Sinzigs unabhängige Tageszeiiuug veuilchlands — Die Judenfietze an du Saac Seile 3 Die Zukunft dec AathaCischen JCuche Seite 4 Die JCeuschheit dec tdetcasse Seite 7 Nr. 251— 2. Jahrgang Saarbrücken, Samstag, den 10. November 1934 Chefredakteur: M. B r a u n Europas Sonic um die Saar-Krise — Die Verhandlungen in Rom- Die Problematih des 13. Januar Vor enfedieldenden Beschlüssen Rom, 9. Nov.(Eigener Berichts. Die Beratungen des -aarausschuffcs, zu denen auch der Präsident der Rc- gicrungskommijsio», Knox, eingetrosscn ist, tvcrden wahr- icheinlich erst am Sonnabend abgeschlossen werden. Soweit da»> Ergebnis der Abstimmung am 13. Januar in Frage loniint, beschäftigte sich der Ausschust praktisch nur mit zwei Entscheid», gen: Lieg HItlcrdcutschlands oder «tatuS quo. Im elfteren«falle sollen weitgehende Garantie» für die Minderheit geschossen werden, die sür den Status qno gestimmt hat, und zwar sollen diese Garantien in dem internationalen Mindcrheitcnrecht unter dem Schutze des Völkerbundes gesichert werden. Zollte die Mehrheit der Abstimmungsberechtigten sich für den Ttatus quo, also die bestehende Rechtsordnung ent- scheiden, so soll dies keineswegs ausschliesten, dast später eine neue Abstimmung im Zaa»gebiet statt- findet mit der Möglichkeit der Rückkehr zum Deutschen Weich. Die Initiative zu dieser neuen Abstimmung müstte dann von der stimmberechtigten Zaar- de völkcru» g ausgehen.. Der Zaarausschust scheint nicht geneigt zu sein, dem Völkcrbundsrat für seine am 21. November stattfindende Zaartagung einen Rechtsstandpunkt zu empfehlen, der die nach der Abstimmung im Völkerbundörat entsprechend dem Zaarstatut des Bcrsailler Vertrages zu treffende„end- gültige" Entscheidung so auslegt, als müsse das Zaargcbiet für alle Seiten durch seine Abstimmung am 13. Januar gebunden bleiben. On de« Minderheitenschutz wird auch die jüdische Vevölkerung des Zaargcbictcs ciubegrissen werden. Die Zusichern igen in dieser Vcziehung sollen so weitgehend sein, das, der Präsident des jüdischen Weltbundes es nicht »>ehr für nötig gesunden hat. nach Rom abzureisen, um dort ^'e Interessen seiner jüdischen Glanbrnogcnostrn an der «aar zu vertrete». Hebe»- Einzelheiten der politische»«fragen, so über eine Zaarversassung unter dem Ztatus quo wird noch bc- raten. Schwierigkeiten scheinen nur die politischen Lösungen zn machen, während man über die«fragen des Optionsrechts, der Sicherung der auslän- tischen Gläubiger und über die Ablösung der s r a n z ö s i s ch c n Währung im«falle einer Riickgliede- rang der Zaarausschust ziemlich einig zn sein scheint. Hier würde,, die Schwierigkeiten erst»ach dem 13. Januar zwischen Deutschland und Frankreich erwachsen, falls die Entscheidung sür Hitlcrdcutschland sollen sollte. lieber die Veschlüsic des Zaarausschnsses wird erst nach dem Abschluß der Sitzungen berichtet werden. Klarheit Französische Forderungen Rom, den 9. November. Bevor der Präsident der Regierungskommlssion, Knox, von der Dreierkommission gehört wurde, hat der Vertreter der französischen Regierung der Dreierkoinmission noch einmal den französischen Zlandpitiikl dargelegt. Frankreich hat im Gegensalz zum deutschen Vertreter vorgeschlagen, dast vom Dreierausschust die Rückwirkungen jeder der drei Möglichkeiten der Lösung der Zaarsrage behandelt werden, «fronkreich verlangt deshalb eine klare Definition des Zaluts-quo-Ztatuts. Dieses Statut soll vor der Ab- stimmnng bekanntgegeben werden, damit die Saarbcvölke- rnng über die künftige Gestaltung des Zaargebictes im Falle des Sieges der Gegner der Rückgliederung durchaus im klaren ist. Der Dreierausschust und dann später der Völkerbund haben ferner die wichtigsten Fragen zu prüfen, die mit einer eventuellen Rückgliederung verbunden sind. Es handelt sich hierbei um die Modalitäten des Rück- kauss der K'hle»gruben durch Deutschland, um das Schicksal des sronzöslichen Geldes, das gegenwärtig an der Saar im Umlauf ist und auf anderthalb Milliarden Franken geschäht wird sowie um die aus- l ä n d i s ch e n Kredit c, die den Saarländern vor der Ab- stimmung gewährt wurden. klne meine fälsdiung Sicherheit und Ordnung im Saargebiet Die gleichgeschaltete Presse Saarbrückens bringt über den Bericht des Präsidenten Knox in Rom dickte Balken- Überschriften„Sicherheit und Ordnung nicht gefährdet". In Wirklichkeit gehl aus ihren eigenen Berichten hervor, daß Knox nur gesagt hat. „dast bis zum heutigen Tage die öffentliche Ord- nung nicht gestört worden sei, jedoch beschäftigte sich die Regieruugskvmmissioii gegenwärtig aktiv mit der Verstärkung der Polizei, wobei> i e von der ihr hierzu gegebenen M v g l i ch k c i t Gebrauch m a ch t". Da Herr Knox wie jeder vernünftige Mensch im Soor- gebiet befürchtet, daß es bei den sehr Ungewissen Abstim- mungsaussichten für die sogenannte„deutsche Front" mit der Ruhe und Ordnung nicht so bleibt, wie es„bis zum heutigen Tage" war, bemüht sich die Regierung?- Kommission um neutrale Polizei und hat sie sich durch Frankreich bestätigen lassen, daß sie nötigenfalls auf französische Polizeitruppen zurückgreifen darf. Zur Sicherung der freien und unbeeinflußten Abstim- mung— und das ist es, was die„deutsche Front" zu fürchten hat. 70 fahre Herker! \üdi dem Burgfrieden- Fortsetzung Oer PolifiK Doumergues °as Nad nett ffandin vorläufige Ministerliste ^ Paris, o. Nov. Das Kabinett Flaudin wird aus folgen- c" Persönlichkeiten bestehen: Ministerpräsident: Abg. Flau dinz Staatsminister: . H erriol nnd M a r i n; Acustercs: Senator L a v a l: -Inneres: Senator R e g n i c r; Justiz: Abg. Prrnot: tllnanzen: Abg. G c r in a i n- M a r t i n; Krieg: General M aurin; Luft: General D e n a i n: Marine: Abg. P j x t r i: Arbeit: Abg. I a c q u i c r; Oeffenlliche Arbeiten: Senator Ron: llnierr'-h!: Abg. Mctl- lärme? Handel: Abg. Marchan dean: Landwirt- schalt: Senator Eassez: Kolonien: Abg. Rollin: Pensionen: Rivollct sFronlkämpserf: Post: Abg. Mandel: Gesundheit: Abg. Que utile: Handels- marine: Abg. Bertran d: Unkerstaatssekretär beim Ministerpräsidenten: Abg. Pcrreau-P radier. - der Burgfrieden ohne Dournergue Erste Ci Klärung flandins Paris, 9. November 1931. Mit Ausnahme der äußersten Rechten und der sozialistisch- kommunistische» Presse begrüben die Heilungen das Kabinett Flaudin und treten für die Atnrcchlerhältung des Vnrg- sriedcns ein. Der sozialistische„Populairc." feiert das Ans- scheiden Doumergnes als einen ersten Sieg über den Faschismus. Die Sozialisten ivürdcn nicht ruhen, bis die Endenlscheiduilg zugunsten der Republik und der Demokratie gefallen wäre. Das„Echo de Paris" meint, dast das neuc Kabinett infolge des Eintritts von Pernot und Mandel etwas weiter rechts gerichtet sei als die Regierung Toumergiic. Es sei aber nur ein polilisch-strategischc» Mannöver. Das Blatt wirst den Radikalsozialisten vor. sie hätten durch den Dolch stost gegen Toumergiic die nationale Einigung zerstört. Tardieu. der Marschall Potain und der Neosozialist Marquet hätten abgelehnt, weiterhin gemeinsam mit den Leuten zu regieren, die Toumcrgue erdrosselt Höllen. lForlsetzung steh« nächst« Seit«!! Oer Zuchthausstaat Essen, 9. Nov. Oni Essener Hochverratsprozest wurden von den 31 Angeklagten, unter denen sich 6 Frauen befanden. V freigesprochen, 5 wurden wegen Vergehens gegen die Not- Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz des deutschen Volkes vom-l. Februar 193s, die übrige» wegen Vorderes« hing zum Hochverrat zu Zuchthaus- und Gefängnisstrafen verurteilt. Insgesamt wurden 13 Jahre nnd ei„ Mo- Ii a t Zuchthaus u n d 32 Jahre 9 Monate und eine Woche Gefängnis verhängt. Die ZuchtlmuS- strafen bewegen sich zwischen 2 Jahren 8 Monaten und einem Jahr 6 Monaten, die Gefängnisstrafen zwischen 2 Jahren(5 Monaten und einer Woche. Die Lawine rollt „Es ist bitterer Ernstk" Mit diesen Worten überschreibt die „Berliner Vörie».Zeitung" einen Leitartikel, der dem jüng- sten Erlast Görings über Bekämpfung htt„ungerechtfertigten" Preissteigerungen gewidmet ist. Während die Parteileitung, ivie wir berichtet haben, zur Beruhigung der Bevölkerung in einem längeren Kommunique bekanntgegeben hat, dast „schlagartig" eine ll n t e r s u ch u n g über die PreiSgestal- lung in ganz Teutschland vorgenommen werdest soll, sah sich bereits einige Tage nachher Göring genötigt, seinen Erlast herauszugeben, der schwerste Strafen sür„ungerechtfertigte Preissteigerung" vorsieht, und, wie die„Berliner Börsen- Zeitung" erklärt,„als eine letzte Warnung in zwölfter Stunde anzüschc» ist." In der Zwischenzeit hat sich nämlich herausgestellt, dast die Preissteigerungen und die Angstkäufe der Bevölkerung eine» derartigen Umfang angenommen haben, dast die Staatsgewalt nicht mehr aus die Untersuchung der Parteileitung warten konnte und eingreifen mußte. * Aber polizeiliche Eingriffe allein können— das verstehen selbst die Naziführer— eine Teuerungswelle nicht beseitigen. Deshalb ist der Leipziger Oberbürgermeister Gördeler ncnerdingS zum Reichskommissar für Preisüberwachung er- »annt worden, nachdem er bereits unter Brüning den gleiche» Posten bekleidet hat. Gördeler soll aus Grund seiner Erfahrungen„ungerechtfertigte" Preissteigerungen verhin- dorn, während er seinerzeit den Auftrag hatte, die Preise herunterzusetzen. Tie große Frage ist nun: was ist ein un- gerechtfertigter Preis und was ist ein gerechter PretS? So- lange die Löhne unter dem Regime des„deutschen SozialiS- mus" nicht nur nicht erhöht, sondern durch verschiedene Ab- gaben nnd Arbeitsstreckung praktisch herabgesetzt wurden, müstte jede Preissteigerung als»»gerechtfertigt angesehen werden. Zu Brünings Zeiten, als eine Lohnsenkung vor- genommen wurde, ging zum Ausgleich der Versuch nebenher, im Zuge der Krise nnd des TeslaliönsprozesseS die Mieten herunterzusetzen und die Preise, insbesondere bei Marken- waren, zu ermästigen. Der betrügerische HitlersozialismuS hat es aber fertiggebracht, nach Zerschlagung der Gewerk- schatten die Löhne praktisch zu senke», gleichzeitig aber bewußt eine Erhöhung des Preisniveaus herbeizuführen. * Trotz aller Ablengnngcn haben nämlich die Nationalsozialisten eine autarkischc Politik betrieben, und zwar er- strebten sie die Ernährung des deutschen Volkes durch die eigene Landwirtschaft sicherzustellen sowlc für die Industrie die erforderlichen Rohstoffe aus Borrat anzusammeln. Diese Politik entsprang dem Grundgedanken, sich wirtschaftlich sür den kommende» Krieg vorzubereiten, den der National- svzialismuö zur Schaffung der Weltherrschaft der„gcrmani- scheu Rasse" entfachen will. Um die Landwirischast aus ihrem chronischen Krankheitsznstand zu befreien, ist eine Zoll- und Preispolitik betrieben worden, die im Gegensatz zum Gesamt- volksinteresie find. Darr« hat es mit seiner Blubopolitik erreicht, dast die landwirtschaftlichen Produkte von Staatswesen in die Höhe getrieben wurden. Während im Frühjahr Ii83 der Index für landwirtschaftliche Gr» zengnisse seinen Tiefstand erreicht hatte und ungefähr aus 82 lag. ist er jetzt ans 101,6, also um rund 24 Prozent gestiegen(bei gleichzeitig sinkendem Einkommens. Aber selbst diese offiziellen Zahlen geben kein richtiges Bild über die wirkliche Preiserhöhung, die in einzelnen Waren- gruben, wie j. B. in^uite$mh|6(jt pnH Kartoffeln, weit größer Ist. Tie industriellen Konsumwaren stellten sich im Frühjahr 1933 auf etwa 109,2 und sind Ende Oktober aus l-l,8 herau'geklettert. Aber auch hier ist die wirkliche Preis- steigeriing noch größer gewesen, denn in vielen Fallen ist infolge der Rvhstossknappheit eine Onalitätsverschlechterung zu verzeichnen. A n ß e r b c m sind durch die Kartei- l i e r ii n g vielfach die R a b a t t s ä tz c f o r t g e f a k- l e n. die bis zu 20 Prozent gewährt worden waren. Tie Erhöhung der Preise der industriellen Konsumgüter ist vor allem durch die Devisenbewirtschaftung und die dadurch hervorgerufene Rahstoffknappheit erfolgt. Tie Preise für Metalle und für Textilrohstoffe liegen gegenwärtig in Teutschland weit über dem Stand auf dem Weltmarkt. Tiefe unerträgliche Preissteigerung, unerträglich, weil das Ein- kommen der werktätigen Bevölkerung zurückgegangen ist, stellt im Grunde genomencn nichts anderes als eine Ent- wertung der Reichsmark im Jnlande dar. Ter Kurs der Mark ist zwar unverändert geblieben, da die Mark prak- tisch im Ausland nicht gehandelt wird. Im Jnlande aber <— und darauf kommt es fiir die Bewertung der Mark an— ist sie gesunken, da man für den gleichen Betrag heute weniger Waren kaufen kann, wie dies beispielsweise vor einem Jahr der Fall war. ♦ Bon der effektiven Preissteigerung haben in erster Linie die Landwirtschaft und die Industrie profitiert. Nach fach- männischen Berechnungen sollen von der städtischen Bcvvlke- rung in die Hände der Landwirtschast im letzten Jahre iiber 8 Milliarden Mark geflossen sein. Ter Einzelhandel dagegen konnte unter Berücksichtigung der verminderten Kaufkraft der Bevölkerung die Preise nicht entsprechend erhöhen. Tcs- halb kann man eigentlich von ungerechtfertigten Preissteigerungen beim Handel nicht sprechen. Und es ist bezeichnend für die völlig verworrenen wirtschaftlichen Verhältnisse im „dritten Reich", daß gerade jetzt, wo der Kampf gegen die hohen Preise aufgenommen wurde» die Hauptgemeinschaft des deutschen Einzelhandels in einer Denkschrift, die dem Reichswirtschaftsminister Tr. Schacht überreicht wurde, für den Handel als Grundlage fiir die Berech- i. n n g seiner Verkaufspreise den Wieder- l> e s ch a f f n n g s p r e i s fordert. Tos ist übrigens bis in den Wortlaut genau die Forderung aus der Jnslations- zeit. Tie Hauptgemeinschaft weist daraus hin, baß angesichts der ständigen Heraussetzung der Einkaufspreise ohne eine im gleichen Ausmaße gestattete Erhöhung der Verkaufspreise die Eristenzbasis des Einzelhandels und damit weiter Kreise des Mittelstandes in Gefahr geraten. Die Tpitzcnorganisation des Einzelhandels verlangt also in dem gleichen Augenblick, wo den ungerechtfertigten Preissteigerungen der schärfste Kampf angesagt worden ist, eine Erhöhung der Preise. « Tatsächlich liegen die Tinge auch so, daß die hohen Preise nicht beseitigt werden können, solange der Landwirtschaft eine Sonderstellung eingeräumt wird und solange künstlich im Jnlande die über Nohstofsbewirtschaftung gefördert wird. Tie inländische Wolle, die inländischen Eisen- und Metallerze, die Textilersatzrohstokse, das künstliche Benzin usw. treiben zwangsläufig zu einer Preissteigerung, ebenso wie dies durch die Blubowirtschast Tarrzs der Fall ist. Hier liegt die Ursache der Preissteigerungen nnb solange diese Ursache, die in der Linie der nationalsozia- l Up s ch est Wirtschaftspolitik liegt, nicht b e- seit i g t ist, i st der Kampf gegen u n g e r c ch t fr r- t i g t e P r e i s st e i g e r u n g c n ein Kampf gegen Wind m ii h l c n. Tie Lawine der hohen Preise ist, solange .eine grundsätzliche Aendcrung der Wirtschaftspolitik nicht erfolgt, durch noch so rigorose Erlasse nicht aufzuhalten. * Tie Görings und Konsorten nehmen im Grunde genommen ihren„Kampf" gegen die Preissteigerung nicht ernst. Für sie sind ihre rigorosen Erlasse nur Mittel, um der Bevölkerung Sand in die Augen zu streuen und die Aufmerksamkeit von dem wahren Schuldigen— dem nationalsozialistischen Re- gime— abzulenken. Es fällt nämlich an», daß die ersten schroffen Maßnahmen ausgerechnet gegen die Fleischer gc- troffen werden, während doch die Preise in den übrigen land- wirtschaftlichen Produkten noch viel stärker als für Fleisch gestiegen sind. Aber des Rätsels Lösung finden wir in einem großen Artikel, den der„Westdeutsche Beobachter" in einer seiner letzten Nummern(Nr. 491s veröffentlicht. Das Blatt schreibt:„Manche übersteigerten Preise dürften, wie uns von maßgeblicher Seite mitgeteilt wurde, wesentlich heruntergedrückt werden und zwar durch eine scharfe Kontrolle des immer noch v o r handenen jüdischen Zwischenhandel s. Immer noch ist gerade im Vichhandcl das Judentum reich- lich vertreten, und diese Parasiten haben natürlich kein Interesse daran, die Gesundung unserer Wirtschaft zu unterstützen." Wenn der Jude nicht existieren würde, müßten ihn die Nationalsozialisten erfinden, denn sonst hätten sie ja niemand, dem sie die Schuld für ihre völlige Unfähigkeit in die Schuhe schieben könnten. Wir werden uns wohl kaum irren, wenn wir behaupten, daß die Aktion gegen die Preissteigerung in ihrem Endeffekt in eine neue maßlose Hetze gegen das deutsche Judentum gefälscht wird.„Ter Jude ist an der Prcissteige- ' rung schuld!" Das wird der neue Schlachtruf der Streicher, der Goring und der ganzen braunen Gesellschaft sein, die durch ihre Mißwirtschaft das deutsche Volk heute schon ins Elend und in Not gestürzt haben. End« des Zinsbrediers Vom Revolutionär zum Honorarprofessor Berlin, 9. Nov. Ter Reichskommissar für Siedlungswesen, Staatssekretär Feder, ist zum H o n o r a r p r o- icssor in der Fakultät für Bauwesen an der Technischen Hochschule Berlin ernannt worden. Er zog auS, um den Kapitalismus zn treffen. Nun wird er Honorarprofessor, aber nicht für Finanz- und Zinssragcn, sondern iür— Bauwesen. Ter Programmatikcr deS Nationalsozialismus ist avge- schoben. Sein Programm, zum Bolksbctrng benutzt, ist er- lcdigt. Nadi dem Burgfrieden- d Erste Erklärung Flandlns Fortsetzung von Seite k. Ter neue Ministerpräsident Flandin hat der Presse folgende Erklärung abgegeben: Ter Burgfriede dauert an. Es ist mir gelungen, Persönlich- leiten um nicht zu versammeln, die—wie ich überzeugt bin— mit Eifer Frankreich und der Republik dienen und es ver- stehen werden, die sie trennenden Partcinnterschiede zu ver- gessen, nm nur ein Ziel zn haben: Kampf gegen das Elend und die Arbeitslosigkeit, Wiederherstellung der Wirtschaft, Aufrechterhaltung der Finanzen, Verjüngung und Refor- mterung des Staates.^' bofse, daß das Land eine Regierung, die ich in möglichst kurzer Zeit zu bilden mich bemühte, Und die sich sofort an die Arbeit begeben wird, mit Sympathie ausnehmen wird. „Regierung des 13 Januar" Paris, 9. November 1934. lBon unserem Korrespondenten! Nachdem der Rücktritt des Kabinetts Toumcrgue Tatsache geworden ist, will niemand für die Krise verantwortlich sein: jeder beschuldigt den anderen, den Burgsrieen gebrochen zu haben. Trotz aller dieser Auseinandersetzungen steht aber im Vordergrund das Bestreben, die Gegensätze nicht noch mehr zu erweitern und zu retten, was zn retten ist. Mit anderen Worten: der Burgfriede ist tot, cS lebe der Burgfriede! Tie Parteien, die bisher die Regierung bildeten, find durchweg gesonne»«, auch weiter zusammenzuarbeiten. Man ist sich zu sebr der prekären außenpolitischen Lage bewußt und hat außerdem zn große Besorgnisse Um innenpolitische Explosiv- neu, als daß mau nicht versuchte, möglichst schnell über das r Burgfrieden Jnterucqunm hinwegzukommen. Darum wird die neue sran- zösische Regierung nicht anders als ein Kabinett Tonmergue ohne Doumergue sein. Die Regierung Flandin wird die Politik der alten Regierung fortführen. In der Außenpolitik wird man die Linie Barthou-Laval fortsetzen, im Innern wird man schwierige Experimente vermeiden und den Weg zwischen den Utechts- und Linksextremen zn finden suchen und dabei ans die weitgehende Verfassungsresorm verzichten, über die es zum Rücktritt von Doumergue gekommen ist. Wenn nicht alles täuscht, wird die neue Regierung die des 13. Januar sein, die die Aufgabe hat, den Burgfrieden zwischen den Mchrheitspartcicn bis über die kritischen Tage der Saarabstimmung zu erhalten. Der AuDenpolifiker Lava! Warum er die Kabinettsbildung ablehnte Paris, 9. Nov. Wie wir in der gestrigen Ausgabe berichtet haben, galt unmittelbar nach dem Rücktritt Toumergucs als aussichtsreichster Kandidat für den Posten des Mnisterpraii- deuten der bisherige Außenminister und Nachfolger Bar- thons, Pierre L a v a l. Tatsächlich hat der Präsident der Republik. Lcbrnn. Laval angeboten, ein neues Kabinett zu bilden. Pierre Laval hat jedoch dieses Angebot abgelehnt und der Presse über die Beweggründe seiner Ablehnung folgende bemerkenswerte Erklärung abgegeben: „Ich bin kürzlich beaustragt worden, die französische Außenpolitik zu leiten. Es handelt sich um eine außer- ordentlich wichtige Mission, die sorgfältige Bearbeitung erfordert und jede andere Beschäftigung ausschließt. Ich habe dem Präsidenten der Republik für das Angebot, ein Kabinett ,» bilden, gedankt, aber ich mußte bei dieser Sach- läge das Angebot zu meinem größten Bedauern ablehnen." Hirdicnhampf um die nacht immer sdiäriere Zuspitzung- 118 Iheofogieprofessoren fordern Fl iiilers RMtfriit- Die neue Dekennmiskirdie bereiiei ihr Regimen! vor Ter protestantische Kirchen kämpf ist nicht nur ans dem toten Gleis. Er spivt sich in dramatischer Weise zn, da alle Versuche einer Verständigung zwischen der Bekenntuiskirche und den„Deutschen Christen" gescheitert sind. Tie Lage bringt eine Verwirrung o h u e g l c i ch e n. Wir ver- zeichnen einige der vorliegenden Meldungen: Im Landestirchcnamt. von Hannover kam es»ach einer Nachricht ans Berlin zn beispiellosen Szenen. Ein Streit zwischen dem evangelischen Landesbischof Marahrrns und einem von der Reichokirckenregierung als eine Art Gegenbischof eingesetzten Geistlichen namens Hahn artete in Tätlichkeiten aus. Sie endete« damit, daß der Bischof Hahn dem Bischof Marahrcns das Nasenbein ein- schlug. Marahrcns mußte sich in ärztliche Behandlung bc- geben. Nach Privatmelbungen aus Berlin haben 118 llnivcr- sitäts Professoren der Theologie, darunter die namhaftesten sämtlicher deutschen Universitäten, de» Rück- tritt des Rcichsbischofs Müller gesordcrt. Zugleich haben die Juristen im Oberkirchenrat erklärt, daß sie dem Reichs- biickvf nickt mehr folgen könnten. Aus Tüsieldors wird berichtet, im Vorstand des Deutschen Psarrervereins, der 15 OHO Pastoren umfaßt, ist eine offene Rebellion gegen den Präsidenten Pfarrer Schäser in Remscheid sRheinlandj ausgebrochen, weil dieser eine Politik der Botmäßigkeit gegenüber der Müllerschen Kirche« rcgierung verfolgt und den Psarrcrverein gleich- schalten will. Ter Vorstand erklärte Pfarrer Schäser von seinem Präsidcntenamte als abgesetzt. Tic Anstrengungen der Bekenntuiskirche, die Leitung des deutschen Protestantismus zu ü b e r- nehmen, erzeugen inzwischen alle möglichen Kombina- tionen iiber die künftige Reichsktrchenregiernng. Man will an ihre Spitze den bayrischen Oberkirchcnrat Breit setzen, einen Mitarbeiter des Bischofs Meiser. Er soll die Bezeichnung„Präses der Deutschen Evangelischen Kirche" erhalten, da man künftig den Titel„Reichsbischof" wegen seiner zentralistischen Tendenz vermeiden will. Breit hatte anläßlich der gewaltsamen Absetzung des Landes- bischoss Meiser einen scharfen Zusammenstoß mit D r. Jäger. Sollte es wirklich gelingen, Breit als Ober- Haupt der Evangelischen Kirche durchzusetzen, so wäre es ein weithin sichtbares Symbol für das Scheitern der Gleich- schaltnng in Bayern und ein neuer großer Prestigeerfolg der Bekenntuiskirche. Man rechnet jedenfalls in Berlin mit mit großer Bestimmtheit mit einer neuen, von der Bekenntnissynode getragenen Kirchen- rcgicrung, die in Kürze mit Aufrufen an Pfarrer und Gemeinden hervortreten würde. Tic Pfarrer sollen sich entscheiden, bei wem sie stehen. Tie staatlichen Behörden sollen ersucht werden, die Kirchensteuer nur noch an die Bekenntuiskirche abzuliefern, weil eine Kirchenrcgierung Müller„nicht mehr vorhanden" sei... * Aber auch das Reichs innen Ministerium macht angestrengte Lösungsversuche. Man scheint Müller nickt mehr halten zu wollen. Das Ministerium protegiert gegenwärtig noch den hannoverschen Bischof Marahrcns. Alle diese Kom- binationen sind vielleicht schon., tiberholt, Die Entwicklung, die die Bckcnntnisklrche begünstigt, vollzieht sich im Eil- tempo. Müller ist im Streit mit den„Deutschen Christen" und singt nach der Auffassung seiner kirchenpolitischcn Gegner bald den Schwancngesang, wenn er vorläufig auch noch forsch austritt. Kommt Niemöller ins Saorgeblei? Wie wenig man die Kirche mit einer politischen Oppo- sition in Verbindung bringen darf, beweißt die folgende, durchaus gleichgeschaltete Notiz der Bastelt'„National- Zeitung" ans Berlin: „Zum Beweis dafür, wie weit Kirchenoppositiou und Staatssührnng einander entgegengekommen sind, wird in hiesigen politischen Kreisen erzählt, daß der Führer de.- Psarrnotbnndes. Pfarrer Niemöllcr iTah- lem>, im Austrag der Reichsrcgierung nach dem Saar- gebiet abgereist sei, um die evangelischen Saarländer über den Kirchenkonslikt zn beruhigen und ihnen das Plebiszit zugunsten Teutschlands schmackhaft zu machen." Hrilistlie scli zestn Mona'e Aber Benesch glaubt an Erhaltung des Friedens Prag, 8. Nov. In der Rede, die der Außenminister Benesch im Parlament gehalten hat, charakterisiert er die inter- nationale Gesamtsitnativn als einen Znstand des gegen- seitigen Zu Martens nnd der Ausstellung neuer Fronten und neuer Kräfte. Vielleicht werden letzten Endes die Veränderungen der bisherigen Situation nicht groß sein. Tic Politik der Tschechoslowakei nnd der Kleinen Entente hat an ihrer bisherigen Linie nichts zu ändern. Hand in Hand mit ihnen schreitet auch die Balkan- cntcnte. Das Endziel dieser Politik bildet nicht die so- licrnng eines Staates, sondern die Einigung und Zu- sammenarbeit mit allen, vor allem allerdings mit Teutschland. Trotzdem ist die internationale Situation in ihrer heu- tigcn Unsicherheit ernst. Jedes bedeutendere Ereignis kann nnsch'" w i c e i n e B o m b e wirken. Eine große Gewähr bietet jedoch die enge französisch-englische Zusammenarbeit, welche, we.tn sie zielbewußt zur Durchführung gelangt, den Frieden in Europa retten wird. Bcnesch selbst hält die kommend'" 12 bis 18 Monate der internationalen Politik als für das Schicksal Europas und den Frieden cnt- scheiden^. Aus Papenburg entkomme» Rotterdam, 9. Nov. lJnpreß.) In Rotterdam sind drei deutsche Arbeiter eingetroffen, denen es gelungen ist. dem Konzentrationslager Börgermoor-Papcnbnrg zn cnt- kommen. Zwei Mann der Lagcrwache sind im Zusammenhang mit der Flucht wegen angeblicher Beihilfe verhaftet worden. Teuerungswelle Kastel, 9. Nov. lJnprcß.j Neben einer ganzen Reihe von Fleischcreibetrieben sind in Kassel auch mehrere K o l o n i a l w a r e n l ä d c n vorübergehend geschlossen worden, weil festgestellt worden war, daß die Besitzer sick nicht an die Preisaushangs-Bestimmungen gehalten hatten. .vekSmpkms der»amslerkäule Berlin, 9. Nov. Einige Verbände der Bekleidungsindustrie haben, wie berichtet, Maßnahmen gegen Hamsterkäufe ge- trvsfen. Ter Verband der deutschen Wäscheindnstric. Fach- gruppc Wäsche, Schürzen und verwandte Artikel beim Reichs- verband der deutschen Bekleidungsindustrie, hat seinen M>t- gliedern untersagt, vor dem 2. Januar 1935 Reisende oder Vertreter zur Kundschaft zu schicken oder in anderer Weise Angebote in Herrenwäsche, Damen- und Kindcrwäscke. Schürzen. Kitteln, Hans- nnd Gartenkleidrrn auf Lieferung zum Jahre 1983 herauszugeben. Ter Verband deutscher Mützeniabrikanten, Fachgruppe Mützen beim Reichsverband der deutschen Bekleidungsindustrie, hat seine Mitglieder ve> pflichtet, geschlossene Frühjahrsaustrüge nickt vor dem 13. Fe bruar ISSö nnd ausgesprochene Tommcrartikel nicht vor de'» 18. Marz 193., zur Auslieferung zu bringen. Ter Verband deutscher Kleidcrinbrikanten, Fachgruppe Berufs- nnd Sport- bekleidung im Reichsverband der deutschen BekleibungS- indn>»rie. bat seine Mitglieder ver»>'!cht-t. Friihia''r>'"»iträae tGabardine- und Lodenartikel» nicht vor dem 15 Februar. u»d Sommeransträgc nicht vor dem i. März ISS.» anszn- liefern. * öii^örLf^!" 08"""^igen deutlich, welchen Umfang die der^ mmen baben und wie groß das Mißtraue» "/«"«über der..Wirtichaftsaiikurbelun" MielJ oi u"l f Gr'vol.^rrichast ist. Im übriacn sind die n.« r» Fs^bands>naßv»hn.,.„„„ r eine schöne, ober fnouobei» n.i'!L C*l l c- c" c• da infolge der Robstoi'- größere Posten der gcnan»- aren ohnehin nicht gbgesetzt werden können. Für Deutschland SAAR. B EIL A G E Gegen Hitler! „DEUTSCHE FREIHEIT" W Der Dolchstoß Heuen den Saarhandel Savelftouls Verantwortungslosigkeit f.omTiüÄ'^ fl t öt die saarländische Geschäftswelt unter « franäofiftöeit Kreditentziehung und der sich ^ n e tl a" fe'* 1,1 selbstverständlich eine äuherst Erscheinung, dnh die französischen Lieseranten "lcr vericharitcn Kreditbedingungen liefern, da« sogar «»eoite entzogen werden und dag sich die Zahl der Ausver- taute hauten. Alle diese Erscheinungen bedeuten einen schweren«chlag tür den Saarhandel, dessen Umsätze ohnehin burch die von der braunen Front geförderten Registermark- kaute zurückgegangen sind. Wenn wir die Behauptung aus- .". er Ädorhanftel infolge dieser unverantwortlichen Politik in ichwerster Weise gefährdet wird, dann wurde frech von der anderen Leite erklärt, das, wir. die„Landesverräter", nur„Greuelmärchen" verbreiten würden. Aber wie immer werden nachträglich unsere..Greuelmärchen" auch aus wirt- schaftlichcm Gebiete voll und ganz bestätigt. Gerade setzt, zur rechten Zeit, hat das gleichgeschaltete Passage Kaufhaus in Saarbrücken seine Bilanz iür das abgelaufene Geschäftsjahr veröffentlicht und darin schwarz auf weift erklärt, d a ft die il m iätze des II nternehmens infolge der R«- g i st e r m a r k k ä u^t e zurückgegangen sind. ie Kohls und SavelkohlS vom Tchuyverein haben aber, obwohl es ihre verdammte Pflicht und Schuldigkeit wäre, aegen diese Schädigung des saarländischen Handels und Gewerbes durch ihre braunen Gesinnungsgenossen nicht den Finger gerührt. Und was die Verschärfung der Kreditbedingungen sowie der zunehmenden Ausverkäufe anbetrifft, so sind für diese Schädigung ebenfalls die gewissenlosen Leiter der braunen Front, darunter auch die kleinen KohlS und SavelkohlS, voll und ganz verantwortlich. Hätten diese Leute nicht wider besseres Willen dauernd ihren Kohl wegen der 90 Prozent der angeblich zu ihnen stehenden Taarbevölkeihing verzapft, hätten sie nicht bei jeder lächerlichen Gelegenheit den saar- ländischen Einzelhandel gezwungen zu flaggen, und nicht wider helleres Willen die verloraene Behauptung aufgestellt, daft bereits am lt. Januar die Rückgliederung erfolge, dann wäre der saarländische Handel vor einem un- ermeftlichen Schaden bewahrt. To aber ist bei den Franzosen der falsche Eindruck entstanden, als ob das Im Geiste des„Führers .Tie Juden können bleiben, wenn sie sich als anstän- dige, loyale Staatsbürger erweisen»nd antisoziale Spekulationsgeschäfte und eine Einmischung in kul- turelle Angelegenheiten unterlassen." Ter frühere Separatist und jetzige Reichs- Saarkommillar Bürckel zu dem Europa Vhes der Hearstpresse, laut„Saarpfalz" fNr. 25«). Wie die Hitlerpresse an der Saar die Worte des Bürckel praktisch demonstriert, zeigt die Nr. 37 des„Nachrichtenblattes der Synagogen-Gemeinden des Saargebiets": „Tie angeblich führenden Persönlichkeiten schweigen sich über gewisse, ihnen nicht genehme Fragen überhaupt völlig aus oder sie geben zweideutige und unehrliche Halbantworten. Gleichzeitig läftt man in den eigenen Druckereien die„unter- geordneten und unverantwortlichen Elemente" von Zeit zu Zeit um so hemmungsloser hetzen und verleumden. In welch verächtlicher und schmutziger Weise in jüngster Zeit wieder trotz aller Verordnungen der Regierungskom- Mission eine gewisse Prelle an der Saar die Judenheve be- treibt, beweisen einige Preffeäuftcrungen der letzten Tage. „Ter Rufer im Warndt", ein in Ludweiler erscheinendes „Kampfblatt sür die deutschen Interessen", herausgegeben von drei führenden Mitgliedern der„deutschen Front" und gedruckt bei der Gebrüder Hoier A.-G. Bölklingen-Saar, veröffentlichte in seiner Nummer 34 vom 13. Oktober 1934 einen verleumderischen Artikel„Auszug der Kinder Israels aus dem Saargebiet", der den Eindruck erwecken soll, daft ein bekannter politischer Führer besonders die Juden zu seinen Anhängern zähle und daft am 13. Januar der Auszug der Kinder Israels aus dem Saargebiet unter seiner Führung erfolgen werde,„dgnn die Elsaft-Lothringer Bauern haben groftc„Sehnsucht" nach Israel." „Ter Wächter im Gau", ein in Ueberherrn erscheinendes »deutsches Kampiblatt". das von einem führenden Amts- walter der„deutschen Front" verantwortlich gezeichnet und herausgegeben und gleichfalls bei Gebr. Hofer A.-G. gedruckt wird, veröffentlicht in seiner Nummer 1« wortwörtlich den bleichen Aussatz. In der folgenden Nummer 11 vom 27. Ok- tober aber übertrumpft dieses„deutsche.Kampsblatt" sich selbst und veröffentlicht einen Aussatz„Muft i denn zum Ttädtlr hinaus", der einen unerhörten Angriff aus das ge- iamte Judentum darstellt. Zu dem schweren SHicksal. das den Juden an der Saar auferlegt ist. zu den Tragödien zerstörter Existenzen und zu der unsagbar schweren Entscheidung, wohin sich Menschen, die seit Jahrhunderten hier verwurzelt waren, wenden sollen, bringt dieses gewissenlose Preiseerzeugnis "uch noch den Holm und den Spott... Aus der Tatsache, i>»ft viele jüdische Kaufleute sich gezwungen sehen, ihre Gc- schäfte. die durch den Boykott nicht mehr zu halten sind, aus- zugeben, versteigt sich dieser Schreiberling zu der verlogenen ^rage. wie es komme,„daft die Söhne Israels, die in all hen langen Jahren die sauer verdienten Groschen der Saar- «rbeiter und Bauern eingeheimst haben, nun aus einmal ihr beschält ausgeben wollen?" Mit biedermännischem Gesicht wird erklärt,„daft dem jüdischen Kaufmann nach der Rück- Gliederung nicht jegliche Existenz genommen werde, und daft auch heute noch in Teutschland jüdische Geschäfte gäbe, Saargebiet tatsächlich absolut braun wäre, und sie haben deshalb feit einiger Zeit ihre Kreditpolitik zum Schaden der saarländischen Kaufmannschaft verschärft. Bor allem aber erfolgen diese Kreditentziehungen deshalb, weil die Fran- zosen befürchten, daft sie im Falle der Rückgliederung ihre Gelder nicht zurückbekommen würden. Hundertc von Mil- lionen Franken würden im Saargebiet genau so eingefroren sein, wie auch die saarländischen Forderungen im bankrotten Schachtreich heute schon eingefroren sind. Wenn die Fran- zosen mit einem Teutschland der Weimarer Republik zu tun gehabt hätten, dann würden sie nicht die Befürchtung haben, daft sie um ihr Geld geprellt werden. Und die zahlreichen Ausverkäufe sind auch eine Folge der gewissenlosen Politik der Braunen. Oder meint vielleicht Herr Savelkohl. daft es den jüdischen Geschäftsleuten wirklich so groftes Vergnügen bereiten wird, wenn nach einer eventuellen Rückgliederung derselbe Savelkohl seine Mitglieder veranla>'en wirb in der Balmliosstraftc Plakate mit der Ueberschrikt„Kauft nicht in jüdischen Geschäften" heraus- zuhängen? Tie Ausverkäufe find eine vorsorgliche Matz- nähme einiger vorsichtiger Geschäftsleute, die sich a»s^ alle Fälle sichern wollen, wen» die Hitlerbarbarei anch im Saar- gebiet triumphieren wird. Weil die saarländischen Mittelständler zu feige sind, offen ihren SavelkohlS die Wahrheit zu sagen, ist der Saarkauf'- mannschatt heute schon schwerer Schaden zugefügt worden. Heute bereits hat man den Vorgeschmack da- für, was kommen wird, wenn die Saar an Hitler ausgeliefert wird. Tic Savclkohls hätten, wenn sie. statt nationalsozialistische Politik zu treiben, die Interessen der Saarkaiiimannschast wahrgenommen hätten, längst dallir sorgen müssen, daft in der breiten Oesicntlich- kcit und auch bei den französi'ckien Lieferanten bckanntge- geben wird, daft selbst im Falle des unwahrscheinlichen Sieges Hitlers an der Saar weder am 14. Januar noch am 14. Februar nocki am 14. März eine Acnderuna im Saar- gebiet erfolgt. Sie hätten pfl'chtgemäft die französischen Lieferanten benachrichtigen müssen, daft diele zumindestens bis zum Sommer»m ihre Gelder keine Angst zu haben brausen. Aver so was sagen die Tavelkobls nicht. Tazu sind sie zu feige, weil sie vor dem SA.-Sti-fel des Herrn Bürckel mächtig Angst haben. die nichts von der Auswanderung wissen wollten". Wider besseres Willen wird erklärt, daft nur diejenigen ihre Ge- schälte aufgäben und sich zur Auswanderung entschlössen,„die nicht ganz stubenrein sind, die durch Schiebung. Wucher oder ihre politische Tätigkeit sich gewissermaften„eine Laus in den Pelz gesetzt" haben".„Groftcnteils handelt es sich dabei um estgalizische oder emigrierte Juden, die einmal glauben, hier im Saargebiet sich alle Sorgen vom Halse schassen zu können." Wider besseres Willen wird behauptet:„Obwohl bis heute kein Jude hierorts belästigt wurde, der nicht selbst den Anlaft dazu gegeben hat, schreien diese scmi- tischen Jünglinge von einem zu erwartenden Massaker, dem sie alle zum Opfer sielen." Weiter spricht dieses„Kampiblatt" von einer„separatistisch-jüdischcn Presse", von„Parasiten am nationalen Bolkskörpcr", von«Engrosschiebcrn und Halsabschneidern", von Gesindel, das die Dummen, die nicht alle werden, ausbeute und nun„wegen Verrat an denen, die ihnen jahrelang ein Schlemmerleben ermöglicht hätten", seine Geschäfte aufgäbe. Ten Gipfelpunkt aber scheint uns die Scheidung in„Gesindel" und seine anständigen Glaubens- genossen zu sein, von denen jener Schmierfink behauptet,„die auch wir fwcr ist das?) ehren und achten, weil sie ehrliche, brave und treudeutsche Volksgenossen sind". Wir verbitten uns Werturteile aus solchen Federn. Ter saarländische Jude hat derartige Belehrungen nicht nötig. Ein Abschütteln solcher Tchmutzschreibereien. das voraus- sichtlich prompt eriolgen wird, dürfte wohl nicht gelingen. Wir sind leider verpflichtet, auch ein Blatt, das sich stolz Organ der„deutschen Front" nennt, und mit dem wir uns schon einige Male zu beschäftigen hatten, in diesem Zusam- menhang zu erwähnen. Tas„Saarbrttcker Abendblatt" ver- öüentljcht in seiner Nummer 211 vom Montag, dem 29. Ok- tober 1934, einen Aufsatz mit einem Bild unter der lieber- schritt„Ein Porträt". Uns interessiert die politische Seite i dieses gemeinen Angriffs nicht im geringsten: wir wollen lediglich feststellen, was alle Juden angeht:„Tas beigegebene Porträt kann einem Rallekundigcn keine Rätsel aufgeben. Ter Typ ist unverkennbar... Ta Abramzcik vorzügliche Verbindungen zum alten Testament besitzt, huldigt er politisch auch dem Grundsatz:„verbrenne, was Tu angebetet hast...". Jeder, der aus Physiognomien zn lesen vermag, wird beim Anblick des obenstehcndcn Porträts die notwendigen Schlüsse ziehen können." Aus die mit dieser angeblich rassenpsychologischen Unter- suchung verknüpfte Niedertracht einzugehen, erübrigt sich für uns. Wir wollen sie nur niedriger hängen." Dr. P. V. E'ne notwendige Maßnahme Wer aus der Strafte oder per Bahn nach Rilchingen an der Saar kommt, sieht am ersten Haus in ausfallender schmarz-weift-roter Schrift die Worte leuchten:„Dieser Ort ist deutsch." Auf die Frage über den Zweck dieser Maftnahme er- hielten wir die Auskunst, es sei wiederholt vorgekommen, daft Fremde beim Ansichtigwerden der dortigen Deutsch- Front-Anhänger geglaubt haben, es handle sich um Hotten- totten. Es war deshalb nötig geworden, auffallend zu be- tonen, daft der Ort deutsch ist. auch wenn eine Gruppe Pirronesen sich angesiedelt hat. JHUetismus gegen 3Katholizismus Unversöhnliche Gegensätze Die letzte Ausschaltung menschlicher Eigenständigkeit zu gunslen eines schemenhaften Amtes vollzieht sich in den Sakramenten:„Tic sakramentale Gnade wird nicht durch die persönliche» sittlich religiösen Bemühungen des Takramentsempsängers erzeugt, gewirkt, sondern vielmehr durch den objektiven Vollzug des sakramentalen Zeichens selbst." Damit ist die Vernichtung der Persönlichkeit gefordert. ihre Wertlosigkeit als„religiöser" Lehrsatz verkündet. Inmitten eines Volkes, welches die Ehre— persönliche Ehre, Sippenehre, Stammeschre, Volkschre— unbe kümmert um alles andere in rücksichtsloser-rat in den Mittelpunkt seines ganzen Lebens gestellt hätte, wäre die offene Verkündung einer solchen Forderung nimmer durch- sührbar gewesen. Tics ist nur durch das geschickte Ersetzen des Ehrbegriffes durch die Idee der„Liebe", gefolgt von Temut und Ergebung, möglich geworden. Taft dieses„sakra- mentale Zeichen" als von Jesus selbst„festgelegt" hingestellt wird, sei nur als kleiner Hinweis vermerkt, mit welcher Unbekümmertheit„Geschichte" geformt und„Religions- gcbände" gezimmert werden. Alfred Rosenberg, der vom Führer und Reichskanzler mit der weltanschaulichen Ersiehung der Sation beauftragte Theoretiker des Nationalsozialismus in seinem Ruche..Der Mythus des 20. Jahrhundert*". Eine Wertung der seelisch-geistigen Gestaltenkampfe unserer Zeit. 13.—16. Auflage, Seite 162. Das Buch ist von der nationalsozialistischen Regierung allen Lehrerbibliotheken als geeignet empfohlen und in vielen Fällen auch katholischen Büchereien zwangsweise eingegliedert worden. ¥ An die Saar-Katholiken Im Rahmen einer groften Männcrversammlung in den Wiener Rosensälen(Favoriten) führte Kardinal Ist« nis}er«. a. aus: Ich habe in den letzten Wochen viele Be suche aus Teutschland bekommen. Es ist erschütternd, wenn diese Leute ihre Erlebnisse schildern. Trauftcn im Reich dürfen die Katholiken nicht einmal mehr offen miteinander reden: aber die Katholiken und die bekenntnistreue» Pro- teftantcn halte» zusammen. In den Zeitungen darf von katholischen Veranstaltungen nichts mehr gebracht werden, auch dann nicht, wenn Kardinal Faulhaber spricht. Die katholische Jugend darf überhaupt nicht mehr zusammen- kommen: aber denen ungeachtet halten 3« Prozent der Mit glicdcr der katholischen Jugendvereine Zusammenkünfte ab wie die Christen in den Katakomben. Es werden Parolen ausgegeben und Versammlungen abgehalten, ob- wohl die Teilnehmer wissen, welche Gefahren damit ver- bunden sind.„Oesterreich ist die Hoffnung der Katholiken im Reich," so schlaft Kardinal Jnnitzer seine Ausführungen. Sailen die Franzosen elnriidfen? Fast scheint es, als wolle es die„deutsche Front Die Presse der sogenannten„deutschen Front" im Saar- gebiet hat wild gegen die Möglichkeit des Einrücke»» Iran zösischcr Polizeitruppen in das Saargebiet getobt. Tas sei erstens flagranter Bölkerrechtsbruch, und zweitens herrsche im Saargebiet tiefster Frieden. Seit einigen Tagen scheinen aber die Zeitungen der „deutschen Front" den Befehl erhalten zu haben, den gegen- teiligen Beweis zu führen, denn die Spalten sind gefüllt mit Meldungen über die Unsicherheit durch„kommunistische" Unruhen und das angebliche Versagen der saarländischen Polizei. Eine kommunistische Gemeinderäti» in einem Orte bei Saarbrücken ist viehisch mifthandelt worden und liege im Krankenhaus. Von Nazis niedergeschlagen? Aber keines- wegs. Eine„Eisersuchstat" schreibt die Nazipresse.„AuS allerprivatesten Gründen" deutet ein vornehm tuender gleichgeschalteter Ehesredaktcur an. Kommunisten haben gegen die Mißhandlung und die Beleidigung ihrer Führerin demonstriert. Dreispaltig schreit die ganze Prelle der „deutschen Front" nun von den revolutionären Umtrieben der Einheitsfront. Aus denselben Zeitungen erfährt man, daft in Saar- brücken und in einigen anderen saarländischen Orten kom munistische Demonstrationen stattgefunden haben sollen. Sieht man genau zu, so sind es'selbst in der vergröfterten Fantasie der Gleichgeschalteten nur einige kleine Trupps gewesen. Tie Ausmachung in der Presse des Saargebietes und der Widerhall im Reiche sind aber so, als seien die Kommunisten draus und dran gewesen, am Jahrestage der russischen Revolution ein Sowjet-Saarland auszurufen. Die Polizei aber? Tie kam natürlich„zu spät". Offenbar war der „Emigrantenkommissar Machts" wieder einmal mit den Aufständischen im Bunde. Vielleicht ist er als Kriegsminister für das kommende Sowjetreich an der Saar anSerfehen. Man wird begreifen, daft das vollkommen unhaltbare Zustände sind. Gesindel-Pirro kann keine Nacht mehr ruhig schlafen. Er muft befürchten, daft Saarbrücken eines Nachts von Sowjetrnftland annektiert wird. Aus die Polizei aber ist, wie wir zu unserer Ueberraschung in seiner Presse lesen, kein Verlaft mehr. Wir sehen die kommenden Tinge voraus: So wie Bürckel und Pirro jetzt täglich die Schwurfinger aus den Bersailler Vertrag legen, damit kein I-Punkt in diesem Dokument der Schmach verwischt werde, so werden sie nächstens bei Herrn Knor vorstellig werden, um von ihm das Einrücken der Franzosen zu fordern, denn immer noch tausendmal lieber die Trikolore als Hammer und Sichel der Sowjetunion'. ,';V I Mc Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland schrnrpfiich behandelt wurden. Aus dieser.'seit werden blu- trge Sutome aufbewahrt, und es kam vor, das; dem gelange- neu Pfarrer die Gefängnis kost auf dem Abvrtdcctcl serviert wurde. Frr vielen Fällen haben die Ordinariate jede Vermittlung zwecks Freilassung glatt abgeschlagen. In andere» Fällen hat mau sie mit unwürdigen Zumutungen vvll Telbstbeztch- tigung erwirkt zum Zweck der Entwaisung der Pfarreien: waren doch in der kleinen->>i! Pfarreien zählenden Speycrer Diözese zu Zeiten IA> Pfarreien verwaist, indem die Psar- rcr eingekerkert oder verjagt waren: niemals aber hat man die Bekenner öffentlich geehrt, weil man Hitlers Zweck bei diesen Priestermaltroutierungeu niemals erkannt hat, näm- lich die Entehrnna des geistlichen Standes in den Augen des Volkes, brlonders der Fugend llnd so hat Hitler selbst diesen infernale» Zweck zum größten Teil erreicht. Nur der Fall Muhler in München bildete eine bekannte Ausnahme. Wir wolle» die Oeffentlichkeit nicht mit der Aufzählung von Erbärmlichkeiten belästigen, dürfe» uns indes nicht ver- sagen, geivisse Vorkommnisse anzudeuten, die für die Lage charakteristisch sind und die Gründe des vielfachen Versagens ahnen lassen. Zweierlei Begebenheiten kommen hier in Betracht. Pfarrer suchen Schuh bei den Hitler» vor ihren Bischöfen, deren Disziplinargewalt sie zu fürchten haben.'Nicht alle Bischöfe drin- gen dagegen den Mut des Bischof Ehren frieds ans Würz bürg ans, dem man dafür das Palais stürmte, andere sehen sich infolge gewisser Mißlichkeitcn gezwungen, im Schweigen das kleinere Uebek zu ivählcn. So können solche Pfarrer unter braunem Schutz ein anstößig Leben führe n. Firmiere Geistliche besonders, die betört durch das Kon- terdat und Hitlers Versprechungen auch zu den National- sozialisier! ihre Zuflucht nehmen, tun das mehr aus ideellen Gründen: sie hoffen mit deren Hilfe gewisse Unzuträglich- leiten im kirchlichen Regime beseitigen zu können, unter d' iKit sie nicht nur selber leiden, sondern die auch ein Krebs- schaden für die ganze Kirche sind. Natürlich werden diese»ner- fahrenen Leute ausgenützt und enttäuscht. Man heuchelt vor ihnen Teilnahme, zieht ihnen die Würm aus der Nase, manchmal unter Anwendung unehrlicher Mittel, überläßt sie dann ihrem Geschick und verwendet das Gehörte gegen die Kirche. Es kommt aber auch vor, da» man solche Geist- liche, nachdem»ran ihnen wider ihren Willen Aeußerungeu entlockt hat, mit der Versicherung, die Kirche verzeiht nie, in Verzweiflung zu stürzen sucht, darnit sie das Braunhemd an- legen und der neuen Regierung dienen mit Aposkasie von Stand und Glariben. Fndcs in in der Oeffentlichkeit nur er» Fall bekannt geworden, wo ihnen dieses satanische Vor- haben gelungen ist, der Fall Hartl von Freising, der gegen seinen Ehe? Zeugnis ablegte, und der dann in seinem darauffolgenden Nervenzusammenbruch solange liebevolle Behandlung in Ehrenschutz fand, bis er es zum verheirateten braunen Rrgiernngsrat gebracht hat. Dagegen sind die Fälle zahlreich, in denen Geistlich? heimlich Sckntz gegen ibre kirchlich-,, Bebdrd n bei den Fnstanzen der Partei und t i der politischen Polizei suchen. Wir werden ipätpr an dieie wichtige Tatsache iiiis erinnern, wenn wir die Gründe des Verlagens und die Schwierigkeiten der Abwehr erörtern. Tie unmittelbare Folge des Geraintverhaltens des Klerus war eine v e r b l ü f f ende F n d o l e» z d c r L a i e n, die ohne besondere Aufregung der Malträtierung ihrer Geist- liehen zuschauten. Fa viele praktizierende Katholiken gerade besserer Stände empfanden darob sogar ein Gefühl der Ge- nngtung: das war besonders i 111 Bäuerischen der Fall, wo sich der Klerus eben in besonderer Weise Blösen gegeben und trotz der Mahnungen Faulhabers die Zeichen der Zeit am ivenigsten verstanden hat. Tiefe Indolenz der katholischen Bevölkerung angesichts der braunen Verheerungen im Priesterstand ist sür den fremden Beobachter ivohl das erschütterndste Monument h t t l e r i s ch e n K n l t u r k a m p f e s; die Fälle der Volks- ppposition gegen diese Gemeinheiten waren so selten, daß sie nicht des Erwähnen» wert sind. Tie ganz wenigen aber, die vorkamen, zeigten, wie wenig Austreten notwendig gewesen wäre, um die Schinach zu verhüten. Wo Hitler Widerstand findet, desertier« er sofort. Aber er fand keinen Widerstand ansier bei den Marxisten. Sowohl der politische wie der religiöse Katholizismus waren ohne Halt und Festigkeit und ließen alles geschehen, llnd doch fanden oberftirtliche Stellen, daß das äußerste Blaß von Klugheit noch nicht angewandt worden fei. Wo in dieser Weise der Kampf gegen politische Hochstapler geführt wird, ist alles möglich. Man tat sich und der Kirche die Schurach an und verhandelte mit dem Feind unter Heberlasinng der Priestcrgesangencn. Natürlich fielen diese Verhandlungen über Organisationen und dergleichen dementsprechend ans. Man braucht Hitler nur die Schwäche einer Charakterlosigkeit zu zeigen, und man kann sicher sein, von ihm zertreten zu werden. Aber das ivol- len nnd können die deutschen Prälaten nicht einsehen. Hitler kennt sie besser als sie ihn. Er iveisi, dasi er nochmals 1»l Priester einkerkern darr, ohne bei den Oberbirten aus nennenswerten Widerstand zu stoßeU? er weiß auch, dasi es sei- neu diabolischen Absichten gegen die Kirche viel mehr ent- spricht, die Laienführer erschießen zu lassen, als die Bischöfe. Es wäre naiv anzunehmen, er schonte die Bischöfe ans Re- spekt vor ihrem Amt oder ihrer Würde. Wer sich vor dem Priester nicht scheut, scheut sich auch nicht vor dem Bischof, der ja auch kein anderes Priestertnm hat. das zu scheuen iväre. Ter äußere Rangunterschied hält ihn auch nicht zurück: das Volk ertrüge auch Bischofsmalträticrungen. Kein Katholik würde sich zum Beispiel über die Verhaftung des Spenerer Bischofs im Ernst aufregen. Nein, wenn Hitler Klausiencr, Probst, Gerlich. Beck und andere katholische Laien'ührcr er- schießen läßt, die Btjchüfe aber schont, so geht er dabei von der ganz richtigen Erwägung ans, daß ihm und seinem W"rk die Laiensührer sehr und die Bischäse gar nicht gefährlich sind. Teshalb hängt er nicht einen Schuß Pulver an diele, sondern er ermordet jene. Ten etappenweise» Teilvorstößen dieses geriebenen Fein- des hätte die Kirche eine geschlossene unnachgiebige Front entgegensetzen müssen. Seiner diabolischen Verstellungen hätte sie die sofortige Probe aus Herz nnd Nieren entgegen stellen müssen, selbst wenn sie sich dafür dein Vorwurf des Reizens ausgesetzt hätte. Es kam einer vollständigen Ver- kcnnuug des Feindes und der Lage gleich, wenn die bau- tischen Bischöfe selbst erklären, sie hätten in der Hoffnung gelebt, Hitler und die Seinen würden sich„mäßigen". Ein Mann mit Totalitätsanspriichen in ä si i g t sich n i e m a l s. Wer Hitlers Reden aufmerksam zuhörte, der iand die schlimmsten Ahnungen bestätigt, denn bei allen Ver- sprcchungen ließ er sich durch seine Zweideutigkeiten Hinter- türen zum Gegenteil offen. Bischöfe hätten dies bemerken müssen. Aber aufsälligerweise findet man in Teutschland bei den Laien, besonders bei den einfachen Laien viel mehr Klar- hcit und Voraussicht in der Beurteilung von Personen und ihren Bewegungen als bei den Bischöfen, die in ihrer Ver bürokratisierung den Sinn für lebendige Gestalten nnd Ge- staltungen verloren zu haben scheinen. lind doch hätte die allzuspäte Verurteilung des Nationalis- mns nicht so viel geschadet, wäre sie nicht bald daraus wieder aurgehoben worden, Tieser llnnall der Bischöfe vor der soeben ergriffenen Macht hat verheerend gewirkt. Ter dabei gemachte Vorbehalt macht die Sache nur nur so schlimmer. Er zeigt nämlich, dasi in an mit d c m B e w usit s ein d e s II irrecht e S. z n r ü ck g f w i ch e n i st. Ter Um stand, daß man nach dem Verlust der politischen Macht den Katholiken den Beitritt zur Partei erlaubte, den man ihnen hart vorher aus vielen Glaubensgründen verboten hatte, rahm der bischöflichen Autorität in dem Augenblick das Ge n icht, Ivo sie es ganz in die Wagschale hätte werten müssen. Fetzt war der Verdacht, daß die Religion zur parteipolitischen Machtsicherung herabgewürdigt war, bei sehr vielen zur Ge n ißheit geworden: und das war das schlimmste Aergernis in jenen Tagen. Nichts hat die Kampfmoral der Kathgl.?« so abgestumpft wie diese verhängnisvolle Wahrnehmung. Man mag nachträglich die Sache färben>vic man will, man wird den Makel der Ueberrumpelnng von den Hirten nicht abwaschen können. Blair hatte sich allzusehr auf die politische Macht verlassen und ist dadurch unvorsichtig und unachtsam geworden. Tie Bischöfe haben, wie gesagt, ihre Tiözescn nicht gekannt. Tarnm hat man, da man sich besser diinktc als seine Väter, nicht weniger schwächlich als diese gehandelt. Tatsache ist, daß die deutschen Katholiken ihre Märtyrer nicht als solche ehren und feiern dürfen, ja nicht einmal daran denken, es zu tun. Und das eröffnet trübe Aussichten in die Zukunft. hin katholisch) r Pfarrer aus dem Reiche Hißt uns folgenden Aufsaß übermitteln: Mit Hitler zog der Kulturkampf in die deutschen Gaue. E i hat ihn von Anfang an gewollt, denn die Bekämpfung der Kirche liegt in seiner Fdee. Tas Konkordat schloß er mit dem Willen, es zu brechen: er schloß es nur zu dem Zweck, dem Klerus die Waffe ans der Hand zn schlagen. Ter politische Katholizismus spielte in Teutschland eine ausschlaggebende Rolle, und dies nicht zum mindesten infolge seiner geistlichen Führung. Teshalb hat Hitler den Hirten geschlagen und die Schafe haben sich zerstreut. Tas ist aber keineswegs der einzige Erfolg des Konkor- dates für die deutsche Regierung. Das Konkordat mit Rom deprimierte die kampfesmutigen katholischen Laien, die von den Wahlkämpfen her noch in Begeisterung waren und deren sich jetzt eine namenlose Traurigkeit bemächtigte. Tem Kon- kordat folgten Sympathiekundgebungen mancher Bischöfe, darunter mitunter recht bedenkliche, wie z.B. in Speyer, und Re Ehrung des Kanzlers mit einem hohen kirchlichen Orden. Das alles siel wie Meltau aus die Seelen der Katholiken und rief bei den Feinden der Kirche ebenso viel Freude nnd Hoff- iiiing wach wie bei den Kindern der Kirche Bestürzung und Enttäuschung. Hitlers Verschlagenheit errang hier einen nn- bestreitbaren Erfolg über die Weisheit des Vatikans. Schlim- vier war der Papst nie beraten als in jenen Tagen. Man hat zwar hinterher versucht, die Scharte auszuivetzen. indem man erklärte, ein Kampf sei damals nicht ratsam gewesen, weil man über die Gefolgschaftstrenc der Katholiken gegen- über den Bischöfen nicht sicher gewesen sei. Später erst hätte man diese Sicherheit zur großen Freude des Papstes bc- kommen. Tas alles aber ist Byzantinismus und Verdrehung der Tatsachen. N i e irr a l s iv a r d a s'V elf f v s ehr a n f den Kamps gefaßt wie gerade a m A n f a n g. Nie- mal» quälte die Frage, ob das Volk hinter den Bischöfen stehe, sondern der ewig wunde Punkt ist der, ob die Bischöfe vor dem Volke stehen. Aber es ist möglich, daß die Bischöfe, um dem Kampfe auszuweichen, derartige Bedenken über das Volk nach Rom berichteten. Es mußte darin nicht einmal eine absichtliche Täuschung ihren Spuk getrieben haben, sondern die Bischöse mögen ehrlich ihrer llebcrzeugung Ausdruck ver- lieben haben. Kein Bischof kennt nämlich seine Diözese nnd nur deshalb war es Hitler möglich, den Vatikan zu täuschen und die katholische Front in Unordnung zu bringen Dazu trug auch ein anderer Trik Hitlers bei: er erfand die böse Taktik der Teilangriffe: hier so dort so, hier jetzt dort später: das wechselte nicht nur nach Diözesen, sondern auch nach Gemeinden und Pfarreien in derselben Stadt. Hier Ikß man noch alles in Ruhe, dort war schon alles zerschlagen. Tie Folge davon ivar, dasi jeder Kirchenvorstand, sei er Pfarrer oder Bischof, der noch mehr Ruhe hatte, dies ebenso sehr seiner Klugheit und Tüchtigkeit zuschrieb, wie er die Be- lästiguirgen feiner Kvnsraters. deren Unzulänglichkeit zur Last legte. Tas war allerdings ie'- menschlich, aber auch sehr dumm, und es erfüllte den Zweck Hitlers vollständig' Die katholische Front wer total zerrissen, Psarrer stand gegen Pfgrrer» noch mehr standen Bischöse gegen Bischöse. Und die deutsch? Kirche bot ein traurig Bild der Uneinigkeit und Zerrissenheit in eben dem Augenblick, wo nur durchgehende Einigkeit und Geschlossenheit zum Ziele gerührt hätte. Bis auks Ftüpiel hatte mau Lehr inid Gebetbücher vereiuheit- lirfi«, aber in den wichtigsten Fragen ivar man im entscheiden- sten Moment so uneinig als möglich. Eine Blschoiskonferenz in Fulda ilog alatt ans. Es zeigte sich bei dieser Gelegenheit I'a-.„>:(• wenig die Or?-"isat!on ohne den Geist vermag nnd •laß nicht eine peinliche Bürvsührung den Ausschlag aibt, son- d-rn die persönliche Gediegenheit ans aszetischer Turchbil- dring -» Nach dieser jämmerlichen Zerreißung s, r Front waren die fo'^enden Ereignisse eine Selbstverständlichkeit. D'e Bischöfe fanden im allgemeinen keine Entschlußkraft zum Widerstand wehr, und'"v einzelne Pfarrer standhielten, wurden sie im Stiche gelassen und desavouiert. Man warf den Tapferen Un- ktngheit vor, ivie das stets im Leben so geschieht. Zwar haben die Bischöfe erklärt, dasi sie.jeden Priester mit besonderer Liebe nmfasfen, der unrecht verfolgt werde. Aber damit mar »Pssts gewonnen für den der iveisi. was in den Augen dieser Klugen..unrecht" bedeutet Tic besondere Liebe trat ivenia in die Tätigkeit solcher"inrn'f"!rrr. obwohl gegen 1000 Priester eingekerkert und zum Teil schwer mißhandelt nnd Aiina Brügge lebt noib... Eine dramatische Erzählung vom 30. Fuiri 1034 in Berlin. Von Peter T u t c i n „Wo warst du hin. Fohann?" Anna Brügge richtete sich von der Waschbalge auf und sah fragend auf Fohann. „Fch war nur spazieren." „Tu weißt doch, dasi dn nicht zu den heimlichen Bersamm» liingeu gehen sollst. Vater hat es dir doch verboten. Und mit der SA. schon überhaupt nicht Bleibe man schön ruhig zu Hause. Es ist besser für dich." Es war allerdings nickt so gemeint, aber man soll ja in dieser Zeit aus seine Kinder auspassen. Es ist doch merkwürdig, dasi man beim Waschen immer auf Gedanken kommt, Gedanken, die nur einem unruhlg wachen. Es ist wohl besser, wenn man überhaupt nicht denkt. Es wäre do*i am besten. Ten» vom vielen Denken kann es einem io aehen wie Onkel Hans. Onkel Hans wollte auch nur mal frische Lust schnappen, llnd beim Spazieren gehen kann man gleicherzeit viel sehen. Aber was man rrr dielen Tagen zu leben bekommt, davon geht einem vre Galle über. Und zum Uebersluß hatte Onkel HanS die Angewohnheit. mit sich selber zu sprechen, leider zu laut, so laut, dan einer von den unzähligen Spitzeln, die sich in den«trotzen herumtreiben, Onkel Hans anzeigte. Und nun, nun>al! er irr K""',?nt>'aUvnslgger. Waicken bringt absolut keinen Spaß. Ueberhauptwenn d e Taschen so dreckig sind wie Fohanns Taschen. Finmer voller Tabak. Hundertmal hatte sie es ihm wohl gesagt, aber immer wieder wurde es vergessen. „Fohann. du sollst doch daran denken, daß du dre Pfeife in'flopsst. bevor du sie in die Tasche steckst." •ii'ini lab an» ibn b'r s.^st„nd sah andauernd sein Stiesel- ,piken an. Denn die Stiesel waren neu...^ Aber dach- wo in Allerwelt hast du die«Hesel ycr?— Hast du Arbeit bekommen?— Nr. r.d' dn*'« To« Johann. . c«. „ Herr Fetus noch mal— was sagst du? Tu bist bei der TA? Das ist aber schön. So bekommst du wenigstens Arbeit. Biel Glück, mein Funge...! Anna ivar froh. Nun bekam Jobann doch nochmal Arbeit. Allerdings— bei der SA. Aber was soll man machen. Anna konnte zuerst kein Wort sagen. Heutzutage bedeutete SA. Arbeit, Brot und Verdienst. Aber dann fand sich Anna rasch hinein. Tas lernte man in dieser Zeit, irr einer Zeit, Ivo jeder Tag Neues brachte. Aber jetzt mußte man aufpassen. Jawohl, auspassen. Nickt mehr die Zeiten vergleichen. Zinn, da Fohann bei der SA. ist, heißt es doppelt aufpassen. Nicht darum, dasi Fohann sagen könnte, seine Eltern sind Sozialdemokraten. Nein, das wirb er nicht machen. Aber es könnten Freunde kom- men, und dann ein Wort zuviel, dann ist der Teufel los. Fa. ja, aufpassen mußte man. Sonst könnte es einem so geben wie Frau Wiese, die hier im Hause wohnt. Fhr Sohn ging auch zu der SA., Freunde kamen und gingen.'Nur Frau Wim konnte nicht den Mund halten. Nein, das konnte sie nicht. Was ihr nicht vasitc. das r'agtc sie. Und die Folgen? Frau Wiese sitzt nun schon lange im Gefängnis wegen Verächtlichmachung der Regierung.— Aber wie soll Anna es Hermann, ihrem Mann, bei- bringen? Hermann, der doch als„Roter" weit und breit bekannt war. Wenn der hörte, daß sein Sohn bei der SA. ist— Freudensprünge wird er nicht machen, nnd zum Heber- fluß war Hermann noch so hitzig. Anna sah auf die Uhr. Es ist Zeit, daß Anna zur Fabrik ging, wo Hermann arbeitete. Aus keinen Fall durfte Her- mann von anderen Leuten erfahren, daß Fohann zu der SA. gegangen ist. Hermann ist so jähzornig. Es könnte ctivas passieren. Hermann Brügge ivurde rasend, wie er diese Neuigkeit erfuhr. Er schimpfte in allen Tonarten. Er. Hermann, ein Sozialdemokrat, lind sein Sohn ein— Nazi. Da soll doch der Hermann ivnrdc viel rasender, als Anna befürchtet hatte. Sie hatte Not und Mühe, ibn einigermaßen zu be> ruhigen. Anna beeilte sich mit Hermann, daß sie nach Hause kamen. Hermann konnte auf offener Straße verhaftet wer- den. so laut flucht? Hermann mußte sich selber zuletzt sagen, daß es keinen Zweck hatte, Krach zu machen. Aber aufpassen. Zum Donner- ivetter— ja, aufpassen vor seinem eigenen Sohn. Jawohl. Aufpassen. Sich selber in acht nehmen vor seinem eigenen Sohn.— Zum Teufel nochmal. Das ist ja zum Kotzen.— Zuletzt hatte Anna Hermann doch soweit, daß er versprach, keinen Krach zu schlagen. Es ist nun einmal aeickeherr. Auch mußte Hermann versprechen, mit Johann nicht mehr über Politik sprechen zn wollen. Die erste Zeit blieb Fohann noch bei den Eltern wohnen. ES ivar ein? schwere Zeit. Hermann wurde zuletzt nervös. Sogar sein Radio, das er selber gebaut hatte, fiel ihm ans die Nerven. Alles, alles-. Glücklicherweise wurde Fohann in kurzer Zeit versetz-, Johann wurde befördert. Er kam zu einer Leibwache bei einem höheren Führer. Anna und Hermann atmeten aus.- Aber rvenn Anna Fohann in seiner Uniform sah, wurde sie sogar stolz aus ihn. Er sah ja so schneidig und niedlich aus. Und dann ae'kss"h da.' Unglück. Eines Abends kam Johann nach Hause. Anna und Her- mann saßen in der Küche. Fohann war lustig und ausgeräumt. Er roch nach Wein. Na ja, man war ja bei der SA. Anna konnte an Hermann sehen, daß es ihm nicht paßte. Hermann sagte nichts. Er wußte auch, daß Johann keinen Wert darauf gelegt hätte. Abend." Hermann sprang auf. Er war ganz weiß im Gesicht. „n' Abend." sagte Johann und legte 35,01) Mark auf den Tisch,„da babt ihr beide etwas, macht euch mal'n gute» „Nimm Dein pottverdammtes Berrätergeld vom Tisch. — Weg mit dein Dreck." Anna legte ihre beiden Hände aiE den Arm von Hermann und sagte ruhig: „Aber Hermann, sei doch still." „Saß mich in Ruh'." Hermann sprang auf. Er sammelte das Geld vom?",<> »>'d mar' es plötzU* Zgsiairn ins Gesicht.— Klirrend l-el das Geld ans de» Fußboden. Hermann und Fohann starrten sich an. Fohann zog langsam seine Hand zum Re- volverbalter.- Es war still, unheimlich still.- Wchwz Jvigtj ii Deutsche Stimmen• föeilage zur..Deutschen Freiheit'• tteignisse und SesdHifilen j 8«m»tag, dtn IQ. Nov»mb»r1934 fteuotutiou und Von Atexandec 3Ceczen Lebet eine eigene Theorie verfügen, ein für allemal fest- »teilende Ziele haben, das ist in der Politik ebenso schädlich ' n Wissenschaft. Cromwcll hat gesagt:„In einer Revolution wird derjenige am weitesten gelangen, der nicht weiß, wohin er geht."' Ein Mensch, der Lebensinstinkt hat, geht bis ans Ende, 'is 5ii den letzten Konsequenzen. Der Mensch der Theorie und der Reflexion geht nie über die Schranken, die er sich selbst gesetzt hat; und da kommt er, auch bei allergrößtem Talent und günstiger Konstellation, den Gang der Ereignisse und stürzt den heiligen Berg hinab— in die Gironde. Alles, was stehn bleibt und hinter sich schaut, wird zum Stein, wie Lots Weib, und bleibt auf dem Wege liegen. Die Geschichte gehört stets nur einer Partei: der Partei der Bewegung. Es ist bald an der Zeit, nachzudenken und vor allem die Gegenwart tiefer zu erforschen. Wir müssen aufhören, andern und uns selbst etwas weiszumachen, was nicht existiert. und vor Tatsachen die Augen zu verschließen, die zwar hestehn. aber uns nicht in den Kram passen. Wann werden wir davon lassen, den Menschenhaufen, der bei einer Kundgebung zusammenläuft, für ein fertiges Heer der Revolution zu halten, die Stimme des Volks in Zeitungsartikeln zu suchen, die von uns selbst oder von unseren nächsten Freunden geschrieben sind, und die öffentliche Meinung in einem engen Freundeszirkel, der Tag für Tag zusammenkommt, um stets dasselbe zu wiederholen? * In wirren Epochen der gesellschaftlichen Umwälzung, in denen die Staaten für lange Zeit aus den Fugen geraten, kommt eine neue Generation von Menschen auf, die man als Choristen der Revolution bezeichnen kann. Dem stets beweglichen, vulkanischen Boden entsprossen, in steter Unruhe aufgewachsen, lebt sie sich von früher Jugend in die politische Aufregung hinein, bekommt die dramatische Seite der Umwälzung, ihre feierliche und grelle Aufmachung lieb. Für diese Leute sind all die Kundgebungen, Proteste, Versammlungen. Reden, Fahnen das wichtigste in der Revolution.• Unter ihnen finden sich zweifellos gute, tapfere Menschen, dir ihrer Idee ergeben und in jedem Augenblick bereit sind, den Kopf dafür zu wagen; aber die meisten sind beschränkte Pedanten. Unbewegliche. Konservative der Revolution, bleiben sie bei irgendwelchem Programm stehen und gehen nicht vorwärts. Sie zehren ihr ganzes Leben lang von ein paar politischen Ideen, von denen sie aber auch bloß ihre rhetorische, feierliche Außenseite verstehen, das heißt jene Gemeinplätze, die immer wieder nacheinander zum Vergleich kommen, wie die Entchen in dem bekannten Kinderspielzeug. 5 Emigrationen, die nicht mit einem bestimmten Zweck unternommen werden, sondern sich aus dem Sieg der Gegenpartei ergeben, unterbrechen die Entwicklung und ziehen die Men«chen in eine fiktive Tätigkeit hinein. Die Emigranten verlassen die Heimat mit verhaltenem Grimm, mit dem Gedanken, morgen zurückzukehren; deshalb können sie nicht •j SA-Dentist cftecoische Zahnbehandlung. Der Reichsdentistenführer erklärte unlängst— in Ueber- einstimmung mit dem Führer der deutschen Fachschaft—, daß die von der deutschen Studentenschaft für ihre Mitglieder angeordnete Arbeitsdienstpflicht in derselben Weise und unter denselben Bedingungen auch für die Dentisten zutreffe. Auch der Dentist müsse durch und durch vom nationalsozialistischen Geiste erfüllt sein, darauf komme es vor allem an. Ueber die berufliche Befähigung wurde bei dieser Gelegenheit nichts ausgesagt, das wäre auch überflüssig gewesen, denn es ist im„dritten Reich" oft genug betont worden, daß es nicht auf die Leistung, sondern einzig auf die Mitgliedsnummern ankommt. Uns fällt ein Entwurf in die Hände, ein\ orschlag, wie der neue Dentistengeist in der Praxis zu handhaben sei. Wir übergeben das hoffnungsvolle Werk hiermit der Oeffent- lichkeit: 1. Arbeitsbeschaffung: Jedem Dentisten ist unverzüglich ein altgedienter SA.-Manu, gleich welcher Profession, als gut bezahlter Assistent zur Seite zu geben. Er bat u. a. die Aufgabe, den Patienten vor dem Zahnziehen durch einen kräftigen Fausthieb auf den Mund zu betäuben. Dadurch wird der widerspenstige Zahn gleichzeitig vorgelockert, und die Operation vollzieht sich fast von selbst. Sollten in der Umgegend weitere Zähne ins Wackeln kommen, so läge das nur im Sinne der Arbeitsbeschaffung. 2. Nachwuchs: Die Schulung des Dentisten-Nachwuchses erfolgt künftig weder in wissenschaftlichen Instituten, noch in der zahnärztlichen Praxis erfahrener Kollegen, vielmehr in Dentistenlagern mit festgefügtem Stundenplan. Ausbildung in allen Waffengattungen gewährleistet. Sofern nach dem Exerzieren freie Zeit bleibt, können praktische Uebungen im Zahnausziehen vorgenommen werden. Jüdische und marxistische Probepatienten stellt der Staat. Das Jlezept „Die Deutsche Weinzeiluog" veröffentlicht eiq^q Aufruf an die Winzer und Weinhändkr. in dem sie erklärt, die Beteiligung an der Winterhilfe solle vor allem durch Weinspenden geschehen. Et käme besonders darauf an, durch vorwärts gehen, kehren sie immer wieder zutu Alten zurück. Ihre Hoffnungen selbst lassen sie nicht zur ausdauernden Arbeit kommen; die Gereiztheit und die inhaltlosen aber heftigen Diskussionen bewegen sich stets in einem beschränkten Kreise von Problemen. Ideen und Erinnerungen, aus denen sich eine verpflichtende und belastende Tradition herausbildet. Die Emigranten verschließen die Augen vor unangenehmen Wahrheiten und leben sich in ein fantastisches Milieu hinein, das aus trägen Reminiszenzen und unerfüllten Hoffnungen besteht. Sie glauben fest daran, daß ihre Niederlage eine vorübergehende Schlappe sei, und packen beharrlich ihre Koffer nicht aus. Alle Emigrantenparteien sind zäh und konservativ; jede Entwicklung erscheint ihnen als Schwäche, fast als Verrat: Hast du ein Panier ergriffen, so stehe und falle mit ihm. auch dann, wenn du sogar mit der Zeit herausgefunden haben solltest, daß seine Farben ganz andere sind als du zuerst geglaubt hast. So vergehen Jahre: alles verändert sich um sie. Wo früher Schnee lag. wächst nun Gras, statt Sträuchern erblickt mau W älder, statt Wäldern Baumstümpfe— sie merken jedoch nichts. Einige Ausgänge sind jetzt vollkommen verschüttet; aber grade hier klopfen sie beharrlich an; ein neuer Spalt hat sich geöffnet, das Licht aus ihm strömt in breiten Streifen herein; aber sie blicken in die entgegengesetzte Richtung. * Vive la mort. Freunde! Und Prosit Neujahr! Jetzt wollen wir konsequent sein und unsere eigene, Idee nicht verraten! Wir werden keine Furcht haben vor der Verwirklichung dessen, was wir vorausgesehen haben; wir werden uns nicht von jenem Wissen lossagen, das wir durch so bittere Opfer erobert haben. Jetzt gilt es stark zu sein und für unsere Leberzeugung einzustehen. Wir haben den Tod seit langem kommen sehen; wir können betrübt sein, aber wir können uns weder wundern noch verzweifeln, noch den Kopf sinken lassen. Im Gegenteil: Wir können ihn noch heben— wir haben recht behalten. Man hat uns unheilverkündende Raben geschimpft, die das Unglück heraufbeschwören, man hat uns der Spaltung beschuldigt, der Unkenntnis des Volkes, der Urberheb- lichkeit und des kindlichen Unmuts. Wir waren aber bloß dessen schuldig, die Wirklichkeit erkannt und uns nicht gescheut zu haben, sie offen auszusprechen. *) Die„Neue Weltbühne", der wir diese, interessante Ausgrabung verdanken, bemerkt dazu:..Hätten wir die nachstehenden Reflexionen Alexander Herzens(sie sind, soweit wir das beurteilen können, hin zum ersten Male irs Deutsche übertragen) damals schon gekannt, dann wären sie in der ersten Nummer unserer Zeitschrift als Wegweiser erschienen. Diese genialen und strengen Worte stammen aus den Jahren 1842 bis 1855(Herzen ging 1847 ins Exil und dort ist er auch. 1870, gestorben); sie geben, vor acht Jahrzehnten geschrieben— jenen Antwort, die sich über„Pessimismus", „zersetzende Kritik" und„Unkenrufe" einer Publizistik beklagen. der es ernst ist mit der erkenntnismäßigen Bewältigung ihrer Zeit." 5 Führergedanke: Falls der Dentist trotz seiner Schulung und trotz seiner alljährlichen Weiterbildung in einem landwirtschaftlichen Arbeitsdienstlager den Herd der schmerzhaften Zahnerkrankung nicht zu erkennen vermag, bestimmt der SA.-Assistent. wo es weh tut. Widerspenstigkeit hat Sterilisierung zur Folge. 4. Ertüchtigung: Behandlungsstühle sind ein Ueherbleibsel aus der Zeit knochenerweichender Ilumani- tätsduselei, sie müssen verschwinden. Der Patient hat während der Behandlung in Anbetracht der nationalen Verdienste seines Dentisten in Kniebeuge zu verharren. 5. Volksgemeinschaft: Volksgenossen mit ge- sunden Zähnen sind zwangsweise zur Behandlung vorzuführen. Erst wenn die Kauwerkzeuge aller Untertanen— ohne Ausnahme— in den nötigen unansehnlichen Zustand versetzt sind, wird niemand mehr wagen, das Maul aufzureißen und den Führern die Zähne zu zeigen. 6. Winterhilfe: Im Rahmen der Winterhilfe sind den Minderbemittelten alle Zähne gratis zu ziehen. Sie werden auf diese Weise weniger empfinden, daß sie nichts zu beißen haben, weil sie einfach nicht beißen können. 7. Materialschlacht: Einsetzen von Plomben entfällt künftig!(Siehe die neueste Aufklärungsschrift „R"-»"ng tut not") 8. Blut und Boden: Es muß unsere Aufgabe sein, audi in iler Zahnbehandlung den Geist unserer germanischen Vorfahren zum schmerzhaften Erlebnis machen. Als die Römer noch mit hohlen Zähnen umherliefen, hatte Hermann der Cherusker bereits Gold im Munde. Bei hartnäckigen Zahnbeschwerden Rückkehr zu den uralten, guten Mitteln: Umhängen von Bärenzähnen, Auflegen heiliger Pferdeäpfel, vermengt mit deutscher Muttererde, Blutopfer und Beschwörung durch die zuständige Blotknorne. Weitere Vorschläge sind zu senden an den Reichsführer des deutschen Zahnzugs, der für jede völkische Anregung dankbar ist. diese Spende die geistige und seelische Not der Freude- armen zu lindern. Natürlich werden nifht die„Freudearmeu" den Winterhilfe-Wein zu trinken bekommen, sondern die„notleidenden" Bonzen, die ja, nicht wahr, Herr Ley, auch immer weit mehr Dnrat haben als die gewöhnlichen„Volksgenossen"! Die 1Ballade mm!Baum und den Aesien Von Bert Brecht Und sie kamen in ihren Hemden von braunem Sdiirtiug daher Und Brot und Brotaufstrich waren rar. Und sie fraßen mit unverschämten Reden die Töpfe leer, In denen schon fast nichts mehr war. Hier werden wirs recht toll lieiben, sagten sie. Hier können wir wundervoll bleiben, sagten sia Mindestens tausend Jalir. Gut, das sagen die Aeste, Aber der Baumstamm schweigt. Mehr her, sagen die Gäste, Bis der Wirt die Rechnung zeigt. Und sie suchten sich dicke Posten, neue Schreibtische wurden bestellt. Und sie fühlten sich gänzlich zu Haus. Sie fragten nicht nach den Kosten, sie sahen nicht auf das Geld: Sie waren aus dem Gröbsten heraus. Hier können wir's recht toll treiben, sagten sie. Hier können wir wundervoll bleiben, sagten si«. Und sie zogen die Stiefel aus. Gut, das sagen die Aeste, Aber der Baumstamm schweigt. Mehr her, sagen die Gäste, Bis der Wirt die Rechnung zeigt Und sie schießen ihre Pistolen in jeden bessern Kopf, Und sie kommen mindestens zu zweit. Und dann gehen sie drei Mark abholen aus ihrem goldene» Topf. Jetzt waren sie endlich so weit. Der wird immer schön voll bleiben, sagten sie, Da können wir's lange toll treiben, sagten sie. Bis ans Ende der Zeit. Schön, so sagen die Aeste, Aber der Baumstamm schweigt. Mehr her. sagen die Gäste. Bis der Wirt die Rechnung zeigt. Und ihr Anstreicher strich die Sprünge im Haus mit brauner Tusche zu. Und sie schalteten alles gleich. Und wenn es nach ihnen ginge, dann wären wir auf Du und Du. Sie dachten, da springen wir gleich! Wir müsseq es nur toll treiben, sagten sie. Dann können wir wundervoll bleiben, Sagten sie, Und uns bauen ein drittes Reich. Gut. das sagen die Aeste. Aber der Baumstamm schweigt. Mehr her, sagen die Gäste. Bis der Wirt die Rechnung zeigt. (Aus Lieder, Gedichte, Chöre, Editions du Carrcfoui. Paris.) »Jiultutuyilte« Menschen, die Bücher lesen... Aus dem Reiche schreibt uns ein illegal arbeitender Freund: Der ostpreußische Junker mit seinen zwei Ochsen vor und einem Ochsen, der nur„hüb" und„hott" sagen kann, hinter dem Gespann, feiert im„dritten Reich" seine Auferstehung. Bildung und Wissen sind für die Karikatur dieses Staates eine Gefahr. Darum kann die Monatsschrift„D i e T a t" der Herrscher in Naziotien absolut sicher«ein, wenn sie in den letzten Heften folgende Sätze prägt: „Menschen, die Bücher leseil, sind stets und mit Notwendigkeit unzuverlässig." „Bücher bereiten Zersetzung und Widerstand vor. Und Büchereien können Zellen der Auflösung und Zersetzung sein auch dann, wenn kein einziges Werk, das verboten ist, geführt wird." In der Handelshochschul-Bihliothek. herausgegeben von Prof. Max Apt, Berlin, Band 19, II. Teil,„Wirtschaftsgeschichte" von Prof. Rudolf Häpke und Prof. Erwin Wiske- mann an der Universität Königsberg, finden wir in der Literaturausgabe(Seite 7) folgende Sätze: „Die Ge8chichtsp!iilosophie des Nationalsozialismus ist vom Führer selbst entwickelt: Adolf Hitler„M e i n K a m p f". zwei Bände, in immer neuen Auflagen. Neben diesem Buch der Tat und seherischen Gestaltung de» Führers verblaßt alle intellektuell nachspürende und konstruierende Geschichtstheorie." Das Seherische hat der„Führer" dann.wohl mit dem Geenig August von Sachsen gemeinsam, der das Wort prägte: Huren und Professoren kann man an der Straßenecke kaufen. Qelächtec im„dritten JUich" Freunde aus dem„dritten Reich" schicken uns dies• Reihe von Scherten, die drüben geflüstert werden. Nicht alle sind gut und nicht alle sind neu. Troßdem geben sie einen guten Einblick in die Stimmung und über das, was unter Hitlers Szepter besonders wirkt. Siegreiche Arbeitsiehlacht: Der einzeln» Arbeitslose wird immer weniger. Die Eltern von Goebbels sind in das Konzentrationslager gekommen, weil sie den Josef so„mies gemacht" haben. G ö r i n g fragt in Griechenland die Pythia, das Orakel zu Delphi, nach der Zukunft Deutschlands. Die Pythia sagt: Noch nie hat eine Regierung so fest gesessen, wie di« deutsche. Eine neue Blumenpflanze hat eine ungeheure Verbreitung in Deutschland gefunden. Sie wächst in alles Gegenden und blüht zu jeder Jahreszeit: Die Kritik- Aster. DieKaterwerdenkastri»rt, damit kaina JÜtS** mehr gemacht werden kann. Völicsr In Sturmieften Nr. K Völker in Sturmzeiten Im Spiegel der Erinnerung- im Geiste des Sehers Samstag, t». November(»M Der 9. November Von Rene Schickele Rene Schickele veröffentlichte im Jahre 1919 eine kleine, inzwischen halb vergessene Schrift:„Der nennte November". Sie ist eine packende Darstellung von Erlebnissen und Stimmungen an der Wende von 1918 zu 1919, geschrieben von einem leidenschaftlich Mitfühlenden. Vielleicht reizt die Schrift heute viele zum Widerspruch— wie Rene Schickele wohl auch manches heute mißbilligen mag, was er damals niederschrieb. Aber das mindert die Bedeutung dieser Kapitel nicht herab. Der Ruf an den Geist und an seine Verantwortung gilt heute noch stärker als damals. (1. Fortsetzung) Tn der engen Stube eines Häuschens auf dem Schweizer Ufer des Bodensces, das ich bewohne, sitzt Leonhard Frank und liest mit aufgesperrten blauen Augen, unter denen das harte Geißlergesicbt sich weif! verkrümelt, eine Novelle. Es ist der„Kollner"(später„der Vater" umgenannt), die erste jener kaltheißen Anklagen, die er später unter dem Titel ..Der Mensch ist gut" herausgeben wird. Schnell in die Druckerei damit, für die„Weißen Blätter", und hinaus mit den Heften nach Deutschland, Frankreich, Italien, England und Oesterreich, daß sich das F, agc-i. ein Zwang fast, den Sinn auf das Spiel zu richten! in jec ei Hinsicht Wunder wirken muß... Die Geistigen, che Angst vor der dauernden Diktatur des Fabrik web"!» in ceii und w j r l la tz rn a]| p gelegentlich Angst davor—' übersehen, daß der ein(invertiertes) Geschöpf, der bürgerlichen Gesellschaft ist und mit ihr erst verkümmern, dann verschwinden wird.(Fortsetzung folg») Die Kcusdiheit der Edelrasse Der heutigen Nummer der Wochenzeitung„Westland" entnehmen wir: Sittlichkeitsvergehen und Sexualdelikte haben sich im Dritten Reich während der letzten Monate in einem solchen Maße gehäuft, daß die Behörden dazu bereits Stellung nehmen. Die Bevölkerung murrt. Die Zeitungen, welche Tag für Tag von der Aburteilung solcher Verbrecher berichten, und vor allem auf die Vergehen an Jugendlichen hinweisen, nehmen kein Blatt mehr vor den Mund. Im Saargebiet gewinnen diese Feststellungen besonderen Gharakter. In einer ganzen Reihe von Fällen sind saarländische Jugendliche aus dem Reich, aus Arbeits- und Wehrsportlagern, ja sogar von Fahrten mit„Kraft durch Freude" mit der Behauptung zurückgekommen, dort verführt und geschlechtlich mißbraucht worden zu sein. Für mehrere 1 alle steht die Richtigkeit dieser Angaben leider einwandfrei fest. Es wird der Deutschen Front ein Leichtes sein, sich angesichts der außerordentlich hohen Zahl der vorliegenden Beschwerden von der Richtigkeit dieser Dinge zu überzeugen. Im übrigen sagt uns ein Blick in die deutsche Presse genug. Wir zitieren aus dem kleinen Bezirk Frankfurt: ..Frankfurter Zeitung" vom 1. November: In der legten Zeit haben die Sittlichkeit» v er' brechen so zugenommen, daß»ich da» Sittenkommissariat der Frankfurter Kriminalpolizei jeßt an die gesamte Bevölkerung wendet und um die Mithilfe aller im Kampf gegen diese verbrecherischen Elemente aufzurufen. Kleine Mädchen und halbwüchsige Jungen, auch Frauen werden in der schamlosesten Weise auf der Straße von den Sittlichkeitsverbrechern belästigt. Abgesehen davon, so hebt die Polizei hervor, daß durch dieses Vorgehen die öffentliche Ordnung und Sicherheit gestört wird, sind die körperlichen und seelischen Schäden der Betroffenen sehr schwerwiegend. Diesem Uebel will die Polizei nun mit allen Mitteln ein Ende bereiten. Sie sieht das Grundübel in der Tatsache, daß die Bevölkerung in unbegreiflicher Gleichgültigkeit dem Treiben der Sittlichkeitsverbreiher gegenübersteht. Zur erfolgreichen Bekämpfung bedarf es einer Verbindung zwischen Polizei und der Bevölkerung. Der Abwehrwillen der Bevölkerung müsse erwachen, da sonst nur schwer Wandlung zu schaffen ist. Wer Selbstschuß übt, hilft vorbeugend. Die Polizei hebt weiter hervor, daß der Kampf gegen die Sittlichkeitsverbrecher rücksichtslos durchgeführt werden muß. „Frankfurter Zeitung", Frankfurt, vom 4. November: Im Kampf gegen die Sittlichkeitsverbrecher, deren Treiben immer größeren Umfang annimmt, macht das Sittenkommissariat jeßt auf einige Männer besonders aufmerksam, die schon seit einiger Zeit ihr Unwesen treiben. In der Mehrzahl der Fälle werden Frauen und schulpflichtige Mädchen von den Männern belästigt. Eine Reihe dieser Verbrecher stellt sich ihren Opfern besonders in unbelebten Straßen oder an wenig beleuchteten Pläßen und auch in den Anlagen plößlich in den Weg. Oefter ist es vorgekommen, daß Frauen angefallen und in der gröblichsten Weise beschimpft worden sind. Die meisten dieser Art Siltlichkeitsverbrecher führen ein Fahrrad bei sich, das sie in der Nähe des Tatortes abstellen, um bei drohender Gefahr entfliehen zu können. Weit gefährlicher sind die Leute, die sich der schulpflichtigen Jugend nähern. Diese Männer treten in den verschiedensten Masken auf. Sie erscheinen plößlich in einem Hause, geben sich als Polizeibeamte oder Lehrer aus und veranlassen ein Kind unter besonderen Versprechungen, mit ihnen in ein Haus zu kommen. Die ahnungslosen Kinder folgen den Männern. die die Kinder mit in den Keller nehmen oder sonst < inen Raum ausfindig machen, wo sie sich an ihnen vergehen. Es treten auch Leute auf, die Kinder auf der Straße ansprechen, sie mit einer Bestellung in ein Haus schicken und ihnen dann in das betreffende Haus folgen. Dort lochen sie die Kinder dann in eine Wohnung. Ein anderer Täter gibt sich als Schularzt aus, lockt die Kinder an abgelegene Stellen und gibt vor, die Untersuchung an Ort und Stelle durchführen zu müssen. Wieder andere Täter locken Kinder auf ihr Fahrrad und fahren mit ihnen in eine abgelegene Wohnung. Später werden die Kinder auch mit dem Fahrrad wieder nach Hause gefahren, sie können aber das Haus, das in einem anderen Stadtviertel liegt, nicht wiederfinden. „Neueste Zeitung", Frankfurt, vom 4. Oktober Darmstadt, 4. Oktober. Wegen fortgeseßter Unzucht mit zwei 12jährigen Mädchen, die allerdings schon recht verdorben waren, wurde der 28jährige H. Sch. aus Griesheim b. D. zu eineinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Bei der Bemessung der Strafhöhe nahm das Gericht auf die bisherige Unbestraftheit des Angeklagten Rücksicht, erklärte jedoch, daß man gegen die in l e ß t e r Zeit zunehmenden Sittlich keitsdelikte mit aller Strenge vorgehen müsse." Aus allen übrigen Teilen des Reichs lassen sich Zeitungs- »achrichten gleicher Art und gleicher Zahl ohne weiteres zusammenstellen. Sie bedürfen keines Koumentars, so wenig fvie eine Erklärung darüber vonnöten ist, wo die Gründe und ätzten Ursachen zu dieser erschreckenden sittlichen Verwilderung zu suchen sind. Hitler selbst hat die Hintergründe in seinem berühmten Dokument vom 30. Juni aufgedeckt, er '•at mit einer Rücksichtslosigkeit, die jedermann erschütterte und entsetzte, von den Lastern, krankhaften Anlagen und Verbrechen seiner nächsten Freunde gesprochen. Er hat mit Wenigen Worten, aber mit der^iudit blutiger Tatsachen vor 'len Augen der Welt ein Gemälde entrollt, an dessen\Iahr- Eeit sie selbst heute noch nicht zu glauben vermag— es fehlen die Begriffe und Voraussetzungen. Es versteht sieh von selbst, daß ein Prätorianerstaat. der bewußt von bürgerlichen Lehensregeln abrückt und an deren Stelle die Sitten des Feldlagers setzt, die Hemmungen eines als überlebt abgetanen Zeitalters fortfegt. Die Ehe hat keinen andern Zweck mehr als die Kindererzeugung, die '-iebe muß ganz auf heroische Dinge gerichtet sein. Die„Mitn- 'bener Medizinische Wochenschrift" veröffentlicht zur Charakterisierung heldischer Lebenshaltung diese Historie: -Eine Frau beantwortete bei einer Vernehmung die Frage. "h ledig, verheiratet, verwitwet, geschieden, mit:„Seit sechs Jahren Witwe." „Haben Sic Kinder?" „Ja." „Wieviel?" „Drei." „Wie alt?" „Vier, drei und ein Jahr." Staunende Frage:„Ich denke, Sie sind seit sechs Jahren Witwe?" Ruhige Antwort:„Ja, mein Mann ist gestorben, aber ich doch nicht!" Vor zwei Jahren wäre das ein passabler Witz, grade noch druckreif für den„Simplicissimus" gewesen— heute charakterisiert er das neue Idol, die Mutter deutscher Helden, wie sie jenseits von Liebe, Standesamt und ähnlichen liberal!- stischen Begriffen gebärt. Weil der Führer Soldaten braucht! Dia„Münchener Medizinische Wochenschrift" des alten völkischen Vorkämpfers J. F. Lehmann betont das ausdrücklich, sie möchte keineswegs mißverstanden werden. Wie sollen schließlich Zucht und Sitte in einem Lande bestehen, in dem der wegen Sittlichkeitsvergehens, wegen V er- breitung unzüchtiger Schriften und zahlloser einschlägiger Delikte vielfach vorbestrafte Julius Streicher einen der hoch- sten Posten einnimmt. Wie soll es anders sein in einem Land, in dem der wegen Sittlichkeitsverbrethens cum infamia aus dem Amt gestoßene ehemalige Borkumer Pfarrer Münch- meyer bekanntgeben darf, daß er in'..berswalde soeben seine sechstausendste Versammlung abgehalten hat? Vergessen wir zuletzt nicht, daß viele, sehr viele von den Freunden und Kumpanen der erschossenen Gruppenführer noch in Rang und Amt sind, daß insbesondere die Hitlerjugend zum nicht geringen Teil solchen Burschen ausgeliefert ist. Gewiß, auch die deutsche Regierung tut etwas gegen die Zunahme der Sexualdelikte. Auch davon weiß die„Frankfurter Zeitung" zu berichten. In ihrer Nummer vom 26. Oktober lesen wiri Ordnung und Sauberkeit Wie die Nazibonzen stehlen nnd daunern Berlin, 25. Okt. Im Berliner Kriminalgcricht werden, wie eine Korrespondenz mitteilt, seit einiger Zeit entgegen der früheren Praxis Verhandlungen wegen Sittlichkeitsdelikten gegen Exhibitionisten in voller Oeffenllichkeit geführt, da die nichtöffentliche Verhandlungspraxis die Ausrottung dieses Uebels erschwert hübe. Der frühere„humane" Kurs der Strafjustiz habe— wie erklärt wird— auf die Verbrecher mehr Rücksicht als auf ihre Opfer genommen. Der Exhibitionist sei früher als ein„armer Kranker" behandelt worden, und wenn überhaupt Strafen verhängt worden seien, dann so milde, daß damit der verbrecherische Trieb des Verurteilten nicht gehemmt worden sei. Der Ausschluß der Oeffenllichkeit habe es den Angeklagten, unter denen sich häufiger Leute in angesehener sozialer Position befänden, erleichtert, ihre Veranlagung den Umwohnern zu verschleiern, so daß vor allem die Eltern ungewarnt geblieben seien. Ob der Exhibitionismus wirklich auf solche Art geheilt oder ausgerottet wird? Ob nicht Gerichtsverhandlungen über solche Vergehen in aller Öffentlichkeit eher das Gegenteil erreichen? Selbst die Sterilisierung, das nationalsozialistische Allheilmittel, hat bereits zu gewissen Bedenken geführt. In der Zeitschrift des NS.-Juristenbundes„Deutsche Justiz" macht ein Amtsgerichtsrat Dr. Zobel darauf aufmerksam,„daß von Anfang an aus der Praxis notwendig werdende Ergänzungen vorbehalten geblieben seien. In diesem Sinne sei zu erwähnen, daß es sich bei den von der Unfruchtbarmachung Betroffenen zum großen Teil um Personen handele, die der Geschlechtslust in gesteigertem Maße ergeben seien. Für diese Personen entfalle durch die Unfruchtbarmachung die vielleicht sonst vorhandene Hemmung geschlechtlicher Betätigung. Es stehe dann zu befürchten, daß solche Unfruchtbargemachte eine stärkere Verbreitung von Geschlechtskrankheiten herbeiführten. Dem werde man nach Möglichkeit zu steuern haben. Dies könne, wie der Verfasser erklärt, z. B. durch Erhöhung des Strafrahmens des Geseßes zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten erfolgen. wie u. a. auch durch zwangsweise Unterbringung in einer geschlossenen Anstalt." tt Aus Norddeutschland wird uns geschrieben: Beim Bekleidungsarbeiterverband in-Van. n o v e r Habe» drei Angestellte insgesamt 8000 NM. unterschlagen.«ie sind entlassen worden. Das gerichtliche Ber- fahren schwebt.^.. Der Vertrauensrat der Wollwäscherei:» Dören bei Hannover unterschlug 10 000 RAI. Das Verfahren ist eingeleitet. Dr. Schede, der Kommissar der Feuerbestattungsfasse in Hannover, lästt sich in Hannover neben seinem nicht ge- ringen Gehalt eine Aufwandsentschädigung von 600,— RM. pro Monat zahlen. Da er gleichzeitig Kommissar derselben Ginrichtung in Verlin ist, erhält er auch dort eine monatliche Aufwandsentschädigung in gleicher Höhe. Unser m G e» währsmann haben die Belege für diese Zah- l u n g e n v o r g e l e g e n. Für einen dreitägigen Ausenthalt in Berlin hat sich Schede daneben noch 200 R M. Spesen bezahlen lassen, obwohl er eine Freifahrtkarte zwischen Berlin und Hannover benutzt, die monatlich 178 RM. kostet und von der Organisation bezahlt wird. Der Kreisleiter Melger der NSDAP. Hameln hat 12l>00 NM. unterschlagen. Der Prozeß ist eingeleitet. Ter K r e i S l e i t e r der N S.- H a g o in G ö t t i n g e n hat einen Betrag von rund 15 000 RM. unterschlagen. Kritisiert wird, daß die delegierten Nazibonzen zum Buchdrnckertag in Danzig 80,— RM. Tagegelder erhielten. Unsere Presse hat bereits den Kviruptionsprozeß gegen den Nazibonzen U h l c kurz behandelt. Vor der großen Strafkammer in Münster hatten sich zu verantworten: der BezirkSleiter der NSBO. für Westfalen-Nord Walter Nagel? der Gaubezirkszellenobmann Adolf Hhle? der Abteilungsleiter der obersten Abteilung der politischen Organisation der NSDAP., August P i o n t e k; der Gau- betriebszellenkassenwart Erich Nagel? der Kreisleiter der NSBO. Wilhelm R i e m e n s ch n e i d e r, MdR.? der Amtswalter.V a v e r B ii h l. Tie waren der Untreue. Vermögensaneignung und Unterschlagung angeklagt. Es handelt sich für die ejeit eines Jahres umeinenBetrag von 150000 Reichsmark. Bekanntlich hat der Staats- anwalt in seiner Begründung des Ausschlusses der Dessen tlichkeit und der Presse erklärt, daß glücklicher- weise die unterschlagene Summe sich viel niedriger stelle, als astgemein die Öffentlichkeit vermute. Es waren aber mindestens 150 000 Reichsmark. Tie I n st a n d s e tz u n g s a r b e i t e n nach dem Sturm der SA. auf das G e w e r k s ch a f t s h a u s in Hanno- v e r haben nach Erklärungen des Geschäftsführers Engelke nicht weniger als 80(NX) Reichsmark gekostet. In Debatten wird von diesem Fall auf die Kosten der Demolierungen im ganzen Reiche geschlossen. In der deutschen Arbeitsfront geht wieder einmal eine U m o r g a n i s a t i o n bezüglich der Beitrags- kassierung vor sich. Die Stadtteilkasfierer sollen durch haupt- amtete besoldete Kassierer ersetzt werden. Es wird auch erwogen, die Beiträge durch die Arbeitgeber vom Lohn einzubehalten. Genaueres wird erst in den nächsten Wochen bekannt werden. Die B e i t r a g s m ü d i g k e i t ist ganz kolossal. Die Nachrichten darüber kommen gleichlautend ans allen Gebieten. Viele kleine Funktionäre der NSBO. und anderer Or- ganisationen sind verstimmt über den Druck, der sie zur Sammeltätigkeit zwingt. Die Amtswalter der Arbeitsfront erhalte» eine Anzahl Exemplare„Ter Deutsche". «Gleichgültig, wie alt die Zeiutngen sind, müssen sie diese für 10 Pf. pro Exemplar verkaufen. Die unverkauften Exemplare müssen sie selbst bezahlen. Natür- lich haben sie ein Interesse am Verkauf und machen sich erst recht unbeliebt. Das RQslungslieber im Reich Die wodisende Psqdiose der DeiOiherund Man schreibt uns aus Westfalen: Ueberast wird ungeheure Propaganda für den Luftschutz gemacht. In den Häusern werden Listen für die Mitglied- schaft aufgelegt. Dabei wird festgestellt, daß das Interesse in den großen Städten sehr gering, die Beteiligung in den klei- nen'Städten und auf dem Lande fast 100prozentig ist. Die Bodenräume werden geleert, die Lattenverschläge der Ab- grenzungen für die einzelnen Mietparteien abgebrochen nnd Sandkästen gegen Brandgefahr aufgestellt. Rege M o t o r r a d ü b u n g e n sind festzustellen. In Han- nover übt ein ständiger Zug mit etwa 40 braun bestrichenen Motorrädern, einigen Lastwagen und einigen Motorwagen mit angehängten Feldküchen. Heber Tortmund, Essen, Bremen und Hannover finden regelmäßig Nachtflüge statt, die mit dem Verkehr wenig, aber mit militärischer Hebung alles zu tun haben. Ebenso regelmäßig sind Schein werfermanöver an der Ta- gesordnung. Der Flugplatz an ber Fahrenwalber Heide bei Hannover wird vollständig umgebaut. Häuser, die erst vor wenigen Jahren errichtet sind, fallen dem Erweiterungsbau zum Opfer. Auch ber K a s e r n e n b a u in dieser Umgebung wird forciert betrieben. In vielen Städten macht die Polizei nach zuverlässigen Be- richten von Tchupogenossen nur Straßendienst und Jnfan- t e r i e ü b u n g en. In diesen Kreisen spricht man davon, daß man sich im Januar am Rhein und an der Saar treffen werde. Die Kriegspsychose ist auch stark durch Andeutungen der Vorgesetzten genährt. Hanomag-Hannover arbeitet mit voller Stärke in drei Schichten. Tie Arbeiter werden durch Eid verpflichtet, über die Art ihrer Arbeit zu schweigen. Sie drehen Gra- naten und in Hannover spricht man von der Fabrikation von„Thermosflaschen". SA.-Leute und A r b e i t s d i e n st l e r in Hannover erzählen ungeniert, baß für den Winter große Konzen- t r a t i o n e n im Westen geplant seien. Schüler aus höheren Schulen berichten, daß ihnen im Unterricht gesagt wirb, wegen der Taarabstimmnng käme es zum Krigc mit Frankreich... Die frühere„H a w a" lHannoversche Waggonbaugesell- schaftl stand vollkommen still. Das Werk wurde umgebaut in ein Leichtmetallwerk und so heißt die Firma setzt auch „Leichtmetall". Teilweise ist der Betrieb bereits ausgc» nommen. Es werden Flugzeugteile gebaut. Diese einseitige Konjunktur wirkt sich ans dem Arbeits- markt aus. To gibt es beispielsweise in Hannover keinen arbeitslosen Eisendreher. Aus Mangel an Spe- zialarbeitern ist man auch nicht davor zurückgeschreckt, frühere sozialistische Angestellte in die Rüstungsindustrie ein- zustellen. Die I l s e d e r E i s e n h ü t t e arbeitet mit Hochdruck. Die Papierfabrik Han e mühle. Relliehau- sen, fabrizierte früher Büttenpapier. Neuerdings ist der Betrieb in sehr guten Schwung gekommen. Er stellt jetzt Filters lirGasmasken her. Die augenblicklich vorlie- gendcn Aufträge reichen für vier Wochen, doch rechnet man mit weiteren Staatsausträge». Ich verweile noch aus meinen früheren Bericht, der durch die Feststellung der K a s c r n c n b a» t c n a m R a n d e d e s Ruhrgebiets die Absicht von Truppcnkonzcntrationen im Westen erhärtet. Aus dem braunen Morast Dem preußischen rinamminisier graust es Xcs braune System hat mit der öffentlichen Kontrolle der Gemeindeverwaltung zugleich die öffentliche Kontrolle der Ainanzgebarung in den Gemeinden aufgehoben. Rur ab und zu ergeben sich Einblicke, wie die Gemeindetyrannen willkürlich mit den öffentlichen Mitteln schalten und walten. Wir haben vor einiger Zeit an.Hand einer Verordnung des preußischen F i n a n z m i n i st e- r m s gezeigt, wie die Gelder der Steuerzahler für die NSDAP. und ihre Nebenorganisationen verwendet worden sind. Jetzt liegt eine neue Verordnung vor, die nicht minder aufschlußreich ist. Sie beschäftigt sich mit Repräsentativ n s g e I b e r n und Dispositionsfonds in den Gemeinden, die zur Verfügung des Leiters der Ge- meinde und anderer Amtsträger gestellt werden. Die 23er- Ordnung mahnt eindringlich zu„gewissenhafter Sparsam- keit, Wirtschaftlichkeit und unbedingter Sauber- heit". Was muß Popitz gesehen haben, daß er so mahnt! Es heißt weiter in der Verordnung: „Bei der Veranschlagung der Ausgabenmittel iü ge- rade heute besondere Zurückhaltung zu üben, damit die möglichste Zweckbindung aller Ausgabe- mittel nicht durch übermäßige Dotierung der T i s p o s i t i o n s m i t t e l zerstört wird. Als allgemeine , Regel wird insoweit zu gelten haben, daß eine st ä r k c r e Dotierung des Dispositionsfonds gegenüber dem Durchschnitt einer Reihe frühe»er Haushaltsjahre nicht in Betracht kommen kann. Tie Zuführung besonderer Mittel zu Dispositionsfonds von dritter Seite, insbcson- dere von st ä d t i s ch e n W c r k e u usw. kommt nach den geltenden gesetzlichen Vorschriften grundsätzlich in Betracht. Tie Bildung sogenannter schwarzer Dispositionsfonds, die außerhalb des Haushaltplans abge- wickelt werden sollen, ist unter alle n ll m st ä n d e n dere v o n st ä d t i f ch e n Werke n usw., kommt nach den stehen sollten, sind sie umgehend haushaltsplanmäßig zu vereinnahmen und gegebenenfalls zu verausgaben." Taraus geht hervor: es gibt unter dem braunen System keinen ordentlichen Gemeindeetat mehr. Die Willkür der selbstherrlichen unkontrollierten Ge- meindetyrannen feiert Triumphe. Der Gemeindetyrann macht alles mit dem Dispositionsfonds. Die st ä d I i s ch e n Werke sind zu dunklen Zweckten ausgeplündert worden. Zu noch dunkleren Zwecken sind bei den Gemeinden schwarze Dispositionsfonds gebildet worden. Mit einem Wort: Willkür und Korruption herrschen in den Gemeinden. Tie Gemeindeangehörigen haben weder Mitbestimmungsrechte noch Kontrollrechte. Ueberau, wo die Diktatur herrscht, stinkts! ♦ Auch ein Trost Ter große Korruptionsprozcß in Münster unter AuS» schlnß der Dessen tlichkeit hat mit der Berurtei- lung der Angeklagten zu Zuchthausstrafen geendet. Es hau- Unterschlagung von Geldern der Sehw«li«rl»chfri unfl tlilMiiehM Wor«twar«ng0»chBf1 fMtiMOachar«!. Koaditorei. Warna UMt* Jxoduiis^fchmld 71), Boolerari da Straabuarg, K. ru# St Laoraai P-acis,»•!>»»»ii»> Ttlafan 4 limta?er«inl«rt anter B0T74RIS tl-1f Schönes Indusfrieterrain in.METZ, 1400 qm groß, 200 qin bebaut, 25 m Eront tür Bauplätze an Haupt Verkehrs» sttaße gelegen für jede Industrie oder Nieder« läge passend zu verkaufen oder zu vermieten. Cell. Antragen an die„Saar-Volksstimme" unter Nr. 1209 erbeten. WSSTLAND erscheint in Saarbrücken icden Freitag. „Westland" behandelt in unparteiischer Weise politische, kulturelle und wirtschaftliche Fragen. Besondere Aufmerksamkeit widmet es der deutschen Entwicklung. Die nationalsozialistische revolutionäre Uebergangszeit will es begreifen und nicht bejammern helfen Deshalb späht„Westland" nicht„Angriffspunkte" aus. sondern sucht ein umfassendes Bild zu geben Es wendet sich an den selbständig denkenden Leser, der mit ihm dieWahrheit für die schärfste Waffe des politischen Kampfes hält. Aus der neuesten Nummer: Krieg als Staatszvech Hitlertuni ist Religionsersatj D-s deutsche Golgatha Deutsche Wirtsrhaftsfiihrcr sichern sich int Ausland Röchlings Schrift für den Status quo Die regelmäßige Zustellung erfolgt durch die Wo»1 1» n d-Vo r I a 9»• G. m, t». H Saa brücken 3 ♦ Brouorstrafj#<--8 ♦ Telefon 21014 fielt sich um die Arbeitsfront. Tie Urteilsbegründung ist veröffentlicht worden— natür- lich ganz sorgfältig redigiert und frisiert. Tie sagt über einen der Angeklagten namens Hille, daß er„zeitweise ein Privatleben geführt habe, da» wie.die«Faust aufs Auge paffe zu den Reden, die er vor der Arbeiterschaft gehalten habe. Trifft das nicht auch aus den Ley, den Baldur von Tchirach, den Göring und den Goebbels im gleiche» Maße zn? Eine Stelle der Begründung ist besonders bezeichnend. Sic lautet: „Wenn dieser Prozeß, der an sich gewiß alles weniger als erfreulich war, doch etwas Erfreuliches zeitigte, dann ist es die Tatsache, daß die Summen, die hier in «Trage kommen, doch nicht annähernd so groß sind, wie es gerüchtweise in der Oeffentlichkeit verlautete. Der Prozeß hat diese Summen auf ihr richtiges Maß zurück- geführt." Die Höhe der unterschlagenen Summen wird also ganz sorgfältig vor der Defscntlichkeit verschwiegen! Das kennzeichnet das BertuschungSsystem so gut wie den Kor- ruptionssumps! Enthüllend bis zum letzten aber ist der S t 0 ß s c u f z er der b r a u neu Richte r, daß w eni- gcr unterschlagen worden iit, als das Gerücht behauptete. Das ist für sie schon e r s r e n l i ch! So tief steckt das System schon im Snmps der Korruption, daß es als erfreulich gilt, wenn einer um ein paar hunderttausend Mark weniger unterschlägt! Nächstens werden sie noch Anerkennungsprä- miett zahlen für beicheidcne Desraudanten! Jjl6 Qalned 166, Boul'* Haussmann 83, Boulevard Maletherbes 177, Regent Street, London W. I Moderne Damengürtel mit Büstenhalter BBIlPKaSTTM Gastspiel Ctlo Jülich in Saarbrii«ken. Ter bekannte rheinische Humor ist Cttu 0 Üli ch gibt im AW.-Tonsilm-Theatcr ein kurzes Gastspiel. Er tritt dort im Rahmen eines heileren FilmprogrammS am kommenden Samstag, Sonntag und Montag auf. Ton Künstcr, bcr Antifaschist js, unb wegen seiner nichtarische» Abstammung in Oitlcr.Teutschland leine Bclätigiiiigoinöglichkcit mehr hat, ist poller Erfolg zu wünschen. Taargcmünd. Tie schreiben uns: Ter Lamellen-Hei mann hat ein Telegramm nach Frankreich geschickt, in dem er sich herzlich bedankt für die Hilfeleistungen, die den veru»glühten Fliegern zuteil wurde. Ott diesem Telegramm befindet sich auch die Wendung, es sei eine .internationale Solidarität im Flugwesen" erforderlich. Ter grau- same Feind des internationalen Marxismus und Katholizismus hat also doch auch seine Leidenschaft iiit die internationale Solidarität, wenn es auch nur die für den Völkermord ist. Frau M SV. Slern. Beste» Tank jitr öle Freundlichkeit. SVir haben sofort berichtigt. „Hansa." Alles erhalten, Es wird zum größten Teil verwertet. T. Budapest. Ihren Wunsch können wir nicht erfüllen. 59. Pöqich. Tie schreiben uns aus Antwerpen:„Tic bringen in Nr. 247 unserer tapferen„Tcutichen«Freiheit" die neue Lifte der Ausgebürgerten. Gestatten Tic, daß ich die amtliche Begründung der „gewistenhaften" Minister Neurath und Frick berichtige. Mit der Verbreitung kommunistischer Schriften hatte ich nie etwas zu tun. Ich bin Sozialdemokrat und Rcichsbannermann."—(fs ist der alte Trick, möglichst jeden Emigranten draußen und jede» Illegalen drinnen als„Kommunisten" zu bezeichnen. Klaus Mann. Neben dem Beitrag, de» Tic uns ans Anlaß Ihrer Ausbürgerung sandten, fanden wir in Schweizer Blättern noch folgende Erklärung, die Ihnen Ebrc macht:„Mit meinem großen und schönen Baterland steht es jetzt so, daß es eine Ehre bedeutet, besonders wertvoll zum Verständnis der letzten Ereignisse in Hitler-Deutschland. Ungewöhnlich interessant und autschlußreich Konraa Heiden: Qe&utt desdtitten^eiAes Geschichte des Nationalsozialismus bis in die neueste Zeit Niemand wird künftig üher das Problem des Nationalsozialismus mitsprechen dürfen. der dieses Buch nicht gelesen hat. Preis des 272 Seiten starken Buches: Kartonier» 25,- Fr. leinenband 35,- fr, Buchhand ung der Volksstimme Saarbrücken 2 Trierer Straße 24 Neunkirchen Hüttenbergstraße 41 Zu verkaufen Vollständige Einrichfungcincr Slrnmpttabrik Eabriquc de Bonneterie mit Bureaus Sehr massige Miete mit hübscher Wohnung Sich schriftlich wenden an die Ge« schäftsstelle dieses Blattes unt. 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Tcnn: nicht überall, wo es mir leidlich gut gebt, ist mein Baterland: aber dort, wo täglich das Iiisamst« geschieht und wo stündlich das Allcrgräßlichste vorbereitet wird, ist es näch t. TaS hat man mir nur öfsentlich bestätigt, wie man es schon vorher einer Anzahl von Männern bestätigt halte, deren Gesellschaft ich mich nicht zu schämen brauche. Tiefe„Ausbürgerung" hat wirklich nur den Wert einer ehrenden Geste— etwa cincS kleinen Lrdcnstcrns—; gemeint war sie viel- leicht eher als eine Geste der zicmllch hilflosen Wut. Praktische Konsequenzen hat das gar nicht— wie so BIcleS, was diese Regie- rung proklamiert. Was die Machthaber mir im Praktische» antun tonnten, hatten sie mir natürlich schon vorher angetan. Was mir gehört, hatte man schon gcstoblen: was cS an Gedriicttem von mir gibt, war schon verboten: mein abgelaufener Paß war schon nicht mcbr verlängert. Die ehrende Geste ändert praktisch durchaus nichts mehr. WaS kann sie mir nehmen? Toch nicht die Hoffnung, daß aus diesem unglücklichen, entstellten Ttüct Weit— Teutschland— einmal wieder mein echte» Baterland wird." Sturm auf Ztislis. Tic Zeichnungen zu dem von iiiis besprochenen Buche von I. Bührer(nicht von I. Bühlerj sind von Friy Pauli Amben. R.?., Paris. Aber Tic haben recht: viele Ausländer machen sich von der Knebelung der deutschen Presse noch immer keine an nähernde Vorstellung. Halten Tie Ihrem englischen Freunde folgende Befehle vor. die Goebbels selbst als„Griuidsätzc" der deutschen Journalistik in einer Broschüre veröffentlicht hat: Tic Efiesredakteure, erklärt Goebbels, dürfe» in freie Informationsquellen kein Vertrauen setzen. Was insbesondere den Kirchenkonslikt betrifft, so sind sie genötigt, sich auf dlc Veröffentlichungen der offiziellen Agenturen zu beschränken. Kein Buch über TA., Hitler- fugend, Arbeitsdienst darf erscheinen, aus dem entnommen werden könnte, daß diese Craantfeifioitert militärischen Eharakkcr haben. Goebbels beklagt sich, daß die Spezialisten der Wirtschaft die Er- folge des nationalsozialistischen Regimes nicht ausreichend hervor heben. Tic Aufbauarbeit verdiene einen der ersten Plätze in den Spalten der Zeitungen. Tic Preise müsse Ausdrücke wie„führende Gesellschaftskreise" und„glänzende Uniformen" vermeiden, um in dem Leier nicht den Gedanken der Klaisenunicrschicde auskämmen zu laßen. Tie Monotonie der deutschen Zeitungen führt Goebbels daraus znrück. daß zahlreiche Journalisten nicht immer das Ge- dankeugnt des Nationalsozialismus verstünden. Aber int ganzen ist er mit seinem Werk zufrieden: es gebe, io erklärt er. gegen früher»Ine Verbesserung de» TtilS, und die deutsche Prefle mache täglich«vorttcfjrittc.— Bedenken Tic mohs: es gibt im Reiche keinen, nicht einen einzigen bürgerlichen Journalisten, der dem kleinen Goebbels entgegenzutreten wagt. Literatur Nr. 30 der„Europäischen Hesie vereinigt mit Ausruf" ist soeben erschienen und bringt n. a. folgende Artikel: LabourS Wahlsieg: Polnisch« Verärgerung: Vom nächsten.Kriegsschauplatz: Julius Streicher, der Bekenner: Willi Schlamm: in den Wind gesprochen: Paul Kcri: Ter cnticßelte Generalstäbler: Mar Bcrgncr: Wer gibt, dem wird genommen werden: Heinrich Kraschutzki: Totenichissc in voller Fahrt: Gnnnar Ericsson: Grenzen des Aktivismus: Wilhelm Stefan: Brechts Lehrbuch der Gegenwart: Peter Rodin: Es lebe die Wissenschaft: Starhemberg über Schuschnigg. Für den Geiamtinhalt verantwortlich: Johann P i tz in Tud« wciler: kür Inserate: Ctto Kuhn In Sao-brücken Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Voiksstimme GmbH„ Saarbrücken 5, Tchützcnstraße 5.— Schließfach 776 Saarbrücken. Das Neue Tage-Buch Herausgeber: Leopold Sc b wa r z sc h i I d AUS DEM INHALT: Nr. 45 sotban•richionan PREIS 3 FRANCS Die Woche Mao sucht ein Alibi Die zwei evangelischen Kirchen LEOPOLD SCHWAkZSCHILD: Unrnhe nach einer Wahl PRIVATDOZENT N.: Das St ruf- recht des Nationalsozialismus 10ACH/M HANIEL: Po'emik Im ..Berliner Tageblatt' WILHELM HERZOG: Der Prozeß um die Weisen von Zion HEINRICH MANN: Nation und Freiheit. Zur Ehrung Schillers, geh. 10. Novemhci 17,SS. ERNST TOLLER: thuno Tranks ..Cervantes" Minialuren