Tob blub2 310 Freiheit Nr. 238 2. Jahrgang Einzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Saarbrücken, Samstag, den 13. Oktober 1934 Chefredakteur: M. Braun Katholikenverfolgungen wird Hitlers eenstes Wort Seite 3 Korruption der Hitlerbonzen Seite 4 Düstere Wolken übec Frankreich Seite 8 # が Volkssturm an der Saar Die in der deutschen Freiheitsfront geeinten Sozialisten und Kommunisten stoßen in gewaltigen Kundgebungen vor-- In In Saarbrücken drei überfüllte polizeilich gesperrte Säle- Auftakt für den 13. Januar Durchbruch! Saarbrücken, 12. Oftober. Am Mittwoch hörten wir uns die Saarmeldungen am beutschen Rundfunk an. Es wurde berichtet, daß der„ Separatismus“ so nennt das Banditentum die Front des deutschen Arbeitsvolks an der Saar sich in voller Auflösung befinde. Die Führer seien zum größten Teil geflohen, weil sie an ihrer Sache verzweifelten. Die Verführten seien ratlos faschisten, die von edelstem deutschen Idealismus beseelt find, und dafür von ungeschliffenen Knoten wie dem Saar: bedroht werden! tommissar Bürckel mit dem Verjagen aus ihrer Heimat Wahrlich: ehrlos und schändlich, wer je vergißt, was bestochene Kreaturen einer mit tausendfachen Verbrechen an der deutschen Kultur beladenen Gewaltregierung deutschen Volksgenossen nachzusagen und anzutun wagen. oder träten zur sogenannten„ deutschen Front" über. Irgend- Kommunisten vereint: Pfaff, Pfordt, Sender, LehIn den Versammlungen sprachen Sozialdemokraten und mann, Becker, Lili Hermann und der revolutionäre Dichter Erich Weinert. Der Führer der deutschen Freireise durch die großen Städte der Schweiz. heitsfront, Max Braun, befindet sich auf einer Vortragswo sei von den„ Separatisten" eine Massenversammlung einberufen worden. Man habe ihnen den größten Saal des Ortes zur Verfügung gestellt. Gekommen seien ganze 9 ( neun) Personen. So der amtliche Rundfunk der mit Refpeft zu sagen Regierung des Deutschen Reichs. Am Donnerstagabend gingen wir zu einer plötzlich und fast ohne Propaganda einberufenen Versammlung in Saarbrücken. Zum ersten Male im städtischen Saalbau, der, wie alle anderen größeren Versammlungsräume des Saargebietes, erst durch eine Verordnung der Abstimmungsfommission auch der deutschen Freiheitsfront zur Verfügung gestellt wird. Beruflich verhindert, konnten wir erst kurz vor Beginn fommen. Längst war das Gebäude polizeilich gesperrt. Vor dem Tore, auf der Straße, auf dem Neumarkt staute sich die große Mnege derjenigen, die nicht mehr in den Saalbau gelangen fonnten. Eines der übelsten und verlogensten Subjekte in der„ Saarbrücker Zeitung" berichtet heute, in die Versammlung, die entsprechend den leider noch geltenden einschränkenden Bestimmungen nur von Mitgliedern der sozialistischen Einheitsfront besucht werden durfte, seien wahllos fremde Gäste zugelassen worden. Wie sie doch schwindeln! Wir selbst haben nur nach einem langen regelrechten Kampfe mit allzu pflichteifrigen städtischen Saalwächtern und Polizeibeamten noch Zugang in den Saalbau erlangt, und wir gehören doch, wie selbst der Chefredakteur der„ Saarbrücker Zeitung" nicht be= streiten wird, einigermaßen sicher zur Einheitsfront und konnten uns auch leidlich ausweisen. Strengstens wurde die Kontrolle gehandhabt. Es war also wirklich ein streng ge= schlossener Aufmarsch der Sozialisten und der Kommunisten. Keine Annonce war erschienen. Kein Plakat war geklebt, denn das läßt der Terror- Oberbürgermeister der„ deuts schen" Angst- Front nicht zu. Kein Flugblatt war verbreitet. Nichts war ergangen als ein Ruf der Organis sation und weit mehr als 10 000 Männer und Frauen des Arbeitsvolfs waren zum Saalban geeilt. Nur aus Saarbrücken! Denn da bis in die letzte Stunde zweifelhaft war, ob die Bersammlung überhaupt stattfinden konnte, erhielten in den Außenbezirken selbst die Vertrauensleute feine sichere Kunde. Dennoch wurden einer Versammlung deren drei. Rasch mußten noch Kundgebungen im großen Saal der„ Arbeiterwohlfahrt" und im Saal des" Stiefel" improvisiert werden, und noch mußten Tausende umkehren. Wir sahen in den Versammlungen und auf der Straße dieses Massenaufgebot, hörten die Gespräche und die Rufe. Waren es Emigranten, importierte Lothringer und Fran30sen? Nein, es war bodenständiges deutsches Saarvolk. Es waren Männer und Frauen der Handarbeit, auch der geistigen Berufe und des gewerblichen Mittelstandes, die meisten unmittelbar von ihrer Arbeitsstätte herbeigeeilt. Das also sind die Volksgenossen, die der ungebildete flegel: hafte Führer der deutschen Front" in jeder Rede Ge findel schimpft. Das also find die deutschen Freiheitskämpfer an der Saar, die der von der Terrorfront be zahlte katholische Pfarrer Wilhelm, neben dem ebenso tief: gefunkenen Pfarrer Arens, ein gotteslästerlicher Schands fled seiner heiligen Kirche, als Gesinnungslumpen" be geifert. Das also find die Volksgenossen deutscher Zunge, die ein journalistischer Zuhälter von Schindern, Räubern und Mördern, so heißen wir den gleichgeschalteten Chef= redakteur Dr. Hellbrück ,,, deutschfeindlich" zu nennen sich er: frecht. Das also find die opferbereiten faarländischen Antis Die Saarbrücker sind nicht eben von überschäumendent Temperament. Es ist schwer, sie zu Begeisterungsausbrüchen Hinzureißen. Gestern war das gar nicht nötig. Auch wenn statt gewandten und geschulten Rednern die unbeholfensten Sprecher auf der Tribüne gestanden hätten, würden die Säle unter den leidenschaftlichen Ausbrüchen der Menge erzittert sein. Zum ersten Male konnten ja diese Männer, diese Frauen, diese Jugend in Saarbrücken selbst zeigen, daß sie nicht das klägliche zusammengekehrte Häuflein find, als das die Hitler und Goebbels und deren Schreiber sie seit Monaten hinstellen, sondern die gewaltige Bewegung, die an der deutschen Saar das Werk von Generationen deutscher Arbeiter gegen den Einbruch von rohen Söldnern einer blutbesudelten Diktatur verteidigt. Was sagten die Redner? Sie durften nur über die Abstimmung sprechen. Selbstverständlich redeten sie auch über die großen mit der Saarfrage verbundenen Zusammenhänge, denn schließlich wird hier kein Lokalereignis besprochen, sondern ein europäisches Problem ersten Ranges. Allen Rednern war gemeinsam das unbedingte Bekennts nis zum Deutschtum, die tiefe unzerreißbare Verbundenheit mit dem Volke, dessen Sprache wir reden, die Liebe zu dem Lande, dessen Aecker, dessen Werkstätten, dessen Dome unsere Bäter schufen, der Schmerz und die Scham über die Schande, die unserer Nation, wie einst von außen, nun von innen angetan worden ist, der feste Wille, dieses ewige Deutschland zu säubern von dem brutalen und gefräßigen Ungeziefer, das es ausbeutet und ruiniert und schließlich das unerschütterliche Ziel, das deutsche Saarvolt mit einem geläuterten und erneuerten Reich zu vereinen. Gerade auch die Kommunisten riefen ihren Schwur in die Massen: nimmer für Hitler und immer für Deutschland! Und wie gingen diese Sozialisten und Kommunisten begeistert mit. Mächtiger noch als sonst bei vielen Stellen brandeten die Beifallswogen hoch, wenn die Redner sich bekannten zur kommenden freien großen deutschen Nation, nicht minder allerdings, wenn sie ankündigten, was kommen muß und fommen wird: das deutsche Volksurteil und die geheiligte Abrechnung gegen die Volksverbrecher, deren Schuld grausiger ist als die der blutigsten Scheusale in der Menschheitsgeschichte. Die Pressefreiheit sicgt Man muß sich das ganz klar und deutlich vorstellen: in dem kleinen Territorium des Saargebietes gibt es, was in. dem übrigen Deutschen Reiche mit Gewalt ausgerottet ist: ein paar unabhängige Zeitungen. Jede von ihnen mit nur wenigen Redaktionskräften besetzt. Ohne nennenswerte finanzielle Mittel, wie jeder Kenner des Zeitungswesens zu beurteilen vermag. Eine kleine Schar von freien Journalisten, die mit Einsatz ihres Lebens der mächtigsten und sfrupellosesten Diktatur auf dem Erdball trotzen. Gegen diese paar Zeitungen steht die ganze gleichgeschaltete Presse des Saargebietes in ihren vom Reich bezahlten Palästen und mit Bankkonten, die immer wieder von den Propagandafonds des Goebbels erneuert werden. Gegen die paar unabhängigen Blätter steht der ganze behördliche An alle! Wir antworten in der vorliegenden Nummer auf die terroristischen Verbotsforderungen der« deustchen" Front, die uns durch die Staatsgewalt unterdrückt Grundsatz: die beste Verteidigung ist der Hieb. wissen will. Wir wehren uns nach dem alten deutschen Wir wissen, daß unsere Sprache kräftig ist. Diese Art der Polemik werden wir beibehalten gegen jeden, der uns als Separatisten" oder deutschseindlich" verleumdet, ja schon gegen jede Zeitung, die in erkennbarer Absicht uns nur als« Freiheit" statt als « Deutsche Freiheit" zifiert. Diszipliniert, wie sie gekommen waren und in drangvoller Enge ausgehalten hatten, rückten die Massen ab. Die „ deutsche" Terrorfront hatte Kontroll- und Provokationskommandos entsandt. Vor Beginn standen sie gruppenweise in der Menge, um etwaige Verstöße gegen die Versammlungsverordnungen zu denunzieren. Freiwillige Spizel der ,, landfremden Regierung". Nachher lümmelten sie sich auf dem allmählich leer gewordenen Plaze herum und besetzten regelrecht die Brücke über die Saar, um zu Zwischenfällen herauszufordern. Das Auftreten dieser Burschen war unerhört. Dennoch fam es zu keinem Zusammenstoß. Wir freuen uns darüber. Je größer unsere Disziplin, um so stärker und so erfolgreicher werden wir in den heißen Monaten sein, die noch vor uns liegen. Wir schießen und wir prügeln nicht, aber Schonung im geistigen Ringen werden unsere Gegner nicht zu erwarten haben. Keines ihrer Blätter wagt über die gestrigen Massenvers sammlungen zu berichten. Werden sie wieder wie nach dem unübersehbaren Aufmarsch vieler Zehntausende in Sulzbach die Zahl der Versammelten mit zehn oder zwanzig divis dieren? Wer wird ihren Gaunereien noch glauben, wenn gestern in Sarbrücken allzuviele Mitglieder auch der„ dent: schen Front" staunend sahen, daß regimenterweise die„ Sepa= ratisten" in die Mitgliederversammlungen der Einheitsfront strömten? Der Durchbruch an der Saar ist da! Am 13. Januar wird sich zeigen, wie unerhört die Hitler und Goebbels die Welt anzulügen sich erdreisten, wenn sie behaupten, sie und ihre Taten seien von dem einmütigen Vertrauen der Deutschen getragen. Die geeinte Aktion für Deutschlands Freiheit kämpft an der Saar, und sie wird der Welt zeigen, daß sie für das deutsche Volf au siegen weis. Apparat des Saargebiets vom Oberbürgermeister bis zum Torfschulzen, vom Landgerichtsdirektor bis zum Gerichtsschreiber, vom Studienprofessor bis zum Schuldiener, vom Monopolkapitalisten Röchling bis zum Handelskammersefre tär, alles was aus Neigung oder mehr und häufiger noch aus Angst vor den Gewalthabern im Reich durch Gleichschaltung sich unterworfen hat. Gegen diese paar frei gebliebenen Zeitungen ist die ganze enorme Propagandaorganisation des dritten Reiches" mobilisiert: alle Sender des deutschen Rundfunks, die tausende Zeitungen und Zeitschriften im Reiche, eine unübersehbare Literatur vom Buche bis zur Flugschrift, die vielgestaltigen millionenköpfigen Organisationen des Nationalsozialismus, die Jugend n allen Schulen, denn bis in die Lehrbücher wird gegen uns gefchrieben, ja das ganze Vereinsleben im Reiche, wo überall unser„ Separatismus" in der Herrn Goebbels geläufigen Form gruselig geschildert wird, der ganze Staatsapparat schreit gegen uns, und zu alle dem sind auch noch alle deutschen Grenzen gegen uns gesperrt. Wer eines unserer Blätter über die Grenze bringt, ristiert seine Freiheit, wird jahrelang eingeferfert und wagt bei der rechtlosen Art des Strafvollzuges sein Leben. Und diese mit allen Macht- und Finanzmittel ausgestattete unerhörte Uebermacht weiß mit uns nicht fertig zu werden. Der sonst so allmächtig tuende autokratische Führer des Reiches entwürdigt sich zu einer Denunziation gegen uns an tie vom Völkerbund eingeseẞte fremde Regierungskommission. Er, der seinen Gegnern das Erschießen androht, fühlt sich uns gegenüber so in die Enge getrieben, daß er die ausländischen Regierungsbeamten um Hilfe gegen unsere Angriffe flehentlich bittet. Warum soll die gleichgeschaltete Presse des Saargebietes mehr Würde zeigen als ihr Geldgeber? Seit Tagen schon weiß sie sich keinen anderen Rat mehr, als von der Regierungskommission das Berbot aller Zeitungen der Freis heits- und Einheitsfront zu erbetteln. So heruntergekommen ist diese Sorte Journalistik, die mit Deutschtum nichts mehr zu tun hat, daß sie sich eine freie politische Dis fussion nicht mehr vorstellen kann. Wo die Wahrheit gegen sie aufsteht, ruft die Presse des Herrn Hitler nach der Staatsgewalt, die den gefährlichen Gegner niederschlagen soll. Dabei wird diese Presse so unfähig geleitet, daß die„ Saarbrücker Zeitung" in ihrem heutigen neuen besinnungslosen Wutausbruch den Präsidenten der Regierungsofmmission vorwirft, er dulde unverschämte Herausforderungen, freche Provokationen, ja ab= geseimte Schurkereien! Und da wundert sich diese Presse noch, daß ihre Aufsätze ber dem aus einem zivilisierten Lande stam= menden Präsidenten Knox nicht die Ausnahme findet, die das Blatt glaubt erwarten zu können. Es handelt sich noch immer um die ungeklärten Hintergründe des Attentats von Marseille, um die blutige nationalfaichistische Spur, die in diesem Jahre von den politischen Morden in Bukarest, Warschau, Berlin und München ( 30. Juni) über Wien nun bis nach Marseille führt. So hilflos find die von uns unermüdlich und unbarmherzig Attackierten, daß sie unüberlegt die menschenunwürdige Diftatur des Herrn Hitler vergleichen mit fultivierten Regierungen und Staatsmännern in Frankreich und in England, ja mit dem von seinem ganzen Volk in demforatischer Selbstbestimmung geachteten König von nEgland. Auch bei der schärfsten politischen Gegnerschaft wird niemand Regierungen zivilisierter Methoden in Verbindung bringen mit politischen Morden. Der 30. Juni ist ein rein hitler= deutsches Ereignis und der 25. Juli in Wien ist ein rein hitleristisches Verbrechen. Diejenigen, die für diese von der ganzen Kulturwelt ver abschenten Ereignisse die Verantwortung tragen, haben es sich selbst zuzuschreiben, wenn bei neuen politischen Morden naheliegende Fragen auftauchen, Wir verbitten es uns, die derzeitigen deutschen Gewalthaber, ihre Moral und ihre Taten gleichzusehen mit unserem deutschen Volke. Wer diese Männer da oben in ihren verfassungswidrig erschlichenen und angemaßten Stellungen befämpft, beleidigt nicht, sondern ehrt das deutsche Wolf. Gine, infame Beleidigung der deutschen Bevölkerung des Saargebietes" ist es, zu behaupten, diese anständigen deutschen Menschen hätten etwas gemein mit den barba= rischen Methoden, die seit dem 30. Januar 1933 das Reich terrorisieren. Die„ Saarbrücker Zeitung" verlangt von der Rasierungsfommisfion, sie solle uns Berleumder" zurechtweise. Gerade fie ist dazu legitimiert. Wenn wir jahrelang die Röhm, Heines, Ernst und Konforten als Reichsminister, Polizeipräsidenten und hohe nationalsozialistische Würdenträger hart, aber wahrheits: gemäß als das bezeichneten, was sie waren: Päderaften, forumpierte Banditen, Schufte, Folterknechte und Mörder, wie hat uns dann diese„ Saarbrücker Zeitung" mit ihrem verluderten Chefredakteur Dr. Hellbrück genannt? Lügner, Verleumder, Verbreiter von Greuelmärchen! Dann nach dem 30. Juni hat der Partei- und Staatsführer Hitler höchst persönlich seine inzwischen von ihm ermordeten nächsten Freunde genau mit denselben Ausdrücken belegt, die wir vorher schon, von unserem Gewiffen getrieben, immer wieder gebraucht haben. Wir unterschieden uns also von dem inzwischen durch Herrn Goebbels zum moralischen Gesetzgeber der deutschen Nation beförderten Herrn Hitler und seinen getauften Jourenalisten unter anderem darin: Wir sagten frei heraus, was Hitler und seine Kreaturen so genan wußten wir wir, aber in ihrem unermeßlichen Boltsbetrug immer wieder bestritten. Wo also saßen und figen die Verleumder? Dieselbe„ Saarbrücker Zeitung" hat im ersten Schrecken über die Schmach des 30. Juni am 6. Juli unter der Ueberschrift„ Vertrauen verpflichtet" folgenden Appell an die Reichsregierung gerichtet: Die deutsche Bevölkerung und auch die Bevölkerung des Saargebiets hat das Vertrauen zur Reichsregierung, daß sie in Staatsnotwehr gehandelt hat, daß also die Konspirationen der Staatsverschwörer so gefährlich und so weitgehend waren, daß dies harte Durchgreifen notwendig und nicht zu umgehen war. Aber wir dürfen keinen Zweifel darüber lassen, daß dieses Vertrauen nun auch der Regierung die Verpflichtung auferlegt, der Be: völkerung die Notwendigkeit dieser Notwehrmaßnahmen verständlich zu machen... so... wünschen wir, daß eine regierungsseitige Verlautbarung die Maßnahmen der Staatsregierung als Notwehr ausweist und das Maß an Schuld, das den einzelnen Beteiligten zugewiesen werden muß, flar erkennen läßt." Nie hat die„ Saarbrücker Zeitung" und die übrige gleichgeschaltete Presse darauf eine Antwort bekommen. Nie ist von Herrn Hitler auch nur der leiseste Versuch gemacht worden, die unter„ Heil Hitler geschehene bestialische Ermordung der Katholikenführer mit irgendeiner Schuld der Opfer zu rechtfertigen. Nie ist Auskunft über die Zahl der Opfer und über ihre Schuld gegeben worden. Die gleichgeschaltete Presse aber hat geschwiegen, wie sie aus Angst vor ihren Geldgebern und um des Sündenlohnes millen, den ihre Redakteure monatlich einstreichen, ge= fchwiegen hat zu allem, was unser deutsches Bolt büttelt und schändet: an den Folterungen, zu den Selbstmorden Die Schuld der Nationalsozialisten Die braune Presse hat gegen uns eine wüste Hetze inszeniert und unser Verbot verlangt, weil wir es wagten, bei dem Attentat auf Barthou und König Alexander auf gewisse politische Zusammenhänge und recht seltsame 3u= fälle" hinzuweisen. Aber die Wahrheit läßt sich durch Schimpftanonaden nicht vertuschen und maßgebende ausländische Blätter beginnen ihrerseits diese merkwürdigen Zusammenhänge hervorzuheben, wie aus nachfolgender Meldung hervorgeht: Paris, 11. Oftober. len, von der Macht der friedliebenden Völfer abhängt, die nicht wollen, daß die Zukunft Europas sfrupellosen Zerstörern ausgeliefert werde, die aber auch vor gar nichts zurückschrecken. Für diese Nationen heißt die Parole: Einigung. Und es ist zu hoffen, daß jene Länder, die ein Spiel von einem Pol zum andern treiben, in dem Glauben ihr Ins teresse zu wahren, endlich ihren Irrtum einsehen. Der Frieden ist ein gemeinsames Gut, das gemeinsam verteidigt werden muß. Hoffen wir, daß diese traurigen Ereignisse zur Lehre dienen." Im Journal des Debat s" schreibt Pierre Bernus: ,, Um die Mordtat von Marseille zu verstehen, muß man fie in Parallele setzen zu den politischen Morden von inter- Die Waffen des Mörders nationaler Tragweite, die sich in den letzten Monaten ereig= net haben. Systematisch werden die Männer beseitigt, die die europäische Ordnung verteidigen und deren Verschwinden, wie man annimmt, dazu beitragen könnte, die europäische Ordnung zu erschüttern. Zuerst war die Ermordung von Duca durch rumänische Nationalsozialisten, die in Verbindung mit Nationalsozialisten aus dem Reiche standen. Dann kam die Ermordung von Dollfuß durch Mitwirkung der hitler- deutschen Behörden. Und jetzt sind es König Alexander und Barthou. Zu gleicher Zeit wurde einer unserer besten militärischen Führer das Opfer. Diese Kette von Attentaten, die alle im gleichen Geiste ausgeführt wurden, ist nur zu begreiflich. Die kleine Entente, das unabhängige Oesterreich und Frankreich sind ein Dorn im Auge. Es geht bei diesen Attentaten darum, diejenigen, die die gegenwärtige europäische Ordnung verteidigen, zu schlagen, in der Hoffnung, damit die europäische Ordnung zu stürzen. Der Mord ist übrigens in einem gewissen Lande ein fast normales Mittel der Politik geworden. Er wird mit einer Selbstverständlichkeit im Innern ausgeübt. Warum sollte er nicht auch über die Grenzen hinaus ausgeübt werden? Seit Friedensschluß halen die deutschen Nationalisten ihre zu flucht zum Mord genommen um sich all jener Menschen zu entledigen, die ihnen im Wege stehen. Die Zahl der begange= nen Verbrechen seit 15 Jahren ist enorm. Die nationalsozia= Massafer, dem Nationalsozialisten, Generäle, Katholiten zum listischen Mordtaten vom 30. Juni, dieses ungeheuerliche Opfer fielen, der 30. Juni, an dem viele Unglückliche auch irrtümlicherweise ermordet wurden, hat gezeigt, daß man in Hitler- Deutschland weit davon entfernt ist, diese Mordmethoden aufzugeben. Im Gegenteil, diese Methoden wer= den mehr denn je ein Mittel der Regierung. Selbst wenn die Nationalsozialisten gewisse internationale Mordtaten nicht direkt befohlen oder dazu ermutigt haben sie haben in jedem Fall die Ermordung von Dollfuß befohlen- so haben sie doch eine furchtbare Verantwortung auf sich geladen da: durch, daß sie aus der Politik ein Feld des Mordes gemacht haben. Diese Situation verlangt größte Wachsamkeit in jedem Augenblick. Sie zeigt, daß die Sicherheit der Völker, die ihre Unabhängigkeit und den allgemeinen Frieden wahren wolParis, 13. Oftober. Bei dem Mörder sind zwei Schießwaffen gefunden worden. Erstens eine Mauserpistole von 7,63 Millimeter, aus der der Mörder geschossen hat und zweitens ein Revolver System Walther. Also zwei deutsche Pistolen. Das ist natürlich ein Zufall, nur ein Zufall. Trotzdem wäre es interessant, von den uns wildbeschimpfenden Blättern zu erfahren, wie sie sich die Tatsache erklären, daß der Mörder im Besitz des neuesten Modells der Mauser- Pistole war, daß soviel wir wissen, im privaten Handel nicht zu haben ist. Es handelt sich nämlich um eine neuartige Maschinenpistole, die eigentlich sozusagen ein Taschenmaschinengewehr darstellt. Nach einem Druck gibt diese Maschinenpistole ununterbrochen 20 Schüsse nacheinander ab. Von sachverständiger Seite wird behauptet, daß diese Pistole, die eine außerordentlich wirksame Waffe ist, ein gro= ßer Stolz und das große Ereignis der Mauser- Fabrik in Oberndorf. Oder mindestens noch vor wenigen Monaten ein Geheimnis war. Wir können uns schwer vorstellen, daß man ein solches Taschenmaschinengewehr ohne weiteres im Waffenhandel erhalten könnte. Aber selbstverständlich war es nur ein Zufall, daß der Mörder diese furchtbare Mordwaffe in seine Hände bekommen hat. Die andere Pistole, die der Mörder in der Tasche trug, war, wie bereits gesagt, eine Walther- Pistole. Bekanntlich ist die Schußpolizei zur Hauptsache mit der Waltherpistole ausgerüstet. Bekannt ist auch, daß die Firma Walther diese Pistole als besonders geeinget für die SA, und SS. zum Verkauf angeboten hat. * Paris, 12. Oft. Wie dem„ Matin" aus Marseille berichtet wird, war der Mörder des Königs von Südslawien außerordentlich schwer bewafnfet. Man fand bei ihm eine MauserMaschinenpistole, Stal. 7,65, 1240 Gramm schwer, 28,8 3entimeter lang, bei der Ladestreifen von 10 oder 20 Kugeln Verwendung finden; ferner eine Walther- Pistole, Kal. 7,65, und schließlich eine Bombe, deren Herkunft nicht festzustellen ist. Sie enthält etwa 80 Gramm Cheddit. Es ist eine Bombe, wie fie Anarchisten gewöhnlich nicht besitzen, sondern wie sie im Kriege Verwendung findet. An Patronen besaß Kalemen zwei 20schüssige Ladestreifen für die Mauser und sechs Ladestreifen zu neun Schuß für die Walther- Pistole. „ Eine unerhörte Taktlosigkeit" Die Helfershelfer des Mörders Berlin, 12. Oft. Die Gestapo haf gestern in aller Stille das 8- Uhr- Abendblatt" tonfisziert. Die Ursache der Beschlagnahme ist, wie wir erfahren, ein in dem„ S- Uhr- Abendblatt" unter der Ueberschrift Eine unerhörte Taftlosigkeit" nachgedruckter Artikel aus dem Pariser L'Ordre", in dem das rechtsstehende Pariser Blatt die Tatsache feststellte, daß am Dienstag, dem Tag des Attentats gegen König Alexander und Barthou, sämtliche Börsen Europas eine feste Tendenz auswiesen mit Ausnahme der Börse von Berlin, und anschließend daran die Frage stellte, ob man vielleicht in Berlin vorher von dem Attentat gewußt habe.( Inpreß.) dub. Berlin, 12. Oft. Das Reichspropagandaministerium hat die Vorführung des Filmstreifens vom Marseiller Attentat aus Gründen des Taktes verboten. Der griechisch- katholische Erzbischof Lettlands ermordet Sein Haus in Brand gesteckt Riga, 12. Oft. Am Spätabend des Donnerstag wurde das Haupt der griechisch- katholischen Kirche Lettlands, Erzbischof Johann Pommer, ermordet. Sodann versuchten die Mörder das Haus durch Brand zu vernichten. Kurz nach Mitternacht wurde die Feuerwehr in den Villenvorort Rigas, Waldpark( Kaiserwald), gerufen, wo in dem Hause, das vom Erzbischof allein bewohnt wird, ein Feuer ausgebrochen war. Nach dem Ablöschen des Brandes machte die Feuerwehr eine entjeßliche Entdeckung. In einem ab seits gelegenen Zimmer lag gräßlich verstümmelt, mit Stroh und drei ausgehobenen Zimmertüren bedeckt, der Leichnam des Erzbischofs. Man stellte fest, daß die Wohnung des Erzbischofs durchwählt worden war. Es wird vermutet, daß der Mord mit einem Prozeß wegen Unterschlagung von Kirchengeldern zusammenhängt. Dieser Tage sollte die Gerichtsverhandlung in Riga beginnen. Der Erzbeschof wollte daber als Hauptbelastungszeuge auftreten. Der noch unbekannre Mörder ist flüchtig. in den Gefängniszellen, zu den Stürzen aus den Fenstern, zu den Erschießungen auf der Flucht, zu der Zerstörung von hunderttausend deutschen Arbeiterwohnungen mit ihrem ärmlichen Hausrat, zu der jahrelangen Einterte: rung von Schuzhäftlingen ohne Verfahren und ohne Schuld, zu den Konzentrationslagern und zu all den unge= zählten und ungefühnten Verbrechen. Dieses Schweigen geschah und geschieht in genauer Kenntnis der Schandtaten, mit den Bildern der Opfer vor Augen. Und eine solche Piesse will sich herausnehmen, unser Verbot zu fordern, Eine solche, jeden politischen Massenmörder verherrlichende Journalistik erfrecht sich, von fremden Regierungsorganen die Unterdrückung deutscher Kampfzeitungen zu verlangen? Es ist wirklich zum Speien! Nach dem 30. Juni hat diese Journalistik heuchlerisch den Stab gebrochen über die Röhm und Heines. Es wird der Tag kommen, wo sie die heute noch von ihnen angebeteten und angeheilten Gößen nicht anders beurteilen wird als die Röhm und Heines, die bei all ihren Untaten noch fleine Schächer waren im Vergleich zu denen, deren Aburteilung dub. Paris, 12. Oft. Die beiden in Annemase verhafteten Helfershelfer des Marseiller Verbrechens haben zugegeben, daß sie mit Kalemen in Marseille waren und daß sie den Auftrag hatten, in Paris einen zweiten Anschlag zu verüben, wenn der erste fehlschlagen sollte. Im Zusammen hang mit der Tat von Marseille wurden 12 Südslawen verhaftet. Der neue russische Botschafter in Berlin Berlin, 12. Oft. Als Nachfolger für den bisherigen sowfet russischen Botschafter bei der Reichsregierung, Chintschuf, traf heute um 8 Uhr der neuernannte Botschafter der Sowjetunion in Berlin, Suriß, auf dem Bahnhof Friedrich straße ein. Zu seiner Begrüßung war von sowjetrusfischer Seite fast das gesamte Personal der Botschaft der Sowjetunion erschienen. Von deutscher Seite hießen der Chef des Protokolls v. Bassewiß, sowie Legationssekretär Pfelderer den neuen Leiter der Botschaft Sowjetrußlands und seine Gattin herzlich willkommen. Das Neueste In Plymouth tam es am Donnerstagabend bei einer Faschistenversammlung, an der 10 000 Personen teilnahmen, zu Ruheftörungen. Zwei Schwarzhemden versuchten Reden zu halten, wurden aber unaufhörlich unterbrochen. Nach einer halben Stunde brach unter den Zuhörern eine wilde Schläs gerei aus. Die Versammlung wurde bei allgemeinem Durch einander geschlossen. Polizeiverstärkungen trafen bald an Ort und Stelle ein und nahmen Verhaftungen vor, von denen fünf aufrechterhalten wurden. Ein Mann wurde schwer verletzt in ein Krankenhaus gebracht. Einer Meldung des Daily Herald" anz Canberra zufolge foll auf Grund eines Befehls der australischen Bun: desregierung am Donnerstag ein japanisches Fahr= zeug an der Küste von Neuguinea innerhalb der britischen Zone angehalten und die Besagung von 25 Mann verhaftet worden sein.„ Daily Herald" sagt, die Maßnahme stünde mit dem vor einigen Tagen gemeldeten Ueberfall auf die Insel Haggerstone in der Torresstraße zusammen, bei dem japanische Seelente den Landungssteeg zerstört, Häuser ges plündert und Rotosplantagen in Brand gesteckt haben sollen. und Vernichtung als hohe geschichtliche Aufgabe noch vor dem deutschen Volke steht. Recht lange glaubten uns die Gleichgeschalteten von oben herab behandeln zu können. Sie vertrauten darauf, daß der Terror und der Boykott unsere Zeitungen von den Mitgliedern der deutschen Front" fernhalten würden. Das ist mißlungen. Erst versuchte man es mit lahmen hochfahrenden Erwiderungen. Ihre eigenen Leser dürften den Redaktionen beigebracht haben, daß es damit nicht weiter geht. Aber was tun, wenn alle Lügen gegen die Wahrheit nicht helfen? Nun schreit man zur Regierungskommission hinauf: Ver= bietet! Verbietet! Verbietet! Mögen die Knechte Hitlers und die Feinde eines freien Deutschlands um Rettung rufen, bei wem und wie oft fie wollen. Es gibt für uns feinen Rückzug und für sie keine Schonung. Wir greifen an! Und was immer man mit Recht oder Unrecht uns vor. werefn mag: Furcht kennt die Deutsche Freiheit" nicht! Für Deutschland 13. Gegen Hitler! SAAR BEILAGE . Ein freudiges Ereignis Bei Hofer frères Beim Verlag Hofer freres, Saarbrüden, herrscht große Freude. Man will dort einen„ Saarkalender" heraus bringen. Nun hat sich die Verlagsleitung den Kopf darüber zerbrochen, wie man aus diesem Saarkalender ein gutes Geschäft machen können selbstverständlich im„ nationalen" Interesse. Man kam auf die geniale Idee, Ihn" höchstpersönlich um ein Geleitwort zu bitten. Und, siehe da! Der vielbeschäftigte, um seine Saarfinder sehr besorgte„ Oberite Gerichtsherr" hat wirklich für Hofer freres ein Geleitwort geschrieben. Nun ist das Geschäft gesichert und den Aftio= nären der Hofer freres winfen entsprechend dem Grundsatz " Gemeinnuß geht vor Eigennut" hohe Dividenden. In dem Geleitwort zum„ Saarkalender", das der Abstimmungspropaganda dienen soll, wird natürlich an die ,, verruchten" 14 Jahre erinnert( auf andere neue Gedanken fommt Hitler nicht mehr) und zum Schluß heißt es: „ Wenn aber nun die Stunde kommt, da Ihr zurückkehrt, werden wir dafür auch in Euch nichts anderes sehen, als Deutsche, denen wir die Hand reichen zum Eintritt ins deutsche Vaterhaus!" Das ist alles, d. h. nichts als dröhnende Worte, und leeres Gerede, sowie Appell an die Tränendrüsen hysterischer Weiber. Wir vermissen dagegen im Geleitwort die Mitteilung, mo im Saargebiet Konzentrationslager errichtet und wieviele Saarländer, die nicht für Hitler sind, auf der Flucht er= schossen", d h. ohne Gerichtsverfahren erschlagen werden sollen. Schade! Diese Angaben würden das Bild über die Zukunft der Saar abrunden. Wir bekennen uns alle zu Deutschland. Aber wir sind der Ansicht, daß dieser Mann, der vor drei Jahren noch nicht einmal deutscher Staatsangehöriger war, nicht Deutschland repräsentiert, sondern im Gegenteil Deutschland vergewaltigt. Um Deutschland von dem land- und wesensfremden Gewächs des Nationalsozialismus zu befreien, muß deshalb Hitler an der Saar geschlagen werden. Die Saar im„ Kulturverein" Was alles für die Rettung des Saarlandes getan wird Streichers Fränkische Tageszeitung" berichtet über einen ,, Großen Variete und Theaterabend der Ortsgruppe Steinbühl": Der große Saal des Kulturvereins war am Sonntag= abend bis auf den letzten Platz besetzt. Die Ortsgruppe Steinbühl der NSDAP. hatte ihre Mitglieder und Freunde zu einem großen Variete und Theaterabend eingeladen. Nach flotten Weisen der Ortsgruppenkapelle, die den ganzen musikalischen Teil des Abends bestritt und nach original oberbayerischen Volkstänzen, von einem Trachtenverein vorgeführt, begrüßte Ortsgruppenleiter und Stadtrat Pg. Haßler die Erschienenen und dankte für den außerordentlich zahlreichen Besuch besonders durch die Kriegsopfer und die Frauenschaft. Als erster Glanzpunkt muß die Familie Larson in ihren musikalischen Spielen bezeichnet werden. Dann folgte Salern„ Der zaubernde Unterhaltende". er versetzte das Publikum mit seinen verblüffenden Erperimenten eine Viertelstunde lang in Erstaunen. Zum Schluß zeigte er eine herrliche Scherenarbeit, auf der die Worte ,, Deutsch die Saar immerdar!" zu lesen waren. Dann fam der Nürnberger Mundartdichter M. Bauer. Er trug eigene lustige Mundartdichtungen vor, die das Publikum von einer Lachsalve in die andere verfallen ließ und ihn zu mehreren Treingaben zwangen. Nach der Pause, die von der Ortsgruppenkapelle, einem für die Kürze der Zeit, seit er besteht, recht ansehnlichen Klangkörper, mit schneidigen Märichen ausgefüllt wurde, stieg ein außerordentlich luftiger und von fomischen Situationen strozender Militärschwank In Zivil", der vor allem auch dadurch wohltuend wirkte, daß er nicht mie die meisten derartigen Stücke eigentlich nur eine Verächtlichmachung unseres Vorfiegsheeres war. Die originellste und beste Figur war jedoch der Bursche des Obersten, Fritz ( Ewald Wirth). Reicher Beifall belohnte die Künstler. Die Schlußnummer war nochmal ein Glanzpunkt, die„ 3wei Harrison", ganz hervorragende Parterreakrobaten mit wahrhaft klassischen Körperformen. Wenn man bedenkt, daß für diese umfangreiche und wirklich unterhaltsame Veranstaltung der Preis von 50 Pfg. zu bezahlen war, so kann man nur sagen:„ So etwas ist auch erst dem Nationalsozialismus möglich geworden." In der Tat: Nur im Nationalsozialismus ist so etwas als Qulturverein möglich. ,, Wartet nur bis 1935." Aus Saarlouis wird uns geschrieben: JANUAR DEUTSCHE FREIHEIT Katholikenverfolgung und Hitlers Ehrenwort Am 27. Juni hat der Reichskanzler Adolf Hitler mehreren katholischen Bischöfen sein Wort gegeben, daß er die neuheidnische Bewegung unterdrücken werde. Drei Tage später wurden bekannte Katholikenführer unter „ Heil Hitler!" ermordet und eingeäschert. Auch sonst hält Hitler sein Wort so, wie man es bei ihm gewohnt ist. Das merkt sogar die früher katholische Landeszeitung" in Saarbrücken. Sie klagt in ihrer Nr. 271: Um die so notwendige Befriedung unseres Volkes auf kulturellem Gebiete stände es wesentlich besser, wenn ein mal durch ein Gesetz jeder mit ernster Strafe bedroht würde, der öffentlich gegen religiöse Lehren und Einrichtungen polemisiert, die er nachweislich nicht fennt. Gerade solche grundlosen, auf Unwissenheit beruhenden Angriffe erregen immer wieder tiefgehende Erbitterung und hindern die Verwirklichung des großen Gedankens der Volksgemeinschaft. Zu diesem Hinweise veranlassen uns mehrere Vorkommnisse aus jüngster 3eit, von denen hier zwei charakteristische Beispiele angeführt seien. Nach einem Berichte der„ Stubmer Zeitung"( 25. Ernting) über einen Mitgliederappell der NSDAP. erflärte ein Redner: „ Wir haben immer noch die Arbeit, den Dreck der legten 14 Jahre abzuschütteln, aber wir werden auch diese Aufgabe schaffen. Wir fämpfen gegen die verschie densten Feinde, gegen das Judentum, gegen Freimaurer und Marristen, gegen die Reaktion; unser ärgster Feind ist aber die katholische Aktion. Man darf bei letzterem nicht den fatholischen Glauben oder die katholische Kirche dabei im Auge haben, nein, weit gefehlt, es handelt sich um diejenigen, die immer wieder ihre Politif machen wollen und dabei ihre Aufgabe, die Seelsorge, vergessen und schließlich nur noch bei der Politik, die sie nichts angeht, hängen bleiben." Sollte man es für möglich halten, daß ein an verantmortlicher Stelle stehender Mann heute immer noch nicht weiß, was die Katholische Aftion" ist und will? Sie ist doch von autoritativster Seite grundsätzlich so eindeutig umschrieben und in amtlichen programmatischen Kund gebungen so eingehend erläutert worden, daß gar keine Zweifel über ihr Wesen und ihre Ziele bestehen können. Vor allem herrscht völlige Klarheit darüber, daß sie nicht das Geringste mit Politif zu tun hat, sondern sich streng im Rahmen rein religiöser Aufgaben hält. Eine solche ausschließlich religiöse, von der deutschen Regierung anerkannte Einrichtung aus Unfennt= Die betrogene Saar Wann w rd Schach zahlen? Als es sich herausgestellt hatte, daß infolge der betrügerischen Manipulationen des Dr. Schacht in der Pariser Verrechnungskasse statt eines Ueberschusses ein Fehlbetrag vorhanden war, veröffentlichte die Saarbrücker Zeitung" ihren befannten erpresserischen Artikel. Darin hat das braune Blatt den Spieß umgedreht und die Schuld dafür, daß die Saarunternehmer für ihre Waren feine Gelder aus dem dritten Reich" bekommen, den Franzosen in die Schuhe geschoben. Nachdem auf diese eigenartige Art die Oeffentlichkeit an der Saar„ bearbeitet" wurde, begab sich eine Delegation aus Vertretern der braunen Unternehmer zur Regierungskommission. Dort hat man sich mit Recht über den gegen= wärtigen unerträglichen Zustand beschwert, aber gleichzeitig die Regierungskommission ersucht, in Paris vorstellig zu werden, damit die Franzosen den Saarunternehmern das Geld bezahlen, das ihnen Dr. Schacht schuldet. Wie wir hören, hat man aber den Herren braunen Unternehmern zu verstehen gegeben, daß sie sich an eine falsche Adresse gewandt haben. Wenn ihnen Schacht Geld schuldet und nicht bezahlt, so müssen sie schon, wenn sie sich überhaupt beschweren wollen, fich an ihren Schacht wenden. Nachdem die Delegation der braunen Wirtschaftsvertreter eingesehen hatte, daß ihre erpresserischen Versuche keinen Erfolg hatten, blieb den Leuten nichts anderes übrig, als sich nach Berlin zu wenden. Mitte dieser Woche ist tatsächlich auch eine Delegation aus Vertretern der braunen Saarwirtschaft nach Berlin abgereist, um dort mit den maßgebenden Stellen über die Freigabe der im Reich eingefrorenen Millionen zu verhandeln. Es hat sich hierbei herausgestellt, daß nicht nur seit Abschluß des Handelsvertrages ein Fehlbetrag in der Verrechnungskasse vorhanden ist, sondern daß darüber hinaus das Reich noch viele Millionen für Waren schuldet, die seit Juni, also zwei Monate vor Infrafttreten des Clearingverfahrens, hätten bezahlt merden müssen. Es soll ich hierbei um die ganz nette und runde Summe von 60 Millionen Fran fen handeln, die das Reich immer noch nicht bezahlt hat. Es ist möglich, daß Schacht, um die Saardelegierten nicht allzusehr zu verschnupfen, ihnen ein paar Groschen verspricht, Vor der detachierten Straffammer standen zwei typische Terrorfälle zur Verhandlung. Der Kaufmann H. R. aus Saarbrücken, der sich auf einer Geschäftstour in Nalbach befand, kam in die Wirtschaft Spurt, woselbst die Reisende Rosalie L. aus Dillingen ihre Waren zum Kaufe anbot. Ohne jegliche Veranlassung schimpfte er auf die Verkäuferin und schließlich auch auf die, die bei Juden kaufen. Natürlich fehlte die Drohung nicht:„ Wartet nur bis 1935, dann müssen die Juden alle hinaus." Die Reisende, die einer alteingesessenen das ungemütliche Lokal, um weiteren Anrempelungen aus dem Wege zu gehen, aber R. hatte seinem arischen Aerger noch nicht genug Luft gemacht; er verfolgte die eingeschüchterte Dame bis in die Straßenbahn. Dort setzte er feine Schimpfkanonade in noch größerem Ausmaße fort. Schließlich nahm sich ein Schaffner der Sache an und in Dillingen gelang es mit Hilfe der Polizei, den Namen des Helden festzustellen. Vor Gericht schützte er feigerweise seine angeblich totale Trunkenheit vor. Er will sich kaum des Vorgangs erinnern können. Durch einwandfreie Zeugenaussagen wurde sein damaliges Benehmen festgestellt. Der Staatsanwalt belehrte ihn obendrein eines anderen und beantragte wegen öffentlicher Beleidigung 3 Wochen Gefängnis und wegen Vergehens gegen Artikel 11 der Verordnung der Regierungsfommission vom 20. 11. 1983 einen Monat Gefängnis, die auf eine Gesamtgefängnisstrafe von sechs Wochen zusammenzuziehen seien. Das Gericht ging bei der Urteilsfindung infolge der schweren Verfehlungen über den Antrag hinaus und setzte zwei Monate Gefängnis fest nebst Tragung der Kosten des Verfahrens. Der Beleidigten wurde außerdem das Recht zugestanden, den erkennenden Teil des Urteils auf Kosten des Angeklagten an der Gemeindetafel in Dillingen auf die Dauer von einer Woche befanntangeben. jüdischen Kaufmannsfamilie in Dillingen entstammt, verließ Zweierlei Maß Im Juni des Jahres konnte das„ Saarbrücker Abendblatt" einmal wieder mit einem Schmäh- und Lügen- Artikel aufwarten. Das der braunen Front wahrhaft zur Zierde gereichende Blatt wußte von„ sensationellen Enthüllungen" und dem„ baldigen Zusammenbruch der Freiheitsfront" zu berichten. Die betreffende Nummer, gedruckt wie eine genis( wir nehmen Unkenntnis an!) öffentlich als„ ärgsten Feind" zu bezeichnen, bedeutet gerade in der gegenwärtigen Zeit eine Leichtfertigkeit, die mehr als nur bedauerlich ist. Die Deutsche Metallarbeiterzeitung", die von vielen gläubigen katholischen Arbeitern pflit gemäß gehalten wird, bringt in ihrer Nummer 34 einen Aufsatz über„ Die Frau und Mutter im vorchristlichen Germanien", der neben anderen Torheiten auch folgenden religionsgeschichtlichen Tiefsinn bietet: „ Die ewige Mutter Natur ist der große und einzige Gott. Obwohl nun das Christentum den Mutter- Natur- Gott entthronte und an seine Stelle den Bater- Geist- Gott setzte, holte sich doch die menschliche Seele im Bilde der Maria mit dem Kinde, die Muttergottheit als die naturbedingte Heiligkeitsverehrung zurück, und es ist bekannt, welchen Vor rang diese Verehrung heute noch in der fatholischen Kirche gegenüber dem Gottesgedanken einnimmt." Wenn der Verfasser die Natur als einzigen Gott be= trachtet, so mag er das tun. Aber es ist ein Uufug, ihm zu gestatten, daß er seine durchaus unmaßgebliche Privatmeinung in einem wirtschaftlichen Fachblatt und Pflichtorgan den christlichen Lesern aufdrängt. Ein noch größerer Unfug ist es, daß er diesen Refern solche Albernheiten über die katholische Marienverehrung vortragen darf, von deren Wesen er offenbar feine Ahnung hat. „ Unfug noch größerer Unfug!" So regt sich die „ Landeszeitung" auf. Der größte Unfug aber ist, daß das Blatt seinen Lesern einreden will, die Katholikenverfolgung der landläufigen Nazis geschehe aus Unkentnis. Nein, sie geschieht aus dem rohen, grob materialistischen Blutwahn, den Hitlers Achtelbildung in seinem Schundbuche„ Mein Kampf" predigt. ,, Sollte man es für möglich halten", daß jemand nach der Lektüre dieses Machwerks glauben kann, Hitler wolle und könne die katholische Kirche ernstlich tolerieren? Nicht einmal kritisch ausgewählte 3itate, wie oben, wird sich die„ Landeszeitung" noch erlauben dürfen, wenn die Nazis Herren über das Saargebiet werden sollten. worüber naturgemäß die braunen Untertanen außerordentlich begeistert tun werden. Es muß aber doch zu der ganzen Affäre ein ernstes Wort gesagt werden. In den letzten Monaten hat sich der deutschjaarländische Handelsverkehr zweifellos vergrößert. Wir haben immer gesagt, daß die zahlreichen Bestellungen, die in letzter Zeit nach der Saar aufgegeben wurden, auf poli tische Erwägungen zurückzuführen sind. Man will eben bei der Saarbevölkerung unmittelbar vor der Abstimmung den falschen Eindruck erwecken, als ob wirklich das Hitlerreich für Saarerzeugnisse voll und ganz aufnahmefähig jei. Jezt haben sich aber diese Bestellungen als glatter Schwindel entpuppt, was, wie wir offen zugeben müssen, selbst wir nicht voraus: gesehen haben. Denn wahrlich, wir fonnten nicht auf den Ge danken kommen, daß das dritte Reich" an der Saar nur drauflos bestellt mit der Abt, die Warenlieferungen nicht zu begleichen. Wir haben uns zwar an solche Manipulatio= nen des Herrn Schacht gegenüber dem Auslande gewöhnt, aber wir hatten nicht angenommen, daß dieses Verfahren auch gegenüber den„ teuren Brüdern an der Saar" angewandt wird, die bekanntlich so furchtbar" unter der Fremdherrschaft" zu leiden haben. Allein Aufträge zu erteilen, ist fein Kunststück. Man muß die Bestellungen bekanntlich auch bezahlen. Das ist im faufmännischen Leben so üblich, nicht aber bei den nationalsozialistischen Helden. So bleibt die Saar die betrogene. Die Gelder für die Warenschulden kommen nicht herein, und zahlreiche Unternehmungen haben dadurch mit den größten Schwierigkeiten zu kämpfen. Wenn das so weiter gehen wird, dann werden viele tausende Angestellte und Arbeiter aus dem einfachen Grunde ihre Stellung verlieren, weil durch die betrügerischen Manipulationen des dritten Reichs" feine Gelder für Löhne da sein werden. Es wird wirklich höchste Zeit, daß die Regierungskommission sich mit dieser Sache beschäftigt, aber nicht so, wie es sich die braunen Unternehmer vorstellen, sondern daß die Herren in Berlin an ihre Pflichten gegenüber der Saar erinnert werden. zwischen die Lust vergangen sein. Die erste Instanz vor dem Schöffengericht brachte Frau Thekla Walter und dem mit ihr wegen des gleichen Deliftes angeklagten Kaufmann Georg Rauch einen Freispruch auf Kosten der Landes: tasse. Der Amtsanwalt legte Berufung ein, und nun hat auch die zweite Instanz die Angeklagten natürlich ebenfalls freigesprochen. wöhnliche Ausgabe der Zeituna, wurde in abertausenden Der Fall Herz hergestellt und auf die Straße geworfen. Auch antihitlerische Blätter haben, versucht, dergleichen Sondernummern, durch die Mordfeste des dritten Reiches" veranlaßt, herauszugeben. Solch ein frevelhaftes Beginnen hatte aber stets das Einschreiten der fast völlig gleichge= schalteten Landjägerei zur Folge. Es gab Verhandlungen wegen verbotenen Flugblattverteilens" ohne Ende. Anders aber, wenns die Nazis find. Die Gerichte haben sich mit einem Fall zu beschäftigen, der sich in Ensheim zugetragen hat. Dort hat sich wirklich noch ein Landjäger gefunden, der die unrechtmäßig die oben be: schriebene Nummer des Abendblattes" verteilende Frau Walter am 15. Inni feststellte und zur Anzeige bringen ließ. Dem fühnen Mann dürfte durch seine Erfahrungen inIn Ergänzung zu unserer gesteigen Mitteilung über die Zahlungsschwierigkeiten der Firma M. Herz Söhne, erfahren wir, daß nach sehr ausgedehnten Verhandlungen zwischen dem Gläubigerausschuß und dem Schuldnervertreter ein vorläufiges Abkommen zustandegekommen ist, wonach die nach Frankreich verbrachten Waren zuzüglich eines größeren Geldbetrags zur Verfügung der Gläubiger gestellt werden. Der Gläubigerausschuß wird den Gläubigern den Beitritt zu dieser Vereinbarung empfehlen. Es ist danach anzunehmen, daß die Verhängung des Konkursverfahrens und die schlimmen Folgen, die man durch die Manipulationen der Brüder Herz für die Gläubiger erwartet hat, vermieden werden. Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit Die Korruption der Hitlerbonzen und die Furcht vor den Emigranten Ein Gericht des braunen Systems, die Große Straf kammer in Münster, hat den moralischen Zusammenbruch des Systems feierlich festgestellt. Vor der Großen Straf kammer hatten sich der ehemalige Bezirksleiter der NSBO. des Gaues Westfalen, Walter Nagel, der frühere Gaubezirkszellenobmann Adolf Uhle, der frühere Abteilungsleiter bei der obersten Leitung der PO. der NSDAP., August Piontek, der frühere Gaubetriebszellenkassenwart Erich Nagel, der frühere Kreisleiter der NSBO. Wilhelm Riemen schneider und der frühere Amtswalter Xaver Bühl megen Unterschlagung, Vermögensaneignung und Untreue zu verantworten Der Vertreter der Anklage, Staatsanwaltschaftsrat Dr. Eltenburg, stellte nach Verlesung des Eröffnungsbeschlusses den Antrag, wegen Gefährdung der Staatssicherheit die Oeffentlichkeit für den ganzen Prozeß auszuschließen. Das Gericht so berichtet die Systempresse habe nichts zu verschleiern, aber man habe die Erfahrung gemacht, daß derartige Verhandlungen von granten und sonstigen Elementen ausge ch la chtet würden, Emi= um gegen das nationalsozialistische Deutschland im Ausland Stimmung zu machen. Das Staatsinteresse müsse allen anderen Erwägungen vorangestellt werden. 19 Das Gericht entsprach diesem Antrag und schloß die Oeffentlichkeit und auch die Presse während der Gesamtverband der Arbeiter der öffentlichen Betriebe in ganzen Verhandlungsdauer aus. diesem Prozeß ist, so wird er doch noch übertroffen von der So enthüllend der Ausschluß der Oeffentlichkeit in Begründung. Sie fürchten die Berichterstattung der „ Emigrantenpresse" Sie wissen gar nicht, welches Geständnis sie damit abgelegt haben. Sie gestehen, daß die Tätigkeit der Emigranten, ihre Berichterstattung aus Deutschland und ihre Publikationen heute die einzige öffentliche Meinung über deutsche Zustände, die einzige Möglichkeit der öffentlichen demokratischen Kontrolle des braunen Systems darstellen. Die ungeheure Bedeutung der politischen und publiistischen Tätigkeit der Emigranten wird durch den Gerichtsbeschluß von Münster unterstrichen. veröffentlichen in dieser Nummer als kleine Stichprobe Es ist ein stinkender Sumpf von Korruption! Wir läßt, wie die Fäulnis um sich greift. Korruption als aus einem bändestarken Material eine Liste, die erkennen licher Kritik da Massenerschemung hier, Furcht des Systems vor öffenttausendjährige Reich Hitlers! - auf solcher Grundlage ruht das Und Partei und Staat sind eins! Ehrenliste aus dem dritten Reich" 1. Razigeschäftsführer Hayn im Boreneinfaufsverein Bautzen, Adjutant beim Sturmbann 1/103, im Mai 1934 fristlos entlassen: 720,- RM. Gehaltsvorschuß, 120,- RM. Warenschulden, zu reichlicher Diätenbezug.. 2. Kreisleiter Kilant vom Gesamtverband der Arbeiter der öffentlichen Betriebe Baußen, im April 1934 fristlos entlassen: Unrechtmäßiger hoher Diätenbezug. 3. Kreisleiter Kilant( Bruder des unter 2. genannten) vom Landarbeiterverband B außen im Mai 1934 fristlos cntlassen, wegen Unterschlagung von Verbandsgeldern. 4. Standartenführer Glödner( 103), Baußen, in Echuzhaft wegen Unterschlagung. 5. Standarten- Spielzugführer Stiebig( 103), Bauzeit, in Schuzhaft wegen Unterschlagung von über 1000,- RM. Epielgeldern für öffentliche Konzerte. 6. SS.- Sturmführer Berger, Baußen, in Schußhaft wegen Unterschlagung von Geldern der NS.- Volkswohlfahrt. 7. Plazkassierer Müller des Steinarbeiterverbandes in Demniz Thumit unterschlägt die Beiträge von zirfa 25 Mitgliedern vom Mai 1933 bis 1934, insgesamt 1000, Reichsmart. 8. Nazi- Angestellter Bergelt im DMV. Chemnitz ( sirka 25 Jahre alt): Schutzhaft wegen Unterschlagung von 1875, RM. Bergelt soll vordem bereits einmal unterschlagen hoben. 9. Nazifassierer Wolf vom DMV. und Angestelltenverband in Grüna b. Chemnitz hat sich wenige Stunden vor der Revision erschossen. Grund: Unterschlagung von Verbandsgeldern. 10. Nazifassierer Merkel vom Gesamtverband der Arbeiter der öffentlichen Betriebe Chemnitz im Juli 1933 825,- RM. Fehlbetrag. 11. Kreisleiter Groine von der NSDAP. Döbeln wurde wegen Ehebruch mit Frauen seiner Kameraden( in einem Falle ist Scheidung erfolgt) und nächtlichen Zech gelagen strafversetzt, später aber aus der SA. und NSDAP. ausgeschlossen. Die hierfür benötigten hohen Beträge entnahm er der NS.- Vohlfswohlfahrt. 12. Nazi- Stadtrat Damme, Döbeln, zirka 23 Jahre alt, verfügte über Verhaftung und Dauer der Schutzhaft, mußte wegen Beteiligung an den Unterschlagungen von Groine( Fall 11) seine öffentlichen Aemter niederlegen und wurde später aus der SA. ausgeschlossen. 18. Nazi- Stadtrat Beeger, Döbeln, war ebenfalls beteiligt und mußte ebenfalls seine öffentlichen Aemter niederIegen. 14. Nazi- Stadtverordneter Brauer, Döbeln, betrieb in seinem Textilwarengeschäft auch den Verkauf von SA.- Uniformen und Ausrüstungen für den Gau Döbeln. Um seine persönlichen Schwierigkeiten zu beheben, ließ er sich von seinen SA.- Kameraden für jeden Mantel 3, NM. mehr geben, als vorgeschrieben waren. Br. soll so zirfa 3000 Mäntel verkauft und damit 9000,- RM. ergaunert haben. Br. mußte auf Grund der Empörung sein Mandat niederlegen. 15. Pg. Bastien, Bezirksleiter im Hausangestellten- und Seimarbeiterverband Dresden, im Januar 1934 fristlos entlassen. Grund: 40 000,- NM. unterschlagen. 16. Pg. Preißler, Gesamtverband der Arbeiter der öffentlichen Betriebe Dres de n, im Januar 1934 fristlos entlassen. Grund: 30 000,- RM. unterschlagen und Tagesdiäten verrechnet, ohne auswärts tätig gewesen zu sein, außerdem 150,- RM. Weihnachtsspende für Altersrentner verbraucht. 17. Pg. Iein, Kreisleiter im Gesamtverband der Arbetter der öffentlichen Betriebe Dresden, wegen Beteiligung an der unter 16 geschilderten Unterschlagung entlassen. Preißler war früher Hilfsmonteur bei der„ Drewog", wurde hier als Technifer eingestellt. Klein, der 1929 einige Monate Gefängnis wegen Vertrieb von gefälschten Invalidenmarken erhielt, fand bei der Kraftverkehr Freistaat Sachsen AG. Anstellung. 18. Pag. Brod, neuer Personaldirektor der„ Drewog" in Dresden, vor einigen Monaten aus der Stellung ge= schieden. Grund: Unterschlagung von über 20 000,- RM. 19. Beitragskassierer Anger im Gesamtverband der Arbeiter der öffentlichen Betriebe Dresden, im April 1984 fristlos entlassen Grund: 2000, NM. unterschlagen. 20. Beitragskassierer Berger im Gesamtverband der Arbeiter der öffentlichen Betriebe Dresden im April 1934 entlaffen. 700,- RM. unterschlagen. 99 21. Pg. Strobach, Kreisleiter des DMV. Dresden, fristlos entlassen wegen unforrefter Geschäftsführung und Unterschlagung. 22. Pg. Lamperter, Nazi- Geschäftsführer im KV. Vorwärts, Dresden, a. D. gestellt. Bis zur Stunde 17 000 RM. Fehlbetrag festgestellt. 23. Pg. Koch, Nazi- Angestellter im KV. Vorwärts, Tresden, wegen Veruntreuung zur Disposition gestellt. Untersuchung noch nicht abgeschlossen. 24. Pg. Jrmer, Unterfassierer in der Zigarettenfabrik Greiling, Dresden, im Juni 1984 fristlos entlassen. UnterSchlagung von 400,- RM. 25. Pg. Student, Amtswalter im Tabafarbeiterverband Dresden, im März 1934 fristlos entlaffen. 400,- Reichs mart unterschlagen. 26. Pg. Helbig, Vereinsführer Volfsgesundheit oberer Waldteich bei Moritzburg" in der Nähe Dresden 3, entlaffen. 1400,- RM. unterschlagen. 27. Pg. Hassel, NSBO.- Beauftragter und Bezirksleiter im DMV., Bezirk Sachen, Siz Dresden, im September 1933 entlassen. 3irfa 11 000,- RM. unterschlagen. 28. Pg. Miller, Beitragskassierer im DMV. Dresden, im August 1933 entlassen, 310,- RM. entwendet. 29. Pg. Hilffy, Freital, zirfa 30 000,- RM. Winterhilfsgelder unterschlagen. 30. Pg. Winzer, Freita I, beteiligt am Fall 29. 31. Braun, Werkmeister und SA.- Mann bei Firma Anton Reiche, Dresden, fristlos entlassen, weil er den Erlös von 5000,- RM. für verkaufte Bücher„ Mein Kampf" unterschlagen hat. 32. Pg. Lämperter, NEBO.- Raffierer im Baugewerksbund Dresden, August 1983 erschossen, weil zirka 3000, Reichsmark fehlten. M 33. Pg. Ne muß. Nazi- Aufsichtsrat im Konsumverein Leipzig Plagwiß, zirfa 40 000 RM. unterschlagen. 34. Pg. Lange, Beitragsfassierer im DMV. Leipzig, 540 RM. unterschlagen. 35. Pg. Midoul, NE.- Volkswohlfahrt( Winterhilfe) 4000 RM. unterschlagen. 36. g. Krüger, NSBO.- Kreisleiter im Lebensmittelund Getränkearbeiterverband Meißen, wegen Unterschlagung in Schußhaft in Hohnstein. 37. Pg. Krätschel, Nazi- Angestellter im Wohlfahrtsamt der Stadt Meißen, wegen Veruntreuung entleibt. 38. Pa. Martin, Meißen, Leiterin der Wohlfahrtsfüche, und ihre Mitarbeiterin wegen Unterschleife entlassen. 39. Pg. Moris, Standartenführer, wegen schlagung entlassen. Unter40. Pg. renkel, NEBO.- Betriebsrat in Fa. Grabeund Schregerwerf Meißen, wegen Unterschlagung von Cammellistengeldern entlassen. 41. Pg. Rost, Nazi- Gemeindevorstand in Lampertswalde, 8000,- RM. unterschlagen. 42. Pg. Theile, NSBO.- Amtswalter in Riesa, 600, Reichsmart unterschlagen.§ 51 StGB. geltend gemacht, trosdem in Nazikreisleitung Großenhain weiter beschäftigt. 43. Pg. cho I win, Kreisleiter DMV. Riesa: Juni 1934 375,- RM. Defizit. tthes, 44. Pg. Sturmführer Robert Matthes, früher Olbern hau, jetzt Sayda i. E., führte mit Vorliebe Verhaftungen durch. Seit Jahren Familie verlassen, mehrere uneheliche Kinder in die Welt gesetzt, kürzlich nächtlicher Einstieg in das Frauenarbeitsdienstlager Oberjaida bei Sayda i. E. Seine Tätigkeit bestand in Zechgelagen mit Freunden, hat drei Autos faputtgefahren, überall Schulden für angefertigte Sachen, besonders aber mehrere hundert Reichsmark Benzinschulden bei Olbenhauer Tankstellenbefizern. 45. Pg. Schneider, Geschäftsführer der Nazi- Ortsgruppe Olbernhau, wegen Unstimmigkeiten entlassen. Schneider war vorher wegen Diebstahl von Liebespaketen, die für seine Reichswehrkameraden bestimmt waren, bei derselben entlassen worden. Trotz dieser Verfehlungen Anstellung in einem Baubüro, wobei zu Saisonschluß Unterschlagung von 6000, Reichsmark Invalidenversicherungsbeiträgen festgestellt wurde. Trotzdem neuerlich nach Thüringen versetzt, seine Ehefrau mit Kind im Stich gelassen. 46 Pg. Roland Richter, NSBO.- Kassierer im Baugewerfsbund Olbernhau, wegen Unterschlagung fristlos entlaffen. 47. Pg. Walter Schmidt wurde NSBO.- Kreisleiter im Olbernhau. Obwohl bekannt war, daß er Gegenstände aus dem mütterlichen Lederwarengeschäft entwendete und verfauft hatte und den Erlös mit Weibern verpraßte, Anstellung. Mußte bald entlassen werden, weil Kasse nicht stimmte. 48. g. Meinhold, Totschläger und Nazi- Größe in Olbernhau, wegen Verleitung zum Meineid ein Jahr Zuchthaus! 49. Pg. Scheidt, Nazi- Kreisfinanzwart im Gesamtverband der öffentlichen Betriebe Plauen i. V., wurde flüchtig nach Unterschlagung von 5500,- RM., darunter Kirchengelder und Gelder der Ortsgruppe Pöhl. 50. Pg. Sandner, Kreisfinanzwart im Tertilarbeiterverband Plauen. Aufnahmegebühren und Beträge in Höhe von 800,- RM. unterschlagen. 50. Pg. Strunz, NSBO.- Kreisleiter, wurde 2. Direktor im Arbeitsamt Plauen, wurde nach achtwöchigem Krankenurlaub entlassen, weil er von der Ortskrankenfasse 5000, Reichsmark für die Arbeitsfront borgte, und dafür ein Auto faufte. Dies soll ohne Wissen der Arbeitsfront geschehen sein. 52. Pg. Schlegel, Nazi- Rantinenverwalter im Schrebergartenverein Frühaus", 3 widau- Schedwig, nach Veruntreuung von 200,- RM. flüchtig. 53. Pg. Schulze wurde Schlegels Nachfolger, im Frühjahr 1934 wurde auch dieser nach Unterschlagung von 1000, Reichsmart flüchtig, Vereinsführer suchte zu vertuschen. 54. Pg. Delang wurde Kreisleiter der NSDAP. Dip= poldiswalde, obwohl er bereits wegen Diebstahl mit drei Monaten Gefängnis vorbestraft war. Hat jetzt als Kreisleiter Sammelbüchsen geöffnet und Beträge unterschlagen. 55. Pg. Uh I mann, Schmiedeberg, S.- Scharführer, wegen Unterschlagung von 200,- RM. aus SA. ausgeschlossen. Wurde nach kurzer Zeit Oberscharführer in Dippoldiswalde, wo man bald das Fehlen der Arbeitsfrontanzuggelder des Bezirkes Dippoldiswalde feststellen konnte. Abt. 56. Pg. Schmidt jun., Amtswalter der DAF. Papierverarbeitung Wurzen, fristlos entlassen wegen Unterschlagung von 2000,- RM., erhielt ein Jahr Zuchthaus, sein Vater wegen Beteiligung sechs Monate. 57. Pg. Reinhardt, Amtswalter im Gesamtverband der Arbeiter der öffentlichen Betriebe in Wurzen, alter Kämpfer und Nazi- Stadtverordneter, zirfa 5000,- RM. unterschlagen. 58. Pg. Ufer, Beitragsfassierer und Amtswalter im Heimarbeiter und Hausangestelltenverband Wurzen, zirfa 7000 Reichsmart unterschlagen. 59. Pg. Mommwald, Beitragskassierer im Gesamtverband Wurzen, 400, RM. unterschlagen. 60. Pg. Jingli, Amtswalter im 3immererverband Wurzen, 500,- RM. unterschlagen. 61. Pg. Franfe, Vertrauensratobmann auf Schachtanlage Brückenberg I, 3 wick a u, 600,- RM. Naziabzeichengelder unterschlagen. 62. Pg. Mitulle, 1. Stellv. des Vertrauensratobmannes auf dem Tiefbauschacht 3 wick a u, hat Gelder für Arbeitsfrontanzüge und Naziabzeichen in Höhe von 300,- R... unterschlagen. 68. Pg. Dedert, 1. Stellvertreter des Vertrauensratobmannes im jüdischen Kaufhaus Schocken in 3 widau, hat als Sefretär der Einkaufszentrale zirka 9000,- RM. unterschlagen. 64. Pg. Kunz, Kassierer in der Kreisbetriebsgemeinschaft Eisen und Metall in 3 wickau, hat 600,- RM. unterschlagen. 65. Pg. Jähnichen, Ortsgruppenleiter 3 mida1= Nord, hat einfassierte Gelder in Höhe von 165,- RM. unterschlagen, 66. Der alte Kämpfer und Pg. Dietel in Olbern hau- Niederneuschönberg, Kassierer im Fabrikarbeiterverband, hat Gelder unterschlagen. Unterschleife wurde da= durch bemerkt, daß bei einer plötzlichen Arbeitslosigkeit in der Zündholzfabrik Carl Meyer die Arbeiterinnen Stellenlosenunterstützung beantragten. Nun waren von Dietel anstatt der hohen Wochenbeiträge nur Marken von 10 Pfg. wöchentlich verwendet worden. Der Bezirksleiter und Ortsleiter der DAF. beruhigten die Arbeiterinnen, sie sollten dem Dietel die Ehre nicht abschneiden usw., sie befämen schon Unterstüßung. Im Orte geht das Gespräch davon, ferner, daß sich Dietel, um der Verantwortung sich zur Zeit zu entziheen, sich in ein Krankenhaus hat unterbringen lassen. Dieses Stadtgespräch der Unterschlagung wird mit folgender Anzeige im hiesigen„ General- Anzeiger" geahndet: Warnung! Gebe hierdurch bekannt, daß ich jeden ge= richtlich belange, der die unwahren Gerüchte über meinen Mann, der zur Zeit im Krankenhause liegt, verbreitet. Helene Dietel, Niederneuschönberg 196. Vielleicht stecken der Kreis- und Ortsgruppenleiter unter einer Deck mit dem Dietel. 67. Ein Beauftragter der DAF. im Bezirk Olbernhau Marienberg, namens Bauer, hat die anläßlich des Besuchs von 1000 Pommern im hiesigen Bezirk eingesammelten Teilrehmergebühren von 17 000,- RM. unterschlagen und wurde flüchtig. Er wurde verhaftet und erhängte sich in der Amts= gerichtszelle in Marienberg i. E. 68. Der Freiheitskampffolporteur Kempe in Olbern hau, ein alter Pg. und Kämpfer, unterschlug 1100,- RM. Abonnementsgelder. Seine mutige Tat wurde a mt= nestiert! 69. Die Ehefrau des Brauereigeschäftsführers und Tochter des Oberfeldzeugmeisters Schreiter in Olbernhau, Frau Dora Buchheim, unterschlug 380,- RM. Eintritts und Mitgliedsgelder des BDM. 70. Rreisleiter Böhme der NSDAP. Freiberg wurde nach Veruntreuung von 48 000,- RM. zum Parteitag in Nürnberg verhaftet. Das ist die Sauberkeit des öffentlichen Lebens, die das braune System über Deutschland gebracht hat. Deutsche Stimmen Beilage zur Deutschen Freiheit" Samstag, den 13. Oktober 1934 Juden und Deutsche Nichtarier betreuten arisches Sprachgut Vor mir liegt ein im Jahre 1915 erschienenes Buch ,, Juden und Deutsche", dessen Verfasser der Statistiker David Triesch ist. Darin lese ich, daß die Zahl der Juden in der Welt 1915 14 340 000 betragen hat, von denen nicht weniger als 12 340 000 Deutsch verstanden und sprachen. Man weiß, daß der„, arische" Deutsche in fremder Umwelt, namentlich wenn er mit ihr die Religion gemein hat, Nationalität und Sprache leicht aufgibt. Die Nachkommen der katholischen Bamberger, die Friedrich der Große in das Posensche verpflanzt hat, haben sich schon in preußischer Zeit als Polen betrachtet und nur polnisch geprochen. Und der arische Niedersachse Steinweg, der in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts nach Neuyork auswanderte, nahm dort sehr bald den Namen Steinway an und seine Enkel kennen die Sprache ihres Großvaters nicht. Aber alle Juden, die jemals in Deutschland wohnten, haben, mochten sie auch durch noch so niederträchtige Verfolgungen genötigt worden sein, den deutschen Boden zu verlassen, ihren Kindern und Kindeskindern bis auf den heutigen Tag die Kenntnis der deutschen Sprache vermacht. Ich höre den Einwand: Aber du zählst zu den fast 13 Millionen Juden, denen du die Kenntnis der deutschen Sprache bescheinigst, auch diejenigen, die jiddisch reden. Jawohl, eine nicht geringe Zahl dieser Juden spricht irgend eine Mundart des Jiddisch. Aber dessen Grundlage ist ein Mittelhochdeutsch, das nur an der Entwicklung zur modernen deutschen Sprache nicht teilgenommen hat. Der Pennsylvania- Deutsche sagt: ,, Ich habe beim letzten Blizzard einen Kalt gekaetscht", wenn er zum Ausdruck bringen will, daß er sich beim letzten Schneesturm eine Erkältung zugezogen hat. Die Sprache Goethes ist in diesem Satze schwer zu erkennen. Aber wie jeder Pennsylvania- Deutsche kann sich auch jeder jiddisch Sprechende mit einem Deutschen verständigen, und das ist schließlich das Entscheidende. Das Interesse der Auslandsjuden für die deutsche Sprache geht indessen über den Kreis der Juden, deren Familien einmal in Deutschland ihre Heimat gehabt haben, weit hinaus. Die Juden in Bulgarien, in Serbien, in der Türkei, in Aegypten stammen zum größten Teil von aus Spanien vertriebenen Juden ab. Aber ihre Kinder füllen die deutschen Schulen dieser Länder. In Sofia waren im Jahre 1914 18 Prozent, in Rustschuk 33 Prozent( neben 18 Prozent ,, arischen" Deutschen), in Kairo 19 Prozent, in Alexandria 20 Prozent, in Konstantinopel 40,5 Prozent, in Saloniki 63 Prozent und n der Fortbildungsklasse in Bagdad 100 Prozent der Kinder in den deutschen Schulen jüdisch. Wird das dritte Reich" auch zu diesen Schulen fortan jüdische Kinder nur im Verhältnis 533) Anekdoten der jüdischen zur nichtjüdischen deutschen Bevölkerung zulassen? Ereignisse und Geschichten Die Naziführer ( Noch kein Epos) Wenn einer euch und euer Tun bedichtet, So darf er daran nicht vorübergehn, Daß eure Reihen sich schon stark gelichter Und nur noch wenige die Sonne sehn. Den meisten huldigt man in Nekrologen, Dieweil sie unterdessen umgebracht, Von wem? Je nun, das haben ungelogen Die Ueberlebenden mit Glanz gemacht. Der Rest, es mögen drei sein oder viere, Schwört ewig Treue sich nach Reckenart; Doch unser Barde murmelt in den Bart: Wann fällt der nächste Mann im Machtturniere? Wie lange kann es überhaupt noch dauern, Bis daß die beiden letzten Häupter sich At Zwecks Abschlußmordes loyal belauern? Und wer wird schneller sein mit Schuß und Stich? Allem Anschein nach wird es sich diese Maßnahmen er sparen können. Die jüdischen Eltern ganzer Gemeinden in der Tschechoslowakei haben neuerdings ihre Kinder aus den deutschen in die tschechischen Schulen überführt. Und ihr Beispiel wird in anderen Ländern nachgeahmt. Ein in seinem Land in hohem Ansehen stehender Balkanjude, der ein so ausgezeichnetes Deutsch spricht, daß man Herrn Rosenberg empfehlen möchte, bei ihm Unterricht zu nehmen, sage mir kürzlich: Wir legen keinen Wert darauf, die Sprache des Landes zu pflegen, das die Schmach der mittelalterlichen Judenverfolgungen erneuert hat. Die nationalsozialistischen Berliner Studenten verlangen, daß die Werke deutscher Schriftsteller, die Juden sind, in hebräischer Sprache erschei nen, weil der Jude lüge, wenn er deutsch spreche. Wir wollen uns den Vorwurf der Verlogenheit nicht zuziehen. Was jetzt in Deutschland Kultur heißt, erscheint uns nicht genügend verehrungswürdig, um uns fernerhin zur Erlangung deutscher Bildung zu veranlassen. Was verlieren unsere Kinder schon. wenn sie die Bibel der Deutschen, Hitlers Mein Kampf", nicht in der Ursprache lesen können! Und auch um lie Fortsetzung von Handelsbeziehungen zu Menschen, die die Juden als Auswurf betrachten, ist es uns nicht zu tun. Wäre es apders, so würden wir tatsächlich die Charakterdefekte haben ,,, Ich habe daher angeordnet".. die man uns Juden von antisemitischer Seite nachsagt. Die Judenpolitik der Nationalsozialisten und die ihr egebene Begründung haben erst die bisher zu unrecht behauptete jüdische Solidarität geschaffen." Die Beraubung jüdischer Aerzte, Rechtsanwälte, Kaufleute mag für ihre nationalsozialistischen ,, Erben" ein gutes Geschäft sein, und die Fernhaltung der jüdischen Jugend von den höheren deutschen Schulen und Universitäten eine strebsame und intelligente Konkurrenz ausschließen. Deutschland als Ganzes wird die Kosten des frivol heraufbeschworenen jüdischen Krieges zu tragen haben. Die Verbreitung der deutschen Sprache in der Welt wird zurückgehen. Stützpunkte der Sprache aber sind zugleich solche der Wissenschaft, der Kunst und des Handels. Und welcher Widerspruch besteht zwischen der militärischen Aufrüstung Deutschlands und der einer Politik, die viele Millionen Menschen mit dem Gefühle der Abneigung gegen Deutschland erfüllt! Bismarck hat einmal gesagt, daß im Kriege das Wohlwollen des kleinsten neutralen Staates zwei Armeekorps ersetzt. Dieses Wort gibt den Herren von Neurath und von Blomberg Anhaltspunkte für die Berechnung des unter ihrer Mitwirkung dem deutschen Gr. Volk zugefügten Schadens. Mit dem Vorzug, wahr zu sein In einem Orte in der Nähe einer sächsischen Großstadt sprach letthin der sächsische Landesbischof Koch. Das ist jener Koch, der als nationalsozialistischer Kanzelagitator schon zu Brünings Zeiten von Gott eine gute Hanfernte erflehte, damit, wenn Hitler an die Macht komme, genügend Stricke für seine Gegner da sein möchten. Dieser würdige Agent christlicher Nächstenliebe streitet heute als echter Hitlerchrist für die unbedingte Gleichschaltung der protestantischen Kirche, gegen die sich bekanntlich viele protestantische Geistliche heftig wehren. In dem betreffenden Dorfe wollte Koch eigentlich in der Kirche sprechen. Da aber der Ortsgeistliche, der dem Pfarrernotbund angehört, die Hergabe der Kirche für diesen Zweck verweigerte, mußte die Koch- Versammlung im Gasthofe abgehalten werden. Die gesamte Einwohnerschaft des Dorfes wurde mit entsprechendem Druck in diese Versammlung befohlen. Koch donnerte mächtig gegen die geistliche Opposition. Ein Bauer aber hatte den Sinn der zornigen Epistel ganz und gar nicht verstanden. Er hatte nur kapiert, daß der Herr Bischof auf die protestantischen Pfarrer schlecht zu sprechen war. Und daß es auch in der evangelischen Kirche Bischöfe gibt, war ihm anscheinend auch nicht geläufig. Kopfschüttelnd verließ er den Saal. Nachher aber wandte er sich an einen Nachbarn, dem er vertraute, obwohl oder gar weil der Mann heute noch heimlicher Sozialdemokrat ist. Ihn fragte der Bauer: ,, Was wollte denn eigentlich dieser katholische Bischof hier? Der hat doch nur auf die Protestanten geschimpft! Und warum mußten denn wir alle in die Versammlung? Wir haben doch bloß drei Katholiken im Dorfe..." * Dieses Dorf hat nun seit dem Umsturz den dritten Bürgermeister. Der erste stammte noch aus der Zeit der ,, JudenO Leonore! Ein Herz, für das man betet Die Internationale Liga für Frieden und Freiheit" sandte an eine Reihe nationalsozialistischer deutscher Frauen einen Brief, in dem es u. a. hieẞ: ,, Alle Frauen sollte letzten Endes die Gleichheit des Empfindens einen, welches denen zu helfen strebt, die leidend sich verzehren. Wir richten an Sie die dringende Bitte: fordern sie im Namen dieses Empfindens, daß endlich den grausamen, unmenschlichen Martern Andersdenkender ein Ende gesetzt wird." Unter den Empfängerinnen dieser Briefe befand sich auch Frau Dr. Leonore Kühn. Und diese treu national gesinnte deutsche Frau ließ sich von ihrem goldenen Herzen ein Antwortschreiben diktieren, das zu Beginn folgenden Passus enthält: Wenn Sie von Frau zu Frau, auf Grund einer Solidarität, deren gefühlsmäßige Basis ich durchaus anerkenne, an die deutschen Frauen die dringende Bitte richten, zu republik", in der er sich vom kleinen Gemeindeschreiber hochgearbeitet hatte. Sieben Jahre lang hatte er seiner Gemeinde als Bürgermeister vorgestanden. Er war kein Sozialdemokrat, aber er mußte gehen, weil braune Leute an die Krippen wollten. An seine Stelle trat ein Speisewagenkellner, der aber nur einmal in der Woche nach Hause kam und denken mochte: Sollst du nun in der einen Nacht auch noch regieren? Er stieg viel lieber in fremde Betten, bis das sogar seinen Gönnern zu dumm wurde. Er verschwand wieder, und nun kam ein Stuhlbauer von auswärts zu Amt und Würden, der sich brüsten konnte, schon vor dem Umsturz die wildesten Kommunisten seines Heimatortes gezähmt zu haben.., In einer Kommunistenversammlung bin ich als einziger Gegner aufs Podium gestiegen. Ich habe die Kommunisten bloẞ angeguckt, einen nach dem andern der Reihe nach, wie sie da saßen und schon waren sie still! Und als ich vier Sätze gesprochen hatte, da hatte ich sie alle in meinem Bann!" So erzählt er stolz. Dieser Kommunistenbändiger ist also jetzt Bürgermeister. Und in dieser Eigenschaft hat er auch einmal eine Rede gehalten, in der er schilderte, wie es unter Hitler nun in einem Weg aufwärts gehe und wie es noch immer besser werde, denn Hitler habe sich einen Sachverständigenbeirat geschaffen, in dem nur die tüchtigsten und berühmtesten Leute, der beste Mathematiker, der beste Chemiker, der beste Optiker, der beste Architekt, der beste Ingenieur, der beste Arzt, der beste usw. usw. Und bekräftigend fuhr der Herr Bürgermeister fort: ,, Das sind nicht etwa nur 80 Parteimitglieder! Nein, verehrte Volksgenossen, das sind" hier klopfte der Redner mit dem Zeigefinger bedeutsam an seine Schläfe ,, das sind nämlich alles Leute mit Köpfen!" un. fordern, daß endlich den grausamen menschlichen Martern Andersdenkender ein Ende gesetzt wird", so müßten wir zunächst bitten, uns das Material zu unterbreiten und auch die Quelle zu nennen, auf Grund deren sie von„ grausamen. unmenschlichen Martern" sprechen, ebenso, uns zu sagen, ob sie unter den ,, Andersdenkenden" überhaupt Mitglieder des deutschen Volkes oder vielmehr außerhalb desselben Stehende verstehen..." Denn wenn es Juden sind so hätte die Dame folgerichtig fortfahren müssen oder Marxisten( das macht nicht viel Unterschied), dann ist es uns Nationalsozialistinnen mit dem weichen, fraulichen, mütterlichen Gemüt ganz gleich, ob sie zu Tode gefoltert werden, ob unsere lieben Männer sie mit Nilpferdpeitschen oder mit eisenbeschlagenen Stöcken zuschanden schlagen, ob sie in Irrenhäusern versteckt oder in heimlich geschaufelten Gräbern verscharrt werden. Den Müttern vom Schlage der Eleonore Kühn ist der nationalsozialistische Nachwuchs anvertraut. Der allerletzte müßt sich selbst entleiben, Wenn's nicht ein andrer freundlichst übernimmt Erst dann könnt' unser Dichterlein bestimmt Der Naziführer Heldenepos schreiben! Kein Bedürfnis mehe Horatio Der Vorsitzende der Parteiamtlichen Prüfungskommission zum Schutze des nationalsozialistischen Schrifttums, Reichsleiter Bouhler, hat eine Anordnung erlassen, in der es u. a. heißt: ,, Die Zahl der Bücher, die sich in erzählender und schildernder Form meist durch lose aneinandergereihte Abhandlungen und Aufsätze mit der nationalsozialistischen Revolution und den sie begleitenden Ereignissen beschäftigen, hat eine solche Höhe erreicht, daß es notwendig erscheint, darauf hinzuweisen, daß ein weiteres Bedürfnis an solchen Produkten nicht besteht. Das gilt insbesondere für solche Schriften, die in einer verhältnismäßig teuren Aufmachung, die in keinem Verhältnis zum Inhalt steht( Prachtwerke), herausgebracht werden und meistens infolge der Art des Vertriebes( Ratenzahlung) oft eine unerträgliche Belastung des kaufenden Volksgenossen darstellen. Die Prüfung hat ergeben, daß der Wert solcher Schriften fast ausschließlich hinsichtlich des Gehaltes an politischen Gedanken sehr gering ist und von seiten der Bewegung ein Grund zur Förderung solcher Schriften in der Regel nicht vorliegt. Ich habe daher angeordnet, daß solche Schriften von der Erteilung des Unbedenklichkeitsvermerkes ausge schlossen sind und nur eine Bestätigung erhalten, daß dem Verkauf von seiten der Partei nichts im Wege steht, wenn die Prüfung durch die parteiamtliche Prüfungskommission zum Schutze des NS.- Schrifttums eine solche Entscheidung rechtfertigt. In diesem Zusammenhang weise ich nochmals darauf hin, daß es keiner parteiamtlichen Dienststelle gestattet ist, Empfehlungen für eine Schrift auszustellen, welche dann vom Verlage zu Werbezwecken benutzt werden.... Alle Empfehlungen, die vor der Errichtung der parteiamtlichen Prüfungskommission zum Schutze des NS.- Schrifttums gegeben worden sind, sind hinfällig. Verlage, die gegen diese Anordnung verstoßen, laufen Gefahr, die Berechtigung zum Vertrieb einer Schrift entzogen zu bekommen." Außerdem wird verfügt, daß für die Veröffentlichung von Darstellungen über Veranstaltungen der NSDAP. allein der Parteiverlag zuständig sei. Die Wiedergabe einzelner Reden des Führers sei jedermann freigegeben. Es sei jedoch nicht gestattet, aus Reden des Führers Sammelwerke zusammenzustellen. Zum Schluß wird bemerkt, daß dem Verlag Paul Steegmann( Berlin- Wilmersdorf) die Be. rechtigung entzogen worden sei, nationalsozialistisches Schrifttum herauszubringen. Die Wolfsstimme Ein vertrauter Laut , Warum wird heute immer noch von Plakaten, Plaketten, Garantien, Solis, Duos, Etüden, Melodien, Ouvertüren und wie es immer heißen mag, geredet? Ein Beispiel nur für die Verdeutschungsmöglichkeiten, die ich vor einiger Zeit in einem Liederbuch des Verlages Günther Wolff, Plauen, las: Dort war anstatt von Sopran, Alt, Tenor, Baß, schlicht und einfach von Vogelstimme, Fuchsstimme, Wolfsstimme. Bärenstimme die Rede, eine Verdeutschung, die man schleunigst zum mindesten in allen Schulen und Jugendliederbüchern einführen sollte!" ( K. H. Dütting in der Deutschen Allgemeinen Zeitung".) Wie schön es zum Beispiel klingt, wenn der reinrassige Rezensent die strahlend helle Höhenlage der Wolfsstimme des Sängers rühmt. Es ist eben in jeder Beziehung ein Tierreich. Hail Hitler!" Brauner Blödsinn auf Englisch Im bekannten englischen Verlag ,, Constable" ist jetzt ein Buch mit dem Titel ,, Hail Hitler!" erschienen, das aus nichts anderem besteht als aus wörtlichen Zitaten denkwürdiger Hakenkreuzweisheit. Blüten aus den Reden früherer Nazigrößen wechseln mit Proben aus der gleichgeschalteten Presse. Das ganze ist eine geradezu grandiose Leistung; es ist zweifellos das dümmste Buch, das jemals erschienen ist. Bei allen Freunden unfreiwilligen Humors wird es reißenden Absatz finden. Die englischen Verleger von Anekdotenbüchern, Lachkisten und ähnlichen Erzeugnissen machen betrübte Gesichter; gegen diesen Natursprudel des Blödsinns kommen sie mit ihren kümmerlichen Kunstprodukten nicht auf. Es kann gar kein Zweifel daran sein, daß der gute He Mikosch geschlagen ist. Hitler ist jetzt Trumpf! Völker in Sturmzeiten Nr. 44 Völker in Sturmzeiten Im Spiegel der Erinnerung- im Geiste des Sehers es in Versailles So war es Ultimatum und Rückreise Wieder freier deutscher Boden! Schließlich setzte sich der Zug wieder in Bewegung. Am Bahndamm verkündete eine Tafel die Grenze des besetzten Gebietes. Jetzt erst waren wir wieder auf freiem deutschen Boden. Man mag über diese Sentimentalität spotten, und auch mir kommt sie heute etwas kindisch vor, wenn ich daran denke. Aber ich schreibe es dennoch, weil es so war: ich empfand eine geradezu zärtliche, wehmütige Liebe für diesen deutschen Boden, dem wenigstens äußerlich die nachträglichen Spuren des Krieges erspart geblieben waren. Keine fremden Uniformen mehr und vor allem keine Ruinen. Ich sah plötzlich vor mir das entsetzliche Bild von St. Quentin im Morgengrauen vor zwölf Stunden zuvor und zum ersten Male kamen in mir Zweifel auf. War Deutschland wirklich so unglücklich, wie wir es empfanden? Hätte es nicht diesen Krieg noch viel furchtbarer verlieren können? Hatten wir das Recht, diese blühenden Gebiete dem feindlichen Vormarsch und, wer weiß, den feindlichen Fliegerbomben durch unsere Ablehnung der Unterzeichnung auszusetzen? 4 Und wiederum: konnten wir dieses Diktat unterschreiben, ohne wenigstens den Versuch zu machen, durch ein Nein die Gegner zum Einlenken zu veranlassen? Was hatten wir ihnen nicht alles in unseren Gegenvorschlägen angeboten? Konnten wir uns diese Mantelnote widerstandslos bieten lassen? Hatten wir nicht die Pflicht, einen letzten, allerletzten Kampf mit rein geistigen Waffen um Deutschlands Zukunft zu führen? Die Pflicht? Leicht gesagt! Ja, worin bestand denn eigentlich unsere Pflicht? Was befahl wirkliche Vaterlandsliebe? Einen Widerstand zu leisten, von dem niemand wußte, ob er nicht völlig zwecklos sein würde, oder diese blühenden deutschen Gaue vor dem Zugriff. des Gegners durch schnellen Friedensschluß zu schützen? Das furchtbare Dilemma Qualvoll rangen in mir diese Gedanken miteinander. Und ich hatte den Eindruck, daß sie die meisten meiner Mitreisenden ebenfalls beherrschen. Der Erregung und Entschlossenheit des Abends zuvor war ein allgemeines melancholisches Schweigen gefolgt. In Elberfeld erkundigten sich einige Bahnbeamte nach den Vorgängen bei der Abfahrt in Versailles, die in etwas dramatisierter Form nach Deutschland gemeldet worden waren. Ueber Barmen, Hagen, Arnsberg fuhren wir dem Tal der oberen Ruhr entlang. Der Abend senkte sich über ein friedliches, schönes Land. In der Dämmerung passierten wir ein Städtchen im Festschmuck, Meschede: überall Fahnen, Girlanden, Frauen und Mädchen in weißen Sonntagskleidern füllten die Straßen irgend ein Schützenfest oder eine Stiftungsfeier. Dieser Anblick gab mir einen schmerzlichen Ruck: ach so, hier feiert man noch Feste? Wissen denn die Menschen nicht, was uns bevorsteht? Und es war zugleich etwas Tröstendes dabei: also auch jetzt fordert die Lebensfreude ihre Rechte! Diese Menschen, die viereinhalb Jahre lang nur Kummer und Leid, Not und Hunger gelitten haben, sie wollen endlich leben und genießen! Ja, worin bestand eigentlich unsere Pflicht? Nur nicht darüber nachdenken, sonst wird man am Ende noch weich und schwankend... Gestern nacht noch die Entschlossenheit... Natürlich angesichts einer derartigen Mantelnote... Aber hatten wir denn wirklich gar nichts erreicht?... Oberschlesien, Schneidemühl, ein Stück Hinterpommern gerettet... Ja, was ist denn das schon, Schneidemühl und das Stück Hinterpommern, wenn wir finanzielle Bedingungen unterschreiben müssen, die wir eigentlich noch gar nicht kennen, von denen wir nur wissen, daß sie unerfüllbar sein werden alles bezahlen!- und daß sie im Falle der Nichterfüllung Strafmaßnahmen, neue Gebietsbesetzungen zur Folge haben werden... Wir retten durch Unterzeichnung zwar die Reichseinheit vor den Separatisten und ihren alliierten Drahtziehern, aber auf wie lange? Schon bei den Auslieferungen werden wir totsicher in Verzug geraten, weil diese Zumutung, eigene Landsleute, mögen sie noch so gefehlt haben, an feindliche Kriegsgerichte auszuliefern, ein Ding der Unmöglichkeit ist. Welcher Polizist, welcher Gendarm würde einem solchen Befehl Folge leisten? Psychologisch einfach undenkbar! Und auf der anderen Seite wiederum: die armen Kriegsgefangenen, die uns bei der Hinfahrt so jubelnd begrüßt hatten welch furchtbare Enttäuschung für sie! Clemenceau hatte es deutlich genug zu verstehen gegeben: sie sind sein Pfand, seine Geiseln, mit denen er die Unterwerfung erzwingen wollte! Brockdorffs ,, Nein!" Lange saßen wir am Abend im Speisewagen, dessen französisches Bedienungspersonal bis Weimar mitfahren sollte, und besprachen in zwanglosen Kreisen diese verzweifelte Lage, das Für und Wider der Ablehnung. Alle waren sich der großen Gefahren und Nachteile einer negativen Antwort bewußt, aber jeder wies noch immer den Gedanken einer Annahme des Ultimatums entschieden zurück. BrockdorffRantzau gesellte sich zu uns. Der ewige Nachtarbeiter entfaltete seine intellektuellen Fähigkeiten immer am klarsten, wenn die Mitternachtsstunde nahte. Er bat mich im Laufe der Unterhaltung, in der er seinen„, Nein"-Standpunkt überzeugender denn je darlegte, eine Niederschrift der Für- und Wider- Argumente zu machen, die man in einer mündlichen Diskussion in Weimar verwenden könnte. Vielleicht könnte die eine oder die andere Formulierung seine eigenen Aufzeichnungen ergänzen oder verstärken. Wieder begab ich mich in ein Schreibmaschinenabteil des Kurswagens. Als ich gegen 2.30 Uhr morgens meine Arbeit beendet hatte und durch den Restaurationswagen zum Salonwagen des Delegationsführers wollte, lagen auf dem Gang die männlichen und weiblichen Angestellten der französischen Gesellschaft, Kellner, Köche. Abwaschfrauen, und schliefen fest. Auch sie hatten einen anstrengenden Tag hinter sich und ich wollte sie nicht wecken und wartete die nächste Station ab. Wir waren mittlerweile im Herzen Deutschlands, zwischen Kassel und Eisenach. Ich besprach noch verschiedenes mit Brockdorff- Rantau. Als ich mich bei der nächsten Station es war Eisenach verabschiedete, stieg ein Herr in den Zug ein, der sich telegrafisch hatte anmelden lassen: der amerikanische Journalist Karl von Wiegand, der als erster ein Interview mit dem aus Versailles zurückgekehrten Führer der deutschen Delegation haben wollte. Er wurde empfangen. Um halb vier Uhr morgens! So etwas war eben nur Brockdorff- Rantau möglich. Die Entscheidung im Kabinett Der 19. Juni 1919 Die Mitglieder der deutschen Friedensdelegation gaben sich, als sie nach Versailles reisten, trotz der Verheißungen Wilsons keiner Täuschung darüber hin, daß die Friedensbedingungen der Gegner hart sein würden. Die sozialdemo kratischen Politiker unter ihnen waren nicht nur aus ihrer weltanschaulichen Einstellung heraus von Anbeginn des Krieges an für einen Verständigungsfrieden eingetreten, sondern auch, weil sie wußten, daß ein Abschluß nur solange möglich war, als die endgültige Entscheidung durch die Waffen nicht gefallen war. Daß die Staatsmänner der Entente weitblickend genug sein würden, dem besiegt am Boden liegenden Deutschland schonende Friedensbedingungen zuzugestehen, war ausgeschlossen. Die Modalitäten des Waffenstillstandsabkommens ließen bereits klar erkennen, daß man auf der anderen Seite an die Schaffung einer Atmosphäre wahren Friedens nicht dachte, sondern entschlossen war, die erlangte militärische Ueberlegenheit rücksichtslos auszunutzen. Nicht nur der Haß war dabei das Motiv, sondern auch die Furcht, die der allerschlechteste Ratgeber ist. Dieses Deutschland, das seinen Feinden vier Jahre lang widerstanden hatte, erschien ihren führenden Männern so gefährlich, daß sie ihm die stärksten Fesseln anzulegen suchten, um es im Zustande der Ohnmacht zu erhalten. Ablehnungsentschluß Wenn wir Delegierten hiernach auch auf Schlimmes gefaßt waren, so waren wir dennoch entsetzt, als wir die Bedingungen erfuhren, unter denen uns der Friede zugestanden werden sollte. Jedem der Nachbarn Deutschlands war ein Stück deutschen Bodens mit ausschließlicher oder doch überwiegend deutscher Bevölkerung zugeteilt worden, damit sie alle durch den Friedensvertrag zu einem ewigen Bunde gegen Deutschland vereinigt waren. Ein wichtiges deutsches Gebiet im Osten wurde in eine Insel verwandelt, die rings von fremden Ländern umgeben war. Ueberall in den zahlreichen Staaten die in den Krieg gegen uns hineingegangen oder hineingezogen waren, wurde das deutsche Vermögen für eingezogen erklärt. Die deutsche Handelsflotte wurde uns genommen. Und das seiner Flotte. seiner ausländischen Guthaben und bedeutender Rohstoffquellen und Versorgungs. Von Otto Landsberg gebiete beraubte Deutschland mit seiner auf diese Weise für unabsehbare Zeit passiv gewordenen Zahlungsbilanz hatte fantastische Entschädigungssummen aufzubringen. Nachdem ich am 7. Mai 1919 einige Stunden in dem Buche der Friedensbedingungen gelesen hatte, konnte ich nicht weiter. Ich ging in den Park von Versailles, um den heiß gewordenen Kopf abzukühlen. Als ich einen der Hauptwege kreuzte, fuhr ein Auto an mir vorbei, in dem Clemenceau saẞ. Bei meinem Anblick verzog er höhnend das Gesicht, als ob er ausdrücken wollte, daß er den Grund unserer Begegnung ahne. Ich ging in mein Hotel zurück, um das unterbrochene Studium wieder aufzunehmen. Wir sechs Delegierten waren entschlossen, der Reichsregierung, falls es nicht gelang, eine wesentliche Verbesserung der Bedingungen zu erzielen, die Ablehnung der Unterzeichnung vorzuschlagen. An eine Wiederaufnahme der Feindseligkeiten dachten wir selbstverständlich nicht. Die Krieger eines besiegten Naturvolkes, denen der Ueberwinder einen die volle Versklavung besiegelnden Frieden zumutete, würden ihre Frauen und Kinder getötet haben und in den letzten Kampf gezogen sein. Eine derart romantische Beendigung des Krieges kommt in unseren Zeiten nicht mehr in Frage. Deutschland war außerstande, seinen Gegnern noch einmal mit den Waffen in der Hand entgegenzutreten. Von allem anderen abgesehen, würde eine feindliche Invasion, von Oesterreich ausgehend, das vernichtend am Boden lag und sich nicht wehren konnte, es den feindlichen Armeen ermöglicht haben, in verhältnismäßig kurzer Zeit unsere im Westen stehenden Truppen im Rücken anzugreifen und sie zu vernichten. Auch an wirksame diplomatische Hilfe anderer Staaten war nicht zu denken. Das kaiserliche Deutschland hatte in wahnwitziger Selbstüberschätzung den Krieg mit allen mächtigen Staaten der Welt aufgenommen. Die neutral gebliebenen Länder bedeuteten zu wenig, als daß sie, selbst wenn sie zur Intervention geneigt waren, die Sieger von der Ausnutzung der Lage abzubringen vermocht hätten. Die feindlichen Armeen konnten also ungehindert den Marsch nach Berlin antreten und ganz Deutschland besetzen. Unter dem Schute ihrer Bajonette hätten separatistische Cliqueu an der Atomisierung Deutschlands arbeiten können. Das Für und Wider Samstag, 13. Oktober 1934 Von Victor Schiff Die Delegation hat sich über die Furchtbarkeit der Konse quenzen eines deutschen„ Nein" keiner Täuschung hingegeben. Auch schätzten wir die Zartheit des Weltgewissens. nicht so hoch ein, um seinen Protest gegen die Unterdrückung Deutschlands zu erwarten. Aber wir rechneten mit der Friedenssehnsucht, die allen Völkern gemeinsam war. Hätte damals in Deutschland ein Volksentscheid über die Frage der Annahme oder Ablehnung der Friedensbedingungen stattgefunden, so würde eine erdrückende Mehrheit für die Unterzeichnung sich herausgestellt haben. Aber dieselbe Kriegsmüdigkeit bestand in den anderen Ländern. Wie bezeichnend ist es, daß die Regierungen der Ententeländer die Veröffentlichung des Entwurfs des Friedensvertrags zu Hause unmöglich machten! Der Grund kann nur der gewesen sein, daß jene von dem Bekanntwerden der Bedingungen innerpolitische Widerstände befürchteten, die gerade aus der Sehnsucht nach einem endgültigen und wahren Frieden hervorgegangen wären. Wir Delegierten waren aber auch davon überzeugt, daß den Staatsmännern der feindlichen Länder nicht in gleichem Maße an dem Zustandekommen dieses Vertrages gelegen war. Daß er den Wünschen der Franzosen und der Belgier entsprach, bezweifelten wir nicht. Aber die völlige Ausschaltung Deutschlands, wie sie die Folge dieses Vertrages sein mußte, widersprach so sehr der Tradition Englands, das niemals die Hegemonie eines Staates auf dem Kontinent geduldet hatte, daß für die englische Regierung die Bedingungen kein Kräutlein Rührmichnichtan sein konnten. War aber England geneigt, über Aenderungen mit sich reden zu lassen, so durfte man hoffen, daß es, wenn Deutschland sich zu einem Nein aufschwang, gelingen würde, auch Amerika, das seine Armee sobald als möglich aus Europa zurückziehen wollte, für den Gedanken einer Revision zu gewinnen; freilich hätte sie sehr bald erfolgen müssen, denn lange Zeit hindurch konnte der passive Widerstand nicht aufrechterhalten werden. Bis zu einer Milderung der Bedingungen, die den Frieden für Deutschland erträglicher machte, konnte Schlimmes geschehen. Aber daß die Besetzung der Ruhr einmal kommen würde, war vorauszusehen. Und wenn dies feststand, so war es immer noch wünschenswerter, daß sie durch die Kontingente aller Verbündeten geschah, als durch die Franzosen und Belgier allein. Wir wissen heute, daß Lloyd George von den Zugeständnissen, die Wilson Frankreich gemacht hat, und von der Gestalt, die der Friedensvertrag dank ihnen erhalten hat, entsetzt war und daß er zu spät dem Sadismus Clemenceaus hat Einhalt gebieten wollen. Man kann also nicht sagen, daß die Argumentation der deutschen Delegation falsch war. Die später erfolgte Okkupation des Ruhrbeckens hat, obwohl die innere Zermürbung des deutschen Volkes damals durch die immer wieder fortschreitende Inflation gesteigert worden war, nicht zum Zerfall des Reiches geführt und die von französischen Generalen im besetzten Deutschland geförderten Abtrennungsversuche sind sämtlich gescheitert. Es wird nach alledem nicht möglich sein, zu entscheiden, ob die Befürchtungen derer begründeter waren, die den Vertrag annehmen wollten oder die Berechnungen seiner Gegner. Das ,, Unannehmbar" der Reichsregierung Am 12. Mai 1919 beschloß die Reichsregierung in Berlin einstimmig, die Friedensbedingungen vor der Oeffentlichkeit als unannehmbar zu bezeichnen. Wir Delegierten in Versailles freuten uns über die Uebereinstimmung der Auffassung des Kabinetts mit der unsrigen. Wir wußten nicht, daß schon in dieser Sigung der Gedanke ausgesprochen worden war, durch den Beschluß werde die Frage einer Unterzeichnung, die unter dem Drucke der Gewalt erfolge, nicht entschieden. Ende Mai begab ich mich, nachdem alle Versuche der Delegation, durch eine Reihe von Noten an die Alliierten, mündliche Verhandlungen herbeizuführen, gescheitert waren, und nachdem unsere Antwort auf die Friedensbedingungen fertiggestellt worden war, nach Berlin. Dort mußte ich erfahren, daß von einer einhelligen Entschlossenheit des Kabinetts, diesen Vertrag zurückzuweisen, nicht die Rede sein konnte. Wenige Tage vorher hatte die gewaltige Demonstration für die Unterzeichnung im Berliner Lustgarten stattgefunden. Immer wieder begegnete ich dem Hinweis darauf, daß die Regierung Kerenski von den Bolschewiken gestürzt worden sei, weil sie die Hoffnung des russischen Volkes anf Frieden zuschanden gemacht hatte. Namentlich Erzberger stand sehr stark unter dem Eindruck dieser Erinnerung. Gelinge es, so führte er aus, den Absturz in das bolschewistische Chaos zu verhindern, und die Entscheidung dieser Frage erfolge im Augenblick des Abschlusses eines wie immer gearteten Friedens, so würden selbst die uns aufgezwungenen Bedingungen den Aufstieg des deutschen Volkes nicht verhindern können. Als ich ihn in einer Kabinettssitzung fragte, ob er es verantworten könne, das Bekenntnis zu unterschreiben, daß Deutschland den Alliierten den Krieg aufgezwungen habe, und ob er nicht gleich mir die Auslieferung der sogenannten Kriegsverbrecher als untragbar empfinde, lächelte er überlegen und erwiderte, in beiden Punkten werde der Vertrag geändert werden. Ich wies höchst erstaunt darauf hin, daß das Schuldanerkenntnis den offenbaren Zweck habe, die schonungslose Härte der Bedingungen vor der Welt zu rechtfertigen, und erklärte, daß mir deshalb die Hoffnung auf die Streichung dieser grundlegenden Bestimmungen völlig unbegründet zu sein scheine. Erzberger blieb aber bei seiner optimistischen Auffassung, mit der er, wie sich später herausstellte, seine Fraktion angesteckt hat. Ich vermute, daß er sich von Professor Haguenin, der damals in Ermangelung eines französischen Botschafters als Vertrauensmann der Regierung seines Landes in Berlin tätig war, hat täuschen lassen. Wenigstens ist dieser Herr in jenen Tagen auch bei mir gewesen, um mich der Annahme der Bedingungen geneigt zu machen, und suchte sein Ziel durch beredte Darlegungen zu gewinnen, die auf den Ton gestimmt waren, daß es zunächst einmal darauf ankomme, der Welt den Frieden zu geben, und daß kein Mensch in Frankreich daran denke, Deutschland Unmögliches zuzumuten.( Fortschung folgt) Eindrücke über Rußland Gardon Bennett. Flieger schreiben über Sowjetrußland Bekanntlich haben schweizerische Ballonflieger bei den stattgefundenen Gordon- Bennet- Wettfliegen in Rußland gelandet. Einer von ihnen, Dr. A. von Baerle, schildert feine Erlebnisse in den„ Basler Nachrichten". Wir entnehmen der interessanten Schilderung die folgenden Ausführungen: ,, Unseren Landungsplatz hatten wir in der Nähe eines größeren Dorfes ausgesucht, um möglichst rasch genügend Leute zur Bergung des Ballons vorzufinden. Es dauerte wirklich nicht lange, so waren wir umringt von einer staunenden, gesti kulierenden Menge, mit der wir uns trotz beiderseitigem guten Willen nur schwer verständigen fonnten. Immerhin waren unsere Bemühungen von Erfolg gekrönt, denn schon knapp anderthalb Stunden nach der Landung lag unser Ballon fig und fertig verpackt auf zwei tleinen russischen Bauernwagen. Für die„ kühnen Luftschiffer" hatte der„ Genosse" Ge= meindepräsident ein Personenfuhrwerk- bestehend aus einer Pritsche mit vier Rädern und mit Heu belegt - bereitgestellt, auf das wir uns zu verladen hatten. Schade, daß auch das Mitnehmen eines Fotografenapparates verboten war! Dieses Bild hätte meinen Freunden im Automobilklub viel Freude gemacht! Im Galopp ging es nun über Stock und Stein in etwa halbstündiger Fahrt, während der uns alle Glieder krachten, nach dem nächsten Dorf. Bigulino, so heißt das Nest, ist ein ziemlich weitläufiger, nur aus Holzhäusern bestehender Ort, dessen einziger Schmuck eine in typisch russischem Stil erbaute, noch in Betrieb" befindliche Kirche ist. Vergeblich versuchte der Ortspfarrer mit seinen minimen französischen Kenntnissen, uns als Dolmetscher zu dienen. Eine Unterhaltung fam erst zustande, als ein aus 20 Kilometer Entfernung herbeigerufener Lehrer eintraf, der ausgezeichnet französisch sprach. Nach längeren Auseinandersetzungen mit den übrigen Dorfbewohnern hatte der Präsident das Recht bekommen, uns bewirten zu dürfen. Seine Wohnstube- ein mit 3eitungen tapezierter und mit Bildern von Lenin, Stalin u. a. geschmückter Raum war nun der Sammelpunkt der ganzen Bevölkerung. Alles wollte die fremden Piloten sehen; auch ein Arzt war mit seinem Köfferchen aus 20 Kilo= meter Entfernung herbeigeeilt, weil in seiner Ortschaft das Gerücht von einer Ballonfatastrophe verbreitet wurde: ein Pilot sei mit dem Fallschirm abgesprungen und schwer verletzt, der andere sei tot. Glücklicherweise gelangte dieses Gerücht nicht bis nach Basel. Da wir seit über dreißig Stunden nichts mehr gegessen hatten, so sprachen wir dem vorgesetzten Nachtmahl, das aus Eier, Butter, Honig, Brot( eine Art Pumpernickel) und einem vorzüglichen Tee bestand. tüchtig zu. Inzwischen waren auch Vertreter der Behörden ein Kommissär der G. P. 1., der Bezirksvorsteher und der Parteisekretär erschienen, die von unsern Ausweispapieren Kenntnis nahmen. Der polnische Aeroklub hatte uns ein pompöses Laisser- passer mit den Bisa von 18 Staaten mitgegeben. Nun kam eine Unterhaltung in Fluß, die uns jegliche Müdigkeit vergessen ließ. Die Diskussion bewegte sich bald auf politischem Gebiet, wobei wir anfänglich die an uns gestellten Fragen mit größter Zurückhaltung beantworteten( wie wir Basler dies ja im Ausland zu tun gewöhnt sind!). Erstaunlich war, daß man in diesem abgelegenen Nest schon recht genau über die Rede von Bundesrat Motta in Genf orientiert war. Es muß aber festgestellt werden, daß unsere Stellungnahme im Völkerbund auf die Gastfreundschaft und die Herzlichkeit, mit der wir in Rußland aufgenommen wurden, nicht den geringsten Einfluß gehabt bat. Bis Mitternacht verbrachten wir im Kreise dieser einfachen Landbewohner angeregte Stunden, und dann begleitete uns die gesamte Bevölkerung nach einem andern Haus, wo unsere Nachtlager vorbereitet waren. Anderntags hatten wir Gelegenheit, auf einem kleinen Spaziergang die durch überall verstreute Birfenwäldchen sehr anmutige Gegend kennen zu lernen. Auch wurden uns die Siedlungen, Einrichtungen und Or ganisation der dortigen Kolchosengenossenschaft gezeigt und erflärt und zwischen hinein alle paar Stunden eine reichliche Tuffifche Mahlzeit aufgetischt. Gegen Abend endlich traf, von Wjasma kommend, der von uns und der Schuljugend( die noch nie ein Auto geschen Bunte Spalte Rasse und Fingerabdrucke Auf dem kürzlich abgehaltenen Antropologenfongreß hat, wie die Münchner Medizinische Wochenschau" berichtet, H. Poll, Berlin, den Nachweis geführt, daß man aus den Fingerabdrücken Schlüsse auf die Rassezugehörigkeit ziehen könne. hatte) sehnlichst erwartete Camion ein, der unsern Ballon an die Bahn bringen sollte. Für uns selbst hatte die Stadtverwaltung einen Offizier der G. P. U. mit einem Personenwagen zur Verfügung gestellt. Dankbar verabschiedeten wir uns von jenen Leuten, die uns so hilfreich entgegengekom men waren, und sofort gings in holpriger Fahrt über Stock und Stein von Straßen in unserm Sinn kann man nicht reden nach Wjasma, das wir in drei Stunden gegen 11 Uhr abends erreichten. Unser erster Besuch galt dem„ Genossen Chef", dem Vorsteher der dortigen G. P. U., der den militärischen Rang eines Divisionsfommandanten bekleidet. Ein ehemaliger Kriegsgefangener, der es in der roten Armee zum Bri gadekommandanten gebracht hatte, war unser Dolmetscher und ständiger Begleiter während unseres Aufenthaltes in Wjasma. Gleich anfangs hatten wir eine freudige Ueberraschung, indem er uns aus einer russischen Zeitung mit teilte, daß zwei Ballons mit einer geringeren Distanz gelandet seien als der Ballon Basel". Wir waren also nicht die letten! Meinem Kameraden, der in dieser Beziehung seit 24 Stunden pessimistisch dachte, fiel ein Zentnerstein vom Herzen. Die Aufnahme und die Bewirtung, die uns in Wjasma von der G. P. U. zuteil wurde, übertrafen alle Erwartungen Des Landes und der Sprache unfündigt, ohne russisches Geld, wären wir dagestanden wie hilflose Kinder, wenn nicht der Genosse Chef" mit seinen Offizieren alles für uns getan hätte: ste spedierten die Telegramme, ließen den Ballon verladen, luden uns zu jedem Essen ein sorgten für unsere Schlafgelegenheit, steckten uns anderntags in ein Bad, ließen uns beim Coiffeur der G. P. U. rafieren und taten überhaupt alles, was sie uns an den Augen ablesen konnten. Die Unterhaltung drehte sich naturgemäß um politische Fragen, und wir waren erstaunt, mit welcher Offen heit wir unsere Meinungen vertreten konnten und mit welcher Vorurteilslosigkeit diese alten Revolutionäre die Dinge betrachteten. Wiederholt sagte man uns:„ Die Sowjet- Union ist das größte Land, ein Sechstel der Erde, es besitzt alles, was ein Volk braucht, sämtliche Lebensmittel und Bodenschäze; aber alle diese Quellen unseres Nationalreichtums sind erst zu einem winzigen Teil erschlossen, denn es fehlt uns an Arbeitern, besonders an gelernten Spezialisten. Wir könnten sämtliche Arbeitslosen der Welt bei uns aufnehmen. Innerhalb 14 Tagen hätten alle Arbeit! Es fehlt uns an Fabriken, an Straßen, Eisenbahnen und Kanälen, es fehlt uns an Wohnungen, und große Teile unseres Landes liegen noch brach. Wir wissen ganz genau, daß bei Ihnen in der Schweiz der Lebensstandart viel höher steht als bei uns in Rußland, und deswegen fällt es auch schwer, genügend ausländische Arbeiter zu bekommen. Unser ganzes Streben zielt dahin, auch für unser Volt einen höheren Lebensstandard zu schaffen." In der Tat hatten wir bei all dem, was wir gehört und gesehen haben, das Gefühl, daß in Rußland ein großes Experiment vor sich geht, daß ein Bolf versucht, seine Zukunft nach neuen Prinzipien zu gestalten, nach Grundsätzen, die bisher bloß theoretisch entwickelt wurden, für die aber jedes praktische Vorbild fehlte. Wir haben nur einen ganz geringen Teil dieses Riesenreiches während weniger Tage fennen gelernt, und es wäre entschieden vermessen, sich auf Grund des Geschehenen und Gehörten irgend ein Urteil bilden zu wollen. Das Leben in Rußland scheint für den Fremden, der sein Geld dort wechseln muß, fehr teuer zu sein, da der Rubel immer noch zum alten Goldkurs gehandelt wird, während die Preise wahrscheinlich auf dem wirklichen Wert des Rubels basieren. Es war jedenfalls feine angenehme Ueberraschung, als man uns für 100 Schweizerfranken bloß 37 Rubel geben wollte. Dabei hätte die Fahrt von Wjasma an die polnische Grenze pro Person 69 Rubel gekostet, und wir machten uns schon mit dem Gedanken vertraut, die etwa zehnstündige Eisenbahnfahrt für zirka 150 Franken pro Kopf in harter Wagenklasse" durchhalten zu müssen. Unser Begleiter sah unfere Verlegenheit, hängte sich ans Telefon und kam mit dem Bescheid zurück:" Der Genosse Chef sagt so: die Herren brauchen nicht in Sorge zu sein, wir werden den Ballon spedieren und für Sie im Expreßzua zwei Schlafwagenpläge besorgen. Ein Genosse wird Sie bis zur ohne umfassendes Material die Verantwortung übernehmen fönnte. Wer glaube, daß sich die Rassengesetzgebung bereits auf ihrem Höhepunkt befinde, sei im Irrtum. Ein Anfang jei gemacht worden. Weiterbauen zu können, verlange aber ein sehr gründliches Studium und eine vielleicht Jahrzehnte lange mühsame Kleinarbeit. In dieser Arbeit werde die Hausarrest über Bischof Wurm Nach einer Mitteilung aus Stuttgart hat die Landessynode unter dem Druck des Reichsbischofs den Antrag zur Ruhese zung des Landesbischofs vont Württemberg, Dr. Wurm, angenommen. Nach einer Mitteilung des stets zuverlässigen Berliner„ Times" Korrespondenten ist das Amtsbüro des Bischofs Dr. Wurm in Stuttgart durch Gestapo- Agenten besetzt worden. Ueber den Bischof selbst ist vorläufig sausarrest verhängt, während seine Mitarbeiter in Schuzhaft genommen worden sind. So wird der Konflikt in der evangelischen Kirche mit Hilfe der staatlichen Gewalt, mit Gestapo und anderen Zwangs methoden„ gelöst". Das„ pofitive Christentum" des Führers nimmt doch etwas eigenartige Formen an! Mißbrauch des Brauchtums Aus einer Veröffentlichung des Landesver fehrsverbandes Harz, dessen Vorsitz fürzlich der braunschweigische Ministerpräsident Klagges übernommen hat, geht hervor, daß die Förderung des Trachten wesens durch die nationalsozialistische Bewegung viel fach zu Auswüchsen geführt hat. Ministerpräsident Klagges hatte aber jetzt den Mit arbeiterstab für Volkskultur, Volkskunst und Volksbrauch nach Goslar zusammengerufen, um den vielfach austreten den wilden Trachtenbestrebungen im Harzgebiet ein Ende zu bereiten". Die Versammelten nahmen grundsäßlich zur Trachtenfrage Stellung, um sie für das Harzgebiet endgültig zu klären. Es wurden Richtlinien für eine einheitliche Reglung festgelegt, um eine Bersplitterung in Vielheiten zu ver meiden. Das Harzgebiet wurde in drei sich geschichtlich und fulturgemäß ergebende Gruppen eingeteilt, den Oberharz, den Südharz einschließlich Ostharz und den Nordharz. In diesen Gebieten sollen auf Grund der noch vorhandenen alten bodenständigen Trachten neue Trachten geschaffen werden, die unter sich die Zugehörigkeit zu den genannten Gruppen betonen, aber zugleich die Einheit des Harzgebiets wahren. Als Mitarbeiter für die Trachtenfrage wurden neu je ein Einwohner von Quedlinburg und von Altenau bestimmt. Die Beauftragten werden in furzem Richtlinien für die geplante Trachtenarbeit aufstellen und veröffentlichen. Allen noch bestehenden wilden Bestrebungen, Trachten zu schaffen, soll mit dieser Reglung ein Ende bereitet werden. polnischen Grenze begleiten, über die Kosten brauchen Sie sich vorläufig keine Gedanken zu machen. Unserem Wunsch, dem etwa drei Eisenbahnstunden entfernten Moskau einen Besuch abzustatten, wurde von der russischen Regierung nicht entsprochen, da unser Land mit der Sowjetunion feine Beziehungen unterhalte. Für unsere Finanzen war dieser Bescheid unter den genannten Umständen jedenfalls ein Glück! Wir begnügten uns daher mit Wiasma, einer auch im Ausland als nicht gerade sauber bekannten Stadt, die von der Revolution 7000 und heute 22 000 Einwohner zählt. Die Ortschaft ist sehr nett gelegen und bietet besonders nachts, wenn der Vollmond auf die Zwiebeltürme der 17 Kirchen scheint( vier sind noch in„ Betrieb") einen reizvollen Anblick. Die Häuser aber und vor allem die Straßen machen einen recht ungepflegten Eindruck. Interessant war es, den außerordentlich großen Markt zu besuchen. In Rußland gibt es nämlich feinen Zwischenhandel mehr, und die Bauern müssen ihre Erzeugnisse selber feilbieten. So sieht man zum Beispiel eine Bauersfrau geduldig warten, bis sie für ihre 2 Kilo Butter, 5 Liter Milch und 15 Eier ihre Käufer findet. Nachdem wir dem„ Genossen Chef" und seinen Leuten unsern Dank ausgesprochen hatten für die herzliche Aufnahme, die wir bei einem uns so fremden Volke finden durften, verließen wir am Donnerstagmorgen um 3 Uhr Wjasma. In demselben Zuge fanden sich später eine amerifanische und eine belgische Equipe ein; auch sie rühmten die Gastfreundschaft und die gute Aufnahme, die sie bei Volk und Behörden gefunden hatten. Mr. Brown den Ring entgegen. Jenseits des großen Wassers wird er glückselige Erinnerungen an Mädchenträume nor 73 Jahren wecken. Es stellte sich schließlich noch heraus, daß die alte Frau bei den Großeltern des Ziegeleibesizers diente. Reichsfippenfartei stehen und vorausschauend Grundlagen Amerikanisches für zufünftige Entwicklungen schaffen. Das haben sich die Kriminalschriftsteller von Gbgar Zwei Knaben kommen Wallace bis Oppenheim bisher nicht träumen lassen, aber ohne Zweifel wird die fünftige Detektiv- Literatur dieses Schlages diese epochemachende Entdeckung der nationalsozialistischen Wissenschaft" weidlich ausnüßen. Sicherlich werden die nationalsozialistischen Geisteshelden in nächster Zeit noch eine Reihe ähnlicher großartiger Entdeckungen machen. Welche Merkmale, aus denen man auf die Rassezugehörigkeit wird schließen können, sie weiterhin finden werden, ist noch ungewiß, eins ist aber gewiß, daß man aus dem Inhalt der Münchner Medizinischen Wochen schau" Schlüsse auf den Geisteszustad der Naziwissenschaftler ziehen kann. Spielbank endgültig Auf einer Bauernhochzeit, die in Villach( Kärnten) gefeiert wurde, gab es zwei große Ueberraschungen. Kaum hatten sich die Gäste an die mit föstlichen Dingen reich beladene Tafel gesetzt, als die soeben getraute junge Frau von einer Uebelfeit betroffen wurde und die Gesellschaft verlassen mußte. Als sie nach geraumer Zeit noch nicht wieder zurückgekehrt war, erfuhren schließlich die Gäste zu ihrem großen Erstaunen, daß die junge Frau soeben von einem gesunden, kräftigen na ben entbunden wurde. Noch hatten sich die Festteilnehmer nicht von ihrem Schrecken" erholt, als die Schwägerin der jungen Braut ebenfalls wegen Un wohlfühlens die Hochzeitstafel verlassen mußte. Nach wenigen Minuten war auch sie von einem na ben glücklich ent= bunden. Der Jubel der versammelten Hochzeitsgesellschaft fand ob dieser Duplizität der glücklichen Ereignisse" fein Ende. Baden- Baden, Oft.( DNB.) Die Bäder- und Kurverwaltung teilt mit: Durch Erlaß des Reichsministers des Innern vom 26. 9. 1934 ist der Bäder- und Kurverwaltung BadenBaden die Erlaubnis zur Errichtung einer offiziellen Spielbank in Baden- Baden an Stelle der bisherigen pro- Das Ringlein ward gefunden... visorischen Einrichtung erteilt worden. Der Betrieb wird ab 1. Oktober von der bewährten französischen Fachgruppe in bisheriger Form unverändert fortgeführt, wobei den Bedingungen des Reiches entsprechend eine 51prozentige Beteiligung deutschen Kapitals für die Zukunft vorgesehen ist. Reichssippenkartel" Zentralbürokratische Eheberatung Der Sachverständige für Rasseforschung beim Reichsinnenministerium, Dr. Achim Gercke, hat sich in der Zeitschrift für Standesamtswesen über die Einrichtung einer Reichssippenfartei und ihre Bedeutung geäußert. Die Reichssippenfartei soll fein Auskunftsbüro für jedermann sein, sondern in erster Linie den Zentralbehörden zur Verfügung stehen, abgesehen von den eigenen Aufgaben der Ueberwachung der Bevölkerungsentwicklung. Von unschäßbarem Werte werde sie daneben für die so dringliche, aber so schwer zu vermirflichende eugenische Eheberatung sein, für die niemand Vor dem Hause eines Ziegeleibesizers in dem Dörfchen Neustadt in Mecklenburg steigt fürzlich ein fremdes Paar ab, das sich der überraschten Familie als„ Mr. und Mrs. Brown aus Amerika" vorstellt und gleichzeitig die Bitte äußert, das Haus mit allem Drum und Dran besichtigen und fotoarafieren zu dürfen. Nach der Ursache seines starten Interesses für das keineswegs besondere Gebäude befragt, erklärt Mr. Brown, daß er„ drüben" eine fast neuzigjährige Großmutter habe, die sich immer noch mit Freuden der Zeit erinnere, da sie als blutjunges Mädchen in diesem Hause gedient habe. Nun wolle er ihr mit den Aufnahmen eine Geburtstagsfreude machen. Beim Rundgang erzählt der Amerikaner beiläufig, daß seine Großmutter vor 78 Jahren hier ihren Verlobungsring verloren habe. Der Ziegeleibefizer wird hellhörig. Er erinnert sich daran, daß erst vor furzem beim Kartoffelroden ein goldener Ring gefunden wurde. Er läßt ihn herbeiholen und tatsächlich entpuppt der Ring fich als der einstige Verlobungsring der Großmutter aus USA. Gerührt nimmt Aus Boise( Nord- Amerika) meldet eine amerikanische Zeitung: Virginia E. Gates, die 23 Jahre alte Tochter des Präsidenten der Universität Pennsylvania, nach der man wochenlang suchte, wurde jezt aufgefunden, und zwar als verheiratete Frau. Vor drei Wochen heiratete sie einen Ringfämpfer, Mechaniker und Tariführer, Dan MeCafferty, den sie nach ihrem Verschwinden von einer Ranch, auf der sie untergebracht war, kennen gelernt hatte. Hochzeit wurde in Moscow, Ida., gemacht; ein Methodistengeistlicher nahm die Trauung vor. Das junge Ehepaar will Kalifornien zur Heimat machen; der Vater der jungen Frau ließ erkennen, daß er einen monatlichen Zuschuß gewähren werde. Bahnhof Vatikanstadt Gandolfo zurückgekehrt ist, wurde auch offiziell der neue Nachdem der Papst von seiner Sommerresidenz GastellVatikan Eisenbahnhof an die Vatikanstadt übergeben. Während der Feier, an der Vertreter des Ministeriums für öffentliche Arbeiten und der italinischen Eisenbahndirektion sowie der Gouverneur der Vatikanstadt und andre höhere päpstliche Beamte teilnahmen, wurde ein Eisen bahnzug auf den neuen Schienenftrang geleitet. Ferner wurde die Verlesung und Unterzeichnung des zwischen dem italie: nischen Staat und dem Vatikan getroffenen Eisenbahnabfommens vollzogen. Armeemarsch und Fox- Trott Der Regierungspräsidentin Magdeburg veröffentlicht eine Erklärung, in der er sagt, es sei festgestellt worden, daß in einigen öffentlichen Lokalen noch immer zu historischen Armeemärschen getanzt werde. Er habe bisher davon abgesehen, die Geschmacklosigkeit solches Tanzens zu historischen Armeemärschen durch Polizeiverordnung ausdrücklich zu verbieten, da er von dem gesunden Sinn der Bevölkerung erwarte, daß sie der Würde dieser Märsche Rechnung trage. Die Erklärung beruft sich zum Schluß auf das Gesez zum Schuß der nationalen Symbole und spricht die Hoffnung aus, daß die Klagen in dieser Hinsicht endgültig verstummen würden Düstere Wolken über Frankreich Rücktritt Sarrauts dub. Paris, 12. Oftober. Innenminister Sarraut ist in Auswirkung des Marseiller Anschlages zurückgetreten. Der Generaldirektor der Sicherheitspolizei und der Präfeft des Departements, in dem Marseille liegt, wurden ihrer Posten enthoben. Innenminister Sarraut ist von der französischen Presse für das Versagen des Sicherheitsdienstes beim Attentat in Marseille verantwortlich gemacht worden. * Von unserem Korrespondenten A. Ph. Paris, 11. Oftober. Frankreichs innenpolitischer Himmel ist bewölft. Die Schüsse von Marseille haben seinen Frieden in erheblichem Maße gestört. Die Regierung Doumergue, die sich auf so viele Parteien stützt, fann naturgemäß fein einheitliches und harmonisches Gebilde sein. Sie verdankt ihren Zusammenhalt in erster Reihe der Persönlichkeit des Ministerpräsidenten, von dessen Kredit sie zehrt. Man weiß, daß die radikalsozialistischen Gefolgsmassen des Ministers Herriot nur zu einem Teile mit ihrem Herzen bei der„ Regierung des Burgfriedens" sind. Man weiß auch, daß die Nationalisten, als deren Vertreter man neben anderen vor allem Tardieu bezeichnen kann, durchaus nicht begeistert bei dem Gedanken find, Seite an Seite mit den ihnen verhaßten Radikalsozialisten die Verantwortung für die Geschicke des Landes zu tragen. Die Ermordung des jugoslawischen Königs und des französischen Außenministers gibt jetzt den Rechtspolitikern, denen die Regierung Doumergue nicht rechts genug erscheint, Gelegenheit, den erwünschten Stoß gegen die Zusammen setzung des Kabinetts zu führen. Die Frage nach denen, die verantwortlich dafür sind, daß der Mörder fast ungehindert in Marseille sein blutiges Werk verrichten konnte, wird allerdings einmütig in der französischen Presse gestellt. Es wird schärfstes Vorgehen gegen die Beamten gefordert, die irgendwie ihre Pflicht ver= säumt haben. Dabei aber kann man deutlich feststellen, daß die Rechtspresse und sie macht gar feinen Hehl daraus auf den radikalsozialistschen Innenminister Sarrant hinzielt und sein Haupt fordert. Man möchte einen Mann der Rechten an seinem Plaze sehen, der vor allem eine schärfere Fremdenpolitik treiben soll. An die Spize dieser Bewegung stellt sich der nationale Fronttämpferverband, der in einem Aufbahrung der Leiche Barthous Paris, 11. Oftober. Die mit der Reglung des Staatsgebräbnisses für Barthou beauftragte Kommission hat Mittwoch eine Sigung abgehalten, um die Einzelheiten des Begräbnisses festzulegen. Barthous Leiche ist in dem in eine Kapelle umgewandelten Uhrensaal des Außenministeriums aufgebahrt. Das Publifum kann den sterblichen Ueberresten des französischen Außenministers Freitag von 9 Uhr bis 18 Uhr und Samstag bis um 11 Uhr noch einmal seine Ehrfurcht erweisen. Am Samstag um 1 Uhr wird der Leichnam von der Familie und dem engeren Freundeskreis des Verstorbenen in feierlichem Zuge nach dem Invalidendom geleitet, auf dessen Vorplatz Tribünen errichtet sind. Ministerpräsident Doumergue wird die Leichenrede halten. Alsdann wird eine Truppenparade vor dem Katafalk stattfinden und die offiziellen Teilnehmer des Leichenzuges werden nach beendetem Vorbeimarsch sich zu der religiösen Leichenfeier im Invalidendom zusammenfinden. An dieser religiösen Feier werden auch die früheren Frontfämpfer mit ihren Fahnen teilnehmen. Dann wird der Sara in Begleitung der Familie und der engsten Freunde des Verstorbenen nach dem Pere Lachaise gebracht, wo die Beisetzung im Erbbegräbnis der Familie stattfindet. Isministers Cheron n Commuique den Rücktritt des Justizministers Cheron und des Innenministers Sarrant fordert. Im Jour" heißt es, Frankreich sei ein Land, das weitherzige Gastfreundschaft pflege. Es denke nicht daran, mit seiner Ueberlieferung zu brechen. Aber wenn Ausländer unter Nichtachtung der Gesetze der Gastfreundschaft sich in Frankreichs Innenpolitik einmischten, wenn sie hier ihren haßvollen Plänen nachgingen, dann sei das geradezu unerträglich. Sicherlich sei die Fremdenkontrolle unzureichend. Unerhört sei es, daß Aus= länder ungestraft an Kundgebungen teil= nehmen könnten, deren 3 wedes sei, ein staatliches Durcheinander zu schaffen. Sie sollten in solchen Fällen ohne weiteres ausgewiesen werden. Doumergue als Nachfolger Barthous be= Sehr lebhaft sind die Erörterungen darüber, wen Sprechstunde für die Leser der., Deutschen Freiheit" Eine Sprechstunde für die Leser der ,, Deutschen Freiheit" findet an jedem Montag und Mittwoch von 17.30 bis 19 Uhr in Paris 20e, 10, Avenue de la Porte de Ménilmontant, statt. Ein ehemaliger deutscher Rechtsanwalt und Notar wird unseren Lesern kostenlos Auskunft in allen juristischen Fragen erteilen. Außerdem können sie unentgeltlich in allen Emigrationsfragen, Berufsumschichtung usw. beraten wer den. Schriftliche Anfragen sind unter Beifügung des Rückportos zu richten an die Rédaction de la ,, Deutsche Freiheit", Bureau parisien, 10 Avenue de la Porte de Ménilmontant, Paris 20e. Die Sprechstunde findet erstmalig im Montag, 15. Oktober, statt. ſtimmen wird. Eine Entscheidung darüber wird wohl BRIEFKASTEN faum vor Montag fallen; denn am Samstag findet Barthous Beisetzung statt, am Sonntag ist der zweite Wahlgang für die Kantonalwahlen. Zunächst hat ja Doumergue die Führung des Außenministeriums selber übernommen, und gewichtige Stimmen werden dafür laut, daß er das Außenministerium behält. Man will so gewissermaßen einen Status quo schaffen, weil man meint, daß eine Kräfteverschiebung im Kabinett sehr leicht zu einer Krise der Gesamtregierung führen könne.„ Deuvre" bemerkt, die Gesamtdemission würde es Doumergue ermöglichen, sein Kabinett gründlich zu erneuern. Dabei können zwei oder drei Minister Blatt hinzufügt, die Rechte schon lange fordert. Das sei verschwinden, deren Beseitigung, wie das radikalsozialistische aber nicht ganz einfach. Unter den Kandidaten für Reihe Herriot und Paul- Boncour, für das den Außenministerposten nennt man in erster Innenministerium Pierre Raval. Man kann nicht annehmen, daß eine Berufung Herriots in den Quai d'Orsay ohne Schwierigkeiten vor sich gehen könne. Herriot gehört der Regierung als Minister ohne Portefeuille an, ebenso wie Tardieu. Beide sind lediglich als Verbindungsleute zu ihren Parteien gedacht. Würde nun dann würde die Rechte die Tardieu entsprechende FordeHerriot den wichtigen Posten des Außenministers erhalten, rungen stellen. Dunkle Wolfen stehen am innenpolitischen Himmel Frankreichs. Doumergue wird seine ganze Geschicklichkeit und mehr noch seine Autorität aufbieten müssen, um sie zu zerstreuen. Kämpfe in Spanien Keine Beruhigung Paris, 12. Oft. Nach in Paris vorliegenden Meldungen aus Spanien wurde im Verlauf der Nacht in Madrid wiederum geschossen, vor allem im nördlichen Stadtviertel. Ein Automobil raste durch die Straßen und feuerte aus einem Maschinengewehr. Der Polizei ist es nicht gelungen, den Wagen zum Stehen zu bringen oder einzuholen. Nach einer Mitteilung der Regierung sollen in der Provinz Asturien Kämpfe um den Naranco- Berg begonnen haben. Die Aufständischen haben ein großes Hotel in Oviedo in Brand gesteckt. Nach einer Meldung aus La Coruna haben die Aufständischen die dortige Petersfirche in Brand gesteckt, die fast vollständig ein Raub der Flammen wurde. Paris, 12. Oft. Nach einer Meldung aus Le Ferrol haben die Aufrührer einen Angriff auf das Elektrizitätswerk ausgeführt und die Stadt somit der Lichtversorgung beraubt. Die Zivilgarde hat die Aufrührer schließlich zurückgewiesen. Einer der Angreifer, Lehrer und" Direktor einer margistischen Zeitung, wurde getötet. Nach einer Meldung aus Bilbao haben die Regierungsstreitkräfte die von den Aufständischen besetzte Ortschaft Derandio wieder eingenommen und dabei ein großes Waffenlager entdeckt. Man fand die rungstruppen gegen Valmaseda vor, das sie ohne Kampf besetzten. Vor der Beisetzung König Alexanders eichen weier Zivilisten vor. Alsdann rückten die RegieBelgrad, 12. Oft. Der Kreuzer„ Dobrownit" mit den sterblichen Ueberresten des Königs Alexander wird am 14. Oftober um 6 Uhr früh, geleitet von sämtlichen südslawischen Kriegsschiffen, in Spalato eintreffen. Nach einem Gedächtnisgottesdienst wird die Bevölkerung an dem Sarge vorbei ziehen. Um 10 Uhr wird der Sarg im Sonderzuge nach Agram übergeführt, wo er in den späten Abendstunden ein treffen wird. Am 15. Oftober morgens erfolgt die Weiterfahrt nach Belgrad, wo sich zum Empfang u. a. die Mitglieder des Regentschaftsrates und der Regierung sowie Vertreter von Senat und Kammer einfinden werden. Der tote König wird ins alte Palais übergeführt, wo ein furzer Gedächtnisgottesdienst abgehalten wird. Am 16. und 17. Oftober wird die Bevölkerung an der Bahre vorüberziehen dürfen, um Mitternacht des 17. Oftobers wird der Sarg in die Belgrader Kathedrale gebracht, wo am 18. Oftober morgens ein feierliches Requiem abgehalten wird. Sodann erfolgt die Ueberführung in die Kirche in Oplemnaß, wo die Beiseßung unter militärischen Ehren erfolgen wird. Kabinett Uzunowitsch bleibt dnb. Belgrad, 12. Oft. Die Regentschaft bestätigte am Donnerstag das Kabinett Uzunowitsch. Ifallenfeindliche Kundgebungen in Jugoslawien Belgrad, 12. Oft.(„ United Preß".) In den gestrigen Abendstunden haben sich in ganz Slawonien eine Reihe von Demonstrationen ereignet, die eine Spize gegen Italien enthielten. Von den Führern der Demonstranten wurde darauf hingewiesen, daß die Südslawen in der letzten Zeit über die Ziele der italienischen Politik hätten Klarheit gewinnen müssen; sie seien in ihrer Eigenstaatlichkeit und in ihrer nationalen Ehre bedroht gewesen. Der Polizei gelang es, die Demonstranten, die sich immer wieder sammelten, ohne Gewaltanwendung zu zerstreuen. Zur Verhinderung weiterer antiitalienischer Kundgebungen wurden auf Anordnung der Regierung das italienische Ron= sulat und die italienische Gesandtschaft in Belgrad durch starfe Polizeivosten gesichert. In Agram und Laibach wurden Demonstrationsrufe gegen Italien und Ungarn laut. Die Konsulate dieser beiden Länder stehen unter Bewachung. Zwischenfälle ereigneten sich indessen nicht. In Seraiewo fam es zu Demonstrationen, die sich gegen Italien und gegen die Kroaten richteten. Da die Weisun des Bischofs, die Kathedrale marz auszuschlagen, nicht erfolgte, demonstrierten junge Leute auf dem Domplat zogen dann durch die Straßen und warfen den als kroati gefinnt bekannten Einwohnern die Fensterscheiben ein. Aehnliche Rundgebungen ereigneten sich in Lubotista. Die französischen Stichwahlen Die Radikalsozialisten im zweiten Wahlgang Paris, 12. Oft. Der Vollzugsausschuß der Radikalsozialistischen Partei hat am Donnerstag einen Beschluß ge= Parteiprogrammm die Wahltaktik für den zweiten Wahlfaßt, der es den Bezirksvereinigungen überläßt, gemäß dem gang der Kantonalwahlen zu bestimmen. Taß die Tendenz dieser recht wenig bestimmt gehaltenen Richtlinien eher nach rechts, als nach der marristisch- kommunistischen gemeinsamen Front hin geht, fann man aus der Tatsache entnehmen, daß das von der Demokratischen Allianz ausgeht, die unter dem in der gleichen Sizung ein Schreiben zur Erörterung stand, Vorsiz des linksrepublikanischen Abgeordneten und Ministers Flandin steht. In diesem Schreiben wird angefragt, ob die Radikalsozialisten nicht der Ansicht seien, daß ein Versuch der Annäherung zwischen den beiden Parteigebilden angebracht wäre. Der Vollzugsausschuß der Radikalsozialisten hat zu diesem Vorschlag gestern noch nicht amtlich Stellung genommen, will jedoch grundsätzlich keine Aussprache zurückweisen. ..Times" und..Manchester Guardian' Von der Gestapo beschlagnahmt Die Londoner" Times" meldet, daß ihre Ausgabe vom letzten Samstag in Berlin beschlagnahmt worden ist. Seit dem 20. Juli ist es das fünfte Mal, daß das englische Blatt von dieser Maßnahme der Geheimen Staatspolizei betroffen wurde, und die Beschlagnahmung wurde diesmal begründet mit einem Telegramm aus Wien über die österreichisch deutschen Beziehungen, in dem über eine Gerichtsverhandlung gegen einen Reichsdeutschen wegen Beteiligung am Juliputsch und über die Mission v. Papens berichtet wurde. Der„ Manchester Guardian" wurde am gleichen Tage ebenfalls beschlagnahmt, vermutlich wegen eines Artikels über die Aussichten des Prozesses gegen den Kommunistenführer Thälmann. In der Nacht zum Freitag brach in einer Autokarosserie: fabrit in Lyon ein großer Brand aus. Der ganze Gebäude: fomplex wurde ein Raub der Flammen. Die Fener: wehr konnte nur mit großer Mühe ein Ausbreiten des Brandes verhindern. Der Sachschaden wird auf mehr als eine Million Franken geschätzt. A. Ru. Biel. Ihr Wunsch wird erfüllt. Junger Katholik im Reiche. Gelegentlich einer Auslandsreise machen Sie uns ein Gedicht zugänglich, das von der nationalsozialistischen Zeitungskorrespondenz auch katholischen Zeitungen zum Abdruck zugemutet wird: Wir tragen nicht das Banner morscher Lehren! Wir fügen nicht den Saum der falschen Welt! Und feine Macht vermag uns zu befehren, denn unsre junge Seele muß sich wehren, weil sie sich ihren Glauben selbst erhält! Und dieser Glaube spricht in unsren Fahnen zu einem Gott, der über allem steht. Er gab uns einen Führer, und wir haben an frischen Gräbern seines Willens Bahnen und unser Marschtritt ist für ihn Gebet! Otto Pohle. Sie meinen, das sei der echte Nationalsozialismus: Gebet des Kommißstiefels für Adolf Hitler, den neuen Gott. „ Ein Darmstädter" schreibt uns: In der„ Deutschen Front" ist vor einigen Tagen der vierte Artikel zur Saarfrage aus der Feder eines Herrn Richard Seubert aus Darmstadt erschienen. Dieser R. Seubert nennt sich im Untertitel stolz: ehemaliger sozialdemokratischer Chefredakteur". In der Tat war er das, und zwar in Darmstadt, wo er nach dem Tode Ludwig Quessels, des alten, aufrechten Sozialisten, am Hessischen Volksfreund" die Res daktionsgeschäfte leitete. Er gehörte in der SPD. zu den ständigen Querulanten und anmaßendsten Besserwissern. Sich selbst hielt und empfahl er als den überzeugtesten und intelligentesten Sozialisten von Hessen und Umgegend. Auf den hessischen Landesparteitagen machte er persönlich eine ganz besondere Art„ Opposition": Er vers suchte, die proletarischen Delegierten mit einem Wust von Fremdworten dumm zu machen und behandelte alle Fragen von dem Standpunkte der„ marxistischen Dialektik" so, wie er sie verstand. Gegen Hitler und den Nationalsozialismus konnte er nie das Maul weit genug aufreißen. Vielleicht ist es für seine heutigen Auftraggeber von einigem Interesse zu erfahren, daß Jdee und Text zu einem Flugzettel, der in 1932 besonders in der Darmstädter und Mainzer Gegend massenhaft ausgeworfen wurde und die Nazis in hellste Wut versetzte, dem Köpfchen von R. Seubert, damaligem sozialdemokratischem Chefredakteur in Darmstadt, en ta sprungen sind. Dieser Flugzettel zeigte eine Reihe aus gerichteter S.- Leute von hinten, die sämtlich ausgeprägte Südpole besitzen, und hatte darunter eine zugegeben! wenig geschmackvoll geschriebene Andeutung. Vielleicht interessiert es auch den Reichsstatthalter und Gauleiter Sprenger aus Frankfurt, daß fein heutiger Lakai früher in Versammlungen seinen jezigen Herrn und Gebieter nur als notorischen Säufer zu charakterisieren pflegte. Nach dem 5. März 1933 war der Dialektiker Seubert selbstverständlich verschwunden. Nun ist er welch dialektische Wendung wieder da, im Braungemd, als Nazi und verdreckst seine ehemalige Sache in genau der hundsgemeinen Weise wie sein größerer Kollege Henning Duderstadt. Wir beglückwünschen die Braunen zu solchen Groberungen und nehmen uns eines sest vor, wenn die Stunde schlägt, mit Herrn Richard Seubert, ehemaligem sozialdemokratischem Chefredakteur und jetzigem Renegaten und Gesinnungshalunfen aus Darmstadt, ein Wörtchen zu reden, nicht theoretisch und mit Fremdwörtern, sondern praktisch und auf gut Deutsch!" Fabrikationsbetrieb von Damenkonfektion in Elsaß Lothringen. 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Basel Auch die ,, Kleine Anzeige" In der ,, Deutschen Freiheit" bringt Erfolg August Forel in seinen Erinnerungen Der große Forscher, Bahnbrecher und Menschenfreund hat in einem Band Rückblick auf mein Leben", der demnächst im Verlag der Büchergilde Gutenberg Zürich erscheint, feine Erinnerungen niedergelegt. Jm Oktoberheft der Zeitschrift „ Büchergilde" beschäftigt sich Bruno Schönlant in einem Artikel mit der Biographie dieses Mannes, dessen unerbittliche Wahrheitsliebe sich schon in seiner Jugend mit einem unbezähmbaren Forscherdrang verschwisterte, der in unermüdlichem Arbeitsgeist als Wisserschaftler und Arzt, als Bekämpfer des Alkohols und als Streiter für Frieden und Sozialismus sich einjezte. Auszüge aus dem„ Rückblick“ lassen dessen reichen und interessanten Inhalt erkennen. Proben aus anderen Werken und verschiedene Anekdoten vervollständigen das Bild August Forels. Die Büchergilde Gutenberg kündigt als weitere Neuerscheinungen für das vierte Quartal einen Bergarbeiter- Roman Die Kumiats" an, der, einfach und volkstümlich geschrieben, über Arbeit und Erleben der Kumpels berichtet. Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann Pis in Dud. weiler; für Inserate: Otto Rubn in Caerbrüden. Rotation& brud und Verlag: Verlag der Volksstimme Gmbo, Saarbrüden 8, Schützenstraße 5. Schließfach 776 Saarbrüden.