Linzige unabhängige Tageszeitung Veutkchlands Nr 248— 2. Jahrgang Saarbrücken, Mittwoch, 7. November 1934 Chefredakteur: M. B r a u n 2Cukcs ßiutiustte tast Seite 2 JUichsteccoc gegen den(teien A&stimntungskampß Seite 3 JCciegsioictscha?t und Jxeissteigecung Seite 4 Der qcaße JUutdfunkpcazeft Seite 7 Rattie für Korst Wessel Reidisgeridil liefert zwei an der Tat llnsdiuldlge dem Sdiarfrlditer aus- Sflhneopier für den zum iMaiionaiiieros erhobenen Zuhälter Am 14. Januar 1930 ist der„Student" Horst Wessel, etn Sturmsührcr der NSDAP., in seiner Wohnung über- sollen und erschossen worden. Wie der Verteidiger des Hauptangeklogten, Dr. S1 l f r e d?1 p s e l. in den Spalten der„Deutschen Freiheit" eingehend und überzeugend nach- gewiesen hat, liest sich Horst Wessel von einer Prostituierten aushalten. An dem ersten Horst-Wessel-Prozest, der noch vor der Machtergreifung Hitlers und vor der Erhebung Horst Wessels zum Nationalheiligen stattfand, wurden die Ange- klagten nur zu Zuchthausstrafen verurteilt. Das Gericht war damals noch unbefangen genug, den llnterweltcharakter des Horst-Wessel-Milieus zu erkennen und zuzugeben. Der als Haupttäter verurteilte?l l i H ö h l e r wurde später von Nationalsozialisten in der Strafanstalt abgeschlachtet.' Nachträglich wnrde noch ermittelt, dast u.a.zwei Arbeiter Salt» Epstein und Hans Ziegler an der Tat „beteiligt" waren. Zwar haben sie das Haus, in dem Horst Wessel wohnte, überhaupt nicht betreten, aber es wurde dennoch eine Veteiligung an der Tat konstruiert, weil sie sich vor dem Hause herumgetrieben und Schmiere gestanden haben sollen. Das ist alles. Dafür wurden Epstein und Ziegler am IS. Juni 1934 vo, dem Schwurgericht in Berlin zum Tode verurteilt. Die beiden Angeklagten, die auch nach den Ergebnissen der Beweisausnahme vor Gericht in dem für sie ungünstigsten Falle höchstens in entfernter und loser Beziehung ,« der Tat gestanden haben können, wurden dauernd in der ganzen nationalsozialistischen und gleichgeschalteten Presse des„dritten Reichs" als„Mörder Horst Wessels" bezeichnet, so dast kein Richter mehr wagte, ihnen auch nur einen Schatten von Recht angedeiheu zu lassen. Es ist daher nicht überraschend, dast das Reichsgericht die eingelegte Revision verworfen hat. Die Todesurteile an Unschuldigen sind rechtskräftig. Es liegt uns nur ein gleichgeschalteter Bericht über die Verhandlungen in Leipzig vor, aber auch er spricht deutlich flennt» gegen die Mordjustiz im„dritten Reich", die wir nachstehend durch weitere Beweise ihres blutigen Tuns anklagen. Vor dem Reidisgerldif Leipzig, 6. Nov. Ter 2. Strafsenat des Reichsgerichts verhandelte am Montag die Revision, die von den im zweiten Horst-Wessel-Prozest am 15. Juni 1034 vom Schwurgericht Berlin verurteilten Angeklagten Tally Ep- stein, Hans Ziegler und Peter Stell eingeleitet worden war. Gegen Epstein und Ziegler war damals wegen Teilnahme an der Ermordung Horst Wessels aus Todes- st rase und lebenslänglichem Ehrverlust erkannt worden, St oll hatte wegen Brihilse zum Mord 7'/, Fahre Zucht- Haus und 10 Jahre Ehrverlust erhalten. iDie Wirtin Horst Wessels, Frau Saint, der inzwischen verstorbene Haupt- täter Höhl er. von dem der tödliche Schust abgegeben worden war, und eine Anzahl der beteiligten Kommunisten waren bereits im Fahre 1030 zu Zuchthausstrafen verurteilt worden.) Nachdem im vergangenen Jahr die Ermitt- luugen neu aufgenommen worden waren, ergaben sich schwere Verdachtsmomente gegen die früher nicht Mitangeklagten Angehörigen der Bereitschaft^! der KPD.- Sturmabteilung Mitte, Epstein. Ziegler und Stoll. Der Berichterstatter des Senats erklärte an Hand der Begründung des zweite» Urteils, die drei Angeklagten hätten die von Frau Salm in dem Berkehrslokal der kommunistischen Sturmabteilung geführten Borbc- sprechungen mit angehört. Der SA.-Sturmsührer Horst Wessel sei Epstein und Ziegler als besonders erfolgreicher Verfechter der nationalsozialistische» Ideale in dem stark unter kommunistischem Einflust stehenden proletarischen Wohnviertel am Alerander- platz sehr wohl bekannt und wegen seiner überaus wirksamen Werbetätigkeit auch besonders verhastt gewesen. Tie gleiche Kenntnis der Verhältnisse hinsichtlich der Gegend und der Person des Gelöteten habe das Schwurgericht bei dem erst im Oktober 1920 zu den kommunistischen Terror- gruppen gestostenen Stoll nicht angenommen. Dieser habe die Tat deshalb nicht als eigene gewollt, bei dem Unter- nehmen aber in genauer Kenntnis des Zieles Beihilfe geleistet. Er habe sich zum Mitgehen entschlossen und an einer wichtigen Straßenkreuzung Posten gestanden, während Epstein und Ziegler für die Rückendeckung gesorgt hätten. Das sorgfältig vorbereitete und sehr vorsichtig durchgeführte Verbrechen sei eine gemeinschaftliche Tat mit Ausnahme des Stoll gewesen. Tie aus verfahrensrechtliche und saclsi'ch-rechtliche Ge- sichtspunkte gestützte Revision machte zunächst geltend. daß die Verlesung der Aussagen Höhlers, auf denen das Urteil in erheblichem Maße fuße, nicht als allsreichendes Beweismaterial angesehen werden könne. Außerdem sei in der Verhandlung auch nicht ausdrücklich der Tod dieses früher verurteilten Kommunisten festgestellt worden. Ferner wurde die Verletzung der Vorschriften über die Vereidigung gerügt, die vor allem darin erblickt werden müsse, daß ein erneut vorgerufener Zeuge seine weiteren Angaben nicht unter Bezugnahme aus den bereits ge- leistete» Eid geta» habe. Tie Verteidiger der Angeklagten beschränkten sich bei der mündlichen Begründung der Revision im wesent- lichen aus materielle Einwendungen. Während der erste Horst-Wessel-Prozest nur ZuchthauS- strafen gebracht habe, seien zwei Beschuldigte des neuer- lichen Verfahrens trotz ihres wesentlich geringeren Tat- bettrags zum Tode verurteilt worden. Die neue Verhandlung habe nach der Ansicht des Schwur- gerichts ein neues Bild der Tat gezeigt, das durch die Auf- nähme des zur Verurteilung ivegen Mordes uncrlästlichsn Tatbestandsmerkmals der Ueberlegung bestimmt werde. Der Senat müsse prüfen, ob die Feststellungen bezüglich eines Borhandenseins von Ueberlegung bei den bereits 1880 abgeurteilten Angeklagten hinreichend seien. Wenn das nicht der Fall fei, was von der Verteidigung behauptet wurde, dann müsse auch die Verurteilung Zieglers und Ep- steins wegen Mordes und Ttolls ivegen Beihilfe zum Mord fallen gelassen werden. Ein gemeinsamer Entschluß zwischen den früher und jetzt Verurteilten zur Ausführung der Tab sei niemals zuitanbegelomme». Stoll, der nur wegen Bei- Hilfe zum Totschlag verurteilt werden könne, habe zwar an der Aktion teilgenommen, aber nichts von der geplanten Tötung gewußt. Tie Verteidigung beantragte Auf- Hebung des Urteils und R ü ck v e r w e i s u n g der sache zu erneuter Verhandlung und Entscheidung. Der Senatsvorsiyende bemerkte unter Bezugnahme aut das Vorbringen der Verteidigung, die Frage der lieber- legung könne nur im Zusammenhang mit den Urteilsaus- sührunaen des ersten Prozesses erörtert werden. Der R e i ch s a n w a l t bezeichnete das Rechtsmittel als unbegründet und verlangte seine Veriversung. Tie sor- Mellen Rügen seien nicht durchgreifend. Bei der Veriver- tiing der Angaben HöhlerS stütze sich, das Urteil aus die Aussagen der als Zeugen gehörten A ea m t e n. die die Vernehmung H ö h l e r s d uVch geführt hatten. Auch ein Mangel hinsichtlich der Verkeidigung von Zeugen entfalle, weil einmal die Richtigkeit der Aussagen unter Hinweis aus den Eid versichert worden sei und weil es nch zum anderen nur um eine vorbereitende Befragung ge- handelt habe. Was nun die sachliche Seite des Urteils anbelange, fv stehe der Tatsache, daß gegen die früheren Angeklagten sHöhler usw.) nur wegen Totschlages aus Strafe erkannt worden sei, nicht entgegen, daß daS Gericht in einer an- deren Verhandlung auch zu anderen Ergebnissen gelange. Es sei ein allgemein anerkannter Rechtsgrundsatz, daß ein Verurteilter wegen der gleichen Tat nicht noch einmal zur Rechenschast gezogen werden könne, aber dem stehe nicht entgegen, daß in einem anderen, zweiten Ver- fahren festgestellt werde, böfi_ die Tat eigentlich hätte schwerer beurteilt werden müssen. Denn diese Feststellung könne gegenüber dem Angeklagten aus dem ersten Prozeß nicht mehr wirksam werben, wohl aber gegenüber einem neuen Angeklagten, der aus Grund einer neuen Beweis- erhebung als Mittäter zur Aburteilung gelange. Der Reichsanwalt erklärte dann, daß die im zweiten Versahren ermittelten Momente darauf schließen ließen, daß die Ueberlegung auch bei den schon 1030 vernr- teilten Kommunisten vorbanden gewesen sei. Die Aktion sei ganz planmäßig eingeleitet und jedem der Beteiligten, auch Epstein. Z'egler und Stoll, seien besondere Aufgaben zugewiesen worden. Der Reichsanwalt erklärte zum Schluß, dast die össent- liche Meinung in der Verurteilung der Angeklagten zum Tode keine unbillige Härle erblicken werde, sie werde es vielmehr bedanern, dast es keine gesetzliche Handhabe gebe, die zu gut davongekommenen Täter des erste» Pro- zesses noch zur Verantwortung zu ziehen. Todesurteils rechtskräftig Der zweite Strafsenat verwarf die Revision der Ange- klagten. Er gab dem Antrag des Reichsanwalts statt und folgte auch in der feiner Entscheidung beigegebenen Be- gründung den Ausführungen des Anklagevertreters in allen Einzelheiten. Mit der Verwerfung der Revision sind die im zweiten Horst-Wessel-Prozest aus gen. i feiten Strafen, insl«sondere die Todesstrafen für Epstein und Ziegler, und die Zuchthausstrafe für Ttoll rechtskräftig geworden. leon 31nm gegen Doumergue Die Kämpfe um die französische Verfassungsreform treten nun in ihr entscheidendes Stadium. Wir geben deshalb dem wichtigsten Gegenspieler des Ministerpräsidenten Doumergue, dem Soziulistenjührer Leon Blum das Wort: Das erste der Gesetze, aus denen sich die französische Verfassung zusammensetzt, das Gesetz vom 25. Februar 1875 über die Organisation der Behörden, enthalt einen Artikel 5, dessen Geschichte kürzlich von Herrn Israel .geschrieben wurde. Ter Text dieses Artikels 5 lautet: „Der Präsident der Republik kann, auf entsprechendes Gutachten des Senats hin, die Abgeordnetenkammer vor dem legalen Ablauf ihres Mandats auflösen." In der heutigen Verfassung haben somit zur Auflösung der gewählten Kammer zwei Gewalten einzugreifen: der Präsident der Republik und der Senat. Ter Präsident de: Republik, dem die Auflösungsinitiative zusteht, und bei! Senat, dessen Zustimmung nachgesucht werden mutz. In der„Reform" des Herrn Toumergue kommt der Präsident der Republik nicht mehr in Frage und vom Senat ist nur noch in sehr vager Andeutung die Rede. Tos Auflösungsrecht ist dem Ministerpräsidenten oder besser dem„Ersten Minister" übertragen, da Herr Daumergue diesen grandiosen Titel fordert und in die Verfassung ein- zeichnen will. Der„Erste Minister" tritt an Stelle des Präsidenten der Republik und er pfeift auf die Ansicht des Senats. Der Hauptpunkt hierbei ist schließlich aber der: dag Recht der Kommerauflösung ohne Zustimmung des Senats steht dem„Ersten Minister" insbesondere zu/wenn dieser von der Kammer in die Minderheit versetzt wurde. In diesem Falle wird der Auflösungstnechanismus in voll berechtigter Weise und fast automatisch von dem„Ersten Minister" in Gang gesetzt. Herr Daumergue hat dies in seiner fünften„Rede an die französische Ration" in klarer und formeller Weise auseinandergesetzt. Ich iveitz wohl, daß sich Herr Doumergue angesichts der aufgetauchten Widerstände bemüht hat, Zweifel über feine Absichten zu säen. Eifrige Kommentatoren wie der be- rühmte Josef Barthelemy eilten ihm zu Hilfe. Offizielle Vermittler geben in der Kammer Erklärungen und Ver- sprechungen ab. Es scheint, daß wir uns über die Absichten des zukünftigen„Ersten Ministers" getäuscht haben: er gedenkt keineswegs die gegenwärtige Gewalt des Präsi- denten der Republik zu usurpieren: dem Präsidenten der Republik soll, ohne vorherige Befragung des Senats, die Prärogative der Auflösung zuerteilt bleiben. Es handelt sich in dieser Beziehung um eine falsche Auslösung, eine irrige Auffassung, einen Lapsus! Das Recht zur Kammerauflösung Sofort nach dem ersten Ueberfliegen der Rede d:s Herrn Toumergue habe ich auf diese sonderbare Ausschaltung des Herrn Lebrun aufmerksam gemacht, und ich glaube sogar das Vorrecht auf diese Entdeckung oder wenigstens diese Feststellung zu haben. Und ob es nun Herrn Josef Barthe- lemy und den offiziösen Vermittlern gefallen mag oder nicht: ich habe mich keineswegs getäuscht. Hier ist der authentische Text, hier ist der Text, der, wie man wohl weiß, unwiderruflich ist, seit er dem französischen Volk unterbreitet wurde. „Verleihen wir den Regierungen die Autorität, deren sie bedürfen, dadurch, daß wir zuerst ihrem Chef durch einige in die Verfassung einzuzeichnende Worte die Eigenschaft des Ersten Ministers verleihen, die er besitzen mutz. Er- lauben wir diesem sodann für den Fall der Uneinigkeit zwischen Regierung und Kammermehrheit, sich sofort an das Land zu wenden, ohne zu den gegenwärtigen Formali- täten und Prozeduren greifen zu müssen." Der Text ist formell Es ist keine Zweideutigkeit und es sind auch keine verschiedenen Interpretationen möglich. Das sofortige Auflösungsrecht, ohne Formalität und ohne Prozeduren, würde nicht, mehr dem Präsidenten der Republik, sondern dem Regierungschef zustehen, der zum „Ersten Minister" avanciert ist, da ihm dieser Wechsel des Titels mit einem Streich irgendwelche geheimnisvolle Zauberkraft verleihen würde:„die Autorität, deren er benötigt." Und dieses sofortige Auflösungsrecht ohnx For- malität und Prozedur würde in automatischer Weise für den„Fall der Uneinigkeit zwischen Regierung und Kammermehrheit" spielen, das heitzt, wenn die Kammer- Mehrheit der Regierung das Vertrauen verweigert hat. Es ist sehr wohl möglich, datz in Versailles oder in Paris — vor der Reise nach Versailles— dieser unabänderliche Text verändert roirb. Herr Doumergue hat von seiner Höhe herab erklärt, datz, nachdem seine Pläne nun dem Land bekannt seien, er an ihnen nicht die geringste Ab- änderung mehr vornehmen könne. Es wird ihm wohl nichts anderes übrig bleiben, als seinen Rückzug in einer siebenten Radiorede an die französische Nation zu erklären. Ich werde im übrigen zeigen, datz das Recht der so- jortiaen und unumstötzlichen Auslösung ohne Formalität vnb Prozedur in den Händen des Präsidenten der Repichlik kaum weniger beunruhigend wäre wie in den Händen des..Ersten Ministers". Ich stelle aber sofort fest, daß ein Punkt vorhanden ist, den weder Josef Barthelemy noch die offiziösen Vermittler der Rede vom 24. Septem- der berichtigt haben! dieser Punkt aber ist, wie ich bereits sagte, der wesentlichste. Gefährdung des parlamentarischen Regimes (£s steht nach wie vor fest, daß die Kammerauflösung ohne entsprechende Einwilligung des Senats— ob nun die Entscheidung dem Präsidenten der Republik oder dem „Ersten Minister" zusteht— aus vollem Recht nach jeder Mihtrauensabstimmung der Kammer erfolgen würde. Es steht dies auf den ersten Blick sehr harmlos aus: es mag dies auf den ersten Blick dem Leser oder Hörer sogar ge- fallen. Es muh schließlich der Exekutive eine solidere Grundlage verliehen werden, bemerken diese: es muh ein Minimum von Regierungsstabilität den Kaprizen der Mehrheiten gegenüber gesichert werden. Ich bitte alle Republikaner, die Argumente, die ich hier unterbreiten will und die ich von elementarster Ueberzeugungskraft erachte, wohl zu überlegen. Sie werden sich dann Rechenschaft darüber ablegen, dah diese unscheinbare Aenderung genügt, um das parlamentarische Regime von Grund auf zu zerstören und dah, wenn sie angenommen ist, die Republik nur noch eine spöttische Fiktion sein wird. Ich habe erklärt und wiederholt, dah das Recht so- fortiger und bedingungsloser Kammerauflösung, das dem Regierungschef für den Fall der„Uneinigkeit mit der Kammermehrheit" zuerteilt werden soll, geradenwegs zur Zerstörung des repräsentativen oder parlamentarischen Regimes führen würde, auf dem bisher die Republik be- gründet war. Um meinen Gedanken verständlicher zu machen, will ich mich eines präzisen Beispiels bedienen, eines Beispiels, das erfunden ist, dessen Elemente aber leider der Wirklichkeit nur allzu verwandt sind: Tardieu am Horizont Ich nehme an— es ist dies meine Ansicht, und ich halte trotz aller gegenteiligen Beteuerungen fest an ihr— ich nehme an. dah Herr Doumergue, wenn er seine Staats- reform unter Dach und Fach hat, die Macht Herrn Tardieu abtreten wird. So und nicht anders sehe ich die Tinge. Er wird, stolz über sein erfülltes Werk, nach Tournefeuille zurückkehren, mit dem schmeichelnden Gedanken vielleicht, dah ihn irgend ein Zufall wieder ins Elysee bringen kann. Herr Tardieu wird sich dieses„Ersten Ministers" grohen Durchmessers bemächtigen, der dem Mah einer Persönlichkeit wie der seinen entspricht. Er wird seine Regierung bilden. Ich weih nicht und will für den Augenblick nicht wissen, ob er irgend welche Gesellschaft annehmen oder ablehnen würde. Rehmen wir einmal an, er befände sich der Kammer gegenüber, einer gewählten Kammer gegen- über, einer Kammer des allgemeinen Wahlrechts, der im parlamentarischen Regime die Volkssouveränität über- tragen ist. Ich versuche mir die Szene vorzustellen. Ich nehme an, dah dennoch eine kleine Gänsehaut die Radi- käsen überlaufen würde. Tardieu. würden sie sagen, ist doch ein wenig brutal. Tardieu bedeutet trotzdem'tine Herausforderung! Ich weih nicht, ob er sich als Chef einer offenen Reaktionsregierung vorstellen würde: das Gefühl innerer Auflehnung wäre aber das gleiche. Es würde Interpellationen regnen. Herr Tardieu würde sie ab- lehnen: es würde debattiert, er würde antworten und wir gelangten zur Schluhabstimmung. Ich stelle mir nun einen anonymen Abgeordneten, einen Durchschnittsabgeord- neten vor. einen jener, der sich eben sagte: Tardieu ist doch ein wenig zu brutal, er bedeutet trotzdem eine Heraus- forderung! Er hat seine beiden Abstimmungszettel in der Hand: den blauen in der rechten und den weihen in der linken Westentasche. Oh. wenn er frei wäre, wie würde er dann gegen die Regierung stimmen! Er ist aber nicht mehr frei. Er ist es nicht mehr, seit die Herren Douinergue und Tardieu in Versailles beschliehen liehen, dah der Regierungschef— mit oder ohne Gegenzeichnung des Präsidenten der Republik— in eigenmächtiger Weise die sich widerspenstig zeigende Kammer auflösen kann. Gewissenskonflikt Die gestürzte Regierung würde notwendiger und auto- matischer Weise die Auflösung der Kammer bedeuten. Was aber zieht normalerweise die Kammerauslösung für ihn nach sich? Die normale Sorge, die auf der grohen Mehr- heit der Gewählten lastet, die Aussicht, durch eine Regie- rung mit fester Faust, die über Geheimfonds, die Ver- waltung, die Grohpresse und das Radio verfügt, bekämpft zu werden: die Sorgen um die Lasten einer reckt schweren Ausgabe, wenn vielleicht die Kosten der letzten Wahl noch nicht gedeckt sind. Gegen den Beschluß, den ihm seine Ueberzeugung diktieren würde, werden somit alle ge- Heimen Beweggründe des Interesses und der Angst in Aktion treten, alles, was das Selbsterhaltungsgefühl spielen läht. Ich habe hier nicht zu untersuchen, in welcher Weise ein derartiger Gewissenskonflikt schließlich ent- schieden wird, aber ich erkläre, dah mit einer derartigen inneren Debatte ein jeder Abgeordnete unfrei wird, ich erkläre, dah beim Zustandekommen einer Entscheidung andere Beweggründe als seine männliche Ansicht oder das Gefühl der Pflicht seinen Mandatserteilern gegenüber mit- spielten, und dah. wenn jeder Abgeordnete, einzeln be- trachtet, nicht mehr frei ist, auch das Parlament es nicht mehr ist. Wenn es aber der Regierung gegenüber kein freies Parlament mehr gibt, besteht überhaupt kein Parla- ment mehr. Dies ist der Hauptpunkt, auf den aufinerksam zu machen ich nicht aufhören werde, bis ich selbst die widerspenstigsten Köpfe überzeugt habe. Ein Abgeordneter, der weih, dah seine Abstimmung in automatischer Weise ihn zwingen wird, das Risiko einer Wiederwahl— gegen allen Regie- rungsdruck— auf sich zu nehmen, ist in seiner Abstimmung nicht mehr frei. Eine Kammer, der gegenüber in steter und regelmäßiger Weise eine derartige Erpressung aus- geübt wird, ist keine Kammer mehr, die fähig ist, in freier Weise das Mandat zu erfüllen, das sie durch die allgemeine Wahl übertragen erhielt. Eine derartige Ausschaltung, eine derartige Degradation der Kammer bedeutet die Aus schaltung und die Degradation der Republik! Hitlers Hlntlnstlz rast Todesurteil gegen unschuldige- Geheime Todesurteile des Berliner Sondergeridifs- Wo hleibl die nordllste des 30. Juni? Am Freitag, dem 3. März 1938, veranstaltete die„Eiserne Front" eine«trahendcmonstration. Obwohl polizeiliche Ab- machungen vorlagen, daß keine Nazidemonstration zur glci- chcn Zeit genehmigt ivcrde, machte der Freiwillieg Arbeits- dienst eine Gegndemonstration und griff sogar den Zu« der „Eisernen Front" an. Bei der sich dann daraus entwickeln- den Straßcnschlacht gab es auf beiden Seiten Verletzte. Ein Angehöriger des Freiwilligen Arbeitsdienstes, ein SA.- Mann Hanßmann starb später an den Verletzungen. Jm Verfolg dieses Vorganges wurden die Mitglieder des Reichs- banners ä 11 ti i c, Hamel, Rolle, Fabian und andere zu hohen Zuchthausstrafe» verurteilt. Jän- nicke erhielt 2» sdreiundzwanzigs Fahre Zuchthaus, Hamel und Nolte wurden zu j e vier Fahren. Fabian zu zwei Fahren Zuchthaus verurteilt. Bei Fännicke war svgar d i c Tode sn rase beantragt. Er ist ein schwer lungcn- kranker Mann. Das hat aber die Nazis nicht gehindert, ge- gen das Urteil eine wüste Hetze zr entfachen mit dem Ziel, durch eine nochmalige Verhandlung vor einem Sonöergericht die Todesstrafe zu erreichen. Das ist inzwi- scheu auch gelungen. Am 12, Oktober 193.4 hat das Tondergericht Halle Fännicke zum Tode verurteilt, obwohl viele Zeugen bekundete», daß Fännicke keine Schuld an dem Zu- iammenstoh trägt. Auch d«„ anderen Verurteilte» droht d>e Todesstrafe bei erneuter Verhandlung vor dem Sonder» gericht. AllcS steht unter dem Druck des Rachegcschreis der Nazis. Das Todesurteil gegen Fännicke ist also nichts anderes als ein Rachcurtcil. ES darf nicht vollstreckt werden. Die Welt muh sich der unschuldigen Opfer und ihrer Angehöri- gen annehmen, um sie vor dem blindwütigen Walten des deutschen Henkers zu bewahren! Wer sind die Todgewellifen? Bor einigen Tagen berichtete der Berliner Havas-Vcr- treter r „Das Berliner Volksgericht hat mehrere Angeklagte, deren Namen und genaue Zahl geheim- gehalten wird, wegen Hochverrats zum Tode verurteilt. Andere Angeklagte sind zu Zuchthaus- st rasen bis zu Iii Fahren verurteilt worden. Nur zwei erhielten Gefängnisstrafen." Wir fragen: Wer sind dir zum Tode verurteilten Volksgenossen? Sind die.Opfer der Rachejustiz schon in aller Stille abgeschlachtet worden?. Das immerhin einen legalen Akt bezeichnende Wort„Hinrichtung" läßt sich ans ein Verfahren nicht anwenden, das nicht einmal die Namen der Verurteilten bekannt gibt, auch nicht welches Verbrechen ihnen zur Last gelegt wird. Aber was kann man in dieser Beziehung von einem Staate erwarten, dessen„Führer" bis zur Stunde verschweigt, wie- viel« Opfer wider Stecht und Gesetz am 80. Juni unter„Heil Hitler" niedergemacht worden sind. Immerhin man muh kaut fragen und schreien, weil an- scheinend Sie'schötl wieder schivcryöxlg zu werden beginnt. Handelt es sich bei den zum Tode verurteilten Volks- genossen um den Prozeß, der gegen 25 Mitglieder der Sozialistischen Arbeiterpartei geführt wird? Mau muß sich vor Augen halten: Der Volksgerichtshof, ein reines Parteigcricht der Nationalsozialisten, hat daS„Recht" politische Gegner Hitlers aus dem deutschen Volke heran«- zugreisen, geheim abzuurteilen und hinrichten zu lassen. Es braucht sich da keineswegs in» Taten zu handeln, die im „dritten Reiche" begangen worden sind. Wer Fahre vorher Artikel oder Broschüren geschrieben hat, lange vor der stanzlerschast Hitlers, wer früher Reden gegen die Nazis freie Cewerksdiollen für Slams quo Ein Aufruf an dit freiorganisierten Arbeiter und Angestellten des jbargebiets Saarbrücken, 0. Nov. Vor knapp einer Woche haben der Präsident der Dcnlschen Arbeitsfront, Dr. Leu, und der Landcsleiter der sogenannten Deutsche» Front. Pi rro, mit Verunglimpfunsien gespickte Ausrufe an die srciorganisicrtcn Saararbciter gerichtet. Die Herren taten so, als wüßte man »och«ich: ivelchc Stellung die freien Gewerkschaften an der Saar einnehmen. Ein Ausruf des allgemeinen Deutschen Gewerkschasts- bundes für das Saargcbiet nimitit klar und eindeutig gegen die Hitlrrei Stellung»nd fordert die Arbeiter»nd Ange- stellten an der Saar aui, für die Erhaltung von Freiheit»nd Reckst in der Saarheiwal»n: verstärktem Eiser und vcrviel- sachtem Elan zu kämpfen. gehalten hat, kann ivegcn„Landesverrat" zum Tode ver- urteilt ivcrdcu, auch wenn feine Betätigung seinerzeit ganz legal gewesen ist. Die Welt muß sich gegen die Blutjustiz im Reiche Hitlers erheben. 600 Verhaftungen in Berlin Berlin, 5. Nov. lFnprcß.i In den letzten Wochen hat die Gestapo, ohne daß in der Preise eine Nachricht darüber er- schienen wäre, Haussuchungen in allen Teilen Berlins vorge- nomme». 000 Personen die als Antifaschist gelten, wurden verhaftet. Morde in Duisburg Duisburg, 5. Nov. fFnpreß.f Fm Monat Oktober haben sich folgende, natürlich„unausgckiärle" Morde in Duisburg ereignet: Fn den ersten Tagen des Monats ivurde ein Ar- bester in seiner Wohnung erschossen aufgefunden: am Mot* gen des 3. Oktober ivurde ein höherer SA.-Führcr erschossen: am 7. Oktober wurde ein SA.-Mann erstochen. Da diele drei Fälle aui irgend eine Weise bekannt geivorden lind, muß man fragen: Wieviel Morde werden verschwiegen? Mund halten! München, 5. Nov. Ter nationalsozialistische Gauleiter des Gaues Schwaben erklärt den„Gerüchtemachern", die be- Haiiptet habe», daß in diesem Gau Unterschlagungen vorgekommen sind:„Wer seinen gegenwärtigen Wirkungskreis mit dem Konzentrationslager in Tachan vertauschen«tu. der mag weiterhin sein loses Mundwerk spazieren gehen lassen." Nach 14 Monaten„Schutzhaft" ins Zuchthaus Hamburg, 5. Nov. sJnpreß.s Das Hanseatische Oberlandes- gericht verurteilte die Arbeiter Kostet»nd Naujoks. die de- reits sei, August lft«8 ,n„Schutzhast" gesessen hatten, wegen Kurierdienste für die KP. zu je zwei Fahren und drei Monaten Zuchthaus. SA.-Lüir.mel Darmstadt, 5. New Vor dem Bezirksschösiengericht Darm- siadt war der SA. Mann Johannes Schncllbächer 4 aus Lindenfets im Odenwald angeklagt. Die Verhandlung ent- hüllte, wie sich die Garden Hitlers heute in Deutschland benehmen...., Ter SA-Mann hatte ohne jede» Anlaß einen Mann aus einer Wirischast geivorsen, der dabei durch Fußtritte Beulen davongetragen und ein Wadenbein gebrochen hatte. Ein Kaufmann, der dem SA-Mann im Wege stand, war mit Obr- ieigep traktiert worden. Die Gewalttätigkeiten wurden in Uniiorm begangen. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu sechs Monaten und einer Woche Gefängnis. Brüning, hehre rarOdi! Gördeler ist schon da! Berlin, 6. Nov. Ohne„Shstcmgrdßcu" kann das„dritte Reich" nicht auskommen. Eigentlich ist ja auch Dr. Schacht eine„Tyftemblüle". denn er hat der Republik von Weimar als eingeschriebener Demokrat gegen hohes Gehalt jähre- lang gedient, wenn auch weder treu noch brav. Erst als ab- gehalfterte„Tvstemgrößc" erwärmte er sein Herz für Hitler. Nun braucht das„dritte Reich" für seinen vergeblichen Kampf gegen die Teuerung eine» Reichskonimiisar für Preisüberwachung. Wen ruft man? Eine„Systemgröße". den Oberbürgermeister Dr. Gördeler von Leipzig, der schon unter dem Reichskanzler Dr. Brüning allerlei überflüssige Kunststücke auf dem Warenmarkte sich leistete, ohne damit etwas zu erreichen. Schließlich vcrschivand er ziemlich u»be- achtet wieder in das Rathaus zu Leipzig. Nun wird diese„Snstcmblttte" zur großen Rettungsaktion gegen die Teiieriingsivvge hervorgeholt. GördclcrS ehemaliger Kabincttsckes Dr. Brüning ist als Emigrant irgendwo in, Auslände. Es wäre folgerichtig, auch diese„Snstcinbliste" znrückzurusen Vielleicht, um Herrn Hit- lcr wenigstens die bescheidenste» Anfangsgründe des Um- gangs mit ausländische» Staatsmännern beizubringen. * „Deutschland wirds Hungers sterben" Dortmond, 5. Nov. tJnpreß.) Die„Westfälische Landes- zeitung" berichtet über einen Prozeß, der ein bezeichnendes Licht aus die Stimmung aller Nazimitglieder wirst. A»ge- klagt war ein Man», langjähriges Mitglied der NSDAP., wegen der folgenden Aeußeriing:„Unter dem nationalsoziq- listischcn Regime wird Deutschland Hungers sterben." Noch„Republik" Aber wir sind noch lange nicht am Schlutz unserer Rech- nung angelangt. Setzen wir unsere Mutmaßungen fort. Nehme» wir an. daß sich unter den anonymen Republika- nern der Kammer trotzdem eine genügende Anzahl von Helden gefunden hat, um dem Kabinett Tardieu das Per- trauen zu verweigern. Die Pflicht erwies sich stärker als die eben angeführten Ristken. Die Regierung befindet sich in der Minderheit. Was wird sie tun? Dem Wortlaut des Artikels 6 des Berfassungsgesetzes vom 25. Februar 1875 über die Organisation der öffentlichen Gewalten zufolge — und die durch diesen Artikel festgesetzte Regel bildet das Prinzip des repräsentativen oder parlamentarischen Regi- mes selbst— sind die Minister in solidarischer Weise den Kammern gegenüber für die allgemeine Politik der Regie- rung verantwortlich. Was bedeutet dieser Artikel? Welches ist die bekannte, normale und notwendige Sank- tion der Regierungsverantwortung? Es ist der Abgang der Minister, es ist ihre Demission. Wenn eine Regierung vor der Kammer die Vertrauensfrage gestellt hat. und wenn die Kammer der vor ihr verantwortlichen Regierung das Pertrauen verweigert hat, gehen die Minister ab, demissionieren sie, verschwinden sie. Sie können nur noch im Amt verbleiben, um bis zur Installierung ihrer Nach- solger die laufenden Geschäfte zu regeln. Ihre Beibehal- tung würde die direkte und formelle Verletzung des Artikels 6 des Verfassungsgesetzes bedeuten. Wäre aber die von Herrn Doumergue vorgeschlagene..Staatsreform" einmal durchgeführt, so würde der in die Minderheit ver- setzte Herr Tardieu weiter im Amt verbleiben. Tie von der Kammer im Namen der Volkssouveränität vollzogene Abstimmung würde von ihm für null und nichtig erachtet. Gestürzt oder nicht, wäre er stets der„Erste Minister", und dies gewih nicht für die Reglung der laufenden Geschäfte, sondern zur Erfüllung der ernstesten Handlung, die der Exekutive zufallen kann: der Auflösung der gesetzgebenden Körperschaft. Die Kammer hätte auf Grund des wichtigen Prinzips der Verantwortung Herrn Tardieu gestürzt? Keineswegs: Herr Tardieu würde nämlich diese Kammer heimschicken. In dem reformierten Staat der Herren Doumergue und Tardieu wäre nicht mehr die Regierung vor der Kammer, sondern die Kammer vor der Regierung verantwortlich. Tie Kammer würde nicht mehr die Regie- rungen, sondern die Regierungen würden die Kammern stürzen. Ich suche einen Namen für diesen Staat, ohne ihn zu finden: es möge aber niemand mehr einfallen, ihn mit Republik zu bezeichnen!(Siehe auch Seite 7* Für Deutschland Gegen Hitler! Reldisferror denen den Irrten Misftmmungshampf Tic„Saar-Volksstimme" schreibt: Ter Reichsminister öeS Innern Tr. Frick hat im Etnoee- nehmen mit dem Reichsminister des Auswärtigen auf Grund des§ 2 des Gesetzes über den Widerruf von Einbürgerungen und die Aberkennung der deutschen Staatsangehörigkeit wei- ter« 28 deutsche Reichsangehörige der Staatsangehörigkeit für verlustig erklärt. Bei der Halste dieser Männer wird als Hanptgrund oder als einziger Grund für den Verlust der Staatsangehörig- keit angegeben, daß der Betreffende„an der Unterzeich- »nng des Saarausrnse« in der Jaardrncker„Volksstimme" beteiligt sei, d«r für de« Status quo Propaganda mache und schwerst« Beschimpfungen Teutschlands enthalte. Diese Bestrafung der Propaganda für den Status quo, d. h. für ein« der i« Bersailler Bertrag vorgesehenen Lösungen, ist eine Verletzung des Völkerrechts. Ter auch von Teutschland anerkannte Bersailler Bertrag hat die StatuS-quo-Lösung als eine der drei Lösungen für gesetzmäßig und im Fall« einer dahingehenden Entscheidung als kür all« Beteiligten und für alle Dritte verbindlich fett- gelegt. Ter Kampf für diese Lösung kann deshalb keinem Staate der Welt als Anlaß zu staatsrechtlichen oder straf- rechtlichen Verfolgungen dienen. Dieser jüngste Schritt der beiden Reichsminister Frick und v Neurath ist eine erneute Verletzung de? NeutralitätSabkommnes. Diese Reichsbebörden warte» nicht einmal bis nach der Volksabstimmung, sie grei- fett bereits jetzt in den Abstimmungskampf ein und bestrafen olle diejenigen, die sich in diesem Kampfe hervortun. Diele Maßnahme ist nicht etwa deshalb gerechtfertigt, weil es sich bei den Gemaßregelten, mit einer Ausnahme, nicht um Saarländer handelt. Jeder andere Deutsche ist berechtigt, im Abstimmungskampie Stellung zu nehmen. Da? erkennt jo auch daS„dritte Reich" immer wieder an. Die braunen Diktatoren und ihr« Unterführer beschäftigen sich tagtäglich in Wort und Schrift und Rundfunk mit dem Saar kämpf, ob- schon sie als Richtsaarländer keine unmittelbar beteiligten Personen sind. Goebbels und feine Schreiberling« verzeich- neu auch mit Genugtuung jede französische Stimme, die sich für die Rückgliederung des Saargebietes an das„dritte Reich" ausspricht. Keiner von den braunen Bonzen kommt auf die Idee, hier von einer unzulässigen Einmischung und von Landesverrat der Franzosen zu reden. Ebenso ist«S natürlich allen Deutschen unbenommen, sich an diesem Kampfe aktiv zu beteiligen. In zwei.Fällen stellt die amtliche Begründung, die durch das Deutsche Nachrichtenbüro verbreitet wird, zn besonderer Weise ein« Verletzung deS Friedensvertrages und einen Bruch de» Neutralitätsversprechens dar. Ten Verlast der Staatsangehörigkeit bei Prinz Max Karl zu Hohenlohe- Langenburg begründet das Reichsministerium wie folgt: „Er treibt deutschfeindlich« Propaganda i« Saarkamps. Dessentliches Auftreten als Redner in Paris, au der Seite des Saarseparatifteu Max Brau«. Mituuterzeichuer de» „Saaraufruses". Wir verweisen die Regierungskommisiion und die Ab- stimmungskommission mit aller Entschiedenheit darauf, daß die Hitlerregierung hier einen Führer der Einheitsfront beschimpft. Auch nach der Rechtsprechung der Gerichte an der Saar ist die Bezeichnung als Taarfeparatist eine Beleidi- gung. Wir sind infolge einer Verordnung der RegierungS- kommission daran gehindert, Hitler, als dem Berantwort- lichen, die gebührende Antwort auf dies« Beleidigung zu geben. Wir erwarten, daß die RegierungSkommissivn deshalb bei der deutschen Regierung wegen dieser Verletzung der Neutralität vorstellig wird. Noch unglaublicher ist die Tat- lache, daß eS dem Prinzen zu Hohenlohe-Langenburg als Verbrechen angekreidet wird, daß er neben Max Braun in Paris gesprochen hat. Ein besonders dreistes Stück hat sich die Hitlerregierung geleistet, indem sie auch den saarländischen Schriftsteller Dr. Gustav Regler der Staatsangehörigkeit für verlustig erklärte. Die Begründung lautet: „Er hält sich in Rußland auf. versafier»»« dentschseind» lichen Artikel», die i«„Gegenaugrifs" erschiene« find. Un« terzeichuex des Saaraufruses." Regler ist Saarländer und abstimmungsberechtigter Deut- scher. Ihm wird nichts anderes vorgeworfen, als seine Beteiligung im Saarkampf. Wegen seiner Stellungnahm« ge- gen Hitler und die braune Schreckensherrschaft verliert er sein« Staatsangehörigkeit. Wir machen die Weltöffentlich keit. auf diese' unglaubliche Verletzung der Verträge und Vereinbarungen aufmerksam. Wir nehmen an, daß die Re- gierungskommisiion u. a. gerade diesen Fall zum Anlaß nehmen wird, um endlich die braunen Banditen in die Schranken zu verweisen. Da»„dritte Reich" zetert jeden Tag auf Goebbels Befehl über Einmischungen Frankreichs. Niemand an der Saar hat bis jetzt etwas von diesen fran- zösischen Einwirkungen gemerkt. Hitlerdeutschland dagegen mischt sich ununterbrochen immer ivieder in den Abstim- mungSkampf ein. Am Sonntag veröffentlichten wir die Ur° künde über den Ausschluß eine» Journalisten wegen seiner Mitarbeit an der„Neuen Saar-Post". Heute wird dieser er- ueutc Eingriff vor aller Welt festgestellt. Der VölkcrbundSrat wird am 2t. November sich mit der Taarfrage beschästigen. Wir nehmen an. daß die Einmischun- gen Hitlerdeutschland» dort mit der Entschiedenheit zurück- gewiesen werden, die sie verdienen. Mtttewismus gegen Katholizism Unversöhnliche Gegensätze Das nizzäische Glaubensbekenntnis mit Stimmenmehrheit von Mönchen beschlossen, die zum großen Teil nicht lesen und schreiben konnten, die Lehrsätze, zustandegekommcn am Räubersynoden, aus denen man mit Stockhieben religiöse Fragen entschied, sind tot, innerlich unwahr und nichts offen- bart deutlicher die Hilflosigkeit und Unwahrhastigkeit unserer Kirchen, als daß sie aus Dinge pochen, die mit Religion überhaupt nichts zu tun haben, daß sie noch Lehrsätze verteidigen, an die sie selbst nicht mehr glauben können... „Offenbarung" innerhalb des nordischen Fühlens kann nur Steigerung, Krönung eines Werdens, nicht Vernichtung der Naturgesetze sein. Dies aber will die jüdische Gotteslehre ebenso wie die römische. Den schwersten Schlag versetzte dieser Anschauung die germanische Wissenschaft und die nordische Kunst. Der kirchliche Jahwe ist nun heute tot. wie Wotan vor 1500 Jahren. Alfred Rosenberg, der vom Führer und Reichskanzler mit der weltanschaulichen Erziehung der Nation beauftragte Theoretiker des Nationalsozialismus in seinem Ruche ,.D er Mythus des 20. Jahrhundert s". Eine Wertung der seelisch-geistigen Gestaltenkämpfe unserer Zeit, 13.—16. Auflage. Seite 133 134. Das Buch ist von der nationalsozialistischen Regierung allen Lehrerbibliotheken als geeignet empfohlen und in vielen Fällen auch katholischen Büchereien zwangsweise eingegliedert worden. netze Segen Knox licberfOllfe Versammlungen v?e Verbrecher toben Sogar im katholischen Vereinshaus Die Abstimmungskommission hat durch eine Verordnung dafür gesorgt, daß auch der Einheitsfront Täle zur Ber- iiiguug gestellt werden müssen. Bisher wurden sie ihr durch Boykott und Terror vorenthalten. Daß das nicht so bleiben konnte, ist klar, denn sonst hätte wirklich von einer freiet! Abstimmung nicht die Rede sein können. Dazu gehört doch wohl, daß seder Abstimmungsberechtigte die Möglichkeit hat. zu hören, was. die verschiedenen Fronten zu sagen haben. Unter den Sälen, die bisher für die Einheitstront auf Grund jener Verordnung zur Verfügung gestellt werden mußten, befindet sich auch das katholische Vereinshaus in Saarbrücken-Burbach. In der früher katholischen, jetzt Hitle- rischen Presse gab es darob erhebliche Aufregung, aber die Versammlung ging ohne jede Störung in schönster Ordnung und selbstverständlich auch ohne jede Schmähung der katho tischen Kirche vorüber. Wir haben uns überzeugt: das Vereinshaus steht noch wie vor der Versammlung, und die Kirche dicht daneben auch. Kein Stuhl ist auch nur geritzt worden. Wir erinnern uns, im Reiche andere Bilder gesehen zu haben: zertrümmertes Mobiliar in katholischen Vcreinshäusern und Jugendheimen, zerstörte Muttergottesfiguren, verwüstete Pfarrhäuser, ge- rammte Portale von BischotSpaläften, gestürmte katholische Zeitungshäuser und weinende katholische Kinder, denen die „StaatSjugcnd" unter„Heil Hitler!" die Fahrtenwimpel, die Musikinstrumente. die Abzeichen und nicht selten auch den Mundvorrat und die kleine Barschaft abgenommen hatte. „Sichergestellt", heißt sowas im Spitzbubenjargon des „dritten Reich»".. Nichts von alledem in Burbach. Die Marxisten haben sich als Menschen guter Lebensart erwiesen und haben sich so be nemmen, wie es sich gehört, wenn man irgendwo zu Gaste ist. Tie katholischen Arbeiter haben übrigens an dem ungewohn- tei> Besuch gar keinen Anstoß genommen. Viele haben nur bedauert, nicht in die Veranstaltung kommen zu können, iveil sie entsprechend dey noch geltenden Verordnung ge schlössen sein mußte, also nur für Mitglieder der Einheit» front.' Tic große angrinsfreudige Versammlungswelle der Einheitsfront geht jeden Tag über das ganze Gebiet. Tonntags zählen unsere Versammlungen nach Tutzenden. Tie Führer M a r B r a u n und Pfordt eilen von Ort zu Ort. Ueberall brechend volle Täle. Ueberall Parallelversammlungen. Tas Zaargebiet ist erwacht. Es hört die sozialistischen und die kommunistischen Hitlerqeaner und stimmt ihnen begeistert zu...' Hamburg, 3. Nov. In einer Versammlung der NS.-Hago, Hamburg, sagte der HauptabtetlungslPter Willi Hertmann wörtlich:„Tic Juden- und Emigrantcnhetzcr im Auslände sollen nicht glauben, daß die Partei und das deutsche Volk für immer still zusehen werden, wenn döe Hetze im Ausland gegen Teutschland andauert." Hofsmann schlug mit der Faust auf den Tisch und suhr fort:„W«nu aus dem Laarkamps sich kämpferische Verwicklungen ergebe« oder es gar z« sine« Krieg kommt, dann werden wir nicht zurückschrecken, diese ganze Iudengesellschast mit Stumpf und Stiel onsznrvtte«. Nicht nur die männliche Bevölkerung muß daran glauben und wird erledigt werden, sondern anch di« Frau«« und Kinder, denn dann ist die ganze Iudensrage für uns tu Teutschland erledigt." Soll wirklich die Saar unter die Herrschast solcher Ber- brecher kommen, die sich vor keinem Mord zurückschrecke»? Ter Kampf, den wir hier an der Saar führen, bedeutet eine Etappe in unserem inncrpolitischen Kampf um die Befreiung Teutschlands von der Gewaltherrichaft der landfremden Ver- brecherbande. die durch Eidbruch, Heimtücke. Verbrechen und Mord die Macht an sich geritten hat. Deshalb: Nie zu Hitler! Die militärische Geste Frankreichs hat nicht nur eine künstliche Erregung in der gleichgeschalteten Presse hervor- gerufen sondern hat darüber hinaus einen Entrüstung» stürm gegen die Person des Präsidenten der Regierung»- kommission des Saargcbiets. Herrn Knox, entfacht. Wir haben erst in diesen Tagen die„Berliner Börsen-Zeitung" zitiert, die als Sprachrohr der Wilhelmstraße gilt, und die in einem Artikel, der voll von lümmelhasten Augriffen ge- gen Herrn Knox ist. die sofortige Absetzung des Vertrauens- mauns des Völkerbundes verlangt. Die Hetze gegen die Person des Präsidenten der Regie rungStommtssion an der Saar hat bereits einen derartigen Umfang angenommen, daß sich bereits die ausländische Presse daynt beschäftigt So schreibt z. B. die stets ruhige und fach- ltch«„Neue Züricher-Zeitung": „D i e Anklagen und Vorwürfe gegen Knox, den Präsidenten der Saarregierung. steigern sich bis zu den vehementesten Ausbrüchen. Er wird als Schutzherr der SeparaUsten und Emigranten, als Fronvogt, ja sogar als Wahnsinniger dargestellt, der in ständiger Furcht vor Attentaten lebe und darüber jede ruhige lieber- legung verloren habe. Man klagt darüber, daß es Knox überlasten sei, das Damoklesschwert, das über den Frieden Europa» entscheide, zum Sturze zu bringen, und verlangt seine Ersetzung durch eine andere Persönlichkeit, da Knox von Deutschland nicht mehr als Treuhänder anerkannt werde." Es fällt im übrigen noch aus, daß die gleichgeschaltete Presse sich darüber ausregt, dasi Herr Knor zum Schutze sei- ner Person sich angeblich mit einer Leibwache umgeben habe. Wir wissen nicht, ob diese Mitteilung den Talsachen entspricht, aber selbst wenn sie richtig wäre, hätten die Ratio- nalsozialisten zuletzt das Recht, dazu hämi'che Bemerkungen zu machen. Jeder Hitlerbonze, von dem„Führer" gor nicht zu sprechen, läßt sich bewachen, wie ein asiatischer Despot. llnd wenn Herr Knox angesichts der wüsten- Hetze, die ge- gen ihn entfacht wird. Mahnahmen zu seiner persönlichen Sicherheit trifft, so kann man das nicht nur im Interesse des Herrn Knox selbst, sondern, ohne dabei zu übertreiben, im Interesse des europäischen Friedens nur begrüßen. Dankenabhommen Im Interesse der Saarwlrlsdiall Di« Kreditanstalt für Elsaß-Lothringen hat mit der Dres- dener Bank einen Vorvertrag abgeschlossen, nach welchem die Filiale der Kreditanstalt in Saarbrücken im Falle der Rück- gliederung sofort nach dem Hoheitswechsel durch die TreS- dener Bank übernommen wird. Dies« heachtenswerte Trans- aktion wird folgendermaßen begründet: „Dieser Porvertrag wurde im Interesse der sgarländi- scheu Wirtschast geschloffen, denn er sichert in allen Fällen die Weitersührung der Geschäfte der Kreditanstalt für El- iaß-Lotbrinaen. die, wie man weiß, eine nicht unbedeutende Rolle im Handel und Industrie an der Saar einnimmt. Selbstverständlich wird die Kreditanstalt ihre Geschäfte weiterführen, falls eine Rückgliederung nicht stattfinden soll." Wie die französische Regierung, so hält es auch di« fran zösiickc Geschäftswelt für nötig, die Vorsorg« sür alle Fälle, die nach der Abstimmung eintreten können, zu treffen. Die Kreditanstalt von Elsaß-Lothringen hat sich ent'chlosien, im Falle der Rückgliederung ihr Geschäft im Saargebiet auszu- geben. Das bedeutet, daß daS ganze französische Kapital, das durch die Kreditanstalt sür die Saarwirtschaft vermittelt wurde, im Falle der Rückgliederung restlos zurückgezogen wird. Die Kreditanstalt verfolgt offenbar kein« politischen Ab- sichten Durch ihr Abkommen mit de» Dresdener Bank hat sie vielmehr gezeigt, daß sie von ihrer Seite di« Schwierig- ketten für die Saarwirtschaft erleichtern möchte. Worum will sie aber ihr Geichs», im Saargebiet nicht unter der deutschen Hobejt weiterführen? Taiür sind nicht die politischen, son der« rein geschäftliche lleberlegungen maßgebend. Das Saargebiet unter der deutschen Hoheit würde zum Gebiete der deutschen Reichsmark gehören. In Reichsmark unrgewandell, würden die französischen Einlagen, die durch die Kreditanstalt nach dem Saargebiet flössen, ihren Wert verlieren. Es würden keine Hebet tragungeu der Zinsen und der Rückzahlungen an die Gläubiger mehr gesichert sein. Die Kreditanstalt will Hie ihr anvertrauten Einlagen sichern nud will sie deshalb in Franken, d. h zu ihrem vollen Wert zurückgezahlt haben. Das ist der eigentliche Grund des Ab- kommen« der Kreditanstalt mit der Dresdener Bank. Die Haltung der französischen Bank ist eigentlich selbst- verständlich. Sie beurteilt die Mark nicht etwa pessimistischer, sondern genau so wie die saarländischen Kapitalisten, die zur braunen Front gehören und zum Teil tu der braunen Front eine hervorragende Rolle spielen Man beobachtet nämlich jetzt im Saargebiet eine Erscheinung, die man als„F l u ch t vorder Mar k".bezeichnen kann. Auch den braunen Unter- nehmern graut es bei dem Gedanken, daß ihre schönen Frankenguthaben im Falle der Rückgliederung in die Mark umgewandelt werden müßten. Sie w'sie,, alle, daß die Mark schon zum Tode verurteilt ist, und daß sie schon heute kein Zahlungsmittel für das Ausland darstellt. Sie ziehe» es deshalb vor, ihre Franken sür den Ankauf der Rohstoffe, der Waren, von unbeweglichem Besitz usf. zu verwenden, als sie später für die totkranke Mark abgeben zu müssen. Das ist nichts anderes, als die aus der ersten Inflation io gut bekannte Flucht in die Sachwerte, aber diesmal nicht aus der Mark, sondern schon vorsorglich n or der im Falle der Rückgliederung drohenden Mark. „Deutsche Freiheit", Nr. 218 ARB UND WIRTSCHAFT Saarbrücken, Mittwoch. 7. Nov. 19S4 Kriegswirtschaft und Preissteigerung ung von vornherein nichts als frecher Schwindel. Ihre Agrarpolitik hat ja kein anderes Ziel als Preissteigerung und diese bewirkt Erhöbung der inclii- striellen Produktionskosten. Erschwerung der Wettbewerbsfälligkeit, Rückgang des Exports, Erschwerung der Rohstoffeinfuhr und damit Preissteigerung auf allen Gebieten der gewerblichen Produktion. In der Steigerung der Ernäli- rungskosten kommt die Steigerung der Kosten der w ichtigsten industriellen Verbrauchsartikel der Massen, der Kleidung und der Wäsche. Textilwaren sind in Deutschland um 7.7 Prozent gestiegen, manche Stoffe sogar um weit über 50 Prozent. Und diese Entwicklung ist erst in den Anfängen. Denn je mehr die Industrie Ersatzstoffe verarbeiten muß. desto teuerer wird das Produkt und desto schlechter wird die Qualität. » Alier es wäre verfehlt, die Tendenz zur Preissteigerung etwa bloß auf den Rohstoffmangel und die autarkistische Er satzproiluktioii zurückführen zu wollen. Diese sind gewiß die augenblicklich wirksamsten Faktoren und führen am raschesten zum Ruin der deutschen Wirtschaft. Aber die Ursachen der Preissteigerung liegen im Wesen der nationalsozialistischen und jeder kleinbürgerlich-„anti- kapitalistischen" Wirtschaftspolitik überhaupt. Die sozialistische Wirtschaftspolitik will die kapitalistische ersetzen durch eine Wirtschalt gesteigerter Produktivität. Sie bekämpft die kapitalistische Ordnung gerade deshalb, weil die kapitalistischen Eigentumsgesetze eine. Schranke für die Entfaltung der Produktivkräfte darstellen. Der kleinbürgerliche Antikapitalisnius muß. da er die Eigentum« gesetze erhalten will, die Produktivkräfte drosseln. Er will im Korporativsystem jeden„Stand" in seiner Lage erhalten und schränkt in mechanischer Weise die Produktion ein. um irgendwelche Produzenten in ihrem bisherigen„Stand" zu schützen Er erstreckt die Ausschaltung der Konkurrenz auch auf den Verteilungsapparat. auf die Unkosten der Zirkulation. So ist in Deutschland seit Mai 1933 die Errichtung neuer Handelsbetriebe verboten. Ebensowenig dürfen neue Zeitungen oder Zeitschriften, Kinos, Leihbibliotheken. Texlilversandgeschäfte und Tankstellen gegründet werden. Nicht minder bedeutsam ist die Sperre für die Errichtung neuer Banken oder neuei Bankfilialen und sonstiger Geldinstitute. Entscheidend ist aber die zwangsweise Monopolorganisation der Produktion. Umwälzend wirkt sie auf dem Gebiet der bisher fast kartellfreien Landwirtschaft, wo ein Produkt Das Mißtrauen wächst Ein bezeichnendes Dokument Berlin. 5. Nov. Wir veröffentlichen nachstehend ein Rundschreiben der Wirt Schaftsgruppe Bekleidungsindustrie, das der Korrespondenz„Inpreß" im Wortlaut vorliegt und das für sich selbst spricht: Wirtschaftsgruppe Bekleidungsindustrie Berlin W 62, Kielganstr. 1 Berlin, den 15. Okt. 1934. Rundschreiben Nr. A. 1. J S. Au alle Mitglieder der Wirtschaftsgruppe. Betr. Hamster-Unwesen Wir halten inzwischen durch einige Beobachtungen festgestellt, daß anormale Liefertermine(z. B. Frühjahr- und Sommerware zur Lieferung per Dezember) dem Unfug der Hamsterei dienen sollen. Einmal besteht die Absicht, daß besonders kapitalkräftige Firmen des Handels sich Massen Vorräte für das unlautere Reklame-Angehot der„Friedensware" sichern wollen, zum anderen haben sich einige besonders schlaue Propagandisten die große„Idee" ausgedacht, vor Weihnachten dem Publikum„echte rein wollene Frühjahrs wäre" anzubieten, da die„Seltenheit" dieser Ware ein besonders schönes Weihnachtsgeschenk sei. Es hedaif keiner Begründung, daß dieses Verhalten im höchsten Grade wirtschaftsfeindlich ist und gegen das Wohl der Allgemeinheit verstößt. Eine solche Grlilbeutclpolitik ist Verrat am Volke, der schärfste Verurteilung verdient. Auch das Wohl und die Sorge um Ihre Gefolgschaft verbieten, daß aus diesem Alllaß Aufträge zur unrechten Zeit durchgesetzt werden, um dann zu späteren Terminen vor der Gefahr des Verlustes von Arbeitsplätzen zu stehen. Ihre Aufgabe als Betriebsführer stellt Sie in dieser Hinsicht vor besondere Pflichten und wohlüberlegte Dispositionen. Im Auftrage des Führers der Wirtsdiaftsgruppe verbiete ich hiermit die Bestätigung anormaler Liefertermine und die Auslieferung der Bestellungen zu solchen Terminen. Die einzelnen Fachgruppen setzen sofort die Termine fest, die für Auslieferung handelsüblicher Waren angemessen sind. Die Anordnung gilt selbstverständlich nur für den Inlandsmarkt. Ein Verstoß gegen diese Bestimmung führt zu schwersten Folgerungen. Unsere oberste Verpflichtung hei unserer wirtschaftlichen Betätigung ist Dienst an der Allgemeinheit(mit Kriegswirtschaft. D. Reil.). Wer gegen dieses nationalsozialistische Gebot verstößt, hat keinen Platz in der Volksgemeinschaft." Das Schreiben schließt, wie es sich hei dieser Katastrophe und den. Wirlschaftschaos gehört:„Heil Hitler!" Ausfuhrveibof für TexiiUbfälle Um die Textilabfälle der deutschen Industrie für die verarbeitenden Spinnereien sowie für die Kunstwoll- und Kunst hauniwollfahriken sicherzustellen, hat der Reichswirtschaftsminister ein Ausfuhrverbot für Abfälle von rohen und verarbeiteten pflanzlichen und tierischen Spinnstoffen aus den Nummern 28. 144, 145, 397. 397, 413, 438, und 470 des deutschen Zolltarifs erlassen sowie für Abfälle von Gespinst- waren aller Art(Nr. 543). Diese Tarifnuminern beziehen sich vor allem auf Abfälle von Wolle, Baumwolle. Flachs. Hanf, Kamelhaaren, Kunstseide, Naturseide. Eine Ausfuhr dieser Waren ist nur noch mit Genehmigung des Reichs- kommissarr für Ausfuhr- und Einfuhrbewilligune gestattet. Dieselbe» Bestimmungen finden Anwendung auf die. Ausfuhr von gebrauchten rohen Jutesäcken und Jutegeweben. nach dem anderen in eine zentrale Bewirtschaftung mit behördlich festgelegten Festpreisen einbezogen worden ist. mit der Tendenz, die Festpreise so zu bemessen, daß auch die Produktionskosten unter den ungünstigsten Bedingungen gedeckt werden und die Produktion bisher unlohnender Zweige aulgenommen wird, wie der Anbau von Oelsaaten, Hanf und Flachs, oder die Ausdehnung der Schafzucht usw. Auf dem Gebiet der Industrie hat das Zwangskartellge- setz vom Juli 1933 mit seiner Befugnis, den Zwangsheitritt der Außenseiter anzuordnen und Neuinvestitionen oder Erweiterungen zu verbieten, immer ausgedehntere Anwendung gefunden. Auch hier richten sich die Preisfestsetzungen nach den ungünstigsten Produktionskosten, besonders der Mittel- lind Kleinbetriebe, die in vielen dieser Zwangskartellö zahlenmäßig eine nicht unbedeutende Rolle spielen. Diese immer weiter getriebene Ausschaltung der freien Konkurrenz, die künstliche Erhaltung rückständiger Betriehe in Handel und Industrie und die Ausdehnung der Agrarproduktion zu steigenden Kosten bedeutet aber steigende Unproduktivität der Gesamtwirtschaft. Sinken des Sozialprodukts und damit fortschreitende Senkung der Lebenshaltung. die.»ich auf dem Wege steigender Prei bei gleichbleibenden Löhnen durchsetzen muß. Die inllatorischen Bedingungen, unter denen die Arbeitsbeschaffung und die Rüstungsausgaben finanziert werden, der Rückgang der Exportfähigkeit und die steigenden Rohstoffschwierigkeiten haben die Gefahren der Preissteigerung, die der nationalsozialistischen Wirtschaftspolitik immanent, mit ihr unlöshai verbunden sind, so rasch akut gemacht, daß jetzt die Diktatur zur„Aktion gegen die Preisteuerung" übergeben mußte. Vergebens! Denn sie versucht statt der organischen Umänderung de« kapitalistischen Wirtschaftssystems mit denselben mechanischen Mitteln wie bisher die Folgen abzuwehren, die gerade diese mechanischen Eingriffe hervorgerufen haben. Und deshalb muß die Aktion scheitern und den Wirtschaftswirrwarr nur wieder vermehren. Dr. Richard Kern. Die neuen BenxinanUgen an der Ruhr In der HV. der Rnhrrhemie AG. wies Geheimrat Dr. Klöckner darauf hin, daß der Eintritt der zum Konzern gehörenden Gewerkschaft Victor Stickstoffwerke in das Stick- stoffsyndikat eine starke Prnduktionseinschränkung zur Folge gehabt hat. Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit wird zur Zeit nur zu etwa 30 Prozent ausgenutzt. Die frei- gewordenen Betriehe sollen für die Erzeugung von synthetischem Benzin nutzbar gemacht werden. Es ist daran gedacht, die Anlage mit einer jährlichen Leistungsfähigkeit von 25 000 Tonnen auszustatten; sie soll in der zweiten Hälfte des Jahres in Betrieh kommen. Dieser Plan läßt sich allerdings nicht nur mit den zur Zeit nur etwa zur Hälfte ausgenutzten Stickstoff anlagen durchführen, sondern es ist auch notwendig, daß neue zusätzliche Anlagen gebaut werden. Da von den beiden für die Sleinkohlen-Benzinie- rung in Betracht kommenden Verfahren die Fiscbersche Gas- svnthese den Vorzug hat. auch in kleinen Einheiten wirtschaftlich arbeiten zu können, ist in Aussicht genommen, dieses Verfahren für die Benzinproduktion der Gewerkschaft Victor anzuwenden., Lohnsenkung in den Frankfurter Gemeindebeirieben Die Gemeindebetriehe der Stadt Frankfurt a. M. veröffent- Ii dien ihre Bilanzen für 1933 34, aus denen hervorgeht, wieviel die gezahlten Löhne und Gehälter betrugen. Ein Vergleich«wischen den Zahlen der letzten beiden Jahre ergibt das folgende Bild: Löhne und Gehälter bei den 1932 33 1933 34 Elektrizitätswerken 1 733 000 1 595 000 Straßenhahnen 6 434 000 6 120 000 Autobussen 912 000 799 000 \4 asserwerken(wo die Entwicklung .verhältnismäßig günstig' war) 895 000 817 000 Hafenanstalten(.Entwiekl. günstig") 1 117 000 1 044 000 Gesamtsumme: 11 091 000 10 375 000 Die Lohnsumme ist demnach allein bei den städtisihen Betrieben in Frankfurt von einem Jahr zum anderen um nicht weniger als 716 000 RM. gefallen. Zu diesen Kürzungen der Bruttolöhne kommen noch die„Spenden" und die erhöhten Abzüge. Tauschgeschäfte Walöl gegen Schiffe Nachdem Deutschland bereits im September 150 000 Tonnen Walöl von Norwegen abgenommen und damit überhaupt erst die Grundlage für die diesjährigen norwegischen Fangpreise geschaffen hat, verlautet aus Oslo, daß Verhandlungen über den Verkauf von weiteren 5 0 000 Tonnen^ alöl nach Deutschland vor ihrem Abschluß stehen. Wie weiter berichtet wird, soll der 4 erkauf in horm von Tauschgeschäften abgewickelt werden. Die gemeldete\ ergehung von drei Tankmotorsrhiffen für die Deutsche Werft in Hamburg und eines Tankmotorschiffes für den Bremer\ ulcan erfolgte im Rahmen eines solchen V errechnungsalikommens. Als Gegenwert werden von den norwegischen Bestellern im nächsten Jahr 30 000 Tonnen Walöl geliefert werden. Deutschland— da« klassische Land des Exports, betätigt sich unter der Hitler Reeierunr mit Tauscheeschäften! Auch ein„Erfolg", Deutsdie Stimmen•(Beilage cur.(Deutschen Freiheit• Ireignisse und Geschichten Mittwoch, den 7. Novambcr 1934. Lintzel, ein Meinet 3ieten. ..Brauch nicht Gut noch Geld," Denkt sich unser Held. „Schön ist doch die Welt, Armut ist ein großer Glanz von innen!" Einmal wird das große Glück schon kommen! Wenn auch fast krepiert— Nur nicht kritisiert! Glück kommt nur zu Guten, Reinen, Frommen! Denn dem armen Schaf. Ist es nur recht brav. Gibt.» der Herr im Schlaf! Einmal wird das große Glück schon kommen! Denn das Glück kommt wirklich ganz alleine: Auf tut sich die Tür, Glück spaziert herfür. (Jetzt bekommt den Leidenslohn der Reine!!) s kommt ein Millionär (Wie bei Kotz-Malhör!) Und er spricht.„Schau her, Denn das Glück kommt wirklich ganz alleine! Alle Leidenszeit hat jetzt ein Ende! Deine Prüfung ist Jetzt bestanden. Bist Nunmehr an der großen Schick«al«wende' Komm und sei mein Sohn. Armer kleiner Kohn!" Sprach der Herr Baron. ..Alle Leidenszeit hat jetzt ein Ende!" Das ist die Moral von der Geschichte: Seid nur immer fromm. Daß Euch'» auch so komm'. Sonst beschäftigt Ihr nur die Gerichte! Wenn Ihr nur nicht denkt. Kriegt Ihr was geschenkt Von dem Herrn, der lenkt! Das ist die Moral von der Geschichte! Emigranten, laßt Euch adoptieren! Dann ist aus die Not! Ihr eßt golden Brot, Was viel besser ist als kritisieren! Flüchtlingskommissar Sagt, die Sach ist wahr! Darum auf! Fürwahr. Emigranten, laßt Euch adoptieren! »Anti-Jlosenbecq« beschlagnahmt Vor kurzem, schon einige Zeit, nachdem die römische Kurie Rosen berg„Mythos des 20. Jahrhundert"—uf den Index der für die Katholiken verbotenen Bücher gesetzt hatte, erschien in Deutschland aus der Feder einer Reihe ungenannter katholischer Schriftsteller und Theologen ein Buch..Anti-Rosenberg", das vom Glaubensstandpunkt der Kirche, aber auch aus wissenschaftlich kritischem Bezirk heraus die Pointen des Bluts- und Rassewahns des Herrn„Reichskullurw arts", wie sie in seinem Buch provokatorisch polemisch vorgetragen werden, unter die Lupe nahm und dem Anathema der Kirche das„Unerhört" der gläubigen Wissenschaft hinzufügte. Es ist gelungen, etwa 4000 Stück dieses Buches in Deutschland zu verbreiten. Den bei weitem größeren Rest der Auflage aber hat jetzt Hitlers Polizei ofliziell beschlagnahmt. Diese Maßnahme ist nicht ohne prinzipielle Bedeutung in der Auseinandersetzung der römischen Kirche mit dem„dritten Reich": Denn Rosenhergs Schmöker, der mittlerweile als das andere Standardwerk des Nationalsozialismus neben Hitlers ..Mein Kampf" schon ziemlich 30 Auflagen erlebt und seinem Verfasser also eine ganze Stange Gold eingebracht hat, ist in allen Schülerbibliotheken Deutschlands zwangsweise eingeführt und zur Grundlage de« weltanschaulichen Unterrichts bei S.A., Hitlerjugend und Arbeitsdienst gemacht worden. In der Einleitung der ersten Auflagen redet der Verfasser zwar von„persönlichen Bekenntnissen", die er mit Niederschrift seiner Schwarte habe ablegen wollen. Schon in den letzten Auflagen fehlt diese Einschränkung, da Rosenberg mittlerweile ja hoher Reichswiirdenträger. nämlich eben„Kulturwart" de» Deutschen Reiches, geworden ist. Wenn nun also die Staatsgewalt selbst für die Thesen de« Buchet eingesetzt wird,— jene Thesen, die bereits da» Zensurkollegium der Kirche feierlich verurteilt hat— dann gibt das doch dem unlösbaren Weltanschauungsgegensatz zwischen Rom und dem Nationalsozialismus eine wesentlich verschärfte Nuancierung. Voll tcdqccich „Verleger gesucht für zwei niederrheinisch-bergische Erbhof-Romane. sehr volkstümlich, lebendig, spannend, voll Erdgeruch und Volkshumor Peter J. Thiel, Volkslied- Schriftsteller.(Ein Inserat im„Börsenblatt für den deutschen Buchhandel".) Voll Erdgeruch und doch noch keinen Verleger?! Daran sind sicher wieder die Juden schuld! ZAIkar in Stcirmzaitan Nr.«» Völker in Sturmzeiten Im Spiegel der Erinnerung- im Geiste des Sehers Mittwodi, 7. Novambar 19U Der Hitlerputsch Die folgende Schilderung des Hitlerputsches von 1923 ist dem Buche Konrad Heiden „Geschichte des Nationalsozialismus. Die Karriere einer Idee" entnommen. Von Konrad Heiden 3. Fortsetzung Polmers und Frick? Nationiilribtinal stützte sieh auf einen Verfassungsentwurf des Rates am Obersten Landesgericht, I heodor von der Pfordtcn. Dieser Verfassungsentwurf, angefertigt von einem der höchsten dent«chen Richter, umfaßte einunddreißig Paragrafen, von denen jeder die Todesstrafe für irgend etwas androhte. Ein„ReichsVerweser, den die Verfassung vorsah, sollte heim Vollzug der Strafen nirlit einmal an die bisherigen Straftaten gebunden sein; Pfordtcn selbst schlug Erhängen oder Erschießen vor. doch schloß der Wortlaut auch Rädern und Pfählen nicht aus. Rechts- garantien gab es nicht. Der Reichs- und die Landesverweser sollten auch Akte der Rechtssprechung willkürlich ändern können(Paragraf 29). Sie sollten ferner eine Reichs- oder Landesacht verhängen dürfen, die den Verfolgten außer Rechtsschutz stellte, d. h. dein Totschlag preisgab: die Hilfeleistung für die Verfolgten war mit Todesstrafe bedroht (Paragraf 27). Ein paar Versuche zur Vollziehung der neuen Gerechtigkeit sind am nächsten Tage gemacht worden. Am Vormittag des 9. November drang ein Trupp in das Münchner Rathaus ein und verhaftete nenn sozialdemokratische Stadträte samt dem ersten Bürgermeister Schmid. Ein paar Sturmtruppführer, darunter der spätere SS.-Führer ßerchtold, pachten die Gefangenen auf ein Lastauto, brachten sie in einen Wald, hießen sie dort absteigen und führten sie abseits.„Ich gebe nichts mehr für mein Leben," sagte der grauhärtige Bürgermeister. Auf einer Waldblöße erklärte der Führer den Geiseln, er habe ihnen eine sehr unangenehme Eröffnung zu machen•»*? da» schien der Tod zu sein. Aber es war nur Sadismus. Die Entführer hatten inzwischen von der Niederwerfung des Rutsches gehört und brauchten Zivilkleider. die ihnen die Gefangenen überlassen mußten. Schließlich war der Trupp spn ein paar städtischen Beamten eingeholt, die ihrem Bürgermeister nachgefahren waren. Diese erzählten jetzt den SA-Leuten, man benötige im Raihaus schleunigst die Gefangenen, weil ohne ihre Linterschrift keine Erwerhsiosenunterstiiyung ausgezahlt werden könne. Wenn man sie erschieße, bekämen die armen Teufel kein Geld, und es gäbe sicher Unruhen gegen die Nationalsozialisten. Ob die Entführer den Schwindel geglaubt haben, oder nur froh waren, ihre gefährliche Reute mit An -tand lo«.zu werden? Den Gefangenen jedenfalls war die Hauptsache, daß sie tatsächlich frei kamen und in Hemdsärmeln nach München zurückfahren durften. Andere Trupps plünderten jüdische Privatwohnungeu und nahmen etwa zwei Dutzend Geiseln fest, deren Namen sie sich aus dem Telefonbuch herausgesucht hatten. Eine Bande der jeunesse cloree. darunter Ministersöhne und ähnliches Gelichter, verhaftete in den Villenvororten einfach alles, was jüdisch klang, darunter einen Grafen und mehrere gut national gesinnte Leute. Im Bürgcrbräoketler. wo die Geiselu \erwahrt wurden, legte schließlich die Wache die Gewehre auf sie an: die Gefangenen warfen sich zu Boden— in diesem Augenblick drang Landespolizei ein ttnd befreite sie. Eine abscheuliche Schlächterei war mit knapper Not verhindert worden. ,,So etwas macht man nicht!" Denn inzwischen war die Weltgesihicbte weitergegangen. Als Kahr, Lossow und Seißer erst einmal den Bürgerbräu- keRer verlassen hatten, war Hitler die Initiative entrissen. Vielleicht hätte Kahr. wenn es gelang. Hitler den Putsch aus der Hand zu nehmen, noch versucht, ihn selbständig weiterzuführen und ihm irgendein Gesicht zu geben— vielleicht? Als der Generalstaatskommissar eine halbe Stunde- später im Gedränge den Bürgerbräukeller verließ, wurde er voll einem Oberregieruugsral aus dem Oefolge des schattenhaften Ministerpräsidenten von Knilling angesprochen. Dem sagte er leise:..Herr Kollege, ich hin tieftraurig. Sie haben ja selbst gesehen, daß ich nur gezwungen worden bin zum Jasagern So etwas macht nian nicht! Das war in drei Sätzen der ganze Herr Präsident der Kreis- regiernng von Oberbayern. mit dessen Erlaubnis Hitler Revolution machen wollte. Wütende Generäle Die weitläufige Entstehungsgeschichte von Kahrs und Lossows Gegenaktion soll hier nicht erzählt werden. Erwähnt sei nur. daß die von den Nationalsozialisten behaupteten Eingriffe des Prinzen Rupprecht und des Kardinals von Faul- hanbei Legende sind. Wenn etwas den noch schwankenden Widerstandswillen der Triumvirn in jener Nacht gestellt bat. so war es zunächst die Haltung der nicht an den Ereignissen beteiligten Münchner Feichswehrgenerälo. Namentlich der Stadtkommandant. Generalleutnant von Danner. beschimpfte Lossow Dritten gegenüber auf gut bayrisch als ..trauriges Mannsbild", und empfing den rückkehrenden General init der scharfen Frage:..Exzellenz, das war doch hoffentlich alles nur Bluff?" Der ganze Zorn der Offiziere gegen die Freischärler brach jetzt los; die Generäle, empfanden die Riirgerbränszenr einfach als Schmach der Armee. Seit der Pistolenszene war Hitler nach herkömmlichem militärischem Ehrhegriff ein Mann, den man mit dem Seitengewehr niederstechen mußte. Da« hatte der ehemalige Gefreite nicht bedacht. Noch bevor sie sich mit Lossow verständigen konnten, waren Danner. General Kreß von Kressenstein und Major von Leeb zusammengetreten und hatten dafür gesorgt, daß die Truppen abwehrbereit standen. Sie hätten sie wahrscheinlich sogar gegen Lossow marschieren lassen, wenn dieser sich nicht fügte. Aber inzwischen war außerhalb Bayerns etwas geschehen, wovor der. ganze Spuk. aus dem Biiigerbräu zerstob. Es wurde nämlich bekannt, daß der Reichspräsident Ebert dem General von Seerkt die ganze vollziehende Gewalt im Reich übertragen hatte. Seeyju ließ in München telegrafisch wissen, daß er den Putsch niederschlagen lassen werde. Zwar auch im Norden glimmte es. auch dort standen Wehrverbände bereit, auch dort war die Reichswehr keineswegs in allen Teilen sicher. Aber auch dort herrschte der Gegensatz zwischen der ordentlichen Reichswehr und eleu illegalen Formationen, lind Hitler« Handstreich machte im ersten Augenblick den Eindruck einer ..besoffenen Geschichte". Die Eifersucht der norddeutschen Führer auf den sonderbaren Rasenden in München erleichterte Seeckts Spiel. Wütende Generäle beherrschten die Lage. Kurz, das Triumvirat balle tausend gute Gründe, schnell wieder zur Besinnung zu kommen, nachdem zum mindesten Kahr sie einen Augenblick verloren hatte. Als aber der schwere Entschluß einmal gefaßt war. haben Kahr. Lossow und Seißer in der folgenden Nacht und in den folgenden Wochen das Unvermeidliche nicht ohne Wurde getragen und verhindert, daß aus ihren gefährlichen Anschlägen ein gefährlicher Unfug gemacht wurde. Die fehlenden vierundzwanzig Stunden tu der Nacht zum 9. November ging Hitler durch ein Dainplbad von Jubel. Verzweiflung. Trotz und Hoffnung. ..Nun wird eine bessere Zeit kommen," sagte er glückstrahlend zu Böhm und umarmte den Freund;„wir alle- wollen Tag und Nacht arbeiten für das große Ziel. Deutschland aus Not und Schmach zn retten." Eine Stunde später ine inte er finster, wenn man durchkomme, sei es gut. wenn nicht, müsse man sich aufhängen. Dann wieder herrschte er Polmer an:„Herr Ministerpräsident." sagte er großartig, etwa wie Napoleon zu einem Marschall„Herzog von I a- renl" gesagt haben würde...wir haben Ihnen die Macht gegeben, nun nützen Sic: sie auch aus! W ir müssen jetzt die Initiative ergreifen. Wenn unsere Patrouillen die Stallt durchziehen und rufen: Fahnen heraus! dann wollen wir doch sehen, ob wir nicht eine Begeisterung bekommen!" Der\ orschlag war übrigens ausgezeichnet. Tatsächlich hätten auch die Revolutionäre trotz des politischen Fehlschlage« das Kriegsglück noch wenden können, wären sie nur etwas besser vorbereitet gewesen. Die achthundert Manu, die sie am Abend hatten, wuchsen in defNacht erheblich an. Was an den verschiedenen Enden der Stadl biwakierte, auf den Landstraßen marschierte, auf Lastautos heranfuhr, waren mehrere Tausend. Zahlenmäßig war die Truppen- macht des Kaiupfhnndes an der entscheidenden Stelle weit stärker als die de« Staates. Dem Kampfbuud fehlten auch nicht Maschinengewehre und Kanonen, sondern vierundzwanzig kostbare Stunden. Darum hatte er die Kasernen nicht besetzen, die Bahnhöfe nicht absperren, die Telegrafenämter nicht unter Kontrolle nehmen können, obwohl für all da» genaue Pläne ausgearbeitet waren. Welche Möglichkeiten hier versäumt wurden, erlebten Kahr und Lossow noch in der Nacht in der Infanteriekaserne, wo sie ihr Hauptquartier aufschlugen. Dort mußten sie aus einer Baracke in die andere umziehen, um vor Ueberraschungen ihrer treuen Soldaten sicher zu sein. Bei einem Bataillon weigerten sich am nächsten Tage die Offiziere zweier Kompanien zu marschieren; der Führer der dritten Kompanie stellte sich„schweren Herzeus auf den militärischen Standpunkt". Einmal so weit, gab sich dieser Führer* freilich auch dem ganzen Haß des Offiziers gegen die Miliz hin:„Diese Hunde," sagte er kurz vor dem Gefecht.„schieße ich zusammen mit lächelndem Gesicht." Im ganzen ging tatsächlich ein Stimmungsriß zwischen den höheren und niederen Offizieren hindurch, und er lief etwa beim Major. Die Lage erschien zeitweise so zweifelhaft, daß Lossow die Demütigung hinnahm und Seeckt aui nächsten Nachmittag noch um drei Bataillone und drei Batterien hat. Sie brauchten allerdings nicht mehr einzugreifen. Der General konnte eich davon überzeugen, daß der Putsch wider Erwarten bereits erloschen war. Fr ick, der vorsichtige Revolutionär Verzettelt und stückweise wurden die Aufständischen von der Staatsgewalt überwältigt. Das erste Opfer war Frick. AI« er uro zehn l hr init einem Kollegen scheinbar ganz harmlos in der Polizeidirektion saß, kam sein Sekretär ins Zimmer und sagte:„Schöne Sachen sind passiert. Sie. Herr Ober amtniann(zu 1' rieh) sollen Polizeipräsident werden, und Sie, Herr Ministerialrat, sollen verhaftet werden." Frick fühlte sich hei der angenehmen Nachricht viel unbehaglicher als der Kollege hei der unangenehmen. Nach seiner eigenen Schilderung hatte er große Angst vor der neuen Würde. Nur in der Vertretung des im Biirgerbräukeller verhafteten Polizeipräsidenten Mantel wolle er die Geschäfte führen, sagte dieser Revolutionär zu Polmer, aber erst müsse er von Kahr den Aullrag haben. Die Zivilcourage des Oherregie- rungsrats Dr. Frick hat in dieser seiner ersten revolutionären Nacht nicht geglänzt. Sie stach nicht eben vorteilhaft ah von der Bierruhe des Kollegen, dem die Verhaftung drohte. Der kleidete die Stellungnahme des höheren Polizeibeamten zu revolutionären Situationen in die klassischen Worte:„Da kann man nichts machen, es ist keine verantwortliche Regierung da. man weiß nicht, an wen man sich wenden soll." Damit begab er sich ruhig nach Hause. Frick und Pöhner wurden um Mitternacht von zwei Polizeioffizieren. die sie zwei Stunden vorher noch beglück wünsch' hatten, verhaftet. Zauderer Ludendorff Den einzigen militärischen Erfolg, den der Kampfbund hei dem ganzen Putsch errang, verdankte er Böhm. Der hatte mit seiner„Reichsflagge" im Löw-enbräukeller unter dem Vorwand einer kameradschaftlichen Feier bereit gestanden— angeblich ahnungslos— und hatte dann all! Befehl Kriehets d is Wehrkreiskommando, seine alte Ar- heitsatclle. besetzt. Ludendorff, der den Handstreich angeregt hatte, nannte das: Lossow eine Ehrenwache stellen. Die Ehrenwache zog Drahtverhaue um das Gebäude Und stellte Maschinengewehre in die Fenster. Da? Wehrkreiskommando war dann in der Nacht eine Zeitlang das Hauptquartier der Aufständischen. Sehr bald stieg den neuen Herren des Wehrkreiskommandos der Verdacht auf, daß irgend etwas nicht in Ordnung sei. Es kamen keine Nachrichten von Kahr und Lossow. Ludendorff kalkulierte, daß die beiden von ihren Generälen gefangen worden seien, und traf damit nicht einmal so weit an der Wahrheit vorbei. Nachrichtenoffizier auf Nachrichtenoffizier. die er mit der Bitte um Aufklärung in die Infanteriekaserne sandte, wurde dort auf Befehl Lossows verhaftet. Einen von ihnen, der darum hat. daß mau doch wenigstens Ludendorff nicht ohne Antwort lasse, fuhr Lossow au:„Auf Rehellen wird geschossen!" Gegen die Energie und Zielsicherheit der Generäle stach der Weichmut der Gegner hoffnungslos ah. Ein Leutnant de« Wehrkreiskommandos erklärte unter allen Zeichen de« Respekts dem General Ludendorff, wenn es zum Kamp! komme, werde die Reichswehr ihre Kasernen bis zur letzten Patrone verteidigen. Und Ludendorff antwortete nicht, wie ein Revolutionär das getan hätte: dann werdet ihr eben spätestens nach Verschießen der letzten Patrone fallen, sondern sagte wehmütig lind kameradschaftlich:„Ich fühle midi mit Ihnen in voller Uebereinstimmuiig. Ich werde nie die Kasernen angreifen, auch nicht die Reichswehr." Da empfand Hitler doch anders. Als er zum ersten Male von einem Widerstand in der Infanteriekaserne hörte, rief er wütend:..Da kommen zwei Kanonen hin. und fest hinein- gefetzt, und wenn die ganze Kaserne zum Teufel geht!" Uni fünf l hr früh wußten die Aufständischen endgültig, woran sie waren. Hitler wußte jetzt, daß seine große Szene im Bürgerbräu mißlungen war. Der Oberst Leupold von der Infanteriesdiule teilte mit. daß Lossow schießen würde. Dagegen schießen?\ iele wollten es. und viele haben es auch getan. Aber Ludendorff, der Führer, sah jetzt seine große Stunde gekommen, er wollte vor die Gewelirläufe treten und sie zum freiwilligen Sinken bringen. Der Marsch zur Feldherrnhalle Der Vormittag wurde noch damit zugebracht, die Isar- ufer— der Bürgcrbräukellcr liegt auf der..Kleinseite" von München— in Verteidigungszustand zu setzen. Da und dort wurden- sogar ein paar Kanonen aufgefahren: Gregor Strasser. der noch unbekannte SA.-Führer von Niederbayern, befehligte einen solchen Posten. Gegen ejf Uhr traten Hiller und Liideudorff mit mehreren tausend Leuten ihren„Erkuncligungsniarsdi" iu die Stadt an. Um besser erkunden zu können, trug man Gewehre über der Schulter, zum Teil mit aufgepflanztem Bajonett: hinter den ersten Reihen fuhr ein Auto mit Maschinengewehren. Der Plan des Zuges war in erster Linie, die Stadt moralisch zu erobern und die Gegner in die Winkel zu scheuchen: doch war mau auch auf Kampf gefaßt. Falls die Revolutionäre ganz genau wissen wollten, was die Regierung beabsichtigte, hätten sie ihren Erkundungs- marsch nicht mehr zu machen brauchen. Denn an den Häuserwänden klebten Plakate: „Trug und Worthruch ehrgeiziger Gesellen haben aus einer Kundgebung für nationales Widererwachen eine Szene widerwärtiger Vergewaltigung gemacht. Die mir, General von Lossow und Oberst Seißer mit vorgehaltenem Revolver abgepreßten Erklärungen sind null und nichtig. Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei sowie die Kampt- verbände..Oberland" und..Reichsflagge" sind aufgelöst. von Kahr, Gcneralstaatskommissar." An der Spitze des Zuges gingen Hitler, Ludendorff, Dr. Wehn. Scheuhner-Richter und Kriebel: in der zweiten Reihe Göring. Etwas weiter hinten marschierte mit düsterer Miene auch der völkische Führer aus Norddeutschland Albert von Graefe. Er war erst am seihen Morgen auf Ludc-ndorffs Ruf nach München gekommen— der einzige -Herr aus dem Norden". Der Zug traf an der Isarbrücke auf Sperrketten der Landespolizei. Die senkten die Gewehrläufe nicht; würden »ie schießen? Da trat Göring aus den Reihen nach vornlegte die Hand an die Mütze und sagte:..Der erste Tote oder V erw undete auf unserer Seite bedeutet Erschießung sämtlicher Geiseln, die wir in Händen haben." So berichtet der Oberleutnant der Landespolizei von Hengel; Hitlers Begleiter Ulrich Graf hat den Ausspruch so im Gedächtnis: ..Sobald die ersten Leute da drüben auf dem Pflaster liegen, werden die Geiseln, die wir haben, sämtlich erschossen." Die Polizisten schoßen nicht. Im Nu waren sie entwaffnet, bespuckt und geohrfeigt. Der Zug marschierte dann durch die innere Stadt Dje Stimmung der Bevölkerung war gedrückt. An den Mauern klebte der Aufruf Kahrs; daneben klebte ein anderer des Kultusministers Matt, der den verhafteten Ministerpräsidenten vertrat. Er warnte von Regensburg aus. wo die Rumpfregierung tagte, seine Bayern vor dem..Preußen Ludendorff". Am.Marienplatz, vor dem Münchner Ratliause. stand eine große Menschen menge. In der Mitte, auf erhöhtem Posten »tand Julius Streicher und hielt eine Ansprache. Er war m' die Nachricht von dem Putsch, die ihn überrascht hatte, sofort von Nürnberg nach München gefahren. Als der Zug sorbeikam. stieg er herab und trat unmittelbar hinter Hitler und Ludendorff ins zweite Glied. Er sollte, nur zehn Minuten später, noch eine merkwürdige, vielleicht die verhängnisvollste Rolle des Tages spielen.(Fortsetzung folgt) Die Donmerguelfrlse Vor den entscheidenden Kammerdebatfen Paris, 6. Nov. Tie Krise des Kabinetts Touniergue spitzt sich zu und wird mehr und wehr auch eine persönliche Krise des Kabinettschess. Er verlangt von der Kammer noch im Laufe dieser Woche die Annahme von drei Budget- zwölftel n für das Jahr 1935 für den Fall, dag die Bcr- Handlungen zur Revision der Verfassung in Versailles für die Budgetdebatte in diesem Jahre nicht mehr Zeit lassen oder der Ministerpräsident zur Auflösung der Kam- mer und zu Neuwahlen schreitet. Tie von Touniergue verlangten Zusätze zur Verfassung bringen folgende Punkte: Zu Artikel 6: Tie Zahl der Minister darf 20 nicht überschreiten, den Ministerpräsidenten ausgenommen, der die Stellung eines Premierministers ohne Portefeuille hat. In Artikel 5, erstes Alinea: Der Präsident der Republik kann die K a m m e r vor dem Ablaut ihres gesetzlichen Mandates auflösen. Im ersten Jahre kann die Auf- löiung nur auf Grund des Gutachtens des Senates ge- schchen, im Laufe der folgenden Jahre kann die Kammer ohne Gutachten des Senates ausgelöst iverdeir. In Arti- kcl 4: Ter Staat sichert den Beamten die Stabilität ihrer Anstellung und garantiert ihre Laufbahn. Jede un- gerechtfertigte»der verabredete Arbeitseinstellung zieht den Bruch des Verhältnisses zum Staate nach sich. In Ar- »ikel 8: Ausserhalb der Initiative der Regierung kann kci- nerlei finanzielle Ausgabe beantragt werden, wenn ihr nicht die Bewilligung einer entsprechenden Einnahme durch beide Kammern vorausgegangen ist. Wenn das Bud- gel durch die Kammer nicht vor dem 1. Januar angenommen ist, kann der Präsident der Republik durch Dekret im Staatsrat das Budget des Vorjahres für einen Teil oder für die Gesamtheit des Jahres verlängern Tic Entscheidung liegt bei der radikalsoziali- st i s ch e n Kammerfraktion, die noch schwankt, mäh- rend die Oppositionsstellung der mit den Kommunisten vcr- bündeten Sozialdemokraten unter Blum fest ist. Die Radikalsozialisten behalten sich ihre Stellungnahme zur Versassungsrevision noch vor. scheinen aber in ihrer Mehrhcu zur Stunde geneigt zu sein, das Budgetzwölftel abzulehnen. Infolgedessen rechnet man mit einer kritischen Zuspitzung. Tie Situation ist umso unübersichtlicher, als Tardieu infolge einer Operation für mehrere Wochen an der Tätigkeit verhindert ist. Keine Versöhnung im Kirdienhrieg Kundgebungen werden gestört Wir verzeichnen einige neue Tatsachen: . In Luckenwalde in der Provinz Brandenburg hatte die neue evangelische Bckenntniskirche zu einer Kundgebung aufgerufen. Sic wurde icdoch von einer Gruppe National- sozialisten der T e u t s ch e n Christen unter Führung von D. Loerzcr, einem früheren Flicgerosfizier und Kriegs- kamcraden von General Göiing, gesprengt. Tic Bekcnntniskirche hatte serner für Sonntag in vcrschie- denen Berliner Stadtteilen drei Gottesdienste angesagt. In der Zionskirche im Berliner Norden sollte der von sei- nein Pfarramt in Altona angesetzte. jetzt als Mitarbeiter Präses Kochs tätige Pastor As müssen das Wort ergrci- sc», wurde jedoch durch einen Zwischenfall daran gehindert. In der mit Besuchern überfüllten Kirche stieg ein Pastor der Zioiisgemcindc auf die Kanzel und erklärte, die Predigt As- müssend werbe nicht stattfinden, da die„Deutschen Christen" sich dagegen ausgesprochen hätten Taraushin erhoben sich alle Anwesenden, verliehen die Kirche und begaben sich in geschlossenem Zuge in die Scgenskirchc, wo Asmussen seine Predigt abhielt. * Diese Nachrichten bestätigen, dah die„Tcntschcn Christen" die Mobilmachung vorbereiten. Man rechnet mit neuen heftigen Auseinandersetzungen in dieser Woche. Ter Rcichsbischos scheint nicht gewillt zu sein, kampslos das Feld zu räumen. Er predigte zum Re- sormationstage in Berlin-Nciikölln ohne hier zum Kirchen- streit Stellung zu nehmen. Auch die Bckenntniskirche bat eine graste Kundgebung in Berlin angekündigt. In der Ausstellungshalle am Kaiserdamm wird am Tonnerstag die Elite der Bekcnntniskirche. nämlich Pastor N i e m ö l l c r, Präses Koch und Pfarrer I a c o b i sprechen. Der gekröntere. frankentnhrer Die Nürnberger Kundgebung Wir berichteten gestern über die graste Pro- testantenkundgebung in Nürnberg. Trotz Verbot hatte sich eine gewaltige Menschenmenge ausgerechnet ans dem Adols-Hitler-Platz nach dem Gottesdienst des Bischofs Meiser in der Lorenz-Kirche versammelt. Streicher ist über diese„Sabotage" sehr böse. Da die bereitstehende SA. und SS. nicht gegen die Kundgeber vor- gegangen war. hat er den verantwortlichen S t u r m- b a n n s ü h r e r ungnädig seines Postens enthoben. Die Nürnberger Polizeidircktiou hatte folgende Verfügung er- lassen: „Am Freitag, dem 2. November, haben einige Nürnberger Tageszeitungen unter der Uebcrschrist:„Das Programm für den Bibeltag" die Nachricht gebracht, dast am Sonntag, dem 1. November, von 11.30 bis 12 Uhr eine Bibclseier aus dem A d o l f- H i t l c r- P l a tz stattfände. Diese Nach- r i ch t i st falsch. Tie Polizcidirektion hat vielmehr schon vor einigen Tagen den maßgebenden geistlichen Stellen bekanntgegeben, dast im Einblick aus die augenblicklich noch bestehenden Spannungen in der evangelischen Bevölkerung Kundgebungen und Veranstaltungen unter freie m£» immel, welche kirchliche oder religiöse Angelegenheiten zum Gegenstand haben, einstweilen ans Gründen der öffentlichen Ruhe und Ordnung nicht zugelassen werden können. Dast irotzdcm eine Nachricht über die Abhaltung einer Feier auf dem Adols-Hitler-Platz in die Presse gegeben werden konnte, ist um so überraschender, als seitens der mastgcbcndcn Stellen auch gar nickt versucht worden ist. die seit jeher not- wendige Einwilligung der Stadtverwaltung Nürnberg zur lleberlallung deS Adolf-Hitler-Platzcs herbeizuführen. ^ Es wird hiermit ausdrücklich festgestellt, dast am nächsten Sonntag weder aus dem Adols-Hitler-Platz noch s o n st w o e i n c öffentliche Kundgebung z u g e- lassen ist oder geduldet wird. Es wird auch nach- drücklich davor gewarnt, sich zu„spontanen" Ansammlungen oder Kundgebungen verleiten zu lassen: denn die Polizei wird jedem Mistbrauch der Strafte zu unerlaubten Demonstrationen, Kundgebungen oder Feiern auf dem raschesten und wirksamsten Wege entgegen- trete n." Neue Einigungsverhandlungen Berlin, 6. Nov. Am Montag begannen hier Besprechungen zwischen den Vertretern der Bckenntniskirche unter Ftth- rung des Präses K och und Vertretern der ReichSregierung. Hier sollen die Fragen der künstigen Führung und des Ausbaues der evangelische« Landeskirche eingehend erörtert werden. Von einer maßgebenden Seite ist Ende der vergangenen Woche dem Rcichsbischos Müller nahe- gelegt worden, zurückzutreten. Ein Rücktritt ist aber bis jetzt nicht erfolgt. Im Hinblick auf den Ernst der Situation haben sich die Delegierten des P f a r r e r n o t- b u n d c s in Berlin versammelt. In Bayern und Württem- berg fahren die Lokalgrösten der Nazis kort, das religiöse Leben der Protestanten zu sabotieren. Ter abgesetzte Dr. Jäger hat Teutschland verlassen und ist nach Italien ge- reist. Der grose Rnndfnnhprozeß Eine Verhandlung von rnono'etanger Dauer Iii Berlin hat vor der 0. Strafkammer des Landgerichts Berlin der graste R u n d s u n k p r o z c st begonnen. Unter Anklage stehen der frühere Rcichsriindsunttommisiar Tr. Hans Bredow, der frühere Reichsrundfunkintendant Tr. med. M a x F l e fch und der frühere Rechtsanwalt Tr. Kurt M a g n u S. Magnus und Bredow befinden sich in Unter- suchungshait, während Flesch gegen eine Sicherheitsleistung mit der Hast verschont wurde. Ferner sind angeklagt: Rechtsanwalt und Notar Tr. Hans Otto, Kaufmann Tr. Fritz Kohl. Tr. Erwin Jäger tdiese drei Angeklagten waren früher bei der Mitteldeutschen Rundfunk A. G.>, Schriftsteller Ernst Hardt, Direktor Paul Körte sbeide vom West- deutschen Rundfunk» und Bankdircktor Emil Zorek aus Breslau. Tas Verfahren gegen den früheren Rechtsanwalt Tr. Erich Frey musttc eingestellt werden, da dieser sich im Ausland befindet. Ter Angeklagte B i s ch o f f aus Breslau ist inzwischen amnestiert worden, da er keine höhere Strafe als sechs Monate Gefängnis zu erwarten gehabt hätte. Ter Prozest wird sich über Monate erstrecken. Er dient dem „dritten Reich" zum großen Schaustück in der Absicht, das frühere„System" zu enthüllen. Es ist sicher, dast am deutschen Rundfunk mit den Geldern der Hörer schlimmer Mißbrauch getrieben wurde und dast Millionen ohne Kontrolle in private Taschen flössen. Tie Sozialdemokratie verlangte darum immer wieder die Verstaatlichung d c s R n n d i 11 n k s, aber die weitreichenden kapitalistischen Einflüsse, die Erbschaft aus der Gcburtszeit des Rundfunks, behaupteten das Feld. Als bereits die Reichsrundsiinkgesellfchaft die Mehrheit der Anteile der einzelnen Tendegescllschasten besäst, blieb der private Charakter der Organisation mit allen möglichen Tarnungen bestehen. Hinter diesem Schntzschilde sind Tinge passiert, die schon vor dem„Aufbruch" der heftigsten Kritik durch die Linkspresse unterzogen wurden. Jetzt sind nun die„Netter" an der Macht, die Sauberer und Beireicr Jetzt ist der Mißbrauch„total" sanktioniert. Ter deutsche Rundkunk ist politisches Ztaatsinstrument geworben. In seinen Büros macht sich die banale Unfähigkeit breit. Gewaltige Gehälter werden an Uniformattrappen gezahlt. die von ihren Kreaturen umgeben sind. Zur wirtschaftlichen Korruption gesellt sich die politische als Totengräberin einer einstmals stolzen und verdienstvollen Kulturinstitution. * Ter Prozeß kam durch den im September 1033 erfolgten Selbstmord Knöpfke ins Rollen. Bei einer HanS- suchung bei der Reichsrundsnnkgesellschaft fand man von Knöpfte ausgestellte Quittungen, aus denen hervorging, daß er als Geschäftsführer der Funkdienst G. m. b. H. des Verlags der„Fnnkstunde" lausend Zahlungen von insgesamt 200 000 RM. von der Druckerei ftrma PreuK erhalten hatte. Bredow wird beschuldigt, daö Vorgehen von Knöpfke gedeckt zu haben. Tarübcr hinaus kam die Staatsanwaltschaft im Verlaus ihrer Untersuchungen zu dem Schlust, daß auch für die Verschlungen bei den Scndegesellschasten im Reich in der Hauptsache Magnus und Bredow strafrechtlich ver- antwortlich sind. * A m erste n V e r h a n d l u n g s t a g fehlte der frühere Intendant des Westdeutschen Rundfunks, E r n st H a r d t. ES handelt sich um den vielfach mit Preisen und grohen Bühnen- erfolgen ausgezeichneten Dichter von„Tantris der Narr". Er säst lange in Schutzhaft und liegt jetzt krank in einem Kölner Hospital. Das Gericht beschlost, ihn zunächst vom persönlichen Erscheinen zu entbinde n. Tann wurden Bredow und Dr. Magnus eingehend vernommen. Beide erklärten, sich nicht strafbar gemacht zu haben. Sic seien zu den erhöhten Bezügen formell berechtigt gewesen. Aehnliche Erklärungen gaben die übrigen Ange- klagten ab. ♦ Ter frühere Staatssekretär Bredow wird von O. Sack, dem Verteidiger Torglers im Reichstagsbrandprozeß, vertreten. Es erregte einiges Aussehen, als Bredow im Sommer 1033 nach der Verhaftung von Flesch und Magnus kür diese beide« eintrat, ihre Unschuld versicherte und um seine eigene Verhaftung ersuchte, falls seine ehemaligen Mitarbeiter nickt in Freiheit gesetzt würden. Seither be- findet Bredow sich gleichfalls in Untersuchungshaft. AuOenpollllsdie Verwirrung in Osteuropa Die Reise Gömbös nach Rom Rom, 6. November. Ter ungarische Ministerpräsident Gömbös ist Hier, nack seinem kurzen Aufenthalt in Wien angekommen und ist von Mussolini aufs herzlichste begrüßt worden. Ten Unterhat- tungcn, die der ungarische Ministerpräsident. General Gom- bös, führt, wird in hiesigen politischen Kreisen große Beden- tung beigemessen Gömbös scheint hierher mit einem bi^ stimmten Plane gekommen zu sein und will Mussolini noch vor dessen Unterhaltungen mit Laval von der Notwendigkeit eines engeren Zusammengehens Italiens mit Oesterreich, Ungarn, Polen und darüber hinaus mit Deutschland zu überzeugen. Es hat den Anschein, dast es sich um Plane han- delt, die Herr v. P a p e n bei seinem derzeitigen Besuch t n B u d a p e st, kurz vor dem Attentat au, Bar- thou und König Alexander, dem ungarischen Mmisterprasi- deuten auseinandergesetzt hat. Es scheint, dast Gombos für diese Pläne ziemliches Interesse zeigte. Tie Spannung zwischen Jugoslawien und Ungarn, hervorgerufen durch das Marseille? Attentat, veranlasttc Gömbös. die Rolle des ehrlichen Maklers zur Verwirklichung dieser Pläne zu über- nehmen..„ Zu diesem Zwecke ist er zunächst einmal nach Wanchau gefahren. um sich der Unterstützung PilsudsktS zu vergewinern. Nachdem er nunmehr über diese Pläne mit Bundeskanzler Tr. Schuscknigg gesprochen hat. will Gömbös versuchen, auch Mussolini für seine Absichten zu gewinnen. Es ist austerordentlich schwierig zu sagen, inwieweit Mmfo- lini sich von Gömbös beeinflussen lassen wird. Ter italienilcke Ministerpräsident hegt zweifellos nach wie vor das größte Mißtrauen 0-»- n ü b e r S i t l e r d c u t f ck- l a n d. Die Erinnerung an das Dollfuß-Attentat ist bei ihm noch viel zu frisch in Erinnerung. Aber anderer- seitS scheint er nicht abgeneigt zu sein, unmittelbar vor Ab- schlust der Verhandlungen mit Frankreich einen-rrnmpf ge- gen Laval zu haben, um auf diese Weise Frankreich zum Nachgeben zu veranlassen. An sich ist Frankreich selbst bereit, Italiens Wünsche in bczng auf die Kolonien zu befriedigen, aber die Gegensätze zwischen Italien und Jugoslawien sind noch viel zu stark, als daß ohne weiteres ein«i Einigung er- zielt werden kann. Deshalb zeigt jedenfalls Muyolini auch den Bestrebungen von Gömbös, hinter denen zweifellos der sehr geschäftige Herr v. Papcn und damit die Wilhelm- strafte steckt, ein gewisses Interesse. Es wird in unterrichteten Kreisen auch behauptet, daß Gömbös' Besuch im Ron, außerdem noch den Zweck hat, unter allen Umständen zu verhindern, dast die Tschechoslowakei in den Bereich der seinerzeit in Rom abgeschlossenen Vertrage einbezogen werde. Bekanntlich wurde im März eine Anzahl von Protokollen zwischen Italien. Oesterreich und Un- garn unterzeichnet, in den-en ausdrücklich erklärt worden iit, daß sie„nicht gegen irgend jemand gerichtet seien, und daß sie die Tür für jedermann offen ließen". Nun soll aber Göm- bös während seiner Verhandlungen in Warschau erklärt haben, daß Ungarn gemeinsame Grenzen mit Polen erstrebe. Polen hat seinerseitS^angesicktS der ohnehin wenig herzlichen Beziehungen zur Tschechoslowakei sich bereit erklärt, Ungarns Absichten in dieser Beziehung zu unterstützen. Auch der römische Korrespondent des Pari- ser„Intransigeant" behauptet, dast Gömbös derartige Wünsche in Warschau ausgesprochen hat, und dast Pilsudski diesen Wünsche» sehr wohlwollend gegenüberstehe. Alle diese T^igc zeigen deutlich, wie verworren äugen- blicklich die außenpolitische Lage in Südost- und Zentral- europa ist und von welch großer Tragweite die Verhandlungen sind» die gegenwärtig Gömbös in Rym führt. OocDbels für fllnislcrmord Ein charakteristischer Brief Ernst Werner Techow, der seinerzeit an der E r m o r- d u n g R a t h e n a u s beteiligt war, und dem später von der Republik ein Teil der ihm zudiktierten Zuchthaus- strafe erlassen worden ist. veröffentlicht jetzt eine Broschüre „Gemeiner Mörder?", in der er genau das Rathenau- Attentat schildert, seine Vorgeschichte und Ausführung. Diese Broschüre erweist nicht nur. daß die nationalistischen Mörder, damals wie heute, nach dem gleichen Rezept denken und handeln. Techows Selbstschilderung enthält aber vor allem eine wichtige Mitteilung, die erneut unter Beweis stellt, wer von eh und je alle Mordanschläge in der Republik angestiftet, unterstützt und gefördert hat: Techow erhielt damals einen Brief, in dem es unter anderem hieß: und das ist der Grund, warum das nationalistische Lager so absolut uneingeschränkt zu Ihnen hält... Ihnen aber— das ist mir innerstes Bedürfnis— möchte ich die Hand drücken und da es mir versagt ist, mich zu Ihrer Tat zu bekennen, mich zu Ihnen und zu Ihren Kameraden stellen als Mensch, als Deutscher, als junger Aktivist, der an Teutschlands Wiederauferstchung glaubt— trotz allem." Wer hat diesen Brief geschrieben? Der damalige Ber- liner Nazi-Gauleiter Dr. G o e b b e t s, heute Minister des „dritten Reiches"! Doch weshalb soll er nicht Mördern die Hand drücken, wo sein Führer die Potempa-Mörder „meine Kameraden" nannte. Korrupte Nitlerbonzen Die tägliche Liste Von einem Fachschastswart der Deutschen Arbeitsfront war der Franz Moers auö M.-Gladbach mit schriftliche« Arbeite« betraut worden. Später übertrug man ihm die Annahme von Geldern, die für Reisen der NS.-Gemein- schast Kraft durch Freude eingezahlt wurden. Von diesen Geldern hat er 1102 Mark unterschlagen, die er i n Köln verjubelte. Das Schössengerich, verurteilte den Volksschädling zu einem Jahr Zuchthaus und entzog ihm aus drei Jahre die bürgerlichen Ehrenrechte. Die bisher erlittene Untersuchungshaft wird nicht ange- rechnet. Das Urteil erlangte sofort Rechtakrast, da sowohl der Staatsanwalt als auch der Verurteilte es anerkannten. i\* 4..» Vor dem Schöffengericht in B e r n b u r g hatte sich Hans Elewe wegen Unterschlagung und Untreue zu verant- wvrten. Ter Angeklagte hatte als Ortsgruppenlciter und Z a h l st e l l e n i n h a b c r des Fabrikarbeiter- Verbandes in Leopoldshall ein Sparkassenbuch über .'>000 Mark in Verwahrung. Von diesem zu Unterstützungs- zwecken dienenden Betrag hatte er rund 2500 Mark abgehoben und für sich verbraucht. Außerdem hatte er einen Mictbetrag von 72 Mark unterschlagen. Das Gericht verurteilte Clewe gemäß dem Antrag des Staatsanwalt» zu vier Jahren und einem Monat Zuchthaus und fünfjähxigem Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte Sfraßburger Wodienberidit S t r a ß b u r g, 2. November 1934. Die Haussuchung bei der„Elz" Zu den bemerkenswertesten Ereignissen der letzten Tage gehört die bei der„Elz", dem bekannten Organ des elsässisdien Autonomismus, durchgeführte Haussuchung. ^ ie den Lesern der„Freiheit" bereits bekannt ist, gab die Veranlassung zur Durchsuchung der Redaktionsräurac die Veröffentlichung eines Bildes französischer Festungsanlagen. Das Bild war mit einem Text versehen, dem man, ohne dal! man besonders vertraut zu sein brauchte, mit der neudeutschen Stilistik sofort ansah, daß ör in der Propa- gandagiftküche des„dritten Reiches" verfaßt worden war. Die Zeitung erklärt nun, daß dieses Bild nur infolge des Zusammentreffens mehrerer unglücklicher Umstände zur Veröffentlichung kam. Die zuständigen Redakteure lehnen jedenfalls die Verantwortung ab. Es kommt nun darauf an, oh die Behörde diese Erklärungen als bare Münze hinnimmt oder diese Darstellung als eine der in solchen Fällen üblichen leeren Ausreden bezeichnet. Ganz gleich nun. ob man der Erklärung des Redaktionsstabes der„Elz" Glauben schenken mag oder nicht, beweist dieses Vorkommnis doch, wie eng das autonomistische Blatt mit deutschen Propagandastellen in Verbindung steht. Das allerdings ist eine sehr schlechte Empfehlung des Heimat recht lert ums, das ohnedies durch seine Abhängigkeit von der deutschen Hitlerpolitik hier gewaltig an Ansehen eingebüßt hat. Man wird zwar den weiteren Verlauf der Untersuchung und ihre Ergebnisse abwarten müssen, darf aber doch jetzt schon feststellen, daß die Veröffentlichung dieses eigenartigen Fotos in interessanter Weise die Hintergründe der deutschen Propaganda im Elsaß beleuchtet. Die„Freie Presse" erklärt u. a., daß sie sich aus ganz bestimmten Gründen in der Beurteilung des Vorfalles Zurückhaltung auferlegt habe,„weil bekanntlich Dinge wie die Befestigungswerke am Rhein nicht erst auf solche Art" an den„Feind" verraten zu werden brauchen". Das Blatt habe sich die Kritik, die es nun in der gesamten Presse erfahre, selbst zuzuschreiben, infolge seiner dauernden einseitigen Einstellung in den Fragen, die das Verhältnis zwischen Deutsehland und Frankreich betreffen. Mit Recht bemerkt die„Republicpic":„Wir möchten einmal das Blatt in Deutschland sehen, das in umgekehrtem Sinne ähnliche Zicken lieferte! Eine Stunde nach seinem Erscheinen zierten seine Redakteure ein Konzentrationslager bis zu ihrer Handbeil-Exekution wegen Verrats militärischer Geheimnisse, Landesverrat und staatsgefährdender Umtriebe." Der „Elsässer", der gewiß nicht im Verdacht steht, den Autono- misten von Haus aus gram zu sein, meint, daß der Begleittext des Bildes ganz nach dem Goebbelsschen Ministerium für Propaganda und Volksaufklärung riecht. Das Blatt ist weiter der Auffassung, daß die„Elz" eine„Unvorsichtigkeit" begangen habe, aber kein triftiger Grund gegeben sei, einen Spionageprozeß aufzumontieren. Der„Elsässer Bote" schreibt:„Das Versehen in diesem Falle ist doch so auffallend, daß man wohl behaupten darf, daß sich darin der Geist des Hauses widers piegel t." Das ist nur ein Teil der Pressestiminen, clie wir gelesen haben. Sie unterscheiden sich kaum in Nuancen voneinander, ganz gleich, aus welchem Lager sie stammen. Sie enthalten einhellig die Feststellung, daß die„Elz" durch dieses„Versehen" gezeigt habe, wer ihre Auftraggeber sind. Ganz unbekannt sind diese aber auch schon bisher nicht gewesen. Ein großer Schauspieler im Elsaß Gegenwärtig gastiert der berühmte deutsche Schauspieler Albert Bassermann im Elsaß. Seine Gastspielreise führte ihn nicht nur in clie beiden Städte Straßburg und Mülhausen, sondern auch in viele kleinere Städte, in denen er ein ebenso dankbares Publikum fand, wie bei seinem zweimaligen Auftreten in der niederrheinischen Metropole. Mit Ibsens„V o I k s f e i 11 d" hat sich Bassermann, der bekanntlich heute noch im„dritten Reich" bejubelt und gefeiert sein könnte, wenn er auf seine jüdische Gattin, die seit dreißig Jahren in treuer Kameradschaft mit ihm verbunden ist, verzichten wollte, einen Stoff ausgesucht, der ihm in seltenster Weise Gelegenheit gab, Wahrheiten von der Bühne herab zu sagen, die er unter großen Opfern auch als Mensch gegenwärtig demonstriert. Darum ist das Erlebnis einer Bassermann-Vorst eilung heute doppelt tiefgebend. Man spürt in seltenster Harmonie den großen Schauspieler, der sich selbst, den großen Menschen, spielt. Er hätte es so bequem haben können. Denn die neuen Herren in Deutschland verlangten ja„nur" von ihm, sich von seiner Frau zu trennen und sei es auch nur zum Schein — denn das er es im Ernst tun würde, wollten selbst die Menschenquäler im„dritten Reich" nicht erzwingen. Aber er beugte sich weder dem Terror, noch folgte er den lockenden Versprechungen. Was diese Haltung bei einem Schauspieler bedeutet, der mit seiner Kunst auf das Land seiner Zunge angewiesen ist, vermag erst richtig zu beurteilen. wer täglich erlebt, wie sich große Künstler unter dem Zwang der neuen Verhältnisse als ganz schwache Charaktere gezeigt haben! So fühlen wir uns heute dem großen Bassermann besonders verbunden. Seine Kunst ist uns jetzt mehr als eine bedeutende schauspielerische Leistung, die wir bewundern dürfen, sie ist uns Offenbarung und Kampfbekenntnis zugleich. Hier steht ein ganzer Mensch auf der Bühne, der in seiner Person eine lebendige Demonstration gegen Rassenwahn und neu- deutschen Kulturbarbarismus darstellt. Die Ovationen, die dem großen Schauspieler überall bei seinem Auftreten bereitet wurden, mögen ihm gezeigt haben, daß er draußen viele Freunde besitzt, denen er jetzt durch seine mannhafte Haltung nur noch verehrungswürdiger erscheint! Straßburg, die Fußballhauptstadt Frankreichs Das Fußballinteresse im Elsaß erfuhr durch die sensationellen Erfolge des Straßburger Profiklubs R a c i n g eine so erhebliche Steigerung, daß man in dieser Saison dem Profisport' gute Chancen geben kann. Racing, die M a t h i s Mannschaft, spielte am vergangenen Sonntag gegen Sochaux, die P e u g o t mannschaft, in Montbeliard und konnte einen hart erkämpften Sieg mit nach Hause bringen, der um so bemerkenswerter ist, als Sochaux Tabellenführer und Hauptanwärter auf die Meisterschaft ist. Nicht weniger als dreitausend Enthusiasten begleiteten am vorigen Sonntag ihre Mannschaft nach Montbeliard. Rückgang der Arbeitslosigkeit Nach den Berichten des statistischen Amtes wurden in den Monaten Januar bis Juli dieses Jahres"575 Arbeitslose in Straßburg unterstützt, was einem monatlichen Durchschnitt von 1082 gleichkommt. In diesen sieben Monaten balle also das Arbeitsamt 399 Erwerbslose weniger als in der gleichen Zeit des Vorjahres. Die Abnahme ist auf den stärkeren Wohnungsbau zurückzuführen. Kellermann-Denkmal Verschiedene Straßburger Vereinigungen beabsichtigen, im kommenden Jahr aus Anlaß des 200jährigeu Geburtstags des Generals Keller mann, des Siegers von Valmv, der in Straßburg am 28. Mai 1735 geboren wurde, auf dem Broglieplatz eine Statue zu errichten. Bürgermeister seines Amtes entheben Der sozialistische Bürgermeister Fouilleron von G e b w i 11 e r wurde durch ein Dekret seines Amtes enthoben. In der Begründung heißt es, daß Herr Fouilleron Unvorsichtigkeiten, Nachlässigkeiten und Verstöße gegen das Verwaltungsreglement begangen habe. Inzwischen hat nun als Antwort auf das Dekret die sozialistische Fraktion des Gemeinderats, die die Mehrheit bildet, ihre Aemter niedergelegt. Der sozialistischen Fraktion schloß sich auch der radikale Adjoint Scheurer an. Kunst in Straßburg Am Mittwoch. 7. November, findet das zweite Abonnementskonzert statt, das ein ausgesuchtes Programm französischer Musik bringt.— Am Freitag, 9. November, lernen wir Herrn Marcus U n i u s k i in einem Klavierkonzert kennen.— Am Sonntag, 11. November, gibt Mite Defrenne einen Galaabend„Das französische Militärlied im Wandel der Zeiten".— Mme Lotte Lehmann sang vor einem auserwählten Publikum Lieder con Beethoven, Schubert, Schumann und Brahms. Die Sängerin überragte besonders durch ihre Textinterpretation.— Der Klavierabend S e r k i n s gestaltete sich zu einem erlesenen Genuß, für den der geniale Künstler begeistert gefeiert wurde.— Im Stadttheater interessierte eine Aufführung von Paul Raynals„La Franceri e". Die Aufführung machte einen guten Eindruck und überbrückte einige Schwächen des Werkes, dem es vor allem an dramatischer Wirkung fehlt. Die psychologische Seite des Werkes hinterläßt trotz allem einen starken Eindruck. E D. ^Besonders wertvoll zum Verständnis der letzten Ereignisse in Hitler-Deutschland. Ungewöhnlich interessant und aufschlußreich Konraa Heiden: Geburt des dritten(fteifhen Geschichte des Nationalsozialismus bis m die neueste Zeit Niemand wird künftig über das Problem des Nationalsozialismus mitsprechen dürfen, der dieses Buch nicht gelesen hat. Preis des 272 Seiten starken Buches: Kartonieri 25,- Fr. leinenband 35,- Fr. Buchhand ung der Volksstimme Saarbrücken 2 Trierer Straße 24 Neunkirchen Hüttenbergstraße 41 Eine der interessantesten Broschüren des Tages HEINZ Der Antichrist (Saarland« Verlag, Saarbrücken) Dieses kleine Werk macht im In und Ausland viel von sich reden. Infolge seiner sachlichen, überzeugenden Ausführungen eignet es sich ganz hervorragend für Piopagaodazwecke. Auch Sie m issen es gelesen ha.cn. Preis: FR AN K 1,5 0 Demnächst erscheint die Schrift in französischer, englischer, polnischer und holländischer Übersetzung Zu haben in der Buchhandlung„Volksstimme" SAARBRUCKEN 2 TRIERER STRASSE 24 NEUNKIRCHEN HÜTTENBERGSTRASSE 41 Offiziere für die Ehre der Revolutionäre Dementis der Greuelberichte SHabrih, ti. Nov. Tic Masicnverhaftuugen gehen weiter. Tie G e fii n,g tt i f f e erweisen sich als zu eng und zahlreiche ök'tauflcttc mimten auf schiffen. In den Forts oder in N o t g e f ä n g n i f f e n, beispielsweise in den leer- stehenden'Gebäuden der sriiheren Weltausstellung in Barcelona, untergebracht iverden. Fit Bilbao wurde eine Geheiinversammfung der bqs tischen Nationalisten ausgehoben: achtzehn Versammlungsteilnehmer, darunter der Abgeordnete Antonio Aguirrc, wurden verhaftet. In Madrid wttrde der frühere Generaldirektor der Zoll- Verwaltung unter der Regierung Azana, Bercnguer, festgenommen, da er im Verdacht steht, den Ausständischen Waffen verschafft zu haben. Weiter befindet sich unier den neuerdings verhasteten Persönlichkeiten ein früherer Bürgermeister von Barcelona. Agit ade. In Astitrien, vor allem in den Bergen von Qviedo, kämpfen immer noch kleinere Gruppen von Aufständischen. Vaut„Nacion" verfügen diese Flüchtlinge, die den veriol- gendcn Truppen verzweifelte kämpfe liefern, noch über etwa liotio Gewehre und Wimm Revolver. Flugzeuge haben die Berge überflogen und F l u g b l ä t t e r abgeworfen, in denen die letzten Rebellen aufgefordert werben, sich zu er- geben. Ten Aufständischen wird zugesichert, daß sie st r a s- 1 v s ausgehen und wieder in den Gruben Arbeit finden iverden. Rur den R ä d e l s f ü h r e r n werden scharte -trafen angedroht. Mehr und mehr werden von den Zei- tungen die G r e u e l b e r i ch t e, die unmittelbar nach der Niederschlagung des Aitfstandes verbreitet morden waren, d e m e» I i e r t. Selbst die Offiziere der gegen die Revo lntionäre eingesetzten Truppen treten den Falschmeldungen entgegen und erklären, die Revolutionäre hätten im allgemeinen Zucht und Ordnung gehalten, so dast es nur in Einzelfällen, und ztvar meist in entlegenen Gebieten, zu Ausschreitungen gekommen sei. Tie Verluste d e r A u f st ä n d i s ch e n werden gegen- ivärtig auf über 200 Tote und 3000 Verwundete geschätzt. Tie Entwaffnung der Rebellen in den von den Truppen be- setzten Aufstandsaebicten schreitet fort. T i c Eortes sind einberufen worden. In poltkitchen »reisen rechnet man damit, dast nach einer längeren Ans- spräche über die Mastnahmen, die zur Unterdrückung des Ausftatidcs ergriffen wurden, der Regierung das V e r- tränen ausgesprochen werden wird. Tie XI a t h o l t s ch e V o l k- a k t i o n lGrupne Gil Nobles), aus deren Wohlwollen Ministerpräsident Lcrrour angewiesen ist. wird vor- aus>"chtlich dieie Veriraucnskundg vnng mit der Forderung nach strenger Bestra?ung der und Untersuchung gegen die hinter der Antstandsbewegung stehenden Organi- sationen verbinden. Wenn, wie man annimmt, die Re- gicrung sich mit dieser Forderung einverstanden erklart, dürften Verfahren gegen die leilendcn Pertvnlich- leiten der Sozialistischen Partei u n 0 a»derer L i n k s o r g a n i s a t i o n e tt e i n g e I et t et iverden Aus Erklärnnaen, die der Ministerpratident abgav, lästt sich jedoch der Schluß ziehen, dast ei» Verbot diel« Parteien und Organisationen nicht beabnchtigt ist, sondern dast nur die verantwortlichen Personen zur Rechen- schalt gezogen werden sollen. D e londoner BniiKotMtonferenr L'ondon, 5 Nov. Tie Internationale Boykott Konterenz ist endgültig inr den 24. bis 28. November in London festgesetzt worden. Einladungen sind an die Boykott- und.lnti-Razt- Organisationen in allen'Ländern der Welt ergangen mit Genehmigung des amerikaniichen»ongrcstmitgliedcs Samuel ltntermener, des Präsidenten des Jüdischen Wellivirtschafts- blindes. Tir Robert Mond und?r. Moses Gaster. des Präsidenten bzw. Vizepräsidenten des Icwish Rcprcsentative Eoneil. Fünf Sitzungen sind vorgesehen, an denen die Vertreter aller jüdischen Organisationen teilnehmen sollen, daraus folgen eine Twnpfsitznng sämtlicher Delegierten und zwei Sitzungen gemischter jüdischer und überparteilicher Komitees. Ansterdem soll während der Tagung des Kongresses ein großes öffentliches Meeting durchgeführt werden. .Enttäuschte Pfälzer." Mit etwas Verspätung tibersenden Sie uns die„Pirmasenser Zeitung" vom 29. Cftobcr mit folgendem Rettungs- bliy des Bürgermeisters von Pirmasens:„Bekanntmachung. Unter- nehmer, die sich sltr eine systematische Ausbeutung des Müllantalles interessieren, werden gebeten, sich bis spätestens 10. Aovember 1984 in dem Stadthaus Ruckgebäude, Iimmer lft, zu melden. Pirmasens, den 27. Oktober Das Bürgermeisteramt." Lumpensammler an die Front! Das nationale Antbanwerk ruft. Ter„Führer" braucht Lumpen, damit er die Deutschen retten kann. H. H. Brüssel. Tic machen uns ans ein Inserat im„Börsenblatt für den deutschen Buchhandel" ausmcrksam, das lautet:„Verleger gesucht stir zwei niederrheinisch bergische Erbhos-Romane, sehr volls» titmtlch, lebendig, spannend, voll Erdgeruch und Votlshumor. Peter I. Thiel, Vollsheil-Gchrtststeller." Voll Erdgertich und doch kein Verleger? Tichcr verhindern ivicdcr die Weisen von Zion, daß dieses große Werk deutscher Dichtung gedruckt wird. „Hitler treibt zum Krieg." Wie wir erfahren, ist die erste Auslage des sensationellen Werkes über Hitlers geheime Rüstungen„Hitler treib! zum Krieg"»ergriffen. Dieses Buch erschien gleichzeitig in englischer, französischer»nd deutscher Sprache und erregte in der gesamten Weltprege berechtigtes Aussehen und iiiicinzeschränktes "ob. Weitere sremdsprachliche Ausgaben erscheinen in Snrzc in Holland, in der Tschechoslowakei, in den Bereinigten Staaten, tn Schweden, Latein Amerika sowie in der Sowjet-Unlpu. Führende Politiker und Militärsachverständige aller Länder haben zu„Hitler treibt zum Krieg" Stellung genommen. Tie Geheime Staatspolizei hat fitr■>ie Ergreifung dieses Buchs in Deutschland eine Belohnung van 11)00 Reichsmark ausgesetzt. Die Editions du Earrefonr beretten eine weiter zweite Auslage vor. Diese Ausgabe erhält neues, bisher unbekanntes Material über die gerade in de» letzten Woche» stcbcr- hat, betriebenen Rüstungen, besonders in der Luftwaffe und in den unterirdischen Befestigungen. Dieser Ausgabe ist ein 82 Seiten uarkcr Anhang über„Hitlers letzte«riegSvorbereitnngen" beige- »igt, der insbesondere die veränderte Rolle der TA darlegt und "be, die Militarisierung der Arbeitsdlenststcllcn enthalt. D,est. Auflage gelang, am t. De-ember zur Auslieferung. „Früher Breslau" Ans Breslau«.steil,„wen. die Tie uns ein- Ii*-«IS",'""' r- b"l bCT Polizeipräsident bekannt Cr' Z r f".« ,iCf' cV""""ßitche,, Ministerpräsidenten lern ,J2K2* und im Einvernehmen mit °'N"N"ar habe ich am.!. Rovember die ,Te i ii ti v t''v-