Fretheil Nr. 256 2. Jahrgang Einzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Saarbrücken, Freitag, 16. November 1934 Chefredakteur: M. Braun Mussolini und die Pläne dec Wilhelmstraße Seite 2 Kael May gegen G. G. Knox Katholische Bischöfe vogelfcei? Seite 3 Seite 7 Ein Kriegslesebuch Jugenderziehung von der Humanität zur Bestialität Unter den dunklen Kapiteln des„ dritten Reiches" gibt es eins, dessen Schatten weit über die heutige Generation hinausreichen. Es handelt von der Vergiftung und von der Verrohung der deutschen Jugend, die aus der Wärme neuzeitlicher, in allen Kulturstaaten gültigen Pädagogik vertrieben und dem uniformierten Kriegsschulmeister cusgeliefert worden ist. Der Schulunterricht, diszipliniert von Wehrwillen und nationaler Ueberhebung, macht uns vor der Jugend grausen, die aus diesen Unterrichtsstätten ins Leben entlassen wird. Dieser Tage fam uns ein amtliches Beweisstüd dieses Ungeistes in die Hände, das zu verleugnen unmöglich ist. Es ist das Ergänzungslejeheft 1934 für die Oberstufe des Lesebuches des 7. und 8. Schuljahres ( Verlag Velhagen u. Klasing, Bielefeld und Leipzig). Auf diesen 92 Seiten gibt es nichts anderes als Kriegsverherrlichung und heldische Verklärung der sieghaften Führer des ,, dritten Reiches". Wir Aelteren sehen beschämt, daß unser Glaube, das deutsche Volk könnte die schmierige Servilität vor den Herrschenden nie mehr dulden, sehr bitter durch die deutsche Wirklich feit von 1934 enttäuscht werden konnte. SitIer, Göring, Goebbels, Horst Wessel werden in diesem Lesebuch deutscher Kinder von 12 bis 14 Jahren als Halbgötter geschildert, mit Erzählungen und Legenden, die diese aufnahmebereiten jungen Seelen als feststehende Wahrheiten annehmen müssen. ..Zehn Franzosen sind es. Da ist Adolf Hitler als Kriegsgott. Mit seinem blitzenden Auge hat er eines Tages zehn Feinde so gebannt, daß sie ihre Waffen niederlegten und sich gefangen gaben: „ Dann steht Adolf Hitler vorn im Schüßengraben und überbringt seine Meldung.„ Wie sind Sie denn durch die Hölle von Granaten gekommen?" fragt der Leutnant. ,, Man muß Glück haben," jagt der Meldegänger. Der Morgen grant. Es geht über eine Brücke, Was ist denn los? Da leuchten im Gras rote Hosen. Hitler zählt: 3 ehn Fran zosen sind es, schwer bewaffnete, eine feindliche Pa trouille. Er springt vor, den Karabiner schukbereit. Sände hoch!" ruft er auf französisch.„ Ergebt euch, hinter mir steht eine ganze Komvanie!" Sie heben verblüfft die Hände hoch. Hitler nimmt ihnen die Waffen ab. Die zehn Gefangenen treibt er über eine Stunde vor sich her. Von der Kompanie ist nichts zu sehen. Die Franzosen fnirschen vor Wut, aber das hilft ihnen nichts Sie haben ja feine Waffen mehr. Dann liefert Adolf Hitler sie beim Regiment ab. Er erhält dafür das Eiserne Kreuz 1. Klasse." Man sieht, er hat sie alle zehn umzingelt. Jetzt wissen wir, wie sich der„ Führer" das bisher immer noch sagenhafte Eiserne Kreuz 1. Klasse verdiente. Goebbels s'egt mit Bierse'de'n Von Goebbels hat man freilich keine Kriegserlebnisse zu berichten. Er saß zu Kriegsende im Hörsaal der Heidelberger Universität zu Füßen des nichtarischen Literarhistorikers Gundelfinger. Erst als die Belgier seine niederrheinische Heimat besetzten, entdeckte er in sich den Löwen. Damals wurde er in einem belgischen Gefängnis wegen seiner treudeutschen Gesinnung geprügelt. Diese Geschichte hat er wenigstens vor Gericht erzählt. Als ihn jedoch der Führer der einitigen Staatspertei, der Jungdeutsche Ma hranu, zum Eide vor den Richter zitierte, flüchtete Joseph Goebbels in die Reihen seiner A. Selbst hier hat man über sein belgisches Abenteuer herzlich gelacht. Noch heute wird der Herr Pro pagandaminister als ein inzwischen in Legenden tausendfach Erprobter an sein heldisches Erlebnis nicht gern erinnert. Er konnte es damals, in den Jahren 1929 bis 1932, mit der Wahrheit freilich nicht so genau nehmen. Er hatte mit der „ Eroberung von Berlin", wie wir aus dem Lesebuch mit vielen Details erfahren, alle Händen und Zungen voll zu tun. Das erzählt uns ein Aufsatz von Arthur Bach. Eine Versammlung in Berlin- Wedding sollte stattfinden. Die Kommune" hatte gedroht: 3u Brei wird der geschlagen, der sich einfallen läßt, auch nur einen Fuß in die Pharus- Säle zu setzen." Ge: 5bels siegte durch eine Saalschlacht, deren Gipfelpunkt in diesem amtlichen Lesebuch folgendermaßen ge= schildert wird: „ Aber was ist das? Plötzlich formiert sich die SA. und SS. In fleinen Sturmtrupps stehen sie zusammen, und dann dringen sie vor, genau fo, wie sie es draußen im Schlachtgewühl gelernt haben, wie fie es später besonders ausprobiert. Wie auf dem Ererzierplay ist es, Irgend etwas haben sie ergriffen, einen Stuhl, ein Tischbein, und nun fällt Schlag auf Schlag auf die sich stauende, nicht vorwärts und rückwärts fönnende kommunistische Menge. Aber sie sind das Kämpfen gewohnt, sind vor allen Dingen im Raufen geschult. Sie setzen sich zur Wehr. Blut rinnt den SA.- und SS.- Män: nern über das Gesicht, Auf der Bühne steht ein junger SA- Mann und wirft Bierglas auf Bierglas in die Reihen der Feinde, bis er von einem weit: herkommenden Bierglas an den Kopf getroffen wird Eine flaffende Wunde tut sich auf. Das Blut strömt herunter. Doch der junge Mann nimmt die letzte Kraft zusammen und schleudert noch einmal eins seiner Geschosse in die Reihen seiner Feinde. Dann bricht er nieder. Zehn Minu: ten etwa währt die Schlacht. Dann ist sie entschieden. Die SA. und SS. haben gefiegt. Die Kommune ist auf der ganzen Linie zurückgeschlagen. Der Saal ist von ihr befreit." So kämpfte Goebbels. Wenigstens ließ er die andern so für sich kämpfen. Mit Hilfe der Biergläser hatten„ die Scharen des„ dritten Reiches" die Bahn gebrochen zum letzten entscheidenden Vormarsch". Es ist zum Lobe des Herrn Goebbels ders es gesagt werden, die einzige Stelle in dem ganzen Buche, wo ein Sieg nicht durch Handgranaten, Trommelfeuer, Minen und Flugzeugbomben, sondern durch etwas Gläsernes erfochten wurde. Ein., niedlicher Zwischenfall" Aber es gibt in diesem Schülerlesebuch ein Kapitel, das selbst in der an Roheit und Sadismus nicht armen braunen Literatur ohne Beispiel ist. Es ist ein Aufsatz über das Thema:„ Wie das Horst Weisel Bied entstand". Das Kapitel wurde dem Buche eines sicheren Emil ellenberg entnommen und setzet ihr nicht das Leben ein"( aus der Sammlung Deutschlands Erwachen", Verlag Velhagen & Klajing). Es beginnt mit der Schilderung, wie Horst Wessel, der erprobteste Schläger im weiten Umkreise von Berlin Alexanderplaß, Zeuge eines„ niedlichen Zwischenfalls"( wörtlich!) wurde. Er ging eines Abends zu einem Sanitäterfurjus beim„ Sturmbannarzt". Der erteilte Unterricht in„ Erste Hilfe bei Unglücksfällen". Lesen wir im Wortlaut, was Horst Wessel hier anhörte: ,, Als Horst eintrat, wurde er Zeuge eines niedlichen 3wischenfalles. Der Kursleiter prüfte die Teilnehmer.„ Nun sagt mal, was würdet ihr tun, wenn bei einer Keilerei ein verwundeter Sozi zwischen uns liegen bliebe?" Der erste:„ d schlüge ihm dot." Der zweite:" I d piejackte ihm erst noch eine Weile." Der dritte: " Ick holte den Herrn Sturmbannarzt, dann stürber von alleene." In das fröhliche Lachen rief der Mediziner: Ihr seid mir ja schöne Sonitäter!"„ Sauitäter, Herr Doktor, dürfen wir nicht sagen. Das klingt den Pazi fiften zu sehr nach Militarismus und verstößt gegen den Vertrag von Versailles!" meinte bifig Horst Wessel. Ruf ans der Vammlung: Wat dürfen wir denn eegentlich noch?" Antwort irgendwoher:„ Luftschnappen! Aber auch det möglichst nur im Aler und unter Aufsicht von Isidor." Nun die schmetternde Stimme des Kursleiters:„ Ruhe!... Stillgestanden!" Das war der Geist der deutschen Erneuerung. So lachten sie fröhlich in Gedanken daran, daß sich ein Halbtoter auch ganz totschlagen ließe. Ein Idherziger wollte erst noch etwas „ piesacken". Worauf SA. mit Heil Hitler" in den Straßen fampi marschierte. Da schossen Horst Wessels Blauaugen Blize. Der ganze prachtvolle Mensch loderte, stand in Flammen." So hatte ih das Gespräch gefallen. In solchen Flammen wollen die heutigen Pädagogen die ganzen Schulen sehen. So lodern HJ. und die militanten Mädchen von BdM. So steht es in ihren amtlichen Lesebüchern. Grillparzer, vor 50 Jahren gestorben, sieht sein Wort in den Schulen des„ dritten Reiches" endlich bestätigt: „ Von der Humanität zur Rationalität, zur Bestialität." O du fröhliche, o du selige..." Nun wird bald wieder gesungen:„ D, du fröhliche, o, du selige..." Die Verleger überschütten das deutsche Volf mit Prospekten. Eine neue Jugendliteratur, bisher unGesunkene Kaufkraft Rückläufiger Bierverbrauch Wie sehr die Kauffraft der Bevölkerung, trotz aller Siegess meldungen über die Arbeitsschlacht" gesunken ist, geht aus den Mitteilungen über den rückgängigen Bierverbrauch her vor. Der Bierfonsum war in Deutschland stets ein Grada messer für den Wohlstand und die Kaufkraft der Bevölkerung. Zwar ist eine fleine Zunahme( 7,2 Prozent) des Gesamtbiers verbrauchs im Vergleich zum Vorjahre erfolgt, aber bemers kenswert ist, daß in den beiden letzten Quartalen, trotz bes stimmter günstiger Umstände, der Bierabsatz als Auswirkung der allgemeinen Preissteigerung und der damit erfolgten Berarmung der Bevölkerung rapide zurückgegangen ist. Das zeigen folgende Zahlen, die der„ Deutsche Brauer- Bund" vers üffentlicht: im 1. Vierteljahr( Oktober- Dezember). im 2. im 3. im 4. " " ( Januar März) ( April- Juni) ( Juli- September). im Jahresdurchschnitt 1933/34 mehr(+) bzw. weniger() ala 1932/33 1,2 Prozent + 13,1 . + 12,1 PP + 5,0 27. +7,2 Prozent Auf Grund dieser Zahlen erklärt der Brauer- Bund fleins. Tant: „ Die Gestaltung des Absages überrascht um so mehr, als sowohl wegen des gewaltigen Rückganges der Arbeitslosigkeit, den die plauvoll ineinandergreifenden Maßnahmen der Regierung herbeiführten, als wegen der ausgesprochen günstigen Wetterlage in den Sommermonaten auf ein starkes Ans steigen des Bierverbrauchs hätte gerechnet werden können Wenn zur Erklärung der verhältniss mäßig fch wa chen Belebu'ng des Bierabsages hier und da auf eine Abwendung der Verbraucher vom alkohalhals tigen Getränkt im allgemeinen hingewiesen wird, so wird diese Annahme durch die Entwicklung des Trinkbrannte weinabsages widerlegt. Ist doch der Absatz der Reichsmonos polverwaltung in Trinkbranntwein im Wirtschaftsjahr 1933/34 gegenüber dem Vorjahr um 15,3 und gegenüber dem Jahr 1931/32 fogar um über 47 Prozent gestiegen. Der Settverbrauch hat sich, so schließt der Brauer- Bund vors wurfsvoll seinen Bericht, fogar verdoppelt." So sieht der Hitler, Sozialismus" aus: Das vers armte Bolf kann sich das Bier immer weniger leisten, wäh rend die Partei- Bonzen auf Kosten der Allgemeinheit prassen und Seft saufen. bekannter Autoren ist ausgebrochen. Wir haben eins dieser Bücher vor uns liegen, eins von vielen und gleichen. Es heißt ern deutsche Jungen", eine Erzählung aus dem ersten Jahre des Weltfrieges von Reinhold Bach= mann, Verlag Anton und Co., Leipzig. Es ist ein„ ferniges Kriegsbuch aus Deutschlands erster und größter Zeit." Im Prospekt heißt es: „ Die Geschütze donnern und dröhnen, Maschinengewehre fuattern ihr gleichmäßiges Tac- tack, Granaten trepieren und speien Tod und Verderben. Und durch das Kampf= getümmel dröhnt der Marschtritt der deutschen Soldaten, dröhnt das Hurra der Feldgrauen, die siegreich zum Sturm vorgehen. Dieses Buch ist das Hohelied der Freundschaft und Kameradschaft, die selbst über den Tod hinaus Bestand hat. Nicht nur unsere Jungen werden dieses Buch mit heller Begeisterung Iefen, sondern auch jene, die die Schrecken einst selbst an der Front miterlebten." Aber das ist nichts gegen die Bilder, die das Buch schmücken. Man sieht, wie junge Krieger mit aufgepflanztem Bajonett vorgehen. Endlich, endlich sind sie im Nahkampf. Hei, wie schmettert der Gewehrkolben auf den Schädel eines Franzosen, wie bohrt sich das Bajonett in einen zurücksinkenden Leib. Wir zweifeln, im Einvernehmen mit dem Verleger, nicht daran, daß die ertüchtigten Jungen so etwas mit heller Begeisterung" lesen werden. Eins werden sie freilich nicht begreifen: Warum redet ihr Führer noch von Frieden und Verständigung, wenn ihnen draußen die höchsten menschlichen Ehren durch den Tod auf den Schlachtfeldern verheißt? Zum Glück ist diese Jugend bes reits politisch" geschult. Sie weiß, daß der Kriegswillige, wenn er rüstet, den Frieden proklamieren muß, Kriegslist und Strategie. Das ist die Jugend, die der Führer" liebt. Kommt es zum letzten Einsatz, in wird freilich nicht nur die Jugend, sondern das ganze Deutschland geopfert, Deutschland, Europas Herzstitch, um dessen Bestand und um deffen Zukunft wir zittern. Selbstmord Köppens? Die große Aktion gegen den Reichsbankrat Ribbentrops Manöver gescheitert Aus irgendwelchen Gründen, die noch nicht festzustellen Eine amiliche englische Feststellung find, muß der Reichsbankrat Dr. Köppen den Bonzen des Nationalsozialismus in Berlin unbequem geworden sein. Um ihn zu erledigen, entfesselte man eine Kampagne, deren ble Demagogie für jeden kritisch denkenden Menschen, von denen es allerdings in Deutschland nicht mehr allzuviele gibt, erkennbar ist. Der„ Angriff" brachte nämlich plötzlich wilde Aufsätze, stöppen wolle einen erwerbslosen Mieter wegen einer Mietschuld von 4 Reichsmark ermittieren. Wenn dem so wäre, hätte die Behörde das mit Leichtigkeit verhin= dern können, denn es muß eine Mietschuld von mindestens drei Monaten vorliegen, ehe überhaupt eine Exmissions= flage mit Erfolg möglich ist Auch wenn man die größte soziale Rückständigkeit und die beschränkteste Geisteshaltung bei einem Reichsbankrat für möglich halten sollte, kann sie doch bei einem Manne solcher Position unmöglich so weit gehen, daß er sich derartige Blößen gibt. Die Folge des Artikels im„ Angriff" war ein„ spontaner" Volkssturm auf das Haus Köppens. Die Fenster wurden eingeworfen und das Mobilar demoliert. Wie einst im März! Die Polizei schritt ein. Sie nahm Köppen in" Schußzhaft". Der Reichsbankpräsident soll über die Behandlung seines Beamten so wütend gewesen sein, daß er demonstrativ eine Rede, die er im Sportpalast halten wollte, absagte und Ber( in vorübergehend verließ. Vielleicht dachte er an neue„ spontane" Aktionen, die sich auch gegen ihn hätten richten können. Die Hezze gegen Köppen verstärkte sich. Sogar der PreuBische Ministerpräsident hat in seiner Befehlsausgabe an die deutschen Rechtsgelehrten vor der Ak demie für deutsches Recht auf den Fall Köppen verwiesen. Nun meldet United Preß, daß Reichsbankrat Köppen in der Gefängniszelle durch Erhängen Selbstmord verübt hat. Er war zwar alles andere als Marxist, aber er hat, wenn United Preß recht berichtet, geendet wie soviele Marristen. Da Todesstrafe nicht zu erwarten war, wurde entsprechend nachgeholfen. Wer wird sich nach der staatlich begünstigten Rechtsverwilderung, die eben erst Göring wieder gefeiert hat, über solche Fälle" noch wundern? Un'er., Heil Hitler!" Totgeschlagen und irrsinnig gefoltert Wir haben vor kurzem über die Massenverhaftungen von früheren Sozialdemokraten in Leipzig berichtet. An diese Berhaftungen, die inzwischen auf über 200 angewachsen sind, schlossen sich grausame Mißhandlungen durch Beamte der Geheimen Staatspolizei an. Was früher als Einzelausschreitung von SS.: und S.London, 15. Nov. Lordsiegelbewahrer Eden hat auf eine Anfrage im Unterhaus etwa dasselbe erklärt, was gestern schon in der„ Times" gestanden hat: Auf Ersuchen der deutschen Botschaft wurden Vereinbarungen getroffen, um Herrn v. Ribbentrop einen Besuch beim Staatssekretär des Aeußeren und bei mir zu ermöglichen. Die Unterredung fand demgemäß am Montag und am Dienstag im Foreign Office statt. Es hat sich jedoch nichts ergeben, was über eine freundschaftliche Unterhaltung hinausging. Neue Vorschläge sind nicht unterbreitet worden, und es ist aus der Unterredung keine neue Entwicklung her: vorgegangen. Auf die weitere Frage, ob dem Lordsiegelbewahrer eine Zeitungsmeldung zu Gesicht gekommen sei, wonach bei den von den Ansichten, zu denen sich die maßgebenden französis schen Staatsmänner schon seit Beginn der Hitlerepoche offen bekannt haben. Eine Schlappe in Paris, eine Schlappe in London, so sagt „ Paris- Midi", das Manöver der„ direkten Besprechungen" ist gescheitert, und darum sagte die„ Deutsche diplomatische Korrespondenz" einfach, Deutschland habe nie die Absicht gehabt, so weit zu gehen wie man es von ihnen behauptet. Das heißt also: dem Fuchs sind die Trauben zu sauer. In der Wilhelmstraße hat es sich nun doch schon herumgesprochen, daß die Engländer ebenso wenig wie die Franzosen auf die von Herrn Ribbentrop ausgelegten Reimruten friechen werden. Und nun saat man nach altem Rezept: wir haben ja gar nichts von der Welt gewollt. Unterhaltungen die Art und der Zweck der in Deutschland Hitlerdeutschlands Aufrüstung im Gange befindlichen Wiederaufrüstung" erörtert worden sei, erwiderte Eden: Ja, ich habe die Zeitungsmeldung, auf die hier Bezug genommen wird, gesehen. Sie ist unbegründet. Eine Erflärung der in der Meldung behaupteten Art ist nicht abgegeben worden. Die Unterredungen gingen nicht über die in meiner Antwort dargelegten Grenzen hinaus, und ich miẞbillige es, daß sie eine politische Bedeutung erhalten, die sie nicht vers dienen. ,, Eine Schlappe" * sagt Paris 2012 Paris, 15. November 1934. ( Von unserem Korrespondenten) Die Tatsache, daß Herr von Ribbentrop in London nun auch vom Außenminister Sir John Simon empfangen worden ist, nachdem ihn Eden mit leeren Händen hinauskomplimentiert hatte, regt hier niemand auf. Man geht wohl kaum fehl in der Annahme, daß das französische Außenministerium, man möchte sagen, Wort für Wort über den Inhalt der Londoner Gespräche des Herrn von Ribbentrop mit den englischen Regierungsmitgliedern orientiert ist. Man weiß am Quai d'Orsay, und auch die französische Presse weiß es, daß heute die Auffassungen, die man in London über die Politik des dritten Reiches" hat, nicht mehr verschieden sind Eine englische Stimme London, 15. November 1934. Die„ Morning- Post" veröffentlicht Informationen eines Sonderforrespondenten über die deutsche Aufrüstung, insbesondere über die Reorganisation der Reichswehr. Diesen Informationen, die aus glaubwürdiger Quelle fommen, zufolge ist der erste Abschnitt der deutschen Aufrüstung nun mehr erreicht, das heißt die Reichswehr ist auf den Stand von 300 000 einn gebracht, mit modernen Waffen ausgerüstet und verfügt über das entsprechende Kriegsmaterial. Nichts destoweniger und troß der Aktivität, mit der man an der Entwicklung der Armee arbeitet, glauben die militärischen Führer nicht, daß Deutschland vor 1938 frühestens imstande wäre, einen Krieg zu ertragen. Darum übt der Generalstab einen Druck zur Mäßigung auf die Außenpolitik der Naziregierung aus. Der Reichswehr verfügt jetzt, so wie man es im Augenblick, wo Deutschland den Völkerbund verließ, beabsichtigt hatte, über 21 Infanteriedivisionen und 4 Kavalleriedivisionen mit zusammen 18 000 Offizieren, also 14 000 mehr, als nach dem Versailler Vertrag gestattet sind. Gegenwärtig schwankt die Dauer der Dienstzeit in der Reichswehr zwischen zwei und zwölf Jahren, aber sobald die allgemeine Dienstpflicht eingeführt sein wird und das wird bald geschehen wird die Dienstzeit wahrscheinlich auf 18 Monate herabgesetzt werden. Mussolini und die Pläne der Wilhelmstraße Männern erschien, ist inzwischen legalisiert und von den Zu den Romreisen Schuschniggs und Lava's braunen Bluthunden zu einem System ausgebaut worden, das hinter den Foltermethoden des Mittelalters nicht zurücksteht. Diese Auspeitschungen und Prügeleien wehrloser Gefangener, die fein anderes„ Verbrechen" begangen haben, als ihrer sozialdemokratischen Gesinnung treu zu bleiben, haben jeht ein Todesopfer gefordert. Sozialdemokrat Christian Ferkel, der, als Ende Juli die Berhaftungen begannen, unter den ersten war, ist im Stadt= frankenhaus zu Leipzig den fürchterlichen Verlegungen, die ihm die angestellten Gestapo- Mörder beigebracht haben, erlegen. Ferkel war Abgeordneter des sächsischen Landtages und Gauleiter des Verbandes der Lithografen und Steindrucker für Sachsen. Während des Krieges bis zum Ausbruch der RevoIution 1918 gehörte er in München zu dem Kreis um Kurt Eisner, der an dem Gelingen der Revolution in Bayern hervorragenden Anteil hatte. Ferkel war von den Banditen 1983 schon einmal verhaftet worden. Er lehnte es ab, auch nur zum Schein eine gesinnungsmäßige Gleichschaltung einzugehen und ist bis zum letzten Atemzug ein der Revolution des Proletariats ganz ergebener Kämpfer gewesen. Wahrscheinlich haben darum die Folterknechte nicht eher von ihm abgelassen, bis sie den Totschlag vollendet hatten. Ein anderer hat unter den fortgesetzten Mißhandlungen den Verstand verloren; als Irrfinniger mußte er kürz= lich in die Jrrenanstalt überführt werden. Trotz dieser entfeßenerregenden„ Erfolge" ihrer Folterungen, setzten die Gestapo- Bestien die Miẞhandlungen weiter fort. Sie braucht Geständnisse", um einen großen Hochverratsprozeß in Szene seßen zu können. Und diese Geständnisse" müssen erpreẞt werden. Die ganze Schuld für diese Schand- und Mordtaten föllt auf die Regierung. Ein alter Kämpfer" Mit 25 Jahren Bürgermeister München, 15. Nov. In Weilheim( Oberbayern) fand die feierliche Amtseinführung des fürzlich zum ersten Bürgermeister der Stadt gewählten Hans Wiedenmann statt. Wiedenmann ist erst 25 Jahre alt. Er besitzt das goldene Ehrenzeichen der NSDAP., die Auszeichnung für die alten Kämpfer der Partei. Demnächst wird er wohl Ehrenbürger seiner Geburtsstadt werden. Alte Kameraden ... Wenn die Enttäuschung übermannt h. b. Das Große Schöffengericht in Altona verurteilte den Angeklagten 6. Böttcher aus Elmshorn wegen böswilliger Berleumdung zu sechs Monaten Gefängnis und zur Tragung der Gerichtskosten. Das Urteil ist um so härter, als Böttcher einer der SA.- Leute ist, die von ihrem Führer Röhm einst zur alten Garde ernannt wurden. Länger als 5% Jahre hat er sich nach seinen eigenen Angaben Tag und Nacht auf den Straßen für den Nationalsozialismus herumgeschlagen. Seine Begeisterung schwand aber nach Hitlers Machtübernahme. Er sah, daß es seine eigene Bonzofratie im neuen Deutschland viel ärger trieb, als man es den roten Bonzen" jemals hatte rorwerfen können. Das empörte ihn so sehr, daß er seinem Serger in Briefen an alle möglichen Würdenträger und BeFörden des neuen Deutschland Luft machte. In diesen Briefen schilderte er seine Enttäuschung über den Mißbrauch, den namentlich angeführte Nationalsozialisten mit der von der EA. eroberten Macht trieben. Die Empfänger dieser Briefe schafften Abhilfe, indem sie die Beschwerden des enttäuschten GM Mannes dem Staatsanmalt übergaben, der das oben bezeichnete Urteil gegen den Beschwerdeführer veranlaßte. Wie oft mag Böttcher unter den Klängen des Mariches„ Alte Romeroden" in die Saalschlacht gezogen sein. Dank vom Bause Adolf! Wien, den 15. November 1934. Ende dieser Woche begibt sich der österreichische Bundeskanzler Schusch nigg in Begleitung des Herrn von Berger Waldenegg, Minister für auswärtige Angelegenheiten, nach Rom. In politischen Streisen wird insbesondere die Tatsache unterstrichen, daß diese Reise unmittelbar nach den Verhandlungen des ungarischen Ministerpräsi denten in Rom und auf dem Semmering stattfindet. Schuschnigg wird während seines Aufenthaltes in Rom, der voraussichtlich drei oder vier Tage dauern wird, Verhandlungen über verschiedene wirtschaftliche Fragen führen, die mit den bekannten Romprotokollen im Zusammenhang stehen. Man erwartet hier, daß es Schuschniga gelingen wird. einen weiteren Ausbau der österreichisch- italienischen Han= delsbeziehungen herbeizuführen. Die Unterhaltungen mit Mussolini werden aber auch, wie anders nicht zu erwarten ist, einen hoch politischen Charakter tragen. Die Regierung in Rom zeigt eine gewisse Unruhe angesichts der merkwürdigen Rolle, die Herr von Papen in Desterreich seit einiger Zeit spielt. Unter dem Vorwand, die deutschen Kolonien in Desterreich aufzusuchen, hat Herr von Papen eine regelrechte Propagandatournee in Desterreich veranstaltet. Besonders unliebsames Aufsehen hat die Rede des Herrn von Papen in Graz hervorgerufen.. Dort hat er vor einigen Tagen erflärt, daß das„ dritte Reich" alle Deutschen innerhalb und außerhalb seiner Grenzen vereinigt sehen möchte. Der römische Gefandte in Wien soll, wie wir hören, wegen dieser Rede beim Bundeskanzler vorstellig gewesen sein, und die Rede, die der Bundeskanzler vorgestern beim Festessen, das ihm zu Ehren von dem Verband der englisch- amerikanischen Presse in Wien gegeben wurde, wird gewissermaßen als eine Antwort auf den redelustigen Herrn von Papen ge= wertet. Der Bundeskanzler hat ausdrücklich erklärt, daß die Grundlage der österreichischen Politik nach wie vor der Kampf um die Aufrechterhaltung der völligen Unabhängig B. d. M. für Geburtenschlacht Die Unehelichen der Arbeitslager Berlin, 15. Nov. Die Rassenaufzucht macht Fortschritte. An den Insassen der Berliner Gefängnisse wurden bis jetzt etwa hundert Sastrationen vorgenommen. Aus den Arbeitslagern der Hitlermädel werden da= für immer zahlreichere Fälle unehelicher Schwangerschaften gemeldet. Allen Ehepaaren, die sich zum dritten Kind noch ein viertes bestellen, ist eine Monatsbeihilfe von 30 Mart zugesichert. Häufig kommt es jetzt vor, daß zwecks Aufmunterung bei Dreifindereltern staatliche Fürsorgeschwestern erscheinen, und wenn die Aufmunterung Erfolg hat, kriegen die Schwestern noch Prämien. Reichspost und Zeitungswesen Der Auslandsversand stark gesunken In dem Geschäftsbericht der Deutschen Reichspost über ihr Rechnungsjahr 1933, das vom 1. April 1933 bis zum 31. März 1934 lief, finden sich auch Angaben über die Zahl der durch die Post beförderten Zeitungen. Aus den Angaben geht hervor, daß die Gesamtzahl der durch die Post beförderten Zei: tungen im Jahre 1933 gegenüber dem Vorjahre von 1,622 Milliarden Stück auf 1,476 Milliarden Stück gefallen ist. Besonders interessant sind die Angaben über die Zahl der aus dem Ausland nach Deutschland gelangenden Zeitungen. Hierüber sind vielfach fantastische Vorstellungen im Umlauf. Tatsächlich kamen im Jahre 1933 aus dem Ausland nach Deutschland 8,3 Millionen Zeitungen gegenüber 7,7 Mi!= lionen im Jahre 1932. Die Zahl der beförderten ausländischen Zeitungen ist zwar gestiegen, sie macht aber immer nur einen ganz geringen Bruchteil der deutschen Zeitungen aus, und zwar 0,56 Prozent( 1932: 0,47 Prozent). Nach dem Auslande wird dagegen die dreifache Zahl deutscher Zeitungen befördert, nämlich 25,6 Millionen Stück. Im Jahre 1932 gelangten 31,9 Millionen Stück deutscher Zeitungen nach dem Ausland. Der Auslandsabsatz ist also um 20. v.. gefallen keit bleibe. Auch beschäftigte sich der Bundeskanzler mit der Frage der deutsch- österreichischen Beziehungen, wobei er ausdrücklich betonte, daß gegenwärtig zwischen Deutschland und Desterreich keine Verhandlungen geführt werden. Oesterreich sei an der Entfremdung zwischen den beiden Staaten nicht schuld, es könne daher an der Annäherung etwas Wesentliches nicht beitragen. Selbstverständlich sind wir bereit," so erklärte der Bundeskanzler, alles zu vermeiden, was die Spannung fördern könnte, denn Desterreich will nichts anderes, als daß man es in Ruhe lasse und es gerecht und objektiv beurteile." Sicherlich ist man in Rom mit dieser deutlichen Abfuhr, die Schuschnigg dem dritten Reich" erteilt hat, zufrieden, wenn auch immerhin die österreichisch- deutschen Beziehungen bei den kommenden Unterhaltungen zwischen Schuschnigg und Mussolini eine wesentliche Rolle spielen werden. Aber gleichzeitig glauben wir, darauf hinweisen zu müssen, daß bei den Verhandlungen in Rom auch noch eine andere Frage eine Rolle spielen dürfte. Die„ Deutsche Freiheit" hat anläßlich des Besuches von Gömbös in Rom darauf hingewiesen, daß der ungarische Ministerpräsident die Rolle eines Vermittlers zwischen Rom und Berlin spielt und gleichzeitig den Versuch machen will, Polen in eine fünftige deutschpolnische- österreichisch- ungarische- italienische Entente einzubeziehen. Gömbös soll bei seinen Besprechungen auf dem Semmering Schuschnigg über diesen Plan in Kentnis gesetzt haben und darüber soll neuerdings zwischen dem Chef der italienischen Regierung und dem Bundeskanzler gesprochen werden. Aber gerade die gespannten Beziehungen zwischen dem dritten Reich" und Desterreich liegen der Verwirklichung dieses Planes hindernd im Wege. Mussolini scheint eine abwartende Haltung einzunehmen, und er wird wohl seine endgültige Entscheidung zu den Plänen von Gömbös, Hinter denen die Wilhelmstraße steht, endgültig erst nach den Verhandlungen mit Laval treffen. Mussolini will jedenfalls diesen Trumpf bei seinen Verhandlungen mit Laval ausspielen. Geringer Ausfuhrüberschuß Auf Kosten der Einfuhrdrosselung Die soeben vom Statistischen Reichsamt bekanntgegebenen Zahlen über die Handelsbilanz im Oktober weisen einen Ausfuhr überschuß von 16,4 Millionen Marf gegenüber einem Einfuhrüberschuß von 1,9 Millionen Mart im Vormonat auf. Die Ausfuhr ist nämlich von 350,3 auf 365,9 Millionen Reichsmart gestiegen, während die Einfuhr von 352,2 Millionen Reichsmart auf 349,5 Millionen zurückgegangen ist. In der gleichgeschalteten Preise herrscht ge= fünstelte Jubelstimmung über dieses Ergebnis der Oktoberhandelsbilanz, weil zum ersten Male seit März wieder ein fleiner Ausfuhrüberschuß erzielt worden ist. Bedenkt man aber. daß noch im Oktober vorigen Jahres, also zu einer Zeit, wo Deutschland unter dem heutigen Regime bereits heruntergewirtschaftet wurde, der Ausfuhr überschuß dennoch 98 Millionen Mart betrug, also das Sechssache des Ausfuhrüberschusses in diesem Monat, so ist das Ergebnis recht dürftig. Der geringe Ausfuhrüberschuß ist durch die Steigerung der Fertigwarenausfuhr auf 290,3 Millionen Marf erreicht worden. Vor allem konnte die Ausfuhr von Werkzeug maschinen, elektrotechnischen und chemischen Erzeugnissen forciert werden. Hingegen ist die Ausfuhr von Textilwaren durch die verminderte Qualität der deutschen Textilerzeugnisse zurückgegangen. Der Rückgang der Einfuhr konnte dadurch erreicht werden, daß die sonst im Oktober üb liche erhöhte Einfuhr von Baumwolle ja st gänzlich ausgeblieben war. Dementsprechend ermäßigte sich die Rohstoffeinfuhr von 199,8 auf 185,6 Millionen Reichsmark, obwohl sie sonst im Oktober bemerkenswerterweise eine beträchtliche Zunahme( um über 25 Millionen Reichsmarf) der Lebensmittel einfuhr erfolgte Tie Lebensmittelfnappheit veran laßte Schacht, Devisen für eine erhöhte Einfuhr von Gerste, Kaffee, Butter und Eiern zur Berfügung zu stellen. Für Deutschland 13. SAAR BEILAGE 9 Karl May gegen G. G. Knox Mr. Knor, der Präsident der Regierungsfommission, mag auf einigen Gebieten dem deutschen Führer" und seiner " deutschen Front" überlegen sein, an kriminalistischer Fantafie steht er jedenfalls weit hinter Herrn Hitler und Herrn Pirro zurück. Das tommt wahrscheinlich davon, daß er als Engländer versäumt hat, seinen Geist an dem großen deutschen Denker Karl May zu bilden, der bekanntlich der Lieblingsschriftsteller des deutschen Führers" ist. So weijen denn die Berichte des Herrn Knox an den Völkerbund bedauerliche Mängel hinsichtlich der romanhaften Ausschmüdung auf und bewegen sich in einer geradezu öden Objektivität, in einer direkt liberalistisch anmutenden juristischen Sachlichkeit. Bon solchen überwundenen Grundsätzen des neunzehnten Jahrhunderts ist die deutsche Front" an der Saar frei. Man soll ihr Anerkennung nicht versagen, wo sie verdient ist: sie hat dem Völkerbund als Schlag gegen Herrn Knor eine Denkschrift eingereicht, aus der auch minderbegabte Schauerschriftsteller als weiland Karl May eine blutige Geschichte von hundert Groschenheften machen können. Titel:„ Maria Gasenius und Arno Leichsenring oder die marristische Ber schwörung zur Geisterstunde im Nachtcafe." Tatbestand: Ein gewiß recht ehrenhaftes Fräulein Maria Cafenius, eine„ beamtenmäßige Schreibgehilfin" im Polizeipräsidium hat sich, was niemanden Wunder nehmen wird, nicht im Dienste ihrer Behörde, sondern in der Verpflichtung der deutschen Front" stehend betrachtet und somit die Behauptungen des Herrn Knor bestätigt, daß die deutsche Front" ihre Agenturen in den Aemtern des Saargebiets interhält. Die Dame hat zum ersten Male in ihrem Leben erfahren, daß es Journalisten gibt, die von der zuständigen Behörde Auskünfte erbitten, che sie über einen diese Behörde angehenden Vorgang schreiben. Daß es anderwärts daher bei Polizeipräsidien sogar Pressestellen und Pressereferenten gibt, kann die gute Maria natürlich nicht wissen, und daher ist sie hinreichend entschuldigt, wenn sie ihren ganzen Klatsch für entsprechende Gegenleistung der„, deutschen Front" hinterbrachte. Die aber und ihre Zeitungen ziehen JANUAR Gegen Hitler! gegen die die Aufrüstung Hitlers und Görings ein Kinderspiel ist. Zwar hat der bravo Arno selbst keine Waffe gesehen, aber er hat davon gehört, und nun muß man diesen Gewährsmann der„ deutschen Front" an der Saar selbst erzählen lassen: „ Bei den Instruktionsstunden wurde immer zum Ausdruck gebracht, daß Ende November oder anfangs Dezem ber 1934 eine revolutionäre Aktion im Saargebiet unter: nommen werden müßte, um der Regierungskommission die Mittel zu liefern, den Abstimmungstermin zu verschieben. Es wurde davon gesprochen, daß beim Ausrücken der Polizei mittels Fahrzeugen diese mit leicht brennbaren Flüssigkeiten an geeigneten Stellen übergossen werden müßten. Andere Beteiligte müßten dann Zigarettenstum pen auf die Autos der Polizei werfen, damit diese in Brand gesetzt werden. Dadurch werde die Polizei gezwun gen, abzusteigen. Aufgabe fet es dann, die Polizei unschäd lich zu machen. Durch Aufreißen des Straßenpflasters und Errichtung von Barrikaden müßten der Polizei weitere Schwierigkeiten gemacht werden. Die Aftionen seien so durchzuführen, daß auch die deutsche Front" auf die Straße gezwungen werde, fie zu regelrechten Straßenfämpfen zu bewegen. Durch solche Verwirrung fönnte erreicht werden, daß die Regierungsfommission ausländische Truppen zur Aufrechterhaltung der Ordnung für das Saargebiet an fordere." Das hätte Karl Man noch erleben sollen. Welche eine Romanjerie hätte er über die Emigranten an der Saar zusammengeschrieben! Es tut uns leid für Herrn Knor, aber wir reichen Herrn Pirro die Palme: Du haft gefiegt, Karl May! Allerdings, einstweilen nur in den Spalten der gleichgeschalteten Presse des Saargebietes. ,, DEUTSCHE FREIHEIT" Hitlerismus gegen Katholizismus Unversöhnliche Gegensätze Die nordischen Götter waren Richtgestalten mit Speer und Strahlenkranz, Kreuz und Hakenkreuz, die Symbole der Sonne, des fruchtbringenden, aufsteigenden Lebens. Seit weit über 3000 vor Christi trugen die nordischen Völkerwellen diese Zeichen nachweislich nach Griechenland, Rom, nach Troja, Indien. Noch Minutius Felr ereifert sich gegen das heidnische. Kreuz; bis schließlich der römische( T- förmige) Galgen, an den Jesus geschlagen worden war, zu eben diesem heidnischen, jest„ chriftlichen" Kreuz umgedichtet werden mußte, und die heidnische Sonne bzw. das Simmelkreuz als Heiligenschein über den Häuptern der kirchlichen Märtyrer und Glaubensboten. erschien. Der Wetterstrahl, die Lanze, wird das Gleichnis des Herrschens, der„ reitende Gott" mit der Lanze erscheint deshalb immer wieder erneut auf, christlichen" Gedenksteinen und Zeichnungen: das war der durch die Geschichte des Christentums reitende ewige Wanderer Wotan. Alfred Rosenberg, der vom Führer und Reichskanzler mit der weltanschaulichen Erziehung der Nation beauftragte Theoretiker des Nationalsozialismus in seinem Buche„ Der Mythus des 20. Jahrhunderts". Eine Wertung der seelisch- geistigen Gestaltenkämpfe unserer Zeit, 13.- 16. Auflage, Seite 165/166. Das Buch ist von der nationalsozialistischen Regierung allen Lehrerbibliotheken als geeignet empfohlen und in vielen Fällen auch katholischen Büchereien zwangsweise eingegliedert worden. Wenn der Erfolg in Genf versagt sein sollte, jo liegt das Der Wunde Punkt der Abstimmung nur an der perfiden Weltverschwörung gegen die Gemütstiefen der deutschen Seele, repräsentiert von Adolf Hitler, Karl May und Maria Casenius. mit ihrer Jungfrau von Saarbrücken zum Völkerbund. Drei, Kanonen" wird ihnen allerdings schwer fallen, sich und ihre Maria so begreiflich zu machen, daß Delegierte aus politisch zivilifierten Ländern sie verstehen. Weiterer Tatbestand: Ein hoffnungsvoller Jüngling namens Arno Leichsenring hat eine offensichtlich von der Gestapo finanzierte Gastrolle in einem„ Emigrantenlager" an der Saar gegeben. Nun hat er seine Beobachtungen vor dem Amtsgericht in Ulm zu Protokoll geliefert. Er hat im Saargebiet den„ Dimitroff" getroffen. Zwar nicht den richtigen, aber einen falschen. Der hat ihm die schönsten Geschichten über die Waffenlieferungen an die„ Emigranten" erzählt, über eine Ausrüstung der Emigranten an der Saar, Um den, Status quo" Beratungen des Dreier- Ausschusses Rom, 15, Nov. Der Dreierausschuß hat auch in dieser Woche feine Besprechungen über die Saarabstimmung fortgesetzt. Er beschäftigt sich jetzt ausschließlich mit den sogenannten politischen Fragen, wie der Definition des Status quo". Welches das Ergebnis dieser Beratungen sein wird, läßt sich noch nicht sagen, doch fann man erwarten, daß die Definition nur allgemein gehalten sein wird. Die Mitglieder des Dreierausschusses halten ihren Optimismus aufrecht, daß sie Lösungen finden werden, welche für die verschiedenen Anschauungen annehmbar sind. Die weitere Behandlung der wirtschaftlichen und finanziellen Fragen muß eine Verschiebung erfahren, meil einer der vorgesehenen Hauptsachverständigen plößlich erkrankt ist und eine andere Persönlichkeit ernannt werden muß. Die Probleme, welche es zu lösen hat, beziehen sich bekanntlich u. a. auf die im Saargebiet umlaufenden fran= zösischen Noten, für welche man hier die verschiedensten Schätzungen hört, von einer halben bis anderthalb Milliarden Franken. Einzelne Fragen, wie die sich aus der Sozialversicherung ergebenden, sowie die ebernahme der Beamten, brauchen bis zur Völkerbundstagung am 21. November noch nicht völlig geflärt zu sein. Die Frage des Rüd faufs der Saargruben, die einzige, für die im Versailler Vertrag selbst Verhandlungen vorgesehen waren, wird abseits der unter den Auspizien des DreierIn den erwähnten Veröffentlichungen der Presse der ,, deutschen Front" wurde auch behauptet, daß der Autono-= mistenführer May Walz von dem Etablissement A. Duroch in Forbach Waffen gekauft und eine neue Offerte für Waffenlieferungen erhalten habe. Die Firma stellt in einer eidesstattlichen Erklärung fest, daß Walz in der Tat drei Revolver für die Bewachung von Geschäftsstellen des„ GeneralAnzeigers" unter Vorlage seines Vasses gekauft hat. Ferner liegt die Anmeldung dieser Waffen bei der Polizeidirektion in Saarbrücken vor. Das ist alles. Es handelt sich also um eine in jeder Beziehung korrekte Angelegenheit. Die Rundfunkilegelelen Im britischen Unterhaus London, 15. Nov. Der Staatssekretär des Aeußeren wurde von dem liberalen Abgeordneten Mander befragt, ob der Staatssekretär die deutsche Rundfunkpropaganda gegen die Regierungskommission des Saargebiets fenne, und ob er nicht geneigt sei, in der nächsten Sizung des Völkerbunds rates die Frage einer Verschiebung des Abstimmungstermines aufzuwerfen, wenn diese Angriffe fortdauerten. Eden antwortete: Es ist mir bekannt, daß die Saarregierungskommission und ihr Präsident das Angriffsziel durch den deutschen Rundfunk gewesen sind. Ich bedauere natürlich der artige Angriffe. Wie dem Fragesteller bekannt ist, wurde eine Sondersizung des Völkerbundsrats für den 21. November einberufen, um den Bericht des Saarausschusses und die Vereinbarungen für die Abstimmung zu erwägen. Ich bin daher Die„ Neue Zürcher Zeitung" bringt zwei größere Beiträge über die Vorbereitung der Saarabstimmung, wobei das Blatt auf die zahlreichen Unstimmigkeiten in den Abstimmungslisten eingeht. Besonders interessant ist es, was das Blatt ut. a. über die politische Bedeutung der Kritik an den Listen schreibt. Das angesehene Schweizer Blatt erklärt: „ Nun die politische Seite dieser Kritiken an den Abstimmungslisten. Die Antifaschisten behaupten, es gehe um die Aufrichtigkeit und zuverlässigkeit der Volksabstimmung. Bestimmt werden sie mit ihren Anschuldigungen auch nach einem für sie ungünstigen Wahlausgang nicht Ruhe geben und überhaupt den Wert des Entscheids in Zweifel ziehen. Die bereits mit übergenug politischen Ressentiments belastete Abstim= mung sollte womöglich nicht noch mehr mit Konfliktsstoffen igeladen werden. Die Abstimmungsfommission ist sich dessen bewußt und setzt alles daran, ihren guten Willen zu beweisen. Die Frage ist indessen, was sie in den noch bleibenden zwei Monaten erreichen kann. Hier muß auf den wunden Punkt der Abstimmungsvorbereitungen gewiefen werden: zu furze Zeit! Die Vorbereitungen der Saarabstimmung litten voit Anfang an unter der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit. Die Termine für die Eintragungen, Einsprüche und Refurse mußten so knapp bemessen werden, daß sie den Gemeinde- und Kreisbüros faum. Zeit zu eingehender Behandlung aller und insbesondere der komplizierten Fälle ließen. Die Schuld daran trägt nicht die Abstimmungsfommission, sondern der Völkerbundsrat, der monatelang die Jnangriffnahme der Abstimmungsvorbereitungen hinauszögerte. Das rächt sich jetzt bitter. Einen fleinen Vorwurf fann man allerdings auch der Abstimmungskommission nicht ersparen. Wenn fie von Anfang an alle in die Gemeinde- und Kreisausschüsse berufenen Vertreter der Bevölkerung paritätisch den beiden Abstimmungsparteien entnommen hätte, wären Kritifen undenkbar, wie sie die damals zu wenig berücksichtigten Antifaschisten jetzt äußern. Die damals verlautbarte Begründung, es seien in den Reihen der Antifaschisten nicht genügend geeignete Persönlichkeiten zu finden gewesen, hat sich mittler: weile als unhaltbar erwiesen." nicht in der Lage, im Augenblick eine Erklärung über die Der Herr Saarkommissar Frage abzugeben. Was den letzten Teil der Anfrage betrifft, so ist der Zeitpunkt der Abstimmung bereits durch den Völferbundsrat festgesetzt worden. Auf die weitere Anfrage Manders, vb während der letzten Wochen die Schärfe dieser Angriffe nachgelassen habe, bemerkte Eden, er könne die Frage nicht ohne vorherige Erfundigung beantworten. fomitees stattfindenden Besprechungen zwischen dents Besenschrank oder Krematorium? schen und französischen Delegierten behandelt. Eine Lüge über den Straßburger Sender Das Deutsche Nachrichtenbüro Der Kölnischen Zeitung" entnehmen wir Wir veröffentlichten in Nr. 552 vom 31. Oktober eine Meldung über die letzte diesjährige Südamerikafahrt des Luftschiffs Graf Zeppelin, worin mitgeteilt wurde, daß das Luftschiff sich am 30. Oftober um 16 Uhr furz vor der südamerikanischen Küste befand. In dieser Meldung hieß es weiter, der Straßburger Rundfunksender habe am 30. Oftober abends berichtet, das Luftschifffei über Spanien abgeschossen worden. Die für die Kölnische Zeitung" selbstverständliche Pflicht zur Wahrheit in ihrer Berichterstattung nötigt uns, nachdem wir im Ausland wegen dieser Meldung angegriffen worden sind, zu der Feststellung, daß die uns vom Deut= schen Nachrichten Büro( dnb.) gemachte Mit teilung den Tatsachen nicht entspricht. Der Straßburger Rundfunksender ist am 28. Oftober abends zur Vornahme von Arbeiten für einige Tage stillgelegt worden und hat insbesondere auch an dem frag lichen 30. Oktober überhaupt nicht gesendet Die früher fatholische, jetzt hitlerische Landes- Zeitung" in Saarbrücken erzählt aus Spanien, einer der führenden Revolutionäre sei bei der Verhaftung in einem Besenschrank entdeckt worden. Das Blatt ist sehr entrüstet über diese Feigheit". Es scheint anzunehmen, das höchste moralische Gesetz eines Revolutionärs sei, sich von den Gegnern gefangen nehmen zu lassen. Wir wissen nicht, ob die Geschichte mit dem„ Besenschrank" stimmt. Dagegen ist erwiesene Tatsache, daß Adolf Hitler nach seinem Bürgerbräuputsch seine Kameraden schmählich Wozu er redet, und wozu er schweigt Der Saarbevollmächtigte des Reichskanzlers, Gauleiter Bürdel, erläßt eine heftige Feststellung gegen notorische Lügner", das heißt gegen Zeitungen, die, wie er behauptet, unrichtige Meldungen über seine Verhandlungen mit dem Dreierausschuß in Rom gebracht haben. Von Erfolgen weiß er allerdings selbst nichts zu berichten. Wir werden von den„ Feststellungen" des Herrn Saarkommissars nicht betroffen, da die von ihm bestrittenen Behaup tungen, die natürlich trotzdem wahr sein können, in unserer 3eitung nicht gestanden haben. Wohl aber haben wir einige Benterfungen aus anderen Blättern abgedruckt, die Herrn Bürckel Franzosense paratismus in der Besatzungszeit vorwerfen. Unsere Höfliche Anfrage, was Herr Bürckel darauf zu sagen habe, hat er leider nicht beantwortet. im Stich gelaffen hat, im Auto in die bayerischen Berge„ Gerüchte" ausriß und dort in den Betten der Villa eines reichen Freundes erwischt worden ist. Der Berliner Gauleiter Dr. Goebbels, jetzt Reichspropagandaminister, hatte sich bei einer Haussuchung in seinem Büro diskret in das W. C. zurückgezogen. Die Beamten ließen ihn dort rücksichtsvoll sizzen. Wir stellen anheim, ob der„ Besenschrank" von den drei Verstecken nicht noch das Würdigste ist und warten ab, wo die Redakteure der„ Landes- Beitung" gegebenen Falls an= zutreffen sein werden. Es wäre übrigens zu wünschen gewesen, daß die katholischen Führer Dr. Klausener und Probst am 30. Juni sich irgend einen Besenschrank" gesucht hätten, statt ahnungslos dem„ moralischen Gesetzgeber der Nation" und seiner höch ften Rechtstat" fich auszuliefern. Immer noch beffer im Besenschrank als im Kremratorium. Koblenz, 14. Nov. Im Gau Koblenz- Trier der NSDAP. ergeht eine amtliche Mitteilung, daß„ fragwürdige Elemente", deren einziges Erleben die stete Verneinung fet und deren Urteil feine Sachkenntnis trübe, hätten in ch it Bhaft genommen werden müssen, weil sie ihren Mitgliedern der nationalsozialistischen Bewegung, an ihrer Spize Gauleiter Gustav Simon, durch Verbreitung von unwahren Gerüchten und böswilligen Verleumdungen in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen versucht hätten. Der nationalsozialistische Staat sei nicht gewillt, fürderhin seine Aufbauarbeit durch geistige Greise unterminieren zu lassen. Es sei festgestellt, daß weder die NSDAP. noch der Staat etwas zu vertuschen hätten. Im Gegensatz zum früheren System würden Volksschädlinge heute in Deutschland ange: prangert und prompt bestraft. Der letzte Entz ist ein böser Wiz und wird die„ Gerüchte" ttur beleben.. Knox über über den Terror der ,, deutschen Front" Fortsetzung aus Nr. 253, 254, 255. 192 Ge Gewöhnlicher Schmuggel DUS Der Beauftragte Hitlers greift ein Hitlers greift ein Die braune Front als Nebenregierung adminifteriume sunächst nach Neustadt geleitet Noch einige weitere Beispiele: Der Bürgermeister von Wemmetsweiler übersendet der„ deutschen Front" am 25. Mai 1984 eine ihm zugegangene Anzeige gegen den Orts: gruppenführer der deutschen Front" wegen Bedrohung. Der Anzeige find amtliche Urfunden beigefügt, insbesondere das Brotofoll von Zeugenaussagen. Der Bürgermeister war sich Der Schwere seiner Handlungsweise wohl bewußt, dean er zitiert selbst den§ 346 des Strafgesetzbuches, der eine Strafe bis zu 3 Jahren Zuchthaus für einen Beamten vorsicht, der die Verfolgung einer zu seiner Kenntnis gelangten strai baren Handlung unterläßt. Aber was tut er: anstatt die Anzeige an die Staatsanwaltschaft weiterzuleiten, liefert er sie an die„ deutsche Front" ab, welche sie einbehält und für ihre 3wede benutzt. Nur die Amnestie hat den Bürgermeister vor gerichtlicher Verfolgung gerettet; ein Disziplinar: verfahren ist gegen ihn eingeleitet. Die Regierungsfommission hat verfügt, daß die Gemeinden keinerlei Unterstützung an die jungen Saariänder auszahlen sollten. die in die Arbeitsdienstlager im Reich verschickt würden. Das Schreiben der Landesleitung der„ dentschen Front" vom 27. März 1934 liefert den besten Beweis dafür, auf welche Weise diese Partei. die unaufhörlich ihre Achtung vor der Legalität betont, unter Mitschuld von Be: amten die Anordnungen der Regierungstommission umgeht: Sämtliche Bürgermeistereien des Saargebietes haben bisher entgegen den Anordnungen der Refo aus ihren Fonds zur Betreuung irgendwelcher Erwerbsloser usw. für die abrückenden Arbeitsdienstwilligen Zuschüsse bezahlt. Es war dies eine stillschweigende Vereinbarung zwischen den Bürgermeistereiämtern und uns." Ein Bürgermeister indessen hatte sich geweigert diese Zuschüsse zu leisten. Er wird durch Herrn Carl, Leiter des Freiwilligen Arbeitsdienstes. der ,, deutschen Front", bei dem Landesleiter schriftlich gemeldet. Nach heftigen Ausfällen gegen den Bürgermeister schreibt Herr Carl:„ In den nächsten Tagen bekomme ich die Unterlagen über die Tätigkeit des... und werde Ihnen dieselben zustellen." In gewissen Fällen handelt die„ deutsche Front" gegenüber der deutschen Regierung und den deutschen Behörden sowie den Bewohnern des Saargebietes, als wäre sie die Regierung des Gebietes. Der Leiter der Rechtsabteilung steht im Schriftwechsel mit deutschen Staatsanwaltschaftss, Gerichts- und Verwaltungsbehörden( 25. Juni 1934). Er führt Untersuchungen bei jaar: ländischen Behörden über Flüchtlinge durch und übermittelt das Ergebnis an deutsche Behörden. Die deutsche Front" stellt Nachforschungen darüber an, ob diese oder jene Person arischer oder nichtarischer Abstammung ist und gibt ihre Fest= stellungen nach Deutschland weiter. Sie ist ermächtigt, Genehmigungen zur Einfuhr verbotener Zeitungen in das Reich zu erteilen und Bescheinigungen auszustellen, kraft deren das Passieren der deutschen Grenze im Auto ohne weiteres er: möglicht wird. Sie stellt Zeugnisse über einwandfreie polis tliche Führung aus. Ist es da zu verwundern, wenn Privatpersonen sich an fie wie an eine Regierung wenden? Ein Industrieunternehmen bat Schwierigkeiten mit seinen Arbeitern, es hat Drohbriefe erhalten von feiten des Ortsgruppenführers der„ deutschen Front": 1935 wird der Betrieb der Firma abgenom= men Anstatt Klage vor Gericht zu erheben, unterbreitet das Unternehmen die Angelegenheit der Landesleitung( Juli 1984). Aber es fommt noch besser: ein Beamter war mit der fommissarischen Verwaltung einer Bürgermeisterei beauftragt worden. Nach beendeter Mission erstattet er im Simtsteil Bericht unterm 17. April 1934 an Herrn Pirro. Das ,, dritte Reich" kommandiert Bei der Anwendung der bereits gekennzeichneten Druck methoden ist die deutsche Front" nicht nur der Mitarbeit allzuvieler jaarländischer Beamten sicher. Sie wird unter: stützt durch die Regierung und Behörden des Deutschen Reiches. Am 4. Mai 1934 hat ihr Leiter in einer Mitteilung an die Presse, deren Original, von ihm unterzeichnet, bei der Turchinchung vorgefunden wurde erklärt: „ Die„ deutsche Front ist eine selbständige, von jeglicher Reichsstelle losgelöste Organization" Bereits in den vorangehenden Seiten wurden indessen sahlreiche Beweise für die Einmischung deutscher Behörden erbracht. Von den nachstehend weiter angeführten Belegen verdienen namentlich diejenigen Schriftitücke besondere Beachtung, die aus der Zeit nach dem 4. Juni 1934 stammen, d. H. nach lebernahme der Verpflichtungen im Hinblick auf die Volksabstimmung im Saargebiet durch die deutsche Regierung. Um es gleich vorwegzunehmen, die Abießung des Herrn Spaniol und Berufung des Herrn Pirro an die Spitze der etwas umgestalteten ,, deutschen Front" sind in Berlin beschlossen worden. Ein Einacmeihter. Herr Schaub. Pandespeichäftsführer, sowohl der NSDAP als auch der„ deutschen Front". liefert hierfür in seinem Schreiben vom 9. Juli 1934( das bereits zur Kenntnis des Rates gebracht wurde), ein ebenin autorisiertes wie formelles Zeugnis: braucht sich doch nur die oewefenen Männer um Herrn Spaviol onzusehen, um zu beareifen, daß es als ein Glück zu bezeichnen ist, daß unser Führer durch seinen Stellvertreter, Meichsminister Pg. Heß bzw. alten Kämpfer Pg. Bürckel, für Aenderung in der Saargebietsführung Sorge trug." „ Man Die Unterordnung der deutschen Front" unter die deutiche Regierung beftätiat fich sowohl für die Zeit vor dem 1. März 1984 als auch noch diesem Zeitpunkt, vor somohl als auch nach dem 4. Juni 1934. Vor Auführung neuer Beweise dürfte es nüglich sein, einige Angaben über die Organe und Methoden zu machen, welche die Rerbindung zwischen der deutschen Front" und den deutschen Behörden sichern. Sunderte von Briefen wurden in Saarbrücken beschlag: nahmt, die von deutschen Ministerien oder amtlichen deutschen Dienststellen stammen. Alle scheinen nicht auf dem normalen Wege durch die Poft gelangt zu sein. Durch die bereits ver öffentlichten Schriftstücke über den Freiwilligen Arbeits. dienst war das Bestehen eines Kurierdienstes zwischen der ,, deutschen Front" und der Gestapo( der preußischen geheimen Staatspolizei) in Trier aufgedeckt worden. In der Korre spondenz des Regierungsrates Watermann, von der weiter anten die Rede sein soll, wird zu wiederholten Malen des gewöhnlichen Wegcs" oder des„ besonderen Weges" Er: wähnung getan, auf welchem die Korrespondenzen befördert werden( 12. Juli 1934). Des ist festgestellt worden, daß die Schreiben des werden, an Herrn Bürckel, Gauleiter der Pfalz, augenblicklich Nachfolger des Herrn von Papen als Saarbevollmächtigter. Ein Mitarbeiter des Herrn Reichsministers Goebbels schreibt im Auftrage des legteren an Herrn Bürdel am 21. ni 1984:„ Briefe meines Ministeriums dürfen nicht ins Sargebiet gelangen und ich bitte daher, die Versendung. von dort aus vorzunehmen." Aus dem Schreiben läßt sich nicht ersehen, ob es sich hierbei um eine alte Gewohnheit oder um eine neue Vorsichtsmaßregel handelt. Tatsächlich befinden sich in den beschlagnahmten Akten sehr zahlreiche Briefe, die über Neustadt ge= leitet worden waren. Auch findet man darin Anzeichen, die auf gewöhnlichen Schmuggel hindeuten. Am 9. Juli 1934 schreibt die Propagandaabteilung der„ deutschen Front" an das Reichspropagandaministerium in bezug auf Filme:„ Wenn die Versendung über die Grenze Schwierigkeiten macht, dann genügt es, die Lichtbildreihen nach Neustadt zu schicken mit der Angabe, daß man sie bei nächster Gelegenheit hier ins Saargebiet mitbringt." ,, Ein Mann des Geheimdienstes" Außerdem finden des österen Zusammenfünfte in Neustadt oder in Trier statt. Herr Freudenberger zum Beispiel, Leiter der Rechtsabteilung der deutschen Front". erstattet Herrn Pirro Bericht, daß er in Trier den Regierungspräsidenten und Herrn Welich( der im Dienst der Gestapo steht) aufgesucht habe, ,, um einige Besprechungen zu erledigen"( 19. Mai 1934). Deutsche Beamte begeben sich ihrerseits in das Saargebiet und setzen sich mit der deutschen Front" in Verbindung. An= meldescheine werden gefunden, so auf den Namen von Herrn Westhoff. Regierungsrat in Trier( 11. Mai 1934), der Herrn Pirro wie verabredet" zu sprechen wünschte. In einem Schreiben des Herrn Watermann wird die Anfunft eines hohen Beamten aus Berlin im Saargebiet an= gefündigt, des Herin Jäger, Ministerialdirektor im PreuBilchen Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung, dessen Rolle in den protestantischen Kirchenfragen befannt ist( 10 April 1934). Ein anderes Schreiben verdient jestgehalten zu werden, es trägt das Datum des 12. Juni 1934, stammt von Herrn Thelsen( Propagandaabteilung) und ist für Herrn Pirro be stimmt. Es heißt darin:„ Herr Kuhlmann bittet, beim näch sten siersein einen Mann des Geheimdienstes zn seiner Ueberwachung einzustellen, damit er eine Gewährleistung und eine Sicherheit für sich hat". Herr Kuhlmann ist ein hoher Beamter des Reichspropagandaministeriums. Die häufigen Besuche deutscher Beamten im Saargebiet ge schahen ohne Wissen der Regierungskommission. Regierungsrat Watermann Von den vorstehend genonnten Personen lenft eine ganz besonders die Aufmerfiamfeit auf sich: Regierungsrat Wa termann. In einem Schreiben eines Mitarbeiters des Herrnt von Papen, das unterm 12. Juni 1934 an das Reichspropagandaministerium gerichtet ist wird er mit folgenden Worten erwähnt:„ Saarvertrauensmann Herr Regierungsrat Watermann- Köln. Hildeboldplay 36." Er läßt sich im übrigen des österen seine Korrespondenz nach Köln an eine vereinbarte Adresse senden wie aus einem Schreiben des Herrn Die deutsche Regierung läßt- meistens durch Herrn Watermann Anordnungen und Anweisungen an die„ deutsche Front" ergehen. Diese beziehen sich auf die politische Propaganda, die Vorbereitung der Abstimmung, oft stellen sie aber auch Einmischungen in die Verwaltung des Saargebietes dar. Hierzu einige Beispiele: Sonderkurse zur politischen Schu lung von Saarländern werden in Kreuznach abgehalten. Herr Watermann gibt die notwendigen Anweisungen. Am 14. Juni 1934 übersendet er Listen der Kursteilnehmer und schreibt: „ Diese Leute sind gut gefchult. Es erscheint daher angebracht, allen 500 Teilnehmern einen Posten als Amtswalter bei der deutschen Front" zu übertragen. In den meisten Fällen werden sich die Betreffenden zum Ortskulturwart oder zum Ortspropagandaleiter eignen. Jedenfalls erscheint es unbedingt nötig, diese guten Kräfte im Abstimmunge fampf entsprechend einzusehen." Eine ganze Reihe von Belegen handelt von der Entsendung einer großen Anzahl saarländischer Arbeiter zur Feier des 1. Mai 1934 in Berlin. Herr Watermann gibt genaue Anweisungen( 17. April 1934). Er fragt nach der Höhe der im Saargebiet entstehenden Ausgaben. Wie die Auswahl der Teilnehmer vor sich gehen soll. Ich bitte, nach wie vor darauf zu achten, daß die größere Anzahl der Teilnehmer Marristen sind." Im allgemeinen werden alle großen saarländischen Kundgebungen im Reich vorbereitet, und die Anweisungen werden nach Saarbrücken durch Schreiben der Herren Watermann oder Kuhlmann übermittelt Auch die Organisation der Abstimmungsbüros der„ deutschen Front" ist in ihren Grundzügen seit 19. April 1934 durch Schreiben des Herrn Watermann festgelegt Dieses an Herrn Pirro gerichtete Schreiben verdient hier festgehalten zu werden: " Im Herbst v. J. war die Aufstellung einer Abstimmungsorganisation in Aussicht genommen worden. Auf Grund von bestimmten Abmachungen mit der NSDAP. des Saargebiets sollte das ganze Saargebiet in bestimmte Einheiten aufgeteilt werden. Die fleinste Einheit sollte der Blockwart sein, dem im einzelnen etwa 20 Abstimmungsberechtigte anvertraut werden sollten. Diese Blockwarts sollten wiederum in Kreise zusammengefaßt werden. Dar= über sollte eine zusammenfassende Zentralorganisation stehen, Jeder Blodwart sw. sollte wiederum einen Ersatzmann stellen Sämtliche Anschriften der Blockwarte usw. und ihrer Stellvertreter sollten außerhalb des Saargebietes an neutraler Stelle deponiert werden. Wie Sie mir nun sagen, ist eine solche Organisation bereits in Durchführung begriffen. Dies ist sehr zu begrüßen. Ich bitte, die Angelegenheit zu beschleunigen, damit sie bald abgeschloffen ift. Ich wäre nun dankbar, wenn die oben genannten Adressen außer bei der von Ihnen in Aussicht genommenen Stelle auch noch hier niedergelegt werden tönnten, damit auch von ier aus gegebenenfalls die Dinge mitgestaltet werden fönnten. Ich wäre Ihnen für eine furze Bestätigung dieses. Schreibens dankbar. Alsdann wäre es wohl zweckmäßig, dieses Schreiben bald zu vernichten." Theisen, Propagandaabteilung der deutschen Front", an Monatlich 100 000 Mk. für Pirro Herrn Raskin, vom Rundfunk, ender Frankfurt ersichtlich ift( 24. April 1934):„ Das wäre insgesamt ein Rostenaufwand von 1500 RM Wir bitten Sie, diesen Betrag am besten durch Firma Uhrland n Co., Köln 5. Schließfad) 26, vornehmen zu wollen Herr Regierungsrat Watermann, der unter dieser Adresse zu erreichen ist, wird Ihnen gern die Gefälligkeit crweisen, und die langwierigen Devisenverhandlungen mit der Reichsbauf erübrigen sich dadurch." Wie man hieraus ersieht, läßt Herr Watermann einige Vorsicht walten, die durch seine Eigenschaft als„ Vertrauensmann" gerechtfertigt ist. Die äußerst zahlreichen von ihm stammenden und bei der „ Deutschen Front" gefundenen Briefe sind einheitlich mit der Schreibmaschine aeichrieben und zwar auf Papier von kleinem Format schlecht geformten Buchstaben W. gezeichnet. Es fiel indessen nicht schwer, den Verfasser ausfindig zu mochen. Eine der mit W. gezeichneten Mitteilungen, die vom 4. November 1933 datiert und an Herrn Schlemmer( ,, deutsche Front") aerichtet ist gab Anlaß zu einer Antwort seitens des Herrn Schlemmer, der sie unterm 14. November 1933 an Herrn Watermann Hildeboldplatz adressierte. Die Gegenüberstellung beider Schriftitücke läßt feinen weifel zu, und die beschlagnahmten Tofumente haben weitere Ver= oleichsproben ermöglicht( 17. April und 8. Mai 1934). Der Inhalt dieser Paviere ist sehr mannigfaltig: die meisten besieben sich auf Fragen der Propaganda und Zahlung von Ruschünen andere sind richtige Anordnungen für die dentiche Front" Mit einem Wort, Herr Watermann ist der hauptsächliche und sehr vertraute Mittelsmann zwischen der„ deutschen Front" und den deutschen Behörden. Diese wiederum holen sehr häufig nöfünfte bei den Stellen der deutschen Front" ein. So richtet Herr Watermann, der um einen Zuschuß fitr saarländische Vereinigungen angegangen war, unterm 3. Mai 1934 an Herrn Hard( einen bereits genannten Beamten der Regierungskommission) folgende Anfrage: Ich wäre für gefl. Stellungnahme dankbar. Wie sind die Vereine und ihre Führung? Welche Kosten ent: stehen und wie werden diefelben aufgebracht? Welche Beis hilfe schlagen Sie a a. F. vor?" In vielen Fällen ist es übrigens die„ deutsche Front" selbit. die aus eigenem Antrieb den deutschen Behörden Nachrichten zugehen läßt. So übersendet sie am 21. Mai 1984 gleichzeitig an das Büro des Herrn von Papen und an das Reichspropagandaministerium eine eingehende Auskunft über die Gründung einer neuen saarländischen Zeitung( Neue SaarPost"). Darüber hinaus geht aus den beschlagnahmten Schriftstücken und insbesondere aus einem Schriftstück vom 18. Juni 1934 hervor, daß die meisten der von den deutschen Rundfunksendern über das Saargebiet verbreiteten Nach richten durch die deutsche Front" vorbereitet und abgefaßt werden. Unter diesen Schriftstücken fällt eine ganze Reihe von Mitteilungen für den Frankfurter Sender auf, die Ber: leumdungen, Druck: und Einschüchterungsversuche dar= stellen und nicht eben selten aus Beamtenkreisen des Saar: gebietes stammen, Die„ dertiche Front" erhält zahlreiche Mitteilungen, die sich auf die Zahlung von Zuschüssen beziehen. Der Bestim mungszweck dieser Zuschüsse ist oftmals merkwürdig: Aus einem Schreiben des Herrn Spaniol an Herrn Pirro vom 25. Juni 1934 erfährt man, daß ersterer in einem früheren Zeitabschnitt vom preußischen Innenministerium Geld erhalten habe, um die Mitglieder der ehemaligen faarländischen SA. mit Uniformen auszustatten. Herr Watermann einerseits schrieb am 16. März 1934 an Herrn Pirro, was die Bedeutung der Angelegenheit hervor hebt( denn er wendet sich ziemlich selten an den Landesleiter persönlich). um ihn an eine zwei Tage zurückliegende Besprechung zu erinnern, bei welcher Gelegenheit er ihm auseinandergesetzt hatte, daß Herr Spaniol am 11. Oftober 1933 auf Konto„ Herta Schöffler" einen Betrag von 5000 RM. „ für besondere Verbände" erhalten hätte. In der gleichen Mitteilung ist die Rede von der Finanzierung von Kursen zur Ausbildung einer„ Ordnertruppe". Herr Watermann ist im übrigen nicht der einzige Verteiler deutscher Zuschüsse im Saargebiet. Die Anführung von Beispielen im einzelnen dürfte überflüssig sein. Nur eines Hinweises sei Erwähnung getan, der sich in einem Schreiben vom 12. Juni 1984 an Herrn Pirro findet: ,, Die Devisenftelle Saarbrüden läßt Ihnen mitteilen, daß Sie für Ihren Bedarf monatlich 100 000 RM, in das Saar: gebiet einführen dürfen, und zwar durch die Bezirksklasse Neustadt an eine von Ihnen der Devisenstelle Saarbrücken, Telefon 2 11 91, anzugebende Bank." Hitler stellt den Rundfunk zur Verfügung Was den Rundfunk anbelangt, haben die amtlichen deutschen Stellen nach verschiedenen Versuchen eigens auf Ansuchen der deutschen Front" zunächst den Sender Mühlacker, dann denjenigen von Frankfurt zu dem im Hinblick auf die Abstimmungspropaganda spezialisierten Sender be stimmt. Der Propagandaleiter der deutschen Front"( NS DAP.) beſtätist in einem zusammenfassenden Bericht über das letzte Vierteljahr 1933, daß er viel zur Schaffung einer Sendergruppe Süd- West, die dazu bestimmt sei, die bisher nur schlecht im Saargebiet zu empfangenden deutschen Sender zu ersetzen, sowie zur Verbesserung der Programme im Hinblick auf die Propaganda im Saargebiet, beigetragen habe. Diese bis in die jüngste Zeit fortgesette Zusammenarbeit der„ deutschen Front" und der amtlichen deutschen Stellen wird durch sehr zahlreiche Dokumente bestätigt. Die lügnerischen und geichmacklosen Nachrichten, die durch diese Sender über die Regierungskommission und ihre Beamten verbreitet werden, scheinen demnach ihren Ur: sprung in der deutschen Front" zu haben, aber das Reichss propagandaministerium ist für ihre Verbreitung verants ( Solus folgt). wortlich Deutsche Stimmen Beilage zur Deutscien Freiheit Freitag, den 16. November 1934 Thomas Manns Josephs- Roman Gedanken und Bemerkungen Thomas Mann wohnt nicht mehr in Deutschland. Nicht grade, daß ihn sein Vaterland und sein Mutterland vertrieben hätte. Das braune Schrifttum begnügt sich damit, den größten deutschen Romanschriftsteller und Nobel- Preisträger mit Geringschätzung zu behandeln. Für sie ist Thomas Mann ein Bestandteil der liberalistischen und intellektuellen Aera, in der sich der Reichtum des Geistes mit der höchsten Verantwortung vor der Sprache verständigt hatten. Grade in den letzten Jahren war Thomas Mann vor den Braunen Aufbrechern besonders stark belastet. Er hatte im Chaos der Gedanken und der Ideen, in dem die Demagogen ihre Geschäfte zu treiben begonnen hatten, immer wieder seine Gläubigkeit zur heiligen und ewigen Vernunft bekannt. Wenige Monate vor dem Anfang des ,, dritten und tausendjährigen Reiches" Adolf Hitlers war er bekennerisch an die Seite der sozialistischen Politiker getreten. Er hatte die Marotte beim Menschheitswert der Demokratie zu verharren, bei der Gleichheit alles dessen, was Menschenantlity trägt im Geiste der Klassiker Kant und Fichte. Es scheint, daß er diesen erlebten und eroberten Standpunkt zeitlebens behalten will, weil er ohne ihn nicht zu existieren vermag. Die ersten zwei Bände seiner großen Josephs- Trilogie sind erschienen. ,, Die Geschichten Jakobs" und Joseph und seine Brüder". S. Fischer- Verlag, Berlin. Es sind sehr umfangreiche Bücher. Man darf gestehen, daß es einige Anstrengungen kostet, um sich in der Wirrnis von heute in das Reich der biblischen Gleichnisse zu begeben. Thomas Mann war selber auf diesen Einwand gefaßt. Er widerlegt ihn mit einem schönen Bilde. Man müsse, so sagt er. in den Brunnen der tiefsten Tiefe aller Zeiten hinabsteigen, um zu erkennen, daß die Wahrheit von einst immer. noch nach Erfüllung in den Wahrheiten von heute sucht, so sehr sie auch zertreten und geschändet würden. Wir nehmen jedoch keine Rechtfertigung an, es sei denn, daß sie durch das Werk selber bestätigt wird. Wer endlich zu lesen begonnen hat, der trennt sich nicht wieder von diesen Büchern Thomas Mannns. Nicht etwa, daß Thomas Mann die schlichten Sätze der Bibel zu einer prunkvollen Legende mit dramatischen Steigerungen erhebt. Es ist nur eine neue Gestaltung, gesehen mit einem großen Herzen in der Liebe zu den menschlichen Anfängen und den menschlichen Bestimmungen * Vielleicht werden die Bücher Thomas Manns einmal in der Reihe der großen revolutionären Dokumente stehen. Denn die allererste Revolution war der Aufstand des Glaubens an den einen einig- einzigen und unsichtbaren Gott, der unter Israel geboren wurde. Dieser Glaube er hat nicht nur die Götzen und die Bildwerke vernichtet, sondern auch die Verantwortung der Menschen unter ihresgleichen geschaffen, mit dem Gewissen zur Rechtfertigung für alle Handlungen der Güte und der Niedrigkeit. Von hier an resultiert das Bewußtsein des Menschenwesens, das seine Sprengkraft bewahrt und bewährt bis auf den heutigen Tag und immer wieder selbst die imaginären tausendjährigen Reiche erschüttern wird. Kern der Dichtung von Thomas Man. Sieht Hier liegt der Kern der Dichtung von Thomas Mann. Sieht man ihn so, dann schwinden die Bedenken, und niemand wird gegen den Schöpfer dieser großen Bücher den Vorwurf erheben können, daß er sich seiner Verpflichtung zum„, Zeitroman" entzogen habe. Diese Bücher wurden geschrieben über diese Zeit hinaus. Wir verharren nur kurz beim Inhaltlichen und Formalen. Jizchak, Enkel des vorzeitlichen, schon sagenhaft fernen Mann aus Ur- Abrahams, des Mondwanderers, hat dem nachgeborenen Sohne Jacob seinen Segen auf den Weg vom Elternhaus fort gegeben. Jakob dient bei seinem Oheim Laban jahrzehntelang als Knecht. Er dient um die Hand der Rahel; aber unter dem zum Schicksal werdenden Brautschleier der Geliebten schickt ihm der Vater die ältere Tochter Lea ins Gemach. Wiederum muß sich Jakob verdingen, bis er endlich ,, die rechte" Rahel heimführen darf. Die Geburt Josephs und Benjamins, der Tod der geliebten Rahel, Jacobs Trauer: damit beginnt der zweite Band..Joseph und seine Brüder". Joseph und die zehn wilden und ungebärdigen Söhne und Mägde, die den Stämmen Israels den Namen gegeben haben, werden durch die Kunst des Dichters vertraut und nahe. Bis zum tragischen Ende: jener Schleier Rahels entzündet den Neid der Brüder wider Joseph, bis sie ihn in den Brunnen werfen. Seine Rettung und die maßlose Trauer Jakobs um den scheinbar von Löwen Zerrissenen beschließen den zweiten Band. Aber was bedeutet der Hergang, für jeden bekannt und nachzulesen im Alten Testament! In die legendären Gestalten versenkt sich ein Dichter, und es ist Thomas Manns Zauber und sein Wunder, daß wir hingerissen sind von ihrer Einfachheit und ihrer Bedeutung. Um so schlicht und so klar zu schreiben; wie gründlich und wie lange muß Thomas Mann dieses Werk geplant und vorbereitet haben, bis zum sehr exakten Studium der Kultur und der alltäglichen Gebräuche jener biblischen Epochen. Er zeigt seine Schätze jedoch nicht gleiẞnerisch einem bewundernden Leser. Sie sind in Handlung und in Leben aufgelöst, vor allem aber im Gespräche, die Thomas Mann hier zu vollendeter Höhe führt. Wirklich kein Zeitroman? In den Unterhaltungen zwischen Jakob und seinem alten geweihten Diener Eliezer ist das Ringen um Gottnähe enthalten, das heutige Menschen bewegt. Hören wie Josephs Klagerufe aus dem Brunnen wider die grausamen Brüder, seine Abkehr von leichter Gefallsucht, seine Ablösung vom körperlichen Schmerz zum großen und gerechten Erkennen der Aufgabe, so vernehmen wir in allem Thomas Mann selber. Hier ist seine Stellungnahme zu den Ereignissen in seinem und in unserm Lande beschlossen. Der Geist steht auf wider die wilden Brüder. Wir ahnen und wir glauben an seinen Sieg. Das ist die Erhellung, mit der uns Thomas Mann entläßt. Darum hat er recht daran getan, auf seinem großen Vorsatze dieser Bücher zu verharren und sie zu vollenden, als Deutschland entstellt und geschändet wurde. Pg. Wolkersdörfers Mixer Met oder Cocktail? Wie kommt Cocktail und Hakenkreuz zusammen? Cocktail riecht keineswegs nach Blut und Boden. Cocktail riecht nach Laboratorium. Cocktail wird in Bars und Dielen gekippt, wo nicht ,, heldische blauäugige Arier" sitzen, sondern verdächtige liberalistische Nichtarier" um Frauen des dunklen( Mittelmeer-) Typs gieren( nach der Berliner Wochenschrift für Rassenkunde": mit langem Oberkörper, kurzen Beinen, schwarzen Haaren, Hakennase, reichlichem Haarwuchs und Neigung zur Fettsucht). Cocktail ist geradezu ine jüdische Erfindung, um das deutsche Volk zu entsittlichen und zu verderben. Cocktail erscheint als das genaue Gegenteil dessen, was sich als zackige nationalsozialistische hupp! Weltanschauung gibt. Haben etwa die alten Germanen Cocktail getrunken? Sie haben Met aus Auerochsenhörnern in den Schlund gegossen, und die arischen Edelinge aus Hitlers Heerbann machen es ihnen nach. Eins, zwei, drei gsuffa! Ehedem einmal schwelgte Jüngstdeutschland in Cockta und Bar- Lyrik. Etwa: Geliebte, komm mit in die Bar! Der Mixer sagt uns den geheimsten Tip, und himmlisch, überirdisch steht dein Haar zur Rötlichkeit des Sherry- Brandy- Flip. Wer heute solche Verse verzapfte, verschwände im Konzentrationslager, und auch der Gilde der Bar- Mixer ist nicht anzuraten, sich im dritten Reich" allzu mausig zu machen. Aber wie wird uns? Frankfurt a. M. erlebte dieser Tage einen Internationalen Barmixer- Kon. greß mit Cocktail- Turnier, bei dem 170 neuc Hersbruck von Juden frei Eine Denkmalinschrift Hersbruck in Franken ist der erste Kreis ,, der sich stolz rühmen kann, von Juden vollständig frei zu sein. Dieses historische Ereignis im Gau Streicher muß natürlich nach gutem Nazibrauch gefeiert werden. Dieses Denkmal trägt die Inschrift: ,, Den gefallenen Freiheitskämpfern zur Chre! Den Lebenden zur steten Mahnung! Die Einheit und voran! Rezepte, davon erwachtes Deutschland in der Welt 80 von deutschen Mixern ausgeknobelt wurden. All das unter innigster Anteilnahme der Nazi- Oberbonzen, die trotz der„ germanischen Erbmasse im Blut" nicht nach Met, sondern nach Cocktail riefen. Cocktail erschien ihnen als das einzig Wahre. Pg. Linder, Bürgermeister von Frankfurt, begrüßte die Mixer aller Länder und schloß seine Ansprache ,, mit der Hoffnung, daß auch durch diese Veranstaltungen das wahre Gesicht Deutschlands gerechter gewürdigt werde, um so mehr, als Deutschland, wie jeder sich habe überzeugen können" beim Cocktail- Turnier! ..ja nur den Frieden wolle". In die gleiche Kerbe hieb Pg. und MdR. Wolkersdörfer, Reichsleiter der Betriebsgemeinschaft Nahrung und Genuß, und dann antworteten die ausländischen Mixer und sagten nach der gleichgeschalteten Presse, sie hätten auch vielfach Gelegenheit gehabt, sich von der Unrichtigkeit dessen zu überzeugen, was sie in ihrer Heimat über Deutschland gehört und gelesen hätten", nämlich daß die Nazi- Bonzen nur Met aus Auerochsenhörnern söffen. Zum Schluß stieg, A • Ereignisse und Geschichten Mit den Besiegten Aus einer Waldbetrachtung der..Pommerschen Zeitung". Preist ihr den Heldenlauf der Sieger, schmückt sie mit dem Ruhmeskranz, Euch dran zu weiden ich will indessen, in den Staub gebückt, Erniedrigung mit den Besiegten leiden. Geringstes Volk! verpönt, geschmäht, verheert und bis zur Knechtschaft in die Knie gezwungen du bist vor jedem stolzeren mir wert, als wär mit dir ich einem Stamm entsprungen! Heiß brennt mich Scham, wenn das Triumpfgebraus dem Feinde Fall und Untergang verkündet, wenn über der Zerstörung tost Applaus und wilder noch die Machtgier sich entzündet. Weit lieber doch besiegt sein, als verführt von eitlem Glanz und wenn auch am Verschmachten, und ob man gleich den Fuß im Nacken spürt den Sieger und das Siegerglück verachten! Hedwig Lachmann- Landauer f Das dichtende Blut Es quillt aus der neuen Kunst Auch in der Literatur des dritten Reiches" regiert die Urgroßmutter. Nicht nur, weil aus ihren Zeiten die Stoffe bezogen werden, sondern weil sich die Autoren mit ihr legitimieren müssen, namentlich wenn sie irgendwie verdächtig sind. Zu diesen gehört Gottfried Benn, der expressionistische Lyriker, der sich einst vom linken Lager protegieren ließ. Nun möchte der Asphaltdichter völkisch lernen, aber er kanns nicht recht erdichten und man glaubt es ihm nicht. Also raus mit der Urgroßmutter! Er läßt ein kunsthistorisches Buch erscheinen, in dem er zunächst seine arischen Ahnen aufweist und sich um den Nachweis seiner rassichen Integrität bemüht", wie man in Kritiken der gleichgeschalteten Presse liest. Dann bekennt sich Benn zum Expressionismus und bringt Namen bei, die beweisen sollen, wie völkisch diese verrufene Richtung sein könne. ,, Am Ende herrscht etwas wehe Stimmung in Benns Buch", was wir verstehen, denn die braune Konkurrenz will ihn nun mal nicht dulden, mag er seine Urahnen noch so demonstrativ ausbuddeln. Aber er steht nicht allein, auch andere,.Dichter" lassen die Ahnen noch einmal für den Urenkel zeugen.„ Die junge Bühne"( Theater am Nollendorfer Platz, Berlin) hat ein Blubostück von einem Matthiesen uraufErde", geführt:: ,, Heilige selbstverständlich. Marke: ..Echtes Brauchtum". Herr Diegenschmidt, der seine Dramen vor Jahren gern den unvölkischsten Verlagen und Theatern anbot, beschwert sich im Berliner Tageblatt als Rezensent über den unbäuerlichen Kitsch seines Kollegen und über sein unlauteres Geschäftsgebaren, denn wie Benn, so wartet auch Matthiesen mit einer Ahnentafel auf und sagt von seinen Dichtungen aber lassen wir den Kritikus reden: er habe sie ganz aus dem Tiefsten des deutschen Volkstums heraus" geschrieben, ganz aus Strom deutschen Blutes", ,, aus dem Ahnenerbe". Er beruft sich darauf, daß seine Ahnen bis ins graue Mittelalter hinauf nordische Seefahrer und niederdeutsche Bauern" waren. Warum soll er nicht? Wenn Rassenprofessor Wirth aus seinem Erbinnern schließt, daß seine Urlinda richtig geht und die Wissenschaft falsch, warum soll nicht auch in der Kunst das Ahnenerbe an Stelle der Gestaltung ausschlaggebend sein? Die Abstammung entscheidet und die, denen ein Blubo- Schmarrn mißfällt, leiden eben an minderwertigstem Mischblut. Diesen schwachen Punkt entdeckt auch Dietzenschmidt, der den Wikingersproẞ Matthiesen andonnert, seine alten Seefahrer müßten sich eben dieses der Kritiker muß sich Theaterstückes schämen, wie sich legitimieren ,, wie sich das Blut meiner Vor fahren, die väterlicherseits allesamt bis in die Vorzeit hin Bauern waren, zornig gegen die Verfälschung der deutschen Bauerngestalt aufbäumte..." Womit er sich unaufdringlich und zart dem Wohlwollen des Hakenkreuzes empfiehlt. Die Konkurrenz aber wird fragen, warum Diegenschmidts Stimme des Blutes nicht aufschrie, als er sich einst von Juden und Marxisten protegieren, von Linksblättern drucken und dem linken Lager zuzählen ließ. Die fluchwürdigen liberalistischen Honorare hatten offenbar selbst für ein urwüchsiges Erberinnern etwas Betäubendes. Und all dieser Mumpit, diese Dispute aus dem Irrenhaus das wird jetzt in Deutschland gedruckt, gespielt, diskutiert und bezahlt. Man würde es nicht glauben, läse Gregor. mans nicht schwarz auf weiß. wie es sich gehört, das Horst- Wessel- Lied. Horst Wessel Sozialismus der Tat und Bar- Mixer gesellt sich gern. Halt, fast hätten wir vergessen: Pg. und MdR. Wolkersdörfer, der Mann von Betrieb, Nahrung und Genuß, wurde auch zum Ehrenmitglied der Internationalen Bar- MixerUnion" ernannt; das ist die Internationale, die dem Nazi wohlgefällt. Aber warum in aller Welt hat man es versäumt, den Führer" feierlich zum Ober- Ehren- und UrMixer auszurufen? Er ist ja im Hauptberuf. Was Deutschland kredenzte, war der Cocktail der Cocktaile; aus allen Giftküchen zusammengegossen, geschüttelt und gemischt bis zur Unkenntlichkeit, den Kritiklosen mundend und besoffen machend. Der Katzenjammer, der schon im Anzug ist, wird entsprechend sein. er Ehre zu wahren. Den Künftigen zum dauernden Gedenken an den Sieg der Wahrheit über die Lüge, an Deutschlands Erhebung unter dem Führer und Kanzler Adolf Hitler. Errichtet vom Kreis Herbruck der NSDAP. im 2. Jahre des Dritten Reiches, als Gauleiter Julius Streicher seinen Titanenkampf gegen den Juden führte und unter der kraftvollen Führung des Kreisleiters Georg Sperber der Kreis Hersbruck, die alte nationalsozialistische Hochburg, sich restlos zum Führer bekannte," Er marschiert mit Riesenschritten trotz aller marxistischen Verleumdungen! ,, Denkt nur an, was bei uns im Betriebe sich ereignet hat: Bei einem Rundgang verliert der Direktor sein Taschentuch. Betriebszellenobmann Schleim bückt sich sofort, aber der Direktor lächelt leutselig:„ Lassen Sie nur, mein Lieber!" und hebt sein Taschentuch allein auf. Sozialismus der Tat!" ..O, ist gar nichts! Da sollst Du mal in unsern Betrieb kommen! Bei uns hat der Prokurist im Zuge der bevölke rungspolitischen Maßnahmen den drei Kontoristinnen erbgesunden Nachwuchs besorgt. Um sie nicht in der Ausübung ihrer Mutterpflichten zu behindern, hat er dann allen dreien die Entlassung verschafft. Sozialismus der Tat!" ,, Imponiert mir nicht. Bei uns hat die Frau Direktor auf dem Kraft- durch- Freude"-Festabend mit dem Vorarbeiter getanzt. Und hinterher ist sie gleich gegangen und hat ein Bad genommen. Sozialismus der Tat!" ..Auf unserm Festabend ist es noch viel großartiger gewesen. Unser Chef war zwar persönlich am Erscheinen verhindert, aber die ganze Zeit über hat sein EinheitsFestanzug, Extraqualität, über den Garderobeständer gehängt, auf dera Ehrenplay gestanden," Muck& 2 hou Völker in Sturmzeiten Nr. 71 Völker in Sturmzeiten Im Spiegel der Erinnerung- im Geiste des Sehers Aus dem Zellengefängnis Otto von Briefe aus bewegter, schwerer Zeit 1848-1856 Corvin Zu den interessantesten Gestalten der Revolution von 1848 gehörte Otto von Corvin. Er wurde 1812 in Gumbinnen in Ostpreußen als Sohn eines Postdirektors geboren. 1830-35 diente er als preuBischer Leutnant erst in Mainz, dann in Saarlouis. Nachdem er seinen Abschied genommen, nahm der als geistig vielseitig interessierte junge Mensch an den Bewegungen des Vormärzes lebhaften Anteil leidenschaftlicher Republikaner und Demokrat. 1848 kämpfte er in den Reihen der Auständischen in Baden. Im Mai 1849, als die Gegenrevolution die Oberhand gewann, verteidigte er als Bürgerwehroberst Mannheims die Stadt gegen die Preußen. Als Chef des Generalstabes suchte er dann die Festung Rastatt zu halten. Nach ihrer Uebergabe wurde er standrechtlich zum Tode verurteilt, kurz vor der Erschießung zu sechsjähriger Festungshaft begnadigt. In seinen„ Erinnerungen" schildert er, wie diese Begnadigung eintraf, als schon alles für die Erschießung vorbereitet war. Diese sechsjährige Festungshaft hat er bis zur legten Stunde abbüßen müssen. Er hat in diesen Jahren viel gelitten.. Aber liest man die Briefe, die er an seine Frau geschrieben hat, so wird man finden, daß der damalige Strafvollzug( für einen Rebellenführer, der mit der Waffe ergriffen wurde!) immer noch human war, verglichen mit den Zuchthäusern, Gefängnissen und Konzentrationslagern, in die achtzig Jahre später das ,, dritte Reich" seine Gesinnungsgegner sperrt. Wir veröffentlichen eine größere Anzahl der Briefe Corvins. Sie sind seinem längst vergriffenen, 1884 erschienenen Buche Aus dem Zellengefängnis" entnommen. Es sind menschliche Dokumente von tragischer Größe und mit bemerkenswerten Einblicken in die politische Situation nach 1848 darunter. Vor allem den Briefwechsel mit seiner Frau wird jeder Mitfühlende mit tiefer Anteilnahme lesen. Otto von Corvin hat nach seiner Entlassung eine vielseitige schriftstellerische Tätigkeit ausgeübt. 1861 erschienen seine vierbändigen Erinnerungen". Die Reihe seiner Geschichtswerke ist lang. Am bekanntesten ist er durch den Pfaffenspiegel" geworden, der in den weltanschaulichen Kämpfen der Vorkriegszeit eine gewisse Rolle spielte. Im Jahre 1886 endete sein reiches und abenteuerliches Leben. Die Gefangennahme Aus dem Vorwort Ich war 1847 in persönlichen Angelegenheiten is rund wurde Zeuge und Teilnehmer an der Februar- Revolution von 1848. Zur Unterstützung der revolutionären Bewegungen in Deutschland bildete sich in Paris eine meist aus brotlos gewordenen deutschen Arbeitern bestehende viele tausend Mann starke Legion, an deren Spitze, obwohl nur den Namen nach, der damals sehr populäre Dichter Georg Herwegh stand, der sich mit seiner Frau in Paris aufhielt. Um die deutschen Arbeiter aus Paris los zu werden unterstützte die republikanische französische Regierung scheinbar dies Unternehmen und Herwegh und ich unterhandelten mit derselben. Ich folgte zuletzt der nach Straßburg abmarschierten Legion. Die französische Regierung erfüllte unsere Hoffnungen nicht und lieferte uns keine Waffen. Die Legion verschaffte sich indessen etwa 20 Gewehre und einen geringen Vorrat von Patronen. Es wurde beschlossen, vorläufig 800 Mann, zur Unterstügung der Insurgenten in Baden unter Hecker und Struve, über den Rhein zu schicken. Fehlende Waffen sollten wir in Baden erhalten. Ich als Chef des Generalstabes ging eines frühen Morgens mit diesen 800 Mann heimlich bei Groß- Kembs über den Rhein: allein schon Tags zuvor waren die Scharen Heckers bei Kandern und die Struves und Sigels bei Freiburg geschlagen und zersprengt worden. In Wieden im Schwarzwalde angekommen fanden wir uns von mehr als 10 000 Mann badischer und württembergischer Truppen eingeschlossen. Ich führte indessen meine Schar unbemerkt über den Belchenberg nach Zell im Wiesental. Mitten in der Nacht brachen wir von dort auf, um die Schweiz zu erreichen. Ein verräterischer Führer leitete uus irre und am nächsten Vormittage holten uns württembergische Truppen ein. Es kam bei Niederdossenbach, dicht vor der Schweizer Grenze, zu einem Gefecht. Auf jeder Seite betrug die Zahl der Toten etwa 40 Mann. Da uns die Munition ausging mußten wir das Gefecht aufgeben. Einem Teil unserer Truppen gelang es nach der Schweiz zu entfliehen; der Rest wurde gefangen. Nach mancherlei Abenteuern glückte es Herwegh und mir in Verkleidung nach Rheinfelden in der Schweiz zu entkommen. Die Regierung hatte einen namhaften Preis für unsere Gefangennahme ausgesetzt. Die in Frankfurt versammelten Schwäger, welche die Revolution mit dem Munde allein zu machen dachten, waren über unser abenteuerliches Unternehmen empört. Sie flößten meiner Frau die größten Besorgnisse ein und veranlaßten sie nach Straßburg zu reisen, um mich von der entsetzlichen Torheit" zurück zu halten. Sie kam zu spät; das Gefecht bei Dossenbach hatte stattgefunden und es hieß, ich sei gefallen. Zu Tode betrübt kam meine Frau, um wenigstens meine Leiche aufzusuchen, nach Rheinfelden. Hecker war und blieb mit vielen seiner Anhänger in Muttenz in Basel- Landschaft. Herwegh und wir gingen nun nach Straßburg. Die dort in großer Anzahl anwesenden politischen Flüchtlinge erwählten mich zum Präsidenten der Unterstügungs- Kommission. Ich verhandelte allein mit der französischen Regierung und den Revolutionären und regulären Truppen in Baden. Karl Heinzen, der aus Amerika angekommen war, trat feindlich gegen Hecker auf und bildete eine Gegenpartei. Ich wohnte im Rebstock zu Straßburg, welcher das Hauptquartier unserer Partei war. Nach dem Juniaufstand in Paris wurde ich aus Frankreich ausgewiesen, ging aber nur nach Weißenburg im Elsaß, wo ich einige Wochen unter fremdem Namen mich aufhielt und Vorbereitungen zu einer neuen revolutionären Erhebung machte. Diese wurde durch einen von Struve veranlaßten voreiligen Putsch vereitelt. Meine Frau hatte mich schon im Juni in Straßburg verlassen, um meine Geschäfts; und Privatangelegenheiten zu ordnen, die durch meine lange Abwesenheit und meine Teilnahme an den Bewegungen in große Verwirrung geraten waren. Diese, ebenso ärgerlichen als, langwierigen Dinge waren es, welche es ihr unmöglich machten, zu mir nach Weißenburg zu kommen. Da ich damals die Schwierigkeit ihrer Lage nicht beurteilen konnte, so war ich über ihr Zögern zu mir zu kommen, oder mit mir nach Wien zu gehen, äußerst ungeduldig, und die Vorwürfe, die ich ihr in meinen Briefen machte, waren sehr ungerecht. Da ich von Berlin aus die Versicherung erhielt, daß die preußische Regierung gegen die Teilnehmer an dem badischen Aufstand von 1848 nichts unternehmen wolle, so ging ich nach Berlin. Dort spielte damals Held eine sehr bedeutende Rolle. Ich war als junger Leutnant mit ihm in demselben Regiment gewesen. Als wir, nachdem wir beide unseren Abschied genommen hatten, in Leipzig zusammentrafen, gaben wir zusammen die Zeitschrift ,, Lokomotive" heraus und schrieben gemeinschaftlich die Illustrierte Weltgeschichte". Daher meine genaue Bekanntschaft mit Held. Ich ging hauptsächlich nach Berlin, um dort mit ihm an der noch unvollendeten Weltgeschichte weiter zu arbeiten und blieb in jener Stadt, bis General Wrangel mit den Truppen einrückte. Ich wurde im Frühjahr 1849 ausgewiesen und ging nach Baden, wo eben der Aufstand von 1849 ausgebrochen war. Ich übernahm in Mannheim den Oberbefehl über Volks- und Bürgerwehr und verteidigte drei Tage lang diese Stadt gegen die Preußen. Unsere Truppen verloren die Schlacht bei Waghäusel. Wir mußten Mannheim verlassen und uns nach Rastatt zurückziehen. Durch Zufall blieb ich dort zurück als die Preußen die Festung einschlossen. Ich verteidigte, als Chef des Generalstabes, dieselbe vier Wochen lang. Nachdem wir uns überzeugt hatten, daß unsere Armee seit vierzehn Tagen nach der Schweiz gegangen und unser Proviant völlig aufgezehrt war, mußten wir die Festung übergeben. Ich leitete die traurige Unterhandlung. Die Bedingungen der Uebergabe wurden nicht gehalten. Einige 40 Personen wurden erschossen. Ich wurde zum Tode verurteilt; da jedoc das Urteil nicht einstimmig war, wurde ich zu zehn Jahr Zuchthausstrafe begnadigt, welche später zu Zellengefängnis verschärft wurde. Diese sechsjährige Zellenhaft( die höchste, welche das Gesets gestattete) mußte ich bis zum letzten Tage aushalten. Erst Ende 1855 wurde ich frei. Leipzig, im Frühjahr 1884. Corvin im Gefecht Liebe Helene! Corvin. Mannheim, 18. Juni 1849. Morgens 9 Uhr. Freitag, 16. November 1934 glühenden Kugeln einige Stunden lang. Es war sehr lustig, nur nicht für die Mannheimer. Unsere Wachsamkeit verhinderte aber das Zünden. Verwundet wurden nur wenige Leute. Ein Rad an einem Zwölfpfünder wurde zerschossen. Ich ließ es gleich herstellen. Die Büchsenschützen von drüben schossen etwa 4-5 von uns tot, die gestern feierlich begraben wurden. Endlich ging dem preußischen Geschütz die Munition aus; sie schossen mit Schrauben, Steinen und Stücken von einem eisernen Geländer. Gegen Abend begann die Kanonade von Neuem. Sie schossen glühende Kugeln. Aber nur zwei Schuß. Ich ließ eine Haubitze, zwei Sechspfünder und zwei Zwölfpfünder Feuer machen und die preußischen Geschütze wurden demontiert. Gestern schossen sie wieder mit glühenden Kugeln. Wir haben eine ganze Sammlung. Ein Prellschuß von einer Spitzkugel schlug mir auf die Brust, ohne das Geringste zu schaden.. Heute nacht, hieß es, die Preußen wollten über den Rhein. Ich war aber da. Bei Ladenburg schlug sich mein 1. Bataillon ausgezeichnet. Ein Oberst von den Mecklenburgern fiel und mehrere Offiziere. 20 Mann gefangen, dabei ein Major und viele Unteroffiziere. Man erbeutete vierzehn schöne Pferde und Helme von den Kürassieren. Meine Rekrutenkompanie schlug sich bei Großsachsen herrlich, so daß ihr für ihre Tapferkeit 1000 Gulden geschenkt wurden. Bis jetzt sind wir überall siegreich. 3000 freiwillige Franzosen, Nationalgarden von Straßburg und Elsaß sind gestern in Heidelberg angekommen. 16 Bataillone mit 6 Schwadronen und 16 Batterien( à 6 Stück) sollen folgen. Wir sind guten Mutes, denn die Volkswehr schlägt sich wie der Teufel. Komm Helene. Es ist hier sehr gut sein. Grüße Hs. und Luise recht herzlich. Wärt Ihr doch bei diesem Festtage zugegen! Heute wirds wohl wieder etwas geben. Schreibt gleich oder noch besser, kommt, allein verseht Euch mit Pässen. Eben höre ich, daß abermals vier Stunden lang Kolonnen Franzosen bei Knielingen über den Rhein uns zur Hilfe gezogen sind. Tausend Grüße und Küsse von Deinem -O Otto. Oberkommandeur der Mannh. Volkswehr. ( Dieser vorstehende Brief zeigt, welche verrückte Gerüchte verbreitet wurden und wie sehr wir, die wir doch an Ort und Stelle waren, selbst daran glaubten. Das Gefecht bei Waghäusel wurde verloren und wir mußten Mannheim aufgeben. Auf dem Bahnhof wurde ich mit den höchsten Stabsoffizieren durch eine Konterrevolution arretiert, allein von meinem Adjutanten Hauf, der mit der Volkswehr herbeieilte, befreit Ich folgte nun der sich zurückziehenden Armee nach Rastatt, war Zeuge der in der Umgegend stattfindenden Gefechte und wurde in Rastatt eingeschlossen, wo man mich zum Chef des Generalstabes machte und mir die Verteidigung gegen die Preußen übertrug.) Lieber Held! Rastatt, den 17. Juli 1849. Ich bin hier von den Preußen mit belagert. Melde dies meiner Frau und allen Freunden, zugleich auch, daß ich in allen Gefechten unverwundet geblieben bin. Schreiben könnt Ihr mir nicht. Dein Freund Corvin, Oberstleutnant und Chef des Generalstabes. ,, Die Sache ist verloren" Die Sache Meine liebe Helene! Ich schreibe Dir mit sehr bewegtem Herzen. Die Sache, für welche ich gekämpft habe, ist verloren verloren durch die Feigheit und Unfähigkeit der Menschen, welche sich an die Spitze unserer Armee stellten. Miroslawski und Sigel sind durch Baden geflohen. Die Preußen haben, wie es scheint, das ganze Land besetzt. Nur Rastatt, in welchem der alte Oberst Tiedemann kommandiert und in welche Festung ich ebenfalls durch Zufall eingesperrt worden bin, hält sich noch. Wir taten treu und tapfer unsere Pflicht; allein man ließ uns so schmählich im Stich, daß man nicht einmal versuchte, uns Nachricht von der Niederlage der Unsrigen zu geben. Der General v. d. Gröben, welcher das Korps vor Rastatt befehligt, hat uns anbieten lassen, einige Männer abzusenden, welche sich von der Vernichtung unserer Armee überzeugen sollen. Die Garnison hat dazu mich und den Major Lang gewählt. Ich bin nämlich als Chef des Generalstabes in der Festung. Gestern gegen Abend reisten wir in Begleitung des Leutnants Grafen Schmettau nach Freiburg ab; allein um unnötiges Aufsehen zu vermeiden in Zivilkleidung. Leider scheint sich alles, was man uns sagte, zu bestätigen. Von unserer Armee ist bis hierher keine Spur zu finden. Welches nun unser Schicksal sein wird, das weiß ich nicht. Ich werde handeln, wie es mir Ehre, Klugheit und Menschlichkeit gebieten. Du kennst mich, meine Helene. Sollte dieser Brief der letzte sein, den ich in meinem Leben Dir schreibe, die Vernun so lebe wohl. Seit siebzehn Jahren warst Du neine Lebensgefährtin. Die Ehe mit mir hat Dir kein Glück gebracht. Verzeih mir, wenn ich meine Aufgabe, Dich glücklich zu machen, nicht besser löste. Sterbe ich für die Sache, der ich mein Leben weihte ,, nun so weine um mich, denn ich verdiene es; laß Dich aber nicht vom Schmerz überwältigen. Denke, daß es besser für mich ist, mit Ehren zu sterben, als in Schande zu leben. Was ich habe, alle meine Ansprüche, wie auf die Weltgeschichte zum Beispiel, vererben sich auf Dich. Ich hoffe, daß sowohl Baumann als H. sich an Dir als meine Freunde bewähren werden. Setze Dich mit Deinem Bruder in Verbindung und bitte Rum seinen Rat. Geht nach Amerika, nicht nach Australien. Grüße L. Ich Endlich eine ruhige Minute, Dir und Euch Allen einige Zeilen zu schreiben. Seit drei Tagen sind wir im Gefecht und ich wünsche Dir so viele Luisdor als Kugeln an mir vorbei gepfiffen sind. Als Miroslawski hier ankam, bestellte er am Nachmittag eine große Revue, die sehr gut ausfiel. Ich ritt mit ihm und besichtigte alle Posten. Endlich 10 Uhr stieg ich vom Pferde. Darauf bat er mich, mit seinem Bruder nach Ludwigshafen( welches Mannheim gegenüber liegt und gewöhnlich die Rheinschanze heißt) zu gehen. Hier baute ich aus alten Eisenbahnschienen( Schwellen) und Baumwollballen eine starke Barrikade bis 14 Uhr Morgens. Als ich kaum aufgestanden war, wurde Alarm geschlagen. Bei Käferthal ging das Gefecht los. Da mein 1. Bataillon zur Avantgarde abgeschickt war-es heißt das 1. Bataillon Corvin- so hatte ich nur wenig Leute, 1 Kompanie von dem nicht formierten Bataillon der Mannheimer Volkswehr und also kein Kommando. Ich ritt zum Gefecht, erhielt von Miroslawski einige Befehle auszuführen. Die Hessen liefen prächtig. Wir haben bei Käferthal nur 2-3 Tote und einige Verwundete. Nun hörte ich auf einmal Geschütfeuer von Ludwigshafen her. Miroslawski und ich ritten gleich hin. Ludwigshafen war von den Preußen genommen, weil der Artilleriehauptmann dem Obersten Türr, der Ludwigshafen halten sollte, keine Geschütze geben wollte. Die Brücke war bereits zum Teil abgefahren, als ich ankam. Ich übernahm teidigung von Mannheim nach Ludwigshafen zu mit 9 Geschützen. 4 Zwölfpfünder, 3 Sechspfünder und 2 Haubitzen, noch einige Geschütze in Reserve. Die Brücke geriet in Brand. Die Preußen schossen mit Granaten und glühenden Kugeln in die Stadt. Dies veranlaßte mich Granaten in den Hafen zu werfen, die nur zu gut zündeten. Der ganze Ort brannte lichterloh. Meine Zwölfpfünder haben alle Häuser durchlöchert. Die Preußen mußten ihr Feuer einstellen. Am Morgen begann es stärker. Sie beschossen die Batterie, die ich dicht vor meinem augenblicklichen Quartier am Rhein aufgestellt hatte, mit Schrapnells, Granaten, Kartätschen und Vertreibung der jüdischen Studenten nun Berlin, 15. Nov.( Inpreß.) Nach Angaben des Deutschen Aerzteblattes" betrug die Zahl der jüdischen Studenten an den medizinischen Fakultäten der deutschen Universitäten im Sommersemester 1932: 1893, im Sommersemester 1933, nach Hitlers Machtantritt: 916 und im Wintersemester 1933/34 nur noch 366. Die Zahlen beziehen sich auf Studenten jüdischer Konfession. sage absichtlich nicht mehr. Ich habe neulich einige Zeilen an H. gelangen lassen. Vielleicht hat er Dir Nachricht gegeben. Ich hätte Dir noch viel, sehr viel zu sagen; allein ich will die Güte unserer Feinde nicht mißbrauchen. Von hier reisen wir nach Konstanz und kehren dann nach Rastatt zurück, um der Garnison mitzuteilen, was wir gesehen haben. Grüße alle meine Freunde und behalte das Andenken an mich in Deinem Herzen. Dein, Corvin, ( Fortsetzung folgt.) Katholische Bischöfe vogelfrci? Ein Protest Faulhabers Kardinal Faulhaber erläßt eine geharnischte Erklärung gegen ein nationalsozialistisches Rampfblatt für deutschen Glauben und deutsche Art Der Bliz", das in Erms leben( Harz) erscheint. Es hat unter der Ueberschrift „ Das war Schmach und Schande" einen Schmäh artikel gegen den Kardinal gerichtet und sich auf eine Predigt bezogen, die der Kirchenfürst überhaupt nicht gehalten hat. Die Fälschung, so wird in der in allen Kirchen Münchens verlesenen Antwort Faulhabers behauptet, gehe auf die Fälschung eines böhmischen Margisten" in der„ Neuen Saar- Post" zu Saarbrücken zurück. Das kommt uns allerdings etwas böhmisch vor: ,, Margist" schreibt in einem katholischen Blatte und eine nationalsozialistische Zeitschrift pöbelt dann den Kardinal an. Viel wichtiger scheint uns der Zornesausbruch des Kardinals gegen die Zustände im„ dritten Reiche" zu sein: " Die Folgerungen, die der„ Blig" aus dieser marristischen Fälschung ableitet, Kardinal Faulhaber habe Ver rat am nationalsozialistischen Staat verübt, Greuelhebe betrieben, eine Dreistigfeit sondergleichen begangen, die Kämpfer beleidigt und einen wilden Haßgesang angestimmt, sind derartig be leidigend, daß ich an die politische Polizei und an die Regierung die Frage richten muß, ob denn die deutschen Bischöfe vogelfrei sind und gegen solche Lügenmeldungen wehrlos bleiben sollen. Die Tatsache, daß dieser Artikel im ,, Blizz" jetzt erst, nach fast drei Monaten, zum 9. November erscheint, beweist überdies, daß damit die politische Leidenschaft bis zum äußersteu aufgepeitscht werden soll. Eine Richtigstellung ist von hier aus telegrafisch an die Schriftleitung des„ Blizz" abgegangen, wie sie natürlich auch an die„ Neue SaarPost" abging. Es ist aber dringlich, daß der Verkauf eines solch sch mach vollen Hezartikels, der auf einer marristischen Fälschung beruht, polizeilich verboten und daß die Oeffentlichkeit über diese schamloje Lüge baldigst aufgeflärt wird. Und darum ersuche ich ebenso ernst wie dringlich. Kardinal Faulhaber." Der Protest des Kardinals hat bisher keinerlei Erfolg gehabt. Weder wurde der Redakteur des„ Blitz", noch sein Blatt diszipliniert. Es wurde lediglich die fernere Verbreitung der betreffenden Nummer des„ Blitz" in Bayern untersagt. Das ist wertlos, denn„ die betref fende Nummer" ist eben längst verbreitet. Das Ehehindernis Durch Zugehörigkeit zur ,, Deutschen Glaubensbewegung" Rom, 12. Nov. Die päpstliche Kommission zur authentischen Interpretation des Coder juris canonici hat vor kurzem die wichtige Entscheidung gefällt, daß die Zugehörigkeit zu einer Gottlosenorganisation gleichzustellen sei der Zugehörigkeit zu einer akatholischen Sekte und deshalb für die Ehe eines Katholiken mit einem Mitglied einer Gottlosenorganisation das verbietende Ehehindernis der Religionsverschiedenheit bestehe. Das Amtsblatt für die Erzdiözese München- Freising stellt nun fest, daß auch die von den Professoren Hauer und Bergmann geführte„ Deutsche Glaubensbewegung" als akatholische Sekte im Sinn der einschlägigen tirchenrechtlichen Bestimmungen zu gelten habe, so daß in gleicher Weise das Ehehindernis der Religionsverschiedenheit bestehe. Katholiken sind Reichsfcinde! Die„ Verillzten" Mischlinge von Zuckmayer bis Düsterberg Köln, 14. Nov. Ein Artikel des Westdeutschen Beobachters" ist dem Problem der Mischlinge gewidmet. Die Zahl der Personen, die in Deutschland aus einer Mischehe hervorgegangen sind, schätzt das Blatt auf 400 000. Diese Mischlinge ständen dem deutschen Herzen näher als die Juden, da sie ja ( wenigstens etwas) deutsches Blut in den Adern hätten. Aber: „ Aber gerade deshalb sei noch viel mehr Vorsicht und Unerbitterlichkeit geboten. Gegen Juden sei der Abstand möglich, was aber die Mischlinge betreffe, so verschwämmen hier die Grenzen und die Gefahr der Verfilzung sei groß. Ohne energische Gegenwehr werde Deutschland morgen eine Millionen und übermorgen fünf Millionen Mischlinge zählen. Unter ihnen machten sich besonders viele Asoziale, Anhänger von Paneuropa, Marristen usw. breit. Als besonders gefährliche Halbblütige werden die Dramatiker Hasenclever und Zuckmayer hingestellt. Zum Schluß entwirft der„ Beobachter" ein besonderes düsteres Bild: Erschreckend deutlich sei der Weg des ehemaligen Stahlhelmführers, Reichspräsidentschaftsfandidaten und Mischlings Dü sterberg. Man möge Düsterbergs persönliche Qualitäten anerkennen, aber die Vorstellung, daß er hätte Reichspräsident werden können, sei entieblich. So hätte dann Deutschland im Jahre 2000 ausgesehen: Ein Mischling als Herrscher, ein Volk von Mischlingen und die letzten aussterbenden Deutschen als Sklaven." Düsterberg, der eigentliche Begründer und Organiator des Stahlhelms, wird also formell aus dem germanischen Clan vertrieben. Das ist das Erbe seines jüdischen Großvaters, der im Kriege gegen Napoleon als Freiwilliger gekämpft hatte. Der Enkel grollt und brütet heute in der Stille. Viele haben sich gewundert, daß er den 30. Juni lebendig überstanden hat. Aber war der„ Westdeutsche Beobachter" nicht etwas unvorsichtig? War die Frage der Mischlinge so offen aufzuwerfen? Sind nicht etwa die heutigen Beherrscher Deutschlands gleichfalls verfilzt"? Ansichts der besonderen Verhältnisse an der Saar sind wir nicht in der Lage, näheres über die Persönlichkeit des Herrn Hitler zu sagen. Aus Argentinien stammt Darré, aus Aegypten der stellvertretende Führer Rudolf Heß, aus Rußland der„ Kulturführer" Alfred Rosenberg. Verbindung gestanden. Ich kenne auch seinen Aufenthalt vorhanden. Schon die Tatsache, daß die Eltern dieser braunen nicht. Das bleibt die Meinung der regierenden Hitler, Rosenberg& Co. In der Wiener„ Reichspost" vom 10. November lesen wir: Herr Alfred Rosenberg schreibt in einer Betrach tung der furchtbaren Ereignisse des 30. Juni dieses Jahres: Daß die neu aufgetakelten Zentrumsjünger, wie Dr. Klausener, Rahr und Genossen mit ihren Hintermännern im Komplott nicht fehlen durften, ist jedem Nationalsozialisten selbstverständlich. Ob sich Herr Brü= ning, der seine erschütterte" Gesundheit in England wiederherstellt, mit diesem Auslandsbesuch ein Alibi sichern wollte, ob sein Genosse Dr. Wirth, der in Moskau die Gottlosenbewegung studierte", von ferne beobachten wollte, welches frevelhafte Spiel mit dem deutschen Volke wiederum getrieben werden sollte, das wird die spätere Untersuchung ergeben; zur Zeit erholt sich Dr. Wirth in Marienbad. Fest steht, daß wir die alte Front der Reichsfeinde von lints bis rechts wie der erkennen konnten und daß es darum feine Ueberraschung für uns geben konnte." Wir haben uns an Herrn Reichskanzler a. D. Dr. Wirth gewandt und haben ihn gebeten, um der Ehre deutscher Ratholiken willen zu den Ausführungen Alfred Rosenbergs Stellung zu nehmen. 4. Seit zwanzig Jahren im Vordergrund des polis tischen Kampfes, darf ich mit Genugtuung feststellen, daß feindschaft gemacht hat." mir noch niemals irgend jemand den Vorwurf der ReichsHier folgt die eingegangene Antwort auf unsere Fragen: 1. Herr v. Kahr ist niemals Mitglied der Zentrumspartei gewesen. 2. Ich war die letzten sieben Jahre niemals in Moskau. 3. Ich habe seit 23. März 1933 Herrn Dr. Brüning weder gesehen noch gesprochen, noch brieflich mit ihm in Gerüchte um Hitler Ein Attentat? Die Basler„ National- Zeitung" schreibt:„ Aus Deutschland eintreffende Reisende erzählen, die Tochter des am 30. Juni erschossenen Generals Schleicher habe, um ihren Vater zu rächen, auf Hitler geschossen, aber nur seinen Chauffeur getroffen. Da schon früher ähnliche, schwer zu kontrollierende Gerüchte hinsichtlich Schleichers Sohn und Ministerpräsident Göring herumgeboten wurden, hätten wir auch dieser neuen Version feine weitere Beachtung ge= schenkt, wenn sie sich nicht mehr oder weniger mit folgender Meldung der stets gut informierten Prager Presse" deckte, einer Meldung, die wir mit allem Vorbehalt wieder geben:„ Aus München wird von verläßlicher Seite berichtet, daß gegen den Reichsführer Adolf Hitler am Vormittag der Erinnerungsfeier an den Bürgerbräuputsch vom Jahre 1923 ein Attentat versucht wurde, das sein Ziel jedoch infolge des großen Aufgebotes von SS.- Leuten aus dem ganzen Reiche nicht erreicht hat. In der letzten Zeit mehren sich die Gerüchte über solche Anschläge, und gewöhnlich ist nicht festzustellen, ob sie auf Wahrheit beruhen oder nicht, denn sofort werden durch weitgehende Maßnahmen sämtliche Spuren verwischt. In diesem Falle ist wohl kein Zweifel daran, daß der An= schlag versucht wurde und wohl infolge der Sicherheitsvorfehren nicht gelungen ist. Eine indirekte Bestätigung findet man in der Rede, die Adolf Hitler auf dem Odeonplatz an den jungen Parteinachwuchs hielt und deren Ton sehr verändert flang: Der Führer sprach unerwarteterweise von den vielen, vielen Feinden der Bewegung in Deutschland." Wir fügen dem hinzu, daß Attentatsgerüchte seit Wochen in Deutschland verbreitet und auch geglaubt werden. ,, Deutsche Christen" rufen Dr. Kinder- Nachfolger Jägers? Es bestätigt sich, daß die Deutschen Christen" jetzt aktiv in den Kirchenkrieg, mit scharfer Tendenz gegen die Befenntniskirche, einzugreifen beginnen. Sie veröffentlichen einen Aufruf, in dem es heißt:„ Es ist nicht wahr, daß Hitler der Gruppe der„ Deutschen Christen" seinen treuesten Anhängern, sein Vertrauen entzogen habe. Es ist auch falsch, daß Reichsbischof Müller, der das Vertrouen aller deutschen Die Ziffer 4 der Erklärung des Herrn Reichstanzlers a. D. Dr. Wirth wundert uns. Ihm habe nie jemand den Vorwurf der Reichsfeindschaft gemacht? Aber bester Herr Dr. Wirth! Wo Sie sich auch immer aufhalten mögen: in erreichbarer Nähe wird sich doch eine Zeitungsbibliothek befinden, in der Sie nachlesen können, was seit etwa 1921 über Sie als den Landesverräter und Reichsfeind in allen völkischen und deutschnationalen Zeitungen geschrieben worden ist. Haben Sie die völfisch- nationalistischen Mordbriefe alle vergessen, die Ihnen in den langen Jahren zugegangen sind? Für die Herren Hitler, Rosenberg u. Co. bleiben Sie ein„ Reichsfeind". Diese Herren und ihre Bewegung werden trotz einem Konkordat und Troß aller schönen Versiche rungen jeden überzeugten und aktiven Katholiken als " Reichsfeind" bekämpfen müssen. Alles andere ist politische Heuchelei, denn die Totalitätsansprüche der nationalsozialistischen Weltanschauung schließen die Toleranz gegenüber der weltanschaulich ebenfalls totalitären fatholischen Kirche aus. Was von den Reichsverderbern als Reichsfeind abgestempelt wird, muß sich das als Ehrenzeugnis an den Hut stecken, wenn er sich selber treu bleiben will. Bischöfe genießt, mit Ausnahme des Bischofs von Bayern, Dr. Meisers, und des Bischofs von Hannover, Dr. Marah rens, Rücktrittsgedanken hege. Den Bischof von Württemberg, Wurm, und den Bischof von Schlesien, 3änker, betrachten die„ Deutschen Christen" und die Krichenbehörden zwei felsohne nicht als Bischöfe." Schließlich wird bekanntgegeben, daß der Führer der nationalsozialistischen Gruppe der Deutschen Christen", Dr. Kinder, der Nachfolger Dr. Jägers als juristischer Verwalter der deutschen Evangelischen Kirche sei. Diese Ernennung wurde bisher noch nicht offiziell bekanntgegeben. Sie hat aber Wahrscheinlichkeit für sich. Rheinischer Karneval Die Düsseldorfer markieren nationale Würde Essen, 15. Nov. Die Stadtverwaltung Düsseldorf teilt mit, Hier find Verfilzungsgefahren von unvorstellbarer Größe Repräsentanten dauernd unter rassischen Untermenschen leben mußten, konnte der Reinheit ihres Teutonenblutes kaum förderlich sein. Wieder in Amt und Würden Elf Judenmörder vom 30. Juni Berlin, 12. Nov.( Tsch.P.-B.) Wie aus zuverlässiger Quelle versichert wird, sind die elf SS. Männer, die seinerzeit im Zusammenhange mit den Ereignissen des 30. Juni d. J. in Hirschberg in Schlesien vier angesehene jüdische Einwohner verhaftet, im Automobil fortgeführt und dann wegen angeblichen luchtversuches erschossen haben, wieder in ihre Stellung und Würde eingesetzt worden. Die vier Erichoffenen, ein Rechtsanwalt Dr. Forster, ferner ein Zahnarzt Dr. Franz und seine Frau und der Kaufmann Charig sollten, wie zuerst die Deutsche Freiheit" berichten fonnte, mit einem Auto nach Görlitz gebracht werden. Unterwegs hielt das Auto plößlich an und von den SS.- Männern wurden den Unglücklichen befohlen auszusteigen, worauf fie bei einem Fluchtversuch" niedergeschossen wurden. Die Schußwunden der Erschossenen zeigten aber, daß die Schüffe vor vorn gekommen waren. Vorüberfahrende andere Automobilisten verständigten die Polizei von Hirschberg, die zunächst nichts unternahm. Erst später, griff der dortige Staatsanwalt Schäfer ein, was ihm so viele Bedrohungen eintrug, daß er eine Zeitlang ständig von zwei Polizeibeamten geschützt werden mußte. Immerhin wurden damals die elf an der Entführung beteiligten SS.- Männer verhaftet, aber nach etwa sechs Wochen wieder freigelassen. Nunmehr sind sie überhaupt in ihren vollen Rang wieder eingesetzt worden. ,, Hochschulreif" Der HJ.- Bannführer etnscheidet Ueber die Mitwirkung der Hitler- Jugend bei der Zuerkennung der Hochschulreife ist zwischen der Schulverwaltung des oldenburgischen Landesteiles Lübeck und dem z11= ständigen HJ.- Führer vereinbart worden, daß der HJ.Bannführer jeweils gegenüber der Schule des Kandidaten zwei Fragen zu beantworten haben wird: 1. Ist der betreffende Schüler politisch unbedenklich und als politisch brauchbar bekannt? 2. Sind seine charakterlichen und persönlichen Veranlagungen so, daß er später als ein nußbringendes und förderndes Mitglied des Staates eingesetzt werden kann? daß in Düsseldorf ein Karnevalsbeginn nicht für den Gegen Streicher? 11. November, sondern erst für den 19. Januar festgesett worden sei. Der Hauptgrund sei die Saarfrage. Verkehrs- ,, Letztmalig jede Beweihräucherung" verein und Stadtverwaltung seien überzeugt, daß dieses wichtige Ereignis abgewartet werden müsse, bevor man das rheinische Volk zum Lustigsein aufrufe. Es gehe nicht an, daß ein Teil des deutschen Volkes ausgelassen Karneval feiere, während ein anderer, der seit Jahren um seine Freiheit fämpfe, sich zur letzten und entscheidenden Schlacht rüste. * Die Kölner lachen und schunkeln Köln, 15. Nov. Der Elfte im Elften, der sozusagen der Generalappell für den Karneval ist, wurde unter stärkster Beteiligung festlich begangen.„ Kölsche" Typen zogen durch die Straßen der Altstadt und überall erklang das Lied vom treuen Husaren, das zum Bannerlied des Kölner Faschings geworden ist. Die Karnevalsgesellschaften hatten mit ihren Eröffnungsfißungen einen starken Erfolg. Die Lieder der Volksballadenfänger sind jetzt volkstümlicher geworden.„ Alt Kölle muß levve" dies Wort des Präsidenten Friz Maß von der Großen Kölner" ist das Schlagwort des diesjährigen Faschings. Auch die übrigen Karnevalsgesellschaften hatten einen erfolgreichen Start. Mit Lachen und Schunkeln gingen die Sigungen zu Ende. Für. Ausländer jei hinzugefügt, das Lied vom treuen Hujaren hat mit Aufrüstung nichts zu tun, Berlin, 14. Nov. Der Stellvertreter des Füɓ= rers hat folgende Verfügung erlassen:„ 3u meinem größten Befremden finde ich in der Presse immer wieder Aufforderungen zum Flaggen und byzantinische Begrüßungsartifel gelegenlich der Anwesenheit oder Durchfahrt führender Parteigenossen im eigenen Gebiet oder in Parteizeitungen des eigenen Bereiches sowie geschmacklose Geburtstagsartikel, die die verherrlichten Führer, damit aber auch die Bewegung an sich lächerlich machen und mit der für Nationalsozialisten gebotenen Zurückhaltung keinesfalls zu vereinbaren find. Das Ansehen führender Parteigenossen kann in den Augen der Partei- und Volksgenossen nur durch Leistung gehoben werden und durch das Vertrauen, das sie sich durch Taten und in persönlichem Verkehr zu erwerben verstehen. Ich verbiete hiermit leztmalig jede Beweibräucherung, ihre Veranlassung oder Duldung in der Presse oder sonstigen Oeffentlichkeit und werde in Zukunft unnachsichtlich die jeweils Schuldigen ohne Rücksicht auf ihre früheren Verdienste ihrer Aemter entheben." Jede Nummer der Streicherchen Fränkischen Tageszeitung" bringt eine ganze Serie von Fotografien und Beweihräucherungen des„ Frankenführers". Bermutlich wird er auf die Moralpredigt des Herrn Heß pfeifen, Straßburger Wochenbericht Flandin und Leon Blum Straßburg, 12. November. Die Republik atmet wieder" Die Verurteilung des Schiffers Küstner Der Fall Küstner, über dessen Vorgeschichte und vorläufigen Abschluß wir bereits berichtet haben, hat in elsässischen Kreisen große Mißstimmung hervorgerufen. Nahm schon diesen Sommer die Oeffentlichkeit an der in Kehl erfolgten Verurteilung eines Straßburger Eisenbahners regen Anteil, so kann man diesmal feststellen, daß in den breitesten Schichten der Bevölkerung lebhafteste Empörung herrscht über das Schandurteil, das man jetzt in München gegen den aus Schiltigheim stammenden Schiffer Küstner ausgesprochen hat. Küstner wurde schon vor mehreren Monaten von einem Rheinschiff herunter verhaftet, weil er angeblich in Deutschland verbotene Zeitungen eingeschmuggelt hatte, und jetzt ohne daß man den Schatten eines Beweises für systematischen Zeitungsschmuggel in Händen hatte lediglich auf Grund des Umstandes, daß sich in seinem Besig einige verbotene Zeitungen befanden, zu einem Jahr vier Monaten Gefängnis verurteilt. Die Freie Presse" schreibt zu dem Urteil: ,, Die Familie Küstner, die Eltern des Verurteilten sowohl wie ihre vier Kinder, sind alle achtbare, ehrliche Menschen, die einen sehr guten Ruf in Schiltigheim haben, wo sie bereits über dreißig Jahre wohnhaft sind. Dieselben, wie auch der in Betracht kommende E. Küstner, haben sich noch nie politisch betätigt, so daß es sich in diesem Falle nur um einen jener unkontrollierbaren nationalsozialistischen Racheakte handeln kann, wie diese seit der Hitlerherrsch.ft schon an Tausenden ehrlichen und unschuldigen Arbeitern verübt wurden. Küstner Emile ist unschuldig, wir protestieren gegen dieses nationalsozialistische Schandurteil. Es ist Aufgabe aller gerecht denkenden Menschen, sich diesem Protest mit lauter Stimme anzuschließen: Küstner darf keine sechzehn Monate in den Klauen dieser Mordbuben zubringen! Die Republik" gibt der Hoffnung Ausdruck, daß sich die französische Regierung nicht mit diesem Protest abfinden, sondern sofort die nötigen Schritte unternehmen wird. Die Nazis scheinen tatsächlich das Elsaß zum dritten Reich" zu rechnen, daß sie unsere Landsleute nach den Methoden behandeln, die drüben üblich sind. Es ware am Plate, ihnen, recht deutlich zu Gemüte zu bringen, daß ihre Geografie irrig ist. Einstweilen sind wir immer noch französische Bürger, die für solche Schandurteile kein Verständnis haben." Diese Sprache läßt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Man darf im Interesse des unschuldig verurteilten Küstner der Hoffnung AusParis, 15. Nov. Die Sozialisten haben Flandin ihr VerVertrauen versagt. Bidour erzählt im„ Populaire", welche Gründe sie dazu veranlaßt haben: Das demokratische Land werde sich nicht mit Worten zufrieden geben. Leon Blu m habe in der Kammer erklärt, man fönne feinen Burgfrieden mit dem Faschismus schließen, und er habe nachgewiesen, daß eine Burgfriedensregierung sich gegen den Faschismus, wenn sie nicht mitschuldig sein wolle, in eine Kampfregierung umwandeln müsse. Aber dann müsse sie auf die Arbeitermassen, auf die revolutionären Kräfte des Proletariats ihre Aftion stützen. Leon Blum habe fest gestellt, daß Doumergues Weggang und die Umstände, unter denen das Ministerium Flandin geboren worden sei, im politischen Leben des Landes eine bemerkenswerte Verände= rung darstellen. Heute„ atme die Republik wieder". Aber man könne doch in Flandins Programm keine Gründe finden, die die sozialistische Fraktion zu einem Vertrauensvotum veranlassen könnten, da sie von jeher in unerbittlicher Feindschaft dem Schwindel der Nationalen Union gegenüberstehe. Budapest- Belgrad Die Massenausweisungen aus Jugoslawien Budapest, 15. Nov. Die ungarische Regierung hat die Presse alarmiert, wegen der Massenausweisungen ungarischer Staatsangehöriger aus Jugoslawien Die Ausweisungsfälle sollen in die hunderte gehen. Außerdem seien zahlreiche Ungarn in Südslawien verhaftet worden. Die Presse schürt die schon vorhandene Erregung über die jugoslawisch- ungarische Spannung. Wiederholte diplomatische Schritte Ungarns in Belgrad haben feine Wirkung gehabt Die ungarische Re gierung läßt amtlich erklären, daß sie in voller Ruhe die weitere Entwicklung abwarten wolle, che sie etwaige internationale Schritte einleite. Kabinett Jaspar? Brüssel, 15. Nov. Der König hat den bisherigen Außenminister Jaspar mit der Kabinettsbildung beauftragt. Jaspar dürfte versuchen, auf der Basis der bisherigen Ii beral- katholischen Koalition ein Ministerium zu bilden. Mit der Möglichkeit der Aufnahme von außerparlamentarischen Kabinettsmitgliedern ist zu rechnen. Jaspar hat sich Bedenkzeit bis heute auserbeten. druck verleihen, daß die Kampagne zu seiner Befreiung nicht London- Australien bald wieder einschläft. Antifaschistische Kundgebung Am 29. November findet im Sängerhaus eine gemeinsanie antifaschistische Kundgebung der Kommunisten und Sozialdemokraten statt. Eigenartiger Unfali Dieser Tage wurden zwei Pferde einer auswärtigen Fuhr halterin, als sie in eine Wasserpfütze traten, getötet. Der Fuhrmann wurde vom Wagen geschleudert. Als man der Ursache des Unfalls nachging, stellte man fest, daß infolge eines in der Erde liegenden schadhaften Hochspannungskabels die Wasserpfütze elektrischen Strom weiterleitete, der die Pferde tötete. Der Fuhrmann kam mit leichteren Verlegungen davon. Feiern am Waffenstillstandstag Die festlich geschmückte Stadt beging den 11. November, den Tag des Waffenstillstandes, mit einem Fackelzug am Vorabend und einer großen militärischen Revue am Sonntagvormittag auf dem Place de la Republique. In den verschiedenen Kirchen fanden Festgottesdienste statt, wobei besonders bemerkenswert die Feier in der Synagoge war. An ihr nahmen neben mehreren hohen Militärs der Militärgouverneur von Straßburg, General Walch, und der Präfekt Herr Roland- Marcel teil. Der Militärrabbiner Schuhl hielt die Festansprache, in der er besonders Frankreich als das Land der Humanität feierte. Welch gewaltiger Unterschied zwischen diesem Land und dem Hitlerreich. Hier, nehmen die höchsten Würdenträger des Staates an einem Festgottesdienst in der Synagoge teil, während man dort die Juden außer Landes treibt und sie ächtet. Zwei Länder. zwei Welten! Hier Kultur, Humanität und Toleranz, dort aber Schwurgerichtssession des Bas- Rhin .? Während der diesmaligen Schwurgerichtssession gab es zwei bemerkenswerte Freisprüche. Unter der Anklage. ihren Mann, den 37 Jahre alten Friseur Fischer, getötet zu haben, stand die Frau des Getöteten vor den Geschworenen. Die näheren Tatumstände ließen sich nicht restlos aufklären. Obwohl sehr viele Indizien gegen die Frau sprachen und der Staatsanwalt zwanzig Jahre Zwangsarbeit beantragt hatte, sprachen die Geschworenen den Schuldspruch nicht aus. Sie Wichtige Neuerscheinung für jeden Politiker! BEER, Dr. M Die auswärtige Politik des ,, dritten Reiche kartoniert Fr. 25, gebunden Fr. 35, Polygraphischer Verlag AG., Zürich I Zu beziehen durch Buchhandlung der Volksstimme Saarbrücken 2. Trierer Straße 24 Neunkirchen, Hüttenbergstraße 41 Sidney, 15. Npv. Schon das zweite englische Verkehrsflugzeug, das Post von London nach Australien gebracht hat, ist abgestürzt. Das Unglück ereignete sich Donnerstag früh in der Nähe von Long Beach( Queensland). Die drei Mann Besatzung und der Fahrgast waren sofort tot. Schuh- Geschäft in Metz, gegr.1890 Sichere Existenz Wegen Sterbefall sofort zu verkaufen. Erforderich cu. 100600 Fr. oder 16660 Mark. Eventuell Kredit. Offerten unter 24 183 an Agence H vas, Metz. Schweizerisches uno atstasisches Wurstwarengeschäft Kushenbackerel, Konditorei, Weine and Liker Produits Schmid 76, Boulevard de Strasbourg, 8, rue St. Laures Pacis, bei Bare Est Telefon 4 Linien vereinigt unter BOTZARIS$ 1-16 verneinten die Schuld der angeklagten Frau Fischer, die daraufhin freigesprochen wurde. Anders lag der Fall des 22 Jahre alten landwirtschaftlichen Arbeiters Eigenberger aus Hochstett, der in Busenberg in der Pfalz geboren ist. Ihm machte die Anklage zum Vorwurf, die Absicht der Ermordung seiner Dienstherrschaft besessen und die Tat vorbereitet zu haben. Et schüttete zu diesem Zweck in den Kaffee der Dienstherrschaft Zyankali. Von Reue gepackt, machte er jedoch dem Dienstmädchen, ehe die Eheleute den Kaffee genießen konnten, Mitteilung. Dieses Mädchen sorgte dann dafür, daß die Dienstleute den Kaffee nicht trauken. Ein Sachverständiger erklärte, daß die Lösung nicht ausgereicht hätte, um die Herrschaft des landwirtschaftlichen Arbeiters zu töten. Trotzdem beantragte der Staatsanwalt die Todesstrafe. Nachdem das Geschworenengericht keine andere Alternative als Freispruch oder Todesstrafe hatte, erkannte es auf Freispruch. Bankkrach in Zabern Dieser Tage mußte die alteingesessene Banque de Commerce et de Dépôts, die über ein Aktienkapital von 1.25 Millionen Franken verfügt, während die Einlagen 13 Millionen Franken betragen, ihre Schalter schließen. Die Nachricht verursachte besonders in der Geschäftswelt, aus der die hauptsächlichsten Kunden stammen, große Aufregung, die um so begründeter ist, als wenig Aussichten bestehen, die Ansprüche der Gläubiger befriedigen zu können. Frische Landeier direkt von der Farm Die Kooperative der großen elsässichen und lothringischen Geflügelfarmen eröffnete in Straßburg in der Zaberner Straße eine großartig ausgestattetes Verkaufsgeschäft, in dem die Produkte der Farmer direkt zu außerordentlich günstigen Preisen abgesetzt werden. Die Bevölkerung ist dadurch in die Lage versetzt, das frische Landei direkt beim Erzeuger zu kaufen. Kunst in Straßburg Das deutsche Schauspielensemble des Stadttheaters spielt gegenwärtig mit großem Erfolg Aug. Hinrichs Komödie ,, Krach um Jolanthe". Am Dienstag, 20. November, bringt das Ensemble Hermann Bahrs Lustspiel Das Prinzip". Das französische Ensemble wartete mit Don Pasquale" von Donizetti und..Le Bonhomme Jadis" von Delcroze auf. Der laufende Spielplan verzeichnet außerdem folgende Aufführungen: Josephine vendue par ses soeurs", Operette von Viktor Roger, Faust" von Gounod und das Lustspiel Le Mari que j'ai voulu" von Verueuil. Die Truppe Galas' Karsenty bringt L'homme" ein Lustspiel von Amiel ,, das Elsässische Theater ,, Wenn d'Fraue wähle" von Stoßkopf und..D'r Suetterie" von Grunder. Am Freitag, 16. November, gastiert Lotte Schöne im Berliozsaal. Die weltberühmte Sängerin kommt von Salzburg, wo sie mit großem Erfolg aufgetreten ist. E. D. BRIEFKASTEN Züricher Musikant. Sie teilen uns dieses Bonmot mit, das in Ihrem Freundeskreise erdacht wurde und nun von Mund zu Mund geht:„ Die Sänger und Sängerinnen in Deutschland hüten sich jetzt Arien zu singen aus Judas Maccabäus"," Jojua"," Sams jon", Salomon", Jirael in Aegypten"," Saul" und" Joseph", weil sie Händel" mißachten." R. R., Bern. Sie schreiben uns: „ Als Abonnent Ihrer Zeitung war ich nicht wenig erstaunt, als am 1. November fein Blatt mit der ersten Post eintraf. Bei verschiede nen Riosfen fonnte man mir auch feinen Grund angeben, warum tein Blatt eingetroffen war und somit glaubte ich schon, daß man die Deutsche Freiheit" erneut einem Verbot unterzogen hätte. Es war aber nicht der Fall und andern Tags famen mir von selbit auf die Lösung. Wir hatten hier in einer menig fatholischen Gegend vergenen, daß im Saargebiet Allerheiligen" als Kirchenfeiertag gefeiert wird.( Wir hatten es aber angefündigt. Red. d. D."). Bissen die katholischen Saarbewohner, daß im dritten Reich" an Allerheiligen gearbeitet wird und das sogar in einer stodfatholischen Gegend, in der früber jeder als Sonntagsschänder verurteilt wors den wäre? Am 13. Januar wollen die Katholiken sich dies gefälligit vor Augen halten! Wir lejen hier 3hre Zeitung mit großem Inter effe und sorgen auch dafür, daß solche nicht sofort im Papierforb verschwindet, sondern an richtiger Stelle gelesen wird." Theodor T. Sie haben, wie Sie uns schreiben, von der Pestalozzis buchhandlung infe u. Co. in Halle folgenden Brief erhalten: Wie wir auf Ihrem Konto feststellen mußten, haben Sie, trotz der Ihnen zugegangenen Mahnungen, die fällig gewordenen Raten im Butrage von 105,15 RM. bisher nicht bezahlt. Wir münen Sie daher bitten, obigen Betrag zuzüglich bisher entstandener Mahnspesen von 0,80 RM. innerhalb der nächsten 3 Tage einzusenden. Wir benötigen unsere Außenstände dringend, um unseren Verpflichtungen nach fommen zu fönnen. Die Erfüllung der Zahlungsverpflichtungen jedes einzelnen ist jest oberites Gesez, damit in wirtschaftlicher Beziehung fein Stillstand eintritt. Auch Sie müssen, wenn auch unter größten. Anstrengungen, durch pünftliche Zahlung Ihrer vereinbarten Raten dafür sorgen, daß eine wirtschaftsfrise vermieden wird. Wir hoffen, nicht umsonst ermahnt zu haben, sondern erwarten. bestimmt eine Zahlung innerhalb der oben angegebenen Frist, da wir sonit unsere Forderung zum Einzug geben müßten, wodurch nur unnötige Kosten, die Sie treffen, entstehen würden." Bon der Zahlung Ihrer Rate hängt also die Vermeidung", der deutschen Wirtschaftsfrije ab. Zahlen Sie schleunigst! Vielleicht fönnen Sie mit Ihren 65 Mart noch viel Schlimmeres verhüten. Olga Südböhmers. Ja, es ist das frühere Parteivorstandsmitglied. Ihrem Briefe entnehmen wir: Bon Bekannten wird mir mitgeteilt, daß sich die Frau des früheren Reichsbanner- Angestellten Wed, Zwidau,( Hofmann kennt ihn ja gut), vor einigen Tagen im 3midauer Untersuchungsgefäng nis„ erhängt habe. Sie lebte mit ihrem Mann an der sächsischtichechischen Grenze in der Emigration. Auf illegalem Wege be= juchte fie ihren Sohn in Werdan. Dabei wurde sie verhaftet. Mant vermutet, daß fie illegales Material bei sich geführt hat. Tie Tapfere ist Mutter mehrerer Söhne.". Fr. O., Allschwill. Wir empfehlen Ihnen, sich an Zeitungen zu wenden, die in der Schweiz erscheinen. Hier im Saargebiet fonnte uns die betreffende Firma trotz dem Wahrheitsgehalt Ihrer Darlegungen unter Umständen juristische Schwierigkeiten machen. „ Dankbarer Leser in Jerufalem". Wir haben uns über Ihren anregenden Brief gefreut. Neben uns erscheint auch noch die SaarVolksstimme", die den lokalen Rampf intensiver zu führen, berufen ist, als wir. R. N. in der Pfalz. Sie schreiben uns aus des Saarfommissars Bürckel Reich: Ueber die Zustände in den Betrieben wird viel geffagt. Der Zwangsbeitrag im Betrieb für die Arbeitsfront ist nun durchgeführt. Es sind Fälle. befannt geworden, wo bis zu 17 Mart auf einmal abgezogen wurden. Beschwerden sind erfolglos und gefährlich. In einem Betrieb wurden die Abzüge so auffallend fritisiert, daß dies auffallen mußte. Zur Strafe mußten sämtliche Arbeiter nach der Arbeitszeit im Betrieb bleiben, der Betriebsführer setzte eine Sing stunde an." Ans Württemberg wird uns geschrieben: „ Diesen Monat fonnten die Invalidenunterstützungen durch die „ Deutsche Arbeitsfront" nicht ausgezahlt werden. Der alten Inva lidenrentner, die jahrzehntelang in die Invalidenkasse ihres Verbandes Beiträge bezahlt haben, hat sich große Bestürzung ermächtigt." Für den Gefamtinhalt verantwortlich: Johann Vip in Dudweiler: für Inferate: Ctto u bn in Sacrbrüden. Rotationsdrud und Verlag: Berlag der Bolkäsimme Gmbh. Saarbrüden 8, Schüßenitraße 5. ließfach 776@ aarbrüden. ,, Deutsche Freiheit" Abonnementspreise: Amerika Argentinien Belgien Dänemark England Frankreich Holland Italien Luxemburg Neubelgien ( Eupen Malmedy) Oesterreich Palästina Polen Rumänien Rußland Saargebiet Schweden Schweiz Spanien im Zustell Monat gebühr 1,0,50 3,70 2,30 Dollar Peso belg. Fr. 3,-1, 15, 15,- 5,30 Kr. sh 4, 1,10 fr. Fr. 12,3,75 fl. 1,50 0,40 Lire 10,5, belg. Fr. 15, 15, 5,30 belg. Fr. 12, 5,30 ( verboten) sh 4,- 1,10 ( verboten) Lei 90, 90,-30, Rubel 1, fr. Fr. 12, 7,50 " Kr. Tschechoslowakei 2,60 1,70 schw. Fr. Peseta 2,40 0,80 6,2, Kr. 30,-15,50 Bei Zusendung unter Kreuzband durch die Post sind die Portogebühren vom Besteller mit dem Abonnementsbetrag zu entrichten.