gab der Straßburger Sender weiter, und dann wurde sie von vielen Zeitungen über- nommen. Vor zwei Tagen gäbe es Endlich ein hitleramt- liches Dementi: es habe keine Bauernnnrnhen in— S ch l c- sicn gegeben. Tarin wurden wilde Schimpfereien aui die Emigranten und Separatistcnpresic gehängt. Auf den lüg- ncrischen Widerspruch festgenagelt, behauptet man jetzt, auch in Schleswig-Holstein habe es keine Bauernunruhen gc- geben. Es habe da oben in Angeln ein Fest gegeben? aber man hätte hier sicherlich auss eitrigste darüber diskutiert, wenn cS Unruhen gegeben hätte. Das hätte ein d ä n i s ch e r Berichterstatter geschrieben. Seine Naivität ist be- staunenswert. Sie soll der Welt beweisen, wie„u n k o n- tro liiert" Greuelmeldungen verbreitet würben. Wir geben die erschütternde„Widerlegung" unser» Lesern weiter. Sie werden jetzt vollkommen davon überzeugt sein, baß es an der Wasserkante sehr ernste Bauernunruhen gegeben liabcn muß. Tonst würde man sie nicht mit solch dummen Argumenten zu verbergen suchet». Hoppla! Sozialismus! Nationalökonomische Tragödie in Aachen Die Idee des Sozialismus hat auf ihrem kaum hundert- jährigen Leidensweg viel erlebt. Revolution und Reak- tion, kühne Erneuerungsgedanken und konservative Restauration haben sich in den sozialistischen Wohlfahrts- mantel gehüllt, der breit genug war, auch den Unter- drückern der Schwachen Rechtfertigungen zu liefern. Im Kommunistischen Manifest 1847/48 gibt es viele Stellen, in denen sich Karl Marx und Friedrich Engels über die pseudosozialistischen Kollektionen ihrer Zeit mit dem blitzenden Spott echter Wahrheitssucher lustig machten. Aber es kommt alles wieder. Achtzig Jahre später: wir haben die Nationalsozialisten. Nun wird der Begriff des Sozialismus durch die Hölle Dantes gejagt. Einstmals, zu Marxens Zeit» hatte er immerhin noch etwas mit Humanität zu tun, mit unvergänglichen Menschen- ansprächen, so oft er auch mitzbraucht wurde. Heute ist „Sozialismus" ein Werkzeug zur Niederhaltung und Pei- nigung von Sozialisten, eine Rute, getaucht in Lüge und Niedrigkeit, in menschliche Dummheit und in mensch- liche Gemeinheit. Heute wird die Idee des Sozialismus von bluttriefenden Mäulern usurpiert, von frechen Nutz- nießern der Macht an die Streitwagen gebunden und durch den Schmutz gezerrt. * Es liegt uns ein Beispiel von besonderer Beweiskraft vor. Vor kurzem hat der Präsident der Aachener- In- dustrie- und Handelskammer, der Fabrikant Leopold P e i l l. in einer Beiratssitzung der Kammer über „Sozialisierung" gesprochen. Wir fanden den Bericht dar- über in Nr. 487 der„Kölnischen Zeitung". Was ist So- zialisierung? Es ist nötig, den Begriff zu klären. Man versteht darunter die Vergesellschaftung der Produktions- mittel, den Besitz der Naturgüter und jener Industrie- zweige, die die Volksgesamtheit für ihre Existenz un- mittelbar nötig hat. in den Händen dieser Volksgesamt- heit. Wir erinnern an die großen Sozialisierungsdebatten der Jahre 1919 bis 1923. Damals ging es um den All- gemeinbesitz der Kohle und des Eisens als der höchst- entwickelten und entscheidenden Produktionsmittel im Rahmen einer konzentierten und kartellierten Industrie, die technisch-organisatorisch bereits vergesellschaftet war. Daß diese echte Sozialisierung scheiterte, steht auf den dunklen Blättern der Nachkriegszeit. Wir haben Fehler und Versäumnisse nicht zu beschönigen. Jetzt aber sind wir, nach Herrn Leopold Peill, endlich mitten in der„nationalsoziali st ischen Soz i al i sierung". Was versteht er darunter? Man hat Festpreise für einige Getreidesorten eingeführt.„Diese Feststellung allein genügt schon, wie außerordentlich segensreich für unser Vaterland sich die sozialistische Be- wirtschaftung des Getreides ausgewirkt hat." Aber unser sozialistischer Pionier fühlt sich bereits als gesellschaftlicher Neuschöpfer. Der Regierung zum Gehorsam ver- pflichtet, müsse die Kammer Vorschläge machen,„wie am praktischsten die Sozialisierung der Wirtschaft durch- geführt werden kann". Jetzt seien ja, so bekennt er, die meisten Wirtschaftler Sozialist«'n. Dag er- gebe sich schon aus der Tatsache, daß heute viele Indu- strien den Staat dazu veranlassen wollen, die Preise fest- zusetzen. Alle die Menschen, die so etwas wollten, ver- zichteten gern auf die Möglichkeit eines hohen Verdienstes zugunsten eines gesicherten Einkommens, denn, wiederum wörtlich,„mit dem hohen Verdienst können sie ja doch nichts mehr anfangen, da die Lebenshaltung in ihren Kreisen eine viel einfachere gew'or- den ist". * So sind wir eigentlich schon mitten im Sozialismus, dank unserem„unsterblichen Führer", den Herr Peill immer wieder liebend und lobend erwähnt. Was Peill propagiert, ist eine Art von Fest- und Einheitspreis- Sozialismus mit gesichertem Einkommen für die einfach gewordenen Unternehmer, die sich für ihre karge Lebens- führung die braunem„Führer" zum Vorbild nehmen. «Hein nster mein!.Herr Veill ist der leidenschaftlichen Zustimmung der Herren Thyssen. Krupp. Klöckner und gridi sicher. Der Marxismus, immer nach Herrn Peill. hat die Arbeiter an den Rand der Vernichtung gebracht. Die nationalsozialistische Sozialisierung hat sie endlich erlost. Dazu haben sie„Kraft durch Freude" bekommen. Herr Ley hat uns neulich berichtet, daß auf den festlichen Gesellschafisabenden die Frau. Direktor mit dem Vor- arbeiter Muller ein Tänzchen wage— etwas, was früher nie dagewesen sei! So empfinde der Arbeiter heute den „Sozialismus der Tat" im Bewußtsein der Volksgemein- fchaft. * Doch zurück zu Herrn- Peill. Sein unsterblicher Führer scheint seinem Gefolgsmann leider nicht die Treue zu halten. Er läßt zu, daß dieser nationalsozialistische So- zialist von anderen heftig befehdet wird. Schon die „Kölnische Zeitung" konstatiert ihm gegenüber„starke Widersprüdie" in der Auslegung des Sozialismus. Sie stellt Herrn Peill den„Führer" des deutschen Handels, den nationalsozialistischen Professor Dr. Liier gegen- über. Dieser habe kürzlich auf der Tagung der Weltwirt- schaftlichen Gesellschaft in Erfurt gesagt, daß alle Bin- düngen planwirtschaftlichen Charakters weder gewünscht würden, noch als Dauerzustand angesehen werden könnten. Als Endziel schwebe eine von Bin- düngen möglich st freie Wirts d; a f t in einem Die sdiwarzc Polizei des 3. Juli alle nationalsozialistischen Führer, die aus Grund ihres Lebenswandels und ihrer Ansichten ver- dächtig waren) das Leben kosten sollte. Solche Urteile sind ohne Berufung. Die Hinrichtung soll sofort stattfinden. Aber angesichts der gesellschaftlichen Stel- lung der Verurteilten soll das Kriegsgericht Minister Gö- ring nicht etwa um Abänderung des Todesurteils, sondern um die Genehmigung ersucht haben, eine Todesstrafe an- ivenden zp dürfen, die weniger schrecklich wirkte. Kurz eS handelte sich um die Erlaubnis, die Zierurteilten zu ers-^ie- sten anstatt sie Einzurichten. Aber Görina antwortete, wie man sagt:„Diese Weiber sind keine Kugel wert." To soll da? Beil seine Arbeit getan haben. (Fortsetzung folgt.) Der„Oenvre" ist enttäuscht Er habe gehofft, dast Toumergue, ähnlich wie das Poincare 192«! getan habe, der ofsen über die schwierig- sten Fragen geredet habe, das Ungeheuer bei der Gurgel packe» würde. Toumergue hätte sagen sollen, warum und wie Fleisch und Gemüse, für die der Bauer nur wenig bekäme, selbst bei den Kleinhändlern in der Provinz teuer bezahlt werden müßten. Von einer sozialistenseindlichc» Rede spricht „Populaire". einer Rede, die von einer seltenen und geradezu weiner- licheu Plattheit gewesen sei. Sie sei eine Enttäuschung. Bor acht Tage» habe man einen drohenden, einen wütenden Don- mergue gehört, einen Toumergue, der sich als künstiger Dik- tator gebärdet habe. Am Tonnerstag habe man einen mür- rIsche» Alten gehört, der sicherlich wütend gewesen sei. aber in heulendem Tone gesprochen habe. In der vorigen Woche habe Toumergue die Sozialisten angegriffen und ihnen ge- droht, jetzt habe er für sich und seine Regierung eine Ver- teidigungsrede gehalten. Die„Humanit6" erklärt schließlich. Toumergue habe gegen den Kommunis- mus nichts Neues vofPebracht. Er werfe ihm vor. die Frei- hcit zu unterdrücken im gleichen Augenblick, wo er die Leh- rer verjage, denen man es allein zum Verbrechen anrechne, daß sie auf einer beruflichen Tagung ihre Gedanken aus- gesprochen hätten. * Am heutigen SamStag fällt die Entscheidung, ob die kommunistischen und sozialistischen«-werk, schaftsverbände Frankreichs sich zusammenschließen werden. Der Borstand des kommunistischen Ge- werkschaftSverbandes empsina am Freitagabend den Besuch eines Abgeordnete» des Allgemeinen Arbetterverbandes (EGT I, der mitteilte, daß die kommunistisch«» Beschläge von vielen Borstandsmitgliedern der sozialistischen Arbeiter- gewerkschalten sreoudlich ausgenommen worden, bei anderen aber aus Widerstand gestoßen seien und daß am heutigen Samstag eine Abordnung die endgültige Antwort überbringen werd^ wmmmmmmaamMmmmmKmmaamntsKssmreaamBan Schwere Kampfe in Spanien Meldungen über hunderte Verwundete Paris, 6. Okt.„M a t i n" schätzt die Todesopfer der Un- ruhen in Spanien auf 59 bis 89, die Zahl der Verletzten auf 499 bis 599. Madrid, 9. Okt. Zwischen Polizisten und Aufständischen wurden in den Volksvierteln Schüsse gewechselt. Tie Trup- pen haben an den strategischen Punkten Maschinengewehre ausgestellt. In einigen Orten sind die Aufständischen Herr der Lage. In Oviedo wurden zahlreiche Verletzte in die Krankenhäuser eingeliefert. Ter Abgeordnete der lieber- lieferung von B i s c a y a wurde bei Bilbao getötet. Man glaubt, dast er von Aufständischen ermordet worden ist. * Stundenlange Kämpfe Paris, 6. Okt. Tie revolutionäre Strömung in Spanten soll sich besonders im Bergwcrksbczirk von Oviedo aus- wirken. Wie Havas aus Madrid meldet, hat die Polizei in der Ortschaft MiereS große Verluste erlitten. Man spreche von zehn toten Sturmgardisten. Aus Oviedo, Valladolid, Valencia und anderen Garnisonen seien Truppen unterwegs. Der Kampf zwischen den Ausständischen und der bewaffneten Macht in Mieres habe Stunden gedauert. Auf der Seite der Meuterer sollen wenigstens zehn Mann gefallen sein. Viele Verletzte seien in den Krankenhäusern von Oviedo unter- gebracht. Havas meldet aus Madrid, dast im Weichbild der Stadt Truppen alarmbereit stünden. Tie Polizei übe in den. Straßen einen ununterbrochenen Nachtdienst aus. A» den st»alogischen Punkten seien Maschinengewehre auigestellr. In der Provinz habe man dieselben Sicherheitsmaßnahmen ge- troffen. Gewal(drohung in Griechenland Hochspannung zwischen Regierung und Opposition Athen, 6. Okt. Tie Regierung hat die Auslösung des Parka- ments und die Ausschreibung von Neuwahlen für eine Nationalversammlung beschlossen, welche die Verfassung zu revidieren haben wird. Vor allem soll der Senat beseitigt werden, in dem bekanntlich die Negierung Tsaldaris in der Minderheit ist. Die Opposition bezeichnet diese Maßnahme der Re- gierung als verfassungswidrig und hat einen Ausruf ver- öffentlich», in dem das griechische Volk aufgefordert wird,-ich mit Gewalt der'Verletzung der republikanischen Bersastung zu widersetzen. Tie Truppen werden im ganzen Land« in Alarmbereitschaft gehalten. Infolge der Verschlechterung der Lage ist es auch an den griechischen Börsen zu einem Kurs- stürz der griechischen Staatspapiere gekommen. Noch dümmer' Nämlich die„Saarbrücker Landes-Zeitung" In der gleichgeschalteten, früher katholischen„Saarbrücker Landes-Zeitung" liest man am Samstagmorgen: Sozialistische Kirchensrenndschaft! Haussuchung im Palast des Erzbischoss von AguaS EalienteS TNB. Mexiko. 5. Ökt. „Universal" berichtet aus Aguas Calientes, daß im Palast des Erzbischoss eine Haussuchung vorgenommen worden ist. * Wir wüßten nicht, dast in Mexiko Sozialisten herrschen. Aber selbst wenn es so wäre, sind sie gegenüber den tu Deutschland herrschenden Braunen geradezu honorige Leute. In Würzburg hat man dreimal den Bischosspalast gestürmt und nicht wenig darin demoliert.„Hängt ihn auf!" So schrie die ausgepeitschte Menge aus der Straße. Auf das Palais Faulhabcrs in München wurde geschossen. Welche Ueber- schritt würde die„Saarbrücker Landcs-Zeitvung" wählen, wenn führende Katholiken in Mexiko ohne Urteil er- schössen, verbrannt, ihre Asche ohne Kommentar den An- gehörigen per Post ins Haus geschickt worden wäre? Die„Saarbrücker Landes-Zeitung" sollte sich eigentlich sagen, dast viele ihrer Leser solche Fragen stellen würden Ein seltener Grad von Dummheit und Heuchelei. Das Neuest« Bei einer Bersammlung der englischen Schwarz« Hemden in Plymouth, aus der Sir Oswald Mösle» sprach, kam es am Freitagabend zu schweren Zusammen- stößen. 20 Personen wurden verletzt. Der Borstand der n e u s o z i a l i st i s ch e n Partei Frankreichs hat beschlossen, durch die Kammerfraktion sofort bei Eröffnung des Parlaments den Antrag auf Ei n- berufnng der verfassunggebenden Bersamm- lung stelle» zu lasten. In parlamentarischen Kreisen rechnet man damit, daß die Regierung nach Erledigung der dringendsten parlamentarischen Arbeiten(insbesondere Ber- abschiedung des Staatshaushaltsplanes) die Einberufung der Nationalversammlung nach Versailles beantragen werde. . Die Liste der Todesopfer der Eisenbahnkatastrophe in »rzeszowice bei Krakau Hot sich aus 13 erhöht, da noch zwei Schwerverletzte im Krankenhaus gestorben sind. Die Ge, samtzahl der Schwer- und Leichtverletzten beträgt 56. Als Schuldige an der Katastrophe wurden der Fahrdienstleiter der Station Krzeszowicc und ein Blockwärter verhastet. Der Untersuchungsausschuß hat festgestellt, daß der Schnellzug Wien-Warschan ans den Streckenabschnitt gelösten wurde, ohne daß die Strecke als frei zurückgemeldet worden war. Am Freitag ereignete sich in der Mündung des Firth os Förth(Schottland) e> n schweres Flugzeugunglück. Sin Bombenflugzeug, das aus dem Berdeck des Flugzeug- Mutterschiffes„Eouragcous" landen wollte, verfehlte die Richtung, stieß gegen ein? der Kommandobrücke und stürzte dann ins Meer. Das Flugzeug geriet unter das Schiff und kam nicht mehr an die Oberfläche Bon den bei- de» Jnsasten fand der eine, ein Fliegeroffizier, den Tod, während der andere, ein Sergeant, bei dem Zusammenstoß ans das Deck geschlendert wurde n«d beide Beine brach. Für Deutschland SAAR. BEILAGE Gegen Hitler! Dos„dritte Reidi" prellt die Saar Die Wahrheit über das Clearingverfahren Tie betrügerischen Manipulationen Dr. Schachts haben die Saarwirtschaft in eine schmierige Lage versetzt. Es ist deshalb verständlich, wenn Vertreter der saarländischen Unternehmerschaft bei der Regierungskommission vor- gesprochen haben, um darüber zu beraten, wie man die Vcträge, die das„dritte Reich" der Saarwirtschaft schuldet, eintreiben könnte. So ernst aber die durch die Schuld des „dritten Reiches" für das Saargebiet geschaffene Situation auch ist, so muß doch ausdrücklich gesagt werden, da« die Panikstimmung, die aus durchsichtigen Gründen von der braunen Front genährt wird, in keiner Weise berechtigt ist. Einzelne Jndustriennternehmungen, die sich infolge ihrer persönlichen Verbindungen in Berlin und der braunen Ge- sinnung ihrer Besitzer sich allzu stark heute schon auf das „dritte Reich" eingestellt haben, werden sicherlich m«t Schwierigkeiten zu rechnen haben. Aber glücklicherweise sind diese einzelnen Unternehmungen noch nicht das ganze Saar- gebiet, wenn auch zuzugeben ist, das, beispielsweise Schwierigkeiten eines solch großen Unternehmens wie Röchling, der ganz gute Rüstungsaufträge vom„dritten Reich" hereinbekommen hat, gewisse nachteilige Wirkungen haben wird. Es muh deshalb erwartet werden, dah die Re- gierungskommission das möglichste tut, um wirtschaftliche Erschütterungen, provoziert durch die Leichtfertigkeit und Gewissenlosigkeit der braunen Unternehmer, zu verhindern. Aber zu diesem Zwecke muß zunächst einmal auch den Herren braunen Unternehmern klargemacht werden, dast ihnen nicht das Recht zusteht, das Schicksal der Saarbevölke- rung aufs Spiel zu setzen und eine eines gewissenhaften Kaufmanns nicht würdige Babanque-Geschästspolitik zu be- treiben. Im Interesse der Gesamtwirtschaft der Taar mutz die Rcgicrungskommission den braunen Unternehmern zu verstehen geben, dast sie einem faule» Kunden, wie es das „dritte Reich" ist, nicht ohne weiteres drauflos liesern dürfen. Es ist stets im kaufmännischen Leben etwas Telbstverständ- licheS gewesen, dah man faulen Kunden mit Vorsicht Ware liefert und auf jeden Fall die Schulden dieses Kunden nicht allzu hoch aufkommen lästt. Genau so hat die Saarindustrie gegenüber dem„dritten gleich" zu verfahren und nicht in unverantwortlicher Weise alle Bestellungen auszuführen, die nach der Saar aus politischen Gründen ausgegeben löerdcn, und die dann vom„dritten Reich" nicht bezahlt werden. Fn welch gewissenloser Weise das Saarvolk irregeführt wird, mag als Beispiel folgende Ergüsse dienen, die sich die Saarbrücker„Landeszeitung" erlaubt. Das Blatt schreibt u. a.: „Es zeigt sich von Tag zu Tag mehr, dast dieser deutsch- französische Zahlungsverkehr, demzufolge die Zahlungen für gelieferte Waren nicht direkt an den Lieferanten, sondern an eine staatliche Verrechnungsstelle und erst von dieser wieder an den Lieseranten erfolgen, sich für das Saargebiet sehr bedenklich auswirkt. Da das Saargebiet dem französischen Ein Richter wird abgelehnt Sensation an der Saarbrücker Strafkammer Vor der 2. Strafkammer des Landgerichts Saarbrücken sollte am Freitag eine Strafsache gegen vier Ange- klagte namens Becker, Hey, Nikolau und Bickel m a n n aus Tubweiler verhandelt werden Es handelte sich um eine Anklage wegen verschiedener politischer Vergehen, die den Angeklagten zur Last gelegt werden. Nachdem die Sache und die Zeugen aufgerufen worden ivaren, bat der Verteidiger der drei erstgenannten Ange- klagten, Rechtsanwalt Dr. Sender, Saarbrücken, um das Wort und führte aus: „Ich habe folgende Erklärung abzugeben: Aus der heute erschienenen„Neuen Saar-Post" ist zu ent- nehmen, daß der Herr Borsitzende der 2. Strafkammer, Herr Landgerichtsdircktor Steinfels, am vorgestrigen Tage gelegentlich einer Strafsache wegen einer politischen Be- leidigung folgenden Tay dem Beleidiger gegenüber ge- braucht haben soll:„Wenn jemand für den Status quo Propaganda macht, so haben Sie nicht das Recht, ihn des- wegen zu beleidigen, weil es eine Verordnung gibt, die das verbietet. Da müssen Sic schon warten, bis die ganzen Verhältnisse anders sind, bis abgestimmt ist." Wenn dieser von der Presse mitgeteilte Vorfall sich le- wahrheitet. sind die Angeklagten mit ihrem Verteidiger der Aussassung. daß aus dieser Acusterung in menschlicher und politischer Hinsicht eine feindselige Stellungnahme des Herrn Vorsitzenden gegenüber den Anhängern des Status- quo-Gedankens zu folgern ist. ^Da die von mir vertretenen Angeklagten Versechter des ^tatus-quo-Gedankens sind, hegen sie Mißtrauen gegen ote Unparteilichkeit des Herrn Vorsitzenden und lehnen ,hn wegen Besorgnis der Befangenheit hiermit ab." Es herrschte eine starke Spannung im Saale. Das Gericht konnte über das Ablehnungögesuch nicht entscheiden, da es durch das Ausscheiden des abgelehnten Herrn Vorsitzenden beschlutzuntähig wurde. Der Vorsitzende, Herr Landgerichtsdirektor Steinfels, er- klärt hierauf:„Zur Steuer der Wahrheit darf ich sagen, dast diese Acustcrungen wieder ans dem Znsammenhang herausge- rissen find und dadurch den Sinn der Aeusternngen falsch wiedergeben. Es sei auch bemerkt, daß der betreffende Au- geklagte, weil er eine beleidigende Aeusternng getan hat, nicht etwa freigesprochen worden ist. sondern daß er verurteilt wurde." Mit keinem Wort bestreitet er, die unerhörten Worte gebraucht zu haben. Das Gericht verkündete, ohne erst zur Beratung abzu- treten, folgenden Beschluß: „Die Hauptverhandlunq wird ausgesetzt und auf unbe- stimmte Zeit vertagt. Es kann, da im Moment nicht genügend Mitglieder des Landgerichts vorhanden sind, die soiort über den Ablehnungsantraa entscheiden können und der Bor- sitzende nach seiner Ablehnung an der Beratung selbst nicht mitwirken kann, vorerst nicht weiter verhandelt werden." Zollgebiet eingegliedert ist, wird der Erlös für die vom Saargebiet nach Deutschland gelieferten Waren an die iran- zäsische Verrechnungsstelle eingezahlt, die sie dem saarlän- bischen Exporteur zur Auszahlung bringen soll. Die Folge davon ist, dast die saarländischen Firmen nicht wissen, wann und wieviel sie überhaupt für ihre gelieferten Waren er- halten. Der Zahlungsverkehr stockt bereits." Die„Landeszeitung" stellt also, ebenso wie die gesamte braune Presse an der Taar, die Tinge einfach aus den Kops. Tie vergißt die„Kleinigkeiten", dast das Elearingverfahren ja dadurch erst ins Leben gerufen werden mußte, weil das .dritte Reich" nicht mehr zahlen konnte. Deshalb hat man das Verrechnungsverfahren im dcutsch-französischen Warenverkehr eingeführt. Da Deutschland nach Frankreich stets mehr exportierte als aus Frankreich importierte, so mutzte in der Pariser Verrcchnnngskasse, in welche die iran- zösischen Abnehmer deutscher Waren ihre Warcnschulden einzahlten, stets ein Ueberschnst vorhanden sei», sowohl für die Gläubiger aus der Dawes- und Boung-Anlcihc als auch für die Lieferanten nach dem„dritten Reich". Frankreich rechnete so sehr mit einem Ueberschust, daß es sich sogar be- reit erklärt hatte, täglich 15,6 Prozent der im Office Franca- Allcmand eingehenden Gelder an die Rcichsbank abzu- führen. Was hat aber die betrügerische Gesellschaft des„dritten Reiches" getan? Statt angesichts des finanziellen Bankrotts die Einfuhr zu drosseln hat Schacht die sttr ihn durch das Clearingverfahren geschaffene günstige Situation dazu aus- genutzt, um möglichst wel aus dem französischen Zollgebiet auszuführen. Das geschah auch bereits im Monat August, in welchem sich die Einsuhr aus dem französischen Zollgebiet um 14,2 Millionen auf 150,8 Millionen Franken erhöhte. Die Folge war, daß statt eines Ueberschusses die Ausgleichs- lasse einen Fehlbetrag auswies. Dieses betrügerische Verfahren hat Schacht bereits den Engländern und den Holländern gegenüber angewandt. Fetzt sind die Franzosen die Geprellten. Und da das Saargebict der französischen Zollunion angehört, gehört auch die Saar zu den Betrogenen. Die Braunen, die jetzt so entrüstet tun, mögen sich lieber bei ihren Gesinnungsgenossen im Reich für die Folgen dieser eines grasten europäischen Staates un- würdigen Betrügereien und Drehs bedanken. Wenn wir die heute in Deutschland herrschende Clique bekämpfen, so tun wie dies u. a. auch deswegen, weil wir es nicht haben wollen, dast der einst in der Welt geschätzte gute deutsche Name von einer Bande von Betrügern und Verbrechern geschändet wird. Wir wollen es nicht haben, daß man in Europa und in der übrigen Welt den NaineN„Deutscher" und„Betrüger" als etwas Gleichwertiges hinstellt. Nicht die kämpfen sttr Deutschland, die sich hinter die braune Ver- brechergesellschast stellen, sondern die, die für ein freies und reines Teutschland sind und die die Verbrecher entlarven. Der Termin war zu Ende. Der Vorsitzende fragt nach dem Gerichtsberichterstatter der„Saar-Post", der bald nach seinem Eintritt in den Saal von Herrn Landgerichtsdirektor Stein- sels gerufen wird. Er hat seine Personalien anzugeben. Als- dann wird ihm vom Vorsitzenden bedeutet, dast er in seinem Bericht nicht Aensterungen des Vorsitzenden aus dem Zu- sammenhaug zu reißen hat.„Merken Sie sich das!" Die„Volksstimme" bemerkt zu dem Borsall: Die Ablehnung seitens des Rechtsanwalts Dr. Tender ist geeignet, das Signal dafür abzngeben, nunmehr von der Kritik an der saarländischen Rechtsprechung zur Aktion vor- zugehen. Es geht nicht an, daß die Hitlcrgegner auch in Zukunft von Staatsanwälten angeklagt und von Richtern abgeurteilt werden, die den nationalsozialistischen Auffassungen vom Recht huldigen. Wenn der Richterstand sich den Er- fordernissen des Nationalsozialismus zu fügen hat, wenn Recht nur das ist, was Deutschland nützt, Unrecht, was Deutschland schadet, wenn ein oberster Gerichtsherr ohne jegliches Gerichtsversahren Hunderte von Menschen erschießen lasse» darf und diese Erschießungen nachher vom Reichs- kabinctt für„rechtens" erklärt werden, können national- sozialistische Juristen im Taargebiet nicht mehr weiter wirken. Das Taargebiet ist noch ursprüngliches deutsches Rechts- gebiet mit den alten Rechtsgrundsätzen. Nach diesen alten Rechtsgrundsätzen und Rechtsausfassungen haben die hiesigen Richter sich zu richten. Tie dürfe» aber nicht Rechtsauf- sassungen des Nationalsozialismus praktisch befolgen und formell im Sinne des alten Rechts im Namen der Regie- rungskommission und des Völkerbundes Recht sprechen. Wenn sie sich als Richter den Erfordernissen nnd Grund- sätzc» des Nationalsozialismus angeschlossen haben, können sie nicht weiter an der Saar als einem dem Völkerbund unterstellten alten Rechtsgebiet ihre Tätigkeit ausüben. Die Zeit für die AbstimmuugSgerichte ist wirklich ge- kommen. ..Schwäche ihr Eranhreich München, den 6. Oktober 1984. Wie so oft schon, versucht der„Simplicissimus" die neu entdeckte„Schwäche" des„Führers" für Frankreich durch ein passendes Bild zu illustrieren. Diesmal hat es dem früher sehr angesehenen Witzblatt die Snarpolizei angetan. Man sieht schwarze französische Soldaten. Vor ihnen steht der Präsident der Saarkommission, Herr Knox, zu dem ein französischer Offizier sagt:„Mangels anderer Polizeibeamtcn können Sie diese da haben, Herr Knox. Sie haben sich im Rheinland bewährt." Die Taarbevölkcrung weiß genau, dast Frankreich niemals sich bereit erklärt hat, Abstimmungspolizei zu stellen, eben- sowenig wie Präsident Knox Franzosen für diese Tätigkeit angefordert hat. Neutrale Abstimmungs-Vorsifzende Schweizer Bürger als Präsidenten der Saar- Stimmbüros Bern, 6.Oft. TaS eidgenössische politischeDepartement ist von v. Hcnrn sSchweizj, Mitglied der Abstimmungskommission des Saargebictes, befragt worden, ob die Bundcsöeharden Bedenken dagegen hätten, dast Schweizer Bürger als Präsi- deuten der Stimmbüros während der Volksabstimmung be- rufen würben. Diese Funktion würde einige Tage dauern und solle von Personen ausgeübt werden, die die nötige Erfahrung und Autorität besitzen. Der Bundesrat ist ein- hellig mit dem Vorsteher des politischen Departements der Meinung, dast nichts dagegen einzuwenden fei, wenn Schwei- zer Bürger mit dem in Frage sicher 1•• befristeten Auftrag betraut werden. vie Terrorfront Was William Thompson berichtet William Thompson, ein angesehener Neunorker Anwalt, der der Untersuchungskommission über den Naziterror an der Taar angehörte, gab bei seiner jetzt erfolgten Rückkehr nach Neuyork interessante Erklärungen über die Tätigkeit der Nationalsozialisten im Saargebiet. Wir konnten, so sagte er, zahlreiche Fälle von Gewalt- tätigkcit aufdecken, die vou den Nazis verübt worden waren, um dadurch Deutschland günstige Stimmen zu gewinnen, aber ihr hauptsächlichstes Mittel ist ein moralischer Druck, mit dem sie den Abstimmungsberechtigten Furcht einzujagen versuchen. Man macht den Leuten begreiflich, was ihnen im Fahre 1935 passieren könnte, wenn sie nicht für die Rückgliederung der Saar an Deutschland einträten. Wer sich ihnen nicht fügt, wird boykottiert, beschimpft und steht unter mannigfachem wirtschaftlichem Druck. Die Taar ist sicherlich deutsch, darüber besteht überhaupt keine Frage, aber sie ist auch katholisch, und ihre Einwohner sind kirchlich gesinnt., Für den größeren Teil der Bevölkerung ist der beste Ausweg der: sie würden sich sehr freuen, wenn, indem sie für den Status quo jetzt stimmen, ihnen zugesichert würde, dast sie künftig einmal eine neue Gelegenheit hätten, für eine Rückgliederung an Deutschland sich zu entscheiden. (leberlliissige Aulregung Fn unserem Artikel über die Liquidation der„Striwag" ist uns ein Bersehen unterlaufen. Wir haben nämlich irr- tümlichcrweise die Strickwarenfabrik Striwag in Lisdorf mit einer Ttrumpswarensabrik in St. Ingbert verwechselt. Tiefer Irrtum ging auch ohne weiteres aus unserer Notiz selbst hervor, da wir von diesem Unternehmen, dessen Sitz in St. Ingbert ist, gesprochen haben, während es sich deutlich um die„Striwag" in Lisdorf handelt. Nun ist aber die Firma Arnold Becker nicht an der Striwag, sondern an der Saarländischen Trikotagen- und Strickwaren- sabrik in St. Ingbert beteiligt, was übrigens ebenfalls deutlich aus unserer Notiz hervorging. Dieses völlig belanglose Bersehen hat bei der braunen Presse große Aufrequ>'q hervorgerufen und sie hat die Angelegenheit in einer Weise ausgebauscht, dast man wirklich annehmen könnte, wir hätten ein gänzlich falsches Bild über die Entwicklung der Dinge in der Saarwirtschaft wiedergegeben. Indessen, ob Herr Becker au dem genannten Unternehmen beteiligt oder nicht beteiligt ist, die Tatsache bleibt bestehen, dast die „Striwag" liquidiert, und zwar deshalb, weil sie, wie so viele saarländische Unternehmungen, im Falle der Rückgliederung keine Existcnzmöglichkeit mehr hat. Also, wozu die ganze Ausregung, wozu diesem Irrtum sogar zwei Artikel zu widmen? Es muß wirklich um die Sache der braunen Front schlecht bestellt sein, wenn sie ein offensichtliches Versehen bei- nahe zu einer Staatsaktion macht. Im übrigen meldet sich Herr Richard Becke r höchst persönlich in einer Zuschrift an die„Saarbrücker Zeitung". Und siehe da, auch der gekränkte Herr Becker muß zugeben, daß wir in der Beurteilung der Tendenz der nächsten Ent- wicklung durchaus nicht Unrecht hatten. Er schreibt:„Selbstverständlich erfordern auch die der Firma Arnold Becker u. Co. angeschlossenen Textilbetriebe eine Anpassung an den deutschen Markt, loch wird das durch Spezialisierung und Verbesseruna der Leistungen zu erreichen versucht. Fn letzter Zeit wurde da- her in O u i c r s ch i e d durch Neubau und Verbesserung des Maschinenparks die Qualität gesteigert, Die Wäsche- sabrik wird augenblicklich ebenfalls zeitgcn äst verbessert und in Räume der Brauerstraße verlegt, während in St. Ingbert durch U e b e r t r a g u n g der F a b r i- k a t i o n an ein neues Unternehmen namentlich die Trikotageniabrikation verbessert und ausgebaut wird." „Herr, dunkel ist der Rede Sinn!" Wie soll man eigentlich die Bemerkungen des Herrn Becker verstehen, dast seine saarländischen Textilbetriebe sich letzt schon an den..deutschen Markt anpassen"? Heißt das etwa, dast sich die Firma auf den Ersatzstofsmist nationalsozialistischer Provenienz ein- stellt oder soll man diese Worte so verstehen, dast im Hinblick auf die von Herr» Becker zu erwartende, verstärkte rcichs- deutsche Konkurrenz die Produktion seiner Fabriken vermin- dcrt wird. Und dann: was soll es eigentlich bedeuten, daß die Fabrikation des St. Ingberte,- Unternehmens an ein„neues Unternehmen übertragen wird"? Das soll doch mahrschein- lich heißen, dast das St. Fngberter Unternehmen leine Tore schließen wird. Und dürfen«vir vielleicht auch erfahren, wo das neue Unternehmen liegt, in dem die Trikotageniabrika- tion ausgebaut werden soll. Fm Saargebiet oder wo anders? Und dann noch eine kleine Frage: Wir hören von einer Seite, die über die Verhältnisse bei Arnold Becker gut unterrichtet ist, daß die Firma in Kaiserslautern eine neue Filiale er- richtet hat. Bielleicht wird die Firma Becker die Freundlich- feit haben, uns darüber Auskunst zu gcb n. ob unsere Fnfor- mation richtig ist und im bejahenden^-all uns mitteile», welchen Zweck eigentlich die Grttnduna hat. Den Interessen des saarländischen Gewerbes scheint sie jedenfalls nicht zu dienen. Aber darüber wird sicherlich Herr Becker eine Auskunft geben. —■ ARBEIT UMf> WIRTSCHAFT-— Um 100 WilUoneoG»| d«»£C« Kleine Wirtschaftsnachrichieii Die Ueberwachungsstelle für Baumwolle hat eine Anordnung erlassen, derzufolge jeder Ankauf von Baum wollahfällen und Kuustbaumwolle aus dem Inland und Ausland an die Bewilligung der Ueberwachungsstelle für Baumwolle gebunden ist. Es ist also nun soweit gekommen, daß selbst das Altmaterial der Zwangsbewirtschaftung unterworfen wird. ♦ Die Textilindustrie hat für die jetzige Wintersaison zahlreiche Gewebe und Wirkwaren aus den neuen Ersatzstoffen, wie Vistra, Wojlstra usw. herausgebracht, für die jetzt für das Frühjahr Musterungen in weit größerem Umfange vorliegen. Da allgemein unter den Käufern die an sich richtige Meinung verbreitet ist, daß die Tragfähigkeit, Haltbarkeit und Waschbarkeit dieser Erzeugnisse viel zu wünschen übrig läßt, hat man jetzt zur Beruhigung und Düpierung der Bevölkerung entsprechende Prüfungen vorgenommen. In der gleichgeschalteten Presse wird behauptet, die Prüfungen hätten ein günstiges Ergebnis gehabt. Dennoch muß auch die braune Presse zugeben, daß beispielsweise Gewebe aus Vistra nur 33mal in einer offenen Wäscherei gewaschen werden konnten, da nachher der Stoff nicht mehr verwendungsfähig war. Indessen ist der Gradmesser für eine Qualitätsware eine 40malige Waschbarkeit. Audi wird zugegeben, daß die Fabrikanten sich entschlossen haben, bei Mischgeweben die nicht waschbaren und nur chemisch zu reinigenden Stoffe durch Inschriften kenntlich zu machen, um von vornherein eine Enttäuschung der Abnehmer zu vermeiden. * Die von der Wintershall-Gruppe im Stadtgebiet Mühl- bansen(Thür.) niedergebrachte Bohrung„Stadtwald I" ist nach Erreichung einer Tiefe von 1002 Meter eingestellt worden, da am Bohrpunkt keine wirtschaftlich verwertbaren Oel- oder Gasmengen aufgetreten sind. Die Tief- bohrungen sind also erfolglos geblieben und damit ist eine weitere Sehnsucht des„dritten Reiches", die Selbstversorgung in Erdöl zu sichern, zu Grabe getragen. * Abschlüsse oder Verkäufe von Garnen sowie neuen und gebrauchten Geweben und Säcken aus Jute können nur gegen Uebergabe eines auf den Namen des Käufers ausgestellten Bedarfsdeckungssc Ii eines getätigt werden. Ausgenommen von dieser Reglung ist eine monatliche Gesamtmenge bis zu 250 kg. Die Bedarfsdeckungsscheine verlieren nach Ablauf von 30 Tagen vom Tage der Aulstellung an gerechnet, ihre Gültigkeit. Nicht ausgenutzte Bedarfsdeckungsscheine sind nach Ablauf der Gültigkeit unverzüglich zurückzugeben. Die Bedarfsdeckungsscheine geben nur die Berechtigung, eine bestimmte Menge Erzeugnisse der genannten Art kaufen zu dürfen. Ein Anspruch auf Lieferung ist aus den Bedarfsdeckungsccheiuen nicht herzuleiten. * In der Generalversammlung der Süddeutschen Baumwollindustrie A G., Kuchen, die zu den größten Baumwollbetrieben Deutschlands gehört, bemerkte der Vorsitzende, daß über die Aussichten des laufenden Geschäftsjahres bei den gegenwärtig unsicheren und unübersichtlichen Verhältnissen nichts voräusgesagt werden könne. Man hoffe und wünsche, daß es der Regierung gelinge, die Rohstoffbeschaffungsschwierigkeiten zu bewältigen und damit dem Unternehmen die Grundlage für eine erfolgreiche Weiterarbeit zu verschaffen. # In Uebereinstiminung mit der Reichsstelle für Devisenbewirtschaftung weist die Wirtschaftsgruppe Privates Bankgewerbe darauf hin, daß einstweilen die Vorschriften über die Einzahlungen auf Ausländ ersonderkonten für Inlandzahlungen nicht geändert sind und infolgedessen bis auf weiteres eine Genehmigung der Ueberwachungsstelle nicht einzuholen ist. ■K Mitte Oktober wird in Neuyork eine neue Kupfer- Konferenz tagen. Es wird dabei der Versuch gemacht werden, die Hauptproduzenten— Südamerika, Kanada und Afrika— für ein neuesRestriktionsschema zu gewinnen. Die Kupferproduktion betrug- im ersten Halbjahr 1934 512 000 Tonnen gegenüber 428 000 Tonnen im Vorjahre. Im Hinblick auf die noch vorhandenen Lagerbestände wird diese Steigerung von bestimmten Interessentenkreisen als untragbar angesehen. * Die, Verhandlungen zwischen der deutschen Regierung und der Regierung der Südafrikanischen Union, die sich auf d i e Schaffung von Krediterleichterungen für deutschen Ankauf afrikanischer Wolle beziehen, sind bisher erfolglos geblieben. Da die Regierung aber nicht länger warten will, wird sie den Farmern besondere Vorschüsse gewähren. um auf diese Weise die Farmer, die ihre Wollvorräte nicht sofort verkaufen können, vorläufig mit Bargeld zu versorgen. bis die Lage sich genügend gebessert hat. Die Höhe des Vorschußbetrags ist noch nicht festgesetzt worden. Nene Holzfabriken in Palästina Die Verstärkung der Bautätigkeit infolge der Ansiedhing von Industrie werken hat den Bauwarenbedarf Palästinas in der letzten Zeit ganz erbeblich gesteigert. Zur Deckung des Bedarfs an diesen Waren ist laut einer Estrop- Information in Jaffa nunmehr eine Fabrik zur Erzeugung von Fußbodenplatten und ein zweites Werk zur Erzeugung von Verschalungsbrettern für Betonhau errichtet worden. In Petach-Tikwah ist eine Möbelfabrik und in Haifa eine Baumaterialien-Großhandlung eröffnet worden. Aus der Holzbranche wird schließlich noch die Gründung einer Fabrik zur Erzeugung von Orangenkisten gemeldet, die in Tel-Awiw entsteht. Vor, einigen Monaten entstanden ernste Kollisionen im deutsch holländischen Zahlungsverkehr. Das„dritte Reich" hatte verstanden, die Zahl ungs Vereinbarungen mit den Niederlanden zu umgehen und sich für seine Ausfuhr holländische Devisen zu beschaffen, während die holländischen Exporteure vergeblich auf die Begleichung ihrer Forde- lungen warteten. Das„Sonderkonto", das bei der deutschen Reichsbank für Holland eingerichtet war, hatte schließlich ein riesiges Saldo zugunsten Hollands, ohne entsprechende Gegenwerte. Da riß der holländischen Regierung endlich die Geduld und das kleine Land führte ein längst vorbereitetes Zwangsclearing gegen Deutschland durch. Am 15. August trat das Zwangscleariug in Kraft und schon am 24. August erlebte Holland die Genugtuung, sein„Sonderkonto" ausgeglichen zu sehen. Durch diesen Erfolg ist die holländische Regierung unvorsichtig geworden. Sie ließ sich auf eine Interimslösung ein, um das Zwangsclearing durch Verhandlungen mit Deutschland zu einem Clearingvertrag umzuwandeln. Es wurde vereinbart, bis zum Abschluß eines endgültigen gemeinsamen Clearingsvertrages ein„Zwischenkonto" einzurichten, das die holländischen Forderungen aufnehmen und bei einer definitiven Reglung verrechnet werden sollte. Die holländischen Exporteure glaubten dieser Brücke vertrauen zu können, nachdem ihre Regierung mit dem Zwangsclearing so schnellen Erfolg gehabt hatte. Der Export mich Deutschland t vurde ruhig fortgesegt, ja sogar erheblich forciert, denn die Unsicherheit gegenüber dem zahlungsschwacJien deutschen Schuldner schien ja nun vorüber zu sein. In einer riesigen Kurve stieg die holländische Ausfuhr nach Deutschland und nach genau vier Wochen betrugen die holländischen Forderungen bereits 100 Millionen Gulden. Indessen fanden zwischen der holländischen und der deutschen Regierung Verhandlungen für den Clearingvertrag statt. Dabei stellte sich heraus, daß Deutschland die gegenseitige Verrechnung erst vom Datüm des Vertragsabschlusses akzeptieren wollte. Alle Guthaben, die also zwischen dem Ablaufen des holländischen Zwangsclearings und dem Vertragsdatum lagen, sollten unberücksichtigt bleiben. Holland protestierte und wies auf die zwischenzeitlichen Zusicherungen hin. aber vergebens. Herr Schacht erklärte klipp und klar, daß er die gesamte Einfuhr Hollands drosseln würde, wenn die Uebereinkunft nicht in seinem Sinne zustande kommen würde. Das war die Rache für den mutigen Versuch der Holländer, durch das Zwangsclearing zum ernst- zunehmenden Verhandlungspartner zu werden. Das kleine Land hatte sich durch seine Unvorsichtigkeit zuviel Trümpfe aus dei Hand nehmen lassen und den Erfolg seines Zwangscleatings restlos verspielt. Herr Schacht Die Krise im Hotelgewerbe In Berlin findet zur Zeit die Generalversammlung des Internationalen Hotelbesitzerverbandes statt. Aus diesem Anlaß werden jetzt die genauen Ziffern über den schweren Rückgang im deutschen Hotelgewerbe bekannt. 1929 hat das deutsche Gaststättengewerbe noch 6.8 Milliarden Reichsmark umgesegt. 1933 betrug der Umsatt nur noch 3,8 Milliarden. Die Ziffern für das laufende Jahr werden wohlweislich verschwiegen. Ein erschreckendes Bild der Verarmung der Bevölkerung ergibt sich aus der Tatsache, daß in Bayern in Privatwohnungen fast ebenso viel Betten zur Tagoder Monats Vermietung angeboten werden, wie in den Hotels und Gasthäusern(95 000 Betten in 6600 Hotels und Gasthäusern, gegenüber 75 000 Betten in 17 400 Privat- Wohnungen). Leber die Gründe der Hotelierkrise schreibt das..Berliner Tageblat t":„Zum andern hatte der Geschäftsschwund größtenteils Gründe, die sieh vollständig der Einwirkung des Hoteliers entzogen: die allgemeine Geldknappheit, neuerdings Devisenschwicrigkeiten und vieles andere mehr." „Dealscher Orient»Tabak" Man rückt von ihm ab Der Verband der Deutschen Zigarettenindustrie weist zur „Vermeidung von Irrtümern" in Raucherkreisen darauf hin, daß deutsch-orientalischer Zigarettentabak in der Praxis noch in keiner Weise erprobt worden ist und daß von einer Gleichwertigkeit mit den Orienttabaken darum gar keine Rede sein könne. Die Orientzigaretten in Deutschland enthalten bisher keinerlei deutschen Orienttabak, da weder die Frage der notwendigen Qualität noch die. der genügenden Menge bisher in der Praxis gelöst ist. Hierbei sollen aber die eventuellen Vorzüge von deutsch-orientalischen Zigarettentabaken für die Pfeifentabak- und Zigarettenindustrie nicht abgestritten werden. Also wieder einmal eine Ersatzstoff-Seifenblase aufgeplatzt. Woolworth» Aufstieg Einer der Hauptagitationspunkte Hitlers vor der Machtergreifung war, wie erinnerlich, der Kampf gegen die Warenhäuser und der Schutz der Kleinhändler. Millionen kleiner Geschäftsleute wurden durch die versprochene Schließung der Einheitspreisgeschäfte in die Partei gelockt. Wie kraß und zynisch die Nazipolitik alle Versprechungen gebrochen hat, beweist der diesjährige Geschäftsbericht von Woolworth, dem Mammutkonzern, der von den kleinen Geschäftsleuten als der schrecklichste Feind empfunden wird. Aus dem Bericht geht hervor, daß Woolworth 1932 70 Filialen in Deutschland hatte, Anfang 1934 dagegen bereits 81; daß der Konzern in seinen deutschen Filialen 1934 6.4 Millionen Dollar investiert hatte, Anfang 1934 dagegen 7,9 Millionen; und daß er, unter dem wohlwollenden Regime des nationalsozialistischen Warenhausfressers, wichtige neue Investitionen plant. hatte Holland um 100 Millionen Gulden geprellt, die für ihn eben soviel wert sind, wie Devisen. Holland hat nachgegeben und den Clearingvertrag unterzeichnen müssen, denn das Land lebt zu einem großen Teil von dem deutschen Kunden. Käse, Butter, Eier sind nur nach Deutschland zu verkaufen, vom Gemüse, Obst usw. gar nicht zu reden. Wollte sich die holländische Regierung nicht selbst die Gurgel zuschnüren, mußte sie jetzt unterzeichnen, nachdem sie vorher zu unvorsichtig und zu leichtgläubig gewesen war. So kam denn ein Vertrag zustande, der der deutschen Ausfuhr nach Holland die allergrößten Aussichten eröffnet, während der holländische Export künstlich gedrückt werden muß. Das war möglich, obwohl in den letzten Monaten die deutschen Produkte immer stärker abgelehnt wurden und der Import aus Deutschland rapide tank. Jetzt muß der holländische Export weit niedriger bleiben, als der Import, obwohl bisher die Handelsbilanz eine völlig entgegengesetzte Tendenz aufzuweisen hatte. Wollen die Holländer zu ihrem Gelde kommen, müssen sie, entgegen ihrer ablehnenden Einstellung, deutsche Waren in erhöhtem Umfange einführen und obendrein einen erheblichen Teil ihrer Erzeugnisse verderben lassen, weil Deutschland sie nicht abnimmt. Die hundert Millionen Gulden aber, die im„dritten Reich" festgefroren sind, werden erst in Raten auf Jahre hinaus abgedeckt. Der Clearingvertrag bestimmt nämlich, daß nur 10 Prozent der deutschen Guthaben für diese„alten" Gegenforderungen verwendet werden dürfen. Holland ist also nach allen Regeln der Kunst geprellt worden. Als die Einzelheiten dieses Vorganges in den legten Tagen bekannt wurden, hat ein Sturm der EmpörungindenNiederlandeneingesegt. Die gesamte Wirtschaft ist in Auflehnung gegen diese schandbaren Methoden des„dritten Reiches". Und wenn das faschistische Deutschland noch irgendwelche Sympathien zu verspielen gehabt hätte, diesmal wären sie in Holland restlos verloren gegangen. Schon beginnt man die Konsequenzen daraus zu ziehen und mit dem Ausfuhrboykott zu antworten. Bei den Firmen, die an den festgefrorenen 100 Millionen beteiligt sind, geschieht das zwangsläufig, denn sie haben ihre Kapitalien darin investiert, und bei anderen ist es die Vorsicht vor einem betrügerischen Bankrotteur, die man anwendet. Neben einer Reihe von Einzelunternehmungen hat jegt die Gesamtwirtschaft von Westholland beschlossen, die Lieferungen nach Deutschland einzustellen. Ja. der holländische Wirtschaftsminister Steenberghe scheute sich nicht, ganz offiziell zur Vorsieht hinsichtlich der Ausfuhr nach Deutschland zu mahnen. So entfesselt sich ein' Handelskrieg mit unberechenbaren Konsequenzen. Wo bleibt der„ehrbare Kaufmann"? Die Errichtung des ungarischen Syndikats der Bettfedernausfuhr stößt immer noch auf Schwierigkeiten, da hinsichtlich des einzuschlagenden Weges zwischen Außenhandelsinstitut und Handelskammer Meinungsverschiedenheiten bestehen. Um so schwerer wird jetzt die gesamte Branche von der Tatsache betroffen, daß die Bemühungen um den ungarischen Absatz in den nordischen Staaten durch einen immer schärfer operierenden Wettbewerb deutscher Exporteure gehemmt werden, die dort, die in Ungarn gegen Sperrpengö gekaufte Ware, in Edelvaluten umsetzen. Die ungarischen Interessenten werden in Anbetracht der hierdurch anwachsenden Aus- fuhrsdiwierigkeiten laut einer Estrop Information in den nächsten Tagen bei den zuständigen Stellen mit dem Verlangen nach Maßnahmen vorstellig werden, durch die den deutschen Einkäufen zweckt Weiterverkauf und Unterbietung der ungarischen Ware auf ihren bisherig n Absatzgebieten ein Riegel vorgeschoben werden soll. Steigende Produktion in Sowjetrußland Die Konferenz der Leiter der Schwerindustrie wurde soeben beendet und das Fazit der Ausführung des Planes für die ersten acht Monate des laufenden Jahres gezogen. Vom Jahresplane wurden 64,3 Prozent durchgeführt gegenüber 56,8 im Jahre 1933. Insgesamt erreichte die Produktion der Schwerindustrie während der ersten 8 Monate einen Wert von 12 816 Millionen Rubel, was gegenüber derselben Zeitperiode des vorigen Jahres eine Produktionszunahme von 28,4 Prozent bedeutet. In sieben Monaten des laufenden Jahres wurden die Gestehungskosten um 5 Prozent herabgesetzt, während die Arbeitsproduktivität um 11,8 Prozent gestiegen ist. Insgesamt wurden in der ersten Fünfjahresplanperiode des Jahres 1933 und in den ersten 6 Monaten des laufenden Jahres 32 Milliarden Rubel in der Schwerindustrie investiert und neue Anlagen im Werte von 21 700 Millionen Rubel in Betrieb gesegt. In der Schwerindustrie sind jetzt 6 Millionen Arbeiter, Ingenieure und Techniker beschäftigt. In den einzelnen Schwerindustriezweigen übersteigt die Ausführung des Planes beträchtlich den Durchschnittsprozentsatz der Planausführung. So beträgt z. B. die Produktionszunahme während der ersten 8 Monate dieses Jahres in Roheisen 51,2, Stahl 44,5 und Walzerzeugnisse 36,7 Prozent. Die soeben beendete Konferenz ist von großer Bedeutung des Erfahrungsaustausches zwischen den einzelnen Betrieben und der Ueber- mittlung der Erfahrungen der führenden Betriebe an die weniger weit vorgeschrittenen, sowie in bezug auf die Vorbereitung der Industrie für die Aufgaben des dritten Jahres des zweiten Fünf jahresplanes. Deutsdke Stimmen• Beilage zur ,!Deutsdien Freiheit"• freignisse und GescfkitMen Sonntag-Montag, don 7. und 8. Oktooer t934 Jtotitik- xulec ZUdCisatian Aus dem Jaucht:„Die Diktatuc des cKausknechts- Von Al(ced J(ecc Alfred Kerr lebt heute als Emigrant in Paris. Er ist nun schon ein älterer Herr, den Jahren nach aus der Hauptmann-Generation, Erwecker des deutschen Theaters aus dem dumpfen Faulbett, Kritiker, Anreger und Genießer. Dem„Hausknecht der Diktatur"(so heißt sein soeben erschienenes Buch, bei Les Associes, Editeurs, Bruxelles) verdanken wir nun einen neuen Kerr auf seine alten Tage. Er hat die Beine unter fremden Tischen, aber den Kopf und das Herz bei allen deutschen Köpfen und Herzen, die Braun-Deutschland peinigt, vertrieb und ausbürgerte. DieseSammlung von Aufsäßen und Gedichten, im Auslande geschrieben und publiziert, bestätigen die Unverwüstlichkeit des Geistes, den Optimismus des Kämpfers, die Würde des Emigranten. In diesem Buch wird nirgendwo lamentiert, sondern immer angegriffen. Es gibt nur eine Klageweise, diejenige um eine„gewisse, eine gewisse, eine gewisse Republik", deren Schwäche Kerr vor der braunen Machtergreifung immer wieder warnend und anstachelnd vermerkte. So vieles zu sagen, mit Anmut und mit Geist, mit der büßenden Fröhlichkeit des Unverzagten: dies ist die ungebrochene Gabe Alfred Kerrs im ztveiten Jahre der tausend Jahre Adolf Hitlers, deren Abschluß er noch bei Gesundheit zu erleben hofft. Jeder, der sein Buch liest, wird auch für seinen Teil in dieser Hoffnung bestärkt. I Iit dieser Titel nicht sonderbar?... Gibt es wirklich beut einen Gegensatt zwischen Politik und Zivilisation? Leider. Das ist ja die tiefste Tragödie der Zeit. Wißt Ihr, was„Ethik" ist? Ungefähr dasselbe, was man auch„Moral" nennen kann oder„Gewissensreinheit" oder „Menschlich edles Handeln". Gibt es einen Gegensatz zwischen Ethik und Politik?... Dreimal ja. Scheußlich! Die Welt hat auf allen Gebieten des Wissens Fortschritte gemacht; nur durchaus nicht in der Politik. Betrachtet, bitte, die. Weltlage von heut— dann seht Ihr: die Politik ist au» dem Punkt stehengeblieben, auf dem sie vor Jahrhunderten stand; auf dem egoistischen. II Nein; nicht ganz. Die Idee des Völkerbunds ist(oder war) ein ethischer Fortschritt. Aber diese Idee blieb... eine Idee. Nicht eine technische Wirklichkeit, darauf kommt es an. Soll ich ein Gleichnis gehen? Mein toter Freund aus dem Berliner Grunewald, Walter Rathenau, war im Vorstand der größten deutschen Elektrizitätsgesellschaft, der AEG.; er gab ihr... Ideen; Anregungen. Aber seine kommerziellen Amtsbriider haben mir oft vorgejammert;„Er sagt nicht, wie seine Ideen durchzuführen sind!" Sie rauften sich das Haar. In derselben Lage, genau, ist vorläufig der Völkerbund. Er strömt über von Ideen ethischen Inhalts, zivilisatorischen Inhalts— nur mangelt ihm die Möglichkeit des Verwirklichens.(Wir raufen uns das Haar). III So fährt die europäisch-amerikanisch asiatische Welt forc, Politik in der alten Art zu machen. Nicht immer Politik gegen die Ethik, aber ohne die Ethik!..(Nicht immer antimoralische Politik, sondern amoralische Politik; also doch antimoralische Politik.) Ich stimme mit dem Dichter Paul Valery nicht üherein, der getagt hat:„La politique est une activitä inferieure", „Politik ist eine untergeordnete Beschäftigung". Sie war es zu oft bisher; sie muß es nicht sein. Die wahre Losung heißt: »Pblitik ist eine pädagogische Beschäftigung." Zumal in dieser Weltkrise scheint pädagogische Politik die Aktuellste Beschäftigung. Ich will gleich zeigen, weshalb. IV Blickt auf den gegenwärtigen Zustand. Denkt nicht an die tinzivilisierten Völker: sondern an die sozusagen zivilisierten — die aber das Gesetz der Zivilisation kaffrig und bewußt mit Füßen treten. Das gibt es in Deutschland. Merkmal der Zeit Der Nazi verficht(in der Verwirrung des Nachkriegs) tückisch-offen das Ideal der Illegalität; der Willkür; der Rechtlosigkeit, des Atavismus, des Wildenzustands; er sucht ein solches„Ideal" zu verbreiten;— und was geschieht? Die Politik der gesamten Welt müßte dazu Stellung neb- men... jenseits von der reinpolitischen Routine. Tut sie Das? Nein. Sie blickt mit politischen Augen— nicht auch mit ethischen Augen. Bei andrer Gelegenheit sieht sie nur mit kommerziellen Augen.... V Die Politik hat aber künftig die Pflicht, nicht bloß wirtschaftliche Vorteile von Land zu Land einzutauschen. Sondern sie muß(haltet euch fest) die Moral der Welt auf eine neue Art stabilieren; hüten; stärken. Das ist ihr neues, höheres Amt. Jawohl— und ob ihr alten Routiniers zehnmal darüber faucht! Was der amerikanische Botschafter Hill(ich sprach öfter davon) vor zwanzig Jahren verkündet hat; was lange vor ihm Karl Marx verkündet hat, daß die Moral der Staaten so werden soll wie die Moral anständiger Privatleute: dies muß künftig das Ziel der neuen, der unroutinierten Politik sein. Der ethischen Politik. Es ist wieder Zeit, in dieser Elends-Aera die Leute zu erinnern, daß der Mensch nicht vom Brot r.ücia lebt— sondern auch von der Ethik. VI Stellt euch vor, daß künftig an irgend einem Punkt der Erde, meinetwegen in Patagonien, ein volkreicher Menschenttamm sich bemerkbar macht, der nicht nur die Zivilisation seines Landes zerstampft, sondern die dazugehörige Wahn- ainntlehre möglichst zu verbreiten sucht— soll die Politik des Erdballs dann untätig bleiben? Soll sie warten, bis auch ihre Btiitztütser{die greifbares wie die ideelles! leratampft sind? Soll sie weiterhin bloß„Politik" machen, also nur fragen:„Wird unsre Einfuhr in dieses Land gefördert— oder seine Ausfuhr in unser Land?" So ist es aber heut, praeter-propter. Die künftige Politik hat nicht Länderpolitik zu sein, sondern Planetenpolitik. In summa: nicht diplomatische, sondern ethische Politik. Dies ist das höchste Ziel der Welt. Aber ich höre schon den Einwand... VII Ich höre schon den Einwand:„Was du da sagst, das ist so wie die Anregungen, die Walter Rathenau der AEG. gegeben hat." Nein! Haltet die Foiderung nicht für idealistisch. Hier fällt ja der praktische Nutzen mit dem Ideal zusammen. Auf die Dauer ist die„edlere" Politik auch die gewinnbringendere; die alte Schacherpolitik hat nur kurze Wirkungen; immer bloße Augenblickserfolge; sie muß jedesmal von vorn anfangen. Erst die streng ethische Politik wird auf die Länge die wahrhaft siegreiche, die beherrschende sein, so wie ein Warenhaus mit unreellen Tricks auf die Dauer schlechie Geschäfte macht.(Der deutsche Dramatiker Wedekind hat das gute Wort geprägt:„Die Moral ist das beste Geschäft.") VIII Ein Beispiel? Bismarck gilt als politisches Genie. Mir erscheint er als das Gegenteil. Viele Zeitungen erwähnen mit Recht sein Verhalten gegen Louis Napoleon in den sechziger Jahren.(Er hat ihm Belgien zugesagt, verriet aber zugleich den Engländern das französische„Gulüst" auf Belgien). Dies ist das Musterbeispiel einer dummen Politik; einer unmöglichen Diplomatie der ältesten Schule: denn durch das Mißtrauen. das hieraus erwuchs, hat er dem eignen Land, bis in die Gegenwart, weit mehr geschadet als genützt. Er verstieß nicht nur gegen das Ideale: sondern gegen das Praktische. Bismarck war ein kurzsichtiger Politiker: weil er ein unethischer Politiker war. IX Zur Ethik in der Politik gehört aber nicht nur, wenn ich es so nennen soll, die Anständigkeit in der Defensive. Nein, es genügt nicht, ehrenhaft zu bleiben und zuzusehn. Sondern es gilt, aktiv ethische Kontrolle zu üben. Wir merken heut mit Entsetzen, daß sie nirgends besteht. Wir merken heut, daß die Welt bereit ist. sich an alles zu gewöhnen. Audi an das vor ganz kurzer Frist für unerhört, für undenkbar Gehaltene. Flaubert sagt mal in einem Brief(es blieb mir im Kopf haften):„A force d'embeter les gens, Iis cedent;" auf deutsch:„Wenn man die Menschen genügend löchert, geben sie nach." Das ist der eine Grund für die heut so furchtbare Passivität vor allerhand schlimmster Unethik. Der andre Grund liegt in einem, na, Prinzip. In dem blöden Prinzip der Nichteinmischung in die Angelegenheit fremder Länder. Das ist ein rein-politisches, nicht ein ethisches Prinzip. Ein Dogma der alten Routine, das zuerst fallen muß,— wenn die Welt besser werden soll. Ich sage euch: Die größte Gefahr liegt nicht in der Ausübung der Unethik, sondern in ihrer Duldung. Ihr braucht keine Angst zu haben vor der Unmenschlichkeit eines Landes: aber vor der Untätigkeit aller übrigen. Ethisch handeln heißt in der Politik nicht immer: sanft handeln. Doch immer: klug handeln.(Seid nur manchmal sanft wie die Tauben— wichtiger ist es, klug wie die Schlangen zu sein.) Hierzu gehören zwei Dinge: Erstens: Haltet den Gegner nicht für einen gentleman— auch wenn ihr gentlemen seid(was ja vorkommen kann). Das wäre der schlimmste Fehler; es vermaz euer Tod zu sein. Zweitens: Denkt niemals:„Dahin kommt es nicht, wir leben schließlich im zwanzigsten Jahrhundert." Dies war die Sprache der deutschen Sozialdemokratie... bevor sie unterging. XI Eine dritte, letzte Forderung kommt hinzu. Beeilt euch (presto-presto!) mit der neuen, starken, ethischen Politik: sonst beginnt für Europa morgen eine Epoche, die der römischen Kaiserzeit verdammt ähnlich sieht. Mit wechselnden Diktaturen, dunklen Bandenführern, unübersehbarem Chaos. Oder(wenn ihr einen Vergleich aus der Gegenwart wollt): sonst ist morgen unsre Welt ein China... auf Jahrhunderte. Wie die Allen sunqen Wenn Kinder spielen... Jedes Reich hat seine Spiele. Im„dritten Reiche" spielt man„SA. und Marxisten". Und was tut die SA., wenn sie die Marxisten gefangen hat? Sie tötet sie! Im Dorfe Schmölau spielten eine Anzahl Kinder jenes liebliche braune Spiel. Selbstverständlich wurde der„Marxist" zum Tode verurteilt und sollte aus lauter Menschenfreundlichkeit „nur" aufgehängt werden. Die kleine„SA." hatte das Buch über die Konzentrationslager noch nicht gelesen. Einem 13jährigen Jungen wurde also der Strick um den Hals gelegt und den„Heil Hitler!" schreienden Göhren sollte gezeigt werden, wie man sich der Staatsfeinde entledigt. Leider wurde rus dem Spiel Ernst. Denn der Verurteilte rutschte von seinem erhöhten Platz ans und baumelte plötzlich in der Luft. Ehe die erschreckten Kinder Hilfe herangeholt hatten, war das Urteil des Spiels sehr ernsthaft vollstreckt, Herbeigelaufene Erwachsene nahmen eine Leiche von» Galgen. iiiiiinniniiii Dec Jludenciecfiec an dec Saac Nasenspitzengefühl Die„Deutsche Front" hat eins ihrer Redaktionsmitglieder zum, Judenriecher" bestellt. Den muß es nach Anordnung der Reichspressekammer vom 6. 11. 1933, gez. Dr. lldephons Richter, in jeder gutgesinnten deutschen Redaktion geben, der muß das Nichtariertum der Personen, der Dinge, der Geschehnisse unserer Zeit feststellen, wenn es da Zweifel gibt. Na, und angesichts des Dr. Goebbels... ganz gewiß ist nichts auf Erden. Der Mann von der„Deutschen Front" hat aber offenbar nicht das richtige Nasenspitzengefübl. Er hat immer daneben. Er irrt sich prompt. Nehmen wir einmal die Nummer vom 25. September. Da steht ein Artikel„Vom Warndt zum Schaumberg"% da werden Soldatenlieder für» braune Fußvolk zitiert. Und da lesen wir: Man denke nur an den „Argonnenwald" oder an das Lied der Lieder„Im Feldquartier auf hartem Stein"— sofort lebt die Front wieder auf, die sogenannte Ruhe im Alarmquai tier, das com dumplen Rumpeln und Krachen begleitete Beieinanderhocken in der drangvoll füi chterliehen Ente des Stollens oder Unterstandes, wo die Mundharmonika oder der Zerrwanst die Begleitung schluchzten und wimmerten. Unvergeßlich tief ins Herz geprägte Minuten.. Unvergeßlich aber auch, daß dies Lied der Lieder jüdischen Ursprungs ist, daß der Autor Freund und dem Komponist Holländer heißen. Und selbst die Bezeichnung„Lied der Lieder" dürfte wohl aus der— für die„Deutsche Front" doch wohl abgeschafften— Bibel stammen. Gleich danach steht ein anderer Artikel:„ Eine Bolsche- wikenkomödie um die Saar. Unverschämte Anmaßung ausländischen Gesindels". Da ist von Lord Marley die Rede, von dem es heißt, er gehöre derselben Glaubensgemeinschaft wie Georg Bernhard an. Georg Bernhard ist unseres Wissens Jude— Lord Marley führt seinen Stammbaum auf einen Ritter Wilhelms des Eroberers zurück. Unter den 8192 nächsten Ahnen, die»ich bei ihm nach der„National- Biography" lückenlos feststellen lassen, ist kein nichtarisches Wesen— wie froh wären die Redakteure der„Deutschen Front", wenn sie noch die Namen ihrer Großväter kennten! Es gibt eine Reihe englischer Lords, die Juden sind, der Vizepräsident des englischen Oberhauses ist zufällig keiner. Wenn jemand Adolf Hitler nicht liebt, so ist das gewiß nicht schön— aber wohl doch kein ausreichender Beweis für nichtarische Abstammung. Versteht sich, daß die„Fränkische Tageszeitung", das Blatt des Julius Streicher, am Tag darauf unter der Ueber- schrift„Eine jüdische Untersuchungskommission im Saar gebiet" bereits feststellt, daß nicht nur der Lord, sondern auch Graf Karolyi, Herr Branting und Herr Tompson Rattejuden sind. Daß sie zum Frühstück jeweils ein Christenkind verspeisen, wird allerdings wohl erst in der nächsten Nummer des„Stürmer" berichtet werden. Die neuen Qciecfieu Monumental, kolossal, pyramidal! In einer großen Kundgebung der Nationalsozialistischen Kulturgemeinde im Berliner Sportpalast sprach Alfred Rosenberg über Kunstfragen. Er führte u. a. aus, daß in der vorhergehenden Periode die Kunstwerke wie Börsenpapiere gehandelt worden seien, was. schließlich dazu geführt habe, daß die Kunst im Zeichen von Sensation, Reklame und Perversion stand, daß die Kunst des Auges dem Auge selbst den Krieg erklärte und daß auch die Baukunst im Zeichen des Nihilismus stand. Der Nationalsozialismus predige gegen die Traditionslosigkeit und für die Rückkehr zum gesunden Menschen. Die kommende Kunst werde monumental, werkgerecht und artgrmäß sein. Aus diesem Gesichtspunkt heraus vollziehe sich auch im neuen Deutschland eine neue griechische Wiedergeburt.„Wir wollen nicht die gesamte Vergangenheit Deutschlands verherrlichen, sondern aus ihr erwählen, was lebenfördernd für uns geworden ist. Wir wollen auftreten gegen nationalen sowie gegen einen gewissen religiösen Kitsch in der Vergangenheit. Wir haben nicht nur den Mut zur politischen Umgestaltung, sondern auch den Mut, um die kulturelle Umgestaltung Deutschlands einzuleiten. Die Nationalsozialistische Kulturgemeinde wird im Herbst eine Kunstausstellung veranstalten, die den Titel„Auslese" führen wird." ACtec JWunöAee" In einem Artikel über„das wissenschaftliche Buch" schreibt das„Berliner Tageblatt":„Es meldet sich an den Hochschulen das Bedürfnis nach fester Nahrung. Doch will man nichts von den alten Schmökern, man hat für ihre breit- gelagerte Stoffschichtung, für ihre zitatenwütige Begriffs- diskussion keinen Sinn mehr, keine Zeit, schließlich für ihre Umfanglichkeit auch kein Geld... Das neue Lehrbuch muß knapp sein, weil es einem Geschlecht dienen soll, das konkret zu denken bestrebt ist, die Probleme wohl zu sehen, aber in ihrer Relativierung sich nicht verwirren und verirren will." JCciey den Hauten „Es genügt nicht, daß die Ullstein-Juden aus dem Ullstein-Verlag entfernt wurden, und daß er unter rein arische Kontrolle gebracht wurde, auch der Name Ullstein muß entfernt werden. Dieser Name ist mit der alten jüdischen Ordnung verbunden, mit der Nazi-Deutschland nichts gemein bat und der Name muß um Deutschlands Zukunft willen geändert werden."(„Deutsche Zukunft".) Also, ran an die Leiche—■ um der„deutschen Zukunft" willen! Chaplin als Weltbürger Charlie Chaplin bereitet einen utopischen Film„D e r Weltbürger" vor, in welchem die bekannte Chaplingestalt in Konflikt mit einer durch und durch technisierten U mwe lt einer Zukunftiaeit gerät,- VAIkar In Sturmzalten Nr.» Völker in Sturmzeiten Im Spiegel der Erinnerung- im Geiste des Sehers Sonntag-Montag, 7. u, t. Okt. So war es in Versailles Von Victor Schiff Der Notenkampf Duell um die„Zukunft des deutschen Volkes" Dieses parkende Duell zwischen erstklassigen Fechtern zu verfolgen, ist heute ein ästhetischer Genuß. Leider waren wir damals nicht in der Stimmung, diesen geistigen Kampf als unparteiische Zuschauer zu hcoharhten und rein ästhetisch zu bewerten. Es ging um die Zukunft des deutschen Volkes. Jede neue Antwort Clemenceans zeigte uns immer deutlicher, daß von ihm nur das Schlimmste, zu erwarten war. Brockdorff-Rautzaus Erwiderungen waren nur scheinbar an ihn adressiert, in Wirklichkeit waren sie an Wilson und Lloyd George gerichtet. Auf diese beiden Männer allein hofften wir Eindruck zu machen. Durch Zitate aus ihren früheren Reden während des Krieges wollte man ihr Gewissen wachrütteln, versuchte man. sie aufzuputschen und sie von der unseligen Umklammerung durch Clemeiieeau zu befreien, in der sie sich offenbar befanden. Fragen des Arbeitsrechts Eine weitere deutsche Note wandte sich gegen die Bestimmung des Friedensvertrages(Art. 438), durch die alle deutschen Missionen aus den Kolonien vertrieben und ihr Eigentum liquidiert werden sollte, und machte auf die ..depravierrnden Folgen" aufmerksam, die ein derartiges Vorgehen bei den Eingeborenen nach sich ziehen müßte. Diese Note ist überhaupt nie beantwortet worden. Ebensowenig beantwortet wurde eine deutsche Note, in der gegen die Beschlagnahme und Liquidation des deutschen Privateigentums in feindlichen Ländern oder abgetretenen Gebieten Stellung genommen wurde. Maßnahmen, „die eine allgemeine Erschütterung der Grundlagen des internationalen Rechtslehens zur Folge haben" müßten. Eine lebhaftere Kontroverse entstand dagegen um die deutsche Note über die Fragen des internationalen Arbeitcrrechts. Dieses Dokument war bereits am 10. Mai, also gleichzeitig mit der Note über die Kriegsgefangenen, übergeben worden. Es war ein geschickter Schachzug, um die Sympathien der internationalen Arbeiterschaft für den Kampf der deutschen Republik gegen den Vertragsentwurf zu gewinnen. In dieser Note beantragte Deutschland die E«iberufiiug einer Konferenz der Gewerkschaftsvertreter aller vertragsschließenden Länder nach Versailles noch während der Friedensverhandlungen, damit die Arbeiterschaft au den Verbesserungen des XII. Teiles des Vertrages(Arbeitsfragen) mitwirken könne. Als Grundlage für diese Konferenz schlug die deutsche Note vor, die Beschlüsse der internationalen Gewerkschaftstagung zu nehmen, die Anfang Februar 1919 in Bern stattgefunden hatte.„Im Auftrage der Gewerkschaften Deutschlands"— so erklärte die Note Brockdorff- Rantzaus wörtlich— wurde als Anlage das internationale Arheitersrhuftprogranim beigefügt, das in Bern beschlossen worden war. Dieser Vorstoß war den alliierten Machthahern um so unangenehmer, als die Arbeiterschaft in fast allen siegreichen Ländern im Laufe der vergangenen Monate in Opposition zu ihnen getreten war. Erst wenige Tage zuvor waren die letzten französischen Sozialisten, die noch technische Regicruugsämter verwaltet hatten, demonstrativ ausgeschieden, ebenso der Gewerkschaftsführer Jouhaux, der als technischer Sachverständiger für soziale Fragen ursprünglich der französischen Delegation angehört hatte. Man wußte, daß hinter dieser deutschen Note der alte Carl Legion stand, dessen Name in der internationalen Gewerkschaftsbewegung trotz aller Gegensätze der Kriegszeit einen um so besseren Klang besaß, als er zu den Schöpfern der Gewerkschaftsinternationale gehörte und während des Krieges wiederholt mit Erfolg zugunsten der belgischen Deportierten eingegriffen halte. Versprechen und halten Alle Regierungen hatten es während des Krieges au Versprechungen nicht fehlen lassen, um Proletarier, die man an der Front und in der Heimat brauchte, günstig zu stimmen. An der Erfüllung wenigstens eines Teiles dieser Zusagen kamen auch die Sieger nicht herum: daher der XIII. Teil des Friedensvertrages, die Schaffung des. Internationalen Arbeitsamtes und die vielen sozialpolitische» Verheißungen— Achtstundentag, Arbeitsschutzgesetze usw.—. die in den Vertrag als erstrebenswerte allgemeine. Grundsätze aufgenommen waren, ohne daß ihnen jedoch völkerrechtlich bindende Kraft verliehen wurde. Inzwischen aber machte sich in den siegreichen Ländern bereits eine starke Reaktion bemerkbar. Man hatte diese Versprechungen bereits gemacht, um revolutionären Ausbrüchen vorzubeugen, jetzt aber, wo die akute Gefahr vorüber war, wo der Feind zu Boden lag. wo man auf die Mitwirkung der Arbeiterklasse nicht mehr so sehr angewiesen war. tat es den meisten Regierenden leid. Nur im besiegten Deutschland war die Arbeiterklasse noch stark und maßgebend. Nur die Friedensdelegation des besiegten Landes zählte mehrere Vertrauensleute der politischen und gewerkschaftlichen Arbeiterbewegung. Und nun machte sich diese Delegation die Forderungen des Berner Gewerkschaftskongresses zu eigen und verlangte die sofortige Einberufung einer internationalen Konferenz von Arbeiterführern. um an diesem Teil des Vertrages mitzuwirken! Der Vorschlag der Einberufung einer internationalen Gewerkschaftskonferenz nach Versailles, um dessen Beantwortung man.ja nicht herumkam, wurde brutal abgelehnt: „Es ist nicht für nötig erachtet worden, eine Arbeiter- konferenz nach Versailles einzuberufen." Die Beschlüsse der Berner Konferenz seien„bereits mit der sorgfältigsten Aufmerksamkeit geprüft" worden. Vertreter der Gewerkschaften seien an der Ausarbeitung des XIII. Teiles beteiligt gewesen— gemeint war vor allem Jouhaux. der aber inzwischen demonstrativ ausgeschieden war. Im übrigen würde im Oktober 1919 die erste Arbeitskonferenz in Washington zusammentreten, zu der die Gewerkschaften eingeladen werden würden. So war auch dieser Versuch, Besserungen zu erreichen und wirkliche Friedensverhandlungen herbeizuführen, gescheitert. Die Bilanz Die Bilanz dieses Noteukampfes war für Deutsehland— wenn man von dem oben erwähnten Zugeständnis in der Saarfrage absieht— völlig negativ. In Weimar zeigten sich, manche Persönlichkeiten darüber ungehalten und neigten dazu, die Friedensdelegation und namentlich Brockdorff- Rantzau für diesen Mißerfolg verantwortlich zu raachen. Besonders der Reichsminister Matthias Erzberger, der seine eigenen diplomatischen und sonstigen Fähigkeiten stark überschätzte und in allen Situationen einen an Naivität grenzenden Optimismus zur Schau trug, machte aus seiner Unzufriedenheit kein Hehl. Weil er selbst als Führer der Waf- fenstillstandskominission hei den Verhandlungen in Com- piegne, Spa und Trier einige, übrigens sehr geringe Zugeständnisse erzielt hatte, äußerte er sich bei jeder Gelegenheit über das Wirken der deutschen Delegation sehr geringschätzig. Er meinte, daß die deutschen Noten zu scharf und zu hochmütig wären, und insofern der wirklichen Lage Deutschlands nicht entsprächen. Diese Fronde war natürlich sehr bald dem Grafen Brockdorff-Rantzau zu Ohren gekommen, der von dieser Zeit an einen grimmigen Haß auf Erzherger empfand. Dieser Konflikt zwischen Rantzau und Erzberger war letzten Endes mehr ein Gegensatz zweier Temperamente: Der norddeutsche Aristokrat und Berufsdiplomat sah die Welt eben anders als der Württemberg!sehe Volksmann. Wer sah sie in diesem Falle richtiger? Ich glaube bestimmt, daß das Recht auf Rantzaus Seite war und brauche dabei nur den Hinweis auf Karl Renner zu wiederholen: obwohl der Haß gegen Oesterreich bei weitem nicht so stark war, obwohl Karl Renners gemütliche niederösterreichische Art dem schwäbischen Wesen Erzbergers viel näher lag als dem Auftreten Brockdorff-Rantzaus, hat er in seinem Verzweiflungskampf um Oesterreichs Schicksal ebensowenig erreicht, wie der deutsche Außenminister. Erzbergers Argument war unter anderem, daß die Methode der Einzelnoten zu nichts führen könne: man verschieße nur vorzeitig sein Pulver, hole sich eine Absage nach der anderen. und beeinträchtige damit im voraus die Erfolgsmöglichkeiten der eigentlichen Gegenvorschläge. Die dreiwöchige Frist für die Einreichung dieser Gegen- vorschlägt-— sie war inzwischen auf deutschen Antrag um eine Woche verlängert worden— lief ohnedies bald ab. Daher wurde zwischen Weimar und Versailles eine Zusammenkunft der deutschen Hauptdelegierten mit einem Teil des Reirhskabinetts auf halbem Wege, in Spa. am Sitz der U affenstillst andskommission, vereinbart. Die deutschen Gegenvorschläge Die Besprechung von Spa— Ueberreichung des deutschen Angebots— Hauptziel: Rettung Ostdeutschlands— Annahme der Abrüstungsbedingungen— 100 Milliarden Goldmark angeboten— Die deutschen Vorschläge unter Zensur! Am 22. Mai abends fuhr ein kleiner Teil der Delegation, bestehend aus den Hauptdelegierten, einigen Finanzsachverständigen und Sekretären, nach Spa. Dort sollte der Inhalt der deutschen Gegenvorschläge mit einem Teil der Kabinettsmitglieder vereinbart werden. In fünf oder sechs Militärautos verließen wir das Hotel des Reservoirs mit Richtung Paris. In schneller Fahrt kletterte die Kolonne die steile Cote de Picardie herauf, um sodann an Ville-d'Avray, Saint-Cloud und Suresnes vorbei über die Seine und den Bois-dc-Boulogne nach Paris herunterzu- sausen. Am Triumphbogen sahen wir die ersten eroberten oder abgelieferten deutsche» Geschütze. Nun die Avenue des Champs-Elysees entlang, diese mehr als drei Kilometer lange Prachtstraße zum Concorde-Platz: Rechts und links stand ein deutsches Geschütz neben dem anderen, meist großkalibrige Ungeheuer, stumme Zeugen des deutschen Zusammenbruchs im Herzen von Frankreichs Hauptstadt. Es waren auf dieser einzigen Straße mehr deutsche Geschütze aufgestellt, als die gesamte deutsche Reichswehr nach dem Friedensvertrag in Zukunft zählen durfte! Auf den Boulevards herrschte in dieser frühen Abend- stunde reges Leben. Viele Uniforme», insbesondere auch amerikanische und englische. Vor allem der Opernplatz mit seinen zahlreiche» bunten Lichtreklamen mußte uns Deutschen den Unterschied zwischen einem siegreichen und einem besiegten Land zum Bewußtsein bringen: So etwas hatten wir seit fast fünf Jahre» nicht mehr gesehen. Bei uns hieß es ja seit 1915 sparen und nochmals sparen. Wir, die wir daran gewöhnt waren, daß in Berlins Straßen jede zweite Gas und Bogenlampe dunkel blieb, waron durch diese friedensmäßige Beleuchtung zunächst verwirrt und gehlendet. „Wollen Sie hinaufgehen?" Wir befanden uns in unmittelbarer Nähe des Hauses, in dem ich die ersten neunzehn Jahre meines Lebens verbracht hatte. Ich erzählte das dem Begleitoffizier, einem jungen, netten englischen Hauptmann, einer der wenigen Herren vom Stahe des Obersten Henry, zu denen wir wirklich gute Beziehungen unterhielten und der sich übrigens stets von seinen französischen Kollegen distanzierte.„Führen Sie uns doch hin!" sagte mir der Hauptmann. Es war nur ein kleiner Umweg in der Richtung nach dem Nordbahnhof. Ich nahm das Angebot an und zeigte dem französischen Militärchauffeur den Weg. Wenige Sekunden später hielt der Wagen vor„meiner" Tür. Ich blickte nach dem vierten Stock: dort war „unsere" Wohnung, mit den beschlagnahmten Möbeln meiner Ellern, die nun, laut Friedensvertrag, endgültig verloren sein sollten. Die Fenster waren beleuchtet. Das wunderte mich nicht, denn ich wußte, daß die Wohnung seit 1915 von Flüchtlingen aus St. Quentin bewohnt war. Wie mochte es da oben aussehen? Was waren das für Menschen? In welchem Zustand waren Möbel. Teppiche, Bücher? Ich wunderte mich selbst über meine Ruhe. Mir kam alles so unheimlich fremd und gleichgültig vor. Und doch muß der Engländer Neugier in meinen Augen gelesen haben, denn er sagte sofort zu mir, als der Wagen hielt:„Wollen Sie hinaufgehen? Ich hegleite Sie." Ich zögerte. Wozu? Der Chauffeur meinte:„An sich haben wir noch Zeit. Aber wenn das Pech mir eine Panne beschert, dann schaffen wir es allerdings nicht mehr." Ich dankte dem englischen Hauptmann tind dem französischen Soldaten für ihr freundliches Anerbieten— und verzichtete. Einige Minuten später waren wir am Nordhahnhof. An den Schnellzug nach Lüttirh und Köln waren zwei Sonderwagen angehängt. Auf den Nachbargleisen standen weitere Züge: fast nur deutsche Wagen und Lokomotiven— alles schon seit dem Waffenstillstand abgeliefert, a conto Reparationen. Wir wajren eben besiegt, restlos besieg*. Spa Am nächsten Morgen waren wir in Spa. Deutsche Militärautos von der Waffenstillstandskommission nahmen uns auf und fuhren uns ins Hotel d'Angleterre, wo es von deutschen Offizieren wimmelte. In Spa besaßen die. Deutschen, im Gegensatz zu Versailles, volle Bewegungsfreiheit. Die Bevölkerung, die durch sie ausgezeichnete Geschäfte machte, verhielt sich il. ,en gegenüber durchaus freundschaftlich. Uebrigcns hatten es die Belgier während des Krieges in Spa relativ gut getroffen: denn es soll ein gegenseitiges Einverständnis zwischen den feindlichen Fliegern darüber bestanden haben, daß man die beiden Hauptquartiere. Chantiily und Spa, nicht mit Bomben bewerfe. Eine der vielen Tragikomödien dieses Krieges, vielleicht sogar eine der widerwärtigsten. Wie viele EK. I mögen in diesem idyllischen Kurort fern von jeder Gefahr erworben worden sein? Daß sich Wilhelm IL trotzdem noch bombensichere Unterstände hauen ließ, entspricht nur dem Gesamtbild, das er in der Geschichte hinterlassen wird. Die Herren aus Berlin und Weimar waren schon eingetroffen: es waren da Scheidemann. Erzberger, Dernburg und der Pressechef Ulrich Rauscher. Nach dem Mittagessen zogen sich die Minister zu einer Kabinettsberatung zurück, die fast den ganzen Nachmittag andauerte und in der Brockdorff- Rantzau die Entwürfe der deutschen Mantelnote und der Gegenvorschläge vortrug. Es gab da keine nennenswerten Meinungsverschiedenheiten, so daß die sehr umfangreiche Materie binnen wenigen Stunden bewältigt werden konnte. Am Abend fuhren die einen nach Weimar, die anderen nach Versailles zurück. Der Sonderzug Brockdorff-Rantzaus bestand lediglich aus einem Schlafwagen und einem Gepäckwagen und raste in unheimlichem Tempo durch Belgien und Nordfrankreich: diesmal hielt man es nicht mehr für nötig, uns den gleichen Anschauungsunterricht über unsere Missetaten zu erteilen, zumal es dunkel war. Am nächsten Vormittag holten uns die Autos der Delegation vom Bahnhof Noisy-le-Roi bei Versailles ab. „Deutschland bietet an" Nun begannen Tage fieberhafter Arbeit in der gesamten Delegation. Es galt die Gegenvorschläge endgültig zu revidieren. zu übersetzen, zu drucken. Zu dem letzteren Zweck hatte man aus Deutschland einen Druckereiwaggon kommen lassen, der auf dem Bahnhof Versailles-Chantiers mitsamt Buchdruckereipersonal stand. So konnte das umfangreiche Dokument in kurzer Zeit und sauberer Ausfertigung gedruckt überreicht werden. Die Ueberreichung erfolgte am 28. und 29. Mai in zwei Teilen. Das Kernstück der deutschen Antwort bildete die sogenannte Mantelnote, in der sowohl unser eigenes Urteil über den Entwurf der Gegner.wie auch unser Gegenvorschlag zusammengefaßt und erläutert wurden. Es seien hier nur einige markante Sätze aus diesem Schriftstück wiedergegeben: „Wir hofften auf den Frieden des Rechts, den man uns verheißen. Wir waren entsetzt, als wir in jenem Doku- . ment lasen, welche Forderungen die siegreiche Gewalt au uns stellte.— Je tiefer wir in den Geist dieses Vertrages eindrangen, um so mehr überzeugten wir uns von seiner Undurchführbarkeit. Die Zumutungen dieses Vertrages gehen über die Kraft des deutschen Volkes..." Es folgt dann eine gedrängte Uehersicht der wichtigsten territorialen und finanziellen Bedingungen des alliierten Entwurfs. Sodann heißt es: „Deutschland weiß, daß es Opfer bringen muß, um zum Frieden zu kommen. Deutschland weiß, daß es solche Opfer vertragsgemäß zugesichert hat und will darin an die äußerste Grenze dessen gehen, was ihm möglich!»t." Ü;'vUt£t!!UU fo tf-y Freier Sport- dos war einmal! Drill und Dressur höben olles verdrängt Ter totale Staat ist die totale Unterdrückung. Der Mensch hört aus sichelnd der Gesellschaft zu gehören, er gehört nur noch den^ Staat. Die Leibeigenschaft wiederholt sich aui ö^ertt Stufenleiter Der Mensch ist nichts, der Staat ist alles, cd wird der Staat zum Tyrannen für den einzelnen und die Gesellschaft. Ist das„dritte Reich" auch für den Unternehmer kein totaler Staat, weil d>e Wirtschaft in seine angebliche Totali- tat nicht^einbezogeu wurde, ist es für die Reichswehr kein totaler Staat, iveil es dieser ebensalls gelungen ist, ihre relative Selbständigkeit in einem sehr hohen Maße zu>vah- ren, so ist das„dritte Reich" doch radikal total für den Durch- schnittsmenschen. Furchtbar stöhnt er, der eben dadurch erst ein Mensch geworden ist, daß er aushörte, ein kuschender Hund zu sein, unter der Last dieser Totalität. Der Sport als Beispiel Im Zeichen der Totalität steht auch der Sport. Auch er ist aus e>nem Bedürfnis des Menschen zu einem Bedürfnis des Staates geworden. Rationalisierung, Mechanisierung des Arbeitsvorgangs, Zusammenballung der Massen in wachsenden Städten und geivaltiger Lebenshunger als Folge der Kriegsjahre, das sind die Ursachen für das rapide Anwachsen aller Sportoerbände insbesondere der Nach- kriegszeit. Der Mensch suchte eine freiere Form der Arbeit: der Sport erfüllte die Funktion eines ausgleichenden Fak- tors. Ii» Betrieb isr der moderne Arbeiter Automat und Mechanismus, in seiner freien Zeit will er mehr sein. Wo die handwerkliche Beziehung zur Arbeit infolge der kapita- listischeii Produktionsweise aufhört, nimmt der Sport einen gewaltigen Aufschwung. Hier liegt«lieft die Erklärung dafür, dag England als das Mutterland des Industriekapitalismus auch zum Mutterland des Sportes wurde. Andererseits sind die industriell weniger entwickelten Länder nicht nur zu- fällig keine Tportnationen. Tie freie Leibesübung ist also unter bestimmten Boraus- setzungen ein Bedürfnis des Menschen. Dieses Bedürfnis wird in allen demokratischen Ländern im wesentlichen frei befriedigt, wenn gleich der Sport fast überall— besonders ans Gründen der Wehrhaftigkeit— vom Staat unterstützt wird. Die Nachkriegsjalire hatten in Deutschland einen freien Sportbetrieb gebracht. Aus dem Sportplatz ging es selbst in den bürgerlichen Organisationen kameradschaftlich zu, und es herrschte überall eine gesunde Selbstdisziplin. Man übte, was und wo man wollte, Wanderungen ivurden in selbst- gewählten Gemeinschaften durchgeführt, die Touren wurden gemeinsam besprochen, ausgearbeitet und ausgewertet. Ueber die Serien und den Sonntag verfügte jeder selbst, niemand hatte den Eindruck, dafi er den Sport für jemand anders als sich selbst betreibe, obwohl sich mancher zugleich darüber klar war. dag der Sport auch seine soziale Seite hat. Daß alles hat sich nach dem SO. Januar 1983 sehr geändert. Tie Arbeiteriportverbände wurden zerschlagen, und soweit liier und dort Gleichschaltunasversnche gelangen, zerrissen. Tie alten Bindungen schwanden. Aber auch im bürgerlichen Sport ging ein ähnlicherPrvzeß vor sich^Nicht nur derArier- paragras wurde eingeführt, ganz neue Leitungen wunde» eingesetzt, und der Sportbctrieb wurde aus eine neue Grundlage gestellt. Man war plötzlich ganz betont politisch, nachdem die bürgerliche Sportbewegung zuvor stets den Ge- danken der Neutralität verfochten hatte. Bielen Mitgliedern, die ernstlich dachten, es gäbe einen unpolitischen Sport, er- schien dieser Ninichivuüa ungeheuerlich. Iahrzehntelann hat- ten sie die Arbeitersvr Her a»gegriffen, weil diese erklärten, dafi es keinen unpolitischen Sport gebe» kann. Das ivar da- mals„Klassenhetze", heute sind im„dritten Reich" die un- politische» Leibesübungen verfemt! Es gibt keinen unpoli- Früher Dresdner VolkszeUung Aus Dresden wirb uns geschrieben: Am 8. März 1933 wurde— wie in jenen Tagen alle sozialdemokratische» Zeitungen in Deutschland- auch die Dresdner Bolközeitung von der SA. besetzt. Der gesamte Bücherbestand Her Volksbuchhandlung— für 70 000 Mark Bücher— ging in derselben Stunde in den Flammen eines Scheiterhaufens auf, in die auch alles geschleppt wurde, was in den Rebaktionszimmern der Bolkszcitung und in de» Lager- beständen des Verlags Kaden«. Eo. an Büchern und Schriften vorhanden war. Maschinengewehre in den Fenstern und auf -».ache und Polizei mit schußbereiten Karabinern bewachten die- len Akt„nationaler Reinigung". Am andern Tage meldete der Dienstbericht der Feuerwehrdirektionj daß die Feuerwehr -.zur Ablöschnng eines brennenden Papierhausens" nach S cm Wettinerplatz gerufen worden sei. In die Papierkeller öer Druckerei schleppten die braune» Schinder die Ge- tangenen: es waren schallsichere Folterkammern, aus denen die«chrcic der Geschlagenen und Geschundenen nicht hinaus orangen zu den Neugierigen, die für dreißig Pfennig Ein- mttsgeld unter der Führung der Eroberer die„nicht im mindesten beschädigte" Einrichtung der Bolkszeitungs- druaerei beft-fttigten und mit wonnigem Gruseln die Er- ifrung der liebenswürdigen Führer anhörten, daß in dieser Druckerei auch Bücher gedruckt worden seien, da aber ■i amen zugegen seien, könne nicht deutlicher gesagt werden, was für Bücher, mit einem Wort: schiveinischc Bücher! Um das zu„beweisen", hatte man vorgefundene stttengeschichtliche -Illustrationen zu einem Berlagswerk,„Deutscher Fürsten- lviegel" betitelt, und kunstgeschichtlichc Abbildungen von Bildern der Dresdner Gemäldegalerie ausgestellt! Die Trnckereieinrichtiing hatten die braunen Eroberer allerdings tatsächlich unbeschädigt gelassen. Zwar hatten sie im«ctzersaal die Lettern aus den Setzkästen aus den Fuß- voöen geschüttet, aber die Rotationsmaschincn, die Schnell- preisen, die Setzmaschinen hatten sie nicht zerstört— nein, denn die brauchte man. Die Druckerei der„Dresdner Volks- L"ung war eine der größten und modernsten Druckereien Dresdens, und für dieses gestohlene Gut der Dresdner Arbeiterschaii hatte man Verwendung: der nationalsozialistische„Freiheitskampf", dessen bisherige Geschichte schon die Geschichte eines raffinierten Diebstahls war, begangen an eigenen, schmählich geprellten Anhängern, nistete sich nun am Wettinerplatz ein und erschien fortan in den der Arbeiter- schalt schmerzlich vertraute» Lettern der Dresdner Volks- zeitung. Nun protzte er mit der technischen Leistungsfähig- keit der geraubten Druckerei, mit ihren vorbildlichen hygic- nische» Einrichtungen, mit de» hellen Arbeitsstilen, den modernen Maschinen, den Wannen- und Brausebädern für das Druckereipersonal— samt und sonders Besitz, den das braune Regime der Dresdner Arbeiterschaft gestohlen hat. Ihn zeigt man stolz bei Besichtigungen, zu denen man auch die Belegschaften der Industriebetriebe herbeikommandiert, so auch immer noch sozialdemokratisch gesinnte Arbeiter mit. ausgeklttaclter Teufelei zwingend, sich anzusehen, was man ihnen gestohlen hat. Die Arbeiter aber, zum Schweigen gezwungen, haben den Raub nicht vergessen und noch wen ,er verziehen. Als in diesen Tagen auch die Belegschaft der„Mimosa", einer tischen Sport mehr, sondern nur noch einen nationalsozia- listischen. Sportplatz und Kaserne Im„dritten Reich" wird der Sportplatz zur altpreußischen Kaserne. Kamen die Sportler gestern je nach Lust und Laune, weil Erholung eben darin besteht, daß man eine Tätigkeit ganz»ach seinen Bedürfnissen ausübt oder unterläßt, so wer- den die Sportler heute in Befehlsform aufgefordert, zu einer bestimmten Zeit aus dem Sportplatz zu erscheinen. Jeder hat sich beim Sportivart an- und abzumelden, das Neben aus eigene Faust hat aufgehört. Die Selbstverwaltung ist durch das Führcrprinzip ersetzt worden, überall sitzen national- sozialistische Beauftragte. Daß es im Lager des deutschen Sportes infolgedessen zu dauernden Reibereien kommt, beweist schon allein die Klage, die der Reichssportkommissar Tschammer von Osten darüber führt, daß er überall übergange» und sabotiert iverde. Ter alte Iahnverehrer Neuendorsf, der in seiner Weise sicher mehr bedeutend und fähig ist. mußte infolge von Differenzen die Führung der Deutschen Turnerschaft aufgeben. Neuen- dorff soll sich vor allem dagegen gewendet haben, daß die Gaue der Deutschen Turnerschast der Organisationsform der SA. angepaßt werden. In diesem Kamps hat er sicher die Unterstützung der Reichswehr gehabt, die auch die Entwick- lung im Sport nicht ohne Torgen betrachtet. Denn zweifel- los war die vormilitärische Erziehung der Jugend in der Deutschen Tnnerschast ungleich systematischer und wirkungS- voller als sie jetzt unter nationalsozialistischer Flihrung ist. Man ioll aher nicht denken, daß das Bauchkrieche», die Ge- päckmärsche. der altpreußische Feldwebelto» usw. für moderne Soldaten schon Grund genug sind, mit dem Sportbedürsnis von heute zufrieden zu sein. Es trifft sich, daß der National- sozialismus den Sportplatz gerade zu der Zeit in eine alt- preußische Kaserne verwandeln will, in der die moderne Wehrmacht dazu übergeht, die Kaserne gegen den Sportplatz einzutauschen. Zwar wertet auch der moderne Soldat den Sport»nter dem Gesichtspunkt des Staates, doch muß er aus wehrpsnchologischen und wehrpädagogischen Gründen die größtmöglichste Freiheit anstreben. Ihm kann aber vor allem nicht daran gelegen sein, den Massen die Freude am Sport zu verderben. Der Sport muß seiner Meinung nach als Er- holung und nicht als Last betrachtet werden, nicht als un- bezahlte Ueberstuudenarbeit, sondern als Dienst am eiaenen Körper, den die Wehrmacht dann zugleich auch als Dienst an ihrem Körper ivertet. Doch nm das zu begreifen dürfte der Nationalsozialismus nicht die Bewegung der wild ge- wordenen Kleinbürger sein. Dem Sport hilft nur die Revolution Vielleicht begreift der bürgerliche Sportler nun, was der Arbeitersportler ihm stets gesagt hat: daß sich die Politik auch dann um ihn kümmert, wenn er sich nicht um sie kümmert. „Es gibl keinen»,artistischen Klimmzug", hat man den Ar- beitersportlern erwidert. Aber man kann einen Klimmzug für sich selber und für einen Despoten mache», man kann sich stählen für den Krieg, aber auch kür den Kamps um Frie- deu und Sozialismus. Man kann eine» Klimmzug mit und ohne Feldwebelkommando machen. Nicht nur wie. auch wozu der Sport betrieben wird, ist eine wichtige Frage. Viele bürgerliche Sportler klagen über den heutigen Sportbetrieb Der totale Staat wird ihnen zum Bewußiein bringen, daß es freien Svort nur in einer freien Gesellschaft geben kann. Diese freie Gesellschaft erwächst nicht aus einen» Fußballkamvi. Politik ist Schicksal! Auch dem Sport hilft gegen die Despotie nur die totale Revolution! Froö War. Das Neue Tage-Buch Herausgeber: Leopold Scbwarzscbild AUS DEM INHALTi Nr- 39 soaban•richisnan PREIS 3 FRANCS Die Worhe Ein Weltreich ist zu schaffen Die Gehirne gegen die Mauler Saarbrücken contra Ludwigshafen LEOPOLD SCHWARZSCHILD: Die Organisation des Widerstandes HANS THEODOR JOEL: Spanische Krise MILES: Das klassische Bild ULISSE OUADAQNINl: Ueber den Ueberrumpelungskrieg CARL MUNCK: So entstehen Diktataren LUDWiO BAUER: Sforza deutet sein Land Miniaturen großen Fabrik fotografischer Platten und Papiere in Dresden, durch einen Anschlag am schwarzen Brett mit nicht inißziiverstchendem Zwang aufgefordert wurde, zu be- stimmter Stunde zu einer Besichtigung der Druckerei des „Freiheitskampfes" zu erscheinen und sich die vorbildliche Einrichtung der Druckerei anzusehen, die jeder arbeitende „Volksgenosse" kennen müsse, da stand eines Morgens von unbekannter Hand groß und quer über dem ganzen Anschlag hingeschrieben: Früher Dresdner Volkszeitnng! Diese Anklage in drei Worten wirkte wie der Griff in einen Ameisenhaufen. Der ganze Betrieb wimmelte. Um jeden Preis wollte man den verwegenen Schreiber ausfindig machen. Sogar Handschriftenproben mußten abgelegt werden. Aber aller Eifer war vergeblich. Der Schreiber dieser drei Worte ist nicht ermittelt worden. Und da sich die Kunde von solchen Vorkommnissen als ungeschriebene Zeitung erstaunlich schnell pnb iveitreichend ausbreitet, werden diese drei Worte des unbekannten Schreibers als Kundgebung der verborgenen sozialdemokratischen Arbeiter- schast Dresdens empfunden und mit Genugtuung nachge- sprachen als eine Brandmarkung der Diebe: Früher Dresdner Volkszeitung! Und wo immer fortan der„Frei- heitskampf" sich brüstet, erscheinen immer wieber durch- schlagend, als Menetekel künftige Vergeltung prophezeiend, diese drei Wort«: Früher Dresdner Volkszeitung! Manfred. „Stanunesgleidies Blni" Neudeutsche Sorgen In der„Kölnischen Zeitung" lesen wir: Das Landeserbhosgericht in Celle hat eine Entscheidung getroffen, die weit über den Kreis der Bauern hinaus Be- achtung verdient. Der Eigentümer eines Hofes wendet sich gegen die Eintragung in die Erbhofrolle mit der Begrün- dung, daß er von Geburt Pole fei, also nicht zum deutschen, sondern zum polnischen Volkstum gehöre. Dieser Einspruch wird abgelehnt. Das Erbhosgesetz sagt zwar nur. daß der- jenige nicht stammesgleich sei, der unter seinen Vorsohren väterlicher- oder mütterlicherseits jüdisches oder farbiges Blut habe, aber niemand wird daraus schließe», daß deS- halb alle andern Volksstämme als stammverwandt gelten sollen. Das Landeserbhosgericht hat nunmehr entschieden, daß für uns Deutsche stammesgleich alle die Völker sind, die seit der geschichtlichen Zeit in Europa in geschlossenen Volks- tnmsiedlungen beheimatet sind. Also auch die slawischen Völker. Diese Umschreibung des Begriffs stammesgleichen Blutes stimmt nach Mitteilung ihres Urhebers überein mit der Ausfassung des Sachverständigen für Rasseforschung beim Reichsministerium des Innern. Gefängnis Ihr Mischehen Berlin, 6. Okt.(Inpreß.) Wie wir von gut informierter Seite hören, haben die zuständigen Stellen schon einen neuen Gesetzentwurf fertiggestellt, der Mischeheu zwischen Ariern und Juden verbietet und Personen, die eine Mischehe eingehen, mit Gefängnis bedroht. Ein be- sonderer Paragras bestimmt, daß der Geschlechtsverkehr zwischen Ariern und Nichtariercn gleichfalls mit Gefängnis bestraft wird. Nähere Einzelheiten sind vorläufig nicht be- kannt. Daß ein Gesetz, das die wüstesten Drohungen Streichers legalisiert, in Vorbereitung sei, war seit einiger Zeit bekannt. Das Gesetz über die Mischehen sollte aber ursprünglich erst mit dem neuen deutschen Strafrecht veröffentlicht werden. Die neue antisemitische Welle in Teutschland und die Not- wendigkeit, die Massen von den Problemen der Wirtschaft- lichen Not abznlcnken, scheint nun dazu geführt zu haben, das Ge.ctz vorzeitig i» Kraft treten zu lassen. Kritik an der Aechtung nicht erlaubt Berlin, 6. Okt. Das„Israelitische Familicnblatt" in Ber- lin ist wegen einer kritischen Aeußcrung zu einem Erlaß des Reichsministers Rudolf Heß über den Verkehr zwischen Na- tionalsozialisten und Inden beschlagnahmt worden. Nach dem Erlaß von Rudolf Heß sollen Ausschreitungen und Kund- gebungen der Mißachtung gegen Juden unterbleiben, ober die Nationalsozialisten haben auch jeden Berkehr mit Juden in der Oeffentlichkeit zu meiden. Das „Israelitische Familienblatt" äußerte dazu die Meinung, die Arier-Gesetzgebung sei noch leichter zu ertragen als die ge- sellschastliche Aechtung des Judentum?. Volksgericht arbeitet ohne Pause Berlin, 0. Okt.(Inpreß.) Der 2. Senat des Bolksgericht» verurteilte den SSjährigrn Kommunisten Kurt Jsaac und den gleichaltrigen Johann Karl zu drei Jahren Zuchthaus: drei weitere Mitangeklagte wurden zu mehrjährigen Zucht- Haus- und Gefängnisstrafen verurteilt. Alle fünf waren angeklagt, den Wiederaufbau der KPD. in Hessen, besonders in Frankfurt a. Main, gemeinsam mit dem vor einigen Tagen verurteilten kommunistischen Redakteur Grade ver- sucht zu habe». Trichinenhaltiges Fleisch Marktredwitz, 4. Okt. In den letzten Tagen erkrankten in Lorcnzreuth bei Marktredwitz 30 Personen an Trichinose. Eine 30jährige Frau ist bereits im Krankenhaus gestorben. Vor einiger Zeit hatte der Metzgermeister Erhard Werner ein Schwein geschlachtet, ohne es durch den Fleischbeschauer einer amtlichen Kontrolle unterziehen zu lassen, weil er anscheinend die Fleischbeschangebühren und die Schlacht- steuer sparen wollte. Kurz daraus stellten sich im Ort bei etwa 30 Personen Krankheitserfcheinungen ein. Al» die Untersuchungen eines polizeilichen und ärztliche» Aus- fchnsses an Ort und Stelle ergaben, daß die Erkrankungen auf den Genuß trichinenhaltigen Fleisches aus dem Laden Werners zurückzuführen waren, erhängte sich der Metzger- meister in einem Schuppen seines Anwesens. Die Stadt ohne Juden Die fortgesetzte» Judenverfolgungen Haben der Stadt Frankfurt a. M. uncrmeßbaren Schaden zugefügt. Noch offiziellen Regierungsstatistiken Haben seit 1. Januar 1934 durchschnittlich 40 jüdische Firmen monatlich ihren Betrieb eingestellt. Im Juni allein wurden 102 jüdische Firmen liqui. dicrt. Die meisten jüdischen Geschäftsleute sind ausgewandert. Eine Anzahl jüdischer Banken, darunter das berühmte Bank- Haus Speyer, existieren nicht mehr. London, 3. Okt. Der Verband jüdischer Aerzte und Zahn- ärzte in England hat sich korporativ dem Boykott gegen deutsche Waren angeschlossen. Der Verband hat zwei Listen hergestellt, von denen die erste die deutschen pharmazeutischen Produkte auszählt, mährend die zweite die gleichwertigen, in nichtdeutschen Ländern hergestellten Medikamente nennt. D>e beiden Listen wurden mehrsprachig gedruckt nkid an alle Aerzte und Zahnärzte in England versandt. Die Anklagen gegen Thälmann London, 0. Okt.(Jnprrß.) Der Vorsitzende des englischen Dimttrosf-Komitees, Pethick-Lawrenee, wachie der britischen Presse Mitteilungen über die Anklageschrist gegen Tdäl» mann, die er aus vollkommen zuverlässiger Quelle erhalten hatte. Demnach werde Thälmann aus Grund seiner Pariser Reise von 1932 des vollzogenen Hochverrats angeklagt wer- den. ein Delikt, auf daS bekanntlich die Todesstrafe steht. Es werde Thälmann ferner die Verantwortung für sämt- liche Handlungen, Reden und Veröffentlichungen der Kam- munistischen Partei Deutschland.' zur Last gelegt iür die Periode, in der er die Funktion de» Generalsekretärs der KPD. bekleidete. Schließlich nimmt die Anklage aufs Neue die Behauptung auf. die KPD. habe im Februar 1933 den bewaffneten Putsch durchzuführen versucht. Pariser Berichte Association des jjristes allemands emigres Die Vereinigung Deutseher emigrierter Juristen hat ihre Geschäftsstelle nath Paris(8e), 40, rue d'Artois, 5. Etage, bei Dr. F. Hirschler verlegt. Anmeldungen von Juristen zur F achgruppe sind dorthin zu richten. Vortrag von Professor Georg Bernhard Am Dienstag, dem 9. Oktober, um 20.45 Uhr, spricht Professor Georg Bernhard über„Die jüdische Emigration" im Pariser Deutschen Klub. Der Vortrag findet statt im großen Saal der Brasserie Dumesnil, 73, Boulevard du Mortparnasse. Danach: Debatte. Erster Debattenredner: Prinz Max Karl zu Hohenlohe-Langenburg. Eintritt für Klubmitglieder frei. Gäste willkommen. Gastbeitrag: 5 Franken(Stellungslose: 3 Franken) zur Deckung der Unkosten. Arbeitsgemein; chaft emigrierter deutscher Bauhandwerker Paris _ Die emigrierten deutschen Bauhandwerker haben sich zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen, um damit die Beschaffung von Aufträgen und die Verteilung derselben an ihre Mitglieder zentral zu erreichen. Durch ein fachmännisch geleitetes Büro, das für die Mitglieder alle Verhandlungen führt und die technischen Vorarbeiten leistet, werden mit allen Arbeit vergebenden Stellen Verbindungen angeknüpft, insbesondere mit den Hausbesitzern, die eingehenden Aufträge bearbeitet und nacheinander an die Mitglieder zur Ausführung weitergegeben. Die vorbereitenden Arbeiten wurden bisher von Malermeister Salomen Auher vi Iiiers/Seine, und Arihitecte Guttmann, Paris, geleistet. Selbständige Handwerker und Unternehmer(Maurer, Zimmerer, Dachdecker, Klempner, Bau- und Möbeltischler, Maler, Tapezierer und Anstreicher, Glaser, Elektriker, Installateure, Heizungsfirmen usw.) erhalten weitere Auskünfte durch Architecte M. Guttmann, 11, Place de Vaugirard, Paris 15e. Straßburger Wodiensdiau Straßburg, den 6. Oktober 1934. Zu den Generalratswahlen Zu den Generalratswahlen, deren erster Gang am Sonn- tag, dem 7. Oktober, stattfindet, ist noch ein Nachtrag nötig. In unserem Bericht vom vergangenen Sonntag wurde die Kandidatenliste nicht vollständig angegeben. In Straßburg- Nord kandidieren neben den bereits genannten W o e h 1 (Soz.) und Dangelser(Komm.) noch die Herren L e v y (Dem.), Leopold(Unabh.) und Reisacher(Landesp.), in Straßburg-Süd neben N a e g e 1 e n(Soz.) und Mohn (Komm.) sowie H u e b e r(KPO.) noch Herr H e i n tz(Rad.). Der erste Wahlgang am 7. Oktober wird voraussichtlich noch keine Entscheidung bringen, Ueberraschungen sind jedoch nicht ausgeschlossen. Straßburger Schiffer im„dritten Reich" verhaftet Seit 31. August befindet sich der 32 Jahre alte Schiffer Emile Kuestner aus Schiitigheim in Germersheim in Haft. Kliestner, der auf einem Rheinschiff beschäftigt ist, wurde in Neu-Lauterburg verhaftet und ins Germersheimer Gefängnis eingeliefert. Man macht ihm zum Vorwurf, daß er ein Exemplar der in Deutschland verbotenen„Neuesten Nachrichten" bei sich gehabt habe. Alle Bemühungen, den Verhafteten wieder freizubekommen, auch die des französischen Konsuls in Karlsruhe, sind bis jetzt ergebnislos gehlieben. Kuestner wird wohl demnächst vor dem Landauer Sondergericht zur Aburteilung kommen. So sorgt das„dritte Reich" dafür, daß sein wahres Gesicht auch im Elsaß immer besser bekannt wird. Radikalsozialistischer Kongreß Am vergangenen Sonntag trat im Straßburg der Kongreß der ostfranzösischen radikalsozialistischen Föderation zu einer zweitägigen Beratung zusammen. Fürs Elsaß ist die nach einem Referat des Präsidenten der Straßburger Sektion, Becker, angenommene Motion von Interesse, in der es heißt, daß die Föderation bedauert, daß 16 Jahre nach dem Waffenstillstand noch eine elsaß-lothringische Frage bestehen könne und macht dafür die verschiedenen aufeinanderfolgenden Regierungen verantwortlich. Die Förderation ersucht alle Parlamentarier der Partei, die Vereinheitlichung der nationalen und lokalen Legislaturen zu beschleunigen und von jeglicher Regierung einen Plan und die Schaffung einer Methode zu verlangen, damit die einheitliche und unteilbare Republik endlich in unseren wiedergewonnenen Provinzen verwirklicht werde. Zur allgemeinen Politik wurde eine Motion des Herrn Marchandeau angenommen, in der es heißt, daß die Burgfriedensregierung weder einen Burgfrieden der Reaktion oder der Untätigkeit wünschen dürfe, sondern einen Burgfrieden der republikanischen Aktion. Ein Echo des Pirroschen Telegramms In einem größeren Aufsatz nehmen die hier erscheinenden „Neuesten Nachrichten" zu dem ellenlangen Telegramm des Herrn Pirro an den französischen Außenminister Stellung. Schon die Ueberschrift des Aufsatzes:„Deutsche Fälscherfi ont" zeigt, welche Beurteilung das Pirrosche Machwerk hier gefunden hat. Es genügt, aus dem Aufsatz, in dem die Fälschungen des Herrn Pirro im einzelnen nachgewiesen werden, den letzten Abschnitt zu zitieren, in dem es heißt:„Es gibt nicht einen einzigen Punkt, den die Deutsche Front in ihrem Propagandatelegramm nicht auf den Kopf gestellt und verfälscht hätte. Es muß schlecht um l.re Sache stehen." Ein Echo, das man im Saargebiet um so mehr beachten soiPe, als man im Elsaß die Saarfrage Lehr nüchtern zu beurteilen gewohnt ist. Hitlerjüngelchen machen sich mausig In der Orangerie suchten sich am vergangenen Sonntag einige Hitlerburschen, die aus Kehl gekommen waren, unrechtmäßig eines der dort zur Verleihung kommenden Boote zu bemächtigen. Als die Aufsichtsbeamten dies verhindern wollten, leisteten die Burschen Widerstand, wobei sie öfter den Hitlergruß vorführten und„Heil Hitler" brüllten. Die Beamten mußten erst mit handgreiflichen Argumenten aufwarten, um die Burschen von ihrem Tun abzubringen. Sie ergriffen, als die Situation für sie bedrohlich wurde, die Flucht. Schade um jeden Hieb, der daneben ging. Einwanderung deutscher Juden im Elsaß Aus London kommt eine Havasmeldung, nach der der Sekretär der Vereinigungen Großbritanniens und Frankreichs des Rotary-CIubs in Cambridge eine Rede gehalten haben soll, in der er auch die Einwanderung deutscher Juden im Elsaß erwähnte. Seit Beginn des Hitlerregimes in Deutschland sollen im Elsaß 20 000 deutsche Juden eingewandert sein, wo sie die beste Aufnahme gefunden haben. Wenn auch richtig ist, daß die Aufnahme deutscher Flüchtlinge im Elsaß, darunter vornehmlich Juden, im allgemeinen gut war. so darf doch— wie es auch die „Freie Presse" tut— füglich bezweifelt werden, daß die Zahl von 20 000 zutrifft. Es gibt im Elsaß weder insgesamt 20 000 deutsche Flüchtlinge, noch viel weniger aber so viele deutsche Juden. Im ganzen Elsaß dürften schätzungsweise jetzt noch etwa 1500 Flüchtlinge wohnen, darunter natürlich viele Juden. Die Lage der Emigranten ist durchaus nicht rosig, da sie unter der Wirtschaftskrise, die den Einheimischen schon hart genug trifft, natürlich noch im verschärften Maße zu leiden haben. Fußballspielerzuwachs aus Deutschland-Schweiz Seit der Sport in Deutschland unter dem Kommando des Herrn Tschammer-Osten steht, erlebt man immer wieder, daß bekannte Sportgrößen aus Deutschland sich sonstwo in der Welt nach Betätigung umsehen. Der bekannte internationale Fußballspieler Rohr, der lange Zeit in der deutschen Nationalelf spielte, voriges Jahr seinen Verein Bayern-München verließ, um nach Zürich zu den Grashoppers zu übersiedeln, landete jetzt in Straßburg, wo er vom Racingklub gewonnen wurde. Racing. der gegenwärtige Spitzenführer der französischen Berufsspielermannschaft, wird diese Erwerbung bestimmt nicht zu bereuen haben. Wegen einer unsinnigen Wette in den Tod Der 32 Jahre Edouard Seh a er, der schon öfters durch seine, waghalsigen Kopfsprünge von verschiedenen III- brücken von sich reden machte, sprang dieser Tage von der Weißturmbrücke herab, um wieder einmal eine V ette zu gewinnen, die er mit einem seiner Freunde abgeschlossen hatte. Das Abenteuer nahm einen tragischen Ausgang. Der kühne Springer büßte seine waghalsige Tat mit dem Tod. Als ein vorübergehender Schutzmann den Springer im letzten Augenblick zurückhalten wollte, wurde er vom Freunde Schaers angegriffen. Schaer sprang ab und war tot. Die Musik- und Theatersaison eröffnet Mit einem bunten Abend, zu dem das Publikum freien Zutritt hatte, eröffnete am Mittwoch das Stadttheater die Saison. Die einzelnen Künstler stellten sich vor und ernteten reichen Beifall.— Am 14. Oktober findet im Sängerhaus ein großes Konzert der freien Arbeiter-Musik- und Gesangvereine statt, am 19. Oktober singt die gefeierte Künstlerin Lotte Lehmann im Sängerhaus. Das Elsässische Theater beginnt seine Winterspielzeit am 15, Oktober, abend-- 8'>>- mit dem Lustspiel„Wenn d'Fraue wähl e". 3)odcur fpeciafis faeis, t»l Sir. m'1K T,lit»n 4 Halt» fr»mCr»VC»- SSTIIin*»1-ir nserlerea bringt Gewinn! Syndikus Dr. jur. Erich Danziger; WirlschaHs-, Finanz- ird Mtsberaiiing RachtsgutaehtaivVorfragsanfwUrf«, Gläubiger- und Schuldnsr-Schut*, Liquidationen, Intar- 4 astan Vertretungen, Hausverwaltungen, Patent-* und Erfin. ungsverwertung SPEZIALGEBIETE: Saarländische Interessenvertretungen, Immobi- iiarliquidationen sowie Abstimmungstragen. Streng le ale Verwartung von Sperrmark, deutschen m nobilia» werten, Effekten pp. Ver-" sidierungstragen(Aufruhr, ceschlagnahme, 4 Leben mit Darlehn). Saarbrücken 2, Trierer Straße 28, Tel. 20476; 2>os am besten instand ttebattene Maus in(tawis 1 Zimmer,Vorzimm., Küche, B.idez. ab 2900 Fr. 2 Zimmer,Vorzimm., Küche. Badez. ab 3900 Fr. Zentralheizung-- Warmwasser»- Fahrstuhl Telefon-- Müllschlucker. 19, rue de l'Atlas 10 Min. v. d. Place de la R£publique. Metro Belleville BPIEFKflSTEM Moraltheologie der„Saafbrfiifer Zeitung". la hatten wir uns, da wir gerne aus dem Reich politischer Polemik in das einer grund- legenden Ausctiiandersetziiiig flüchten, aus eine Unterhaltung über katholisch« Moraltheologic gefreut. Was antwortet man? Mit dem Hinweis auf einen Druckfehler! Statt Hohofs hätte in der»Deut- schcn Freiheit"„i»ohoft" gestanden. Wir würden also, so sagt der Schreiber des gleichgeschalteten Blattes, den geistlichen Kenner des Marxismus vermutlich nur von Hörensagen kennen. Er aber habe, so sagt er, sich mit Hohofs einmal persönlich unterhalten. Fabelhaft! Aber wir sind der„Saarbrückcr Zeitung" in puncto Hohofs über. Wir können mit sehr vielen Gesprächen auswarten, mit Briefen von seiner Hand und mit Widmungen. Aber wir wol- len sie nicht als stolze Federn aus unseren Marxistenhut stecken, obwohl sie beweisen, das, der alte Priester in Paderborn nicht nur die ökonomischen Lehren, sondern auch den hohen ethischen Aus- gangspunkt des Mnrxismus sehr genau kannte. Das wird den Leu» ten von der„Saarbrücker Zeitung" freilich fremd bleiben. Auf der Flucht vor dem eigenen schlechten Gewissen begriffen, verschweige» sie in dieser Debatte über katholische Neutralität, waS der Papst und die deutschen Bischöse zum braunen Blubo-NationalismuS ge» sagt und geschrieben haben. Ehrliche Schimpfboldc haben wir gern. Aber die schleichenden Zeugen wider ihre eigene innere Gesinnung und ihre bester« Erkenntnis, die sie immer dann offenbaren, wenn es nicht gefährlich ist: kurz, die Polemiker der„Saarbrücker Zei- tung" sollen sich dieses Wort Friedrich Nietzsches in ihre Rcdaktions- stuben hängen:„Man lügt wohl mit dem Munde, aber mit dem Maule, das man dabei macht, sagt man doch die Wahrheit." Ischechoslowakei. In Ihrem Dsscnen Brief sagen Sie dem mäch» tigcn Mann allerlei Wahrheiten: Größenwahn, monomanisch, armer Narr, Hysterie, manisch-depressives Irresein. Moral insanity, un» heilbar.— UnS ist soviel Dsscnheit leider nicht erlaubt. Brüssel, Emigrantenklad 19. 9. Am Montag, 8. Qkteber, findet im Klub. Maison d-S ArtisteS, Grand'Plaee.. t», um 8.30 Nhr. ein Bortrag mit Lichtbildern von dem soeben ans Rußland zurück- gekehrten Herrn IaequeS Goldstein statt. Thema: Rußland 1 934. Herr Goldstein wird in seinem Bortrag auch über die jüdische Kolonisation in der Krim und Biro-Bidjan berichten. Ein- führung von Gästen erwünscht. Hans Reimanu. Siehe da, keine Sonne mehr im Herzen? Einst töteten Sie von der groven Seestadt Leipzig aus den.Drachen" der Spiepbürgerei. Unier Hitlers Fahnen versuchten Sie gleich Balance auf mehreren Stühlen. Wofür Ihnen in Prag bei einem Borlrags- abend Pfiffe entgegengelllen. Später schickten Sie, sehr beleidigt, an den von Goebbels gekauften Simpliziiiimus Gedichte. Da gab sich diese seile Dame einen Ruck und schrieb Ihnen:„Sehr geehrter Herr Reimann. Tie irren sich. Die Abrege der„Reuen Weltbühne" ist in Prag."„Nun schreiben Sie wochenplaudernd sür die„Berliner Morgenpost"." Ihr„Geenich" war heroischer. Er ließ sie ihren Treck alleene machen. Freilich, er hatte sein Schloß in Tybillenort, und Sie hatten nicht mehr die«rast, Ihr Brot im wahren Deutschland außerhalb des„drillen Reiches" zu suchen. Gustaf Gründgens. Nun haben Die es also erreicht. Göring hat Tie zum Intendanten de» Staatlichen Schauspielhauses ernannt, das Sie lckwn feit einigen Monaten kommigarisch geleitet haben. Ter bisherige Intendant Tr. Ulbrich, eine herzlich unbegabte braune Kreatur, wurde in GöringS Stab übernommen, was ein festlicher Ausdruck für Kaltstellung ist. Sie, Gustaf Gründgens, waren noch bis in die Februartage von 193» hinein Kulturbolsche. will. Damals schämten Sie sich auch noch nicht Ihrer nicht ganz rogereinen Heirat, derjenigen mit Thomas Manns Tochter Erika. Tie haben sich für eilte Sache gewinnen lassen, der Tie mit dem kalten Beistände des iKarrieremachens dienen. Da Kunst immer- hin etwas mit Gesinnung zu tun hat, besonders am Theater, so werden Tie wohl in Kürze zu den gleichen pflichteifrigen braunen Routiniers gehören, deren Stücke Sie inszenieren müsien. Literatur „Europäische Hefte"««reinigt mit„Ausruf". Di« von Willi Schlamm geleiteten„Europäischen Hefte" wurden mit dem von Hried- rich Bill im sünsien Jahrgang herausgegebenen„Ausruf" vereinigi. Tie Zeitschrist trägt nun den Namen„Europäische Heile", vereinigt mit„Ausruf". Tie erscheint wöchentlich und wird— unter Mitarbeit von Friedrich Bill— von Willi Schlamm geleitet. Tie Redaltion be- findet sich in Prag IL, Bodickova 34. Für den Gesamtlnhall verantwortlich: Johann P i tz in Dud- weiter: für Inserate: STtto Kuhn In Saa-brücken Rotationsdruck und Berlag: Verlag der Volksstimme GmbH„ Saarbrücken ll, Schützenstraße d.— Schließlach 77(5 Saarbrücken. ff (Deutsche faeiheit" Aloanernentspceise: Amerika Dollar Argentinien Peso Belgien belg. Fr. Dänemark Kr. England sh Frankreich fr. Fr. Holland f 1. Italien Lire Luxemburg belg. Fr. Neubelgien belg. Fr. (Eupen-Malmedy) Oesterreich(verboten) Palästina sh Polen(verboten) Rumänien Lei Rußland Rubel Saargebiet fr. Fr. Schweden Kr. Schweiz schw. Fr. Spanien Peseta Tschechoslowakei Kr. im Monat 1- 15.- 3,70 4,- 12.- 1,50 10,- 15- 12.- 4.- 90,- 1,- 12,- 2,60 2,40 6,- 30,- Zusteil* gebühr 0.50 1.- 5,30 2,30 1,10 3,75 0,40 5.- 5,30 5,30 1,10 30,- 7,50 1,70 0,80 %- 5,50 1 Bei Zusendung unter Kreuzband durch die Post sind die Portogebühren vom Besteller mit dem Abonnementsbetrag zu entrichten.