Sinzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Ni\ 245— 2. Jahrgang Saarbrücken, Samstag, den 3. November 1934 Chefredakteur: M. B r a u n Wie werden die SaatkathoÜken stimmen? Seite 3 Die gefälschten „Wersen wn Zion" Seite 4 Das englisch-deutsche Zahlungsabkommen Seite 8 frdc ANImmuni) oder Einmarsdi Die militärisdie Geste frankreKhs und das Idio In nitlerdentsdiland Die große Gefahr I Slm 21. November tritt der BölkerbundSrat in Gens zn- sammen. Die sagenhafte Abrüstungskonferenz will einige Tage später ihr Büro nach Gens einberufen. Niemals seit dem Kriegsende haben internationale Kon- fcrenzcu unter so drohenden Weltkonstellationen sich vcr- sammelt wie in diesem November. Die rnssisch-japanischcn Konflikte bleiben kritisch und ungelöst. In London stattfindende Flotten- besprcchongcn zwischen Nordamerika, Japan und England stehen aus dem tote» Punkt. Die Hintergründe des politischen Doppclmordes von Marseille sind ungeklärt und vermehren die Spannung in Europa. Aus Belgrad sind bisher drei Noten, die sich mit der Be- tätigung kroatischer Terroristen in Ungarn und ihre Unter- stützung durch ungarische Stelle» beschäftigen, nach Budapest abgegangen, lieber die Einzelheiten dieser wichtigen Dis- kusstoneu wird beiderseits Stillschweigen beobachtet. Be- ruhigend ist diese geheimnisvolle Zwiesprache nicht. In Oesterreich hält das unterirdische politische Beben au. Sicher ist nur, dast die jetzige Regierung aus der sehr schmalen Grundlage, die sie betreten hat, sich nicht mehr lange halten kann. Der„austcrordentliche" Gesandte Herr von Pape» wird von einflustreichen Politikern Frankreichs gefährlicher Intrigen beschuldigt, die eine Verwirrung in Oesterreich zur Machtcrgrcisnng oder doch zur Machtbeteiligung der Ratio- nalsozialisten dienen sollen. DaS Regicrnngsorgan in Bei- grad, die„Prawda", zeigt ans die Exkaiserin Zita, die ihre Händchen und ihre Finanzen in diesen Spielen mit Explosivstoffen haben soll. Tie englische Presse, auch solche Zeitungen, die sich um Verständnis und Geduld gegenüber Hitlerdeutsch- la n d bemühten, findet mehr und mehr, dast die von Deutsch- land geforderte militärische Gleichberechtigung nicht gewährt werden, das hcistt also, die deutsche Ausrüstung, nicht lcgali-" Wert werden dürfe Denn dast Hitlerdeutschland mit dem stärksten Tempo in daS internationale Wettrüsten eingetreten ist, hat man nun auch in England allgemein begriffen. Viel, leicht hat es sogar der Ministerpräsident Macdonald ein- gesehen. Es zeugt für das wachsende Interesse der Engländer gegenüber dem militärpolitischen Problem Hitlerdeutschland, dast englische Verleger ganze Serien von Bücher über die deutsche Ausrüstung herausbringen. Insbesondere wird das englische Luftfahrt Ministerium angespornt, für die Lustsichcrheit Englands gegen einen deutschen Angrtss zu sorgen. Der König Leopold von Belgien ist vor einigen Tagen persönlich aus die politische Rednertribüne gegangen, um sich sür die Verstärkung des belgischen Vcrteidigungs- systems einzusetzen. Frankreichs Marschall P e t a i n ver- langt erhöhte Rüstungskrcdite mit der eindeutigen Spitze gegen Hitlcrdcutlchland. H c r r i o t mahnt zum Burgfrieden mit dem Hinweis aus das kritische Datum der Saarabstim- mung am 18. Januar, das die stärkste auhenpolitischc Be- lastung bringen könne. Und nun kommen die militä- rischen Vorbereitungen Frankreichs an der Saargrenze Anweisungen an die militärischen Kow, «andostellen für den Fall eines deutschen H a n d st r e i ch S an der Saar, verstärkt durch die Geste der össentlichen Bekanntgabe dieser Befehle und ihrer offiziellen Notifizierung in London, das seine Zustimmung zu der sran- zöfischcn Geste publizieren lästt. Es wäre kindlich, sich damit zu beruhigen, daß das alles nur geschehe, um die inncrpolitischc Krise Frankreichs zu ent- spannen und so die Veriassungöresorm unter grostcm aasten» politischen Lärm im Sinne DoumergueS und Tardicns rasch zur Erledigung zu bringen. Dast man die Gelegenheit be- nutzen möchte, um unter der Drohung dcS austenpolitisch umwölkten Horizontes auch innerpolitische Vorteil« zu er- zielen, ist zweifellos richtig. Die objektiven Tatbestände der Gefährdung des Friedens Europas sind aber stark genug, um groste Sorgen zu rechtfertigen. Einer der Brandherde und vielleicht der gefährlichste und akuteste liegt an der Saar. Die gesamte hitlcrdeutichc Presse ist seit achtundvierzig Stunden in groster Nervosität. DaS ist begreiflich genng, denn es ist eine anstergewöhnliche Mastnähme, die Frankreich trifft und ein Gradmesser für die Höhe und Gefahr der Spannung zwischen den k ciden Regierungen. Nur sollte man nicht so tun, als ständen die französischen Truppen schon an der Saar und die Abstimmung fände unter dem Druck sranzösischcr Bajonette statt Ob die sran- zöjischen Truppen einmarschieren oder nicht, hängt einzig und allein von den Hitler- deutschen und ihrer sogenannten„deutschen Front" im Saargebiet a b. Die ganze in jeder Be- Ziehung bedauerliche Entwicklung wäre nicht an diesen Punkt gelaugt, wenn nicht Hitlcrdeutjchland und seine Agenten an der Saar die Berufung einer neutralen Abstim- mungSpolizci mit allen Mitteln, auch durch diploma- tischen Druck aus kleine neutrale Länder verhindert hätte». Diese deutschen Schreier treiben seit Jahr und Tag eine in ihren Wirkungen antideutsche Politik und wundern sich und entrüsten sich dann, wenu die Folgen eintreten. Wären nicht gerade im deutscheu Interesse ein paar hundert neutrale Ab- stimmungspolizisten dieser gefährlichen dcutsch-sranzösischcn Zuspitzung vorzuziehen gewesen? Nicht einmal dies« neutrale Abstimmuugspolizei hätte in Betracht gezogen werden müssen, wenn nicht die hitlerdeutsche Front an der Saar von Au- fang aus Explosionen hingearbeitet hätte. Die ReichSregierung und ihre Beauftragten an der Saar haben ein politisches Verbrechen von europäischem Ausmast begangen, als sie die Parole ausgaben, in dem engen Räume des Saargcbietcs werde ein Kamps zwischen Deutschland und Frankreich ausgetragen. Seit Monaten hetzt die ganze gleichgeschaltete Presse gegen die au- geblich beabsichtigte Annexion des SaargcbieteS durch Frank- reich und der Status quo wird aus rein parteipolitischen Interessen als rein französische Lösung hingestellt. Das bedeutet aber für den Abstimmungskamps eine böse ins Unerträgliche sich steigernde Vergiftung der Atmosphäre. Jeder abstimmungsberechtigte Deutsche, der für die einst- weilige Beibehaltung des BölkcrbundSrcgimes und für die spätere Rückkehr in ein befreites Reich eintritt, wird als ein Knecht Frankreichs diffamiert, als ein Separatist und ein Landesverräter beschimpft, wird eines Verbrechens beschul- digt, aus das, wie gerade hente in Berliner Meldungen her- vorgehoben wird, Todesstrafe gesetzt ist. Wer eine solche Agitation aus rein deutschem Gebiet be- treibt, wer seine Volksgenossen, die lediglich aus national- deutschen Erwägungen diesen letzten Rest deutschen Bodens gegen die Vergewaltigung durch einen blutigen Partciterror schützen wollen, als Landesvcräter diffamiert vnd diese Hunderttausende als im Dienste einer fremden Macht stehend beschimpft, ist entweder unzurechnungsfähig oder er arbeitet bewustt aus gewalttätige Lösungen hin. Jede Ausreizung hat ihre Grenzen, an denen der blindwütig gesäte Hast, die Acchtung des Gegners unvermeidlich Zusammenstöste hervor- ruseu muh. Hinzutritt die bübische Art, mit der iu den Kreisen der ausgcwllhltcn und verwilderten nationalsozialistischen Jugend das, was man gemeinhin„einen Handstreich" nennt und die blutige Abrechnung mit den„Landesverrätern" be- sprachen und vorbereitet wird. Dafür ist der Bries des früheren Landesleiters, des jetzigen Staatsrats vnd Reichs- beauftragten Spaniol, der mit dem Einmarsch eines Heeres junger ArbeitSdicnstler droht, ein klarer Beweis. Die Verantwortung für diese Entwicklung liegt bei den Politikern und Publizisten, von Hitler bis Pirro und Hell- brück, die immer wieder die nationale Feme über die „Landesverräter" und„Separatisten" verhängen. Niemand wird ihnen diese Verantwortung abnehmen. Niemals wird sie ihnen vergessen werden. Dast der Präsident der Regiernngskommission, Herr Knox, daS Recht hat, französische Truppen anzufordern, wenn Leben und Eigentum der Saarbevölke- rung bedroht sind und die einheimischen Po- lizeikräste nicht ausreichen, darüber sollte eigent- lich nicht diskutiert werden. Soll er etwa in seinem Palais ruhig zusehen, wenn Mord und Totschlag iu den Ströhen Saarbrückens herrschen sollten? Freilich wird er die sran- zösische« Truppen erst in Marsch setzen lassen dürfen, wenn wirklich ein anderer Ausweg zur Wiederherstellung der Ordnung nicht mehr bleibt. Das ist so selbstverständlich, dast man es einem Manne ans so exponiertem Posten nicht erst zn predigen braucht. Uebrigens ist es in diesem Zu, sammenhange wichtig, daß keine englisch« Zeitung mehr ein« Großer La&onrSieg Vormarsch der Sozialisten in ganz England London, 2. Nov. Die bisher bekanntgewordenen Ergebnisse der am Donnerstag abgehaltenen Gemeinde- ratswahlen zeigen, daß die Arbeiterpartei in den Lon- doner Gemeindebez'.rken ihre vor drei Iahren erlittene schwere Niederlage nicht nur wettgemacht, sondern darüber hinaus Fortschritte erzielt hat. Die Arbeiter- partei beherrschte von 1928 bis 1931 in Groß-London acht Gemeinderäte. Bei ihrer Niederlage eine Woche nach den Parlamentswahlen im Jahre 1932 verlor sie fünf davon, um dann später bei einer Ersahwahl wie- der einen zurückzugewinnen, so daß sie bei den jetzigen Wahlen vier Londoner Gememderäte beherrschte. In den späten Abendstunden des Donnerstag wur- den die Wahlergebnisse in 17 von 28 Londoner Ge- meinderäten gemeldet. In nicht weniger als 19 von ihnen hat jetzt die Arbeiter- partei für die nächsten drei Jahre die Mehrheit. Elf Ergebnisse stehen noch aus. Bei den Wahlen in der englischen Provinz und in Wales ist die Lage noch unübersichtlich. Dort wird in den Gemeinderäten jedes Jahr ein Drittel der Aals- Mitglieder neu gewählt. Indessen besagen die ersten Er- gebnisse auch hier, daß die Sozialisten in vie- len Städten ihre Sitze zurückerobert haben. In Sheffield konnten sie ihre Mehrheit erhöhen. In Hull und Ctoke-on-Trent haben sie Sitze zurückgewonnen. Die Ergebnisse sind um so bedeutsamer, als die Wahlen unter der Klassen-Parole stattfanden: für oder gegen Kommunalsozialismus. Abberufung des Herrn Knox fordert. Vielleicht überlegen sich die Radaupolitiker der„deutschen Front" an der Saar und ihre Hintermänner in Berlin, was das bedeutet: wcl- cher gewaltigen europäischen Front sie nnd wir alle und unser ganzes deutsches Vaterland gegenüber stehen, wenn der Saarkamps zu Explosionen führt. Man darf die Verantwortung nicht verschieben lassen: sie liegt in Berlin. Dort sagt man, Frankreich suche nach einem Anlasse, ins Saargebiet einzurücken. Nun gut, Ausgab« der deutsche« Politik wäre es dann» diesen Anlast zu vermeiden: Schluh mit der Bersemung und Aechtung der Hitler-Gegner an der Saar, Schlust mit der Sluswühlrng aller gewalttätige« Instinkte sPirro: Mord- gesinbel und Mörderzentralc für die Sinheitösrontj, Schlust mit der Verhetzung, als kämpften aus saardeutschem Bode» Franzosen gegen Deutsche, Schlust mit dem wahnwitzigen Spiele durch eine Volkserhebung um den 18. Januar herum vollzogene Tatsachen zu schassen, Schlnst mit den Strategen und Quartiermachern für diesen„friedlichen Einzug", Schlust mit de« terroristischen Drohungen gegen die Deutsche« an der Saar, die sich sür Deutschland gegen Hitler bekennen und endlich die Anerkennung, dast eine wirkliche freie Ab- stimmnng auch von Hitler-Dentschland geachtet werden must. Auch dann bleiben noch bei der bekannten Vertragsbrüchig- kcit der Hitler und Schacht Sorgen genug. Wir wollen weder«ine« französischen Husarenstreich noch einen hitlerdeutschen Handstreich an der Saar. Das aarvolk soll am 18. Januar frei ent» scheiden, und die freie Entscheidung soll bei» derseits respektiert werden. Das ist die Forde» rnng der Freiheit und des Friedens. Die englische Regierung stimmt in Eine offiziöse Darstellung in der..Times London, 2. Nov.„Times" besaßt sich in einem offenbar dispirierten Artikel mit der Taarpolitik. Das Blatt stellt Die Haltung der britischen Regierung gegenüber der Anfjmmung über die Zukunft des Saargcbietes ist gegen- wärtig im ivcsentlichen die eines Ätegistrators. Groß- Britannien, das den Versailler Bertrag unterzeichnet hat, wünscht, das, die Volksabstimmung sich unparteiisch vollzieht, ohne daß auf die Wähler durch Drohung oder unzulässige Beeinflussung irgendwelcher Druck ausgeübt wird. Tie eng- tische Regierung ist überzeugt, daß der Bölkerbund angc- messen? Vorsichtsmaßregeln trifft, um dieses Ziel zu sicher». Der Bölkerbund hat bereits einen Abstimmuugsausschuß eingesetzt. Die Rcgieriingskommissiou des Saargcbietes ist vom Bölkerbund ermächtigt ivorden, in den neutralen Ländern zusätzliche^ Polizeikräste anzuwerben, um die Wählerschaft gegen Störungen der Ordnung zu schützen. Am 21. November tritt der Bölkerbiindsrat zu einer Sitzung zu- lammen. Dabei werden die letzten Borkehrungen für die Abstimmung und andere Saarsragen zur Erörterung stehen, die Fortsetzung der Pensionszahlungen noch Ab- schluß der Berwaltung des Saargcbietes durch den Völker- bund. Tie Politik der französischen Regierung gehl hierüber hinaus. Sie faßt die Möglichkeit ins Auge, daß die Polizei- krätte, die dem Präsidenten der Saarregierungskoinmissivn zur Verfügung stehen, einer Verstärkung bedürfen. Die britische Regierung ist über die sranzöfischc Anficht vollkommen unterrichtet. Die Vertreter Großbritanniens find von Barthou informiert worden. Das trifft besonders für den Herbst dieses Jahres, wo der sranzöfischc Staats- mann in Gens erklärte, seine Regierung sei bereit, wenn sie vom Völkerbund ansgesordert werde, Truppe« in das Saargebiet zu entsenden, dje der örtlichen Polizei behils- lich sein sollten, die Freiheit der Volksabstimmung gegen jede Becinslussnng zu sichern und jeder ernsten Ruhestörung vorzubeugen. Die Vorsichtsmaßnahmen, die von der sranzösischen Regie- rnng später noch ergriffen word-u und, um den etwaigen Ausbruch ernster Unruhen im Saargebiet gegebenenfalls be- gegnen zu können, wurden der englischen Regierung gleich- falls mitgeteilt. Wie verlautet, hat der französische Bot- ichaiter Sir John Simon dieser Tage bei einer Besprechung dl.ron in Kenntnis gesetzt. Tie britische Regierung betrachte zwar die Haltung Frank- reich» als„durchaus angemessen". Indessen bestehe nach Ausfassung der britischen Regierung keine Wahrscheinlichkeit dafür, daß der von der französischen Regierung befürchtete Fall eintritt, es sei denn, daß die Parteien im Saargebict jedes Verantwortungsgefühl verlieren. Großbritannien beabsichtige daher nicht, in dieser Angelegenheit vorzeitig irgendwelche besondere Schritte zu tun. Achnlich, wenn auch mit geringer Zurückhaltung, äußert sich die„Morning Post".' Was die Uitlcrdeutsdie Presse schreiben rnno Die Wiiheltns.raße befiehl! entrüstete Aufregung Die„Deutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Der Fall bedarf dringend der Ausklärung. Wir möchten zunächst nicht annehmen, daß Herr K n o x den Ehrgeiz haben könnte, sich zum Herrn über Krieg und Frieden in Europa zu machen. Bei seinem letzten Auftreten in Genf hat der vcr- itorbene Außenminister Barthon allerdings schon Gc- danken geäußert, die eine gefährliche Verwandtschaft mit dem Geist dieser neuen Verlautbarung haben. Was Herr Barthou damals sagte, kam aus eine glatte Jnterventionsdrohung hinaus, wobei der Einfall französischer Truppen in das Saar- land an die Wand gemalt wurde. Herr Barthon glaubte, sich mit dieser Drohung auf das eiusitminige Gefühl aller Franzosen berufen zu können. Wir schrieben schon damals, daß wir dies f ü r b a r e n U n s i n n halten, und wir können nur wiederholen, daß wir dem französischen Volk nicht zu- trauen, den Mißerfolg der Ruhrpolitik schon vergessen zu haben. Das„Berliner Tageblatt": Die systematisch ausgestreuten französischen Gerüchte über einen angeblich beabsichtigten deutschen Putsch unmittelbar nach der Abstimmung im Saargebiet sind uns seit einiger Zeit bekannt. Wir sind im allgemeinen nicht daraus ein- gegangen, weil wir sowohl eine Beunruhigung der Saar- Bevölkerung vermeiden.wie darauf verzichten wollten, unsererseits zur Verschärfung der Stimmung zwischen Deutschland und Frankreich beizutragen. Nachdem nun eine Reihe verbreiteter französischer Zeitungen sich dazu her- gegeben'hat. diese aus Em i g r a u t e n a u e l l c stammen- den Behauptungen zn verbreiten und die sranzösische Re- gierung zu militärischen Geacnmaßnahmcii zu ermuntern, müssen diese Rücksichten schweigen. Die„Berliner B ö r s e n- Z e i t u n g": So überflüssig es wäre, die völlige Haltlosigkeit dieser übten Provagandamanöver von französischer und saariepara- tistischcr Seite unter Beweis zu stellen, so dringend not- wendig erschein» es uns, die Weltösientlichkeit ans die Winkel- zü->e einer Politik hinzuweisen, die den mühsam ausrecht- erhaltenen Frieden in Europa auf das ernsteste gefährdet und Mi den nicht unbeerjjiiseten Verdacht aussetzt, das Votum des . Saarvolkes mit Waffengewalt entweder präjndizieren oder nachträglich korrigieren zn wollen. Tendenzen, zu deren Verfechtern höchste französische Militärs>,»d der Regierung nahestehende Presseorgane gebären, sollte man überall die ernsteste Aufmerksamkeit zuwenden. Die„G ermani a" schreibt unter der Ueberschrist: „Frankreich mobilisiert Saararmee": Tie militärischen Vorbereitungen zum angeblichen Schutz des SaaraebicteS sind eine Drohung, die selbst wieber llnrube stiftet, da- mit jene Elemente im trüben fischen können. Der Grund- satz, daß die Drohung mit den W äffen, der Krieg die ultima ratio zur Wahrung des bedrohten Rechtes eines Volkes sei, wird hier ins Meo-»teil verkehrt. Denn hier wird zur ultima ratio gegriffen, um sie acgen das heilige Recht des Saarvolkes zu kehren Es ist dieker Willkür schütz- los preisgegeben, weil b»* i-lck,'-Z der«mtwalfnuna nicht in der Lage ist, selbst b>" ultima ratio zum Schufte des Rechtes an der Saar zu ergreifen. Der„L o k a l a» zu e i g e r": Paris spiele seine letzte Karte aus, um die Verhandlungen, die im Zusammenhang mit der kommenden Genier Erörte- rung der Barthouschcn Denkschrift über die Saar stünden, in seinem Sinne zu beeinflussen. England leiste wiederum oui denkbar kurzsichtige Weise S e k u n d a n t e n d i e n st e. Aus das Saarvolk würde aber die französische Drohung nicht den geringsten Eindruck machen, sondern im Gegenteil. Au der Saar Die„Deutsche Fr o n t" schreibt: Man möchte marschieren und man sucht einen Anhalts- punkt. Ein tatsächlicher Grund besteht nicht. An der Saar herrscht absolute Ruhe und Ordnung. Die„Freiheit der ge- Heimen Abstimmung" ist tatsächlich garantiert. Sie könnte öffentlich sein, und sie würde nicht anders aussallen, wie sie am 13. Januar ausfallen würde: Für Deutschland! Und iveil man das weiß, und weil das so ist, sucht man fie unter die Spitzen der sranzöfische« Bajonette zu drücken, obwohl das das Abstimmungsergebnis nicht im geringsten beeinflussen könnte. Man sucht fieberhaft nach Gründen, die eine französische Invasion„vor der Welt rechtfertigen" würden. Man sucht fieberhaft, und weil dies vergeblich ist, werden eben die Gründe konstruiert. Die früher katholische L a n ö e s z e i t u n g: Wenn wir Taardeutsche immer wieder Nachrichten wie die hier mitgeteilten lesen müssen, dann macht da» auf uns den Eindruck, daß der Beste nun wirklich nicht i» Frieden leben soll, wenn eS dem bösen Nachbarn nicht gesällt. Wollen die sranzösischen Militärs um jeden Preis einen Hularenstretch ins Saargebiet unternehmen? Und soll die Volksabstimmung am 13. Januar unter dem„Schutze" der französischen Bajonette vor sich gehen? Die gleichgeschaltete„T a a r b r ü ck e r.Zeitung": Woraus es heute ankommt, ist die Methoden festzunageln, mit denen man in Frankreich versucht, die Außenpolitik in den Dienst der Innenpolitik zu stellen, wenn man es jchärser ausdrücken soll: auf Kosten des Friedens in Europa den Burgfrieden unter den Parteien in Frankreich aufrechtzu- erhalten... Alan kann eS also nur als ein verwerfliches Spiel mit dem Feuer zu bezeichnen, wenn man in Frankreich zur Sichcrstellung der inncrpolitischen Lage derartige außen politische Quertreibereien sich erlaubt... Das Urteil läßt sich wohl aussprechen, ohne der französischen RegGrutz" un recht zu tun. daß in dem Spiel mit der Saari'rage ein glattes Verbrechen am Frieden in Europa geschieht. FranzOsisdie Sorgen (Von unserem Korrespondenten) A. Psi. Paris, 2. November. Mehr als zuvor schenkt die Presse Deutschlands RüstungS- Methoden ihre Aufmerksamkeit. Im„Matin" verössent- licht Philippe Barres einen ausführlichen Artikel, in dem er den Nachweis führt, daß Deutschland im kommenden Frühling über ein Heer verfügen wird, dessen Mannschaft»- bestände und Ausrüstung den Vergleich mit Zahl und Be- waffnung der deutschen Armee bei Kriegsausbruch aushalte. Der„Figaro" bringt aus der Feder des Generals A. Rießel eine Abhandlung, in der die Zusammensetzung der deutschen Reichswehr genau geschildert und daraus verwiesen wird, daß diese heute schon annähernd 30(1= bis 4001100 Mann, also das Drei- bis Vierfache der durch den Versaillcr Vertrag festgesetzten Mannschaftsstärke, besitze. Ebenso wie Philippe Barres erwähnt der Autor aber auch daß man als militärische Truppe auch die kasernierte» und militärisch ausgebildeten Polizeimannschasten. serner die Mitglieder des Arbeitsdienstes, die Studenten, die ST. und die SA. zählen müsse. General Rießel kommt dann zu folgendem Schlüsse: '„Das alles vollzieht sich in dem Augenblick, wo in Frank- reich die mageren Jahrgänge, in denen das Loch sei» wird, die der Jahre 1035. 1988 und 1939 kaum zwei Fünftel deS normale» Beitrages zum Heere und 1939 und 1987 die Hälfte ausbrinaen werden Wenn wir nicht entschlossen sind, beizeiten die Dauer des Militärdienstes zu verlängern, dann wird es uns unmöglich sein, die gegenwärtia« Orga- nisation des Heeres zu erhalten. Aber diese ist ein Minimum. Unter dieses Minimum herunterzugehen, hat die militärische Führung immer für unklug gehalten, selbst alS die Reichs- wehr nur hunderttausend Mann zählte und das Hitlerregime noch nicht seine hunderttausende von braunen und schwarzen(ST.) Milizen zusammcngesaßt hatte. Tie einzige, einfache und logische Lösung ist. wenn wir an das Defizit unserer Jahrgänge 1939 und 1937 denken, schon im Lauke des Jahres 1987, die R ii ck k e h r z n r z w e i- jährigcn Die» stzeit. Unsere Politiker sagen, das Land wolle nichts von dieser Verlängerung der Dienstzeit wissen. WaS verstehen sie denn davon? Ich verstehe davon etwas infolge meiner über ganz Frankreich sich erstreckende» Beziehungen zu den Scharen unserer Reservisten— fast alle Franzosen verstehen vollkom- men diese Notwendigkeit. * In Darr im Unterelsaß wurde am Donnerstag durch Großsencr eine im Airneck-Tal gelegene Gerberei zerstört. Das Fabrikgebäude und bedeutende Häutevorräte wurden ein Raub der Flammen. Der Sachschaden wird ans drei Millionen Franken geschätzt. fit .Hit unerhörter Leichtfertigkeit' Halbamtlicher innerdeutscher Einspruch gegen rranhreidi Tie Diplomatisch-politische Korrespondenz schreibt: dnb. Berlin, 1. Nov. Die Erregung, die durch die Nach- richt von der Bewegung französischer Truppen an der Saar- grenze und durch die in London erfolgte entsprechende srav- zöfische Demarche Hervorgerufen worden ist, hat in Paris Veranlassung zu einer offiziösen Stellungnahme gegeben, die offenbar beschwichtigen sollte, aber leider in keiner Weise die allgemeine Beunruhigung zu mildern geeignet ist. Im Gegenteil: diese neue stanzösischc Stellungnahme enthalt die Bestätigung der Befürchtungen deutscher und europäischer Kreise. Jeder einzelne Satz der Verlautbarung gibt zu den schwersten Bedenken Anlaß und bedarf einer Zurückweisung vom Standpunkt des internationalen Rechts und der über- all anerkannten Grundsätze der Loyalität. Es wird erklärt, Frankreich halte sich strikte an den Ver- trag und gedenke in keiner Weise die Abstimmung der Saar- ländcr, die frei bleibe» müsse, zu beeinflussen. Es gibt aber keine Bestimmung des Vertrages, die unter irgendwelchen Voraussetzungen.so bedeutet werden könnte, als ob die Ab-, slimmung in Anwesenheit oder unter der Aussicht fremder Truppen möglich wäre. Tort, Ivo der Versailler Vertrag mit Bezug auf das Saargebict überhaupt von Truppen spricht, bestimmt er lediglich, daß dort nur eine lokale Gen- darmerie bestehen dürfe. Wenn Frankreich loyal handeln will, so kann man ihm nur zurufen: Achtete diese Abstim- .mung und'macht nicht den Versuch, sie zu einem Hohn aus die Freiheit werden zu lassen. Wenn Frankreich die Abstim- utung der Saarländer nicht beelnslussen will, wie die Ver- lautbarung behauptet, so müßte die französische Regierung von sich aus den Gedanken eines Einmarsches ihrer Truppen in das Saargebiet unter alle» Umständen ablehnen. Sie müßte die letzte sein, die aus irgendwelche Anregungen sich bereit finden könnte, Truppen zur Verfügung zu stelle»; denn keine stärkere Beeinflussung einer Abstimmung ist denkbar als der Ausmarsch von Militär, das selbst eine inter- essicrte Partei repräsentiert. Man ist hier nicht aus abstrakte Vorstellungen angewiesen. Es ist hinlänglichst bekannt, was französische Truppen ans deutschem Boden sür die Freiheit der Bevölkerung be- deuten. Sie bringen, ganz abgesehen von dem morali- Ichen Druck, den der Anblick der Bajonette, Maschinenge- wehr« und Panzerwagen immer ans eine fremde Bevölke- rung ausübt, ihre Militärgerichtsbarkeit und ihr sonstiges Ausnahmeregime sllr die Bewohner des Gebietes mit. Die Exekutive würde von der Regierungskommission aus den französischen Kommandierenden General und aus die höheren Militärbesehlshaber übergehen. Verbote und Vorschriften jeder Art„zum Schutze der Sicherheit der sranzösischen Truppen", Requisitionen, Haussuchungen, Verhaftungen und Ausweisungen wären wieder an der Tagesordnung. Die Bevölkerung wäre völlig mundtot gemacht, nur eine Gruppe von Zivilisten hätte jede Handlungsfreiheit und sogar das Recht des Wafsentragens: Die Separatisten. Tie würden sich seder Unterstützung und Förderung bei den französischen Offizieren erfreuen, ohne daß die Pariser Regierung osfi- zielt etwas davon wüßte. Das waren die Zustände unter der französischen Besetzung am Rhein vor zehn Jahren, und so werden sie immer sein, wenn Frankreich ein Gebiet besetzt, das von Teutschland los- gerissen werden ioll. In den Archiven des Foreign Office dürste noch der Bericht vorhanden seist, den Anfang 1921 der damatige englische Generalkonsul in München, Clive, auf Grund einer amtlichen Untersuchung in der Pfalz an seine Regierung erstattet hat. Die darin festgestellten Terrorsällc und vor allem die ossen- kundige Unterstützung der landsremden Separatisten durch die sranzösischen Militärbehörden wären sür Herrn Eorbin anläßlich seiner Demarche eine zeitgemäße Gedächtnisaul- srtschung gewesen. Wenn sranzösischerscits entschuldigend hervorgehoben wird, daß die Einsetzung französischer Streitkräfte nur aus aus- drücklichen Anruf der Regicrungstommission erfvlifen könne, so ist in der Tat festzustellen, daß einige ausländische Presse- stimmen aus ein verabredete» Spiel zwischen Frankreich und dem Präsidenten der Regierungskonimission hindeuten. Wenn dem so ist, so bedeutet das aber keine Erleichterung der Lage, in die sich die sranzösische Politik vor der Welt hinein- m'anövriert hat. Dagegen sällt ein eigentümliches Licht auf die Rolle des Herrn Knox als Treuhänder. Der Völker- bundsrat wird sich mit diesem Spiel hinter den Kulissen zu beschäftigen haben. Sei es die sranzösische Regierung, sei es Herr Knox— weder der französischen Regierung geben die internationalen Verpflichtungen aus dem Versailler Vertrag oder aus Völkerbundsbeschlüffen das Recht, das Saargebiet französischen Truppen zu überantworten. Wie steht es mit den Ratsbeschlüssen von 19» und 192«!. aus die sich Frankreich in der neuen Berlautbarnng wieder- nm ausdrücklich beruft? Diese Beschlüsse gingen ihrer, seits von dem Grundgedanken aus, daß es völlig unerträg- lich sei, ein Abstimmungsgebiet längere Zeit hindurch von den Truppen einer an dem Ergebnis der Abstimmung interessierten Macht besetzen zu lassen. Deshalb regelten sie die Zurückziehung der damals noch tver- tragswidrigl im Saargebiet stehenden französischen Truppen. Da das linke Rheinuser in jenen Jahren noch besetzt war es wurde nämlich erst 1930 vollständig geräumt— handelte c» sich damals um die rkine strategische Frage der Sicherung der durch das Saargebict führenden Etappenlinic der Be- satzungstruppen. Tie Besetzung hat ansgehört und auch der sogenannte Bahnschutz im Saargebiet ist dadurch hinfällig geworden und mit ihr verschwunden. Damit ist das Kapitel der Ratsbcschlüsse von 1925.26 vollständig abgeschlossen. Man hatte schon damals im Völkerbundsrat eingesehen, daß eine weitere Auirechterhaltung militärischer Maßnahmen mit de» klaren Bestimmungen des Versailler Vertrages nicht in Ein- klang zu bringen war. Mit der allgemeinen Frage der Siche- rung der Ruhe im Saargebict bat sich der VölkcrbundSrat erst im Juli 1931 befaßt. Er hat beschlossen, daß in erster Linie die Abstimmungspolizei im Lande selbst zu rekrutieren sei. Wenn das nicht befriedigend gelingen sollte, könnt«, neutrale Polizeiorgane angeworben werden. Es bestand aber Einverständnis darüber, daß auch die Neutralen nur durch Einzelwerbung, nicht durch Ueberftthrung geschlossener Abteilungen, herangezogen werden könnten. Dementsprechend war man auch völlig im klaren darüber, daß niemals deutsche oder sranzösische Truppen sür ein« solche Ausgabe in Frage kommen würden. Trotzdem wirb mit unerhörter Leichtfertigkeit von der sührenden Militärmacht Europas die Verwendung von Truppen außerhalb deS eigenen Gebiets in die Debatte ge- warfen und erörtert. Wo bleibt die von Frankreich auSge- arbeitete„Definition des Angreifers", deren Tchuliall der llebertritt von Truppen aus fremde Gebiete ist? Was soll aus Locarno werden, wenn das Saargebiet, ein vom Völker- bund verwalteter Teil des Reiches, zum Schauplatz einer ge- jährlichen militärischen Demonstration gemacht wird? Fiir Deutschland Gegen Hitler! Wie werden die Saar-Katholiken stimmen? Das„St. G a 1 1 e r T a g b 1 a 11" veröffentlicht in «einer Abendausgabe vom 30. Oktober einen aus Saarbrücken datierten Aufsatz„Saarkatholiken und Volksabstimmung", der geeignet ist, Aufsehen zu erregen, für den Gingeweihten enthält der Aufsatz zwar wenig Neues, aber er ist als Stimmungszeichen- barometer wichtig, weil er auf einen führenden katholischen Publizisten des Saargebiets zurückgeht und zeigt, wie sehr die Meinung der Katholiken sich von der öffentlich zur Schau getragenen Gleichschaltung unterscheidet. Redaktion der..Deutschen Freiheit". Es ist von. großer Bedeutung, daß seit einiger.Zeit sich in w*-. des saarländischen Katholizismus eine wachsende Mißstimmung Über die religionsieindliche Politik des Ratio- nalsozialismns bemerkbar macht. Tie Katholiken des Saar- gebietes inochen 73 Prozent der gesamten Bevölkerung aus. Mosern es sich bei ihnen um Berg- und Industriearbeiter handelt, sind sie in den christlichen Gewerkschaften strass or- oanisiert und überdies in zahlreichen religiösen Berbänden eng zusammengeschlossen. Bis zur Auslö'ung der Zentrums- Partei im Jahre 193-3 übten sie aus die regionale Politik matzgebenden Einfluß aus. Wenn deshalb die saarländischen Katholiken oder unter Umständen auch nur ein Teil von ihnen am Abstimmungstage sich gegen die Rückgliederung aussprechen, so ist es leicht möglich, daß Hitler an der Saar eine Niederlage erleidet. Aehnlich wie in Teutschland wird auch im Saargebiet die Propaganda für die Rückgliederung ausschließlich von den Nationalsozialisten besorgt. Kritik in den Reihen derer, die der großen Slbstimmungspartei„Deutsche Front" angehören, ist nicht erlaubt. Da die Mehrheit der saarländischen Katho- liken der„Deutschen Front" angehört, dars auch sie ihre wirkliche Meinung über das neue Teutschland und die Kirchenieindlichkeit des nationalsozialistischen Staates nicht aussprechen, ansonst sie Belästigungen ausgesetzt ist. Es ist schwer, sich unter diesen Umständen ein klares Bild von der gegenwärtigen Stimmung zu machen. Viele und angesehene katholische Saarländer bemühen sich noch um die Rüctgliede- rungspropaganda, obschon sie innerlich eiltschlossen sind, am Tage des Volksentscheides iür den gegenwärtigen Zustand zu stimmen. Die„Deutsche Front" behauptet, mir neutralen Journalisten erzählten unfern Lesern Lliaen, wenn wir in unser« Blättern von seltsamen Geständnissen der wirklichen Meinung der katholischen Saarländer berichten. Dem ist nicht so. Immer wieder erfahren wir Ansichten von Persönlich- leiten, an deren Ehrlichkeit uns aegcnüber wir nickt zweifeln können. Daß wir die Namen der betreffenden Persönlich- feiten nicht nennen können, ist nicht unsere Schuld. Interessante Angaben machte mir kürzlich der leitende Redaktor eines katholischen Blattes des Sagrgebietcs. das seit dem Sommer 1033 für den Nationalsozialismus Partei ergriffen hat und für die Rückgliederung Pro- v a g a n d a macht. Als neutraler Schweizer bin ich es zwar gewohnt, im Saargebiet hinter verschlossenen Türen überraschende Entdeckungen zu machen? die Aeunernvaeu dieses Redaktors, der ein guter Kenner der Verhälti""'e ist, brachten indessen doch zahlreiche neue Momente ane^^aes- licht. Zentrumspartei und„Deutsche Front" „Sehen Sie," so wandte sich Tr. X. zu mir.„die Lage unserer saarländischen Katholiken ist sehr kritisch. Seit im Sommer 1933 unter Führung der Nationalsozialisten die „Deutsche Front" gegründet und im befolge davon die für >>as Taargebiet so wichtige Zentrumsportei ausgelöst worden ;st, stehen wir Katholiken der Entwicklung der Dinge ziem- lich machtlos gegenüber. Ten schiverften Fehler, den wir be- gehen konnten und leider auch begangen haben, ist der. daß wir uns kämpf- und kompromißlos in die„Deutsche Front" eingliedrn ließen und damit ans das"ortbe>'»eben der Ken- trumspartei verzichteten. Wir haben damit nicht nur jeden Einfluß auk die Durchführung des AbstimmungSkompfes ver- koren, was schlimmer ist, unsere alten und bewährten Zm- trutstsssthrer haben allen Einfluß auf unsere Gesinnungs- genossen eingebüßt. Denn unsere Parteimitglieder waren mit den Beschlüssen der Zentrumspartei nicht einverstanden und hätten niemals ihre Einwilligung zur Auslösung der Partei gegeben, wenn mau sie darüber hätte abstimmen lassen. Nickt selten wurde deshalb vom Verrat der Partei- leitung gesprochen!" Dr..V. sprach dann von den Schwierigkeiten innerhalb der Deutschen Front" und den Auswirkungen der religionS- stündlichen Politik Hitlers aus das Taargebiet.„Auch die Nationalsozialisten des Taargebietes betrachten die katholische Kirche als Feindin und bekämpfen sie. Doch bat es sich bald gezeigt, daß das Saargebiet für religionsieindliche Be- ürebungen, gleichgültig ob fie sich gegen Katholiken oder Pro- testanten richten, kein günstiger Boden ist. Tie„Deutsche Front" hat dies eingesehen und sucht sich jetzt, nachdem sie am Anfang des Jahres einen der schärfsten Kirchenhetzer, Alois Spaniol, von feinem Posten als Landesleiter entfernt hezi, mit der Kirche und ihren Gläubigen wieder anzubiedern. Aber eS wird ihr dies nicht gelingen, solange in Deutschland der Kamps gegen Glauben und Kirche weitergeht. Die Katho- liken des Taargebietes sind über die Vorgänge in Deutschland entrüstet: gewisse Kreise, besonders die christlichen Ge- werkschasten, svmpatbitz—<— ot-'-» mit d?n Antifaschisten und haben sich erst kürzlich mit großer Mehrheit fiir einen Führer ausgesprochen, dessen Abveigung gegen den Nationakiozialis- Müs überall bekannt ist. Am meisten gart es zur Reit in den katholischen Arbeitervereinen, die zwar mit Politik nichts zu tun haben wollen, aber um so energischer gegen dl? nt Deutschland übliche Unterdrückung ihrer verbünde'"i Organisationen protestieren." Rückwirkungen der deutschen Politik „Es ist natürlich klar." so fuhr Tr. X. fort,„daß die Ereignisse des 39. Juni aus die gesamte Bevölkerung des Saar- aebleteS einen sehr schlechten Eindruck gemacht haben. Die Katholiken waren insbesondere ausgebracht über den Mord an Ministerialdirektor Tr.«laniener, der hier sehr bekannt und beliebt war Aber noch schlimmer waren die Rück' Wirkungen des Attentats aui Bundeskanzler Tr. Doll'uß. Tiefer Anschlag hat unter den saarländischen Katholiken eine einmütige Welle der Entrüstung hervorgerufen. Vom ersten Augenblick an, noch lange bevor dafür faßbare Beweise vor- banden waren, mar man hier überzeugt, daß biete ruchlose Tat das Werk der Nationalsozialisten sei und die deutsche Reichsregierung dafür die volle moralische Verantwortung trage. Tie Rückwirkung dieses Ereignisies aus die Stimmung der katholischen Saarbevölkerung war verheerend und niederschmetternd!" Einfluß auf das Resultat der Volksabstimmung Auf meine Zwilchensrage, wie sich die Dinge wohl aus das Resultat der Volksabstimmung auswirken werden, äußerte sich Tr. X. in folgender Weise, wobei er mich darauf a.t- merksam machte, daß er die Verhältnisie bestimmt unter einem sür Teutschland günstigen Gesichtswinkel betrachte. „Tie meisten Saarländer fühlen sich als Deutsche und wollen Deutsche bleiben. An dieser Tatsache ist wohl nichts zu ändern. Tie meisten saarländischen Katholiken wollen nichts mit den Antifaschisten zu tun haben, denn sie sind sich bewußt, daß Sozialisten und Kommunisten im Grunde ge- nommen ebenso religionsseindltch gesinnt sind wie die Ratio- nalsozialisten und kaum berechtigt find, sich gegenwärtig in ihrer Propaganda als die Verteidiger des Glaubens auizn- spielen. Aber die katholische Saarbevölkerung beginnt sich doch ernsthaft zu tragen, ob sie nicht, der Stimme ihres religiösen lAewiffens gehorchend, ihre Verurteilung der nationaljozia- listischen Kirchenieindlichkeit durch Befürwortung des gegen- wältigen Zustandes bezeugen müsse. Zur Zeit ist sich wohl ein Großteil der saarländischen Katholiken über die definitine Stellungnahme noch unklar. Aus jeden Fall wagen nur wenige ihrer wirklichen Gesinnung Ausdruck zu geben. Und doch gibt es zahlreiche Anzeichen, die aus einen unzwei- dentigen Ttimmungsumschwuug in dem für Deutschland un- günstigen Sinne schließen lassen. Tie augenblickliche Lage ist ungefähr so: Aus der einen Seite der beiden Fronten des Äbstimmnngskampses steht eine kleine Gruppe fanatischer Anhänger des Nationalsozia- lismus, der die Rückgliederung an Teutschland unter allen Umständen durchzusingen will. Wirtschaftliche oder moralische Erwägungen spielen tiir sie keine Rolle: sie wollen nichiS anderes als die Rückgliederung und erbosten davon wohl auch namhafte persönliche Vorteile. Ihre Zahl ist aber verhältnismäßig klein, sie machen höchstens 13 bis 20 Prozent aller Abstimmungsberechtigten aus. Ans der andern S.'sie steht eine Gruppe von ebenso fanatischen Antifaschisten, die wissen, daß die Rückgliederung des Saargebietes iiir>e Verfolgung und Konzentrationslager bedeutet. Seitdem' e am 26. August in Sulzbach zum erstenmal eine große Kund- gebung veranstaltet haben, kann man nicht mehr daran zweifeln, daß sie zahlenmäßig mindestens so stark sind wie die fanatischen Nationalsozialisten der Gegenseite. Diese beiden Gruppen haben ihre Stellung bezogen und werden ihre Haltung nicht verändern. Tie große Masse der Saar bevölkerung. insbesondere die Katholiken, hat sick no.N nicht entschieden, weder für die Rückgliederung an Deutsch, nd noch für die Beibehaltung des jetzigen Zust tudes ES hängt noch vollkommen von der weiteren Entwicklung der politischen und hauptsächlich der wirtschaftlichen Verhältnisse in Teutick- land ab. wie diese Leute am 13. Januar stimmen werden. Soviel scheint allerdings jetzt schon sicher, der katholische Klerus des Taargebietes und mit ihm alle diejenig".!.. die in Hitler und den Nationalsozialisten die ausgemachten Feinde der Religion und der Kultur sehen, werden gegen Teutschland, das heißt für den gegenwärtigen Zntand stimmen." Bis zuletzi noch Ueberraschungen möglich „Von entscheidender Bedeutung," so fügte Tr. X. seiner Situationsschilderung bei.„wird es allerdings sein, ob die Katholiken sich in letzter Stunde unabhängig von de» Avti- saschisten, zu einem kraftvollen Propagandafeldzug gegen die Rückgliederung aufraffen können. Die„Deutsche Front" tut alles, um diesen Gegenschlag zu verunmöglicken. Aber in die unüberwindliche Mauer, die sie glaubt, ausgerichtet zu haben, sind schon tiefe Breschen geschlagen. To besitzen die Katholiken seit einigen Monaten eine unabhängige Zeitung, die„Neue Soar-Post". die die Religionsfeindlichkeit des Tritten Reiches aufs schärfste brandmarkt und deshalb von allen ernsthaften Katholiken und ihren Gesinnungsfreunden mit großer Genugtuung gelesen wird. Aber es iehlen diesem Blatte und der ganzen katholischen rückaliederungsssindlichen Bewegung die notwendigen Mittel und führenden Köpfe: eS Wir and der tapfere Kaplan „Man muß Gott mehr gehorchen, denn den Menschen" Wir haben am Montag Auszüge einer Predigt des Tiözesansekretärs Kaplan Müller in Saarbrücken veröffentlicht, die dieser am Ehristkönigsseste vor lwr katho- tischen Jugend gehalten hat. Die Rede war eine einzige Kampfansage an den Autoritäts-, Raffen- und Blutwahn des„Führers". Eine geistliche Erklärung gegen uns in der früher katho- lischen, jetzt hitlerischen„Landeszeitung" iNummer 292) kann zwar nicht die Richtigkeit auch nur eines einzigen der von uns zitierten Sätze bestreiten, rügt aber, daß wir nicht die ganze Predigt abgedruckt haben. Wir hatten rücksichtsvoll wie wir sind, geglaubt, das sei dem Herrn Kaplan viel- leicht peinlich, aber wir versprechen ihm: wenn er noch einmal so mutig und glaubensstark gegen den roben Mate- rialismu» des Hitlertums predigt und uns unsere inngen katholischen Freunde wieder einladen, soll die ganze Pre- digt wortgetreu in der„Deutschen Freiheit" liehen. Sind Sie nun zufrieden, Herr Kaplan? To grobe Worte, wie„unterschlagen" sollte man nicht anwenden, wen« man so höflich behandelt wird wie Tie durch uns, Hochwiirdiger Herr Diözesansekretär! Die geistliche Zuschrift erklärt:„Die Predigt behandelte vom rein religiösen Standpunkt, ohne die Politik hinein- zuziehen, die Fragen des Rechtes und der Sittlichkeit, der Autorität und der Freiheit in ihren Beziehungen zu Gott, der Quelle des Rechtes und der Autorität." Das ist Wort iür Wort richtig. Gerade weil die Predigt rein religiös war, hat sie uns so gut gefallen. Nur weil wir Religion erwarteten, gingen wir in die Kirche! Wenn wir Politik hören wollen, gehen wir in die Versammlungen von Maz' Braun und Fritz Pfordt. Ja: weil die Predigt rein religiös war. weil sie die„alt- bekannten Glanbenswahrheiten" enthielt,„wie St. Pauins sie vortrug und die Kirche sie stets lehrte", gerode darum war sie eine lodernde Kampsansage gegen Hitler. Denn dessen Rosenberg beschimpst doch den hl. Paulus als einen jüdischen Strolch und nihilistischen Weltrevolniivnär! Das wissen Sie wohl, Herr Kaplan? Wenn nicht, können Sie den„Mythus des 29. Jahrhunderts" aus jeder Lehrbücherei des„dritten Reichs" entleihen. Mit Hitlers Autorität wird dort Rotenbergs Buch auch den Katholischen Lehrern ausgezwungen. Es wird Tie doch Ihre mutige Predigt nicht etwa»ach- träglich reuen. Herr Kaplan? Das wollen wir nicht hoffen. Wir trauen Ihnen zu, daß Sie mit uns das ewige Rebellen- wort in der Apostelgeschichte lieben:„Man muß Gott mehr gehorchen, denn den Menschen!" i'ehlt den Katholiken eine große Führerpersönlichkeit, die be- iahigt ist, die Massen der gläubigen Saarländer zum Sieg des gegenwärtigen Zustandes zu führen. Noch ist es nicht z« spät: tm Gegenteil, wir rechnen mit dem entscheidenden Vorstoß der Katholiken erst aui die allerletzten Wochen vor dem Absttmmungstag. Es geniigi, daß der katholische Führer drei, vier Wochen vor dem Volksentscheid vor die Oesientlichkett tritt in Saarbrücken einmal einen der großen Versamin- lungssäle mit Menschen füllt, die Gläubigen energisch an ihre Gewiffenspslicht erinnert und sie für den K.tt»"f mit die Erhaltung der Religion und des Glaubens begeistert. Sobald einmal der Bann gebrochen ist und die Katholiken wissen, daß Tausende von Gesinnungsgenossen mit ihnen gegen Sie Religionsversolgungen protestieren werben, so.st am Sieg des gegenwärtigen Zustande» nicht mehr z» zweifeln. Aber eine solche Aktion erfordert einen wirklichen Führer des katholischen Volkes. Diesen Führer sehen wir leider»och nicht, sonst hätten wir»nS ihm schon alle ang:ichloff:it und mit Taten bewiesen, wie wir im Grunde unserer Seele fühlen und denken.. So sprach der Redaktor eines katholischen Blattes, daS eifrig Rückgliederungspropaganda betreibt, ein Mann. 3er. wie mir nachträglich wiederholt bestätigt wurde, die Saar- bevölkerung und insbesondere die saarländischen Katholiken vorzüglich kennt. N?ch?>>?!<-'' Tartz-cc,,,,., ,„cu g'spannt sein, ob sich diese Vw!-; tt Zukunft bestätigen werden! Kann Hitler an der Saar gesdiiagen Diele Frage läßt die„Deutsche Front" am 3l. Oktober auswerfen und kommt zu dem schönen Ergebnis: „Das Saargebiet mag abstimmen, wie es will, für dt« innenpolitische Situation in Deutschland wird das aar nichts, auch nicht das Geringste ausmachen. Tie Macht des Führers Adolf Hitler ruht so unerschütterlich im Ver- tränen des ganzen Volkes, daß sür ihn und seine Stellung der Ausgang der Saarabstimmung völlig belanglos ist. Dartiber muß sich jeder Taararbeiter klar sein." Im Leitartikel derselben Ausgabe aber wird die„Neu- oort Times" zitiert, die über die Saarabstimmung folgende Bemerkung macht: „Die besten Kenner der Verhältnisie im Taargebiet sind sich darin einig, daß die Mehrheit im nächsten Januar sich iür einen Anschluß au Deutschland entscheiden wird. Das Taargebiet in seiner Gesamtheit betrachtet, wird mit 99 bis 79 Prozent für Deutschland stimmen. Infolge der aktiven Propaganda der Nationalsozialisten wird sich die Stimmenzahl vielleicht noch erhöhen. Sie mag vielleicht 73 Prozent erreichen." To weit ist die Siegeszuversicht der„Deut- scheu Front" also schon z» s a m m e n g e s« n k e n. daß sie es als Trost e m v ii» b et, wenn ein aus- l ä n d i s ch e r I o u r n a l i st den S t a t u s q u o l e r n 23 bis 49 Prozent der Stimmen z u s ch ä tz t. Nehmen wir einmal an, der Amerikaner behielte recht, obwohl er»ichi gerade zugunsten des Status ano gerechnet haben dürfte, denn sonst hätte ihn die„Deutsche Front" nicht lobend erwähnt. Was würden aber anch nur 23 bis 49 Prozent der Stimmen fiir den Status quo an der Saar für das Reich und die Welt bedeuten? ES wäre der Propagandaschwindel entlarvt, daß„das ganze Volt" hinter Hitler steht. Tie berühmten Volksabstimmungen mit ihren 99 v. H. für Hitler würben auch dem Dümmsten und Einfältigsten als Volksbetrug auf- gezeigt sein. Tie Opposition im Reiche und alle politisch Interessierten in der Welt wurden tund werden übrigens! ans der Saarabstimmung erkennen, daß die Opposition gegen die Hitlerdiktatuii wächst und ivächst und im Saar gebiet sich lawinenartig offenbart, obwohl gerade tu diesem Gebiet die Hitleristen die Gemüter durch die irreführende Parole„Für und wider Deutschland" verwirren können. Eine Niederlage Hitlers an der Saar wird diesen Ver- derber Deutschlands als ein nationales Unglück, als ein Hindernis für jede nationale Gemeinschaft der Deutschen erweisen und als den Träger eines bankrotten Systems, das von der Mehrheit des deutschen Volkes abgelehnt wird. Das würde der Anfang vom Ende sein. Hitler und die mhlloscu an seiner Staatssührung materiell interessierten Bonzen wissen es. Daher der verzive irlte Kamps gegen uns, and daher unser zähe Wille, von der Saar her die braune Schlammfront zu erledige». Wir wollen es und wir ive.rden es erreichen! Todesstrafe für Landesverrat „Den Kopf verwirkt" Werttn, 2. Nov. Tic I n st i z p r e s s e st e l l e Berlin teilt mit: „Vor dem 5. Senat des Volksgerichtshofes haben sich in 1 eprer Zeil wiederholt Angeklagte zu»erantioorten gehabt, denen Landesverrat zugunsten auswärtiger Mächte zur Last gelegt war Ta es sich bei landesverräterischen S'raitaten um die schwersten und verabscheu»ngoivnrdigsten Angrisse gegen den Bestand des Staates und das Gesamtleben der Nation handelt, sind in allen diesen Fällen vom Bolksge- richtshos harte Strafen verhängt ivordeu. Mehrere A'ge- klagte sind zum Tode verurteilt, in anderen Fällen sind Zuchtbauoftrasen bis zu 15 fahren verhängt worden. Rur in zwei besonders milde gelagerten Fällen sind Angeklagte mit Gefängnisstrafen davongekommen. Hervorzuheben ist aber, dast alle diese llrteile noch nn'er Anwendung der alte» Gesetzesvorschriiten ergangen sind, da sämtliche bisher vor dem Volksgerichtshof zur Aburtei- lung gelangten Straftaten des Landesverrats vor dem In« kralttreten des Gesetzes zur Aeuderuug von Vorschriften de? StrairechtS und des Strafverfahren» vom 24. Avril>984 b" gangen sind Dieses Gasest sieht bekanntlich bei Landesverrat Vundsästlich nur die Todesstrafe vor. Es ist feit dem 2. Mai /W4 in Geltung. cTc.it dieser cTcit wird sich daher jeder Deutsche, der sein Vaterland verrät und sich damit austerlialb Oer Volksgemeinschaft stellt, dessen bewustt sein müssen, dast sr in'ieser Volksgemeinschaft nicht weiter geduldet werden leuu»nd durch seine Tat seinen Kopf verwirkt hat. Nur 'in fo'die> schonnnasloses Vorgehen a^aeu Lanh"Sverrä^r entspricht auch nationalsozialistischer Nechksaussassung und fem gesunden Volksempfinden." Landesverrat ist nach der Meinung deS herrschenden eonzenklüngels jede Austenpvlitik, die von der des Ratio- ttas'ozialismile» abweicht. Die Blntsterichte. die reine natio» naliozialistische Parteigerichte sind, können jeden gefährlschen Gegner köpfen lassen Die„Negers ener" Ueberau 500 bis 600 v. H. Zuschlag Tic berüchtigte Bürgersteuer, gegen die sich im„Softem" ritt scharfe Agitation gerichtet hat, bleibt überall zu höchsten «tilyn in Krail. So wird gemeldet, dast sie in Bonn i>i»i v. h. des Reichssatzes beträgt, in Köln lino v. H., in Brefeld 500 v. H„ in Aachen öl Kl v. H., in M.-Gladbach Odo v. h., in Bvch u m 500 v. h. Natts lvr Ska'ns quo Einstweilen nur in Danzig n ,®.' r lias geradezu leidenschastliche Eintreten der Nazis für den Völkerd»uds-Statns-quo in Tanzig schon be- bandelt. In der„Neuen Zürcher Zeitung"(Nr. 1946) lesen wir nun: . Om Zusammenhang der deutsch-poluischen Annäherung, die !•? ,15,1 r 1-°6cii durch die Erhebung der beiderseitigen Gesandtschaiten in Berlin und Warschau zum Range von Botichaften w.eder betont wurde, spielt die Entwicklung des Verhältnisse« zwischen Pole» und der.Treten Stadt Tanzig eine groste Wolle. Tie„.kölnische cieitung" weist nun aus eine Sondernummer des zum Regierungslager gehörenden pof-' n.sche» Blattes„Przeglad Polski" hin. die diesem Ver- hällnis gewidmet ist und wegen ihrer politischen Tendenz Intel) der Meinung des rheinischen Organs gröstie Beachtung verdient. Tas Eharaktsristische an dieser Tendenz ist die Tatsache, dast ans der wirtschaftlichen Verständigung zwischen Tanzig und Polen politische Schlustfvlge- r u hoch im Sinne der polnischen Wunsche gezogen iver- den. Minister Papse, der diplomatische Vertreter Polens in Tanzig, hat für die Sondernummer des„Przeglad Polski" ein Geleitwort geschrieben, in dem er erklärt, Tanzig wachse hinein in den polnische» W i r t s ch a s t s- Organismus und gleichzeitig habe die polnische Minder heit in der Freien Stadt ihr eigenes Statut erhalten, das ihr Recht sichere. Tas Hineinwachsen Tanzigs in das polnische Wirtschaftsgebiet wird auch sonst stark betont und damit begründet, dast die Freie Stadt vor allem durch G dingen vor die Alternative gestellt worden sei, zu- gründe zu gehen oder sich einzufügen,' heute bestreite niemand mehr, dast sie bereits ein integrierender Bestandteil des polnischen Wirtschastsorganismus sei, und zur Bestätigung di'ser Feststellung beruft sich der„Przeglad Polski" auf Erklärungen des Tanziger Gauleiters Förster, wonach die Nationalsozialistische Partei in Tanzig niemals ein e Revision des Tanziger Statuts erstrebt habe und auch in Zukunft nicht beabsichtige. Tas bedeutet die Anerken- nung der Abtrennung der Freien Stadt vom Deutschen Reich durch die Nationalsozialisten von Tanzig»nd wäh- rend gewisse polnische Stimmen über die Ernsthaftigkeit dieses Verzichts ans Revisionsbestrebungen noch Zweifel aussprachen, bemüht sich der„Przegald Polski" offensichtlich, dle Erklärung Försters als glaubwürdig und endgültig darzustellen und auf Grund dieser„vollendeten Tatsache" auch gleich eine Weihe von polnischen Forderungen auzu- melden. • Bürgermeister Sel.'i Vor einigen Tagen meldete eine Prager Zeitung, dast der Wiener Bürgermeister Seitz freigelassen worden sei. Wir haben die Richtigkeit dieser Meldung bezweifelt. Tat- sächlich ist Seitz»och immer in Haft. Aber der österreichische Goebbels, der Oberst Adam, verbreitet das Märchen, Se:tz habe keine Ursache zu klage», denn er beziehe eine hohe Pen- sion. Seitz kam vor einige» Wochen in ein Sanatorium. Für die Unterbringung uiustte er 144 Schilling täglich z ihlen. Gleich bei der Einliescrung in das Sanatorium hatte er 8000 Schilling zu erlegen. Davon waren nur 00 Schilling für ihn selbst': der Rest ging zur Bezahlung der sechs T e t e k t i v c auf, die ihn in drei Schichten beivache». Nunmehr wurden die Kosten, da sie Seitz nicht mehr be- zahle» konnte, auf 54 Schilling täglich herabgesetzt und die österreichische Regierung verbreitete die Nachricht, man habe Seist die Bezahlung der Kosten überhaupt erlassen. Aber Seitz must noch heute für die Unterbringung im Sanatorium 000 Schilling im Monat mehr bezahle», als seine und seiner Frau Px„sion ausmacht. Ta Seitz, entgegen den Behaup- tungeu der Gegner, ein armer Mann ist, wird er nicht mehr lange im Sanatorium bleiben können, obwohl die Aerzte eine Verschlimmerung seines Zustandes feststellten. Für den Unterhalt slsiner Frau und des Adoptivkindes bleibt von der B-»sion ällo Nicht ein Greven, f.rs war ter Grund für ?ei»ens Bitte, wieder in das Gesängnis überführt zu werden. Selbstverständlich denkt die Regierung längst nicht m»r daran. Seitz den Prozest zu machen: aber sie g» ä l I ihn l» n gsa m zu Ti*e. Die„Weisen von Zion" Vernldslcnde Aussagen- Das Outaditen Professor Baumgartens Ter letzte Zeuge ist Tr. Alfred Zander. Er bekennt sich als Antisemit und ivar bis im Juli Mitglied der Ratio- ualen Front. Er bestätigt, dast er am!>. Juni 1988 im „Eisernen Besen" unter dem Titel„Und trotzdem echt" die Richtigkeit der Protokolle der Weisen von Zio» behauptet habe, so dast also der junge Silvio Schnell als Mit- glied der Rationalen Front im beste» Glauben handeln konnte. Pros. M a t t i, der Verteidiger des israelitische» Gemeinde- bundes, fragt den Zeugen»ach seiner wissenschaftlichen Qualifikation. Zander antwortet, er habe eine Dissertation über Pestalozzi in Dverdon geschrieben. Er glaube an die Richtigkeit der Protokolle, genau wie an die der E v a n- gclien s!s, und wenn man ihm hundertmal das Gegen- teil beweise. Ta übrigens niemand gegen die Protokolle geklagt habe, und da sie eine weite Verbreitung geniesten, so habe er annehmen müssen, dast sie echt seien. Ter Zeuge Mar Bodenheimer ist ein zionistischer Politiker und Rechtsanwalt ans Köln und jetzt in Amster- dam tätig. Bodenheimer war ei» Mitarbeiter Hcrzls und erlebte mit ihm den i Basier Zionistentongrest. Er blättert in den Protakollen dieses Kongresses und bekräitigt ihre Richtigkeit. Als Mitglied des zionistischen Aktionskomitees versichert er, dast andere Protokolle vom Basler Kongrcst als diese hier nicht existieren. Vor dem Kongrcst fand in der Burgvogtei eine organisatorische Sitzung statt. Von irgendeinem Plan, der sich nicht mit den Arbeite» des Kau» greises gedeckt hätten, kann keine Rede sein. Ter Kongrefl war alles andere als eine Vereinigung der gesamten Judenschaft, da ja die Gegner des Zionismus innerhalb des Juden- tums in der Mehrzahl waren. Tr. jur Welti gibt weitere Auskunst über den Frei- maurcrordcn, dem er als Mitglied der Berner Loge seit 45 Jahren angehört. Wichtig ist seine Versicherung, dast er nie etwas von einer Zusammenarbeit der Freimaurerei mit jüdischen Vereinigungen bemerkt hat. Ein alter Basler Topograph, Franz Sieber hat als Stenograph am ersten Zionistentongrest teilgenommen. Tie Protokolle der Weisen von Zio» kennt der Baslcr Zeuge nur aus der„'Rational Zeitung", hält aber den Inhalt für un- vereinbar mit den Arbeiten des Kongresses. Genau gleich zeugt auch ein weiterer Basier Stenograph, Tr. Dietrich. Tr. Otto Z o l l e r, damals Redakteur der„Basler Nachrichten", ivobnte als Journalist dem Kongrcst bei Er iagt aus. dast 24 geheime Sitzungen, von denen die Protokolle der Weisen flunkern, niemals hätten stattfinden können. Tie fixen Basler Reporter hätten das sicherlich aus- sindig gemacht. Ueberhanvt herrschte damals in Baiel keine Verschwörerstimmung, sondern eitel Jubel und Begeisterung! fälstitaiig- Plotiat- rdiundlitcratur Tas Gutachten von Pros. Vanmgarten unifastt 420 Folio- seilen.„Tie angeblichen Enthüllungen, die uns in diesem Elaborat gemacht werden, sind ein Märchen," so schreibt Präs. Baumgarten, nach der Inhaltsangabe der Protokolle.„Tas lästt sich mit dem Grade von Bestimmtheit sagen, über den c'nc gerichtliche Feststellung kaum sc Hinausgehen kann, und auch nicht hinauszugehen braucht. Wenn der Unbekannte, der aus den Prototollc» zu uns spricht, die Wahrheit sagte, dann hatte die bisherige Historie von Weltgeschichte geredet wie der Blinde von der Farbe. Sie berichtet uns von mancherlei Gc- heimverbinbnngen»nd ihrem Einflust auf den Laut der Tinge, aber von der Gehcimverbindung, die nach den Proto- tollen das eigentliche geistige Zentrum der gesamten modernen Geschichte bilden würde, schivcigt sie... Wenn die Geheimregierung der Protokolle wirklich existierte, müstte die gesamte moderne Geschichte umgeschrieben werben.'Run sind die Protokolle seit etiva 15 Jahren nrbi et orbi bekannt geworden, und kein Historiker von Rang hat von ihnen Rotiz genommen. Das kann nur daran liegen, dast die Gcichschts- ivikienschast die Erzählnna der Protokolle für eine offensicht- licht Fabel hält, und wen» wir der Wissenschaft nur über- Haupt etwas glauben wollen, werden ivir nnS diesem Urteil anzuschliestcn haben." Weiter unten kommt das Gutachten zuin_ Schlnst,„dast die Protokolle von vornherein als h i st o r i s ch e F ä l- s ch u n g konzipiert wurden, dast sie die Existenz der jüdischen Geheimregierung mitsamt ihrem schauerlichen Pro- gramm vortäuschen sollten, um Juden, Freimaurer, Liberale und Sozialisten in Mistkredit zu bringen und einer reaktiv- nnren Politik Vorschub zu leisten." Tast die Fälscher die Entstehung der Protokolle nach Basel an den Zionistentongrest»erlegt habe», geschah nur, um i» Rußland die ganze Verschwörung konkreter erscheinen zu lassen. In Wirklichkeit wären Ort und Anlast zu einer solchen Verschwörung denkbar»»aeeignet gewesen. Ter A n t t s c m t t i s»> u s würde nicht eine geistgeschicht- liche Erscheinung von solchem Ausniast geworden sein, wie es tatsächlich der Fall ist. wenn er aus nichts anderem beruhte, als aui Vcrstäudnislosigkeil und Vorurteil gegenüber einer fremden Rasse»nd ans niederem Konkurrenzneid. Anderer- seit» würden, wenn es nicht einen weitverbreiteten und tiek- gen'urzelten Antisemitismus gäbe, die Protokolle niemals ihre groste Karriere gemacht haben, ivürbc nicht eine so erbebliche Zahl von Menichen!» de» Protokollen das getreue Spiegelbild jüdische» Geistes zu finden glauben. Tie Frage des Gerichts, ob die Protokolle eine Fälschung seien, beautwortet das Gutachten mit ..Ja", die Protokolle der Waisen von Zio» sind nach allem, was wir ausgeführt haben, zweifellos eine Fälschung. Sie sind auch ein Plagiat, denn sie sind zu erheblichem Teil fast wörtlich abgeschrieben aus dem Buche„Tialogues aux enfers"... Als Quelle dienten ihnen außer der Schrift von Jolo wahrscheinlich die französische gegen Freimaurerei»nd das Judentum ge- richtete Literatur der zweiten Hälfte des 1». Jahrhunderts. Wabrscheinlich liegt den Protokollen eine Schrift zugrunde, die General O r g e w s k v i» den Wer Jahren onfcrii ien, liest, um Kai'er Alexander 8. zu überzeuge», dast die Er- mordung seines Vaters nicht auf die Uiizukriedenh-it weiter Volkskreise mit der Mistwirtschast des zaristischen Beamte»- tums, sondern auf die Mache»'st>aste» einer groste» jüoisch» Geheimverschwörung zurückzuführen sei. Ihre fetzige F'.rm erhielten die Protokolle wahrsckieinlich in der zwe'ten Hv! e der 90er Jahre. A» der Redaktion waren beteiligt der Elles der russischen Geheimpolizei in Paris, R a t s ch k o w s k o und seine Aaenten Mann! low und G o l o w i n s k n. Tie Protokolle zirkulierten schon Ende der 90er Jahr ein russischen Regierungskreisen. iOOl lieft RatschkowSkv ein französisch Erwnvkar davon an S e r a e i R i l n s gelanaen Tiefer.«un hoch'onkervatlver, orthodoxer, religiister Schriftsteller, tollte am Hos Einfluß gewinnen und be» frniizi'sischcn Günstling »» ver Arferpara*ra$ in Oer.Ocu'sdicn\ibz* i an» Tie„Tentsche Arbeitsfront" hat kürzlich„Richtlinien über die Mitgliedschaft" herausgegeben. Wenn diese Richtlinien mit den artgleichen Ausführungsbestimmungen der italienischen Gesetzgebung verglichen werden, so erscheint die TAF. in ihren Ausnahmebestimmungen sehr liberal, während die italienische Verordnung sehr anspruchsvoll ist, gewährt sie doch die Mitgliedschaft nur Leuten, die sich über „eine gute moralische und politische Lebensführung in natio- nalem Sinne ausweisen können". Politische oder sonstige Moral beansprucht man in den Richtlinien der TAF. vor- sichtshalber nicht, hingegen muß man eine Bedingung un- bedingt erfüllen: man hat lOOprozentig arisch zu sein. Es beißt nämlich in den Richtlinien kurz und bündig:„Alle reichsdentschen und auslandsdeutschen schassenden, nicht dauernd erwerbsfähigen Bolksqenosien können die Einzel- Mitgliedschaft erwerben, soweit sie rein arischer Abstammung find." WaS heißt„rein arisch"'? Gibt es auch unreine Arier, wie z. B. Goebbels und Hitler? Fängt die Reinheit bei der Ur Großm,ilier oder bei Adam und Eva an? 'Nikolaus 2. Philippe verdrängen. Tie Intrige mistlang und Rilus tonnte die Protokolle er» 1905 veröfienllichen. S^on 4908 waren sie aber in der russische» ZeitUv"„Snamia" erschienen. Ferner veröffentlichte»c long G. W. Butmi unter dem Titel„Tic Feinde des Menschengeschlechts". Alle>n Westeuropa zirkulierenden Ausgaben snstcn ans diesen beiden Autoren. Aus die Frage nach den Beziehungen zum Basler Zionistenkongreß 48V7 antwortet das Gutachten: Tie Protokolle stehen zu diesem ,<>^^st nur insofern in Beziehung, als die Verfechter ihrer Echtheit,«ni die jüdische Geheimverschwöriing mit e'ii.'r greitvaren historischen Erscheinung zu verkiiüv'en, die Be- Häuptling aufstellte», die in den Protokollen erwähnten Sitzungen seien 4»97 während des Zionistenkongresies°n Basel abaehalien worden. Tatsächlich besteht nicht der geringste Anhaltspunkt dafür, dast die Konaressisten oder ein Teil von ihnen irgendwelche andere Sitzungen abgehalten hätte» als die bekannten öffentlichen. In die:?» bat man sich mit nichts anderem beschäftigt als mit den unter dem Namen Zionismus bekannte» Bestrebunaen. die etwa s gänzlich anderes sind, als die Machenichasten und Pläne, aui die sich die Protokolle tieziehen, ja zu den letzteren geradezu in scharfem WiderGruche stehen." Fallen die Pro- tokolle in literarischer Hinsicht unter den Begriff„Schundliteratur"? „Wer die Wirkung, die die Protokolle ausgeübt haben, nicht kennt," fährt Prof. Baiimgarten fort,„der mag über sie lächeln als eine ohne weiteres für jedermann durchjchanbare Fälschung. Wer sie aber>» dem Gedanken, dast sie möglicherweise echt und wahr sein könnten, herausgibt, der muß sie als ein bedeutungsvolles bistortsck'eS Dokument in objektiv kritischem Geist und mit V e r a n t iv o r t n n g S- g e f ü h l behandeln. Frit'-ß hat in seiner Protok>> l- liroschiire das wahre Gegenteil getan Ich mui- nach alledem seine Protokollbroschüre als einen Beitrag zur Schnndliie-' ratnr bezeichnen." Der unauffindbare nfluduneuer In unserer Nummer vom 4. August d. I. wiesen wir uu'er der Stichniarke„Wo ist Pfarrer Münchweiler?" daraus»in, dast der„Fleischbeschauer des„dritten Reichs" seit Jabr und Tag sang- und klanglos verschwunden ist. während doch eigentlich im evangelischen Kirchenstreit sein Platz gewesen wäre. An dieses Verschwinden Münchmeyers i t jetzt in d, m großen Prozest erinnert worden, der in der schweizer scheu Vlindeshauptstadt Bern verhandelt wird, be! dem es um die Echtheit der berüchtigten„Protokolle d e r W e i f e n von Zio» gebt. Tas Geeicht hat den Klägern wie den An- geklagten die Stellung eines Experten über die Ech neii der Protokolle ausgegeben: In dem Bericht der„Neuen Zürcher Zeitung" vom 29. Oktober d. I. iAbendbli.tj über den Prozest heißt es darüber: „Tie Angeklagten griffen auf den in früheren Jahr:n als Vorkämpfer des Antisemitismus bekannten deutschen Pastor Münchmelier in Oldenburg, den jedoch die barsche Reichspost nicht aufzufinden vermochte." Also auch für die deutsche ReichSpost ist Pfarrer Münch- melier unauffindbar. TaS läßt darauf schließen, dast icr streitbare Judenfresser entweder i» dem von ihm ,o Heist eriehiiten„dritten Reich" von seinen Nationalsozialist ichen Freunde» abgekillt worden ist, oder dast er sich vor.h e» in die Emigration geflüchtet hat. Im Sommer 1988 will ihn lemand. der ihn«uS dem Reichstaae persönlich kennt, in Zürich gesehen haben, wo er den Goiiesstreiter für cnen Raziw-tzel HI-lt. Vielleicht wir er damals schon an» dem Raz' parad es verduftet. Diners iür Ausländer Höchstleistung der Kochkunst Ter„Westdeutsche Beobachter" in Köln berichtet: ... daß aus dem Internationalen Hotelierkongreß in Berlin, der bekanntlich in den ersten Tagen dieses MonatS stattfand, für die ausländischen Gäste TinerS zusammen- gestellt wurden, die Höchstleistungen heutiger Kochkunst darstellen? So gab es ,.«. am Freitag, dem 5. Oktober, mittags: Matjesheringe in Weißwein, Steinbnttensalat mit Jungen . emusen, Zandersalat rumänisch. Nürnberger Ochsen- maulsalat,vorjähriger Holsteiner Katenschinken, Erbsen- Gppe mit«chiveinsohren. Hühnersrikassee„Berliner Art", Butterreis. Junger Fasan mit Speck in Weinlanb ge- ' ,r"™ ÖUt~ Schwenkkartosseln. Pökelrinder, mit kalt— Meerrettich, Haselnustereme— Vanilletnnke. Vermutlich werden die ausländischen Hoteliers nun da- heim erzählen, so leb: man im«dritten Reich". t Qeutsdte Stimmen•(Beilage zur..!Deutstfien&weifkeit'• Ereignisse und öesiftirfi^cfü WWW Samitag, den 3. November 1934 WWW iMS T>as£ade des deutschen Jititikecs tc hat JUagandist des Staates')?<»Msiher Seite, dab Japan eine Flotte habe, die so stark sei wie die von USA., wird von spanischer Se.ie zu,«ckgr wiesen. In einer Havasmeldnng aus Madrid, die sich ans eine gntunterrichtete Quelle stützen soll, ist von der Absicht der spanischen Regierung die Rede, eine 12 9110 Man» starke motorisierte Division zu schassen. Die neun Infanterie- bataillone dieser Division sollen mit Lastkraftwagen für die Beförderung der Mannschaften versehen werden. Außerdem soll die Division Panzerwagen. Tanks nnd Geschütze mit Traktoren erhalten. Sie soll in der Nähe von Madrid Gar- nison beziehen. Palhefisdier Schmus Kohlenhändler in Hitlers Stil Tie„Deutsche Kohlenzeitung", Herbst 198-1, lob, ji.r> iclber mit folgenden Worten- Liebe Volksgenossen! Bor Ihnen liegt ei» unscheinbares Heft von 15 Seiten. Aber diese 15 Seiten umfassen ein Geisteswerk, das in der Kühnheit seiner Anlage und in der Tiefe seiner Wirkungen seinesgleichen in der deut- scheu Wirtschaftsgeschichte sucht.. Es stellt den großzügi- gcn Versuch eines ganzen Berufsstandes, des deutschet. .Kohlenhandels dar sich ein eignes Lebeusgejetz zu geben. Wer wundert sich über dieses feurige Pathos? Wir nicht — aber der„Angriff"! Er wundert sich nicht nur, er gerät geradezu in heiligen Zorn: Wer hätte gedacht, daß die Kohlenhändler ein Pathos besitzen? Es gibt ein Pathos der Verspätung. Täglich kön- neu wir politische Nachzügler beobachten, die angestrengt den Bau unsres Staates erklimme» und oben ei» lautes Richtfest veranstalten... Bis in nnsre Tage hinein wird überall noch Revolution gefeiert, und Worte, die in kri-- tischer Stunde ihren großen Klana halten, werden allmäh- Iich von Sprechern, Anwälten und Geschäftsführern ab- geschrieben. Und jetzt ist die Reihe zu staunen an uns. Wir staunen darüber, daß der„Angriff" staunt. Was haben ihm gerade die Kohlenhändler getan? Der ganze sogenannte„deutsche Aufbau" dröhnt ja bis unter die morschen Dachsparren von allerhohlstem Pathos wieder. Die Kohlenhändler, die Butter- grosiisten, die Bettfedernlieferanten, die Druckknovsherstcller, die Sargtischler, die Schnupstuchfabrikanten, sie alle, alle und aber tausend andere dazu empfangen täglich pathetischen Un- terricht in der deutschen Presse und im deutschen Rundfunk — wie sollten sie nicht davon verdorben werden? Jede Denk- malsenthüllung. jeder Minister-Spaziergang— man denke an Goebbels' Besuch in der Palme!— jede Strißenbenen- nung. jeder Schnaufer des„Führers" wird zur Sensation aufgedonnert, jeder Fliegendreck wird in die weltgeschicht- lieben Wichtigkeiten eingereiht. Die Führer selbst geben den falschen Ton an, die Untertanen brauchen ihn nur nach- zuzwitschern, um dab mißtönende Konzert zu vervellkomm- neu. Und ausgerechnet der„Angriff" des Dr. Goebbels wnn- dert sich iiber diese» Gezwitscher! Uns bejchästigi die Frage: was bliebe vom„tirf'eii'RcicI)" übrig, wenn Phrase und Pathos verschwänden? ms Alibi /a$ das Volk von den braunen Bonzen hält Auf einer Ta ung der pommerschen OrtSamtsleiter der S.-Volkswohlsahrt sprach der Kreisamtöleiter Kröhl aus olfshagen. In dem Bericht der„Pommerschen Zeitung" ißt es st. a.: „Erinnernd an vorgekommene s ch m u tz i g e Angriffe seitens irgendwelcher Individuen auf diesen oder Mj»en Amtswalter der RSV., mit denen man ja oft fehr schnell bei der Hand sei, ermahnte der Kreisamtswalter alle, jeden Eingang und A u s g a n g, und sei es auch nur das geringste, genauestens zu notieren, damit man jene Menschen, die gewissenlos die Ehre Tag für Tag selbstlos für das deutsche Volt sich einlesender Parteigenossen anzutasten versuchten, dahin bringen könne, wo sie hingehören..." Wenn sich die Herren Ortsamtswalter schon die Aus- und Zugänge.„und sei es auch nur das geringste, genauestens" Nieren sollen, um sich ein Alibi zu verschossen, so kann man b ungefähr denken, wie schlecht das Gewissen ist. das die -rruptionäre der NT.-Volkswohlsahrt mit sich herum- agen! Wende im Kirdienstrelt! Wie ßisdiüfe Weiser und Wurm werden wieder einlese ü- kW 5 eS der neuen vekennlnisNirme und e-ne Niederlage lliiiers- Druch der Oauiel er Kein Varieteprogramm kann sensationeller und ab- wechslnngsreicher sein als der evangelische Kirchenkouflikt in Verbindung mit der Haltung des^Führers". Tie Idee des„totalen Staates", die sich die Weltanschauungen mit den dazu gehörigen Kirchen unterwerfen wollte, verzeichnet ihre . bisher schwerste Niederlage. Was ist innerhalb dreier Tagen geschehen? Am Dienstag erklärte die oberste Kircheubehörde, Dr. Jäger sei nur als Rechtswalter zurückgetreten. Er bleibe in allen übrigen kirchenpolitischen Funktionen. Ein Tag später hatte er nicht nur diese Aemter niedergelegt, sondern war sogar als Ministerialdirektor aus dem Ministerium ausgeschieden. Ganz überraschend waren inzwischen die beiden abgesetzten süddeutschen Bischöfe Meiser. und Wurm und der hannoversche M a r a h r e n s auf einen Ruf des Reichs- innenministers Frick hin in Berlin erschienen und-wurden sowohl von Frick wie vom Führer empfangen. Das Resul- tat ist, daß die beiden Bischöfe, wie Pfarrer Niemöller in einer Kirchenknndgebung vor 5000 Menschen in Dahlem mit- teilte, feierlich in ihre Aemter wieder eingesetzt werden. Man rechnet zugleich mit einer baldigen Beurlaubung Müllers. Das iväre das Ende dieses.Kirchenoberhanptes. Seine Niederlage besiegelt zugleich eine schwere Schlappe Hitlers, der ihn bis zuletzt zu stützen versuchte. Ter Sieg der neuen Bekennlniskirche ist groß. Es handelt sich jetzt nicht mehr um bloße Wiedereinsetzung der Gemäß- regelten. Das Oberhaupt der Bekenntniskirche, Super- intendeut Koch, ist im Begriff,»ach Berlin überzusiedeln, um maßgeblich an der vollkommene» Neuordnung der K>rchenorganisation mttznarbeiten. Daß es dar».» geht, be- weist die folgende Meldung: dnb. Berlin, 2. Nov. Kirchenamtltch wird mitgeteilt: Zur Wetterführung der Maßnahme» zur Klärung der kirchliche» Lage hat der Reichsbnchof besondere Anord- iiungen getroffen. Vor allem sollen die entsprechenden Punkte in der Rechtslage der deutschen evangelischen Kirche einschließlich der Disziplinarsälle sofort überprüft werden. Mit maßgebenden Reichsstellen ist Verbindung ansgenomnien. Ziel dieser Maßnahme ist, eine einwand- freie Rechtslage in der deutschen evangelischen Kirche iiitter allen Umständen sicherzustellen. Ferner ist vorgesehen, den Bekenntnisstaud der Reichskirche eindeutig zu ordnen. Mit Erlaß einer Kircheilgeincindeordnung, welche die Grund- läge für eine Beiriediing der Kirche von Gemeinden aus schassen soll, wird gleichfalls i» kürzester Frist zu rechnen sei». Es ist der Wille der Reichskirchenregierung, durch die rasche Erledigung dieser Maßnahmen einer Entspan- »ung der Lage herbeizuführen. Das bedeutet die Aushebung der Diktatur über die einzelnen Landeskirchen, die unter offenem Rechtsbruch aus die Knie gezwungen wurden. ES kann noch viel mehr be- deuten: die vollkommene Wiederherstellung der evangelische» Freiheit von der Gemeinde aus. Diese würde das ihr ge- nominelle Recht der Selbstentscheidung und Selbstverantwor- tnng zurückgewinnen. Es läuft auf einen völligen Umsturz auf die von der Zentralkirchenregieriing im Zeichen des Hakenkreuzes geschaffene Kircheiiverfasiiing hinaus. Schon herrscht in den Reihen der braunen„Deutschen EHristen" helle Empörung. Man erwartet von dieser Seite stürmische Kundgebungen in den nächsten Wochen. Es wäre also sehr verfrüht, von einem Ende des deutschen Kirchenstreits zn sprechen. Der jetzige Versöhn»ngsversiich ist ans die dringenden Bor- stellungen zahlreicher nationalsozialistischer Gauleiter zurüzusühren, die bei einer Fortdauer der protestantischen Rebellion eine ernste Gefährdung der Bewegung be- sürchteten. Einige von ihnen wurden unmittalbar bei Gitter vorstellig. "kie Föritz, in der der Führer diesen Forderungen nachgab, ist charakteristisch. Er läßt erklären, daß er sich künftig an den Meinungsverschiedenheiten in der Kirche„de s- interessieren" werbe. Daran wird deutlich erfichllich, wie wenig man. bei aller Anerkennung ihres Mutes, die kirchliche Opposition mit der politische» vergleichen kann. Keiner der Wortführer der Bekenntniskirche hat den Opfer- gang antreten müssen, der Zehittausenden von politischen Widersachern des Regimes beschieden war»nd beschiede» in. der i»S Gefängnis, ins Znchlhaus»»d in Koiizentrations- lager. Keinen von den opponierenden Bischösen und Geistlichen hat eine Kuget aus der„Flucht" getroffen. Ueber- flüssig zu sagen, daß wir Genugtuung darüber empfinden. Aber die Erwähnung dieses grundlegenden UitterfchirdeS ist eine Ehrenpflicht gegenüber den sozialistischen Vorkämpfer» und ihrer illegalen Arbeit wider Unterdrückung und Ungeist. Wird wirklich so etwas wie einen Kirchenirieden im „dritten Reich" geschlossen, dann wird sich die entscheidende Frage wieder vor allem anderen erheben: Was»ut uyr Gottesmänner und Glaubenogemeinden gegen dieses w'der- christliche. Freiheit, Gerechtigkeit nnd Menschenrechte n'eder- tretende„dritte Reich"?- Was lordert die DcKfiwinlsKIfdic? Die„drei Säulen" Berlin, 2. Nov. Wie jetzt bekannt wirb, haben die Vertreter der Bekennti.iski.che der Regi^ung Vorfchlage un,erbrettet, die auf eine Einigung in der Deufche..^va>geichenK'rchc hinauslaufen. Darnach>'oll d'- künftige^entsche evangelische Kirche aus drei Säulen aiifgebaut fein: der luttieri'chen, der reformierten und der»nierte» Kirche. Im»brigen beabsichtige die Bekenntniskirche ihre Forderungen gegenüber dem noch amtierende» Reiclisbi'ckos geqebenen'alls auf dem Wege des Rechtes geltend z» wache" Von feiten de» Reichs- justizmini^criumS wurde dabei erklärt, daü einer Nururu der.Kirchenfrage auf dem Wege des Rechte» nicht» inc Wege siehe, falls eine andere Möglichkeit zu einer Einigung nicht vorhanden sei. Innerhalb der BekenittniSkir^e ist man übrigens der Auffassung, daß alle Ernennungen von Bischösen wieder rückaävaig zu machen seien, und daß die evangelische Kirche überbau'K isie Bleich,, ung wieder abschassen und wieder die alten Amtsbezeichnungen ein'ühreu soll lDekan, Superintendent usw.). nie Unterredungen in Berlin Berlin, 2. Nov. Jetzt wird näheres über die Umstände be- kannt, unter denen Jägers plötzlicher Rücktritt erfolgte. Er fühlte sich von Reichsinnenmiiiister Frick desavouiert. Frick hatte von Ansang an den radikalen Kurs der Reichs- tirchenbehörde in vielen Dingen nicht gebilligt. Es ist seinem Einfluß und dem Verhandlungsgeschick seines Sachbearbeiters in kirchlichen Dingen, Ministerialdirektor G n t t m a n n. zu verdanken, daß die Dinge eine andere Wendung nehmen. Ueber den Inhalt der Unterredung zwischen den drei Bischösen und dem Reichsinnenminister Frick und Reick- kanzler Hitler verlautet noch nichts Bestimmtes. Die Be- sprechungen zwischen den Vertretern der Bekennlniskirche und der Regierung solle» fortgeführt werden „Kaiserin" Zita Die Belgrader„Prawda" konstruiert Zusammenhänge Belgrad, 2. Nov. Die Blatter richten ihre Angriffe setzt g c fl c n die ö st erreicht schcn Monarchi st c n. Am heftigsten stt die Schreibweise der„Prawda". die sich an lci- tendcr ütel(e_ gegen die„habSburgischen Bampire" wendet und auch sonst mit starke» Krastansdrücken nicht spart. Tie bringt die österreichischen Legitimisten mit der„Maffia" der ehemaligen Toppclmonarchie in Berbindnng, deren Mitglieder„Todcoschatten über das Pflaster von Wien und Budapest gleiten". Um leben zu können, hätten fich diese Habsburganhängcr in den Dienst der Heinde des snbsla- wischen Staates gestellt, von denen sie sich.finanzieren liegen. Die schwarzgelbcn Generäle und Oberstleutnants wollten den Zerfall Südslaivicns herbeiführen. Ten Be- weis, das? die österreichischen Monarchisten mit der südslawischen Tcrrvrorganisation in enger Berbinduna ge- standen hätten, könne man ausser in den Geständnissen der in Frankreich verhafteten Attentäter auch in dem Um- stand, erblicken, das? P awelitsch am Tage des Königs- mordes mit dem Tarkotitsch in Wien ein längeres Telefongespräch über den Selbstmord dcS Obersten Tujitsch geführt habe, der gleichfalls der terroristischen Organisation angehört hätte. Tie frühere Kaiserin Zita aber habe wiederum zum Begräbnis des Obersten Tnjitsch einen prachtvollen Kranz gesandt. Sozialismus der Tai Der große Schwindel im„dritten Reich" Je rücksichtsloser das faschistische Regime sich als die Herr- schast des Monopolkapitalismus enthüllt, desto notwendiger haben es die Nationalsozialisten, alles, was in Teutschland geschieht, als Sozialismus hinzustellen. Alle die Mass- nahmen, die sich für die werktätige Bevölkerung in sozialer Hinsicht reaktionär auswirke», sind nach den Behauptungen der Nationalsozialisten Sozialismus. Tie Festigung der kapitalistischen Klassenherrschaft, die Steigerung der Aus- bciltung der Arbeiterschaft ist für sie Sozialismus. Eine besondere Ausgabe kommt bei dieser Schändung des Sozialismus den früheren Gewerkschastsblättern zu. die jetzt allesamt als Mitteilungsblatt einer Reichsbetriebs- gemeinschait erscheinen. In der Holzarbeiter-Zeitnng wurde unter der Uebcrschrist„Sozialismus der Tat" kürzlich bc- richtet, dag die Bauarbeiter in Stollberg in Sachsen„frei- willig" eine Stunde für die Mulschmann-Spende gearbeitet hätten. Dabei ist bekannt, dast in beinahe allen Fällen diese angebliche freiwillige Mehrarbeit durch Terror erpreßt wird. In der Notiz heißt es dann weiter: „Sozialismus in anderer Form zeigt die Firma Boch- mann, Strumpffabrik, Benthe». Sie läßt einen Woh- nungsnenbail herstellen. Nicht alltäglich dürfte auch sein und soll deshalb nicht unerwähnt bleiben, dag das Nicht- fest des Neubaues im Speisezimmer des Bauherrn gc- feiert wurde. Beide Male Sozialismus im Sinne unseres Führers.— Gibt es wohl einen besseren Weg zur Volks- gemeinschast?" Mit diesem„Sozialismus" des minderwertigen Klein- bttrgerS soll die deutsche Arbeiterklasse abgefunden werden! Arische Ururgroßväter gesucht Berlin, 2. Nov.(Znpreß.s Tie bisher in Hitlerdeutschland so beliebte arische Großmutter hat in wesentlichen Bezirken aufgehört, bedeutsam zu sein. Für die SA. sind die Groß- näter ihrer Großväter, also ihre Ururgroßväter, wichtig ge- worden. Jeder SA.-Mann ist verpflichtet, nachzuweisen, daß seine Vorfahren bis zum Ururgroßväter„rein arischen" Ur- sprungs sind. Dos nene denfsdi-engllsdie Zahlungsabkommen 400000 Plnnd Sterling zur Abdeckung der Warensdiulden bereitgestellt Berlin, 2. November. Wie von unS in der letzten Ausgabe bereits angekündigt, ivurde zwischen dem Reichsaußenminister Freiherrn von Neurath und Tr. Schacht auf deutscher Seite und dem englischen Botschafter in Berlin und dem englischen T e l e g a t i o n S s tt h r e r das Zahlungsabkommen ab- geschlossen. Das Abkommen regelt drei verschiedene Fragen- komplere: die Bezahlung der englischen Einsuhr nach Teutsch- land, die Bezahlung der überfälligen deutsche» Schuld- Verpflichtungen und die Rcglung von Finauzverpslichtungen, vor allem aus der Tapes- und Aoung-Anleihc. Ueber den wesentlichen Inhalt des Abkommens wird von zuständiger Stelle folgendes mitgeteilt: Auf deutscher Seite hat man b»> den Verhandlungen ent- scheidendes Geivicht daraus gelegt, daß der Grundgedanke deS „neuen Plans", wonach die Einfuhr von den verfügbaren Devisen abhängig ist. von englischer Seite vertraglich an- erkannt wurde. Das Abkommen enthält infolgedessen eine Bestimmung, die besagt, daß soweit die für dieBezahlung der englischen Einfuhr nach Deutschland zur Verfügung zu stellen- den Devisen nicht ausreichen, die deutsche Regierung das Recht habe, im Einvernehmen mit der englischen die Ausgabe vou Devisenbescheinigungen für englische Waren vorüber- gehend zu beschränken. Ohne Devisengenehmigung ein- geführte Waren haben bekanntlich keinen Anspruch auf Be- zahlung. Andererseits haben die Engländer durchgesetzt, daß die Reichsbank auS den Devisen, die aus der deutschen Ausfuhr nach England anfallen, bestimmte Beträae für den Ankauf englischer Waren bereitgestellt werden. Teutschland hat sich verpflichtet, gewisse Devisenbeträgc lausend zur Verfügung zu stellen, und zwar nach einem Schlüssel, der die englische Aussuhr»ach Deutschland und die deutsche nach England in das Verhältnis von 55:100 setzt. Die Ausfuhr werde dabei errechnet aus der Grundlage eines Vergleichs zwischen der deutschen und der englischen Statistik. Soweit die Zahlen differieren, werde man das Mittel nehmen. Also jeweils 55 Prozent der deutschen Ausfuhr werden für die englischen Exporteure nach Deutschland zurückbehalten. Die Verhandlungen über die übcrständige deutsche Waren- schuldverpslichtung hätten besondere Schwierigkeiten gemacht. Ter Verhandlungspartner habe entscheidendes Gewicht auf die Reglung dieser Verpflichtung geleert. Das Eraebnis bc- stehe in der deutschen Anerkennung dieser Verpflichtungen. Für ihre Bezahlung werde in jedem Monat von der Reichs- bank ein Betrag ver»ügbar gemacht, der 10 Prozent des Wertes der deutschen Ausfuhr nach England entspreche. So- fort mit dem Inkrafttreten des Abkommens soll ein Betrag von 41)0 000 Pfund für die Abdeckung dieser Schulden zur Ber» sügung gestellt werden. Was die Rcglung der Finanz» Verpflichtungen angehe, so sei vereinbart worden, daß die Ab- machung vom 4. Juli 1031. die am.31. Dezember außer Kraft treten würbe, zu den gleichen Bedingungen wie bisher ver- längert würde. Eine Abweichung berste für die sogenannten Nicht-ReichSanleiben. England habe erklärt, daß die Sonder- abkommen hierüber eine Diskriminierung der englischen Gläubiger bedeuteten. ES habe das Angebot gemacht, wenn man den englischen Gläubigern kür die fällig werdenden Kupons Fundierungsbonds zu 4 Prozent gebe werde der. Einwand der Diskriminierung nicht mehr erhoben. Tiefes Angebot ist auch von deutscher Seite angenommen. Regierungskrise in rrankreidi? SdiEdisa ssiunden des Kab nells Doumergue (Von unserem Korrespondenten) A. Ph. Paris, 2. November. Wieder einmal hat sich Frankreichs innenpolitischer Him- ntel mit Wolken überzogen. Diejenigen, die geglaubt haben, daß nach dem versöhnlichen Schluß des radikalsozialistischen Parteitages in NanleS alle Schwierigkeiten beseitigt sein würden und damit das Weiterbestehen der Regierung Doumergue gesickert sei, haben zu früh aufgeatmet. Man hatte damit gerechnet, daß Doumergue. wie wir es an die- fer Stelle gesagt haben, die in Nantes geschlagene Brücke betreten und aus die Erfüllung einiger seiner Resorm- wünsche verzichten würde: im Augenblick aber scheint es so, als ob der Ministerpräsident nicht zum Rachgeben bereit sei. Noch am Mittwoch erklärte er, er würde nicht ein Jota von seinem Plan ändern. Mit andern Worten heißt das also, Doumergue halte daran fest, daß in der Ver- fassung das Recht des Staatspräsidenten vorgesehen werde, die Kammer ohne Zustimmung des Senats auszulösen. Sollte Doumergue tatsächlich in dieser Frage nicht nach- gebe»— und darüber wird die am Samstag stattfindende Kabinettssitzung Aufschluß geben— dann muß man damit rechnen, daß noch iu oder spätestens unmittelbar nach dieser Sitzung Hcrriot und seine fünf radikalsozialistischen Miuisterkollcgen ihre Demission geben. In diesem Falle würde man eine Regierungskrise erlebe», a» der mit Aus- nähme der rechten und linken Flügelparteien niemand im Lande eine Freude hätte, die vor allem aber die die Regie- rung stützenden Parteien gar nicht gewollt haben. Henry de K l e r i l l i s im„Echo de PariS" meint, man wolle Doumergue einreden, er solle erst einmal die Saarabstimmung vorüber sein lassen, um jetzt nicht die inneren Gegensätze zu verschärfen. Wenn man aber zugebe, daß die Saarabstimmung diplomatische Verwicklungen und eine neue Spannung zwischen Deutschland und Frankreich »m Gefolge haben könne, dann sei das ein Grund mehr, um schleunigst noch vorher die inneren Schwierigkeiten auS der Welt zu schaffen. Denn jetzt sei die Regierung zur Ohnmacht verurteilt und nicht in der Lage, an irgendeine Frage, sogar an die der nationalen Verteidigung heran- zugehen. Nichts wäre unkluger, als diese Lage zu ver- längern. Und die Abstimmung über die Versasiungsreform sei daö einzige Mittel, um sofort die Luit zu reinigen. Der radikale„Oeuvre" hat keine Hoffnung mehr aus einen friedlichen Ausgleich. Doumergue. so bemerkt das Blatt, habe schon seine Maßnahmen getroffen, um. falls es zum Rücktritt der radikalsozialistischen Minister komme, un- mittelbar darauf die neuen Männer zu ernennen. Sei das wirklich so einfach? Dann erst sei die Krise unvermeidlich, nicht die Ministerkrise, sondern die politische Krise. Ein Kabinett ohne Unterstützung der Radikalen könne gegen- wärtig kein parlamentarisches Lebe» führen. Der Ministerpräsident müßte also sofort nach der Ergän- znng seines Kabinetts die Auslösung ber Kammer fordern. Dies aber könne nach der geltenden Verfassung nur mit Zustimmung des Senats geschehen. Dieser könne dem Aus- lösungsantrag zustimmen oder ihn ablehne». Lehne er ihn ab. dann werde man erst mitten im Wirrwarr sein. Stimme »er ihm zu, dann iverbc das Durcheinander vollkommen sein. Doumergue bei Lebrun Paris, 1. Nov. Ministerpräsident Doumergue hatte heute vormittag eine längere Unterredung mit dem StaatSpräsi- deuten Lebrun. die sick wahrscheinlich ans seine Verhand- lungen mit den radikalsozialistischen Ministern über die VersassungSresorm bezog. Ueber den Inhalt der Unter- redung ist nichts bekannt geworden. vis„Deutsche Freiheit" Einzig» unabhängig» Tageszeitung Deutschlands mufj man regelmäßig lesen Bestellschein Ich ersuche um regelmäßig» Zusendung der„Deutschen Freiheit" Namei Straf}« Ort: .., de Unterschrift Verlag der„Deutschen Freiheit 1' Saarbrücken 3« Schützensirafje 5» Postschließfach 776 „Deutsche, Jteiheit" Abounementspceise; Amerika Argentinien Belgien Dänemark England Frankreich Holland Italien Luxemburg Neubelgien (fc'upen-Malmedy) Oesterreich Palästina Polen Rumänien Rußland Saargebiet Schweden Schweiz Spanien T schechoslo wakei Dollar Peso belg. Fr. Kr. sh kr. Fr. IL Lire belg. Fr. belg. Fr. (verboten) sh (verboten) Lei Rubel tr. Fr. Kr. schw. Fr. Peseta Kr. im Monat 1,- 15.- 3,70 4,- 12.- 1.50 10,- 15,- 12,- 90,- 1.- 12,- 2,60 2,40 6.- 30- Zustell. gebühr 0.50 1,- 5,30 2,30 1,10 3,75 0,40 5.- 5,30 5,30 1,10 30,- 7,50 1,70 0,80 2.- 5,50 Bei Zusendung unter Kreuzband durch die Pos» sind die Portogebühren vom Besteller mit dem Abonnementsbetrag zu entrichten Pariser Berichte Deutscher Klub Am Samstag, dem 3. November, um 21 Uhr: Geselliges Beisammensein mit Tanz— Zeitungslektüre— Schachspiele. Gäste willkommen. Eintritt für Mitglieder frei, für Gäste: 5 Franken(Stellungslose: 3 Franken). Die Adresse des Deutschen Klubs lautet: Salons le Peristyle, 31 bis, Rue Vivienne, Paris 2°(Metro Bourse). «BiCFICaST'EM Meia, Amsterdam. Post nach Ihrer alten Adresse kommt unbestell» bar zurück. Ihre neue Adreg« fehlt uns noch. Wir bitten um Mit» teilung. Leser in Baden. Ihrer Ausmerkiqmkelt»erdanken wir die Ueber- sendnng einer.Jette der nationalsozialistischem Zeitschrift„Die Brennessel", die ein Witzblatt sein will, Aus der Seite ist eine »ftrifatur, die den Präsidenten der saarländischem RegierungS- kommisfton in einer Art zeigt, die uns das sofortige Verbot eintragen würde, wenn wir etwa ein» Zeichnung HiiierS tn solchem Austande bringen würden. Itnd welch ein Geheul würbe die Press« der sogenannten„deuttchen Front" anstimmen! In diesem Fall« ober schweigt sse schmunzelnd Wir erinnern uns übrigen», daß Herr Dr. Göebbels nach dem bluttaen»1. Inn! über all« deutschen Jender eine Moralpauke an die ausländische Prege hielt und heilige Schwüre ablegte, daß die Reichsregierung eine Verunglimpfung fremder JiaaiSmänner unter keinen Umstanden dulde— wie fugura zeigt. Literatur „Europäische Hetze Bereinigt mit Ausruf«: Tie soeben erschienene Nr. m bringt unter anderem folgende aktuelle Artikel: Deutsche Minister.— gorpuS delicti.—«aval und Hitler.— Wien vor der GIcichichaltung.— Willi Schlemm: Protest gegen eine ReligionS- störung.— Bernhard Menne: Torpedierte Flottcnkonferenz.— Manipulierter Pogrom.— Fritz Freibier: Man klage mich an!— Pcier Rodin:„Wenn dein starker Arm es will— Fried-ich Torberg: Beskoven und Wert»: Henker und Narr.— Ernest Sra- bam: Upion Sinclair- Epik.— Paul Kerl: Waren es Kroaten?— «. D,: Der angesagte Putsch.— F, Jtelnseld: Ost-Turkestan. Bei- lag und Redaktion: Praha 2, Bldlckova S4. Für den Gclamiinhalt verantwortlich: Fohann 9 I? In Dittweiler: für Inserate: Cito tuin tn Saarbrücken Rotationsdruck und Verlag: Verlag der VolkSsttmm» Smby„ Saarbrücken 3, Echützenftratz« 5,— Schließfach 776 Saarbrücken.