Pa j L Sinzigs unabhängige Tageszeitung Deutschlands 258— 2. Jahrgang Saarbrücken, Sonntag Montag, 18.19. November 1934 I Chefredakteur: M. B r a u n UlaeseiUe wc dem Vötkec&und Seite 2 £eq und die Qeächteten lüiedukeht Qoecdetecs Seite 3 Seite 4 Jbedinqunqsta&e Untectvecfunq adec JCcieg. Seite 7 4? um. RcUlistagsfliälcn lind nur 10 ooo m. für die„Winterhilfe Bcrliu, l". November, viut Jahre 19S0 hatten die N»»t ihren ersten großen Wahl- ertolg. Mit ine Abgeordnete» waren sie die zmcitstärkste Fraktion des Deutschen Reichstags geworden. ?>"'Ii*^ rtl' nmen i uch gegen Verleumdungen der Nazis 'u\ Aufhebung der Immunität der Abgeordneten zur ^ebr lebte, hatte Hitler, was er gesucht hatte, den Vorwand, ener brauchte, um seine Mamelucken ans der parlamen- larnchen Gefahrenzone herauszubringen. Auf sein Geheiß mutlte die Nazifraktion den Reichstag, der sie angeblich aufs ncrite in ihrer Würde verlebt hatte, verlassen. Ihr Vorstand aber schrieb an das Rcichstagspräsidium etucu Brief, der das Ersuchen enthielt, die den Nazi- abgeordneten zustehenden Diäten fortan den Arbeitslosen zu überweisen. Und in zahlreichen Versammlungen und Zeitungsartikeln briisietcn sich die Herren braunen R. d. R. mit dem Edel- m»t. den sie durch ihr Geschenk an den Dag gelegt hatten jpfts war ein dreister Schwindel, dessen sich d^i c R e d n e r It II d S ch r e i b e r a u ch bewußt Iv a r e II. ^cun so gering das Wissen der Nazi auch ist, alle Gesetze, die ,l,neu persönliche Vorteile bringcn^.lcunen sie. folglich auch das Diätengesetz. Dieses aber bestimmte, daß einem 'chwänzenden Abgeordneten für jeden versäumten Sitziingä- tag ein Abzug zu machen ist, der so groß war. daß während der Tagung des Reichstags ei» Abgeordneter, der ihr den ganzen Monat ferngeblieben war. nicht einen Pfennig an Diäten erhielt. Die Spende der Nazi für die Arbeitslpsen belies sich also aus 0,nn Reichsmark. Erst in den Herten lebte der Diätenanspruch der Großmütigen wieder auf. da in dieser Zeit naturgemäß Sibungen, wegen der Bersaumung eine Kürzung hätte erfolgen können, nicht stattfanden. Ter ver- storbcne volkspartciliche Abg. Schneider lDreSdenl hatte beabsichtigt, dem unsinnigen Zustand ein Ende zu machen, daß Abgeordnete, die sich eigenmächtig für das ganze Jahr Ferien gegeben hgtten, in den Monaten. Mt die anderen nach schwerer Arbeit zur Erholung verwendeten, auch noch Diäten erhielten. Aber der volksparteiliche Fraktionsches Dingelden ivollte seinen Nazisreunden nicht an ihrer empfindlichsten stelle weh tun und verbot Schneider die Stellung eines cnt- sprechenden Antrags. Die Dagesgeldcr aber, die die 106 Noziabgeordneten während der fitzungSfreien Zeit erhielten, haben sie nicht den Arbeitslosen überwiesen, sondern für sich behalten. Sie haben die Acrmsten der Aermen doppelt verhöhnt. Nun haben die Nazi den Parlamentarismus beseitigt, mit einer Ausnahme: Das Tiätengesef; haben sie bestehen lassen. Das in siirchtbarster Not befindliche Deutsche Reich zahlt(WO Nationalsozialisten, die Hitler zu „Abgeordneten" ernannt hat, jährlich insgesamt vier Millionen siebenhnndertzweiund- sünszigtausend Reichsmark Diäten dafür, daß sie im Jahre vielleicht vier Sitzungen beiwohnen, die nur ganz kurze Zeit dauern und in denen sie lediglich Reden des„Führers" anzuhören haben. Dabei haben die mit 7 MO Mark jährlich pro Mann an Diäten gesegneten Naziabgeordreten noch samt und sonderS andere hochbezahlte Pfründen: Minister, Staatsräte, Ober- Präsidenten. Regierung»- und Polizeipräsidenten, Oberbürgermeister, Gauleiter oder verzehren hohe Staatspensionen. „Nebeneinkommen" von 12000 bis 15(1000 Reichsmark jährlich. Goebbels ist durch Heirat Millionär geworden. Hitler durch den Zwangsvertricb seines SchundbuchcS„Mein Kamps". ReichStagSdiäten für Nichts und wieder Nichts bekommen sie aber allesamt. Und was hat dieser nationalsozialistische Reichstag, der 4 752000 Mark Diäten jährlich für Nichtstun schluckt, für die „Winterhilfe" gespendet? Ganze 10000 sZehntausendj Mark! Wie wäre es, wenn diese Naziabgcordnetcn jetzt ihre Geste von vor drei Jahren wiederholte» und die Tages- gelder für die Monate, i« denen ihre Mandate ihnen die Verfügung über ihre wertvolle Arbeitskraft laste«, d. h. für das ganze Jahr, den Arbeitslosen spendete»? Das würde sich lohnen, und eine richtigere Anwendung beS Grundsatzes„Gemeinnutz geht vor Eigennutz" wäre kaum denkbar. To lange die M. d. R. Diäten für Nichtstun einstecken, ist der ganze Deutsche Reichstag eine einzige Korruption, nie preise liodi! nie Oonzen Leven nldils Aber das Volk wird erpreßt Ein Gegenstück zu dem Streik der Reichstagsabgeordneten gegen die„Winterhilfe" ist folgender Vorfall: Der Gau- amtslciter der NS.-Polkswohlsahrt, Wogner, veröstentlichl in den Tageszeitungen seines Amtsbereichs Südhannovcr- Braunschweig folgende Bekanntmachung: „Bei Eröffnung deS diesjährigen Winterbiliswerks hat der Führer mit aller Deutlichkeit von jedem einzelnen Volksgenossen Opier verlangt.;. Wer sich heute noch ge- gen den klaren Willen des Führers stemmt, muß sich damit abfinden, als Gegner des deutschen Volkes gebrandmarkt zu werde». Deshalb werden unerbittlich alle jene ermittelt, die ihre Zugehörigkeit zu Volk und Baterland aus schnö- dem Geiz und krassem Egoismus verleugnen. Ter Ratio- nalsozialismus ist nicht geivillt, verbrecherische Sabotage am Werk des Führers, das er zum Wohle der Aermsien des dentschcn Volkes aeschasien hat. weiterhin zu dulden. ES werden daher in Zukunst die Namen derjenigen ver- össentlicht. die eine Stiftung für das Winterhilssmerk aus irgendwelchen eigensüchtigen oder eigennützigen Gründen ghlehncn. Wir Rationalsozialisten werden nunmehr Härte mit Härte vergelten D e» t s ch l a n d s Verachtung allen Saboteuren am WinterhilfSwerkl Folgende Volksgcnoste» lehnten es ab, für das Eintopf- gerscht bzw. für die Bernsteinsammlung zu spenden: Gast- wirt Meinecke. Landwirt Minna Meinecke. Karl Schräder. Sandwirt. Ku tcr. Landwirt. Behrens. Angestellter beim Amtsgericht, sämtlich in Holtensen. gez. Wagner, Gauamtsleitcr, Tüdhannovcr-Braunschiveig." Wir glauben nicht, daß den Genannten die amtliche Ver- schißerklärnng noch so viel schaden wird, wie sie ihnen vor einem Jahre geschadet hätte. Denn die Macht der braunen Bonzen über die öffentliche Meinung schmälert sich in dem- selben Maße, in dem ihre Dreflen und Erinnerungszeichen sich verbreitern. „Wo hast du das Geld her?" Darmstadt, 16.' Ron. Der Reichsstatthalter von Heven, Sprengen, bat Hitlers Kamps gegen den Luxus porteigetreu realisiert: er hat sich eine neue Villa bauen lassen. An den, Morgen, der seinem Einzug in die Villa folgte, prangte an der Mauer ein großes, von unbekannter Hand angebrachtes Plakat mit der Inschrift:„Jakob, wo hast du nur das Geld her? Wir dachten: Es gäbe keine Bonzen mehr." nie Kleinen«erden gehängt Leipzig, 10. Nov. Bor dem Amtsgericht Leipzig hatten sich am Freitag im Schnellversahren zwei Händler zu vcrant- warten, die in den ersten Tagen dieses Monats an Woh- nnngstiiren und aui der Straße Nähgarn zu einem un- gerechtfertigt hohen Preis verkauft hatten. Ten beiden Hausierern ist aus Grund von 8 20 der Reichsverordnung über Handelsbeschränkungen vom t-'l. 7. 1923 wegen Unzu- vcrlässigkeii der Handel mit Gegenständen des täglichen Bc- darss bereits untersagt worden. Eine unzulässige Heber- teuerunn wurde darin erblickt, daß die Händler den Zwirn lObergarni mit 10 Pfennig die Rolle eingekauft und mit 23 bzw 20 Pfennig wieder veräußert hotte», während der angemessene Preis 13 höchstens 13 Pfennig, oder, da es sich zum Teil um geringwertigere Ware gehandelt hat. höchstens 12 Pfennig hätte betragen dürfen. Ter Staatsanwalt bean- tragte gegen die Hausierer je zwei Monate Gefängnis: daS Gericht ging in dem einen Falle über de» Antrag noch hinaus»nd erkannte an, drei M 0 n a t e G e s ä n g n i S. Ter andere Be'chuldigte wurde mit Rücksicht daraus, daß er den niedrigsten Preis verlangte und nur wenige Rollen verkaufte, zu einem Monat Gefängnis verurteilt. * Noch gestern konnten wir feststelle»', daß der Preis für denlsche Wolle um 30 Prozent hoher liegt als der Welt- Marktpreis. Diese Preiserhöhung ist amtlich festgesetzt. Auch hat man nichts darüber gehört, daß Goerdeler rigoros gegen die Preistreiberei des Reichsnährstandes und der großen Konzerne vorgeht. Aber dafür werden die Kleinen gehängt! * Dessau, 1" Nov. In* Wolfen wurde wegen erheblichen Mindergewichts deS Brotes eine Bäckerei von der Polizei auf drei Tage geschlossen, Der einzige Erfolg des„dritten Reiches" Ein Vergleich zwischen den amtlich ermittelten Groß- h a n d e l s p r e i s c n am 23. Januar 1938, wenige Tage vor Hitlers Berufung zum Reichskanzler, und jetzt, ergibt sol- gendes Bild: 23. Januar 24. Oktober (1913 100) 4903 1934 Pflanzliche Nahrungsmittel.,». 03,8 412,2 Schlachtvieh. 37,2 70.8 Bichproduktc 88 111,3 Kohle.... 116 115,1 Eilen 101,8 102,6 Andere Metalle. 46,9 44,5 Textilien 60,8 80,5 Häute und Leder 36,7 61,6 Chemikalien 108,8 101,2 Papier 98,3 161,7 Baustoffe 198,3 111 Durch minderwertige und übersteuerte Ersatzstosse soll der autarkische Wahnwitz nun noch mehr gesteigert werden. nie illegale Sozialdemokratie Als Hitler zur Macht kam. versprach er, nach dem Vor- bild Wilhelms 11. den Marxismus mit Stumpf und Stiel auszurotten. Trotz unbeschränkter Machtmittel und einer beispiellosen Schreckensherrschaft hat er dieses Ziel nicht erreicht. Er vernichtete zwar alle Organisationen der Ar- beiter. Er hat Hunderttausende Marxisten in den Tod, in Konzentrationslager und Zuchthäuser getrieben, an- dere in Not und Elend gestürzt. Aber er hat hat damit weder den Zusammenhalt noch die sozialistische lieber- zeugung der?lnhänger der Sozialdemokratie zerstört. Diese Treue und Standhaftigkeit der deutschen Sozialdemokraten verdient um so mehr Anerkennung, weil sie völlig auf sich selbst gestellt waren, von keiner Seite Hilfe erhielten. Ihre Organi- sotionen zerstört, ihr Eigentum geraubt, ihre Vertrauensleute hingeschlachtet oder eingesperrt, ihre eigene Existenz und ihr eigenes Leben bedroht, erduldeten sie Unbeschreib- liches. Kaum, datz ihr Geschrei überhört wurde, datz man erfuhr und mutzte, was an Schreckenstaten geschehen war. Das Gewissen der Welt erbarmte sich zwar der Juden, aber für die Vergewaltigung und die Not der sozialistischen Proletarier rührte sich fast nichts. Weder die kommunistische noch die sozialistische Arbeiter-Inter- nationale konnten dem deutschen Proletariat materielle oder politische Hilfe bringen. Trotzdem blieben die Sozialdemokraten der sozialistischen Idee ebenso treu wie der Aufgabe, Hitler, den Todfeind des sozialistischen Proletariats, zu bekämpfen. Prag— der Sitz der Auslandsleitung der Deutschen Sozialdemokratie— ist das Zentrum des sozialdemo- kratischen Kampfes gegen Hitler. Die wichtigste Waffe ist das gedruckte Wort, das Flugblatt, die Zeitung, die Broschüre. Unabhängige Zeitungen gibt es in Deutsch- land nicht. Tie gesamte öffentliche Meinung steht unter dem Druck der lawinenartigen Propaganda der Diktatur. Keine Zeile darf veröffentlicht werden, die Goebbels nicht genehmigt hat. Alles, was dem System nicht patzt, wird unterdrückt, gefälscht. Da? Volk schreit nach der Wahrheit, sein Bedürfnis nach Kritik ist riesengrotz. Die illegale Literatur wird willig aufgenommen. Die Nach- frage kann nirgends voll befriedigt werden, da die Ge- fahren immer noch zu grotz sind. Im ersten Jahr der Diktatur sind allein wegen Ver- breitung sozialdemokratischer Schriften weit über 31)0 Jahre Zuchthaus und Gefängnis verhängt worden. Hun- derte wurden ohne Urteil in die Konzentrationslager gesteckt. Wie erbarmungslos die Justiz wütet, das lasten einige Einzelbeispiele erkennen. Ein Sozialdemokrat, der in Leipzig einige Nummern der„Sozialistischen Aktion" verbreitete, erhielt zwölf Jahre Zuchthaus. Der Staatsanwalt statte sogar die Todesstrafe erwogen. Die Leiter des„Roten Stotz- trupps", eine illegale Organisation von jungen Sozial- demokraten, die eine auf der Schreibmaschine hergestellte Zeitung verbreitet hatten, wurden zu etwa 40 Jahren Zuchthaus verurteilt. Die Hauptangeklagten erhielten U, 7 und 3 Jahre. In diesem Prozeh bildete die Verneh- mung eines bereits verurteilten Sozialdemokraten eine Sensation. Der Vorsitzende fragte den aus der Strafhaft vorgeführten Zeugen nach seiner Straftat. Antwort: Ber- teilung von zwei Nummern der„Sozialistischen Aktion". Auf die weitere Frage des Vorsitzenden nach der Straf- höhe lautet die Antwort:„Zwei Jahre Zuchthaus!" Eine Zeitung— ein Jahr Zuchthaus! Solche Strafen braucht das„dritte Reich" um sich vor seinen sozialistischen Geg» nern zu schützen, .In einem anderen Prozeß wurde festgestellt, daß ein Angeklagter es abgelehnt hatte, sich an der illegalen Ar- den zu beteiligen. Trotzdem erhielt er drei Jahre Z u ch t h a u e!„Es sei seine Pflicht gewesen, der Polizei von dieser Aufforderung sofort Kenntnis zu geben." Aber nicht nur Herstellung und Verbreitung illegaler Literatur sind strafbar. Strafbar ist schon der Emp- sang der Besitz oder das Lesen. Wer illegale Drucksachen nicht sofort an die Polizei abliefert, also zum Denunzianten wird, macht sich einer„staatsfeindlichen" Gesinnung schuldig. Dauernde Haussuchungen bedrohen jeden. Wo die Strafbestimmunaen nicht ausreichen, die Verbreitung illegaler Literatur zu verhindern, da setzt Spitzelei und Terror ein. Jedes Haus hat einen national- sozialistischen Vertrauensmann. Jeder Bewohner muß denunzieren, wenn er sich nicht selbst strafbar machen will. * Trotzdem nimmt die illegale Literatur b a u e rnd zu. Die Herstellung innerhalb Deutschlands ist ein atembeklemmender Kampf mit den widrigsten Verhältnissen. Die meisten illegalen Kämpfer sind ar- beitslos. Es fehlt immer und überall an Geld. Es fehlt an Druckereien, an Schreibmaschinen und Veroielfäl- tigungsapparaten. Pfennigweise werden die Mittel auf- gebracht, um Papier und Farbe zu beschaffen. Für die außerhalb Deutschland hergestellte Literatur sind noch andere Schwierigkeiten zu überwinden. Die Grenze wird nicht nur durch Zollbeamte, sondern auch in doppeltem und dreifachem Gürtel durch Zehntausende von CA.- Leuten bewacht. Gelände- und Transportverhältnisie, Warenverkehr und Stimmung der Bevölkerung sind überall verschieden. Aber eine Schwierigkeit ist ganz all- gemein: Der Transport von Material kann immer nur in kleinsten Mengen, meist in wenigen Exemplaren, er- folgen. Was bei dieser Arbeit an Scharfsinn und Mut, an Aufopferungsfähigkeit und selbstloser Hingabe ge- leistet wird, dos übersteigt tausendfach die Leistungen der Heroenzeit in den Iahren des Sozialistengesetzes. Da Sicherheit die oberste Richtschnur der illegalen Ar- beit ist, müssen die Methoden und Formen diesen schweren Bedingungen angepaßt werden. Der Versendung durch die Post kommt daher nicht in Betracht. Druckerzeugnisse in gewöhnlichem Format sind unverwendbar. Die illegale Literatur hat sich eine besondere Form geschaffen: Die Klein-Ausgabe mit kleinster, aber mit bloßem Auge noch lesbarer Schrift, auf dünnstem Papier, in kleinstem Format und mit leichtestem Gewicht. Tie bedeutsamste illegale Veröffentlichung dieser Art ist die„Sozialistische Aktion", eine vierzehntäglich erscheinende Zeitung im Umfang von acht Seiten. Eine einzelne Nummer wiegt kaum vier Gramm, statt 60 Gramm, das Gewicht einer Zeitung mit gewöhnlichem Format. Der Inhalt der„Sozialisti- schen Aktion" ist den besonderen Bedürfnissen der Leser in Teutschland angepaßt. Insgesamt wurden im ersten Jahre rund zwei Millionen Exemplare verbreitet. Ungleich größer ist die Zahl der Leser. Jede Nummer wan- dert durch unzählige Hände. Für Hunderttausende ist das Blatt zur geistigen Standarte geworden. Es hat zu- gleich Deutschland mit einem dichten Netz illegaler Ver- bindungen überzogen. Unter den anderen Veröffentlichungen sei die Schrift: Julius Cäsar.„Der gallische Krieg" erwähnt. Tic enthält den Text der ersten schon im Juli 1933 erschie- nenen Kampfbroschüre„Revolution gegen Hitler". Sie stellt fest, daß die Sozialdemokratie nur noch Existenz- berechtigung als revolutionäre Partei hat. Unter dem Titel„II eberRetigion" oerbirgt sich die Programmschrift„Neu beginnen".„P latons G a st mah l" und „P siegen Sie IhrHaar?" sind Kleinausgaben der „.-Zeitschrift für Sozialismus".„T i e Kunst des Selb ft rasieren s",„N eue Wege männlicher Kosmetik" entspricht besonders gut den illegalen Anforderungen. Diese Schrift hat nur ein Format von 5 zu 7 cm und wiegt knapp zwei Gramm. Sie enthält die pro- grammatische Erklärung des Vorstandes der Sozialdemo- kratifchen Partei Teutschlands vom Januar 193-1 über „Kampf und Ziel des revolutionären Sozialismus". Mehr als 49 099 Exemplare find in einem halben Icihr ver- breitet worden. Auch die Schrift von Gerhart Seger „Oranienburg", die erste authentische Darstellung der Greuel in den Konzentrationslagern, die im Aus- land ungeheures Aufsehen erregt hat, ist in einer ille- galen Ausgabe verbreitet worden. * Die Zahl der Gegner der Diktatur nimmt zu. Aber noch ist ihr Einfluß auf das politische Geschehen gering. Die Diktatur erstickt jede Gegnerschaft in Hunger und Blut. Systematisch verkleinert sie Ein- sluß und Bedeutung der illegalen Arbeit der Sozial- demokratie. Jede Gegnerschaft gegen die Diktatur wird als„bolschewistisch" verdächtigt. Der Bolschewistenschreck ist ein politisches Kampfmittel gegen die illegale Arbeit der Sozialdemokratie geworden. Man will, daß der Nationalsozialismus als letzter Rettungsanker vor dem Bolschewismus angesehen wird, der, wenn er in Deutsch- land zur Herrschaft kommt, die ganze Welt bedrohe. Der lähmende Bann, der ursprünglich über den Massen des Volkes lag, ist geschwunden. Die Welle der Unzu- friedenheit breitet sich aus. Zweifel und Ablehnung er- füllen jetzt selbst die Anhänger der Diktatur. Gelangte im Anfang die illegale Literatur nur in die Hände kleiner Zirkel überzeugter Sozialdemokraten, so kursieren ihre Erzeugnisse bereits ebenso unter den Arbeitern der In- dustriebetrsebe wie in den Kreisen der unzufriedenen SA.- Leute. Schon gibt es einzelne SA.-Leute und Sturme, die sich um die illegale Literatur bemühen und sie auch verbreiten. Den Kern der illegalen Kämpfer aber bilden nach ivie vor die sozialdemokratischen Arbeiter. Vor den Wahlen zu den Per- trauensräten in den Betrieben im Frühjahr 1934, bei denen Hitler seine erste große Niederlage erlitt, bis zur Wahl am 19. August führt eine einheitliche Linie. Langsam, aber unbeirrt werden die Stollen der illegalen Arbeit vorgetrieben. Tie Feinde Hitlers sind. Wühl mausen gleich, am Werk, den Bau des„dritten Reiche?" zu unterhöhlen. Ein neues Deutschland der Freiheit und. des Sozialismus— das ist das Ziel ihres Kampfes. Marseille vor dem Völkerbund Vor einem SdirIM der Kleinen Cnlenie Von unserem Korrespondenten. Paris, den 17. November 1934. Tie Ankündigung, daß Jugoslawien sich endgültig dazu entschlossen bat, gelegentlich der bevorstehenden Saar- Sondcrtagung des Völkerbundes dort eine Note zu über- reichen, tu der auf„Ungarns Verantwortlichkeit an den Ereignissen von Marseille" hingewiesen wird, wird in den hiesigen politischen Kreisen lebhaft diskutiert und bat einige Unruhe hervorgerufen. Nich, zuletzt haben dazu die bedeu- tungsvollen Unterhaltungen beigetragen, die Jugoslawiens händiger Vertreter zun» Völkerbund. Folitch, der dieser Tage aus Belgrad i» Paris eintraf, am Tonnerstag im französischen Ausienministerium hatte. Es handelt sich nicht etwa um einen Tonderschritt der Belgrader Regierung, sondern ebenso werden Rumänien und die T s ch e ch o s l o iv a k c t in besondere» Noten dem Völkerbund zur Kenntnis bringen, das» sie mit der Bcl- gradcr Regierung konform gehen und ihre Anstauung teilen. In Genf vertritt nun allerdings das Völkerbnndsiekretariat die Ansicht, daß man sich diesmal nur mit der Saarfrage de- fassen könne, da es sich»in eine Sondcrtagung hgndcle. aber die Mächte der Kleinen Entente mache» geltend, daß der erste Paragras des Artikels II besage:„? a si im it n 11 1 einer Kriegsdrohung, die direkt oder indirekt eines der Mitglieder des Völkerbundes angehe und dadurch auch den Völkerbund berühre, dieser die Maßnahmen ergreifen müsse, die geeignet seien, wirksam den Frieden zu schützen". Temnach, so sagt die Belgrader Regierung, hat Jugoslawien das Recht zu fordern, daß am Schlüsse der Saarberatungcn eine besondere Tagung stattfindet, die sich mit dem Studium der dem Völkerbund von Jugoslawien unterbreiteten Frage besahen soll. Gens, de» 17. November 1934. In hiesigen Völkerbundskreisen hat die'Nachricht, daß Jugoslawien das Marfciller Attentat in Genf zur Tcbattc sielten und der Belgrader Außenminister Ievtitch zu diesem Zwecke hier am nächsten Montag eintreffen werde, recht beunruhigend gewirkt. Man ist der Anssasiung, daß dadurch mancherlei Komplikationen eintreten könnten. Man sieht voraus, daß llugarn eine sehr heftige Gegenoffensive führen würbe, in deren Verlaus es zn der Taktik greiten würde, alle Terrorakte, die in andere» Ländern begangen worden seien, einer Nachprüfung zn«literziehen. Man er- innert daran, daß unter anderem dann auch die Frage der lavals italienpolltlk Der Wille zur Versiöndlcune Pari», 17. November. Ter französische Botschafter, in Rom. Ehambrun. der sich ziemlich lange hier ansgchalte» hat, um mit der Regierung und vor allem mit dem Ansienininisieriuin die Frage der sranzösisch-italicnischen Beziehungen zu klären und den Boden für die im Tezember bevorstehende Begeg- nung zwischen Mussolini und Laval vorzubereiten, kehrt nach Rom zurück. Seine nächste Aufgabe wird es sein, fest- zustelle», wie weit es möglich ist, in manchen strittigen Frag?» zwischen Zsiom. hnb.Paris eine Einigung herbei- zuführen. Gallus meint im„Iniransigeant", soweit e'ö sich um die afrikanischen Wünsche Mussolinis handele— unter anderem stehen dabei die Rechte der Italiener in Tunis zur Tebatic werde man sich ohne große Mühe verständige». Aber es handele sich da auch um eine Frage der europäischen Politik. österreichischen Naziflüchtlinge, die sich«iF jugoslawischem Gebiet befänden, zur Sprache käme. Man meine ruch, daß diese ganze Debatte Ungarn und Italien einander näher bringen würde, da ja Italien selbst früher in seinen Grenzen einige solcher Lager von jugoslawischen Flüchtlingen geduldet habe, wie sie in Ungarn bis zuletzt vorhanden gewesen seien. Man bat allerdings hier die Hoffnung, daß die Debatte sich friedlich abwickeln und zu einer günstigen Lösung sühne» wird. * Belgrad, 17. Nov. Tie Belgrader Zeitung„Prawda" mel- det, daß von Italien, Ungarn und Oesterreich ein Beschluß gefaßt wurde, die verhasteten kroatischen Terroristen nicht auszuliefern. Tos Blatt schreibt, daß vor allem die legiti- miitische» Kreise in Oesterreich sich gegen die Auslieferung des ehemaligen k. u. k. Obersten Pertichemitich ausgesprochen haben Tie Regierung Schuschnigg habe sich dem Wunsche der legitimistiichen«reite angeschlossen.„Prawda" schreibt weiter. daß sich das österreichische Gericht für die Auslieferung ausgesprochen habe. Tie Regierung Schuschnigg habe gerade- zu Angst vor dem Urteil des Gerichtes gehabt, werde ab.er Pertschewttsch trotz dem gerichtlichen Urteil nicht ausliefern. Frankreich Belgrad, 17. Nov. Eine amtliche Aenßerung Frankreich» zu dem Schritt der Kleinen Entente in Gens liegt nock nicht vor, jedoch ist man hier überzeugt, daß Frankreich bedingungs- los hinter der Politik der Kleinen Entente steht. England London, 17. Nov. Ein Teil der Presse äußert Besorgnisse über die Folgen des Schrittes der Kleinen Entente in Gent und befürchtet eine neue internationale Krise. Tie„Times" läßt sich aus Paris berichte», man hoffe, daß der Streit i n den juristischen Grenzen gehalten werden könne, denn eine sranzösisch-italicnijchc Verständigung setze voraus, daß auch Italien und die Kleinen Entente sich verständigten. Südslaivien sei der Freund Frankreichs»nd Ungarn sei mit Italien befreundet. Jede Reibung zwischen Sttdslawien und Ungarn könne also unglückliche Folgen haben. Welches sei gegenwärtig Italiens Haltung gegenüber Iugo- ilawie» und Ungarn? Wie betrachte der Tuee die Zu- knnft der Kleinen Entente? Sei er nicht lür eine Revision der Verträge, die die Grenzen in Mlttel- curopa festgesetzt habe? Werde er damit einverstanden sein, daß Frankreich als Mittier zwischen Jugoslawien und IIa- lien auftrete, und werde er nicht fordern, da» Belgrad die Initiative in dieser Richtung ergreife? Das seien Pro- bleme. die einer Klärung bedürfen, und es wird der«rosten Geschicklichkeit Lavals bedürfen, um eine Lösung herbe»- zuführen.,, c.. Laval. das wisse man. sei ein glühender Freund einer Verständigung zwischen Frankreich und Italien. Tie Sorgfalt, die er verwende,»m>e,n .Gespräch mit Mussolini vorzubereiten, spreche daiur. dag er sich bemühe, zu einem positiven Ergebnis zu kommen. Rund nm den Kirdienkrleg Es wird wieder verbanden Merkwürdiger Irrtum Berlin, 17. Nov. Im Ktrchcnkonslikt finden zur Zeit wichtige Verhandlungen zwischen den Vertretern der Bc- kenntniskirchc und Vertretern der Regierung statt. Tabei hat sich die mcrkivürdige Tatsache ergeben, daß die seinerzeit von Reichsbiichos Müller im Kirchenblatt veröffentlichte Verfügung des Reichsinnenministers Frick, wonach Nach- richte» über den Kirchenstreit nicht mehr in den Kirchen- Zeitungen und durch Flugblätter veröffentlicht werden dürfen, ans einein Irrtum beruht. Es handelt sich lediglich nm einen Entwurf des Innenministeriums, der nur dann Geltung habe» sollte, falls die Verhandlungen zwischen der Bckcnntiuskirchc und den deutschen Christen zu einem Erfolg geführt hätten. Zwei Namen trete» wieder stärker in den Vordergrund, die man alS„Führer" der künftigen evangelischen Kirche bezeichnet: der des Laudesbiicho'S von Hannover M a r a h r e n s und der de» gegenwärtigen Lei- tcrs der Bekcnnlnisktrche Präsident K och. Wie die Basier..National-Zejtung" von gut iniormierter Seite vernimmt, hat auch der evangelische Landesbiichof von Baden, Kühle wein, bisher ein treuer Anhänger des Reichsbischoss Müller, diesem de» G e h o r s a ni gekün- det und ihm in einem Schreiben mitgeteilt, daß er künftig- hin keine Befehle mehr von ihm entgegennehme. Allen Pfarrern Badens wurde ein Revers unterbreitet, auf dem sie erkläre» müsse», ob sie mit dem Vorgehe» des Landesbischofs einverstanden Heien. Müller bleib! Trotz aller Proteste Berlin, 17. Leitung der Nov. Ter .Tentichen Reichsbischof Müller bleibt. Tie Christen" beschloß trotz aller Be- denken, an ihm festzuhalten. Dagegen sind die P s a r r ve r- eine»»d sogar der Evangelische Bund anderer Aus- fcssung und sehen in seiner faldigcn Abdankung den Ansang einer Befriedung. Tic Gegensätze bestehen in voller Schärfe weiter. Dlsdiol Zänker . Zersetzte Sdiupo" Oer geheimnisvolle Kasernenplan Berlin, 17. Nov. Ter Volksgerichtshof verurteilt« nach zivcitägigcr Verhandlung kommunistische Funktionäre aus Zwickau. Tie Angeklagten, unter ihnen der 43 jährige frühere Reichstagsabgeoronetc Willi Mehlhorn, habe» im Tienstc des geheime» Nachrichten- und Gegner-Apparates der»PT. die Schupo zu zerfetzen versucht und Beziehungen zum Zentralkomitee der illegale»«PT.— teilweise bis zum November IllSZ— aufrechterhalte». Tie Angeklagten Guse und Wal- ter Zeuschncr waren angeblich im Besitze eines„Kasernen- planes", der für den Fall eines gewaltsamen Ausitandes den Weg weisen sollte, wie man sich den Kasernen der Schutz- Polizei bemächtigen könne. Tiefer Plan war schließlich der 34jährigen Erna R ö s ch I e i n in Verwahrung gegeben war- den: deshalb war sie zusammen mit ihrem Ehemann gleich falls angeklagt. Tos Gericht hielt dj? Angeklagten mit Ausnahme des Ehemannes Röfchlein, der mangels Beweises freigesprochen wurde, für überführt und verurteilte Guse und Wieder im Amt Breslau, 17. Nov. Hier residiert wieder der von der Reichs- kirchenregierung gemaßregelte Bischof Z ä n ke r. Er war An- Hänger der Bckenntniskirche und mußte seine Befinnungß- treue auf Drängen der„Deutschen Christten" mit Absetzung büßen. Das brachte den schlestschen Protestantismus in Erregung. In wenigen Tagen erklärten sich von 779 evangeli- scheu Pfarrern der Provinz Schlesien 999 für ihren Bischof. In den Kirchen Schlesiens fanden täglich Bitt- gottesdicnste statt, in denen Pfarrer und Gemeinden ihrem Bischof die Trcn gelobten. Unter dem Truck dieser starken Protestbewegung sah sich die Kirchenregierung in Berlin ge- nötigt, die Maßregelung des Bi'choss Zänker znrückzil- i c h in c». Mehlhorn wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu je drei Jahren Zuchthaus und Leutjchner zu zwi Jahren Zuchthaus. Frau Röschlein wurden mildernde Umstände zu- gebilligt: sie erhielt ein Jahr und se»s Monate Gefängnis. vederfaslnns der Pfarrämter infolge des Rassenwahnsinns Berlin. 10. Nov. Angesichts der Tatsache, daß für die SA. U v Abstammung bis zurück in das Jahr i/m) Idas Jahr der französischen Revolutionl gefordert wird, und die«uttereien vielfach der großen Arbeit der Ur- kundenbeschafiung nicht mehr gewachsen sind, wird jetzt der « adtsnperlntkiident in Halle ein besonderes reichskirchliches Amt zur Erforschung der arischen Abstammung schassen. Ter Rcichsinnenminister gibt bekannt, daß zur Abgabe eines Gutachtens, ob eine Perlon arischer oder nichtarischer .lvitammiing im«inne gesetzlicher Bestimmungen ist, allein der sachverständige für Rassenforschung beim ReichSinnen- Ministerium in Frage kommt. tdrJr / / f\ » i ^DEUTSCHLAND ffiZgflHITLER Leu and die Geächteten Zur Ehrenrettung des loten dirisflldien GewerhsdialtslOhrers OHe Der alkoholitierle Präsident der„Deutschen Arbeitsfront" hat jüngst in einem Aufruf den sozialdemokratischen Gewerkschaftsführer Leuschner und den seit einiger Zeit verstorbenen christlichen Gewerkschaftsführer O 11 e in der unflätigsten Weise beschimpft und sein Andenken geächtet. Aus den Reihen der christlichen Arbeiter des Saargebietes geht uns nun folgende Erwiderung zu: "l'ei), Ttabsleiter der Deutschen Arbeitsfront, findet keine Ruhe. Die Toten und Misthandelten melden sich. Mit gespenstigem Griff halten sie ihren Mörder und Peiniger fest. Tie ichrecken ihn in nächtlichen Träumen und würgen ihn im Getümmel des Alltags. Und so treibts ihn, sich zu rechtfertigen. Seine Aechtung ehrenwerter Männer, der betten aller Deutschen, verteidigt er. Vergebliche Bemühung, und er lügt aufs neue wie alle Trunkenbolde. Olte ist tot, Leu ist sein Mörder. Von einem Unwürdige» geächtet, ohne Stellung, suchte dieser ehemalige Textil- arbeitcr in landwirtschaftlicher Betätigung Ruhe vor seinen Verfolgern. Er har sie nicht gesunden, wohl aber den Tod. In Gemeinschaft mit seinem Schwager— er konnte als Nichtlanbwirt aus Grund der neuen landwirtschastlichen Ge'etzgebung keine Landwirtschast erwerben— lauste er in Schweinitz bei Grünbcrg in Schlesien ein Bauernhof. E'n Landrat gab uicht die Genehmigung zum Siedeln, aus Feigheit, aus Furcht vor Angriffen, er siedle zu viele .Katholiken in einem überwiegend evangelischen Gebiet an. Der Mann ist vom Rtederrhein und selbst Katholik. Otte führte einen ncrvenzermürbenden Kamps um die Siedlungsgenehmigung, um seine ersparten und ausge- nommenen Gelder, die er angezahlt hatte, zu retten. Bei einer diesbezüglichen Autofahrt fand er den Tod. Und erst Monate nach seinem Tode wurde die Siedlungsgcnehmi- gung erwirkt. Sech» Kinder trauern um ihren geächteten, in den Tod ge- hetzten Vater. Da» Jüngste, jetzt einige Monate alt, hat ihn nicht gekannt. Mit drei kleinen Kindern und einem unter dem Herzen zog die schwer zuckerkranke Mutter in fremdes Land. Dort gab sie ihrem Kindchen das Leben und zwei blieben elternlos i„ der Zlcichshauptstadt zurück unter fremden Menschen. Das Elternhaus mußte ver- kaust werden. Diese Kinder klagen an. Sie treten vor ihren geächteten Vater, sie fordern Rechenschaft für das ihm angetane Unrecht und Vergeltung für ihre zerstörte Jugend. Und der Trunkenbold ist feige, seine Rechtfertigung ist eine einzige neue groste Lüge. Ter tote Otte hat's uns oft erzählt, wie es in Wirklichkeit war. Er und die Uebrigen waren in Genf die unschuldigen Opfer für die selbstverschuldete Niederlage eines unwürdigen Trunkenboldes. Die Lügen- hastigkeil dieses Subjektes geht daraus hervor, daß neben Otte und Leuschner auch in Genf nicht Anwesende wie ' Stegerwald u. a.. die gewist keine geheimen Verhandlungen mit internationalen Freunden führen konnten, seiner Aechtung verfielen. Und trotz des ihm angetanen Un- rechts beschwtchigte der mißhandelte Otte noch seine em- pörten Freunde. Man müsse für diesen Leu Verständnis haben, er sei zu bedauern, bei seinem übermäßigen Alkohol genust sei er für seine Taten nicht verantwortlich zu machen. Das tat Otte. der Geächtete, der seiner Existenz beraubte. Dabei wissend, daß diese sogenannte„Arbeitsfront" sich durch ein ungeheuerliches Unrecht, durch Gewalt und Diebstahl- und wieviel Morde?— in den Besitz des ge- werkschaftlichen Vermögens gebracht hatte. Ist dieser Ley, Präsident der„Deutschen Arbeitsfront", würdig, auch nur einem dieser ehrlichen, ausrechten, arbeits- »harten Männer wie Stegerwald, Leuschner und dem toten Otte die Schnbrieme» anizulösen? Diese Männer handelten in der Tat nach dem Grundsatz„Gemeinnutz geht vor Eigennutz". Und über solche Männer konnte ein Trunkenbold die Aechtung aussprechen! Leuschner war monatelang im Gefängnis und Konzen- lrationslager, er muß sich heute noch täglich auf der Polizei melden, aber immer zu einer anderen Tageszeit. Und Stegerwald, der Gehetzte? Im eigenen Land muß er sich verbergen, er will eher fallen, als daß er ins Ausland geht. In nationalsozialistischen Kreisen ist noch nicht alle« Gefühl kür das Ungeheuerliche, das sich fast täg- lich ereignet, für die körperliche Mißhandlung und Frei- heitSberaubung, die Morde usw. verschwunden. Von diese» wurde er vor dem 80. Juni gewarnt und ihm geraten, sich zu verbergen Die Warner sind auch jetzt noch nicht ver- stummt. Wie furchtbar für diese Männer, sich in Kreisen zu bewegen, die man jeder Schandtat für sähig hält! Leu, Präsident der„deutschen Arbeitsfront"! Tie deutsche Arbeiterschaft muß I?) sich diesen Zertrttmmcrer ihrer Ge werkschast, die sie sich zu ihrem Schutz aufgeboten hatte, die sie seihst verivaltete, gefallen lassen. Sie müssen ahn- mächtig zusehen, ivie dieser Trunkenbold ihre sauer ver- dienten Beiträge, die sie wöchentlich zahlen müssen, verschwendet. Sie wissen überhaupt nicht, was mit ihren Geldern geschieht. Aber wo bleiben die Verteidiger von Ehre und Recht. Wer tritt für Otte, den ma» noch nach seinem Tod verleumdet, wer tritt für Leuschner, Stegerwald und die übrigen Ge- ächteten ein? Wer schreit der Welt diese Grausamkeiten ins Gesicht? Wo sind die berufenen Vertreter für göttliche und menschliche Gerechtigkeit? Wo sind sie? Wo sind vor allem die Freunde der Mißhandelten? Ihr Saararbeiterftthrer Hillenbrand und Kieser, wir fragen euch, wo seid Ihr. Ihr, die ihr in jahrzehntelanger treuester Freundschaft Schulter an Schulter mit den geistig und körperlich Gefolterten zu- sammengestanden seid: Ihr schweigt! Ihr tut noch mehr: Ihr seid willens, auch die Saararbeiter der Rechtlosigkeit und Geivalt, der schrankenlosen Unfreiheit und brutalen Ungerechtigkeit, der vollendeten Wehrlosiqkeit. mit einem Wort dem Mörder und Unterdrücker eurer eigenen Kollc- gen, dem Stabsleiter der„deutschen Front", dem versoffenen Len in die Arme zu führen. Welchen Dank erwartet Ihr dafür? Welchen Dank erwartet Ihr von den Arbeitern des SaargebicteS? „NIdU die Knodien eines Grenadiers der iluvergne' > id' Bon unserem Korrespondenten Parts, 17. November. Am Donnerstag hat Austenminister Laval, wie schon berichtet, im Kabinett sowohl wie vor^em Auswärtigen Ausschuß der Kammer die Taarfragc ausführlich behandelt. In der Aussprache hat der Abgeordnete Henry-Hayc bedauert, daß man die rechtzeitige Gelegenheit versäumt habe, sich mit Deutschland auseinanderzusetzen und io die Grund- läge zu xincr deutsch-französischen Verstän- d i g u n g zu sinden. Im„Oeuvre" knüpft nun der radikalsozialistische Tcpu- tierte Jean P i o t an diese Aeußerung in einem sehr aus- tührlichen Artikel an. dem er die Ueberjchrift gibt:„Die Saar ist und soll keine deutsch-französische Angelegenheit werden" Er sagt, Briand habe schon 1032 begriffen, daß die deutsch-französische Verständigung ohne Bereinigung der Saarfrage nicht möglich sei. In diesem Sinne habe er 1926 mit Stiesemann üher die Rückgabe der Saa an Teutschland ohne Abstimmung verhandelt und auch Besprechungen über den Rückkausspreis der Saargruben eingeleitet. Aber die französische Schwerindustrie sei nicht damit einverstanden gewesen, daß die beiden Staaten über ihre gemeinsamen Interessen verhandelten, ohne daß sie da- bei gewesen wäre und den Ton angegeben hätte. Dabei hätte man sich über die tatsächlich vorhandenen wirtschaftlichen Ver- bindungen zwischen Lothringen und der Saar«inigen kön- nen. ES sei diesen Industriellen gelungen, die Verhandlungen scheitern zu lassen. Jetzt hätten sie einen großen Teil der Saarindustrie in der Hand. Die Saarbevölkerung habe sich jetzt über das künftige Schicksal der Saar zu entscheide». ?lber Frankreich dürfe sich nicht zu dem Abenteuer ver- leiten lasten, die eine oder andere Lösung zu begünstigen. Man müsse si chder These der französischen Regierung an- schließen: die Saar sei ein Problem, das die Saarländer und den Völkerbund angehe, sie sei keine deutsch-französische Frage. Man solle das aber nicht nur sagen, man müsse a»ih vermeiden, daß sie eine deutsch-französische Frage werde, und wenn es nur zum Scheine und gegen Frankreichs Willen geschehe. Im Falle von Unruhen könnten aus Ersuchen der Saar- regierung französische Truppen im Saargebiet einrücken. Aber aus Verantwortung der Saarregierung. Würde man aber nur französische Truppen holen, so werde es in den Augen des deutschen Volkes aussehen als ob Frankreich angesichts der Saarabfi'mmunq eingreife um das Abstimmungsergebnis zu fälschen Niemand könne daraus sich ergebende Rückwirkungen berechnen. Ebenso sei eine französisch-polizeiliche Intervention, wenn auch mit internationalen Mannschaften, nicht wünschenswert, falls die Ereignisse dies erforderlich machen. Die Nationen, die um die Aufrcchtcrhaltung des Friedens besorgt seien, sollten begreifen, daß sie dadurch, daß sie es Frankreich überließen, unter Umständen dem Appell der Regierung» kvmmlssion zu entsprechen, von vornherein einen Konflikt weder vermeiden noch lokalisieren würden, sondern ihn erst möglich machten. Frankreichs Vertreter in Genf sollten den dort vertretenen Nationen ihre Verantwortlichkeit vor Augen halten. Man dürfe nicht noch einmal den gewaltigen psychologischen Irrtum begehen, den man an der Ruhr begangen habe. Wie groß auch die Privatinteressen sind, so schließt der Ar- tikel mit Recht, sagte der Abgcordvete Andraud in der Sitzung des Answärtigcn Ausschusses der Kammer,„Sic sind nicht die Knochen eines Grenadiers aus der Auvergnc wert"— auch nicht die eines Soldaten aus einer anderen französischen Provinz. Italien und die Saar Paris, 17. November. In dem in Paris erscheinenden italienischen Blatt „Italic Nouvclle" finden wir folgende Aeußerung über Italiens Standpunkt in der Saarfrage: Indem wir die europäische Politik als etwas Einheitliches betrachten, lehnen wir eS ah, die Saarsrage als ein deutsche? oder französisches Problem anzusehen: es gibt keine„Pri- vat"fragc» im unruhigen und fieherhast erregten Europa von 1981. Es gibt nur allgemeine Fragen, die die ganze Welt angehen, mit denen der Friede der Welt verknüpft ist. Italien betrachtet die Saa»frage im Geiste der Gerechtig- keil und Unparteilichkeit: Baron A l v i i i, dem vom Völkerbund die peinliche und schwierige Ausgabe zugewiesen wu.rde, Präsident der Abstimmungskommission zu sein, bemüht sich, die Geister zu beruhigen und den Boden für eine freie und friedliche Volksbefragung vorzubereiten, deren Ergebnis, wie auch immer es aussalle, Frankreich ebenso wie Deutschland hinnehmen würden. Die Frage sei ernst. Aber sie könne und dür»e nicht zu einer Plage»ür Europa werden, das'Eon an und kür sich von den Folgen btt a"ter> i ntn, po:' chrtt, moralische», wirtschaftlichen Krise der modeinen Welt henngcjuchl werde...» 541000 iUlstlrninungsberediflgle 107 145 Einsprüche, davon 53 447 zugelassen Aus einer Mitteilung der Abstimmungskommission geht hervor, daß die Einsprüche gegen die provisorischen Listen der Abstimmungsberechtigten eiste Gesamtzahl von 107115 ergeben haben. Davon sind.,3117(40,0 Prozents gutgeheißen, die übrigen entweder verworfen oder für unzulässig erklärt worden. Ein Einsprüche verteilen sich auf die verschiedenen Kategorien wie folgt: ai Einsprüche aus Eintragung: Gesamtzahl 32 851,-— gutgeheißen 18 540(56,1 Prozent: bi Einsprüche auf Streichung: Gesamtzahl 16 033:— gutgeheißen 7 217 (15,6 Prozents? es Einsprüche aus Berichtigung: Gesamtzahl 28 258:— gutgeheißen 98 210(99,8 Prozents. Die Zahlen wer- den unter Borbehalt unbedeutender Rechnungsfehler ange- geben. Es ergibt sich folgende Schlußrechnung: Die provisorischen Listen enthielten 530 000 Wähler. Infolge von Reklamationen sind 18 000 Wähler neu eingetragen und 7 000 gestrichen worden. Gesamtzahl mithin 541 000. Tie vorstehende Statistik kann keinen Anspruch auf Voll- ständigkeil haben. Zunächst ist das Rekursversahren noch nicht beendigt, und es wird eine große Anzahl Rekurse gegen die Entscheidung der ersten Instanz eingelegt werden. Die Entscheidungen der Abstimmungskommission sind leider zum großen Teil ganz summarisch erfolgt. Eine gründ- liche Erledigung der Einsprüche war in der kurzen Zeit gar nicht möglich. Es darf also bei der setzigen Erledigung nicht bleiben. Jeder einzelne Fall bedarf der gründlichen Nach- prüsung. Schon die immerhin große Zahl der auch von der Abstimmungskommission als begründet angesehenes Fälle zeigt, daß ein summarisches Verfahren unzulästig sein muß. 47 GW Abstimmungsberechtigte aus dem Reich Die„Frankfurter Zeitun g" läßt sich aus Saar- brücken melden: Es steht nun fest, daß rund 47»0 0 A bsti m m u n g s» berechtigte aus dem Reich zum 13. Januar zur Abstim .muug ins Saargebiet kommen werden. Im Saargcbiet wer- den schon Vorbereitungen getroffen, um sie in ihrer Heimat aus das herzlichste zu empfangen. Ueberaus groß ist die Be reitwilligkcit der Bevölkerung, Abstimmungsberechtigte. die hier keine Angehörigen mehr haben, in der Familie aufzu nehmen. * Von anderer Seite wird berichtet, daß schon Abstimmungs- berechtigte aus Chile unterwegs sind. Auch in andern lieber- sceländern rüsten sich Saarländer zur Heimfahrt. Diese 17 000 Abstimmungsberechtigte das muß festgestellt werden—, werden ganz einseitig für Hitler-Deutschland be arbeitet, ohne, daß sie überhaupt wissen, was die Anhänger des Status quo erstreben. Für diese 47 000 Abstim mungSberechtigte, kann das Wort LavalS von einer„auf- richtigen Abstimmung" auf jeden Fall nicht gelten. Die Abslimmungsurnen nadi Gent? London, den 17. November. Im Oberhaus fanden Debatten über die Saarirage statt. Von besonderem Interesse waren die Ausführungen von Lord M a r le y, der die Verhältnisse an der Saar als Vorsitzender der Internationalen Untersuchungskommission aus eigener Anschauung kennt. Er hat auf den braunen Terror hingewiesen, auf den moralischen Druck gegen die katholische Bevölkerung und aus die Drohung der Nazis, nach der Abstimmung gegen diejenigen vorzugehen, die für den Status quo gestimmt haben, eine Drohung, die vor- aussetzt, daß von nationalsozialistischer Seite nicht mit einer geheimen?lbstimmung gerechnet wird. Lord Marlen hat deshalb vorgeschlagen, die Wahlurnen nach Genkz» schicken und dort die Zählung und Vernichtung der Stimmzettel vorzunehmen, eine An regung, die der Unterstaatssekretär Stanhope aufge- nommen hat. Er wird diese Anregung Sir John Simon unterbreiten. Ruhe sanM» Die„Saarbrücker Zeitung" veröffentlicht folgendes G» dichtchcn: Status quo? Bleibt uns vom Halse mit eurem Latein! Wir wollen nichts als Deutsche sei»! Das Herzblut klopft nur einen Reim: Wir wollen heim! Wir wollen heim! Ins Reich! Zu den Brüdern! In Hitlers Hut! Im Vaterhause ruht sich's gut. Albert Serge l. Am sanftesten ruht es sich auf den deutschen Kirchhöfen 5-a liegen Zausende unter»Heil Hitler" Ermordete. So auch die Kalholikensührer Dr. Klauicner und Probst. Ihre,Kirche gab ihnen al» letzten Segnungsqruß: Requietcai i„„»ceu>! Und das ist allerdings auch Latein. „Deutsche Freiheit", Nr. 238 ARBEIT UND WIRTSCHAFT Saarbrücken, Sonntag'Montag. 18.'19. November 1934 du Zertrümmerung der Hapag Wiederkehr Goerdelers Es steht nunmehr fest, daß der Vorsitzende des\ or- steht nunmehr fest,«laß der 4 orsitjendc Standes der Hamburg-Amerika-Liiiie Max Oboussicr und mit ihm die Vorstandsmitglieder Dr. ü e t e r s Adolf Stadtländer sowie Direktor Ritte Leiter der Passage-Abteilung Dr. K i e ß und M Höger aus ihrem Dienste ausscheiden. Dieser riicktrill der und , der r i u s Massen- er prominentesten Persönliihkeiten der Hapag zeigt deutlich, daß das große Werk Albert ß a I I i n s durch «Ii" Mißwirtschaft des„dritten Reiches" dem Niedergang entgegengebt. Der Rückgang des Exports, der Boykott in Amerika, das Ende der Auswanderung, der Rückgang des Passagier Verkehrs haben eine für dieses einst größte Unternehmen Deutschlands völlig unerträgliche Situation ge sihaffen. Dazu kam noch, daß Dr. Ley mit seiner..Kraft durch Freude" an die Hapjig besondere Ansprüche gestellt hat. Diese Falliten mußten so billig wie möglich sein und die. Hapag wurde gezwungen, auf dieses Verlustgeschäft einzugehen. Alle diese Umstände veranlaßten die Leitung der Hapag. die auch bei den maßgebenden Stellen der Berliner Regierung auf kein Verständnis gestoßen ist. die Konsequenzen zu ziehen. Mit dem Rücktritt der prominentesten Persönlichkeiten der Hapag-Leitung. die seit Jahren aufs engste mit diesem Unternehmen verbunden sind, erscheint die Zukuuft der Hapag hoffnungslos. Rallins Werk ist das erste große Opfer des Rluho-Wahnsinns. » Dr. Detern von der Hapag hat im Vorstand der Hapag cor allen Dingen die technische Organisation und die Fragen des Schiffsbaues geleitet. Seine Verdienste um die schiff bau technische Wissenschaft hat kürzlich die Technische Hochschule in Charlotteuburg durch Verleihung des Ehrendoktors anerkannt. Direktor Ritter war Vorstandsmitglied der Deutschen Levante-Linie, Direktor Stadlländcr vom Norddeutschen Lloyd war der Leiter der Passage-Abteilung. Seine Tätigkeit und sein Name sind verknüpft mit dem Bau der beiden Großschilfe des Norddeutschen Lloyd, der ..Bremen" und der„Europa". Die Passage-Abteilung der Hapag war lange Zeit iu den Händen von Dr. Kiep, der nach seinem Ausscheiden im Herbst vorigen Jahres Mitglied des Hamburgischen Staatsrates geworden war. Am längsten hat Marius Böger in der Hapag gewirkt. Er war der Leiter des Frachtgeschäftes und wurde nach dem Tode von Geheimrat Cuno in seinem 64. Lebensjahr zum Nachfolger in der Leitung der Hamburg Amerika Linie bestellt. Nach seinem Ausscheiden aus dem Vorstand der Hamburg Amerika-Linie im vergangenen Jalire trat er in den Aufsichtsrat über. Sein engster Mitarbeiter der Frachtabteilung. Max 0 b o ii s s i e r, übernahm dann an seiner Stelle den Vorsitz iin Hapag-A orstand. Max Oboussier ist durch seine langjährige Tätigkeit im Ausland und als jahrelanger Vertreter der deutschen Schiffahrt auf den internationalen Schifffahrtsverträgen in der in- und ausländischen Schiffahrt und Verladerschaft bekannt und geachtet gewesen. Enormer Rückgang der Milcherzeugung Berlin, 1,7. Nov. Die Ernährungskrise Deutschlands, unter der natürlich vor allein die ärmeren Bevölkerungsschichten leiden, trifft nicht Görings urgermanisches Vieh, das er ill der Schorfheide hegen und pflegen läßt. Die Tiere erhalten täglich mit Milch gekochte Haferflocken, wobei pro Tag nicht weniger als 2000 Liter Milch verwandt werden. Dagegen ist für die Bevölkerung auch der Milchkonsuni eingeschränkt worden. Das Institut für Konjunkturforschung teilt mit. daß die Milch Versorgung, die in„normalen Jahren" 22—-23 Milliarden Liter umfaßt,„im Wirtschaftsjahr 1934 35 infolge der schlechten Weiden sowie der Ausfälle in Grünfutter geringer" sein dürfte. Nach den vorliegenden Schätzungen beträgt der Rückgang der Milcherzeugung etwa 200 Liter pro Kuh und insgesamt in diesem Jahr 3 bis 4 Milliarden Liter. Eine andere, vorsichtigere nationalsozialistische Schätzung beziffert den Rück«taug immer noch auf 2 Milliarden Liter Wir haben neulich an dieser Stelle eingehend die Lr- sachen der Preissteigerung im„dritten Reich" behandelt. Leber das gleiche Thema sendet uns unser ständiger Wirtschaftsmitarbeiter einen größeren Bericht. Bei der Bedeutung des ganzen Fragenkomplexes— und da auch in dem Artikel einige neue Gesichtspunkte zu verzeichnen sind, halten wir es für erforderlich, den Beitrag von Dr. Richard Kern zu bringen. In der schon berüchtigt gewordenen Rede in W eiraar hat Schacht auch ein wahres Wort gesagt:„Wir werden ganz zweifellos den Riemen enger schnallen müssen..." Aber war das der Sinn der nationalsozialistischen Revolution, war dies der Inhalt ihrer Verheißung? Wurde nicht den Arbeitern die Besserung ihrer Lebenshaltung im„dritten Reich" versprochen, wo Gemeinnutz vor Eigennutz gehen, die Zinsknechtschaft gebrochen und der Arbeiter den Ehrenplatz einnehmen werde? Mußten Handwerker und Bauern nicht glauben daß sie jetzt aus allen Krisenfolgen gerettet, von der Uebermachi des Großkapitals und Großgrundbesitzers befreit, eine gesicherte und gehobene Existenz im Schutz der neu errichteten Stände genießen würden? Jetzt sollen sie den Riemen enger schnallen?! Warum eigentlich? Nun. uro den Hitler und Göring, und Schacht eine Wirtschaftspolitik zu gestatten, die einen immer gewaltigeren Teil des Nationaleinkommens in den Dienst der Rüstung#- und Kriegspolitik stellt unter Aufrechter Ii alt ii n g und Steigerung des kapitalistischen Profits, unter Erzeugung neuer großer Gewinne für die Schwerindustrie, die Großchemie, für die neuen Inflation#- und Autarkiegewinnler! Denn der Riemen, den die Diktatur aus der Haut des Volkes schneidet, das ist der Militärgurt. Er ist dir Verwandlung der deutschen Produktivkraft in Kriegskraft des deutschen Staatssklaven in das Instrument des angriffslustigen Militarismus. Der Riemen wird enger geschnallt Teuer kommt die Kriegsvorbereitung dem deutschen Volk zu stehen. Es ist ja nicht wahr, daß die Löhne stabil geblieben sind. Seitdem die Vernichtung der Gewerkschaften den W iderstand der Arbeiter hinweggeräumt hat. sind die Tarifverträge durchbrochen, sind die Akkordsätze herab- gesetzt, sind nicht einmal die Nominallöhne bestehen geblieben. Aber noch rascher hat sich der Reallohn, die Kaufkraft des Einkommens, vermindert. Der Großhandelsindex stand Mitte 1933 auf 90. Fr steht jetzt auf 101.3. Die Steigerung ist zum größten Teil der Preis- treibe r.ri zuzuschieben, die. die. nationalsozialistische Agrarpolitik mit den landwirtschaftlichen Erzeugnissen gelrieben hat. Deren Index stand im Frühjahr 1933 auf rund 82 und beträgt jetzt 101.6. eine Steigerung von rund 24 Prozent! Freilich meint die„Frankfurter Zeitun g": „Diese Preiserhöhung war ein Opfer, das die Konsumenten der Erhaltung der Landwirtschaft in ihrem bisherigen Umfang bringen sollten. Daraus(!) ergibt sich, daß es keinen Anlaß zu Lohnerhöhungen bilden durfte. Es ist zu beachten, daß aus diesem Grunde die Preissteigerung der Agrarprodukte das Kostenniveau der Industrie nicht berührt hat." Aber damit ist glatt zugegeben, daß die Milliarden, die die nationalsozialistische Agrarpolitik für die Erhaltung ihrer bäuerlichen Massengrundlage vergeudet hat. von den Arbeitern, Angestellten und Beamten aufgebracht werden, einen Abzug von ihrem Einkommen bilden, während der kapitalistische Profit ungeschmälert blieb, denn„das Kostenniveau der Industrie wurde ja dadurch nicht berührt"! Wenn der Lebenshaltungsindex in den letzten zwei Jahren sich von 117,7 auf 123.8 erhöht hat. so entspricht die statistische Aussage in keiner Weise den wirklichen Verhältnissen. Denn in Wirklichkeit hat die steigende Not die Massen gezwungen, ihre Bedürfnisse in immer schlechteren Qualitäten zu befriedigen. Und gerade bei diesen war die Teuerung am stärksten. Die Roh stoffnot hat aber nun den Preisauftrieb beschleunigt und verstärkt und die National' Rückgang der Kommunaleinnahtnen In der„Frankfurter Zeitung" werden im Rahmen einer Besprechung der Entwicklung der Vermögensbilanz der Stadt Frankfurt a. M. Angaben über die städtischen Betriebe Frankfurts gemacht. Diese Ziffern sind eine weitgehende Berich tigung der von den Nationalsozialisten vorgetragenen Behauptung über die günstige Gestaltung der deutschen Wirtschaft Aber für alle Betriebe, für die Elektrizitätswerke, Straßenbahnen und Omnibusse und für die Hafrnanstalten ist für das Geschäftsjahr 1933 34 eine ungünstige Entwicklung festzustellen. In dem Bericht heißt es einmal, daß„die Entwicklung weitiger günstig verlaufen sei als erwartet wurde", daß „die beobachtete rückläufige Entwicklung... besonders stark gewesen sei, daß„eine Verschlechterung des Gesamtergebnisses eingetreten" sei. Durchweg sind die Betriebseinnahmen für 1933/34 bedeutend geringer als im Jahre vorher. Es ist weniger Licht- und Kraftstrom verbraucht worden, sogar im Wasserverbrauch hat die Bevölkerung von Frankfurt gespart, und die Personenbeförderung durch Straßenbahnen und Omnibusse hat einen geradezu jähen Absturz erfahren. Zehn Millionen Menschen sind weniger gefördert worden. Im Jahre 1928 wies die Frankfurter Straßenbahn noch 188.77 Millionen Beförderungsfälle auf, 1933 34 waren es nur noch 85,19 Millionen. Die Straßenbahn ist somit für die Stadt unrentabel geworden. Aehnlich ist die Entwicklung des Omnibusverkehrs. Diese zusammengeschrumpften Betriebseinnahmen hat die nationalsozialistische Stadlverwaltung. wie wir bereits an dieser Stelle berichtet haben, durch eine beträchtliche Herabsetzung der Löhne und Gehälter und durch Einsparungen an sozialen Aufwendungen wett zu machen versucht. Leber eine Million Mark sind von den Betrieben an diesen Ausgaben eingespart worden. Da« heißt, daß die Löhne und Gehälter der Arbeiter und Angestellten eine empfindliche Kürzung erfahren haben. Für die Hafenanstalten wird von einer günstigen Entwich lung berichtet, so daß der städtische Zuschuß um 10 000 Mk- gesenkt werden konnte. Sieht man sich die. Bilanz aber genauer an. so gelangt man zu der Feststellung, daß diese Verringerung des städtischen Zuschusses nur erreicht werden konnte dadurch, daß die Löhne und Gehälter um 73 000 Mk., die Ausgaben für soziale. Aufwendungen um 17 000 Mk. die an die Stadt zu entrichtenden Steuern um 65 000 Mk. und die an die Stadt zu leistenden Fürsorgeabgaben und Beiträge- zu den Kosten der Gesamtverwaltung um 13 000 Mk. gesenkt worden sind. Erst nach diesen Manipulationen konnte die geringe Senkung des städtischen Zuschusses ausgewiesen werden. So ist die Rechnungslegung der Versorgungsbetriebe der Stadt Frankfurt a. M. ein sehr wertvolles Dokument, das die wirkliche Lage eines großen Teiles der deutscheu Wirtschalt belegt. Diese Wirlichkeit steht zu den nationalsozialistischen Märchenerzäblungen über den gewaltigen Aufstieg der Wirtschaft in diametralem Gegensatz! Sozialisten bekommen es mit der Angst zu tun. Die Erlasse gegen das Hamstern, gegen wäic Preiserhöhungen jagten sich die Gauleiter begannen, der preußische Ministerpräsident verbot zwischen zwei Uniform wechseln in seiner energischen Sprache den Preisen jedes weitere Steigen, die nationalsozialistische Partei selbst beschloß eine„umfassende. Aktion", aber noch ehe sie begonnen, hat die Diktatur eingegriffen und zur Bekämpfung der Teuerung einen Preis- diktator ernannt- Es ist kein alter Kämpfer, kein Führer der Hago. nicht mal ein Pg.„Reichskommissar für Preis Überwachung" ist Dr. G ö r«1 e I e r. er ist es selbe, der unter dein„System" am 8. Dezember 1931 Brüning berufen wurde, um eine allgemeine kung durchzuführen wieder, der- von Preissen- Der„Systemmann' Audi Goerdeler als soll. „Retter" wenn einer dasselbe tun soll, ist es nicht dasselbe, zumal wenn die Zeiten verschieden sind. Brüning hatte damals jene vierte Notverordnung erlassen, die eine zehn prozentige Lohnherabsetzung der..Hermann Müller-Löbne in die Wege leitete, eine Herabsetzung der Zinsen und der Mieten statuierte und eine Senkung der Kartellpreise, vor allem von Kohle. Eisen, Kali und Stickstoff, bringen sollte. Auf diese Verordnung, die ein Glied der Deflationspolitik war, gestützt, sollte Goerdeler dafür sorgen, daß die\ er ringerung der Produktionskosten, die durch die Lohn». Zins-, Mieten- und Kartellpreissenkung gegeben war. im allgemeinen Preisniveau zur Geltung kam. Zudem war die W irt- schaftskrise auf ihrem Höhepunkt und die Preiskurven deshalb im Sinken. Jedenfalls gingen die Preise für Lebensmittel. Textilien, für Beleuchtung und Heizung zurück, wenn auch nicht in dem Maße, um die Lohnsenkung voll zu kompensieren. Die Nationalsozialisten aber entfachten damals gegen die Notverordnung und gegen Goerdeler einen Entrüstiingsslurm. verdammten die„Deflation" und stürmten vor allem die Handwerker und Händler auf, die um ihre Preisspanne besorgt waren. Sie hatten großen Erfolg und Hilgenberg zwang damals Goerdeler. aus der deutsch- nationalen Partei auszutreten, um sich nicht länger mit dem unpopulären Mann zu belasten. Jetzt ist er wieder da, der alte Systemmann, von Hitler als Retter gerufen... Aber dir Situation ist eine andere. Die Löhne sind zwar gekürzt, um viel mehr als zehn Prozent und sind auf viel tieferem Niveau. Aber die Differenz ist längst beschlagnahmt durch die Unproduktivität der deutschen Wirtschaft. Damals, im System, da gab es noch den Goldbestand der Reichshank in Milliardenhöhe, gab es noch den Exportüberschuß in Milliardenhöhe, gab es keine Devisennot und keinen Rohstoffmangel. Heute sind infolge der wahnwitzigen Wirtschaftspolitik die Kosten der Produktion und erst recht ihre Unkosten beträchtlich gestiegen; dazu kommt die inflatorische Finanzierung der künstlichen Binne n'k onjunktur, die die Preise in die Höhe treiben muß. Mußte man schon 1931 mit großer Skepsis dem Eingriff Brünings gegenüberstehen. so zeigt heute die Ernennung Goerdelers nur. w i e 'hilflos die Diktatoren den notwendigen Ergebnissen ihrer Wirtschaftspolitik gegenüberstehen. Die Ausweglosigkeit Und schon scheint eine Wirkung festzustehen: statt abzunehmen. ist die Beunruhigung der Bevölkerung nur gewachsen. Es ist ja nett, wenn auf Grund des Erlasses Görings „schlagartig" in Potsdam, in Kassel, in Gleiwitz. Fulda und anderswo Meischerläden geschlossen und Kolonialwarenlädeu vorübergehend gesperrt werden. Aber will nicht Darre auf alle lalle die Vieh- und Fleischpreise hochhalten und nimmt er nicht fortwährend Vieh aus dem Markt und läßt das fleisch in Dauer^onseiven verarbeiten, die ihm dann das W ehrministerium abnimmt? Und was sollen die Konfektionäre machen, wenn sie das Gewebe zu höheren Preisen und zu durch Ersatzstoffe verschlechterter Qualität beziehen müssen? Deshalb kündigt sich auch bereits die Opposition an. Die Hauptgemeinschaft des deutschen Einzelhandels fordert als Grundlage für die Berechnung der Verkaufspreise den Wiederbeschaffung s- preis, da angesichts der ständigen Heraufsetzung seiner Einkaufspreise ohne eine im gleichen Ausmaße gestattete Erhöhung seiner Verkaufspreise die Existenzbasis des Einzelhandels und der in ihm arbeitenden großen Schichten des Mittelstandes in Gefahr gerate. Man sieht, auch der„Wiederbeschaffungspreis" ist wieder da und die„Beunruhigung des Einzelhandels vor der ihn bedrohenden Gefahr des Ausverkaufs". Im Kampf gegen die..Deflationspolitik" haben die Nationalsozialisten nicht zuletzt ihre Massenbasis aufgebaut, indem sie den betörten Mittelständlern. Bauern und auch manchen Arbeitern einredeten, das unfehlbare Mittel zur Beseitigung der Krise zu besitzen Jetzt kehren sie zur„Deflation" zurück, nachdem sie die Wirtschaft ruiniert, das Massenelend gesteigert haben. Zu spät! Herr Goerdeler. der Retter, kann nichts retten. Schließlich wird es doch bei dem Rezept bleiben müssen, daß ein anderer höchst prominenter und sachverständiger Pg. neulich mal gegeben hat. Der Handelskammerpräsident von Köln, derselbe Bankier von Schröder, in dessen Haus einst der Pakt zwischen Hitler und Papen geschlossen wurde, meinte neulich in einer Rede „Wenn wirklich in diesem oder jenem wenig lebensnotwendigen Artikel einmal vorübergehend eine Knappheit eintreten sollte, so glaube er, daß das deutsche Volk sich eine, n Sport und ein Vergnügen daraus machen werde, diese Gegenstände überhaupt nicht mehr zu kaufen. Denn letzten Eudes brauche der Mensch durchaus nicht immer alles zu haben. Fragt sich nur: Wie lauge wird dasVe. rgnügen Dr. Richard Kern. S)eutsdke Stimmen•(Beilage zur.Deutscficn Freiheit'* Ereignisse und Scsdkidkten MWWWBBBBHBBBBBB MHBBBIWM« i—<«. ima<>.«»»»««»»,««< T/n /pCCitf 777 /YM /iA /irM<©es deutschen Spießet* fhäqMnatc //Von Friedrich Wolf IT„, c;„bj„l. L,,,,,. i„ ,i ,r,„ 5,,,,,,,. Schauspiel aus dem Deutschland wm heute Er konstatiert es mit bittcrem Groll: Die Kassen sind leer und niemand tut borgen. (Uraufgeführt am 8. November im Zürcher Schauspielhaus) ^ enn die Judenverfolgungen so auf den Brettern gezeigt werden sollen, daß diese wirklich eine Welt, oie deutsche Welt von heute bedeuten, dann darf der Ausschnitt nicht den Rahmen füllen, darf nicht der Eindruck ^stehen, daß Nationalsozialismus mit Antisemitismus identisch sei. Das wäre der bedenkliche Erfolg selir kurzsichtiger politischer Tendenz: weil sie es den Lauen, die sich mit der Unterdrückung einiger hunderttausend Juden »chselziichend abfinden, zu bequem und das Wesentliche nicht sichtbar machen würde. Das M esentliche: Millionen deutscher Bürger werden entrechtet, geknechtet, gequält, und um diesen Tatbestand * ersdileiern, wird der Jude vorgeschoben, sozusagen als Kapitalist und Marxist in einer Person.(Daß Ferdinand Bruckner diesen Zusammenhang nicht aufgestellt hat, das ist der Hauptein w and gegen„Die Rassen". Mit dieser Bemerkung soll sein Stück— eine ebenso schnelle, wie verdienstliche und rautige Leistung— keineswegs verworfen werden.) Die Juden sind durch die selben Interessen geschieden, durch die selben Klassengegensätze getrennt, wie die gesamte Bevölkerung des Landes. Die Einheit der Juden ist— ein Wunschbild ihrer Gegner, doch weder rassisch, noch national, noch sozial vorhanden. Daß die Juden verstoßen und vernichtet werden, ist bestialisch, eine Degradierung der europäischen Zivilisation durch den Nationalsozialismus. Aber ein abscheulicher Vorgang ist nicht immer ein tragischer Vorgang. Unzählige private I ragödien summieren sich nicht unbedingt zur trage die humaine, zur menschlichen Tragödie. Wenn ein Nationalist und Militarist— ein deutscher Staatsbürger jüdischen, christlichen oder germanischen Glaubens— von Nationalisten und Militaristen gekillt oder zu Tode gehetzt wird, so ist das eine blutige Farce. Tragisch wirkt der Untergang eines Menschen, der für Höheres einsteht, als seine Gegner. Weseuhaft, lebendig wird dieser Vorgang, wenn er vom Einzelnen ins Allgemeine weist. Typisch wird dieser Konflikt im Drama, wenn es sich durch das Mittel menschlicher Gestalten— das Mittel der Gestaltung des Menschlichen und Unmenschlichen— mit der Gesellschaft auseinandersetzt. Aus dem Tatsachenbericht, der oft vom Autor und vom Kritiker(seltener vom Publikum) mißverstandenen dramatischen Reportage, kann dann die dramatische Dich tuog werden. * Zur dramatischen Reportage dieser gültigeren Art gehört„Professor Mannhei m". Friedrich Wolfs„Schauspiel in vier Akten aus dem Deutschland von heut e", das im Zürcher Schauspielhaus uraufgeführt wurde und bei jeder Wiederholung die aufwühlende Wirkung bekräftigt. Eine Wirkung, die das Publikum zu heftiger Teilnahme, zur Auseinander Setzung über die Zeit zwingt, der das Stück entsprungen ist. l'eber die unmittelbare, die brennende Gegenwart, über der sich die Geister scheiden, und der nur Einzelne in ungeschicktem. mißglücktem Fluchtversuch sich entziehen wollen, indem' sie rufen, das sei nicht von beute, das sei von gestern. Der erste Akt spielt zwischen dem ersten und zweiten W ahlgang der Reichspräsidenten wähl 1932— also nicht, wie der Theaterzettel sagt, im Herbst, sondern zwischen dem 13. März und dem 10. April. Der zweite Akt am 28. Februar 1933, einen Tag nach dem Reichstagsbrand. Die beiden letzten Akte im April 1933. nach dem..Judenboykott'' und dem Inkrafttreten des„Arierparagrafen". Schauplatz: die Klinik und die Privatwohnung Professor Mannheims, des berühmten Chirurgen, ehemaligen(verwundeten) Frontkämpfers. Der erste Akt in der Klinik eine glänzende Exposition: die politische, vielmehr bürger- kricgsähuliche Erregung dringt bis an die Schwelle des Operationsraums. Der zweite Assistent und eine Medizinal- Praktikantin sind fanatische Nazis, der erste Assistent, Dr. Hirsch, ein Maulheld, voll von den Kriegssensationen der Etappe, der Redakteur Dr. Seidel, Jugendfreund und Patient Mannheims, ein Heimkrieger. Der Professor ist soeben(wohl etwas verspätet!) in den Hindeuburgausschuß gewählt worden. Im ersten Akt kündigt sich schon die berufliche Tragödie an. Im zweiten Akt entfesselt sich die Familieutragödie. im Hause Professor Mannheims. Zusammenprall zwischen dem Vater, dem Bürger, und dem zwanzigjährigen Sohn, dem Kommunisten. Fantastisch, von der Bühne herab die amtlichen Mitteilungen über den Reichstagsbrand zu hören, die verdammt theatergemäß, doch leider historisch verbürgt sind. Unheimlich der Moment, da die Auseinandersetzung zwischen Vater und Sohn zerschnitten wird von jener schreienden Stimme im Radio, die der% elt am 28. Februar 1933 das Greuelmärchen vom Reichstagsbrand verkündete. — Der jun»e Rolf wählt den schweren Vt eg des Illegalen. 1 riecjrich Wolf arbeitet die Beziehungen scharf heraus, eleu Haren Jungen und seine unreife Schwester Ruth, die hitler- begeisterte Göre(die bald den..Judenboykott am eignen Leibe spüren wird), die blonde Mutter, die eleu jüdischen hatten liebt und in der Angst um den Sohn zu einem leidenschaftlichen Ausbruch gegen den V ater gedrängt wird. Der zweite Assistent wird Krankenbauskommissar. Er will den Professor verjagen, der freilich als Frontkämpfer »icht unter den..Arierparagrafen" fällt. Doch über dem Kampf Mannheims für seine jüdischen Untergebenen, bewundern eleu Krankenpfleger Simon, kommt es zum Konflikt. Mannheim lebt, um zu arbeiten, und er kann nur >u einer humanen Atmosphäre arbeiten. Dadurch isoliert er »ich. Denn seine Freunde, der Oberarzt Garisen, der erste Assistent Hirsch der Redakteur Seidel wollen arbeiten, um zu leben Sie geben Mannheim unter mehr oder weniger heftigen Gewissensbissen preis, verraten ihn. Mannheim.« Leherzeugung. daß das Lehen eich auf Ehre, Ritterlichkeit. Kameradschaft gründe, ist zusammengebrochen. Es war jlles ein Irrtum, tagt er und erschießt sich- Der Fall Mannheim ist der Anlaß, nicht Sinn und Zweck des Dramas. Vom beruflichen und privaten Milieu Mannheims aus gibt der Autor Durchblicke auf das Ganze, die Gesellschaft. Er könnte das nicht künstlerisch tun, wenn er es nicht plastisch täte. Das heißt: In den Gestalten des V ordergrunds, in Mannheim, in seinen Angehörigen, in seinen Freunden und Gegnern sind die Gedanken und Gefühle, die Hoffnungen, die Nöte und Wirrnisse der Gesellschaft wie in einem Spektrum gesammelt. Man könnte finden, daß Wolf um ein Weniges zu viel vereinfacht: alle diese Bürgerlichen sind Nationalisten. Er könnte erwidern, daß im Jahre 1932 nur eine verschwindende Minderheit der Bürgerliche» nicht nationalistisch war, und an krassen Beispielen zeigen, daß seither diese Minderheit noch kleiner geworden ist. Wie dem sei. es ist eine unwesentliche Nuance. Durchaus wesentlich, durchaus repräsentativ ist Professor Mannheim. Demokrat(vom äußersten rechten Flügel), vom preußischen Disziplinbegriff erfüllt, sehr militärisch, auf seinen Generalfeldmarschall Hindenburg eingeschworen, sonderbar gemischt aus Autoritätsglauben und Mannesstolz. Dieser Professor Mannheim ist zufällig Jude: er ist nämlich vom„arischen" Bourgeois nicht zu unterscheiden. Er ist das deutsche Bürgertum, und er steht für Tausende von Akademikern, die innerhalb ihrer wissenschaftlich-beruflichen Sphäre Vorurteilslosigkeit wahren, Kritik üben zu können meinten, außerhalb des Hörsaals, des Laboratoriums, der Klinik, des Studierzimmers, aber ihr Vorrecht und ihre Pflicht zur Prüfung des Tatbestands, zum konfessionslosen Denken preisgaben. ohne es zu merken. Mannheim zweifelt keinen Augenblick daran, daß Kommunisten,„internationale Brandstifter", den Reichstag angesteckt haben, tut jedoch die Verfolgung jüdischer Gelehrter als„Lüge oder Uebertreibung" ah. Denk an die Zondeks!„Lüge oder Uebertreibung," antwortet er unerschüttert. Daß das Gegenteil dessen wahr sein könnte, was eine Regierung, die nationalsozialistische Regierung behauptet, das faßt er nicht. Er faßt das nicht, bis es ihm selbst au den Kragen geht, bis er selbst beschimpft, gedemütigt, wie ein Verbrecher behandelt wird. Dann freilich lehnt er sich auf, ohne Rücksicht auf die Folgen, klagt er an. rechnet er ab, will er kämpfen. Einer gegen Alle. Darin unterscheidet er sich von den andern. Demnach ist das jüdisch? Nein, der Dr. Hirsch ist ein Feigling. Also ist es deutsch? Die„Arier" Garisen und Seidel sind ebenfalls Feiglinge. Es ist heldisch, und gerade das Heldische stellen die Monopolpatrioten als spezifisch deutsch hin. Dann ist Mannhem doch der wahre Deutsche? Zu diesen Ueberlegungen zwingt Friedrich Wolf den Zuschauer. Der Autor fällt wortlos den Urteilsspruch. Das ist hohe tragische Ironie. » Herr Professor! Sie wollten... Sie wollten doch— mahnt die Medizinalpraktikantin, die in uneingestandener Liebe<.u dem jungen Rolf schwankend geworden war, von dem nichtswürdigen SA.-Kommissar abgestoßen und durch die heroische Haltung Professor Mannheims vollends erschüttert ist. Er liegt mit tödlichem Brustschuß auf der Bahre. ,.K impfen?" sagt er.„Richtig... Wie man das nur vergessen kan n." Dieser Schluß(den ich aus dem Gedächtnis zitiere) ist ein dichterischer Fund. Das männliche und verzweifelte Wort weist über den tragischen Einzelfall hinaus. Professor Mannheim hat zu kämpfen„vergessen", hat sich erschossen, weil niemand hinter ihm stand, weil seine Freunde ihn verrieten, um sich zu retten, weil das Bürgertum sich aufgegeben hat. Dieser Schuß wird symbolisch für den geistigen Selbstmord des deutschen Bürgertums. So enthüllt der Dichter die große Perspektive, gibt den Durchblick vom Einzelnen ins Allgemeine, vom Persönlichen ins Gesellschaftliche. Aber damit ist nicht alles gesagt. Friedrich Wolf zeigt außer der bürgerlichen auch die proletarische Klasse, als reifer Künstler wiederum mit reicher Wirkung bei sparsamen Mitteln. Kontrapunktisch setzt er zwei humane Helfer und zwei politische Kämpfer gegeneinander ah. Den vom Arztberuf besessenen jüdischen Professor Mannheim und den freiwillig, ohne Entgelt fünfmal sein Blut für Transfusionen spendenden jüdischen Pfleger Simon— der eine bürgerlich unklar, der andere proletarisch illusionslos. Den feurigen Intellektuellen Rolf gegen den zähen Arbeiter Ernst. Beides Kommunisten— der eine aus geistiger Leidenschaft, der andere aus leiblicher Not. Der Autor führt die zwingenden Bewegungen herbei, aus denen die dramatischen Funken sprühen: meisterhaft die Szene zwischen dem Arbeiter Ernst und dem Bürgermädchen Ruth, das Gespräch zwischen ihm und Frau Mannheim. In diesem Arbeiter Ernst hat Friedrich Wolf den Illegalen ein Denkmal errichtet: ein Kerl, phrasenlos. wortkarg, zielbewußt. Nicht leicht, aus ihm herauszukriegen, daß er vier Nächte nicht mehr geschlafen hat. Er ist erschöpft. zum Umsinken müde, doch stets auf dem Sprung, und als er durch die' Aengstlichkeit der Frauen gereizt wird, da reißt er den Vorhang vor der proletarischen Welt auf. die ihtien so fremd ist. Unpathetisch erzählt er vom Martyrium der Arbeiter— Konzentrationslager, Mißhandlungen. Verfolgungen— und von ihrem unterirdischen Dasein. Und geht. Er haut ab. Wird unsichtbar. Und arbeitet weiter, unsichtbar. Mit ihm Hunderttausende. » Reifall auf offener Szene, immer wieder Beifall— das ist das Zeugnis für die außerordentliche Wirkung des Stücks und die hervorragende Darstellung. Beide decken sich: sie sind von hoher künstlerischer Sachlichkeit. Diesen Spiegel der Zeit trübt kein Hauch von Sentimentalität. Leopold Lindtberg führt Regie. Es ist die stärkste Leistung, die ich von ihm kenne. Dieser Regisseur des zarten gedämpften Kammerspiels, der mehr fein als kraftvoll schien, entwickelt hier eine prächtige Energie in winnet aas naoen— es Es steigt das Soll, es schwindet das Haben, Herr Goebbels sucht einen Prügelknaben! Die Kassen sind leer und es fließen und fließen. Wie soll man es hindern? zurück die Devisen. Nach Frankreich— nach England, nach Holland, Italien. Wir brauchen den Rohstoff, wer soll ihn bezahlen? Schon murrt die Menge— es kreisen die Raben—— Herr Goebbels braucht einen Prügelknaben!! Die Meute ist hungrig, es knurrt der Magen. Und kriegt sie kein Futter, gerät sie in Wut, So geht es uns selber zuerst an den Kragen. Und wir müssen zahlen mit unserem Blut... Die apokalyptischen Reiter traben... Herr Goebbels sucht einen Prügelknaben—— Zwar ist die Situation recht kritisch. Zwar sind wir pleite, uns fehlt der Zaste. Wir stimmen den Ton auf antisemitisch. Gegen die Miesmacher und Kritikaster, Ein Judenhetzchen hat stets noch erlaben, Wir brauchen doch einen Prügelknaben! Expulsus „10ie mache ichs richtig?" Bei räumlicher Beengtheit Es gibt einen„Wegweiser zu guten Umgangsformen" mit der Ueberschrift„Wie mache ich's richtig?" Eine empfehlenswerte Lektüre über Höflichkeit in der Familie, Umgang mit Hausangestellten. Benehmen beim Essen, bei Besuchen, bei Tanz usw.. Ein besonderes Kapitel heißt: „Der deutsche Gruß". Hier erfährt man Folgendes:...Mit gestrecktem rechten Arm grüßen Mann und Frau beide entrollten Fahnen des Reiches, die Standarten und Fahnen der Formationen der NSDAP,(wie die Fahnen der politischen Leiter, der SA., SS., und Hitler-Jugend) sowie die F ahnen der alten Armee und der Kriegervereine, b e i jeder Begegnung mit ihnen.—(Es dürfte sich also doch wohl empfehlen, den Arm für alle Fälle hochzubinden.)— Es ist im allgemeinen üblich, bei Begrüßung mehrerer Personen erst die Hand zu heben und dann den deutschen Gruß auszuführen. Betritt man einen Raum so grüßt man erst mit dem deutschen Gruß und gibt dann den Anwesenden die Hand, dies gilt auch 1r Frauen.—(Und wenn nun mehrere Personen in dem Raum sind, dann kennt kein Mensch sich aus.)—- Leider sieht man oft. daß der deutsche Gruß sehr nachlässig us- geführt wird. Man sollte sich bemühen, ihn stets sorgfältig durch aus*'- treckten Arm auszuführen. Ausnahmsweise, bei räumlicher Beengtheit, kann man mi(^ gebeugt, in Arm grüßen. Unstatthaft aber ist es. den deutschen Gruß m' a m m e n h a n g gerissen und insofern falsch wiedergegeben, als er die in der Rede gebrandmarkte WirtschaftSauifaisung als die eigene Ansicht des Bortragenden hinstellte. Bedauerlicher- weise ist dieser entstellte Wortlaut der Rede des württember- glichen WirtschastsministerS von verschiedenen bürgerlichen Zeitungen kritiklpS abgedruckt worden. Da der Verdacht besteht, daß es sich um eine bewußte Fälschung handelt, hat sich das politische Landespolizeiamt in Stuttgart neran- laßt gesehen, in eine eingehende Untersuchung der Angelegenheit einzutreten." Der Vortrag war in einem Auszug, der sich aus den „StaatSanzeiger für Württemberg" stützte. a»ch in der „Frankfnrter Zeitung"nisterS Dr. Goebbels wegen Verunglimpfung des Kardinals Faulhaber und Störung des konfessionellen Friedens auf drei Monate verboten worden. Das Verbot hängt mit folgender Erklärung des Kardinals Faulhaber zusammen:„Inhaltlich spricht die gefälschte „Judenpredigt" eine dem Predigtstil des Kardinals so fremde Sprache und enthält derart wahnsinnige Behauptungen— wie zum Beispiel, der 80. Juni sei ein Strafgericht Gottes wegen der Judenverfolgung gewesen—. daß man sich an den Kops greift, wie ein dankender Mensch(der Artikel ist vom Schriftleiter des„Blitz". Walter Lück, geschriebens auf einen iifUfe n^win det. tzMinjallH» Die Schmidt dagegen dreht und windet sich feige nmB ihren Richtern. Sie habe das Gerücht nicht verbreitet, um den Frankenführer und seinen Stellvertreter zu beleidigen und zu verleumden, sondern sie wollte lediglich aus duie Weise enohren, ob das Gerücht auf Wahrheit beruhe. sste selbst habe ja nichts Datsächliches gewußt. Durch die Aus- sage der Zeugen wird die Schmidt jedodi überführt und der Antrag des Staatsanwaltes lautete gegen sie aus vier Mo- »ate Gefängnis. Johann Bolkcrt bestreitet die Möglichkeit nicht, daß er der Schmidt das Gerücht erzählt habe. Genau könne er sich jedoch nicht mehr entsinnest, da er seinerzeit mit schwerer Lungenentzündung zu Bett lag und das durch diese hervor- gerufene schwere Fieber sein Bewußtsein betrübt habe. In Würdigung dieses Umstandes lautete der Strafantrag gegen ihn aus zwei Monate Gefängnis. Das Sondergeriebt verurteilt jedoch nur die Susanne Schmidt zu drei Monaten Gefängnis, einer Strafe, die uns angesichts der verleumderischen Bös- Willigkeit und der Hinterhältigkeit bei der Aufbauschung des gemeinen Gerüchtes als zu gering erscheint. Bolkcrt und Schorr wurden freigesprochen, da sich ihre Schuld nicht mit ausreichender Sicherheit nachweise» ließ und elfterem die durch das hohe Fieber verminderte Zurechnungsfähigkeit als SchuldaiiSichließungsgrund angerechnet wurde. Im zweiten Fall hatte sich das Sondergericht mit dem 26- jährigen Konrad Kranß von Nürnberg zu besaßen, der am 4. September im Hinblick auf den Parteitag 1034 ein altes Greuelmärchen auffrischte, das die Ehre der Parteitagbe- fucher in heimtückischer Weise angriff. Obwohl dieses nieder- trächtige Gerücht schon vst widerlegt und als gemeinste Ber- leumduna angeprangert wurde, erzählte cS Kranß wider besseres Wissen seinen Arbeitskollegen. Bor Gericht iagt^er jetzt, daß er das nicht behaupten könne, da er, ja nichts Tat- sächliches wisse. Er habe es gehört und sich etwas dabei zu denken weitererzählt. Tamil sich Kranß von jetzt an etwas denkt, verurteilte ihn das Sondergericht zu sieben Monaten Gefängnis und der Vorsitzende betont in der UrtetlSbegrün- dung, daß die Handlungsweise des Ärauß gegenüber dem NaiönalsozialismuS besonders gemein ist nachdem er nach langer Zeit der Arbeitslosigkeit im neuen Deutschland wieder Arbeit erhalten hat. Ter Verurteilte wurde im Gerichtssaal verhastet. Der dritte Fall sah einen 65jährigen(!) Angeschuldigten vor den Richtern, der Ausländern gegenüber abfällige und verleumderische Bemerkungen über das„dritte Reich" gemacht haben soll. Da sich jedoch die nochmalige Vernehmung eines Zeugen als notwendig erweist, so wird die Verhandlung ausgesetzt. Paris Association des Ernigres Israelites d'Allemagne en France Am Mittwoch, dein 21. November, abends 8.30 Uhr, im Festsaal Aveuuc Hoche Nummer 15 in Paris Vortrag von Advocat Charles Ledermaun über..Aktuelles aus der französischen Freindeaigesetjgebung'". Der Vortragende, ein französischer Anwalt, der auf diesem Gebiet große Erfahrungen hat, wird in deutscher Sprache reden. Eintritt frei. Gäste willkommen. ßür 6cn Grsamllnhalt verantwortlich: Johann Pitz In Tut« weiter! für Inserate: Ctto Kuhn tn Soaröiflrfen. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der VolkSsltmme GmbH. Saarbrücken 3, Schüyenitraße S.— Schließfach 776 Saarbrücken. „^Deutsche JiceiheU" A&cmnemwispcelse: Amerika Argentinien Belgien Dänemark England Frankreich Holland Italien Luxemburg Neubelgien (Eupen«Malmedv) Oesterreich Palästina Polen Rumänien Rußland Saargebiet Schweden Schweiz Spanieh Dollar Peso belg. Fr. Kr. sh fr. Fr. 11. Lire belg. Fr. belg. Fr. (verboten) sh (verboten) Lei Rubel ir. Fr. Kr. schw. Fr. Peseta im Monat 1,- 3,- 15,- 3,70 4,- 12,- 1,50 10- 15,— 12,- 4,- 90,- 1.- 12,- 2,60 2,40 6,— 30.- Zustell gebüh eil J iihrj 0.50 1.- 5,30 2,30 1,10 3,75 0,40 5- 5,30 5,30 1,10 30.- 730 1,70 0,80 2,- 530 Tschechoslowakei Kr. Bei Zusendung unter Kreuzband durch die Post sind die l ortogebühren vom Besteller mit dem Abonnementsbetrag tu entrichten