Sinzigs uuabhSugigs Tageszsiiung Vsuikchlauds I^r. 241— 2. Jahrgang| Saarbrücken,-U Pl.. 3 Pfund Mischbrot i", Pf. Tie Geriichtc. daß der Treuhänder der Arb.eit oder der Landcsbaucrnftthrer Brotpreisaufschläge genehmigt habe, sind unwahr." Bemerkenswert und tupisch für die Pressckneblung ist eS. wie die„Frankfurter Zeitung" über die BrotprciSerhöhung berichtet. Sie schreibt,„es war der Eindruck verbreitet, daß in Frankfurt die Brotpreise erhöht worden seien,«nd zwar hieß es, daß der Preis für drei Pfund des üblichen Haus- drotcs aus öl) Pfennig svorher 42 Pfennig) herausgesetzt worden sei". Indessen war weder der„Eindruck erweckt", noch„hieß es", daß die Preise erhöht worden sind, sondern tatsächlich find die Brotpreise im Frankfurter Bezirk heraus- gesetzt worden. Und die armen Kollegen von der„Frank- surter Zeitung" müssen sich drehen und wenden, um zwischen den Zeilen die Wahrheit doch zu sagen. Das Blatt schreibt: „Dieser Vorgäng wäre kaum in Ueberclnstimmung zu bringen gewesen mit dem von de» zuständigen Reichsstellen mehrfach vertretenen Grundsatz, daß der Brotprcis stabil gehalten werde» solle, allerdings unter dem Vorbehalt ge- wisser örtlicher Korrekturen, wie sie anläßlich der geplanten Einführung einer Brotordnung nnd der mit ihr erstrebte» stärkeren Vereinheitlichung der Brotsorten und Brotpreise notwendig werben könnten. Der Erlaß dieser Vrotordnnng izunächst war der t. Oktober in Aussicht genommen) hat sich aber verzögert. Infolgedessen hätte auch die Annahme, daß eS sich bei den in Frankfurt eingetretenen Veränderungen um eine solche örtliche Korrektur handeln könnte, wenig Wabrich.'inlichkeit kür sich gehabt. Es liegt nun also auch von der Seite des Backgewerbes die Versicherung vor, es sei keine Preiserhöhung erfolgt. Andererseits ist es aber nicht so, daß die ausgetretenen Gerüchte, die sich anf Beolachtunge» in den Brotverkanso- stellen stützen, jeder Grundlage entbehrten. Die Frankfurter Bäckcr-Jnnungen(und entsprechend auch die Innungen in den Nachbarstädten Wiesbaden. Darmstadt und Ossenbach» haben nämlich die Herstellung billigerer Brotsorten ringe- stellt, die seit längerer Zeit aus dem Markt waren, und zivar, wie vom Gewerbe jetzt erklärt wird, um der Konkurrenz des vom Lande hereinkommenden Bauernbrotes zu be- gegnen, dessen Preisvoriprnng sich nickt nur aus der Möglichkeit billigerer Eindectung mit Rohstoffen, aus Unter- schieden der Kalkulation und dergleichen, sondern vor allem auch aus wesentlich niedrigeren Lohnkostcn erklären soll, da die ländliche Brotberstellung nebenbei von den landwirt- schaftlichen Hilfskräften des Bauernbctriebcs mit übcrnom- tuen würde. An ihren„Kampfbroten" hätten die städtischen Bäcker nie ausreichend verdient. Seit einiger Zeit erlitten sie hieran sogar Verluste, weil infolge der neuerdings den Müblen anserlegten Ansmahlungsvorschristen die billigeren Nachmehle überhaupt nicht mehr verfügbar oder jedenfalls nicht für die menschliche Ernährung geeignet«nd zugelassen seien. Davon abgesehen seien die Mehlprcise noch an»nd für sich gestiegen." AuS dem ganzen Wenn und Aber geht hervor, welch« «chivierigkeiten im.rrankfurter Bezirk in bczug auf die Brotversorgung Herr,che». Ucber die gleiche» Schwierig leiten in anderen Bezirken wagen die feigen Journalisten anwi"ir zu berichten. Aber auch dies« Mitteilung der„Frankfurter Zeitung" zusammen mit de, Beiordnung des Regierungspräsidenten von Köln»nd dei ^riHagnrtijteit Aktion" des Herrn Goebbels zeigen mit allei Deutljchkett den Znsammeiibrnch her Blubopolitik. die ganz« Mißwirtschaft der Darr«, Schacht«nd Konsorten. Tai ! a fn c^glichen Umzüae. Feierlichkeiten, Denk r'"' c überhaupt der iattfam bekannte Naziruininel, nicht hinwegtäuschen. Für Deutschland SAAR. BEILAGE Gegen Hitler! Laval und Frankreichs Saarpollith Die beklagenswerten Ereignisse der legten Zeit, die Ermordung des französischen Außenministers B a r t h o u und sein Ersatj durch den bisherigen Kolonialminister Herrn Laval, haben bei manchem Saarländer die Frage laut werden lassen, ob und inwieweit dadurch die Stetigkeit der französischen S a a r p o I i t i k beeinflußt werden könne. Hierzu schreibt unser l.K.-Mit• arbeiter folgendes: „Idj erfahre aus aanz sicherer Quelle, daß der neue französische Außenminister, Herr Pierre Laval, in der Saarfrage genau wie in den übrigen Teilen der sran- zösischen auswärtigen Politik nichts anderes tun wolle und könne, als das Werkseines Borgängers, des Herrn Barthou, fortzusetzen. Tiefe Erklärung ist um ihrer Klarheit willen sehr zu be- grüßen,' sie war allerdings auch gar nicht anders zu erwarten, denn Frankreichs Taarpolitik ist durch die Umstände gegeben und ganz und gar eindeutig. Was Frankreich will, ist nichts anderes, als die Einhaltung der Verträge. Es muß mit aller Klarheit festgestellt werden, daß die von dem Reichsführer Adolf Hitler und von seinen An- bänger Limmer wieder betonte Auffassung, daß es sich bei der T a a r f r a g c um einen deutsch-französischen Konflikt handelt, ganz und gar abwegig ist. Zunächst einmal handelt es sich überhaupt nicht um einen „Konflikt": denn dieses Wort kann man doch nicht an- wenden für eine durch Verträge im voraus bereits geregelte Frage. Wenn demgegenüber Herr Hitler meint, daß der Einwurf, der V e r f a i l l c r Vertrag hindere eine direkte Abmachung in der«aarfrage zwischen Teutschland und Frankreich, ihm n i e m a l S überzeugend erschienen sei, denn wenn heute Deutsch land und Frankreich erklärten, daß sie sich über die«aar- frage einigten, und wenn das saarlandische Volk dazu sein Einverständnis erklärte, so sei es sicher, daß keine der in Gent vertretenen Nationen dagegen Einwendungen machen würde jwörtlich aus dem Interview des„Intranfigeant"), so hat diese««che einen großen Haken. Zunächst einmal steht noch gar nicht fest, ob wirklich der Völkerbund, d. h. irgendeiner seiner Mitglieds- staatcn, dagegen keine Einwendungen machen würde, zum anderen aber setzt Herr Hitler ja s e l b st v o r a u S. daß auch das saarländische Volk dazu sein Einverst ändnis erklären müsse. Wie aber soll denn das saarländische Volk fein Einverständnis erklären, wenn nicht eben aus dem Wege der Volksabstimmung? •i cnji wer soll sonst das saarländische Volk irgendwie repräsentieren? Man komme da nicht mit dem LandeSrat oder den Gemetnderäten. Neide sind nicht jetzt, sondern vor längerer Zeit unter ganz anderen Voraussetzungen gewählt worden, und wenn heute in ihnen die Abgeordneten der früheren Parteien diese ausgegeben und sich zu einer sogenannten„deutschen Front" zusammengeschlossen haben, io steht noch lange nicht fest, ob sie damit den Wille n ihrer seiner,eiligen Wähler erfüllt haben WaS man also auch immer vorbringen möge, es bleibt keine andere Möglichkeit, den Willen des saarländischen Volkes festzustellen, wenn nicht eben im Wege der Volksabstimmung, und weder Frankreich noch Teutschland noch auch der Völkerbund können, selbst wenn sie wollten, diesen Willen des saarländischen Volkes irgendwie beiseiteschieben. Was im übrigen die französische Auffassung angeht, so ver- verlangt sie nur einS:..yne I? plehiucit soil hoirnete", ld. h. daß die Abstimmung eben ehrlich sein sollj. Wenn sich bei der Abstimmung etwa eine«lprozentige Stimmenmehrheit iür Teutschland ergeben würde, so ist der Fall für Frank- reich politisch erledigt. Es wird die Willensmeinung der Vevölkerung anerkennen und sich dementsprechend mit der gegebenen neuen Situation a b f i n d e n. ES v c r l a n g t aber umgekehrt auch für den Fall, daß sich etwa eine küprozentigeStimmcumehrfteit für denTtatusquo ergäbe,auch Teutschland dann genau so gut diesen Willen der Vevölkerung anerkennt, und sich mit den gegebenen Tatsachen abfindet. Das viel zitierte Memorandum des Herrn V a r t h o u hat ja auch nichts anderes im Auge gehabt. Es hat vielmehr lediglich die durch den Friedensvertrag vorgesehenen drei Abstimmungsmöglichkeiten der Reihe nach aufgeführt und, ohne irgendeiner von ihnen den Borzug zu geben, dargelegt, wie in dem ersten, zweiten oder dritten Falle die Verhältnisse sich gestalten müssen, insbesondere was die Frage der S a a r g r u b e n, der Zollverhältnisse und der im Saargebiet zur Zeit steckenden französischen Kapitalien angeht. Man darf zn Herrn Pierre Laval das Vertrauen haben, daß er dank seiner großen GeisteSgaben und dank auch der Erfahrungen, die er als früherer Ministerpräsident in seinen Verhandlungen mit dem damaligen Brüningschcn Teutschland gemacht hat, sich in die Materie sehr schnell hineinfinden und sie getreu seinem Ausspruch im Geiste seines Vorgängers durchführen wird. Tics um so mehr, als auch der Ministerpräsident T o u m e r g u c, der stets aus das engste mit Herrn Varthou zusammengearbeitet hat, die gleiche Auffaffung vertritt. Hier wird die„Taarbrücker Zeitung" sund die anderen gleichgeschalteten Blätter an der Taar werden eS ihr nach- beten) wahrscheinlich bemerken, daß Herr Toumergue ja der Ehrenpräsident der„Association Francaise de la Sarre" sei, und daß schon aus diesem Grunde die in dem Memorandum des Herrn Barthou vertretene Politik nicht uneigennützig und voreingenommen, sondern„annektionistisch" sei. Hier ist die Gelegenheit gegeben, noch einmal einem Irrtum entgegenzutreten. Von den guten Leuten dkr„Association Francaise de la Sarre" denkt kein Mensch an irgendeine Annexion: was man will, ist lediglich, die Interessen der im Saargebiet nun einmal lebenden Franzosen sowie derjenigen Franzosen, die ihre Gelder in Unternehmungen des Gebiets gesteckt haben, zu wahren. Im übrigen nimmt jeder von ihnen den Standpunkt ein. der oben g c k e n n- zeichnet ist, und hat daher auch keine andere For- d e r u n g, als wie eben nur die eine, daß nämlich die A b sti m m u ng ehrlich sei. Ob sie das sein wird, ist natürlich noch dahingestellt. Ter Terror, der heute schon an der Taar herrscht, ist ja zur Geniige bekannt. Desgleichen die höchst zweifelhasten und so über Erwarten zahlreichen Eintragungen in den Listen der Abstimmungsberechtigten. Hier ist es Sache der Abftimmungs- kommission und der Abstimmungsgerichtc, nach dem Rechten zu sehen, eventuell müssen sie sich an den Völkerbund wenden, damit dieser die nötigen Maßnahmen trifft. Lediglich als Mitglied s st a a t des Völkerbundes ist Frankreich dabei tätiger Partner, genau so wie es Teutschland sein könnte, wenn es nicht seinen Austritt aus dem Völkerbunde erklärt hätte. Als Mitgliedsstaat des Völkerbundes aber wirb Frank- reich vor allem eben aui die Ehrlichkeit der Abstimmung und ihre Ermöglichung drängen, und hier wird Herr Pierre Laval, die Politik seines Vorgängers in gerader Linie fort- setzend, all den Saarländern, die ihre Meinung frei und un- beeinflußt zum Ausdruck bringen wollen, eine Stütze sein. Der überlastete Dreier-Aussdiuß Für und gegen Vertagung de« Plebiszit* Paris, 27. Oktober. In immer stärkerem Maße beschäftigt sich die französische Presse mit der Saarsrage, seitdem die Behauptung in die Wclt gesetzt worden ist, daß die Aufstellung der Abstimmungsltsten zu allerhand Beanstandungen Anlaß gäbe. Tie dem Ouai d'Orsay nahestehende Außenpolitikerin des„Oeuvre" schreibt: Laval vertritt in der Saarfrage genau die gleiche Auffassung wie Barthou. Er erfüllt tag- tieft die Pflicht, die der Vertrag ihm auierlcgt, der die Sicherheitsmaßnahmen vorschreibt, die Frankreich eintre- tcndcnsalls gemäß dem Wortlaut des Vertrages auwenden müßte. Unser Land fährt außerdem iort, vom Treier- Ausschuß sämtliche Arbeiten betr. Ausführung der franzö- sischen Denkschrift und insbesondere hinsichtlich dcS etwaigen StatuS-quo- Planes zu fordern. Im Völkerhund wartet mau ebenfalls auf das Ergebnis dieser Arbeiten, die in Rom fortgesetzt werden. Ter Ausschuß scheint mit Arbeit Jiittewismus gegen Jiatfiotizismus Unversöhnliche Gegensätze So zog neues kleinasiatisches Priestertum mit der„großen Hure" der PelaSgcr oder der„schönen lieben Hure" von Ninive fRahum 3, 4) in die„ewige Stadt" ein und nahm Wohnung aus dem ehrwürdigen Palatin, dem Sitz des kulturschasfenden altrömischen Gedanken. Es folgten die üblichen vorderasiatischen„religiösen" Umzüge, doch muhte sich der Orgiasmus später aus die hinter Tempelmauern liegenden Bezirke beschränken, um vor dem besseren Teil des Volkes verschont zu bleiben. Ter HaruSper siegte, der römische Papst erhob sich als sein unmittelbarer Nachfolger, während die Tempclhcrrschast, das Kardinalskollegium, eine Mischung von Priestertum der EtruSko-Snro-Borderafiaten und der Juden mit den nordischen Senat Roms darstellt. Aus diesen etruskischen Haruspex geht dann auch„unsere" mittelalterliche Weltanschauung zurück, jener furchtbare Zauberglaube, jener Hexenwahn, dem Millionen des Abend landcs zum Opfer gefallen sind, der auch durchaus nicht mit dem„Hcxenhawmer" ausgestorben ist. sondern in der kirch- licher Literatur von heute noch lustig weiterlebt, jeden Tag bereit, offen hervorzubrechen: jener Spuk, der nicht selten die nordisch-gotischen Kathedralen verunstaltet und über e'ne natürliche Groteske weit hinausgeht. Alfred Rosenberg, der vom Führer und Reichskanzler mit. der weltanschaulichen Erziehung der Nation beauftragte Theoretiker des Nationalsozialismus in seinem Buche„Der Mythus des 20. Jahrhundert s". Eine Wertung der seelisch-geistigen Gestaltenkämpfe unserer Zeit, 13.—16. Auflage, Seite 67. Das Buch ist von der nationalsozialistischen Regierung dien Lehrerbibliotheken als geeignet empfohlen und in vielen Fällen auch katholischen Büchereien zwangsweise eingegliedert worden. überhäuft zu sein, und gewisse Kreise fragen, wo er die Zeit hernehmen soll, alle diele Fragen zu regeln. Müßte man nicht zunächst einmal die Abstimmungslisten revi- dieren? Hierzu braucht man selbstverständlich Zeit. Biel- leicht könnte man in den dem Ausschuß nahestehenden Kreisen den Wunsch verspüren, diese Zeit dadurch zn ge- ivinnen, daß man die A b st i w m u n g um einige M o n o t c u n d vielleicht sogar um ein Jahr»er- schiebt. Wer die Ereignisse sich abrollen sieht, dem erscheint das natürlich unmöglich. Es ist übrigens schwer zu sagen, ob eine derartige Möglichkeit einen Gewinn für die Frce- denssache bedeuten würde. »er nelrplarrer Iii»! sfcti feiern Audi ein Moralprediger Ter sattsam bekannte P s a r r e r W i l h c l m a u S W e h r- den, ein Schandfleck für die katholische Kirche, wird an diesem Sonntag sein 2?jähriges Jubiläum als„Seelsorger" feiern. Obwohl das Jubiläum„in aller Stille" gefeiert wer- den soll, läßt sich der bescheidene Hetzpsarrer von der braunen Presse an der Saar in spaltenlangen Artikeln ehren. Was da über diesen Mann geschrieben wird, der, obwohl er im Prie- stertalar, es gewagt hatte, andersdenkende deutsche Männer, die hier an der Taar unter schwersten Umständen den Kamps gegen den undeutsche» und landfremden Nationalso- zialismuS führen, als Lumpen und Verräter zu bezeichnen, interessiert uns weiter nicht. Nur eins fällt uns auf, daß unter den Gratulanten der ehrenwerte Herr von Pape« nicht fehlen durfte. Dieser vornehme Mann, der seine näch sten Mitarbeiter wie von Bosc, Tr. Jung, Tr. Schotte den Kugeln der SS. ausgeliefert hat. schreibt in einem Tele- gramm ans Berlin an Pfarrer Wilhelm u. a.: „Möge es Ihnen, der mit dem Kampf für die Rechte unserer Kirche zugleich den Kamps um die nationale Wie- dergeburt unserer Heimat verband, der ein ebenso treuer Deutscher wie eifriger Priester allzeit gewesen ist, vergönnt sein, alsbald wieder in die Grenzen der großen deutschen Heimat zurückzukehren." Man sieht also deutlich, wie hier Papen den Kamp' des Pfarrers Wilhelm für Hitler in einen Kamp» kür die Rechte der katholischen Kirche nmsälschen will. Tie katholische Kirche ist in Teutschland noch nie so entrechtet gewesen wie unter dem Hakentrcnzbanncr. Wenn augenblicklich den Versolgun- gen der braunen Gewaltherrscher in stärkerem Umfange die evangelische Kirche ausgesetzt ist, so geschieht daS nur dcS- halb, weil Bürstel einen Wink nach Berlin gegeben bat, bis zum tz. Januar die Katholiken in Ruhe zu laflen, da soust der Abstimmnngatanivs an der Saar mit Sicherheit ver- loren gehen würde. Aber nach dem 13. Januar, da werden die Masken fallen, dann werden solche Psarrer. wie es der Wilhelm aus Wehrden ist, dazu benutzt, um die katholische Kirche von innen zu lvrenaen und in den Tienst des Ratio- nalsozialismns zn stellen. Es wird genau dasselbe geschehen, was augenblicklich mit der evangelischen Kirche geschieht. Tie GratulationStclcaramme PapcnS und des Staatssekretärs der Reichskanzlei. Tr. Lawmers. möaen eine War- »nnq iür die Taarkatholiken sein. Tie dicke Freundschaft zn Pfarrer WiGelm zeigt, was die braunen Neuheidcn mit der katholischen Kirche nach dem 13. Januar vorhaben. Die oppositionellen KatoollKen London. 27. Okt. lHavasf. Ter Direktor der„Neuen Taar- post", Johann Holtmann, und Pater F ranz We- bcr, die bekanntesten katholischen Gegner des National- sozialismus im Saargebict, sind in London eingetroffen, um sich mit ihren britischen Glaubenöbrüdcrn in Serbin- düng zu setzen. Hoffmann erklärte, eS fei sehr wohl möglich, daß die A b st i m m u n g zugunsten der Hitler- gegner ausfalle: aber Frankreich müsse vorher er- klären, daß es nichts gegen eine Wiederholung der A b st i m m u u g in etwa tu Jahren einzuwenden habe. Tr. Hellbrück, Chefredakteur der„Saarbrücker Zeitung" fühlt sich berufen, uns Moralpredigten zu halten: „Es ist nun einmal so, und wer sich zur Kritik berufen fühlt, hat sie zu üben in einer Form, die für die Bevöl- kcrnng keine Beleidigung darstellt." Nicht zu glauben! TaS schreibt einer, der in seinem ver- luderten Blatte Reden eincS Pfarrers Wilhelm druckt, die alle nicht zur sogenannten„deutschen Front" gehörenden Saarländer als„Gesinnungslumpen" beschimpft. TaS schreibt einer, der einen Ausruf des berüchtigten Pirro druckt mit der Bezeichnung„M o r d g c s i n d c l" für alle Anhänger der„Frethcitsfront" und„Mörderzentrale" lur den Status guo. Wir greifen den weiteren Satz der„Saarbrücker Zeitung" auf: „Selbst wenn also die Verordnung zum Schutz von Staatsoberhäuptern nicht existierte, blieb immer noch die Verpflichtung der Regierung zum Schutz der Bevölkerung gegen ausreizende Beleidigungen, und das«st, w uiic h«c Tinge liegen, die Anwendung der Verordnung zur.lus- rcchtcrhaltung von Ordnung und Sicherheit." Richtig, und wann endlich wird diese Verordnung zum Schutze" a l l c r Bevölkcrungskrcise angewendet werden? Solange das nicht geschieht, wird man sich selber helfen müssen, und wir haben deshalb auch in Zukunft nicht die Absicht, gegenüber jounalistischen Zuhältern von Masten- Mördern ein Blatt vor den Mund zu nehme». Gegenstoß im Falle P!ch Die Verhaftung des Belastungszeugen. Her Hauptzeuge in dem Versahren gegen den Haupt- gcschäftsführer P i ck des Christlichen Metallarbeiter- Verbandes, ein gewisser Steinacker, Geschäftsführer der Ortsgruppe Saarbrücken ist heute vormittag von z w er Kriminalbeamten aus seiner Wohnung ab- geholt und auf Veranlassung der Staatsanwalticha't der Polizeidirektion vorgeführt worden, wo er vernommen wurde. Wie wir hören, hat der Verband gegen Stein- a ck e r Anzeige wegen Verdachts der Untreue e r st a t t e t. Steinackcr, der vom Vorstand des Verbands zwongSbeurlaubt war. ist aufgefordert worden, die ihm unterstellten Kassen, insbesondere die Tterbekasie der Orts- gruppe Saarbrücken mit Büchern und Kassenbelegen abzu- liefern. TaS ist nicht eriolgt, er hat sich geweigert und die Kriminalpolizei hat inzwischen festgestellt, daß sich die Unter- lagen in der Wohnung eines gewissen Baldaus in Tudweiler befanden, wohin sie Steinacker verbracht hatte und wo sie beschlagnahmt wurden. Tie Bücher werden zur Ze" aeprü'» Bei dem Verhör auf der Polizeidirektion gestand S einacker das außer den wider rechtlich ausgeliehenen Geldern noch vorhandene Vermögen und die sonstigen Belege usw. nack außerhalb aesch»''" zu haben. Seine„Amnestie" Hohe Zuchthausstrafen für„kommunistische Heherfälle" aus dem Jahre 1932 Berlin, 27. Okt. In einem Prozeß wegen kommunistischer Itcbcrfolle am i. Juli 1932 um Lenzer Platz und am l-t. Ja- nuar 1933 in der Boyenstraße, wobei der SA.-ScharsüH- rer Hans Stelnberg getötet und mehrere National- sozialisten schwer verwundet wurden, wurden heute der An- geklagte Walter H a b e r m a n u wegen Mordversuchs in zwei Fällen in Tateinheit mit schwerem Laiidsriedensbrnch und unbefugter Wasscusührung zu 12 Iahren Jucht- Haus und 10 Jahren Ehrverlust, der Angeklagte Erwin ,W e r b e r unter Einbeziehung einer schon früher gegen ihn verhängten Strafe zu insgesamt 12 Jahren Zucht- h a u s und 30 Jahren Ehrverlust, der Angeklagte Helmut Harn wegen schweren LandsricdenSbrnchs ebenfalls unter Einbeziehung einer schon verbängte» Strafe zu li Jahren Z ii ch i h a ii S und 1» Jahren Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht der Angeklagte Georg Taubncr wegen Moroversuchs in Tateinheit mit schwerem LandsriedenSbruch unter Berücksichtigung des?lninestiegesetzes vom Dezember 111.12 zu 2'/- Jahren G e i ä n g u i s verurteilt. Tie An- geklagten Georg Krüge», Otto Kolilmann, Hans Prodöhl, Erwin Borkoiviki und Hans Schiente erhielten wegen ein- fachen Landiricdensbruchs je 2 Jahre Gefängnis. Trci An- geklagte wurden freigesprochen, einer amnestiert. Große Stoa'sahlton Anscheinend, weil einer nicht mit über Ebert schimpfte Ter„Westdeutsche Beobachter" vom 19. Oktober berichtet: „Was ging es ihn an, wenn sich mehrere Leute über einen Sozialdemokraten oder Marxisten nnlerhiclten? Er muß wohl schon seine Motive dafür gehabt haben, daß er sich be- müßigt fühlte, ausgerechnet für diesen Mann eine Lanze zu brechen. Es war klar, daß er damit nur die national- sozialistische Regierung treffen wollte. Ter Inhaber setzte den Schwätzer vor die Tür. Dieser HinauSivurf hätte ihn eigentlich zur Vernunft bringen müssen. Nein, er sucht das nächste Restaurant auf und erzählt auch hier wiederum den Leuten von seinem geliebten Ebert und glaubt den Gästen mit seinen ketzerischen Redensarten imponieren zu können. Wegen feines unsinnigen Geschwätzes hatte er sich vor dem Schöffengericht zu verantworte». Hier benimmt er sich wie seine ruhmlosen Genossen von ehedem: er ist feige. An- statt für seine Taten einzustehen, bringt er den traurigen „Mut" aus, die Zeuge» als Lügner hinzustellen. Ja, er ivagt sogar dem Gericht vorzumachen, daß ihn die andern wegen seines schwäbischen Tialcktes offenbar mißverstanden hätten. Ter Vertreter der Anklage hebt hervor, daß sogar jetzt noch einige Zeugen ehrlich entrüstet sind über das Geschwätz, das damals der Angeklagte im Munde führte. Er ist aber auch der Ansicht, daß die überlegene Art des Angeklagten, der ja Akademiker sei. äußerst gefährlich sei und großes Un- licil bei dem einfachen Manne anrichten könne. Ans den Worten des Angeklagten spreche eine h e i m t ü k i f ch e Z e r s e tz u n g S a b s i ch t, die streng geahndet werden müsse. Er beantragt daher eine G e f ä n g n i S st rase von acht Vi o n a t e n. TaS Schöffengericht vertagt aber zunächst, um Zeugen über die Persönlichkeit deS Angeklagten zu vernehmen." ver ilerr..Kommissar" Ein typischer Fall Man schreibt uuS aus Baden: Im Mai 1988, als die Gewerkschaften von den'Nazis„übernommen" wurden, kam auch ein Herr H e l b i n g aus K o n st a u z an die Oberfläche und wurde zuerst Kommissar, dann Kreisleiter für die Gcwerk- schalten des Kreises Konstanz. In allen Bersammlunaen entrüstete er sich über die Korruvtion der gewesenen Gewerk- schaitsbonzen. die sich von den Arbcitergroschen gemästet hät- ten. Für seine Tätigkeit benötigte er drei Autos. Wer sie bezahlt, weiß niemand. In Konstanz hatte er Schulden„wie e>n Maior". Schon im letzten Herbst munkelte man. daß die Kasse nicht stimme, doch kam bald ein parteiamtliches Tc- menti. Als die„.Konstanzer Zeitung" in Zahlungsichwierig- ketten gekommen war. wurde Helbing dort Kommissar und gründete die Betriebsnotgemeinschast. Tas Personal mußte 5 Prozent unter Tarif arbeiten. Ueberstunden-, Nacht- und Sonntags,»schläae wurden nicht bezahlt, dagegen erhielt Hcl- hing für seine Tätigkeit als Kommissar monatlich 500 Mark. Bei der Deutschen Arbeitsfront wurde er„auf seinen Wunsch" beurlaubt. Bor einiae» Monaten kam er nun mit dem Triickerribesttzer in Konflikt und mürbe entlas»i. Seine Klage beim Arbeitsgericht auf eine Entschädigung von 300 Mark wurde von diesem abaeml-ien. Ta er sich vor lauter Schulden in Konstanz nicht mebr' mH i-» konnte, aina er nach Freibrna. Hier bat ihn nun sein Schicksal erreicht. Er wurde wegen Nvterlchsganna und dergleichen verhaftet, es soll ihm nun der Prozeß gemacht werden. Ein interessantes Klagelied Nazibonzen wie überall h. b. Dos„Neue Wiener Journal" veröffentlicht in seiner Nummer 14 664 ein interessantes Klagelied aus der Feder eines nach Teutschland geflüchteten Österreich!- scheu Nazis, der die Nase von den Herrlichkeiten des „dritten Reiches" sehr schnell vollbekommen hat und an den heimischen Herd zurückgekehrt ist. In dem Bericht heitzt es wehmütig: „Am nächsten Tage wurde mir auf der österreichischen Landesleitung(in München. T. Red l gejagt, daß ich mit vier Mark mich selbst zu verpflegen hätte... Tie österreichische Landesleitung machte den Eindruck eines Armeeoberkommandos zur Zeit einer Millionen- Monarchie. Tie Tiroler Gauleitnng. an der Spitze Herr Hoicr mit seiner Freundin als Privatsekretärin, fährt zwei schöne Wagen. Herr Proksch lebt seinen Verhältnissen sehr angeniesten in einer Zwölfzimmerivohnung in München, seine Iran hat stets ein Auto zur Verfügung. Ober- gruppenführer Reschny, ehemaliger Lehrer, besitzt eine Villa am Starnberger See mit eigenem Aufgang für Dienerschaft, seine Kinder werden privat erzogen, er selbst hat nicht weniger als drei luxuriöse Autos. Tiefer Am- wand ist für die Legionäre, die selbst das Nötigste ent- behren. unerträglich. Er widerspricht vollkommen den stets zu stark betonten Prinzipien der sozialen Auslastung, die das„dritte Reich„„ in großen Lettern auf fein Pro- granim seht und immer unterstreicht." Io, sckouns. lieber Herr Legionär, das ist halt so beim N Ii"ria'sazialism>:s Wir andern Habens sckan lange gemutzt und auch gesagt. Vielleicht haben Tie sogar zu denen gehört, die einmal einen Marxisten dafür verprügelt haben, weil er die Wahrheit gesagt hat? Sferilisierongshampie in Halle Bericht aus dem Reich! In Halle an der Saale spielen sich seit einigen Wochen herzergreifende Szenen in den Sprechzimmern des Medizinalrates Dr. Schnell und dem Stcrilisationsarzt Dr. Otto Schneider ab, die fast täglich zu ernsthaften Zusammenstößen führen. Ueber 500 Kinder sollen in Halle sterilisiert werden, und die Mütter und Väter der in Frage kommenden Kinder wehren sich verzweifelt gegen diese barba- rischen Maßnahmen. Laut jammernde, oft aufgeregt tobende Frauen verursachen immer größere Menschenausläui« in Halle, indem sie empört gegen die Tterilisierung ihrer Kinder protestieren. Wiederholt bedrohte die so aufgebrachte Menge Beamte des städtischen Gesundheitsamtes, so daß die Ueberiallkommaudos und SS. alarmiert werden mußten. Eine Iran B. hatte die Vorladung des Sterilisierungs- arztes erhalten, der ihr eröffnete, daß ihr Kind und ihr Mann sterilisiert werden. Die völlig ratlose Frau bekam Schreikrämpse und lies schluchzend auf die Straße und rief: „Mein Kind ist nicht krank» es ist nur zurückgeblieben, weil ich dem Kind anstatt Milch nur schwarzen K afsee geben konnte. Tie sollten uns bester zu essen geben, d. h. unseren Männern mehr Lohn, dann werden die Kinder ganz von selber kräs- tiger." Eine andere Mutter schrie dem Arzt ins Gesicht: „Sic wollen wohl mein Kind dumm machen, wenn ihr eS mit Gewalt sterilisiert, dann kann das Mädchen nicht mehr heiraten.". Ein Mann erklärte:„Lieber hänge ich mich mit meiner ganzen Familie aus. als daß ich meine Kinder zu Idioten machen lasse." Als der Arzt ihm Zeugniste von angeblich sterilisierten Menschen vorlegen wollte, antwortete er:„TaS sind eben Zeugnisse von Idioten." Ein anderer Man brach in Tränen auS und zitierte Bibel- spräche, um zu beweisen, daß er den finsteren Mächten der Hölle gegenüber stehe. Kein Tag vergeht ohne derartige Ans- trittc. Die Eltern rebellieren Bisher war man nur zögernd an die gesetzlich durch Adolf Hitler orgeschricbenc Stcrilisierung herangegangen tdic fast nur die Kinder der armen Bolkskrcije trifft) und als Erstes wurden fünf Waisenkinder, auf Antrag ihres Amts- Vormundes, der Sterilisation zugeführt. Tiefe Berstümm- hing der wehrlosen Kinder erregte die Bevölkerung so stark, daß der Ttadtarzt über 100 Drohbriefe bekam, lohne Ab- sendcrl, in denen er sogar mit dem Leben bedroht wurde. Insgesamt sollen in Halle nach den eigenen amtlichen Angaben 595 Kinder aus den Hilfsschulen als Erste zur Sterilisation gebracht werden, wovon vorige Woche 216 die Aufforderung hierzu erhalten haben, was in der ganzen Stadt eine ungeheure Panik hervorrief. Da bei den Nach- forschungen über die Eltern und Großeltern dieser Kinder sehr viele Erwachsene als unter das Sterilisationsgesetz fallend ermittelt werden, ist diese Erregung in den ärmeren Volkskreisen um so begreiflicher. Tie Gesamtzahl aller in Halle zur Sterilisation komme»,- den Personen wird amtlich aus rnnd 1500 Menschen geschätzt. Im ganzen Reich rechnet man laut Angaben deS ReichSiach- fchaitsleiters Paul Ruckau in Liegnitz mit rnnd 200 000 Sterilisationen. Die Kinder werden in erster Linie aus den Hilfsschulen entnommen. Nach Paragras 3 des Gesetzes ist jeder Arzt verpflichtet, jeden ihm bekannt werdenden Fall dem TterilijationSarzt zu melden, damit er das Verfahren gegen das wehrlose Opier vornehmen kann. Sehr oft geben die Frauen an. daß Hitler mit 13 Jahren auch so krank ge- wesen sei, daß er ein volles Jahr keine Schule besuchen konnte, und daß auch Bismarck ein schlechter Schüler gewesen sei. Durchschnittlich werden mehr Knaben als Mädchen gemeldet, was wohl damit zusammenhängen dürste, dgß Knaben in den ersten Lebensjahren cmpsindlichcr sind als Mädchen. Amnestie rnll Lödiern Etwa 20 Kommuniste« wurden in Eelle nachts in ihren Wohnung«,, zwangsgestellt und in U n t e r s u ch« n g»- hast genommen. Die Verhafteten werden beschuldigt, staaw- feindliche Umtriebe begangen zn haben. Es handelt sich bei ihnen um Personen, die erst kürzlich aus Grund der Amnestie ans dem Son,«ntrationsla»rr entlasten worden waren. Erste Sterilisierungen der Kinder Borige Woche kam es infolge der großen Zahl der Ge- stellungsbcfehle zu ganz erbitterten Zusammenstößen in Halle. Weinend habe eine Mutter für ihr Kind eine Erho- lungSkur. mehr Milch und eine gesündere Wohnung bean- tragt, weil ihr Kind nur aus diesen Ursachen in der Ent- wicklung zurückgeblieben sei. AlS man ihr das ablehnte und daraus bestand, daß das Kind sterilisiert werden müsse, ge- riet die Frau so in Wut, daß sie daS Büro Dr. Schreibers zu demolieren versuchte Nur mit dem Ausgebot des lieber- sallkommandos gelang, wieder Ruhe zu schassen. Gellende Schreie ausstoßend, wurde die Unglückliche aui den Ueber- tallwagen geschleift. Tie wird sicherlich schwer bestraft und ihr Kind doch sterilisiert werden. Die Frauen in dem Sprech- zimmer nahmen laut schimpiend für diese Wütende Partei. Tie Polizei und vor allem die Aerzte wurden auf das Ge- meinste beschimpft. Unter andern» die Rufe:„Tas macht man nur mit uns, weil wir früher links gestanden haben,"»»f. Tosort sammelten sich große Menscheninastcn an und sie be- kamen lenEharakter einer kleinenRevolte, denn sofort wurde überall die höchste Alarmstufe angeordnet und es wurde nur auf Anraten der TS-Führung nichts gegen die Masse unter- Kommen, weil man fürchtete, daß dieser erste Fall im Reich bekannt würde und ähnliche Zusammenrottungen auslösen könne. Biete Frauen riefen:„Weil wir in» Krieg gehungert haben, deshalb kastriert man jeyt unsere Kinder und macht sie svsiematisch zu Idioten." Man befürchtet in den sührenden Stellen, daß diese alles aufwühlenden Frage» spontan alle braunen Hemmungen hinivegsege» könnte und daß es zum offenen Ausstand kom- inen könne, der im Ernstfälle von beiden Seiten mit der größten Schärfe dann geführt würde, weil die Aufrührer wüßten, daß in diesem Fall ihr Leben vcrivirkt sei und des- halb schonungslos mit der größten Brutalität vorgeben würden. Bis jetzt haben sich nur 6 Freiwillige zur Tterilisierung gemeldet, bei denen allerdings die Maßnahme berechtigt sein mag. Aber bei den» Großteil der Hilfsschülrr handelt es sich nm Kinder, die- allein in die Schiile gehen und meist nur infolge der elterlichen Notlage körperlich und damit auch geistig zurückgeblieben sind Eine Mutter hängt an dem Ickwächlichen Kind noch bedeutend v'"br als a» den Gesunden und es ist i» den kommenden Monaten mit tief aufwühlenden kleinen Revolutionen von dieser Seite zu rechnen, denn dieser Eingriff Hitlers in das Familienglück zerstör» in Millionen den Glanben an de»„guten" Hitler, man sieht ihn allgemein für einen Barbaren an. Auch in Kottbus Kuck) in Kottbus schoß ein bis jetzt noch unbekannter Mann aus einen Hausbesitzer»n der Jägerstraße 21, weit er angeblich zivei Kinder dem Sterilisterungsarzt denunziert habe, als er mit deren Eltern in Streit geraten war. Es geht in Kottbus das Gerücht herum, die frühere Linke habe einen Streifdienft eingerichtet und würde nunmehr zum Widerstand übergehen. IVV.: Nach den Angaben eines Sachverständigen werden in» sOv Saargebiet rund 8—9000 Personen im Falle einer Rückgliederung in Frage kommen und zwangsweise zur Sterilisierung gebracht werden. Am 13. Januar haben es die Opser in der Hand, sich durch Stimmen für Status quo der lautlosen Hinrichtung lso wird sie im Reich genannt! zu entziehen. Und jeder, der auch nur einen Funken von Menschlichkeit und Reit- gion in sich trägt, muß nunmehr alles einsetzen, damit der braune Wahnsinn an der Saar nicht die gleichen Verbrechen ausüben kann»vie im gelobten„dritten Reich". Wer an» 13. Januar 1935 für Hitler stimmt, hat diese 8000 Opfer mit aus dem Gewissen- Illtiers Großmut h. b. Aniang Juli hatte die 26 Jahre alte Selma Biernat aus Braunichweig einer Naziklatschbase gegenüber die Ziele und da» Verhalten Hitlers kritisiert. Sie war dafür zu vier Monate»» Geiängni» verurteilt worden. Der Staatsanwalt gab sich damit nicht zufrieden. Er legte Berufung ein. Nun- mebr wurde die bisher unbeicholtene Frau zu zehn Monaten Gefängnis verur'eilt. Der Staatsanwalt betonte, daß von einer Anwendung der Amnestie gar keine Rede sein könne. 1 rauergeSolge IDeuiscfke ftirnmen• zur!Deutssfien&weifkeit'• Ireigntgse und Qestfkichten k 1'^^^OWWWWI>or,ntaq-Mon.«q. den z». und z». OktooT 193« KNU^NAWWWIWWWWWWW^W! Äec Anüchü „Der Antiehris t".— Von Josef Roth. Verlag Allert «Je Lange, Amsterdam. Josef Roth leht in der Emigra': on. Er gehörte sofort 5» denen, die durch neue Lei; Hing einem ungewissen geistigen Schicksal zu entgehen wußten. Jeder neue Tag in der Fremde palt der Auseinandersetzung mit dem Vergangenen und mit dem Kommenden, im Roman, im Essay, im Pamphlet. Nun legt er uns dieses umfassende H erk vor. Hingerissen von der Großartigkeit seiner Schau und der Kraft der Sprache liest man es in einem Zuge. Wer ist der Antichrist? Josef Roth sieht ihn überall dort, wo der Mensch zum Menschen in ein unmenschliches Verhältnis geraten ist. Der Antichrist wuchert übeiall auf dieser Erde, das mißratene Ungeheuer der Zivilisation, mit der sich das Menschen- geschlecht seine eigene Peitsche gewunden hat. Hören wir einige Sätze von Josef Roth selber: „Ich habe aber den Antichrist erkannt, ich durchschaue ihn, wenn er im Osten dieses untergehenden Kontinents die Arbeiter zu befreien verheißt und die Arbeit zu adeln, wenn er im Westen die Freiheit der Kultur zu verteidigen spricht und die falschen Fahnen der Humanität über den Dächern der Gefängnisse hißt. Wenn er in der europäischen Mitte (das heißt zwischen Osten und Westen) einem Volk Segen und Wohlfahrt verheißt und den Krieg vorbereitet, in dem es untergehen soll, wenn er das insularische Volk Europas, die Engländer, die Matrosen des alten Kontinents, zur Gleichgültigkeit überredet gegenübet all dem, was auf dem Fastland noch vorgehen kann— wie man die seefahrenden Matrosen, die Söhne des Festlandes, überreden kann, sich nicht mehr um das Schicksal der Häuser zu kümmern, in denen sie geboren wurden, wenn er den Söhnen der europäischen Berge, den Schweizern, und den harmlos rührenden Kindern der Küste, den Holländern, Segen und Gewinn verspricht, sobald die andern sich zu töten beginnen, wenn er Gelbe gegen Weiße, Schwarze gegen Gelbe und Weiße ausspielt, wenn er den Italienern die Macht des alten Roms zusagt und den heutigen Griechen den Glanz des alten Hellas. Ja. selbst wenn er, der Fürst der Hölle, den Vatikan besucht und ihm Konkordate diktiert... erkenne ich ihn, den Antichrist. Und, obwohl seine Macht weit größer ist, als die meine, fürchte ich ihn nicht— und will versuchen, ihn zu entlarve n." Es wäre ungerecht gegenüber Josef Roth, wenn man sagte, daß dies eine besonders kennzeichnende Stelle aus seinem Vc. Arnold Äuge Die Unterwürfigkeit deutscher Universitätsprofessoren entkeimt nicht bloß der Angst um Erwerb und Karriere, nicht allein der Unfähigkeit, zwischen Loyalität und Devotion die Taktschranke zu errichten. Viele haben allen Anlaß. Hitler dankbar zu sein, weil sie ohne sein Regime und die Protektion der Partei niemals akademische Lehrer geworden wären. Im braunen System ist auch der lange verschollene Dr. Arnold Rüge wieder aufgetaucht. Er hatte sich vor dem Kriege als Privatdozent der Philosophie an der Heidelberger Universität habilitiert. Es sah so aus, als ob er rasch Karriere machen würde. Der berühmte Philosoph und Historiker der Philosophie Wilhelm Wiudelhand protegierte ihn. Rüge eintauschte wissenschaftlich. Die herkömmlichen Vorlesungen, die herkömmlichen Seminarübungen, keine philosophische Publikation von Bedeutung. Dann machte er einen Seitensprung in die Politik und kam nicht mehr los von ihr. Er hatte die Kosten für Studium. Doktorprüfung und die fast cinkunftslose Privatdozentenzeit nur mit Hilfe jüdischer Mäcenaten aufbringen können. Nun dankte er mit einer ungewöhnlich heftigen Kampfschrift gegen Antisemitismus auf deutschen Universitäten. Dann wandte er ch wieder ausschließlich der Philosophie zu, blieb aber ein Dozent von Durchschnittsmaß, im Gleise des üblichen Universitätsbetriebes. Trotzdem wollte er rasch Professor werden. Eine V akanz trat ein. Windelhand empfahl ihn. die philosophische Fakultät lehnte ihn aber wegen mangelnder Qualifikation ab. Ein jüdischer Kollege wurde ihm vorgezogen. Auf einmal wurde p r ein polternder Antisemit. Er beschuldigte die Professoren Max Weber, Alfred Weber und Gothein. seine Graduierung auf Geheiß des Besitzers der„Frankfurter Zeitung" hintertrieben zu haben. Im Disziplinarverfahren konnte er seine Vermutung durch keine irgendwie glaubhafte Angabe erhärten. mußte er kläglich Abbitte leisten und kam mit einer Rüge davon. Darauf wurde er antisemitisch noch r»bialer. Er schimpfte bald auf Ludwig Frank, bald auf seinen erfolgreichen Rivalen, bald auf das gesamte Judentum. Im Krieg blich er jahrelang reklamiert. Dann hielt er bis Hin» Schlüsse in der Heimat Aufklärungsvorträge. Nach der Revolution wurde er das Mundstück des akademischen Radauantisemitismiis in Heidelberg. Als es zu schlimm wurde, warnte ihn der Senat. Rüge tobte noch mehr, verleumdete noch unbedenklicher. Der gesamte Lehrkörper der Philosophischen Fakultät, selbst der Historiker Wolfgang ^indelband, Sohn seines Freundes Wilhelm Windelband, £we föatnbe tickt ..... Eine Inszenierung muß es sein, die hinwegsprengt die frönen Matten mit Herdenglocken und schweizerisch-breitem Rehagen, und ausbrennt den lächelnden See der Idylle. ein Volk steht auf aus einer bleifarbenen Sonnenfinsternis •ler Tyrann!». Druck gegen Druck und Ruck gegen Ruck... Ks ist. als ob man das Ticken einer Bombe hört... Schiller» vornehmstes dramatisches Mittel ist da» 248 Seiten umfassenden Buches sei. Es funkelt und blitzt nahezu auf jeder Seite das Wissen um die mißbrauchte Wahrheit und die geschändete Gerechtigkeit. Wir erleben mit ihm die„entweihten Wunder" dieser Tage auf seiner ^ anderung im Auftrage des..Herrn über die tausend Zungen." So nennt Josef Roth den allmächtigen Zeitungskonzern, der ihn aussandte, um die Welt zu schauen. Er kommt nach Hollywood, nach„Hölle-Wut", er durchschaut die Wolken- .kratzer in der Siebenmillionenstadt der Schatten. Ueber der Erde, unter der Erde, auf den Dächern der Kirche, auf denen der Antichrist das Kreuz verbiegt, bis es zum Antikreuz geworden ist: man bleibt gebannt auf der Spur der Apokalypse. Ein unpolitisches Buch, aber von Politik gespannt bis zum Bersten! Josef Roth, der zuletzt vom Chef der„tausend Zungen" entlassen wird, geht weiter als Wanderer durch das Menschenall. Auf seinem Abschiedsdekret steht: „Ich entlasse Sie mit heutigem Datum aus meinen Diensten. Sie sind eine widerspenstige Zunge. Ith habe bereits eine neue und hillige gefunden. Meine Zeit, unsere Zeit ist angebrochen. Ich brauche nicht mehr höflich mit Ihnen umzugehen. Und ich schließe mit der Wahrheit: Heil da» Antikreu z." Warum ist„unsere Zeit" angebrochen? Weil das Volk im Herzen des Kontinents nicht mehr allein das Goldene Kalb anbetet, sondern noch den„Eisernen Gott". Wanderer Josef Roth kommt zu den Frommen, zu den Gerechten, zu den Gottesleugnern, zu den Reichen, zu den Armen, zu den Judeü und Judenhassern. Er hört ihre hohlen Worte und ihre halben Bekenntnisse, denn überall ist der Hauch des Antichrist, bis zum bitteren Ende, wo sich der Segen der Erde, Kali, Naphta, Gift, zur Vernichtung verständigt hat. -» Ein Mythos? V ir wollen dieses Wort nicht mißbrauchen. Joseph Roth kann mit Recht einwenden, daß auch hinter ihm schon der Antichrist lauere, der mit falscher Zunge die Menschen verwirrt. Es ist, kurz und schlicht, einfach ein großartiges und aufrüttelndes Buch, geschrieben in Auflehnung wider das Menschenreich und in Sehnsucht nach dem unverwirklichten Gölte. Gäbe es den Thron des Heiligen Vaters: Josef Roth würde vor ihm ein bitteres und zugleich gnädiges Lächeln empfangen. verlangte Ruges Demission. Zuerst hatte»ich die deutsch- nationale Partei des badischen Landtags seiner angenommen. Dann ließ auch sie ihn fallen. Rüge wurde die Dozentur genommen. Von da an ging er politische Abenteurerwege. Er gründete den„B lücherbuud" und zog mit einer Gruppe beruflich gestrandeter Jünglinge nach Oberschlesien. Dort hat er, als„Geheimrai Berger" amtierend, eine Reihe von E einemorden veranlaßt. Auf sein Kommando wurden auch zwei deutsche Mädchen erschossen, die in den Verdacht des Verrates zugunsten Polens geraten waren. Der Staatsanwalt in Breslau erließ gegen Rüge Steckbrief. Er floh nach München, das unter Kahr, Pöhner. Frick und Roth das Asyl aller Mörder aus dem reaktionären Freikorps war. Der Fememord-Betrieb wurde nun erst in Bayern so recht heimisch. Wo später der parlamentarische Untersuchungsausschuß Fememordaktionen nachprüfte, da konnte er immer die Initiative oder die Billigung des„Geheimrats Berger" alias Arnold Rüge feststellen. Gefaßt wurde er nur einmal. Als er den Studenten Zwengauer zum Mord am Studenten Bauer anstiftete, schickte ihn das Volksgericht auf ein Jahr ins Gefängnis. In der Politik wirkte er hinterher nicht mehr mit. Nach dem Hitlerputsch wollte er wieder Dozent werden. Die Universität München lehnte ab. Alle Universitäten lehnten seine Gesuche ab. Daß dieses Subjekt ihnen moralisch zu unsauber war, darf man annehmen, ganz sicher ist das bei allen nicht einmal. Sie werden sich wohl aber auch gefragt haben, was denn Rüge in der langen Zeit seines politischen Abenteurertums wissenschaftlich geleistet habe. Darauf hätte er wahrheitsgetreu nur antworten können, daß er den deutschen Sprachschatz mit der Bezeichnung„u m- legen" bereichert habe. In Wahrheit, diesem Wort hat Rüge erstmals die symbolische Bedeutung für Mord verüben gegeben! Es kam das Hitlerregime und mit ihm die Zeit, in der man höchsten Ortes nach wissenschaftlichen Leistungen wenig fragte. Buges Stunde war da. Er wurde außerordentlicher Professor an der Universität Jena. Vor ein paar Wochen hat er die Berufung nach Rostock zum Ordinarius erhalten. Ruge liest jetzt auch— über Pädagogik. Er ist der berufene Mann dafür. Die akademische Jugend von heute wird erzogen an seinen Heldenleistungen in Oberschlesien, an»einen Verhetzungen, die immer einer Reihe schuldloser Menschen das Leben kosteten! Ruge und das„dritte Reich"— sie passen zu einander! Wort, aber das Wort aus heißem Atem, mit Schrappneilbrennzünder und Einschlag ohne Verzögerung." Günter Nau- bardt über„Grundsätzliches zur Teil-Inszenierung im Theater" der Jugend, im Organ der„Genossenschaft deutscher Bühnenangehöriger".„Der neue Weg". Höllenmaschinen, Schrappnellbrennzünder— die Gedanken des braunen Rezensenten haben sich aus der Schweiz nach Oesterreich verirrt! Zeitbild „Edel sei der Mensch, Hilficich und gut!" Goethe. Ei., flüstern, Tusdielu!— Dann ein spitzer Schrei Der Qual durch meterdicke Wände! Im Dunkel zittern angstvoll bleiche Hände.^ „Mein Gott, jetzt schlagen sie den Hans zu Brei. Der Pestgestank von vollen Notdurftkübeln Legt sich wie eine Klammer um die Brust. Die Wunden eitern—„Es ist eine Lust!" Gespenster liegen auf dem Stroh und grübeln. Der Haß wühlt in verwüsteten Gesichtern, Und„Rache"«chreits aus dem zerschlagenen Leib Des Mannes der sich ängstigt um sein V eib, Des Weibes, das vergebens ruft nach Richtern. Die Seelen aber sind schon längst vernichtet. Wohl keiner weiß mehr, was er einstmals war. Nur Schmerzen, Hunger, Ekel sind noch wahr, Und turmhoch werden Flüche aufgeschichtet. Betrunkne Hunde rülpsen auf dem Gang Und grüßen sich mit wüsten Schweinereien; Befriedigt von den letzten Quälereien, Sind sie schon lüstern auf den nächsten Fang. Die Börsen spielen, die Geschäfte rollen In Rom. in London, auf der ganzen Welt. Man ist bekümmert, weil Kredit und Geld Nicht mehr so fließen, wie sie fließen sollen. Die Zeitung liest man dennoch mit Behagen Und freut sich, wenn es was zum Gruseln gibt. Weil man doch insgeheim das Gruseln lieht! Fast jeder sagt:„Was soll man dazu sagen?" Gewiß, Herr Hitler ist che Kriegsgefahr, Doch da« Geschäft kann höchstens besser werden. Einmischung? Sowas gibts nicht mehr auf Erden, Denn edler wird der Mensch von Jahr zu Jahr! Horatio. Jlüüchnec A&wteuec Schon seit zehn Jahren fährt Herr C. aus Saarbrücken ins Reich: er reist in Stahl, dem Erzeugnis seiner Firma. Schon seit zehn Jahren besucht er in jedem Herbst die Münchener Firma U.& Co. Sie ist, wie man so sagt, sein Geschäftsfreund. Als er vor drei Wochen seinen fälligen Besuch machte, wurde er nicht mit dem landesüblichen„Grüß Gott" empfangen, sondern mit einem donnernden„Heil Hitler". Was nicht hinderte, daß er in den nächsten zehn Minuten einen guten Auftrag erhielt. Nach jenen zehn Minuten kam aber in das Zimmer des Chefs, mit dem Herr C. abgeschlossen hatte, der Prokurist der Münchener Firma. Auch er donnerte sein„Heil Hitler", auf das der Saarländer mit„Guten Tag" antwortete. Der Prokurist riß die Haken zusammen und brüllte ihn an, er habe den Führer selbst beleidigt, wenn er den deutschen Gruß verweigere, er gehöre au die Wand gestellt oder gar »ngespitzt in den Erdboden gestoßen, er solle nur bis 1935 warten. Der Chef fiel seinem Prokuristen ins Wort, stellte fest, Herr C. gehöre zuvor drei Stunden lang mit einer Handgranate geohrfeigt und von Juden solle man eben nicht kaufen, der erwachte Rassegedanke habe ganz recht und jetzt sei es ihm eh zu dumm. In höchster Erregung verließ der Prokurist das Zimmer. Der Chef aber griff in seine Westentasche, wo zwei Havanna steckten, und bot die eine davon dem erschütterten Herrn C. an: ,.Damit» sich erhol'u, aber mir bleibt ja garnix anders übrig, der Prokurist, der spiunate Teifi, ist Obmann von „Kraft durch Freude", so a Nazi, und da kannst halt nix machen. Aber ich, ich schütze Sie, grad weil Sie a Jud sind." Mit kräftigem Händedruck verabschiedete er sich von Herrn C„ der nachdenklich den langen Gang vom Privatkontor wegmarschierte. Bis sich plötzlich eine Tür öffnete, der Prokurist nervös aus ihi herausflitzte und den zum zweitenmal erschrockenen Herrn C. in sein Büro zog. Dort griff er in seine Westentasche, wo zwei Manila steckten, und schob die eine davon dem immer erschütterteren Herrn C. in die Mappe:„Nix für ungut, tnei Liaber, aber was will i denn machen; mei Chef, der verrückte Uhu. ist der Obmann der NS. Hago. Der ist braun bis in die Knochen, da legst Di niecla. Aber ich. ich bin ganz normal, ich habe Respekt vor Ihnen, grad weil Sie a Jud sind." Seitdem Herr C. in München noch verschiedene andere Firmen besucht hat, ist er ein starker Zigarrenraucher geworden. Alt dieses hackte die J^atlei Deutschland in der Welt geächtet, Nullen an den höchsten Stellen, .Sklavenseelen, stumm, entrechtet, Argwohn, Haß und Mordgesellen, Pestgestank und Prahlerei; All' dies brächt' Dir d i e Parteil Lux. V} daran zu klammern, einen Glauben um sich daran zu stärken. Woran kann Teutschland nach dem 30. Juni glauben? Auf wen soll es sich verlassen?... • Man folge mir in das Erdgeschoß im Braunen Hau? in München. Man stelle sich einen einstachen Bau aus Back- steinen in griechischem Stil vor, das weniger anspricht, aber größer ist als unser„Palais de la Legion d'honneur".*) Auf beiden Seiten des Tänlen-EingangS trophäenähnlicher architektonischer Zierrat aus Bronze mit dem Hakenkreuz, überragt vom Reichsadler, soll an das Wahrzeichen der römischen Legionen erinnern. Keine Ehrenwache. Kein Posten. Keine Kontrolle. Ich trete mit einer kleinen Schar von Besuchern ein, klapprigen Männern, geschmacklos aus- geputzten Frauen, braven Leuten, die von sehr weit her- gekommen sind, um einen Blick in das nationalsozialistische Ällerheiligste zu tun. Man überschreitet eine Treppe von fünf Stufen, und man ist in der Halle. Der Augenblick, der sich einem bietet, ist aufregend: Zur Linken, von einem Geländer eingesäumt, ein pracht- voller Jahnenwald: sämtliche Standarten der gesamten TA.- Formationen aus Deutschland, die man den SA.-Leutcn weg- genommen hat, um sie hier in einer Art Totcnkammer für Fähnlein und Trugbilder aufzubahren. Mitunter kommen einzelne dieser Fahnen ins Freie hin- aus und können einige Stunden stolz im Winde flattern. Das geschieht an den großen offiziellen Prunkfesten, in Nürnberg zum Beispiel. Danach kommen die„beurlaubten" Fahnen wieder in ihr Museum, in ihr kaltes Gefängnis zurück. Neugierig, etwas traurig, betrachtete ich diese? Spalier, das von roten Stoffen fröstelte, auf denen die Swastika ihren bleifarbigen Kreis in vier Felder teilte. Mehrere dieser Sinnbilder trugen Kampsspuren. Kommunistische Kugeln, Messerstiche. Vielleicht waren Menschen gestorben, während sie üc an ihre Brust drückten. Wofür? Es ist nicht mehr viel wirklicher Sozialismus im Nationalsozialismus vorhanden. Den Nationalsozialismus, wie ihn Fichte und Treitschke verstanden, hat der Rassen- gedanke gewaltig verstümmelt. Im Hintergrund der Halle de? Braunen Hause? erhebt sich ein Standbild. Ein Bronze-Ricse, der sich aus den Griff eines Riesenschwertes stützt. B i S m a r ck in der Tracht eines RitterS aus dem Mittelalter schaut verächtlich aus die schar- lachroten Lappen herab. Er zeigt uns die endgültige Richtung der Hitlrrbewegung. Nationalsozialismus? Unsinn! Katholizismus, Protestantismus, Heidentum? Sappalien! Für die Männer, die diese fantastische Tragödie in- Für die Männer, die diese fantastische Tragödie insze- gibt eS nur eine Religion: die Stärke. Nur ein Ideal: den Triumph. Nur ein Ziel: die Unterwerfung Europas, wenn nicht der ganze» Welt. Wird Deutschland da» erreichen? Wird es die Welt zu- lassen? ->> Arbeiten in gewaltigem AiiSmah werben seit zwei Fahren neben bcm alten Braunen Hans anSgeflllir». Man plant ben Bau eine» nationalsozialistischen Riescnschlojse» mit 700 Meter Vorder- front. Bei meinen, letzten Besuch schien es mir. als wenn die Ar- beiten ein lanasameres Tempo angenommen Kälten. Melbmangel vielleicht. Kein Angehöriger bes Arbeitsdienstes wirb auf den Bau- Plätzen beschäftigt. Sollte man Angst vor Sabotage haben? Jawohl, ein Jode war es!" Die täglichen Lügen aus Slreldiers Reich Die„Fränkische Tagesze itnmg". Nürnberg, vom Streicher ans einer Kundgebung der Arbeitsfront in Nürn- 21. Oktober,.harschtet über eine.Rede da? Gaulxiters. Jnlius llfrVfl, wobei Streicher, ivie kurz vörher in Günzenhausen, die Behauptung aufstellte, da» das öisterreichischc Thron- 'oigerpaar im Tomer 1»14 durch die„Kugel des Juden Prinzip" gefallen sei, und hinzufügten„Jawohl, ein I u d e w ar c s, d e r d a s H e r z o g p a a r r r s ch v ß, und dann flammte Europa auf und es kam zu viereinhalb Jahren Weltkrieg, der uns zwei Millionen der Besten nahm. Der Jude wollte de» Weltkrieg, innd durch de» Mord au dem König von Tüdslaivicn aufs neue den Anlaß schasse» zu einem neuen Krieg. Jawohl, der Jude wollte es. ... Als die Nachricht kam, der König von Serbien sei tot, sagte ich: Diese Kugel kommt aus dem Revolver eines Juden. Ich freute mich nicht darüber, dirß der Mörder ein Jude ivar. freute mich aber, daß aviederum be- st ä t i g t ist, was ich schon immer gesagt h a be. Der Drahtzieher all dessen, was den Völkern bisb-r Leid gc- bracht hat. ist der ewige Jude." Streicher v-acht- dann in seiner Rede auch Andeutungen über jüdische„Pläne", die auf innerdeutsche Verhältnisse abzielen. Er behauptete, daß aus einer jüdischen Kon- serenz in Zürich und Gens vor kurzem„Dinge beschlossen wurden, die während des ReiHaparteitages ein Geschehnis hätten he beisühren sollen, da« das ganze deutsche Volk vielleicht in ei» unglaubliches Leid und in tiefe Not gebracht hätte. Es wurde uns ein Name ge- nan»t und es wurde uns auch die Summe genannt, die ausgesetzt war, um die Tat.zu vollbringen." * Zweifellos weiß es Streicher ganz genau, daß weder der Serbe Prinzip, noch der Mazedonier Georgs eis Juden waren, noch daß irgendein Jude zu den Attentaten in Serajcwo und in Marseille in irgendeine Beziehung zu bringen sei. Aber er, der seine ganze politische Existenz daraus gegründet hat. Hitlers antisemitischen Instinkten zu schmeicheln, muß immer neue Märchen von gefährliche» jüdischen Anschlägen erfinden. Und nun gebt er noch weiter und will offenbar mit seiner letzten Andeutung über jüdische„Pläne" in Deutschland Hitler erschrecken, indem er ihm— wie er dies schon einmal getan hat— einreden will, daß die Juden ihm nach dem Lebe» trachten? andererseits will er andeuten, daß das während des Reichsparteitages in Nürnberg angeblich geplante Attentat nicht durchgeführt werden konnte, ivcil er als der für die Ordnung in Nürn» bcrg Verantwortliche rechtzeitig hinter diese Pläne gc- kommen sei. Die Gefährlichkeit der Streicherschcn Judenhetze liegt nicht nur darin, daß er für Zehntausend« naiver oder bösartiger Menschen in Deutschland, sondern auch darin, daß er für seinen intimen Freund, de» Reichssührer Hilter, spricht und schreibt. d!e neue ifefiwetfe gegen nie luden Prag, 25. Okt. Jetzt, bei Einbruch des Winters und im Znsammenhang mit dem Winterhilfswerk, setzt eine große Reihe der nationalsozialistischen Zeitungen in Deutschland mit erneuter Judenhetze ein. Ten Ton gibt G ras Er» st 31 c v c n t l o iv in seinem„Reichswart", Nr. 42 vom 21. 10., an, der folgerichtig an Hitlers große Rede anläßlich der Einleitung des Wintcrhilfswerks anknüpfst und unter anderem ausführt: .„Innerer deutscher Zusammenbruch im kommenden Winter >>i die gemeinsame Hoffnung aller Gegner und Feinde des Neuen Deutschland. Diese edlen Menschen, welche das deutsche Volk vom Nationalsozialismus befreien wolle», das und in erster Linie jene, wie Adolf Hitler, sie in seiner neiilichcn Rede bezeichnet hat,„jüdisch-iirternationalen Boykott Hetzer", die Elend und Hunger und Verzweiflung »> Deutschland durch Wirkungen ihres Boykotts aus die wirtschaftliche Lage derart steigern möchten, daß Wirtschaft- I'cher Zusammenbruch, Unruhen usw. das Ziel erreichen, das im vergangenen Winter nicht erreicht Bürde. Vis zu dem ük>lt, schreibt die„Deutsche Zeitung", gebt a»S seinem täglich dreister werdenden Benehmen deutlich hervor. Dieses Be- nehmen wiederum ist es, das in dem deutschen Menschen den Wunsch nach einer Eindämmung solcher volkssremden Elemente laut werden läßt. Die Zeitung bringt eine Reibe offenbar erlogener Berichte über angeblichen Mißbrauch, den die Juden mit den ihnen vom WHW. gewährten Unterstützungen treiben. Die Vertreibung der Inden gefordert Sonst aber geschieht ihnen nichts Köln, 26. Okt. Im„Westdeutschen Beobachter", Köln, der früher von Dr. Leu. jetzt Führer der Arbeitsfront, redigiert wurde und ihm auch jetzt noch sehr nahe steht, macht Walter Eivald offen Propaganda für Vertreibung aller Juden aus Deutschland. Er iveist, als auf nachahmenswerte Beispiele, auf die mittelalterlichen Judenaustreibungen und Massenmorde an Juden hin und fragt, wie es geschehen konnte, daß trotz solcher„radikalen Methoden und Ausmerzung der Inden" diese nichtsdestoweniger immer wieder in der Lage waren,„in die deutschen Städte zurückzuschleichen". Er findet die Antwort hieraus in der Einrichtung des„Schutz- juden", in der Vorstellung, daß einige Juden besser sind als andere und deshalb Schutz verdienen. Auch heute, schreibt er, versuchen die Jude» unter dem Deckmantel von„Schutz- judeu" ihren Unterschlupf zu finde». Er schließt: „Was wir zu tun haben, das ist, alle Juden insgesamt herauszujagen. Ganz gleichgültig, ob und wie sehr diese Operation hier und da verlegen mag. sie muß vollständig sein. Tie Trennung zwischen Deutschen und Juden muß vollzogen werden, was immer sie kosten mag. Ja sogar, wenn dieser oder-jener Jude Dentjchland niemals etwas Böses zugefügt hat. sie müssen alle hinaus! Keiner kann dafür garantieren, daß nicht eines Tages in seinen Kindern dieses jüdische Blut d>. hbricht und unserem Baterlande schweren Schaden zufügt." «Neuer vrlet an die..Times Zugunsten österreichischer Sozialdemokraten (P.©.) Wickham Steed, der ehemalige Chefredakteur der „Times", und H. G. Wells, der berühmte englische Schrift- steller, haben am 17. Oktober an die„Times" einen offenen Brief gerichtet, in dem sie feststellen, daß in Mitteleuropa die politische Lage so gespannt ist, daß es wünschenswert er- scheine, alles, was zur teilweisen Befriedung beitragen kann, zu tun. Nach verläßlichen Nachrichten von englischen Freun- den, die sich über die Verhältnisse in Oesterreich an Ort und Stelle informieren konnten, wird die Lage in Oesterreich immer noch grundlos verschärft. In dem Brief heißt es unter anderem: „Obgleich Sie in einem Ihrer kurzen Telegramme mit- teilen konnten, daß drei politische Gefangene, Herr Daune- b e r g, Herr B r a u n t h a l und Frau Prost freigelassen wurden, wird der ehemalige Bürgermeister von Wien, Karl Teitz, noch immer so abgesondert gehalten und bewacht, daß sein Zustand sich durch nichts von einer tatsächlichen Hast unterscheidet. Teitz ist ein aufrechter Man» von bester Ge- sinnung, gegen den nach achtmonatiger Hast keine wie immer geartete Anklage erhoben werden konnte. Seine Gesundheit hat so schweren Schaden gelitten, daß er vom Gericht t» ein Sanatorium überführt werden mußte. Aber da ihm selbst dort die für ihn unerläßliche Diätkost vorenthalten wird, gibt sein Zustand allen Freunden Anlaß zu schwerer Besorgnis. Er darf Besuche nur ziveimal wöchentlich und nur in Ge- genivart der ihn bewachenden Kriminalbeamten und seines UntersuchiingSrichters empfangen. Seiner Frau wird es untersagt, ihm die geeignete Kost in das Sanatorium zu bringen. Ein anderer Häftling, dessen gesundheitlicher Zustand An- laß z» Besorgnissen gibt, ist General Körner. Trotz seiner Verdienste im Krieg, trotzdem auch gegen ihn keine Anklage erhoben werden konnte, wird er noch immer i» strenger Host gehalten. Bielleicht darum, weil gerade seine Kriegsersah- riingen ihn zu einem überzeugten Pazifisten gemacht haben. Ungefähr 200 ehemalige Tchutzbündler büßen gegenwärtig für ihre Teilnahme an den Febrnarkämpfen Strafen bis zu zwanzig Jahren ab. Weitere hundert warten noch aus ihr Urteil und etwa siebenhundert Sozialisten werden in Kon- zentrationslagern interniert." Wollersdorf Im österreichischen Konzentrationslager (P.®.) Folgende Schilderung der Zustände in Wöllerdorf entnehmen wir einem Brief eines Insassen des Konzentra- tionslagers an seine Angehörigen: Wöllersdorf, 16. Oktober 1034. ... Am Anfang, als ich herkam, waren die Verhältnisse km allgemeinen erträglich, sowohl die Kost als auch die Unter fünft. Seit dem Naziputsch hat sich die Situation von Tag zn Tag verschlechtert und heute sind wir schon soweit, daß in unserem Saal, in dem mit Ausnutzung des letzten Platzes durchschnittlich 80 Mann untergebracht waren, bereits 160 Mann, also doppelt so viel im gleichen Raum schlafen iniis- sen. Was das unter so vielen Menschen zeitigt, kannst Di» Dir nicht vorstellen. Alles ist hochgradig nervös, die Folge, bei jeder Gelegenheit Streit und Zank, die älteren Männer, die mit aller Art Sorge» um ihre Familie» belastet si»d,v außerdem schwer unter sexueller Not leiden, steigert die Ner- vosität, so daß das Lagerkouimandv die Weisung herausgab, daß nid mehr als eine Person das Klosett zu gleicher Zeit aussuchen dürfe, damit gleichgeschlechtlicher Verkehr vermieden werde. Die Schlafstellen sind übereinander gestellt, die Höhe des Raumes t<> so, daß der obere Man» nur in gebück- ter Titzstellnng sein Lager erreichen kann. Dasselbe gilt für den, der das untere Bett zu benlltzen hat, auch er kau» sich nur in gebückter Stellung in sein Bett begeben. Mit der Lüftung des Saales ist es auch arg bestellt. Wir habe» ans jeder der beiden Seiten 5 Fenster, vvn denen im ganzen sage und schreibe nur zwei zu ölinen sind, die übrigen dür- sen nicht geöffnet werden, weil sie nicht vergittert sind. Die Luft in diesen Räume» ist furchtbar. Die Klosetts, von denen die Türen auch in den Tchlasräiimen münden, sind ständig verstopft, so daß es oft vorkommt, daß außer dem furchtbaren Geruch der»»linterbrochen eindrinqt, auch alles was über- geht in den Schlassaal hinein rinnt. Sitzgelegenheit gibt es so ivenia, daß die Leute ihr Essen ans den Betten, natürlich in gebückter Stellung einnehmen müssen. Die Fensterscheiben sind zerbrochen, so daß die a» Rheumatismus Leidenden unter ständigem Durchzug zu leiden haben. Beschwerden nützen nichts. Die Kost ist ein eigenes Kapitel. Tie ist ein- tönig und in letzter Zeit sehr schlecht und knapp bemessen, so daß es zu Hungerstreiks kommt, aber Abhilfe wird trotzdem nicht geschaffen. Alle diejenigen, die von keiner Seite eine Znbesseriing bekommen— und das sind sehr viele von uns— müssen buchstäblich hungern. Ein Zustand, der nicht hinter den Verhältnissen im Landesgericlit und auf der Promenade sPolizeigefangenenhauö Anm. d. Red.i zurücksteht. Es wurde in Ersahruna gebracht, daß die Regierung dem Kantineur und dem Bäckermeister viele Tausend Schilling schuldet, und deswegen die Verpflegung schlechter wird und nur weniger verabreicht werden kann. Wenn man in Betracht zieht, daß seit dem 25. Juli die Zahl der Angehaltenen sich immerzu steigert— jetzt sind eS bereits über 3000 Mann— und täglich neue Transporte ankommen, und daß andererseits die Re- gierung kein Geld bat, diese viele Tausenden Menschen zn verpflege» nnd inenschenwürdig nnterziibringen, lo erscheint cd iingbsehbar. zu welchen Zuständen ma»»och gelangen wird. ,»u inner i" In der Tschechoslowakei eine Li.».I.Idigung Das„Prager Tageblatt" berichtet: „Wenzel Kl im es, Gemeinderat von Oreschin bei Brünn, ivurde von dem Bürgermeister des OrteS auf AmtS- chreubeleidigiiiig geklagt, weil er ihm in einer Gemeinde- Vertretungssitzung„Du Hitler!" zugerufen haben soll... Ter Bezirksrichter bemerkte, daß es bei einer Amtsehren- beleidigung keinen Wahrheitsbeweis gebe. Nach der Judi- katur des Obersten Gerichts... genügen objektiv Ausdrücke, welche die behördliche Autorität der angegriffenen Person herabsehen nnd subjektiv das Bewußtsein des Täters, daß mit dem Ausdruck eine Herabsetzung verbunden sei. Der An- geklagte wurde wegen der von ihm selbst zugegebenen Neuste- rung zu 30 Kc. Geldstrafe oder 24 Stunden Arrest unbedingt verurteilt!" Der„Füiirer" and Frankreich Warum war er so schweigsam? A. Ph. Paris, den 27. Oktober 1031. (Von unserem Korrespondenten) Ammer wieder sucht man in den Berliner politischen Kreisen den Eindruck zu erwecken, als sei dem Besuche, den der französische Botschafter in Berlin FrancotS-Poncet am Mittwoch dem Reichskanzler Hitler abstattete, grünere Bc- deutung beizumessen. Demgegenüber wird hier in unter- richteten französischen Kreisen weiter darauf hingewiesen, daß„die Unterhaltung ganz genau 16 Minuten gedauert habe". ES habe sich nur um eine„Etikette"-Angelegenheit gehandelt, indem der französische Botschafter für die Bei- leidskundgcbungen der deutschen Regierung beim Tode von Barthou und Poincarst den Dank seiner Regierung ausgc- sprachen habe. „Paris- M i d i" stellt nun die Frage, ob sich Hitler und Francois Poncet gar nichts zu sagen gehabt hätten. Seit ihrem letzten Zusammentreffen vor vier Monaten sei doch allerhand geschehen: das Blutbad vom 36. Juni, die Bc- gegnung Mussolinis mit Hitler, die Ermordung von Toll- tust, HindenburgS Tod, die Volksabstimmung, das Mar- seiller Attentat usw. Soll man in diesen Anspielungen des Pariser Mittagsblattes eine versteckte Bosheit sehen? Man könnte auch die nächste Frage so auffassen, ob nämlich beide nicht den Wunsch gehabt hätten, über alle diese Dinge sich einmal auszusprechen. Sollten etwa, bemerkt das Blatt noch, „Milde" in Spanien „Wehe den Besiegten!" Obgleich die Zeitungen spaltcnlangc Berichte über die Kämpfe in Spanien veröffentlichten, waren die Nachrichten einseitig, und viel Wichtiges ist dabei unter den Tisch gefallen. Gleich zu Beginn setzte eine strenge Zensur für alle dem Ausland zugedachten Nachrichten ein und noch am 13. Ok- tober verordnete die spanische Regierung, daß auswärtige Korrespondenten ihre Berichte von der Telefonzentrale aus abzugeben habe» und dast sie vorher einen Auszug dessen, was sie melde», zur Durchficht vorlegen müssen. Darum ist auch keine Nachricht über die Zahl der Gefangenen hinaus- gedrungen, über die Behandlung der Gefangenen und die über sie verhängten Urteilssprüche. Für die Leser spanischer Zeitungen ergibt sich ein wesentlich anderes Bild. Während immer wieder von„Milde" und Gnade ins- besondere gegenüber den zu Tode Verurteilten, die Rede ist, zeigt sich deutlich genug die Absicht, alle, die in die Kämpfe verwickelt waren, aufs schwerste büßen zu lassen, obwohl die öffentliche Meinung stürmisch in Tausenden von Telcgram- men aus Begnadigung drängt. Wir lassen ei» paar Fälle folgen, die wir der Zeitung „El Sol" vom 16. Oktober entnehmen: Demetria Sanz ist durch ein Madrider Kriegsgericht zu lebenslänglichem Kerker verurteilt worden, weil bei ihm Bomben gefunden wurden, mit denen er Sabotageakte voll- bringen ivolltc. Sein Freund Elaudio Garcia del Moral hat zwanzig Fahre erhalten. Das Kriegsgericht in Madrid verhängte über Zaratc Tiaz sechs Jahre Kerker wegen Be- leidignng der bcivasfnetcn Kräfte. Am 10. Oktober meldet„El Sol", daß Jesus Martincz Gomez zu 1666 Pesetas Geldstrafe verurteilt worden ist, weil bei ihm Waffen gesunden wurden? Fredericv Antolin Lata bekam 18 Monate Kerker ans dem gleichen Grund. In Malaga wurden über Diego Gomez Garcia zwei Jahre zehn Monate und 21 Tage verhängt, nur weil er Drohungen ausgestoßen hatte. Drei Männer wurden in Sevilla zu 21 Jahre», 0 Monaten und 3 Tage» wegen Mordes, zu zwei Jahren wegen Waffenbesitz verurteilt, außerdem zur Zahlung einer Wiedergntmachungssumme von 26 666 Pesetas. Am 26. Oktober meldet„El Sol", daß Jose Godon in Orense zu zehn Iahren Kerker verurteilt wurde, weil er etwas Aufrührerisches gerufen hat. 90 Entlassungen wegen e'nes Zurufs Berlin, 26. Okt. Bei einer Ticsbaufirma in Töberitz kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen den Arbeitern und einem SA.-Mann, wobei dem SA.-Mann zugerufen wurde:„Du bist genau so ein Schwein wie dein Führer!" Sofort wurde die Geheime Staatspolizei alarmiert, die den Rufer zu ermitteln versuchte? ohne Erfolg. Taraufhin wur- den 36 Arbeiter entlassen. An die Arbeiter der zweiten und der dritten Schicht wurde das Ansinnen gestellt, festzustellen und anzugeben, wer der Rufer gewesen war. Alle 66 Ar- bester lehnten das ab. Auch sie wurden entlassen. Zu vet kaufen neues US 12 Jahre Grundsteuer frei, Le Hdvrc Saintc-Adresse, Nationatstraße, sofort bewohnbar. 1 Zimmer. 2 Bidezimmer. Kiiche, Garage, Wasser. Gas, Elektrizität, Ze tra heiznng. 12tfiqm Garten,- auflnihc 110 qm. Preis 26t- 000 F r. bar. Schreiben R. 50192 AGEFNCE ff AVAS LE HAVRE fFrankreich). Ein Familienhaus neu erbaut. 8 Zimmer Curage. Gältrhen zu verk-ufen. 10 Minuten vom Hauotbqhnhf. Picis ca. 9t,(AA) Fr. Näheres beiJO EF WAGNER, B'Ulevarä de VAtzeite, lUXEMBVRG. lüeclt füc die „Deutsche JxeiAeit" Lest regelmäßig die Wodtenzeifung WESILOHD !ÖPc*eur ffpcciqfisfe : DEUTSCHSPRECHEND I Münchener u Pariser Fakultät 17, rue Reaumur Metro Arts-et-Mätiers od. RApubllque ist zurückgekehrt und bat seine Praxis wieder aufgenommen Frauen-, Blut., Haut«, Harn, und Geschlechtskrankheiten, Tripper, Syphi» Iis, Männerschwäche. Neueste Heil- verfahren. Elektrizität. Harn«, Samen* und Blutanalysen. Massige Bedingungen.(Auch für Kassenversicherte,) Täglich von• I und 4- 9,30 Uhr. Sonn* und Feiena js von 9 bis 1 u. auf Read. v. Tel. Arch.54»27 Schweizerisches»»0 eU*»ai»cnas Wuretwareagasehttt Caenanbtckerei. ftoaditorti. Maina«ad IrtAe» Jxoduits Jkhmid 78, Boulevard da Strasbourg, I, rue SL Laureat J^aciS, Dal flare da l'Cst Telefon 4 liatan vereintet unter 80171*11 dl-lf die Beziehungen so schwierig geworden sein, daß jede nütz- liche Unterhaltung zwecklos wäre? Tann heißt es weiter, vor drei Tagen hatten die iran- zösischen Minister, in deren Ressorts das dramatische Saar- Problem falle, im Auswärtigen Amt eine Sondersitzung ab- gehalten. Bor zwei Tage habe der Finanzminister Germain- Martin die Sachverständigen für das französisch-deutsche Clearing und für die Dawes- und Poung-Anleihe zu- sammengeruscn. Und darüber hätten sich nun der Führer und der französische Botschafter nichts zu sagen gehabt? Gewisse Anzeichen lassen erkennen, daß Hitler und seine ersten Mitarbeiter sich augenblicklich sehr um die französische Meinung kümmerten. Gewisse Interviews vor gestern oder morgen benutzte man zu Propagandazwecken. Aber wie solle man an die Aufrichtigkeit der Interviews glauben, wenn man zu gleicher Zeit sich nicht in der diplomatisch üblichen Weise ausspreche? Wenn man den Franzosen etwas sagen wolle. Warum sage man es da nicht zuerst dem französischen Botschafter? Und nun kommt wieder eine Bosheit:„Teutschland hat „eine Schwäche für Frankreich." erklärte der Führer ver- wegen vor einigen Wochen. Wo ist zwischen der scheinbaren Wärme dieser Erklärung und der kühlen Zurückhaltung bei den von der Etikette vorgeschriebenen Empfängen das wahre Teutschland?" Die londoner Doyhotf Konferenz London, 26. Okt. lZTA.l In der vor kurzem in Paris stattgefundenen Zusammenkunst von Vertretern des Lon- doner Jewifh Representative Eoucil und der Anti-Hitler- Bonkott-Organisationen in Frankreich, Polen, Belgien und Südamerika wurde beschlossen, die ursprünglich für den 16. Oktober festgesetzte, dann aber verschobene internationale Anti-Hitler-Boukott-Konferenz für den 23. November nach London einzuberufen. Es wurde beschlossen, die Londoner Konferenz aus der Basis weitestmöglicher Unparteilichkeit zu halten? es werden sich an ihr Repräsentanten verschiedener tlieligionen, Nationen und Klassen beteiligen. Der Jewish Representativ Council wurde beauftragt, die notwendigen Arrangements zu treffen. SowieWan für Getreideablieferung zu 94,9 Prozent erfüllt Moskau, 26. Okt. Ter JahreSplan für Getreideabliefe- rung ist in der gesamten Sowjetunion mit 61,0 Prozent am 13. Oktober erfüllt worden gegenüber 83,5 Prozent zum selben Datum im porigen Jahr. Die Kollektivwirtschaften und Einzelbauern erfüllten 97,3 Prozent ihres Iahresplans für Getreideablieferung und die Staatsgüter 86,7 Prozent. Das diesmalige Versagen der Staatsgüter fällt auf. Zum Teil wird dieses Versagen damit erklärt, daß der Plan an sie zu hohe Anforderungen stellte. Tie Staats- und Kollektivwirt- schaiten und dir Einzelbauern in der ganzen Sowjetunion hatten zum 13. Oktober 86 137 366 Zentner Zuckerrüben ge- ernte, während zum selben Datum des Vorjahres 13 616 966 Zentner gcerntct waren. In der gesamten Sowjetunion waren am 13. Oktober eine Totalfläche von 81 722 666 Hektar Getreide abgeerntet, das sind 09 Prozent deS Planes. Die Region des Fernen Ostens erntete 90 Prozent des Planes, die Westsibirische Region 06 Prozent und die Tscheljabinsk-Provinz 04 Prozent. Die Win- tcraussaat wurde am 15. Oktober in der gesamten Sowjet- Union auf einer Fläche von 34 333 666 Hektar beendet— das sind 02 Prozent des Planes. Die Kollektivwirtschaften erfüll- ten 07 Prozent, die Staatsgüter 70 Prozent und die Einzel- bauern 71 Prozent des Planes. Berühmte Hellseherin Dr.£s»sciences occultcs Astrologie, Chiromantie Cartomancie, Psychoanalyse spricht geläufig deutsch 62. rue de la Rochefoucauld(L Hof, Tr. C r 2. Stock rechts Täglich 2—7 Uhr außer Donnerstags— Metro: Pig&lle ff Deutsche Zteiheit" AB