0 i entfette SiuzSge unabhängige Tageszeiiung Veuischlands Nr. 233— 2. Jahrgang Saarbrücken, Dienstag, 13. November 1934 Chefredakteur: M. B r a u n Jkapaganda» JihUCee Seite 2 und 7 JCnax bestätigt den beatmen Jeccot Seite 3 Ocganisieetec TJUxcd in Dachau Seite 4 Ein ecktet„aitec Jiätnpfec" Seite 8 Bflslundswlllt im IHiMuniGrcilicH Die Mission von RiDDcnirops in London London, 12. November. Httler-Deutschlanö gibt sich icit Wochen von neuem große Mühe, hie Isolierung Deutschlands von England her zu Durchbrechen. Alan hat hier das weitgehende Zugeständnis Schachts in dem deutsch-englischen Wirtschaftsabkommen, imä alles andere als eine Verbesserung der deutschen De- vtsenlage bringen dürste, als Einleitung zu einer Berbesse- rung der politischen Atmosphäre empfunden. Es folgte die Demarche des Botschafters v. Hoesch mit betont friedlichen Erklärungen zur Ncglung der Soärirage. ein schritt, der aber wenig Eindruck gemacht hat, da die«aarfragc nach bri- tiicher Aufsafjung vor den Völkerbund gehört, aus dem sich .Hitler-Deutschland demonstrativ zurückgezogen hat. Nun folgte die Reise des Sonderbeauftragten Hitlers in Rüstungsfragen, des Herrn v. R i b b e n t r o p. Tast Deutsch- land sich in voller Aufrüstung befindet, bezweifelt hier nie- wand mehr. Man nimmt aber an, daß die diktatorischen Beherrscher Deutschlands allmählich vor ihrer eigenen Kühnheit Angst bekommen, die durch die klare Verletzung der Rüstungs- paragtafcn des Vcrsalllcr Vertrages alle Signatare die- ses Dokumentes also eine» sehr großen Teil der Erde herausfordert. Offenbar liegt Teutschland daran, den Rechtszustand mit dem faktischen Zustand in lkebcrcinstimmung zu bringen, also die einseitigen Abriistungsbestiinmungen des Versailles Vertra- ges außer Kraft zu setzen und damit Deutschlands Aufrüstung legitimiert zu sehen. Solange das nicht geschehen ist, besteht >a theoretisch immerhin noch die Möglichkeit, daß jeder einzelne Signatar die Maschinerie dieses Vertrages gegen das die EntlvassNungsbestimmungen verletzende Deutschland in Bewechmg setzen kann. Die deutsche Reichs- regicrung rechnet mit den derzeitigen innerpolitischen Schmie- rigkeiten Frankreichs und mit der außerordentlich pazjfj- [tischen Stimmung der englischen Bevölkerung, die mit ihrem Zustrom zu den Kandidaten der Labour-Party bei den jüng- sten Wahlen nicht zuletzt ihren Unwillen über die Erfolg- losigkeit der Friedensstcherungspolitik des Kabinetts Mac- douald zum Ausdruck gebracht hat. Es ist zweifellos, daß von Ribbentrop dem englischen Außenminister, Sir John Simon, und dessen Staatssekre- tör und Rüstungsdelegierten Eden im Austrage des beut- scheu Führers und Reichskanzlers Ideen und Borschläge für die Rückkehr Deutschlands in den Völkerbund und in die Abrüstungskonferenz unterbreitet hat. Die Rcichsregierung geht davon aus, daß im Verlaute der Genier Abrüstungsverhandlungen, und zwar im Dezember 1932 dem deutschen Reiche die von ihm angestrebte Gleich berechtignng bereits theoretisch zugebilligt worden sei. Im Fünfmächte-Pakt sei die Zusage noch einmal ausgesprochen, allerdings sei sie hier präzisiert und eingeschränkt durch die Definition: Gleichberechtigung im Rahmen eines die allgemeine Sicherheit und den Frieden verbürgenden Snstems. Von diesen Zusagen ausgebend, behauptet Hitler-Teutsch- land, daß durch eine Reihe von Systemen, angefangen mit dem Locarno Vertrag, die allgemeine Sicherheit und der Frieden zwar eigentlich schon so ausreichend verbürgt sei, daß die Bedingungen für die Gewährung der praktischen Gleichberechtigung längst erfüllt seien, dennoch sei aber Teutschland bereit, weitere Sicherheils- und Fricdcnsgaran- tien im Austausch gegen die Einräumung und offene An- erkennung der praktischen Rüstungsgleichberechtigung zu gc- währen: einen Nichtangriffspakt mit England fnach dem Muster des deutsch-polnischcn), ein Abkommen mit England über die Lnstrllstnngen, wie Göring es schon in einem Interview in Belgrad vorgeschlagen hat, eine Art Ost-Locarno, das heißt eine Anerkennung und Garantie der jetzigen Grenzen im Osten Europas, wie sie bisher von Frankreich vcrgeb- lich angestrebt und von Deutschland abgelehnt wurden, vor allem aber der Wiedereintritt Deutschlands in den Völker- bund und die Wiederteilnahmc Deutschlands an der Genfer Abrüstungskonferenz. Das zusammen sollen die Kompcn- iakionsobjektc für die ausdrückliche Preisgabe der Entwass- nungsbestimmungen des Bersailler Vertrages sein. Tie englische Regierung scheint die bitlerdeutschcn Vorschläge sehr klihl auszunehmen und aus der bedingungslosen Ruck- kehr kn den Völkerbund und in die Abrüstungskonferenz zu beharren. Macdonald hat in seiner Rede in der Londoner Guild-Hall geradezu eine..Scheidelinie zwischen den friedens- freundlichen Ländern im Völkerbund und Teutschland ge- zogen. Er hat bei dieser Gelegenheit zum ersten Male darauf hingewiesen, daß England, wenn ein Rüstungsabkommen nicht zu erreichen fei, den Erfordernissen der Landcsver- teidigung Rechnung tragen müsse, was praktisch eine Rüstungs- Vermehrung Englands bedeuten würde. Lordsiegelbewahrcr Eden hat in einer Rede in Stratt'ord- en-Avon ebenfalls stark auf die Gefahren für England hin- gewiesen. England glaube nach wie vor an ein kollektives Frieden ssystem. Er fürchte nicht, das nn mittel bare Bevorstehen eines K r i e ge s, aber man könne auch nicht die Schwierigkeiten und Gefahren der augenblick- lichen Zeit ableugnen. Eden sagte ferner, England könne den Weltfrieden nicht durch Isolierung oder durch eine Ablehnung seiner Verantwortlichkeiten dienen. Er schloß mit einem starken Bekenntnis zum Völkerbund und einer Ab rüstungskonveittion. fügt aber hinzu, daß England in der Zwischenzeit, bis ei» kollektives Friedenssystem erreicht sei, seine eigene Verteidigung nicht vernachlässigen dürfe. Irgendwelche Anzeichen dafür, daß der Schritt von Ribbe»- trops im Foreign Office einen Erfolg gehabt hat, liegen nicht vor. „Außerordentlich folgenschweres Ereignis Die Verwegenheit Berlins und die Grenzen des Mellens Paris, 12. Nov. Die französische Presse beschäftigt sich ein- gehend mit dem Besuche R i b b e n t r o p s in London. Der„Demps" schreibt in seinem heutigen Lcitau'satz u. a.: „In London versuchen die Deutschen, aus dem Gebiet der Abrüstung zu manövrieren. Es ist bezeichnend genug, daß es gerade Lord Eden ist, der morgen im Foreign Oiiice Herrn v. Ribbentrop empfängt, denn Eden hat die Aufgabe, im Namen der englischen Regierung die Verhandlungen üder die Abrüstung zu führen. Es ist also ganz natürlich, daß gerade Lord Eden die Mission erhalten hat, anzuhören, was Herr v. Ribbentrop ihm in osiizicllcr Form zu sagen hätte. Die Tatsache des Empfangs an sich genügt, um zu beweise», daß es sich wohl um die Abrüstung oder vielmehr um die Wiederaufrüstung Teutschlands hei dieser Be sprechung handeln könnte. Man muß also die Demarche des Herrn v. Ribbentrop in London mit den Gerüchten zu sammeutun, die schon seit einigen Tagen hartnäckig in Gent umlaufen, nach denen die Reichsregierung vorhabe, nach der Volksabstimmung im Saargebiet Europa vor die vollendete Tatsache einer formellen Kündigung der militärischen Klausel des Vcrsailler Vertrags zu stellen. Gleichzeitig würde Teutschland die Militärpflicht wiederherstellen und dann würde das Reich seine Absicht kundtun, seinen Platz im Völkerbunüsrat und sogar an der Tafel der Abrüstungskonferenz wieder auszunehmen. Dieses Ereignis wäre außerordentlich folgenschwer, denn, wie groß auch immer die Verwegenheit sein mag, mit der man in Berti« aus den Willen aller Regierungen speku- liert, de» Frieden aufrechtzuerhalten, so kann doch heute niemand voraussehen, welche Reaktion die anderen Mächte angesichts einer derart ktarliegenden Verletzung des Bcr- saillcr Vertrages zeige« würden, zumal ja alle Unter- zeichnermächte die Pflicht haben, diesen Vertrag ausrecht- zucrhaltcn und ihm Achtung zu verschaffen. Es würde sich auch die Frage stellen, ob für die ReichSregie- rung die einsacke Formalität des Rückzuges seines Aus- tristes aus dem Völkerbund genügen könnte, damit es seinen Platz im Bölkerbundsrai unter derartigen Umständen wieder einnehmen könnte. Tie Präambel des VölkerbundspaktcS fixiert nämlich als Regel für alle Völkerbundsmächte,„ge- wisse Verpflichtungen, nicht zum Krieg zu schreiten",„strikt die Borschristen des internationalen Rechts zu beachten", „der Gerechtigkeit Geltung zu verschaffen und aufs genaueste alle Verpflichtungen des Vertrages in den gegenseitige» Beziehungen der organisierten Völker zu achten". .Mrtsetzung siehe nächste Seite!! Qoldverliisl der Reldisbanh Berlin. 12. November. Die„Deutsche Freiheit" hat anläßlich der Unterzeichnung des neuen dcutsch-englischcn Zahlungsabkommens erklärt, daß durch die Bcrpslichtnng der sofortigen Zahlung eines Betrages in Höhe von 400 000 Pfund Sterling an England, der nächste Reichöbantauoweis ungünstig beeinflußt wird. Der soeben veröffentlichte neue Reichsbankauöweis bestätigt unsere Voraussage. Schacht muß berichten, daß durch die England-Zohlung die sichtbaren Währungsreserven der Reichsbank von 80,5 Millionen auf 82 Millionen gesunken seien und er fügt kleinlaut Hinz«: „In Anbetracht der bereits übermäßig geschwächten Gold- und Devisenbestände der Reichs dank bedeutet diese erneute Schmälerung ein schweres Opfer, das nur in Erwartung eines Rückflusses der jetzt aufgewendeten Summe'äus Grund einer Steigerung des deutsch-englischcn Warenverkehrs verantwortet werde» kann." Mit der Ucberweisung von 5 Millionen Mark an England ist der größte Teil des feit Inkrafttretens des„Neuen Plans" erfolgten mühseligen Zugangs von Gold- und De« visen wieder verschwunden. Aus dem neidie Zum neuen Stimmungsumschwung Man schreibt uns aus Nord Westdeutschland: Nimmt man den Schein für Wirklichkeit, dann sieht es so aus, als sei das faschistische System stabilisiert. Der gewöhnliche Alltag ist eingezogen. Es ist alles so alltäg- lich geworden, dost weder Feste einen erhebenden, noch Terrorakte einen abschreckenden Eindruck machen. Aus die Dauer stumpft eben alles ab, besonders dann, ivenn die Skala der Abwechslungen ganz eng begrenzt ist. Man kommt immer mehr dahinter, daß die Feste gar keine Freudenfeste, sondern Ablenktmgsfeste sind. Dennoch be- dient sich ihrer des Regime immer noch in großem Um- sänge. Aber es ist auch hier alles ganz anders geworden. Tie Beteiligung läßt gewaltig nach, obwohl nach wie vor ein starker Druck ausgeübt wird. Was noch gut funktio- niert, sind die Aufmärsche der militärischen und Militär- ähnlichen Organisationen. Die allgemeinen Feste sind ein willkommener Anlaß, durch Verkauf von Abzeichen die Bevölkerung zu schröpfen. Bei Veranstaltungen wie dem Erntefest auf dem Bückeberg werden Millionen solcher Abzeichen ver- kauft. Die Herstellung segelt unter dem Namen„Arbeits- beschaffung"' In der Tat schafft man aus diese Weise in bestimmten Heimarbeiterbezirken einigen tausend Fa- Milien für einige Wochen Arbeit. Es wird zur Bedingung gemacht, daß es sich um Handarbeit handeln muß. damit eipe größere Zahl von Personen beschäftigt werden kann. Das Material der Abzeichen wechselt. Papier. Stoff. Glas und so weiter werden als Rohstoff gewählt, damit die ver- schiedensten Heimarbeitergegenden berücksichtigt werden können. Tie Stimmung unter den Bauern ist im allgemeinen weiter schlecht, besonders schlecht jedoch in Niedersachsen. Das kam nach den Wahlen sehr deutlich zum Ausdruckt. Es wird uns von Orten berichtet, wo die Landbevölke- rung durch Sammlung von Unterschriften öffentlich gegen die"Wahlfälschungen protestierte. Als eine Art Warnung hat man in diesen Bezirk einen Brigade-Aufmarsch der SA. verlegt. In Uelzen, einer Stadt von 12 000 Ein- wohnern.'marschierten am 7. Oktober 15 000 SA.« Mömter auf. Für den inneren Zerseßungsprozeß des Naziregimes ist die ungeheure Enttäuschung, die sich der sogenannten „alten Kampfer" bemächtigt hat. Diese Beobachtung ist so einheitlich aus allen Berichtsorten, daß nicht eine ein- zige andere Stimme laut geworden ist. Eine ständige Redensart dieser alten Kämpfer ist:„So haben wir uns den nationalen Sozialismus nicht vorgestellt." So ist die SA. ein großes Sorgenkind dex Nazibewegung geworden Außerordentlich folgenschweres Ereignis' M Fortsetzung von Seite 1 Ausserdem bestimmt der erste Artikel de» Völkerbunds- paktes, dafe nur solche Möchte als Mitglieder ausgenommen werden könnten, die„tatsächliche Garantien für ihren ausrichtigen Willen geben, ihre internationalen Vcrpslich- tungen zu achten". Das wäre nun wirklich nicht mehr der Fall bei Teutschland, schliefe« der„TempS", wenn es den schweren Fehler begehen würbe, die Welt offiziell vor die vollendete Tatsache seiner massiven Wiederaufrüstung in offensichtlicher Verletzung der Militärbesttmmungcn des Versailles: Vertrages zu stellen. Alle Welt wünsche natürlich, dafe Teutschland seinen Platz in Genf im Völkerbund und auf der Abrüstungskonferenz wieder einnehmen werde, aber deshalb könnte man sich doch nicht soweit erniedrigen, dafe inail die deutschen Geheim- rüstungen legalisieren würde. Allgemein verzeichnet man hier mit Genugtuung die Tat- jache, dafe sich die Auffassung des englischen Ministerpräsi- denken Macdonald in der RüstungSfrage erheblich gc- wandelt hat. Man spricht vielfach die Meinung ans. dafe gerade Macdonald daran Schuld trägt, dafe England feine Rüstungen in den letzten Jahren zum eigenen Schaden»er- nachlässig! habe. Gallus sagt im„Jntransigcant", jetzt spreche Macdonald selbst das ans, was Frankreich ihm und seinen Beauftragten Jahre lang bereits gesagt habe. Man könne sich nur dazu beglückwünschen, weil England, nunmehr gewarnt, sicher seine alte Stärke wieder gewinnen werde, und Frankreich habe ein grosses Interesse daran, dafe England militärisch stark sei Valdwin habe gesagt, Eng- lands Grenze sei am Rhein. Mit gleichem Recht können die Franzosen sagen dafe ihre Grenze an der Themse liege. Beide Nationen gehörten zusammen, ebenso wegen ihrer geographischen Lage wie ans ihrem gemeinsamen Wider- willen gegen die Tyrannei heraus. Wer die eine Nation treffe, der treffe auch die andere schwer. Würde Frankreich von der Landkarte verschwinden, dann würde sich auch England i» Todesgefahr befinden. Würde England niedergeworfen werden, dann würde auch Frankreich als unmittcl- bare Folge davon seine Freiheit verlieren. Teutschland könne nicht das eine Land bedrohen, ohne eS mit dem anderen nicht ebenso zu machen. soooo deutsche Flugzeuge jährlich? lUflerdeulschland auf dem Wege zur sfdrksten fliiLärmadit der Welt Sorgenvolte britische Rechnungen London, 12. November 1931. „Taily Mail", die konservative Morgenzcitung, bringt aufsehenerregende Mitteilungen über die deu«>che Ausrüstung. Man sagt der Zettung enge Verbindungen zur englischen Rüstungsindustrie nach und könnte deshalb vielleicht an- nehmen, dafe die Mitteilungen des Blattes u. a. durch die Absicht, dem englische» Ansrüstungsprogranim einen grösseren Umfang und ein schnelleres Tempo zu geben, mit- bestimmt seien. Tie Angaben der Zeitung sind jedoch so de- tailliert und bestimmt, dafe man sie in ihrem wesentlichen Inhalt für richtig hält. Man schüfet in unterrichteten Kreisen— so sagt der Be- richt—, dafe Teutschland heute eine W o ch e n produktiv» von 2 500 Flugzeugen ausweist. Temgcgenübcr betragen die F a h r e S prodnttionszissern beispielsweise der Vcr- einigten Staaten 1700, Grofebritannicno 700, Frankreichs und Italiens je 1250 Flugzeuge. Tie Erweiterung der Produktionskapazitäten für Flug- zeugt, welche im Zusammenhang mit der Wcltausrüstniigs- beweg,„lg überall anzutreffen ist, wird dazu führen, das; in Zukunft erzeugt werden können: In den Bereinigten Staaten 8 000 Klugzeuge pro Fahr In England 2 000„„ In Frankreich 8 000„„„ In Italien 8 000„„ In Deutschland 50 000„„„ Tiefe Zahlenangaben muten, soweit sie Teutschland bc- treffen, zunächst santastijch und unglaubhaft an. Aber der Bericht stützt sie durch folgende Erklärungen: Schon vor Monate» war eine Tentschc Flugzcugproduk- tionSstättc am Bodenice, die nicht einmal zn den beben- tendsten gehört, so weit entwickelt, dafe-Nacht für Nacht 1—2 neue Flugzeuge die Fabrik verliehen und mit unbe- k a n n t e r Bestimmung abflogen. Seitdem sind zahlreiche neue Ftugzeugfabriken mit ive- sentlich gröfeercr Produktionskapazität in allen Teilen Teutschlands errichtet worden. In einem Monat, so führt der Bericht weiter aus. wird in Dessau, 70 Meilen von Ber- litt entfernt, die gröfete Flugzeugfabrik der Welt sich be- finden. 80000 Arbeiter werden von da ab an die Stelle der jetzigen geringeren Belegschaft trete» und in Tag- und Nacht- und Sonntagschichicn für die deutsche Lustaufrttstung arbeiten. Achnliche Werke werden in R o st o ck und anderen Städten im Osten Teutschlands, weit entfernt also von dem durch feindliche Angrissc bedrohten Westen, zur Zeit gebaut. Alles in allem sollen nach der Schätzung eines Beobachters der Entwicklung heute bereits insgesamt 150 000 Menschen in der deutsche» Flugzeugproduktion be- schäftigt sein, wobei Zehntansende von Arbeitskräften nicht einbegriffen seien, die mit dem Bau von Klngfeldern, unterirdischen Flugzeughangars, Benzintankanlagen«sw- beschäftigt seien. Bei der Ausbildung der notwendigen Flugzeug- führe» werde mit nicht geringerer Gründlichkeit und Grofezügigkeit verfahren. Unter Benutzung des in Tcutsch- land bcionders entwickelten Segelflugwescns und der un- zähliaen Scgclflugschulcn feien bereits bis jetzt 00 000 hoch- qualifizierte Flugzeugführer ausgebildet und jederzeit ver- tilgbar. Dabei gehe die Zahl der in den Flngzcugschnlcn zur .'seit in Ausbildung Begriffenen nochmal in die Zehn- taufende. Mit. sehr niedrig geschätzt. 25(WO, wahrscheinlich aber 50 LMM) fertig bemannten Flugzeugen allermodernsten Typs werde Teutschland im Frühsommer des kommenden JahreS in der modernsten und furchtbarste» Kriegswasfe ganz Europa so stark überlegen sein, das; lebst ein Viel- fronten krieg ihm keine Schrecken mehr bereiten werde. Tie llcberlegenheit so um so grvfeer, als unter den Flug- zcugbeständen Frankreichs und Englands ftch vier Fünftel vor dem 1. Januar 1932 erbaute und nach deutschen Begriffen daher unmoderne und daher nicht mitzuzählende Flug- zeuge befänden. Tie deutsche lleberlegenheit in der Lust, damit schliefet der Artikel, werde nach den Erwartungen mafegebender deutscher Kreise derzeitige Verbündete Frankreichs zu einem Front- Wechsel veranlassen, im übrigen aber vom nächsten Frühling an Teutschland einen Krieg erlauben, den es mit den schnel- len, entscheidenden Schläge» seiner Luftwaffe führen werde. In einem zweite» Artikel übernimmt und ergänzt „Taily Mail" Berichte des Pariser„Journal" über die neuartigen Tanks, welche von de» Firmen Krupp, Büssing und Daimler im Austrage der deutschen Regierung zur Zeit gebaut werden, über leichte und schwere Artillerie, Lufttorpedos der Knorrwerke, und über die umfangreichen Befestigungsanlagen besonders a» der Küste und auf der Fnsel Helgoland, die entweder entgegen den Bestimmungen des Versailles: Bcrtrages wiederhergestellt oder aber moderner und stärker als je zuvor neu errichtet werden. und ihre Herren und Meister zerbrechen sich den Kopf, wie man sie gründlich säubern kann. Wenn auch die Mißstimmung sehr groß ist. so will doch niemand ausscheiden, weil man befürchtet, seine Arbeits- stelle zu verlieren. Ueberhaupt ist die Zugehörigkeit zur >-A. usw mit einer Reihe von Vergünstigungen verbunden. die keiner gern preisgeben will. So reagiert sich der Aerger und Groll im Meckern ab. Worauf sich das Naziregime in der SA. noch verlassen kann, ist die junge Generation. Sie ist unkritisch und im Grunde genommen unpolitisch. Sie glaubt alles, was Hitler sagt. Darum wird systematisch die junge SA.- Generation abgesondert, um sie noch wirksamer im Geiste des Nationalsozialismus und Militarismus zu erziehen. Diese vorbestimmten Opfer des neuen Weltkrieges sind die einzigen, die noch an Hitlers Friedensreden glauben, während sie doch selbst am eigenen Leibe alle Vordere!- tungen der militärischen Aufrüstung verspüren. Bei der gesamten übrigen Bevölkerung wirkt am er- schütterndsten ihre psychologische Verfassung, die den Krieg als unvermeidlich ansieht und in großem Umfang sogar mit seinem baldigen Ausbruch rechnet. Auch ein großer Teil der politisch ungeschulten Arbeiterschaft sucht leider Erlösung vom nationalsozialistischen Uebel durch den Krieg. Diese von uns noch nicht erfaßten Arbeiter- schichten fliehen aus der politischen Wirklichkeit in die politische Metaphysik. Was wechselt, sind ihre Hoff- nungsvorstellungen. Neulich war es eine Militärdiktatur oder die Monarchie, jetzt ist es der Krieg. Die Tragik liegt darin, daß damit auch die Kriegschancen wachsen, wäh- rend alles darauf ankommt, durch wachsenden inneren Wider st and dag Siaziregime von diesem letzten verbrecherischen Abenteuer abzuhalten. Vieles wird davon abhängen, was der kommende Winter an aktivem Widerstand infolge der wachsenden Not bringen wird. Auch hier ist es wiederum bezeichnend, wie übereinstimmend das Urteil über den außerordentlichen Ernst der Ernährungslage ist. * Zusammenfassend läßt sich über den Stimmungs- umfchwung in Deutschland sagen: Am weitesten ist der Klärungsprozeß bei den geistigen Menschen fortgeschritten. In großem Umfange ist auch die Universitätsjugend ent- täuscht, teilweise geht sie auch schon zu aktivem Widerstand über. So wlrd uns aus Bonn mitgeteilt, daß kürzlich alle schlagenden Verbindungen auf einen Alarm in Wichs vor dem Haus der SA.-Leitung demonstrierten, weil einem Korpsstudenten auf eine Beleidigung durch einen SA.-Führer keine Genugtuung gegeben werden sollte. Nach der Demonstration wurde der SA.-Mann zur Strafe degradiert und von Diensthandlungen aus- geschloffen. Die großen Mittelschichten(Handwerker, Klein- gewerbetreibende. Kleinbauern und Pächter) sind auf das tiefste enttäuscht und befinden sich in einer neuen agres- siven Miesmacherstimmung. Wie schlimm die Situation bei den Bauern ist, zeigt die geheime Denkschrift, die einer der bedeutendsten deutschen Agronomen, Prof. Sering, an die Regierung gerichtet hat. Es wäre jedoch Illusion, anzunehmen, daß bereits eine ernste Bedrohung des faschistischen Regimes entstanden sei. Diese Be- d i'n g u n g e n r e i f e n e r st h e r a n, w e n n d i e Ar- beiterschaft zu einem aktiven Wider st and übergeht und dabei die Unterstützung der bürgerlichen Mittelschichten findet. Von einer solchen Situation kann jedoch noch nicht die Rede sein. Es bleibt fraglich, ob sie vor einem kriegerischen Zusammenstoß entstehen wird, jedoch müssen alle Kräfte angespannt werden, damit die Revolution vor dem Krieg ans Ziel gelangt. Propaganda-Schiller Despoten beschimpfen einen ne den Ter Erfinder des Nationalsozialisten Schiller, den uns soeben das„dritte Reich" durch den Mund des Herrn Goch- bels präsentiert, ist der Berliner Literarhistoriker Petersen. Jüngst hat er ein Buch geschrieben, worin er mit der Wucht de» Wissenschaftlers die Linie ber Vorläufer Hitlers von Luther bis zu Nietzsche erwies. Tie glänzendste Figur in dieser nationalsozialistischen Ahnenreihe aber war neben Kant und Goethe Friedrich Schiller. Ter Dichter, besten geistiges Werk vom Kampf gegen die Tyrannei ans- ging, wurde von Herrn Petersen zum SA-Mann im beut- scheu Tichterhimmel ernannt. Jetzt hat das„dritte Reich" SchillerS 175. Geburtstag ge- feiert. Eine Korona von uniformierten Pgs. erschien in der Tioskurcnstad», schritt mit Lorbeerkränzen zur Fürstengruft und hörte eine Gedächtnisrede des Herrn Tr. Goebbels. Ter Herr Propagandaminister hat in jüngster Zeit recht meiner- liche Reben gehalten. In einer Zeil wo es den braunen Ttkatoren schlecht geht, sind ihnen tote Heroen besonders willkommen. Alles, was sie getan und gedacht, kann mit flammendem Pathos für die eigene Sache beansprucht wer- den. ohne dafe sich der Gefeierte zu wehren vermag. 4- „Hätte Schiller in dieser Zeit gelebt, er wäre zweifellos der grafe« dichterische Vorkämpfer unserer Revolution ge- worden. In strahlender Reinheit soll er vor dem neuen Deutschland wieder erstehen: für alle Zeiten der Dichter der deutschen Revolution." Das sagte Goebbels. Welch eine wid- rige Schändung! Wohl war Schiller einmal stolz darauf, ein revolutionärer Tichter zu sein. Aber welche Revolution hat ihn entflammt, hat ihn mit den erhabenen Mcnschheits- lehren erfüllt und seine dichterische Kraft beflügelt? Gocb- bels, der Schüler des nichtarischen Literarhistorikers Gun- delfinger-Gundolf. weife natürlich genau, dafe Schiller ohne die stanz ö fische Revolution als geistiger und dich- terilche Persönlichkeit überhaupt nicht denkbar ist. Er glaubte an das Weltbürgertum und an die Prtnzipen der Gleichheit, ein Kind der klanischen deutschen Philosophie, der das Erbe Kant« in der Knust bewahrte. Schillers Leben gehörte bis zum letzten Hauch dem Kampfe für die Würde des Menschen. Wo er sie unterdrückt und mifebrancht sah, wallte sein hnma- niftisch gesinntes Herz und bezwang ihn zum Protest. -» ES ist längst zur Phrase geworden, wenn man sagt: lebte er heute noch, dann würde er... Niemand kann wissen, wie sich eine starke Persönlichkeit aufeerhaib der Zeit, in die sie schicksalsmafeig hineingestellt ivnrdc, verhalten würde. Aber es scheint uns doch, dafe Schiller, wenn er seinen Kampf gegen die Machthaber von damals gegen diejenigen von heute fortführen könnte, noch viel eifriger über die Grenze hätte fliehen müssen, als er es damals in Begleitung seines Freundes Streicher aus Stuttgart tat. Schon ein Bcrs wie dieser lElcgic ans den Tod eines Jünglingss hätte ihm den E» zug der Staatsangehörigkeit eingetragen: „Ueber Dir mag auch Fortuna gaukeln, Bald Kerum»ach ihren Buhlen fpähn, Mensche» bald auf ichivanlen Thronen schaukeln, Bald herum in wüsten Pfützen diehn." Man erkennt, dafe Friedrich Schiller schon in sehr jungen Jahren jeglichen Respekts vor einem„Führer" ermangelte. In seinen Aesthctischen Abhandlungen" zieht er die Kon- sequenzen des Menschenrechts und der Vernunft, die heute von den braunen Gewalthabern so gründlich mifeachtct wer- den, mit folgendem klassischen Satze:„T e S Menschen ist nichts so unwürdig, als Gewalt zu er- leiden, denn Gewalt hebt ihn auf. Wer sie uns antut, macht uns nichts Geringeres alS die Menschheit streitig; wer sie feiger Weise erduldet, wirst seine Menschheit weg." Kurz, Friedrich Schiller gehört, vom braunen Blickfeld aus gesehen, int Grunde zur Kategorie der Untermenschen, ein liberalistischcr Jntcllck- tnalist mit falscher Hnmanttätsdnselei. Schiller beschreibt die„ernste Wahrheit", die. von ihrer Zeit Verstössen, zum Gedicht flüchtet. Sie rächt sich mit ihrem Tiegesklangc„an des Verfolgers feigem Ohr." Diese Worte sind ein vortrefflicher Leitstern für die Theater des Herrn Goebbels. Tie Wahrheit wider alle Feinde des Lichts, wider Gefeler, Wurm. Alba— wo würde Schiller die„Verfolger" unserer Tage suchen? Oder wie würde er als Kritiker über die braunen Dramatiker urteilen, die Dramen schrei- ben, die für des„Verfolgers Ohr" bestimmt sind? ch Herr Goebbels rühmt ihn als Herold des nationalen Ein- heitSgedankens. Schiller, der Weltbürger! Er kannte da5 Vaterland als schwäbisches Kanton, aber sonst wollte er der „Zeitgenosse aller Zeiten" sein. Man verstümmelt die Worte, die er einem mitictalterlichen Feudalherren in den Mund gelegt hatte, über die Nichtswürdigkeit der Nation, die nicht ihr Alles freudig an ihre Ehre setze, oder man stellt sich an, als ob er mit dem„Vaterlandc" nicht dir freien schwci- zcrischcn Urkantonc, sondern eine gewaltige Despotie ge- meint habe, die dem Bolle die Freiheit raubt. Herr Goebbels, der Weiheredner, läfet diesen Friedrich Schiller in„strahlender Reinheit" vor dem neuen Deutsch- land der Rechtsvernichtung und der Menschenentwürdigting erstehen. Ein mißgestalteter Rabe zu Füfeen eines hohen Postaments! Tic wirkliche Nation hält Friedrich Schiller in unantastbaren Ehren. Immer wird sein Ruf gegen di< Tyrannen durch ihre Reihen schallen,' immer wird der Dich- lcr der„Räuber" und der„Luise Millerin", des„Wallen- stcin" und des„Tcll" ihren Herzen teuer sein. Tiefes Leben der Arbeit, des Kampfes und des Leidens wurde bis zum letzten Funken von einem stolze» Willen aufrechterhalten. Tie Hoheit seiner Gesinnung erhebt sich siegreich über die Sklaverei und tönt rein und klar über das babylonische Pro- pagandageschwäh dreister Zungen. Schiller, der Weltbürger Friedrich Schiller gilt mit vollem Recht als der deutsche N a t i o n a l d i ch t e r, iveil er mehr als unsere anderen grofeen Tichter den Weg über die wissenschaftlich und ästthetisch Gebildeten hinaus zu breiten Volksschichten gesunden bat. Völlig verfehlt aber wäre es. wollte man ihn irgendwie für das, was national im eigentlichen Sinne oder gar im Sinne des heute grassierenden Uebernationalismus helfet, in Anspruch nehmen. Tie Denker und Tichter. die seit der Mitte des 18. Jahrhunderts den Ruhm des detltschen Geistes begründet haben, ivareu von dem, was heute patriotisch helfet, weit^entseriit. Sie dKitten ihrem„Vaterland"— das war der Staat oder das Stätlein, dem sie innerhalb des zerfallenden„Heiligen Römischen Reichs Tonischer Na- tivn" angehörten— mit dem Pflichtgefühl des Staalsbür- gers.Jm übrigen aber waren s i e W e l t b ü r g e r, war ihr Blick und ihr Streben aus die ganze Menschheit ge- richtet.„Das vaterländische Interesse", sagt Schiller einmal, „ist nur für unreife Nationen wichtia. kür die Jnaend der Wclt. Es ist ein armseliges, kleinliche» Ideal, für eine Nation•» schreit en. Einem pb fosophische» Geiste ist diese Grenze durchaus iineriräglich." Und gerade dem deutschen Für Deutschland SAAR. BEILAGE Gegen Hitler! .DEUTSCHE FREIHEIT" M ftnoi bestätigt den braunen Terror Die getarnte NSDAP. lieber die Tätigkeit der„deutschen Front" Hat die Regie- rungskommission dem VölkerbundSrat aus Grund der be- schlagnahmten Akten folgenden Vericht erstattet: entgegen den Erklärungen, die bei der Bildung der „deutschen Front" am 1. März 1931 abgegeben wurden und dieser den Anschein gaben, die politischen Parteien in sich zu verschmelzen und deren Individualität auszuheben, wird durch diese beschlagnahmten Schriftstücke der Beweis erbracht, dast die„deutsche Front" tatsächlich nur die Nachfolge der Nationalsozialistischen Partei im Saargebiet angetreten hat. An Beweisen hierfür fehlt es nicht! Tie nachstehend angeführten dürften genügen: Herr Re- g,crungSrat Watermann in Köln, dessen Rolle später noch eingehend gewürdigt werde» soll, hatte gleich nach der Bil- dung der„deutschen Front"— am l7. März 1931— an Herrn Pirro folgendes geschrieben: „Unter Bezugnahme auf unsere Besprechungen am 13. und 11. dieses Monats teile ich mit, dast das Vermöge» der NSTAP., das von der„deutschen Front" übernommen wurde und annähernd 1,3 Millionen Franken betragen soll, zunächst zur Erledigung von Anträgen aller Art, die mit der Propaganda der„deutschen Front" zu- sammenhängen, Verwendung sinden soll... Später wäre mir eine überschlägliche Mitteilung darüber erwünscht, wie Sie den Betrag von 1.3 Millionen Reichsmark( s ir) im einzelnen verbraucht haben." Außerdem wurde eine spezifisch nationalsozialistische Ein- richtung. die H i l s s k a s s e, unter der neuen Leitung bei- behalten sSchriststück vom 11. März 1931>. Ter Lanbcs- schotzmeiftcr der„deutschen Front" ordnete in der Tat an: «Tie Hilsskassc der ehemaligen NSTAP. bleibt in ihrer bisherigen Form bestehen". Ein Beschwerdeführer schreibt im Monat April 1931:„Auf meinen Hinweis, das? im Saargebiet seit März d. F. keine Parteiinstanz mehr bestehe, erwiderte mir derselbe, der Ortsgruppenführer wäre immer noch derjenige, welcher anzuordnen hätte und dem wäre Folge zu leisten". Ganz allgemein ergibt sich aus den Akten über den Arbeits- dienst, die Hitlerjugend, das Siedlungswesen, das, es sich hierbei um Einrichtungen der Nationalsozialistischen Partei handelt. Ter Wirtschaftsberater der„deutschen Front". Herr Savelkouls, erklärt in seinen Korrespondenzen und Be- lichten, das, er genau difc gleiche Rolle wie die Wirtschafte- berater der Nationalsozialistischen Partei im Reich zu spielen berufen sei. Tic Tatsache endlich, das, die Geschäfte von Herrn Spaniol und seinen Mitarbeitern und anschliesiend von Herrn Pirro und seinen Mitarbeitern— und ihre Mitarbeiter sind sehr ost die gleichen— in ununterbrochener Weise gesührt wurden, ohne dast am 1. März 19:11 eine Unterbrechung in der Geschäftsführung ersichtlich wäre, lie iert den offenkundigen Beweis, dast die„deutsche Front" tatsächlich nur die Nachfolge der„NSTAP— Saargebiet" angetreten hat.- Eine,- ihrer mastgebendsten Funktionäre, der Landes- geschästssührer Schaut» selbst, hat sich unterm 9. Juli 1931 wie folgt geäußert:„Ich bin außer dem Bankvorstand auch »och Landeögeschästssührer der NSTAP. bzw.„deutsche» Front". Tie„deutsche Front" hat die Organisation der National- sozialistischen Partei unverändert beibehalten: in ihrem Ausbau entspricht sie demnach dem nationalsozialistischen „Gau" im Reich, beginnend vom„Block", der kleinsten Einheit lmit dem Blockwart an der Spitzel, über die„Zelle" tZcllenwart),„Ortsgruppe" iOrtsgruppenleiterl,„Kreis" «Kreisleitung) bis zur.Landesleitung" tLandeöleiter). Tiesem System liegt der Gedanke zugrunde, alle Saar- bewohner einzeln zu ersaßen und jeden persönlich unter Kontrolle zu stellen. Darüber enthält ein Schriftstück, das „im Juni 1933" datiert ist, folgende Ausführungen:„Ter Zellenwan soll seine Zelle unterteilen, jedoch dürfen nilbt mehr als fünf Blocks ins Leben gernien werden. Tie Blocks sind also wieder ein neu abgegrenzter Teil der Zelle und sind in Häuserblocks oder aus dem Lande in Geholte untergliedert. Bei dieser Einteilung ergibt es sich, dast organi- jatorifch jede Möglichkeit ausgenutzt wird, um die Bewohner zu erfassen, kein Hänserblock darf dabei ausgelassen werden. Tie Organisation hat sich so fein zu verteilen, dast sie über- all ihre Fühler ausstreckt und wie ein riesiges Zieh aus- breiten wird." Tie Landesleitung besteht ans verschiedenen Abteilungen, von denen einige Zentralstellen sind, andere über das ganze Gehiet verteilt sind mit Beauftragten in den verschiedenen Stufen der Organisation, mindestens bis zur Ortsgruppe tPropagandaabteilung, Kultnrabteilung, Arbeitsdienst, Wohlfahrtsabteilung, Sozialabteilung usw.). Des weiteren besteht ein Ordnungsdienst, der ebenfalls entsprechend dem allgemeinen Ausbau der Partei gegliedert ist und vo» zwei ehemaligen SS.- und SA.-Führern geleitet wird: er nimmt in der Gesamtorganisation eine be- sondere recht besorgniserregende Stellung ein. deren Klar» legung später noch unternommen werden soll. Tiefe ganze Organisation ist ans dem Führcrprinzip aufgebaut. Bei ihrer Gründung hat die„deutsche Front" er- klärt, sie sei eine Eidgenossenschaft. In der Bekanntmachung aber, durch welche ihre Bildung angezeigt wurde, heißt es, dast sie von einem Landesleiter geleitet wird, und den Schriftstücken zufolge besitzt dieser diktatorische Be- fugnisse. Das gleiche gilt für die Kreisleiter. Orts- gruppenleiter usw. in den ihnen zugewiesenen Bezirken. Alle diese Leiter werden von dem jeweils nächsthöheren Leiter ernannt. Niemals tritt der Führerrat in Aktion, in den führende Persönlichkeiten der früheren, nichtnationalsozialistische» Parteien eingetreten waren. Tie Ausgabe dieser Persön- lichkeiten scheint übrigens fast nur darin zu bestehen, die „deutsche Front" in Gens zu vertreten und Eingaben in ihrem Namen zu unterzeichnen. In sämtlichen beschlag- »ahmten Akten erscheint der Name des Herrn Röchling fast nur in Angelegenheiten, welche die Verwaltung seiner Werke berühren. Tie Namen der Herren L e v a ch e r und Schmelzer finde,, sich sozusagen überhaupt nickt. Herr Kieser, früher Mitglied der Zentrumspartei, ist zwar Propagandaleiter, aber seine verjönlichen Fnterventionen sind selten, leine Abteilung scheint im allgemeinen unter der Leitung seines Untergebenen. Herrn Tbeisen, zu stehen. Ter Saarbewohner sind einzeln zum Eintritt in die „deutsche Front" aufgefordert wort„ und zwar durch die Blockwarte, die sehr sorgfältig und oftmals unter de» ein- flustreichsten Personen der Bevölkerung ausgesucht wurden lein Landesgerichtsrat in Saarbrücken zum Beispiel ist Blockwart). Tie Regierungskommission hat bereits Beran- laiiung genommen, die durch derartige Methoden hervor- gerufenen Mistbräuche zur Kenntnis des Völkerbundes zu brinaen. Tie Blockwarte haben auch dafür zu sorgen, dast ihre Nachbarn die Hänser beflaggen an den Tagen, an denen die Landesleitung den Befehl erteilt:„Flaggen heraus". Unter den beschlagnahmten Schriftstücken befinden sich Be- weise eines in dieser Richtung ausgeübten Drucks aus der Zeit der NSTAP.: aber auch solche jüngere» Tatums sind vorhanden. Herr Spaniol schreibt am 12. Februar 1931 an Herrn Tr. Obö, Kreisleiter in Taarlvuis: „Bon einer Meldung, die mir eine ganz genaue Beultet» lung darüber ermittelt hat. wie der Kreis Saarlouis- Merzig sich am 3«. Januar 1934, der Feier des Jahrestages der nationale» Erhebung, beteiligt hat, habe ich Kenntnis genommen. Ich mustte feststellen, daß Ortc die Beurteilung „schlecht oder mäßig" bekomme» haben. Tiefe Tatsache hat bei mir ernstes Bedenke,, ausgelöst. Sie wollen deshalb sofort die Ortsgruppenleiter zur Rechenschast ziehen und von jeder Ortsgruppe Bericht legen lassen, woraus die schlechte bzw. mäßige Teilnahme am Flaggen zurückzusüh- ren ist. Dafür könne» nur drei Gründe in Frage kommen: 1. Ortsgruppe ist nicht im Schuß, da die Blockwarte nicht genügend Anregung zum Flaggen geben. 2. Armut der Be- völkerung 3. Mangel an Fahnenstosf. In den beiden letzten Fällen kann von der Landessührung aus sofort finanziell und praktisch für die Zukunft geHolsen werden. Im ersten Falle ist vo» Ihnen mit aller Energie durchzugreisen. Ihrer Meldung sehe ich umgehend entgegen." Hier ein Schriftstück neuere» TatnmS: am 3. Mai 1931 be klagte sich eine Schwester, die Mitglied der„deutschen Front" ist. mit folgenden Worten:„Soeben wurde ich von Herrn M verhört. Ter Metzger W... habe sich beklagt, ich hätte ihm den Eintritt in mein Zimmer verweigert, um eine Fahne herauszuhängen. An den fotografischen Aufnähmen, welche die„Saarbrücker Zeitung" brachte, war auch dieses Haus dabei und Tie werden sehen, dast es mit. ich glaube. 3 Fahnen geschmückt war, 3 unten. 2 auf dem Tach. Meine beiden Tachkenstcr waren mit 23 Hakenkreuzfähnchen und 12 Lichtern geschmückt. Tie ganze Schmück«»» des Hauses war übergenügend,»m die Zugehörigkeit zur„deutschen Front" damit zu dokumentieren." Ein weiteres Zeugnis stammt vo» dem Pfarrer einer der bedeutendste» Psarreien der Stadt Saarbrücken und trägt das Datum des 9. Juni 1931. Ter Priester beklagt sich zu- nächst wegen gotteslästerlicher Zeichnungen, die in seiner Kirche gesunden worden waren, und fährt dann fort: „Zum Kapitel„Neberzeugungssreiheit" bemerke ich: Am Samstag wurden meinem Pfarrhanfe mal wieder von un- bekannter Seite„Befehle" übermittelt. Morgens:„Fi, fünf Minute» hängen die Fahne,, heraus". Es geschah. Aus Ber- anlasiung meiner erschreckten Herzkranken Schwester in mei- ner Abwesenheit.— Später:„Die Kirche muß beslaagt werden". Der Kaplan hängt wortlos ein.— Im Laufe des Tages wiederholt sich die kategorische Anfrage:„Wann ist heute abend der Dankgottesdienst?" und jedesmal dieselbe einhängende stumme Antwort. Die beiden letzten„Befehle" wurden also nicht ausgeführt. Neil für solche Anordnungen nur die bischöfliche Behörde zuständig ist Das von ihr ge- wünschte Geläut am Mittag ist promt erfolgt." Ter Trnck erstreckt sich demnach selbst aus Geistliche: Be fehle werden ihnen telefonisch zugestellt. Für den Priester ist deren Herkunft nicht zweifelhaft: er beklagt sich bei der „deutschen Front". Nach diesem Schreibe» durfte die Anführung weiterer Bei- spiele unnütz erscheinen. Welches sind die Folgen dieses Drucks? In erster Linie Bedrohungen; besonders Drohungen für die Zeit„nach 1933". Tie Gerichte im Saargebiet haben sich im übrigen ständig mit solchen Drohungen zu befassen. Aber es gibt Schlimmeres als diese Tröstungen. Bald be dient man sich der Presse und des deutschen Rundfunks, um diese oder jene Person der öffentlichen Verfolgung preiSzu- geben. Ter gesamte Schriftwechsel der Frau eines saarlän- diichen Landjägers liegt zum Beispiel vor, die lange Zeit ver gebend darum gebeten hat. dast die gegen ihre» Mann aus- gestreuten und von dem Frankfurter Rundfunksender ver- breitete» Ver/cnmdnngen zurückgenommen werde». Erst im Monat März 1931 wird ihr eine Antwort zuteil, aber nicht ri-aiUirclMs Standpunkt Recht und Sicherheit in der Saarfrage Paris, 12. November 1931. Tie Unterredungen des deutschen Botschafters Köster mit dem französischen Außenminister Laval beschäftigen noch immer die Presse. T as„E ch o de Paris" will wisien, dast sich die französische Politik in der Saarfrage aus folgen- den Linien bewegte: 1. Frankreich verfolgt im Saargebiet nur die TurchsüH rung der internationalen Verpflichtungen, denen es sich angeschlossen hol. 2. Tic Differenzen zwischen Teutschland und Frankreich in der Saarsrage gebören in den Bereich des Völker- bundes und können nur dort erörtert und entschieden werden. 3. Falls die Regierungskommission französische Unterstützung zur Aufrechterhält»»» der Ordnung verlangt, hat die französische Regierung den Wunsch, möglichst nur Polizciftreitkräste einzusetzen. Tiei'er Wunsch hin dert aber nicht, dast sie unter Umstände» weitergehende Verpflichtungen übernimmt. Frankreich werde sein Möglichstes tun. um den Konflikt zu vermeiden. Aber es könne auch nicht zulassen, dast das inter- nationale Recht verletzt werde, ohne dast die Würde Frank reichs zu leiden habe, denn dadurch könne der Frieden nur verlieren. etwa durch den Frankfurter Sender, sondern durch die „deutsche Front". In anderen Fällen werden Verleumdungen oder Aechtungen in öffentliche» Versammlungen ausgesprochen. In dieser Hinsicht verdient ein ergreifender Brief Be achtnng, den ein katholischer Vikar am l. April 1931 an Herrn Lore n z, den Führer der Hitlerjugend, gerichtet hat, und in dem es heilst: „Ihre Worte sind also eine gemeine Verleumdung und es muß von den betroffenen Herren als eine Roheit sondergleichen empfunden werden, wen» man in ihrem eigenen Wirkungskreis laute Pfuirufe aus sie ausbringt, wohl zur Stützung der Autorität??... Sic jagten in Ihrer Rede: „... aber was sich deutsch nennt, ist nationalsozialistisch und was nicht nationalsozialistisch ist, hat mit den, Deutsch- tum nichts zu tun..." Ich möchte aus meiner Ausfassung über deutsches Wesen heraus— den Satz weiter führen: - was deutsch ist. ist ehrlich— und was nicht grundehrlich ist. hat mit Deutscht,,,» nichts zu tnn.— Verleumdung ist nicht die Art der Deutschen."— Weigern sich junge Katholiken eines Torfes, an einer Sonn- wendfeicr teilzunehmen, dann werde» sie in einer öffent- liehen Kundgebung wie folgt bedroht:<• „Solche Elemente wie hier versuchen auch im„dritten Reich" dieselbe Rolle zu spielen, wo sie aber die gebührende Strafe i„ dem Konzentrationslager oder Gefängnis er» halten Wäre es 1933, so würde man mit diesen Herren anders versahre». Tas sind die Verräter an der deutschen Sache, an der Abstimmung 1933. Wenn wir dem Deutschen Reiche angegliedert sind, wird die Strafe für diese Ele» mcnte nicht ansbletben." iFortsktznng'olgtI „Frei von Hitler- Eine Kundgebung im Saarbrücker Stadttheater Aus Saarbrücken wird uns berichtet: Am Samstagabend hatte da« längst gleichgeschaltete Saarbrücker Stadttheater einen für die braune Front bestimmten großen Tag. Man gab Schillers„Wilhelm Tell", in der Erwartung, daß die zündende Empörung wider Tyrannenmacht ein gutes Propagandamittel im Abstimmungskampfe sei. Vielleicht soll- ten sich die gute» Hörer unter Geßler Herrn Knor vorstellen. Es tan, nicht ganz so, wie die Arrangeure erhosst hatten Als Tell seinen Haß gegen den Fronvogt bekannte, rief jemand laut:„Achtung, Te 11, Konzentrationslager?" Bei der großen Schwurizene aus dem Rütti vnd beim letzten Freiheitsbckenntnis l„Wir wollen frei sein wie die Väter waren..."> erschollen laute Rufe„Freiheit, Frei- h e i t!" Vo» oben her kam eine laute und helle Stimme: „Frei von Hitler!" Die etwas ängstlichen Theater- besucher, gute Bürger der Stadt, guckten verwundert umher, aber zu irgendwelchen Gegendemonstrationen kam es nicht. vcgcn Dlttanticiuii&n und Sdiiinpicrcien Landesleiter Pirro, Pfarrer Wilhelm und ähnliche Leuchten der„deutschen Front" und nicht minder ihre Presse pflegen die Anhänger des Status quo als Landesverräter, Gesinnungslumpen, Mordgesindel. Mörderzentrale und ähnlich zu beschimpfen. Sogar offizielle Aufrufe des Pirro strömten von solchen Schimpfuorten. Die Ab- Stimmungskommission erläßt nun einen eindringlichen Aufruf an die Saarbevölkerung, in dem sie daran erinnert. daß alle drei in der Volksabstimmung zur Wahl stehenden Möglichkeiten, Status quo. Vereinigung mit Frankreich und Rückgliederungen Deutschland, gleichberechtigt seien. In diesem Aufruf heißt es iveitcr: „Zu ihrem Bedauern hat die.Kommission feststellen müssen, dast in politischen Versammlungen sowie in der Presse öfters die eine oder die andere der genannten Parteien in ihrer Gleichberechtigung angegriffen wurde. In einzelnen Fällen ist man auch gegen politische Gegner mit soviel Druck und Drohung vorgegangen, die dazu berechtigten, von politischem Terror zu sprechen. Da sich der Abstimmnngstag nähert, ivird die^Kommission künftig strenger als bis jetzt eingreifen müssen. Sic ivarnt jeden, der sich in politischen Versamm- lungen oder in der Presse äussert, davor, seine TelbstbeHerr- ichnng zu verlieren. Die Propaganda, zu welcher jede Partei berechtigt ist, soll positiv sein, alio vor allem die Gründe be- tonen, die zugunsten des eigenen Slanöpnnktes sprechen, nicht aber darauf hinzielen, die andern Parteien anzugreifen. Jedenfalls soll es unterlassen werden, die andern Parteien in verächtlichem Tone zu behandeln und herabzusetzen. AuS drücke wie„Landesverräter",„Mordbande" und dergleichen können nicht geduldet werden. Bis jetzl hat die Kommission keine eingreifenderen Massnahmen treffen wollen, um derartige Mistbräuche der Redefreiheit oder die erwähnten Fälle un- erlaubter Handlungen gegenüber Andersdenkenden zu verhindern. Tie Kommission ficht sich nunmehr jedoch gezwnn gen, in Zukunft eine solche Haltung. die nach der geltende» Gesetzgebung unzulässig ist. dem zuständigen Staatsanwalt zur Kenntnis zu bringen. Wie bekannt, hat sowohl die sra» zösische als auch die deutsche Regierung vor dem Völker- bundsrat feierlich erklärt, sich jeden»»mittelbaren oder mittelbaren Druckes zu enthalten, der die Freiheit und die Aufrichtigkeit der Stimmabgabe beeinträchtigen könnte, und sich ebenso hinsichtlich der abstimmungsberechtigten Personen jeder Verfolgung, Vergeltungsmastnahme oder Schlechter- steltnng wegen der politischen Haltung, die diese Personen während der Verwaltung durch de» Völkerbund mit Bezie- hung auf den Gegenstand der Volksbefragung eingenommen haben, zu enthalten. Tic Einwohner des Saargebietes sollten es sich zur Ausgabe machen, auch ihrerseits diesen Verpflich tungen nachzuleben und in gleichem Sinne zu handeln. Tic Abstimmnngökomm siion fordert einen jeden und insbesondere diejenigen, welche eine leitende und verantwortliche Stellung innehaben, ani. sich die Notwendigkeit der Mästi- gung sowohl in der öffentlichen als in der privaten Propaganda einzuprägen." >. Organisierter Piord in Dachau Die Dpier des Gruppenführers Elfte Tn" Vetter des Konzentrationslagers Tacho», Gruppen- 'ntirer C?icto, jsi von Himmler zum Veiter der gesamten Konzentrationslager Teutschlands ernannt ivvrden. Eicke bat nch»»> diesen Posten sehr verdient gemacht; denn sein ^tainiiilager Tachan ist das Vager, das von allen bestellenden »nd benandenen Konzentrationslagern die meisten Morde und die Ichliminsten Mißhandlungen anstveisen kann. lieber>lt Ermordete und deren Mörder können namentlich genannt werde«! I5irte, der seit oitiii 1933 Lagerlvmmandanl ist, bat die zuerst etwas ivahllos gewesene« Morde und Mischandlnngen innematilch organisiert. Ganz besonders grausam en masse mißhandelt wurde d i e I u d e n t o m p a n i e, die ans z:rra.liiden bestand, die last alle ans dem Streichergan stammten, Von politisch j« Nürnberg und Fiirtl) tätig ge- weieiifn Juden ivurden 12 verhaftet, davon ivnrden in achan.« ermordet lteils ans der ,Flucht erschossen, Herzschlag d. h. totgeprngelt, teils„Selbstmord"! Nur z iv e i w u r d e n entlaiieii^i e,n 9»iähriqer alter Arzt im Frühjahr l!>:!-! !.!•* Äl, /!!.V. ci"^lemaliger marristischer Funktionär. >.n Frublabr l i.il»ach iz Monate langer Haftdauer Ent- lanen wurde von de» aus Nürnberg verhafteten poli tische»^nden bis jetzt nur einer, summarnm drei! llnd das im Verhältnis Veten! zu also nenn nicht- summa Ermor- im Venten be- Vager zum Von den insgesamt in Tachan Gemordeten ist ebenfalls der gronte Prozentsah Inden und zwar meisten^ politisch tatig gewesene Juden Im Konzentrationslager Tachan sind heute immer noch zirka tili Juden. die dort seit ein- einhalb fahren schmachten. Nur ganz vereinzelt läßt man sie heraus, alle halbes Jahr mal einei^vder zwei und da nur die harmlosesten Opfer » s-"^ en"«US Tachan ein Jude mit sl?!. 0 r ri. t«-*»'$}rt"n CII Ijc 11 herauskommt, so ist das ein halbes LÄ r; i'jcle dieser.luden sind von den heimatlichen welüd».^igegeben. Aber die Bäurische Politische Polizei wurden mÄb x C' f CII v.,'" cl- öic iklilimmsten Greuel verübt .Listen„lebende Greuel" sind,.veil Narbe» l,al,-w v»" Wersen häusig singertiese Cd)se«*iemei h»?«f" 0" wunderten von Schläge» mit den, Nelches" lü ef[«l, tl1' u! 0(1* Prestige des„dritten Vel? bina,,»^amabel.„lebende Greuel" in die Änstrenaunaei, tu r^'"' f"' doch alle krampshasten ..^" Hitlers, die Greuel als Emigrantenlügen auch die volit'iim. aber ansnahmsiveise Mii... ,! i. l|rl\ c^'lizei nch nicht sehr stark gegen die C5,it GrünnenkisN Ä" u'ebrt dann ist es bestimm, der mit L 1^ c' cr*" c Entlassung ablehnt oft aefi itri h«?'«?"T"* en^^'anptilngen. z. B. hat sich schlecht »erfnrfi rt ernniu f" zum Ausland, hat einen Flucht- liü> fei,. r 11' l' c,c" Vcbauptunaen ist natiir- wahr Eicke hat das schon von .dic wegen ihrer„guten Rührung zloipoialschattstnhrer" ernannt wurden. Seit ungefähr einem Jahr ist nun Eicke dazu«berge- b'f u il,rc?eisti«e und politische znräumen«efahrltch erscheinende,, Jude» weg- Begonnen hat diese Attacke mit dem Mord an dem Vager- arzt Tr. Jfop. Katz hatte in dieser Eigenschaft zu viel ge- sehen und zu viel Mißhandelte sind unter seinen lungern verstorben. Gleichzeitig mit Katz kamen in Arrest der be- kannte Rechtsanwalt Tr. Rosenielder und der komm«- nistische Funktionär S t i e b e l. llnd dieser Arrest ist der „organisierte Mord" des Vagertommandanlen Eicke. In diesen.Zellen, die teils vollständig dunkel, teils mit Ketten ausgestattet sind, gemauerte Betvnkärge, werden die Ge- fangenen vollständig von ihren Kameraden abgesondert, langsam zu Tode gequält,»alz hat sich angeblich an dem gleichen Tag, an dem er in einem solchen Sarg verschwand, ausgehängt. Stiebet und ilioienselder waren bis März— man stelle sich vor- sechs Monate vollständige Tnnkelhast, alle drei bis vier Tage nur warnies Esten, sonst Waster und Brot, dazu endlose Mißhandlungen in diesen Beton- zelten, dann Hai man ihnen erst de».Mund geschlossen, denn der Mörder Eicke ist zu feige, der Welt gegenüber seine Mißhandlungen an den Gefangenen einzugestehen, darum müssen sie sterbe». Tas Vager hat dann im März nur den Sarg von Stiebet ausgeliefert, Rosenselder wurde wahrscheinlich im Vager verscharrt, aber von offizieller Seite wurde seinen Angehörigen erklärt, Tr. Rosenielder sei„ent lassen", und die französische Viga für Menschenrechte hätte ibn sofort nach Frankreich gebracht. Bon dieser Rolle, die sie gespielt haben soll, weift am allerwenigsten die französische Viga für Menschenrechte..Ihr Name wurde nur in seiger Buben weise mißbraucht. Seit dem April 193x1 ist im Vager Tachan ein Jude, Erich Gans, Prokurist, Mitglied der Rote« Gewerkschaits- Opposition. Im April 1934 wurde er von den anderen Ge- fangenen hinweg ohne Begründung in de« Arrest, in einen dieser oben erwähnten Betovsärge verbracht. Seit dieser Zeit hatte er weder seinen Elter» noch seiner Braut, die sich hente noch im Franengcsängnis Vandsberg a. Vech befindet, schreiben Dürfen. Tie Eltern, die um ihren einzigen Sohn bangten, schrieben der bäuerischen Politische» Polizei, sie fürchten nm das Velten ihres Sohnes, man möge ihn verurteile», wen» er irgendetwas verbrochen habe. Taraufhin wurde ihnen durch die Nürnberger Politische Polizei mitgeteilt. Erich Ganz habe nur vorübergehend Schreibverbot gehabt, er würde nun wieder jeden«onntag schreiben. Es kam aber nur eine Karte:„V i e b c E i t e r i,. Warum ängstigt I l> r Euch, w e n n ich einmal nicht schreibe?" Tann kam nichts mehr. 4.ns war im Mai 1934. II n d seht i»i O t t o b e r b e k a m e ir sie die Todes Nachricht! In sieben Monate langer Tuntelhast zu Tode geouält! Gleich zu Beginn seiner Verhaftung von der PA. in Rürnbera verprügelt, im Lager wieder mißhandelt, den ganzen Winter über zusammen mit den anderen Juden und kriminellen Gefangenen schwere Strasardcit in dc Kiesgrube— und im Frühjahr Tnnlelhalt, im.v>etb|t Tod. (firfc organisiert die Morde in Tachan nach seiner dnmm- schlon, pfilsiaen Art: er bildet sich ei», wenn er verhindert, daß seine SS.-Leute die Gefangenen im Beisein ihrer Name- laden töten, wie es in der ersten Zeit des Bestehens des Lagers häusig der Fall ivar, dann könnten entlassene Ge- fangen«, weil sie nichts gesehen haben, auch keine Greuel mehr verbreiten. Er nimmt an, daß. wenn die Gefangenen erst einmal ein paar Monate im Arrest iterlchw'nden»nd keinerlei Lebenszeichen von sich geben diirien.»e allmatl- lich in Vergessenheit geraten, und dann kann man>a mit ihnen endgültig Schluß macheu. Vielleicht macht es ihm auch Vergnügen, seine Opser erst noch ein paar Monate zu q„ülen. ehe er sie umbringt. Aber er vergisit, daß das Ge- ni ffen der Welt wacht! Tas gleiche schwere GesangenenloS wie GanS hat der kommunistische Iunktionär Diplomingenieur W a l t e r B u tz e n g e i g e r, der seit März 1988 in Tchntzhalt. sich seit März 1931 in Tnnkelhast im Lager befindet. Tie Frau Bnhengeigera befindet sich, ebenso wie die Braut des er- mordeten Erich Gans, schon seit April>933 in Schutzhaft im Frauengefängnis Landsberg a. Vech. Mar Hans Kohn, ehemaliges Mitglied des Repiiblika- niichen Stndentenbnndes Erlangen und Mitglied der SPT., befindet sich schon seit März 1983 in Schutzhaft. Wenn das Ausland nicht über sein Leben wacht, wird cr eines der nächsten Opfer Eickes fein! Mar Hans Kohn ist derart mißhandelt worden, daß fei» Rillten von den Achseln bis zu den Knien übersät ist von sich überkreuzcnden singertiefen Narben, außerdem hat man ihm ein Stück des Fingers abgeschlagen. Bei der Strafarbeit in der Kiesgrube ivnrde er während der ganze» Wintermonate ständig mit Gewehrkolben und Faustschläge» zur Arbeit angetrieben und mußte ebenso wie d'e anderen in wahnsinniger»~'c£e arbeiten. Nachdem er eines Tages wieder einmal ganz besonders schwer bei der Arbeit mißhandelt wurde, bekam er den Befehl:„Obne Last im Laufschritt, marsch, marsch!" Kohn rannte ungefähr fiini- zig Schritte, daraufhin wurde ans ihn geschossen— also ein fingierter Fluchtversuch. Ter betreffende SS.-Mann konnte zu», großen Acrger des Scharführers, der den Befehl gab, nicht gut schießen nnd traf Kohn nicht tödlich, trotzdem er viermal schoß. Er brachte Kohn lediglich eine Ein- und Ans- schnßöfknnng im Gesäß und eine Wunde im Oberarm bei. Eicke gibt nun beute der politischen Polizei an. er könne Nohn nicht entlassen, weil er sich schlecht geführt bzw. einen „Fluchtversuch" unternommen habe. Hitlergegner! Lenkt die Aufmerksamkeit in aller Welt auf das Mordlager in Tachan nnd anf den Massenmörder Gruppenführer Eicke. nalusdika Der Massenmörder ist von den deutschen Naris begeistert Budapest, Ii. Nov. In dem in Budapest jetzt stattfindenden Prozeß gegen Mainschka. der vor einigen Iahren einen internationalen Schnellzug beim Viadukt von Via Tor- bagy in die Luit sprengte, wobei 22 Menschen»ms Leben kamen, wurde erörtert, wie Mainschka eine Nummer des von Goebbels herausgegebene»„Angriffs" kaufte»nd diele mit Reißnägeln an einer Telegrasenstangc befestigte, nach- dem er vorher daraus geschrieben hatte:„Sieg! Sieg! Tieg. Attentat! Revolution!" Es ivar dies zur Zeit, als Matuichta lein Attentat auf einen bei Jüterbog in Teutschland durch fahrenden Schnellzug verübte, wobei Menschenleben nicht zu Schaden kamen. Mainschka erklärte vor Gericht, er wußte, daß die RSTAP. damals vor einer Wählerversammlung stand, er wollte den Anschlag durchführen, damit die Nazi- Partei siege. Präsident: Tas Blatt brachte einen Aussatz mit der lieber- schritt:„Adolf Hitler schlägt den Feind". Sie haben den Titel unterstrichen und mit drnckähnlichen Buchstaben hinzugefügt:„Iud!" Was wollten Sie damit? Matuschka: Meine Prädestination ist, die Atheisten z» be- kämpfen und die Inden. Ich hielt hierin die Hitlerpartei für meine Bundesgenossin. Tie Inden aber... Präsident fnnterbrechendi' Ich habe Sie schon einmal daraus aufmerksam gemacht, sich davor zu hüten, andere an- ständige Menschen oder Institutionen hereinzuziehen. Hüten Sie sich davor, die Tätigkeit einer politischen Partei, an deren Wirken sich die Seele einer großen Nation knüpft, in Ihre Tinge hineinznzerren. Tie Hitlerpartei pfeift au' Ihre Unterstützung. Sie wollten diese Partei kompromit- tieren. Mainschka: Niemals dachte ich an so etwas. Nach den Ungarn liebe ich die Deutschen und die Lesterreicher am meisten. Otto Sfraßer an Dr. frich Der nationale Revolutionär an den. natlena'en' Sdileber Herr Minister! Sie haben am 3. November einen Erlaß unterzeichnet, der mir„die deutsche Slaalsbnrgcrschalt aberkennt". Tie Begrün- dung, die ich am Radio mitanznhören zufällig Gelegenheit hatte, lautete: „Tr. Otto Straßer ist ein führender Agitator gegen das nationalsoz oltsti.che Teuljchland: er hat zu diesem Zweck in Prag ein Aktionskomitee als ,.T«u«Iche Gegcnregiernng" gebildet. Er ist ein Hoch- und Landesverräter." Ich habe diese» neuen W n i a n s b r u ch des S n st e m s gegen mich mit einem iKitcrcn und einem feuchten Auge zur Kenntnis genommen. Mit Heiterkeit erfüllte mich die seltsame Ironie des Schicksals, daß ausgerechnet ei» Kriegsdrückeberger wie Sie. einen Frontjoldalen, von denen Verdiensten um Teutschland nicht nur seine Orden, sondern auch seine Wunden zeugen, ans der Genteinichast ausschließt. Taft ausgerechnet ein Mann, der erst vor kurzem und aus k r u m m iv i n k l i g st c Art die deutsche Staats- b ü r g e r s ch a s t erworben hat, nun deutsche M ä n» e r„a usbürger 1", deren Vorfahren— wie das z. B. bei dem gleichfalls derart geehrten ailt gerade der Herbeiführung eines naiionalsozialistitche» Teutschlands, gilt dem Ausbau des d e n»s ch e n Sozialismus, der Errichtung der ständischen S e l b st v e r w a l t u n g und der Ve- gründung der Europäischen Föderation, weil wir nur in dieser fundamentalen Neuordnung des wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und staatlichen Lebens eine Zukunft für Teutschland und Europa zu erblicken vermögen. Deshalb kämpfen wir gegen das Hitlersystem, da» in der Kombination Hitler-Schachr hen Kapitalismus, da» in der Kombination Hitler-Geftapo den Terror, da» in der Kombination Httler.Göring den Krieg bedeutet! Wo ist der Plann, der mir und meinen Freunden Mangel an Vaterlandsliebe, an nationalem Ehrgefühl, an Einsatz für Volk und Vaterland nachsagen kann?— Selbst iveiin sich ein käufliches Individuum solcher Art fände, so würden ihn die Vlätter der Geschichte des banriichen Feldartiilerie-Regi- mentS Nr. l und des Freikorps Epp Lügen strafe», ivie nicht minder die Jahre nach dem Krieg, die ausschließlich erfüllt sind vom Kamps für die nationale Befreiung und soziale Ausgestaltung Teutschlands. Tiefe Stärke des guten Gewissens, diese sieghafte Kraft der Wahrheit setze ich Ihren Ehrabichnei- düngen und Verleumdungen entgegen und weiß, daß meine Freunde von der Schwarzen Front, daß darüber hinaus aber alle anständigen Tonischen die gleiche Unterscheidung von Wahrheit und Lüge treffen. Zum Schluß dieses Brieses, der Sie aus dem Umweg über die lvestapo so gut erreicht, wie mich seinerzeit Ihre freund- liehe Warnung vor Görings Mordkollonnen erreichte, danke ich Ihnen und dem System, das Sie heute vertreten, daß Sie mich durch dielen Akt der Ausbürgerung von jeder auch noch so losen G e m e i n s ch a f t mit den Mördern mei- ii e s Bruders befreit habe», tprt, iif"e und der in mir seine» Rächer desien Wert findet. ich Heil Teutschland Tr. Oito Straßer. »er Sdiarlrlditer „Legaler" Mord früh wurde der der 193:! durch trn- Re Frankfurt a. M.. in. Nov. Samstag here Kommunist Joses Re Hinget, volvcrschnne den Iltjährigen SA.-Mann Hans Handwerk tötete und dessen Bruder verletzte, hingerichtet. Ter preußische Ni i n i st e r p r ä s id e n t hatte e S ab gelehnt, von i e i ii e m B e g n a d i g n n g s r eck t G e- brauch z n mache n. Reitinger habe, wie die Inftizprcffe- stelle dazu bemerkt, mit kaltblütiger Entschlossenheit das ichlonenheit das Leben eines hoffnungsvollen nationalsozialistischen Kämpfers vernichtet und weitere Menschenleben gefährdet. Wie man sieht, handelt es sich um einen politischen Zu- iainmenstoß aus dem erbitterten Kampljal^re 193.'. In diesem Jahre sind viele Kommunisten und Sozialdemokraten von Nazis verwundet und getötet worden. Nun. nachdem die Nazis regieren, nehme» sie blutige Rache an Gegnern, auch wen» dicie nur im Berdacht stehen, an solchen Zusammen- stößen beteiligt gewesen zu sein. Gefährlidie Wahrheit „Ter Redakteur des„Bote an der Weser" wurde aus die Tauer von einem Mona, in der Verus»liste der Schrift- leiter gelocht, weil er Kritik an dem Parteigericht der NSTAP. geübt nnd ivahrheltsivtdrige Behauptungen über die Vorgeschichte der Errichtung des Schlageterkreuzes auf der Porta Westfalica aufgestellt hat."^Reichsdeutsche Meldung.) Er wird waljrheitswiörigerweise die Wahrheit gesagt haben! Goebbels rnaftt Schule In Oesterreich Wien. 8. Nov. Ter Ministerrat beschloß ei» Gesetz, nach dem die Herausgabe einer Zeitung. Zeitschrift oder ZeilungSkorrespondenz an eine beiondere polizeiliche Bewilligung geknüpft ist. Diese kann wegen nicht einwandfreien staatsbürgerlichen Verlmltens verweigert werden, außerdem kann die Bewilligung jederzeit widerrufen werden. Auch die bestehenden Blätter müssen um die Bewilligung anjuchen, doch gilt diese»ach Ablauf eine» scäiswöchige» Frist als erteilt, wenn kein gegenteiliger Bescheid eriolgt. Wie wir dazu erfahren, stehen überdies die Vorarbeiten für eine grundsätzliche N e n r e g I n n g im Ze i t u n g S iv e s e n unmittelbar vor dem Abschluß. ES ist geplant, für die M't- arbcitcr nnd Redakteure an Zeitungen»nd Zeitschriften be- sondere Zulassuilgsbedlngungcn festzusetzen, die ähnlich dem deutschen Schristleilcrgcsctz geiegel, wer«» solle». Verum«- lief) wird diese Ncureglnng im Rahmen des berussständiillien Neuaufbaues vorgenommen werden, wobei die vaterländische Front als entsäicidcndc Instanz bestimmt werden dürste. .Alter Kampier" Vom Tarmstädter Schöffengericht wurde der SA-Mann S ch n e l l b a ch e r VI zq Lindeiifels zu s e chs Monaten Gefängnis verurteilt. Schnellbacher hatte, rein ans rohcstem Uebermut, die Gäste eines Lokals überfallen, sie niedergeschlagen und viehisch aus ihnen herum- getrampelt. Einer der Mißhandelten, ein älterer Mann, der das Wadenbein gebrochen hatte, mußte i n s Krankenhaus gebracht werde». Tie sechs Monate wird der Schnellbacher nie absitzen brauchen! Was er trieb, war ja schließttch nur National- sozialiSmus in der Praxi»! %>eutsdke ftimmen• Beilage zur.Qeutsdien Jtciheit• treignisse und Qesdkiditen .■ Di« seuanhang Denn das Bedürfnis hoffnungsarmer Schichten narh Lrlösungsillusionen ist sehlechthin grenzenlos. Alle Religionsstifter ebenso wie alle sozialen Scharlatanerien profitieren von diesen wirklichkeitsfremden Erlösungs- träiimen, während alle gesunden, der kritischen Erkenntnis folgenden Bewegungen den irrationalen Illusionsdrang zum Feinde Italien. V\ ill man eine Serie dieser Traumverirrungen anführen, so braucht man keineswegs his ins Mittelalter zurückzugehen. Hie neuere Geschichte der Sektenbildung genügt. Erst vor einigen Jahren stampfte in Amerika ein kleiner zwerghafter Neger eine Millionensekte aus dem Boden, der er kein anderes Heilsrezept predigte, als Sorglosigkeit, Heiterkeit, eich nicht um den nächsten Tag sorgen, getreu dem urchrist- lieben Wort:„Seht die Vögel unter dem Himmel an.. Diesem kleinen Neger, der immer von vier riesenhaften schwarzen Walküren flankiert war, strömte das Geld nur so zu, er predigte in luxuriösen Hallen, lebte wirklich sorglos und elegant, das Gericht machte ihm wegen Betrugs den Prozeß, aber seine Anhänger blieben fest. Millionen Neger sahen in ihm den schwarzen Messias und verübelten ihm beinahe, daß er sich nicht als solchen ausgab. Denn so oft auch die verschiedenen Erlöser versagten, so oft haben»ich doch durch alle Jahrhunderte hindurch immer wieder Jünger und Massen gerade für die irrationalsten V• rheißungrii gefunden. Wir skizzieren hier einige dieser lehrreichen, sehetnmessianischen Wünschtraum-Bcwegungen, die schon aufgeklärteren Zeitaltern entwuchsen. Geschäftstüchtige Propheten Um die. Mitte des neunzehnten Jahrhunderts verlassen 16 000 Menschen den wohnlichen Osten der Vereinigten Staaten und wandern in den wilden Westen. Sie nennen sich Mormonen, glauben an ihren Propheten loseph Smith und gründen die großen Mormonen Siedlungen im wilden Westen, um sich dort auf Weltuntergang und tausendjähriges Reich vorzubereiten. Eine„Stadt des Heils" entsteht am Ufer des Michigansees. Hier herrscht der Prophet John Dowie und das bevorstehende tausendjährige Reich wird gleich mit rationeller Bodenspekulation verbunden. Denn Dowie ist ein guter Geschäftsmann, was ihn nicht hindert, sich den„dritten Elias des neuen Reiches" zu nennen. Aber dieses Zion City wirft nur anfangs fette Dividenden ab, der Bankrott läßt nicht lange auf sich warten und der Prophet Dowie landet wegen unehrlicher Manipulationen vorm Richter. Aber nichts vermag den Glauben der Jünger zu erschüttern. und noch heute sind die Mormonen von Zion City davon überzeugt, daß der predigende Bushinesman ein Abgesandter Gottes war. Der andere Mormonen-Prophet. Josef Smith, bluffte methaphisischer. Er wollte, von Engeln geleitet, in einem Hügel bei Palmiro(Staat Neuyork) eine neue Bibel gefunden haben— auf Goldplatten geschrieben, in einer Kiste deponiert. Es fanden sich Leute, die ihm ihr Vermögen für den Druck des..Buches Mormon" und für die Propaganda des neuen Glaubens opferten. Als einige Jünger die Neugierde nicht mehr zähmen konnten und durchaus einen Blick in die Kiste tun wollten, war sie leer. Einige Stunden später jedoch glauben die drei Jünger bereits, die heilige Schrift gesehen zu haben— und Smith bleibt der große Prophet. Der wiedergekehrte Heiland Zahlreich und erfolgreich sind jene Narren und Schwärmer, die in allen Ländern auftauchen, sich als wiedergekehrte Heilande ausgeben und Massen gläubiger Anhänger um sich sammeln. Zu diesen Heilanden gehörte auch die zwei- und zwanzigjährige Büglerin Anna Lee, die 1760 verkündete, sie sei die..zweite Verkörperung Christi". Eine Sekte hängt sich an ihre Fersen. Anna wird von der Obrigkeit verfolgt und geht mit einer solchen Schar„Shakrr" nach Amerika, gründet am Hudson religiöse Gemeinden; ihr Grabmal ist für die Shakergemeinden noch heute ein Wallfahrtsort. Sie enttäuschte ihre Anhänger immerhin weniger als jene Magd Johanna Southcott m Südengland, die eines Tages »DU Qedcutkm sind fteil« DU JCcitikastec CeBrn noch- Boshaftes JCaBacett im VoChsfiedtoa Der„Deutsche", das Organ der Arbeitsfront, hat im „dritten Reich" etwa» entdeckt.worüber er sich entrüsten darf. Der„Deutsche lobt alles, den Lohnabbau und die Zwangsarbeit, den Hinauswurf junger Arbeiter aus den Betrieben und den Unterstütpingsraub— jetzt aber darf er sieh endlich mal entrüsten, und er tut es mit einem Feuer, mit einer Leidenschaft, als gelte es, das„dritte Reich" zu retten- Der„Deutsche" schreibt:• „Dieses Kabarett„Alt-Bayern" ist ein Skandal. Es ist es um so mehr, als hier rein formal das Unerhörteste geleistet wird. Dir Leute können was! Das ist nicht zu leugnen. Aber weil sie etwas können, weil hier jede Nummer raffiniert durchgefeilt ist, jede» Wort auf Anhieb sitzt, jede Geste bis ins Kleinste vorstudiert, jedes Chanson, ja jedes Volkslied mit einer unglaublichen Bosheit hingestellt wird, gerade deshalb ist dieses Kabarett eine Unmöglichkeit. Wenn dies» Leute das Volkslied:„Die Gedanken sind frei" singen dann ist das eine niederträchtige Bosheit, wenn diese Leute vom fetten Unterkinn, von Orden usw.. die wieder modern»ein sollen, sprechen, dann ist das kein Witz mehr, sondern eine.Verhöhnung... Sie können alle viel. Und doch weiß jeder einzelne im Publikum, was da gespielt wird. Die niemals aufbauen wollten, weder künstlerisch noch politisch, die niemals tief im Boden einer Heimat gewurzelt haben, die niemals begriffen haben, was inzwischen im Volke vorgegangen ist — die sind wieder da!" Die sind nicht nur„wieder da"— die scheinen sogar sehr viel Anklang zu finden. Wenn das Publikum, das„weiß was gespielt wird", Aeußerungen des Mißfallens von sich gäbe — der„Deutsche" griffe sie mit Freuden auf, wenn das Kabarett leer wäre(und nicht gefüllt bis zum letzten Platz), der„Deutsche" teilte das mit und nähme die ganze Lache weniger wichtig. Aber das ist es ja gerade: wo im deutschen Zuchthaus einer den Mut findet, auszusprechen, was Millionen andere denken, da strömen ihm die Menschen in Scharen zu, wenn heute in Theatern oder Kabaretts eine danehengrerhaltete Bemerkung fällt, wird sie im ganzen Lande weitergegeben, wird sie aufbewahrt, wie ein seltsame Kostbarkeit. Und daß die Leute vom Kabarett„Alt-Bayern" etwas können, ist durchaus kein Zufall. Alle Mittelmäßigkeit, alle .Unterwertigkeit sammelt sich in den offiz iellen Ewtei- An die JMegulen behauptete, sie sei das im zwölften Kapitel der Apokalypse verheißene schwangere Weib, das den neuen Heiland gebären werde. Apostel finden sich, und bald pilgern Scharen überzeugter Jünger zur neuen heiligen Jungfrau, stiften große Geschenke, harren des großen Augenblicks der Jesusentbin- dung. lassen ein goldenes Bett bauen, warten unverdrossen vor Johanna» Haus— warten selbst dann noch, als die Mcssiasgebärerin in diesem Prunk bell starb. Zynisch, wie Aerzte sind, öffneten einige von ihnen den Bauch der Heiligen— er war leer. Worauf ihre Anhängermassen die ungeduldige Welt für das Fiasko verantwortlich machten. Zu einem Messias der Juden wurde 1666 der Sohn eines Smyrnaer Händlers, der vierundzwanzigjährige Sabbatai Zewi. Die Not der Juden war groß, ein paar Predigten über seine Berufung genügten— und schon erkannte eine Schar Frauen in ihm den längst erwarteten Erlöser. Zum König der Juden gekrönt, von Massen urajubelt, unterzeichnet er seine Dekrete:„Ich, der Herr euer Gott, Sabbatai Zewi", Da der Sultan einen jüdischen Aufstand befürchtete, stellte er dem Messias ein Ultimatum: entweder den Märtyrertod auf sich zu nehmen, oder öffentlich zum Islam überzutreten und Türhüter im Serail von Konstantinopel zu werden. Der Gottgesandte entschied sich für das letztere, aber der Glaube seiner Ghettogefolgschaft blieb ihm treu. Hatte nicht auch Moses eine Zeit am Hofe de« Pharao weilen und die Kleider der Aegypter tragen müssen? Massenpsychosen sind gegen Entlarvungen der Hauptfigur immun. Der Mahdi und der Kulikönig Aon politisch größerer Tragweite und erfolgreicher waren zwei andere Gottgesandte des Orients. Der eine begann als dürrer mohammedanischer Asket und Bettler, predigte korantreue Enhaltsamkeit, wollte den rechten Glauben wiederherstellen und damit das grenzenlose Reich Mohammeds, sammelte im Sudan eine Armee um sich, schlug damit die Feinde des orthodoxen Islam— und endete dick, fett, unbeweglich, ein Zerrbild«einer Lehre. Der andere, der arme epileptische Student Illing Hsin-tsung aus Kwangtung in Südchina, verkündete im Reich der Mitte einen neuen Glauben, um China von der Fremdherrschaft der tsrtarischeu Dynastie zu erlösen. Zu den Knechtschaftszeichen gehörte der Zopf — herunter damit! Massen schließen sich dem Kulikönig an, ganze Divisionen gehen für ihn gegen die kaiserlichen Truppen vor. Sein unaufhaltsamer Siegeszug führt ihn durch das Riesenreich bis Nanking,»einer künftigen Residenz; er selbst bezeichnet sich als Sohn Gottes und jüngeren Bruder Christi, richtet sich in der Macht wohnlich ein, läßt seine Anhänger für den neuen Glauben kämpfen und sterben, zieht sich in»einen Palast zurück und ergibt sieh dunklen Ausschweifungen. Unbequeme Mahner läßt er hinrichten. Ein volles Jahrzehnt behauptet«ich seine Herrschaft in nenn Provinzen. Wie das Reich des Mahdi von einem englischen Expeditionskorps, so wurde das Hung Hsin-tsuugs schließlich von tartarischen Truppen und einem internationalen Expeditionskorps vernichtet. Beide gaben sich als Gottgesandte und„Erneuerer ihres Volkes" aus, beide versprachen das große neue Reich de» Heils, beide wurden von ihrer Zeit rasch üherrannt, beiden blieb trotz allem der Nimbus ihrer ehemaligen Rolle his über den Tod hinaus treu. Der Asket aus Braunau Die aus diesen Beispielen sich ergehenden Parallelen zum verrücktesten politischen Erlöserrummel unseres Jahrzehnts drängen sich geradezu hestürzend auf. Auch hier der Traum verwirrter Millionen vom auserwählten Retter, auch hier fabrizieren interessierte Jünger einen asketischen Gotlge- sandten und sein Bild hängt neben Jesus; auch hier der Tausendjahres-Srhw indel, die„neue Religion", die Verfassung alles realen Denkens, die Anrufung Gottes bei jeder öffentlichen Gelegenheit, das Doppelkinn des reich und fett gewordenen Alich-Asketen,»eine guten Geschäfte und Luxuspaläste, die Hosianna rufende Komparserie, das Festhalten von Abermillionen am längst ramponierten Traumbild, denn: „Der Führer weiß es nicht..." Die Konfusion im braunen Lager ist echt und eigene» Gewächs, die Regie ist abgeschrieben. Die Oberbonzen des ..dritten Reichs" haben die Geschichte des Massenbluffs gut studiert. B. Br. t Ihr blicht in Deutschland, ihr seid zu Hause, Und doch lebt ihr mitten im feindlichen Land, Gcheftl und geächtet. Der dümmste Banause Hat euer Schidrsul in seiner Hand. So schleicht ihr durchs stöhnende Dunkel der Jährt Und tastet zum Bruder euch mühsam heran; Ihr flüstert nur cor der Erschlagenen Bahre Und rings um euch zieht sich ein schweigender Bann. SS,. Gestapn und Zuchthaustnauern Hunger und Folter und Henkersbeil, Das sind die Feinde, dir euch umlauern: Aber die Menge, die feige, brüllt..Heil!'' Opfernd und kämpfend, ohne zu prahlen So lebt ihr Treue und Lauterkeit. Ihr seid die eisernen Illegalen. Die einzigen Helden in schändlicher Zeit! H o r a t i Q. JCeCdischec Einsatz Die letzte Reserve für das deutsche Buch Im„dritten Reiche" lebt und webt die„Woche de» Buches". In Berlin leitete sie Goebbels durch eine große Rede ein. Der Herr Propagandaminister ist gegenwärtig auf allen Gebieten etwas pessimistisch In seiner Rede leuchtete keine große Hoffnung auf den Liegeszug des neuen braunen Buche». Es soll dem Volke nah sein— aber das Volk mag es nun mal nicht. Die..Kölnische Zeitung" sagt es ziemlich deutlich: „Neben den verzweigten und schwierigen Erklärungen gibt es eine einfache noch: zu den kulturellen Dingen, wie dein Buch und dein Buchkauf, gehört entweder ein kleiner Ueherfluß(und der ist heute fast nirgend vorhanden) oder der Wille, sich das Buch sozusagen vom Munde abzusparen. Früher hat man das getan, heute tut man es selten; worin liegt wohl der Grund? Einmal darin, daß in Deutschland der Glaube an das geschriebene und gedruckte Wort wankte; zum andern darin, daß es Leute genug gab, nicht zuletzt Intellektuelle, die diese an sich vielleicht nötige und nützliche Krise durch Generalangriffe auf den schöpferischen Geist unnötig und gefährlich verstärkten. In diesem Sinne verfocht Dr. Goebbels das Recht und den Anspruch volkstümlich schlichter Dichtung, nach ihrem Entstehen„braucht man nicht zu lamentieren, daß das Buch das Verhältnis zum Volk verloren habe, weil das Volk dann das Verhältnis zum Buch wiederhergestellt hat". Aber auch hier soll man sich vor Optimismus hüten und soll sich bewußt bleiben, daß sehr oft das gute Buch nur durch den zähl- seilen, heldischen Einsatz der Verleger, Buchhändler und Dichter durchgesetzt werden kann." Der zäheste und heldischste Einsatz wird nicht viel helfen. Wenn die Deutschen dir Wahl zwischen einem Brot und einem von der zuständigen Parteistelle abgestempelten Buche haben, so dürfte ihnen die Entscheidung nicht schwer fallen. Jüdische iOeisfieii Beklage nicht das Vergangene, sorge nicht um die Zukunft, sondern versuche, aus dem Heute das Beste zu machen. Der ist weise, der einen Bekannten wie einen Freund behandelt. und der ist töricht, der einen Freund nur wie einen Bekannten behandelt, und wer Freunde und Bekannte wie Fremde behandelt, dem ist nicht zu helfen. Es kommt nicht auf die Art und Weise au. wir ein Mensch seinen Gott verehrt, sondern auf die Innigkeit und Aufrichtigkeit. Wahrheit allein kann Erfolg haben. Unwahrheit ist Zeitvergeudung und Kräfteverlust. Wenn der Mensch den Ozean betrachtet, so kann er davon nur den Teil sehen, der in seinem Gesichtskreise liegt. Genau so ist es mit der ewigen Wahrheit. Inayst Khan. Das JSeispiet Der berühmte Chirurg Bergmann war als Schulknabe keineswegs fleißig. Eines Tages hatte sein Lehrer einen Preis ausgesetzt für den besten Klassenaufsatz über das Thema;„Was ist Faulheil?" Bergmann lieferte stolz den längsten Aufsatz ah— drei Seiten! Auf der ersten Seite stand„Das" Auf der zweiten Seite stand„ist" Auf der dritten Seite stand„Faulheit". Er bekam den Preis. theatern, die ihr Publikum zwangsweise requirieren. Die etwa« können und drüben geblieben sind, haben den gleichgeschalteten Kun»tbeti ieb, haben die knechtische Blut-, Boden- und Speichelleckerei, haben den sturen braunen Dilettantismus bis zum Erbrechen satt. Darum opponieren die, die etwas können, und dtrudf können die etwa», die opponieren. Die üble Denunziation des Arbeitsfront-Reptils wird den „Alt-Bayern" vielleicht den Mund schließen— aber das „drite Reich" ist damit noch lange nicht gerettet. Eine Herrschaft, die den Witz, die das Lachen fürchtet und erstickt, steht auf schwachen Füßen. Zehn, hundert Kritiker kann man zum Schweigen bringen, zehntausend neue stehen dafür auf, und ihre Stimmen werden lauter von Tag zu Tag. Wie heißt es in dem verpönten Volkslied, das zu singen eine „niederträchtige Bosheit' ist?„Denn unsere Gedanken, sie brechen die Schranken und Mauern entzwei..." Di« Kerkermguern nämlich. Da hilft kein Maulkorb' tfdlkar In Sturminlfnn Nr. U Völker in Im Spiegel der Erinnerung- im Geiste des DInnitag, 11. Nnvambnr(«4 Der 9. November Von Rene Schickele Rene Schickele veröffentlichte im Jahre 1919 eine kleine, inzwischen halb vergessene Schrift:„Der neunte November". Sie ist eine packende Darstellung von Erlebnissen und Stimmungen an der Wende von 1918 zu 1919, geschrieben von einem leidenschaftlich Mitfühlenden. Vielleicht reizt die Schrift heute viele zum Widerspruch— wie Rene Schickele wohl auch manches heute mißbilligen mag, was er damals niederschrieb. Aber das mindert die Bedeutung dieser Kapitel nicht herab. Der Ruf an den Geist und an seine Verantwortung gilt heute noch stärker als damals. 3. Fortsetzung Die feindlichen Brüder Hier muß gesagt werden, daß kein Militarist von gestern und heute irgendwoher eine Berechtigung herleiten kann, gegen die Bolschewik! auch nur mit einem Hauch zu protestieren, und wenn diese für ihr Ideal sogar halbsoviel Menschen opferten wie sie, die Militaristen, mit Begeisterung für ihre ungleich zweifelhafteren„Ideen" iiher Bord geworfen hahen. Ausgesprochen muß werden, gerade von uns, für die der Terror, gleichgültig welcher Art, die Aufhebung des Begriffes Mensch is*: die Aufhebung alles dessen, was das Leben, das arme nackte Leben lebenswert macht: sogar dieses und erst recht ein von Erdenfiille strotzendes Dasein, für dessen Erhöhung es keine andre Hechtfertigung giht, selbst wenn der Ti eg zu jenem höheren Leben: zum„Reichtum", zum„Luxus" jedem einmal offen steht, dessen.Nerven feiner und stärker sind als die der andern: und den die geheimnisvolle Macht, Talenl genannt, über den Werktag hinaushebt, ihn tiefer in sieh hineinsenkt, zur selbstsüchtigen Schöpfung, zum Hochgenuß der Welt, laut und deutlich müssen wir aussprechen, schon um kein Mißverständnis und dadurch falsche Verbündete aufkommen zu lassen, daß der Volkskommissar der Auswärtigen Angelegenheiten I sohilseberin mit seiner Antwortnote auf die Beschwerde der neutralen Staaten vom 5. September 1918 über bolschewistische Grausamkeiten im Recht war— im Hecht, wie es den Menschen bisher recht war— Punkt um Punkt im Recht, als er unter anderm zweierlei feststellte: 1.„Alle diese Bilder der Ausrottung der Arbeiterklasse im Namen der.nteressen des Kapitals, all die Bilder des weißen I errnrs der Bourgeoisie dem Proletariat gegenüber sind den Regierungen der neutralen Länder und ihren Vertretern in Rußland mehr als wohlbekannt. Und doch, entweder vergaßen sie die höheren Ideale der„Humanität" «der sie vergaßen in diesem Fall, die Bourgeoisie der kriegführenden Länder, die vom Blut der V olksmasseu triefen, an sie zu erinnern." 2.„Wir lehnen aufs entschiedenste die Einmischung der neutralen kapitalistischen Mächte zugunsten der russischen Bourgeoisie ab und erklären, daß jeder Versuch von Seiten C ä tl der Vertreter dieser Mächte, die Grenzen des gesetzlichen CttClFtCllliG PH Schutzes der Interessen ihrer Bürger zu überschreiten, als ein Versuch der Unterstützung der russischen Konterrevolution betrachtet werden wird." weil das Kapital zweifellos noch nicht„niedergerungen sei", worauf,— wie schlau!— die„Einstellung" der Offensive ans strategischen Gründen gefordert wird. Wir haben es hier mit nichts geringerem, als dem aus den Kriegsberichten bekannten„strategischen Rückzug" zu tun. Man dürfe, heißt es, von der„Einstellung" der Offensive nur in Anführungszeichen sprechen Die Lage der Bolschewik! sei die einet siegreichen Heeres, das haltmachen müsse, um neue Kräfte zu sammeln: .. eines siegreichen Heeres, das, sagen wir, dem Feinde die Hälfte oder zwei Drittel des Territoriums abgenommen hat und die Offensive einzustellen gezwungen ist, um Kräfte zu sammeln, die Vorräte an Kriegsmitteln zn erhöhen. die Verbindungslinien auszubessern und zu verstärken. neue Magazine zu errichten, neue Beserven heranzubringen usw. Die Einstellung der Offensive eines siegreichen Heeres unter ähnlichen Verhältnissen erscheint gerade im Interesse der Eroberung des übrigen Territoriums vom Feinde, d. h. im Interesse eine» vollständigen Sieges, notwendig."' Wer spricht? Der Generalmajor Blum? Nein, Lenin! Bald ist das Manöver so weit gediehen, daß die schwere Artillerie herangeholt werden kann: „Wenn man den Feind lediglich durch Abteilungen leichter Kavallerie schlagen und zurückdrängen kann, so muß man es tun. Und wenn man dies nur bis zu einer bestimmten Grenze mit Erfolg durchführen kann, ist es vollkommen denkbar, daß hinter dieser Grenze die Notwendigkeit der Heranbringung von schwerster Artillerie auftaucht. Indem wir zugeben, daß das Versäumte jetzt durch Heranbringung von schwerster Artillerie nachzuholen nötig ist. erkennen w;tr in keiner Weise die siegreiche Kavallerieattacke alt einen Fehler an." Wo habe ich das schon gelesen? In den Betrachtungen des Obersten Egli. des Feldherrn der„Basler Nachrichten". Sogar die Terminologie, die bei der Erörterung der he- rühmten„Einkreisung" üblich war. finden wir wieder.„Der imperialistische Ring, der uns zusammenpreßt, wird von der proletarischen Revolution gesprengt werden", verspricht Trojjki. Im Recht ist Lenin, wenn er in seinem Brief an die amerikanischen Arbeiter vom 20. August 1918 dekretiert (Lenin spricht nicht und schreibt nicht; er dekretiert; das Dekret ist seiq^ Ausdrucksform): „Die englischen Bourgeois haben ihr Jahr 1619. die Franzosen ihr 1793 vergessen. Der Terror war gerecht und berechtigt al« er von der Bourgeoisie zu ihren Gunsten gegen die hendalherrschaft angewandt wurde. Der Terror wurde aber ungeheuerlich und verbrecherisch, als ihn die Arbeiter und die armen Bauern gegen die Bourgeoisie anzuwenden wagten. Der I error war geredet und berechtigt, als er zu dem Zweck angewandt wurde, daß an Stelle der einen ausbeutenden Minorität eine andere ausbeutende Minorität träte. Aber der Terror wurde ungeheuerlich und verbrecherisch, als er dazu angewandt werden sollte, daß jede ausbeutende Minorität überhaupt abgeschafft werde; als er im Interesse Her talsächlich vorwiegenden Majorität angewandt wurde, im Unteres e der Proletariats und des Halhprole- lariats, der Arbeiterklasse und der armen Bauernschaft. Die Bourgeoisie des internationalen Imperialismus hat es fertig gebracht, in„ihrem" Kriege zehn Millionen Menschen abzuschlachten und zwanzig Millionen zu Krüppeln zu machen — dem Kriege, im Namen dessen, oh die englischen oder deutschen Räuber die ganze Welt beherrschen sollen. Sollte, unser Krieg, der Krieg der Unterdrückten und der Ausgebeuteten gegen die Unterdrücker und die Ausbeuter, in allen Ländern eine halbe oder eine ganze Million O, fer kosten, so würde die Bourgeois! dennoch sagen, die Opfer des Weltkrieges seien berechtigt, die des Bürgerkrieges aber verbrecherisch." Wie sehr die Bolschewiki von heute gegen die Militaristen, diese konsolidierten und zur Ordnungspartei gewordenen Bolschewiki von gestern, im Recht sind, indem sif es aus dem W ald schalle» lassen, wir jene hineingerufen haben, wie sehr sie eines Geistes sind mit ihren Vorgängern — wir erkennen es sogar an ihrer Terminologie, ihrem Vorstellungskreis, der Bewegung ihrer Fantasie, dem Ausdruck ihres Temperaments. Sie denken und sprechen im üblichen Katiderwelch^er bewaffneten Gewalt. „Jetzt ist die Epoche der direkten Attacke gegen das Kapital. der direkten Niederwerfung und Zerstörung des impe- i ialistisrhen Rauhstaates", heißt es in der 19. der„Thesen über die soziale Revolution". Seht einmal zn. Vergleicht. Legt die Anweisungen zur Unterdrückung nebeneinander. Woran erinnert der Abschnitt über„Die neue Phase des Kampfe« gegen die Bourgeoisie" in den„Nächsten Aufgaben der Sowjet-Macht" von Lenin? An Gneiscnau und Schlieffen. An Bernhard!. An die Auslassungen ihrer Epigonen, der Zeitungsgenerale, die den deutschen Spießer zum Strategen gemacht hahen. Dieser Abschnitt enthüllt sich wie jede Theorie der Kriegs-„Kunst" als ein Schießreglement. Er beginnt'mit der . Offensive gegen das Kapital", die fortgesetzt werden müsse, Von Lro Tolstoi Der russische Pianist Alexander Goldeuweiser hatte die Ehre, sich Leo Tolstois Freund nennen zu dürfen. Die vor einiget Zeit veröffentlichten Lehenserinnerungen des Pianisten enthalten eine Anzahl von Aussprüchen des Großen von Jasnaja Poljana, die hierin deutscher Leber- »etzung wiedergegeben seien. Wir alle gleichen Reisenden an Bord eines Schiffes, das hei irgendeiner Insel eine Zwischenlandung macht. Au Land gegangen, schlendern wir am Strande auf und ab und sammeln Muscheln, aber die ganze Zeit über müssen wir daran denken, daß wir. im Augenblick, da die Sirene uns ruft, die Muscheln fallen lassen und so schnell wie möglich auf das Schiff zurückkehren müssen. *- Das Glück beruht nicht darin, immer das zu tun, was man will, sondern darin, immer das zu wollen, was man gerade tut. Die Frauen haben ein großes Laster, den Familirnegois- mus. Es ist das ein schrecklicher Egoismus, weil er im Namen der Liehe zu den größten Grausamkeiten treibt: Mag alles zugrunde gehen, wenn nur mein Sohn glücklich wird! Die Ehe ist eine kleine Barke, auf der zwei Menschen dem Spiel hochgehender Wellen ausgeliefert sind. Beide müssen ganz ruhig sein und dürfen keine heftige Bewegung machen, weil die Barke sonst untergeht. ♦ Fragt man jemand:„Spielen Sie Geige?" nnd er antwortete:„Ich weiß es nicht, ich habe es noch nicht wrsucbl. vielleicht", so würde sich alle Welt über eine solche Antwort lustig machen. Wenn aber von Literatur gesprochen wird, dann hört man immer das gleiche sagen:„Ich weiß nicht, ich habe es noch nicht versucht"', als ob der Versuch schon genügte, um Schriftsteller zu werden. ♦ Versuchet doch einmal. Schuhe zu machen oder einen Ofen zn bauen, ohne das Gewerbe erlernt zu haben! Aber jeder kann Minister werden. Wahrscheinlich sind Ministergeschäfte so zahlreich und man weiß so wenig, was man dabei zu tun hat. daß es unmöglich ist, überhaupt etwas y.u tun. Daher kommt es. daß jedermann Minister welchen Ressorts immer werden kann. ,* Hätte ich von neuern Kinder, ich würde sie in die Ballettschule schicken, die ich der Universität vorziehe. Dort werden nur die Beine deformiert, auf der Universität aber leidet der Kopf.' * Wenn ich nochmals achtzig Jahre lebte nnd di* ganze Zeit damit verbrächte, zu sprechen, ich könnte nicht all das sagen, was man mir zuschreibt,•• So viel von der Strategie. Aber es gibt auch die Taktik. Die Bolschewiki haben sie nicht außer acht gelassen. Die bolschewistische Taktik genügt, was Gerissenheit und Unbedenklichkeit anbelangt. den strengsten Anforderungen. Welcher Patriot dürfte mit. seiner Zustimmung zurückhalten, fließt ins geübte Ohr ihm folgende Episode, die Lenin in seinem Brief an die amerikanischen Arbeiter erzählt: „Als die Raubhelden des deutschen Imperialismus im Februar 1918 ihre Armeen gegen das wehrlose, demobilisierte Rußland warfen, das sich der internationalen Solidarität des Proletariats anvertraut hatte, bevor die internationale Revolution ganz ausgereift war— da zögerte ich keinen Augenblick, mit den französischen Monarchisten eine gewisse ..Abmachung" zu treffen. Der französische Kapitän Sadoul, der in Worten mit den Bolschewiki sympathisierte, in der Tat aber dem französischen Imperialismus treu diente, brachte den französischen Offizier de Lubersac zu mir...Ich hin Monarchist, mein einziges Ziel ist die Niederwerfung Deutschlands", erklärte mir de Lubersac.„Das ist selbstredend(cela va«ans dire)", erwiderte ich. Das hinderte midi keineswegs, mit de Lubersac midi zu verständigen über die Dienste, die die Fachleute im Sprengwesen unter den französischen Offizieren uns erweisen sollten, um durch Zerstören der Eisenhahnlinien den deutschen Vormarsch aufzuhalten. Das war das Muster einer„Verständigung", wie sie jeder zielbewußte Arbeiter billigen muß— einer..Verständigung" im Interesse des Sozialismus. Die französischen Monarchisten und wir drückten uns die Hand, obwohl wir wußten, daß jeder von uns seinen..Partner" gern hätte aufknüpfen lassen. Aber unsere Interessen fielen vorübergehend zusammen. Zur Abwehr der vorrückenden rauhgierigen Deutschen machten wir uns im Interesse Her russischen und der internationalen sozialistischen Revolution die. ebenso rauhgierigen Gegeninteressen der andern Imperialisten zunutze. Auf diese Weise förderten wir die Interessen der Arbeiterklasse Rußlands und andrer Länder: so stärkten wir das Proletariat und schwächten die Bourgeoisie der ganzen Welt, indem wir von der absolut gesetzmäßigen und in jedem Kriege unumgänglichen Methode des Manövrierens. des Lavierens und des Abwarten* des Moments Gebrauch machten, bis die schnell reifende proletarische Revolution in den vorgeschrittenen Länder aur vollen Reife gelangen würde. Die Mentalität der Bolschewiki bezeichnet, kurz und gut. die 10. der bereits erwähnten„Thesen iiher die Sozialrevolution", und deshalb stehe sie hier als das Schlußwort einer Betrachtung, über die ein Bolschewik, wie immer: mit Recht, äußern könnte, ich hätte nach vier Kriegsjahren den Krieg entdeckt. Die These lautet: „Der Sinn der proletarischen Diktatur besteht also sozusagen im permanenten Kriec-szustand gegen die Bourgeoisie. Es ist also ganz klar, daß alle, die über„Gewalttaten" der Kommunisten schreien, vollkommen vergessen, was eigentlich Diktatur heißt. Die Revolution selbst ist ein Akt der „Roheit Gewalt". Das Wort Diktatur bedeutet in allen Sprachen nichts anderes, als Gewaltregime. Wichtig ist hier der Klasseninhalt der Gewalt. Damit ist die historische Recht fertigung Her revolutionären Gewalt gegeben. Es ist auch ganz klar."daß je schwieriger die Lage der Revolution ist, unt so schärfer die Diktatur sein muß."' Klar wie eine Straßenlaterne! Ich erwarte die Gründung bolschewistischer Kadettenhäuser. Ich erwarte die Gründung einer bolschewistischen Kriegsschule. Die Generalstäbler können bleiben, wie sie sind. Zu ändern wäre nur der Klaseeninhalt der Gewalt. Militarismus und Imperialismus hahen nur die Farbe zu wechseln oder sagen wir: die Knudschaft. Ludendorff braucht sich um die Aenderung seiner Mentalität nicht im geringsten zu bemühen". Er darf, er soll der bernfskluge Tollhäusler bleiben, der er ist. Der Teufel braucht nur die- Wohnung zu wechseln, um als ein Heiliger zu gelten. Der tiefste Grund Doch dies alles dreht sich um die Theorie, dreht sich im Kampf um die Theorie, den man Polemik nennt. Die Theorie ist eine gute Sache, vor allem eine notwendige. Fast so unentbehrlich wie Sonne und Sterne für die Schiffahrt und sicher so unentbehrlich wie Maße und Gewichte für jede Berechnung. Immerhin— wie man mit dem gleichen Text zu einer so sehr verschiedenen Melodie sagt—: man könnte glücklich sein ohne sie. Ohne die Theorie. Dir Bolschewiki könnten M underdinge verrichten ohne eine paragraphiertr Lehre, die mit dem Kometenschweif der unentbehrlichen Kommentare ihr geistiges Firmament belebt. Sie könnten Wunderdinge verrichten ganz allein mit dem Glauben, und ohne lange zu Tragen nnd ohne viel zu erklären, und sich damit begnügen, daß sie ihren Weg gingen durch die lange kllee heller Gesichter, womit körperlich befreite Sklaven zu ihrem Fest illuminierten, und auch vieler, die höher strahlten. weil Freiheit die Herzen mit einem bisher ungeahnten Licht erfüllte- Es hat nie einen Heiligen gegeben, der dein Bürger nicht als ein Narr erschienen wäre, und die Griechen, die von solchen Dingen mehr verstanden, als alle die so aufgeklärten Genies der alten wie der neuen Welt zusammen, hatten.nur ein Wort für den Heiligen und den Wahnsinnigen. Die Bolschewiki hahen keinen Glauben, sie dekretieren und füsilieren in kalter Tobsucht. Sie können keinen Glauben haben, weil sie nicht liehen. Sie sind Hasser: Prätorianer des Proletariats in seinem Massenwahn, die Kosaken des Sozialismus. die Flammenwerfer der Internationale, die Heulderwische einer Wirtschaftslehre. Nein, für mich bedeutet der Sozialismus das Gegenteil einer Klassenherrschaft, nämlich die endgültige Auflösung der„Klassen" in jener Gemein- »chaft von unergründlicher Tiefe, die Nietzsche mit»einem Hort von den„Griechen als träumenden Griechen.' angedeutet hat. M orin der Arbeiter aufgehört hat. ein Proletarier zu sein, und ein lebendiges Stück Arbeit selbst ist und. wen» auch nur mit'einer winzigen Handreichung an der Maschine, nicht nur das Symbol der„Produktion*", sondern, jeder für sich nnd die ganze Gesellschaft, die schaffende Natur selbst, der Mensch selbst die Arbeit, die Arbeit aller, der ung'" hemmte, leicht strömende Blutumlauf alles dessen, was anf utuejui Planeten Mensche uantlitz trägt.(Fortsetzung foVi*) I a! c"!S n P en ffe^ e" mmt Blsdiof Wnrm kann nldit In sein Amtsgcbäudc! Aber Darres Preispolitik bleibt . Kampf gegen die Kleinhändler, insbesondere gegen die Fleischer, wird mit unverminderter Stärke geführt. Nach- dem.in einer Reihe von Städten Fleischereibetriebc ge- ichloncn wurden, sind neuerdings Schließungen von drei Fleischergeschästen im oberschlesische» Industriegebiet, und zwar je eins in Beuchen.«obrct-Karf und Miechowitz an- geordnet worden. Den Inhabern der 24 Fleischeretbetricbe nr Breslau, die geschlossen worden sind, ist verboten worden, ihr Perfonal zu entlassen. Die Arbeiter und Angestellten dictcr Fleischereibetriebc haben auch weiterhin Anspruch auf Volin und Gehalt. In Osnabrück ans Grund einer Ucberpriisung der Bäckereien, bei der im einzelnen ein erhebliches Unter- gewicht der Backwaren infolge der erhöhten Mehlpreise festgestellt ivurde, die Schließung von 18 Bäckereien angeordnet worden.— Selbstverständlich müssen auch die kleinen Hausierer bei der Bekämpfung der Preissteigerung her- halten. Im leipziger Bezirk wurde festgestellt, daß mehrere Hausierer, die von Fabrikanten infolge Rohstottmangels keine Ware bekommen hatten, einige Mengen Nähgarn in Ginzelhandelsgeschäften getaust haben. Zwei leipziger Hausierern, die sich angeblich wegen dieser Käufe des Ham- sterns schuldig gemacht haben, ist der Handel mit Gegen- ständen des täglichen Bedarfs untersagt morden. Dr. Gör- deier hat höchst persönlich sogar angeordnet, daß solche Hausierer in Zukunft dem Schnellrichter überantwortet werden. Der R e i ch s in i n i st e r Darre aber, der diese ganze Preiserhöhung verschuldet hat, und die Führer der großen Konzerne, die mit Hilfe der Kartellierung und durch Be- seitigung der Rabattsätzc die Ware» in die Höhe getrieben haben, bleiben unbestraft. Gegen sie wendet.sich der neu- deutsche„Sozialismus" nicht! lind was wird in» Lcy? Bremen, den 12. November 11)84. Wie die Polizcidirektion mitteilt, müßte» immer wieder Pvlizeibeamie gegen Betrunkene einschreiten. Die Veßra- fuitfl folge dem faß immer ans dem Fuße. Zukünftig werde aber in solche» Fällen in verstärktem Maße wegen der Rück- sichtSlosigkcit gegenüber andern Volksgenossen, die in dem Verhalten von Betrunkenen häusig liege, mit strengen Haft- strafen vorgegangen werden. Bei Krastsahrern sei. die Gut- zichung des Führerscheins auf lange Zeit last immer am Platze Handle es sich, was nicht selten der Fall sei, um Fürsorgeempfänger, die ihre Fnrsorgcgcldcr vertrinken und ihre Familie darben ließen, so werde sich die Polizei mit dem Fürsorgeamt in Verbindung setzen und daraus hinzu- wirken suchen, daß die Unterstützung nicht den Drinkern. son- der» ihrer Familie nnmiltclbar zukomme. Neben diesen Maßnahmen soll in Fällen, in denen gegen einen Betrun- keneu wiederholt wegen gleichen-Verhaltens habe, singe- schritten werden müssxn, dessen Name zur Warnung und Ab- schreckuug aller amtlich durch die TägeSzeituilgcn bekanntgegeben werden. IZ Jahre zudiihaus Düsseldorf, ist. Nov. In dem Prozeß gegen den Kommu- nisten Joses Vnrgard, der im Dezember 1 H3 1 den 18jährigen Inngstahlhclmer Kurt Schulz erschossen hat, wurde heute das Urteil gefällt. Gemäß dem Antrag des Staatsanwalts wurde Burgund wegen Dolichlags, zu fünfzehn Iitlichke i I z» bel>age» habe»". Nazis in Siidweslalrlka Ein Verbot J. ll. Im letzten Jahre wurde eine^ergänzende Verordnung zum Strafgesetz erlassen, die dem Administrator Süd- westasrtkas das Recht verlieh, jede Organisarion zu vcr- bieten, die„dem Frieden, der Ordnung und der geregelten Verwaltung des Territoriums schädlich" Ist.' Aus Grund dieser Verordnung ist nun am 2i>. Oktober die Nazi- beweg» n g verboten worden. Volke sah er diese höhere Ausgabe vorbehalten, wenn er in einem der„Seinen" sagte: „Zur Ration euch zu bilden, ihr hosst es. Deutsche, ver- geblich. Bildet— ihr könnt es— dafür schöner zu Menschen euch aus!" Schiller war in seiner Jugend ein glühender Verehrer des Geiner» Rousseau. Gr nahm gern« die Unterstützung, durch die dänische Kreise ihm mehrere Jahre die Arbeits- ireiheit sicherten, und wurde mit Stolz Ehrenbürger de» republikanischen Frankreich. Gr schilderte mit gleicher«ach- künde und Meisterschaft im„D o n G a r l o ö" den Kampi um Geistesfrciheit im mittelalterlichen S p a n i e n» den Frei- heitskampf des französischen Volkes gegen englnche Fremd- Herrschaft in der„Jungfrau von Orleans. wie er in seinen Iiigenddramen und zuletzt wieder im„Wilhelm,-re» die Auflehnung gegen einheimische Tyrannen verherrlichte,-intn darum handelt es sich im„Dell". Um die Auflehnung eines kleinen Volksstamms gegen die Beauftragten desKaiiers, die in ihrer Folge schließlich zur Abtrennung der«chweiz vom Deutschen Reiche geführt hat. Wen» Schillers Worte:„Ans Vaterland, a>>s treurc, ich( ich dich an!" und„Wir wollen sein ein einig Volkvon Bnn ern, in keiner Not uns trennen und Gefahr, mit Recht Kern- sprücke des Bekenntnisses zum eigenen Volk geworden find, l'o wollen wir, allem geschäftskundigen Mißbrauch de Dichterworts gegenüber, doch nicht»ergehen, da» es stch> diesem Stück nicht um eine nationale Be wegustg im modernen Sinn handelt, sondcrn^um c.uen Freiheit^ kämpf gegen Unterdrücker gleicher«prachc.. Li f Laudvögte der Kaiserlich Deutichen Majestät^vergleichbar den G a n l e i t e r n und Amtswaltern der bei'Hgen Dm SitSK' nn"ÄM zur Wehr setzen. Sdiliier. der Emigrant »»Flucht bei Nacht und Nebel begleite», konnten die Freunde endlich um zehn u» 7 '» den Wagen steigen und abfahrem Der W g>» un felftc Eßlinger Tor hinaus genommen'oe'l d.eseö dao n>ar und einer der bewährtesten freund:«ch llm- als "an. die Wache Hatte,, damit. iwnu■&> 1« ergäbe, dieic durch Vermittlung des Offl-ttre ,og>c>m lbvbe» werde«' könne.- Es war ei» Glück, daß HamälS von keinem zu Wage» Rei- sende» ein Paß abgefordert wurde. Nur S. hatte sich einen nach Hanibürg-geben lasten, welches aber nur der überflüssig scheinenden Vorsicht wegen geschah. So gefaßt die jungen Leute auch aus alles waren, und so wenig sie eigentlich zu »ürchtcn hatten, so machte dennoch der Anruf der Schild- wache— Halt!— Wer da!— Unteroffizier heraus!— einen »ichciinttchcii Eindruck aus sie. Nach den Fragen: Wer sind die Herren? Wv wollen Sie hin? ivurde von S. des Dichters Name i» Doktor Ritter, und der scinige in Doktor Wolf verwandelt., beide nach Eßlingen reisend, angegeben und>o ausgeschrieben. Das Tor wurde nun geöffnet, die Reisenden fuhren vorwärts, mit forschenden Blicken in die Wachtstube des Offiziers, in der sie zwar kein Licht, aber beide Fenster weit offen iahen. Als sie außer dem Tore waren, glaubten sie einer große» Gefahr entronnen zu sein, und gleichsam als ob diese wieder- kehren, könnte, wurden, so lange als-sie die Stadt umfahren mußten, um die Straße»ach Ludivigsbura zu gewinnen, nur wenige Worte unter ihnen gewechselt. Wie aber einmal die erste Anhöhe hinter ihnen lag, kehrten Ruhe und Unbe- fangenhett zurück, das Gespräch wurde lebhafter und bezvg sich nicht allein auf die jüngste Vergangenheit, sondern auch auf die bevorstehenden Erlebnisse. Gegen Mitternacht sah man links von Ludwigsbnrg eine außerordentliche Röte am Himmel, und als der Wagen in die Linie der Solitüde kam, zeigte das daselbst auf einer bedeutende» Erhöhung liegende Schloß mit alle» seinen weitläufige» Nebengebäuden sich iji einem Feiierglanzc. der sich in der Entfernung von anderthalb Stunde aus das Ueberraschendste ausnahm. Tie reine, heitere Lust ließ allcS so deutlich wahrnehmen, daß Schiller seinem Gefährte» den Punkt zeigen konnte, wo seine Eltern wohnte», aber alsbald, wie von einem sympathetischen Strahl berührt, mit einem nnterdrückten Seufzer ausrief:-„Meine Mutter I" Nach drei Stunden luurde von Entzweihingeii ausge- broche». nnd»ach acht Uhr morgens war die.knrpfälzifche, durch eine kleine Pnramidc angedeutete Grenze erreicht, die mit einer Freude betreten wurde, als ob rückwärts alles Lästige geblieben wäre und das ersehnte Eldorado bald er- reicht sein würde. Das Gefühl, eines harten Zwanges r„t- ledigt zu sein, verbunden mit dem heilige,, Vorsatz, dem- selben sich nie mehr zu unterwerfen, belebten das bisher et- was düstere Gemüt Schillers zur gefälligste» Heiterkeit, wv- zu die angenehme Gegend, das muntere Wesen und Treiben der rüstige» Einwohner wohl auch das Ihrige beitrugen. Sehen" r'"i er seinem Begleiter zu.„sehen Si>'. wie freundlich die''"ähle und Schranken mls Blau und Weiß an- gestrichen sind! Ebenso freundlich ist auch der Geist der Re- gicrung!" „deutschen Christen" erklärt, daß die Revolte derjenigen, die behaupten, der konfessionellen Kirche treu z» sei», derzeit einem Verrat gleichkomme. Tie religiöse Gemein- schuft Ostpreußens ziele aus die Revolte im Schöße der Kirche ab in einem Augenblick, in dem Teutschland den inneren Frieden nötig hätte, um die durch die Saarabstim- mnng, die Versorgung des Landes mit Rohstoffen und das Wiiitcrhilsswerk ausgeworfenen Probleme zu lose». Jetzt erfährt man auch Näheres über eine Episode in Württemberg, die mehr sagt als lange Aussätze. Als der Landesbischof Wurm am 1. November nach seiner Wiedereinsetzung in das Landeskirchenamt einziehen wollte, vcr weigerte» die Vertreter der R e i ch s k i r ch e die Räumung des Gebäudes. Wurm reichte darauf- hin eine Räumungsklage ein. Das Laudesgericht Stuttgart entschied, daß den-Kommissaren der RcichSkirche das Betreten des Gebäudes untersagt sei. Jetzt begannen aber die Kom- missare schärfer vorzugehen,- sie schlössen die Portale und legten eine starke„Besatzung" in das Ge- bände. Selbst das Personal darf nur mit besonderen Aus- weisen passieren. Merkwürdigerweise erklärt jetzt der württembergische Iustizminister, daß es sich um eine öfsent- lich-rechtlichc Angelegenheit hanöle, die nicht vor die Gc- richte gehöre. Wurm hat daher sein A>» t n o ch n i ch t antreten können. Die Polizei verhält sich„streng neutral" nnd beschränkt sich daraus, zu verhüte», daß Un- ruhen entstehen. Dieser Maßnahme war im Juli das Verbot der Hitler- j ii g e» d vorangegangen. Seither hatten die Behörden Material über die Tätigkeit der Nazis in Südwcstafrika gesammelt und geprüft. Vor drei Wochen wurden bei H a n s s u ch n n g e n in allen Parteilokalen der Nazi s im ganzen Territorium Dokumente beschlagnahmt. Daraus begab sich der Administrator nach Pretoria, um mit der Unionregierung z» beraten.- Die Nicht-Tenllcheii begrüßen die Aktion des Administra- tors, nnd man glaubt, daß es eine Minderheit unter den Deutschen gibt, die im stille» ebenfalls froh sind, aber es nicht ansznsprechen ivage». Die Naziorgaiiisatioii ist näm- lich. wie der„Timcs"-Korrespondent in Kapstadt berichtet, in der deutsche» Bevölkerung des Territoriums bereits verankert, und er hält es für aonz unsicher, ob das Perbot die Nazipiopagaiida zum Stillstand bringen oder bloß in die Illegalität treiben wird. Marseille nnd Berlin Eine italienische Beschuldigung Turin, Ii. Nov. Zur Frage der Verantwortlichkeit des von der Turin« Polizei verhafteten Kwaternik, eines Führers der kroatischen Tcrroristenbcivegnng, weist die „Gazetta del Popolo" ans die Ergebnisse der Untersuchung hin, die hohe jugoslawische Polizeibcainte zusanimen mit der deutichen Polizei vornahmen, nnd schreibt:„In Berlin wurde das Bestehen einer revolutionären Terroristengr»ppe von besonders aktive» Kroaten festgestellt. Leiter dieser Gruppe war ein gewisser Ielitsch, dem ats Uniersührcr der jetzt in Durin verhaftete Dr. Kwaternik, ferner Taritsch -und Dr. NUljoivitsttf zur Seite standen. Die Pvtizei fand auch einen Teil des Geheimarchivs dieser Organisation aui. Ans den beschlagnahmten Schriftstücken ergibt sich, daß diese Berliner Terroristengruppc i» enger Verbindung mit einem ehemaligen General der österreichisch-ungarischen Armee, mit dem ehemaligen Gouverneur von Bosnien und der Herzegowina sowie mit dem in Wie» verhafteten Pertesch- wiksch stand. Tie Berliner Gruppe verfügte über große Geldmittel. Einige Mitglieder der Bande bezogen monatlich 800 Mark." Vor riandlns Regierungserklärung Am Dienstag in der Kammer Paris, 12. November 11)81. Angesichts der Feier des Waffeiistillstaiidstages treten die brennenden Fragen der Innenpolitik etwas i» den Hinter- grnnd. Zahlreich sind die amtlichen und privaten Veranstaltungen am gestrigen Tage gewesen, nnd bei vielen dieser Feier» waren die Rcgiernngsmitglivder vertrete». Das aber hinderte de» Miiiisterpräfidenten Fl and in nicht, an der Regierungserklärung z» arbeiten, die er am Dienstag im Parlament zur Verlesung bringen wird. In ihren großen Zügen ist diese Erklärung schon fertig- gestellt. Sie wird zum Ausdruck bringen,.daß die neue Rc- giernng sich vor allem die Aufgabe stellt, dir Arbeitslosigkeit zu vermindern und der Teuerung entgegenzuwirken. Mini- sterpräsident Flandi» hat sich lange mit Aiißenminister L a v a l über die Form unterhalte», die der außenpolitische Teil der Regierungserklärung erhalten soll. Es ist kein Zweifel daran, daß die neue Regierung Wert daraus legi, zu betone», daß die in der letzten Zeit i» Frankreich bc- triebene außenpolitische Linie auch vom Ministerium Fla,,- diu sortgesetzt werden wird. Es ist auch kein Zweifel daran, daß diese Erklärung besonders deutlich a» Berlin gerichtet ist Tic Auffassung geht in den hiesige» politischen Kreisen dahin, daß eine große Mehrheit in Kammer, nnd Senat der Regierung das Vertrauen aussprechen und ihr dadurch zu» nächst die praktische Arbeit ermöglichen wird. Für Spaniens Revolutionäre Eine englische Hilfsaktion ■ Ans Grund der außerordentlichen Notlage der spanischen Revolutionäre hat sich in England eine Gruppe»on liberalen. pazifistischen, sozialistischen und kommunistische,, Organisationen bereit erklärt, die Initiative für sosvrtige Hilfeleistung der Bedrohten und im größten Elend Verbliebenen zu ergreisen. Auf Anregung des englischen Hilfskomitees für die Opfer des Hitlersaschismus ist man jetzt mit allen Kräften und mit solidarischer Unterstützung einer große» An-abl anderer Organisationen darangegangen, ein Lebensmittcl- schiss für Spanien auszurüsten, das de» Revolutionären in kürzester Zeit Lebensmittel, Kleidungsstücke für Erwachsene und Kinder und alle anderen lcbenönotwendiaen Wrtifti übermitteln wirb. Bereits sind Verhandlungen im Ganae daß für diese Solidaritätsaktion zollfreie Ueberienduna dnrM alle anschlägige» Behörden garantiert wirb. Diese enalrsche Kampagne bedeutet einen großen Schritt vorwärts in der internationalen Massenaktion für die spanischen«ämmVr z». sich in allen Ländern der Welt stürmisch entwickelt. Ein edifer„aller Kämpfer* Reldisdeufsdier Greaeiberidif Ober besoffene alte Kämpfer Wie sie hausten und wie sie„bestraf!" wurden Ter folgende Bericht entflammt gleichgefchalteten deutschen Blättern, so der„K ö l n i s ch e n Zelt i> n g" und der„Frankfurter Zeitun g". Wie man lieht, hat es fast 17 Monate gedauert, bis von den prü- gelnden, raubenden und stehlenden„alten Kämpfern" wenigstens einer vor Gericht zu bringen war. Was er getan hat, ist zehntausendfach- nur noch viel schlimmer unter Folterungen und Morden— in Häusern von Marxisten und Katholiken geschehen. Nirgendwo wurde in solchen Fällen a uchn u r eine Untersuchung eingeleitet, von einer Bestrafung ganz zu schweigen. Im vor- liegenden Falle hatte der„alte Kämpfer" Adolf Hit- lers Pech, weil er an einen Baron geraten ist, der weitreichenden Einfluß hatte. Dennoch wurden sür den Angeklagten strafmildernde Umstände erfunden. Natürlich wird er auch die paar Monate, die ihm zu- diktiert wurden, nicht abzusitzen brauchen. Heute oder morgen wird er begnadigt und steht dann im Reiche Adolf Hitlers in höheren Ehren als zuvor. Wegen Azutsaninaßiing und Nötigung hatte sich der. frühere SA.-Sturmbannfsthrer in Ziegburg, Theodor Saal. vo. der Großen Strafkammer zu verantworten. Ter Angeklagte hatte in der Nacht zum 28. Juni 1933 in Wahl- scheid Verhaftungen, Hausdurchsuchungen und B e s ch l a g n a h m u n g e n auf dem Schloß deS Mjährigen Freiherrn v o n La Valette vorgenommen, ohne dazu rechtlich befugt gewesen zu sein. Ter Verhandlung liegt folgender Tatbestand zugrunde: Ter Angeklagte, damals Führer eines S A.- S t u r m banns in Tiegburg, hat nach einer starken Wirtshaus- zecherei in Wahlscheid sechs bewaffnete TA.-Männer ans Siegburg beauftragt, den auf Haus Auel bei Wahlscheid wohnenden Freiherrn La Valette als. angeblichen Volksfeind zu'erbosten. Bei der Ausführung dieses Auftrags erschien der Angeklagt», nachdem er sich, mehrmals vorher telefonisch über die im Gang befindlichen Maß nahmen hatte berichten lassen, selbst auf dem Schloß, um die Festnahme durchzuführen. Er w. r in Zivil, halb betrunken, und trug noch die blu- tigen Spuren einer unmittelbare,, vorausgegangenen Ahnungen des Sdirumpfgermanen „Schwere Erschütterungen" In Berkin hat Tr. Goebbels vor 2000 alten Kämpfern geredet. Er hat, wie öfter in letzter Zeit, recht elegisch gesprochen: „Fch habe Sie hierhergebeten, weil ich Ihnen vor Augen stellen wollte,.vie tel,i sia, die nationalsozialistische Bewe- gung in einer Welt von Gegnern durchsetzen muß. und wie- viel für uns noch zu tun übrig bleibt, und wie wenig Veranlassung wir haben, unseren Staat sür eine Sache der anderen zu halten. Es gab bei den alten Germanen einen Stamm, die Chatten. Wenn sie in die Schlacht gingen, dann banden sich die kämpfenden Reihen durch e i ie r n e.Ketten aneinander, um zu verhindern, daß. wenn es han aus hart ging, irgendeiner ans der kämpfenden Reihe entwischen konnte. Sie sind dann immer als ge- schlossene Formation zum Angriff vorgegangen. So. meine ich. muß es auch bei uns sein, wenn wir in schweren Erschüt- terungen, denen»on einmal ein junges Staatswesen, das ans einer Revolution hervorgegangen ist, immer ausgesetzt sein muß. bestehe« wollen. Goebbels wird erleben, daß auch die Ketten reihen, wenn es Hort auf hart geht. Sfaatsleindlldie öummisdiürien Schuld der deutschen Hausfrauen Die Hitlerdeutichey könne» vor lauter Autarkie gar nicht mehr aus den Augen M n! Tie ielige Kriegsmißwirtichast meldet sich mit all ihren grotesken Erfck,einungen wieder an. Wenn die Rohstoffe ausgehen die Teviiendccte verkümmert und die Ausrüster das Kapital der Nation für Mordwerkzenge brauchen, so müssen der Ersatzstoff und die eingeschmolzene Messingktinke das Gleichgewicht wieder herstellen. In den Blättern des„dritte?. Reiches" hat man. wohl aus Anweisung des Propagandaministers Goebbels, den Segen der Sparsamkeit entdeckt, von dem allerdings die Herren Bonzen gewiß am wenigsten willen wollen. Mal hier, mal dort taucht ein kurioses Rezept für die„Wfederertüchtigung" iknd„Neuaussorstung" der deviscnkranken deutschen Wirtschaft aus. Wenn es nach den Quacksalbereien der Gleichgeödeten ginge, wären die braunen Narren bereits längst so weit, ans neudeiitichein Fiihrer-Redelohl die heiß begehrten Rohstoffe autark zu fabrizieren. Vor uns liegt eine Nummer der Tageszeitung der „Teniichen Arbeitsfront", des„Tentidkn". In dieiem Blatt hat ein findiges Köpfchen eine neue Mög- lichkeit. Reserven anzuhäufen, entdeckt. Die Gummiichürzen der deutschen HanSfrau haben es ihm angetan. Mummt, so doziert daS iindiae Köpfchen höchst wichtig, sei ein sehr wert- voller ausländischer Rohstois und eS wäre wirklich ein aus- gemachter Skandal,„welch gewaltige Verschwendung von Gummi" selbst in nationalsozialistischen K reifen an der Dagesordnuna iei. Der Jahresverbrauch einer Hausfrau, io meint der„Deutsche", betrage im Turchichnitt sunt Gummi- schürzest. Das iei. wenn man die Schürte mit 2W Gramm berechne, ein Jahresverbrauch von 1900 Gramm Gummi. Abor es tommt noch schöner: das. was von de» Schürzen übrig bleibt, verschwinde! bestenfalls in Müllkästen, meistens wird e8 sogar verbrannt. ES liegt ans der Hand, daß wichtigere Gebiete des Wirtschaftslebens unsere bescheidene Gummi einfuhr dringend brauchen. Also, anigemerkt, deutsche Haus- frau, und nur teine Materialverschwendung!" Was aber, so resümiert man. soll die brannbewußte deutsche Hausfrau nun vorbinden, wenn man ihr die Gummischürze requiriert? Bielleicht die Druckseiten der bombastischen Fllhrerreden, auf denen sie es ja so oft schwarz»nb weiß hat, wie gut und wie besser es ihr täglich geht! Pierre. Schlägerei i„ der Wirtschaft. Trotz des Einspruchs des Hausherrn wurde dieser im Kraftwagen nach Siegburg ins Gefängnis gebracht. Sodann ließ er die beiden Hausdamen durch einen SA.- Mann n, ihren Zimmern bewachen, während er selbst samt- liche Räume durchsuchte, wobei durch ihn oder feiste Lettte u. a. ein Kronleuchter, eine Schreibmaschine. Bilder, Stühle und andre Möbelstücke beschädigt wurden. Aus seinen Beiebl wurden aus Schränken und aus dem Keller Lebens- mittel. Weine, Liköre und Zigaretten herbeigeholt und die durchsuchten Räume trugen alsbald die Spuren einer w ü st e n«Schlemm ere i. Als er zwischendurch eine der Hansdamen beleidigte und diese deshalb Einwendungen machte, drohte er mit Erschießen. Erst gegen st Uhr morgens» zog er mit den SA.-Leuten ab. Dabei verschwandest, wie später festgestellt wurde, nicht nur eine Anzahl beschlag- nnlimter Waffen, sondern auch eine Reihe Wertgegenstände aller Art. Ter Angeklagte gab zu, ohne rechtliche Befugnis gegen den Freiherrn vorgegangen zu sein, jedoch durch die Revolution habe er sich berechtigt geglaubt, gegen den als Volksfeind bekannten Freiherrn diese Maßnahmen zu treffen. Er bestritt jedoch, sich des Diebstahls schuldig gemacht oder zu diesem einen Befehl gegeben zu haben. Der als Zeuge»c-'mmene Freiherr erklärte, der"n- geklagte und seine Gefolgschaft hätten bei ihm so w ü st g e- haust,: er es während des Krieges kaum erlebt habe. Stühle und Tische seien mit einem ihm gehörigen jäpa- irischen Schwer- schwer beschädigt worden. Zwischen den zer- t:...werten Gegenständen hätten Lebensmittel und Würste ans dem Boden gelegen. Ter Schade habe sich ursprünglich auf i- bis 50(10 Mark belaufen. Nachdem später ein Teil der entwendeten Gegenstände ihm zurückgegeben worden sei, bliebe ihm heute immerhin noch ein Schade von 2500 Mark. Im weitern Verlauf der Beweisaufnahme, die sich bis in den Abend hinzog, trat immer mehr die Wahrscheinlichkeit in den Vordergrund, daß der Angeklagt e, der ursprünglich selbst kein Gegner des Freiherr» gewesen ist, durch Hetzereien von Personen, die dem festgenommenen Schloßherrn aus egoistischen Gründen längst feindlich ge- sinnt waren, aufgehetzt worden sei. Ter Staatsanwalt beantragte wegen Freiheitsberaubung, Amtsanmaßung und Nötigung eine Gesamt- gesängnisstrafe von einem Jahr. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu neun Monaten G e f ä n g n t S. In der Urteilsbegründung wurde ausgeführt, es sei nicht er- wiesen, daß der Angeklagte selbst sich auch des Diebstahls im Schloß des Freiherrn schuldig gemacht habe oder daß Dieb- stähle mit seinem Wiste» und seiner Kenntnis vorge- nommen worden seien. Als strafmildernd sei berücksichtigt worden, daß der An- geklagte ein alter Kämpfer der nationalsozialistischen Bewegung und zu seiner Tat verhetzt worden sei. Andererseits habe er sich eine Willkürhandlung zuschulden kommen lassen: denn der Freiherr ssi alles andere als ein Volks s ch ä d l i n g gewesen. Da der Angeklagte als Führer auf- getreten sei, könne ihn auch seine Trunkenheit nicht ent- schuldigen. BBlirKflSTEM M. F., Auttverpeu. llcbei das Schicksal von A.®. ist„uns nicht? bekannt. Ten übrigen Teil Ihres Briefes finden wir so intercggnt, daß wir ihn hierhersetze»: „Im Frühjahr t9:i3 wurde unter Umstanden, deren eingehende Sapioerung wer zu wert suyrcn ipuroc, meine Vivlioiiicr von der SÄ. beschlagnahm!". Und zwar nahm män nur den Inhalt der Mcgate mir, oie mit Pdlirit und Wiilichail angespllt waren. Alles, von der extrem linecn bis zur extrem rechten michlung, also z.#•: Gesamtausgaben von tkenin, gairlslv,:v>orx, bis zum Bollischen Handbuch tur Tcuiiche Poltlik, Hitlers„Kampf" usw., darunter auch meine Sammlung von Zeitungsausschnitte», Versaillcr Friedens- vertrag, Völkervunds-Pubtikalionen niw., alles wohllos.— Glicht cngeianet dagegen wurde die Abteilung„tÖcUctnsfit", die verdommi »ich! unversünglirh war: Längs» konfiszierte Gcolgc-Grosz-Mappen, Rote Romane, Iahresbondc der Welibühne, Werke des Malik- Berlages, usw. usw.— Ich selbst wurde einige Wochen eingelocht, zusammen mit einigen poiitisch noch weit harmloseren Freunden, bei denen man Bücher mit meinem„Ex Libris" gefunden hatte. Im Gefängnis Ibei nebenbei absolut korrelier und humaner Bc- Handlung, von der widerrechtlichen Freiheitsberaubung abgesehen! wurde mir dann eröffnet, dag ich aus die Rückgabe meiner Bücher, immerhin mehrerer hundert Werke, z. T. von hohem Werl und nicht wiedcrbxschasfbar, nicht rechnen könne: alles iei verbrannt morden. Womit ich mich abiinde» mußte, zumal am dem Gcsängnishos in einer Ecke fast täglich ein Schcilerhauscn brannte.— Tas ist ietzr eineinhalb Jahre her.— Nun kommt die Ileberraichung: Ein alter Schulkamerad und Rachbar, jahrelang arbeitslos gewesen, ein gut- mutig-harmloses Subjekt, politisch mehr„IS blöd, ist sehr irühzeitig aktiver SA.-Mann geworden, im guten Glauben an die verspräche- »en besseren Zeiten. Anno 1933 bekam er— die Hoffnung hatte>h» nicht getäuscht— wieder eine Stellung. Ter frühere Handiungs- Kommis und Rettende wurde städtischer Beamter. Und dieser Man» sich mutzte etwas weit ousholent lietz mir nun, Oktober 193s, durch einen'gemeinsamen Bekannten bestellen, datz er manches Mal an mich denken müht«: Er hätte sich nämlich von einem Pg. im Amt diverse Bücher geliehen, z.«. Gumbels„4 Jahre Mord", und so manches dieser Bücher trage noch mein Sianum! Reit, nicht wahr? Ergo wirken wir heute nock> nachträglich ausklärend und zersetzend! Gesinnungsgrutz— datz Sic nach dem Verbot in alter Frische wieder erschienen sind!" Barcelona. Ihrem Briefe entnehmen wir: „Tie Nachricht von dem verschollenen THtlichkeitS-Münchmen« ruft in mir eine intereilante Erinnerung wach. Es war wohl im Winter 1939/31, wo ich zur Befriedigung meiner Neugier diese braune Zierde mir mal anhörte, in der Berliner„Germania"- oder Krieger- vereinsiälen. Nachdem dieser so„warm" empsindende Kämpfer sür ein„hehreres, schöneres" Teulschiand die anwesenden Polizcibeam- tcn— selbstverständlich ungestraft!— angepflaumt hatte, spielte ihm sein Unterbemutztsein folgende» üblen Streich:„Wir sind eine Pest!" schmetterte er vergnügt in den Saal hinein uns sügte. als er das Verblüffen der Raziotcn gewahr wurde, folgende nicht weniger blamable„Erklärung" hinzu:„wir stecke» nämlich alles an!" Cb ihm s. Zt. bereits ihr Reichstagsieiicrchen vorschwebte oder ob er dabei„mir" on die unheilvolle geistige Wirkung der Gcwisienlosia- keit der braunen Hochstapler dachte, sei dahingestellt. Jedenfalls ist fein eigenes, unfreiwillig entschlüpftes Urteil über jenes partei- ähnliche Gebilde höchst intereiiant. Anscheinend ist dieser Bazillen- kiillurziichter nun selbst der Pest erlegen! Schade, welche ein schöner brauner Bischof könnte er heute sein!" Tetuan sMarokkos. Tie waren lange im Konzentrationslager Tachou. haben nun das ungastlich gewordene Vaterland verlassen, und es ist Ihnen gelungen, sich in Afrika eine neue Existenz zu gründen. Glückauf und Freiheit! Tatz es Ihr erster Wunsch ist, die „Teutsche Freiheit" zu erhalten, freut uns sehr. Wir hosten, daß Tie so immer mit dem großen Kampfe für ein neues Teutschland vcr- blinden bleiben werden. „Aus Stuttgart". Sie stellen uns eine» Privatbrief zur Veriügung, der beweist, datz trotz aller gegenteiligen Versicherungen die Tarif- löhne adgcbaul werden: „Bei den Gärtnern wurde ein neuer Tarif abgeschlossen und zwar mit 3 Pfennig weniger Stundenlohn ats trüber. Tie Gärtner hat- teil vorher schon nur 75 Pfennig' in der Stunde." Für den Gesamtinhait verantwortlich: Johann Pitz tn Dud» weiter: sür Inserate: Ctto Kuhn tn Saarbrücken. Rotationsdruck und Vertag: Verlag der Voikssitmme GmbH, Saarbrücken 3, Schützenftratze S.— Schließfach 776 Saarbrücken. i Zu verkaufen Vollständige Einrichtung einer Strumpffabrik Fabriq ue de Bonneterie mit Bureaus Sehr massige Miete mit hübscher Wohnung jjl Sich schriftlich wenden an die Ge« StJ schäftsstelle dieses Blattes unt. Nr. 1210 S® t Besonders rrertrolt zum Verständnis der letzten Ereignisse in Hitler»Deutschland. Ungewöhnlich interessant und aufschlußreich Konraa Heiden: Geburt mmmmmmmmm Geschichte des Nationalsozialismus bis in die neueste Zeit Niemand wird künftig über da» Problem de» Nationalsozialismus mitsprechen dürfen. der dieses Buch nicht gelesen hat. Preis des 272 Seiten starken Buches: Kartonierl 25,- fr, Leinenband 35,- fr. Buchhandung der Volksstimme Saarbrücken 2 Trierer Straße 24 Neunkirchen Hüttenbergstraße 41 „Deutsche Jxeiheit" A&ottitemetUspceise: Amerika Argentinien Belgien Dänemark England Frankreich Holland Italien Luxemburg Neubelgien (Eupen.Malmedy) Oesterreich Palästina Polen Rumänien Rußland Saargebiet Schweden Schweiz Spanien Dollar Peso belg. Fr. Kr. sh fr. Fr. 11. Lire belg. Fr. belg. Fr. (verboten) sh (verboten) Lei Rubel tr. Fr. Kr. schw. Fr. Peseta im Monat l- 3,- 15,- 3,70 4,- 12,- 1,50 10- 15,- 12,- 4,- 90,- 1,- 12,- 2,60 2,40 6,- 30,- ZustelL gebühr 0.50, 1,- 5,30 2,30 1,10 3,75 0,40 5- 5,30 5,30 1,10 30,- 7,50 1,70 0,80 2,- 5,50 Tschechoslowakei Kr. Bei Zusendung unter Kreuzband durch die Post sind die Portogebühren vom Besteller mit dem Abonnementsbetrag zu entrichten