Mr. 99. Alksmuments-Kedingungen: NbonnementZ- Preis pränumerando: Bierleljährl. Z,Z0 Ml., monatl. 1,10 Mr., wöchentlich 23 Pfg. frei WS Hau». Einzelne Nummer S Pjg. Sonntags- Nummer mit tlluftrirter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3P0 Mark pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zettungz- Preisliste für 1397 unter Dr. 7437. Unter ttreuzband für Teutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland s Marl pro Monat. 14. Jahrg. Die Inftrlions- Gebühr betragt für die fechSgefpaltone llolonel- seile oder deren Raum 40 Pfg., für Vereins- und VerfammlungS-Anzeigen, sowie ArbeitSmarlt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müsfen btS l Uhr nachmittags in der Srpeditton abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochentagen bl» 7 Uhr abend!. an Sonn- und Festtagen bis S Uhr vormittags geöffnet. Erschrini lüglich außer»onkag«. Berliner VolKsblnlt. Fernsprecher: Amt l, Dr. IVOS. Telegramm-Adresse: „«»lialdemokral Berlin". Dentrawrgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Wedaklion: 8V. 19, ZZeuly-Straße 2. Donnerstag, den 29. April l89'7. Expedition: 8V. 19. Wenlh-Straße 3. Die rnflische Gefalzv. Tas Eegenspicl der russische» Kaiserreise hat begonnen: die Monarchen ziehen nach Petersburg. Den Beginn der Fnrstenbesnche in der Hauptstadt des russischen Zaren bildet die Reise des österreichischen Kaisers. So gleichgiltig wir auch Reisen und Trinksprüchen der Fürsten gegenüberstehen, so wenig Bedeutung wir ihnen auch im allgemeinen beilegen, so muß dem Austausch von Liebenswürdigkeiten bei dem gestrigen Prunkmale in Petersburg doch niehr Wichtigkeit beigemessen werden, als solchen Reden sonst zukommt. Die Reden, die gestern im reichsten Kaiserschlossc der Welt gehalten wurden, sind unter ganz anderen Umständen, in einer gegen das vorige Jahr durchaus veränderten politischen Lage gesprochen worden, als die Trinksprüche in Wien und Breslau anläßlich der Besuche des Zaren beim österreichischen und deutscheu Kaiser. Die vorjährige Rund- und Trinmphrcise des russischen Zaren fiel in' eine Zeit des vollsten Friedens für Europa; die Fragen der auswärtigen Politik, die damals erörtert wurden, waren fast völlig erledigte Fragen ostasiatischer und siidafrika- nischer Politik, die bei aller Wichtigkeit vorerst jedenfalls nicht Fragen ersten Ranges waren. Heute dagegen hat sich die Situation gänzlich geändert, die orientalische Frage ist wieder aufgerollt, die„Vereinigten Staaten von Europa" haben den mißglückten Versuch, die Insurgenten auf Kreta in Zaum zu halten, zu verzeichnen; Griechenland liegt im Kriege mit der Türkei, die Möglichkeit einer Vei� breitung des Krieges auf andere Theile der Balkaw staaten ist nicht ausgeschlossen und bei der Größe des Interesses, das Rußland und Oestcrrcich-Ungaru in erster Linie, dann aber auch England und Italien an der künf tigen Gestaltung der Balkanhalbinsel haben, ist es selbst- verständlich, daß selbst mit der Möglichkeit eines Weltkrieges gerechnet werden muß, wenn auch glück licherweise wegen deZ anscheinend bald ausgetragenen griechisch-türkischen Konflikts diese Gefahr keine drohende ist. Freilich wird heute niemand mehr in den Fehler BiSmarck's verfallen, der 1875 anläßlich des Aus- bruches des Ausstaudes in Bosnien und der Herzegowina verächtlich von dem bischen Herzegowina sprach und den Uu- ruhen gar keine Bedeutung beilegte, Unruhen, die zur Folge hatten, daß eine russische Armee Konstantinopel bedrohte, daß die Karte der Balkanhalbinsel Veränderungen erlebte, die größer waren, als irgend eine seit dem 16. Jahrhundert. Jeder Konflikt auf der Balkanhalbinsel kann zu einem Kriege führen, dcssenSchlacht- selber nicht nur am Balkan, sondern auch an den Karpathen und am Himalaya liegen. Der Funke ist ins Pulverfaß gefallen, niemand weiß, ob, jeder hofft, daß die Explosion verhütet wird. Vor allem aber hoffen es die Großmächte, denn der Ausgang eines großen Krieges ist heute für jede Macht ungewiß, jede hofft von einem Aufschübe der unausbleiblichen blutigen Abrechnung Verbesserung der eigenen Kriegschancen. So ist, hier in kurzen Zügen skizzirt, das Milien gänzlich verändert, in dem die Zarenreise im vorigen Jahre, die Empfänge der Kaiser und Könige und des Präsidenten der französischen Republik beim Zaren in diesem Jahre sich ab» spielen. Dies drückt sich auch in den aus Anlaß dieser Reisen stattgefundenen Kundgebungen aus. Allgemein fiel die eisige Kühle ans, mit der der junge Nicolaus, den das Geschick zum absoluten Herrscher des größten Reiches der Welt gemacht hat, die Trinksprüche der Kaiser Franz Josef und Wilhelm ini vorigen Jahre erwiderte; man war erstaunt, wie kühl er die ihm dargebrachten Huldigungen der schaulustigen Menge in Breslau und Wien und vor allem die Floltenovation in Kiel entgegennahm. Erstaunt war man, er es nicht einmal für werth fand, die deutsche Marme-Uniform zu der ihm zu Ehren angeordneten Parade unserer Marine anzuziehen. In schroffem Gegensätze hierzu stand sein Benehmen während seines Triumphzuges durch die französische Republik. Schneidend war damals der Widerspruch zwischen der von traditionellen Freundschaftsversicherungen überquellenden Breslauer Rede unseres Kaisers und der mehr als kühlen Antwort des Zaren. Man merkte die Absicht des russischen Autokraten, die Gleichgiltigkeit gegen die Freundschasts- Versicherungen der Treibundsmächte zu markiren. Ganz anders scheint jetzt in Petersburg die Situation auf- gesaßt zu werden. Bei dem gestrigen Prunkmahle brachte Kaiser Nikolaus folgenden Trinkspruch auf den Kaiser Franz Josef aus: „Glücklich über die Anwesenheit Em. Majestät unrcr uns, ist es mir ein Bedürfniß, Ihnen für diese» neuen Beweis der aufrichtige» Freundschaft, die uns verbindet, zu danken. Diese Frenndschasl ist befestigt durch eine Geineinsamkeit der Ansichten und der Grundsätze, die bezweckt, unscren Völker» die Wohllhaten des Friedens zu sicher». Ew. Majestät kenne» die herzlichen Gefühle, von denen ich für Sie beseelt bin, und den ganz besonderen Werth, den ich auf eine v o ll k o in in e ue Soli- da rität unter uns bei dem erhabenen Ziele, das wir verfolgen, lege. Ich trinke auf die Gesundheit Ew. Majestät, Ihrer Maj. der Kaiserin und der ganzen kaiserlichen Familie." Kaiser Franz Josef antivortete mit folgendem Trinkspruch: „Tiefgernhrl von dem herzlichen und iniiigen Eliipsauge, den Ew. Majestät mir zu bereiten die Güte hatte, und von den vielfachen Aufiiicrksaiiileile», von denen ich seit dem Augenblicks, da ich die Grenzen Ihrer Slaalen überschritten halte. umgebe» worden bin, liegt eS mir ganz besonders am Herzen, Ew. Majestät dniür meinen lebhafteste» und ausrichligsteu Dank auszusprechen. Ich seh« darin gern einen neue» Beweis der engen Freundschaft, die uns umschlingt, und die, gestützt auf die Geiühle �egenseiliger Achtung und Loyalität, für unsere Völker eine feste und sichere Bürgschaft des Friedens und des Wohlstandes bildet. Unerschütterlich dem Siege dieser Sache hingegeben, werde ich mich stets glücklich schätzen, zu diesem Zwecke ans die kostbare Mitwirkung E w. M a j c st ä t rechne» z u dürfe», und i» der Ueberzeuguug, daß der Erfolg unsere» gemeinsamen A» st r e n g u» g e n gesichert ist, trinke ich auf die Gesundheil Eiv. Majestät und der kaiserlichen Familie." Charakteristisch ist anch die begeisterte Aufnahme, die der Besuch des unbeliebten österreichischen Monarchen in der riissisch-chauvinistischen Presse gesunden hat, was selbstverständlich auf den Einfluß der russischen Regierung zurückzilführcn ist. Es ist da von geiucinsanicr Aktion beider Mächte, vom Bc ivnßlsein der Einhelligkeit und dergl. die Rede. In ähn- lichcm Sinne äußert sich die offiziöse Presse in Wien und Budapest, das Organ der österreichischen Regierung, die„Wiener Abendpost", fabelt sogar von brüderlichen Gefühlen des Volkes Oestcrrcich-Ungarns und Rußlands. Es handelt sich hier um mehr als um einen nothgcdrun- gcnen, nicht zu umgehenden Austausch von Liebenswürdig- leiten, wie dies im vorigen Jahre in Breslau der Fall war, es handelt sich hier um eine neuerliche Verstärkung der ohne- dies überiuachtigen Stellung des Zarenreiches im Staalew Konzert. Ohne irgend etwas an seinem Einflüsse in Frankreich aufzugeben, dessen Stärke die Reden Hano loux in der französischen Kammer beweisen, ist Ruß land auf dem besten Wege, den Dreibund ins Schlepptau zu nehmen. Jedenfalls kann von einer Front des Dreibundes gegen Rußland nicht mehr die Rede sein. Rußland nähert sich mit Riesenschritten den Zielen seiner Politik. Es ist auf dem besten Wcge, England völlig zu isolircn, in Ostasien freie Hand zu erhalten, das entscheidende Wort im Orient zu sprechen, ausschlaggebend für die Politik Europa's zu werden. Frankreichs Regierung liegt ihm zu Füßen, Italien ist ihm durch die montenegrinische Hcirath des Kronprinzen nahe' gekommen, Tenischland und Oesterreich betonen die Gemein- samkeit der Interessen mit dem Weltreiche der Knute. Tas Wort Napoleons I., in hundert Jahren ist Europa ent weder republikanisch oder kosakisch, hat sich erfüllt. Bevor der Spruch Napoleons sein Säkularjubiläum seiern kann, ist Europa kosakisch geworden. Jedermann weiß, daß eine solche Machtstellung der russischen Autokratie nicht mir die auswärtige Politik Mittel und Wcsteuropa's beeinflußt, daß auch Rückwirkungen auf die innere Politik nicht ausbleiben können. Diese Wirkungen können um so leichter eintreten, als die deutsche» und österreichischen Staatsmänner kein höheres Ziel kennen, als sich dem absoluten Systeme zu nähern. So hat das deutsche Volk ans Gründen der inneren wie der äußeren Politik allen Anlaß, mit Einsatz seiner ganzenKraft eine Politik zu bekämpfen, die aus die Weltherrschaft d.ußlauds hinauslaufen muß. Dom NvicgssAzauplah. Die Lage erscheint, sowohl waS die militärischen Operationen oder was die Zustände in Alhen betrifft, ziemlich»»verändert. I» Thessalien haben Diennag und Mittwoch heftige Zu- sannuenstöße der beiden Gegner statlgesnnden. Die Türken griffen Volo Velsotina an, wurden aber, wie ans Athen gemeldet wird, zurückgeschlagen. Die griechische Armee soll sich in und um P h a r s a t a wieder sammeln und reorgamsiren. Man hofft, die Armee»verde die letzten Niederlagen wieder gut macheu. Auf dem östlichen Kriegsschauplatz« Huben ebenfalls Gefechte stattgefunden, ohne daß größere Entscheidungen herbeigeführt wären. Ans Konstanlinopel wird allerdings«in siegreiches Bor» dringen der Türken berichtet. In Athen geht es sehr bewegt her. obinohl die Oppositions filhrer zu beruhigen suchen.„Daily Telegraph" meldet aus Athen, die Volksstimmnug gegen die Dynastie sei im Wachsen. Der König lehne entschieden alle Berantwortlichleit für den Rückzug der Armee ab. Ralli habe heute dem König gefugt, daß das Ministerium daS Vertrauen des Volles nicht mehr besitze. Es verlautet ferner, daS neue Ministeriinn solle wie folgt ge bildet werden: Präsidium Admiral CanariS oder Saliopulo. Kriegs-' minister Ralli, Inneres Theotiti, Ausivärligcs Deligeorgios, Finanzen Carapano, Justiz Siniopulo. Es nnrd auch mit großer Bestimmtheit behauptet, König Georg werde zu guuste» de« Prinzen Georg abdanken. Die Abgeordnete» der Majorität und der Minorität richteten eine Proklamation an die Bevölkerung, worin sie dieselbe zur Ruhe auffordern. Folgende Mittheilung erscheint noch wichtig zur Charakteristik der Lage: Berlin, 28. April. DaS Zentralkomitee der denlschen Vereine vom Rothe» Kreuz(»nierfrrtigt B. von dem Knesebeck) lheilt mit: Nach einer hier eiiigelroffenen telegraphischen Nachricht aus Konstantinopel, hat die Pforte mit Rücksicht auf die günstige Wendung des Krieges»ud die Aussicht auf baldige Beendigung deffclbeu auf Entsendung der mige» boleue» Abordnung des Zcntralkoinilees der deutschen Bereine vom Rothen Kreuz unter erneutem Ausdruck ihres Dankes für jetzt ver- zichiet. Dolikifchv Mebevstcht. Berlin, 28. April. Slus dem Neichstage. Zu dcfP Ncgicrungsvorlaczcn, dercu Znstandekommen in der jetzigen Session mehr als ziveifel» hast ist, gehört die Novelle zum Alters- und Jnvalidengesetz. welche heute zur ersten Lesung auf der Tagesordnung stand. Es handelt sich immerhin»m eine Reihe eingreifender Bestimmungen iit das bestehende Gesetz und außerdem gehen die Meinungen über die Richtung, in welcher die Reform des Gesetzes sich bewegen soll, noch so weit auseinander, daß gar nicht daran zu denken ist, daß innerhalb der wenigen Wochen, welche dem Reichstag noch zur Verfügung stehen, eine Einigung sich finden wird. Der Abg. R ö s i ck e hat dem gegenüber den Ausweg ge- sucht, eine Anzahl von Paragraphen ans der Regierungs» vorläge herauszilnehmen, über welche sich wahrscheinlich leicht eine Verständigung zwischen den Parteien herbeiführen läßt, «nd so gewissermaßen ein Nothgesetz zu schaffen. In seiner Rede empfahl heute der genannte Abgeordnete, seinen Antrag ohne Kommissionsberathnng zur zweiten Lesung zu bringen, um so dessen Zustandekommcu in dieser Session noch zu ermöglichen. Tie Debatte gestaltete sich im wesentlichen zu einer Aus- einandersetzuiig zwischen agrarischen und i n d n- st r i e l l e n Interessenten. Für die ersteren legten sich besonders die Herren von Plötz und G a m p ins Zeug, während der Standpunkt des aufgeklärten Großindustriellen von Herrn Rösicke heule in einer langen, aber sehr gründlicheit Rede dargelegt wurde. Dieser Redner polcmisirle besonders glücklich gegen die in der Re- gicrungsvorlage zum Ausdruck gelangte Absicht, die Kosten der Versicherung für die ländlichen Distrikte auf die Schultern der städtischen und industriellen Kreise abzuwälzen. Aus den Jahresberichten des Vorstandes der ostpreilßischen Veisichciiingsanstall wies der Redner nach, daß die mißlichen finanziellen Ergebnisse gerade dieser Anstalt darin ihren Grund haben, daß dort die„Absicht der Arbeitgeber unverkennbar sei, die Armenlasten auf die Alters- und Invalidenversicherung ab- zuwälzen." Zugleich ivics der Redner nach, daß iven» die Herren Unternehmer ilur pflichtgemäß geklebt hätten, auch diese Zlnstalt kein Defizit hätte. Für die Regierungen nahm, in Abwesenheit des Ministeitl v. Böttichcr, der Geheimrath v. W ö d t k e das Wort, de? sich aber darauf beschränkte, gegen das Rösicke'sche Nothgesetz iliid gegen den Antrag v. Plötz zu sprechen. Von dem ersteren Vorschlag meinte der Herr, daß derselbe wohl„angenehm", aber nicht nothwendig sei. Herr G a m p sprach von der Vorlage wie von„böhmischen Dörfern". Nicht einmal den Inhalt der Berichte des Vorstandes seiner eigenen Versicheriitigs-Anstalt kannte er. Die Fortsetzung der Debatte wurde auf morgen Mittag S Uhr verlagt. Am preußische» Abgeoiduetelihanse begann heute die zweit» Beralhnng des K u l t n s e l a t s. Während es eine Volksuertretung, die mehr als eine bloße Karrikntnr sein ivill, bei dieser Gelegenheit für ihre Pflicht holten würde, zeilgemäße Frage» von allgemeiner Bedeulung zur Spruche zu bringen, benutzen die Mitglieder des Abgeordnetenhauses schon feit Jahren die Besprechung dieses Etats, um immer und immer wieder die völlig überflüssige Kulturkampf- debatte hcranfzubeschioöreu. Als ob es für die Herren vom Zentrum und von der nationalliberalen Partei gor nichts Wichtigere-. zu Ihn» gäbe, nls sich stets von neuem darüber zu beklagen, daß an dieser Schule zn viel tatdolische, an jener z» viel evangelische Lehrer angesteslt seien, daß im Verhältniß zur Zohl der Bevölkerung die Zahl der evangelischen Ober- Liegierungsrälhc zu groß sei und dergleichen Dinge mehr. Weit schwerwiegendere Frage», wie zum Beispiel die bekannten Konduitenlistc» für Lehrer, die Fälle A r o n s» n d I a st r o w und andere derartige Vorgänge, die den.Kulturstaat" Preußen nicht gerade i» ein günstiges Licht setzen, existiren für die Vertreter der Bonr, aeoisie nicht, und wenn sie sich wirklich einmal vergessen und auch solche Themata anschneiden, so geschieht es»nr nebenbei und so oberflächlich, daß sich niemand einen Erfolg davon verspreche» kann. Auch heute füllten die bekannten Klagen über Imparität einen großen Theil der Sitzung anS, wobei sich besonders die Abgcord» neten LI o e r e>i(Z) und v. E y n e r n(natl.) durch ebenso lang» wie iiihaltslose Reden bervorlhaten. Es schien freilich, als od die beiden Kämpen selbst allmälig zu der Einsicht geloiniiuu sind, daß ihr Gerede überflüssig sei, denn beide erklärten, daß eS ihnen viel lieber sei, gemeinsam den Kampf gegen den Umsturz auszunehmcit. bei ivclcher Gelegenbeit allerdings v. Eyuer» dem Zeiilrum dadurch einen kleinen Hieb zu versetzen glaubte, daß er ihm die angebliche Unterstützung von Gozialdemokralen bei den Rcichstagswahlen vor» warf»nd es«nfsorderle, künftig mit de» anderen Ordnnngs- Parteien zusaninteiizugeken. Auch der Knltusminiftcr D r. Bosse, dessen Erwiderung ans die Klage» über die Bevorzugung der evangelischen Kirche weniger schroff war als im vorigen Jahre, er« tlärte, sich mit dem Abg. Rom» darin eins zu ivimn, daß die U e b e r>o i» d n n g der„feindseligen Mächte der Zeit" nur möglich sei aus d e m B o d e n der ch r i st« lichen Religion, der Schule und der Schul- g e s e tz g e b u ii g; soviel»» ihm lieg-, werde er, so lange er aas seinem Platze stehe, nichts unterlasse», um de» Kamps gegen di«, falsche Richtung der Zeit" zu söider» und zu pflegen. � Auch dm lolen brachten durch den Abg. Dr. v. I a d z e w s k i ihre üblichen leschwerden vor, die wie immer vom Minister als iinbcgrüudet de. zeichnet wurden. Tie Polen machten es der Regiernng diesmal leicht, da sie kein- einzelnen Fälle anführten, sondern sich nur in allgemeine» Redensarten ergingen. Den gegen d i e Dissidenten linder geübten Zwang zur Theilnahme am Religionsunterricht bekäinpfle Abg. Seyffardt(natl.), der das bisherige Verfahren der Regierung als unklug bezeichnete, weil darin die Gefahr liege, das die Sozialdemokratie hier einsetze und für den Austritt aus der Landeskirche agitire. Seine Forderung, eine Uebereinftimmung des kodifizirten Rechts mit dem Verfassungsrecht durch ein« Vorlage herbeizuführen, wurde vom Nsgierungstisch zurückgewiesen, da der diese Frage regelnde Erlaß durchaus versassungsmäßig sei und zudem sehr milde zur Slussühruug gebracht werde. Morgen wird die Debatte fortgesetzt. Bebel trlninplutor. Die famose„Staatsbitrger-Zeitnng" möchte den Peters-Prozeß zu einem Trik gleicherweise gegen die Sozialdemokratie wie gegen die Regierung ausnutzen. „Herr Bebel eröffnete den Reigen, die Herren vom Freisinn und Zentrum folgten, und die Vertreter der Re- g i e r u n g besaßen nicht die Kraft, dem un- nationalen, das Ansehen Deutschlands schädigende Treiben Einhalt zu gebiete u", Die Regierung ist nach der„Staatsbürgerin" er- bärmlich schwach, sie kriecht förmlich vor den Parteien der Opposition. Da Bebel und Lenzmann forderten, daß auch strafrechtlich gegen Peters vorgegangen werden müsse, erklärte Herr v. Bötticher trotz der voraufgegangenen gegentheiligen Entscheidung der Regierung, diese Frage solle mmmchr besonders eruirt werden.„Ein größeres Eutgegeukoinmcu können Demokraten und Sozialdemokraten nicht verlangen." Das sei eine Kapitulation vor den„Vaterlands- losen" u. s. w.— Diese Aussprüche offenbaren die ganze Gesinnnngsrohhcit der Herren Antisemiten. Gewiß hat die Regierung den Fehler begangen, daß sie nicht schon früher aus eigener Initiative gegen den Dr. Peters eingeschritten ist. Wenn sie es schließlich doch gcthan hat und jetzt auch die Frage der strafrechtlichen Verfolgung nochmals prüfen will, so ivar dies ihre Pflicht und Schuldigkeit. Oder sollte sie sich mit dem Kumpan PetcrS solidarisch erklären? Daß es der Sozialdemokrat ge- ivesen, der die Sache in Fluß brachte, das ist allerdings für die Vertreter von„Recht und Sittlichkeit" unangenehm. Aber sollte die Regierung deshalb die schnödesten Verletzungen von Recht und Sittlichkeit billigen, weil der Sozialdemokrat sie aufgedeckt hatte? Diese Zumuthung kann die„Staats- bürger-Zeitung" nur deshalb an die Regierung stellen, weil sie diese Aufdeckung der Verfehlungen des Peters als ein„unnationales Treiben" betrachtet. Nun, wenn „unnational" bedeutet, daß man mit den Verbrechen der Afrika-Abenteurer aufräumt, so wollen wir diesen Namen sowie den der„Vaterlaudslosen" gern tragen und überlassen der„Staatsbürger-Zcitung", unter dem Titel,„national" zu sein, die Vertretung alles Gemeinen und Abscheulichen. Chronik der MajestütSbeleidignugS- Prozesse. Unser Zivickauer Korrespondent schreibt uns unterm 27. d. M. Gester» Abend 7 Uhr irnirde der wegen Majestälsbeleidigung verhaftete Redakteur des sächs. Bergarbeiter-Organs„Glück Ans", Genosse Frehse, in Freiheit gesetzt, nachdem ihm seitens des Staatsanwalts eröffnet worden war. daß die Verdachtsniomente gegen ihn derart abgeschwächt seien, daß er persönlich nicht niehr in Haft zu halte» sei, auch scheine es nicht ausgeschloffen, daß das Versahre» gänzlich gegen ihn eingestellt werde. Genosse F. hat 10 Tage einschließlich der Osterlage die sächsische Ferienkolonie bewohnt. Ein Antrag, ihn gegen K000 M. Kaution auS der Haft zu einlassen, war abgelehnt worden. Aus Bar in e n berichtet die Elberfeldcr„Freie Presse" uuterm LS. d. M.: Eine Majestätsbeleidigungsgcschichte von hier fand gestern vor dem Landgericht ihre Aburtheilung. Der Ablader Heinrich Oberbeul sollte hier am 13. Februar in seinem Logis in betrunkenem Zustande den Kaiser beleidigt haben. Dem Angeklagten war an dem betreffenden Tage von seinem Arbeitgeber die Steuer am Lohn abgezogen worden. Eine Woche später kam er mit seiner Logisgeberin, der Frau des Flaschenbicrhändlers Fritz Winklareth, Westkotterstrnße, in Unfriede», und nun sorgte diese für die Denunziation. Sie vertrat dieselbe auch vor Gericht mit großem Eifer und bestritt die Einrede des Angeklagte», er sei sinnlos bclrnnke» gewesen. Sie würde aber ihren Wunsch, den Angeklagten verurtheilt zu sehe», nicht erreicht haben, wen» nicht der bei der fraglichen Acußernng anwesend ge- wesene Knecht Karl W. dieselbe auch bestätigt hätte. Der Herr Borsitzende bemerkte mit recht:„wir haben hier eine Sache, die gegen das Gefühl geht, müsse» aber den Angeklagten verurtheilen." Es wurde aber nur auf das geringste gesetzlich zulässige Strafmaß, zwei Monate Gefängniß, erkannt. Wie wenig der jetzt Verurtheille die strafrechtliche Bedeutung seiner Worte erkannt haben mag, geht daraus hervor, daß er auf die Frage, ob er vielleicht in einer sozialdemokratischen Wirthschast verkehrt habe, erwiderte:„«at iS bat, sozialdemokratisch?"— »* « Deutsches Reich. — Friktionen im M i n i st e r i u in. Au» Berlin meldet die „Kölnische Zeitung": Unter Hinweis darauf, daß das Vereinsgesetz immer noch nicht dem Abgeordnetenhause zugegangen ist und angesichts der langen Berathung des Kultusetals werde allgemein an- genommen, daß innerhalb der Staatsregierung doch schärfere und liefere Meinungsverschiedenheiten bestehen, als bisher angenommen wurde. — Eine Stärkung des„Mittelstandes" sollen die neuesten Ergebnisse der Einkommensteuer- Statistik erweisen. Im Erhebungsjahr 1892/93 betrug die Zahl der Zeusiten mit Vermögen von 900—3000 M. 7,09 pEt. der Bevölkerung. Diese Zahl stieg für das Iah: 1896/97 auf 7.41 pEt. Die Zensite» mit Vermögen über 3000 M. machte» in beiden Jahren 1,06 pEt. aus. Es liegt also eine kleine Vermehrung der Zensiten mit 900— 3000 M. vor, währenddem die Zahl der reichen Leute relativ zur Bevölkerungszunahme stationär geblieben ist. Auf grund dieses ganz unzulängliche» Ziffcrnmaterials wird frischweg eine Stärkung des Mittelstandes demonstrirt. Sobald die statistischen Ergebnisse voll. ständiger vorliegen werden, werde» wir uns näher damit befasse». Bisher haben die Resultate der Eiulommensteuer-Statistlken niemals einen Anhalt dafür gebolen, daß der sogenannte Mittelstand im Aufschwung begriffen sei. Also wird es sich wohl auch mit der jetzigen preußischen Einkommenfteuer-Statistik nicht anders ver- halten.— — Die Freisinnigen von ihren eigenen Anhängern ge- rüffelt. Die„Breslauer Morgen-Zeitnng", ein Organ der freisinnigen Volkspartei giebt»nserm Blatt recht, daß es erst der Sozialdemo- kratie bedurft hätte,»in den Peters auszumerzen, und fügt hinzu: „Das Verdienst, die beleidigte Menschheit an jenem Kolonialhelden gerächt zu haben, konnten sehr wohl die Freisinnigen sich erringen." Ja, sie konnten, aber es fehlt ihnen selbst in solchen Fragen jene naturwüchsige Kraft des Unwillens, welche gegen Rohheil und Inhumanität vorgeht, wo sie sich finden, ohne Rücksicht und Bedenken.— Königsberg i. Pr., LS. April. Wie der„Ostpr. General- anzeiger"'meldet, ist von der deutsch-sozialen Reformpartei als Kandidat für die bevorstehende Reickstags-Ersatzwahl in Königsberg der Glasermeister Eiörmer daselbst aufgestellt worden.— — Allerlei Waffen wenden die Pommer'schen Re- gierungsmänner und Agiarier an, um die Bauern, die sich nicht mehr geduldig leithammeln lassen wolle», in ihren Hürde» fest- zuhalten. Seit einiger Zeit mncken die Bauern Pommerns etwas kräftiger ans gegen die bündlerische Rückwärtserei und Heuchelei. Die Freisinnigen bemühen sich in dem von ihnen begründeten Berein„Nordost", den Junkern ein Paroli zu bieten. Letztere sind darüber sehr erbost. Das Jnnkerthuni glaubt mit allen Mitteln seinen politischen Besitzstand und die bäuerliche Fügsam- keil erhalten zu müssen. Und eS marschirt unter herrlicher Führung. Ein Landrath ans dem rühmlichen Haus« der P u t t k a m e r und der ehemalige Staats- minister v. Kölker, der große Sozialistentödter, kämpfen um die Wette gegen die aufrührerischen Bauern. Jeder so gut wie er kann, wie seine VerhäNniffe es gestatten. Der Landrath kämpft mit dem Vereinsgesetz, der Herr v. Köller, da er mit Gesetzen und Gesetzesauslegungen nicht mehr wirke» kann, hat sich— man staune— zum GeisteSkampf aufgerafft. Erstaunlich sind die Methoden, mit denen der kgl. Landrath v. Pnttknmer gegen die Versammlungen des Vereins„Nordost" vor- geht. Er hat im Stolper Kreise folgende Bersügnugen ergehen lassen: „Wenn zwei Versammlungen zeitlich hinter einander, zum Beispiel für 4>/s und B1/« Uhr nachmittags, angemeldet sind, und die erste ans irgend einem Grunde aufgelöst werden sollte, gilt die zweite in diesem Falle lediglich als eine Fortsetzung der ersten und muß deshalb aufgelöst werden. Sobald eine Versammlung überfüllt ist, beziehnngsweise dem überwachenden Polizeibeamten keine Uebersicht bietet, ist die Ber- sammlung ohne weiteres aufzulösen. Auf grnnb der§Z 10 und 40 des preußischen Preßgesetzes vom 21. Mai 18SI(Ges.-S. S. 272, welche das Vertheilen von Druckschristen auf öffentlichen Wegen, Plätzen und Straßen ohne die erforderliche Erlaubnis! verbielel) ordne ich hierdurch a», daß das Verlheilen von Druckschriften w. in öffenilichen Versammlungen des Bnuernvereins„Nordost", wie es bisher stattgefunden hat, zu verhindern ist. Bei Nachsuchung der polizeilichen Genehmigung ist dieselbe in jedem Falle zu versagen. Die zn vertheilenden Druckschriflen sind zu beschlagnahmen, und sofort Strafanzeige bei der Staatsanivaltschast in Slolp zu machen." Diese Bersügnugen find offenbar in leiner Weise dem Geist und Wortlaut des Vereinsgesetzes entsprechend. Es bleibt abzuwarten, was der Minister v. d. Recke, an den Beschwerde erhoben worden ist, dazu sagen wird. Unterdeß versucht Herr v. Köller mit„geistigen Waffen" den Gegner zu strecken. Als am letzten Sonntag der Abg. Pachnicke von der freisinnigen Vereinigung in Kammin«inen Vortrag hielt, trat ihm Herr v. Köller entgegen. Weich« plebejischen Gewohn- heilen, Herr Minister, sich in den Staub und den Qualm der Volks- Versammlungen zu begeben! Es verlohnt sich freilich nicht, die Ausführungen des burschikosen Herrn wiederzugeben, denn, trotzdem keine Bürde des Amtes ihn mehr drückt, ist sein Politisiren noch immer unangekränkelt von Studium und Wissen.„Ich bin auchBauer, und w i r Bauern müssen alle zusammenhalten.. das war das Hanptbekenntniß des Herrn v. Köller, folglich verurtheille er die Handelsverträge, welche nicht erneuert werden dürfen. Als ihm dann gesagt wurde, daß das, was er vertrete, weit über dasjenige hinausgehe, was die gegenwärtige Regierung vertrete, machte er den interessanten Zwischenruf:„Darum bin ich ja auch aus- g e t r e t e n." Der„Deutscheu Tageszeitung" hat dies Auftreten ihres Freundes so gefallen, daß sie den Wunsch ausspricht, ihn im Reichstage als Abgeordneten zu sehen. Auch wir hätten nichts dawider. Kurzum, in Ponnnern bereiten sich die ReichStagSwahlen mit allerlei kleinen Plänkelgefechten vor. Vorläufig zwischen Freisinn und Bündlern. Freilich dars man die Sache nicht überschätzen. Die linken Freisiimigeii werden wahrlich die pommersche» Bauern nicht in..Revolutionäre" verwandeln. WaS werden die Putlkamer und Köller erst ausstellen, wenn die Sozialdemokraten ihr« Thätigkeit ent- salten werden.— — ReichsgerichtZrath Dr. Etenglein will, wie ver. lautet, in den Ruhestand treten. Dr. Slenglein hat bekanntlich alle schlimmsten Künsteleien der heutigen Slrafjustiz zu verlheidigeu versucht und hat sich dabei in letzter Zeit von feiten der freier ge- richteten Presse nicht nur, sondern auch von sehr angesehenen Juristen kräftige M'fubren geholt. Wenn er in dm Ruhestand geht, so hat die deutsche Rechtsprechung nichts verloren.— --Die Büste Ferdinand Lassalle'S im schlesi- scheu Provinzial-Museu m. Ein in Breslau hochangesehener Arzt, der vor einigen Jahren verstorbene Geheime Sanitätsralh Dr. Grätzer, schenkt« dem schlesischen Provinzial-Museum eine Büste, welche seitens des Museums mit dem übliche» Dank angenommen wurde. Ueber das Schicksal dieser Büste macht die„Bolls- sseitmig" die folgenden intercsianleii Mittheilnugm:„Besagte Büste ist nicht in den für das Publikum zugänglichen Räumen ausgestellt. Auf Be- fragen wurde unserem Gewährsmann der Bescheid, daß die Büste zwar vorhanden sei, die öffentliche Ausstellung jedoch nicht geschehe. Dieses an sich vielleicht harmlose und alltägliche Geschichtchen dürfte an Interesse gewinnen, wenn wir mittheilen, daß es sich im vorliegenden Falle um die einzige Büste handelt, welche von Ferdinand Lassalle, einem geborenen Breslauer, zu dessen Lebzeiten angefertigt worden ist. Die Büste gehörte Lassalle's Mutter, die st« ihrem langjährigen Hausarzt, dem eben genannten Geheimen Sanitätsrath Dr. Grätzer, bei ihrem Tode vermachte. ES fragt sich nun, ob die Verwaltung des schlesischen Provinzial-Museums sachlich Gründe dafür hat. die betreffend« Büste, wie es den Anschein hat, in ihren Kellerräumen zu beherbergen. Wenn dies der Fall fein sollte, so ist uns unerfindlich, aus welchen Gründen daS Museum das Geschenk nicht abgelehnt hat. Daß man die Büste zwar annehmen, aber sie sozusagen als Slintsgeheimmß der Direktion behandeln würde, ist denen, welche die Büste dem Museum alS Geschenk zu- gewendet haben, bei Entgegennahme des Geschenks gewiß nicht gesagt worden." — Das vereitelte SiegeSmahl. ES wird beka,mt, daß die Berliner Abtheilung der Kvlonialgesellschast in fester Er- Wartung der Freisprechung deS Dr. Peters bereits im voraus ein SiegeSmahl vorbereitet halte. Das Nachtmahl des„großen Afrikaners" dürfte jedoch nicht sehr heiter gewesen sei».— Oesterreich. — Ueber die Verhandlungen im Abgeordnetenhause am Mittwoch liegen folgende Depeschen vor: Wien, LS. April. Die Abgeordneten Elvert und Genoffen, sowie v. Schönerer und Genoffen brachten Driuglichkeitsanträge wegen Aushebung der Sprachenverordnung«in. Ebenhoch und Genosse» überreichten Dringlichkeitsanträge wegen Aufhebung der Gcwerbe-Ordnung. Bor Uebergang zur Tagesordnung verlangte Götz sofortige Verhandlung der Dringlichkeits- antrage. In nomentlicher Abstimmung wurde beschloffrn, am Schlüsse der Sitzung über die Anträge zu verhandeln. Das Hans trat sodann i» die erste Lesung der Regierungsvorlage über die Eheks ein. Abrahauwvicz beantragte Ueberweisung der Borlage an einen Jnstizansschnß von 24 Mitgliedern, Schücker Ueberweisung an einen besondere» Ausschuß von 32 Mitgliedern und Funke an einen Ausschuß von 31 Mitgliedern. Ueber die letzten beide» Antrüge wurde uu t er dem Beifall der Linke» uiid großer Heiterkeit des Hauses nameutlich abgestimmt. Die Anträge Schücker und Funke ivurden in»amentlicher Abstimmung abgelehnt. Es folgte die erste Lesung des Handelsvertrages mit Bnlgarie», wobei Lecher (d e it l sch- f o r t sch r i t t l'i ch) die von seiner Partei begonneue O b st r u k t i o>i s p o l i t i k begründete.— Diese Obstruktionspolitik richtet sich gegen die Sprachen- Verordnungen, sowie überhanpl gegen die von den Deutschen dchanplele Begünstigung der slavischen Völker. Der deutsch- böhmisch« Abgeordnete Ruß hat in der„Nene» Freien Presse" eine Zuschrift unter der Ueberschriit„In letzter Stunde" veröffentlicht, worin unter Hiniveis aus die von den Ezechen erzleUen politische» Eriolge ausgefordert wird, daß die deutsche» Abgeoidneten ebenfalls eine Opposition auss äußerste machen sollen.„Noch würde» 50 entschlossene deutsche Abgeordneie zu finden sein, die Tag um Tag alle Mittel der Geschäflsoiduung anwenden. um jede sachliche parlamentarische Thätigkeit so lange zu hemmen, biß daS deutsche Volk in Böhmen und ganz Oesterreich sein Recht finde. Dieses verzweifelte, aber gesetzliche Mittel sei nöthig, sonst wäre es einfacher, den Staat ohne Murren den Slaven und Rückschrittlern zu überlassen." Es wird sehr fraglich sein, ob es den Deutsch- Forischriltlern gelingen wird, diesen Plan durchzuführen, da sie keineswegs in derselben Weise wie früher die Ezechen auf eine geiiügeiid große und zuverlässige Zahl von An- hängern rechnen dürfen.— Schweiz. ZKrich, 2«. April.(Ei g. Ber.) Die Urstätte der schweizerischen Demokratie, der Kanton N i d w a l d e», der als Theil des Kantons Obwalden vor 600 Jahren am Kampfe gegen die Vögte»nd für den Schweizerbund wie für die Freiheit betheiligt ivar, wird heute von Rom aus beherrscht. Der Bischof in Ebur, zu dessen Diözese der Kai, ton Nidwalden gehört, erließ im Lnzerner„Vater- land" eine Knndgebiing, wonach die neue Verfassung nicht ans dem Boden der Religion stehe und deshalb kein treuer Katholik für sie stimmen könne und richtig ist sie verworfen worden. So lange der Klerus noch so treue Schäftein Hai, wie diese harmlosen Nidwaldener. so lange blüht auch in der Schweiz »och sei» Weizen. Ein ehrenvolles Zengniß für die demokratische Sckiiililiig und selbständiges Denken des Volkes ist aber diese Ver- iverfuiig der revidirten Nidwaldener Persassiing, inelche der berrsch- und habsüchtigen katholischen Kirche mehr als gewöhnliche Ellbogen- freiheit ließ, nicht.— Die Äl p p e n, e l l e r L a n d s g e m e i n d e war vo» etwa 11000 stimniberechtigten Bürgern und vielen Tausenden Znschauern besucht,»ahm die neuen Steuergesetze sowie die übrigen Vorlagen an und wählte alle Beamte wieder, welche nicht demissioiiirt hatte».— Spanien. — Die Greuel in Barcelona und Herr v. Egidy. Eine in Berlin am 29. März stattgehabte Piotestveisaminlung hatte Herrn v. Egidy beauftragt, dem spmuscheu Botschafter KeiiiHiiiß zu geben vo» der Stimmuiig. die die Gesitteten des deutschen Volkes, soweit sie Kenntniß von den Vorgängen in Barcelona, von den gegen die Jnhaflirten verübten unmenschlichen Grausamkeiten haben, be- herrscht.„Ich habe mich." so berichtet Herr v. Egidy jetzt darüber in seinem Organ„Ve>söbiiil»g",„dieses Auftrags erledigt, und habe bei dieser Gelegenheit erfahren, daß das amtliche Spanien die ge- schilderten Vorgänge für unwahr erklärt; ich habe den Eindruck, daß der Vertreter d«S spaiiischen Bolls in Berlin an dies »ichl-wahr-sein auch wirklich glaubt; wieweit die ihn instruiren- den Behörden dabei ehrlich zn Werke gehen, entzieht sich miserer Beurtheilung. Der Herr Botschafter stellte mir sogar in Aus- ficht, daß in nicht ferner Zeit die Unwahrheit der behaupteten Vorgänge erwiesen sein werde. Der Aufruf des gefolterten Sebastian Sunys läßt ahnen, wie der Beweis erbracht oder wenigstens verflicht werde» soll. Nichts wäre erfreulicher, als wenn sich die Behanptliiigeii wirklich als unwahr erwiese»; die Er- scheinlingen zivingen uns indeß, die Möglichkeit einer solchen Beweisführung e'nergisch anzuzweifeln. Jedenfalls darf die Sache nicht ruhe». Ter gesittete Mensch macht Front gegen jedes Hebel, das ihm entgegentritt. Hier können it'ir zwar nur Helsen, indem wir proteftiren, demonstrircn appelliren. Wenn aber alle, die sich solchem Borgehen anschlöffen, die, wenn es sich um die Vernrlheilnng eines einzebnen Bomben-, Säbel-, Messer-, Knuten- oder Pistolenhelden handelt, unter den Vordersten in der Gesittung gesehen sein möchten, wenn alle diese laut und lebhaft mitproteftire» würden gegen die viel scheußlicheren Handlunge», die hier im Namen und im Dienste eines„christlichen" GemeinivesenS verbrochen wurde», würde doch vielleicht das LooS der jetzt„och Leideiiden zu mildern fein; jedenfalls würde das von einem sogenannte» Kulturstaat begangene Verbrechen alS solches vor aller Welt gebrandmarkt. In der berechtigten Voraussetzung, daß die Vor- komwnisse von den obersten Vertretern jenes Staates und von dem Hauptlheil des spanischen Volkes selbst nicht gutgeheißen werden, dürfen wir in einer solche» öffentlichen Brandmarkung ein» Gewähr dafür erblicken, daß einer Wiederholung ähnlicher Greuel vorgebeugt werde. Daraus hi» zu wirken ist die Pflicht derer, die im Dienste der Entwickeliuig stehe». Die Menschheit als solche— jeder einzelne von uns— ist zum Träger des heiligen EntwickelungsgedankenS berufen. M. v. Egidy." DSnemark. — Daß sogenannte„Prügelgesetz", die von der dänischen Regierung beantragte Verschärfung des Strafgesetzes, stand i», Folkething zur zweite» Lesung. DaS Gesetz ist niehrnials in Kommifflonen völlig umgearbeitet worden und kann in seiner neuesten Gestalt niit Fug und Recht„Gesetz betreffend Zwangsarbeit" ge»a>,»t werde». Das Gesetz verlangt bekanntlich das Recht, Personen, die gegen jemand„Gewalt ausüben, ohne ihm Berwuudnngen oder andere» Schaden zuzufügen", vo» Staats wegen anklagen zu köiinen, und will aus solche Ver- gehen„Zwangsarbeit" setze». Der Ausschuß hat nun neuerdings folgende Aenderunge» vorgenomme»: I. Auf Zwangsarbeit bis 6 Monat kann nur in, Wiederholiingsfalle erkannt werden. 2. Der Ausschuß widerfetzt sich den vom Ministerium beautragten Prügel- strafe» für Personen, die zur Zwangsarbeit verurtheilt sind. Der Wortführer der Ausschußmehrheit befürworte!« die Anträge desselben. Der Ausschuß meint, Uebetftände, ivi« sie das Gesetz treffen will, bestehen gar nicht mehr, sondern haben einmal bestanden vor zwölf Jahren(i). Dennoch will man darauf ein- gehen— falls solche Vergehen»och vorkonwien— sie einer strengen Bestrafung zu überliefern, aber man ivünschl in dieser Weise nur die G e w o hn h eit zu Gewalllhätigkeilen z» treffen. Ebenso ist der Ausschuß gegen die Prügelstraje, weil der Beweis der Roth- weiidigkeil dafür nickt erbracht sei. Brutale Strafen»erinehren nur die Brutalität der Gesinnung. Der I il st i z in i n i st e r bedauerte diese Aenderunge». Er fürchtet, daß das Gesetz i» dieser Form nicht mehr seinem Zweck eulspreche» würde. Er hofft, daß der Laudeslhing dem Gesetze eine Gestalt geben wird, die den Wünsche» mehr«»spricht. Der Vertreter der Liberalen iähe es am liebsten, wenn der Ent- wnrf ganz abgelehnt würde. Nur auf grund der Aenderunge» hätten sie sich überhalipt entschließe» können, beizilsiimnieir SB ii iib lad als Redner der Eozialdemvkralie sübrte aus: Die Sozialdemokratie bestreitet rund heraus das Bedürfniß»ach einem solchen Gesetz«. Wen» vor zwölf Jahren eine starke Rauf- Neigung existirte, so brauche» wir deshalb doch heute kein solches Gesetz! Die gesetzlichen vorhandenen Besliinmungen reichen für solche Ver» gehen völlig aus. Nicht nur brutale Strafe» schaffe» brutale Ge- sinniliig, sonder» auch brutale Geschäftszuslände. Die liberale Linke redet immer von demokratischen Reformen; aber wen» es zii Thaten komint, will sie doch zu weiterer Vergewaltigung mitgehen. Auch ver Wortführer der Ausschußmehrbeil erklärt, wen» die Regiernng das Gesetz so nicht habe» wolle, möge sie es fallen lassen, bedauern würde das niemand! Bei der schließlichen Abstimmung werden die Aenderungen des Ausschusses angenommen. Affen. — Mit der„Pacifizirung" der Philippinen, die von Madrid ans mit großer Einphase in die Welt posaunt ivnrde, scheint es nicht weit her zu sein. Ein Telegramm aus Mauila vom 23. April meldet, daß in Jolö ein neuer Ausstand ausgebrochen ist, der besser vorbereitet war als alle frühere, i und nur durch ein wahres Wunder im Keim« erstickt werden konnte. Die Maiinschaflen des 68. gkeginieilis und die aus der Insel weilende» Deportirtcn hatten einen Handstreich vorbereit, um alle Spanier! zu tödlen. General Hnertas, der Gouverneur von Jolö sollte ve> gistet werden uiid gerade, als er sich anschickle, vo» den vergislelen Speisen„u esse», verrielh ihm eine indische Dienerin den Plan der Rebellen. Der General ließ sofort die Wachen verstärke», und die Leiter der Verschwörung wurden sestgenoliimeii und vor ein Kriegsgericht ge- stellt, welches zwei Hänpllinge und vier Soldaten zum Tode und zehn Soldaten zu lebenslängliche Zuchthausstrase oernrlheiite. Die zum Tode Verurtheilte» wurden noch an demselbe» Tage erschossen.— — Rußlands Einfluß. Dem„Reuter'schen Bureau" wird »mteun 28. April aus Dokohama voi» heutigen Tage gemeldet, der koreanische Krieg-miuister habe die Anwerbung von IK8 russischen Soldaten für den Dienst auf Korea beantragt. Das koreanische Kabinet sei über diesen Borschlag gctheilter Meinung, die japanische Regierung erhebe Einspruch gegen denselben. Wichtiger noch sind die Bestrebungen Rußland?, seine politische Stellung in Z entralafie» zu befestige». Die„Nowoje Wremja" erinnert an das g r o ß e P r o j e k t d e r B e r l ä n g e r u» g der russischen transkaukasischen Bahn über Teheran bis zum persischen Golf. Sie weiß natürlich auch, daß die Engländer diesem Plan mit größtem Mißtrauen gegenüberstehe», da sie nach wie vor das größte Interesse haben. Persien nicht noch mehr als bisher schon unter russischen Einfluß ikommeu zu lassen. Erst kürzlich soll eine Auseinander- setzung zwischen der englischen Regierung und dem Schah statt- gefunden haben wegen dem Entgegenkommen, welches dieser Rußland gegenüber zeigt. Die russische Regierung wollte im Einvernehnien mit der persischen 400 Kosaken nach Persien dirigiren, damit die- selben die persisch-afghanische Grenze sanitätspolizeilich Überwachen. Die englische Regierung erhob gegen diese Maßregel starke Proteste. Sie soll dem Schah erklärt haben, daß falls irgend eine russische Trnppenabtheilung die Grenzen Persiens über- schritte, die englischen Heere sofort die wichtigste» Häfen des persischen Meerbusens besetzen würden. Die Drohung hat anfäng- lich ans den Schah starken Eindruck gemacht, nachdem er aber noch- nials niit der russischen Regierung in Beziehung getrete» war, gab er nichts destoiveniger seine Einwilligung zum Ueberlrilt der Kosnkentruppe auf persisches Gebiet. Das ist vor etwa Monatsfrist geschehen, ohne daß die englischen Drohungen in Erfüllung gegangen tvären. Das Bahnprosekl aber dürste doch zu sehr scharfen Aus- einandcrsetzunge» führen. Zentralasien wird bei den großen Ent- scheidungen der Zukunft ein« erste Rolle spielen.— Afrika. — England will seine Truppen in Südafrika weiter ver- stärke». Wie die„Daily Mail" meldet, sollen anfangs Mai drei Feldariillerie-Bataillone unter dem Kommando eines Oberstlieulenants nach Südafrika abgehe». Eine vergleichende Tabelle der Truppen- stärke in Südafrika zeigt eine Erhöhung von VOOO Man» seit Jameson's Einfall.— Amerika. — Die Geschäftslage in den„vereinigten Staaten" und die D i» g I ey- B i l l. Die„Rew-Uorker Handels-Zeitung" schildert in ihrer Nummer vom 17. April die Geschäftslage ziemlich pessimistisch. Die Unsicherheit über das Schicksal des Zollgesetzes verhindenr die Fabrikanten, Importeure, Großhändler mid sogar Detaillisten, ihren Unternehmungen jene Energie zu geben, welche bei einer sicheren, keinen Wechselfällen ausgesetzte» Lage vorhanden sein würde. Seitdem die Dingley-Bill an den Bundessenat gelangt nnd Gegenstand der Erwägungen im Schooße des Finauzkomitecs geworden ist, schwirren allerhand Gerüchte durch die Luft, durch welche große Berwirrung entstanden ist. Es wird von seilen der Republikaner behauptet, für die Passirung der Dingley-Bill sei im Senat eine sichere Majorität von 4b Stimmen vorhanden. Bon Seiten der Opposition wird behauptet, eine solche Mehrheit sei, wenn es zum Klappen komme, nicht erzielbar, und es sei nothwendig, den opponirende» Elementen bedeutende Zugeständnisse zu machen, wenn die Bill überhaupt in irgend einer Form Gesetzeskraft erlangen solle. Inzwischen dauert die Pression von Außen her mit Macht fort, und von der einen Seite drängt man auf Verminderung, aus der anderen Seite auf Erhöhung der Zölle. Senator Mantle von Montana(ein Silber-Republikaner) verlangt im Namen der Wollzüchter höhere Wollzölle und wirft Dingley vor, er habe zu einseitig zu gunsten der Wollstoffsabrikanten diskriminirt. Das Schuh» und Lederintereffe läßt durch seinen hervorragendsten VerlretungSkörper auf freie Einfuhr von Häuten und Leder dränge». Der Kampf auf der ganzen Linie dauert fort, und es ist daher schwer vorauszusagen, wie dieser Kampf aller gegen alle enden wird. Außerdem hat Senator Best den ersten Sturm auf die Dingley-Bill dadurch begonnen, daß er dem Senat eine» Beschluß zur Annahiue nnterbreitete, wonach die administrativen Anweisungen des Schatzsekretärs mit Rücksicht auf die rückwirkende Kraft des Gesetzes für ungesetzlich erklärt werden sollen. DaZ Schicksal der Bill ist also noch sehr unbestimmt.— — Die Pari fizicung Knba's. Wieder„Intern. Korresp." aus Madrid berichtet ivird, ist bereits zwischen der spanischen und »ordamerikanischen Regierung ein Abkomme» betreffs der Pacifizirnng Knba's getroffen. Die Regierung in Mashington hat das kubanische Revolulionskomitee in New- Aoik angewiesen, weitere Ex- peditionen nach Kuba zu unterlassen, desgleichen wurde der Rcvolntionsgeneral Sanguhily, der an die Stelle de? gefangenen Rius Rivera treten wollte, in New-Iork zurückgehalte». Auch der Führer Maximo Gomez, der noch in de» östlichen Theile» der Insel de» Anfstaud leitet, soll bereits vom Neiv-Aorker Komitee abberufe» sein. Die spanische Regierung habe sich dagegen verpflichtet, den Kubanern eine Selbstverwaltung zu gewähren und einen Differentialzolltarif zwischen Kuba nnd de» Vereinigten Staate» zuzulassen. Man muß auch diese Madrider Meldung mit Zurückhaltung aufnehme». Ganz so ivei� dürfte die Sache ivohl noch nicht gediehe» sei».— JSf— Die Nanmann'sche„Zeit" bringt in ihrer gestrigen Mummer einen Artikel: Die Tarifgemeinschaft der Buchdrucker, tvorin„ein organisirter Buchdrucker" in vier langen Spalten seine Herzenscrgießungen gegen die Sozialdemokratie veröffentlicht und unter einem Schock sonstiger Verunglimpfungen wider die sozialdemokratische Arbeiterbewegung auch ein« Reihe von Verleumdungen gegen meine Person bringt, die speziell ein be- rufsmäßiger Verleumder der Sozialdemokratie, der bekannte Buch- drncker Wilhelm Werner zu kolportiren pflegte, die ich aber bereits vor Jahren als solche zurückgeiviesen habe. Der„organisirle Buchdrucker" behauptet u. a., daß der„Vor- wärts" in der Streitfrage über die Tarifgemeinschast jetzt„scheinbar gute Miene zum bösen Spiele gemacht" und schließt daran: „Daun hat der Reichstags- Abgeordnete Fischer, der Leiter der Buchhandlung des„Vorivärts", öffentlich erklärt, nicht etiva, daß er Anhänger der Tarifgemeinschast sei, sondern nur, daß er die Handlungsweise des frühereu„Correspondent"- Redakteurs nicht billige. Das ist auch etwas. Allerdings ist Herr Fischer in einem Wahlkreis gewählt, in dem ei» verhältnißmäßig großer Theil der Berliner Buchdrucker wohnt, und er hat all« Ursache, sich deren Freundschaft zu erhalten, zumal er so wie so bei ihnen schlecht an- geschrieben ist, sintemalen er als früherer Schriftsetzer seinerzeit seine Verbandsmitgliedschafl aufgab nnd„Rauhbein" wurde, weil er einige Beitragsrcst« nicht bezahlen wollte." Soviel Behauptungen, soviel Unwahrheiten! Ich habe im„Korrespondent" unzweideutig erklärt, daß ich in der Frage der Tarifgemeinschast ans einem der„Buchdrucker-Waeht" entgegengesetzten Standpunkt stehe. Das ist für jeden anständigen und denkfähigen Menschen klar. I» den Streit über die Vortheil« oder Mängel der jetzigen Tarisabmachuug mich einzn- mischen, hatte ich, der ich im Berufe nicht arbeil«, leinen Anlaß; dieser Streit hat mit der grundsätzlichen Frage der Tarifgemeinschast gar nichts zu thu», sondern ist in letzter Linie die Entscheidung der Frage, welcher von den beiden Konlrahenlc», Prinzipale und Ar- deiter, die geschickteren Unterhändler delegirt hatte. Und darüber kann nian freilich verschiedener Meinung sei». Ob ich gut oder schlecht bei den Berliner Buchdruckern angeschrieben bin, mag aus sich beruhen, auf jeden Fall verzichte ich gern aus das Wohlwollen dieses„organisirten Buchdruckers" der„Zeit"; aber eine aus den Fingern gesogene Lüge ist es, daß ich die Ver- bands-Mitgliedschnsi ausgegeben nnd„Rauhbein" geworden.„>veil ich einige Beitragsreste nicht bezahlen wollte". Mitglied der Buchdruckerorganisatiou war ich vom Jahre 1873 bis zum Oktober 1888 nnd ich habe selbstverstäudlich bis zum letzten Tage meine Beiträge bezahlt. Im Oktober 1888 ging ich von Zürich nach London; in London konnte ich nicht Mitglied des schweizerischen Typographenbnndes bleiben, aber auch nicht der englischen Bnchdrnckerorganisatio» beitreten, die nur im Beruf Arbeitende als Mitglieder ausnimmt. Im Herbst 1890 kam ich nach Berlin. Als ich hier dem Buchdruckerverband wieder beizutreten beabsichtigte, sollte ich für die zwei Jahre des Londoner Aufenthalts Beiträge nachbezahle». Dazu halte ich, der seit Jahr und Tag nicht mehr im Berufe thätig war, und für den also sogar nicht einmal die Kaffenzmecke in Frage kamen, durch- ans keinen Anlaß— und so unterblieb der Beitritt, der doch für beide Seiten nur akademische Bedeutung haben konnte. Und trotz ver- schiedener Anrempelungen von„organisirten Buchdruckern", die ihrerseits freilich die Verpflichlung der politischen Organisation nicht an- erkannten, bin ich auch seither dem Verbände nicht beigetreten, denn meiner Auffassung nach sind die Gewerkschaften doch für die in dem betr. Beruf T h ä t i g e n da und eröffnen nur diesen sowohl in ihrem Kampf- wie in ihre» Kaffenzwecken ein Thätigkeitsfetd, Was nun gar die geschmackvolle Wendung betrifft, meine Stellung zur Tarifgemeinschast erkläre sich daraus, daß in nieinem Wahlkreis„ein verhältnißmäßig großer Theil der Buchdrucker wohne", so charakterisirt diese ebensosehr die Redaktion der„Zeil" wie den „organisirten Buchdrucker".— Herr Naumann, der freilich als Partei- gründer i» seinem Programm jedem etwas anbietet, zeigt damit höchstens, daß er als Redakteur den P f a s f e n noch nicht genügend abgestreift hat. Zu einer Erwiderung giebt eine solch' ordinäre Unterstellung keinen Anlaß; sie steht auf derselben Höhe wie die weitere Wen- dung, daß die Mehrzahl der Arbeiter das Warten auf den Kladderadatsch satt habe, zumal„die vielen Partei- beitrüge doch gar so iven ig Früchte bringe n". Wir habe» also nach diesen Proben die erfreuliche Aussicht, Herrn Pfarrer Naumann demnächst Arm in Arm mit S t n m m von den„A r b e i t e r g r o s ch e n" deklamiren zu hören, mit denen die sozialdemokratischen Führer sich mästen. Dann ist freilich dieser„organisirte Buchdrucker" der würdig, Dritte im Bund.__ R. Fische 210. Sitzung vom 28. April. 2 Uhr. Am Tische des Bundesraths: v o n B ö t t i ch e r. Eingegangen ist der Gesetzentwurf betreffend de» ServiStarif urd die Klasseneintheilung der Orte. Auf der Tagesordnung steht die erste Berathung des In- validen versicher ungs-Gesetzes. In Verbindung damit wird beratben der Autrag der Abgg. v. Plötz und Genossen(k.) betreffend die Invalidenversicherung nnd der Antrag des Abg. R ö s i ck e(wild- liberal), welcher aus der Vorlage einige Be- stimmungen herausgreifen will. Abg. v. Plötz(dk.): Die Vorlage enthält manches Gute, aber im große» und ganzen sollte man doch lieber noch mit dem be« stehenden Gesetz weiter arbeile»,»m dann endlich gründlich« Arbeit zu machen. Vortheilhaft i st die Bestimmung, daß die vor- übergehend beschäftigten Arbeiter nicht mehr versichert zuwerden brauchen. Auch bezüglich der aus- ländischen Arbeiter sollte man die Versicherungspflicht ausschließen. Günstig ist für die Arbeiter die Einrichtung einer neuen fünften Lohnklnsse. Nicht annehmbar ist die zu scharfe Konirolle der Ver- sicherungsanstalten, deren Selbstverwaltung sich bewährt hat. Die Vermehrung der Schiedsgerichte, die erleichterte Einziehung der Bei- träge, die bessere Berlhcilung der Laste» zu gunsten des OstenS sind anzunehme». Ueber den letzte» Punkt rvird wohl«ine allgemeine Vcrstäuvigung nicht möglich fein. Die Anstalten deS Oftens wervc» dafür stimme», daß die Rentenlasten zur Hälfte getheilt, verde» zwischen der Gesarmnlheit und den einzelnen Anstalten. Der Osten bezahlt jetzt nicht blos die Rente» für seine Arbeiter, sondern auch die Rente» für diejenigen, die im Westen ihre Arbeitskräfte auf- gebraucht haben und als Invalide» nach dem Osten zurückkehre». In allen Bevölkcriingsklasseir wird die Beseitigung des Marken- klebens verlangt. Tavo» ist in der Vorlage nicht die Rede; deshalb habe» wir rmsereri Antrag eingebracht, der nickt undurchführbar ist. Ebenso wie durch Marken die Arbeitsdauer»rachgervrese» wird, kann dies durch Lisleusühnmg geschehe». Eine weitere Vereinfachung ist die von mis beantragte Einheiisrente, die eigentlich bei den Sozialdemokraten, die alles über«inen Kamm scheren wollen, keinen Widerspruch erregen sollte. Wir habe» aber für diejenige», welch« ei» Einkommen versteuert haben, eine Steigerung der Renten in Aussicht genommen. Die Hauplsache unseres Antrages ist aber die Aufbringung der Mittel durch Zuschläge zur Einkommensteuer. Wir wollen die Last ans die Gesannntheit der Steuerzahler übertragen, weil die jetzige Vertheilung der Lasten ungerecht ist. Wieviel saure Tropfen Schweißes klebe» an einem Mispel Getreide, welches der Bauer erzeugt, ohne daß er daran etwas verdient. Er muß be- zahlen für sein Gefinde, während die Kapitalisten für ihre Dienst- boten viel weniger entrichten. Die Verweisung an die Kommission für die Unsallversichernug würde ein Fertigstellen unmöglich mache». Herr v. Marschall sagte vor einige» Jahren, die große» Mittel seien nicht zu haben. Die kleinen, brauchbaren Mittel sind nicht ge- kommen, nnd wenn die Regierung einen» Börsengesetze zustimmt, es aber nicht ausführt, dann hilft es nicht. Es ist alles beim alten geblieben. Die Zuckersteuer ist nur für einen Tbeil der Landwirth- schaft; die Hoffnung auf das Magarinegesetz müssen wir wohl aus- geben. Wir hoffen, daß gleich bei Beginn der neuen Session diese Invalidenversicherung wieder in Angriff genommen wird.(Beifall rechts.) Abg. Nösicke(wildliberal): Bei der Krankenversicherung fehlen die Arbeiter der Land- nnd Forstwirthschast, bei der Unfall- Versicherung die Handiverksardeiter und die Dienstboten. Schon dadurch ist eine Verschmetznng der verschiedene» Arbeiler- verslcheruiigen unmöglich, die auch an der Verschiedenartigkeit der Organisation scheitern würde. Bei der Unsallverstchernng zahlen die Arbeiter nichts. bei der Invalidenversicherung die Hälfte, bei der Krankenversicherung zwei Drittel. Vom Präsidenle» des Reichs- Verslcheruiigsamtes ist der Vorschlag gemacht worden, die Invaliden- Versicherung für die industriellen Arbeiter ans die Berufsgenossen- schafte» zu übertragen nnd die anderen Arbeiter unter Ver- ivcndnng der Einheitsrente ohne Niarkenkleben z» versichern. Dieser Weg ist nicht gangbar. Die Verwaltung würde eine zwie- spältige werde», nnd die Arbeiter hätten bei den Bcrnfsgenofsen- schaflen nicht mehr»ntziispreche». Der Entwurf des Herrn v. Plötz, d. h. des Blindes der Landivnkbe verdient nicht den Namen eines Gesetzentwiirses, denn er enthält höchstens die Grundzüge dafür nnd ist darauf gerichtet, die Großgrundbesitzer z» entlaften anf Koste» der Jndiistrielleii.(Heiterkeit rechts.) Es bestehen nicht i» allen dentschen Staaten Einkommensteiiern. die Ei»komme»ste»er» sind auch sehr verschieden. Der Entwurf des Herrn von Plötz scheint blos abgeschrieben zu sein von dem. was die Sozialdemokraten im Jahre 1889 beantragt hatten: Erhöhung des ReichSz»sch»sses aus 90 Mark nnd Aufbringung desselben durch die Ein- kommcnsteuer von den Eiiikoniinen über 3000 Mark. Die Konservative» scheinen ein Umsturzgcsetz zur Bekämpfung der Sozialdemokratie zu verlange», aber die sozialistischen Lehre» machen sie sich zu eigen, sobald sie dabei einen Vortheil habe». Durch die Heranziehung der Einkoniiiieuftener würde» Personen zu den Koste» der Jiivalidenverficherung herangezogen, die gar kein« Arbeiter be- schästige». Die Wittwen»nd Waisen, die Lehrer, die Offiziere ,c. und vor allen Dingen auch die Handwerker, weiche keine Arbeiter beschästipeii; das ist die große"Mehrheil aller Handiverker; und die Landwirlhe, soweit sie lediglich auf die Mitarbeit ihrer Familienangehörigen angewiesen sind. Entlastet würde» werden die Staats- und Koninniiialbelriebe, die keine Einkomine»ste»er bezahlen, und die neue» Unter» ehiimnae», die in den ersten Jahren wenig Einkommen erzielen. Di« Einkonnnensteuer in Preußen er- giebl 127 Millioneil Mark; also würden sür Deutschland 208 MiU. ivtark nnznnehme» sein. Da die Invalide, i-Bersichernng 100 Mill. Mark jährlich erfordert, so würde ein Zuschlag von&0 pEt. zur Eiiikoinmensteller nothwendig sein; das würde sür einen Beamten, der für einen Dienstboten je 5 M. jährlich BerstcherungSbeiträge zahlt, eine Steigerung auf 30—40 M. bedeuten. Die Arbeitgeber mit vielen Arbeitern würden dabei Keffer fahren,»nd zwar um so besser, je mehr Arbeiter beschäftigt werden. Das heißt den Mittelftand schützen gegenüber dem Großbetriebe! Auch für die Landwirthschaft, die ja jetzt ohne Einkommen leben soll, würden die Einkommenstener« Zuschläge gar nichts bedeuten. Wenn die Einkommen unter 600 M. freigelassen werden sollen, so trifft das nur die Landarbeiter des Ostens; die Industrie- Arbeiter des Westens würden bezahlen müsse». Nach dem Borschlage des Herrn v. Plötz sollen die Unternehmer selbst iiiitversicherl werden bis zum Einkommen von 2000 M. Dadurch steigern sich die Lasten der Invalidenversicherung. Die Kosten hätte ein ernster Abgeord- netcr berechnen sollen, ehe er einen solchen Gesetzentwurf vorlegte. (Sehr richtig! links.) Dazu werden die öO pCt. Einkommensteuer- Zuschlag nicht ausreichen. Graf Kanitz will sogar die gesanimte Arbeiterverstcherung auf die Gesammtheit ab- gewälzt wissen. Und wenn man die Ausgaben durch die indirekten Steuern decken will, dann tragen schließlich die Slrbeiter allein die Kosten für ihre Versicherung. Das Interesse der Allgemeinheit an der Arbeiterversicherung ist aus- gedrückt worden durch den Reichsznschnß von 50 M.— Ich hätte diesen Zuschuß gerne vermieden gesehe». Aber darüber hinails- zugehe» ist nicht berechtigt. Graf Kanitz zog eine Parallele zwischen Ostpreußen und Berlin. Die Einkommensverhältniff« kommen dabei nicht in betracht, die Belastung ist i» Berlin viel größer durch die BeiträgezurJnvalidenversicheruiigals inOstpreußen, nämlich 14, 27beziv. 6,49 Dt. pro Kopf; die Renten in Berlin sind höher als in Ostpreußen. Die große Zahl der Altersrenten in Ostpreußen ist sehr erklärlich. Der Bericht der Jnvaliden-Versicherungsaiistalt Ostpreußen für 1891 sagt ausdrücklich, daß die Arbeitgeber offenbar bemüht waren, sich der Aimnipflege zu entledigen auf Kosten der Jnvalidenversicheruiig. (Hört! links.) Seitdem hat sich maiiches geändert in Ostpreußen. teute marschirt die Sache schon ganz anders als früher. Gras anitz behauptete am 26. Januar» daß Gulsbefitzer ihre Güter verkaust habe». weil sie den Anforderungen der Ber- sicherungsanstalten nicht mehr gerecht werden konnten.(Sehr richtig! rechts.) Wenn ein solcher Gutsbesitzer verkauft, weil er 209 M. jährlich nicht mehr zahlen kann, dann ist eS doch unmöglich, zu gmiste» solcher schwachen Existenzen die Gesetzgebung zu gestalten. Bezüglich deS Markenklebens enthält die Vorlage Verbesserungen, durch welche die Belästigungen beseitigt werden, die das Kleben bisher mit sich gebracht hat. Der Vorschlag, die Altersgrenze für die Altersrente von 70 auf 60 Jahre herabzusetzen, würde die Versicherten zu sehr belasten. I» dieser Beziehung hat sich die sozialdemokratische Partei auch etwas gemausert. Bezüglich deS Begriffs der Invalidität bringt die Vorlage ent- schieden Verbefferungen. wie die Einrichtung einer fünften Lohnklasse für die höher entlohnten Arbeiter. Bedenklicher ist schon die ver- schieden« Bemessung der Grundrente, weil dadurch schon sür die Gegenivart für die höheren Lohnklassen eine höhere Belastung ent- steht. In dieser Beziehung wird es gelte», einen gangbaren Mittel- weg zu finden. Man hat zwei Extreme verglichen, daS rein landwirthschaftliche Osiprenßc» und das großstädtische Berlin. Man hat die verschieden- artige Altersgruppirung hervorgehoben. Aber die Altersgruppirung in Ostpreußen ist nicht anders als die in Pommern, und Pommern befindet sich nicht in einer Nothlage. Ostpreuße» zeigt ei» Defizit zwischen Reute,«last und Vermögen von 6 Millionen,. Niederbayern von 600 000 M, dagegen hat Pommern 4,6 Millionen, Branden» bürg 10,3, Obcrbayern 6 uiid ganz Bayern sogar 17 Millionen Ueber- schuß anfzuiveisen. Für Niederbayern könnte also geholfen werden durch Verschmelziing mehrerer bayerischer Niistallen. Das Gesetz ist aber viel zu kurze Zeit in kraft, und während dieser Zeit war die Wartezeit für die Allersrcnten fast ganz aufgehoben. Darunter hatten die la»d- wirlhschaftliche:, Bezirke am meisten zu leiden. Aber diese Ursachen sind vorübergehend. Dazu konimt, daß die Prüfung der Renten- ansprttche recht niangelhnfl war, und daß festgestellt worden ist, daß vielfach unredlicher Weise Beschästigungszeiignisse ansgestellt worden stiid sür Personen, die nicht mehr versicherungspflichtig waren. Da müßte der Ausgleich durch die große Masse der Beiträge versagen, »nd auch der Zu-»nd Abzug könnte keinen Ausgleich herbei- führe», da die erste» Rentner gerade die ansässigen Leute waren. Bezüglich des Abzuges junger Leute aus dem Osten nach dem Weste» werden die Zahle» von 1886—1890 angeführt. Sie mögen richtig sein, aber man müßte doch erst abivarte», wie die Zahlen von 1895 lauten. Nach einer Statistik von Berlin scheint mir eine Wandlung eingetreten zu sein. 1894 stellt der Bericht der ostpreußische» Jnvalidenversicherungs- Anstalt fest, daß jährlich für eine Million Mark Marken»»geklebt geblieben sind. Für 5 Jahre macht das 5 Millionen; das ganze Defizit wäre also bei strengerer Kontrolle verschwunden. Bei allen Anstalten mit Aus- nähme von Ostpreußen und Niederbayer» hat das Vermögen regel« mäßig zugenommen; es liegt danach gar kein Anlaß vor, die Renten« lasten anderweitig zu vertheilen. Die Regierung will die Beiträge der untersten Lohnklasse»och weiter herabsetzen und dadurch die Einnahmen Ostpreußens»m 10 pCt. herabsetzen. Eher könnte man daran denken, die Beiträge der höheren Lohnklassen herabzufetzen. Die Vorlage dedarf der gründlichsten Prüfung, nnd bei der Geschäftslage des Hauses wird es unmöglich sein, dieselbe zum Abschluß zu bringen, auch wenn sie einer besondere» Kommission überwiesen werden wird. Es erscheint Überaus wünschenSwerth, daß wir diejenigen Bestimmungen annehmen, über welche«ine Meinungsverschiedenheit nicht besteht. Dieser Absicht entspricht mein Antrag, welcher die in der Vorlage enthaltenen Er- leichternngen bezüglich der Definition der Erwerbsunfähigkeit nnd bezüglich des Markenklebens umfaßt nnd sich als eine Art Nothgesetz darstellt, welches man ohne Ko»,« missionsberathung sofort i» zweiter Lesung im Plenum erledigen könnte. Sollte eine Kommissionsberathung beliebt werden, so sollte man die Koinmisston beanftrage», diesen Antrag vorweg zu beralhe» und vorab darüber Bericht zu erstatten. Durch dieses Nothgesetz würde der Bevölkerung Deutschlands ei» wirklicher Dienst ge- leistet werden.(Beifall.) Direktor im Reichsaml des Innern v. WSdtte: Der Antrag des Herrn v. Plötz sowohl wie der Antrag Rösicke scheinen mir nicht onnedmbar zu sei». Die finanziellen Bedenken gegen den Antrag v. Plötz sind von dem Vorredner sehr«ingehend und treffend dargelegt worden, daß ich darauf einzugeben verzichten kann. I» der Praxis wird es sich nicht bewähre». Arbeitsbescheinigungen beizubringe». Während der Uebergangszeil hat sich dieses Verfahren nicht gut bewährt nnd hat zur starke» Belästigung der Arbeitgeber geführt, namentlich soweit»»ständige Arbeiter in Frage gekomme». Der Arbeitgeber muß die Bescheinigungen mindestens vier Jahr« aufheben. Die Antragsteller des Antrages v. Plötz habe» die finanzielle Tragweite ihres Antrages nicht übersehe», sie haben viel niedrigere Renten vorgeschlagen, als das bestehende Gesetz ge- inährt. Der Antrag Rösicke enthält einige gute Körnchen ans der Vorlage, der Rest soll»ä calendss Graecas vertagt werden. Ein Liothgesetz ist das nicht; denn eZ handelt sich dabei nicht um eine Abwendung von Gefahren. Bei einer Materie wie die Invaliden- Versicherung, welche bei der Bevölkerung nicht anf dasjenige Maß von Wohlwollen gestoßen ist, die sie verdient, kann man nicht jetzt ei» Stückchen Andern und im nächste» Jahre wieder. Der Ans- gleich zwischen den einzelnen Versichernngsanstalten ist viel dringender nothwendig als die Aeudernnge», welche Herr Röficke durchdrücken will. Die Ausgleichung der verschiedenartigen Belastung kann ja durch die Zusammenlegung mehrerer Anstalten erfolgen, z. B. durch die Zusannncnlegnng aller norddeutschen Anstalten. Dadurch würde aber eine große Anzahl von Anstalten ihrer Selbständigkeit beraubt, während die Vorlage die Anstalten aufrecht erhält und für die Zukunft ihnen auch ihre Vermögensbestände beläßt bei anderweitiger Ver- theilnng der Renlenlast. Abg. Gamp(Rp): Man sollte eingehend erwägen, ob nicht eine Vereinfachung und Verschmelzung der verschiedenen Versicherung«» inöglich sei. In Ostpreußen haben wir fast gar kein« Industrie; man könnte dori d>e Uusallorganisalion und di« Jnualibrn- anstallt» versuchsweise vereinigen. Glaube, i Sie, daß in Zuknnfl di« jungen Seilte auS Berlin nach Ostpreußen wandern«erden? Daran ist nicht zu denken. Wenn 139 l die Invaliden- versicherungs-Anstalt Ostpreußen in ihrem Berichte sagt, daß der Versuch gemacht sei. Renten zu erlangen, so ist damit gesagt. daß dieser Versuch zurückgewiesen worden ist.(Widerspruch des Abg. Rösicke: Sie haben ja den Bericht nicht gelesen!) Ich habe ihn gelesen.(Abg. Rösicke legt den Bericht auf de» Tisch des Hauses nieder.) Für die Armenpflege zahlen die Steuer. zahler nach ihrer Leistungssähigkeit, warum soll das nicht auf die Invalidenversicherung übertragen werden, welche die Armenpflege ihrer entehrenden Eigenschaften entkleiden soll. Eine Aus- gleichung könnte gefunden werden durch Zusammenlegung aller preußischen Anstalten; dadurch würde die Zenlrnlisirung gefördert werden. Man könnte ja auch vielleicht eine Reichsanstalt einrichten. Wenn eine Verständigung nicht erzielt wird, bietet das gegenwärtige Gesetz die Mittel, leislungsunfähige Verbände zu beseitige», und die preußische Regierung hat nach Z 66 das Recht, eine Zusammenlegung aller preußischen Anstalten zu beantragen. Gegen 6 Uhr wird nach einigen persönlichen Bemerkungen die weitere Berathung bis Donnerstag 2 Uhr vertagt. IpÄvlamentnvifrhes« Die Kommission für die Handwcrkervorlage hielt am Mittwoch ihre erste Sitzung nach den Ferien ab. Die Berathung wurde, nachdem in der ersten Sitzung im Z 100 die fakultative Zwangsinnnng festgelegt war. mit§ 81 begonnen. Angeregt wohl durch den Haudwerkertag machten die Abgeordneten von Viereck und Euler einen neuen Vorstoß, um die Regierung für die obligatorische Z w a n g s i n n u n g zu gewinnen. Die Debatte dehnte sich zu einer Generaldiskussion aus in der von unserer Seite S ch m id t. Berlin den Standpunkt der Jnnungssreunde bekämpfte. Eine längere Debatte verursachten die Beslimmuiigeu über die Errichtung der I n n u n g s s ch i e d s- g e r i ch t e und I n n u n g s k r a n k e u k a s s e n. S ch m i d t- Berlin wies darauf hin, wie eine weitere Begünstigung zur Gründung von Krankenkassen für die Arbeiter von schweren Nachlheileii sei. Die Vielgrstalligkeit des Versicherungswesens hat mit Recht eine sehr lebhafte Opposition in Arbeiterlreisen gefunden. weil die Arbeiter bei einer solchen Gestaltung der Krankenkasse» bei jedem Arbeitswechsel in eine andere Kasse eintreten müssen. Bei jedem Uebertritt verliert aber der Arbeiter alte erworbene Rechte und neue kann er erst nach Ablauf der Karenzzeil in der anderen Kasse erwerben. Redner plädirt für eine einheitliche Organisation des Versicherungswesens und bekämpft das in der Vorlage stärker hervortretende Durch. einander auf diesem Gebiete. Ebenso wendet sich Redner gegen die Jnnungsschiedsgerichte, da die Geiverbegerichte in Arbeiterkreisen allgemein eine sr)i»pa>hische Ausnahme gefunden haben. Dem traten die Abgeordneten Gamp, Hitze und Jacobs- kötter entgegen, indem sie diese Einrichtungen als einen Wunsch der Handwerker bezeichneten und ihnen großes Lob sendeten. Der Antrag unserer Parteigenosse», diese Rechts den Innungen nicht weiter zu gewähren, wurde mit großer Majorität a b g e l e h n t. Die weiteren Verhandlungen drehten sich im allgemeinen mehr um Dinge formaler Art. Dem Abgcorduetcuhause sind die Rachweifungen der anf arund der Gesetze vom 8. April 189S und vom 3. Juni 1896 im itatsjahre 1396/97 zur Förderung des Baues von Kleinbahnen be- willigten bezw. in Aussicht gestellten Staaisbeihilfen zugegangen. Im preußischen Abgeordnetenhanse ist ein Gesetzentwurf betr. die Entschädigung für Verluste durch Schweinekraukheiten in der Provinz Schlesien eingebracht. Zur Maifeier. Die„ V o s s. Z t g." vermißt in dem dies- jährige» Aufruf der B e r l i n e r G e w e r k s ch a f t s k o m m i f s i o n eine Warnung vor dem Ruhenlassen der Arbeit in dem Falle, wenn sich die betreffende» Arbeiter dadurch schädigen würden. Der Aufruf ermangelt aber der Warnung durchaus nicht, den» die Geiverkschasts- kommission empfiehlt den Gewerkschaften die Arbeitsrnhe. die die Arbeit ruhe» lassen könne». Zum Können gehört in diesem Falle die Garantie des Erfolgs. In einer Reihe von Gewerben ist die ArbeitSruhe am I. Mai durchführbar, in anderen nicht oder nur theilweise. Aber fast in jedem Berufe giebt es Arbeiter, die ohne Gefährdung ihrer Existenz die'Arbeit ruhen lassen können. Diese» gilt— wie früher so auch heute-> die Aufforderung der Gewerk. fchaftskommission, am Wellfeiertag der Arbeit die fleißigen Hände einmal ruhen'zu lassen. Wenn der«Voss. Ztg." die Vermeidung von Differenzen zwischen den Arbeitern und den Unternehmern wirklich am Herzen liegen sollte, so mag sie de» Unternehmern empfehlen, ihren Personalen hinsichtlich der Maifeier entgegen. zukommen und ihnen bei dieser Gelegenheit de» schuldig gebliebenen Lohn für die erzwungene Arbeitsrnhe während der Ze»lenarfeier wenigstens noch»achlräglich auszuzahlen. Für die Maifeier ist auch in de» ersten nenn sächsischen Reichs- tags-Wahlkreisen, in O st- S a ch s e n. durch Vertheilung eines Flugblattes eine lebhaste Agitation entfaltet worden. In Erfurt wurde der geplante Festzug am 1. Mai auch diesmal und mit derselben Begründung untersagt wie alljährlich. Der Zug wie überhaupt die ganze Maifeier trage ausgesprochener. inaßen den Charakter einer Demonstration gegen die bestehende Gesellschaftsordnung, weshalb eine Gefahr für die öffentliche Sicher- heit und Ordnung vorliege. Bekanntlich ist die Maifeier eine Demonstration zu gunsten der Verbesserung des Arbeiter- looseS, und das soll die bestehende Gesellschaftsordnung ge> fährden! Um dies« Gesellschaftsordnung ist es gewiß jammer- voll genug bestellt, aber so schwächlich ist sie noch nicht, als wie die Erfurter Polizeiweisheit glauben machen will. I» Halle a. S. untersagte die Polizei de» Festzug, insbesondere weil eine Gefahr für den Verkehr zu befürchten stehe. In fast allen Stein Hauereien Mannheims ist den Arbeitern anf ihr Gesuch der 1. Mai von Mittag 12 Uhr ab frei- gegeben, weiter wird der Lohn noch vor Geschästsschluß ausgezahlt. Eine Firma bezahlt ihren Arbeitern den freigegebene» Nachmittag. Die Bedeutung der Maiseier für Oesterreich schildert die Wiener„Arbeiter-Zeitung" wie folgt:„Was anderSwo, in Ländern freiheitlicher Einrichtungen, mit Hilfe der freien Presse und deS Wahlrechtes gelungen ist, haben wir ourch die Maifeier zu stände gebracht. Alle Erfolge der österreichischen Arbeiterschaft in den letzten Jahren haben in der Maifeier ihren eigentliche» Ur- sprung. Ohne jene erste gewaltige Machtdarstellnng wäre keine Wahl- rechtsbewegung, wäre das Eindringen ins Parlament nicht möglich gewesen. Hätte ohne diese herrlich« Kraftprobe die österreichische Arbeiterschaft den Heldenmuth und die nie wankende Zuversicht ge- wonnen, den Kampf um ihr wichtigstes politisches Recht gegen die vereinigte Macht der Regierung, des Parlaments, deS Bürgerthums und Kleinbürgerthums aufzunehmen, den Kampf eine? gegen alle? Die Niedertracht der bürgerlichen Parteien und die polnische Staats- kunst Badeni's haben der Arbeiterschaft im letzten Augenblick den vollen Erfolg des Sieges im Wahlrechtskampfe verküinmert. Doch hat sie sich�den Eingang ins Parlament eröffnet. Die Maifeier hat Heuer beim Aufmarsch der 600 000 sozialdemokrati�hen Wähler ihre volle Wirkung geoffenbart." Das Aktionskomitee der ch r i st l i ch. s o z i a l e n Arbeiterschaft Wiens erließ in dem antisemitischen „Deutschen Volksblatt" folgenden amüsanten Ausruf:„Gemäß dem Parteitagsbeschluß haben wir für den 1. Mai den Parteigenoffen ein Stelldichein besorgt. Parteigenossen, die an diesem Tage zur Arbeitsruhe gezwungen sind, treffen sich nachmittags in zwang- loser Weise in dem bekannten großen Reslaurationspark(bei unfreundlicher Witterung im Saale) in Baumgarteu an der West- bahn. Für Belustigungen jeglicher Art ist gesorgt." Vermuihlich ist bei diesen Belustigungen auch das Bauchrnischen nicht vergeffen. Der Verband der schweizerischen Spengler meister und Blechwaaren- Fabrikanten hält am 1. Mai in Baden bei Zürich seine Generalverfammlung ab. In dem Gin- ladungsschreiben heißt es:„Da der 1. Mai als allgemeiner Arbeiter festtag gefeiert wird, kann sich zur Ausnahme auch der Meister einmal etwas Außergewöhnliches gönnen." Bon der Agitation. Genosse Heinrich Schulz aus Berlin beginnt am 1. Mai eine mehrwöchentliche Zlgitalionstour. Zuerst spricht er in einer Anzahl Versammlungen im zweiten hannoverschen Wahlkreise(Göttingen, Münden w.), wo er von den dortigen Genossen als Kandidat für die nächstjährige ReichStagswahl aufgestellt ist. Später wird er, auf Einladung der rheinische» Genossen, eine Anzahl von Vorträgen im Rheinland halten. Die sozialistische Arbeiterpartei RninänienS hält gegenwärtig in Bukarest ihren Landeskongreß ab. Auf der Tagesordnung steht u. a.: Die Landarbeilerfrage; Gründung eines Organs für die Landarbeiter; die Judenfrage in Rumänien und etwaige Gründung eines Blattes in jüdischer Sprache. Todtcnliste der Partei. Auf seiner kleinen, nicht weit von Jonesburg in den Vereinigten Staaten gelegenen Farm starb am >0. April der Parteigenosse Ernst Fischer, der in den siebziger Jahren in Teutschland lange Zeit Verlrauensstellungen bei der Partei inne hatte, auch viele Jahre Präsident des Deutschen Stein- hauer-Berbandes war. Im Jahre 1331 nach Verhängung des kleinen Belagerungszustandes aus Leipzig ausgewiesen, kam er mit Frau und fünf Kindern nach Missouri, wo er sich� lange kümmerlich durchschlug, schließlich aber zum Ausseher von Steinbauer-Arbeiler» emporrückte. Inzwischen hatte sich der Keim der Schwindsucht bei ihm eingestellt, und dieser ist er jetzt erlegen. Fischer erreichte ein Aller von S1 Jahren. Polizeiliches, Gerichtliches ,c. ■— Die Potsdamer Strafkammer verurl keilte den Redakteur der „Brandenburger Zeitung", Genossen H u t h, und einen Berichlerstatier aus Potsdam zu je 20 M. Geldstrafe wegen vor- zeitiger Veröffentlichung einer Anklageschrift. — Der Verfasser der in der„Reuen Welt" veröffentlicht ge- wesenen Erzählung„Der Nazarener", Genosse Salonion. Redakteur am„Volksblalt für Halle", hat sich am 27. April der Leipziger Staatsanwaltschaft stellen müssen, um i» Zwickau i. S. die vicrmonatige Strafe anzutreten, die ihm wegen Gotteslästerung vom Leipziger Landgericht auferlegt ist. Ob man ihn in Leipzig gleichfalls geschlossen»ach dem Bahnhofe geführt hat wie den Redakieur der„Neuen Welt", Genosse» Steiger?— Vom „Volksblatt für Halle" weilen nun drei Redakteure, die Genosse» S a l o»i o n. M a» n i g e l und Lehmann, im Gefängniß; der vierte, Genosse Brand, wird in nächsler Zeit nachfolgen. GrwevkMaMlilszcs. Berlin und Niiigebnng. An die Ziegelci-Arbcitcr der Provinz Brandenburg und der anarenzcndcu Bezirke. Kolleaen! Nachdem unsere eigene Oiganifatioii jahrelang nicht»>el>r besteht, hat sich inzwischen ein Theil unserer Kollegen in den Verband der Töpfer und Ziegler aufnehmen lassen. Durch gemeinsamen Zusammenhalt in der Oraauisation werden wir, das wißt Ihr, eher dazu kommen, das zn erreichen, was uns beständig fehlt: b-ssere Arbeitsbedingungen und damit verbunden eine bessere LebeiiShallniig für uns und unsere Familien. Daß dieses reckt bald geschieht, ist sehr nothweiidig. Zur Erreichung dessen hat sich in Werder a. d. Havel eine Ziegelei- Arbeiter-Komwissioii von 5 Mann gebildet. Tie Kommission hält es für iiothivendig, so bald wie irgend möglich eine persönliche Aus- spräche der Ziegelei-Arbeiter der Provinz Brandenburg und der um- liegenden Bezirke zn veranstallen, und beruft zu diesem Ziveck «ine Konferenz der Ziegelei-'Arbeiter am 1. Pfingstfeierlag vormittags 11 Uhr nach Werder a. d. H., im Lokale des Herrn Martin, Kugelweg 58, ein. Kollegen! Wir ersuchen Euch, zu diesem Vorschlage sofort Stellung zu nehmen und Delegirle dazu zu wählen. Als vorläufige Tagesordnung ist vor- geschlagen: 1. Bericht der Vertreter aus den einzelnen Orlen über die Lage der Ziegelei-Arbeiter in denselben; 2. die Nothwendigkeit der Organisalion und wie kounnen wir am beste» zu einer solchen; 3. sonstige Anträge und Verschiedenes. Alle Zuschriften und Anmeldlingen der Delegirten n. s.w. richte man an de» Uulerzeichnelen. Die Agitalioiiskonimissio» der Provinz Brandenburg für den Verband der Töpfer und Ziegler. Im Auftrage: August Heimlich, Werder a. d. Havel, Brandeudurger- strafte 82. RL. Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Abdruck ge- beten. TrntfchrS Reich. Urber den Maurerstreik in Brandenbnrg theilt die„Branden- burger Zeitung" mit, daß, nachdem die vom Syndikus Dr. Meier angebahiilen Verhandlunge» durch Schuld der Unternehmer ge- scheitert sind, keine neuen Verhandliingen zu stände kamen, weil die bisherig« Streikleitung nicht zurückgetreten ist, was die Unternehmer verlangt hatten.„Die Arbeiter," schreibt unser Bruderorgan,„haben bei Erörterungen i»it den Meistern sich stets an die Vereinigung derselben gewandt und die Unternehmer haben dies bestimmt immer durchaus in der Ordnnng gefunden. Die Organisalion der Arbeiter dagegen ivollen die Arbeitgeber nicht als den zu Verhandlungen berechtigte» Faktor aiierke»»«». Als bei der Verhandlung unter dem Vorsitz des Syn- dikns ein Beauftragter des Hanptvorstandes des Manrerverbandes an derselben theilnehmeu wollte, wurde er zurückgewiesen. Während die Meister die ihnen am geeignelsten erscheinenden von ihre» Kollegen zn den Verhandlungen entsenden, nehmen sie sich heraus, den Arbeitern vorzuschreiben, wer von diesen als Vertreter geschickt wird, wer die Lohnbewegung leiten soll." Ueber den Dischlerstreik i« Gtcttin wird u»S geschrieben: In der am 26. April vom Gesillenausschnß mit der Jniinng ge- führten Verhandlung ivar letzlere geneigt, die Forderung aus Bau- arbeit ganz, dagegen die auf Möbelarveit nur theilweise zu be- willigen. Die Verkürzung der ArdeitSzeit von 10 auf 9'/e Stunden wurde strikte abgelehnt. Die Streikenden beschlossen am Dienstag in stark besnchter Bersammlung, von der Forderung auf Verkürzung der Arbeitszeit nicht abzugehen und de» Generalstreik aufrecht zn erhalte». Für diese Woche sind 150 Verheirathete mit 232 Kinder» und 115 Ledige zu unlerstützen. Weitere 46 Gesellen sind dem Streik beigetreten. Tie Getreideträger StrttiuS stehe» im Streik. Sie fordern Erhöhung deS Lohntarlfs. Der Tischlerstreit in Kiel war Gegenstand zweier Sitzungen deS Einiguiigsamls des Gewerbegerich ls. Bei der zweiten Sitzung, die am Montag Abend abgehalten wurde, war auf Verlangen des Vertreters der Tischlenniiniig di« Oeffenllicdkeit ausgeschlvffe». Wie die„Schleswig- Holfteinscke Voltszeilung" miltdeilt, ist der Schiedsspruch ungefähr in folgender Fassung gefällt worden: 1. Der Stundenlohn für Tischler in Kiel und Gaarden wird auf 33 Pf. festgesetzt. 2. Für Ueberstunde» werden 25 pCt. Aufschlag bezahlt. 3. Die Arbeiter nehmen die Arbeit wieder auf tind die Arbeitnehmer verpflichten sich, keine Maßregelung vorzunehmen und ihre bisherige» Arbeiter»ach Bedarf rvieder einzustellen. Ebenso verpflichten sich die Arbeitnehmer, ihre nicht mit in den Streik eingetretene» Kollegen künftig nicht zu belästigen. 4. Die Arbeiter treten zu den allen Bedingnngen in Arbeit; die- je»ige»i, welche bisher 40 Pf. und weniger pro Etiuide erhalten haben, bekommen pro Stnnde 2 Pfennig Ausschlag. 6. Für das Halten eines Werkzeuges wird pro Woche 60 Pfennig vergütet. 7. Es wird den Parteien anheim gestellt, alsbald einen Ausschuß zu bilde», der die Ausgabe hat:»)«inen Akkordtarif an-zuarbeilen; d) Besiiiitmungen über die auswärtige Arbeit zu treffen; c) die Arbeitszeit zu regeln und ä) eventuell dauernd als Eiuignugsamr zu fniigiren. Am Dienstag Abend nahm eine Versammlung der streikenden Tischler den Schiedsspruch mit 145 gegen 21 Stimmen an. Di« Beendigung de? Streiks hängt jetzt nur noch davon ab, ob di« Meister den Schiedsspruch ebenfalls annehmen. lieber den Zimmererftreik in Hannover meldet der„Volks- wille", daß bis jetzt 30 Unleriiehmer die Forderungen voll bewilligt haben. Bei diesen arbeiten 230 Mann, annähernd die Hälfte aller Zimmerer Hannovers. 53 Streikende sind abgereist. In Bremen beschloß am Montag Abend eine von ca. 1500 Per» sonen besuchte Versammlung von Arbeitern und Arbeiterinnen der Textilindustrie, von einem allgemeinen Streik in der Jute- spinnerei und Weberei Bremen wegen der ungenügenden Organisation des Personals vorläufig abzusehen, dagegen eine Kom- Mission zu beauftrage», bei dem Direktor der Spinnerei um Wieder- eiustellnng der Mitglieder der Arbeiteriiinen-Kommissto» vorstellig zu werden. Von dem Ausgang dieser Unterhandlung machte die Versammlung die weiteren Maßnahmen abhängig. Dem Beschlüsse der Versammlung Rechnung tragend, begaben sich Dienstag Morgen sämmlliche Ausständige» wieder an die Arbeit. Der Direktor hatte beim Fabrikporlier den Bescheid hinter« lassen, daß er bereit sei, drei der Entlassenen wieder ein- zustellen. Die Wahl der Einznstellenden sollte durch das Loos erfolgen. Dieses Ansinnen wiesen die Arbeiterinnen entrüstet zurück und sämmtliche Spinnerinnen(Anspinnerinnen und Feinspinnerinnen). ca. 120, stellten die Arbeit wieder ein. Nachdem der Direktor er- schienen war, wurden die Mitglieder der gewähllen Kommission, die aus den verschiedenen Abtheilungen zusammengesetzt war, nur einzeln vorgelassen. Den Spinner innen ivurde keine Lohnerhöhung zu- gebilligt. Die Forderungen deiselben waren für Aiispiniier ein Tagelohit von l.50 M., für Feinspiniier 1.80 M für kleine. 2,20 M. für große Maschinen. Den Weberinnen wurden pro 100 Meter-Slück 10 Pf. Ausschlag bewilligt. Für die S-t>lichterei gewährte die Direktion eine Erhöhung von 25 Pf. pro neunstündigen Arbeitstag. Die Stuckateure Kölns haben ihren Tarif nun bei 17 Meistern durchgesetzt; süns Meister weigern sich»och. In Halle a. S. hat sich die Lage des Schmiedestreiks insosern geändert, als in einer Zusammeukuust der Jitiiuugsuieisler die Meister, die die Forderungen der Schmiede bewilligt hallen, alle bis auf einen ihr Wort zurückzogen. Die JnnuiigSmeister wollen nun geschloffen mit den Arbeitern verhandeln. In Lieguiy haben außer den Maurern auch die Zimmerer die Arbeit eingestellt. Die Vercinigmig der Tiamantschkeiferci-Besitzer in Hanau hat es abeimals abgelehnt, sich dem Spruche des Einigungsamles des Gewerbegerichts zu llnteriverfeii. Es stehe den Diamant- arbeitern nichts im Wege, mit der Bereinigung direkt zu ver- handeln. Tie StnSatenre Dresdens beschloffen. Anfang Mai die schriftliche Anerkenunng ihres Tarifs zu fordern. Tie Leipziger Maurer haben, nachdem die Unternehmer da? Gewerbegerichl als Schiedsgericht abgelehnt haben, beschlossen, die Arbeil jetzt nicht niederzulegen, sonder» eine günstigere Gelegenheit abzuwarten. Ter AnSstand der Holzarbeiter tu GeringSwalde in Sachsen dauert fort. Die Slreikendeu sind von 303 aus 157 zu- sniiimengeschmolzeii. 136 Mann reisten ab oder traten in den Nachbarorlen in Arbeit. 21 Mann leisten den Fabrikanten Dienste. Zu Verhandlungen zeigen sich die Fabrikanten»och immer nicht be» reit, sondern sie beharren auf der bedingungslosen Aufnahme der Arbeit. Zuzug ist bisher»ur von 7 Mann zu verzeichnen. Auch hiervon haben nur 3 die Arbeit aufgenommen. Der Streik dauert iiun schon 4 Woche»; man wolle daher für kräftigste moralisch« wie finanzielle Unterstützung sorgen. Die Textilarbeiter in Krimmitschau i. S. haben erreicht� daß die Firmen B. H a a s e und A. K i r ch h ü b e l die Loh»r«duklio>, zurückgezogen haben. Dagegen dauern bei der Firma OSkar und Viktor S ch ö n f el d die Differenzen fort. I» Meerane in Sachsen streiken 190 Maurer. Ihr« Forderungeil sind: 10 stündige Arbeitszeit und 35 Pf. Stundenlohn. Der Streik ist allgemein, nur 11 Böhmen arbeiten weiter. Die Maler in Heilbronn legten die Arbeit nieder, da ihre Forderuiige» auf Ei»fi>hrulig einer zehnstündigen Arbeitszeit und Festsetzung eines Mindest- Elundenlohnes von 36 Ps. für Maler, die das 13. Lebensjahr zurückgelegt haben, nicht bewilligt worden sind. Die Metallarbeiter Stuttgarts beschlossen in einer von 45« Mann besuchten Versaininlung, sofort folgende Forderungen zu stellen: Neniistiiiidige Arbeitszeit mit 10 pCt. Lohnerhöhung für Zeit- und'Akkordlohn, 25 pCt. Zuschlag für Ueberzeitarbeit bis abends 8 Uhr, 50 pCt. Zuschlag für Nachtarbeit von abends 8 Uhr bis morgens 5 Uhr und iür Sountagsarbeit, 30 Ps. Minimallohn pro Stunde, U/ostündige Mittagspause. Ausland. AnS der Schweiz. Der schweizerische Maurer und H a n d l a n g e r b»» d. der 4000 Mitglieder zählt, erklärte aus seiner Delegirte»versa»»i»l»iig zn Bern den Anschluß an de» Gewerkschaflebtind.— Zum Bericht über die Delegiltenversanimlung der L i t h o g r a p h e» ist noch nachzulrage», daß beschlossen wurde, de» internalionnlen Lilhogravhenkongreß zu übernehmen, für ein- heilliche Durchführung des Neunnundentages zu wirken, sowie eine einheitliche schweizerische Lohiistatistik für die Lithographen auf» zunehmen. Der ArbeilSuachiveis des Verbandes bleibt wie bisher in Zürich._ MtttePnvhittev�Vevböinde. In Frankfurt a. M. beschloß die Generalversnmuiluug dentschcr Wollkämmer und Kammgarnspiuner einstimmig, di« bereits besuhenb« Velriebseiiisckränliing bis zum Schluß dieses Jahres beizubebalten. Die Theilnehmer an der Generalversammlung vertraten l1/* Millionen Spindel». Der Zeutralverband der Stickerei- Industrie in Sachse» hat auf einer Versaminlung zu Plaue» das Statut abgeändert, um in einer späteren Versaminlung seine Auflösung vornehmen zu können. VepeMett und letzte LlttcheUtzlen« Berlin, 28. April.(W. T. B.) Heut« ist im Auswärtigen Amt von dem Staatssekretär Freiherrn von Marschall und dem Generalkonsul des Oranje-Freistaats für die Niederlande Dr. Müller ein Freiindschasts- und Handelsvertrag zwischen dem Deulschen Reich und dem Oranje-Freistaat nnierzeichnet ivorden. Berlin, 28. April.(W. T. B.) Anf die Nachricht von der i» Athen herrschenden Äährnug hat der deutsche Kreuzer«Kaisen» Angnsta" Befehl erhalten, sirb vorübergehend»ach Phaleron zu be, geben. Die zur Bewachung der auf Kreta gehißlen deulschen Flagge erforderlich« Mannschasl bleibt inzwischen dort. Karlsruhe, 23. April.(W. T. B.) Amtlich wird bekannt ge« geben: Heute früh 8 Uhr entgleiste der Güterzug Nr. 678, der alJ Piobezug auf dem neu erbaute» zweiten Geleise der Strecke Karls» ruhe-Graban abgefertigt wurde, bei der Station Blankenloch. Die Ursache der Entgleisung ist noch nicht eriniltell. Ein Bremser ist gefährlich verletzt. Außer der Lokomotive sind noch 18 Wagen entgleist. London, 28. April.(W. T. B.) Nach einer Depesche deS Oberkommissars von Cypern an de» Staatssekretär der Kolonien Chamberlain fand am 21. d. M. abends in Fainagusta in der Nähe einer Kirche«ine Explosion stall; 30 Personen erlitte» Verletzungen, mehrere Türken seien verhaftet, die Untersuchung im Gange. Athen, 27. April.(Meldung der«Agence Havas".) Der Ausruf der Opposition übt auf alle Kreise der Bevölkerung eine be« ruhigende Wirkung aus; man ermahnt zur Ordnung und Ruhe. Heut« Abend wurde«in Miniiterralh abgehalten. Die Mitglieder der Opposition find bei Scanludies versammelt. Wenn ein neues Kabinet gebildet werden sollte, so werden wahrscheinlich all» oppositionellen Parteien darin vertreten sein. Verantwortlicher Redakteur: Hugo Pötzsch in Berlin. Für den Inseratenteil verantworttich: Th. Glocke in Berlin. Drucl und Verlag von Max Vuding w Berlin. Hierzu S Brilagen u. lluterhaltunssvtatt. Nr- W. a mm. i Stllllße des Jormiirtf Kerlilltt Wldsdlllt!. SMttfts.ss.Mi lss?. Vourlttttts�les. TaS Angebot des Fiskus, den Botanischen Garte» der Ct�dl Berlin zur Bebaninig zn überlasien,»vlirde a>n Montag in einer Kommisfionsflhiing des Magistrat eingehend berathen. Slm Freitag wird sich der Magistrats init den unbekannt gebliebenen Be- Ichlnssen der Kommission befassen und dann der Sladlverordneten- Le�saininlung einen Bericht zugehen lassen. TieMehrhcil der Kommission steht, wie milgelheill wird, aus dein Slaudpnnkt, daß auf grund der Berechnungen des Fiskns, der den Garten mit 16000000 M. belverlhet, Berhandlnngcn mit der Stadt wegen Uebernahme des Gartens aus- sichlslos sind. In juristische» Kreisen ist man der Ansicht, daß die Gemeinde Berlin genügende Machtmittel besitzt, um die Be- banung»nd die hohe Beiverlhung scheitern zu lassen. Weder zn einer Hergabe noch zu einer Bebauung der im Besitz der Stadt Berlin besindlichen Baumasle kann man den Magistrat»ach Gesetz und Recht zwingen. Die Feiisetznng von Baufluchtlinien kann nur mit Genehuiigung der Gemeinde- und Polizeibehörden erfolge» und im Slreilverfahren nur erzwungen werde», wenn öffentliche Ber- kehrsinleressen, Gesundhsitsverhältnisse, die allgemeine Sicherheit und die Fenersicherbelt dies ersordern. Auch der Anschluß an die städtische K-'nalffalion, die Herstellung der Be- und Entwässerung kann vom Magistrat verweigert werde», der sie andernfalls auch nur gegen angemessene Entschädigung bewilligt. Nach dem Stand der Dinge liegt aber ein öffentliches Interesse zur Bebauung des Gartens nicht vor, eher ist das Gegentheil der Fall. Das fiskalische Interesse an hoher Beiverlhung des Gartengritndstücks ist noch lange kein öffentliches Interesse. Außerdem werden, wie schon milgetheilt wurde, die sechs Schöneberger Vorbesitzer eines großen Tbeils des Gartens ihre Rechte wahrnehmen. Banspekulanten aber, die dem Fiskus das Gelände zn dem hohe» Preise abkaufen, werden sich kaum finden. Alle Bemühungen in dieser Hinsicht sind bis jetzt gescheitert. Die Anschauung, daß die Stadt Berlin nicht einen Pfennig sür den vom Fiskus geplanten Platz bewilligen und de» Staatsbehörden die alleinige Verantwortung für die Beseitigung des Botanischen Gartens überlasse» soll, bricht sich angeblich immer rnehr Bahn. Lokales. Ten Parteigeiiosse» der Schönhauser Vorstadt zur Nach- r icht, daß die seitens der Partei arrangirte Maifeier nur in folgenden Lokalen statlfindet: Puhlmanu's Vaudeville- Theater, Schönhauser Allee 148, und Berliner Praler, Kastanien-AUee 7/3, und nicht— wie man aus den den unsrigen täuschend ähnlich hergestellten Plakaten entnehmen könnte, im Lokale des Herrn Mierke, Schön- hauser Allee 102. Im letzteren Falle handelt es sich lediglich um ein Privatunternehme». Der Vertrauensmann. Ucber die Ernährung der Gefangenen sprachen Dr. Hirsch- selb und Leppmauu in der Deutschen Gesellschaft sür öffentliche Gesundheitspflege. Bei der Ernährung der Gefangenen hatte man bisher die Phoil'sche Norm innegehalten; diese bestimmt. daß ein kräftiger Mann täglich 118 Gramm Eiweiß, S6 Gramm Fette und SOO Granit» Kohlehydrale haben müsse. Sie ist an vielen illnftalten erprobt. Dr. Hirschseid untersuchte, um die Frag« genauer zu entscheiden, die Kost in der Slrasaustall Moabit. Sie besteht hier vorwiegend aus suppeuartigen Gerichten, deren Trockengehali 10— IS pCl. beträgt; außerdem giebt es SSO Gramm Brot und eine geringe Zukost von animalischen Nabrungsstoffen. Wenn man bei dem geringen Etat von SO Pf. pro Tag Fleisch geben wollte. ivürdeu es nur geringe Mengen sein; dennoch wurden Seefische und Käse gegeben. In der Kost fand man 90 Gramm Eiweiß, 20— SO Gramm Fett, 450— SSO Gramm Kohlehydrate, ist also in jeder Beziehung ungenügend. Allerdings wurden nur 70 Gramm Eiweiß reforbirt oder iveniger, wenn man das reine Eiweiß berück- sichtigt. Der Gewinn in dieser Beziehung gegenüber Berhällnissen vor 30 Jahren ist sehr gering. Dr. Leppmann weist auf den neuen Speise-Etal hin, der durch de» Vortragenden Rath in, Ministerium Krahne eingeführt ivorden ist, und zwar auf grund des Phoilscheu Nahruugsgesetzes. Die Koste» wurden nicht erhöht durch Zugabe von billigem animalischem Eiweiß und Felt. Nach diesem, 1887 eingeführten Etat ivnrden 110 Gramm Eiweiß, 49 Gramm Felt und SSO Gramm Kohlehydrate gegeben. Die Wirkung auf die Gesund- heit war überraschend: Ueberall gingen die Mortalilälsziffer» rapide herunter, obwohl die Influenza dazwischen kam. Tie Sladtvoglei halte aus SO 000 Gesangeuen 5 Todesfälle. Die Gefundheilsverbält- nisse sind dauernd gnle geblieben und die typischen Gefängniß- erkrankungen fast ganz weggesalle». Die Kost kann also ziveclmäßig genannt iverden, was besonders durch die Zugabe des Felles erreicht wird. Trotzdem ist die Kost noch verbesscrungsfähig. Sie ist berechnet aus Blittelgröße und mittlere Arbeitsleislung. Diesen Faktor kann man zweclmnßig verändern, jenen»ichl. Als Aus- gleichmiltel ist der Umstand anzusehe», daß Leute, die sich gut ZBtt etnrv Poloinift über das Marx-Buch von Dr. v. Wcnckstcrn zwingt unS die folgende Zuschrift: In der„Literarischen Riiiidschau" bei„Vorwärts* vom 10. d. M. hat C. 8. meine Schrift über Marx zusammen mit und im Gegensatz zn der Böhm- Bawerl'sche» Kritik des Marx'schen Systems be- sprachen. 1. C. 3. sagt, meine Schrift strotz« von„gehässigen und lächer. lichcn Aussällen gegen Marx"— die Eruslhafligkeit der Kritik Böhm Ba.verl's schließe dergleichen von vornherein aus. C. 8. führt aus, meine Kritik der Werthlehr« sei kleinlich, mißverständlich, Tüftelei; Böhm» Bawerl's Kritik decke die wirklichen Schwierigleiien der Werthlehre auf. 2. 0. 8. behauptet, ich hätte„unterstellt*, Marx Hab« die Unlernehinerlhätigkeit kunstvoll verstcckt, sie uuter den Tisch fallen lasse»: Marx habe sie aber als„qualisizirte Arbeit" gewerthet. 3. C. 8. beschuldigt mich, ich hätte in eine Ausführnng von Marx, mit wclcher er die Prondhon'sche Lohntheorie bekämpfte, „den Unsinn Hineininterpretirl", Marx habe hier die Lehre auf- gestellt, ein GebrauchSwerlh„werde als Maare an sich, als„Gegen- stand des Handels" ohne jede Beziehung zu einen» bestimmten Gebrauchszweck verkauf t, während Marx gerade a» dieser Stelle Proudhon mit dem Ginwurs necke, daß„da jede Waare nur zn irgend einem bestiniuile» Gebrauchszweck gekaust wird und niemals als Waare an sich", nach Prondhon's wunderlichen Begriffen übeihaiipt keine Waare» existiren." Marx habe also gelehrt: jede Waare inird nur zn irgend einem bestimmten Gebranchszwecke. niemals als Waare an sich gekauft— während ick Hineininterpretire:„Marx habe gelehrt, die Waare würde als Waare an sich, nicht zn irgend einem bestimmten Gebranchszwecke verkaust." 4. Endlich bezweifelt C. 8. die Ernsthaftigkeit meiner Kritik, weil ich den ersten Satz des Kapitals(der Reichthui» der Gesell- schaflcn, i» welchen kapitalistische P>odliktio»sweis« herrscht, erscheint als eine ungeheure Waarenansainnilung) mit dem Satze augefochle» habe,„daß ja auch innerhalb des Kapitalismus noch geivisse Produkte naturalwirihschastlich. also zu eigenem Bedarf— und nicht als „Waare" erzeugt werden. S. Besonders tadelt C. 8.»och, ich hätte dadurch, daß ich die „Arbeil" der Gesetzgebung als Theil der gesellschaftlich nothwendigen Arbeit erkläre, jede Vorstellung davon,„was der Begriff der gesell- schasllich nothwendigen Arbeit innerhalb der ökonomischen Theorie, d. h für die Eiklärnug der Tauschwerlhgröhen sei", absolut verloren. So viele Ausstellungen Herr 0.8. macht, so vieler Fehler niacht er sich schuldig. führen, sich wöchentlich sür 3S Pf. Zusatznahrung besorgen können. Das geschieht auch in ausreichendem Maße; besonders wird Fett und Brot gekauft. Da die letztere Miltheilung die ganze Beweisführung der ge- nannten Herren Über die Vorzüglichkeit der preußischen Gefängniß- nahrung über den Haufen wirft, so erübrigt sich ei» Eingehen auf die Verherrlichung. Wer trotzdem nicht von der oft geradezu sür das ganze Leben schädigenden Wirkung und der Gefängnißkost überzeugt ist, braucht sich nur einmal einen Preßsünder im Ge- fängniß oder in den ersten Tagen nach erfolgter Entlassung an- zusehen. Und diese Leute haben wenigstens vorher etwas„zuzusetzen" gehabt. Wie mögen die Folgen sein bei Personen, die vom Ge- fängniß wieder ins Elend der Freiheil hinabgestürzt werde»? Zur Stell», igölosigkeit unter den HandlungSgehilfc«. Bei der Stellenvermittlung des„Vereins junger Kauf- leute von Berlin" wurden im Jahre 1896 1311 ofsenc Stellen gemeldet. 39S Meldungen wurden jedoch vor ihrer Er- ledigung von den Austraggebern wegen anderweitiger Besedung oder anderer Dispositionen wieder zurückgezogen, sodaß sür den Verein nur 916 Stelle» übrig blieben. Von diesen konntcn nur 683 besetzt werden, während sür 233„geeignete Bewerber nicht vorhanden waren". Bewerber waren 1778 eingetragen. Da jedoch 42 ihre Papiere nicht einreichten und 63 in ihren alte» Stellungen bliebe» oder von der Bermitllung wegen ungünstiger Auskunft zurück- gewiesen wurden, so waren 1668 Bewerber unterzubringen. Von diesen waren bei der Eintragung in ungeknndigtcr Stellung 376(22'/s pCt.), in gekündigter SS8(33'/s pCt.), außer Stellung 734(44 pCt.). Ans diesen Zahlen geht aufs neue hervor, wie falsch die weil verbreitete Annahme ist, daß die meisten Bewerber sich»och in lingekündigter Stellung befinden und sich nur eventuell verändern wollen. Untergebracht wurde», wie oben ersichtlich, nur 683 Bewerber(41 pCl. der in betrachl kommenden), sodaß 985 (59 pCt.) sich erfolglos an den Verein gewandt hatte». Bedauerlich ist, daß der Vereinsbericht, dem wir diese Zahle» entnehme»,»icht auch angiebt, wie sich die untergebrachten auf die drei Gruppen der in»ingclündigter oder gekündigter Stellung oder außer Stellung befindlichen Bewerber veriheilte». Wahrscheinlich war das Ergebniß für die bereits stillungslosen Bewerber verhältnißmäßig noch u» günstiger als sür die beiden ersten Gruppen. Eine beschämende Vrrnrtheilnna des herrschenden Snb- missionSnuwescns ist wieder einmal von berufsgenossenschasllicher Seile erfolgt. In der Borstandssitzung der Tiesbnn-Bernssgenossen- schast, ivelche hierorts im Bureau, Kleiststr. II, stattgefunden hat, wurde die unerfrenliche Thalsache konslatirt, daß die Zahl der Unfälle von 4680 ans SOSO gestiegen ist, n»d wurde ferner festgestellt, daß ein großer Theil der die Genossenschaft besonders stark belastenden Vorkommnisse aus Unachtsamkeit und Leicht- sinn im Betriebe und aus ungenügender Beobachtung der Uniallverhütungs-Vorschriiten entstanden ist. Erklärt wird dies dadurch, daß in vielen Fällen die Unachtsamkeit dadurch bedingt wird, daß infolge unvernünftiger S u b m i s s i o n s b e d i n g» n g e n die Preise zu sehr gedrückt werden, so daß die Arbeiter zur Wahl der a l l e r b i l l i g st e n, wenn auch unrationellen Art des BodeulösenS gezwungen werden.— Was nutzen alle schöne» Unfavverbütungs- Vorschriften, wenn sie nicht beachtet werden können? Wann wird endlich mit diesem fluchwürdigen System ge krochen werden? Tie trostlose Lage der Unterbeamten wird durch folgende Vorkommnisse illustrirl: 1. Einige Tage vor den Osterfeiertagen standen einige Frauen vor dem Portal III des Moabiler Kriminal- gerichts. Eine derselben nagt eine Apfelsine und ließ die Schalen allem Brauch gemäß zu ihren Füßen auf die Fliesen des Trolloirs fallen. Passanten schoben später die Schalen bei feite, doch eine blieb liegen. Als drr HiljSgerichts- diener I. am Mittag mit einem großen Stoß Akten auf der Schuller die Straße betrat, gerielh er auf die liegengebliebene Apfel- sinenschale, sein Fuß glitt ans. er stürzte mit dem schweren Akten- stoß zu Bode» und verletzte sich den rechten Arm derartig, daß er millels Droschke nach seiner Wohnung befördert werden mußte. Der Arzt hat eine vielwöchentliche Arbeilsnusähigleit angekündigt. Der Mai n hat insolge eines Unfalles beim Militär den Zivilversorgungs- schein erhalle» und ist als Unlerbeamter beim Gericht eingetreten. Hier muß er etwa zehn Jahre als Hilssgerichtsdicuer fuugiren, bevor er fest angestellt wird. Bis dahin erhielt er wie jeder Hilssgerichls- diencr mouallich 68 M. und 75 Pf. Gehalt und jeder Tag, an welchem er fehlt, sei es insolge von Krankheit oder anderer Ber- Hinderung, wird ihm am Gehalte gekürzt. Kürz vor dem Fiste ist eine Sainnilinig sür de» Mann veranstaltet worden, an welcher sich Richter, Biirean- und Unlerbeamte betheiligle», um die Familie »ähreud des Osterfestes vor Hunger zu schützen.— 2. Am letzten Sonnabend starb plötzlich am Herzschlag der Gerichtsdicner M. unter Hinterlassung einer Frau n»t sechs Kindern. M. bat>5 Jahre beim Militär gedient, ist seit 7 Jahren beim Gericht, hat also 1. Die Böhm-Bawerk'sche Schrift(ein Beitrag zn einem Saninielwerke, das dem Heidelberger Nationalökonomen Knies gewidmet ist. Die Red.) besteht aiiS 118 Seiten— ans de» Seile» ILO. 144. 14S. 149, 152, 154, 155, 156, 157„ 158, 169, 160. 161. 162, 163, 164, 165, 167, 170, 171, 172, 173, 174, 176, 177, 178, 179, 182, 184, 185, 186,— also verhältnißmäßig ge- »ommen auf jeder vierten Seile— wirst Böhin-Bawerk in 63 prägnanten Ausdrücken Marx vor, nicht etwa, er habe wie jeder strebende Mensch geirrt, sondern: er habe absichllich vergessen; fei bewußt de» Thalsachen ausgewichen, bade, wo er erne weiße Kugel aus der Urne habe hervorziehen wolle», vorsichtigerweise vor- her nur weiße Kugeln i» sie hineingelhan; es habe niemals ein so denk- gewalliger Kops, wie Marx es war, eine so schrver, so konlinuirlich. so handgreiflich falsche Logik zum beste» gegeben; er Hab« wohl gewußt, gute, eisenfeste Logik zu machen, habe aber, um seine vorgefaßte Meinung beweisen zu können. keine gute Logik machen dürfen:c. Die gleichen Vorwürfe— 66 mal— erbebe ich i» meinem 250 Seiten starken Buche gegen Marx. In der Qnantiiät, im„Strotzen" ist nur Böbm-Bawerk über, i» der Onalilät sind diese unsere zahl- reichen Vorwürfe identisch. Ein Unlerichied besieht i» de», Schluß. den wir ausdiesenPräniiffenzicheii. Böhm Bawerk meint. Marx habe sich vielleicht von seinem Cnstem schließlich blende» lassen— ich schließe: er ist »»ehrlich gewesen. 0. 8. würde recht haben, diesen Schluß anzfl- greifen, von seine», Standpunkt ans: er irrt, wenn er meint, nur ich ethöbe zablreiche„gehässige und lächerliche Vorwürfe" gegen Marx. Böhm-Paweik erbebt die gleichen zahluichtn Vorwürfe, die bei wir zahlreich wiederkehren. 2. Marx hat die Uniernehmerihätigkeit nicht als qualisizirte Arbeit gewerlbet. Er macht einen qualitativen Unterschied zwischen der Arbeit der Fabrikau.len»nd des Alifsichisperfonals in den Fabriken und der Arbeit der wissenschastliche», technischen»nd der niedere geistige und Handarbeit leistende» eigentlichen Arbeiter— in allen entscheidenden Momente». Rur die letztere ist»ach Marx Arbeit, die Gebrauchswerlh und Taiischiverih schafft: die Arbeit jener ist eine solch« des Hetzers u n d Sl n s b e» t e r s. g. O. 8. interpretirt falsch. Mag er„Elend der Philosophie" Seile 32(2. Auflage, Stuttgart, Dich) nachlese»: Proudhon be- haiiptet. die Arbeil würde im Hinblick«ui die Wertke, ivelche man potenziell in ihr enthalten anniinmt gekauft»»d verkauft. Dagegen führt Marx aus, wie ich richtig zitirt habe: Wenn eine Sache Waare ist, ,io handelt es sich nicht mehr um de» Zweck, zu dem sie gekauft wird, das heißt um den Nutzen, den man aus ihr ziehen, den Gebrauch, den»na» von ihr inachen will. Sie ist Waare als Gegenstand deS Haiidels"— deren Werth gleich den in ihr steckenden Dinge» ist. 4. Letignet 0. 8., daß„in der heutigen kapitalistischen Pro- 22 Dienstjahre, war aber trotzdem noch nicht festangestellt,, daher auch nicht pensionsberechtigt. Die Frau erhielt daher weder Pension noch Erziehungsgelder.— 3. Der Kanzleigehilfe W liegt seit acht Woche» krank darnieder. Durch 13jährige aktive Dienstzeit beim Militär hat er sich den Zivilversorgungsschein erworben und hat sich daraus hin in die Listen sür etatsmäßige Kanzlisten eintragen lassen. Die Warlezeil ist lang, inzwischen muß sich der Bewerber mit Loh»schre>berei ernähren. Diese wird im Akkord abgelohnt. Wer nicht schreibt, kriegt nichts. W. hat seit acht Wochen noch keinen Pfennig verdienen können.— Das ist„Zivilversorgungs- berechtigung!" Der Verein deS MnseumS für deutsche Volkstrachten in Berlin klagt in seinem Jahresbericht: Neuerwerbungen irgend welcher Art blieben ausgeschlossen, denn unsere wenigen Baarmitlel reichten dazu nicht ans. manchem verlockenden Angebot, das uns gemacht wurde, und dessen Gegenstände eine werthvolle Bereicherung iiiiserer Sammlungen gewesen wären, näher zu treten. Wir ver- danken daher de» kleine» Zuwachs unserer Sammlungen aus« schließlich dem Interesse weniger Gönner. Der Mangel an Theil- »ahme für das Museum berühre um so schmerzlicher, als überall im Reiche ähnliche Uiilernehinunge» von dem größten Erfolge begleitet sind. Selbst das Spreewaldhaus in der Berliner Geiverbe-Aiisstellung war wohl im stände, eine vorübergehende Neugierde unzähliger Be- sncher zu befriedigen, dauernde Vortheile für das Museum hat eS jedoch nicht zur Folge gehabt. Ebenso ist auch der Besuch deS MuseumS kein erfreulicher zu nennen. Trotz alledem ist in dem konnnende» Jahre der Erwerb der sogenanklten Chikago- Sammlung geplant. Ta gegenwärtig die Alpenonlogen des Botanische« Gartens»» reichem Blumenflor prangen und auch das Kallhaus die Azalee», Rhododendren und Kainellien in schönster Entwickelung zeigt, werden auf Anordnung des Direktors diese Anlagen und Häuser Donnerstag 29. April, Montag 3. und Donnerstag 6. Mai, iiachmiltags von 4—7 Uhr, Sonntag 2. Mai, von 2—7 Uhr, für da? Publikum zugänglich sein. Auch wird das botanische Mufem». dessen Kolonialabtheiliing und technische Abiheilung neu geordnet sind, an denselben Tagen von 3—6 Uhr geöffnet werden. Die elektrische Straßenbahn nach dem Treptower Park ist»in ca. 200 Meter verlängert worden. Vom gestrigen Tage ab iverden die Wagen der elektrischen Straßenbahnlinie Zoologischer Garten resp. Tönhoffsplatz— Schlesisches Thor i» de» Treptower Park hiiiein durchgeführt. Ter achte Vcrbaudstag deutscher Loh»fuhr-Nilter»eh»icr findet a»i 21—24. Juli er. in Berlin(im Elablissemeiit„Friedrichs- Hain") statt und wird verbunden mit einer Ausstellung von silhr- und verkehrsgewerdlicheii Gegenständen aller Art:c. Eine mit 600 Unterschriften versehene Eingabe au den Minister des Juncr»»st dieser Tage von Bewohnern des»örd- lichen Stadlgebiels von Berlin und der Gemeinde Reinickendors abgegangen, m» die feit länger als eiiieni Jahrzehnt erstrebte Be, seüigling oder Verlegung der fiskalischen Zlvbcckerei herbeizusiihre». Ans drei Kilometer im Umkreise verbreitet, wie in der Eingabe aus- geführt wird, das Fetlausbrate» ans der Abdeckerei einen derartig »»erträglichen, widerliche», ekelerregenden Gestank, daß vorüber- gehende Personen schon von Uebclkeite», Erbrechen und Ohnmächten befallen wurde» und iiianche schiver erkrankte»; da dieser Uebelstand »nd manche andere den Bestimmungen der Gesundheilspolizei zu- widerlansen, wird der Miiiiller gebeten, die Beseitigung der Ab- dcckerei so schleunig wie möglich anordnen zu wollen, damit die benachbarte» Einwohner im wahre» Sinne des Wortes wieder auf- alhme» können. Im Passagc-Panoptiknm bleiben die Samoanerinnen»och 14 Tage. Da»» wird eine afrikanische Wüstenkarawaiie eintreffen. Ucber daö schwere Bauunglnck auf dem Heckinanu'schen Fabrillerrain in der Schlesischcn Siraße wird berichtet: Die aus- gedehnten Ländereie» des Fabriletablissements sind nach Verlegung der Walzwerke»ach denr Rhein parzelliit und zur Bebauung ver- taust ivorden. Gegenivärlig werde» die aus dem Terrain noch vor- handene» Fabrikgebäude niedergelegt; der Abriß eines großen massiven Kohlenschnppens, welcher i»il der Front nach der Cuvrystraße zn fland, wurde von dem Archilekte» Redanz, Liegnitzerstr. 17, geleitet. Der Bau ist, wie gesagt, massiv, das Pappdach wurde durch eisern? Träger gehalten, welche wiederum durch Eisenpfeiler gestützt waren. Die Arbeiter waren zur Zeit damit beschäftigt, die Eiseiikonstruktionen abziilrageu und halte» bereits die mit den Pfeilern vernieteten Träger theils enlserut, lheils gelockert. Gestern Nachmittag gegen 4 Uhr, als bereits der größte Theil der Arbeiter die Vesperpause angetreten, stürzte» plötzlich sechs der schweren Träger a»? der Höhe herab»nd trafen den unten stehende» Architekten Redanz, de» Schiffseigner Netzbrand aus Bredereiche, welcher dilktionsweise", wie ich geschrieben habe(»icht: im Kapitalismus!) für den eigenen Bedarf prodnzirt wird? Ich will den ersten Satz des Kapitals keineswegs ansechlen,— ich koustatire nur, daß er heute noch»ichl gilt, verwende diese Beinerkiing, eine ganz ge- legeiuliche, übrigens nirgends wieder in meinem ganzen Werk als Waffe gegen die Lehre von Marx. S. 0. 8. möge de» I. Band des Kapitals(4. Auflage) Seite 26/27 ausschlagen. Er wird finden, daß Marx seine Arbeilswerthlehr« erst sür bildbar hielt, wenn die„freie Arbeit"(im Gegensatz zur Sklavenarbeit) etablirl ivorden ist. Der Znstand von Sitte und Reckt gehört mit zu den Elemente», ivelche die.durchschnittliche» Prodnllionsbcdingnngen" jeder Geschichtsepoche herstellen. Lelignet 0. 8.. daß die„durchschnittlichen Produktioiisbedlngunge»", welche die jedesmalige gescllschnslliche Arbeil bestimme». und damit dies« letzter« selbst, durchaus anders sind in einer WirlhschastS- prgauisatiou, in welcher das laisser fair», laisoer pahuer gilt, al? ,n einer solche», in ivelcher die Gesetzgebung Grenze» für die Anwendung der Arbeitskraft und Borkehrungen für den Schutz des Ar- beiters erzwingt? Ich darf noch einmal aus Punkt 1 zurückkonimen. Böhm-Brnveri beweist genau in derselben Weise ivie ich, daß Marx, um mir Böhiii-Baiverk's Worten zu sprechen, nur»Uttels„der schwerste» logische» Fehler" den„Gebranchswerth" aus der Be- stimniung des Werths hinausgedrängt habe. Dieser Beweis bildet den Kern der Böhm-Bawerk'sche» Kritik, wie de» Kern meiner Kritik. Wo ist das Kriterium, an welchem 0. 8. mißt, wen» er trotzdem meine Kritik kleinlich, inißverständlich, eiu« Tüftelei nennt? Ich bitte Ei« um Abdruck dieser Ertlärung und bin in ausgezeich, neter Hochachtung Ihr Dr. A. von Wenckstern, Privaldozent a» der Universität Berlin. Antwort. Die Entgegnung Wenckftern's ans meine kritische Besprechung seines Buches spiegelt, wie mir scheint, die seiuem Buche cigenthüm- liche Verworrenheit getreulich wieder. Punkt fiir Punkt ließe sich das in seiner Antwort aussühilich nachiveisen. Hier nur das aller« »öthigste:, 1. Herr v. Wenckstern ist chvkirt darüber, daß ich in seiner Schrift„lächerliche und gehässige Ausfälle" gegen Marx gefunden. in der Böhm-Baiverl'schen Kritik dagegen nicht. Ein kleiner Unterschied" bestehe ja allerdings in der Art der Borwürse/ deiiil er(Wenckstern) schließe:„Marx ist unehrlich gewefen"» Böhm- Bawerk«ber hiiie sich ivvhl, diese» Vorivnrf so zu erheben. Meinen, Gegner scheint der Sinn für die Bedeutung diese? Unterschiedes völlig abzugehen, de»» in demselben Athemznge, in dem tr ihn erwähnt, leugnet»r ihn auch wieder:„Böhl»- Bawert ß»m Zwecke der Verladung von AbbruchSutensilien in dem Gebäude weilte, ferner den Arbeiter Preuß, sowie einen Schiffs- arbeiter. Dem öSjährigen Architekten wurde durch die schwere Eisenlaft der Kopf zerschmettert; der Unglückliche war auf der Stelle todl. Netzbrand wurden die Knochen des rechten Unterarmes total zersplittert; er mußte nach dem Krankenhaus« Bethanien gebracht werden. Sein Zustand ist zwar nicht hoffnungslos, doch dürfte er dauernd ein Krüppel bleiben. Die beiden Arbeiter erlitten glück- licherweise nur leichte Verletzungen und konnten sich, nachdem sie Nothverband erhallen halten, nach ihren Wohnungen begeben. Di« Polizei hat den Weiterabriß des Gebäudes inhibirt, bis der That- bestand durch die Staatsanwaltschaft festgestellt worden ist. Allen» Anschein nach ist das Unglück dadurch entstanden, daß ein Strebe- Pfeiler, durch welchen die I'-Träger verbunden wurden, bereits ent- fernt worden»vor. DaS„Adreßbuch für Berlin und seine Bororte" läßt von heute ab seinen Nachtrag zum Jahrgangs 1897 z»lr Ausgabe ge- langen. Der Nachtrag steckt sich das Ziel, dem Adreßbuch die Zu- verlässigkeit bis zur Herausgabe des nächste» Jahrganges zu sichern, indem er die seit Erscheinen der Hnuptausgabe eingetretenen Ber- änderunge», insbesondere auch die Aprilunizüge, berücksichtigt. Das Buch wird allen Besitzern des Jahrgangs 1897 in der Haupt- Expedition des„Berliner Lokal-Anzeiger", 8W., Zimmerstr. 40/41, und in dessen lämmtlichen Filial- Expeditionen unentgeltlich ver- abfolgt. Wegen Nmpflasternng wird die GchillingSbrücke vom 2. fflia» ab für Fuhrwerkverlehr in der Richtung von Norden nach Süden gesperrt. Nadfahrer-Unfiille haben sich in den letzten Tagen wieder außerordentlich gehäuft. Auch vorgestern kam»nieder ein Radfahrer durch eigene Unvorsichtigkeit erheblich zu schaden; derselbe fuhr auf seuier Maschine durch die Neue Königftraße und jagte hier infolge einer ungeschickten Wendung in eine Droschke hinein. Der Rad- fahrer fiel mit dem Kopf in die Thürscheibe der Droschke und erlitt erhebliche Schnitlivunde» im Gesicht, so daß er die Hilfe der Unfall- station in Anspruch nehmen mußte. Das Rad wurde natürlich total zertrümmert. Fahrräder haben sich neuerdings auch im Diensie der Feuer- wehr bewährt; der Brandmeister eilt auf seinem Rade dem Lösch- zuge voraus, um die Beivohner des brennenden Hauses zu benach- richtigen und anzuleiten. Auch ist er bei»» Eintreffen des Zuges über die nothivendigen Maßnahmen schon orientirt. Sorge um die Zukunft hat die SS Jahre alte Postschaffners- Wittive Therese Zacharias zu einem Selbstmordversuch veranlaßt. Frau Z., die früher von ihrer Wohnung in der Albrechtstraße 11 an eine Tänzerin vom Zirkus Renz und andere abvermiethct hatte, hat augenblicklich keine Einnahmen ans ihren Räumen. Das scheint der Frau Selbstinordgedanlen eingegeben zu haben. Am Mittwoch gegen Mittag verließ sie in einem seidenen Kleide ihre Häuslichkeit und stürzte sich bald darauf an der Straße An der Schleuse in den Kanal. Sie wurde gerettet und von einem Schutzmann in ein Krankenhaus gebracht. Der seit 14 Tage» als vermißt gemeldete Arbeiter Stenzel aus der Kautstraße ist gestern als Leiche oberhalb des Eierhäuscheus in der Spree gelandet worden. Werlhsnchen und Geld wurden bei dem Tobten nicht vorgefunden. Ueberfahreu ivnrde von der elektrischen Bahn am Mittwoch Nachmittag ein Knabe von ungefähr 13 Jahren. Der Unfall ereignete sich am Kollbuser-Ufer zivischen Mauleuff-Istraße und Kotlbnser Brücke. Der Train überraschte den auf den» Fahrdamm stehenden Knaben so, daß ein Ausweichen unmöglich war. Der Verunglückte trug schwere Verletzungen davon. Ei» dnrchgegaugcucs Liebespaar wird aus Leipzig hierher signahsirt. Es handelt sich um einen 29 Jahre allen, ans Stuttgart gebürtigen lltedakleur Otto Sonne und die um z»völf Jahre ältere Frau des Opernsängers de Grach, Anne Marie mit Vornamen. Man hat nach alle»» Richtungen Nachricht gegeben, die Ermittelungen sind aber bisher erfolglos geblieben. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die Verlieble» gemeinsain in den Tod gegangen sind. Durchgebrannt ist die 24 jährige Ehansonnette Louise R. unter Mitnahme zahlreicher, ihrem„Verhältniß". den» Privaibeamten Franz H., gehöriger Werlhgegenstäude. H., der mit der Sängerin in ge- meinschaftlichem Haushalt lebte,>var zu Ostern zum Besuch seiner Ellern in die Heimalh gereist und hatte seine Sachen der Obhut seiner Geliebten anvertraut. Als er jedoch wiederkehrte, war die R. verschivunden, die Habseligkeiten ihres Anbeters hatte sie vorsorglich niitgenommen. Die Durchgängerin soll sich»ach Ainsterdain gewandt habe». Der vertrauensselige Privatbeamte ist von seiner „Chansonneltenliebe" gründlich kurirt. Mit einer großen Wunde an der Stirn über dem rechten Auge ist an» Dienstag Abend gegen 7 Uhr im Hafen der Nord- deutschen Lagerhaus-Akiiengesellschaft am Norduser die Leiche eines Mannes gefunden»vorden, der nach Papiere» der 48 jährige Ar- erhebt die gleichen zahlreichen Vorivürfe, die bei mir»viederkehren." Zur Charakteristik der von»»ir als„lächerlich und gehässig" be- zeichneten Manier seien statt jeder»veileren Erörlerting hier nur zivei Stellen aus der Wenckstern'scheu Schrift.a»genagelt:„Marx begeht eine bewußte Täuschung, wenn er sagt,, daß Aristoteles die Analyse der Werlhform aufgegeben hat."/... Und dann noch eine Stelle aus dem zivelten Theile, wo die Marx'sche Geschichtstheorie ganz in, Borbeigehen ein»venig als Plagiat ver- dächtigt wird:„Marx lebte eine ganze Reche von Jahren... in Paris, kurze Zeit, nachdem Le Chevalier dort eine hervor- r a g e» d e R o I l e in der Entrvickelung der Lehre Fourier's ge- spielt hat... scheint es billig zu sein, die Frage zn erivägen, ob nicht Marx sich Le Chavalier gegenüber in der Rolle befunden hat, welche er Pro»ldho» gegenüber einer Reche französischer »nd englischer Schriftsteller aiiweist, sie ignorirt, oder gar, ohne sie zu«rrvähnen, stark benutzt zu habe n." Böhm- Baiverk bleibt dagegen in de» sachlich begründete» Grenzen der Polemik.„Ich ziveifle gar nicht, erNärl er ausdrücklich, daß Marx von seiner These(des Werth- gesetzes) wirklich und ehrlich überzeugt war". Soviel, um de» t l e i n e n, von mir hervorgehobenen Unterschied im Tone der Polemik zu illustriren. 2. Ich habe nicht behauptet, daß Marx die Arbeit de» Kapitalisten als qualifizirte Arbeit geiverthet habe(obgleich sich eine solche Behauptung sehr wohl rechtsertigen ließe), fondern ich habe nur Wenckftern's Schrift gegenüber darauf hingeiviese», daß die Weithmig der Kapitalistenarbeit als einer qualifizirte» die Geltung der Marx'fchen Werthlheorie in keiner Weise umstößt. Warum geht Herr v. Weukstern an diesem, dem eigentlichen Pnnkte der Polemik vorüber? 3. Wenckstern»viederholt hier da? Zitat, durch welches er,»vie ich in meiner Kritik schrieb, in Marx den Unsinn hiileiiiinterprelirei» will, ein Gebrauchswerth»verde als Waare an sich, als Gegenstand des Handels, ohne jede Beziehung zu einem bestiiumte» Gebrauchszweck verkauft. Aber erbricht merkivürdiger- weise das Zitat gerade an der kritischen Stelle ab. Es heißt nämlich»veiter:„Alle Klügeleien des Herrn Proudbon beschränken sich auf folgendes: Man ka»lst die Arbeit nicht als Objekt unnrittel- barer Konsumirung. Nein, ma» kauft sie als Pro- duklions mittel,»vie man eine Maschine kaust. Solauge die Arbeit Waare ist, hat sie Werth, aber produzirt nicht." Wo bleibt da der von Wenckstern hiueininlerpretirte Widersinn? Die. tzsersten von Wenckstern zitirte» Sätze bereiien»»»r diese Schlußfolgerung vor, daß die Waare Arbeit(Arbeitskrafl) zu dem ihr als„Gegenstand des Handels" inneivohneude» Tauschwerth»vie jede andere Waare verlaust»vird. Von dem Widersinn, daß Maaren, die doch als Gebraucksiverthe produzirt sind, ohne jede Beziehung zu einem bestimmte» GebrauchSziveck verkauft werden, beiter Sottfried Schlietsch zu fein scheint. Ob ein verbrechen vorliegt, oder ob Sch. durch Selbstmord oder Unfoll in dem kleinen Wasser geendet hat, bedarf noch der tlntwfuchung. Unglücksfälle im Straßenverkehr. Auf dem Mühkenbamm erlitt vorgestern vormittags die Wittwe Akbertme Faust sdadnrch em« erhebliche Verletzung ain rechten Auge, daß sie beim Ausweichen vor einem GefchAftswagen gegen eine vorüberkonnnend« Anzeigerdroschke lief und dabei hinfiel. Sie w>»rde nach dem Krankenhaus« am ?riedrichShain gebracht.— An der Ecke der Straße Unter den »nden und der Friedrichstraße gerieth nachmittags die IKjährige Tochter des Ingenieurs Möhring auS Pankow unter die Räder eines Personeuivageus und erlitt anscheinend innere Bev letzunge».— Gegen 3>/i Uhr fiel der Kohlenträger Wilhelm Munzel gegenüber dein Hanse Elisabethufer 34 von dem Ufergeländer, auf »velches er sich gesetzt hatte und eingeschlafen»var, in den Luisen- städtischen Kanal. Er ivnrde, ohne Schaden genommen zu habe», von dem erivachsenen Sohne des Obsthändlers Seidensäniur von einen» Handkahn aus an das Ufer geschafft.— Gestern Nachmittag gegen 8 Uhr»»»urde der Arbeiter Ferdinand Siebert vor dem Hanse Sivine»»iinderstr. 1 von einem mit einem Pferde bespannten Privat- fuhrwerk überfahren und erlitt au der linken Kopfseite eine etiva 4 Zentiineter lauge Wunde. Der Führer des Fnhriverks, dem ziveiselloZ die Schuld au dem Unfall z»»zuschreibei» ist. entzog sich seiner Feststellung durch die Flucht. Der Verletzt« erhielt aus der Unfallstation II in der Schönhauser Allee einen Verband und»vurde dann in seine Wod- »»»»ig in der Griebenoivstraße geschafft.— Abends wurde vor den» Hotel Kaiserhof die fünfjährige Tochter des Arbeilers Tante» dnrch eine Droschke überfahren und au» linken Fuß erheblich verletzt.— Vor dem Hause Linieustr. 230 ivnrde abends die verehelichte Therese Quedenseld geb. Steiuick durch einen Radfahrer überfahre» und trug einen doppelten Bruch des linken Borderarmes davon. Die Schuld an dem Unfälle soll dem Radfahrer treffen,»veil er angeblich über- mäßig schnell gefahren ist und keine Warnungszeichen gegeben hat. Theater. DaS Schiller-Theater bringt am nächsten Sonntag Abend ein« Aufführung von Kleift's Lustspiel„Der zerbrochene Krug" in Verbindung mit Shakespeare's„Die Komödie der Irrungen". In der Sonntag Nachmittag stattfindenden Aufführung geht Aiizeiigrubn's Volksftück„Der Pfarrer von Kirch- feld" in Szene. Heule flndet eine Wiederholnng von Skoivronnek's Lustspiel„Eine Palastrevolution" statt. Aus de» Nachbarorte». Eine sonderbare Widuinng hat man in Groß- Lichterfelde entdeckt. An einen» Baume hing d«e Photographie eines Mannes mit folgender Aufschrift:„Aus Freude das ich mich vor S. Jahre hier »icht Erhängt habe, wittme ich diesen Baum ,m«in Bild zum Andenken Berlin im Jahre 1392»md 1897." Ein Verbot der Beschäftigung von schulpflichtigen Kindern mit Kegelaufsetzen oder ini: sonstigen Verrichtungen in Gaftivirthschafte» in der Zeit von 7 Uhr morgens bis 7 Uhr abends hat»»ter Androhung einer Strafe bis zu 9 M. der Amtsvorfteher von Spandau-Laud erlassen. Di« Verordnung tritt am 1. Mai in kraft.— Da werden dieKegeljungen hall erst von 7 Uhr abends an in Aktion treten. Auch eine Sozialrefori»! Der Uhrmacher Scholz in Schöneberg, der nach Meldung einer Lokalkorrespondenz tnfotge der von seiner Ehefrau erlittene»» Verletzungen durch Messerstiche in der Charit«« gestorben sein sollte, ist,»vie wir erfahren, noch am Leben und auch keineswegs gefährlich veuvundet. Er»vird nach Leistung der nothivendigen ärztlichen Hilfe nach viertägiger Behandlilng voraussichtlich noch heute aus dem Krankenhaus« entlassen werden können. Gevictzks-Rettung. Zu einer Art VertheidiaungSrede für den Angeklagten ge- staltete sich da? Plädoyer des SlaatSanwalts in einer Verhandlung, »velche gestern vor der 130. Ablheilnng des Schöffengerichts stall- fand. Der Angeschuldigte, Kaufmann Braun, hatte sich der Be leidignng offen schuldig bekannt. Seine Tochter hatte für die Firm Boroschek u. Wagner Handarbeiten geliefert, war»»il ihren Austra gebern in Differenzen gerathen»nd»vollte das Verhältniß löfl Nun fei der Inhaber der Firma, Kaufmann Boroschek, plötzlich mit der Bezichtigung hervorgetreten, daß die Tochter des Angeklagten Uiiterschlagungen an dem ihr anvcr- trauten Material begangen babe. Eines Morgens sei ei» Kriminalbeamter erschiene», um Haussuchung abzuhalten und bald darauf habe sich auch Boroschek eingestellt. Natürlich sei die Hans- suchniig ergebuißlos verlaufen, eine Anklage gegen die Beschuldigte sei überhaupt»icht erhoben»vorden. Er, der Angeklagte, babe annehmen müssen, daß Boroschek seine Tochter durch den schimpflichen Verdacht nur habe kränken»vollen und in der Erregung hierüber habe er denselben mit einem Schimpfnwrl belegt llnd ihn nach Beendigung der Haussuchung auch nicht die Bordertreppe benutzen lassen, sondern die Hintertreppe hinabgeführt. Die Darstellung des Angeklagten ist hier gar keine Rede. Der Gebrauchszweck der Waare Arbeit ist eS ja eben, als„Produktionsmittel" zu dienen,»vie Marx ausdrück- lich bervorhedt. Der Widersinn, de» Wenckstern in Marx hiiieininterpretirt. kommt also ganz und gar auf Wenckftern's eigenes Konto. 4. Daß heutzutage vielfach noch naturalwirthschaftlich produzirt »vird, weiß jedes Kind. Das Originelle, was ich ,»it vollem Recht als charakteristisch« Probe einer ziellos»örgelndei» Kritik hervor- gehoben,»var der grandiose Eiuivurf Wenrkstern's, die Marx'sche Analyse des kapitalistischen Produktionsprozesses leide daran. daß sie eben nur eine solche Analyse, und nicht zugleich auch Darstellung der heutigen Naturnlivirthschast sei. Das „Gelegentliche" ist manchnial noch charakteristischer als das breit Ansgesponnene. S. Zn den„Elementen, welche die durchschnittlichen Be- dingunge» jeder ProduktionSepoch« herstelle»", gehört natürlich auch der„Znstand von Sitte und Recht". Herr Wenckstern hätte sich sei»»« rhetorische Frage ersparen können. Denn»vas ich an- ziveifelte,»var nicht etiva der einfache Latz, daß durch staatlicbe Gesetzgebung diejProdnktio»sbedi»gu»gen und dan»il eveittmll auch die zur Produktion geiviffer Waaren geseltschastlich nothiveiidig« Arbeits- zeit verändert»verde» könne, sondern das ganz begriffslose Postulat, daß„diese(Gesetzgeb ungs-) Arbeit bei dem Begriff der gesellschaftlich»otdwendigen Arbeit als ein Theil der» selbe,»(!)»»itberücksichiigt werde» muß". Warum solche Ber- »vechselmige»»? Den Schluß macht die Behauptung:„Böhm-Bawerk beweist genau in derselben Weise»vie ich. daß Marx u. s. w." Wem» Herr Wenckfter» damit sagen will, daß sein« Idee des„ab- strakten Gebrauchsiverthes". deren U>»znläuglichkeit in der Kritik näher beleuchtet ivnrde, der Sache nach auch i» de» polemische» Anssührnngen Böhm- Bawerl's enthalten ist, ließe sich darüber »vohl reden. Noch mehr! Dies« Idee ist der Sache nach, wie Wenckstern hätte hinzufügen können, bereits in der 12 Ja h re vor der Wenck- stjei»'scheu Schrift erschienenen„Geschichte»>Hi> Kritik der Kapitalzinstheorie" jenes Autors eulhallen. Aber»venu sie auch in dem Gedankengange der neuen Böhm-Baivert'schen Polemik wiederkehrt, so bildet sie doch,»vie»»an gerechteriveise anerkenn«»» muß, durchaus nicht das Charakleristikum, den„Kern" derselben. Was ich als diesen Kern betrachte und damit das Kriterinm. an welchem ick den großen Vorzug der Böhm-Baiverk'schen gegenüber der We»M«ru'schen Kritik abgeschätzt habe. ist. ohne daß ich es hier»viederholeu müßt«, für jeden Leser deutlich genug in»neiner Kritik ausgesprochen. Ich kann mit einer leichte» Aenderuiig von Wenkftern's eigenen Worten schließen:„So viele Ausstell,»ige» Herr v. Wenkstern macht, so vieler Fehler macht er sich schuldig." C. S. nrntde durch die BeweKaufnahme bestätigt. De,©taatf«nnxrft hielt die Erregung d«S Augeklagten für«klärlich und ebenso, daß derselbe sich zu einem beleidigende»» Ausdruck habe hinreißen laffen. Eine Bestrafung müsse allerdings erfolgen, aber er hakte ein« Geldstrafe von 6 M. für eine ausreichende Sühne. Der Bertheidiger, Rechts- anivalt Dr. Löiveustei», schloß sich diese« Antrag« an und der Ge» richtshof erkannte dementsprechend. Unter welchen Umständen der Z-rus„Karl" zn einer Be- leidig»»� werden kann, hatte gestern die V. Straskaminer des Land- gerichls I als Berufungsinstanz zu prüfen. Der Droschkenkutscher Silber»var von den» Schlitz», an» Karl Wille mehrere Male»nit einer Strafanzeige bedacht»vorden. Als der Schutzmann eines Tages an einem Droschken Halteplatz vorbeikam, aus ivelchein Silber hielt,»vill er wahrgenommen habe», daß dieser ihn wiedeicholt mit seinem Bornamen Karl anrief und dabei höhnische Geberden machte. Er stellte des- halb den Strasantrag und Silber wurde auch vom Schöffengericht zn 6 M. Geldstrafe verurtheilt. Die ö. Strafkammer hat ihn gestern auf Antrag des R-chtsanwalls Leonhard Friedmann freigesprochen. An stch nahm der Gericktshof an, daß in einem solchen Rufen mit dem Borna»»»«»» unter Hinzufügnng höhnischer Geberden«ine Be- leidignng liege»»vürde; anf grund der Aussagen der vernommenen Augen- und Ohrenzengei» hielt er es aber nicht für eriviesen, daß jener Zuruf dem Schntznian,» gegollen habe. DaS Gebiet der Hefefabrikatlon berührte eine Privatklage, die gestern vor den» biesigen Schöffengericht verhandelt ivnrde. Privat- lläger war der Inhaber der Hefefabrikalions-Firma Peters in Hamburg, Beklagter der Redakteur der Fachzeitschrift„Alkohol" M. Sl eng lein. Letzterer hatte in seiner Zeitung einen Artikel veröffentlicht, der angeblich von einem Bäckermeister herrührte und Mißstände auf dem Gebiete der Hefesadrikalio» ausdeckte. Es »vurde darauf hingeiviese», daß vielfach ein unlauterer Wetibewerv sich breit mache, indem einzelne Fabriken die werthvolle Getreidehefe mit der weniger iveridvolle» Bierhefe verschnitte» und, ohne von dieser Bermischung dem Konsumenten Kenntniß zu geben, als reine Getreideheie verkauft«». Ter Artikel machte die Abnehmer darauf anstnerksam, daß alles, was unter dem Name»„Viktoria-",„Herkules-",„Kaiier-Hese" u. dergl. auf den Markt komme, solche Zusätze von Melasse-Hese enthielte. Die Firma Peters, die zivei dieser Marken führt, suhlt« sich hier- durch beleidigt, da auf ihre Fabrikate diese Behauptung»icht zu- treffe. Die Verbandluug endete mit der Freisprechung des An- geklagte». Der Gerichtshof billigte ihm den Schutz des§ 193 zu und hielt auch eine beleidigende Absicht»icht für nachgenuesen, da der Beklagte den Kläger als de» Fabrik.,,» len der erwähnten Marken. »icht gekannt und auch keine» Namen genannt hatte. Die Affäre Wilh. Tappert kontra Kerr kommt, wie uns berichtet»vird, nur in langsamen» Tempo vorivärts. Der Vertreter Kerr's, Rechtsanwalt Paul Jonas, hatte vor drei Wochen Herrn Tappert aufgefordert, binnen drei Tagen die Ladung vor den Schiedsmann zu beivirken,»vidrigenfalls gegen»h» nxgen der Herrn Kerr zugefügten Beleidigting vorgegangen werden würde. Am 3. April antwortete Rechtsanwalt Töffling i»n Auftrag« des Herrn Tappert, daß Herr Dr. Kerr nicht lange anf die Ladung vor den Schiedsmann»verde zu»varteu brauche»,„falls die königl. Staats- ainvaltschaft nicht von Amts»vegen Anklage erhebt." Infolge dessen beantragte Rechtsanivalt Jonas am 12. April, für den Fall, daß auf Tappert's Antrag öffeutliche Klage erhoben werde» sollte, »vegen der dem Dr. Kerr zugefügte» Beleidigung gleichfalls von Amts»vegen einzuschreiten. Nun»vurde aber seiiens des Herrn Tappert kein Strafantrag bei der Staatsanwaltschaft gestellt, Dr. Kerr wurde vielmehr am 14. April vor de» zuständige» Schiedsmann für de» iL. April, nachmittags 2 Uhr geladen. Herr Kerr entschuldigte sein Ausbleiben mit der Begründung, daß es ihm anf die sachliche Anstragung des Streites ankomme. Da nun bis jetzt eine Privatklage beim königlichen Amts- gericht nicht eingereicht ist, will nun Dr. Kerr seinerseits mit einer solchen vorgehen. Immerhin»vird iioch einige Zeit vergehen, ehe der Fall vor Gericht zum Austrag gebracht »vg&en kann. Tie Heldcnthat eines Edelsten nnd Besten. Eine empörende rutaliiät führte heule den Bolonlair Marliii v. Weiher unter der Anklage der Körperverletzung vor die dritte Strafkammer am Landgericht II. Angeklagter erlernt auf dem Rittergnte Friedrichs- f e l d e die Landwirthschaft. An einem Tage im August v. I. fuhr der Administrator Haß zwecks einer Besichtigung»ach den Feldern hinaus und nahm den Volontair mit. Unterwegs bemerkten beide,; daß der zehnjährige Soh» des Tagelöhners Schulze a»»f einer zum Gute gehörige» Wiese Gras pstückte.„Den Junge» möchten wir uns'mal einsangen!" meinte der Administrator nnd der Volontär rief:„Das wollen»vir gleich besorge»!" sprang vom Wagen und holte den Jimgen ein. Er schlug denselben zunächst rnil einem Krückstock über das Kreuz, dann zwang er denselben, das ab- gepflückte Gras aufzunehinen und stieß nun den kleinen Jungen fortgesetzt mit den Knien, bis der an der Straße hallende Wagen erreicht war. Hier nahm man dem Kinde die paar Handvoll Gras ab lind ließ da»» den Kleinen, der s i ch iv e g e» h er erduldeten Mißhandlungen nicht n» ehr von der Stelle be- ivegen konnte, auf der Straße liegen. Nun lag das Kind wimmernd»nd jammernd mehrere Stunden laug, bis ihn abeiids um sieben von derArbeilheimkekrendeFranen fanden und nach der elter- lichen Wohnung brachten, Ivo der Knabe mehrere Tage das Bett hiiten milßte. Das Schöffengericht halte diese Brntalilät nur mit fünf Mark Geldstrafe geahndet,»veshalb die Staatsanwaltschaft die Beriifiiiigsinslaiiz angerufen hatte. Halte der Augeklagte schon vor dein Schöffengericht erklärt:„Ich dm anö solchem Stande, daß ich wegen einer solchen Kleinigkeit »icht leugnen würde, wenn ich cS gechan hätte!", so setzte er sein Leugnen auch vor der Strafkammer fort. Verschiedene Frauen aver, die auf dem Felde arbeilend, den Bor- fall mit angesehen hatten, bekundeten die von ihnen beobachteten, vom Angeklagten bestrittenen Mißhandtungen mit vollster Bestimmt- heit, nur der Administrator Haß, der an der Sache nicht ganz uninterefsirt war, wollte von den Schläge» nichts gesehen haben. Zivischen ihm nnd deinBorsitzenden, Landgerichts- direktor H e l l w i g, eiilspann sich folgendes bezeichnende Ziviegespräch. Zeuge: Ich habe mich sogar geivnnderl, daß der Angeklagte den Jungen nicht verhauen. Wäre ich das gewesen.» ch hätte ihn ganz anders durchgeprügelt.— Bors.: Das sollen Sie wohl bleiben lassen, denn sonst können Sie höchst unan- genehme Bekanntschaslen machen! So»v e i t sind»vir denn heute doch noch»icht!— Haß: Hätte ich gewußt, daß das so komme»»vürde, dann hält« ich den Junge» zur Anzeige gebracht!— Vorsitzender: Das»vürde Ihne» nicht viel genicht haben, denn der Knabe ist erst lO Jahre alt und daher noch»icht strasmündigZ— Bei der Nrtbeil-fällung nahm der Gerichtshof als strafmildernd an, daß der Angekiagle noch jung und unbescholten sei und bei der unüberlegten Handlung»vohl unter dein Einflüsse seiner Umgebung gestanden habe. Die Strafe ivnrde daher nur auf Ztt M. erhöht. Wie viele Monate Gesängniß hätte es gesetzt, wenn ein ausständiger Arbeiter einen Streikbrecher derart behandelt hätie? Wie mag der Edelste u»d Beste von Weiher sich ob solcher Würdigung seiner Rohhett ins Fäustchen lachen. Weiy ein« derartige Bestialität in unmiltelbarster Nähe Berlins aesch�l kann, wie mag es dann im eigentlichen Osteldien hergehen? � Eiu„Gebitdeter". Wegen Erregung rnheslörenden�Mrms, Widerstandes, Beamtenbeleidigmig und außerdem Beilegnfig eines falsch«»» Namens hatte sich gesler» der Ingenieur Franz Stoimn vorder 139. Abtheilung des Amtsgerichts I zu verantworte». Der Angeklagte»var in der Rächt zum 11. Januar d. I. nach einer reckt ausgedehnten Bierreise schließlich nach einem Streit aus dem Cafv Bauer hinausbefördert»vorden und verlangte von dem dort postirten Schutzmann Bcrndt, dieser solle ihn, den Widereintritc in das Cass erzwingen. Als der Beamte sich dessen natürlich weigerte und den Angeklagten aufforderte, ruhig ftinet Wege nach Hause zu gehen, fing der Angeklagte an derart zu skandalireu, duß Berndt, dem noch der Schutzmann Klentz zu Hilse kam, zu seiner Sistirnug schreiten mußt«. Dieser setzte jedoch der Angeklagte ganz energischen Widerstand entgegen, indem er mit de» Armen um sich schlug, sich mit den Füße» gegen den Boden stemmte, dann sich selbst zu Boden warf und sich au ein Schaufenstergitter klammerte. Auf dem Wege zur Wache beleidigte er dann noch die Beamten durch Ausdrucke wie„Hans- Wurst, Nrian" und bergt. Auf der Wache soll er sich den Namen „Dorn" beigelegt haben. Der Angeklagte leugnete alles und will vielmehr selbst der Beleidigte gewesen sein; die Beamten hätten ihn unsanft behandelt u. s. w. Der Gerichtshof hielt die falsche Namensangabe nicht für genügend erwiesen, da„Dorn" au„Stmnm" "»klinge, und erkannte wegen der üblichen Straslhaten auf zusammen 70 Mark Geldstrafe. Polizeiliches ans Ostelbie». Der Vorstand deS Vereins „Fu.mdestreue" in Danzig erhielt im Juni 1896 eine polizeiliche Verfügung, binnen acht Tagen ein Mitgliederverzeichniß und ein Exemplar der Statuten der Behörde einzureichen. Dem Verein wurde voii der Polizei der Zweck zugeschrieben, auf öffentliche Angelegen heilen einzuivirken. Die Beschwerden des Vorstandes hatten keinen Erfolg. Der Regierungspräsident und der Oberpräsident erklärten, der Verein„Frenndestreue" diene lediglich der s o z i a l d e in o k r a- tischen Agilalio». Der Vorstand klagte nunmehr gegen den Ober Präsidenten beim Ober-Verwallungsgericht und machle geltend, daß der Verein, wie auch das Statut ergebe, nur die Geselligkeit pflegen »volle und zu diesem Zwecke u. a. Gesangsvorlräge und Ver gnügnngen veranstalte und ans geineinsame Kosten gelegentlich Ge- tränke besorge. Das Gericht forderte sich die Polizei-Aklen ein, auf die sich der Herr Oberpräsident bcr>ef. I» den Akten ist be solideres Gewicht darauf gelegt, daß der Mielher des Vereint lokals, Genosse Stolp, ein bckalinter Sozialdemokrat ist und bei der Maifeier über die Bedeutung des Achtstundentages im sozialdemokratischen Sinne referirt hat. Die Kläger bezeichneten die Berufung auf diesen Vorgang als vollständig haltlos, weil die Ä>!aifeier gar nicht vom Verein „F r e u n d e s t r e u e", sondern von den Gewerkschaften veranstaltet worden sei. Hierauf antwortete der Oberpräsident, die Gewerb schastcn hätten nur den Einberufer niarkirt. thatsächlich sei aber die Seele der Veranstaltung der Verein„Freundes treue". Seine Mitglieder und die hervorragenden Mit glieder der Geiverkschasten wären dieselben Personen. Das Ober- Verwaltungsgericht glaubte indessen diesmal nicht an die Unsehlbarkeil der königlich preußischen Polizei, es gab vielmehr der Klage statt und fetzte mit dem Bescheide des Oberpräsidenten auch die umstrittene ortspolizeiliche Verfügung außer kraft. Die Gründe verkündete Präsident Persius nicht, da die Parteien nicht vertreten waren. Nach wie vor wird die Presse von ihm ignorirt. SoziAles. Der jährliche Arbeitsverdienst der landwirthfchaftliche» Arbeiter im Königreich Bayern rvird im vierte» Heft des Jahr- gangs 1896 der Zeitscbrift des kgl. bayerischen statistischen Bureau? auf grund amtlicher Ermittelungen wie folgt angegeben(a bedeutet die»nmiltelbaren Städte, b die Bezirksämter, t» de» höchsten Ver- dienst, m den niedrigsten: über 16 Jahre alte Arbeiter Arbeiterinnen unter 16 Jahre alte Arbeiter Arbeiterinnen Oberbayern. Niederbayern Oberpfalz.. Oberfranken Mittelfranken Unterfranken Schwaben.. kPfokä»- Was den Jahresarbeitsverdieust der forstwirthschaftlichen Ar- beiter anbelangt, so ist, wie der„Reichs-Anz." mittheilt, dieser in den meisten Fällen dem der landivirthschaftlichen Arbeiter gleich angesetzt. Durchweg übereinstimmende Sätze finden sich allerdings nur in der Oberpfalz. Die Errichtung eines städtischen Arbeitsamts ist in der bayerischen Stadt M e m m i n g e n vom Magistrat beschlossen worden. Die Stadlverwaltung von Kaiserslautern beschloß, das dortige städtische Arbeitsnachweisburea» als Zentralstille für den Arbeilsnachweis der Rheinpsalz zu orgauisiren. Gegen die Eiiiführnng der Sonntagsruhe im Eisenbahn- Verkehr, die von östmeichffcher Seite angeregt war, hat sich, nach einer Meldung der„Franks. Ztg.". die ungarische Staats- b a h n- V e r w al tu n g„entschieden" ausgesprochen. Es ist das ein weiteres Zeichen für die Rückständigkeit der ungarischen Re- gierung in Fragen, die die Förderung des Arbeiterwohls betreffe». Vevfantmlunüem Die in HolzbearbeitungS-Fabriken und anf Holzplähen beschäftigtru Arbeiter hieUen am 21. d. M. ihre regelmäßige Mitgliederversammlung ab. Zum ersten Punkt der Tagesordnung verlas der Kassirer die Abrechnung vom I. Quartal; dieselbe ergab an allem Bestand und Einnahme 327,64 M.. Ausgaben 182,68 M.. bleibt Bestand 144,46 M.; daraus wurde der Kassirer entlastet. Zum 2. Punkt gab der Vorsitzende den Bericht des Vorstandes; es fanden danach 12 Versammlungen, davon 7 mit Vortrag, zwei konibinirte Verfammlnnge» mit Vortrag und 19 Vorstands sitzimgen statt. Weitere Berichte wurden von den Kollegen M ü g g e für de» Arbeitsnachweis und Birkholz für den Rechtsschutz erstattet. Darauf wurde die Neuwahl des Vorstandes erledigt. Ge wählt wurden die Kollegen: Kühn, 1. Vorsitzender; P. Fischer, 2. Vorsitzender; Gafske, 1. Kassirer; Kirch er, 2. Kassirer; Nicolai, 1. Schriftführer; R u m m e l, 2. Schrislführer. Als Revisoren: Przypisny, Pump, Jost. Zur Itechtsschntz- Kommission: Franz, San erzapf. Birkholz. I» de» Ausschuß: Franz. Birkholz. In den Arbeitsnachweis: Schmeider, Reschke, Leidecker, Bruhn, Pohl, P. Schmidt und Laue. Darauf erstattete der Delcgirte der Filiale II den Bericht der Generalversammlung; ans diesem war zu eutnehmen, daß der Antrag betreffs Anschluß an den Holzarbeiter- Verband abgelehnt, ein anderer Antrag für Erhöhung der Beiträge dagegen angenommen wurde.— Vor Schluß der Versarnmlung enl- spann sich noch eine rege Diskussion über die Firma Hellmich; dort waren am Osterheiligabend mehrere Kollegen zum Kesselrernige» beordert. Als sie um 4 Uhr noch nicht fertig waren, wurde ihnen gesagt, daß der Kessel unter allen Umständen fertiggestellt werden muß; wem das nicht passe, der könne gehe», ivorauf sieben derselben die Arbeit verließen. Den Milgliedern der Filiale II»och besonders zur Kenntnißnahme, daß von jetzt ab nicht mehr Sonntags, sondern Sonnabends Abend die Annahme der Beiträge stntlfindet. Die Händler und Händlerinnen hielten ihre General- Versammlung am 23. April bei S ch e e v e, Blunienstr. 88 ab. Nach dem Vorstandsbericht haben im vetflassene» Vierteljahr 7 Versainnilungen stattgefunden; i» 6 wurden Vorträge gehalten. Aiisgeschloffen wurde das Mitglied Haupt, weil er die Interesse» der Organisatio» geschädigt hat. Seiler gab den Kassenbericht. Die Einnahme betrug 104,11 M., die Ausgabe 74,15 M. Die Revisoren bestätigen die Richtigkeil des Berichts»nd dem Kassirer wurde Decharge ertheilt. Ans der Wahl ginge» hervor: Nadge, 2. Vorsitzender, Seiler, 1.; Leow2. Kassirer, Schröder 1, Rückeri»ann,2.Schrift- führer. Revisoren: Schultz«, Göritz, Luther. Als Bibliothekar Müller, Stellvertreter Luther. Entliehe» ivurden aus der Bibliothek 23 Bände. Ein Antrag wurde angenoinmen, ein Ansknnflsburean zu errichten und wurde das Lokal von Prenß, Neue Friedrichstr. 20, dazu bestimmt, wo Sonntags von 9—11 Uhr vormittags ein Ver. treter anwesend ist. Attsgenonime» wurden zwei Mitglieder. Der Vorsitzende machte darauf aufmerksam, daß am 2. Mai eine Pariie zur Bauinblülhe»ach Werder stallfindet. Abfahrt morgens 7 Uhr vom Potsdamer Bahnhof. Für Nachzügler Treffpunkt im Restaurant Martin, Kugelweg in Werder. I» einer öffentlichen Versanimlnng der Schäftc-Arbciter und-Arbcitcrinuc«, die mir Montag bei Cohn, Beuthstraße, tagte, hielt Genosse Wille einen beifällig aufgenommenen Vortrag über: Den Zweck der Organisalion und die Nolhivendigkeit der Vcr- kürznng der Arbeitszeit. Die Abrechnung der Agilationskommissio», die von zivei Revisoren geprüft und für richtig befunden wurde, ergab eine Einnahme von 62,85 M. und eine Ausgabe von 43 M. Von einer Renivahl der Agitationskonimission snr die Echästebranche wurde Abstand genonnnen und wurde» K l e i» e r t Oeffentl. Versammlung aller in ZchrlMeßntltndesch.ArbeNtt«.Ar>>titttIi»ltn Berlins und Umgegend am Freitag, den 3«. April 1897. abends« Uhr, in den Armin. Halle», Kommandantenstrafte SO. Tages-Ordnung: 1 Berichterstattung über die Tarifverhandlungen mit den Prinzipalen und weitere Beschlußfassung. 2. Verschiedenes. 1863b ver Einverurei-. Achtimg! Zentralkranken- und Sterkekasse der Tischler und anderer gewerbltcher Arbeiter. (Oertliche Verwaltung Berlin€>.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß am Tounabend, de» 1. Mai der Maiseier wegen die Zahlstellen zr«»,cIlIo«»en sind, dafür werden die Beitragfaniiillcr am Sonntag, den 2. Mai, vormittags von 8 vis 10 Uhr in ihren betreffenden Zahlstellen anwesend sein, um die Beiträge von den Mitgliedern entgegen zu nehme». 184/18 Mitglieder werden um die größtmöglichste Verbreitung hiervon Die ersucht. Ortsverwaltung. DWhandmrMraMEe piv Vevlin u. Mmgegenv (Eingeschr. Hilfskasse Nr. 118). Bekanntmachung. Laut Mltglieder-Versammlungsbeschluß vom 25. April 1897 bleibt das Bureau am 1. Mai ffcschlosaen und wird das Krankengeld für diese Woche am Freitag, den 30. April ausgezahlt. Ferner fällt das Kassiren der Hilsskassirer für den Abend des 1. Mai auö. Der Hilfskassircr für Weddina kaistrt vom 8. Mai nicht mehr Kolbergerstr. 23, sondern Weddingstraße 9 be! Marlowsky.[201/9] Der Borstand. I. A.: H. Metzle. Gr. Frauen-Vortrag am Freitag, den 30. April, abends S1), Uhr, in Berlin(Wedding), Milbrodt's Festsäle, Müllerstr. 7, H. pt. Fräulein GUBinna fiCube prakt. Naturheilkuudige Leiterin des Charlottenburger NatnrheilbadeS über Krankheiten d. weiblichen Geschlechts Zum zahlreichen Besuch ladet ergebenst ein 1848b Der«orstand de»„Heilvereiu Kube". Geschäftsstelle Berlmerstr. 12°. SDWT- Achtnne, 1. Sfai!__ Sonnabend, 1. Mai, in Scholz' Salon(früh. Breuer), Gr. Frankfurierstr. 72: AH' IV. Stlftuiigs-Fest des Theater- Vereins„Vorwärts" (gegr. 6. Mai 1893). l8Z3b vi-. Ulan.vi-t, Prolog, Thcatorvomtellang. Zur Aufführung gelangt: O welche Lust, Soldat zu sei». Lebensbild mit Gesaug tu 3 Aufzügen und einem Schlußtableau„Völkerfrieden".- Eröffnung 8 Uhr. Ansang präzise 9 Uhr.- Programm 30 Pf.- Nachher Tanz. Hierdurch fordere ich alle meine Gläubiger auf, sich bei meineui ver- ehrten Herrn Hauswirth Wols zu melden. Prlt. Fellgentrelf. Zur Maifeier! Große Auswahl in Stocklaternen, Lampions, Fahnen zc. zu den billigste» Engros-Preisen. 8.& G. Saulsohn, Berlin. Joerm, »nd Spange beauftragt, gemeinsam mit der Kommlsflon der Schooßarbeiter die Agitation einheillich zu regeln. Nachdem von mehrere» Rednern aufgefordert worden war, die ans» gegebenen Fragebogen anssührlicki zu beantworten, um ei» genaues Bild Über die Lohnverhältniffe und die Dauer der täglichen Arbeitszeit zu erhalten, wurde noch aus die Maifeier hingewiesen und um rege Theilnahme ersucht. Die Mai- Versammlungen der Schuhmacher, an denen sich die Schäfte-Arbeiter betheiligen werden, finden im Lokal„Königsbank" für die Fabrik- arbeit«, bei Cohn. Benthstr. 20, für die Schooßarbeiter statt. Zum Schluß wurde bekannt gegeben, daß die Vereinsversammlungen der Schäftebranche des Sonnabends 14tägig bei Babiel, Rosenthaler- straße 57, stattfinden. Die Zentral-Krankenkasse der Maurer, Gipser er.„Grund- stein zur Einigkeil", hatte laut Bericht des Kasflrers in der letzten Versammlung für die Berliner Filiale im I. Quartal nachstehende Einnahme zu verzeichnen: Mit dein Bestand von 3537,34 M. vom 4. Quartal 1896 und 12 000 M. Zuschuß von der Hanptkasse 43 130,59 M., dein gegenüber sieht eine Ausgabe von 39 960,15 M. inkl. 3000 M., die an die Hanptkasse gesandt wurde», bleibt somit ein Bestand am Schluß des l. Quartals von 3220,44 M. Be- schloffen wurde, das Bureau der Kasse am 1. Mai geschlossen zu halten; an diesem Tage dürfen auch die Hilsskassirer nicht kassire». Friedrichsberg. Am 20. d. M. hielt der Arbeiter-Bildungs- verein seine Generalversainmkling ab, i» welcher der Vorstand den Jahresbericht gab. Danach wurden 12 Versammlungen, theils mit wissenschaftliche», theils mit politischenVorträgen abgehalten. DerKassen- bericht ergab eine» Bestand vom vorigen Jahre von 32,55 M., in diesem Jahre eine Einnahme von 231,70 M., eine Ausgabe von 94,70M., bleibt ein Bestand von 169,55 M. Nachdem erfolgte die Neuwahl des Vorstandes, gewählt wurden Fritz Schulz, Vorsitzender; Krail. Kassirer; Laws, Schriftsührer; als Hilfspersonen Karwehl, Mönch und Weißflug; als Revisoren Swenn, Mix und Sander; als Bcitragsanrmler Mix, Swen» und Schichold. Unter Vereins- angelegenheite» beschloß man, die Versammlungen abwechselnd ein- mal im Lokale des Herrn Girsch, Frankfurter Älllce, und das nächste Mal bei Herrn Moser, Dorfstraße 2, abzuhalten und zwar jede» Dienstag nach dem 15. im Monat. Ar» Schluß gab der Vorsitzende bekannt, daß das Flugblatt z» grinsten des Vereins am 16. Mai verbreitet wird und ersucht die Genossen um rege Vetheiligung. Wilmersdorf. Der Arbeiterverein hielt am 21. April seine Generalversauimlnng ab. Der Berein besteht zur Zeit aus 48 Mit- gliedern. 19 Bersaminlungen ivurden im Laufe des JahreS ab- gehalten, wovon in 10 ein Referat gehalten wurde. Die Abrechnung ergab eine Einnahme von 74,90 M., eine Ausgabe von 4,40 M, bleibt Bestand 70,50 M.; 45,00 M. stehen»och als Darleh» aus. Geivählt wurden die Genossen R o stm an», Vorsitzender, K l i» g e» b erg. Kassirer und B r ü ck» e r, Schriftsührer. Dan» gab der Genosse N e r r e bekannt, daß er vo» dem Gemeindevorsteher Antwort erhalten habe, auf eine Resolution, die i» einer öffentlichen Volksversammlung gefaßt worden war zwecks Errichtung einer unenigelilichen Badc-Eiirrichtmig für die Schullinder. Die Gemeinde- Vertretung werde das bei dem Neubau der Schule in Erwägung ziehen. WitierungSisbersicht Pom 28. April 18S7. Welter-Prognose für Donnerstag, de» 29. April 1837. Warm und schwül bei schwache» südlichen Winden, zunehmender Bervölkuug und etwas Neigung zur Geivitterbridnrrg. 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Adalbertstr. 10 v. m. bei Adam. 18616 Hienuit die traurige Mittheilung, daß mein lieber, unvergeßlicher Mint», unser guter Vater, Sohn, Bruder, Schwager und Schwiegersohn, der Schriftsetzer 18396 Eduard Dill, verstorben ist. Beerdigung Donnerstag Nachmittag 5 Uhr vvnt Trancrhause, Große Frankfurierstr. Iii, nach dem Georgenkirchhof, Landsberger Allee. Die trauernde Wittwc Anna DIU geb. Moniac uebst 3 uuuiiiud. Kindern. Danksagung. Hierinit sagen wir allen Freunden und Genossen, welche unserem vcr- storbenen Bater 1834b A. lillnkownUl am Sonntag die letzte Ehre erwiesen haben, unfern aufrichtigsten Dank. Die trauernden Hinterbliebenen. Ilanhnagung. Dem Gesangverein„Gcmllthlichkeit", sowie den Mitgliedern des Zentral- verbandes der Maurer Deutschlands, und allen Bekannten, die sich so zahl- reich bei der Beerdigung meines lieben Mannes betheiligt haben, sage ich hier- mit meineit herzlichsten Dank.[18646 Frau liowkc nebst Kindern. Arbeitsmarkt. Karton• Arbeiterinnen, geübte, verl. Th. Nathan, Stall- schreiberstraße 29. 17926 Zeichner. Stickerei-Konfektion von David Riese. Jägerstr. 25. 17936 GeUbte Drahthefterin für OontoliUcher verlangen RlcfenMtnhl, Kampe Jk. Co.« Holzinarktstr. 67.[1687b Kannellirer verlangt Rutheuberg. iSchUlehrtr SMe.?annstr°� ist Mittwoch abends frei._ 18286 Korbmacher. Tücht. Gestell« Ard. verl. Bruder, Zoffenerslr. 50. Männer-Gesangverein sucht tücht. Dirigenten für Dienstag oder Mittwoch. Adresse: Niöbn«,. Skalitzcrstr. 29. I8ö7v Lehrmädchen z, Damcnschiieidcrei' sofort verlangt luneirtgeltlich) Rosen» thalcrstr. 20/21 III, l. b. Fr. SchncUer. glchulsrcies Äiiidchen tagsüber so'ort verlangt bei Fr. Schneller, Rosen- thalcrstr. 20/21 HL l 18506 Arbeiter- Maifest -•£•- Sonnabend, den 1. Mai: 1. Wahlkreis. Feen-Palast, Vnvg � nnd UVolfgÄNgptvatzen Gckv. Tl. VakTsI»XonzeenK, ausgeführt von Zivil-BerufSinusikern der Freie» Bereinigung unter Mitwirkung von IS Gesangvereine» (Mitgl. d. Arb.-S.-B.). Dirigent Herr Rnetatf Tlet®. Festrede, gthilltm vom RtiOtags-Mgeordneteil Viibeim Liebknecht und V�dtumukionen. Anfang S Uhr. Entree 30 Pf. Maifest-Zeituug gratis. leginnt um 11 Uhr. Herren, welche daran thcilnchmen, zahlen 30 Pfennig« nach. Metallarbeiter! Tonnabeud, deu I. Mai, vormittags RO Uhr, in M a r t e n's Festsälen, Friedrichstrahe Nr. SSS: OskksriUiOhs V ersammlung. Tages-Ordnung: Die Bedentnng des I. Mai. Referent i Psul liitfin. Simmtlich« Kollegen begeben sich direkt nach der Versammlung. 282/3 Der Vertrauensmann der Berliner Metallarbeiter. O t t o N a e t h e r, N., Anklamersirahe 44. 2. Wahlkreis. Unions-Brauerei, LZupeuhÄrdv SS— 31. VokaB« u. Insfrumeiiial-Konzerl, Musik von der Freien Vereinigung der Zivil- Berufsmusiker. Dirigent Herr BOIun. Gesangs Vorträge von 10 Gesangvereinen(Mitgl. d. Arb.-S.-B.). B�" Tuvueripche A u ffü h v n u g v u.'ME um 3»/- Uhr, gehalten vom Reichstags- Abgeordneten ü. ri8Cber. 3 ttljü Herren, welche daran thcilnehmen, zahlen 30 Pf.«ach. Die KiaflfceKUcI»« ist Von 8 Uhr ab geöffnet. Anfang des Konzerts 4 l lir. Eintritt SV Ft. 3. Wahlkreis. Nene Welt, Hasenlialde 108. Uoital-«. Jnstrnmental-Konzert. Festrerie vom Reichstags- Abgeordneten Vogtderr. Turnerische Anfftthrungen. Großes Feuerwerk. Tanz. Anfang 4 Ehr. Bei günstigem Wetter Anftrete« der Geschwister William und Lola Blonnah. »lllets ä S0 Pf. find in allen mit Plakaten belegten Handlungen, sowie am 1. Mai in der »Neuen Welt" an der Kasse zu haben. 4<. und 5. Wahlkreis. Keller-s Fellfiile» Koppenstraße 21. Vrsurret Fviedrichshuin. Am Königsthor. Elizlrum» Landsberger Allee 40— 41. S�ioeizergurken» Am Königsthor. Sunsfouri» Kottbuserstraße 4». Vokal- vllii Zlißnimtlttal-Koilztrt. Fcßrehe. Ltbeilde Bildtr. MlljstllgtBgt. ölliße lillh heitere Vortrage. Tarnerislhe Anssahrultzea u. Nach dem Konzert:'Fans. Mg BilletS 83 Pf. vas Komitee. Anfang 4 Uhr. MM- Die Kaffeeküche wird um 3 Uhr geöffnet. Zu recht zahlreichem Besuch ladet ein 6. Wahlkreis. Weimann's Volksgarten, Badstraße 56. Puhlmann's Vaudeville-Theater, Schönhauser Allee 148. Berliner Prater, Kastanien-Allee 7— 9. Norddeutsche Brauerei, Chausseestraße 58. Feldschlosschen, Müllerstraße 142. Kronen-Brauerei, Alt-Moabit 48— 49. Konzert. Festrede. Lebende Kilder. Tanz.« DM- Jedes«ind erhält eine Ttocklaterne gratis.-ME Kuvkeigvuolseu! Um die Maifeier zu einer großartigen zu gestalten und auch den wirthschaftlich schlecht gestellten Arbeitern und Arbeiterinnen Gelegenheit zu geben, daran thcilnehmen zu können, wird ein festes Entree im 3. Wahlkreise nicht erhoben. Wir ersuchen aber, um möglichst die Unkosten decken zu können, nach Belieben sich an den Tellersammlungen zu betheiligen. Eure Pflicht ist es, die Arbeit ruhen zu lassen und durch zahlreiches Erscheinen die Maifeier zu einem wahren Volksfest zu gestalten. Anfang 4 Uhr. ME Das Komitee. Ug. Kronkell- u. Stertiffßie der letuklidter E. H. 39 Hamburg. 18276 De» Mitgliedern znr Kenntnihnahme» daß am AM" Sonnolvend, von 1. Wen Seitläge in den Zahlsteilen nicht entgegengenommen werden. Die Ottsbelimten der Nlialen Berlins und Umgegend. Achtung! iPistzer» Achtung! S o» u a b e» d, de» I. Mai 1807, vormittags 10 Uhr: Krosse ofteutlicdo Versammlung der Putzer Berlitts und Umgegend in Kelle r's Lokal, Koppeu'strahe Nr. SS. Tages-Ordnung: Die Bedeutung des 1� Mai. Referent: Georg Wagner. Es ist Pflicht eines jeden Kollegen, in der Versammlung zu erscheinen, da die Maikarten nur in der Bersammlimg ausgegeben werden. WM" Etwa vorkommende Maßregelungen sind sofort im Bureau, Greuadierstr. 33, zu melden und werden die davon Betroffelle»t unterstützt. 280/7_ Tie Komiuisffon. I. A.:«ug. Vogel._ Achtung! Achtung! Stralan-Rmmnelsbura. Am Sonnabend, der. 1. Mai. In der Brauerei istralan: ä-Feier, bestehend in gr. Bokal- ltltd Jllftrillltental-Konzert, ausgeführt von Zivil-Berufsmusikern der Freie» Vereinigung unter Mitwirkung mehrerer Gesaugvereine(Mitgl. des A.-S.-B.). Abeuds 8 Uhr: Isostrode. Auftreten eines Bolkshumoristen.— Allerlei Kiuderbelustigunge«. Anfang nachmittags 3 Uhr. Entree 10 Pf. Kinder unter 14 Jahren sind frei. NM" Genossen, welche am Tage nicht daran thcilnehmen können, werden ersucht, ihre Familie bereits am Nachmittag dorthin zu senden. Bei ungünstigem Wetter findet die Feier m den neu renovirten Sälen statt. 223,4 Bas Komitee. Achtung! Cöpenick. Achtung! 1897. Mai-Feier 1897. Klem's Stadttheater iiitb Scheer's Wilhelmsgarten. Konzert- u. Gesangsvorlräge, Turn-AulTührungen, arrangirt vom Gcwerkschnfts-Kartell. Kassenöffnung 6, Anfang 7 Nhr. Entree: Herren 30, Damen 20 Pf. rtir Adier�liof und Cöpenick nachmittags 2 Uhr: Oeffentl. NolstVnovfalNlttlung bei �lew. 18476 Das Gewerkschafts-Kartell von Köpenick. Nsileier! Gharlottenluirg. Maifeier! Sonnabend, den 1. Mai 1897, vormittags 10 Uhr: Große öffentliche Persaminluitg fnv MÄnnrv unh Isonnen im Lokale»B i s m a r ck s h ö h e-, Wilmersdorferstrasie Rr. 39. Tages-Ordnung: Vortrag deS Genossen Schriftsteller C a l w c r über:„Die Bedeutung deS 1. Mai für die Arbeiterklasse." 204.4 Die Gewerkschaftskomniission. I. A.: O. Flemming, Schlüterslr. 71. Bon nachmittags 4 Uhr ab daselbst Vokal- n. Jnftrumental-Konzert. Lebende Bilder.— Tanz in beiden Sälen. Die»affeekücht ist geöffnet. Entree 20 Pf. Arbeitslose haben sceien Zutritt. Das Komitee. kiiie Wohlthat für Hausfrauen ist Karol Well's Seifenextrakt die beste trockene Seife in Pulverform. Es erleichtert ihnen die Arbeit, schont die Wäsche und hält letztere jahrelang in bestem Zustande, da es kein Chlor oder andere ätzende Bestandtheile enthält. Einmal versucht, nie aus dorn Hause gelassen. In allen Seifen- und Kolonialwaarea-Ge- sohäften käuflich. Das vorzüglichste: Karol Well's„Karola", Liehlingsseife der Damenwelt. Orts-Krankenkaffe des TWrGkwerbks zu Berlin der Delegirten(Arbeitgeber und Arbeitnehmer) am Freitag, de» 30. April. abends 7 Uhr, im Lokale des Herrn Bu«ko, Grenadierstrahe 33. Tagesordnung: 1. Vorlage der Jahresrechnung pro 1806 und Bericht des Prüfungs- Ausschusses. 2. Verschiedene Kassenangelegenheiten. 195/14 Der B-rstand. zelltrlll-Kmkttl-llttd Sterbe- kaffe ber Tischler. Oertlichc Verwaltung Berlin A. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß am Sonnabend, den 1. Mai, teine Beiträge angenommen werden. DaS Krankengeld wird am Freitag Abend von 8—10 Uhr bei K»Im ausgezahlt. 181/6 Di« OrtSverwaltung. Rohtabak. Größte Auswahl l Billigste Preise! Guter Brand! Vorzügliche Qualität! »M- Snmmtliche"SAi (Neue Formen, sehr gr. Ausw. ä 1,40 M.) Man verlange Preis- Berzeichnih. 1068L« Heinrich Framk, Nr. 183. Brunnenstr. Rr. 185. grösttes Lager. billigste Preise. auch Theilzahlung. bei V. Holze, Oranienftraste 3. Fspr.-AmtIV,9Sb6. 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Karle, Waldemarftr. 6«. _ Telephon Amt IV. 1597. Schankgeschnft, volle Konzession, billige Miethe, sof. zn verk. Näbere» bei Horst, Marlusstr. 39(Keller). � Beraniworll.cber Redakteur: Hugo Pöstsch i» Berlin. Für den Jnseralnitdeil veranlivortlied: Dd. Gl-lke», Berlin. Druck und Verlag von Max Badina in Berlin. it. 99. i4. laDtps. 2. Seilte des„WrMs" Derlim KIKsdlÄ. Veescttnnrlttngen. Der Wahlverein des zweiten Wahlkreises hielt am Dienstag in Habel's Brauerei seine ordentliche halbjährliche Generalversamm- lnng ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrt« die Versaunnlung das Andenken der verstorbenen Mitglieder Friedwald. D u l e g a und Schlicht, sowie des Reichstags-Abgeordneten Karl Schnitze durch Erheben von den Plätzen. Der von Müller erstattete Kassenbericht weist eine Gesanunteinnahine von 1205,27 M. und eine Gesammtansgabe von 938.19 M. auf; 600 M. davon find dein Vertreter des Kreises. Genoffen Fischer zur Agitation überwiese». Es verbleibt somit ein Kassen- bestand von 217.08 M., außerdem stehen noch ca. 130 M. als lieber- schilpt zweier Matineen ans. Der Mitgliederbestand hat sich von 773 im September vorigen Jahres ans 913 gehoben. Woldersky erstattet den Geschäftsbericht. Es haben zehn Vorstandssitzungen und sieben Versammlungen stattgefunden. Ueber eine zu unrecht auf- gelöste Versammlung ist, leider vergeblich, Beschwerde geführt wor- den. Der Besuch der Versammlungen war durchweg ein schlechter. so daß vielleicht eine andere Art der Bekanntmachung(Säulen- anschlag) angewendet werden müsse. Schwer sei es auch, Referenten zu finden. Vielleicht habe das seinen Grund darin, daß der zweite Wahlkreis bisher keine Honorare für Vorträge gezahlt habe. Es sei deshalb wohl rathsam, auch hierin eine Aendernng eintreten zu lassen. Die beiden letzten Punkte riefen eine lebhafte Diskussion hervor, an der sich Winkel in ann, Richert, Müller, Jakob, Hänsel, Schulz, Ewald, Glashagen, Nikolai, Antrick und Woldersky betheiligen. Es wurde beschlossen, dem Vorstand in der Art der Bersammlungsankündignng freie Hand zu lassen, sowie ihn zur Bezahlung von Referenten zu ermächtigen. Betreffs der Beschwerde ist Antrick für Fortsetzung derselben, event. bis zur höchsten Instanz. Nachdem Woldersky dagegen gesprochen, wird beschlossen, dem neuen Vorstand die eventuelle weitere Behandlung der Be- schwerde nach nochmaliger Untersuchung der Angelegenheit zu über- lassen. Die Neuwahl des Vorstandes ergab das folgende Resultat: Woldersky, erster Vorsitzeuder; Lankow, zweiler Vorsitzender; Schüler, erster Kassirer; Zicken roth, zweiter Kassirer; P o l l a k, erster Schriftführer; H o f f m a n n, zweiter Schriftführer; Glashagen, Beisitzer; S ch w a h n, Wille, Saß, Revisoren. Nachdem noch ein Antrag auf Ueberweisung von 300 M. an den Reichstags-Abgeordneten Fischer, sowie auf Bewilligung von 3 M. halbjährlicher Mankogelder pro Kassirer an- genonimen worden waren, wurde die Versammlung mit einem Hoch auf den Wahlverein geschloffen. Der svzialdemokratische Wahlverei» im vierten Berliner Ncichstags-Wahlkreis(Südost) hielt am Dienstag bei Henke, Nauuynstraße, seine Generalversammlung ab. Das Andenken des verstorbenen Reichstags-Abgeordnen Genossen Schnitze ehrte die Versammlung in der üblichen Weise. Nach dem Geschäftsbericht des Vorstandes haben außer 6 Vorstandssitznngen, 1 Generalversamm lung und 3 Mitgliederversammlungen im letzten Halbjahr statt- gefunden, die, wie der Vorsitzende mittheilen konnte, durchweg gut besucht waren. Der Verein zählt gegenwärtig ca. 1400 Mitglieder. Im weiteren gab der Vorsitzende bekannt, daß die Zahlstelle früher Skalitzerstr. 102, nach der Forsterstr. 17, zum Restaurateitr Dierberg verlegt wurde. Nach dem Kassenbericht betrugen vom 1. Oktober 1896 bis 31. März 1397 die Einnahmen 1266,30 M.. die Ausgaben, darunter 830 M. für Agitation, 1071,80 M., der Bestand 194,50 M. Nachdem die Kassenführung seitens der Revisoren als ordnuugs- mäßig bestätigt war, wurde dem Kassirer einstimmig Decharge ertheilt. Die sodann vorgenommene Neuwahl des Vorstandes ergab folgendes Resultat: Vogt, I.Vorsitzender; St ob sack, 2. Vorsitzender; Runge, 1. Schriftführer; Musseus, Stella Vertreter; Schwarz, 1. Kassirer; Tratscheck, 2. Kassirer; G u st. B e i e r, Beisitzer. Als Revisoren wurden die Genoffen Marti«, Alb. Müller und Menzel gewählt. Hierauf hielt der Genosse Dr. B e r n st e i n einen interessanten Vortrag über:„Die moderne Gesundheitspflege und das Proletariat". Den mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Ausführungen folgte eine längere Diskussion, in der verschiedene Fragen an den Referenten gerichtet und von demselben beantwortet wurden. Eine längere Debatte entspann sich über die letzte Flugblattverbreitung. Nach Ansicht mehrerer Genossen war die Betheiligung an derselben eine ungenügende, so daß zu wünschen sei, daß in Zukunft insbesonders die Wahlvereinsmitglieder bei derartigen Gelegenheiten thätiger sind und an diesen Arbeiten theilnehmen. Auf Antrag wurde noch be schloffen, die Wahlvereinsversammlungen pünktlich um 8Vz Uhr zu eröffnen. Eine sehr zahlreich besuchte Handln, igSgehilfinnen-Ver- sammlung tagte am Dienstag in Cohn's Saal. Genossin Klara Zetkin stellte eingangs ihres mit großem Beifall aufgenommenen Vortrages den Gang der wirthschaftlichen Entwtckelung dar und machte an der Hand eines reichhaltigen Zahlen- Materials den Angestellleu im Handelsgewerbe klar, daß auch sie. ebenso wie die industriellen Arbeiter und Arbeiterinnen, mehr und mehr proletarifirt werden, daß in bezug auf kärgliche Entlohnung und lange Arbeits- zeit die Handelsangestellten, insbesondere die weiblichen, in den meisten Fällen noch schlechter gestellt seien, wie die tabrikarbeiter. Von einer Harmonie der Interessen zwischen dem hes und seine» Angestellten könne unter den heutigen Verhältnissen gar keine Rede sein. Alle Uebelftände, unter denen die Handlnngs- gehilfinneii leiden, könnten naturgemäß erst mit dem Ausdören der kapitalistischen Gesellschaft beseitigt werden. Das bedeute aber nicht, daß man nun die Hände in den Schoß legen und nichts für die Vefferung der Lage der Gehilfinnen thun solle. Der Uebermacht des Unternehmerthums müsse eine andere Macht, die Organisation der Angestellten, entgegengesetzt werden, und zwar eine Organisation, die beseelt ist vom Geist des Klassenkampfes.(Lebhafter Beifall). Eine Organisation, in der nur der Geist der Harmonie- duselei herrscht, wo Chefs und Gehilfinnen, Wolf und Lamm nebeneinander fitzen, sei ein Schwert, welches nicht schneidet. Eine solche Organisation sei für die Gehilfinnen werthlos. Der hier bestehende Hilfsvereiu für weibliche Angestellte habe zwar auf dem Gebiet der Krankensürsorge und des Bildnngswesens An- erkenninswerthes geleistet, aber für die Besserung der Lage der Gehilfinnen habe er so gut wie nichts gethan. Das sei allerdings erklärlich, da der genannte Verein die Gehilfinnen als ordent- liche und eine Anzahl von Chess als außerordentliche Mitglieder zähle. Es hieße doch, den Unternehmern zu viel zumuthen, wenn man meine, sie würden eine Organisation unterstützen, welche den Kampf gegen die Unternehmerintereffen führen solle. Die Gönner des Vereins wüßten sehr genau, daß ihnen derselbe nicht schade. Die Rednerin führte eine große Reihe zahlenmäßiger Belege dafür an, daß Firnieninhaber, welche dem Hilfsverein Jahresbeiträge von 10-20 M. zuwenden, die von ihnen beschäftigten Gehilsiniien ungemein niedrig bezahlen und dadurch ihre„Wohlthaten" mit Wucherzinsen zurück erhalten. Es sei begreiflich, daß eine Or- ganisation, die solche Gönner hat, nichts gegen die Unternehmer thun werde. Die Rednerin besprach ferner die sonstigen Ein- richtungen des Hilfsvereins, als Stellennachweis, kaufmännischen Unterricht, Bibliothek, bei welch letzlerer es bezeichnend sei, daß der angeblich unpolitische Verein die Zeitungen aller möglichen politischen Parteien auslege, nur nicht die sozialdemokratischen. Es sei dem Verein nicht einmal gelungen, die Beschaffung einer Sitzgelegenheit für die Verkäuferinnen durchzu- setzen, denn er habe dieselbe zu erbetteln gesucht, aber nicht entschieden gefordert, und auch hierin seine Unfähigkeit, die Jnter- essen der Gehilfinnen zu vertreten, erwiesen. Eine Organisation müsse erfüllt sein vom Geist des Klassenkampfes, sie habe nichts zu bilten, sondern werde, wenn sie stark genug sei, den Unternehmern ihre Forde- rnngeu dillire».(Lebhafter, allseitiger Beffakl.) Die sehr ansgedchnte Diskussion gestaltete sich lediglich zu einer Auseinandersetzung über die Leistungen des Hilfsvereins, für den Dr. S i l b e r m a n ns sowie der Leiter des Vereins, I u l. Meier, in längeren Reden eintraten. Sie bezeichneten das von der Referentin angeführte Zahlenmaterial als zum theil unzutreffend, wiesen den Vorwurf zurück, daß der Verein den Jiitercffen der Chefs diene und behaupteten, daß der Hilfsverein alles mögliche für die Hebung der Lage der Handlnngs- gehilfinneii gethan und in dieser Hinsicht weit mehr ge- leistet habe, wie der auf sozialdemokratischem Standpunkt stehende Fachverein für HaiidlungSgchilfinnen. Die Aus- sührungen dieser Redner wurden von einzelnen im Saale ver- theilten Gruppen ihrer Anhänger mit denwustralivem Beifall begrüßt. ebenso die Reden von Fräulein H e r r m a n n und Fräulein Ludwig, die gleichfalls den Hilfsverein vertheidigten. Anderer- seits hielt Genosse L i p p m a n n den Herren vom Hilfsvereiu entgegen, daß die sozialdemokratisch gesinnten Haudelsaiigestellten schon im Jahre 1891 für Einführung der Sonntagsruhe im Handelsgewerbe agilirt hätten, und daß die neuerdings erfolgte gesetzliche Regelung der Sonntagsarbeit nur auf die Agitation der Sozialdemokraten zurück- zuführen sei. In ihrem Schlußwort trat Genossin Zetkin unter anderem der Behauptung entgegen, daß man den Hilfsverein in die Luft sprengen wolle. Wir bekämpfen denselben nicht wegen dessen, was er gethan, sondern vielmehr wegen dessen, was er unterlassen hat. Wir erkennen es an, daß dieser Verein die Gehilfinnen überhaupt organisirt hat, aber wir wollen den Gehilfinnen klar machen, daß eine solche Organisation, wie sie der Hilfsverein darstellt, nicht den wirklichen Interessen der Angestellten dient, daß dieselben vielmehr nur vertreten werden können durch eine vom Geist des Klassenkampfes erfüllte Organisation.(Großer Beifall.) Eine Resolution, welche sich gegen den Hilfsverein und für den aus sozialdemokratischem Boden stehenden Fachverein der Haudlungs- gehilfinnen ausspricht, wurde gegen wenige Stimmen angenommen. „Die Rechte deS Beschuldigten im Strafberfahrc» und ihre gesetzmäßige Geltendmachung" lautete das Thema eines Vortrags, den Herr Rechtsanwalt Dr. Löwen st ein vor kurzem bei den B u r e a u- A u g e st e l l t e n hielt. Des allgemeinen Interesses wegen seien die Ausführungen des genannten Herrn hier in Kürze wiedergegeben. Zuerst schildert Redner das Verfahren der dem Strafverfahren in der Regel vorangehenden polizeilichen Ver- nehmungen. An treffenden Beispielen zeigt er, wie nothwendig es ist, stets, bevor man sich aus die gestellten Fragen er- klärt, eine kurze, bündige, uiizweideutige Erklärung sich über den Vernchmiingsgegcnstand geben z» lassen. sich auch nicht zu Aussagen, auch nicht durch Drohungen, bestimmen zu lassen, die nicht der Wahrheit gemäß sind. Redner erwähnt hierbei noch kurz, daß die Polizei nach Verhaftung die Pflicht hat, den Verhafteten biniieu 24 Stunden dem Richter vorzuführen, nur dieser hat über die Hast zu bestimuien. die nur angewandt werden darf bei Fluchtverdacht oder Berdacht der Zeugnrßbeeinflnffungen. Während des nach seiner Veruehninng nunmehr bei der Staats- anivallschast schwebenden Vorverfahrens darf der Angeschuldigte jeden zu seiner Entlastung dienenden Antrag stellen. Dieses zu thun, sei gerathen, da der erhobenen Anklage zu entgehen auch oft bei Nnschuld weniger leicht sei. Jedermann darf sich selbst vertheidigen, bei Schwur- gerichlssachen hat aber das Gesetz vorgesehen, daß ein Vertheidiger vorhanden sein muß, event. auf Staatskosten. Wenn nun die An- klage zugestellt wird, mit bestimmter Frist zur Erklärung, so ist eS rathsam, dieselbe einzuhalten und etwaige Enllastuugs- und Unschnlds- Momente dem Gericht mitzutheilen; es ist hierdurch die Möglichkeit gegeben, daß das Gericht von der Eröffnung des Hauptverfahrens absieht. Rechtsnachtheile irgend welcher Art entstehen bei Nichtbeachtung einer derartigen Frist nicht. Lehnt da? Gericht die Ladung von Zeugen zur Hauptverhandlung ab, so kann der Angeklagte dieses direkt thun; eine solche Ladung hat dieselben rechtlichen Wirkungen wie die des Gerichts, nur sei für die Zeugengebühren Sicherheit zu leisten. Nichterscheinen von Zeugen bildet einen Verlagungsgrund und müssen solche zur nächsten Verhandlung haftweise vorgeführt werden. Wenn im Termine dem Angeklagten nicht gestaltet worden ist, irgend welche Fragen, die zur Ausklärung des Sachverhalts dienen sollen, an den Zeugen zu stellen, muß dieses im Protokolle vermerkt werden. Nach den Zeugen-Vernehmungen be- ginnt die Rede des Staatsanwalts, auf die zu antworten der Beklagte, dem stets das letzte Wort zusteht, das Recht hat. Sollte nun im Unschuldsfalle Vcrurtheiliiug erfolgen, so ist gegen das Urtheil und zwar spätestens sieben Tage nach dem Termine Benifung oder Revision einzulegen. Dieses hat schriftlich oder zu Protokoll zu geschehen. Die Berufung kann der Angeklagte selbst, die Revision nur ein Vertheidiger begründen. Berufungen können nur bei Schöffengerichtssachen, bei Strafkammer- oder Schwurgerichts- fachen können nur Revisionen erfolge«. Nachdem Redner noch kurz das schwierige Wiederaufnahme- verfahren erläutert hatte, welches stattsindet nur unter Zugrunde- legung neuer Beweismittel oder daß irgend einer der Zeugen einen Meineid, auf grund dessen Verurtheilung erfolgte, geleistet hat. schloß er feinen mit großem Beifalle aufgenommenen Vortrag unter kurzer Schilderung des Gnadenweges. Aib>it«r-Kili>u»o«tchul». Die B tblt o th el in der Nord schule' B r u n n e n ft r. ib. ist fiir die Mitglieder an folgenden Tagen geöffnet i Sonn- tags, vormitiags von io— i!, D;te nst ag s und Fr e tt a g», abends M bis Ig Uhr. Mitgliedsbeiträge werden an diesen Tagen in der Nordschule entgegen- genonimen, ebenso in folgenden Zahlstellen: Gottfr. Schulz, Admtralftr.«a! Schöning, Köpnilterstr. ss; Reul, Barnimstr. 41; Babtcl, Rosenthalerslr. 57; Wletnert, Miillerstr. 7a; Burghause, Putbuserstr. 82; Blantensetd, Stephanstr. 29; Werner, Bulowstrabe 69; Trübe, Mariendorserstraße 6;«aßler, Junlerstraße l; H. König«, Dieffenbachstr. 89. Alle Zuschriften find UN den Borsitzenden Paul M ü!l e jr., 80. Man- teuffelstr. li9, Teldsendungen an den Kasstrer H. König», 5. Dieffenbachstr.»o, zu senden. A»b»it»r-Sö»g«rd»»>d verlin» und Umgegend. Vorsitzender Ad. Neumanu, Pasewatterstr. 8. Alle Aenderuilgen im Kereinstalender find zu richten an Friedrich Kortum, Mantenffeisir.«o, v. 2 Tr. Kund der aesellige» Arbeit»r»»r»in» Kertin» und zlmgegend. All- Zuschriften, den Bund betreffend, sind zu richten an H.« e n d i x, Alexandrinen- siratze 100. Arbeiter- Zlaucherbuud Kerlin» und Zl»»»««»»d. Aenderunaen Im Vereinstalender find zu richten an Hermann B ra un sch n» e ig, Dresdener- straße«0, 2. Hos, t Tr. Für Radfahrer. Kleines Handbüchlein. verfaßt von Dr. I. Hoffnung, prakt. Arzt in Luckenwalde. Berlin, Verlag von Albert Goldschmidt. 1897. In dem Buche spricht sowohl der er- fahrene Arzt wie der erfahrene Radfahrer. Nebe» einer klaren Beantwortnug der Fragen, iver das Radfahren lernen und wer es aus hygienische» Gründen meiden sollte, werden vom Arzte die mannigfachen Rathschlägc gegeben, die bei Unfällen auf der Wander- schast am Platze sind. Nachdem der Arzt gesprochen, kommt der Techniker zu Worte, der sich in möglichst verständlicher Sprache über die Behandlung des Rades in normalem wie in reparaturbedürftigem Zustande verbreitet. Das Büchlein birgt nicht allein fiir den An- fänger, sondern auch für den geübteren Radfahrer manche he- herzig enswerth« Anleitung. Eingelaufene Druckschriften. Von Der ,,|I«ir»n B»H"(Stuttgart, I. H, W, D tetz' Verlag) ist soeben da» zi. Heft de» 15. Jahrgangs erschienen. Au« dem Inhalt hebe» wir hervor: terr im eigenen Hause.— Ideale der Sozialpoliltt. Von Wolsgang Heine.— roblemc de« Sozialtsmus. Von Eduard Bernslein. 5. Die sozialpolitische Bedeutung von Raum und Zahl.(Schlug)— Oskar Wilde. Bon Johanne« Taulte.-- Die galiztschen Wahlen. Von Wasyl Bogdanczut.— Notizen: Die Unenlgeltlichleit der ärztlichen Hilfeleistung, einschUctzlich der B-burtshilfe und der Hetlmtllel,— Feuilleton: Die Brillanten de» Kardinals. Erzählung /von Minna Kautsly.(Fortsetzung.) Bon der«Iilchhel». Zeitschrift für die Jntereffen der Arbettertnnen(Stuttgart, I. H. W. D i e tz'»erlag) ist UN» soeben die Nr. 9 des 7. Jahrgangs zu- gegangen. Ans bim Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Maienmorgen. (Sedichi.) Von Max Kegel.— Zur Maifeier.— Kritische Bemerkungen zu «enossi» Braun's Vorschlag. V. Von A. N. VI. Bon W. Kähler-Wandsbeck. — Aus der Bewegung.— Die Forderung weiblicher Fabritinfpettoren vor dem Landlag von Allenburg.— Feuillsion: Die T'fchtcht' von der Malchin'. Von Ludwig Anzengruber.— Klein« Nachrichte». Die„Sleichbeii" erscheint all- u Tage einmal. Preis der Nummer l« Ps., durch die Post bezogen(cingelragen in der Neichspost- Zeilungsliste sür 1897 unier Nr. 2902) beträgt der Abonnementspreis vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pf.; uuter Kreuzband 86 Pf. Vom Band III des herausgegeben von E m a n u e l Wurm, Verlag von W ö r I e t n u. Komp., Nürnberg, stnd weilere 5 Hefte(Nr.«4 bis es) erschienen, in denen folgende gröbere Artikel enthalten sind: Kupfer(dessen Legierung), Kupferschmiede, Kürschner(Pelzweiaren, Pelzhandel), Kutscher, Lampen(Petroleumlampe, Weuhamlampe, Gasglühlicht, elettrisches Bogenlicht), Landwirthschast und deren Betrieb, LandwirthschastS- oder AgrarpoliM(Agrar- frage, Besitzverhäliniffe, Gesinde, Dienftleule, Sachsengänaer, Agrarfrage in der jozialdemolralischen Parieij, Latisuiidien(Sroßgrundbesttz), Leben und Tod (Entwicklungsgeschichte de« Organismus), Leder(dcffen Zurichtung und Ber- arbeitung). Leichenbestattung, Leihhäuser, Leim, Licht und dessen Lehre, Litho- graphie, Logik, Lotterte, Lübecl, Luxemburg, Luxus, die Insel Madagastar, Magnetismus, Malerei, Mähe und Scwichte, Malhemaltt, Maurer, Mechanik, Mecklenburg sdie Troßherzogihümer Schwerin und Strelitzs, Medizin(Heil- künde, Schulmedizin, Naturhctlkunde, Geschichte der Medizin,(theurgische, eayp- tische, indische, jüdische, griechische, römische ic,), Menschenrassen, Metall(In- duslrte, lArbeiler), Methan(Sumpfgas, Grubengas, Erdöl, Steinöl), Mexiko (Republik), Micthe(Vertrag, Kündigung-c.), Milttärges-tzgebung, Milttärgertchts- barkeiti, Mtltlärorgantsalton, Militär»nd Heerwesen(Ansang) Alle 14 Tage erscheint et» Hes!,-- Das Bolks-Lextkon kann durch alle Buch- Handlungen, Kolporteure u. s, w. und auch durch jede Postanstalt dezogen werden, ES ist im deulschen Postzeiiungs-Laialog unier Nr, 7089. tm bayerischen Post- zetlungs-Katalog unter Nr, 772 etugetragen. Im Verlag von I H, W, Dletz In Stuttgart stnd von der sZefchicht» der Deutschen Koiialdemoliratj» von Franz Mehring H-st» und 2 er- schiene». Das Werk besteht au» zwei Thetlen. welche die Zeit von l»S0 bi» 1898 umsassen. Der erste Thetl reicht von>880 bis lSS8, von der Julirevolution bis zum preubischcu Versassungsftreite, Gr zerfällt tn zwei Abschnitts, Der erste Abschnttt behandelt den modernen wtsfenschafilichen Kommunismus, dessen EntWickelung von semen ökonomischen, philosophischen und politischen Wurzeln bis zum Kom- munistischen Manisest von I84S dargestellt wird. Der zwetls Abschnitt schildert die Märzrevolution und ihre Folgen, soweit ste die Geschichte der Soztaldemolralte beetnflubt haben. Der zweite Theil reicht von ise8 bis 1898, von Laffalle's Offenem Antwort- schreiben bis zur Gegenwart. Er zerfällt tn drei Abschnitte. Der erste Abschnttt umsaht die junge» Jahre der deulschen Sozialdemorrnlie, die Agtiativn Laffallcs und die Jnlernalionale Arbeiterafsoziatio», die Kämpfe der Lassalleaner und Eisenacher, die Eintgung der beiden Frakitonen und die gemeinsame Bewegung bis zum Erlaß des Sozialtstengesetzes. Der zweite Abschnitt erzählt die Schicksale der Partei unier dem SoziaUnengesetze. Der dritte Abschnitt faßt die neuesten Entwicklungen unter gemeinem Rechte tn einem summarischen Ueberblick zusammen. Ten Schluß des Bandes bilden Anmerkungen, welche für die einzelnen Kapitel besonders zusammengestellt stnd, Sie stnd nicht blas daraus angelegt, der fach- Männischen Krtttt die Kontrolle der Darstellung zu ermöglichen, sondern sollen auch dem nicht gelehrten Leser, soweit eS sich um irgend bemerkenswerthe Erschet- nungen handelt, ein Wegweiser in der jetzt schon massenhaft ins Kraut gefchoffenen Literatur übse die deutsche Sozialdemokratie sein. Das kompleie Werl wird ca, s« Lieferungen- 20 Pf, umlaffen. Der Prei« ist so niedrig bemessen, wie er bei ciucm wissenschaftlichen Werke sonst kaum anzutreffen ist. Alle Buchhandlungen und Kolporteure nehmen Bestellungen entgegen. Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde stndet Montags, Dienstags, Freitags und Sonnabends, abends von 7—8 llfjr statt. Gaster. Sanders, Deutsche Sprachbriefe, Verlag von Langenscheidt, Berlin.— Lieblnecht's Fremdwörterbuch, Verlag von I. H. W. Dietz iil Stuttgart, dürfte ihrem Verlangen entsprechen. P. H. 14. Die Mannschaften der Kavallerie dienen drei Jahre. Schüler. Die Bahnstrecke Berlin-Hamburg ist 287 Kilometer lang. Zu einer Meile gehören 7i/z Kilometer. W. Krüger. Eine Beantwortung Ihrer Frage müssen Sie schon im Adreßbuch suchen. K. H. M. in Z. Auf anonyme Zuschriften können wir nicht eingehen. — C. K. Sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen.— F. B. Ihm sieht d i e Rente zu, die einen höheren Betrag aufweist. Die Höhe hängt u. a. von der Anzahl und der Art der Klcbemarken ab.— A. B. 75. 1. Ja. Sic können aber ihr eheliches Kind verlangen und selbst erziehen. 2. E h e- scheid nngsgrün de sind im Gebiete des allgemeinen Landrechts: Ehebruch, dringender Verdacht der Verletzung ehelicher Treue, dem Ehebruch gleichgestellte naturwidrige Handlungen, böswillige Verlasiung, halsstarrige und fortdauernde Versagung der ehelichen Pflicht, gänzliches und Unheil- bares Unvermögen zur Leistung der ehelichen Pflicht, Raserei und Wahn- sinn, Lebensnachstellnng, Bestrafung wegen grober Verbrechen, unordentliche Lebensart(Trunksucht, Verschwendung U. f. ib.), Ve-- sagung des Unterhalts, unüberwindliche Abneigung und(nur bei kinderlosen Ehen) gegenseitige ernstliche Einwilligung. 3. u. 4. Nein. — A. S. 20. Das uneheliche Kind wird Miterbe des Nachlasses scim.!: Mutter. Das, was während der Ehe erworben ist, gehört in der Mark Brandenburg in der Regel nicht zum Nachlaß, sondern ist alleiniges Eigen- thum des Ehemannes.— Müller. Erst vvni 1. Januar 1900 ab bedürfen in Deutschland volljährige Personen nicht mehr der elterlichen Einwilligung zur Heiraih. Heute bedarf ein Mädchen bis vollendetem 24., ein Mann bis zurückgelegtem 25. Lebensjahr der Einwilligung seines Vaters und, falls dieser verstorben oder entmündigt oder sonst in der Abgabe einer Willens- erklärung behindert ist, der Einwilligung seiner Mutter. Wird oie Ein- willigling verweigert, so kann beim Landgericht ans richterliche Ergänzung der Einwilligung geklagt werden. Der von Ihnen erwähnte Umstand macht die Einwilligung keineswegs entbehrlich.— W. F. Rixdorf. Die Klage ist zulässig, wäre aber wegen der Schwierigkeit oes Beweises wohl ohne Erfolg. . E. M. 2. Falls der erste Vater ein anderer war: leider nein.— S., Charlottenburg. Ja.— Ritter 4. Rumnielsburg, Direktion des Arbeits- hauseS und Hospitals.— G. u. W. W. hat recht. Mit den Freistellen hat G. recht. Die Kaution wird sich wohl auf die ReserendariaiS-Stclluiig des betreffenden beziehen: in Preußen kann der Nachweis bereiter Mittel sür den Unterhalt des Referendars vor seiner Anstellung verlangt iverdett. — M. P> Der Beischlaf zwischen Nerwandien auf. und absteigender Linie wird an ersteren mit Zuchthaus bis zu 5 Jahren, an den letzteren, falls sie über 18 Jahre alt stnd, mit.Gcfängiiib vis 2 Jahren und Ehrverlust bedroht. - N.«. 2. Nein,- Genosse 1807. Der«ater ist im Recht.-- «St» Plauen. I».— K. S. 122. 1. Utägigc Kündigniigsfrist besteht für jedeS gewerbliche Arbeitsverhältniß, falls nichts anderes vereinbart ist. 2. Nein.— R. N. 44. Polizeiliche Äenehinigung ist erforderlich.— F. F. 10V. Nein.— Münte. Freisprechung oder etwa 20 M. Strafe.■- Appell. Leider ist die Herrschaft im Recht.— I. R. 1. Nein. 2. Die Anmeldung muß erfolgen, Kosten macht das nicht.— O. G. 49. Beantragen Sie unter Darlegung des Sachverhalts Abweisiuig der Klage. Vertretung durch einen Rechtsanwalt ist nicht erforderlich. - Ch.«. Der betreffende erhält lein Gehalt.- F. 2S. 7.«. Verjährung tritt nicht ew, sobald innerhalb je b Jahren ein Steckbrief oder dergleichen seitens des Gerichts gegen den Thäter ergangen ist.— F. St.. Grotz-Lichkerfelde. Sie müssen sich an den Vorstand der Bernssgenossen- schaft wenden.— Bertha F. Für l/io kann Freistelle gewährt werden: Sie inüßten sich an die Schuldeputation iveiideii.— W. S. in AP. Ist eine Wohnung gesundheitsgesährlich, so kann der Micthcr den Miethsverirag ausheben lind Schadensersatz voni Vcrmiethcr verlangen. Selbstredend ist, daß die Gesundheitsgefährlichkeit nicht durch den Miether verursacht sein darf. — E. C. 35. 1. Das ist kein Ehescheidungsgriind. 2. Die Ehcschcidungs. klage muß durch einen Anwalt beim Landgericht angestrengt werden. Ihr muß ein Sühneversuch beim Anitsgericht vorausgehen. 3. Nein. 4, Die Bewilligung des Aruienrechts beraubt den betreffenden keines seiner pvli- tischen Rechte. 5. 100 Mark. 6. Nein, die Klage niüßte bei dem Landgericht angestrengt werden, in dessen Bezirk der Ehemann wohnt.— Sch.>0. Nein. Die Aiisstchtsbehörde hat die Befolgung der gesetzlichen und statutari- schcn Vorschriften zu überwachen und zu erzwingen. Dazu gehört cm Recht, die Verwaltungskosten zu erhöhen, nicht.— M. P. Ohne Mittheilung des Inhalts der Anfrage" unverständtich.— A. R. Nein. — BSalter, Koburg. l. und 2. Soweit ersichtlich, nein. Mit dem Zivilversorg 11 ngsfchei 11 verhält es sich Wie folgt; Die als dauernd vcrsorgungsberechtigt anerkannten Invaliden erhalten, wenn sie sich gut geführt haben, einen Zivilversorgungsfchein. Die Ganz- Invaliden erhalten diesen Schein neben der Pension, den Halb- Invaliden wird der- selbe nach ihrer Wahl an stelle der Pension verliehen, jedoch mir dann, wenn sie nimdcstens 12 Jahre gedient haben. Das Recht zur Wahl erlischt ein Jahr nach der erfolgten Anerkennung der Invalidität, bezüglich durch An» nähme des Zivilversorgungsschcmes vor Ablauf dieser Frist. Die zum Zivilvcrsorgungsschein berechtigten, aber wegen körperlicher Gebrechen im Ztvildiciiste untauglichen Invaliden erhalten, falls sich die Unfähigkeit zur' Verwendung im Zivildienste innerhalb eines Jahres nach der Anerkennung des Anspruchs auf den Zivilversorgiingsschein oder nach der Anshäiidiguiig desselben sich crgicbt, au stelle des Zivilversorgungsscheines eine Penstons- zulage von 12 M. monatlich. Die Zulage für Nichtbciiiitzung des Zivil- versorgungssckieincs beträgt nur 9 Mark monatlich, wenn der Invalide außerdein Versiüimnelungszulagc erhält. 3. Ja. O. Stein. Ntr deu Inhalt de« Inserate «dertU««» die Nedaktion dem Pnblikn« gegenüber keinerlei Berantwortnn Thrskev. Donnerstag, den 2S> April: Opernhaus. Undtne. Tchanspielhaud. Viel Lärm um Nichts� Deutsches. Die Unehrlichen.— Am Ende. Veri liier. Renaissance. Lesfing. Waldmeister. Schiller. Eine Palastrevolution. Pienes. Trilby. »vesten. Der Militävstaat. Linden. Der Bettelftudent. Thalia. Heirath auf Probe. Friedrich. Wilhelmsiiidtifchr». Trilby. Belle-Aliiance. Trilby. Refidenz. Baterfreuden.— Eine Rcisebekanntfchaft. Illexanderplaü. Endlich allein.— Eine tolle Prinzessin. Ostend. Aus der Millionenstadt. «olks. Geschloffen. Parodie. Lumpe-Bastspiel: Trilby. Passage-Panapitknin. 32 Mädchen auS Samoa. Rpollo. Spezialitäten. Oftend-Theater. Gr. Fraukfurterstr. 132. Dir. tungSfest. Volks-Theater 84. Reichenderger> Straste 84. Pferdebahnstation: Kottbuser Thor. S9- Bis zum U. Mai:-MW Gefutzlolken. Sonnabend, den 15. Mai 1807: Eröffnung der Soutmer- Saison. 1. Neu-Anffübrung der Gefangspoffe: Aus eigtur» Ziißtn von E. Pohl und H. Willen. Bor der Vorstellung: Br. Garten- Konzert. Thalia-Theater. (vormals Adolph Ernst-Theater). Heirnth nnf Probe. Posse mit Gesang in 3 Akte» nach C. Gerö von B. Buchbinder und Fr. Reiner. Bearbeitet von Jean. Kren und Gust. Görtz. Mustl von Leopold Kuhn. Morgen u. folgende Tage: Heirath auf Probe. Lnmpe-Gastspiel I-(u>oie kleinsten Die beiden indischen die kleinsten Menscheil der Welt! Damen-BSettschwimmen. Welt-Restaurant Varidtä- and 8pe>ialUilten- Theater. DreSdenerftraste 97. Nord ttnb Süd! Liederspiel von Btebnnd Dbtele. Hauptrollen! Kätk* Rtonde.- Walter Kröning. Rudolf Sehanss.— Max Röwer. Otto Womit. Ii» vorderen Saal täglich: Sli-o««e« �llv8tIer-k'i'ei-Xoviert. Anfang:> Gutree: Wochcnt. 8 Uhr. Wochentags 20 Pf Sonntags 6 Uhr. I Sonntags 30 Pf. AIgwi' Vail�tS n. 8peziaUt Programm! Ren! Grand Attraktion. Gebr. Torre, Jiistriiinentalist. N r n! H e r t Ii a f, o r e n z 1, brillante Kostünisoubrette. Knospe und Stengel. Posse in 1 Akt. ~/'Vi Uhr. sonntags 6 Uhr. Umtausch- Billets habe» Giliigkeit. Empfehle mein Weiss- und Baj risohbier- Lokal allen meinen Freunden und Bekannten. �iixast Bieberstein 13S3L»1 Lausiherplal, i2a. Ecke Eisenbahnstr., fr. Laüsitzer Platz 2. 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Für deu Jnseratentheil veraiitworUich: Th. Giorte in Berlin. Druck, und Verlag von Mail Vadina in Berlin.