Sinzigs unabhängige Tageszeitung Veuischiands Nr. 234— 2. Jahrgang Saarbrücken, Mittwoch, 14. November 1934 Chefredakteur: M.Braun Tbucalti bcicht das Qenfec Saac- Ah&amnteH Seite 3 Xmox iihec den Jxccoc dec&caunen Jxont 111 JCa&tcatianen in einem JCcankenhaus Seite 4 Seite 7 Dohumtnle steinender Mi Die Folgen der hitlerdeutsdien Sclbstblodrade Berlin, 13. November. Die Stegejnadjrtrfjfen über die Erfolge der?frbeit$ftf)ladit find zwar schon längst vorbei, aber immer»och wird oll- monatlich«unlieb bekanntgegeben, dasi soundsoviel pausende von Personen in den Wirtschaftsprozess neu eingereiht ivor- den sind. Zioch in diesen Tagen ist verkündet worden, dag die Zahl der Arbeitslosen neuerdings um rund 14 000 gesunken ist. Aber allmalilich glaubt niemand mebr, selbst die eifrigsten Anhänger des Nationalsozialismus, diesen offi- ziellen Berichten, denn ein jeder steht, dag die Arbeitslostg- kcit nicht zurückgeht, sondern steigt und dag darüber hin- aus die Lage der werktätigen Bevölkerung infolge der Preissteigerung bei gleichzeitig gesunkenem Einkommen immer schlechter wird. Zu der gleichen Zeit, ivo die ReichSanstalt sür Arbeitslosen- Versicherung weiterhin über die„Erfolge" im Kampfe gegen die Arbeitslosigkeit berichtet, Hauken sich die Mitteilungen, aus denen hervorgeht, wie grob die Not i» verschiedenen Zweigen unserer Wirtschaft ist. Damit man uns nicht wieder der Verbreitung von„Greuelmärchen" beschuldigt, wollen wir hier ein Dokument wiedergeben, das die wahre Situation im„dritten Reich" grell beleuchtet. Ter GauwirtschafiSberater der NSDAP.. Gau. Köln- Aachen Tr.«chmidt, der berüchtigte Präsident der Industrie- und Handelskammer zu Köln. Freiherr von Schröder, die Industrie- und Handels- kammer zu Aachen, die Handwerkskammern zu Köln und Aachen, der Londesobmann der Teuischen Arbeitsfront, Bezirk Rheinland haben iolgenden Aufruf au alle Drucksachen- "erbraucher erlassen: Das Buchdruckgewerbe aber ixt in tiefster Not. Der Umbruch der Nation lial das Zeitung»■ und Zeit- schriftenwesen neu gestaltet, die zweckmäßige Aufhebung und Gleichschaltung im organisatorischen Aufbau hat durch bedeutende Einschränkungen von Zeitschriften und allgemeinem Drucksachenbedarf dem Buehdruckgewerbe belangreiche Aufträge entzogen. Einen Ersoff hierfür zu schaffen, ist bis heute noch nicht möglich gewesen. Die. Arbeitslosigkeit im Buchdruckgewerbe ist sehr groß. Wir müssen deshalb Mittel und Wega suchen, um das notleidende Buchdruckgewerbe und damit den graphischen Arbeiter wieder in Arbeit und Brot zu setfe n. Es wurde deshalb die Notgemeinschaft der deutschen Buchdruckereien, eine das gesamte Gewerbe umfassende Organisation zur Wiederherstellung der Ordnung der buch- gewerblichen Preisverhältnisse geschaffen, welche die. Unterstützung jedes Drudesachenverbrauchers verdient. Die notwendige Mindestpreisfeslseffttng für die Erzeugnisse des Buchdruckgewerbes ist unter Mitwirkung des Reiehskuru- toriurns für Wirtschaftlichkeit erfolgt. In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen: Die deutsche Papierfabrik verwendet wieder deutsches llolz. Das russische Holzdumping ist unterbunden. Das Reidiswirtsdiaftsrnrnisterium hat alle Papierfabriken durdx ein Zwangskartell eng verbunden. Eine geringe Preiserhöhung mußte gewährt werden, um die Erzeugungsstätten zu erhalten. Sie muß auch von allen Drucksadienverbrauchern mit nationaler Einsicht verständigerweise zu ihrem Teil getragen werden. W'ir setfeii uns hiermit für das Buchdruckgewerbe ein und fordern alle Behörden und Drucksachenverrbaucher von Industrie, Handel und Gewerbe auf: 1. das schwer ringende Buchdruckgewerbe mit. allen Kräften zu unterstüfjen. 2. jeden Drucksachenbedarf nur bei Mitgliedern der Not- gemeinschaft zu bestellen und Schleuderpreise abzulehnen, 3. von der Errichtung eigener Hausdruckereien abzusehen und die Selbstherstellung von Dtudcsachen und Abzügen während der größten Notzeit des Buchdruckgewerbes tunlichst einzuschränken. Köln-Aachen, im Oktober 1934. Ergänzend zu diesem Aukrus könne» wir berichten dop die D r uckerei T uM on t- s chan b e r g. die zu den gröpien Druckereien Teutschlands gehört, und in der die„Kölnische Zeitung" gedruckt wird, infolge Arbeitsmangels zahlreiche Entlassungen vornehmen mutzte. Während die Arbeitslosigkeit um sich greiit, und die Löhne gedrückt, bleiben, steigen weiterhin die Preise. Diese Preissteigerung läpt sich nicht verhindern. Tie ergibt sich zwange- läufig, wie wir wiederholt an dieser stelle gezeigt haben, aus der verhängnisvollen Blubopolitik des Nationalsozialismus. In dem obigen Aufruf haben die Unterzeichner wohl nicht gemerkt, dasi sie selbst ein vernichtendes Urteil über die Preispolitik des Nationalsozialismus gefällt haben, sie sagen nämlich, das. durch die Drosselung der russischen Holz- einfuhr und durch die verstärkte Perwendung des deutschen Holzes die Preise gestiegen sind. Gerade heute gibt der Reichsnährstand bekannt, dast die Herausnahme des Papier Holzes aus der allgemeinen Preisreglung zu überhöhten Preisen geführt habe. Aber all die„Warnungen" vor„über- höhten" Preissteigerungen können nichts nützen, solange nicht grundsätzlich eine Aenderung der ganzen Wirtschaftspolitik erfolgt. Datz die Preissteigerung eine natürliche Folge der naiio- nalsozialistischen Wirtschaftspolitik ist. geht beispielsweise auS folgendem Rundschreiben hervor, das uns von einem in Württemberg ansässigen Freund, der sich einige Tage in der Schweiz aufhielt, zugegangen ist. Dieses Rundschreiben ist auch deswegen bezeichnend, weil man daraus ersehen kann, wie die Fabrikanten, aus Angst vor der Gestapo, das Wort „Preissteigerung" vermeiden, obwohl der Zweck solcher Rundschreiben ist. die Kundschaft von der erfolgten Preissteigerung in Kenntnis zu fetzen. Mittler u. Schweizer Stuttgart,... Nov. 1934. Trikotwarenfabrik, Stuttgart An unsere werten Geschäftsfreunde! Die gänzlich veränderten Verhältnisse sowohl in bezug auf die Material-Beschaffung als auch, auf die Arbeitszeit durch das Faserstoffgesetj machten die Herausgabe der neuen Preisliste Nr. 29, die wir Ihnen anbei übersenden, erforderlich. Entsprechend den vermehrten Gestehungskosten der Ware sind unsere Preise etwas verändert: wir betonen jedoch ausdrücklich, daß wir uns bei den erforderlichen neuen Berechnungen streng on die im Faserstoffgesetj hinsichtlich der Kalkulation erlassenen Bestimmungen gehalten haben. Trotfdem unsere neuen Preise niedrigst kalkuliert sind, ist unsere Leistungsfähigkeit dieselbe geblieben.— Infolge der Unmöglichkeit der Beschaffung verschiedener Garnsorten erwies es sich allerdings notwendig. einige Qualitäten ausfallen zu lassen; dafür konnte jedoch unser Kunstseide-Sortiment mit einigen Neuheiten erweitert, werden. Da unsere letfle Preisliste bereits vor der Herausgabe der Einheits-Bedingungen der deutschen Tcxtil-lndustrie erschienen war und Verpackungskosten in den Preisen enthielt, brauchten wir Ihnen bislang die Verpackung nicht extra zu berechnen. Mit der Umstellung unserer Kalkulation sind wir jedoch verpflichtet, hierfür unsere Selbstkosten in Anrechnung zu bringen. Die Sätfc sind überdies durch die Einheits-Bedingungen geregelt. Wir bitten also um entsprechende Vormerkung Mit deutschen: Gruß! gez.: Müller u. Schweizer. Während somit die Preise durch die Blubo- und Devisen- bewirtkchastungspolittk unaufhaltsam steigen müssen, und da- mit eine weitere Entwertung der Mark herbeiführen, be- kämpft der Reichskommissar für Preisüberwachung. G o e r- d c l c r, kkcine Hausierer, die sich mit einigen Mengen von Nähgarn eingedeckt habe». Gerade dieses Leipziger Beispiel zeigt, wie unwirksam der ganze Kamps gegen die Preise ist. Er wird ebenso Schiffbruch erleiden, wie die heute schon histo- risch und berüchtigt gewordene„Arbeitsschlacht" Hitlers. Die Kleinen hängt man... Stuttgart, 13, Nov. Das WirtschaftSministertum hat einige Stuttgarter Metzgereien für 4 Tage geschlossen. Es handelt sich durchweg um kleinere Metzgereien, denen vorgeworfen wird, datz sie die festgesetzten-Höchstpreise überschritten hätten. Hinridifung eines Unsffluldigen Görings Verantwortung für den neuen Justizmord Im Herbst 1033 verurteilte das Frankfurter Sondergericht den 3»jährige» Lehrling Rcitingcr wegen angeblicher Ermordung eines SA.-Mannes zum Tode. In der Urteils- bcgründung selbst hich es, das; der Sa ch oerhalt nicht ganz aufgeklärt sei und das, möglicherweise ein anderer den tödlichen Schutz abgegeben habe; denn der getötete TA.-Ma»n war von mehreren Schützen gctrossen. Weil es jedoch eines andern Täters nicht habhast werden konnte, verurteilte das Sondcrgericht den jungen Reitinger. Die Nachricht von dem Todesurteil drang ins Ausland, sie kam endlich auch zur Kenntnis des wahren Täters, der mittlerweile Deutschland verlassen hatte. Unverzüglich wandte er sich an die Internationale Juristische Bereinigung, damit sie alles nur mögliche veranlasse, um das Leben von Neitinger zu retten. So erklärte denn K., der Augenzeuge des ganzen Nazi-Ucbcrsalls gewesen war und nahe bei Reitingcr gcstan- den hatte, alles, was er aeschen und getan hatte, zu Protokoll einer französische» Behörde. Es heitzt in dem Protokoll: „Ich kann mit Bestimmtheit sagen, datz Ret» tingcr nicht geschossen hat" und..als ich sah, wie einer der SA.-Leute eine Pistole aus der Tasche zog: zog ich selbst die meine und schätz aus ihn". Dieser SA.-Mann erlag später seinen Verletzungen. Das Original dieser alarmierenden Bekundung eines Augenzeugen sandte die Internationale Juristische Vereint» gung mit voller Namensangabe des Zeugen und amtlicher Identitätsbcurkundung an das Justizministerium mit der Forderung nach Neuausrollnng des Prozesses. Die Behörde« schwiegen. Rcitinger sah in der Todeszelle. Die faschistische Justiz ist und will sein eine Rackcjustiz. War der wahre Täter nicht erreichbar, so mutzte der, der trotz erwiesener Unschuld verurteilt worden war, sterben. Am 10. Ii. 1034 wurde Rei» tingcr enthauptet. In voller Kenntnis seiner Unschuld wurde die Bollzichnna des orätzlichen Urteils besohlen. Ministerpräsident G ö r i n g hat die Bollstreckuna des Ur» teils angeordnet. Er trägt die unverjährbare Blutschuld. Fcrnwirhnngen Wir haben schon öfter darauf hingewiesen, datz der zur Weitzglühhitze getriebene und zur Weltanschauung erhobene Nationalismus, der heute das deutsche Bürger- tum geistig verwüstet, sich gemötz den Gesehen der geistigen Ansteckung notwendig über die Grenzen hinaus ver- breiten und in letzter Linie im Hinblick auf die von Hitler- deutschland ausgehende Weltgesahr zu scharfen Gegen- matzregeln führen muh, unter denen das Auslandsdeutsch- tum besonders schwer wird leiden müssen. Damit wollen wir natürlich nicht den Uebernationalisinus anderer Völker, die sich nun gegen Deutsche wendet, gutheitzen— die internationale Arbeiterbewegung hat immer dos Recht jedes Volkes und Volksteils auf Pflege seiner nationalen Kultur anerkannt und die nationalistische Verhetzung in jedem Lande bekämpft— aber wir dürfen nie vergessen, datz dos Deutsche Reich, solange es Ver- st än d ig u n g sp o l i t i k trieb, als Mitglied des Völkerbundes imstande war, die Rechte der nationalen Minderheiten, vornehmlich der deulschen, wirksam zu vertreten. Durch den Rassenhochmut des Nationalsozialis- mus aber, der sich leichtfertig und brutal von der Gemein- schaft der Völker losgesagt hat, wurde Deutschland jede Möglichkeit abgeschnitten, die Rechte der ausländischen Volksgenossen zu wahren, zumal ja die der eigenen Staatsangehörigen rücksichtslos unter die Fütze getreten werden. In demselben Hefte des Amtsblatts des Reichsjugend- jührers(„Das junge Deutschland"), in dem erzählt wird, wie man jetzt den Gliedern des„angesehenen, selbst- bemühten deutschen Volkes besonders im Südosten Europas wieder mit g r o tz t e r Hochachtung be- gegnet", wird eine grohe Reihe Tatsachen angeführt, die sowohl das„Erwachen" der ausländischen Deutschen wie die Einwirkung dieses Vorgangs auf die Politik der an« deren Regierungen schlagend beleuchten. Da wird aus Rumänien triumphierend berichtet, wie die deutschen Siedler in Bessarabien den Juden- hoykott organisiert haben. Keinerlei Verkehr mehr mit den Juden! Diese, die vordem in guten Beziehungen und Geschäftsverbindungen mit den Deutschen gestanden hatten, appellierten an das deutsche Mitgefühl. Vergebens! Sie müssen zugrunde gehen oder auswandern. Tie Be- wegung greift auch auf die rumänische Bevölkerung über. Abends»erschlichen die Juden ängstlich ihre Häuser, wäh- rend die Hitlerjugend hoch zu Rah— es sind also Besitzer-, keine Arbeiter söhne— Kampflieder singend vor- überzieht. Ein glänzender Erfolg des deutschen Volks- geistes! Beeinträchtigt wird er nur. wenn man daneben hört, was in den Oststaaten gegen die Deutschen geschieht. Aus der Tschechoslowakei wird berichtet, datz der deutsche Einslutz(das Mitgefühl gilt immer den Ein» flustretchen!) in der Industrie immer mehr verdrängt wird. Hatte man vorher schon in der Spiritusindustrie die Deutschen aus den maßgebenden Verwaltungs- und Auf' sichtsratsposten hinausgewählt, so geschah das nun auch in der Zuckerindustrie. Von Litauen, wo ja das Ausnahmegesetz gegen die ,,Staatsfeinde". lies: Deutschen, besteht, heißt es, für Deutsche und Litauer gelte zweierlei Maß.„Wem) Deutsche Volbstnmsarbeit zu treiben suchen, werden sie als Staatsverräter behandelt." Zweierlei Recht! Das muß doch jeden Hillermann empören. E st l a n d:„Seil einigen Monaten hat im Zusammen- hang mit den letzten Ereignissen in Europa eine neue H c tz e w e 11 e in der Presse eingesetzt, die sich gegen alles Deutsche richtet. So kommt es zu den verschiedensten Ausschreitungen, da dem Volk einsuggeriert wird, es drohe ihm von Deutschland die größte Gefahr für einen selb- ständigen Staat lind so glaubt es, sich wehren zu müssen, indem es sich gegen das Deutschtum im Lande wendet." PresselMtze— welch furchtbarer Gedanke für einen Nazi? Und den Gedanken, daß das„Volk ohne Raum" sich die baltischen Länder einverleiben müsse, haben wohl die All- deutschen jenen Völkern„einsuggeriert". Aus S ü d s l a w i e n erfahren ivir, daß in einem schwä- bischen Dorf zwangsweise die Jugend einem slawischen Verein zugeführt worden sei und dessen Uniform tragen müsse. Ob die Leute wohl die deutsche HI.-Bewegung studiert haben? Jetzt breite sich das Schlagwort aus, die Deutschen dürften keine Staatsbeamten mehr sein. Für 40 000 deutsche Schulkinder gebe es statt 1000 nur 870 Lehrer, und auch diese wolle jene Agitation der ins Ser- hische übersetzten Hitlerseelen entfernt wissen. Leider hat ^er Reichsjugendführer dazu nicht angegeben, wieviel a r x i st i s ch e Lehrer für die Millionen Kinder marxistischer Eltern im„dritten Reich" beschäftigt sind, und wie hier die Regierung die Hetze gegen marxistische und jüdische Beamte in ihre Schranken verwiesen hat. Ja, es tut manchmal weh. wenn man selbst leiden soll, was man anderen so gerne zufügt. An diesen Beispielen, die sich leicht vervielfachen ließen, sehen wir. wie dieselbe nationale Fanatisieruna und Hochmutzüchtung, die im Hitlerreich planmäßig betrieben wird, Grund und Vor- wand für gleiche Ausschreitungen in anderen Ländern bieten müssen. Die Opfer sind dann vornehmlich die Deutschen, die wie die Juden am meisten unter an- dere Völker zerstreut, vielfach wegen ihrer Ueberlegenheit oder durch Ungeschicklichkeit im Auftreten unbeliebt und nun dazu durch den überschäumenden alldeutschen Fana- tismus überall verdächtig geworden sind. Diese Auslandsdeutschen müssen eben erkennen, daß auch ihnen nur eine internationale Politik der Völkerbesriedung und Gleichberechtiglkng nationale Frei- heit und Kulturschutz bringen kann. Werfen sie sich selbst weg an die rohe und ungerechte Politik der braunen Gc- walttätigkeit und Völkerverhetzung, dann können sie sich nicht wundern, wenn auch sie als Minderheiten die bit- teren Früchte ernten müssen. Zumal die geniale Politik .der großen Führer und starken Männer ihnen den wert- vollen Rückhalt des Minderheitenschutzes im Völkerbund geraubt hat. .peler Wie ein Emigrant durch einen Lockspitzel in die Fänge der Gestapo gelockt wurde Im„Berliner Tageblät t" sNr. 531) lesen wir: .»In den späten Abendstunden des Donnerstag fällte der senat im Volksgerichtsprozeß Rentier und Genossen das Urteil. Wege» gemeinschaftlicher Vorbereitung eines hochver räterischen Unternehmens wurden verurteilt: der 37 Ialire alte Rudolf Reutter aus Zechlendorf ,u drei Jahren Z u ch t h a u s, die 35 Jahre alte Maria Geist ans Verlin zu elf Monaten«34 an Versuchen zum illegalen Wiederaus- bau der KPD mitgearbeitet. Das Gericht blieb unter der vom Staatsanwalt beantragte» Höchststrafe von drei Jahren Zuchthaus, weil der Angeklagte im Kriege zwei- m a l. v e r iv u n d e t und mit dem Eiserne» Kreuz ausgezeichnet iv u r d e. Vom 3. Strafsenat des Kammergerichts Berlin wurden 4 3 K o m m u n i st e n abgeurteilt, die noch im Dezent- der 1983 versucht hatten, die Parteiorganisation fortzusetzen. Zellen wurden gebildet, Mitgliederbeiträge kassiert und Drncklchrifteu verteilt. Für den 1. Mai 1934 hat- ten die Angeklagten eine große Aktien geplant. Es waren Flugblätter hergestellt worden, die mit einem Abwursapparal von den Dächern geschleudert werden sollten. Roch bevor die- ser Plan ausgeführt werden konnte, waren die Täter jedoch verhaktet worden. Der ütsälirtge Fritz Höpkner wurde zu der gesetzlich zulässigen Höchststrafe von drei Jahren Zucht- haus verurteilt, der 30säl)rige Kurt Rciusch erhielt zwei- einhalb Jahre Zuchthaus. Drei Angeklagte wurden zu «inem Jahr neun Monaten Z n ch t li a n s verurteilt, die übrigen Angeklagten erhielten Gefängnisstrafen. „Dcufsdiiaml im nächsten Frühling hrlegsfählg" Und die franzdslsdiengltsdie Entente Paris, 13. November 1931. lBon unserem Korrespondenten) Gallus kommt im„Jntransigeant" auf das Interview zu- rück, das kürzlich der tschechoslowakische Außenminister Bc- nesch einem Redakteur der„Tailn Mail" gegeben, und in dem er erklärt hatte, er glaube, das Jahr 1983 werde der Beginn einer europäischen„Neberkrise" sein. Es handele sich -nicht um eine Nebcrkrisc ökononnicher, sondern politischer Art. Bcneich liabc gesagt, er spreche nicht davon, daß es zum 'Kriege kommen iverde, aber man werde hart am Kriege vor- beigehen. Nur ein sranzösisch-cnglisches Abwehrbündnis werde es ermöglichen, einen Zusammenstoß zu vermeiden. Warum, so fragt Gallus, fürchtet Benesch einen nahen Krieg, er, der bisher keinen Pessimismus kannte? Weil Deutschland im nächsten Frühling kriegsfähig sein wird. Aber, so fährt Gallus fort, ich denke, er übertreibt ein wenig. Ich weiß genau so gut wie jedermann, daß Deutschland»n- erhörte Anstrengungen macht, um seine militärische Schlag- kraft wieder herzustellen, die»eil c>n paar Monaten verzehn- facht ist. Es wäre also schon jetzt kricgsfähig, aber nur für einen kurzen, entscheidenden und für stch günstigen Krieg, wie er ihm vorschwebt. Das aber ist die Frage. Denn es wird sich nicht auf einen vierjährigen Krieg einlassen, wo es seine Lebenskraft aufzehre» würde. Es wünscht nur einen Kampf von einigen Tagen, aber einen Kamps mit schrecklichen Vcr- Wüstungen und furchtbarem Gemetzel. Doch zu diesem Kamps ist es noch nicht genügend vorbereitet, und wir, die wir gewarnt find, können die Abivehr vorbereiten. Zweifellos eine militärische Abwehr, deren Einzelheiten Jean Fabrti uns in ein paar Tagen darlegen wird. Vor allem aber eine diplomatische Abwehr. Bencsch verkündet, daß ein französisch-englisches Abwehrbündnis den Ausbruch eine? Brandes verhüten werde. Er hat Recht, nnd wir haben daS ja auch immer gesagt. In England icheint jetzt das Verstand- nis für die Lage aufzudämmern, ilnd die Wut der deutschen Presse gegen Macdonald ist der Beweis, daß Dcut»chland tatsächlich nichts so fürchtet, wie die Einigkeit zwischen Groß- britannien und Frankreich. Wir dürfen aber dabei die un- crlätzlichc Verständigung mit Italien nicht vergessen. Ein Dreibund Jtalien-Frankreich-England würde die bette Frte- denssicherung für Europa sein Man iveiß das bei uns nnd man arbeitet dafür. Aber um ihn zu ermögliche», bedarf es vor allem der inneren Einigkeit. Denn. io schließt Gallus, wenn man den äußeren Fiteden wünscht, muß vor allein im Lande selbst Frieden herrschen. * „Eonlasie-Erzeiigiilsse" von Ribbentrop dementiert und bestätigt London, 13. Nov. Nach seiner Unterredung mit Eden wurde Herr von Ribbentrop von einem Vertreter des Reuter- büros danach befragt ob eö stimme, daß er die Frage einer Rückkehr Deutschlands i« den Bölkerbnnd und in die Ab- rüstungskottferenz angeschnitten habe, wobei er die Bed.n- gung gestellt hätte, daß Teutschland von den Militärklauseln des Vcrsailler Vertrages entbunden würde. Ribbentrop erklärte, er wisse davon nichts, wahrscheinlich handele es sich bei dem Gerücht um ein Fantasieerzeugnis. Deutschland wünsche ritte europäische Solidarität und eine Zusammen- arbeit ans der Grundlage der Gleichberechtigung aller. Nur ein? solche Zusammenarbeit könne die Krise beseitigen. ❖ Unter der„Grundlage der Gleichberechtigung" versteht aber Hitlerdeutschland die Legalisierung seiner Ausrüstung und das setzt die Preisgabe der einseitigen E?twaffnungs- bedingungen im Vcrsailler Vertrag, voraus. »er„rührer" ohne Autorität Der Ktrdiensfrcit d'e!d! ausweglos Hitler wünscht ein schnelles Ende des protestantischen Ktrchenftreits herbei. Er empfing die oppositionellen Vischöse, hörte die Alarmruie einiger Gauleiter ttttd erklärte schließlich, daß er sich fortan um den Kirchenkamps nicht mehr kümmern«verde. Die Streitenden sollten ihre Auseinander- setzungen„unter sich austragen". Diese„Lösung" beivies die Hilflosigkeit des„Führers". Sein totaler Gleichschaltnngs- wille hat den Konflikt entzündet. Als ihm die Flammen zn hoch schlugen, erklärte er sein Desinteressent. Aber es ist zu spät. Der Protestantetistreit frißt weiter, und Hitler kann ihn nicht mehr eindämmen. Er ist ohne Autorität. Täglich verschärft sich die Lage und mehrt sich die Ver- wirrung. Hinz» kommt die Rücksicht aus die Taar. Alle Einlenkungsversuche erfolgen nur dem Scheine nach, um die Abstimmung nicht zn gefährden. Viele glauben, daß nach dem Plebiszit ein rücksichtsloses Gcwaltregiment ein- setzet! würde, sowohl gegenüber dem opponierenden Prote- ftanUStntts wie dem KatholizsSmus gegenüber. Hitler ver- suche, seine alten Kämpfer unter den„deutschen Christen" so lange wie möglich zn halten nnd darum die Entscheidung — die ihm die Entwicklung freilich schon aus der Hand ge- nommen hat— zu vertagen. v!e ineowgleprotessoren Segen Müller Sie verweigern die Prüfungen... Berlin, l3. Nov. Wie sehr sich die Lage im Kirchenkampf verschärft, beweist ein sensationeller Beschluß der Mehr- heit der deutschen Thcologicprofessoren. Sie weigern sich, künftig noch im Namen der Reichskirche als Examinatoren bei theologischen Prüfungen zn wirken, solange Miiller im Amte bleibe. Dadurch besteht die Geiahr, keinen Pfarrer- nachwuchs mehr zu bekommen. Unter den 1)8 Namen tdie Professoren, die Müllers Rücktritt fordern» finden sich auch diejenigen Prof. Gogartens tBreslan» und Prot. Fczers lTübingen), die früher zu den„deutschen Ehristen" gehörten und ihnen dann enttäuscht den Rücken kehrten. Auch der Dekan der theologischen Fakultät in Berlin und frühere Univcrsitätsrektor Dcißmann unterstützt die De- Drosselung der Reidiswohlfahrfsliilfe Die gleichgeschaltete„Köln. Zeitung" meldet aus W u p- p e r t a l": „Die Drosselung der Reichswohlsahrtshilfe hat auch in Wuppertal dazu geführt, daß der„Zuschuß für die Fürsorge nicht unbeträchtlich angewachsen ist. Auch hier hat sich ergeben, daß die Wohlfahrtshtlse stärker gesenkt worden ist, als es dem Rückgang der Zahl der Erwerbslosen entsprochen hätte. Im April>934 gingen noch 331 OtX) Mark an Wohlfahrtshtlse ein, im September aber nur noch 118 900 Mark. In derselben Zeit ging jedoch die Zahl der vom Wohlfahrtsamt unterstützten Personen nur von 30893 Parteien mit 80478 Köpfen aus 38 489 Parteien mit 03 793 Köpfen zurück. Die Zahl der vom Wohlfahrtsamt unter st ützten Per- fönen i st als o n n r u m 1 0 v. H. z n rückgega n g e n, iv ä h r e n d die Reichswohlsahrtshilfe u in s a st die Hälfte gekürzt worden ist. Da aber die Stadt- Verwaltung bei der Ausstellung des Wolilsahrtshaushalts keinen fühlbaren Rückgang der Hilfsbedürftigen in Rechnung gestellt hatte, werden gleichwohl nach der Halbjahrs- rechnung die Ausgaben inr Wolilfabrtserwerbslose und sonstige Hilfsbedürftige um 3 438 090 Mark geringer sein als im Voranschlag. Ermäßigt haben sich auch die Ausgaben für die N o t st a n d s a r b e i t e r. und zivar nach dem bisherigen Stand um rand 120 000 Mark. Dagegen sind erhebliche Mehraufwendungen für Pflicht und F ü r s o r a e a r b e i t e r zn erwarten. Die Zahl der Fürsorgearbeiter ist von 500 auf über 3000 gestiegen. Auch hat sich gezeigt, daß der Durchschnittsaufwand bei den Pslichtarbeitern erheblich höher liegt, als im Haushaltpla» angenommen worden war. Es sind nämlich mehr verheiratete Erwerbslose mit Kindern zur Pflichtarbeit herangezogen worden. Ans diesen Gründen ivird d->n sialbiakfeSbericht zufolge mit Mehrausgaben Gr PUicht und Fürsorge- arbeiter von 3 470 000 Morl gerechnet Das Gesamtergebnis ist eine Mehrbelastung dieses Haushalts um 1 133 000 Mark." missionssorberung, ebenso mehrere seiner Berliner Kollegen, die schon im Sommer die mutige Proklamation der 84 Hoch schullehrcr gc-' n das offizielle Kirchcitregimcyt unterschrieben hatten. In der iicuesteti Nummer des kirchlichen Gesetz btattcs erklärt Reichsbischof Mittler nochmals, er denke gar nicht an e i n c D c m i s f i o n. Meiser predig!... Er glaubt an den„Führer" München, 13. Nov. Am Sonntag predigte Bischof M e i s e r von Bauern in der Kirche St. Matthäus in München vor 8000 Zuhörern. In seiner Predigt sprach er von dem Frieden, der mit Hilter geschlossen worden ist und betonte, daß sich niemand gegen den neuen Staat auflehnen solle, welcher, wie er sagte,„unter den größten Schwierigkeiten in solch schwerer Zeit aufgebaut wurde". Meiser forderte die Gläubigen auf, mit ihm gemeinsam zu. beten, damit der Führer und Reichskanzler sein großes Werk der d c u t-s ch c n Wieder- geburt erfüllen könne. Die protestantischen Theo logicstndenten'der Universität Tübingen, die sich nach Skutt- gart begeben hatten, um dem Bischof Wurm ihre Treue zu bezeugen, haben am Sonntag eine große Demon- st ratio» zu Ehren des Bischofs veranstaltet. Eine zahl- reiche Menge schloß sich den Studenten an und begrüßte den Bischof in den Straßen. Der zähe Müller Die Wirkung seiner Erklärung Berlin, 13. Nov. Müllers jüngste Erklärung, daß er auf seinein Posten verharren wolle, hat die Bekenntnis- kirchc erneut aus den Plan gerufen. Sie hat jedoch große Schwierigkeiten, weil auch die Kirchenblättcr nichts mehr über die Ausciuattdersetzttttgett bringen dürfen. Sie muß daher ihre Anhänger durch Broschüren und durch Flug- blätter oder durch direkte Informierung in geschlos- s c n e n Versa m m l u n g e n und von der K a n z r l herab auf dem Lau senden halten. Wie man in den Kreisen der Bckettntttiskirche hört, will nian von diesen Möglichkeiten so oft Gebrauch machen, als dies möglich ist. „Vlve Dournergue"! Großer Aufmarsch der französischen Rechten Paris, 13. November 1934. Eine Anzahl von Rechtsorganisationen Ha! den Jahrestag des Waffenstillstandes dazu benutzt, um ihre Anhänger zu einer großen Demonstration für den bisherigen Minister- Präsidenten Gafton Doumerguc und damit für eine Regierung der starken Hand auszurufen. Der Anfsorderuttg der Rechtsvrgatiisatioitett Naben viele Tausend von Personen Folge geleistet. An der Demonstration beteiligten sich die Ieuu«ffe»Patrioten mit dem Pariser Abgeordneten Tail- tingcr an der Spitze. Die UnivcrsUätslUgeud, die Pa- trioten-Liga, die Aktion francaiie sowie auch die Franciften in ihren blauen Hemde,, und die antisemitische, wie behauptet ivird, von Goebbels subventionierte Svlidarite srancaisc. Das eigentliche Gepräge gaben der Demonstration die disziplinierten nnd ivohlorganisierten Reihen der Croix de Feu mit dem Oberst de La Roqne an der Spitze. Die Demonstranten stillten die breite Avenue de Fvche, wo sich die Privatwohnung von Toumergue befindet, ebenso die anliegenden Straßen. Oberst de La Roqne hielt eine kurze Ansprache, in welcher er erklärte, daß die Tentonstra- tion dem großen Franzosen gelte, der nach de» Ereignissen vom 0. Februar den Bürgerkrieg in Frankreich verhindert hätte. Seine Ansprache schloß er mit dem Ruf:„Es lebe Doumergue!" Dieser Ruf hallte sttiitdenlang in der Avenue de Fochc wider, und Doumergue ist wiederholt ans dem Balkon seines Hauses erschienen, von der Menge stürmisch begrüßt. Abgeordneter TaKtlnger und Oberst de La Roqne suchten Doumergue in seiner WoHuung auf. Es siel auch aus, daß unter den Besuchern Marschall Potain und der an« seinem Posten verbliebene Lnftsahrtminister. General D e n a i», waren Diese Demonstration, die die Stärke der Rechtsorganisa- tiiute.it in der französischen Hauptstadt offenbarte, ivird in politischen Kreisen lebhaft besprochen. Für Deutschland SAAR BEILAGE Gegen Hitler! „DEUTSCHE FREIHEIT- f einigung mit Teutschland ausspreche» wird. Tobei muß noch auf die weitere Komplikation hingewiesen werden, das? in dem Kapitel über die Volksabstimmung nicht von einer Entscheidung des Bölkerbundsrates, sondern des Völker- bundes die Rede ist. so das? offenbar ein letzter Appell an die Vollversammlung des Völkerbundes zulässig wäre. In Teutschland selbst ist die Meinung ivcit verbreitet. Deutsch- land könne sosort vom Saargebict Besitz ergreifen, wen« sich am 13. Januar 1933 eine Mehrheit siir die Vereinigung mit Teutschland ausspreche. Da» wäre selbst dann nicht der Fall, wenn alle Stimmen für Teutschland abgegeben würden. Tie Bestimmungen über die Völkerbundsentscheidung sind hier in verhängnisvoller Weise ebenso vieldeutig ivie jene, die zur Zerreißung Obcrschlesiens geführt haben. Ter Völkerbund ist an das Votum nicht gebunden, sondern ent- scheidet mit Stimmenmehrheit nur„unter Berücksichtigung des durch die Volksabstimmung ausgedrückten Wunsches darüber, unter welcher Souveränität das Gebiet tritt". Mau kann vernünftigerweise voraussetzen, daß Willkür i?ach Möglichkeit vermiede» werden wird. Nach dem Vertrag aber fönntc der Völkerbund entscheiden, daß das Saarland cnt- weder ganz oder zum Teil unter dc?n gegenwärtigen Regime bleibt, entweder ganz oder zum Teil mit Frankreich, citt weder ganz oder zum Teil mit Teutschland vereinigt wer- den soll. Der Schicksalstag Zu? Friedensvertrag ist keine Frist angegeben, bis zu der nach der Abstimmung eine Aenderung des Regimes durchgeführt werden muß. Tie Uebcrgangszeit wird jedenfalls nicht kurz bemessen sein, und sie wird ivohl davon abhängen, wann der Völkerbund die Garantien für die von ihm ge- stellten politischen und wirtschastlichen Forderungen als er- füllt ansehen wird. Also selbst wenn der Völkerbund das Abstimmungsergebnis so auslegt, daß die Vereinigung mit Teutschland dem Wunsche der Saarbcoölkerung cutspricht, wird wohl noch viel Wasser die Saar abwärts stießen, ehe diese Vereinigung tatsächlich erfolg« sein wird. Tie Verant- ivortlichkeit des Rates ist aber um so größer, als die Saar- cntscheidung eine Prestigefrage ersten Ranges für die nationalsozialistische Regierung geworden ist. Ter. nahe be vorstehende 13. Januar ist also ein europäischer Schicksalstag/' Am Samstag. Sonntag und Montag hat die sozialistische- kommunistische Einheitsfront ihre stürmische VersammI-rugS- welle in zahlreichen Orten des SaargcbieteS weiter borge- tragen. Trot, aller Abschreckungs?nittel waren die Versammlungen glänzend besucht, zum Teil überfüllt. In allen Kundgebungen sprachen neben anderen Rednern die uncr- müdlichen Führer der Einheitsfront Mar Brau>? und Friy P i o r d t. In zahlreichen Versammlungen nahm auch Pater Dörr da» Wort. Ter Straßenierror unmittelbar vor den Versammlungsräumen Hot sich nicht mehr in der bisherigen frechen Form bcnvrkbar gemacht. Tie Einheit» front dringt vor. Verfragsbrudi! Ocslcrrcidiisdic Stimme zum Sdiidtsalstag der Saar Die große versammiungsweiie Das..Neue Wiener Tageblatt"', darunter dem Regime des österreichischen Faschismus erscheint und deshalb keineswegs verdächtigt werden kann, daß es der anti- faschistischen Front an der Saar wohlgesinnt ist. veröffentlicht einen Artikel über die nächste Zukunft des Saargebietes, der eben deshalb interessant ist. weil er in einem Blatte steht, das:u unseren Gegnern gehört. Das Blatt schreibt in seiner Ausgabe vom II. November unter anderem: Die Stärke der Antifaschisten nm\ t£"!? M bis zum 30. Januar 1933, daß fast hundert Prozent der stimmen für Teutschland bereit stän- ieil' Äi l H'tlers Regierungsantritt und namentlich r-ir»»»»'" l 931 ist bei einem nicht unbeträchtlichen Te»l der Bevölkerung, der sich nicht der Diktatur des„drit- «J-tilrr^'terwerfen will und der selbst von national- sozialistischen Optimisten ans mindestens 39 Prozent geschätzt wird, die Neigung entstanden, sich für die Fortdauer des keineswegs volkstümlichen VöllerbuiidsrcgimenlS zu ent- scheiden. -ict Völkerbundsrat hat unter der Voraussetzung, daß zu dieser Zeit eine von innere» llnruhe» nicht gestörte, wahr- hast trete Wohl gesichert ist, die Abstimmung aus den nach dem Vertrag nächstmöglichen Termin, aus Sonntag, den i-l. Januar 1935. festgesetzt. Noch int April dieses Jahres hat der bekannte Großindustrielle Her»,an« Röchlina die Ve- Häuptling auigestcllt, die nach Auslösung aller bürgerlichen Parteien nicht ohne starken moralischen Druck gebildete „deutsche Front", zu deren eifrigsten Führer» er zählt, werde H'tler neunundneunzig Prozent der Stimmen zu- fuhren. Auch er wird diese Schätzung heute kaum ausrecht- erhalten angesichts der noch immer wachsenden Agitation, die die Parole„Für Teutschland— gegen Hitler" ausgibt. Die Entscheidung des Völkerbundes Man erkennt, welche ungeheure Verantwortung de», Völkerbundsrat aufgebürdet morden ist, nachdem die Mag- lichkeit. ja die Wahrscheinlichkeit gegeben ist, daß ein nicht unerheblicher Teil der Stimmen sich gegen die sofortige Bcr- Rückgliederung gefährdet Saarhohlenabsafz Gu ilaumes frktärungen Wir haben wiederholt an dieser Stelle an Hand von Zahlenmaterial den Beweis erbracht, daß der Anschluß an -vitlerdeutschland den Saarkumpel» Arbeitslosigkeit»nd Not bringt, weil dann für die saarländische Kohle kein Absatz im bisherige» Umfange mehr vorhanden fei» wird. An die eeren Versprechungen, die Goebbels seinerzeit i» Zweibrucken gemacht hat. glauben selbst die Anhänger der Röch Iing Front nicht mehr, da man auch dort den Wert der Ver- Ivrechiiiigen dieses Lügenministcrs zur Genüge kennt. Immerhin versucht man aber seitens der Röchling-Front die Tatsache zu bestreiten, daß im Falle der Rückgliederung der z-aarkohlenabi'atz mindestens um die Hälkte zurückgehen wird. Es wird näuilich seitens der Hitleranhänger au der -aar die freche Behauptung aufgestellt, daß die Gefahr des Niedergangs der Saarkohlengrube» im Falle der Rückalicde- rung angeblich zu den„üblichen Greuelmärchen" der Emi- grauten gehört und daß angeblich die Franzosen selbst im Falle, der Rückgliederung nach wie vor die Saarkohle ab- nehmen würden. soeben hat der Generaldirektor der Saar- gruben, G u i l l a u n, c, eine Broschüre„Tie Handels- Politik der französischen Tomanialgrubcn des Saargebiets" herausgebracht, in welcher von dieser maßgeblichen und sach kundigen französische» Seite unsere„Greuelmärchen" voll und ganz bestätigt werden. Am Schluß seiner interessanten Broschüre setzt er sich mit Röchling auseinander und erklärt, daß einem weiteren Anwachsen der Verwendung von Saar- kohle in den ostsranzösischc» Kokereien, die Tatsache der ver- stärkten.Konkurrenz belgischer und holländischer Grube» im ivege steht. Tann schreibt Guilläuipe wörtlich: Unabhängig von jeder politischen Erwägung, ist es doch einleuchtend, daß ein Regimewechsel im Saargebiet diese Schwierigkeiten nur vergrößern würde, die Anwendung der Zolltarife und die aus der Aufhebung der Gemeinschaft»- tarike sich ergebenden Erhöhung der Versandkosten würde wahrscheinlich diese Schwierigkeiten zu unübcriviudbarcn Hindernissen steigern. Für die anderen Kohlensortcn als die Kokssorten gilt diese noch vielmehr. Und glaubt jemand, das? der französische Bergarbeiter zum Vorteile seines saarländischen Kollegen weiterhin Feier- schichten hinnehmen würde, wenn daS Saarregime sich verändert?? Es handelt sich um vier bis fünf Millionen Tonnen jährlich. Aufgabe der Saarländer ist es, in Kenntnis de» Sach- verholtes über ihr Schicksal zu entscheiden. Frankreich hat immer alle politischen Meinungen im Saargebiet respektiert. Es hat nie daran gedacht, die Saarländer französischer Her lnust, die sich unter de» feurigsten Vorkämpfern für die Rückkehr der Saar zu Teutschland befinden, als Verräter hinzustellen. Tollte sich aber die Frage stellen, dann wird Frankreich berechtigt sein, die wirtschaftlichen Folgen dieser Terror! Schafbrücke. Hier hat der braune Torsgewaltigc folgenden Anschlag machen lassen: Abschrift „letzter Aufnahmetermin Am Hl. November ist der letzte Termin zur Ausnahme in die Deutsche Front. Es ist den 3 von Stahlhammcr Gelegenheit gegeben, sich der Allgemeinheit anzuschließen. Wer nicht mit nns ist— ist gegen Teutschland.— Alle für Teutschland, Wir reichen bis zum 10. November noch jedem die Hand, der mit uns gehen will.— Tu. deutscher Volksgenosse, gehe Deinem inneren Herzen nach und nicht denen, die Dich irreführen gez. Walter Groß." Rückkehr am Maßstab seiner eigenen Interessen, deren Wür- digung ihm allein zusteht, zu beurteilen. Aus diesen Mitteilungen Guillaumes gehl also deutlich hervor, daß, wenn da» Saargebict zu Hitlerdeutschland kommt, die Franzosen nicht mehr daran denken werden, die vier bis fünf Millionen Tonnen saarländischer Kohle abzn- nehmen. Tie Folge wird dann erhöhte Arbeitslosigkeit und wirtschaftlicher Niedergang der Saar sein. Frankreich besieht auf seinen Forderungen Budapest, 11. Nov. Gerade in der Entwicklung der Saar- frage, zeige sich, daß das jetzige Regime in Teutschland aui» schwerste die deutscheu Interessen geschädigt hat. Dieses Rc gime hat aus parteipolitischen Erwägungen heraus, um sich an der Macht halten z» könne», die Südtiroler an den italie- nischen Faschismus und die deutsche Bevölkerung im Korri- dor an Polen verraten: so hat auch als Regime der Bar- barei die Saarbevölkerung gespalten. Wenn eine wirklich deutsche und nicht volkSsremdc Regierung heute in Berlin ihren Sitz hätte, dann wurde die Frage der Rückgliederung an der Saar überhaupt nicht diskutiert werden.^ Aber die Hitlerrcgierung hat nicht nur eine Spaltung in der Saarbevölkcrung gefördert, sie hat darüber hinaus durch die Mißwirtschaft, die sie betrieben hat. der Rückgliederung unüberwindliche Hindernisse in den Weg gestellt. De»" da» bankerotte„dritte Reich" ist praktisch nicht i» der Page, die Kohlengruben zurückzukaufen und die im Saargebict investierten ausländischen Gelder zurückzuzahlen. Indessen zeigt es sich immer deutlicher, daß Frankreich unter allen ll m st ä n d e u die Wahrnehmung seiner w i r t i ch a s t l i ch e n Interessen gesichert habe» will. In dieser Beziehung ist es be- zeichnend, was eine maßgebende sranzösische Persönlichkeit dem. römischen Korrespondenten des hiesigen„Pesti- N a p l o" gegenüber erklärt hat. Ter französische Gewährs- mann..der sich in Rom anläßlich der Sitzung der Dreier- .Kommission aufgehalten hat. sagte dem Korrespondenten: „Frankreich werde niemals zustimmen, daß vor der end- gültigen Lösung der wirtschastlichen Fragen Teutschland das Saargebiet beletze. Frankreich sei sich darüber im klaren, daß»ach einer eventuellen deutschen Besetzung die berechtigten Interessen Frankreichs nicht mehr durchgeie^L werden könnten Solange diese Fragen nicht erledigt seien, dürfe kein behördlicher Vertreter Teutschlands das Saar- gebiet betreten." Diese unzweideutige Erklärung zeigt, welch enorme Kompli- katioue» im Saargebict entstehen würden, wenn sich wider Erwarlen bei der kommenden Abstimmung eine Mehrheit für Hitler ergebe» wird. Sldiert den bedrohfen Frieden! Heraus zu den Taalbau-Kundgebungen in Neunkirchen am Samstag, dem 17. 11., abends um 20 llhr, in Saarbrücke n am Sonntag, dem 18. 11., nach- mittags um 17 Uhr. Es werden sprechen: Diplomingenieur'und'Regierungs- baumcister Ebcrbach— Tr. Völkleiu. ehemaliger Redakteur der„Taarbrttcker Zeitung" und eine Reihe weiterer be- kannter Persönlichkeiten. Thema: Saarabstimmung und Frieden. Da» Initiativkomitee: gez. Peick, Ingenieur, Wertheimer, Rechtsanwalt, Tr. med. Franke. Tr. med. Trucker. Pro- fcsior Grein. Ihre Beteiligung und Mitwirkung haben zugesagt die antifaschistische Einheitsfront und eine Reihe weiterer. Arie- bensörganifationen. Acht Tage find bereits seit Veröffentlichung der letzten Ehren liste der Ausgebürgeiren vergangen und dennoch ist bis heute weder von irgend einer Stelle des Völkerbundes, noch von der Regierungskommission des Saargebieies, noch von der Abstimuiungskominission zu diesem eklatanten Ver- tragsbruch der Berliner Regierung offiziell Stellung gen^m nun. Wir haben zwar aus Gens berichtet, daß im schone des VölkerbnndsselretariatS diese Frage erörtert wird, aber das genügt nicht. In dieser Angelegenheit ist eine Geheimnistuerei unzulässig, es muß zumindestens offiziell von einer maßgebenden Stelle bestätigt werden, daß entiprcchendc Schritte eingeleitet ivcrden. Wir wollen noch einmal den Sachoerhalt feststellen: Vor dem Völkerbundsrat hat die deuksche'Regierung s«jer lich erklärt,„sich jeden unmittelbaren und mittelbaren Druckes zu einhalten, der die Freiheit und die Aufrichtig- keit der Stimmabgabe beeinträchtigen könnte." Sic hat feierlich erklärt,„sich gegenüber abstimmungsberechtigten Personen jeder Verfolgung. Vergeltungsmaßnahme» oder Schlcchterstcllung wegen der politische» Haltung, die diese Personen in Beziehung aus die Volksabstimmung eingc nommen habe», zu enthalten." Eine ganze Reihe von Schriftstellern und Journalisten sind indessen ausgebürgert worden, weil sie den Statns-quo-Anf- ruf uilterzeichnet resp. an einer Versammlung von Mar: Braun teilgenommen haben. Tie Ausbürgerung mit die>er Begründung bedeutet einen unzulässigen Druck der von der Berliner Regierung während des Abstimmungskampfes ausgeübt wird und damit eine Verletzung des Genfer Abkam- mens, das von demselben Neurath linterzeichnet worden war, dessen Unterschrift auch unter der Ausbürgerungsurtünde steht. Aber es geschah noch mehr: ausgebürgert ist auch G.ustav Regler, der abstimmungsberechtigter Saarländer ist. Da- ' mit hat die Berliner Regierung offensichtlich den zweite» Teil des von uns zitierten Genfer Abkommens verletzt. Selbst das Organ der„deutschen Front", die„Saarbrücker Zeitung", gibt offen zu, daß hier ein eklatanter Vertrags- bruch vorliegt, indem das Blatt schreibt: „Es bestätigt sich, daß die französische Presse mit ihren Meldungen über die Rückwirkungen der Entziehung der Reichszugehörigkeit bei gewissen Unterzeichnern zu weit geht. So hatte der Genfer Korrespondent des„Temps" seinem Blatt gemeldet, die Rechtsabteilung des Völker bundssekretariats beschäftigte sich mit dieser Frage und sei der Auffassung, daß das Reich' in den Abstimmungskampf eingreife, wenn es Leute, wie den Fürsten von Hohenlohe und KlauS Mann wegen Unterzeichnung des Saaraufrufs und Unterstützung der Status guo-Anhäv-er die Staatsangehörigkeit abspreche. Als ob diese etwas mit der Volksabstimmung an der Saar zu tun hätten!" Nun, Regler hat etwas mit der Volksabstimmung an der Saar zu tun und eben deshalb ist es höchste Zeit, daß die RegierungS- reip. Avstimmungskommission sich dieses Falles annehmen, damit die Bevöllerung an der Saar weiß, daß feierliche Vereinbarungen, die in Genf unterzeichnet werde», auch tatsächlich eingehalten werde». Es darf nicht so weit kommen, daß bei einem Teil der Saarbevölkcrung der Ein druck entsteht, daß Verträge»ack berühmtem Vorbild,„ein Fetzen Papier" seien., Nadi drei Mönchen! Auch ein Berichtigungsversuch Seit dem 19. August hat die„Deutsche Freiheit" zahllose Fälle von Wahlfälschungen und Wahl- t e r r o r veröffentlicht, ohne daß ein einziger davon auch nur hätte bestritten werden können. Nach fast 3 Monaten macht die„Saarbrücker Zeitung"(Nr. 301) endlich den Versuch, eine einzige Meldung zu widerlegen, die am 25. August in der„Deutschen Freiheit" erschienen ist. Tie stammt aus Eltville am Rhein. Eine Rückfrage von Saarbrücken nach Eltville ist auch im Schneckentempo inner halb 48 Stunden zu erledige». Wenn die„Saarbrücker Zei- t»ng" für ihre Untersuchung f a st 3 Monate gebrauch l hat. läßt da» allerlei Rückschlüsse zu. Wir könnten unS dar aus zurückziehen, daß unser Gewährsmann seine Mitteilung aus Eltville an zwei Stellen mit der einschränkenden Bcmer kung„eS soll" versehen hat. Vergleicht man aber die an uns gelangte Mitteilung mit der jetzigen„Richtigstellung" in der„Saarbrücker Zeitung", so wird z. B. nicht bestritten, daß die Uebersuhrung des Möbelhändlers Horachck, der Wahl fälsch»»gen behauptet hat. in eine Irrenanstalt verfügt wo'r- den ist. ES wird nur gesagt, Horachck sei nie in einer Irren- anitalt gewesen. TaS hat in unserer„Soll-Meldung" auch gar nicht gestanden. Unser Gewährsmann hat auch nicht behaup tet, daß Horachck langjähriges Mitglied der NSDAP, ist, sondern daß er sich als solches ausgegeben hat. Und so wird dann allgemein vorbei„berichtigt". Uns scheint, man bat drei Monate gebraucht, u m die Sache in Eltville zu vertuschen und durch die Bearbeitung der Kritiker zu regeln. Und nun glaubt man mit einer Richtigstellung kommen zu können. Wenn die Sache klar wäre, hätte man sofort berichtigt. Tie Richtigstellung nach drei Monaten aber zeigt, daß in Elt- ville, wie in taufenden deutschen Orten, faule Wahlschi«, Hungen vorgekommen sind. Knox über den Terror der„deutschen Front"! 0 ir soften den Abdruck der Denkschrift des Präsidenten der sa tu Hindi sehen Heeiei ungskornrnission an den Völkerbund foi t. Politik mit Sichtwechse! T ic B o»ko t t in a ß n a Hnie 11 Onlieit einen außergewöhnlichen liinfoiiii im öen beiden Gebieten des K i l in w e l e n s und nee H n p o t h e k e» ni a r k t e s genommen, Tie beschlagnahmten Unterlagen geben einen Einblick in diese systematisch nertofate Tätigkeit. n Ter Veiter der Abteilung siir ,Filmwesen bei der„deutschen t". der ehemalige Gewerbeoberlehrer Wagner. Hai einen Plan entworseu, um alle Lichtspieltheater im Saargejbjet sich Oeingig zu machen Er entwickelt diesen Plan in einem schreiben vom 7. K» l i 198-1. das im wesentlichen folgenden besagt: m Anschluß daran hatte ich auch daraus hingewiesen, daß wir in der letzten Phase den Abstimmiingnkampfen im- bedingt auch die vorhandenen Mino» zur Abirimmiingn Propaganda mit heranziehen müssen. Wenn ivir dan tun wollen, müssen wir dafür Sorge tragen, dag wir die Licht spieltheaterbesiher im Saarg^lnet jetzi schon seit in unsere Hand bekommen Nach den zuletzt mit Krau.... gemachten Ersahrungen — Kran.... hacte ihren«aal am Hü. Kuni Mar Sirann zur Verfügung gestellt— weis; man bis jetzt noch nicht, ob im gegebenen Zeitpunkt alle Theaierbesitzer sich uns restlos zur Verfügung steilen. Vor einem Kahre, als wir die Kilmbezugsgenossenschaften ausziehen wollten, glaubten wir, durch verschiedene Bindnilgen wirtschaftlicher Art es zu erreichen, daß die Theaterbesitzer sür den Abstimmung«- kamps nach unserem Willen handeln müssen Die Bezugs- genoffenschast ist damals aus betauuten Gründen nicht zustande gekommen. Nach meinem Dafürhalten müssen wir jetzt unbedingt daran denken, etwas anderes zu schassen, damit die Theaterbesitzer in ein bestimmtes Abhänaigkeits- Verhältnis zu uns— d h, der„deutschen Krönt"- ge- langen. Kch halte es daher für angebracht, das; maßgebende Stellen gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft der Kilm- Verleiher eine Aktiv,, in die Wege leite», nm den saar- ländische» Theaterbesitzer,, auaenblicklich finanzielle Bor- teile zu gewähre». Nur dadurch wird es möglich sein, die Theaterbesitzer, die jetzt infolge der schlechten Wirtschaft«- läge und vor all-,» auch der zahlreiche» Besuch? der Saar- länder im Reich, schwer zu leide» haben, fest an sich zu ketten. Herr Wagner erklärt dann seinen Plan. Es wäre ein Konds zu bilden. Tank diesem Konds tonnten die Kilminieten prozentual ermäßigt werden, ober nur unter ganz bestimmten Bedingungen. Beispiel:„Angenommen, ein Theater besitze,' hätte siir einen ftllm Hin NM zu zahle», durch die finanzielle Unterstützung wäre es möglich, in NM. aus dem st-onds zu tragen, so hätte der Theaterbesitzer angenbliellich mir nn NM. aufzuwenden. Kür die restlichen 411 NM., die er augeubliiklich nicht zu zahlen brauchte, mühte er dann dem Berleiher eine»«icht- Wechsel aushändigen» der irgendeiner stelle zugeleitet würde, um im gegebenen Kalle, wenn der Theaierbesitzer später au« der Reihe tanzt, ihm vorgezeigt zu werden." „Wir selbst aber," erläutert Her, Wagner,„hätten später die Möglichkeit, da mir mittlerweile eine:Nci2e von«icht- wechsel» in die Hand beton,n,c„ würden, die Tyeaterbesitzer so zu beeinflussen, dah sie nn» im Abstimmungslamps ihr Tbeater voll und ganz zur Bersügnng stellen Die Not der saarländischen Theaterbesitzer ist sehr gr„h, und fix werden gerne zugreifen, da sie einen wirtschaftlichen Bortest davon haben, und wir die„deutsche Kraut" haben die Möglichkeit, uns die«aarkiurs für den Abstimmung«- kämpf in unserem Sinne restlos dienstbar zu machen." „Terrorerlolg wundervo'i" Ter Boykott der Zwangsversteigerungen von Häusern wird von Herrn Savelkonls, dem Gründer und Leiter des Trntzbundes für wirtschaftliche Gerechtigkeit, geführt. Hier geht es darum, die ungehinderte Auswirkung der Ge- setze dadurch zu unterbinden, daß die«aarbewohner unter Zwangsanwendung gehindert werden, die durch Gerichts- beschlnß insbesondere auf Antrag der ausländischen Hypo- thekenglänbiger zur Bersleigerung gelangende» Häuser zu erwerben. Zu einem Bericht über seine Tätigkeit in den vorhergehenden Wochen äußert sich Herr Savelkonls wie folgt:„Ter Trntzbund stellt folgende Korderungen: l. Es ist unvereinbar mit der Pflicht eines Ternsche», daß er bei der Versteigerung eines solche» Grundstückes ein Gebot abgibt... 2. Es ist unvereinbar mit der P»licht eines Deutschen, daß er ans ein derartig angesteigertes Grundstück eine Hypothek gibt oder dem Ansteiqerer einen Mcedit gewährt. Es ist gleichfalls und ganz besonders jedes Deutschen unwürdig, daß er ei» solches versteigertes Grundstück unmittelbar oder mittelbar erwirbt..."„Wir haben damit von manchem einen großen Verzicht gefordert.." „Der Erfolg unseres Rufes war wundervoll Neberalt, wo solche Zwangsversteigerungen drohten, fände,, die Ber- steigerer keine»anslnstigen mehr..."„Es stellte sich dabei hera»s, dah diese Ausländer, die Angst um ihre Hnpotheken i», Saargebiet haben, erst recht keine Grundstücke hier , b-sitzen wellen, zumal, wenn sie befürchten, daß sie bei e'»e», solch-» zwangsuersteioerte»>«icke keine Mieter und euch späterhin feine Käufer finden würden.."..Durch das Eiuoreisen des Trntzbundes ober sind die Glä"bioer die schwächeren geworden. Sie stehen jetzt vor der Wahl, daß sie entweder die Bedina>-noe„ be« Trntzbundes annehmen ober aber überhaupt kein Geld bekamme».."„Die ans- I-indischen Gläubiger sind zn jedem Entgegenkommen bereit." Herr Savelkonls erläutert daraiikhin die von ihm getroffenen Maßnahmen zur Senkung des ZinSsttheS. Er bemerkt hierzu folgendes:„Ober aber es find Kalle. wo der Schuldner nicht den Mut hat, sich an uns zu wenden, weil er dann die Kündigung des Darlehns befürchtet. Ticic Furcht ist meist unbegründet, denn wir würden eine solche Kündigung als Rache für die Ziusberabsetzung und als einen offenen Annriff auf den Trntzbund betrachte» und entsprechend erwidern" Es wird schwerlich behauptet werden können, dnsi es sich hier um wirtscha'Uiche Maßnahmen bandelt. Herr Savelkonls selbst erkennt deren politischen Charakter an. Er bestätigt ihn sogar in einem Schreiben, das er am 27. Avril 1984 an Herrn Biirckel. Gauleiter der Pfalz shente B-vollmächtigter für das Saargebiet). gerichtet hat. und daS tzch aus soknenben Betrachtungen erklärt: Herr Savelkonls h-t»e, um die ansländüche» Gläubiger teilweise zn beirie- diiieu. die verfügbaren Bestände der«vorlassen sowie Gelder aus dem Reich herangezogen. Bereits Ende 1983 sah er voraus, daß diese Quellen versiegen könnten, und daß ins- besondere die Devisenknappheit der deutschen Banken ein .,v,„»ni!» fein würde. Was er befürchtete, tritt im Avril 1984 ei,. l?r verdoppelt daraufhin seine Schritte bei den deutschen Behörden, insbesondere bei einem Mitarbeiter des damaligen Vizekanzler»». Papen. Nm seinen Anträgen mehr Nachdruck zu verleihen, schreibt er an Herrn Biirckel den bereits erwähnten Brief, in dem folgende Sätze vorkommen:„Bei- gefaltet erhalten Sie Abschrift eines an Herrn Qberregie- rungsrat Dr. Win gen, Bizekanzlei, gerichteten Schreibens. Kch halte es sür notwendig, dah diese Krage der Ablösungen mit aller Energie ansgegrissen wird, da sie nicht nur wirt- schastlich und sozial, sondern auch politisch von allergröhter Bedeutung ist. Wenn Geld zur Ablösung bereitgestellt werde» kann, ist der Trntzbund durchaus in der Lage, die Abwehraktio» derartig durchzuführen, dah bei etwaigen Zwangsversteigerungen feine Gebote abgegeben werden niid damit der ausländische Gläubiger wieder stillhält oder aber selbst ansteigen! muh. ,1m letzten Kalle muh ich natllr- lich den Volksgenossen die Zusicherung geben können, dah sie nach der Rückgliederung ihr Anwesen wieder erwerben können. Aber auf jede» Kall muh ich missen, wie ich mich einzustellen habe, da selbstverständlich die Aktion des Trutz- bundes von ganz anderem Ernste ist und viel härter sein muh, wenn sie derartig aus die rücksichtslose Abwehr ae- richtet sein soll" Berlin erzwangt Gleichschaltung Tie vorstehend angeführten Beweise dürften genügen, um den illegale» Charakter des systematischen Boykotts festzustellen, der von der Organisation des Herrn Savelkonls durchgeführt wird, und dem, wie Herr Savelkonls selbst erklärt, politische Absichten keineswegs fremd sind. Tie gleichen Methoden lassen sich feststellen, wenn es sich kür die„deutsche Krönt" darum handelt, die verschiedensten Verbände und Bereinigungen des Saargebietes, selbst die- jentgen. deren Ziele mit Politik rein gar nichts zn tun haben, unter ihre Kontrolle zn bringen Gleichzuschalten!. Hierzu könnte da» B-leae diitzeudweii" anführen: eiiiiae würden erstaunliche Tinge enthüllen. So wurde selbst der Schach- verband des Saaraebietes von der Gleichschaltung nicht per- schont Der Vorsitzende mußte auf Befehl von Berlin tMinisterialdirektor Zander! ersetzt werden, weil er an einem Turnier in Saargemünd lKrankreichi teilgenommen»nd bei dieser Gelegenheit einige Worte über den Straßbürger Rundfunksender gesprochen üatie Sogar das Reicksprova- gandaminifteriiini hält es der Müsse wert, sich mit der Angelegenheit zu befassen: sein Eingreifen liegt aktenmäßig fest. Landgerich'srat als Denunziant Nebe» dem Boykott besteht als weiteres Druckmittel die Denunziation bei den deutschen Behörden. Ein junges Mätzchen der ärmere» Stände, das in der Küche eines Krankenhauses beschäftigt ist, wird Ende März 1984. obwohl sie eingeschriebenes Mitglied der„deutschen Krönt" ist, wegen Propaganda>lir die freien Gewerkschaften denunziert. „Kch bitte deshalb, da die g B... des öfteren zum Besuch ihrer Mutter noch«... bei W.. iReichsgebietj fährt, »m ihre scharfe Beobachtung beim Grenzübertritt»nd um entsprechende Mitteilung an unseren Gewährsmann. Außerdem bitte ich um vertrauliche Behandlung der vor- erwässnte» Angelegenheit" Am 2ö Kuni 1984 wird, ein gewisser M.... der„Heil Moskau" statt„Heil Hitler" gerufen hatte, denunziert. Der Ortsgruppensiihrer der„deutschen Krönt" schreibt:„Wir haben sofort telekonikch und schriftlich den Sonderbeauftragten 'ür dieie Kälte den S»nr>»bonniührer des SA-Stumnbannes 2 44 Wadern. von der Sachlage unter Zeugengngaben in Kenntnis gesetzt." Der Leiter der Rechtsakte» In na. Herr Kreudenberaer, der noch vor kurzem Richter am Landaericht Saardrücken war, scheut sich nickt, am 24. Kuli 1934 einem nationalsozialistische,, de»tscsse» Beamten Auskünfte über, einen politisch"!! Ktii-btlin» zn erteil"» Er aibt dess-» Adresse an sowie E; ,n"lb"ii"„ üb-r fe f» Rrinatl-b"»»»>> kssat hinzu, daß er in Klttchtlings- und kommunistischen Kreisen ver- kehre. Ans die Anführung weiterer Beispiele kann verzichtet wrden. Es wird niemandem entgehen, daß die vorstehende Schilderung zahlreiche strafbare Handlungen erkennen läßt. Die meisten fallen unter die am 1. Kuli 1984 mit Wirkung vom 11. Juni 1984 in Kraft getretene Amnestie. Bemerkens- wert ist nichtsdestoweniger, daß die Betroffenen reckt feiten Klage einreichen Die Kälte sind zahlreich, in denen Saarländer. die sich bei der„deutschen Krönt" beschweren, ausdrücklich erwähnen, daß sie„ans reicht begreiflichen Gründen" von einer AnklagcerHcbnng Abstand nehmen. S*• 0 1 i?(tungsdienst Nach den Angabe», welche die„deutsche Krönt" sowohl in der Presse als auch in Beantwortung von Anfragen der Re- gieriutgskommission gemacht hat, soll die Aufgabe des Ord- Illingsdienstes darin bestehen, die Ordnung innerhalb der Partei ansrechtznerhalten, sowie die Wahrung der Disziplin und Beobachtung der gegebenen Anweisungen zu sichern. Er sollte den Uebereiier von Parteimitgliedern und die Be- lästigung politischer Gegner unterbinden. K» Wirklichkeit ist er eine verkappte Polizei, welche die Mitglieder, ia selbst die Kührer der Partei überwacht, und eine in ständiger Alarmbereitschaft und zum Einsatz ans der Strahc bereitaehaltene„Kraft". Die Regierunqsknm- wiiflon bat über die schnelle Znsammenziehuna zahlreicher Mitglieder der„deutschen Krönt" bei aewissen Anlässen berichtet(Zwischenfälle in Saarlonis. Dnrchsnchunaen in Saarbrücken»nd Brebachs'•'» mit Kabrrädeh» n»d Mo- torrädern arbeitender Meldedienst wurde beobachtet. Es unterliegt keinem Zweifel, dah es sich hierbei nm den Ordnungsdienst handelt. Der organisatorische Aufbau des Ordnungsdienstes ist demjenigen der»„deutschen Krönt" ähnlich: er besteht ans den einfache» Mitgliedern de» Dienstes weiter findet man den Zcllcitlcitcr. den SektionSIeiter und den KrciSobinann. Der Leitung der„deutschen Krönt" sind zwei Knspektoren des Ordnungsdienstes zugeteilt, die Herren Eonrad und Lonsdorser' beide sind frühere Kührer der aufgelösten SA. ISturm-Abteilungen! und SS.(Schutzstaffeln). Ein Schriftstück enthält eine Aufstellung der Bezirke und Ber- iammlungsortc des Ordnungsdienstes im ganzen Saar- aebtet, nach Bürgermeistereien geordnet. Karten find als Anlagen beigefügt. Man ersieht daraus, wie das ganze Saar- gebiet von einem lückenlose» Netz dieser Polizei, die über schnelle Verkehrsmittel verfügt, überzogen ist. Bei dem er- wähnten Schriftstück handelt eS sich um einen Mobil- mach'inasplan im wahrsten Sinne des Wortes den ein vom 27. Kuni 1984 datiertes Schriftstück übrigens„Dispvsitions- plan" nennt. Nach Jnsormatioiieii. die der Negiernngskvni- Mission aus anderen Quellen zugegangen sind, belauft sich die Effektivstärke des Ordnungsdienstes aus annähernd zehn- tausend Einheiten, unter Einschlug von 1500 weiblichen Mitgliedern. Der Ordnungsdienst ist oft nicht gern gesehen bei den ein- fachen Parteimitgliedern, sowie Parteifunktionären. Dl« Gr- nennnng seiner Unterführer bietet zu Konflikten Anlaß, die -»ach der Zahl der beschlagnahinten Schriftstücke zu urteilen — die Landesleitung stark zu beschäftigen scheinen. Pia» kann sich des Gefühls nicht erwehren daß der Ordnungsdienst die im Reich den SS. zugeteilten Aufgaben erfüllt.^ as wirb von dem Leiter dieses Dienstes.in St. Zohann ldem bedeutendsten Stadtteil von Saarbrücken) in einem Schreiben vom Monat Juni 1984 ohne weiteres angenommen:„Meine Aufrage an den Leiter des Ordnungsdienstes geht öahin. zu wisse», iver dem Ordnungsdienst Kiistruktione» zn citeilen hat. Die Ortsgruppe oder der Leiter des OrdniiiigsdienNcs lim Reich der«turinführei oder Sturmbannführer!, dam t man weih, welchikn Befehl wir als Unterführer befolgen sollen." Welches sind die Ausgaben de« Ordnungsdienstes? Um hiervon eine Vorstellung zu geben, genügt es, auc.->c Akten einige Stellen wahllos herauszugreifen: Man steht ihn beschäftigt mit der Ucbcrwachung der Köstlichkeiten, der Kundgebungen, der Kirmessen, mit der Abfassung geheimer Berichte, sowohl über Parteimitglieder, als auch über Gegner, mit der Am- decknng von Mihbränchen in dem von der„deutschen Kraut" durchgeführten Winterhilsswert oder von Unregelmäßig- feiten, die aus Anlaß der verbilligten Arbcitersahrten nach dem Reiche begangen wurden. Ein Parteimitglied gibt ieiuem Erstaunen darüber Ausdruck, dah eine gegnerische Partei Klugblätter verteile» konnte, „ohne dah ein Ordnungsdienst in Aktion trat. Kch selbst habe morgens in der Dämmerung durch Mitglieder der ehema- ligen NSDAP einen Teil des Ortes säubern lassen". Der Leiter des Ordnungsdienstes nn Kreise Saarlouis beschwert sich unterm i>- Kuli 1934 darübe! daß der Kreisleiter der Partei ihm allzu oft die Benutzung des Autos venveigerl: „Wie Sie selbst wissen, hat der Ordnungsdienst in nächster Zeit größere Ausgaben zu erfüllen, und da der Kreis Saar- lonis 79 Ortschaften hat. die zum größte» Teil weit ans- einander liegen und schlecht zu erreichen sind, ist es mir nicht möglich, dieses alles per Kahrrad zurückzulegen." Er bittet, ihm einen kleinen, älteren Wagen zur Ncrsügnng zu stellen, denn„der Wage» der Kreisleitung Saarlouis ist zu luriös. Wenn ich einmal eine Kahrt damit mache, werde ich das Gefühl nicht los, dah das Volk heimlich zueinander sagt, siehe, da kommt schon wieder mal ein Bonze von der Kreisleitung." Pirros Patschtruppen Dic Ordnungsdienstlente erhallen eine besondere Ausbil- dnng. Kit einem Schriftstück oom 2>i. Kuni 1984 wird envähnt, dah eine der Sektionen des Ordnungsdienstes dem Eisen- bahiiersportverbanü angeschlossen worden sei, und daß dic llevtingsstuitdcn jeden Mittwoch im Volksgarten stattnnden. In einem andere» Schriftstück vom 2. Kuli>984 beklagt sich die Deutsche Turner,chasi darüber, daß ihre dem Ordnungs- dienst angehörenden Mitglieder an besondere» Ucbmtgs- stunden teilnehmen müssen. Der Ordnungsdienst bildet jedenfalls einen zur Verfügung der..deutschen Krönt" stehen- den Machtiaktvr. Das schreibt sogar einer ihrer Leiter, Herr Conrad, am■">. Kult 1034 an Herrn Pirro selbst in zwar vorsichtig gewählten, aber doch genügend klaren Worten: „Daß da« Band der Kameradschaft uns alle an der Saar umschlingen möge, daß wir zu einer Einheit zusammen- geschweißt werden müssen, damit der Landesleiter über eine zuverlässige Kraft verfüge, wenn es gilt, seiner Politik zur Durchführung zn verHelsen, und wenn es lein muh mit notwendigem Nachdruck zu versehen." ^ lieber diese Organisation wird mit Vorbedacht großes Stillschweigen bewahrt. Doch liegt ei» unbestreitbares Zeug- uis vor, das von Herrn Kiefer. Leiter der Gewerkichatisirmit und Landespropagaiidaleiter, stammt. Einer seiner Mitarbeiter legt in einem Bericht vom ä. Kirnt 1984 an Herrn Pirro im Auftrage des Herrn Kiefer des letzteren Ansicht über verschiedene Kragen dar Es heißt darin: „Herr Kieser hält den Ordnungsdienst, wie er sich heute ausbaut, für überaus bedenklich. Es könne der Oessentlich- keit nicht verborge» bleiben, daß Sonntags am Kieielhumes crerziert wurde: am Homburg habe ma» 10 Man» als Ordnungsdienst angegsben und ließe Sonntags über 90 Man» zu Hebungen antreten." Dieses' Ungünstige Urteil findet sich wiederholt in anderen «chriftltlickeii, die von weniger autorisierte» Personen her rühren,«o schreibt ein Bürger vo» Saarbrücken am.'>. Kuli 1981 an leinen Ortsgruppenleiter:„Die Marx!sie»kreise ar- betten aus Grund dieser Zeriptitterniig mit einer»iiheim- lichc» Energie. Kalls es der„deutschen Krönt"»icht gelingt, 'st Oskill kurzer Zeit aus dem UnordnnngSdicnst einen nnbe- dingt zuverlässigen Ordnungsdienst zn schassen, wir den 18. Kaniiar I98.> als Tranertag in der deutsche» Geschichte ver- zeichnen können." Es wurden verschiedene Schriftstücke gesunde», die aus ein verschleiertes Weiterbestehen der von der Regiernngskvin- nnffion aufgelösten SA. schließen lassen. Einige sind alter- buigs nicht recht verständlich: so ein Schriftstück vom 12. April 1984. das die Eristcnz einer Motor-SA erkenne» läßt, welche am 14. April 1084 in^meibniefen launerlialb deö Saargebietes) eine Kelddienstübung abhalten sollte. Ihr 'Z»Heer soll leine Leute veranlaßt habe», sich nach Möglich- k-tt.-Uete,„„d Uniformst ticke zu besorgen. Ein vom 12. Kuni 1984 datiertes schreiben offeiibart das Bestehen einer Slabs- wachc. die»ach dem Wortlaut des Belegs selbst als eine Nenichoptiiiig in Erscheinung tritt. Und kürzlich erst hat eine wegen verbotenen Uiiisormtragens verhaftete Person erklärt, einer Slabsivache anzugehören. Aber auch hier wird vic klarste Auskunft van Herrn Miefer gegeben. x\n einem schreibe» vom 22. Kuni U{34, in dem er sich ivegen eines geringfügigen«treitv. zwischen seiner Organisation lder „deutschen lOewerkschastsfront")»nd einem Schützenverei» betchivert. schreibt er:„der Klihrer des«chützeuvrreins, der aus der früheren SA. gehilde, wurde" schließlich muß noch eine Organisation erwähnt werden, welche einen eigenartigen Namen trägt: die„Ei'crne Bri- gode Spartiol" Dieic rekrutiert sich nach einem Schriftstück vom-8. Kuni 1934 aus Bewohnern der Gegend von Saar- lonis und beionders von Lisdorf— der Heimat bec Herrn «paniol^ lese Brigade soll dem Staatsrat Spartiol vor lesneni«turz einen persönlichen Eid geschworen habe» und !i' le Ruckkehr erwarten. Man muß indessen feststellen, daß -^i.?unisatlon durch den Ordnungsdienst, insbesondere iiirm denen Letter Conrad, scharf Übermacht wird. Sorgfältig werde malle Auskünfte über die Anhänger des Herrn Spg- .w Beispielsweise wird in einem Bericht vom -3. Kmil 1934 die Anwesenheit des Herrn Spauiol selbst im -icnfichen Daus am 21. Juni gemeldet.„Herr Staatsrat Spa- niol war da und die ganze alte Garde. Unter anderen Lie- dern wurde auch gesungen: „Schlagt dix Pirroncscn tot, Tod de« Pirro." sKortfetznna folgt! $>rutsche ftimmen• tteitage xut..Deutsdten Freiheit'• trei&nisse und GestfkiMen ■ |5j)||i||ffr;«P'jwiipiir Mittwoch, den 14. November 1934 Sie Jieise nach Ziw^ 2)ie Juden von JUdästina- neonate Ulenschen Ist Goebbels doch ein Jude?„Weltverschwörer" singen die „Melodie der Arbeit!" Ein Nazi fuhr nach Zion! Welch eine Todesverachtung! Hat denn dieser Nazi nicht den„Stürmer" gelesen? Kennt er die„Protokolle der Weisen von Zion" nicht.' Aber daß er hinfuhr, ist allein noch nicht das Er» staunliche. Dieser Nazi kam sogar wieder zurück! Lebendig, noch mit allem arischen Blut, das er in seinen Adern hatte! So kann man tatsächlich zu der Annahme gelangen, daß es weniger gefährlich ist ist, als Nazi nach Palästina, denn als Jude nach Deutschland zu fahren.— Aber das ist noch nicht genug des Erstaunlichen. Es wird noch viel geheimnisvoller. Dieser Nazi hat nämlich einen Reisebericht darüber geschrieben, der im„A n g r i f f" erschien. Und noch mehr: dieser Bericht läßt uns die Juden Palästinas als ganz normale Menschen erscheinen. Das ist das Erstaunlichste!— Da hören wir, daß viele Intelligenzler ihren alten Beruf aufgegeben haben und in die kollektiven landwirtschaftlichen Siedlungen gingen, da erfahren wir, daß die Juden dort in Arbeiterjuden, Händlerjuden usw. zerfallen, daß sie sehr helfshereit sind, und sie— die„Geldgierigen!"— obendrein noch ablehnten, für geleistete Hilfsarbeiten eine Entschädigung zu nehmen. Wir hören von dem Berichterstatter, der sich schamvoll hinter dem Pseudonym Lim versteckt, daß die Kinder dort so selbständig sind, daß schon die Babys in diesem Land ohne das Führerprinzip auskommen, wir sehen Abbildungen im„Angriff", die manchen ins Erstaunen sehen werden. Wenn Herr Leers diese Bilder in seine nächste Auflage von„Juden sehen Dich an" übernehmen wird, werden seine Parteigenossen entrüstet fragen, wie er dazu kommt, Bilder von arischer Arbeit einzureihen! Heber die jüdischen Babys hat Lim klugerweise ganz geschwiegen, denn das deutsche Rasseamt hätte diese Kinder auszeichnen müssen, weil sie blond und blauäugig zur Welt kommen und die Ziele des deutschen Rasseamtes vorwegnehmen. Erst wenn die Kinder bewußter werden, wenn sie wachsen und reifen, streifen sie diese arischen Eigenschaften großzügig ab. weil sie da schon zu innerlich sind, um auf solche Aeußerlichkeiten zu bestehen. Anerkennend muß Lim über die kolonisatorischen Fähigkeiten der Juden sprechen, er muß zugeben, daß die Juden das alte Land zu neuem Leben erweckt haben und sich in mühevoller Arbeit die Grundlagen eines neuen Lebens schufen. Das arbeitende Palästina erzwingt von ihm ein solches Bekenntnis, daß in diesem Land die„Melodie der Arbeit ertönt". Auf der anderen Seite sieht er jedoch auch «ehr richtig kapitalistische Juden, denen es erheblich besser geht, wodurch er ungewollt zugeben muß, daß die Juden, wie alle Völker, sozial differenziert und keineswegs ein Volk von Rothschilds sind. Auch in politischer Hinsicht enthält dieser Reisebericht kaum Gehässigkeiten, sieht man von redaktionellen Bemerkungen ab. Keineswegs erscheine» die Juden als Urheber der Unruheil, im Gegenteil, sie kommen sehr gut weg. Ist-oebbels vielleicht doch ein Jude? So fragt man sich, wenn man den Bericht verschlungen hat. Halten wir Palästina nicht stets als das Zentrum der„jü- dischen Welt Verschwörung" kennengelernt? Sind die„Protokolle der Weisen von Zion" wirklich schon überholt?^ ill Hitler seinen Kauipf wieder einmal in einem Punkt revidieren und Rosenberg seine Schriften neu schreiben.' Oder wollen die Nazis gar ihre Emissäre aus Palästina zurückziehen, die mit den Mitteln der deutschen Regierung — konsequent ihrem Programm folgend— gegen Alljuda auch in Palästina kämpfen? Aus dem Bericht Lims müßten sich solche und andere Folgerungen ergeben. Aber die deutsche Stellungnahme zum Judentum, ist doppelzüngig geblieben bis auf den heutigen Tag. Während Lims Berichte erschienen, ging die Heye weiter. Die„Deutsche Zeitung" brachte einen niederträchtigen Artikel über das Scheunenviertel. der beispiellos verlogen ist. Zugleich teilt sie mit, daß den jüdischen Jugend verbänden durch eine„begrüßenswerte Anordnung des Berliner Polizeipräsidenten" nun endlieh das Handwerk gelegt werde. Die Anordnung bedeutet praktisch die völlige Lahmlegung der zionistischen Tätigkeit. Auf der einen Seite sagt man also: gut so, geht nur los nach Palästina, unsere SA. wird noch für euch sammeln. Auf der anderen Seite sucht man die zionistischen V orberei- tuiigen mit allen Mitteln zu stören. Inzwischen wurde sogar die„Jüdische Rundschau" verboten, die immerhin ein bedeutendes Ausland hinter sich hat, das allein ihre Existenz ermöglicht haben dürfte. Streicher wütet nach wie vor, Kube und andere bescheinigen ihm seine„historische Berechtigung" und viele Juden leben in der Furcht vor neuen Aktionen gegen sie. Unter diesen Umständen ist das Erscheinen dieses palästinafreundlichen Reiseberichtes sehr geheimnisvoll. Auffallend ist es, daß für die Serie Lims eine rege Propaganda entfaltet wurde, die echt goebbelssch war. Silberstücke wurden auf den Straßen verteilt, die in den Dienst der Propaganda für diese Serie und darüber hinaus für den „Angriff" gestellt wurden. Besonders der Berliner Westen wurde bearbeitet. Ganz bestimmt handelt es sich nicht um eine Wendung in der Judenfrage. Aber es ist nicht ausgeschlossen, daß nationalsozialistische Kreise besonders die regierungs- frommen und solche, die der Wirtschaft nahestehen, den Antisemitismus„staatsmännisch klüger" und etwas„kultivierter" machen wollen, um bei den Deutschnationalen und der alten Bürokratie nicht ganz in Ungnade zu verfallen. Darüber hinaus will man auch mehr gelesen werden. Dem „Angriff" geht es ja bekanntlich so, daß auch er eher sterben als leben kann. Und wenn jemand„saftigen" und„aufwühlenden Antisemitismus" genießen will, dann liest er den „Stürmer" und nicht diese„Angriff-Stümperei". Aber das kann der Nationalsozialismus nicht tun. Andererseits kann ihm allen Ernstes auch nicht daran liegen, alle Juden Deutschland verlassen zu sehen. Wenigstens einer muß zurückbleiben, denn wer soll für die herannahenden Pleiten und schließlich für die endgültige Katastrophe des Regimes verantwortlich gemacht werden? Streicher aber wird im nächsten„Stürmer" schreiben:„Es bleibt das Geheimnis der Weisen von Zion, mit welchen hinterlistigen jüdischen Mitteln sie den alten„Angriff-Geist gebrochen haben, wie sie diese furchtbare Sabotage unseres besten nationalsozialistischen Gedankengutes in ein Haupt- organ unserer herrlichen antisemitischen und bis über unseren Tod hinaus judasfeindlichen Aufklärungsliteratur hineingeschmuggelt haben. Ist der„Angriff" den Drohungen Judas erlegen? Oder haben die Freimaurer hier ihre Hände im Spiel? Nagt die jüdische Weltpest nun auch schon an unserem arischen Körper einer judenlosen Zukunft? ^Berichte mm Jücchenkampfi Aus kleinen uavdieestdeutscfien Städten Ein illegal im Reich tätiger Freund sendet uns die hei folgenden Belichte. Sie gehen nichtige Einblicke in den Kirihenstreit und seine Wirkung an den Orten. ron denen man weniger hört. Es handelt sith um hie nordwestlichen Gegenden Deutschlands. Der Ver- fasser ist Akademiker. In unserem kleinen, rein bürgerlichen Ort, Sih einer Zentralbehörde und einer Reihe anderer Behörden, treibt ein fanatischer, blutjunger brauner Geistlicher sein Unwesen. Er nimmt trotz seiner Jugend und seiner absoluten Ungeistigkeit in der Hakenkreuz-Hierarchie einen hohen Rang ein. Zu Pfingsten hatte er im Hauptgottesdienst der großen Kirche sieben Zuhörer. Am zweiten Pfingsttage ist die Predigt des zweiten Geistlichen, seines schärfsten Gegners, demonstrativ überfüllt. Ende September verliest dieser zweite Prediger, ein älterer Konsistorialrat, von der Kanzel einen Protest gegen die unrechtmäßige Autorität des Reichs- bischofs. Zwei Tage darauf meldet die Presse lakonisch, seine Beurlaubung. Am folgenden Sonutag schließt sieh der dritte Geistliche, ein noch sehr junger Mann, dem Protest des Kon- sistorialrats ausdrücklich an. Die Folgen sind nicht bekannt. » In dem gleichen Ort wird eine Protestkundgebung gegen die Hillerehristen improvisiert, bei der um I Uhr nachmittags bekanntgegeben wird, daß als Sprecher der Landes bischof Malirarens-Haiinover. reden wird. Der Zulauf ist enorm. Da alle Säle der Stadt dem Bischof gesperrt werden, stellt ein Händler eine große Scheune zur Verfügung. Sic ist für die Massen viel zu klein, so daß auf freiem Felde, bei völliger Dunkelheit, getagt wird. Ein Gottesdienst von stärkster Wirkung. Dies um so mehr, als ein paar Wochen vorher der Herr Müller aus Berlin in dem gleichen Ort angekündigt war, aber n i ch t gesprochen hat. * Noch deutlicher trat die Oppositionsstimmung gegen die V ergewaltigung der evangelischen Freiheit in einer andereil Stadt im hohen Nordwesten in Erscheinung. Audi dort wird der Landesbischof Mahrarens als Redner angekündigt. Im Nu sind die 1500 Plätze des größten Saales verkauft. Man organisiert zwei Parallelversammlungen in einem kleineren Saal und in einer Turnhalle. Noch einmal sind 1500 Plätze vergriffen. Im nachtdunklen Garten aber stehen bei schlechtestem Wetter weitere 3000 Menschen und harren demonstrativ aus, trotzdem sie durch die geöffneten Fenster knapp ein Wort verstehen können. Sie bleiben bis zum Schluß. Die sogenannte Gesellschaft sitzt vorn im Saal und gibt bei den Kraftstellen ebenso demonstrativ das Zeichen zum Beifall. An der Spitze die beiden bekanntesten Beamten der Stadt. Allerdings wird der Bischof beim Betreten des Saales mit dem F aschistengruß begrüßt. Statt„Heil Hitler" begnügt man sich mit„Heil". Die SA., die keine Karten mehr erhalten hat, wird von der Polizei nicht in den Saal gelassen, da der Saal überfüllt sei. * Der Bischof spricht rein referierend über die juristischen und theologischen Differenzpunkte. Starke Beifallsäuße- rungen. Nach ihm aber, in des Bischofs Anwesenheit, tritt als zweiter Redner ein jüngerer Pfarrer, Träger eines neuerdings sehr bekannt gewordenen Namens auf. Er spricht mit größter Leidenschaft. Jeden Augenblick erwarten die Anwesenden seine Verhaftung durch die Polizei. Dem Sinn nach und teilweise wörtlich äußert er: Soeben haben Sie ihren Landesbischof gehört, hinter den sich in schriftlicher Abstimmung unter voller Namenszeichnung 88 Prozent der Geistlichen ihrer Provinz gestellt haben. W i r haben in Westfalen auch einep Landesbischof; aber er hat mit Ihrem Bischof nicht mehr gemein als den Titel. Hinter ihm stehen vielleicht 10 Prozent der Geistlichen unserer Provinz. Doch im„dritten Reich" genügt ja das bekanntlich, um darauf einen F'ühreranspruch zu begründen.(Starker Beifall, ironische Zwischenrufe). Ueber die heutige Versammlung werden Sie in Ihrer Zeitung oder im Rundfunk selbstverständlich kein Wort hören. Im„dritten Reich" darf bekanntlich die Wahrheit nicht ausgesprochen werden.(Demonstrativer Beifall). Im„dritten Reich" gibt es keine Wahrheit(Händeklatschen). Wir sind zu dreien in unserer Familie gemaßregelt worden. Mein 75jähriger Vater, dein mau die Pfarrerpension sperrte, mein Bruder, ein früherer Seeoffizier, Vater von sechs Kindern, und ich selbst. Bis heute hat man uns seihst vorenthalten, worauf jeder Mörder vor seinem Tode ein Reiht hat: eine Begründung des Urteils gegen uns. In dieser Form redet der Geistliche zu den Massen, die ihm immer wieder lautesten Beifall zuklatscfaen.,. Die SMaom=tmatirl)lf t sEnznklika..Casti connuöii"). Am 10. Juli teilt nun der»vi IFIlalt»» „Osservatore Romano", das amtliche Blatt des Vatikans, mit, daß diese Auffassung des deutsch» Gelehrten„s a l s ch und unbegründet" ist. Demnach hält der Vatikan das deutsche Gesetz zur Verhinderung erbkranken Nach- wuchscs siir vereinbar mit katholischer Weltanschaung. Dies ivird siir viele Katholiken eine große Beruhigung sein und katholische Hebamme» die Aufklärungsarbeit in der Bevölkerung und ihre eigene, vom Gesetz vorgcschrie- ben Meldepflicht sehr erleichtern" Aus der Veröffentlich deS„Osservatore Romano" geh» ein- heutig hervor, daß von einer Aendernng der Stellungnahme des Vatikans zum Ttcrilisationsgcsctz keine Rede sein kann, sonder» daß der Vatikan nach wie vor an der in der Ebe- Enznklika..Casti connubii" niedergelegten Ablehnung der Sterilisation f e st h ä l t. Berlin, 12. Nov. Der ReichoilUlenminister Frick hat durch zwei Verordnungen i» den Kirchenkonslikt eingegriffen. Die eine untersagt der Presse, irgend eine Aeußerung über religiöse Fragen zn veröffentlichen, die andere unterdrückt sämtliche lokalen Kirchenzeitnngen nnd setzt an ihre Stelle das Zentralblatt des Reiches. Die Nazis hoffe» damit, de» Kirchenkonslikt i» völligem Schweige» z» ersticken. „Eine sdiamlose feter tn Weimar" ..Annektion" Schillers durch die Nazis Paris, IS. November 1934. (Voit unserem Korrespondenten) Zu Tausenden zähle» die Franzosen, die Friedrich von Zöcyilter, den Tichier der„Rauver", verehren. Tie können es nicht verstehen, das, Tr. Goebbels es in Weimar anlast- licl) des 173.«Geburtstags des»roste» deutschen Dichters ferttg bekommen hat, diesen für den Nationalsozialismus>>u„annektieren". Andre Pierre macht sich zu ihrem Wortführer. Er schreib! Herrn Heiler und Goebbels im„Oeuvre" fol- gendcs ins«tammbuch: „Hitler und Goebbels haben soeben Schiller in Weimar geleiert. Aus dem Grabmal des loten Dichters, der vor 175 fahren geboren wurde, haben ste einen.«ranz mit der In- schrisl niedergelegt:„Er gehört zu uns!" M an glaubt z u träumen, wenn man die Schilderung dieier unglaublichen Zermonie lieft, die geradezu eine Entweihung bedeutet. Schiller war von den Nazis annektiert! Unsere an Wider- sinnigkeilen so surchtbare Zeit hat bisher einen Widersinn solchen Ausmaßes noch nicht gekannt. Jeder hat in der Schule gelernt, dast Schiller in vielen seiner Dramen als jugendlicher srcihcitötruukcncr Kämpfer sich gebärdet. Brand- markte er nicht in„Kabale und Liebe" das despotische Regime der kleinen deutschen Fürsten? Ist Don Carlos nicht ein freiheitliches Glaubensbekenntnis? Goebbels machte eine Anspielung auf die Widmung in der ersten Ausgabe der „Räuber":„In Tnrannos" und bestätigte somit die Tatsache, dast Schiller sein lcbcnlang gegen die Tyrannen kämpfte. Wenn er heutzutage lebte, würde der" groste Dichter nicht den Kamps gegen die augenblicklichen Tyrannen in Deutsch- land führen, die ein grostes Bolk brutal unteriocht haben? Was hätte er wohl zu dem Blutbad am 39. Juni getagt? Im„Neuen Tagebuch" erinnert H e I ii r i ch M a n n daran, dast Schiller der„Dichter der Nation" auch der„Dichter der Freiheit" war. und hast er das eine war, weil er das andere' war. Unter Nation verstand er ein vernünftiges-und freies Volk. War für ihn nicht das Ideal einer Volksgemeinschaft die Schweiz des Wilhelm Teil? Aber für die Nazis ist die Schweiz ei» Zerrbild, ein Rest des Mittelalters, weil dort mehrere Sprachen gesprochen werden, und es keine rassische Einheit gibt. In seiner Gedächtnisrede ha, sich Goebbels wohlweislich gehütet, daran zu erinnern, dast der Konvent in seiner Sistung vom 0. August 1792 Schiller das französische Bürger- recht verliehen und dast dieser, ein groster Bewunderer unserer Revolution, sich sehr stolz über diese Ehrung gezeigt hatte. Heute verachtet das„dritte Reich" Mensche»- und Bürgerrechte und erklärt die liberale Philosophie von 1739 als erledigt. ^Aber wozu sich wundern oder empören? Am letzten 15. Oktober hatte das„dritte Reich" bereits Nietzsche mit Beschlag belegt und aus ihm einer feiner Propheten gemacht, wäh rend der Europäer Nietzsche der gcschivorcne Feind des deutschen Nationalismus war, den er in seinen Schriften als„Bluff und Lüge der Rassenlehre" bezeichnet hatte, es der sich scharf gegen die Gegenüberstellung von Ariern mit Semiten ausgesprochen und deutlich geschrieben hat:„Dort, ivv die Rassen sich vermischen, ist die Quelle der großen Kulturen." Tie Propaganda des Deutschen Reiches mag sich noch so viel Mühe geben es wird ihr nicht gelingen,«chilier oder Nietzsche oder irgend einen anderen von den großen Deutschen vergangener Zeiten zu Nazis n m z u s ä l s ch e n, wie groß auch ihre Kunst zu schwindeln und die Original- werke zu verstümmeln sein mag. Blum für das ASQlredif „Wer französischen Boden betritt, ist frei" Paris, 13. November 1934. (Von unserem Korrespondenten! Unter dieser Ueberschrlst letzt sich der Führer der fran- zöstschen Sozialisten, Leon Blum im„Populaire" in einem längeren Artikel dafür ei», dast Frankreich weitherzig den spanischen Flüchtlingen ein Asyl gewählt. Er komnit daraus zu sprechen, dast man diese politischen Flüchtlinge fetzt scharf in Frankreich überwache und ihnen nur in bestimmten Bezirken den Aufenthalt gestalte. In diesem Zufammenhang sagt Leon Blum: Das Asyl, das wir den Geächteten und politischen Flucht- fingen schulden, ist nicht die lleberwachung durch die hohe Polizei: die sranzösiiche Gastfreundschaft ist kein Zwangssitz. Die Regierung der Republik hat ichon einmal einen schlimmen Fehler begangen, als sie Menschen, die französischen Boden ausgesucht hatten, ihre» Henkern auslieferte. Möge sie nun wenigstens mit denen, die in Frankreich ge- blieben sind, nicht so hart umgehen„Wir werden niemals auf das ruhmreiche Vorrecht verzichten, das unsere Ahnen uns überliefert haben: wer immer französischen Boden be- tritt, ist frei und genießt die Rechte einer nnverletzlicheu Gastfreundschaft. Die Opfer der Unruhe», die Spanien be- wegen, haben sich zu uns geflüchtet' Sie sind mit der Rück ficht ausgenommen worden, die man dem Unglück schuldet." Ter„Populaire" hat diese wundervollen Worte bereits ein- mal wiederholt die einstmals Chateaubriand. der Minister der rechtmäßigen Monarchie, schrieb. Wird die Republik die Schande begehen, aus das ruhmreiche Vorrecht zu verzichten, auf das die Monarchie mit Stolz Anspruch erhoben hatte? klarseuie Line amtliche Erklärung Ungarns Budapest, 12. Nov. Das Ungarische Telegraphen- E o.r r.- B ü r o meldet amtlich: „An den Tagen, die unmittelbar auf den Marseille! Anschlag folgten, haben die ungarischen Polizeibehörden die weitestgehende Untersuchung eingeleitet. Außerdem haben sie auf das dringendste alle Untersuchungen in Gang gebracht, um deren Durchführung, sei es von feiten der Pariser Poll- zei, sei es— über das Ministerium des Aeußern— von seiteu der Bndapester südslawischen lÄesaudtschast ersucht.wurde. Tie Polizei hat mehrere hundert Verhöre durchgeführt und 21 Personen«n Gewahrsam genommen. Im Lause der Unter- suchung wurde festgestellt, dast keine einzige Person, auch nicht unter den Verhörten und in Gewahrsam Genom- menen. gesunden wurde, die mit dem Anschlag in Z u s a m m e n h a n g gebracht werden könnte. Auch ergab sich keinerlei Anhaltspunkt dafür, daß der Kö- nigsmörder Wlada Georgien jemals in Ungarn war oder sich hier aufgehalten hat. Die A u s r e ch t e r h a l t u» g d e r P o l i z e i a u s i i ch t über die in Ungarn weilenden iüd- slawischen Staatsbürger, die als kroatische poli- tische Emigranten angesehen werden können, wurde ange- ordnet." DU: grtälsdrien„Weisen" Gut genug für die Schule Berlin, 11. Nov.„Die Protokolle der Weise» vo» Zion und die jüdische Weltpolitik", das neueste Buch des führenden nationalsozialistischen Ideologen Alfred Rosenberg, ist vom Rcichskultusminister Ruft in allen deutschen Schulen als eines der vornehmsten Lehrmittel zum Gebrauch nahegelegt worden. Außerdem wurden noch empfohlen:„Hand- buch der Judenfrage" von Th. Fritsch und„Rassenkunde des jüdischen Volkes" von Hans F. K. Günther. Hitlers Sporijuden" Eine derbe Stimme Paris, 12. Nov. Wir lesen in der Wochenschrift„La Lü- miere": Um die Wahl Deutschlands als Land der nächsten Olympiade zu sichern, hatte Hitler, denen Trabanten unab- lässig brüllen:„Tod den Juden!" schon die Teilnahme der jüdischen Sportorganisationen von Amerika schlucken müssen. Jetzt hat er nun eine neue Demütigung hinnehme» müssen: die Zulassung von sechs Mitgliedern de s Reich s- b n n d e s j ü d i f ch e r F r o n t s o l d a t e n z» m T ra i.- niiig für die Olympiade. Richtig ist allerdings, daß diese sechs Juden sich noch jämmerlicher-vniedrigen. wenn sie sich bereit finden, fortan unter der Hakenkreuzsahne zu marschie- reit, in deren Namen ihre GlaubenSbrüder wie Aussätzige gehetzt worden sind. Hitler und seine sechs Sportjndcn find einander wert. Htot BDliliime Didier Konzentrationslager Ein Appell an das Gewissen der Well. Ein Buch der Greuel. Di» Gpser klagen an. Vaehau. Vrandeubnrq. vapenvurg. trvniqfteln. kiehiaadorg. ckoldlft. Saehsaavuog. TRorinqcn, kjohnsteiu. Nelehenvaeh. Gönnen barg. 254 Gelten mit Griginal-Foto- grajien usw. Kartoniert Fr. 74.—. Grenzen der Gewalt Aussichten und Wirkungen bewaffneter Erhebungen des Proletariats von*„* kartoniert Fr. 6,—. Julius) Deutsch: putsch oder Revolution Randbemerkungen über Strategie und Taktik im Bürgerkrieg. Kaitoniert Fr. 6,—. Historien»! Oer Kajthismus a« ntaffcnbetoeguog Kein Ausstieg und sein« Zersetzung. Kartoniert Fr. 6,— Vorrätig bei: MWdlng i>tt BDimtimm« Saarbrücken 2, Trierer Str. 24, ckck« Sophlenstr. neunCirdjcn, hiittenbergstrah« 41 Saarlonlo, Deutsch« Straft« S und allen übrigen B«rlricbs stell« u- I — ■•------■'-----■- 10000 in 10 Wochen cJCitdec castr Von KLAUS BREDOW Fragen Sie in den Kiosken und Buchhandlungen nach. Falls die Broschüre am Ort nicht zu haben ist, liefert die Buchhandlung der„Volksstimme". Saarbrücken, Bahnhotstraße 32, gegen Voreinsendung von 3,90*ranrosischen Franken au> das Postscheckkonto Saarbrücken Nr. 619 \ e lag der„Volksstimme", Saarbrücken Paris wer mi« mit? Von der Association des Emigres Israelites d'Allemagne qn France wird uns aus Paris geschrieben: Das Chauukkali-(Makkabäer) Fest, das Fest der Kinder, naht heran, das Fest, au dem man der Notleidenden gedenkt. Im Vorjahre konnten wir mehr als hundert Kinder bewirten und jedem einen„bunten Teller" und eine Gabe reichen. In diesem Jahre ist die Not der Emigration gewachsen. Darum bitten wir: helft uns, Kindern und Erwachsenen das Chanukkahfest zu bereiten.-\4ir brauchen Geld, Kleidungsstücke, Wäsche, Spielsachen usw. Jede Gabe, ist willkommen. Geldspenden werden an Herrn Martin Dos- mar. Paris 15, 35. Rue de Dantzig erbeten. Dort wolle ruan auch Sachspende» anmelden, deren Abholung auf Wunsch gern erfolgt.(Telefon Vaugirard 8543). BttlEFKASTEN Schill« in Saarbrücken.„iPiaii sollte es da nicht für möglich Hal- ten— und es ist doch geschehen, dost da so ein Tropf, der sich auch noch«in Deutscher nennt, in einem Emigrantcnblatt über einen so- genannte» Schillerartilel das Motiv fetzt:„Am Kl. November wurde Schiller vom Tritten bleich propagandistisch mißbraucht!"— Diesen in klonisches Deutsch gestalteten Satz lesen wir in der„Saarbrllcker Zeitung". Er steht l» einer Besprechung der Saarbrücker Auffüh- rung von„Wilhelm Teil" und. ist der„Deutschen Freiheit" gewidmet. „So ein Tropf"— das sind wir, weil mir Schillers Bekenntnis zur menschlichen Würde, zur sittlichen Freiheit und zum jsampf wider cller Sklaverei deutlich vom„dritten Reich" abgehoben haben. Da im Hitlerlande mit Goebbels als Propagandisten Menschen systematisch migbraucht und gequält werden, weit es kein wahres Boierland gibt .'hnc Freiheit, Recht und Gerechtigkeit, deshalb empfinden wir die gegenwärtigen Gedächtnisfeier» als Verhöhnung. Friedrich Schiller«. Der Bursche, der uns anrempelt, tut begeistert vom Frciheilshetden Teil. In Wahrheil befindet er sich in Geßlerö Troß. „Schwab". Ihnen hat ein Freund aus Württemberg u. a. gc< schrieben:'„Selbst bei sogenannten„allen Kämpfern" der JA. marön kürzlich.Haussuchungen. Hauptsächlich bei denen, die sich bis jetzt geweigert haben ihre Waffe»' abzuliefern. Ans diesem Grunde herrscht graßc Erbitterung unter der SA."* Paul Schefser. Sic, der Tic einmal gciiiig bester« Sage gesehen babcn, gehen sich jetzt alle Mühe, das„Berliner Tageblatt" durch Anwcdclung Ihres„Führers" dem galoppierenden Abonnenten- ichivund aiiszuliefern. Mögen sie! Merken wollen wir uns aber folgende Gemeinheit in Ihrem Hosbericht vom 9. November:„Unter dem Bojarcnzareu ist jenes stählerne Wort gefallen:„Es gibt nur ein politisches Spiel, das um den Kopf." Ter Sieg des National- söztallsmutz ist kein Stimmüngssieg geivescn, kein Sieg tief« oder verführerischer Erwägungen, kein Sieg aus wirtschaftlich« Not, sondern ein Sieg, der auä dem Anblick von Männern erwuchs, die be- reit waren, für ihre Sache z» sterben. Daß die Gegenseite niema»- den hatte-, der dazu bereit war, das ist der einzige Vorwurf, der diesmal ihr gemacht worden ist. Er ist in der Tat der stärkste."— Bei den Geistern, der Tauscndc roter. Kameraden, die für ihre Sache zu sterben wußten: Sie und das ganze Journalisten-Gesindes des„dritten Reichs" werden eines Tages zu zeigen haben, ob Sie das politische Spiel um den Kopf zu bestehen misten. 91. H., Brüstet. Bei dem in den Ruhestand versetzten Regierungspräsidenten von Stettin handelt es sich um denselben Grützner, der im Jahre 1930 aus der Sozialdemokratie ausgeschlossen worden ist und sich dann zur NSDAP, gewendet hat. Jhse Meinung, daß ihm dies« rechtzeitige Versicherung nun doch nichts genutzt habe, teilen wir nicht. Er hat sich so seine Pension gerettet, und das ist für solche Kreaturen alles. Frenud in Lnremborg: Tie übersenden uns die Nr. 308 des klerikalen„Lurcmburger-Wort". Da steht in einem sogenannten Lert- aufsay». a.: „Als die zweitstärkste Strömung im Taargebiet gilt die. welche sich für de»..Statu« quo" einsetzt. Ihr Organ, die ,.N c ii c T a a r- P o st" schreibt sehr bezeichnend:„Das Taargebiet ist»nd bleibt deutsch." Deswegen kämpfen wir ja gegen den Sozialismus und gegen jede Bestrebung, es als Tauschobjekt verludern zu las- sc». Deswegen fordern wir: Zunächst den SiatyS quo und vor- lausig: Selbftregierung des Seargebictes, bis das Reich, unser geliebies deutsches Vaterland wieder frei ist. Freies Volk und freie Kirche! Gegen Hitler— für Deutschland!" Eine andere Ve- wegung. die sich nicht recht durchzusetzen vermag, iit die a» to- n o m i st i s ch e, die der Ttatns-.qiio-Veivcgnng viel Master ab- gräbt. Sie kann als die anssichiSloleste erklärt werden, denn kein echter deuiichgesinnt»,- Saarländer will von der„Autonomie" als priindiätzlicher Endlösung etwas hören. In der Autonomicbeme» g»ng haben sich die gesamten Linksparteien zusammen- gcschloiicn. Es ist dadurch die sog..Einheitsfront" ideell gesprengt und eine Vielheitssront entstanden, die der Lösung der Saarfrage bzw. der Wahl den Stempel des Wirwarrs ausdrückt." Mehr Ilnjhin läßt sich wohl in ein paar Zeilen über die vcr- schiedene» Fronten im Taargebiet nicht zusammenschreiben. Und dabei hat das Blatt als Parole in seinem Kopf:„Für Wahrheit und Recht". Wenn die Herren jemals sich die Mühe genommen hätten, ihre Rase in ein Blatt der„Einheitsfront" zu stecken, würden sie dort gelesen habe»:„Für Deutschland gegen Hitler!" Das ist d,e Losung der Einheitsfront und der oppoilttonellen Katholiken. Mit einer dauernden Autonomie für das Taargebiet haben weder die Sozialisten noch die Kommunisten etwas zu tun.„Zurück ins Reich— sobald die Barbaren vertrieben sind." Das ist der Wille. Das „Lupemburger Wort" will doch nicht etwa verleumde»? Es sollte sich schnellstens qn Ort und Stelle informieren. So groß ist doch die Eni- fernung Lui:emb»rg--Saarbrückeil nicht. Friß Psemser. der Herausgeber der Zeitschrift„Die Aktion", sendet uns eine Erklärung, die wir wegen einer bekannten Verordnung der RegierungSkommiyivn nicht im Wortlaut abdrucken können. Di« entscheidenden Sätze laute»: „Aus dem Nationalzuchthause Teutschland und aus anderen Län- dern erhalte ich von Freunden und Kampsgenost'en Briese mit der Frage, weshalb unter dem„Saarausrüs für den Status quo" wein Name fehlt, lim jeder Mißdeutung zu begegnen, will ich mich nicht daraus beschränken, den Freunde» brieflich zu antworten, sondern ossentlich erklären, daß ich nur zu spät von dem Aufruf Kenntnis «halten habe, sonst hätte ich das Dokument unterschrieben. wie es zweifellos die große Mehrheit des durch Hitlcrhorden blutig nieder- gehglicnen deutschen Volkes nnterschreilie» würde, hätte sie Hierzu die Möglichkeit. Ich setze atio nachträglich meinen Namen unter den Saaranfruf für den Status guo und ich tue dies um so lieber, weil mir damit gleichzeitig Gelegenheit gegeben ist, mich mit den de» ?lu>rusS wegen von Fremdherrschern„ausgebürgerten" Antifaschisten solidarisch zu erklären." Für den Gesamllnbalt verantwortlich: Johann Pitz in Dud« weiter: für Inserate: Otto Kuhn tn Saarbrücken Rotationsdruck »nd Verlag: Verlag der Volksstimme GmbH„ Saarbrücken>, Schützenstraße».^ Schließfach 77« Saarbracken.