Einzige unabhängige Tageszeitung Veutschtands !^r. 261— 2. Jahrgang Saarbrücken, Freitag, 23. November 1934 Chefredakteur: M. B r a u n Die Regierungskommission des Saargebietes hat angeordnet, daß ihre Verordnung gegen die politische Betätigung der Beamten dreispaltig in vorgeschriebenen Schriftgraden anderSpitze der Zeitungen erscheine Infolgedessen mußte e i n b e- sonders wichtiger Bericht über die innerpolitische Situation im Reiche an die zweite Stelle gerückt werden. Verordnung belrcflend die politisdie Betätigung der Beamten Huf Ersuchen der Abstimmungskommission sowie auf Grund der Artikel 47, 40 und 50 des Abschnitts IV (Teil 3) des Friedensvertrages von Versailles vom 28. Juni 1919, ferner des Kapitels III der Anlage zu Ab- schnitt IX(Teil 3) des Friedensvertrages und in Aus- suprung des Beschlusses des Völkerbundsratcs vom 28. September 1034 wird folgendes verordnet! In Erwägung.' dnh den, Beamten bei seiner Betätigung im öffentlichen politischen Leben bereits durch sein Amt Ruchfichten aus- erlegt sind, die für andere, nicht unter dem Zwange der un öffentlichen Interesse unerläßlichen Disziplin stehenden Etaalsbürger nicht in Betracht kommen; daß der Beamte allgemein, insonderheit aber während der gcgenchärtigen Abstimmung^periode— auch bei dem politisch anders Gesinnten-- Vertrauen auf seine Un- Parteilichkeit erwecken inuß. er ffch dieses Vertrauen aber nicht bewahren kann, wenn er in den politischen Kampf eingreift, oder seine politische Werbetätigkeit gar zum Gegenstand von Erörterungen und Angriffen wird, ins- besondere auch in der Presse; daß es Pflicht der Abstimmungskommission ist. nach Möglichkeit dafür Sorge zu tragen., daß keiner Partei im Saargebiet die Möglichkeit gegeben wird, unter Be- Nutzung der öffentlichen Staatsgewalt, politische Ziele zu des Saargebiets verfolgen und die öffentliche Meinung für sich zu gewinnen: daß dieser Mißbrauch aber nur durch eine Einschränkung des Rechtes der außerdienstlichen politischen Betätigung des Beamten wirksam verhindert werden kann, hat die Absiimlnungskoinmission beschlossen, die Regie- rungskommission des Saargebictcs zu ersuchen, die nach- stehende Verordnung baldmöglichst verkündigen zu wollen Artikel 1 Den unmittelbaren und mittelbaren Staatsbeamten ist es untersagt: 1. in oder für Vereinigungen, die eine Einwirkung auf die Volksabstimmung bezwecken, irgendwelche Parteifunk- tionen oder irgendwelche Werbe- oder Agitationstätig- keit auszuüben. 2. politische Versammlungen zu veranstalten, zu leiten oder in ihnen als Redner aufzutreten, 3. in periodischen oder nicht periodischen Druckschriften Angelegenheiten der Volksabstimmung zum Gegen- stand der Erörterung zu machen. Artikel 2 Vertretern von Behörden, sofern' diese Vertreter die BeamteneigenfäM besitzen, ist die Teilnahme an össent- lichen. aus Anlaß der Volksabstimmung stattfindenden Veranstaltungen verboten, sofern die Teilnahme in der Eigenschaft als Vertreter einer Behörde erfolgt. Artikel 3 Wer den Bestimmungen der Artikel 1 oder 2 zuwider- handelt, wird mit Gefängnis nicht unter drei-^dnaten und mit Geldstrafe nicht unter 1000,— Franken bestrast. Sind mildernde Umstände vorhanden, so tritt Gefängnis- strafe nicht unter einer Woche und Geldstrafe nicht unter 500,— Franken ein. Die§8 42a und 42b des Strafgesetzbuches finden keine Anwendung. Der Oberste Abstimmungsgerichtshok s» für die Unter- snchung und Entscheidung zuständig. Artikel 4 Diese Verordnung tritt in Kraft drei Tage nach ihrer Veröffentlichung im Amtsblatt. Alle ihr entgegenstehen- den Bestimmungen werden aufgehoben.— Saarbrücken, den 20. November 1034. Im Namen der Regierungskommission: Der Präsident: gez. G. G. Knox Per Dreibund Hillcr-Sdiüdil-Blomberg v AussitiifsiGse Revolte der„allen Kampier" Darre, Leu. Feder und Oral von der Goltz Der fOlirer" trennt sldi von lütter Berlin, 22. November. Man macht sich außerhalb der Reichsgrenzen, wahrscheinliai auch im Saargebiet. sicher leine genügende Vorstellung da- von. In welchem Mäste der 13. Januar als Tag der Volte- abstimmuiig an der Saar im„drittel Reiche" alles b eichst st- Ugt, sowohl die Regierenden wie die Regierten. Nicht nur in der noch immer wachsenden Propaganda, die sich einem aui Schritt und Tritt entgegendrängt, in den ewigen Gc- sprächen aller Leute über die Aussichten der Saarabstim- mnng nnd im Abschlüsse daran über die Frage„Krieg oder Friedensondern auch in der Sorge deS „Führers", außen- und iniicupolitischc Entscheidungen zn vcr- meiden, die an der Saar über die inneren Zustände Deutsch- landg und die Absichten der Rcichsregierung aufklärend wirken könnten. Zum Beweis für unsere Behauptung werden wir der Saarbevölkerung noch rechtzeitig vor der Ab- stimmung dokumentarisches Material vorlegen. Die wichtigste Tatsache ist. dast die Gruppe Schacht- B l o in b c r g-<0 ö r i n g den„Führer" immer weiter von den Ideologien seiner Partei zn den Realitäten kapitalistischer Wirtschaftsführung nnd konservativer Staats- .sührung abdrängt. Man läßt Ihn zwar noch die donnernden Reden halten, die von Treueerklärnngen zu den„alten Kämpfern" nur so triefen, aber in der Praxi» verbreitert sich der Abgrund zwischen Hitler und den Kumpane» seiner ersten Fahre immer mehr, und es ist zweifelhaft, ob er ihn, wenn er eines Tages möchte, noch zurück überspringen kann. Es sieht wie eine.Kleinigkeit aus und ist für die Situation doch wichtig genug: das Rcichspropagandaministerinm hat unter die Gegenstände, die aus, Grund des Gesekes zum Schutze der nationalen Sumbolc unzulässig sind, A» sichtspostkartcu aufgenommen. darstellend de» Führer und Gauleiter Fuliu» Streicher»Nürnbergs". Bor zwei Monaten erst hat Hitler den Streicher anläßlich des Parteitages in Nürnberg hochgekeiert. Und nun empsindet— zwar nicht er aber die ihn beherrschende Kamarilla— den weltbekannten Antisemitenhäuptling als kompromittierend. Gegen Streicher vor allem war auch der jüngste Erlast des Führerstell- Vertreters vest gerichtet, der einen Bannstrahl gegen den Byzantinismus schleuderte. Wie sich Streicher im Augen- blick schwach fühlt, geht daraus hervor, daß er sich dem Bc- fehl gefügt|«t, Aus feiner fränkischen Tageszeitung sind die täglichen.Fotografien und Beweihräuchernngcn Streichers'verschwunden'. Einweisen wenigstens. Wichtiger und aufschlußreicher noch ist das nun endgültige Bersinken des Programmatikers und Theoretikers der Par- tei Gottsried Feder. Er war in allen wirtschaftlichen, sinan- ziellcn und sozialen Fragen vom Fahre 1919 an geistiger Nährvater Hitlers, bef aus diesen entscheidenden Gebieten vollkommen unwissend seine politische Tätigkeit begann»nd auch seither nicht viel dazu gelernt hat. Hitler hat seinen Feder in zahlreichen literarischen und rednerischen Zeugnissen nicht minder hoch gepriesen, wie einst seinen Röhni, der ja den unbekannten und unbeholfenen Weltteilen der Reichswehr mit den reichen Mitteln und Be- ziehungdn der Reichswehr erst„gemacht" hat. Seitdem aber Hitler mit Hilfe des schieberischen Geschicks Görings schon vor der sogenannten Machtergreifung unter den Einfluß Schachts geriet, der ihm als»nerlässig für die Regicrungsfähigkcit ausgeschwätzt wurde, ging es mit der Treue zu dein„allen Kämpfer", man darf wohl sagen ältesten Kämpfer Feder zu Ende. Zwar wurde er gerade noch Staatssekretär im. Reichswirtschastsmtnistcrium, aber es wurde ihm jede Möglichkeit der Betätigung abgeschnitten. Ein ihm außerdem zu- gewiesener Posten als Reichskomniissar für Borortstedlnng war schon beinahe offener Höhn. Nun geht Feder in Urlaub, und das ist wohl ein Verschwinden fürt immer. Nur das von ihm ausgearbeitete Programm zeugt noch von vcrklnngcne» Tagen. Es ist, wie man weiß, ewig und«»- abäuderlich, was man jetzt wohl dahin deuten muß, baß kein Wort davon jemals ans dem Reiche der Ideen in die Wirklichkeit übertragen werden wird. «Es scheint, daß Hjalmar Schacht triumphiert, tind jede seiner Reden offenbart sein Tiegergesiihl. Er verspottet öffentlich die Brecher der Zinsknechtschaft und die Plänemacher und proklamiert hochkapitalistische Wirischafksgrund- sätze, so daß er in den Kreisen der arrivierten„alten Kästipier" wie Leg, Darre usw. nur als„Liberalst" ober auch als„weißer Jude" bezeichnet wirb. TaS von diesen„sozia- listischen" Kreisen der Partei gegen den Rcichsbanira! Köppen nntcvnommene Kesseltreiben, weil dieser angeblich einen Erwerbslosen wegen 4 Mark Mietschuld ermittleren wollte, war in Wirklichkeit eine Aktion gegen Schacht, der sich durch Abreise aus Berlin und durch Absagen einer Rede im Sportpalast dagegen wehrte. Außerdem streikte der Reichsbankdirekior Focke, der zu den Saarverhandlun ici; des TreieranssHitsses nach Rom fahren sollte« Nachdem ihm das Beiseiteschieben Gottfrieds Fevers voll» kommen gelungen ist» verfolgt Schacht als Exponent der wirtschaftlich führenden Schichten die Kaltstellung Dr. Robert Leys, der sich mit zappelnder lflerzweislung da, gegen wehrt, daß ihm ein Stück Macht nach dem andern— es sing bezeichnenderweise mit der Entmündigung aus dem ttassengcbictc der„Arbeitsfront" an— fortgenommen wird. Er ist in Wahrheit schon seit längerer Zeit nur roch Wander« Prediger, und nun hat man ihn dahin gebracht, daß er niS nach der Saarabstimmung eine Predigtfahrt durch ganz Deutschland macht, die er sei st damit begründet, er wolle fest- stellen, ob der morgendliche Betriebsappell au Stelle der K.n- trolluhr klappe. Damit beschäftigte sich monatelang der Prä- sibent der Deutschen Arbeitt'"mt! ES ist die völl-ndetc Niederlage, die nur kümmerlich dadurch maskiert wird, daß man den übermächtigen Gegenspieler Schacht da und dort in ganz vereinzelten seltenen Ausnahmefällen durch die Maß- reglnng eines Beiriebssührcrs zu ärgern versucht. Hinzukommt, daß am 3t. Dezember die unter dem Ein- flusse des Dr. Leu stehende pätttische Tageszeitung„Der Deutsche" eingehen wird. ES ist richtig, daß sie an Avon» nentenschwund leidet und Zuschüsse erfordert, aber das würde bei den Mitteln der„Deutschen Arbeitsfront" natürlich kein Grund sein, das Blatt auszug"^,,, wenn Leu noch die Macht hätte, ein eigenes politisches Sprachrohr durchzusetzen. Dr. Lcy Position ist schon zu geschwächt, als baß er sich öffentlich gegen Schacht zur Wehr fetzen konnte. Das hak der Rcichsbaucrnsührer Dorre aus dem romantisch auf» gezogenen Rcichsbaucrnihing in GoSlar versucht. Schacht war nicht eingeladen und war auch einer der wenigen obersten Würdenträger, die kein Glückwunschtelc- gramm geschickt haben. Darre redete nicht nur in dem ordi- Hörsten Antisemitismus daher, den Schacht wegen seiner Bemühungen um ausländische Finanz- nnd WirtschaftS- kreise nicht brauchen kann, sondern machte auch einen klaren Vorstoß antarkischer Wirtschaftspolitik gegen die Be» mühnngen Schachts den deutschen Außenhandel wieder flott zu machen. Darre verlangte nicht mehr und nicht weniger alz daß die gesamte übrige Wirtschaft sich den Grundsätze» der Rcichsbanernsührung unterordnen müsse. Es wird von Teilnehmern der Tagung erzählt, daß am Schlüsse der Rede Darres in dem endlosen Beifallssturm der Präsident der Deutschen Arbeitsfront Dr. Ley, de« übrigens ganz einflußlos« und geistig beschränkte Reichs« Aktivität in Gent Besprechungen zwischen Laval und Ltwinow Handwertsmeister Schmidt und der in seiner Position wackelnde stellvertretende Führer der Wirtschast Gras von der Golst ausgesprnngen seien, nm Darre demonstrativ die Hand zu schütteln. To sollte eine Einigung der gesamten proletarischen, bäuerlichen und handwerkerlichen Sektoren der Wircschast gegen die hochkapitalistische Politik des Dr. Schacht symbolisiert werden. Der Reichsbankpräsident und Reichswirtschaftsbiktator Xnt die drohende Angriffe der entmachteten Demagogen, ^e für ihre Agitation den„Sozialismus der dummen perle", wie ihn der gestürzte Feder zur Grundlage der jäSDAP. gemacht, nun einmal brauchen, mit einer Ge- lcksiywheit über sich ergehen, die aus der Gewißheit kommt, daß er nicht nur der Vertrauensmann des„Führers" ist, sondern dieser selbst seine Zuflucht bei der Reichswehr sucht' und nicht bei seinen kompromittierten„alten Kamp- fern". Es ist auf weiter Flur niemand sichtbar, der gerade jetzt Schacht gefährlich werden könnte. Sein Vorgänger im Reichswirtschastsmiuisterinm Herr Schmitt tritt eine angeblich private Reise nach Nordamerika an, und man sagt, daß er dort Herrn Dr. Luther ersetzen solle» den Bot- schafter in Washington. Der Reichspreiskommissar Dr. Goer- deler ist.in Vertrauensmann Dr. Schachts und hat soeben die berühmten Einzelaktionen der SA. und örtlicher„Sozia- listen" gegen Geschäftsleute verboten. Der Radikalismus „alter Kämpfer", selbst wenn er sich vorwiegend gegen jüdische Händler richtet, ist zur Zeit nicht opportun. Der„Führer" aber? Man hört nichts davon, daß er seinen alten und ältesten Freunden Feder und Ley in ihrem Kampf gegen die hochkapitalistischen Mächte bieder die Hand druckt und ihnen nibelungeutreu in die Germanennugen schaut. Wohl aber ivird gemeldet, daß der vielbeschäftigte Mann doch noch Zeit gefunden hat, in das Sanatorium Weißer Hirsch bei Dresden zu fahren, um dem erkrankten Reichswehrminister Blomberg einen Besuch abzustatten. Am 29. Juni hat Blomberg einen Leitaufsatz im„Völ- tischen Beobachter" veröffentlicht, der— für die Öffentlichkeit an diesem Tage noch nicht erkennbar— die Treue- erklärung der Reichswehr für die Blutaktivu des 30. Juni gegen Hitlers alte Kämpfer um Röhm enthielt. Darre und Ley und von der Goltz sind nun vom Weißen Hirsch her geivarnt. Der einzige Waffenträger in Hitler-Teutschland ist die Reichswehr und einziger Wirtschaftsträger ist der Kapitalis- muS, geführt von Dr. Hjalmar Schacht. Rehelllereude SA-Führer El« werden ihnen die Pässe entzogen Berlin, 22. November. In verschiedenen Teilen des Reiches haben Kainpsdemon- strationen„alter Kämpfer" in der SA. gegen den jetzigen Kurs Hitlers stattgefunden. Zahlreichen dieser Leute ist der Paß entzogen worden, damit sie bei einer Altion gegen sie nicht ins Ausland entkommen können. Im Zusamtuenyang damit steht die Anordnung, daß Parteiveranstaltungen nicht ohne die Erlaubnis der zuständigen Führung stattfinden dürfen. Der„Führer" hat umfassende Vorbereitungen im Zusammenwirken mit der Reichswehr und der Schupo gegen eine Ausbreitung der neuen Oppositivnsbcwegnng getrosten. Oine Rech», ohne Sdiu'z Frankfurt a. M, 22. Nov. fZ.?. A.l Wie das„Frank- kurier Volksblatt" meldet, hatte sich das Arbeitsgericht mit dem Kündigungseinspruch einer jüdischen Arbeitnehmerin zu beschästigen, die die Klage auf Widerruf ihrer Kündigung daraus gestützt hatte, daß sie als I ü d i n allein wegen dieser Eigenschaft nicht entlassen werden könne. Das Arbeits- gerichl hat die Klage abgewiesen. In den Urteilsgründen wird festgestellt, daß die Kündigung keine unbillige Härte in diesem Falle darstellt. Nach dem Bericht des Frank- . furter Bolksblaites har das Gericht zugleich die Frage aus- geworfen, ob bei der Klägerin überhaupt ein Rechtsschutz- bedürfniö vorliege, da die Fälle immer zahlreicher werden, daß Juden, die auszuwandern gedenken, nur aus einen er- wünschten und nach ihrer Meinung günstigen Abgang war- tew Tiefe Ansicht wird damit begründet, daß die Klägerin, bce zum nächsten Termin gekündigt worden war, nachdem das Geschäft aus einen neuen arischen Inhaber überging, ein Zeugnis verlangt hatte, das die Angabe enthalten sollte. 6s?oerin nur deshalb entlassen ivvrden sei, iveil sie Jüdin ist. Man werde, so meinte das Gericht, nur ein - Zeugnis verlangen, das fördert und nicht eines, das in Deutschland nur schädigen kann, iveil es nämlich den Schluß und die Absichten der Klägerin offenbart, ein Zeugnis zu bekommen, das dazu bestimmt sein soll, die deutsche Volks- gcmeinschast im Ausland zu schädigen und bei Stellen- bcwerbungen im Ausland falsches Mitleid zu erregen. Ter Anspruch aus Widerruf der Kündigung richte sich nicht nur aus die Weitcrbeschästigung an sich, sondern für den Fall, daß der Unternehmer die Wiedereinstellung ablehnt, auch aus Auszahlung einer vom Gericht festgesetzten Entschä- digung. Es könne angenommen iverden, daß die Klägerin gerade dies wolle, wenn ihr beim Verlangen eines der- artigen Zeugnisses an einer Wicdereinstellung bei der Be- klagten und einer weiteren Tätigkeit in Deutschland nicht viel liegt. England und Japan Da« Ende des Washingtoner Flottenabkommens London, 22. Nov. Wir haben bereits in unserer vorigen Ausgabe berichtet, daß au einer Kündigung des Washing- toncr Flottenabkommrns von japanischer Seite nicht mehr zu zweifeln ist. Auf der Londoner Flottenkonfercnz ist es zu keiner Einigung gekommen. Ter japanische Botschafter suchte Sir John Simon auf und überreichte ihm die Ant- wort der Tokioner Regierung, in welcher, wie wir schon mitgeteilt haben, der englische Kompromißvorschlag einden- tig abgelehnt wird._.. Das Schicksal des Washingtoner Flottenabkommens ist mit dieser japanischen Antwort endgültig besiegelt. Immer- hin werden die Verhandlungen in London weitergeführt, da man von englischer Seite den Versuch macht, wenigstens eine Verständigung in einigen anderen Fragen, die außerhalb der Flottenparität liegen, z» erzielen. Die Verhandlungen solleit sich aus die sogenannte qualitative Rüstungsbeschränkung beziehen, wonach für jeden KriegSschisitnp eine be- stimm'e Tonnage festgesetzt würde. Auch die Frage der Be- : sestigung im Pazifischen Ozean wird noch zwischen de» be- tciligten Mächten erörtert Es handelt sich hierbei in crucr Linie um die Frage der Befestigung der strategisch wichtigen Alcutcn-Jnscln und der den Japanern als Schutzgebiete übertragenen ehemaligen deutschen Inseln im Pazifischen - Ozean. »# Gens. 22. November. Mit der Ankunft Pierre Lavals und deS russischen Außenministers Litwinow ist Genf wieder in das Zentrum der europäischen Politik gerückt. Von größter Bedeutung ist die Unterredung, die zwischen Laval und Lit- w i n o w stattgefunden hat. An dieser Besprechung nahm g.uch der neuernanute Soivjetbotschaster in Paris P o t e m l i n, und der Botschafterrat Rosenberg teil. Die Unterhaltung bewegte sich vor allem über den Abschluß des sogenannten Ostpaktes. Sowjetrußlaud ist nach wie vor an dem Abschluß eines Ost-Locarno interessiert. Litwinow hat sich, wie es scheint, die Unterstützung Lavals dahingehend gesichert, daß Frankreich noch einmal versuchen wird, in Warschau zu inter- veniercn. um Polen zum Beitritt des Ostpaktes zu ver- anlasten. Auch soll bei der Besprechung zwischen den beiden Ministern die Beziehung Soivietrußlands und Frankreichs zum„dritteir Reich" gestreist worden sein. Wie wir aus Kreisen der russischen Delegation erfahren, besteht nach ivie vor zwischen den beiden Großmächten vollständige Einigung in bezug auf ihre Politik gegenüber dem„dritten Reich". Bei der Unterhaltungzwischen Laval und Litwinow soll übrigens auch die Saarsrage gestreikt ivorden sein, ivobci Lit- ivinow die Unterstützung der französischen Taarpolitik ver- sprachen haben soll. Neben der Unterhaltung der beiden Minister wird große Bedeutung dem j n g o s l a iv i s ch e n M e m o r a n d u m über das Marseiller Attentat beigemessen. In diesem Memorandum soll eine ziemlich icharie Sprache gegen Ungarn geführt werden. Es stellt»och nicht fest, ob tatsächlich das jugoslawische Memorandum in der nächsten Sitzung des Völkerbundes zur Besprechung gelangen wird. Es scheint, daß Laval den Versuch gemacht hat, den jugoslawischen Außenminister Jevititsch, der ebenfalls in Genf weilt, zu Rom, 22. November. Der französische Botschafter Eham bru», der vor eini- gen Tagen in Paris weilte und dort eine eingehende Unter- redung mit Laval hatte, ivurde gestern von Mussolini emp- sangen. Die Unterredung zwischen dem Ehes der Italic- nischcu Regierung und dem französischen Botschafter dauerte über eine Stunde. Dieser Unterredung ivird in politischen Kreisen eine außerordentliche Bedeutung beigemeste». Ehambrun unterrichtete Mussolini, auf Grund der In- struktivnen. die er von Laval bekommen hat, über die Ein- zelheiten einer französisch-italienischen Verständigung. Elmm- bru» soll im Namen Frankreichs absolut konkrete Vorschläge unterbreitet haben, über deren.Inhalt Stillschweigen gewahrt wird. Immerhin glaubt man in beteiligten Kreisen, daß Frank- reich sich grundsätzlich bereit erklärt lwt, den italic- ni s ch e n W ü n s ch e n in bezug a u s T u u i s und den Gebieten um den T scha d- S e e c n t g cg c n z»- kommen. Auch scheint Frankreich i» der Frage der Flot- !e»parität am Mit'elmeer zu Konzessionen bereif zu sei». Schwierigkeiten scheinen aber nach wie vor die Reglnng einer Verständigung zwischen Italien und Jugoslawien zu bereiten. Ehambrun hat im Austrage Frankreichs auch in dieser Frage bestimmte Vorschläge gemacht. Die Gegcnsordernngcn Frankreichs bestehen i» der Haypt- suche darin, daß von Italien eine Unterstützung der sran- Nervosität in Frankreich „Augenblicklich glaubt leder olles" (lßon unserem.Ctorespondentcn.f Paris, 22. November. Am Dienstag durchliefen die wildesten Gerüchte Paris, die ihren Ursprung offenbar in BöSfcnkreisen hatten. Es hieß, daß sich i n n e r h a l b der R e g i c r u n g Meinung?- Verschiedenheiten ergeben hätten und daß sie stürzen würde. Wieder andere wollten von der M obilmachnng eines g a n z e n- I a h r g a n g c s wissen, da der Krieg in einem Monat bevorstehe. Und die Superklugen behaupteten, daß das Defizit nicht fünf M i l l i o n e n, sondern drei M i l- liarden Frauken betrage. Alle diese Gerüchte konnten um so mehr Glauben gewinnen, als der Börsenpolizeikommistar nichts zu ihrer Dementierung tat, so daß erst in den späten Abendstunden der Innenminister sich in kategorischer Weise gegen all die Gerüchte wenden konnte. Der seine Pflicht in dieser Form vernachlässigende Polizeibeamte wurde sofort seines Dienstes enthoben. Mit diesem Vorfall beschäftigte sich Gallus im„Jntran- siaeant": Man könnte und sollte über all den Unsinn lachen. Aber keiner täte es und das sei das Ernste daran. Denn augenblicklich glaube jeder alles, weil jeder Furcht vor allem habe. Paris habe schlechte Nerven und lebe mit dem Angst- bewußtsein der Neurastheniker. Gute Ratschläge feien da vergeblich, man müsse vielmehr versuchen, das Vertrauen solcher Kranker geduldig zurück- Zugewinnen. Tie wünschen vor allen Dinaen eine sofortige Besserung ihres Zustandes sess>>ellen zu können, und man dürfe sich nicht einbilden, daß sie ruhig seien, wenn sie sich ruhig verhalten. Es gebe, so schließt Gallus, immer noch zu viele Menschen, die aus den Vorgängen am 0.^ebruar nickitS gelernt hätten. Für sie wäre die ganze Sache nur eine Episode ohne Fort- setzvug gewesen und nach ihrer Ansicht genügte zur Per- meidung einer Wiederholung die Auflösung aller Rechts- und Linksbünde. Aber leider seien diele Bünde nicht die Ursache, sondern nur die Wirkung. Und die Ursache müsse man durch tiefgreifende Reformen abstellen. Die Sorge nm Deutschlands Rüstung (Bon unserem Korrespondenten.) Paris, 22. November Tie Pariser Presse fährt fort, die Aufmerksamkeit der Oefsentlichkeit auf die ungeheueren im schnellsten Tempo überreden, die Denkschrift erst in der Januar-Sitzung deS Völkerbundsrates zur Behandlung gelangen zu lassen. Laval möchte nämlich angesichts seiner Vermittlungsmission in Rom eine Verschärfung der Gegensätze zwischen Jugoslawien und Ungarn in dem gegenwärtigen Augenblick vermeiden. Die Behandlung der Taarsrage ist wieder ein- mal verschoben worden. Tie Sitzung des Bölkerbundsrates, die sich mit dem Saarproblem beschäftigen wird, wird vor- aussichtlich erst Montag oder Dienstag stattfinden, da der Dreierausschuß in bezug aus wirtschaftliche Fragen Noch zu keinem Ergebnis gekommen ist. Eine gewisse Sensation hat in Genf die Tatsache erregt, daß Oesterreichs Vertreter für die Abrüstungskonferenz. Baron Pflüget, aus der Tagung des Präsidiums der Konferenz im Namen seiner Regierung die Erklärung ab- gegeben hat, daß Oesterreich in bezug auf die Verteidigungswaffen unbedingte Gleichberechtigung verlangt. Sdiarle Sprache In Belgrad Belgrad, 21. November. Tos halbamtliche„Vieme" schreibt. Südslawien habe nach deiü Mar,eiller Königsmord das Recht auf voll« Genug- tuung, zu deren Erlangung es nur zwei Wege gehabt habe: die Inanspruchnahme des Völkerbundes oder Krieg. Süd- slawieu habe den ersten Weg gewählt und iverde nur für den Fall, daß dieser sich als nutzlos herausstellen sollte, Ge- nugCuung aus andere Weise fordern. Die Großmächte und das Genfer Sekretariat müßten sich jetzt Ihre Haltung gut überlegen, denn es handle sich nicht nur um das Schicksal des Völkerbundes sondern auch um die Sicherheit der Ttaa- ten und damit um den europäischen Frieden. zösuchen Politik Deutschland gegenüber verlangt wird. Frankreich fordert von Italien vor allem, daß es die Re- visionsbestrebungen Deutschlands und Ungarns nicht unter- stützt und daß es in der Aufrüstungsfrage eindeutig den französischen Siandpnnkt einnimm'. Es ist hier auch allgemein beachtet worden, daß der fran- zösijche Botschafter, der'srüyer Gesandter in Wien war, auch mit dem Bundeskanzler Schuschnigg, vor dessen Abreise aus Rom, eine längere Unterredung hatte. Eham- brun woll'e, wie es scheint» genaue Informationen über die Haltung Oesterreichs gegenüber dem„dritten Reich", sowie gegenüber den ungarischen Revisionsbestrebunge» einholen. Bie Romreise Lavals Paris, 22 November. Aus Kreisen des Onai d'Orsan wird mitgeteilt, daß auf Grund des günstigen Verlauf? der Unterredung zwischen Mussolini und dem Französischen Botschafter in Rom. Eham- brun, Außenminister Laval seine bisher»er- j ch o b e» e R o m r e i i e demnächst antreten wird. Der genaue Termin der Reiie steh« icöortv, noch nicht seit. Vor der Reise Lavals soll bei den Vorbesprechungen in den wichtigsten Fragen eine Einigung eiztelt werden. Immer- hin glaubt man. daß Laval spätestens a m 2v.? e z t m- b e r nach R v m r e i st. fortschreitende» Rüstungen Teutschlands zu lenken. Unter der Ueberschriit„Die den«l-Cirn Flngzengsabrlteu arbeiten Tag und Nacht und beschästigen drei Schichten Arbeiter" schreibt Ave» K r i e e r im ,.P aris- Mid i", wir glauben nicht, wie die„Daun Mail" behanvtete, daß die deutsche Flugzeugproduktion 1000 Flugzeuge wöchentlich beträgt. Aber die Einzelheiten, die wir aus berusenster Onelle haben, sind nicht weniger erschreckend in bezug aus die deutiche Tätigkeit im Flugzeugioese». Tie Fliigzengsabriken jenseits des Rheins arbeiten augenblicklich Tag und Stacht und beschäftigen drei Schichten Arbeiter. Wir kennen nicht die Produktionsziffern. Diese müssen aber bedeutend sein, denn unseres Wissens nach habe Gene- ral Deiiain gesagt:„Göring arbeitet gegenwärtig viel schneller als ich!" Mit Höchstgeschwindigkeiten stellen die deutschen Fabriken Flugzeugkörper her, deren Leistungen unvergleichlich größer sind als die der Mehrzahl unserer Apparate," Nur in einem Punkte, so heißt es weiter, sei Dt»lschland im Rückstand: in der M o t o r s a b r i k a t i o n. Aber daS Reich habe kürzlich für hundert Millionen Franken Motore in den Vereinigten Staaten und in Enaland gekauft. Mit dieser Lieferuna könne es schon einige hundert Flugzeuge motorisieren. Im übrigen habe man Grund zu der\ daß hie deutschen Fabriken selbst die noch dem neuest'v?> der Technik gearbeiteten Motoren nachahmten. Rle deutsche Loilliolfe Paris, 22. Nov. Im Liiftsahriausschiiß der Kammer hat sich am Mittwoch der Lnftfahrtminister Denain über die deutschen Lustrüstungen geäußert. Er trat„phantastischen" Behauptungen entgegen, erklärte aber, daß Deutschland seit einer Reihe von Monaten Kampfflugzeuge baue und dies auch nicht verheimliche. Anfang 1935 werde Deutschland etwa 1009 Kampfflugzeuge ha- b e n. Er werde die französische Lustslotte rasch aus das gleiche Niveau bringen wie die deutsche, wenn mau ihm die ent- sprechenden Mittel bewillige. Denain wies darauf hin. daß die deutschen Kampfflugzeuge den französischen in der Tech- nik und in der Schnelligkeit überlegen seien.* Die französisch italienische Annäherung Umschalter Charnbrun bei Mussolini ^DEUTSCHLAND HITLER Für eine internationale Sidierheitstruppe Unzulässige insdiriften Eine Mitteilung der AbstimmungskommUsion Es ist der Abstimmungskommission zur Kenntnis gc- kommen, das» an einer Reihe von Häusern im Taargebiet Anschriiten angebracht sind, welche ein politisches Bekenntnis zur Abstimmung darstellen. Die Abstimmungskommission muß in diesem Zusammen- hang auf die Strafbestimmnngen des Artikels Sil der Ab- stimmungsordnnng des 7. Juli 1834 hinweisen, wonach derjenige, welcher durch unerlaubte Mittel, selbst wenn er mittelbar handelt, eine Person zu bestimmen sucht, zu ossen- baren, in welchem Sinne sie abzustimmen gedenkt, mit Gefängnis von 3 Monaten bis zu 3 Jahren bestrast wirbt die Strafe kann nicht weniger als 1 Jahr betragen, wenn die Tat von mehreren Personen gemeinsam begangen wird. Tie Abstimmungskommiiiion warnt daher vor jedem Vxr- such, das Aushongen von Plakaten und Anbringen von Aus- schritte» aufzunötigen, um die Stimmabsichten kundzutun. Sie behält sich vor, die i f>r zur Kenntnis kommenden Fälle der Ausübung von Druck und Drohuna der Staatsanwalt- schast des zuständigen Abstimmungsgerichtes anzuzeigen. Jütirerwedisel' in der, deutschen Front" Diktatorische Ernennung von Nachfolgern Nach der an der Spitze der heutigen Ausgabe verösfent- lichten Verordnung der Regierungskommission dürfen mittelbare und unmittelbare Beamte sich während des Ab- stimmungskamptes nicht mehr politisch betätigen. Tie Ber- ordnung, die natürlich keineswegs nur die„deutsche Front" trifft, wie die gleichgeschaltete Presse es hinzustellen beliebt, ist durch, die Exzesse von Beamten wie P i r r o hervor- geruien, die keine Rede halten, keinen Ausruf stilisieren konnten, ohne baß sie Andersdenkende in den wüstesten Worten diffamierten. Infolge der Verordnung hat den neuesten Aufruf der „deutschen Front" nicht mehr der Landesleiter P i r r v. son- dern dessen Stellvertreter N i e t m a n n gezeichnet. Cr sagt, daß„auf einen Schlag eine Reihe von Ortsgruppen. Zellen usw. führerlos werden". Alle in Frage kommenden Per- fönen müßten sofort ihren Nachfolger ernennen. Tic Er- ncnnung' sei für die Mitgliedschaft bindend.„Uns ist es völlig gleich, wer> nun Ortsgruppen- oder Zellenleiter ist. Tie Persdn spielt in der nett geschaffenen Situation aber auch gar.keine Rolle." Aus Rotterdam wird uns geschrieben: Bor einigen Tagen legte das saar- ländische Schiff„Hans Herbst" aus Saarbrücken, Eigentümer Hörs, hier im Hafen an. Das Schiff trug die aus beiliegender Fotografie erkenntliche Wahlreklame:„MerktS euch gut, am 13. Januar mirds wahr, wie treu meine Heimat, die Saar, wie sie war vor l- zeugen ausgerüstet, gerade redst kommen würden, um die Täter nach beendeter„Aktion" abziehen zu sehen und den stillen Spott ihrer Freunde zu genießen. Darum soll hier in letzter Stunde den verantwortliche» Stellen ein Vorsdstag unterbreitet werden, der wohl geeignet sein dürste, die wesentlichen Nadsteile der anderen Lösungen zu vermeiden: Sicherheit zn bieten, ohne die Leidenschatten über Gebühr zu erregen. Wir schlagen vor: Der Völkerbund wolle eine gemischt« Truppe, etwa eine Brigade, aus geschlossenen Einheiten verschiedener und zwar ausschließlich germanischer Staaten bil- den, die schon rechtzeitig vor der Abstimmung im Saar- gebiet selbst Garnison bezöge. Wir denken dabei, daß nad) der Art der europäischen Trlip- pe», die 1387-88 die Ordnung in Kreta ansrechtcrhalten haben, unter der Führung eines vom Völkerbund bestimmte» Generals eine Anzahl englischer, holländischer, schwe- bischer und norwegischer Truppenkörper, alle also aus L.än- der», die mit dem Deutschen Reich in keinerlei grenznach- barlichem Gegensatz stehen, das Taargebiet besetzten. Ein größerer Teil hätte in Saarbrücken Garnison z» beziehen, die anderen in den wichtigsten Orten. Diese Truppen sollten keinen Straßen- oder sonstigen Polizeidienst tun, sondern nur aus Anruwn der Regierungskommission jeden Augenblick zum Schutze der Ordnung zur Verfügung stehen. Irgendwelche künstlidien Gehässigkeiten würden dabei schwerer zu errege» sei» als im Falle französische» Ein- greifens. Andererseits würde den für die deutsche Politik Verantwortlichen der Ernst der Stunde und die Ent- s ch l o s s e n h e i t des g a n z c n im B ö l k c r b ü n d v er- einigten Europa zur Fernhaltung jeder Gewalt deutlich zu Gemütc geführt. Möchte der Völkerbundsrat unserer Anregung Folge geben! ES handelt sich um das sicherste Mittel, Verbrechen schwer ster Art zu verhindern, ohne böswilliger Kriegshetze neue Nahrung zu liefern. ersparen. Wir fordern das Initiativkomitee aus, die Fahne des Friedens in immer neuen Kundgebungen an der Saar zu entfalten. vie»edile der jüdischen Minderheit Rom, 22. Novcipber. Der Hochkommissar für die deutsdieii Flüchtlinge. JämeS M a c d o n a l d, hielt sid) in diesen Tagen in Rom aus. wo er u. a. mit dem Vorsitzenden des TreierauSschußeS, Baron A l o i s i, eine Unterredung hatte. Macdonald hat Baron Aloisi darauf hingewiesen, daß es notwendig sei, die Rechte der jüdischen Minderheit a» der Saar im Falle einer Rück gliederung unter alle» Umständen zu sichern, damit eine neue F l ü ch t l t n g s iv e l l c vermieden w e r d e. Wie wir höre», hat Baron Aloisi Herrn Maedonald seine v o l l st e ll n t e r st ü v n n g zugesagt und die Frage der Sicherung der Rechte der jüdische» Minderheit wird voraus sidstlidi in dem Memorandum, das der Dreier-Ausschuß dem Völkerbund unterbreiten wird, im Sinne der Fvrderpng Macdonalds behandelt. Flüchtlingskommissar Macdonald ist übrigens auch von Unterstaotssekretär im Äußenministcrium Flavia S u v i ch empfangen worden. Arm Saarvöglein Im Zusammenhang mit der Ausputschung des deutschen Volkes wegen der Saarabstimmung haben natürlich auch die Winkclschrjststellcr Hochkonjunktur. Keine Abhandlung über die Saar, keine Saarskizze, kein Saarroman könnte so verlogen und kitschig sein, daß sie nicht etiva von Zei- tnngen»und Zeitschriften gedruckt würde. Besonders die deutsche Proviuzpresse ist reichlich damit gesegnet und nicht wählerisch in dem, was sie ihren geduldigen Lesern vor- setzt. Tic unglaublichste» Entstellungen und Verdrehungen, die grausigsten Erfindungen, stark an die berüdstigten Groschenhcftchen aus der Jugendzeit erinnernd, werden dem ahnungslosen Leser aufgetischt und er nimmt alles für biüce Münze, kein Gedanke könnte Ihm kommen, daß er einem ungeheuerlichen Schwindel zum Opfer fällt und zwar einem Schwindel mit dem ausgesprochenen Zweck, das Volk zu verhetzen und die nationalistischen Leidensdiastcn bis zur Hochglut aufzupeitschen. Ein Musterbeispiel für eine derartige Vergiftung des un wissenden Volkes ist die„Skizze" von Hermann Timm mit dem höchst vcrdäditigen und kitschigen Titel„Arn, Saar- vöglein". Sie findet sid, in der Sonntagsuvterhaltungs beilage einer norddeutschen Provinzzeitung. Thema: Die hartherzige Unterdrückung und Verfolgung eines saarlän- dischen Bergarbeiters dnrch die„Saarkommission" und die Grubenperipaltung. Doch lasten wir rasch den„Dichter" Hermann Timm selber spredien: „Bis zum Jahre 1832 hatte der Bergmann Johannes Rehm mit seiner Ehefrau Dorothea sriedlid, als deutscher Arbeiter in dem Dorf am Lauterbach gewohnt. Das bereits ein Dutzend Jahre andauernde Regiment der Taarkom- Mission hatte an dem Deutschtum des Johannes Rehm nidsts zu ändern vermocht."— Nun kommen zwei Sätze von dem selbstverständlichen Deutscht»»! des Arbeiters und vom „traurigen November 1818". bis dann Timm fortfährt: „Wie konnte man überhaupt nach der Ansicht des Johan- nes Rehm auf die Meinung kommen, die Deutschen an der Saar wären keine Deutschen!" Wen» er die Familienschrift nachschaute,„dann mußte Johannes Rehm trotz des Un- glücks, vom großen Vaterland getrennt zu sein, lachen ob des Bemühens der Taarreaieruna. aus ibm einen Frau .zottn zu machen. Und wie Johannes Rehm. so dachten alle die Deutschen an der Saar."....~ So, so! Herr Schriftsteller Timm ist'wohl nie nn---aargebiet gewesen, sonst wüßte er, daß„alle Deutschen an der Saar lachen ob des Bemühens" des Herrn Timm, der Saar- regiernng eine solche blöde Absicht zu unterschieben. Das glauben selbst die fanatischsten Anhänger der„Deutschen Front" nicht. Run. für die und für die Saarländer überhaupt ist ja die Skizze des„Schriftstellers" Timm nicht geschrieben, nur für die Re!d>sdeutsd,e». Für die ist der Schund des Timm gut genug! „Im Frühjahr 1832 aber sollte Johannes Rehm das Lächeln über das»ach seiner Meinung vergebliche Tun. die Saarländer zu entdeutschen, vergehen. Es war im Februar, als der französische Fahrsteiger ihm die Mitteilung der i^rnbendirektton bradite,»ad, Schicht ani dem Büro vorzü- sprechen. Johannes Rehm>var hödist überrascht, als man ihn dort fragte, in welche Schule er seinen ältesten Sohn, der zum ersten April dieses Jahres schulpflichtig wurde, schicken wollte. In die Schule, die er aud, besucht hätte, antwortete der Bergmann, denn um den Jungen studieren zu laste», dazu habe er kein Geld bei dem knappen Lohn. An diese Fälle erwiderte der französische Büiobeamte. habe die Saarregierung gedacht und die Domanialsdnileu eingerid,- tet, dort lernten die Schüler vom ersten Schultage an zwei Spradau, Französisch und Deutsch. Er sollte sein Kind dort anmelden und nicht in die deutsche Schule, dieser Bauern- und Klippschule.„Nein." antwortete da Johannes Rehm, „Französisch braucht der Junge doch nicht zu lernen: wir kommen hier alle mit der deutschen Sprache aus, und das wird auch i» alle Zukunft so bleiben." Der Grubenbeamte warf dem Bergmann einen zornigen Blick zu und sagte: „Hüten Sie Ihre Zunge, Sie erhalten Ihr Brot von Fran- zosen. In vier Wochen habe ich die Anmeldung Ihres Soh- »es Wilhelm in die Domanialsdnilc oder die Folgen haben Sic sid, im andern Falle selbst zuzuschreiben." „Als er zu Hause das seiner Fran erzählte, weinte diese. „Johannes jetzt haben sie uns in der Gewalt, entweder du schickst den Wilhelm in die sranzösisdic Schule oder du er- hälft bei den nächsten Feierschichten deine Papiere und bist erwerbslos. Was sollen wir machen?"„Nichts," sagte Jo- Hannes Rehm bestimmt.„Ick, kann doch nicht Wilhelm Französisch lernen lassen, damit er nachher ein Ränder- welsch wird..." lKleine Anmerkung für alle deutschen Bttrgereltern:„Nehmt schleunigst eure Kinder aus den Höheren Schulen heraus, denn dort lernen sie Französisch und werden Kauderwelsche!"! Nun der Timm wieder: „Während der- vier Wochen erkundigte sich Johannes Rehm, was es iür Folgen hätte, wenn man als Bergmann einer Grube in französischer' Verwaltung seine Kinder nicht in die französische Schule sdiicke." lWenn er das bis zum Jahre 1832 nicht gewußt hat, dann kann es ja mit dem „fürchterlichen Schulterror der französische» Gritbenver waltnng" nidit so.schlimm gewesen sei». D. Rcd.t'„Und er erfuhr nur Tiestrauriges. Entweder wird man zum Vcr- räter an der deutschen Seele seines Kindes, dann behält man sein Brot— oder man bleibt dentsd, und fliegt als Arbeitsloser von der Grube aus die Straße." „Je näher Ostern>832 rückte, um so schwerer wurde Johannes Rehm die Entscheidung. Manchmal war er nahe daran, zu der Aufforderung des französischen Gruben beamten ja zu sagen und Wilhelm in die Domanialsdiitle zu schicke». Aber blickte ihn Wilhelm so treuherzig mit den blauen Augen an und jagte:„In uns' Sdinl geh ich," dann wurde dem Vater die Entscheidung wieder leidst.". Na, nnd da fand die Fran einen Ausweg und sie schickten den sechsjährigen, treuherzig an seiner Schule hängenden Knaben zu einem Onkel in der Platz.„Sa muß unser Junge seine Heimat nnd Vater und Mutter verlassen, damit er deutsch bleiben tan»." sagte die Mutter zum Abschied und weinte."„Der Sechsjährige hielt sidi tnpier bei dem Ab jdiied."—„Johannes Rehm aber behielt seinen Arbeits- platz."^.'; „Zwei Jahre lebt jetzt Wilhelm, das arme^aarvpglein, fern der Heimat, vertrieben aus ihr. weil er deutsch bleiben wollte. Jeden Tag schaut er»ber den Pfälzer Wald nach Westen zu seiner Heimat. Wann darf ich dorthin zurück? denkt er. Wann wird das Saarland wieder frei?" --„Und mit gleicher Sehnsucht schaut Johannes Rehm über das Pfälzer Bergland»ach Deiicsdiland aus." „Im nächsten Frühjahr wird die kleine Marie schul- pslichtig. Diese in die französische Schule zu schicken, lann er nidtt übers Herz bringen. Das Mädchen gleid, Wilhelm in der Pialz zur Schule zn schicke», wird ihm nicht glücken. Tic französische Grubenvcrwaltnng wird hinter die Absicht low inen nnd ihn entlasten. Darum bete» alle in dem Hause des Johannes Rehm:„Herr, laß uns 1935 wieder bei Deutsch land sein!" Das ist der Sdiluß. Wie gesagt, dieser Kitsch ist nicht für Saarländer bestimmt, sondern für die Leser im„Dritten Reich". Aber es ist doch ganz gut. wenn auch mal Saar- länder so etivas zu lesen bekommen. Und sei es nur, damit man sich ein bißchen sdmmt über den Schwindel, der heute aus dem Rücken der Saarländer verübt wird»yd der nur dazu angetan, die Verhetzung des Volkes und die nationalistische Aufpeitfchung-noch weiter, z»-treiben.---: „Deutsche Freiheit-', Nr. 261 ARBEIT UND WIRTSCHAFT Saarbrücken, 23. November 1934 Der großkapitalistische Kurs Das Reichsw irlsehaftsininisterium teilt mit: Der Reichsw irlschaftsminisler hat in einem Schreiben an dir Eandrsregirriingrn und die beteiligten Stellen der Wirtschaft mitgeteilt, daß die gleichen Gründe, die ihn im vorigen Jahre im Interesse der Arbeitsbeschaffung veranlaßten, sieh für eine ungestörte Abwicklung des Weihnachtsgeschäftes einzusetzen. auch in diesem Jahre vorliegen. Mit Rücksicht auf die wirtschaftliehe Lage Deutschlands, insbesondere im Interesse der Erhaltung und Schaffung von Arbeitsgelegenheit für deutsche Volksgenossen hält der Reichswirt- srhaftsminisier einen völlig reibungslosen Ablauf des Weihnachtsgeschäftes für erforderlich. Er hat daher sein Rundschreiben an die La»desree»»r»ngen vom 16. Dezember 1933 erneuert und genaueste P<-nharbtiing der in dem Rund- sehreihen enthalten Grnn'sätze den in Frage kommenden Stellen zur Pflicht gemacht. Die Landesregierungen haben somit auch in diesem Jahre jeder Störung des Weihnachtsgeschäftes nachdrücklich entgegenzutreten. Et.toll sowohl der unbeeinträchtigte Verkauf rot Weihnachtsgeschenken und Christbaumschmuck als auch eine ungehinderte Werbung in den Formen und in dem Kähmen, wie sie auch für Waren- und Kaufhäuser. Einheitspreis• und EHialeeschäfte sowie für nie h tarische Retriehe für den Weihnarhtsverhniif seit langem ühlirk sind z. R. durch' isseitreärkung der Verkaufsräume. S{hänfenster um, Waren mit Tannenbäumen. Tannengr ii n u n d Lametta— sithergestellt werden. * 3 o r dem„nationalen Aufbruch" hallen die NSDAP Führer den verheizten Mitlelgtändlern die Schließung der Waren- häijser und der Einheitspreisgeschäfte versprochen. Heute ab~r werden die kleinen Eleischliiden. Bäckereien. Kolonial- warengeschäfte»sie, wegen..überhöhter" Preisstellungen geschlossen, während die Warenhauskonzerne durch ein besonderes Rundschreiben ausdrücklich unter den hohen Schutz Schachts genommen werden. Die Unbelehrbaren Auch Norwegen geprellt Der„NZZ." wird aus Oslo gemeldet, daß dort„allgemein Leherraachung" darüber herrscht, daß die Ausfuhr Norwegens nach Deutschland nach Einführung des Verrechnuns- Verfahrens über die Einfuhr von dort liegt. Die Folge davon ist. daß die Zahlung für die von Deutschland gekauften 150 000 Tonnen Walöl längere Zeit, als anfangs erwartet, in Anspruch nehmen wird. 5 Mit»Norwegen ist also genau dasselbe geschehen, wie mit England, Frankreich. Holland und anderen Ländern. Schacht hat das Verrechnungsabkommen auch Norwegen gegenüber dazu ausgenutzt, lim möglichst viel Ware einzuführen, für die er keine Devisen zu zahlen braucht. Und in Norwegen tut mau noch sehr„überrascht--! Verkalktes Europa, Dokumente der HidersWirlschaft Die Pieissteigerung, die Devisenbewirtschaftung und Rohstoffverknappung haben im Hitler-Paradies eine Flut von Rundschreiben der Handelskammern, Parteistellen, Wirt- schaftsvetbänden und einzelnen Firmen nach sich gebracht, in welchen deutlieh die Schwierigkeiten zum Ausdruck kommen, in denen sich gegenwärtig die deutsche Wirtschaft krampfhaft windet. Auch wir erhalten jetzt von unseren Freunden au« Hitler- Deutschland und dem Saargehiet derartige Rundschreiben mit dem Ersuchen, sie z» veröffentlichen. Aus technischen Gründen sind wir begreiflicherweise nicht in der Lage, allen Wünschen unserer Freunde und Leser nachzukommen, aber wir werden selbstverständlich bemüht sein. Dokumente, die typisch für die jetzt im„dritten Reich" herrschende Miß- Wirtschaft sind, zu bringen » Im nachfolgenden bringen wir den Auszug aus einem Schriftwechsel, der zeigt, welche Schwierigkeiten bei manchen Firmen durch die Einfuhrdrosselung entstanden sind und welche Verärgerung diese Maßnahmen bei der Kundschaft hervorgerufen hat. Die deutsche Zweigstelle der weltbekannten italienischen Kuustseidenfahrik Snia Viscosa schreibt: Geteilschaft zum Import der Snia Viscosa Texiiiprodukte m. Ii. II. Frankfurt a. IL. 13. 10. 1934. An die Firma Merian& Co., G. rn. b. II. II ö 11 s t e t n. Wir halten es für unsere Pflicht, Sie auf folgendes aufmerksam zu machen. Die liebet wachungsslelle für Seide, Kunstseide, Kleidung und verwandte Gebiete. Berlin W HS, Schöneberger Ufer 32, teilte uns am 8. Oktober mit. daß für die Einfuhr von Kunstspinnfaser(Sniafiocco) ein Kontingent von 200 000 Kilogramm für Italien vorgesehen sei. Wir hatten vorher entsprechende Gcriehmigungsantriige gestellt, die aber nur zum Teil genehmigt wurden, und zwar im Rahmen des vorerwähnten Kontingentes. Bei diesen Anträgen handelt es sich um Lieferungen, die bis zum 30. 9. 1934 erfolgten: trotzdem werden die Genehmigungen schon von dem Okioberkontingent abgeschrieben, so daß dieses für uns ersihöpft ist. Im Oktober haben wir nun weitere Lieferungen vorgenommen, für die wir nach der bestehenden Lage erst im November Genehmigungen erhalten könnten, hierzu kommen noch die Restmengen aus den Septembersendungen: damit wäre schon jetfl auch das November Dezember-Kontingent erledigt. In der Zwischenzeit haben wir nun mit den Behörden Veihandlangen gepflogen, um diese überraschende Kontingentierungsmaßnahme zu klären und möglichst die Anwendung des Kontingents zu beseitigen, besonders in Anbetracht der unseren Abnehmern in ihrer Fabrikation durch diese Maßnahme erwachsenden großen Schwierigkeiten. Leider sind unsere Bemühungen bis heute erfolglos geblieben, so duß wir gezwungen sind, unseren Kunden das votliegendc Schreiben zukommen zu lassen. Wir bedauern außerordentlich, infolge dieser Maßnahme unsere Lieferungsverpflichtungen nicht einhalten zu können; dies besonders im Hinblick auf die unseren Abnehmern verursachten Schwierigkeiten, zum anderen aber auch im Hinblick auf den unserer Lieferfirma entstehenden Schaden, die sich bereits groß auf den deutschen Bedarf eingestellt hat. Die Liefetungsunterbrechung ist nach Lage der Dinge als ein Fall höherer Gewalt anzusehen. Indem wir Sie bitten, davon überzeugt zu sein, daß von uns aus alles geschieht, um die Schwierigkeiten aus dem Wege zu räumen, verbleiben wir mit deutschem Gruß gez Gesellschaft zum Import der Snia Viscosa Textilprodukle m. b. II. gez. Penasa. Die Firma Merian& Co., die diesen Brief erhallen hat, schreibt ihrerseits an ihren Berliner Kunden, eine bedeutende Textilfirma. folgendes: Merian et Co. Höllstein, den 15. 10. 1934. Im Anschluß an die bedauerlichen Mitteilungen bezüglich der Lieferungen von Webwaren, in welchen Snia-Flocken enthalten sind, überreichen ictr Ihnen heute Abschrift eines Rriefes der Gesellschaft zum Import der Snia Viscosa Textil- produkle rn b. II.. Frankfurt, dessen Inhalt unsere Befürchtungen voll bestätigt. Wir m ii s s e n Sie daher bitten, u n s a u s allen Kontrakten, die auf Snia Spinnfaser lauten, zu entlasten. Wenn uns von der einen oder arideren Seite unserer Kundschaft, wie dies bereits geschehen ist. Vor w ii r f e gemacht werden, daß w i r uns früher mit Snia-Spinnfaser hätten eindecken sollen, so wollen wir diesen Freunden mitteilen, daß wir unsererseits unsere Abschlüsse mit unserer werten Kundschaft in dem Rahmen getätigt haben, wie uns unsererseits der Abschluß mit der Gesellschaft zum Import der Snia Visrosa Textil produkle m.b.H.. Franklin t. auf Rohlaser-Lieferungen vorliegt. Wenn dieser Import heute, wie Sie aus dem beiliegenden Schreiben entnehmen können, gesperrt wird, so trifft uns daran am allerletzten irgendeine Schuld. Mit deutschein Gruß gez. Merian& Co., G. m. b. II. Die Preissteigerungskurve Das Konjunkturinstitut gibt eine Untersuchung über die, Preissteigerung heraus. Es steh fest, daß die Preise ihren Tiefstand im Frühjahr 1933 erreicht haben. Damals setzte die berüchtigte Arbeitsschladit ein. Die Entwicklung der Großhandelspreise zeigt nachstehende Tabelle(1913—100): Mär: 1933 De:. 1933 Juni 1934 Okt. 1934 Geiamtlndex... 90 9 99.? 97,2 101,0 Aerarstofle 9 ,1 93,7 93,7 100.9 Ko onialwarcn 78,> Ii 6 75 ,9 78.4 Industr.ellr Rohstoffe... 87.2 8®,1 90.8 92,1 Industrielle Fert«Rwaren.. 111,4 113 ,9 114.9 117,9 Die Erhöhung der Großhandelspreise beträgt also seit März 1933 gut 11 Prozent. Am stärksten ist die Erhöhung der Agrarpreise(22 Prozent), Die verschuldete Reichsbahn .Hißimeltage" Im ersten Jahre des„dritten Reiches" waren die Einnahmen der Reichshahn auf den niedi igsten Stand seit 192" herabgesunken und der Ueherschuß der Ausgaben über die Einnahmen von 136 auf 206 Millionen gestiegen. Trotzdem konnte die Reichsbahn für das J.ihr 1933 mit einem Reingewinn von 150 Millionen und einer Dividende von 7 Prozent aufwarten. Wie hat che Reichel ahn dieses Wunder fertiggebracht? Die Hitlerregierung hat der Reichsbahn die 1 rmärhtigiing erteilt, eine in den zetin Jahren von 1921 bis 1933 angesammelte Rückstellung für Abschreibungen auf die Betriebsjmlagen in Höhe von fast 300 Millionen Mark rückgängig zu machen und als Gewinn zu buchen. Ohne diese Manipulation ergäbe die Gewinnreehnung der Reichsbahn für 1933 anstatt eines Reingewinnes von 150 Millionen einen Rein Verlust: n mindestens der gleichen H ö Ii e. Der Zweck der Uebiing ist offenbar, die ungeheure Zunahme der Ausgaben zu rechtfertigen, die in krassem Widerspruch zum Rückgang der Einnahmen steht und die ihr ans der Heranziehung zur Arbeitsbeschaffung erwächst In den drei Jahren von 1930—1932 sind für diese Zwecke 326 Millionen ausgegeben worden, in dem einen Jahre 1933—1934 werden es nach„Wirtschaft und Statistik" i31 Millionen sein, also weit mehr als das Doppelte. Selbstverständlich kann die Reichshank diesen ungeheuren Mehraufwand nicht aus ihren Einnahmen bestreiten, weil ja ohnehin ihre Ausgaben größer al« ihre Einnahmen sind. Sie muß also ihre Arbeitsbeschaffung mit S ch u I d e n finanzieren. Die Verschuldung der Reichs- bahn, die Ende 19*19 300 Millionen betragen hatte, i-t bis Eocje 193.3 auf 1 Milliarde angewach«cn und wird sieh, nach der Schätzung von„Wirtschaft und Statistik" Ende 19.3 4 auf 2.6 Milliarden belaufen. In Wir' c'l ist eh"r die Verschuldung der Reichsbahn weil größer als ihre I h«e«lii|aoze,, erkennen lassen. Die Reichsbahn hat n:;, n'i"h einige AS'ad"»trl,~u f"' r ih-e Ar- beitalie«haffungsv'''rn«re«-4 ,eff„., die ihr ,|>c Mög'], h- keit geb-n. einen Teil ihrer Schulden aus der eigenen Bilanz verschwinden*»11 lassen und sie in den Bilanzen von ei"»ns zu diesem Zwecke gegründeten Gesellschaften abzu- I,'"i. y® o»-«->!»- e rt!» fs'rtteresrt 5'ir-or» k« c'»r 9''In T~*.,.1,• 1. rj|» n P'"^ I®, n V. die V e r'*" h r« k r e il i t b a» v\. G, die der Reichsbahn völlig gehört und die nur den Zweck hat. die vorübergehend im Betrieh der Reichsbahn selbst überflüssigen Mittel anzuegne. Sic ist nur der Kasse ii schrank der Reichsbahn; ihre, Schulden sind in Wirklichkeit Schulden der Reichsbahn, ihre Forderungen an die Reichsbahn in Wirklichkeit Forderungen der Reichsbahn an sich selbst. Es ist immer wieder die Reichsbahn, die so nach außen hin als Doppelwesen auftritt. Schon dieser Zustand bietet mancherlei Handhaben der Bilanzverschleierung. Um sie gänzlich undurchsichtig zu machen, hat aber die Verkehrskredithank wiederum eine neue, ihr, also in W irklichkeit der Reichshahn gehörende Gesellschaft gegründet, die den Zweck hat. die Arbeitsbeschaffung der Reithshahn zu „finanzieren" lind die Firma Reic hsba Ii nbe. Schaffung s- G. m. h. H. trägt. Dieses System der Verschachte- lungen gestattet einen hübschen Einblick in die Methoden, di„ das„dritte Reich" anwendet, um seine Arbeitsbeschaffung zu bezahlen. Die Reichsbahn gibt ihre Arbeitshesrhaf- fuiigsaufträge. bezahlt werden sie den Lieferanten von der Arheitshcschaffungs-G. m. h. IL. die der Verkehrskreditbank A G. gehört. Das Geld dazu bekommt sie von der Verkehrs- kredithank selbst. Die Verkchrskreditbank tauscht also in Wirklichkeit von der Reichehank für ihr bares Geld Wechsel der Reichsbalinbe«chaffungs-G. m. 1>. H. ein, verschuldet sich also auf diese Weise an sieh selbst. Die Einlösung dieser ihrer eigenen Wechsel wird ihr von der Reichsbahn garantiert. die sich also auf diese Weise selbst Garantie für die Bezahlung ihrer eigenen 8«holden leistet Das sieht so aus, daß dir Beirlisliahubeschaffnngs.G. m. b IL bei einem eingezahlten Kapital von 2"? Millionen Wechsel»chulden hei der Verkchcwkrc-Iithank von 250 Millionen gemacht hat, also in der hundertfachen Höhe ihres E i- g e n k a p i t a I s. Das ist aber noch nicht alles. Die Verkehrskredithank hat noch eine zweite Gesellschaft gegründet, die Beiehsa ii loh ahnen-Bedarfs G. m. b. IL, die also na«h der gleichen Methode den Bau der Autobahnen „finanziert" wie die Reiihshahnhesrhaffitnes. G. m. b. H. die ich«igen Arbeitsbeschaffung-arbeiten der Reichsbahn. Inzwischen sind in 1'»«'er Ausdehnung des Arbeit-b-s-haffim?«- Programm« auch die A"»»eben dafür mit der sichtbaren auch die unsichtbare Versch'ddung der Reichsbahn gewachsen. Man kann also annehmen, daß sie nicht 2 8. sondern in Wirklichkeit mindestens vier Milliarden beträgt. Da« i« I ein Drittel ihre«Gesamtvermöeens und' s« t d, s rieenettp ihrer gesamte» Tab- re«eino*t.m»n. De Fmanz-er,,—. lt.,, x ar p' b«. bahn sind nicht ilne eigenen, es sind die des„dritten Reiches": die Schulden ni't Schulden zu bezahlen und ein Vermögen vorzutäuschen, das nur au« Schulden besteht. Wir haben bereits in unserer gestrigen Ausgabe über die überhöhten W ollpreise als Folge der Blubopolitik berichtet. Den Bestrebungen, deutsche Wolle zu züchten, sind jedoch Grenzen gesetzt, worüber die Zeitschrift„Krrditreforra" u. a. schreibt: ,,E« sind nun sehr beachtliche Bestrebungen im Gange, die Schafzucht in Deutschland wieder zu erweitern und den Bestund an Schafen zu erhöhen. Die Regierung unterstützt sie durch Darlehen und verfolgt, wie kürzlich auf einem Rauerutag in Halle mitgeteilt worden ist. das Ziel, den deutschen Schafhestand. der Ende 19.32 nur noch 3 4 Millionen Stück betragen hat. im nächsten Jahr um eine Million zu vermehren. Das wird ohne große Schwierigkeiten möglich sein. Wir werden auch vielleicht wieder auf fünf Millionen kommen können wie 1913. Dann aber werdeil Grenzen geboten sein. Denn wir können heute nicht wieder Getreidefelder in Schafweiden z n r ü c k v e r w a n d e 1 n. Vor dem Kriege hielten wir es für unbe-den lieh, den Getreidebau so weit eingeschränkt zu halten, daß wir dauernd auf eine große Brot- korneinfuhr aus«lern Ausland angewiesen blieben. Das geht heute aus mehrfachen Gründen nicht mehr. Einer Steigerung der Schafzucht sind in Deutschland auch sonst feste Grenzen gesetzt. Die Zahl der Schafe muß sich nämlich danach richten, wieviel Hammelfleisch von der Bevölkerung verzehrt wird. Der Deutsche mag nämlich im Gegensatz zum Engländer und zum Sidosteuropäcr im allgemeinen kein Schaffleisch, ist doch i c«sen jährlicher 3 erhranch pro Kopf der Bevölkerung von etwa vier Kilogramm im Jahre 1870 bis heule auf uo dt nicht ein Kilogramm zurückgegangen. Daß England dagegen -.i Millionen Schafe hält und außerdem noch Hunderte vot Dampferladungen gefrorener australischer Hammel verbraucht. hängt mit der Vorliehe der Engländer für Schaf- fleisch. Hammelkoteletten und Irish Stcw zusammen. Eins bedingt das andere, und vom Schaf müssen alle Teile verbraucht werden, soll die Schafzucht rentabel bleiben. Die Zukunft der deutschen Schafzucht und die deutsche Wollversorgung aus eigener Produktion hängt also zum Teil davon ab, ob es möglich sein wird, den Verbrauch von Schaf- eisch wie«.er populär zu machen. Man könnte sogar an d i e Einführung von„H ammeitagen" für Jen f c u t s c h e n Haushalt denken, aber die Erfolge der I rnpagunda für den Verbrauch deutscher Ostteefische, deren irkung im Inlandc bald wieder nachgelassen hat, sind nicht sehr ermutigend! ®!''!DWWW^ ^fWutiec, uatumaisoiiaUstis-ch vecboien^- ®ec vecfotene»Don Codas" BeutschCaitd in ycaßec Zeit Von Fritj Körner Nun ist die große Zeit ui°der ungebrochen. ..Lr var unser, Sdiiller nämlich, wie Goebbels gleich" Mhaltencl deklamiert...Wenn er beute gelebt hätte j Jr durd» vorzeitige Flucht nach Wallhal hat er«ich der »ehren Mission entzogen, als Lrsatj für Hanns Johst der neuen Ersatz-Wirtschaft dienen zu können. Das Staatstheaier in Berlin, ohnehin auf der Suche nach einem vollwertigen nalioiialsozjalistischeu Lüchenbüsser für den vorzeitig j„ de, Verrenkung verschwundenen Johst, weich lockendere Aufgabe konnte er für es gehen, als diesen neuen nationalsozialistischen Schiller herauszubringen, der im liheralisti.chen 19. Jahrhundert«o oft die Herzen höher »(klagen machte, wenn er zum Beispiel den Teil dem knechtischen Fiihrerprinzip des Führer. Geßlers das Hecht des freigeborenen, aufrechten Menschen entgegenstellte. Doch nun. als das Staatstheater sich anschickte, den so nationalsozialistischen Schiller nicht nur zu auektieren, sondern auch aufzuführen Es ist ein wahres Unglück mit dem Staatstheater; Göring, der sich« unterstellte, wieds noch zum Uuglückstaatstheater ernennen müssen. Schiller, der nicht nur so nebenhin, sondern wahrhaft weltanschaulich sein„in tyrannos" in die Welt schrie, lallt sich offenbar doch nicht so ohne weiteres auf Thyrannen gleichschalten. Für Blubo hat er eben zu viel Blut, zu viel Bebclleiiblut. Vor allem aber hat Schiller den Fehler, zu viel Zitate gedichtet zu haben. Sehr volksverbiindene Zitate, die sogar auch beute noch so bekannt sind, daß Goebbels sie nicht mal wegstreichen lassen kann. Wurde also in Hamburg als Auftakt zur 175jährigen Schiller- Ehrung ,.D o n Carlos" aufgeführt. AI« das..weltanschaulich so peinliche Pos. Wort kam:.Lire, geben Sic Gedankenfrei Ii ei t." da brach ein Jubel los. ein loben und Beifallsklatschen ohne F iele. Der Vorhang mußte runlergelassen werden, aber da« Publikum tobte weiter vor Begeisterung. Am nächsten Tag war..Don Carlos" abgesetzt. Und in Berlin, wo das Staatstheater den..Don Carlos" für den W interspielplan vorgesehen hatte und die Schauspieler für die Hauptrollen seit langem schon verpflichtet waren, wurden sofort die Proben abgesetzt. Die Aufführung des Oed ankenfrei heit«tücks war verboten worden. Statt dessen gibt man zum 175. Schiller-Geburtstag das weniger blutvolle als reichlich abgestandene Glas Wasser von S c r i b e. Seribe. Eugene. dessen Er- nejinung zum nationalsozialistischen Nationaldichter einstweilen noch ausstellt. Mit dem größten Interesse lese ich jeden Monat den ,.S e h r i f t s t e I 1 e r", die Zeitschrift des..Reich«- Verbandes Deutscher Schriftstelle r". Selbst- verständlich. Offizielles Organ des„wertbeständigen" Dicht- tums eines, wie der„Schriftsteller" selbst sagt,„der geistig begabtesten Völker, wie es das deutsche anerkanntermaßen ist". Schon das Deutsch, daß diese nunmehr geistige Elite schreibt, das Stilblütendeufsrh:..Engelsmann ruft dazu auf, überall dort, wo Gutes und Nützliches erkannt wird, für dessen Veröffentlichung und Verbreitung einzutreten.... Darum sei auch die Verantwortung des Schriftstellers für die Seele de« deutschen Volkes eine bedeutsame.... Die Behandlung der Aufgabe war eine vielgestaltige und erntete lebhaften Beifall." Und so. Tertia. Erinnert wenigstens stark an den Tertianer-Aufsatt über Uhlands..Herzog Ernst von Schwaben":..So ist Gisela eine echt deutsche Frau, geziert mit allen Tugenden einer solchen." Immerhin kann man au« dein..Schriftsteller" lernen, daß Artikel, die die Gleichförmigkeit der deutschen Presse zu brechen bestimmt sind, nicht von besonderer Aktualität, sondern von besonderer..T a g f ä I I i g k e i t" sein müssen. Audi ist zu ersehen, daß man sich den Kopf zerbricht, ob es fortan anstatt Guano Industrie verdeutscht lieber..V»gel- abfallwerktäligkeit" und statt Chemiker -•Scheide- und F ii g e k ii n s t I e r" heißen soll. Also Werden wir uns wohl angewöhnen müssen, statt Cheni'c- Trust Scheide-Trust zu schreiben. Aber was zum leufel wird aus Chemie-Student, Chemie-Forschung, chemischer V er- hindiing und was mag Spindler mit seiner chemischen Reinigung anfangen?! Die Fach»diaftsahende des deutschen Schrifttums sind— selbstverständlich— Pflicht- und Z w a n g» a b e u d e. Der einstmals frei deutsche Sdiriltstcller, von der Goethe- und Sdiiiier-Zeit her noch in der liberalistisdien Auffassung aufgewachsen, seine Abende zu verbringen, wies ihm paßt "nd notfalls sich seinen Quatsch alleilte zu machen, läßt diesem Zwang gegenüber bedauerliche Anzeichen von Drüekebergeiei erkennen. So sehr,(laß der..Fi hre r der Reith-fach-ehalt FunkschriftsleBer" sich vor einiger Zeit genötigt sah. mal Fraktur zu reden mit„gewissen zart besaiteten Herrschaften", wie er, al« zum Bildung«feldwebe! berufen, sich ausdrückt.„Diese unschuldigen Lämmer, Äec qieich^eschattete WeiMuiid Im„Einvernehmen" mit Goebbels Adjutanten Der Präsident der Reiehskammer der bildenden Kunst- K'hl bekannt: Im Zuge des ständischen Aufbaue« ist der Deutsche Werkhuud in die Reiehskammer der bildenden Künste eingegliedert worden. Der V orsifcende des Deutschen Werkbundes beruft im Einvernehmen mit dem Bräsidetitrn der Reiehskammer der bildenden Künste die Mitglieder eines Verwaitungsbrirates. Der Deutsche werk- bund verfolgt die kulturpolitischen Ziele der Rech kämme c "'er bildenden Künste im Einvernehmen und mit Zustimmung de» Präsidenten der Kammer. Der Präsident der Reiehskammer der bildenden Künste bat den Vorsitzenden des Bundes Deutscher Architekten e. V.. Piofessor G. Chr. Lörcher, znrn Vorsitzenden des Deut«h»„ Werk beendest ernannt. Diese Bekanntmachung besiegelt das Ende einer kullere« künstlerischen Institution, die sich seit Jahrzehnten um die Erwerbung des schöpferische Formgedankens verdient gemacht haMc. Der Wcrkbuud hat ein besseres Schicksal verkanzelt er die driickebergcrisdien SchreibrekiIlten ab, mit allen möglichen faulen Ausreden kamen sie au, um von dem Reichsverbandsschrifttum nichts hören und seheu zu müssen. Einige ganz gerissene— ich hoffe damit kein Berufsgeheimnis preiszugeben— haben übrigens einen großartigen Trick gefunden, sich diesem Zwangsgeistesleben zu entziehen. ohne der Bestrafung zu verfallen. Fernbleiben wird nämlich uiuiachsichtlich bestraft. Mit zwei Mark Geldstrale, im Wiederholungsfälle mit Entzug der Mitgliedschaft, will sagen mit der Unterbindung der weiteren Berufsausübung. Diese noch..unschuldigeren Lämmer" gellen nämlich hin in die Versammlung, tragen sich ein in die Anwesenheitsliste und müssen dann plötzlich mal ein gewisses Oertchen aufsuchen. Audi ein Schriftsteller kann ja mal müssen, sogar im..(bitten Reich" hat man das noch nicht unterbinden können. Aber was tun diese Burschen?! Statt ihr Geschäft zu verrichten und pflichtgemäß wieder auf ihrem Ver- «ammlungsplatz zu erscheinen.— verduften sie still und leise. Abwebrkanipf des deutschen Gei le«. * Laut Mitteilung der Reidissdirifttuniskammer ist einem Fräulein Heloise von Beaulieu die Zugehörigkeit zur Kammer verweigert worden, da ihre schriftstellerische Tätigkeit„als geringfügig im Sinne des § 9" zu betrachten sei. Geringfügig, du beber Himmel: wenn« danach ginge, dann müßte doch neun Zehntel der Blubo Dichterei wegen hochgradiger Geringfügigkeit die weitere schriftstellerische Betätigung kategorisch untersagt sein. Mit Hanns Heinz Everi, dem Horst-W e««eI-„Dir' ter", scheint man bereits den Anfang gemacht zu haben. W le au« der Oktober-Nummer des„Schriftsteller" hervorgeht, ist sein gew iß Schiindbiich„F u a d v o g e 1" verboten wurden. * Einer, der offenbar im Reichsverband Deutscher Schriftsteller nicht die ideale Vertretung des deutsehen Geistes zu erblicken vermag, als die sie der Schirmherr Goebbels doch angekündigt hat, schreibt:„Der Schriftsteller braucht nicht« als ein wertloses Stück Papier, um„arbeiten" zu können. Er hat gar kein Betrieb-kapital nötig. Eine so billige Betäti- gungsmöglichkeit lockt natürlich an. Man nimmt ein Stück weißes Papier, das nichts kostet, und schlägt auf selbiges den ganzen vor- Ii a n il c n e ii Seelenschleim nieder..." Ich nehme an. daß damit die im Reichsverband zur Zeit so überaus reichlich vertretenen Figuren ä la Evers gemeint sind. Erhält so einer zu dem in gewiß ausreichendem Maße vor- bandenpii Seelenschleim noch vom Führer selbst die angeblichen Dokumente zur angeblichen Horst-Wessel-Legende, so ist er ein gemachter Mann. „Der Sinn unserer Gemeinschaft ist nicht in erster Linie der Schutz des Autor s", sondern so etwas Ständebalarigisches, versichert der Mann Der Schutz des Autors, das sei(was sogar stimmt) der Sinn des früheren Schcittverbandes deutscher Schriftsteller gewesen. Dementsprechend bat man. wie ans derselben Oktober-Nummer hervorgeht, auch gleich begonnen, dem deutschen Schriftsteller das bißchen Schutz zu entziehen, das ihm in der Zeit des„S y s t e m s" sein V e r b a n d Ii o I. Die w ichtigste Sozialen iingenschaft des Sdiutzverbands und des Verbands deutscher Erzähler war ein Schiedsgericht s a b k o m tn e ii mit den Verlegern. Ich habe öfters die Ehre gehallt, als Benutzer in diesem Schiedsgericht zii sitzen. Es handelte sich fa«t immer darum, daß ein gesell äft sun gewandter Schnlt-Ieller von einem geschäfts- gewandten Verleger um die paar Kröten gebracht werden sollte, auf die er Anspruch zu haben glaubte. Statt einen rndlo«en Kampf vor dem ordentlichen Gericht zu führen, zu dem dem wirtschaftlich schwächeren Schriftsteller meist auch das Geld gefehlt hätte, entschied schnell, schmerzlos cincl billigst eine„ständische" Kaminer unter dein Vorsitz eines Reichsgerichtsrais. Wenn etwas dem deutschen Schriftsteller das Bewußtsein geben konnte, nicht vollkommen recht- und schutzlos dem Unternehmer ausgeliefert zu sein, so war es diese Schiedsgerichtsvereinbarung. I n- liötig zu sagen, daß die Rechtsprechung des„Systems" diese, ich sage nochmals„ständische", Schiedsgerichtsbarkeit in jeder Weise gefördert. Der Reichaverband deutscher Schriftsteller bat jetzt diesen Schiedsvertrag gekündigt. Selbstverständlich, wenn alle anderen Arbeitnehmer ihre gewerkschaftlichen Errungenschaften eingebüßt haben und entrechtet worden sind, welche Zurücksetzung der kapitalistischen Unter- nehmerpersönlichkeit des Verlegers wäre es, wenn man ihn in der Ausbeutung des deutsche,, Schriftstellers behindern wo'lte. Der Sinn de« Reichsverband» Deutscher Schriftsteller ist— talsächlich— nicht der Schutz des Autors! Paul Westheim dient. Jetzt marschiert er in eine Linie mit der Sterilität einer„Rrichskumnier". die anße,ball, des brannc,, Idee- reiches keine schöpferischen Anlegungen und Leistungen mehr kennt. Sein„Führer" gilt unter allen Wissendnc als riii Manu ohne Gedanken und ohne wegweisende Leistung. Der Leser wird behaupten, das, was hier folgt, sei wieder einmal eine der schmutzigen Greuellügen, die. wir stündlich erfinden, oder aber es sei eine witzige Satire, erfunden von einem guten Satiriker. Der Leser bat Unrecht, wenn es das glaubt. Wir versichern eidesstattlich daß wir den nachfolgenden„Erlaß" der„Frankfurter Zeitung", Nr 261. entnommen haben, nichts wegließen und nichts hinzusetzten. 41t und gut Via» ist das Radio? Klumpfüßchens Wundeihorn.— Lügen haben nur noch ein kurzes B in. Wer i*l der beste Installateu»? Hitler, er hat Deutschland glänzend isoliert. Warum müssen wir alle„Heil Hitler" grüßen? Weil es keinen Guten Tag mehr gibt! uisrne so Die Hausfrauen brauchen nicht mehr zu kochen Weil es nichts mein zu essen gibt. Je fit tra/ten icir keinen teeischen Tand mehr Fort mit Albions teurem Garn, Schafft schnell einen guten deutschen Ersat) her. Gewonnen aus seihstetzeugtem Hain. Dem Kaueher trinkt wieder der Tabak der feine. Aus deutschet Matiatfe gemacht Und deutscher Kaffeeisatj. der reine, Wird wieder zu Ehren gebraibt. Tonseife, die gute, kommt wieder, Und hat unsre Herzen erweicht. Sie schäumt nicht, doch wir schäumen über Vor Freude, daU es erreicht. Van kann nun auch endlich enlbeliien Das teure Kreppapier, Denn die gleicfigesihaltetrn Blätter Sind am besten geeignet dafüt. Ilm cht auf. an dri Saar drum. Freundr. Horcht auf, denn es ist soweit. Unser Held, unser Heros Hitler. Fr brachte..die große Zeit". Jaachün Jliti^etnaU f Lr nannte sich auch KutteLDaddeblu und hieß eigentlich Böttcher. Seine Wiege stand, vor 51 Jahren, unweit der großen Seestadt Leipzig. Wer ihn auf dem Podium borte, der vernahm noch zwischen den wildesten und zartesten A ersen den leichten sächsischen Beihauch. Ein schon versunkenes Deutschland steht an seiner Bahre. In Rii>-->lnatzens Prosa und in seinen Gedichten wohnten neben den Idyllen die zarten und die galligen Ironien, die heute Kulturholschewisnius genannt werden. Er hatte den Sinn vor dem hintergründigen Humor der Sprache. Er brachte seinem Pegasus die erstaunlichsten antibürgerlichen Kapriolen bei.„Wenn du meinst, der Mond stellt stille— das scheint nur so." Es schien auch nur so, daß er etwas von einem Revolutionäre an sich hätte, so gern er dem Pfahlbürger die Faust vor den Bauch stieß. Er war ein gänzlich unpolitischer Mensch, wie das vor einigen Jahren erschienene Buch über seine Matrosenerlebnisse während des Krieges am deutlichsten bewies. Der unbürgerliche Ringel naz war ein Gast im Schattrnlande des Bürgertums, das er schadenfroh zugleich haßte und liebte. Mau hat ihm übel genommen, daß er sich gleichgeschaltet liabe. Zu unrecht. Dieser Vorwurf kann nur diejenigen treffen. die einmal eine Gesinnung besaßen oder so taten, als ob sie eine hätten. Mit Ringelnatz war es schon zu Ende, als das humorlose Hitlerreich antrat. Nun haben ihn seine Freunde in aller Stille eingeäschert. Nach seinem Wunsche durfte sein Tod erst nachher bekannt gegeben werden. Von ihm bleiben ein paar pochende Verse, eine Anzahl fantastischer und naiver Bilder. Vor allem aber die Erinnerung an eine kuriose Erscheinung mitten im Nornialinenscheutum. An dieses verwitterte Gesicht mit der Hakennase, mit dem blonden Schopf über der Stirn, mit der Routeille im Arm auf den schwankenden Brettern des Kabaretts. * Aus der Reibe seiner Schriften nennen wir:„Ruttel" Daddeldu", Turngedichte",„ Allerdings", Flugzeugge.lank> n", „Als Mariner iin Krieg". Sein einziges Drama:. Die Flasche". Jch weiß etwas... Einem Briefe an.« Chemnitz entnehmen wir folgendes: ..... Und nun will ich noch eine kleine, aber sicher bezeichnende Begebenheit erzählen. Von der Rohstoffknapp- heit darf ja bekanntlich in Deutschland nicht gesprochen werden, viele Händler und auch Privatpersonen, die zu sogenannten„Angstkäufen" aufgefordert haben sollen, sitzen schon hinter Gittern. Dennoch weiß jeder, was los ist, und die Stimmung in den Familien überträgt sich natürlich auch auf die Schulkinder. Dieser Tage nun kam meine kleine Nichte aus der Schuf heim und brachte einen Spottvers mit, den ich längst vet gessen glaubte, eineil Vers, den wir uns selbst als kleine Knirpse während de» Kriege» zuriefen, als wir in Ersatz» kleidern. mit klappernden Holzpantinen. Kolilrübemnarnie- lade auf dem schwarzen, klebrigen Krieg brol zur Schule kamen. Der Vers heißt: „Ich weiß etwas von Dir. Dein Hemd ist aus Papier." Mit den Ersatzhc Inden ist er wieder ins s Ii l'.'mmsr eingezogen. Die Kinder in Deutschland„wissen etwas", daß die Erwachsenen nicht wissen dürfen, wenn sie uicht ins Gefängnis wandern wollen. JCant mit 9Ca&enkceu1 ck 6 ist cnvlgt, weil von kirchlicher Seite Bedenken dagegen erhoben wurden, daß ein Mann, der nicht kirchlich get r ii ii t ist, im neuen Oesterreich eine hervorragende politische Rolle spielen solle. Nopackhs erste Ehe wurde vor Fahren geschieden und Nonackh ging dann ohne den kirchlichen Segen eine zweite Ehe ein. Er wurde im Wiener Rathaus bürgerlich getraut, genau wie HO»MM» andre Paare aus Wien und aus der Umgebung. Der oberste öster/eichische Gerichtshof entschied nun in einem ersten Fall, daß alle diese Heiraten illegal sein. Allerdings machten sich die HO 000 Paar mit wenigen Ausnahmen»ich, viel daraus. Seit dem Februar 1084 aber bekam die Sache ein ernst- haiteres Aussehen. Beamte und Angestellte von Behörden »nb öffentlichen Unternehmungen wurde vor die Wahl ge stellt, entweder ihre Stellungen zu verlieren oder aber ihre „Konkubinen" zu verlassen. Fn einem Fall wurde ein Lehrer, der eine Zivilehe eingegangen hatte, gezwungen, zu seiner ersten Frau zurückzukehren. Gegen Nouackh als Direktor der Bundesbahnen ivnrde nicht vorgegangen, aber durch feine Ernennung zum Präsidenten des Ttaatrats. eine der wichtigsten legislativen Körperschaften des Landes, ivnrde die Oefsentlichkeit auch am„i einen Fall" aus- nicrksai», und dies dürste wohl das Ende seiner politischen Karriere bedeuten. Valer und Sohn Eine arisch-nichtarische Tragigroteske Die neue Rechtsanwaltsordnung im Deutschland ver- bietet es einem arischen Rechtsanwalt, sich mit einein nicht- arischen zu einer Gesellschaft zusammenzuschließen. Die Reichskammer für Advokaten hat jetzt in einein Urteil ent« schieden, daß eine Gesellschaft, die aus Vater und Sohn be- stand, ausgelöst werden müsse. Es ergab sich nämlich bei groteske Tatbestand, daß der Vater, ein angesehener Justiz« rat. eine jüdische Großmutter hat, also„Nichtarier" ist, während der einer späteren Generation angehörende Sohn bereits als„Arier" gilt. II Internationale und Einheitsfront Freiheit de» Handelns iür fede Schiion der Internationale Vom 13. bis 16. November tagte im Maison de la Mutualite in Paris die Exekutive der Sozialistischen Arbeiter-Internationale. Es waren anwesend: S. S a s s o u n i(Armenien), L. de B r o u ck ö r e, E. Vandervelde(Belgien),?l. Andersen(Dänemark). S. Crummenerl, O. Wels(Teutschland), Leon Blum, A. B r a e, I. Longuet(Frankreich). C. Gvardjaladze(Georgien), I. C o in p t o n, W. G i l- lies(Großbritannien). I. W. Albardn, F. M. Wi- da u t(Holland), G. E. Modigliani, P. N enni (Italien), drei österreichische Telegierte. M. Iar- b l u m(Palästina). H. Liebermann(Polen. PPS-), H. Erl ich(Polen„Bund"), Th- Tan(Rußland. ST.). V. Soukhomline(Rußland, SR). H. A k e r b e r g, R. Lindstroem(Schweden), R.Grimm(Schweiz). A. P r i c i o. I. A. del P a i) o(Spanien), C. H e l I e r(Tschechoslowakei. Teutsche), F. S o u k u p, L. W i n t e r(Tschecho- slowokei, Tschechen), E. B u ch i n g e r(Ungarn), A. P e l s (Internationales Frauenkomitee). K. P o r r i n k(Jugend- Internationale). I. Bau Roosbroeck(Kassierer der TAI.). F.Adler(Sekretär der SAI.). Den Hauptgegenstand der Beratungen bildete die inter- nationale politische Loge. Ein Teil dieser Beratungen wurde gemeinsam mit dem Vorstand des Internationalen Gewerkschaftsbundes durchgeführt. So wurde in gemein- sanier Beratung zu den Problemen der Saarabstimmung Stellung genommen. An diesen Beratungen nahmen Max Braun und D o b i s ch aus dem Saargebiet als Gäste teil. Räch dem Bericht des ersteren referierte Comp ton(Großbritannien) namens der von der SAI. zum Studium ins Saargebiet entsandten Kommission. Ter Vorsitzende Vandervelde referierte über die Unterredung, die er und Adler in Brüssel mit den beiden Vertretern der Kommunistischen Internationale, Cochin und Thorez. in der Frage einer gemeinsamen Aktion zur Unterstützung der spanischen Revolution hatten. Nach- dem Leon Blum die Entwicklung der gemeinsamen Aktion in Frankreich dargelegt hatte, fand eine eingehende Debatte statt, in der IN Redner die Probleme in ihren Ländern und das Problem, wie es sich für die SAI. als solche stellt, darlegten. Mit allen Stimmen gegen die des Vertreters Georgiens. Gvardjaladze, wurde beschlossen, folgenden Brief an die beiden Delegierten der Kommu- nistischcn Internationale zu richten: Paris, 17. November 1931. Genossen Marler ßacfiin und Maurice Thorez Paris(2e) 138, Nue Montmartre Genossen! _v.<» der Besprechung, die Tic mit den Unterzeichnete» am lö. Oktober in Brüssel hatten, haben wir Ihnen mitgeteilt, daß wir unserer Exekutive im November über Ihre Bor- schlage Bericht erstatten werden. Unsere Exekutive hat sich im Rahmen einer viertägigen Tehgtte über die Lage der internationalen Arbeiterbewegung auch mit der Brüsseler Zusammenkunft beschäftigt und uns beauftragt, Ihnen folgende Mitteilung zu machen: 1. Tie Solidaritätsaktion für das spanische Proletariat ivurde, wie Tie wissen, von unserer Inter- nationale bereits eingeleitet, bevor Ihr Vorschlag, eine solche Aktion gemeinsam mit der Kommunistischen Internationale durchzuführen, uns erreichte. Wir haben inzwischen sehr ausführliche Mitteilungen über die Lage in Spanien einge- holt, und unser Genosse Vincent Anriol, der von uns zur Feststellung der Lage nach Tpanicn entsendet wurde, hat unserer Exekutive einen austcrordentlich wichtigen und in- strnktiven Bericht erstattet, der in kurzem der Oessentlichkeit zugänglich gemacht werden wird. Wir haben in einer gc- meinsamen Sitzung mit dem Vorstand des Internationalen Gewerkschaftsbundes eine Darstellung der Lage in Spanien durch unsere» spanischen Genossen Prieto und'Tel Vano gc- l 1" 0 onf Grund dieser Informationen die Hilfsaktion la 1^' c Öcr spanischen Konterrevolution, die erst im Beginn ist, nild vor allem für die dauernd von einer zynischen Rachesnftiz bedrohten Gefangenen, die nach Tausenden zahlen, und zu denen unser Exekutivinitglied Eaballcro in erster Linie gehört, organisiert. ,T>e Temonstratloncn der Sympathie für das spanische Proletariat und des Proteils gegen seine Henker, wurden, je nach der Lage der Arbeiterbewegung in den einzelnen Ländern, in verschieden F v r m e n o r g a n i s i e r t. Tie fanden in Frankreich in gemeinsamen Kundgebungen der Sozialisten und Kommunisten statt, während in Belgien, wo eine nennenswerte kommunistische Partei nicht existiert, die greine Rundgebnitg für Spanien, in der der unterzeichnete Vorsitzende der sprach, 1101t der belgischen Arbeiter- parte, allein organisiert wurde, die wenige Tage später auf ihrem Kvngrest Gelegenheit nahm, eindrucksvoll gegen die Vollstreckung von Todesurteilen in Spanien zu demon- fixieren. -• haben in der Brüsseler Besprechung erklärt, daß Sic S' n. Mandat hätten, über andere Fragen der gemeinsamen Aktion der Arbeiterklasse mit uns zu sprechen, als einzig die Frage der Solidaritätsaktion für Spanien. Andererseits hat die Exekutive der SAI. in ihrer Rcso- Int,cm vom IS. und 19. März 1933 an die Vorschläge an die Komintern hinsichtlich der Schaltung eines Ab- k o m m e n s für die gemeinsame V c r t e i d i g>» n g Fegen den Faschismus erinnert und ihren c£ i t j o n e n e m p s o h l e n k c i n S o n d e r a b k o m m e n 5->^ 6,'! schließen, solange die Komintern nicht aus diese Borfchläge geantwortet haben. -seither sind jedoch neue Ereignisse eingetreten, insbc- sondere in Oesterreich, die verschiedene Sektionen der TAI. veraiilaiil haben,'aus eigenem Antriebe Einlicitssrontab- kommen abzuschließen, die der Verschiedenheit der Lage in den einzelnen Land e r n R c ch n n n g tragen. Während in Frankreich und anderen Ländern die Einhcits- front verwirklicht wurde, sind in Großbritannien, Holland, in den skandinavischen Ländern, in der Tschechoslowakei und in anderen Ländern kommunistische Vorschläge aus Einheits- srontabkommen aus Gründen, die unsere angeschlossenen Parteien gegeben haben und die Sie kennen, abgelehnt worden. linier diesen Umständen hat die in der Resolution vom 18. und 19. März enthaltene Empfehlung ihre BereAigung verloren und jede unserer Sektionen ist aus diesem Gebiet frei, in voller Selbständigkeit z« handeln. Mit sozialistischen Grüßen Emile Vandervelde, Friedrich Adler, Präsident. Sekretär. #~ Leon Blum gab nach der Abstimmung im Namen der französischen und einer Anzahl weiterer Delegierter folgende Erklärung ab: Tic unterzeichneten Mitglieder der Exekutive der TAI. er- klären als ihre llcberzcugung^ daß unter den gegenwärtigen Umständen, angesichts des Anwachsens des Faschismus und der Verschärfung der Kriegsgefahren in Europa, im Hinblick aus die in den Reihen der Arbeiterklasse spontan entstandenen Bestrebungen nach der Einheil der Aktion, die TAI. die Pflicht gehabt hätte, ihren Borschlag vom Februar 1933 mit Nachdruck zu wiederholen und die Kommunistische Inter- nationale zu tragen, ob sie bereit ist, i» voller Glcichberechti- gung aller angeschlossenen Parteien die Voraussetzungen einer gemeinsamen Aktion im internationalen Maßstob zu prüfen: einer Aktionsgemeinschast gegen den Krieg, für die Verteidigung der demokratischen Freiheiten in den Ländern, wo sie bestehen und für den revolutionären Kampf in de» Ländern, wo der Faschismus sie vernichtet hat. f Tie Unterzeichneten stellen immerhin mit Befriedigung fest, daß die Exekutive allen angeschlossenen Parteien die Freiheit zuerkannt hat, den Kampf gegen den Faschismus und de» Krieg entsprechend den Bedingungen jede» einzelnen Landes zu organisieren. Sie wünschen dringend und vcr- trauen daraus, daß die Ergebnisse der gemeinsamen Aktion in jenen Ländern, in denen sie bereits im Gange ist, die TAI. binnen kurzem dazu veranlassen wird, die Einheit zu ver- wirklichen, zu der das Wcltprolctariat durch die Gefahren der gegenwärtigen Lage und durch die Interessen seines inter- nationalen Kampfes gebieterisch gedrängt wird. gez.; Blum, Bracke, Longuet(Frankreich). Tel Vano(Spaniens. Grimm(Schweiz), Nennt Modigliani(Italien). Erlich(Polen „Bund"», Tan(Rußland, ST.), drei Tele- gierte(Oesterreich). Zu verkaufen Vollständige Einrichtungeiner Strumpffabrik Fabrique de Bonneterie mit Bureaus Sehr massige Miete mit schöner Wohnung Sich schriftlich wenden an die Ge. schäftsstelle dieses Blattes unt. Nr. 1222 Das Fürstentum Llechlenslein tatet Urnen: freie Einreise und Niederlassung, günstige Steuern, für Industrien Entgegenkommen, schönes Baugelände, Villen und Wohnungen, gesundes Klima(Schweizer Frankenwährung, Schweizer Wirtschaftsgebiet) UltEMEIIIE MlIIM-M!EIll!EMi!MEI, VADUZ Das Kabinett Theunis Brüssel,.'I. Nov. Tos Kabiett Theunis ist in folgender Zusammensetzung vom König genehmigt ivorden: Ministerpräsident ohne Portefeuille: Theunis lkath.): Minister ohne Portefeuille: Francaui(liberal!: Außen- minister? Hymans(liberal): Landesverteidigungswini- stcr Tevezc(liberal); Justiz min ist er Bovesse(liberal): Innenminister: Pierlot ifath.l: Unterrichtsminister: H i r n a u x(liberal): Finanzminister G u t t(liberalI: Minister für öffentliche Arbeiten, Landmirtichast und Nüttel- stand: van Eauwelacrt lkath.): Arbeitsminister: Rub- baß lkath.): Wirtschastsminister: van I sacke r lkath.>: Verkehrs- und Postminister:' du Bus de War nasse kalh.): Kolonialminister: Charles lkath) Der Halienisdie Göring London, 22. November. „Sund a y R c f e r e e" erörtert die Frage, ob Mussolini durch den Marschall Balbo erfetzt werden wird. Mussolini habe den ehemaligen italienischen Lnttfahrtminister nach feinem berühmten Flua mit dem italienischen Geschwader über den atlantischen Ozean in die Verbannung geschickt, weil er dessen wachsende Popularität fürchte. Vor einigen Wochen nun sei unter Führung Balbos eine italienische Ex- pediiion nach Abesssnien vorbereitet ivorden. ohne daß Frank- reich und England»ich dem widersetzten. Balbo habe sich aus diese Weise an die Spitze der italienischen Imperialisten ge- stellt. Er werde von de» Industriellen und Kapitalisten seines Landes»nterstükt. die in einer kolonialen Ausdehnung einen Ausweg ans der ernsten italienischen Wirtschaftskrise sähen. Mussolinis Stern sei iniolac«einer diplomatischen Nieder- lagen und seiner llnsäbigkeii. die wirtk-stattliche Laae icincS Landes zn bessern» im Erblassen. Er babe alle seine Trümpfe aui dem Balkan, in der Türkei, in Arabien und in Japan verspielt. Ten größten Tto«- aber babe die Mussolinjiche Politik durch das franzö»"lich-r»t>"'che Bündnis erhalten, dem Italien als Gegengewicht nur kein Abkommen mit Oesterreich und Un- garn entgegenzustellen wußte. Jetzt bedrohe Balbo mit seinem Imperialismus direkt die persönliche Stellung des Tucc. Tie äihiovi«cke Expedition sei teuer und Italien brauche eine Anleihe. Bor einigen Monate habe Mussolini mit Hille der Bank von Frankreich den Kurs des Lire halten können, nochmals werde Frankreich nur Helten, wenn Italien von seiner Forderung auf Schifssglcichhcit im Mitlclmeex abgehe. Paris Deutscher Klub Paris Am morgigen Samstag, dem 24. November, um 21 l hr ist im Deutschen Klub ein geselliges Beisammensein mit Tanz- Im Zeitungssaal: Zeitungsirktüre— Schachspiele. Damen und Herren sind als Gäste sehr gerne willkommen. Es wird um 5 Frauken zur Deckung der Unkosten gebeten(Stellungslose 3 Franken). Die Adresse des Deutschen Klubs lautet: Salons le Peristylc 31 bis- Rue\ ivienne, Paris 2 (Metro Bourse). Der 1925 gegründete Deutsche Klub ist der Treffpunkt aller Nicht gleichgeschalteten. BttlEFKASTSM L., Saarflcmünb. Tiefes unangenehme Vorgehen ist uns schon be- kennt geworben. Wir werden einen Aussatz über die ganze Frage veröffentlichen. Nachrichten von Mailenoerhaslungen von Sozial- demokralen erreichen uns aus ganz Teutschland. Wenn wir das meiste davon nicht bringen, so Hai das gule Gründe. R. B.. Gens. Man sollte die Bescheidenheit auch«ich, übertreibe». Ter weise Busch Halle nicht so Unrecht, als er in der„Kritik des Herzens schrieb: Früher, da ich unerfahren, Und bescheidener als heule, Hatte» meine höchste Achtung Andre Leute. Später traf ich auf der Weide Außer mir noch mehre Kälber, Und nun schätz ich, sozusagen, Erst mich selber. R. Lüttich. Mit herzlichen Grüßen und'Wünschen für unseren Komps übersenden Sie uns die Ausgabe des Brüiseler„Toir" vom Id. November mit dem Bildnis eines Herrn Joses Auer, der ein Jugendfreund Adolf Hitlers ist. Er übt heute noch den anständigen Berus eines Dekorationsmalers aus, in dem er einst gemeiniam mit vitler debütiert hat. Auer erklärte, um nichts in der Welt möchte er seine bescheidene Lage mit der von Hitler vertauschen. llebrigenS fügte er hinzu:„Hitler wird nicht lange leben." Tr. K., London. Sie schreiben uns Wickham Steed habe in einer Kundgebung der Liga sür Völkerverständigung erklärt,„er babe aus sicherer Quelle die Nachricht erhalten, daß General Göring die Führer der SS. kürzlich in Berlin versammelt habe, um ihnen zu erklären, daß der Marichbesehl nach der Saar spätestens Ende Januar gegeben werde. Am 30. Januar werde ein Sonderkorps der SA. sich ans einer bestimmlen Station zusammenfinde«, um noch in dein Augenblick der Bötkerbundsdiskussion die Saargrenze zu überschreiten."— Wickham Steed ist ein sehr seriöser Journalist, der überlegt, was er sagt. Trotzdem glauben wir nicht, daß Göring so unvorsichtig war, sich in einem größeren Ftthrerkreiie wie vor- stehend zu äußern.?aß aber Pläne bestehen, wie Wickham Steed sie andeutete, steht außer Zweisel. „Teutsche Pressesorgen". Ter deutsche Journalist, der beschuldigt wird, eine Rede des würiiembergischen Wirtschaslsminlftertz nicht ganz richtig wieder gegeben, d. h. gekürzt zu Häven, soll angeblich der Berliner Korrespondent der.„Kölnischen.Jettung" sein. Er soll sich schon In einem Konzentrationslager befinden. ES kann gar nichts schaden, wenn auch Herren der gleichgeschalteten Presse die segensreiche» Einrichtungen des von ihnen so gepriesenen„dritten Reichs" in unmiltelbarer Berührung kenne« lernen. Frau». Vopelius. Tie wohnen in einer schönen Villa, im Saar- gebiet. Ein kunstvoll schmiedeeisernes Schutzgitler ist ein nnüber- steigbarer Wall gegen den Hunger. Sie schaue» mit inniglichem Blick Ihres RS.-Frauenschafts-AngtS auf die Hatenkreuzsabnen an Proletariersenstern. Tieie Ihre„Schwestern" haben Sie, wie schon öfters In den letzten Monaten, nach Berlin vor den berühmten Vlaunahl-Vlick des Führers gebracht. Jüngst habe» Sie sich persönlich an„Mein Volk" in einem Erlaß gewandt. Sie haben darin den Frauenschastlerinnen an der Saar bittere Vorwürfe gemacht, weil Tie häufig beim deutschen Gruß das Handtäschchen am Arm hielten. Sie gaben dann ein genaues Arm-Exerzierreglement, wie man den.Keigeiinger, die Hand, de» Ann in eine harmonische Verbindung miteinander bringen müsse. Ta siel uns eine alte, aber wahre Geschichte von Ihnen ein. Sie empfahlen vor dem Kriege einmal ein patentes Mittel gegen proletarische» Kinderreichtum. Tie Arbeiterfrauen müßten, um die Gelüste ihrer Männer zn dämpfen, immer eine Waschbütte mit eiskaltem Wasser bereithalten. Auf diese Weise wurden Sie schon damals in Teutschland berühmt. Ihre Empfehlung war die einfachste Lösung der problematischen soziale» und schnellen Frage, über die sich so viele die Köpfe '.erbrachen. Man sprach lange nichl von Ihnen. Nun. in der braunen. Aera, sind Sie wieder ganz in Forin. Jetzt beraten die iaarländiichens Frauenveretne über ein sinniges Geickenk zum siebzigsten GeburtS- tag sür Tie. Jede Arbeiterfrau, po heißt es in de» Ausrufen der- Qrgane der..deutsche» Front", soll ein- Scherflein dazu beitragen. An diesem Ehrentage herzlich teilnehmend, gestatten wir uns, eine bronzene Waichbiitte als Geschenk vorzuschlagen. Paul Zchesser. Sie sind nun seit einigen Monaten Ebesredak» teur des„Berliner Tageblatts". In Nr. 524 Ihres Blattes lieft man einen Artikel aus Jhiir Feder, der sich mit dem Besuch von Gömbös in Rom beschäftigt. Tie jchreibe» wörtlich:„Wenn in Rom der Wunsch bestehen sollte, die ungarische Frage dilatorisch zu be- handeln, bliebe es fraglich, b b das möglich ist, denn falls in Paris und Belgrad im mindesten der Eindruck gewonnen würde, daß Italien Ungarn weiterhin stützt, dann ergäbe sich eine voll- komme» neue Lage, gemessen an den Freundschastsversichernngen, die zwischen Italien und Frankreich in diesen Monaten die«tim- mnngsmäßige Vorbereitung zu einem Abkommen geleistet haben. Für Mussolini heißt es nun— diesem Eindruck ist es schwer l i ch z ii u e r s ch l i e ß e n—:„Hie Rhodus, hic salla."— Ein guter deulicher Stilist sind Sie nie gewesen. Damals, als Ihre langen Berichte ans Rußland, England und Amerika kamen, saßen Ihre ehemaligen Kollegen in der Redaktion des„Berliner Tageblatts" schwitzend über ihren Manuskripten, um sie in anständiges und verständliches Teulsch zu übersetze», Tiese Kollegen sind längst herausgeflogen. Nun iit niemand mehr da, der korrigiert. Es war für Sie nicht„schwer sich zu verschließen", als es hieß, das„Berliner Tageblatt" zu bräunen und gleichzeitig für die Restbestände der alten indischen Leser zu tarnen. Hoffentlich weiß es niemand in ihrer nächsten Umgebung, daß Sie einmal in Moskau in die fluni- muntftische Partei eintreten wollten. Auslandszeutral« der Sozialistische« Arbeiterpartei. Wir werden tun. was wir können. Für weiteres zuverlässiges Material bleiben wir dankbar. R. J., Antwerpen. Wir erfahren von Ihnen:' -»Tie belgische Polizei hat in Antwerpen die Zentrale einer von den deutschen Nazis bezahlte und über ganz Belgien verbreitete «pitzelvrganisatlon aufgedeckt. Sie nannte sich.»utisüdische Liga" und verfügte allein zur Beivitzelung der deutschen, in Belgien lebenden Emigranten, über die Zuiniiie von<>00 000 Franken, die i'urn denlicheir Propagandaministerium zur Verfügung gestelll wor- den waren." Für solchen Sport haben der Reichsjägermeister und seine Gestapo immer Geld. An mehrere. Unsres Wissens ist der frühere sozialdemokratische ReichStagsabgeordnete Tr. Kurt Schuhmacher, ein Kriegsbeschädigter, nur noch aus dem üuhberg in Ulm. Außer ihm solle» noch wettere 4S politische Inhaftierte dort im Konzentrationslager sein. Für den Gesamttnhal« verantwortlich: Johann P t tz tn Dud» weiter: für Inserate: Qtto Kuhn in Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Volkslltmme GmbH, Saarbrücken 3» Echlltzenstraße 5,— Schließfach 778 Saarbrücken.